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turi2 edition #19: Wann wird die menschliche Stimme überflüssig, Uli Köppen?

27. Oktober 2022

 
Robo-Plauderei: Als Team Lead bei BR Data arbeitet Uli Köppen an der Schnittstelle zwischen Tech und Journalismus. Künstliche Intelligenz kann durch Audio helfen, Userinnen besser zu erreichen, schreibt sie im Gastbeitrag in der turi2 edition #19. Die menschliche Stimme aber kann sie nicht ersetzen.

Von Uli Köppen

Wann die menschliche Stimme überflüssig wird? Gar nicht. Ebenso wenig wie wir Lust hätten, nur noch in Restaurants mit Fließband-Bedienung zu gehen, hätten wir Lust, Podcasts oder Nachrichten ausschließlich mit synthetischen Stimmen zu hören. Automatisierung kann trotzdem sinnvoll sein, wenn es um Stimme und Audio geht – und auch synthetische Stimmen finden ihren Platz in der algorithmischen Medienproduktion, zumal die Ergebnisse schnell besser werden. Es kommt, wie immer, auf den Anwendungsfall an.

Diese Fälle zu beurteilen, ist unser Job im AI + Automation Lab, bei BR Data und BR Recherche. Im Bayerischen Rundfunk darf ich mit diesen drei interdisziplinären Teams in der Schnittmenge zwischen Tech und Journalismus arbeiten. Wir nutzen Methoden der Automatisierung und Künstlichen Intelligenz für den Journalismus.

Dabei geht es nie darum, journalistische Arbeit oder Persönlichkeit zu ersetzen, sondern darum, sie zu unterstützen. Algorithmische Methoden helfen uns bei investigativen Recherchen, zum Beispiel beim Durchsuchen großer Datenmengen, teilweise auch in anderen Sprachen. Zusätzlich arbeiten wir an neuen Formaten wie automatisierten Texten, Grafiken oder an personalisiertem Audio. Dabei geht es im Kern immer um die Frage, wie wir unsere Geschichten in Zukunft anbieten wollen und unsere User*innen besser erreichen können.

Einer unserer Prototypen bringt Automatisierung und Audio zusammen: Remix Regional ist ein personalisiertes Audio-News-Briefing. Dafür zerteilen wir unsere linearen Regionalnachrichten-Sendungen mit einem Algorithmus in ihre einzelnen Meldungen und reichern sie mit ebenfalls automatisiert erzeugten Metadaten an – in diesem Fall mit dem Ort, über den die einzelne Meldung berichtet. Damit können wir in Sekundenbruchteilen ein personalisiertes Audio-Briefing mit Nachrichten zusammenstellen, das von der Region handelt, für die sich eine User*in interessiert.

Alle Geschichten der turi2 edition #19 – direkt hier im Browser als E-Paper:

 
Auf die Original-Stimmen unserer Sprecher*innen wollen wir dabei nicht verzichten – im Gegenteil, unsere User*innen empfanden diese Stimmenvielfalt bei Tests als abwechslungsreich und aufmerksamkeitsfördernd. Automatisierung hilft uns in diesem Fall, unsere Nachrichten-Kompetenz ins Digitale zu übersetzen und Regionalnachrichten zu personalisieren. Menschliche Stimmen und Journalist*innen brauchen wir dafür auch weiterhin.

Uli Köppen ist Team Lead bei BR Data und baut das AI + Automation Lab auf

(Foto: BR / Lisa Hinder)

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