Meinung: Clubhouse stillt Bedürfnis nach “Talk auf dem Flur” und ersetzt Konferenzen.


In Schnatter-Stimmung: Am Wochenende hat die Kommunikations- und Tech-Branche in Deutschland ihre Twitter-Feeds mit der Audio-App geflutet, heute versuchen sich Journalist*innen und das Social-Media-Personal an Erklärungen für den plötzlichen Clubhouse-Hype. Daniel Hüfner, Alex Hofmann und Hannah Schwär von Business Insider sehen die iOS-App "ein bisschen wie Twitter, nur mit Ton statt Text" – und als Ersatz-Programm für die wegen Corona ausgefallenen Konferenzen. So sieht es auch Jan Nicolas König bei "Horizont": Das Tool befriedige das Bedürfnis nach "Talk auf dem Flur", der derzeit nur eingeschränkt möglich ist.

Die starke Nachfrage hierzulande ist zwar neu, die App dagegen nicht, in den USA ist sie schon seit letztem Frühjahr für Apple-Geräte verfügbar. Roland Eisenbrand zeichnet bei OMR nach, wie Digital-Unternehmer Philipp Glöckler und Berater Philipp Klöckner jetzt den Stein in Deutschland ins Rollen gebracht haben – per Telegram-Gruppe. Julian Heck attestiert der App "ein riesiges Suchtpotential". Startup-Verbandschef Christian Miele freut sich, dass dort statt Social-Media-Agenturen die eigentlichen Profil-Inhaber*innen vorm Mikro sitzen. Medienkritikerin Samira El Ouassil nimmt die App bei Übermedien mit einer Parodie aufs Korn.

Kritisiert wird an Clubhouse, dass Nutzer*innen dem Teilen ihres kompletten Adressbuchs mit dem Anbieter zustimmen müssen, wenn sie andere Leute einladen wollen. Auch das Mitschneiden von Gesprächen durch das dahinterstehende Unternehmen gilt als problematisch, ebenso wird der Männer-Überschuss in den Audio-Runden bemängelt. Marvin Schade erinnert daran, dass Clubhouse bereits in der Vergangenheit zu wenig moderiert habe – und die App vergangenen Herbst durch Konferenzräume mit offen antisemitischen Äußerungen auffiel.

Hüfner, Hofmann und Schwär fassen zusammen: "Nach dem anfänglichen Hype, nach den Wintermonaten und nach den Corona-Beschränkungen wird sich die App erneut beweisen müssen." (Foto: Christoph Dernbach / dpa / Picture Alliance)
businessinsider.de, horizont.net (Paid), omr.com, julianheck.de, uebermedien.de (Parodie), twitter.com (Tweet Miele), medieninsider.com (Paid), bild.de, wuv.de



Mitarbeit: Tatjana Kerschbaumer

Meinung: Clubhouse kommt zur richtigen Zeit.

Clubhouse, Social-Audio-App, erwischt den perfekten Zeitpunkt für ihren Hype, schreibt Jan Nicolas König. Das Tool befriedigt das Bedürfnis nach "Talk auf dem Flur", was derzeit persönlich kaum machbar ist. Besonders Clubhouse-affin sind aufgrund mangelnder Bühnen-Inspiration Deutschlands Marketing-Vordenker*innen. Roland Eisenbrand zeichnet bei OMR nach, wie Digitalunternehmer Philipp Gloeckler und Digitalberater Philipp Klöckner den Clubhouse-Hype in Deutschland ins Rollen gebracht haben. Julian Heck attestiert der App nach zwei Tagen "ein riesiges Suchtpotential". Samira El Ouassil nimm den Hype um die App mit einer Parodie aufs Korn.
horizont.net (Paid), omr.com, julianheck.de, uebermedien.de (Parodie)

Kommunikationsbranche entdeckt Social-Audio-App Clubhouse für sich.

Kommunikationsbranche lechzt nach Clubhouse-Einladungen: Die Social-Audio-App gewinnt rasant an Beliebtheit, bisher ist sie nur für iOS verfügbar. Die Nutzer*innen tauschen sich in Audio-Chaträumen aus, jede*r kann sich in laufende Gespräche einklinken. Besonders für Podcast-Hosts ist die App deshalb interessant. Noch ist sie in der Beta-Phase. Marketing-Clou der Erfinder Paul Davison und Rohan Seth: In den Club kommt man bisher nur per Einladung eines Mitglieds.
twitter.com, t3n.de (Erklärung App)