Köpfe der Kommunikation

Wolfgang Link

Status: Wolfgang Link verantwortet als CEO sämtliche Entertainment-Aktivitäten der SevenOne Entertainment Group und ist damit einer der einflussreichsten Medienmanager des Landes.

Geboren am 22. März 1968

Bio: Wolfgang Link studiert Kommunikations-, Kunstwissenschaften und Psychologie. Beruflich zieht es ihn zunächst zu Musical- und Liveproduktionen, u.a. als Theaterleiter am Theatro Centro in Oberhausen, wo er Musicals wie Peter Maffays “Tabaluga und Lilli” inszeniert. 2003 ist er als Producer u.a. für die erste Staffel der Castingshow “Deutschland sucht den Superstar” verantwortlich. Musikalisch wird es auch 2009: Link schickt als Sat.1-Unterhaltungschef erstmals “The Voice of Germany” auf Sendung. 2012 rückt er in die Geschäftsführung von ProSieben auf, seit 2013 agiert er als Geschäftsführer der gesamten deutschen Sendergruppe und übernimmt deren Vorsitz. Ab 2020 agiert er als Vorstand und CEO der SevenOne Entertainment Group.

E-Mail: wolfgang.link@prosiebensat1.de

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Alle Köpfe im turi2-Index unter turi2.de/koepfe

Wolfgang Link bei turi2:

    • Ulrike Simon erklärt den News-Fokus von P7S1 und RTL.

      Alles news macht der Mai: Ulrike Simon beschreibt im “Journalist”, warum ProSiebenSat.1 und RTL in eigene News investieren. Die Macht der internationalen Konkurrenz zwinge die Sendergruppen sich auf das lokale Publikum zu fokussieren. Zudem belohne der neue Medienstaatsvertrag politische Relevanz im Programm mit höherer Sichtbarkeit des Senders. Auch Werbekunden ziehe es zunehmend ins “Umfeld von gesellschaftlich relevanten Themen”, sagt P7S1-Vorstand Wolfgang Link.
      “Journalist” 5/21, S. 56 (Paid), turi2.de (Background)

    • Können Familien-Firmen Nachhaltigkeit besser als Konzerne? So lief der Media-Talk bei Clubhouse.

      Senf dazu: “Der durchschnittliche CEO hat eine Halbwertszeit von drei Jahren.” Michael Durach, Chef des Senf- und Ketchup-Herstellers Develey, ist überzeugt, dass Familienunternehmen grundsätzlich langfristiger denken als Konzerne, da u.a. keine Quartalsziele erreicht werden müssen. Im Mittwoch-Media-Talk bei Clubhouse sind sich er und Wolfgang Bscheid einig, dass Familien-Unternehmen beim Thema Nachhaltigkeit die Nase vorn haben. Am Mittwochmittag haben sie gemeinsam mit Christian Faltin von Cocodibu und turi2-Clubchef Peter Turi eine gute Stunde lang diskutiert. Wolfgang Bscheid von Mediascale gibt zu, dass das Thema Nachhaltigkeit in seiner Mediaagentur anfangs “schwer zu greifen” war. Gerade für jüngere Kolleginnen sei Nachhaltigkeit im Job ein Anspruch und nicht nur ein “Zusatzprojekt”.

      Mit der Green GRP-Initiative sollen Unternehmen bei der Serviceplan-Tochter Werbung künftig klimaneutralisiert buchen können. Bscheid plädiert für einen offenen Umgang mit Konsumentinnen, wenn nicht alles auf Anhieb funktioniert. Michael Durach ergänzt: “Der Verbraucher sieht selbst, dass nicht alles von heute auf morgen möglich ist.” Er findet, dass seine Firma ihre Nachhaltigkeits-Aktivitäten bisher womöglich nicht gut genug kommuniziert hat. So sei der Senf des 1845 gegründeten Familienunternehmens inzwischen klimaneutral, am nachhaltigen Ketchup arbeite die Firma gerade.
      turi2.tv, turi2.de/podcast, spotify.com, podcast.apple.com, deezer.com, audionow.de, turi2.de/clubraum (weiteres Programm)

    • turi2 am Morgen: Ebay, Julia Höpfner, Sat.1.

      Redaktion: Tatjana Kerschbaumer und Björn Czieslik.


      Ebay startet die Einzelhandels-Plattform Ebay Deine Stadt.
      Der weltweite lokale Online-Marktplatz: Ebay startet in Zusammenarbeit mit dem Handelsverband Deutschland die Einzelhandelsplattform Ebay Deine Stadt, die lokalen und regionalen Geschäften neue Verkaufs­möglichkeiten und Einnahme­quellen bescheren soll, berichtet die “Welt”. Das Programm ist darauf ausgerichtet, vor allem Neulingen den Einstieg in den E-Commerce zu erleichtern – Ebay will sie nach eigenen Angaben ein halbes Jahr lang kostenlos coachen. Zum Start am 14. April hat der Konzern zehn Städte ausgewählt, mit dabei sind u.a. Nürnberg, Lübeck und Mönchengladbach. Ebay sei außerdem mit “über 100 weiteren Städten im Gespräch”. In den zehn Modellstädten haben sich mehr als 4.000 gewerbliche Händlerinnen angemeldet, die sich mit über 2,5 Mio Artikeln beteiligen wollen.
      weiterlesen auf turi2.de, edition.welt.de (Paid)

      Zahl des Tages: Stolze 5,43 Mrd Euro erlöst SAP im 1. Quartal 2021 mit ihrem Cloud- und Softwaregeschäft – eine Steigerung von 6 % im Vergleich zu 2020. Für das gesamte Jahr 2021 rechnet der Konzern mit 23,4 bis 23,8 Mrd Euro Erlös aus der Cloud-Sparte.
      handelsblatt.com


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      Mehr Infos unter tvspielfilm.de.

      – NEWS –

      Bild am Sonntag macht Julia Höpfner, 43, zum Mitglied der Chefredaktion, berichtet Medieninsider. Sie übernimmt die Aufgaben von Christoph Hülskötter, bisher Vize-Chefredakteur. Er hat das Blatt verlassen, nachdem er sich mit “BamS”-Chefredakteurin Alexandra Würzbach “überworfen” habe. Höpfner arbeitet seit 2006 bei “Bild”, seit 2019 ist sie Nachrichtenchefin.
      medieninsider.com


      Sat.1 verbannt die erste Folge der neuen Staffel von Promis unter Palmen aus der Mediathek. Grund sind homophobe Äußerungen von Marcus Prinz von Anhalt, der das Format kurz nach dem Start wieder verlassen musste. Der adlige Adoptivsohn soll “in Zukunft in keiner Show von Sat.1 mehr stattfinden”, sagt der Sender.
      rnd.de


      Facebook: Der Hamburger Datenschützer Johannes Caspar eröffnet ein Verfahren gegen den Tech-Giganten, um den Austausch von Nutzerdaten zwischen Facebook und WhatsApp einzuschränken. Facebook verweist u.a. auf jüngste Änderungen, die klarer regeln, wie Daten gesammelt und genutzt werden.
      spiegel.de


      Hessischer Rundfunk startet mit Crime Time ein neues True-Crime-Format für die ARD-Mediathek. Im Fokus stehen hessische Kriminalfälle der vergangenen Jahre. Zum Auftakt geht es um den Fall der entführten und ermordeten Johanna Bohnacker. Im HR-Fernsehen laufen die Folgen ab 15. April immer donnerstags um 21 Uhr.
      hr.de, ardmediathek.de


      EU-Kommission will den Einsatz von Künstlicher Intelligenz in manchen Feldern verbieten. Untersagt sind u.a. die Nutzung von KI für “Social Scoring”, also das Bewerten von menschlichem Verhalten mittels Punktesystem, sowie die Beeinflussung von Menschen oder Gruppen zu deren Nachteil.
      faz.net


      Microsoft 150Microsoft stopft weitere Sicherheits­lücken in seiner E-Mail-Software Exchange und rät Firmen dringend zur Installation der Updates. Auf zwei der vier Lücken hat der US-Geheimdienst NSA hingewiesen. Bereits im März waren durch Schwachstellen in Exchange Zehntausende E-Mail-Server weltweit infiziert worden.
      n-tv.de, heise.de


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      Wie groß ist der CO2-Fußabdruck einer Werbekampagne? Auskunft darüber gibt der GreenGRP, den Serviceplan und Mediaplus in Kooperation mit ClimatePartner vorgestellt haben. Unternehmen können sich künftig dafür entscheiden, dass die von ihnen gebuchte Werbung klimaneutral ist. Alle Infos gibt’s hier!

      Meistgeklickter Link gestern Abend: Der Erfolg der Luca-App beruht vor allem auf geschicktem Marketing, analysiert Benedikt Fuest.
      welt.de

      “Die Union ist in keinerlei Hinsicht auf diese Wahl vorbereitet, weder personell noch inhaltlich.”

      Friedrich Merz gibt den Realisten und sieht CDU und CSU eher chaotisch auf die Bundestagswahl zusteuern – stellt sich aber in der K-Frage hinter Armin Laschet.
      faz.net


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      Peter Limbourg, wir müssen reden!
      Peter Limbourg, Intendant der Deutschen Welle, im Gespräch mit Peter Turi: Zwei alte, hoffentlich weise Männer sprechen über Verantwortung, Haltung und die Veränderungen im Journalismus und in der globalisierten Welt. Heute um 19 Uhr live bei Clubhouse – und ab Donnerstag als Podcast abrufbar.
      turi2.de/clubraum, joinclubhouse.com (Kalender-Link)

      – BACKGROUND –

      Good News are good News: Focus Online will konstruktiver werden und misst mit einem KI-Tool die Nützlichkeit von Texten. Chefredakteur Florian Festl sagt bei Horizont.net: “Wir haben keine konstruktive Schere im Kopf”. Er will nicht nur auf die “negative Abweichung vom Normalen” fokussieren, sondern auch auf Positives den “Scheinwerfer richten”.
      weiterlesen auf turi2.de, horizont.net (Paid)


      Clubhouse steht schon wieder vor dem Absturz, glaubt Lars Bube. Bei der “maroden App” blättere aufgrund von Sicherheitsbedenken und starker Konkurrenz der Lack ab. Nutzerinnen seien “vom virtuellen Palaver schnell gelangweilt” – knapp die Hälfte aller deutschen Clubhouse-Userinnen gebe an, die App nicht mehr zu nutzen.
      ict-channel.com


      Corona-Journalismus: Wissenschaftsjournalist Volker Stollorz bemerkt eine “Politisierung der Pandemie”. Er fordert, Medien dürften bei der Berichterstattung über Corona nicht auf “falsche Ausgewogenheit setzen, bei der jeder mal zu Wort kommt”, sondern müssten einordnen, wer nach wissen­schaftlicher Kenntnis­lage Recht habe.
      deutschlandfunk.de


      Clubhouse-Tipp: Kann ein Familienunternehmen schneller und nachhaltiger agieren als ein Konzern? Und welche Verantwortung haben Werbetreibende für die Gesellschaft? Darüber diskutieren Peter Turi und Cocodibu-Chef Christian Faltin heute ab 12 Uhr bei Clubhouse mit Develey-CEO Michael Durach und Wolfgang Bscheid von Mediascale.
      joinclubhouse.com (Kalenderlink), turi2.de (Podcast nach dem Event)


      Willkommen im Club der turi2.de/koepfe: Bastienne Früh ist Verlagsleiterin der wöchentlich erscheinenden Bauer-Frauenzeitschriften, zu denen Titel wie “Laura” oder “Alles für die Frau” gehören. Früh ist neu im turi2-Club der wichtigsten Meinungs­macherinnen in Deutschland. Schon länger dabei im Köpfe-Index sind u.a. Jörg Quoos, Laura Himmelreich und Rezo.
      turi2.de/koepfe (Profil Früh)


      – BASTA –

      Facebook is a bitche: Die französische Kleinstadt Bitche fällt anglophoner Zensur zum Opfer und verliert dadurch ihre offizielle Facebook-Seite. Abhilfe kommt erst, als der französische Facebook-Chef einschreitet und sich für die phonetische Verwirrung entschuldigt. Für Konzern-Chef Mark Zuckerberg springt immerhin eine Einladung raus – er dürfe sich jederzeit persönlich ein Bild von Bitche machen.
      leparisien.fr via twitter.com/zdfparis


      Der turi2-Newsletter erscheint werktäglich um 7 Uhr und 18 Uhr sowie am Wochenende um 9 Uhr. Kostenlos bestellen: abo@turi2.de. Einen individuellen Newsalarm ermöglicht die turi2.de/App. Infos zu Live-Events unter turi2.de/clubraum. Infos zur Werbeschaltung.

      Ältere turi2-Newsletter lesen >>>

    • Die Krautreporter gehen rechtlich gegen die geplante Presseförderung vor.


      Wehrhaft gegen Wettbewerbs-Verzerrung: Die Krautreporter gehen rechtlich gegen die 220 Mio Euro schwere Presseförderung der Bundesregierung vor. Sie ist laut Ansicht des Online-Magazins verfassungswidrig, weil nur Druckverlage berücksichtigt werden. Zudem verletze sie die Pressefreiheit. Über den Anwalt und Verfassungsrechtler Wolfgang Spoerr haben die Krautreporter Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier per Brief aufgefordert, keine Fördergelder zu bewilligen und auszuzahlen. Sollte Altmaier nicht bis zum 20. April bestätigen, dass er die Presseförderung in der geplanten Form unterlässt, will Krautreporter vor Gericht gehen.

      Zur Begründung heißt es in einem “In eigener Sache”-Artikel: “Wenn der Staat einige Medien fördert und andere nicht, dann greift er in den freien, geistigen und wirtschaftlichen Wettbewerb von Presseunternehmen ein.” Man werde nicht zusehen, “wie die ohnehin privilegierten Druckverlage zusätzlich mit hunderten Millionen von Steuergeldern bedacht werden.”
      twitter.com (Thread Krautreporter), krautreporter.de, drive.google.com (Brief an Altmaier), turi2.de (Background)

    • “Veränderung muss nicht per se negativ sein” – so lief das Clubfrühstück mit Quang Paasch und Wolfgang Bscheid.


      Wohlstand neu gedacht: “Veränderung muss nicht per se negativ sein”, sagt Klima-Aktivist
      Quang Paasch von Fridays For Future beim Clubfrühstück zur Klimakrise im turi2 Clubraum. “Jede Ebene unseres Lebens muss neu gedacht, reflektiert und transformiert werden.” Das Überdenken der eigenen Lebensweise müsse jedoch nicht zwangsweise Verzicht bedeuten. Als Beispiel führt er an, statt vielen kurzen Reisen lieber eine längere zu machen. Zustimmung erhält Paasch von Wolfgang Bscheid, der sich bei Mediascale für Nachhaltigkeit in der Werbeplanung einsetzt: Marken und Werbung müssten es Konsumentinnen “leichter machen”, indem sie “hochattraktive und sozial-akzeptierte Lebenswelten bauen”, die es ermöglichen, einen hohen Lebensstandard zu haben, “der versucht, so wenig Schaden wie möglich anzurichten”.

      Bscheid appelliert: “Bitte unterschätzt mir nicht den enormen Einfluss, den der Konsument mit seiner kleinen Entscheidung am Regal auf die ganz großen Marken hat.” Die Kaufentscheidungen seien der Treiber dafür, dass Gütesiegel und Aussagen zur Nachhaltigkeit in der Kommunikation an Bedeutung gewinnen. Die Mediascale-Mutter Serviceplan bietet Werbekunden nun an, die CO2-Emissionen ihrer Kampagnen auszugleichen. Klima-Aktivist Paasch warnt aber davor, sich mit Indivudal-Entscheidungen zu begnügen: “Dass Gefährliche ist, dass wir denken: ‘Ich lebe jetzt vegan, ich habe mich gegen diese Reise entscheiden und habe ein nachhaltiges Produkt gekauft. Jetzt bin ich eine bessere Person, jetzt muss ich gar keine politischen Forderungen mehr stellen.'”
      turi2.tv (62-Min-Podcast), turi2.de/podcast, spotify.com, podcast.apple.com, deezer.com, audionow.de, turi2.de/clubraum (weiteres Programm)

    • Clubhouse-Tipp: Hirschen Group debattiert über Gendersternchen und Co.

      Clubhouse-Tipp: Die Hirschen Group diskutiert am Montag um 15 Uhr über “Geschlechtersensible Sprache und die Rolle von Kommunikator:innen”. Zu Gast bei Kommunikationschefin Sonja Schaub sind u.a. Jelena Mirkovic, Cornelia Kunze und Wolfgang Lünenburger-Reidenbach.
      joinclubhouse.com (Kalenderlink)

    • Meinung: Eric Gujer nennt Identitätspolitik “Gift”.

      Gender-Gujer: “Identitätspolitik ist ein ätzendes Gift”, kommentiert NZZ-Chefredakteur Eric Gujer (Foto). Der dadurch entstehende Riss in der Gesellschaft ziehe sich durch den linken wie den rechten Mainstream. Was für die einen “Schlachten um die korrekte Bezeichnung der Geschlechtszugehörigkeit” sind, seien für andere Migrations-Konflikte. Am Ende, so Gujer, würden vom “Klassenkampf” lediglich radikale Kräfte wie die AfD profitieren, um einzelne Gruppen auszugrenzen.
      nzz.ch, faz.net (Paid), turi2.de (Background)

    • turi2 edition #13: Christian Maertin über Kommunikation ohne Framing.


      Postfaktische Bedrohung:
      Christian Maertin, Leiter Unternehmenskommunikation bei Bayer, blickt mit großer Sorge darauf, wie sich immer mehr Menschen der Realität verschließen und Verschwörungs-Ideologien anhängen. Auf Wunsch von Verleger Peter Turi hat Maertin seinen Gastbeitrag aus der turi2 edition #13 nochmal erweitert. Maertin beschreibt im folgenden unter anderem, wie Medien und PR-Stellen auf die immer polarisierenderen Debatten reagieren sollten: mit längeren Gesprächsformaten und dem konsequenten Verzicht auf Framing. Sie können das Buch hier als kostenloses E-Paper lesen oder gedruckt bestellen.

      Es war einer dieser Momente, die sich ins Gehirn einbrennen und sich dort für Monate festsetzen: Oktober 2020. Beim Friseur. Seit Jahren lasse ich mir von Maria die Haare schneiden. Maria beherrscht ihr Handwerk. Sie steht mit beiden Beinen im Leben, hat Höhen und Tiefen erlebt, hat zwei Kinder und einen Mann erzogen. Sie ist politisch weder besonders links noch besonders rechts. An diesem Samstag geht es – wie könnte es anders sein – um Corona. Die Medien berichten, dass bald der erste Impfstoff zugelassen werden könnte. Maria fragt: „Wirst Du Dich impfen lassen?“ Ich antworte, leicht irritiert: „Ja, natürlich“.

      Sie entgegnet: „Ich wahrscheinlich nicht. Es weiß ja niemand genau, ob diese Sachen wirklich ausreichend getestet sind. Ich weiß sowieso nicht mehr, welchen Medien und Geschichten ich noch glauben soll.“ Sie erzählt, wie viele YouTube-Videos ihr Freunde und Bekannte schicken und was „erfahrene Wissenschaftler“ wie Wolfgang Wodarg, Sucharit Bhakdi oder Karina Reiss ihr darin raten.

      Diese 30 Minuten beim Friseur passen leider ins Gesamtbild: 70 Millionen Amerikaner glauben, die Wahl zum Präsidenten sei gefälscht. Nur etwas mehr als die Hälfte der Deutschen will sich gegen Corona impfen lassen, obwohl genau das der schnellste Weg aus dieser furchtbaren Pandemie ist. Oder aus meinem beruflichen Umfeld: Mehr als drei Viertel der Deutschen sprechen sich für ein Verbot von chemischen Pflanzenschutzmitteln aus – und ignorieren damit komplett, dass ohne diese Produkte bis zu 40 Prozent der weltweiten Ernten durch Krankheiten und Schädlinge vernichtet würden.

      Lesen Sie alle Geschichten der turi2 edition #13 – direkt hier im Browser als E-Paper oder bestellen Sie das Buch.

      Was treibt Menschen dazu, absurden Theorien zu folgen, für die es keinerlei glaubhafte Belege gibt? Was verleitet sie, Forderungen zu erheben, die bar jeglicher Vernunft sind und katastrophale Folgen hätten? Antworten auf diese Fragen sind zweifellos komplex.

      Ein zentraler Punkt kommt bei der Suche nach Erklärungen aus meiner Sicht aber bislang deutlich kurz: Den Menschen geht es nicht wirklich gut. Psychisch meine ich, nicht physisch oder gar finanziell. Als Gesellschaft müssen wir uns eingestehen: 70 Jahre Frieden, Wirtschaftswachstum und technologischer Fortschritt haben uns zu wohlhabenderen, aber nicht unbedingt zu glücklicheren Menschen gemacht. Da mögen wir uns in Umfragen noch so zufrieden mit unserem Leben zeigen, wer genauer hinschaut, sieht ein anderes Bild: Zwischen 1997 und 2019 hat sich die Zahl der Berufsunfähigkeitstage wegen psychischer Erkrankungen verdreifacht.

      Im Edelman Trust Barometer 2020 haben 73 Prozent der Befragten Angst davor, ihren Job zu verlieren. Sechs von zehn Deutschen glauben, „das System versagt“ und 55 Prozent sagen, der Kapitalismus in seiner heutigen Form würde „mehr schaden als nutzen“. Jeder Zweite fühlt sich mit der Geschwindigkeit des technologischen Fortschritts überfordert.

      Ein solches Ausmaß an Verunsicherung ist doch kein Wunder, bei den Ereignissen im Jahr 2020, sagen Sie? Doch. Die Umfrage fand im Herbst 2019 statt.

      Wer eine Erklärung dafür sucht, warum tausende von Menschen seit Monaten auf die Straße gehen und als angebliche „Querdenker“ absurde Verschwörungstheorien verbreiten, sollte sich daher nicht nur auf das Jahr 2020 konzentrieren, sondern auch einen Blick werfen auf die seelische Gesundheit der Gesellschaft. Wer sich fragt, warum so viele Menschen Populisten auf den Leim gehen und sich nach einfachen Antworten auf gesellschaftlich wichtige Fragen sehnen, sollte sich anschauen, wie sehr die Komplexität und Schnelligkeit der Welt zunehmend droht, uns alle zu überfordern. Nie zuvor wurde dies so deutlich wie im Corona-Jahr 2020.

      Begriffe wie „Information Overload“ oder „Always-On-Mentalität“ mögen vielen von uns ein Begriff sein, den wenigsten ist jedoch bewusst, wie groß die Herausforderung wirklich ist. Allein in den wenigen Jahren zwischen 2007 und 2017 hat die Weltbevölkerung so viele Daten generiert, wie in der gesamten Menschheitsgeschichte zuvor. Prognosen gehen davon aus, dass das Volumen in den kommenden Jahren um etwa 60 Prozent steigen wird – pro Jahr. 2020 luden Social Media Nutzer 147.000 Fotos bei Facebook hoch, teilten 347.000 Instagram-Posts und verschickten 42 Millionen What’s App-Nachrichten – pro Minute. Die Deutschen verbringen heute zehn Mal so viel Zeit im Internet wie im Jahr 2000. Jeden Tag konsumieren wir Informationen, die umgerechnet dem Volumen von fast 200 Tageszeitungen entsprechen.

      In einer immer schnelleren Welt, die uns ständig vor neue persönliche und berufliche Herausforderungen stellt, versuchen Millionen von Menschen dem täglichen Informationstsunami zu entkommen, indem sie auf komplexe Fragen nach einfachen Antworten suchen. Digitale Medien wie YouTube, Instagram oder TikTok sind wie geschaffen für diese Zeit. Einerseits treiben sie mit ihren Milliarden von Nutzern den Information Overflow selbst massiv an. Andererseits bedienen sie mit ihren kurzen Infoschnipseln perfekt die Folgen – nämlich eine kontinuierlich zurückgehende Aufmerksamkeitsspanne.

      Die Netflix-Dokumentation „Das Dilemma mit den sozialen Medien“ zeigt in beeindruckender Form, welch negative Auswirkungen die digitalen Plattformen auf den gesellschaftlichen Diskurs haben. „Provokation und Empörung werden gleich dreifach belohnt. Erstens von Menschen, die sich freuen, wenn mal jemand den Mund aufmacht und klare Kante zeigt. Zweitens reagieren Menschen, die anders denken und sich provoziert fühlen. Und drittens geben die technischen Algorithmen genau dieser provozierenden Art der Diskussion die meiste Reichweite“, schreibt Kommunikationsberater Timo Lommatzsch im aktuellen „PR-Report“.

      Das oberste Ziel von Journalisten genauso wie von PR-Profis ist es, sich Gehör zu verschaffen. Jede Form der Kommunikation, egal ob redaktioneller Beitrag oder Pressemitteilung, ist nur dann gut, wenn sie bei der Zielgruppe auf Resonanz stößt. Die Explosion der Informationen, zwingt uns alle jedoch in einen nie dagewesenen Wettbewerb um das kleine bisschen Aufmerksamkeit unserer Stakeholder. Selbstredend stellen wir alle uns auf dieses Konsumverhalten ein. Die Folge ist, dass Journalismus wie PR immer lauter werden – lauter im Sinne von spektakulärer, kürzer, undifferenzierter, polarisierender. So verpacken wir selbst die Komplexität der Welt auf gefährliche Weise in kleine, leicht konsumierbare Häppchen.

      Aber funktioniert das dauerhaft? Sollten wir uns nicht bemühen, diesem Trend entgegenzuwirken und zu verhindern, dass gesellschaftlicher Diskurs noch weiter in Oberflächlichkeit, Polemik und Gereiztheit abgleitet?

      In der Kommunikation von Bayer haben wir vor drei Jahren den Claim „Dialog statt Deckung“ eingeführt. Dahinter steckt die Überzeugung, dass miteinander reden grundsätzlich besser ist, als übereinander zu reden. Dass es in der PR nicht nur darauf ankommt, für die eigene Perspektive zu kämpfen, sondern auch, zu einem gesamtgesellschaftlichen Konsens beizutragen. Diesen Ansatz verfolgen wir konsequent – auch mit Kritikern, im persönlichen Austausch, auf Podiumsdiskussionen, in Linked-in-Live-Talks oder im digitalen Community Management. Einzige Bedingung: Auch die andere Seite muss ein aufrichtiges Interesse an einem konstruktiven Austausch haben.

      Dabei müssen wir Emotionen wagen! Viele Menschen sind mit nüchternen Fakten nicht (mehr) zu erreichen. Wer den Anspruch hat, sie dort abzuholen, wo sie stehen, muss es schaffen, kommunikativ häufiger den Bauch und weniger den Kopf zu treffen. Grundvoraussetzung dafür ist eine enge Zusammenarbeit zwischen Kommunikations- und Marketingabteilung.

      Komplexe Themen lassen sich schwer in 30 Zeilen oder in 2:30 Minuten diskutieren. Deshalb suchen wir gezielt Formate, die den Raum bieten für einen wirklich differenzierten Austausch. Längere Interviews, Streitgespräche, Radiomagazine oder Podcasts.

      Was die Rolle der Medien angeht, steht es mir als Vertreter der PR nicht zu, kluge Ratschläge zu erteilen. Sehr vielsagend fand ich allerdings, wie Giovanni di Lorenzo, Chefredakteur der „Zeit“, im turi2-Podcast Ende Dezember den erneuten Auflagenrekord seines Blattes erklärte. Neben vielen anderen Punkten nannte er: „Auf Argumente fokussieren, nicht auf Haltung“ und „unterschiedliche Perspektiven abbilden“. Hilfreich finde ich auch den obersten Vorsatz für 2021, den Michael Bröcker, Chefredakteur bei Gabor Steingart und The Pioneer, twitterte: „Den Gedanken zulassen, dass der andere Recht haben könnte.“

      Als Gesellschaft werden wir dem ständig steigenden Daten- und Informationsvolumen wohl nur begegnen können, wenn wir uns davor schützen – durch konsequente Fokussierung auf das wirklich Wesentliche und möglichst viele digitale Auszeiten. Im Englischen gibt es bereits ein Modewort dafür: Digital Detox. Klar ist aber auch: Mit Blick auf die häufig polemischen und populistischen Debatten auf den digitalen Plattformen haben wir als Medien- und Kommunikationsprofis eine Vorbildfunktion. Wer, wenn nicht wir, weiß, wie man einen Ton richtig setzt?

      Ertragen wir es also mal wieder, dass eine andere Meinung nichts per se Schlechtes ist. Kommentieren wir die Tweets Andersdenkender nicht polemisch, sondern sachlich (oder vielleicht mal gar nicht). Diskutieren wir nicht empört und ad hominem, sondern differenziert und faktenbasiert.

      Mein Appell an alle Medienmacher und Medienmacherinnen: Verzichten Sie auf Framing! Begriffe wie Staatsfunk, Gute-Kita-Gesetz, Ackergift oder Genmanipulation, mögen in Politik und PR erlaubt sein, haben in den Medien aber nichts zu suchen.

      Wenn wir uns doch alle ständig daran stören, wie emotional und gereizt der gesellschaftliche Diskurs geworden ist, dann würde ich mir wünschen, dass wir uns in diesem Jahr mal an der eigenen Nase fassen. Halten wir es mit Mahatma Ghandi, der einmal sagte: „Sei Du selbst die Veränderung, die Du Dir wünschst für diese Welt.“

      Alle Geschichten aus der turi2 edition 13 lesen: turi2.de/edition13

    • Willkommen im Club: Kerstin Niederauer-Kopf.

      Willkommen im Club der turi2.de/koepfe: Als oberste Chefin der AGF Videoforschung sorgt Kerstin Niederauer-Kopf dafür, dass Deutschland seine Einschaltquoten bekommt. Niederauer-Kopf ist neu im turi2-Club der wichtigsten Meinungs­macher*innen in Deutschland. Schon länger dabei im Köpfe-Index sind u.a. Albrecht Hengstenberg, Gwendolyn Rautenberg und Wolfgang Link.
      turi2.de/koepfe (Profil Niederauer-Kopf)

    • Ulrike von Mirbach ist neue Leiterin bei Mini Deutschland.

      Ulrike von MirbachFrauenpower: Ulrike von Mirbach steigt zur Chefin bei Mini Deutschland auf und ist damit die erste Frau an der Spitze der BMW-Tochter. Von Mirbach arbeitet seit 15 Jahren für BMW und war dort zuletzt für das Marketing und Produktmanagement verantwortlich. Ihr Vorgänger Wolfgang Büchel übernimmt die Leitung der Vertriebsgesellschaft BMW Australien.
      horizont.net