Die ARD ist wie die UNO in klein: Alle reden mit, keiner entscheidet.

Beamtenbund Sachsen will Sitz im MDR-Rundfunkrat einklagen.

MDR-Rundfunkrat: Der Beamten­bund Sachsen klagt gegen die Zusammen­setzung des Gremiums und sieht sich zu Unrecht von einem Sitz im Rundfunk­rat fern­gehalten. Auf einen Widerspruch "vor über vier Monaten" habe es vom Rundfunkrat "keinerlei Reaktion" gegeben, weshalb der Beamtenbund beim Verwaltungs­gericht Leipzig eine Untätigkeits­klage eingereicht hat. Ziel sei u.a., feststellen zu lassen, dass der Gewerkschaft "kraft Gesetzes ein direktes Entsenderecht zusteht".
sbb.de via flurfunk-dresden.de

NDR recherchiert Zusatzeinnahmen von den Sender-Spitzen der Öffentlich-Rechtlichen.

Nebenbei verdient: Das NDR-Rechercheteam führt Nebenverdienste aus Aufsichtsratsposten der Sender-Spitzen von ARD und ZDF auf. NDR-Intendant Joachim Knuth hat mit 23.400 Euro pro Jahr den höchsten Zuverdienst. ZDF-Intendant Norbert Himmler darf maximal 25.000 Euro pro Jahr hinzuverdienen, den aktuellen Betrag nennt der Sender nicht. MDR, WDR und RBB begrenzen die Vergütungen auf 5.000 bzw. 6.000 Euro jährlich. Die Spitzen von BR, HR, SR, Radio Bremen, Deutschlandradio und Deutsche Welle erhalten derzeit keine Nebenverdienste. SWR-Intendant Kai Gniffke spendet die Einnahmen. Insgesamt seien die Zusatzverdienste, mit Ausnahme des NDR, seit 2013 stark gesunken.
tagesschau.de

Zitat: Reiner Haseloff hält Erhöhung des Rundfunkbeitrags vorerst für “nicht vermittelbar”.

"Die Akzeptanz des öffentlich-rechtlichen Systems steht und fällt nicht nur mit den Inhalten, sondern auch mit der Höhe des Rundfunkbeitrags."

Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff sagt im Interview mit der "FAZ", der zuletzt bekannt gewordene Umgang mit den Rundfunkbeiträgen habe die Akzeptanz des öffentlich-rechtlichen Systems "sicher nicht gestärkt". Eine Beitragserhöhung sei auf absehbare Zeit "nicht vermittelbar".
"FAZ", S. 13

BR will bestimmte Nebeneinkünfte von Angestellten auf 5.000 Euro jährlich deckeln.

Zubrot: Der BR will ab 2023 die Summe der Neben­einkünfte seiner Angestellten mit "ARD- oder BR-Bezug" auf 5.000 Euro jährlich deckeln. Die "Welt" berichtet in diesem Zusammen­hang von BR-Technik­direktorin Birgit Spanner-Ulmer, die seit April 2016 demnach insgesamt 440.000 Euro durch ein Aufsichts­rat­mandat bei der Salzgitter AG dazuverdient hat. Zudem habe sie als Vorsitzende des Aufsichts­rats beim BR-Dienst­leister Bavaria Studios & Production Services GmbH seit August 2019 rund 43.000 Euro bekommen. Nach Absprache mit Katja Wildermuth wolle Spanner-Ulmer die Neben­tätigkeit bei der Salzgitter AG im Mai 2023 beenden.
welt.de (€)

“Früher hieß das Radio” – Ein epd-Gespräch mit Oliver Kalkofe und Oliver Welke.


Doppel-Olli: Die Satiriker Oliver Kalkofe und Oliver Welke haben das Medium Podcast entdeckt. Seit dieser Woche sprechen sie im Radioeins-Podcast Kalk & Welk in der ARD-Audiothek über Aktuelles aus Fernsehen, Politik, Kultur und Gesellschaft. Im Gespräch mit Diemut Roether von epd Medien erzählen Kalkofe und Welke über die Renaissance des Wortradios, Kreativität im öffentlich-rechtlichen Rundfunk und den Unterschied zwischen intelligentem und doofem Humor. turi2 veröffentlicht den Interview in der wöchentlichen Reihe Das Beste von epd Medien bei turi2. Weiterlesen >>>

Bayerischer Rechnungshof rügt Finanzen des BR.

Sender-Rüffel: Der oberste bayerische Rechnungshof rügt die Finanzen des BR. Bei 50 % der Kosten sei nicht erkennbar, wofür das Geld ausgegeben worden sei. Auch der BR hat laut Prüfung ein Problem mit Beraterverträgen, die oft auf "Empfehlungen der Geschäftsführung" basieren und als "alternativlos" gelten. Eine eher fragwürdige, sendereigene Schneeraupe hat der BR laut eigenen Angaben mittlerweile verkauft.
bild.de

Business Insider: RBB-Geschäftsleitung debattierte die Beugung des Vergaberechts in der Berater-Affäre.

Schlecht beraten: Die RBB-Geschäftsleitung debattierte offenbar die Beugung des Vergaberechts in der Berater-Affäre um Martin Lepper (Foto), berichtet "Business Insider". Lepper, der in einer Ausschreibung für eine "übergeordnete Immobilienstrategie" das teuerste Angebot abgegeben hatte und deshalb nicht zum Zug kam, sollte demnach trotzdem weiter für den RBB arbeiten – angedacht gewesen sei etwa, seine Stundenanzahl "auf dem Papier" zu reduzieren. Empfohlen hatte Lepper der ehemalige RBB-Verwaltungsratschef Wolf-Dieter Wolf.
businessinsider.de, turi2.de (Background)

Rundfunkkommission fordert Öffentlich-Rechtliche zu einem Bericht auf.


Abliefern, bitte: Die Bundesländer fordern nach den jüngsten Vorwürfen über Vetternwirtschaft und politische Einflussnahme einen Bericht von den Öffentlich-Rechtlichen. Demnach sollen die Häuser "deutlich machen, wie sie ihr Verwaltungshandeln und ihre Transparenzvorschriften anpassen und einheitliche hohe Standards bezüglich Compliance schaffen und einhalten", sagt die Rundfunkkommissions-Koordinatorin Heike Raab der dpa. "Zeitnah" wolle man neue Maßgaben mit den Intendanten von ARD, ZDF und Deutschlandradio diskutieren. Zudem prüfe man, ob nicht auch "gesetzgeberischer Handlungsbedarf" bestehe.

"Polemik hilft nicht weiter", sagt Raab indes zum Vorschlag von Christian Lindner, die Rundfunkbeiträge einzufrieren. Die "große Vertrauenskrise im öffentlich-rechtlichen System" sei geeignet, "den gesamten Qualitätsjournalismus in ein schlechtes Licht zu stellen". Da helfe es nicht, "wenn man jetzt scheinbar populistische Vorschläge macht, die aber nichts zur Verbesserung der Situation beitragen".
sueddeutsche.de, turi2.de (Background)

Radio Bremen veröffentlicht seine Compliance-Regeln.

Regelwerk: Radio Bremen macht sein Compliance-System öffentlich, über das der Rundfunkrat am Donnerstag beraten habe. Jedes Gremienmitglied habe nun "die Möglichkeit, alle Dienstanweisungen und sonstigen internen Regelungen durch einfachen elektronischen Zugang selbst zu überprüfen". Derweil meldet der Sender für 2021 einen Jahresüberschuss von 0,2 Mio Euro. Die Gesamterträge lagen 2021 bei 114,9 Mio Euro, rund 4,4 Mio Euro höher als im Vorjahr.
radiobremen.de (Compliance), radiobremen.de (Jahresabschluss)

Debatte: Die FDP profitiert von der ÖRR-Krise.

Krise als Chance: Bundesfinanzminister Christian Lindner liefert in der Diskussion um die Öffentlich-Rechtlichen "Argumente, die anschlussfähig sind, aber nichts Bedrohliches oder Umstürzlerisches an sich haben", schreibt "Zeit"-Autor Paul Middelhoff. Wie bei Corona könnten die Liberalen "auch dieser Debatte eine Bühne bereiten, auf der das rundfunkpolitische Pendant der Querdenker keinen Platz hat".
zeit.de, turi2.de (Background)

NDR-Beschäftige in Kiel sehen keine Zukunft für “vertrauens­volle Zusammen­arbeit” mit bisherigen Führungs­kräften.

NDR Kiel: Rund 100 Beschäftigte des Landes­funk­hauses Schleswig-Holstein können sich eine "vertrauens­volle Zusammen­arbeit" mit den bisherigen Führungs­kräften in Kiel "nicht mehr vorstellen", schreiben sie in einer zweiten E-Mail an NDR-Intendant Joachim Knuth, berichten "Zeit" und "Spiegel". Sie fordern personelle Konsequenzen, "unabhängig von den Ergebnissen der unterschiedlichen Untersuchungen" im Haus. Die Belegschaft spüren demnach teilweise ein "toxisches Arbeitsklima". Einzelne Führungs­kräfte hätten "über Jahre einen Führungs­stil geprägt und gelebt, der zu viele Kolleg*innen in Angst versetzt, zu oft Wert­schätzung, Fehler­kultur und schließlich inhaltliche Aus­einandersetzung hat vermissen lassen".

Götz Haman schreibt in der "Zeit" jedoch auch, für die Vorwürfe politischer Einfluss­nahme und die Unterdrückung kritischer Recherchen "fehlen weiter Belege". Diese kommen in der E-Mail der Mitarbeitenden auch nicht zur Sprache. Hamann sieht "Wut und Frustration" in der Belegschaft, die er mit einer "Entfremdung zwischen einem Teil der Redaktion und ihren Führungs­kräften" begründet. Nach "Spiegel"-Informationen soll Knuth bereits auf die Mail geantwortet haben. Er könne gut verstehen, dass die Aufarbeitung die Belegschaft belaste, schreibt der Intendant, ohne konkret auf die Forderungen einzugehen. Die Aufklärungs­arbeit werde Klarheit bringen: "Vertrauen Sie bitte darauf, dass ich an einem Neuanfang in Ihrem Landes­funkhaus Interesse habe", schreibt Knuth. Der jedoch sei nicht "über Nacht zu erreichen".
zeit.de (€), spiegel.de, turi2.de (Background)

Debatte: Deloitte-Beauftragung durch den Rundfunkrat NDR Kiel ist “grotesk”, meint Georg Altrogge.

Schlecht beraten: Mit der Beauftragung Wirtschaftskanzlei Deloitte für die Prüfung der Vorwürfe gegen den NDR Kiel hat der Rundfunkrat "ein untaugliches Instrument" gewählt, schreibt "Welt"-Autor Georg Altrogge. Deloitte fehle in der Beurteilung journalistischer Fragen die Kompetenz: Dafür gebe es "hervorragende und unabhängige Experten, die diese Aufgabe angemessener und vermutlich auch viel günstiger erledigen könnten".
welt.de, turi2.de (Background)

Basta: Caren Miosga bricht den Moderations-Rekord bei den “Tagesthemen”.

Moderations-Maschine: Der "ewige Rekordhalter im 'Tagesthemen'-Moderieren", Ulrich Wickert, gratuliert Caren Miosga dazu, jetzt die am längsten amtierende Moderatorin zu sein. 15 Jahre, zwei Monate und ein paar Tage habe Wickert die Sendung moderiert – nun habe seine Nachfolgerin ihn überrundet: "So ist das Leben, aber ich werde es verkraften." Ein Glück für Miosga, dass die Glückwünsche nicht aus Versehen an Frau Slomka gegangen sind.
twitter.com (51-Sek-Clip), presseportal.de


Zitat: Die Öffentlich-Rechtlichen verstehen die “Zeitenwende” nicht, schreibt Michael Hanfeld.

"Es wird für fast alle weniger, nicht mehr. Verzicht ist unumgänglich. Wenn die Öffentlich-Rechtlichen das nicht kapieren, ist ihnen nicht mehr zu helfen."

"FAZ"-Autor Michael Hanfeld wirft ARD und ZDF vor, nicht verstanden zu haben, was "Zeitenwende" bedeutet: In den Sendern sei stattdessen die Rede "vom Finanzbedarf, von Fixkosten und Inflationsausgleich". Christian Lindner habe mit seinen Forderungen, u.a. einem Gehaltsdeckel für die Spitze, recht.
faz.net

ARD startet digitales Kulturangebot.

Kulturheimat: Unter ardkultur.de startet am 26. Oktober das digitale Kultur­angebot "ARD Kultur". Erste Produktionen reichen von Fashion-Serien über True-Crime-Podcasts bis zu Kunst im Metaverse. Zudem bündelt der Sender dort seine Kultur­inhalte der Audiothek und Mediathek. Die Feder­führung von "ARD Kultur" liegt beim MDR. Bettina Kasten steuert den Bereich Partner- und Projekt­management, Kristian Costa-Zahn ist Head of Content.
presseportal.de

Zahl des Tages: P7S1-Chef Rainer Beaujean hat eine Zielvergütung von knapp 3,8 Mio Euro jährlich.

Zahl des Tages: Fast 3,8 Mio Euro beträgt die jährliche Zielvergütung von P7S1-Chef Rainer Beaujean (Foto), errechnet Meedia. Thomas Rabe, CEO der RTL Gruppe, kommt auf rund 1,5 Mio – exklusive seiner möglichen Vergütungen als RTL-Deutschland-Chef. Tom Buhrow, Spitzenverdiener unter den ARD-Intendanten, bekommt im Vergleich nur bescheidene 413.000 Euro.
meedia.de (€)

NDR lässt Vorwürfe gegen Landesfunkhaus Schleswig-Holstein von Deloitte prüfen.


Kanzlei-Knowhow: Der NDR lässt die Vorwürfe gegen das Landesfunkhaus Schleswig-Holstein von externen Beraterinnen des Unternehmens Deloitte prüfen. Die Untersuchung soll zeigen, ob die landespolitische Berichterstattung des Landesfunkhauses in Kiel ausgewogen war und ob bestehende Regeln ausreichend sind, um "unangemessene Einflussnahme" zu verhindern.

Ob ein Verstoß gegen den NDR-Staatsvertrag vorliege, will der Landesrundfunkrat nach Abschluss der Prüfung bewerten. Zudem kündigt die Vorsitzende des Landesrundfunkrats Laura Pooth "weitere Gespräche mit Beschäftigten und Beteiligten im NDR Landesfunkhaus Schleswig-Holstein" an.
presseportal.de, turi2.de (Background)

Zitat: NRW-Staatskanzleichef Nathanael Liminski sieht keine Absenkung des Rundfunkbeitrags.

"Von der üppigen Ausstattung einiger Führungskräfte würde ich noch nicht auf die Grundfinanzierung eines Medienkonzerns schließen."

NRW-Staatskanzleichef Nathanael Liminski hält es angesichts der hohen Inflationsrate "nicht für redlich", den Rundfunkbeitrag zu senken: Weniger Geld könnte zulasten des Programms gehen.
"FAZ", S. 13 (€)

“Tagesschau” entschuldigt sich für Simbabwe-Ente.

Tagesschau App-Logo 150Sorry from Simbabwe: Die "Tagesschau" entschuldigt sich für die am vergangenen Freitag auf ihrer Website veröffentlichte Ente, in der sie über einen angeblich energieerzeugenden Fernseher berichtet hatte. Korrespondentin Jana Genth, die Autorin des Beitrags, begründet, sie sei "den pseudowissenschaftlichen Erklärungen des Protagonisten aufgesessen". Die "Tagesschau" will ob des Vorfalls die Abläufe im Vorfeld von Veröffentlichungen verbessern.
blog.tagesschau.de, turi2.de (Background)

Debatte: Mächtige Frauen werden stärker verurteilt als mächtige Männer.

Zweierlei Maß: Schauspielerin Maren Kroymann stellt im "Extra-3"-Podcast "Bosettis Woche" die These auf, dass mächtige Frauen tiefer fallen als Männer. "Ich glaube, dass es ganz bestimmt auch männliche Potentaten in der ARD gibt, denen man ähnliches vielleicht nachweisen könnte, sagt sie mit Blick auf den Fall Patricia Schlesinger. Das komme aber wohl schwerer heraus, "weil da mehr Leute sind, die zusammenhalten", mutmaßt Kroymann. Dennoch verurteilt sie die Verfehlungen von Schlesinger "aufs Schärfste".
youtube.com (54-Min-Video-Podcast, ab 31:25)

ÖRR-Debatte: Christian Lindner fordert Gehaltsdeckel für Intendanten.

Christian Lindner
Deckel drauf: Die "Bild am Sonntag" findet mit Bundesfinanzminister Christian Lindner einen weiteren Zitatgeber zu der Debatte um die Zukunft der Öffentlich-Rechtlichen. Demnach fordert Lindner im Interview mit dem Blatt einen freiwilligen Gehaltsdeckel für die Spitze, weil dort bisher "teilweise enorm verdient" werde. "Ich bin gegen jede Neid-Debatte, aber kein Intendant sollte mehr verdienen als der Bundeskanzler", sagt Lindner. Es sei eine Selbstverpflichtung nötig, "um mit dem Geld der Gebührenzahler sparsam umzugehen". Die "BamS" rechnet aus, dass Olaf Scholz unterm Strich jährlich 362.288 Euro verdient – also deutlich weniger als etwa WDR-Intendant Tom Buhrow (413.000 Euro) oder Norbert Himmler vom ZDF (372.000 Euro).

Darüber hinaus spricht sich Lindner für eine Reform bei der Anzahl von leitenden und führenden Mitarbeitern in den Sendern aus: "Insgesamt sollten die Chefetagen und Verwaltungen schlanker werden, um stattdessen die Redakteure angemessen zu bezahlen, die die Inhalte machen." Erst kürzlich hatte auch Sachsen-Anhalts Innenministerin und Rundfunkrätin Tamara Zieschang die Deckelung aller Führungsgehälter beim MDR gefordert.
bild.de, turi2.de (Background)

Zitat: SWR-Intendant Kai Gniffke steht zu seiner SPD-Mitgliedschaft.

"Natürlich bin ich im Lauf meiner Arbeit als Reporter, landespolitischer Korrespondent, Chefredakteur und jetzt Intendant oft gefragt worden, wie ich als Parteimitglied denn neutral sein könne. Die wichtigste Antwort darauf lautet: Transparenz!"

Der SWR-Intendant und künftige ARD-Vorsitzende Kai Gniffke bezieht in einem Schreiben Stellung zu seiner SPD-Mitgliedschaft. Jeder könne davon wissen und selbst beurteilen, ob er eine Schlagseite habe. Von Journalistinnen fordert er, "dass sie ihre Arbeit nach professionellen Standards machen und dabei die eigene Meinung von der Arbeit trennen."
dwdl.de

Zwei Arbeitsgruppen sollen die ARD-Reform vorantreiben.

Werkeln herum: Die ARD gründet zwei Arbeits­gruppen, die die Reform der öffentlich-rechtlichen Sender zügig auf den Weg bringen sollen. In der AG Umschichtung soll es darum gehen, "was wir im linearen Rundfunk sein lassen, um dafür mehr im Digitalen machen zu können", sagt WDR-Intendant Tom Buhrow im Presse­gespräch nach der jüngsten ARD-Sitzung. Verantwortlich dafür sind demnach HR-Intendant Florian Hager und BR-Verwaltungs­direktor Albrecht Frenzel. Gemeinsam sollen sie ARD-weit mögliche Programme und Projekte ausfindig machen, die "zugunsten der nonlinearen Zukunftsfähigkeit" der Sender umgeschichtet werden können. Bis 2030 etwa spielt die lineare Verbreitung jedoch weiterhin eine Rolle, sagt Buhrow. Weil die Budgets nicht mehr ausreichen, um sowohl im Linearen als auch in der Mediathek abzuliefern, solle insbesondere ab 2024 eine Umstellung erfolgen. Eng mit der AG Umschichtung hängt die AG Digitale föderale ARD zusammen. Deren Aufgabe ist es, im Digitalen "moderner, agiler, smarter" zusammen­zuarbeiten, erklärt die Intendantin von Radio Bremen, Yvette Gerner. Sie soll gemeinsam mit Hager die zweite Arbeitsgruppe leiten und "effiziente Lösungen finden, bei denen jede Landes­rund­funk­anstalt ihr spezifisches Know-how gezielt einsetzt – ohne Doppel­strukturen". Radio Bremen betreut derzeit den ARD-YouTube-Kanal und steuert mit dem "Y-Kollektiv" einen der erfolgreichsten Kanäle zum Funk-Netzwerk bei.

Zudem bekommen die Justiziare der ARD-Anstalten bei der Versammlung in Bremen die Aufgabe, bis zur Intendanten­tagung im November einheitliche Standards für Compliance-Richt­linien zu entwerfen. Auch soll es eine striktere und einheitlichere ARD-Governance geben. "Das klingt alles ein wenig, als wolle man nach einem Brand mehr Feuerlöscher installieren, statt nach dem Brandherd zu fragen", kommentiert Aurelie von Blazekovic die Vorhaben in der "Süddeutschen". Während der Presse­konferenz beschleiche einen "recht früh das Gefühl, dass diese Sache mit der Krise jetzt mal nicht unnötig aufgeblasen werden sollte". Sowohl NDR-Intendant Joachim Knuth als auch RBB-Interims­präsidentin Katrin Vernau fehlten. Sie könne über den RBB noch nicht viel mitteilen, habe es geheißen. "Ist das die Feuerwehr­frau, die der RBB jetzt braucht?", fragt Blazekovic. (Foto: Henning Kaiser / dpa / Picture Alliance)
dwdl.de, sueddeutsche.de (€)

SWR-Intendant Kai Gniffke übernimmt den ARD-Vorsitz 2023.


Keine Überraschung: Der SWR-Intendant Kai Gniffke übernimmt wie erwartet 2023 den ARD-Vorsitz. Darauf einigen sich die Intendantinnen und Gremien­vorsitzenden der ARD-Rundfunk­anstalten in Bremen. Der SWR übernimmt die Aufgabe somit ein Jahr früher als ursprünglich geplant. Gniffke folgt auf Tom Buhrow, der das Amt nach dem Rücktritt von Patricia Schlesinger Anfang August übergangsweise übernommen hatte. Der WDR-Intendant ist ab 2023 stell­vertretender Vorsitzender der ARD. "Es sind herausfordernde Zeiten für die ARD, die wir nun gemeinsam angehen können", beschreibt Buhrow die Umstände, in denen Gniffke den neuen Post antritt. Nicht nur der RBB steckt nach den Vorwürfen gegen die ehemalige Intendantin Schlesinger in einer Vertrauens­krise, auch beim NDR ist nach Recherchen des Business Insiders von Vettern­wirtschaft und einem internen "Regime des Schreckens" die Rede. "Mit guter journalistischer Arbeit müssen wir für das Vertrauen der Menschen kämpfen", sagt Gniffke zu seiner bevorstehenden Aufgabe. Er wolle "noch deutlicher heraus­stellen, dass wir unabhängig und der journalistischen Qualität verpflichtet sind".

Der SWR-Intendant hatte sich in der vergangenen Woche für ein gemeinsames Mantel­programm der Dritten mit Regional­teilen ausgesprochen. Den Zeitungen der Verlags­gruppe Rhein-Main sagte er, das sei "ein Gedanke, den wir in den kommenden Monaten und Jahren intensiv diskutieren sollten". Eine Einstellung des ZDF oder Ersten sei keine Option. Zudem kündigte Kniffke an, "mit Zähnen und Klauen" etwa Volks­musik­sendungen zu verteidigen. Die Aufgabe des ÖRR sei nicht nur, "harte Themen abzuarbeiten und Probleme zu beschreiben".
presseportal.de, turi2.de (Background)

“FAZ”: Die ARD plant eine Richtlinie für problematische Nutzer-Kommentare.


Kommentar-Kompass: Die ARD will künftig einheitlich regeln, wie sie auf justiziable Kommentare in den sozialen Netzwerken der Sender reagiert, meldet die "FAZ" unter Berufung auf den RBB. Demnach soll eine Richtlinie festlegen, warum und wie lange User von ARD-Accounts ausgeschlossen werden können, u.a. bei Twitter. Auch über die Modalitäten einer späteren Entsperrung werde "von Digitalexperten aus der ganzen ARD" nachgedacht.

Konkret ausgearbeitet scheint die Richtlinie also noch nicht zu sein; der "FAZ" liegen allerdings Informationen vor, wie der verantwortliche RBB derzeit mit heiklen Fällen umgeht. Demnach sperrt der RBB derzeit Nutzer, die mehrfach gegen die Netiquette verstoßen und hebt die Sperre "nach einiger Zeit" wieder auf. Die Dauer der Sperrung beträgt aktuell zwischen einem Monat und einem halben Jahr. Die Zahl der Geblockten liegt innerhalb der letzten drei Jahre "vermutlich etwa im dreistelligen Bereich", lässt der RBB wissen.
faz.net (€)

Lese-Tipp: Wie junge Journalisten die Krise beim ÖRR erleben.

Lese-Tipp: "Als würde ich gar nicht existieren", beschreibt ein freier RBB-Reporter seine Stellung im Haus und beklagt sich über fehlende Wertschätzung. Für die "taz" hat sich Larena Klöckner (Foto) umgehört, wie junge Journalisten die derzeitige ÖRR-Krise wahrnehmen. Mit Blick auf den Schlesinger-Skandal sei es "absurd zu sehen, wo gespart werden muss und was alles nicht bezahlt werden kann", sagt einer. Eine andere Journalistin kritisiert, dass Online-Formate nur als "Produkte nebenbei" verstanden würden und vor allem gut klicken müssten.
taz.de

Öffentlich-Rechtliche wollen bei Dienstreise-Genehmigungen nachbessern.

Kontroll-Krise: In fünf der neun ARD-Anstalten und beim ZDF genehmigen sich die Senderchefs Dienstreisen bisher selbst, berichtet die "Welt am Sonntag". Der NDR will mit einer "Genehmigungspflicht für Intendanten" in seiner Reisekostenverordnung nachbessern, auch der SWR und Radio Bremen kündigen Änderungen an. Künftig könnte es für Ausgaben ARD-weit ein Vier-Augen-Prinzip geben, wie jetzt schon beim WDR und BR.
welt.de via businessinsider.de

Kai Gniffke spricht sich für ein Mantelprogramm der Dritten aus.


Wir sind eins? Der SWR-Intendant und künftige ARD-Vorsitzende Kai Gniffke kann sich ein gemeinsames Mantelprogramm der Dritten mit Regionalanteilen "gut vorstellen", sagt er den Zeitungen der Verlagsgruppe Rhein-Main: "Das ist ein Gedanke, den wir in den kommenden Monaten und Jahren intensiv diskutieren sollten." Eine Einstellung des ZDF oder des Ersten ist für ihn jedoch keine Option: "Ich möchte mir nicht vorstellen, dass wir eines Tages nur noch 'Tagesschau' oder 'heute' haben. So wie ich mir nicht vorstellen möchte, dass wir in Deutschland nur noch eine starke überregionale Zeitung hätten." Gniffke bezeichnet sich selbst in dieser Hinsicht als "ein glühender Verfechter des Wettbewerbs". Zudem tue die Konkurrenz von ARD und ZDF "unserem Angebot in seiner gesamten Breite gut, nicht nur bei der aktuellen Information".

Gniffke will zudem nicht am Unterhaltungs-Auftrag der Öffentlich-Rechtlichen rütteln, "mit Zähnen und Klauen" werde er etwa "Volksmusiksendungen verteidigen, die auch das Unterhaltungsbedürfnis von älteren Menschen ansprechen, die unser Land aufgebaut haben". Generell sehe er zwischen Sendungen wie "Verstehen Sie Spaß?" und dem Dschungelcamp "große Unterschiede". Es sei nicht nur die Aufgabe des ÖRR, "harte Themen abzuarbeiten und Probleme zu beschreiben".
allgemeine-zeitung.de, welt.de
(Foto: SWR)

Auf dem Trockenen: René Martens über den Rückzug der ARD-Sender aus den Kinokoproduktionen.


Förder-Dürre: “2017 beauftragten oder beteiligten sich die ARD-Landes­­rundfunk­­anstalten und die Degeto noch an insgesamt 34 Kino­­spielfilmen”, schreibt der Autor René Martens bei epd Medien. 2020 und 2021 seien es dagegen nur noch an jeweils elf gewesen. Seit Anfang 2022 “Mehren sich Anzeichen”, dass sich “große ARD-Sender mehr und mehr aus der Kino­koproduktion zurückziehen”. turi2 veröffentlicht den Beitrag in Kooperation mit epd Medien in der wöchentlichen Reihe Das Beste von epd Medien bei turi2.
Weiterlesen >>>

Debatte: Die Reformvorschläge für die Öffentlich-Rechtlichen im Realitäts-Check.

Alles nicht so einfach: In der "Süddeutschen Zeitung" unterzieht Medienwissenschaftler Wolfgang Schulz die propagierten Reformvorschläge für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk einem Realitäts-Check. Die Deckelung von Intendantinnen-Gehältern sei bei laufenden Verträgen nicht möglich, auch die Höhe des Rundfunkbeitrags lasse sich nicht so leicht einfrieren. Die Zusammenlegung mehrerer Sender würde Gesetzesänderungen in mehreren Bundesländern erfordern. Sogar ARD-einheitliche Compliance-Regeln seien kein Garant für einen schnellen "Kulturwandel".
sueddeutsche.de (€)

Helmut Markwort beleuchtet die “Verschleierungskette” im Fall Reinhard Scolik.


Guter Rat ist teuer: "Focus"-Kolumnist Helmut Markwort, selbst Mitglied des BR-Rundfunkrats, beleuchtet die "Verschleierungskette" im Fall des ehemaligen BR-Programmdirektors Reinhard Scolik (Foto). Der Rundfunkrat habe zweimal über Scolik diskutiert: Einmal aufgrund seiner vorzeitigen Vertragsverlängerung im Juli 2020, bei der die Rundfunkräte nur mit Ja oder Nein stimmen durften – aus Markworts Sicht "hochproblematisch". Als es nur acht Monate später um die vorzeitige Aufhebung von Scoliks Vertrag ging, waren Fragen zu den Gründen und zur Höhe der Abfindung nur in einer nicht öffentlichen Sitzung erwünscht.

Auch der Ausschluss der Öffentlichkeit erleuchtete den Rundfunkrat allerdings nicht: Die Höhe von Scoliks Abfindung von bis zu 700.000 Euro wollte der Sender dem Gremium nicht nennen. Über die Vereinbarung sei "Stillschweigen vereinbart worden". Zu Gerüchten, der gebürtige Österreicher Scolik hätte bevorzugt eine Wiener Firma "mit bayerischen Aufträgen versorgt", erhielt der Rat ebenfalls keine Auskunft – aus "wettbewerbsrechtlichen Gründen". Markworts Fazit: "Die Mächtigen des Senders lassen die Rundfunkräte nicht gern in ihre Zahlen gucken."
"Focus" 37/2022, S. 114 (€), turi2.de (Background)

NDR: Landesfunkhausdirektorin Sabine Rossbach zieht sich vorerst zurück.

Öffentlich-rechtlicher Abgang: Direktorin Sabine Rossbach lässt vorerst ihre Arbeit im NDR-Landes­funkhaus Hamburg ruhen und wird auch "nicht dauerhaft auf ihre Position zurückkehren", teilt der Sender mit. 70 Beschäftigte hatten der Direktorin nach Recherchen von Business Insider ihr Misstrauen ausgesprochen. Es geht um Vetternwirtschaft und ein internes "Regime des Schreckens". Ilka Steinhausen übernimmt vorerst die Leitung des Landes­funkhauses. Sie leitet außerdem gemeinsam mit Vize-Intendantin Andrea Lütke die Aufklärung zu den Vorwürfen gegen Rossbach.
presseportal.de, turi2.de (Background)

Lese-Tipp: Warum RBB-Interims-Intendantin Katrin Vernau die Probleme des Senders nicht lösen wird.

Lese-Tipp: RBB-Interims-Intendantin Katrin Vernau kann die Probleme des Senders wohl kaum lösen, schreibt Sebastian Köhler. Vernau verkörpere mit ihrer Vergangenheit in Politik und Unternehmensberatung das Problem "struktureller Kopplung zwischen Medien und Politik und Wirtschaft". Zudem sei es schlecht, dass Vernau westdeutsch sein – obwohl rund 80 % der RBB-Nutzerinnen Ostdeutsche seien.
heise.de

Wolf-Dieter Wolf versuchte, RBB-Berichterstattung zu beeinflussen.


Wolf im Schafspelz: Der frühere Chef des RBB-Verwaltungsrats, Wolf-Dieter Wolf, versuchte in mindestens einem Fall, die Berichterstattung des Senders zu beeinflussen, berichtet die "Welt". Der Chefkontrolleur sei 2013 unzufrieden mit zwei Berichten über die Berliner Messe gewesen, bei der er bereits damals im Aufsichtsrat saß. Ein Reporter hatte über Schwierigkeiten beim Bau des City Cube berichtet, der mittlerweile das Internationale Congress Centrum ersetzt. Wolf meldete sich direkt bei einem Mitglied der damaligen RBB-Geschäftsleitung und ließ den Journalisten über den damaligen RBB-Chefredakteur Christoph Singelnstein zum Rapport einbestellen.

Wolf sei bei dem Gespräch selbst mit dabei gewesen und habe die Berichte nicht nur als "viel zu zugespitzt" bezeichnet, sondern auch verlangt, dass der Reporter seine Quellen offenlege. Dieser lehnte ab. Ein Mitglied der damaligen RBB-Geschäftsleitung bestätigte "Welt", dass Wolf direkt in der Chefetage des Senders interveniert habe.
welt.de (€)

Zitat: Micky Beisenherz macht nicht ganz so ernst gemeinte ÖRR-Reformvorschläge.

"Warum Anne Will nicht direkt vom Traumschiff senden soll, das kann mir auch keiner erklären. So käme Karl Lauterbach auch mal an die Sonne."

Micky Beisenherz witzelt in der "Zeit" über die Forderung, der ÖRR solle sich "auf den nackten Informationsauftrag" rückbesinnen – und sieht die Lösung in "hybriden Formaten", weil ARD und ZDF sich nicht von ihren "Unterhaltungsfiletstücken" trennen wollen.
zeit.de (€)

NDR-Justiziar ließ “Tagesschau”-Artikel über Sabine Rossbach vorübergehend offline nehmen.

Küsten-Kappung: NDR-Chefjustiziar Michael Kühn hat den NDR-Artikel zu den Vorwürfen gegen die Hamburger Landesfunkhausdirektorin Sabine Rossbach auf tagesschau.de kurzfristig sperren lassen, berichtet Stefan Niggemeier bei Übermedien. Grund sei eine einzige Formulierung gewesen, die "schwer zu beweisen und möglicherweise nicht zutreffend" sei. Seit heute Nachmittag ist der Artikel nach 16 Stunden Sperre wieder online, der "problematische Satz" wurde geändert.
uebermedien.de, turi2.de (Background)

Fast die Hälfte der Deutschen hält den öffentlich-rechtlichen Rundfunk für unwichtig.

Irrelevant? Fast die Hälfte der Deutschen hält den öffentlich-rechtlichen Rundfunk für unwichtig, ergibt eine aktuelle Civey-Umfrage im Auftrag der "Zeit". 43 % geben an, ARD, ZDF und Co. seien für sie im Vergleich zu anderen Medien "gar nicht wichtig" oder "weniger wichtig", weitere 9 % sind unentschieden. Für immerhin 33 % der Befragten ist öffentlich-rechtliche Berichterstattung "sehr wichtig".
zeit.de, presseportal.de

Patricia Schlesinger weist in der “Zeit” fast alle Anschuldigungen von sich.


Patricia packt aus: Die gestürzte RBB-Intendantin Patricia Schlesinger gibt der "Zeit" ein Interview, in dem sie fast alle gegen sie vorgebrachten Anschuldigungen von sich weist. Sie sei bis heute "erschüttert" über die Wucht der Berichterstattung und darüber, dass die Vorwürfe teils aus ihrem "engsten Umfeld" stammen. Sie habe zwar bemerkt, dass "manche Vorhaben in der Belegschaft nicht gut ankamen", diese Bedenken aber nie "weggebügelt". Offenbar hätten Menschen "gezielt über Wochen und Monate Sachen gesammelt, die sie gegen mich verwenden wollten", was sie nicht bemerkt habe.

Ihr hohes Gehalt habe Schlesinger "erst beim zweiten Vertrag" angeboten bekommen, das viel kritisierte Bonus-System "vorgefunden", als sie zum RBB kam. Auch die umstrittenen Abendessen in ihrer Wohnung sieht Schlesinger nicht kritisch: Sie habe sie "mitnichten heimlich veranstaltet" – stattdessen hätten die kommunikativen Runden dazu gedient, den RBB besser in der Stadt "zu verankern". Schlesinger habe für die Gespräche Angebote von Restaurants einholen lassen, die ihr aber "deutlich zu teuer" waren und daher ihren eigenen Esstisch "zur Verfügung gestellt".

Das viel zitierte italienische Eichenparkett soll ebenfalls nicht auf ihr Konto gehen: "Ich habe gesagt, ich möchte gern Holzboden haben". Über die Kosten von mehr als 16.000 Euro habe sie nicht Bescheid gewusst, "ich hätte da nachfragen müssen". Ebenso missverstanden worden sei der Massagesessel in der Intendanz, den sie "weder bestellt noch benutzt" habe: Das Möbelstück sei für alle Mitarbeiterinnen der Chefetage angeschafft worden – insbesondere für zwei Angestellte mit Bandscheibenvorfall.

Den Verdacht, ihr Ehemann Gerhard Spörl hätte mit dem ehemaligen RBB-Verwaltungsratschef und Chef des Aufsichtsrats der Berliner Messe Wolf-Dieter Wolf "gekungelt", bestreitet Schlesinger. Die Compliance-Untersuchung der Messe habe ergeben, dass die Auftragsvergabe an ihren Mann korrekt verlaufen sei. Aus heutiger Sicht wünsche sie sich aber, sie hätte "ihren Mann gebeten, den Auftrag nicht anzunehmen".

Die Aufregung um sie als Person stehe "stellvertretend für die Wut mancher Menschen auf das System dahinter": "Ich gebe dem Apparat ein Gesicht." Schlesinger schließt nicht aus, dass sie gegen ihre fristlose Kündigung, die sie um ihre Pensionsansprüche bringt, juristisch vorgeht. Sie bedaure aber, dass das gesamte öffentlich-rechtliche System "nun unter Beschuss gerät".
zeit.de (€), turi2.de (Background)

ARD-Spitzen wussten seit Jahren über RBB-Bonussystem Bescheid.

Wusst' ich's doch: Die ARD-Spitzen wussten seit Jahren über das RBB-Bonussystem Bescheid, findet das RBB-Rechercheteam heraus. Das geht aus einem Schreiben aus dem März 2018 hervor, das an die Intendantinnen sowie die ARD-Gremienvorsitzenden ging. Der aktuelle ARD-Vorsitzende Tom Buhrow hatte mehrfach betont, man habe erst im Zuge des RBB-Skandals vom Bonussystem erfahren. Der WDR begründet, das Schreiben habe "nicht das Ausmaß der zusätzlichen Zahlungen" deutlich gemacht.
presseportal.de

RBB-Belegschaft kritisiert Aufstellung von Katrin Vernau als RBB-Interims-Intendantin.

Berliner Beschwerde: In der RBB-Belegschaft regt sich Unmut über die Aufstellung von Katrin Vernau (Foto) als Interims-Intendantin, berichtet der "Spiegel". Es gebe den Eindruck, Vernau werde "als Statthalterin des WDR eingesetzt", kritisiert Dagmar Bednarek, selbst Mitglied der Findungskommission. Weitere geeignete Kandidatinnen seien "nicht gehört worden". Auch der DJV Berlin sieht Vernau kritisch: "Wenn von der Findungskommission nur eine Person vorgeschlagen werden soll, müssen wir uns schon die Frage stellen, was das für eine Wahl ist", so Vorsitzender Steffen Grimberg.
spiegel.de, turi2.de (Background)

NDR wusste seit fünf Jahren über die Vorwürfe gegen Sabine Rossbach Bescheid.


Was lange währt: Der NDR wusste offenbar seit fünf Jahren über die Vorwürfe gegen die Hamburger Landesfunkhausdirektorin Sabine Rossbach Bescheid, findet eine unabhängige Investigativeinheit des Senders heraus. Bereits im Juli 2017 sei beim NDR eine entsprechende Anfrage der "Hamburger Morgenpost" eingegangen: Die Zeitung wollte nicht nur Informationen über ein internes "Regime des Schreckens", sondern auch über die mögliche Begünstigung der PR-Agentur von Rossbachs Tochter. Der NDR weigerte sich damals, die Anschuldigungen zu kommentieren und wies den Vorwurf der Vetternwirtschaft zurück.

Nach der "Morgenpost"-Anfrage ließ der Sender die Sache auf sich beruhen. Zum Thema PR-Platzierungen habe es 2017 lediglich "ein Gespräch von Frau Rossbach mit der damaligen Redaktionsleitung des Hamburg Journals" gegeben. Rossbach hat mittlerweile schriftlich eingeräumt, dass sie Angebote der Agentur ihrer Tochter weitergeleitet habe: "Sollte in der Redaktion der Eindruck entstanden sein, dass die Kunden meiner Tochter bevorzugt behandelt werden sollen, bedaure ich das."
tagesschau.de, turi2.de (Background)

Katrin Vernau ist als Interims-Intendantin des RBB im Rennen.

RBB: Die WDR-Verwaltungsdirektorin Katrin Vernau gilt als "Favoritin für die kurzfristige Lösung einer Interims-Intendantin, aus der eine langfristige erwachsen könnte", meldet "Tagespiegel"-Redakteur Joachim Huber. Laut RBB24 stellt die Findungskommission dem Rundfunkrat am Mittwoch einzig Vernau als Kandidatin vor. Nach MeToo-Vorfällen hatte Vernau sich im WDR um einen Kulturwandel bemüht. Ihre Karriere startete sie als Partnerin bei der Unternehmensberatung Roland Berger.
tagesspiegel.de, rbb24.de