Köpfe der Kommunikation

Rainer Esser

Status: Rainer Esser ist Chef des Zeit-Verlags und einer der bedeutendsten Verlagschefs in Deutschland.

Geboren am 11. Januar 1957 in Wolfenbuettel

Rainer Esser absolviert eine Lehre bei der Deutschen Bank und studiert Rechtswissenschaften in München, Genf und Athens in den USA. Er promoviert in Regensburg, während er zeitweise bereits als Journalist arbeitet. Esser besucht die Deutsche Journalistenschule in München und ist später Chefredakteur verschiedener juristischer Fachtitel, bevor er ins Verlagsgeschäft wechselt. Dort führt er zunächst den Spotlight-Verlag, später die Mediengruppe Main-Post. Seit 2011 ist Esser Geschäftsführer der DvH Medien und bereits seit 1999 Chef des Zeit-Verlags.

E-Mail: esser@zeit.de

Profile:
Wikipedia

Rainer Esser im turi2-Podcast über die Strategie der “Zeit”.

Rainer Esser im Interview mit turi2.tv im August 2018 über die Angst der Verlage vor Facebook.

Rainer Esser im Interview mit turi2.tv im Dezember 2015 über die Marke “Zeit”.

Rainer Esser über sein Vorbild Marion Dönhoff in der turi2 edition #12, Vorbilder:

Rainer Esser in der turi2 edition1:
“Zeit”-Chef Rainer Esser und sein Königreich der Diversifikation.

Rainer Esser im Januar 2009 im turi2.tv-Fragebogen:

Das Geburtstagskind der Branche im Januar 2017:
Wir graturilieren: Rainer Esser wird 60.

Alle Köpfe im turi2-Index unter turi2.de/koepfe

Rainer Esser bei turi2:

    • Zitat: Rainer Esser gratuliert den mächtigen Plattformen.

      “Es gibt da diesen Spin: Weil diese Firmen so viel Geld verdienen und einen großen Marktanteil haben, müssen sie böse sein. Ja, es sind große, mächtige Plattformen mit sehr gut funktionierenden Geschäftsmodellen. Da kann ich erstmal nur sagen: herzlichen Glückwunsch!”

      Rainer Esser, Geschäftsführer des “Zeit”-Verlags, teilt “das Jammern über Google und Facebook” nicht, sagt er im Meedia-Interview. Esser hält die Diskussion um die großen Plattformen als mögliche Konkurrenz für “nicht zielführend.”
      meedia.de (Paid)

    • turi2 am Abend: Telekom, Matthias Dang, Karin Immenroth


      Redaktion: Tatjana Kerschbaumer und Andreas Grieß
      Newsletter online lesen


      Telekom sichert sich die Rechte an allen Fußballspielen der EM 2021, WM 2022 und EM 2024.
      Telekom-Tor: Die deutsche Telekom sichert sich die Rechte für die Fußball-Europameisterschaft 2021, die Weltmeisterschaft 2022 und die Europameisterschaft 2024 der Männer. Das Unternehmen darf auf ihrer Plattform Magenta TV als einzige Anbieterin sämtliche Begegnungen der drei kommenden internationalen Fußballturniere zeigen. ARD und ZDF bekommen durch Sub-Lizenzen etwas vom Kuchen ab: 2024 können sie 34 von 51 Spielen der EM zeigen, darunter alle Matches der deutschen Nationalmannschaft sowie Halbfinal-Begegnungen und das Finale. Weitere 17 Spiele der EM 2024 gehen per Sublizenz an RTL. Zehn Spiele der EM 2020 und 16 Spiele der WM 2022 sind ausschließlich im TV-Angebot der Telekom zu sehen.
      weiterlesen auf turi2.de


      Content, Tech, Daten – was Matthias Dang und Karin Immenroth Google & Co entgegensetzen.
      Transparenter werben: “Wir wollen nicht mehr Werbung verkaufen, sondern Wirkung.” Im Video-Interview von “Horizont” und turi2.tv am Rande des Ad Alliance-Events Innovation Now erklären Karin Immenroth und Matthias Dang, wie die Werbe-Tochter von Bertelsmann Google, Facebook und Co ein Schnippchen schlagen will. “Content, Technologie und Daten – auf allen diesen Feldern müssen wir Local Hero sein”, sagt Dang. Der Chef der Ad Alliance sieht sich auf einem guten Weg dorthin und stellt gemeinsam mit RTL-Datenchefin Immenroth das neue Tool “Brand Aid” vor.
      weiterlesen auf turi2.de, youtube.com (9-Min-Video)

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      BUNTE quarterly – Das neue Magazin
      BUNTE setzt weiter auf Wachstum. BUNTE quarterly stellt Macher:innen, Kämpfer:innen und Visionär:innen vor. Ganz im Sinne von Andy Warhols Interview-Magazin bittet BUNTE quarterly Persönlichkeiten zum Gespräch und lässt sie von den besten Fotografen inszenieren.
      www.burda.com

      – NEWS –

      Bad Bank: NDR, SWR und SR gehören zu den Kunden der Pleite-Bank Greensill, berichtet der “Weser Kurier”. Vergangene Woche musste Greensill wegen drohender Überschuldung schließen. Der NDR teilt mit, dass seine Geldanlagen vom Einlagensicherungsfonds gedeckt sind.
      weser-kurier.de, spiegel.de, tagesschau.de


      Zeit Online sortiert die Kultur neu und macht den bisherigen Vize-Ressortleiter Dirk Peitz, 49, zum Chef. Er folgt auf Rabea Weihser, 39, die Zeit Online “auf eigenen Wunsch” verlässt. Judith Liere, 41 (Foto), kommt im Mai als neue Stellvertreterin. Sie leitet aktuell das Kulturressort beim “stern”.
      zeit-verlagsgruppe.de


      Monatlicher Innovations-Input: Sascha Lobo und Cisco starten am 11. März den Podcast “2022 – Zukunft verstehen”, der sich mit Innovationen befasst, die die kommenden Jahre prägen werden. In der ersten Folge geht es um das Thema 5G. Künftig gibt es jeden Monat eine neue Folge.
      channelobserver.de, twitter.com (Ankündigung Lobo)


      Zügiger Abgang: Oliver Janik (Foto), Chief Business Officer von CNX, verlässt die Vermarktungsunit von Condé Nast nach nur sechs Monaten wieder. Janik, vormals Operativ-Chef der deutschen DDB-Gruppe, könnte laut Mehrdad Amirkhizi über den turbulenten Umbau bei Condé Nast gestolpert sein.
      horizont.net (Paid), turi2.de (Background)


      Gras-Wurzel: SevenVentures, Media-Investor von ProSiebenSat.1, beteiligt sich mit einem mittleren einstelligen Mio-Betrag an der Sanity Group. Das Berliner Cannabis-Startup tauscht Unternehmensanteile gegen TV-Werbeminuten, mit denen es seine Hanf-Onlineshops Vaay und This Place bewerben will.
      presseportal.de


      Jogi adé: Joachim Löw tritt nach der Fußball-Europameisterschaft 2021 nach 15 Jahren als Bundes­trainer der deutschen Fußballnational­mannschaft zurück. Der 61-Jährige ist aktuell dienstältester Nationalcoach der Welt. Der DFB will nun “mit Ruhe und Augenmaß einen Nachfolger benennen”.
      dfb.de, faz.net


      Corona-Rückpass: Die DFL muss in der Saison 2019/20 einen Umsatzrückgang von 5,7 % einstecken. Die 2. Bundesliga ist mit einem Rückgang von 7,2 % auf 726 Mio Euro stärker betroffen als die 1. Liga, deren Erlöse um 5,4 % auf 3,8 Mrd Euro sinken. Die Werbe-Erträge in der 1. Liga steigen um rund 5 % auf 889 Mio Euro.
      dfl.de (Pressemitteilung), dfl.de (Wirtschaftsreport, PDF)


      Post-Pandemisch: Die Deutsche Post DHL steigert ihren Umsatz 2020 um 5,5 % auf 66,8 Mrd Euro. Bereinigt um Sondereffekte liegt das Plus sogar bei 8,5 %. Das Ebit steigt um 17,4 % auf 4,8 Mrd Euro. Wachstumstreiber ist vor allem der boomende E-Commerce. 2021 soll das Ebit auf 5,6 Mrd Euro steigen.
      dpdhl.com


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      Patricia Schlesinger, wir müssen reden!
      Patricia Schlesinger, Intendantin des RBB, spricht mit uns über den Wandel in der Arbeitskultur und im Programm des RBB sowie über Verantwortung, Prägung und Haltung.
      Am Mittwoch, 17. März, um 19 Uhr live im turi2 Clubraum bei Clubhouse – und danach als Podcast auf turi2.de. Wir hören uns!
      turi2.de/clubraum, joinclubhouse.com (Link für den iPhone-Kalender)

      Meistgeklickter Link heute Morgen: Andrea Wasmuth, Chefin der Handelsblatt Media Group, kritisiert die frühere Unternehmenskultur in ihrem Haus.
      sueddeutsche.de

      “So viel Geld hätten die beiden nicht mal ansatzweise verdient, wenn sie in der Königsfamilie geblieben wären.”

      Thomas Kleinrahm, Head of Celebrity Relations bei FischerAppelt, schätzt die kommenden Gagen des royalen Pärchens Meghan und Harry auf “500.000 bis 1 Mio Euro pro Auftritt”.
      faz.net, turi2.de (Background)


      “Ich werde im oder nach diesem Sommer nicht als möglicher Bundestrainer zur Verfügung stehen. Ich habe ja einen Job.”

      FC-Liverpool-Trainer Jürgen Klopp erteilt dem DFB in Sachen Bundestrainer-Suche eine Absage – noch bevor er offiziell gefragt wurde.
      kicker.de, turi2.de (Background)


      – BACKGROUND –

      Wessi go home: Westdeutsche Zeitungen kommen in Ostdeutschland kaum an, schreibt Anne Fromm unter Bezug auf ein Diskussionspapier der Otto-Brenner-Stiftung. Die “Süddeutsche Zeitung” verkauft nur 2,5 % ihrer Gesamtauflage in den Neuen Bundesländern, sogar die “taz” kommt gerade mal auf 6 % – Berlin jeweils nicht mitgerechnet.
      taz.de, turi2.de (Background OBS-Studie)


      ZDF kündigt für das bundesligafreie letzte März-Wochenende eine Doku über Dietmar Hopp als “Hassfigur der Ultras” an und erntet aus der “Fanszene” schon jetzt Kritik, berichtet Daniel Bouhs. Er hat den Film bereits gesehen und hat “alles andere als den Eindruck, dass hier pro Hopp oder TSG lobbyiert wird”.
      ndr.de, prisma.de (Doku-Ankündigung)


      Neue Seriosität: Privatsender wollen im digitalen Angebotsdschungel dank Nachrichten- und Infor­mations­sendungen besser auffindbar werden, schreiben Aurelie von Blazekovic und Claudia Tieschky. Grund ist der seit November geltende Medienstaatsvertrag, der Sendern mit “Public Value” höhere Präsenz verspricht.
      sueddeutsche.de, turi2.de (Background Medienstaatsvertrag)


      – Bild des Tages –

      Hoch hinaus: Ein Waldarbeiter klettert im französischen Bercé auf eine 200 Jahre alte Eiche, um den Baum zu fällen. Das Holz wird beim Wiederaufbau des abgebrannten Turms der Pariser Kirche Notre-Dame gebraucht. Die Rekonstruktion das Wahrzeichens benötigt insgesamt 1.000 Eichen, die aus 200 französischen Wäldern in die Hauptstadt kommen sollen. (Foto: Thibault Camus / APA / Picture Alliance)

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      Morgen Abend schon etwas vor? Wie wäre es mit etwas Tango? Die mitreißende ARD-Komödie “Tanze Tango mit mir” zeigt einen Mann in der Midlife-Crisis, der durch den Tango seine Leidenschaft entdeckt. Wie Hauptdarsteller Michael A. Grimm damit zurechtkam, das Tanzbein zu schwingen, lesen Sie hier.


      – BASTA –

      Totgesagte leben länger: Die Website 99bitcoins.com sammelt über 400 Medienberichte, die seit 2010 das Ende des Bitcoins voraussagen. Der Wert ist seitdem von 23 Cent auf 49.000 Dollar gestiegen. Für die Kryptowährung gilt also frei nach Mark Twain: “Die Nachricht von meinem Tod ist stark übertrieben.”
      99bitcoins.com via t3n.de


      Der turi2-Newsletter erscheint werktäglich um 7 Uhr und 18 Uhr sowie am Wochenende um 9 Uhr. Kostenlos bestellen: abo@turi2.de. Einen individuellen Newsalarm ermöglicht die turi2.de/App. Infos zu Live-Events unter turi2.de/clubraum. Infos zur Werbeschaltung.

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    • “Nichts ist für die Ewigkeit.” Wie Thomas Rabe RTL und Gruner + Jahr fusionieren will.


      Überzeugungsarbeit: Bertelsmann-Boss Thomas Rabe verteidigt im “Spiegel”-Interview von Steffen Klusmann, Anton Rainer und Alexander Kühn sein Ziel, die Töchter Gruner + Jahr und RTL näher zusammenzurücken – ob am Ende eine Fusion stehe, sei aber “noch nicht entschieden, wir stehen am Beginn des Prozesses”. Es sei auch denkbar, “nur einige Geschäftsbereiche zu vereinen”. Er plädiere allerdings dafür, die Ressourcen zu bündeln, so könnten beide Einheiten den “Veränderungen besser begegnen”. Im 3. Quartal solle die Entscheidung fallen, im 4. werde sie umgesetzt. Rabe macht keinen Hehl daraus, dass er mit der Fusion auch sparen will: Es gehe darum, die Reichweiten zu bündeln, “gleichzeitig würden durch die Zusammenführung von Strukturen auch Kosten wegfallen”.

      Dass Rabe G+J vor kurzem noch komplett verkaufen wollte, etwa an Burda, dementiert der Manager strikt. Mit dem Gedanken, ProSiebenSat.1 zu übernehmen, spiele er hingegen immer noch – allerdings “nicht unmittelbar”. Durch die geplante Konsolidierung “könnten wir sogar noch mal ein Stück kleiner werden”, sagt Rabe. Er peilt bis 2025 aber ein Umsatzziel von 20 Mrd Euro an und will Bertelsmann “stärker auf Wachstum ausrichten”. Über sein neues Hobby, einen Jagdgrund, sagt er: “Ich kümmere mich dort um den Holzteil. Aufforsten, Waldumbau, CO2-Ausgleich, das interessiert mich. Das Jagen überlasse ich anderen.”
      spiegel.de (Paid)

    • Mein Homescreen: Ole Tillmann.


      Ole Tillmann ist Gründer und Geschäftsführer der Berliner Design- und Innovationsberatung Peak. Vielen ist der 39-Jährige aber sicher eher aus seinen Rollen bei “Unter uns” oder “Mein Leben & Ich” sowie als Moderator von “Top of the Pops” bekannt. Bei turi2 zeigt er den Blick auf sein iPhone 12 Max, mit dem er seine Leidenschaft Tennis verfolgt oder in Kryptowährungen investiert.

      Wer – wie ich – seine Brötchen mit selbst produzierten Coaching-Videos verdient​, der kommt meiner Ansicht nach an der App MixCaptions nicht vorbei. Mit der Anwendung lassen sich ganz automatisch Untertitel hinzufügen, die dann je nach Geschmack angepasst werden können, etwa in der Farbe, Position und Schriftart. Wie wichtig Untertitel für den Erfolg eines Videos sind, weiß mittlerweile jede*r Youtuber*in: Sie erhöhen die Videoabspielzeit deutlich und führen so dazu, dass die Botschaften auch wirklich ankommen.

      Mit meinem Unternehmen Peak biete ich Online-Masterclasses für Führungskräfte an, etwa zum Thema “How to Pitch”. Um diese zu verkaufen, benötige ich Shopify. Die App ermöglicht es mir, die Bestellungen ganz bequem mit dem Smartphone zu verwalten und die Umsätze über den Online-Shop in einem Live-Dashboard im Blick zu behalten. Ein unglaublich gutes Produkt, durch das ich den administrativen Aufwand minimal halten und mich den eigentlichen Inhalten widmen kann!

      Der tägliche Blick in die Corona-Warn-App ist fast schon zur Routine geworden. Seitdem die App im Juni 2020 veröffentlicht wurde, liegt sie auf meinem Homescreen und wird einmal täglich geöffnet. Sie zu nutzen, ist in einem Corona-Hotspot wie Berlin keine schlechte Idee, denke ich. Denn schon alleine durch das kleine Icon werde ich immer wieder daran erinnert, mich an alle Kontaktbeschränkungen und Vorsichtsmaßnahmen wie die AHA-Regel zu halten. Von einer Infektion bin ich .a. deshalb glücklicherweise bislang verschont geblieben.

      Ich handele bereits seit längerer Zeit über Coinbase mit Kryptowährungen​, allen voran mit Ethereum. Den Coinbase-Account habe ich mir vor allem deshalb eingerichtet, um die aktuellsten Entwicklungen in der Krypto-Branche im Auge zu behalten. Ich muss zugeben: Den erneuten Bitcoin-Boom der vergangenen Tage habe ich trotzdem verpasst, aber auch Ethereum entwickelt sich derzeit sehr interessant.

      Ich liebe Tennis. ​Der Sport ist für mich ein wunderbarer Ausgleich zum hektischen Arbeitsleben, deshalb habe ich sogar einen eigenen Tennisverein gegründet: den Tennisfreunde Berlin Mitte e.V.. Die Profis verfolge ich natürlich auch regelmäßig. Um alle Spiele der ATP Tour live oder als Wiederholung sehen zu können, habe ich mir die ATP-Tennis-TV-App heruntergeladen. Ein absolutes Must-Have für alle Tennis-Fans!

      Box to Box ist die App des gleichnamigen Start-ups,​ mit dem man Zugang zu professionellen Fußball-Übungen und Trainingseinheiten bekommt. In Video-Tutorials lernt man von professionellen Trainern – tatsächlich sind es bisher ausschließlich Männer, aber ich hoffe, dass auch bald Trainerinnen dazukommen! – beispielsweise, wie man die eigenen Pass-Skills verbessert oder die Tricks von Ronaldo und Co nachahmen kann. Als Sportbegeisterter bin ich von dieser Trainings-App fasziniert, weshalb meine Frau und ich auch als Business Angels in das junge Unternehmen investiert haben.

      Zuletzt zeigte uns Norman Rohr, Senior Vice President Marketing and Communications bei Uberall, seinen Homescreen. Alle bisher erschienenen Beiträge finden Sie hier.

    • Ist der Chefredakteur der Zukunft ein multimedialer Entertainer, Lars Haider?


      Probieren geht über Studieren:
      Lars Haider, Chefredakteur des “Hamburger Abendblatt”, ermuntert seine Kolleg*innen, neue journalistische Formen auszuprobieren. Interviews seien z.B. durch Podcasts viel authentischer als in der klassischen Form, schreibt er in seinem Gastbeitrag für die turi2 edition #13. Sie können den Beitrag kostenloses E-Paper lesen oder gedruckt bestellen.

      Wenn das ein Kompliment sein soll, sage ich erstmal: danke. Und sonst: Jeder sollte als Chefredakteur das machen, woran er am meisten Spaß hat und was ihm am besten liegt. Ich erzähle in diesem Zusammenhang gern die Geschichte von meinem ersten Neujahrsempfang – immer Anfang Januar lädt das “Hamburger Abendblatt“ 1.000 Menschen ins Hotel Atlantic ein – und meiner damaligen Rede, die ich mit einem Rhetorik-Trainer geübt hatte. Er sagte: “Versuchen Sie bitte nicht, intellektuell zu wirken, das sind Sie nicht.“

      Ich persönlich mag es sehr, neue journalistische Formen jenseits von Texten auszuprobieren – auch, weil man direkt Resonanz bekommt. Und ich glaube, dass es einer Marke wie dem “Hamburger Abendblatt“ hilft, mit Menschen verbunden zu werden. Deshalb ermuntere ich auch meine Kollegen, Videos, Podcasts und Live-Auftritte zu machen, und unserer Zeitung so Gesichter zu geben.

      Lesen Sie alle Geschichten der turi2 edition #13 – direkt hier im Browser als E-Paper oder bestellen Sie das Buch.

      Darüber hinaus stelle ich fest, dass Interviews gerade durch Podcasts, also durch sehr intensive, lange Gespräche, viel besser und authentischer werden als in der klassischen Form. Und, auch das gehört in Zeiten der Digitalisierung zur Wahrheit: Man wäre als Journalist doch schön blöd, ein Gespräch nur aufzuzeichnen, um es hinterher abzuschreiben und dann wegzuwerfen. Also: Ist der Chefredakteur der Zukunft ein Entertainer? Wenn damit gemeint ist, dass man ihm gern zuhört oder zusieht – dann ja!

      Alle Geschichten aus der turi2-edition #13 lesen: turi2.de/edition13

    • turi2 edition #13: Giovanni di Lorenzo über Hoffnung und Hierarchien.


      Ein Jahr wie ein Knacks: Für
      Giovanni di Lorenzo war 2020 ein Jahr voller Zumutungen und – durch Corona – auch privater Tiefschläge. Im Interview mit Markus Trantow für die turi2 edition #13 erklärt er, warum für ihn über dem Jahr 2021 das Wort “Hoffnung” steht. Den fast märchenhaften Erfolg seiner Zeitung führt der “Zeit”-Chefredakteur u.a. auf die “Pluralität der Meinungen” im Blatt zurück: “Immer steht irgendetwas in der ‘Zeit’, was einem selber nicht passt, und das ist gut so!” Sie können das Interview hier im kostenlosen E-Paper lesen oder das Buch gedruckt bestellen.

      Giovanni di Lorenzo, welche Überschrift geben Sie dem Jahr 2020?
      Im Gespräch mit Freunden würde ich sagen: “Ein Jahr wie ein Knacks.“ Ich glaube, diese Corona-Pandemie war ein Knacks für fast die gesamte Menschheit. Roger Willemsen hat einmal ein Buch mit dem Titel “Der Knacks“ geschrieben. Darin beschreibt er Momente von Menschen, in denen sich etwas verändert hat.

      Dabei haben wir das neue Jahrzehnt vor einem Jahr noch so euphorisch begrüßt.
      Wir auch.

      Und jetzt ist 2020 so ein Fehlstart!
      Ja, wenn man Jahre verantwortlich machen will, dann kann man das so sehen.

      Einen Hoffnungsschimmer gibt es am Ende dieses Jahres: Donald Trump ist abgewählt.
      Das Aufatmen in Deutschland war spürbar, auf allen Ebenen. Aber es gibt auch andere Dinge, die gut waren. In Krisenzeiten zeigen sich Menschen von ihrer besten und von ihrer schlechtesten Seite. Vom Besten haben wir auch viel gesehen: Es gab unendlich viel Solidarität, Hilfe und Fürsorge neben all dem Schrecklichen – das wird als Erfahrung im kollektiven Gedächtnis der Menschen bleiben. Und wir haben gelernt, dass wir anders arbeiten können, dass viele Meetings und Dienstreisen nicht nötig sind.

      Sie haben in der “Zeit“ geschrieben, es sei eine Demonstration der Menschlichkeit den Risikogruppen und Schwachen gegenüber, dass wir alle zu Hause bleiben. Hält dieser Konsens?
      Es wird schwieriger. Wir sind so glimpflich durch die erste Corona-Welle gekommen, dass sich auch Menschen, die keine Corona-Leugner sind, gefragt haben: “Das soll’s jetzt gewesen sein? Das war doch vergleichsweise harmlos!“ Ich glaube, dass mit der zweiten Welle die persönliche Bedrohung deutlicher wird, für mich allemal: In meiner Familie hat es zwei Corona-Todesfälle gegeben, einer davon ein sehr naher Verwandter. Ich habe jeden Tag Angst vor dem Anruf, dass es wieder jemanden erwischt hat.

      turi2.tv: Giovanni di Lorenzo im Videofragebogen.

      Sind Sie selbst noch vorsichtiger geworden?
      Natürlich habe ich Angst. Ich war ja schon vor Corona der geborene Hypochonder. Ich will niemanden gefährden, am allerwenigsten die Redaktion und meine Familie. Trotzdem ist mir bewusst, dass ich als Journalist einen systemrelevanten Beruf ausübe. Ich muss sehen, was ich beschreiben und analysieren möchte. Pfleger und Verkäuferinnen können auch nicht aus Angst zu Hause bleiben, obwohl sie sich viel mehr Menschen aussetzen, als wir es tun.

      Im ersten Lockdown hat die große Mehrheit der Menschen mitgemacht, hat Kontakte reduziert und ist zu Hause geblieben. Kippt jetzt die Stimmung?
      Ich erkenne Zeichen von Ungeduld und Unverständnis. Ich sehe auch Unmut, Schmerz und Verzweiflung bei Menschen, die aktuell ihren Beruf nicht ausüben können, zum Beispiel im Kulturbetrieb – zumal manche Regeln nicht konsequent sind. Trotzdem würde ich sagen, dass die Gruppe der Menschen, die Corona leugnet und die Maßnahmen gegen die Pandemie mit den Repressionen nach dem Ermächtigungsgesetz der Nazis vergleicht, eine sehr kleine Minderheit ist. Vielleicht war der Ton in unserer Berichterstattung manchmal so, als stünden die Corona-Leugner schon kurz vor der Eroberung der Regierungsmacht. Das tun sie aber nicht.

      In der Flüchtlingskrise 2015 haben Sie kritisiert, dass viele Medien, auch die “Zeit“, zu euphorisch den Regierungskurs begrüßt und fast schon als Aktivisten gehandelt haben, Stichwort “Refugees welcome“. Haben wir Journalist*innen aus den Fehlern von damals gelernt?
      Zur Flüchtlingskrise und der Berichterstattung darüber habe ich alles gesagt, auch wenn ich die eine oder andere Formulierung von damals heute nicht wiederholen würde. Ich finde die Töne während der Pandemie differenzierter und das meiste sehr informativ. Wir haben in der “Zeit“ schon Ende März einen Titel mit der programmatischen Frage “Alle Macht dem Virus?“ gebracht und darin viele Probleme angesprochen. Und auch jetzt in der zweiten Welle geben wir Menschen und Meinungen Raum, die Zweifel äußern. Wir sagen jedoch nicht: “Wir nehmen die Krankheit nicht ernst.“ Das ist ein Standpunkt, den man keinem vernünftigen Menschen empfehlen kann.


      Foto: Johannes Arlt

      Kann man mit Corona-Leugnern diskutieren – oder soll man es lassen?
      Wie kann man mit Menschen diskutieren, die denken, Corona-Impfstoffe würden aus Föten gemacht? Was soll man den Leuten sagen, die behaupten, die Pandemie sei harmloser als ein Schnupfen? Ich glaube aber, dass es wichtig ist, um die Menschen zu kämpfen, die man noch erreichen kann. Sonst droht der Gesellschaft eine schleichende Vergiftung, die bleibt.

      turi2.de Podcast: Giovanni di Lorenzo über 2020, Solidarität und Streitkultur.

      Steigt die Zahl der Menschen am politischen Rand, mit denen nur noch schwer zu reden ist?
      Diese Menschen gab es schon immer. Mein sehr schlauer Kollege Sascha Lobo hat mal gesagt, dass wir sie seit der Erfindung der neuen Medien nur deutlicher sehen. Ich habe das noch selbst erlebt bei Familienfeiern in Deutschland: Da gab es den einen Onkel, der stand der NPD nah. Den hat man aber, wenn überhaupt, nur alle zwei Jahre gesehen und sich dann kopfschüttelnd abgewendet. Was mir Sorgen bereitet, ist, dass dieses Schreien von den Rändern viel größere Resonanzräume findet als früher, so dass man manchmal das Gefühl hat, dies beherrsche den Diskurs. Wobei Diskurs schon das falsche Wort ist. Denn Diskurs bedeutet, sichmit den Argumenten des jeweils anderen auseinandersetzen zu wollen – und das kann ich oft nicht mehr erkennen.

      Sie haben in der “Zeit“ ein Ressort für Pro und Contra: die Streit-Seiten. Klappt es noch, Menschen mit widersprüchlichen Meinungen ins Gespräch zu bringen?
      Grundsätzlich klappt es sehr gut, die Paare zu finden. Trotzdem gelingt nicht jedes Gespräch, etwa weil es ein Ungleichgewicht zwischen den Kontrahenten gibt oder die Standpunkte nicht unterschiedlich genug sind. Ich stelle aber fest, dass die meisten Leserinnen und Leser sich über das Format freuen, weil sie immer wieder mit etwas Neuem konfrontiert werden.

      Die “Zeit“ gilt ja als diskussionsfreudiges Haus. Wie halten Sie diese Kultur während des Lockdowns mit den vielen Kolleg*innen im Home-Office am Laufen?
      Wir haben niemanden ins Home-Office geschickt, und wir haben auch niemanden aus dem Home-Office zurückbeordert. Jeder arbeitet so, wie er es für richtig hält – natürlich immer in Absprache mit den Ressortleitern. Wir sind ja im Prinzip ein anti-autoritärer Laden. Natürlich bleiben immer wieder Kolleginnen und Kollegen zu Hause, einfach weil wir sonst die Hygiene- und Abstandsregeln nicht vernünftig einhalten könnten. Aber ich kenne hier in Hamburg niemanden, der aus Prinzip daheim bleibt. Und dafür bin ich unendlich dankbar. Es waren immer Menschen hier, auch zu den dramatischsten Zeiten. Und davon haben wir enorm profitiert: Eine bessere Schlagzeile, eine bessere Bild-Auswahl oder Aufmachung entstehen oft im kurzen Moment des Zurufs und des Austauschs. Das kriegt man digital auch hin, es ist aber schwieriger.

      Lesen Sie alle Geschichten der turi2 edition #13 – direkt hier im Browser als E-Paper oder bestellen Sie das Buch.

      Die Belegschaft der “Zeit“ war zu Beginn der Pandemie in Kurzarbeit. Sie selbst und Geschäftsführer Rainer Esser haben auf ein Viertel Ihres Gehalts verzichtet. Ist inzwischen wieder alles back to normal?
      Ja, wobei ich herausstellen möchte, dass weitere 35 Kolleginnen und Kollegen für zwei Monate freiwillig auf Teile des Gehalts verzichtet haben – aus Solidarität zum Rest der Mannschaft, der drei Monate in Kurzarbeit gehen sollte. Nach zwei Monaten haben wir die Kurzarbeit jedoch beendet, weil wir gesehen haben, dass wieder sehr viel mehr Arbeit da war. Inzwischen sehen wir, dass die Verkäufe so zugenommen haben, dass wir einen großen Teil unserer massiven Verluste bei den Anzeigen, Veranstaltungen und Reisen wettmachen können. Dafür können wir wirklich unserem Schöpfer danken.

      2019 war ein Rekordjahr beim Umsatz, 2020 ist ein Rekordjahr bei der Auflage, also dem Teil, für den Sie verantwortlich sind.
      Das ist eine Teamleistung, dazu braucht es einen starken Verlag. Man kann ein noch so gutes Blatt machen, ohne einen vernünftigen Vertrieb bekommt man es nicht zu den Leuten. Der Auflagenzuwachs hat unsere kühnsten Erwartungen übertroffen. Keiner weiß, wie lange das anhält, und es bildet sich hier niemand etwas darauf ein – aber manchmal stehen wir selbst ungläubig vor diesen Zahlen.

      Geben Sie mal ein, zwei Beispiele?
      Wir hatten jetzt mehrere Wochen hintereinander Verkaufszahlen von etwa 550.000, was auf das Abo zurückzuführen ist, aber eben auch auf den Einzelverkauf, obwohl wir an den Bahnhöfen und Flughäfen natürlich viel weniger absetzen können. Zugleich steigen die Besuche und die Reichweiten von Zeit Online. All das freut uns, macht uns aber in keiner Weise übermütig.

      Was ist das Geheimnis dieses Erfolgs?
      Da gibt es sicher mehr als einen Grund. Was denken Sie denn?

      Ich denke, dass die “Zeit“ es besser als andere geschafft hat, eine Community aufzubauen, also Menschen an sich zu binden, die sich im Umfeld dieser Marke wohlfühlen und bereit sind, der “Zeit“ auf vielen Wegen zu folgen.
      Es kommt aber noch einiges dazu: Ich glaube, dass viele Leserinnen und Leser es wertschätzen, dass bei uns eine gewisse Pluralität der Meinungen sichtbar wird. Eigentlich sollte das eine Selbstverständlichkeit sein, vielleicht ist es das aber nicht mehr. Ich glaube auch, dass das Leseerlebnis der “Zeit“ trotz all dem Schlimmen und Negativen, über das wir berichten, etwas Aufbauendes, Erkenntnisreiches und sogar Tröstliches hat. Ich glaube, dass wir inzwischen besser lesbar sind, dass unser Angebot breiter geworden ist, weil wir nicht nur auf zwei oder drei Genres spezialisiert sind.


      Maske & Mikro: Giovanni di Lorenzo mit Markus Trantow in seinem Büro am Hamburger Speersort. (Foto: Johannes Arlt)

      Wie schaffen Sie es, eine Wochenzeitung zu machen, wenn sich die Weltlage oft innerhalb von Stunden verändert?
      Wir dürfen nicht zu sehr auf tagespolitische Aktualität setzen, das schadet uns im Moment eher. Ein Beispiel: Weil die Wahlen in den USA immer auf den Dienstag fallen, verzögern wir in dieser Nacht unseren Andruck so, dass wir das Ergebnis in der “Zeit“ noch mitnehmen können. Normalerweise sind das die Ausgaben, die sich am besten verkaufen. In diesem Jahr war es anders: Es war morgens um acht noch alles ziemlich unklar. Die Leute am Kiosk haben dafür ein feines Gespür, sie wissen, das Ergebnis bekommen sie in den digitalen Medien schneller. Aber: Die Ausgabe eine Woche später, als wir Kamala Harris und Joe Biden auf dem Titel hatten und nur das Wort “Hoffnung“ als Zeile, hatte dann wieder einen Rekordwert. Damit möchte ich sagen: Statt der tagespolitischen brauchen wir eine emotionale Aktualität. Wir sind dann am erfolgreichsten, wenn wir es schaffen, den Nerv der Menschen, die Stimmung der Woche zu treffen.

      Sehen Sie in Deutschland die Gefahr einer Cancel Culture?
      Die ist in Deutschland viel moderater als in den USA. Aber es gibt auch hier solche Tendenzen und die werden immer dann stark, wenn wir klassischen Medien das aufgreifen und verstärken. Auch meine Kolleginnen und Kollegen haben Angst vor dem Shitstorm, vor dem Rauspicken von Halbsätzen, die sich skandalisieren lassen. Ich wünsche mir, dass wir öfter mal schweigen oder auch dagegenhalten, doch das ist in unserer Blase unbeliebt. Aber die normalen Menschen kapieren es einfach nicht, wenn Barbara Schöneberger sich wegen eines Witzes über das sogenannte “Zigeunerschnitzel“ verteidigen muss. Oder wenn die Songtexte aus den 70er Jahren von Reinhard Mey durchforstet werden nach angeblich rechtslastigen Zeilen oder eine Petition gegen Dieter Nuhr aufgelegt wird. Damit entfernen sich unsere Blasen immer mehr von den Leuten, die wir eigentlich erreichen müssten.

      Der politische Rand wird immer lauter und die Mitte immer dünnhäutiger?
      Jedenfalls geht unsere Dünnhäutigkeit nicht zusammen mit dem Mainstream außerhalb unserer Milieus. Die Welt marschiert fast überall nach rechts, fast überall gibt es rechtspopulistische Bewegungen, die nach der Macht greifen oder schon regieren. Und viele fragen sich nicht, wie sich die Leute, die damit sympathisieren, zurückholen lassen, sondern sie beharren immer stärker auf den Prinzipien ihrer eigenen Denke. Dabei muss die Antwort in einer Demokratie doch sein: Lass uns Mehrheiten organisieren, damit Herr Salvini in Italien nicht an die Macht kommt oder Frau Le Pen in Frankreich. Von den rechten Populisten in Deutschland ganz zu schweigen.

      Welche Aufgabe sehen Sie bei den Journalist*innen?
      Die Menschen zu bekehren wahrscheinlich nicht. Nein, überhaupt nicht. Ich habe nie versucht, zu bekehren. Und ich glaube auch nicht, dass das guter Journalismus ist. Allerdings gibt es historische Ausnahmesituationen, etwa als Berlusconi 20 Jahre lang Italien faktisch beherrscht hat, auch medial. Da war “La Repubblica“ die einzige mächtige Stimme gegen ihn. Die haben sich wirklich dagegen gestellt mit täglichen Kommentaren. Aber sie haben einen hohen Preis dafür bezahlt: Als Berlusconi vorbei war, waren sie fest verortet – und seitdem geht es mit “La Repubblica“ immer weiter abwärts. Ich glaube, dass auch Trump eine Ausnahmeerscheinung in einem lange bewährten, demokratischen System darstellt. Es ist verständlich, dass sich die “New York Times“ auf ihren Kommentar-Seiten so sehr gegen Trump gestellt hat, aber jetzt bin ich neugierig, wie das unter Joe Biden laufen wird. Sich auf eine Seite zu schlagen, hat in der Regel schwere Nebenwirkungen.

      Wie blicken Sie auf das Jahr 2021? Welche Schlagzeile würden Sie sich wünschen?
      Die Schlagzeile, die wir in der “Zeit“ zur US-Wahl hatten: “Hoffnung“. Wir fragen unsere Leserinnen und Leser jede Woche in einer Umfrage, was sie am meisten bewegt hat. Und das ist seit einiger Zeit fast immer das Private. Jeder Mensch verträgt nur eine überschaubare Dosis an schlechten, bedrückenden, bedrohlichen Nachrichten. Die Konsequenz daraus ist aber nicht, den Kopf in den Sand zu stecken. Wir müssen sehen, dass wir mit unseren Medien auch andere Geschichten erzählen.

      Quasi das Gift dosieren?
      Ja, ohne dass man dadurch etwas verharmlost.

      Sie sind seit 16 Jahren Chefredakteur der “Zeit“. In diesen Jahren haben die Chefredakteur*innen bei “stern“ und “Spiegel“ ein Dutzend Mal gewechselt. Warum ist das bei der “Zeit“ so anders?
      Wir haben Verleger, die uns beschützen, wenn es uns mal ganz hart ins Gesicht bläst, und uns Zeit geben, Neuerungen durchzusetzen. Wir waren gezwungen, uns viel früher zu verändern als andere. Und zwar zu einem Zeitpunkt, an dem das Digitale überhaupt keine Rolle spielte. Kurz vor der Jahrtausendwende ging es mit den großen Veränderungen los, weil wir tief in denroten Zahlen waren, weil die Auflage sank, weil der Ruf problematisch war. Wir galten als reines “Lehrerblatt“, die Titelseiten als “Grabplatten“. Das alles zu verändern, und dabei die Leser, die man schon hat, mitzunehmen und neue zu gewinnen, das brauchte Zeit und die haben unser Geschäftsführer Rainer Esser, der ja noch länger dabei ist, und ich bekommen.

      Sie sind 61 Jahre alt. Wie lange wollen Sie noch Chefredakteur sein?
      Das ist eine der wenigen Fragen, die ich Ihnen nicht beantworten kann. Weil das ganz allein die Entscheidung meiner Verleger ist.

      Dieter und Stefan von Holtzbrinck.
      So ist es. Mir muss die Arbeit Freude machen, ich muss einen Sinn darin sehen. Und die Redaktion, die ich führen darf, muss mir weiter das Gefühl geben, dass sie sich von mir führen lässt. Die “Zeit“ kann man nicht Kraft einer hierarchischen Position leiten, wenn das die einzige Qualifizierung ist, nicht mal einen Monat lang. Wir sind Gott sei Dank ein selbstbewusster Haufen aus Überzeugungstäterinnen und -tätern. Und das ist etwas sehr Schönes!

      Wann mussten Sie das letzte Mal zurückstecken mit Ihrer Meinung?
      Ich muss nicht zurückstecken. Es gibt ganz viele Meinungen in der “Zeit“, die ich nicht teile, die ich aber gerne veröffentliche, denn das gehört dazu, und ich weiß, dass es fast jedem hier so geht. Immer steht irgendetwas in der “Zeit“, was einem selber nicht passt, und das ist gut so!

      Haben Sie schon einen Nachfolger im Blick?
      Nein. Aber wenn, dann hätte ich mit Sicherheit nicht nur einen Nachfolger, sondern auch eine Nachfolgerin im Blick. Das ist aber nicht die Frage, mit der ich jeden Tag ins Büro gehe. Was mir sehr wichtig ist: Ich hätte zu keinem Zeitpunkt Zweifel daran, dass es hier Menschen gibt, die die “Zeit“ weiterführen können.

      Alle Geschichten aus der turi2-edition #13 lesen: turi2.de/edition13

      turi2.tv: Giovanni di Lorenzo über Solidarität, Streitkultur und Schlagzeilen.

    • ProSiebenSat.1: Gewinn und Umsatz sinken weniger stark als erwartet.


      Davongekommen: ProSiebenSat.1 schließt das Corona-Jahr 2020 insgesamt besser ab als erwartet. Der operative Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen fällt “auf Basis von vorläufigen und noch nicht geprüften Zahlen” um 19,7 % von 872 Mio auf 700 Mio Euro. Prognostiziert hatte der Medienkonzern im November nur zwischen 600 Mio und 650 Mio Euro. Der Umsatz sinkt leicht um 2,2 % von 4,13 Mrd auf 4,04 Mrd Euro, angestrebt wurden bis zu 3,95 Mrd Euro.

      Damit habe ProSiebenSat.1 die Markterwartungen “deutlich übertroffen”, teilt der TV-Konzern mit – und verweist auf ein gutes 4. Quartal, zu dem “alle Segmente der ProSiebenSat.1-Gruppe” beigetragen hätten. Starker Treiber war demnach das Werbegeschäft mit einem Wachstum in niedrigen einstelligen Prozentbereich.

      Vorstandssprecher und Finanzchef Rainer Beaujean rechnet für 2021 damit, dass sich die Lockdown-Maßnahmen auf das Werbegeschäft im 1. Quartal auswirken werden. Schon im 2. Quartal erhofft er sich für ProSiebenSat.1 aber eine Verbesserung im Vergleich zum Vorjahr. “Wie schon in 2020, erwarten wir als frühzyklisches Unternehmen dann eine schnelle Erholung, sobald die Einschränkungen gelockert bzw. aufgehoben werden”, führt Beaujean aus.
      presseportal.de, handelsblatt.com

    • Willkommen im Club: Gabriele Hässig.

      Willkommen im Club der turi2.de/koepfe: Seit mehr als acht Jahren wacht Geschäftsführerin Gabriele Hässig über die Kommunikation der Pampers-Firma Procter & Gamble im deutschsprachigen Raum. Hässig ist neu im turi2-Club der wichtigsten Meinungs­macher*innen in Deutschland. Schon länger im Köpfe-Index dabei sind u.a. Daniel Drepper, Rainer Esser und Barbara Meier.
      turi2.de/koepfe (Profil Hässig)

    • turi2 edition #12, 50 Vorbilder: Sebastian Rudolph schreibt über Jürgen Klopp.


      The Normal One:
      Jürgen Klopp ist ein Möglichmacher, der das Unvorstellbare Wirklichkeit werden lässt. Sein Erfolgsrezept ist praxiserprobt, vielfach bewährt – und lässt sich hervorragend auch abseits des Fußballplatzes anwenden, schreibt Kommunikationsprofi Sebastian Rudolph in der turi2 edition #12.

      Treffender als die BBC kann man die Tragweite kaum beschreiben: „30 Jahre. 1.149 Spiele. 103.410 Minuten – ohne Nachspielzeit. Das Warten ist endlich vorbei. Der FC Liverpool ist wieder Meister.“ Konstrukteur dieser Leistung ist Jürgen Klopp. Erster deutscher Trainer, der in der englischen Premier League die Meisterschaft holt. Sieben Spieltage vor Schluss – nie zuvor hat es eine Mannschaft geschafft, die Liga so früh für sich zu entscheiden. Wie Klopp führt und Ziele steckt, wie er Leitplanken setzt und Freiräume gibt, wie er mit Erfolgen und Niederlagen umgeht: authentisch. Vorbildlich. Sympathisch.

      Für Jürgen Klopp ist der Beruf Berufung. Er ist bodenständig geblieben, bezeichnet sich als „the normal one“, in Abgrenzung zu so manchem Trainer, dem der Erfolg zu Kopf gestiegen ist. Klopp ist der Gegenentwurf: eine Identifikationsfigur, die weit über den Sport hinaus strahlt. Ansprechbar, empathisch, visionär. Die Meisterschaft mit Liverpool sei das Beste, was er sich vorstellen kann, sagte Klopp mit Tränen in den Augen im TV. Mehr, als er sich je hätte erträumen können.

      Der Traum des Jürgen Klopp, er verläuft schon länger traumhaft schön. Bereits der 1. Juli 2019 geht in die Fußballgeschichte ein. Jürgen Klopp läuft übers Spielfeld, überwältigt vom jüngsten Erfolg seines Teams. Der FC Liverpool hat gerade den bedeutendsten Clubfußball- Wettbewerb der Welt gewonnen: die Champions League. Als Klopp sein Traineramt fünf Jahre zuvor angetreten hat, war der Verein finanziell heruntergewirtschaftet, spielerisch im grauen Mittelmaß gefangen.

      Klopp schrecken solche Herausforderungen nicht ab, im Gegenteil. Er geht positiv an die Dinge heran, ist offen und neugierig, lässt sich von Rückschlägen nicht beirren. Misserfolge gibt es immer wieder. Aber: Wie oft ist man als Kind beim Laufenlernen hingefallen? Wie oft wieder aufgestanden? Weitermachen, dranbleiben, aus Fehlern lernen: Darum geht es. Wichtige Zutaten dieses Erfolgsrezepts sind Mut, Herzblut und Zuversicht. Daraus entstehen Selbstbewusstsein und der Charakter. Ein Weg verläuft nie gerade. Trotzdem muss man sich ambitionierte Ziele stecken. Auf der Wegstrecke arbeitet Klopp mit voller Offenheit.

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      Direkt und wertschätzend, reflektierend und motivierend. Mit klarem Fokus: Erfolg.

      Der 53-Jährige prägt den Charakter seiner Spieler, entwickelt sie weiter. Auch gute Leute können immer noch besser werden. Diese positive Denkweise leben wir auch bei Porsche. Wir entwickeln und qualifizieren unsere Mitarbeiter kontinuierlich weiter. Man muss dabei aus der eigenen Komfortzone herauskommen, um zu wachsen. Das gilt auch für meinen Chef Oliver Blume: Nur weil sich Porsche immer wieder neu erfunden hat, ist Porsche auch Porsche geblieben, sagt er treffend.

      Die Welt ist global und verändert sich rasant. Was heute richtig ist, kann später plötzlich aus der Zeit gefallen sein. Jürgen Klopp macht Stammspielern bewusst, dass sie Leistung bringen müssen, um ihre Führungsrolle ausüben zu können. Und er macht allen Spielern bewusst, dass sie wichtig sind – auf und neben dem Platz. Erfolg ist Teamwork. Und die Arbeit geht weit über das 90-minütige Spiel hinaus. An Strategien muss man immer wieder feilen, die Aufstellung der Mannschaft verändern, Taktiken kalibrieren. Darüber wird Erfolg verstetigt. All das lebt Jürgen Klopp.

      Gleichzeitig hält er die Balance: Fehler massiv zu kritisieren ist nicht seine Sache. Er weiß genau, dass dadurch Angst entsteht. Wer Angst hat, ist nicht erfolgreich. Aus Fehlern muss man lernen dürfen. Auch an dieser Stelle eine passende Parallele zu Oliver Blume.

      Gute Führung bedeutet: Menschen zu inspirieren, etwas zu erreichen, was sie nicht für möglich gehalten hätten. Jürgen Klopp erklärt seinem Team immer wieder: Vieles scheint unmöglich, bis man es geschafft hat.

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    • turi2 edition #12, 50 Vorbilder: Rainer Esser schreibt über Marion Dönhoff.


      Eine Biographie voller Haltung: Aus ihrem ersten Leben als Adelige in Ostpreußen muss
      Marion Gräfin Dönhoff 1945 fliehen. In ihrem zweiten wird sie zur Vordenkerin und moralischen Instanz. Und zum Vorbild für Geschäftsführer Rainer Esser, mit dem sie nicht immer einer Meinung war.
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      In der ersten “Zeit”-Ausgabe, erschienen am 21. Februar 1946, als Hamburg in Trümmern liegt, heißt es: “Wie eine Mauer von Finsternis und Verzweiflung steht die Zukunft vor uns.” Und: “Wir können nur hoffen, ein kleines Licht anzuzünden, um die Pfade zu beleuchten, auf die wir in den nächsten Wochen und Monaten tastend unseren Fuß setzen müssen.”

      Mit leerem Magen, in einem ungeheizten Zimmer des ausgebombten Pressehauses, von selbst gebastelten Petroleumfunzeln beleuchtet: So sitzt sie da, die Gründungs-Mannschaft der neuen Wochenzeitung. Eine Handvoll Idealisten, die nach Jahren verlogener Propaganda mithelfen wollen, wieder eine freie, liberale Presse in Deutschland aufzubauen. Unter ihnen: Marion Gräfin Dönhoff am Beginn ihres zweiten Lebens.

      Ihr erstes beginnt in Ostpreußen. Sie wächst auf im Schloss Friedrichstein, hochwohlgeboren, in einer Welt aus Adel und Reichtum. Im Januar 1945 muss sie fliehen. Als die Russen herandrängen, setzt sie sich bei minus 20 Grad auf ihren Fuchs Alarich. Sieben Wochen dauert ihr Ritt nach Westen. Den Besitz der Familie, ein erstes Leben als Komtess, als Studentin der Volkswirtschaft und Gutsverwalterin – all das lässt sie hinter sich.

      Gerd Bucerius lädt die schreibtalentierte Gräfin im Februar 1946 ein, bei der Gründung der “Zeit” dabei zu sein. Sie ergreift die Chance, ein neues Deutschland mit aufzubauen. Und wird zur Vordenkerin einer neuen Ostpolitik. Sie, die ihre Heimat verlor, streckt die Hand aus zur Versöhnung. Verzichtet auf Bitterkeit und zeigt Mut, nach vorn zu schauen. Ihre Unbeugsamkeit, ihre moralischen Grundsätze, ihre Toleranz und Gradlinigkeit machen sie zur angesehenen Journalistin, gesellschaftlichen Führungsfigur, moralischen Instanz. Zum Vorbild. Nie weicht sie einen Zentimeter von der Überzeugung ab, dass eine Demokratie nur leben kann, wo aufgeklärte, gut informierte Menschen sich auf den Diskurs einlassen.

      Lesen Sie alle Geschichten der turi2 edition #12 – direkt hier im Browser als E-Paper oder bestellen Sie das Buch.

      Die “Zeit” wird für Marion Dönhoff zur neuen Heimat. Sie wird Politik-Ressortleiterin, Chefredakteurin, Herausgeberin. Die hochbetagte Gräfin muss schließlich manche Neuerungen erdulden, die sie für ziemlich verfehlt ansieht: ein neues, später freilich preisgekröntes Layout, zu bunt für ihren Geschmack. Ein ganzseitiges Inhaltsverzeichnis, das sie rundum ablehnt. Schließlich große Vertriebskampagnen, die sie für zu teuer und verzichtbar hält (“Wer die ‘Zeit’ nicht freiwillig und unaufgefordert liest, ist des Blattes nicht würdig”). Dennoch: Als ich 1999 zur “Zeit” kam, durfte ich persönlich erleben, wie sie die Veränderungen konstruktiv-kritisch begleitete, wie sie, die Unbeugsame, sich in nachsichtiger Loyalität gegenüber dem Chefredakteur und mir übte. Und mir wurde klar: Ihre Größe wurzelte auch darin, dass sie sich allem Neuen gegenüber offenhielt. Ihr war bewusst, dass Wandel unumgänglich ist. Um das Bewahrenswerte erhalten zu können, muss man das Veränderungsbedürftige verändern: Das war 1971 die Kernbotschaft ihrer Dankesrede für den Friedenspreis.

      Fast 75 Jahre nach Erscheinen der ersten “Zeit”- Ausgabe ist unsere Aufgabe heute nicht weniger aktuell und herausfordernd: Wir befinden uns, ausgelöst durch das Corona-Virus, in der größten Krise seit dem Zweiten Weltkrieg. Niemand kann vorhersagen, wann und wie diese Krise enden und welches Erbe sie uns in allen Lebensbereichen hinterlassen wird. Nehmen wir uns ein Vorbild an der Gräfin: Nun gilt es, Haltung zu zeigen, sich verdient zu machen für den gesellschaftlichen Zusammenhalt, Orientierung zu geben. Aber auch: sich auf das Neue einzulassen und die unausweichlichen Veränderungen mitzugestalten. Versuchen wir, so mutig zu sein wie sie, die rückblickend einmal sagte: “Ich habe alles immer dem Zufall überlassen. Wenn der kommt, dann packe ich ihn und versuche, etwas Vernünftiges daraus zu machen.”

      Alle Geschichten aus der turi2-edition #12 lesen: turi2.de/edition12