Was macht eigentlich Jürg Marquard?

 
Jürg Marquard war einst der junge Wilde unter den Verlegern. turi2 erwischte ihn via Mail auf seiner Yacht in einer Bucht in der Südtürkei.

 

Ein wilder Feger: Jürg Marquard, der Herr ohne Hut. (Foto: JM)

Ein wilder Feger: Jürg Marquard, der Herr ohne Hut. (Foto: JM)

Jürg Marquard, wo sind Sie in diesem Moment?
Ich befinde mich im Moment auf meiner Yacht Azzurra II in einer der schönsten Buchten der Welt in der Südtürkei. Ich nenne diese Bucht Azzurra Bay, weil um die Jahreszeiten, in denen ich sie besuche, diese Bucht “unsere” Bucht ist, weil dann (im Frühling und wie jetzt im Spätherbst) keine anderen Boote mehr dort sind.

 

Was machen Sie gerade?
Ich arbeite an diversen Projekten, unter anderem an einer Restrukturierung der Computec Media, in deren Rahmen wir verschiedene Online-Akquisitions-Möglichkeiten evaluieren.

 

Und sonst so?
Und sonst freue ich mich an der wunderschönen Natur in dieser herrlichen Gegend und am Abend schaue ich mir – in Ermangelung eines gesellschaftlichen Lebens hier – gute Filme an, die ich mir schon lange zu Gemüte führen wollte.

 

Klingt nach Altenteil. Es ist in Deutschland recht still geworden um Sie, seit Sie Ihre Jugendzeitschriften an Springer und 2012 “Cosmopolitan”, “Joy” und “Shape” an Bauer verkauft haben. Keine Lust mehr auf Zeitschriften?
Ich verlege noch über 30 Zeitschriften in Deutschland, Polen und Ungarn. Dies würde ich sicher nicht tun, wenn ich nicht an die Zukunft von Zeitschriften glauben würde.

 

Mit 20 haben Sie 1965 die Jugendzeitschrift “Pop” gegründet – der Beginn Ihres Aufstiegs. Wo würden Sie als 20-Jähriger heute investieren?
Ich habe als 20-Jähriger nicht investiert, sondern – mit geliehenen 2.000 Schweizer Franken – eine Zeitschrift gestartet. Heute würde ich als 20-Jähriger etwas im Internet starten.

 

Kann man mit Zeitschriften heute noch Millionär und Yachtbesitzer werden wie Sie?
Millionär sicher, wenn man eine gute Idee hat, Yachtbesitzer wahrscheinlich auch – aber da kommt es sehr auf die Größe der Yacht an!
 

Ihre Azzurra II ist ja fast 50 Meter lang, das wird zumindest schwer mit Print. Wie traurig macht Sie der weltweite Niedergang praktisch aller Jugendzeitschriften?
Der Niedergang der Jugendzeitschriften macht mich traurig, aber er war vorauszusehen.
 

Sie haben Ihre rechtzeitig an Springer abgestoßen. Frauenzeitschriften sind aber nach wie vor ein gutes Geschäft. Warum haben Sie Ihren Erfolgstitel “Cosmopolitan” an Bauer verkauft, aber auch “Joy” und “Shape”?
Weil es zunehmend schwieriger wird, als mittelständisches Verlagsunternehmen gegen die großen Verlagskonglomerate
zu bestehen und mit den immer mächtiger werdenden Mediaagenturen im Geschäft zu bleiben.
 

Bauer hat sehr schnell durchgegriffen bei “Cosmopolitan” und Co. Ihre langjährigen Vertrauten Albrecht Hengstenberg und Waltraut von Mengden wurden abserviert. Mitleid?
Dies ist so nicht richtig. Albrecht Hengstenberg konnte von Bauer nicht abserviert werden, weil er gar nicht zu Bauer übergegangen ist, sondern nach wie vor für mein Unternehmen tätig ist. Frau von Mengden ist von Bauer nicht abserviert worden, sondern ist im gegenseitigen Einverständnis aus ihrer Funktion als Geschäftsführerin ausgeschieden. Da sie meines Wissens für gewisse Projekte immer noch in beratender Funktion für den Bauer Verlag tätig ist, nehme ich an, dass sie anständig behandelt wurde. Es geht beiden gut – also keinen Grund zum Mitleid. Wir sind auch nach wie vor eng befreundet.

 

Warum haben Sie bei Computec ausgerechnet in Computerzeitschrften investiert? Denen geht es doch besonders schlecht.
Die Computerzeitschriften, die Computec vor einigen Wochen erworben hat, bewegen sich in einer speziellen Nische. Sie werfen eine ordentliche Rendite ab und der Kaufpreis war vernünftig.

 

Sie und Dirk Manthey gelten als die Lebemänner unter den Verlegern. Haben Sie ihn mal besucht in Malibu?
Nein. ich habe Dirk Manthey nur einmal persönlich getroffen, dies war zu seinen aktiven Zeiten als Verleger in seinem Büro in der Milchstraße.
 

Sie sind jetzt 69. Welche Schritt in Ihrem Leben haben Sie bereut?
Ich schaue nie zurück in meinem Leben, sondern nur vorwärts. Ich bereue nichts, denn alles was ich getan und unternommen habe, bildet heute die Summe meiner Erfahrungen, die ich brauche, um weiter vorwärts zu gehen.
 

j.marquard@jmg.ch, bilanz.ch (Porträt), marquard-media.com (Lebenslauf), schweizer-illustrierte.ch (seine Yacht), schweizer-illustrierte.ch (Bildergalerie)