Die ARD ist wie die UNO in klein: Alle reden mit, keiner entscheidet.

ARD und ZDF wollen Phoenix zur multimedialen Politik-Plattform ausbauen.

Phoenix: ARD und ZDF wollen ihren Ereignis- und Dokumentationskanal zu einer "digitalen Politik-Plattform" weiterentwickeln. Diese soll Politik "auf allen Ausspielwegen live erlebbar" machen, erklären die Programmgeschäftsführerinnen Eva Lindenau und Michaela Kolster. Zudem soll Phoenix bis 2024 in den früheren Schürmann-Bau in Bonn, dem heutigen Sitz der Deutschen Welle, umziehen. Künftig will der Sender die aktuelle Berichterstattung von einem zentralen Desk für alle Ausspielwege planen und steuern.
presseportal.de

Der MDR hält an einer Doku über mutmaßlich erfundenen Mord an einem Gastarbeiter fest.


Erfundener Mord? Der MDR hält an einer reißerischen Doku über einen angeblich rassistischen Mord an einem DDR-Gastarbeiter fest. Und das obwohl die Staatsanwaltschaft nach erneuter Prüfung des Falls keine Indizien für einen Mord findet und selbst der eigene Senderausschuss die journalistische Sorgfaltspflicht verletzt sieht. Die "FAZ" findet wie zuvor schon die "Berliner Zeitung" zahlreiche Ungereimtheiten und dubiose Quellen, doch der MDR bleibt bei seiner Haltung und wirft stattdessen den Anklagebehörden mangelhafte Untersuchung vor.

Der 2017 gesendete Film "Schuld ohne Sühne" über den Tod des mosambikanischen Vertragsarbeiters Manuel Diogo stützt sich im Wesentlichen auf die Schilderung von Harry Waibel, der die Story vor der Verfilmung selbst als Buch veröffentlicht hat und vom MDR für "Aktenrecherchen" bezahlt wurde. Eine andere Quelle rudert auf Nachfrage der "FAZ" zurück: "Ich bin kein Augenzeuge, ich habe nicht gesehen, wie es passiert ist." Der Historiker Ulrich van der Heyden, Afrikaexperte und Autor des Buches "Das gescheiterte Experiment – Vertragsarbeiter aus Mosambik in der DDR-Wirtschaft" wirft dem Sender vor, keinen Beleg für die Mordthese zu haben und Fake News zu verbreiten.
faz.net (Paid)

“Flurfunk Dresden”: Verträge von MDR-Chefredakteuren Torsten Peuker und Jana Hahn sind nicht verlängert.

Time to say goodbye: "Flurfunk Dresden" bestätigt eine Meldung der "Mitteldeutschen Zeitung", dass MDR-Chefredakteur Torsten Peuker und Chefredakteurin Jana Hahn ihre Hüte nehmen müssen. Dem Medium liege ein Brief vor, nach dem die Verträge von Peuker und Hahn am 30. Juni 2022 enden und nicht verlängert worden seien. Namen für ihre Nachfolgerinnen seien derzeit nicht bekannt.
flurfunk-dresden.de, turi2.de (Background)

Stärken und Schwächen: René Martens über die Bericht­erstattung von ARD und ZDF zum Ukraine-Krieg.


Dominierendes Thema: Seit dem Angriff Russlands auf die Ukraine am 24. Februar ist die aktuelle Bericht­erstattung bei ARD und ZDF fast mono­thematisch, kritisiert Medien­journalist René Martens bei epd Medien. Bilder und Berichte von Korrespondentinnen vor Ort “entwickeln weitaus mehr Kraft als all die durchaus eindrücklichen Videochats mit in der Ukraine lebenden Menschen, die die Berichterstattung seit der Invasion prägen”. Die Erzähl­weise der Einzel­schicksale sei aber oft gleich. Martens fürchtet, “dass sich hier ein Abnutzungs­effekt einstellen könnte”, schreibt er in seinem Beitrag, den turi2 in Kooperation mit epd Medien in der neuen, wöchentlichen Reihe Das Beste von epd Medien bei turi2 publiziert. >>> Weiterlesen

Auch WDR und ARD machen Programme auf Ukrainisch.

WDR und ARD starten Angebote auf Ukrainisch. Der WDR bietet im Kinderradio einen Ukrainischsprachkurs an, auf dem Radiokanal Cosmo einen Ukraine-Podcast und auf der Maus-Seite ukrainisches Kinderprogramm. Die ARD hat in ihrer Mediathek eine ukrainische Rubrik eingerichtet. Auch RTL hat bereits ein werktägliches "Ukraine-Update" auf Ukrainisch angekündigt.
wuv.de, presse.wdr.de, turi2.de (Background)

Video-Tipp: Zapp zeigt, wie Faktenchecker im Ukraine-Krieg arbeiten.

Video-Tipp: Das Medienmagazin Zapp zeigt, wie Faktenchecker mit umgekehrter Bildersuche oder Geolocating im Ukraine-Krieg zwischen Falschmeldungen und Fakten unterscheiden können. Russland's Staatspropaganda verbreitet falsche Faktenchecks über Telegram und diverse Websites und sorgt damit für noch mehr Desinformation im Kampf um die Deutungshoheit.
youtube.com (9-min Video)

TV-Tipp: ARD zeigt Spielfilm über Privatisierung von Grundwasser.

Bis zum letzten Tropfen: Ein Getränkeunternehmen macht einer wirtschaftlich geschwächten Stadt ein Angebot, um Wasser vor Ort abzufüllen. Da gegen protestieren nicht nur Bauern, deren Land bereits ausgetrocknet ist. Der ARD-Spielfilm "Bis zum letzten Tropfen" läuft am Mittwoch um 20.15 Uhr im Ersten und ist bereits in der Mediathek verfügbar.
daserste.de, daserste.de (90-Min-Video)

Die ARD stellt der Ukraine Rundfunktechnik zur Verfügung.

Technische Hilfe: Die ARD unterstützt den ukrainischen Rundfunk mit Technik-Hilfslieferungen. Der koordinierende RBB stellt u.a. zwei große Dieselaggregate bereit, um ein Sendestudio zu betreiben. Der SWR hilft z.B. mit einer mobile Satellitenanlage für die Live-Übertragung aus, der BR will vor allem Mischpulte und Mikrofone liefern. Kurz nach Kriegsbeginn hatte die EBU der Rundfunkgesellschaft UA:PBC ihre Unterstützung zugesagt.
br.de

Debatte: Die ARD interpretiert den Phoenix-Auftrag ohne das ZDF neu.

Phoenix: Die ARD hat den Auftrag des gemeinsamen Ereignis- und Doku-Kanals neu interpretiert, ohne das ZDF zuvor einzubeziehen, kritisiert der scheidende ZDF-Intendant Thomas Bellut (Foto) mit Blick auf ARD-Äußerungen zum geplanten Ausbau des Nachrichtensenders Tagesschau24. Auch der neue ZDF-Intendant Norbert Himmler wünscht sich keine einseitige Einschränkung des Phoenix-Auftrags. Nach dem Willen der ARD soll sich Phoenix nur noch um "planbare Aktualität" kümmern.
tagesspiegel.de, turi2.de (Background)

Zitat: Pierre M. Krause will als Moderator Teil des Gesprächs werden.

"Meine Idealvorstellung ist, dass ich mich in der Rolle des Hosts zurücknehme und Teil einer Unterhaltung werde, nicht ausschließlich ihr Moderator."

Moderator Pierre M. Krause startet im SWR heute (22.30 Uhr) seine neue Show "Gute Unterhaltung", die "mehr Raum fürs Gespräch" bieten will. Jede Ausgabe steht unter einem Thema, "ohne dabei die wunderbare Chance des gepflegten Abdriftens zu verpassen", sagt Krause zu DWDL.
dwdl.de, ardmediathek.de (45-Min-Video)

ARD und ZDF setzen Berichterstattung aus Moskau fort.


Zurück ins Studio: Die Teams von ARD und ZDF kehren in den kommenden Tagen in die Moskauer Sende­studios zurück. In der vergangenen Woche hatten die Sender die Berichterstattung aus der russischen Hauptstadt unterbrochen, um das neue russische Mediengesetz zu prüfen. Das Gesetz droht mit Haft bei angeblicher Falschinformation über das russische Militär und den Ukraine-Krieg. Neben der ARD und dem ZDF haben andere internationale Sender wie CNN und BBC ihre Berichterstattung ausgesetzt. Die BBC informiert seit Dienstagabend bereits wieder aus Russland.

ARD und ZDF berichten in Absprache mit der europäischen Rundfunk­union über die politische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Situation in Russland. Über den Krieg in der Ukraine informieren andere Standorte der Sendeanstalten. Die "besonderen Bedingungen" der Berichterstattung in Moskau werden dabei offen gelegt. Das ZDF plant weiterhin keine eigene Berichterstattung aus der ukrainischen Hauptstadt Kiew, "um die eigenen Journalistinnen nicht zu gefährden". Dafür berichten Korrespondentinnen aus den Städten Chmelnizki und Lemberg im Westen der Ukraine. Beide Sender behalten sich vor, die Situation jederzeit erneut zu bewerten.
presseportal.de, tagesschau.de, zdf.de

Schauspielerinnen bekommen Folge­vergütung für ARD-Produktionen.

Spiel's noch einmal: ARD, der Schauspielverband und Degeto einigen sich auf neue Vergütungsregeln. Schauspielerinnen bekommen rückwirkend für den Zeitraum von 2008 bis 2021 und in Zukunft eine Beteiligung an Auftrags­produktionen. Die Folge­vergütung gilt für fiktionale 90-Minüter von ARD und Degeto, die besonders oft im linearen Fernsehen gezeigt werden.
presseportal.de

AfD-Mann Eugen Schmidt stellt Deutschland in russischen Medien als Unrechtsstaat dar.

Demokratie-Leugner: Der AfD-Bundestagsabgeordnete Eugen Schmidt stellt Deutschland in Interviews mit russischen Propaganda-Medien als Unrechtsstaat dar und lässt sich mitten im Ukraine-Krieg vor Putins Propaganda-Karren spannen, berichtet "Kontraste". In einem Interview mit dem russischen Radio Komsomolskaja Prawda behauptet der immerhin demokratisch gewählte AfDler, Deutschland sei undemokratisch und "regierende Eliten" würden andere Meinungen zur Not mit körperlicher Gewalt unterdrücken. Die AfD distanziert sich nur sehr halbherzig.
tagesschau.de, rbb-online.de (mit 5-Min-Video), turi2.de (Background)

Video-Tipp: “Zapp” zeigt Kriegsreporter unter Beschuss.

Video-Tipp: Das Medienmagazin Zapp zeigt, wie lebensgefährlich die Kriegsberichterstattung aus der Ukraine ist. Die ukrainische Journalistin Alla Koshlyak erreicht mit ihrer täglichen Berichterstattung für Radio NV die gesamte Ukraine, muss aber aus Sicherheitsgründen in der Redaktion übernachten. Um ihre Sicherheit fürchten auch unabhängige russische Journalistinnen, bei denen nach der Verschärfung des russischen Mediengesetzes "nackte Panik und Angst" herrsche.
ndr.de

Hör-Tipp: Hörspiel-Serie “Lost in Neulich” erzählt unterhaltsam von gesellschaftlichen Diskursen.

Hör-Tipp: Die fiktionale Hörspiel-Serie Lost in Neulich dreht sich um den Kultur-Clash einer Groß­stadt­familie, die aufs Land zieht. Familien­mutter Sandra Lüders soll der Dorf­gemeinschaft eine Batterie­zellen-Fabrik schmackhaft machen, gleichzeitig kämpft sie mit der Work-Life-Balance. Sohn Justin hat Liebeskummer, Vater Thomas träumt von Selbst­verwirklichung als Musiker und Tochter Jana sucht nach ihrer geschlechtlichen Identität. Die Audio-Serie von Radio Bremen ist die erste Produktion nur für die ARD-Audiothek. Die ersten beiden Episoden stehen seit Ende 2021 online, ab heute folgen weitere jeweils am Mittwoch und Sonntag.
radiobremen.de, ardaudiothek.de (jeweils ca. 20-Min-Audio)

“Es gibt nur diesen einen Planeten mit Kaffee, Sex und Schokolade” – Eckart von Hirschhausen über “Wissen vor acht – Erde”.


Neues Klima im Ersten: Heute Abend startet im Ersten die Reihe "Wissen vor acht – Erde" als etwas verspätete Antwort der ARD auf die Initiative "Klima vor acht". Im Video- und Podcast-Interview von turi2 stellt Moderator und Mediziner Eckart von Hirschhausen das neue Format vor und zeigt viele Ausschnitte aus der neuen Sendung. Außerdem erklärt er, dass das Format, anders als bisher bekannt, nicht nur 15 Ausgaben bekommt, sondern während des ganzen Jahres mit neuen Folgen erscheinen wird. Zudem soll es weitere Sendungen zum Klima geben. "Die ARD hatte das Thema in den letzten Jahren nicht so präsent wie die Wissenschaft", sagt von Hirschhausen, freut sich aber gleichzeitig, dass "jetzt richtig Schwung reinkommt", auch durch die Unterstützung von Programm-Verantwortlichen wie WDR-Programmdirektor Jörg Schönenborn und ARD-Programmdirektorin Christine Strobl.

Angesichts des Krieges in der Ukraine kann von Hirschhausen verstehen, dass Klima-Berichterstattung in den Nachrichten aktuell nicht die höchste Priorität hat. "Wer die Nachrichten schaut, sieht aber sofort, dass wir in mehreren Kriegen zugleich sind", sagt der Wissenschafts-Journalist. Es gehe auch um Öl und Gas. Selbst in höchsten politischen Kreisen sei es inzwischen verstanden, dass "erneuerbare Energien keine Öko-Spinnerei sind, sondern zu einer friedlicheren, freieren Welt" beitragen.

Die Grund-Idee von "Wissen vor acht - Erde" beschreibt der Mediziner als "Kommt 'ne Erde zum Arzt". In den bisher produzierten Folgen geht es etwa um Fleischkonsum, die Todeszone Ostsee oder den Zusammenhang zwischen Regenwald und Regen. "Es gibt nur diesen einen Planeten mit Kaffee, Sex und Schokolade. Es wird nirgendwo besser", sagt von Hirschhausen.
turi2.tv (20-Min-Video auf YouTube), turi2.podigee.io (21-Min-Audio), spotify.com, podcast.apple.com, deezer.com, audionow.de

Auch ARD, ZDF und DLF beenden vorerst ihre Berichterstattung aus Russland.

ARD und ZDF setzen die Berichterstattung aus ihren Moskauer Studios vorläufig aus. Man prüfe derzeit "die Folgen des am Freitag verabschiedeten Gesetzes". Von ihren anderen Standorten aus wollen die Sender "weiterhin umfassend über das Geschehen in Russland und der Ukraine informieren". Der Deutschlandfunk teilt mit, dass sein Russland-Korrespondent zunächst aus dem Warschauer Studio weiter über den Ukraine-Krieg berichten werde. Zuletzt hatten bereits u.a. die BBC, Bloomberg und CNN ihre Journalistinnen aus Russland abgezogen.

Der DJV reagiert mit Bedauern und Verständnis auf die Entscheidung von ARD und ZDF. "Die Sicherheit der Kolleginnen und Kollegen hat derzeit oberste Priorität", erklärt DJV-Chef Frank Überall. Es sei dramatisch, dass "die unabhängige Information aus der Russischen Föderation inzwischen nahezu unmöglich ist". Putin "tritt mit der Pressefreiheit so ein weiteres Menschenrecht mit Füße".
zeit.de, twitter.com, turi2.de (Background)

Debatte: Baumarkt-Werbung vor der “Tagesschau” verunsichert, meint Marie Schmidt.

Muss gut werden: Dass die Baumarkt-Kette Bauhaus kurz vor der "Tagesschau" Werbung mit dem Slogan "Wenn’s gut werden muss" sendet, treibt "Süddeutsche"-Autorin Marie Schmidt einen "Schauer über den Rücken" – "jetzt, da man eigentlich auf die Nachricht wartet, ob ein Atomkrieg zu verhindern sein wird". Der Baumarkt-Claim habe einen schon immer in "tiefe Verunsicherung" stürzen können.
sueddeutsche.de (Paid)

Debatte: Die ARD hätte von Anfang an Ukraine-Korrespondentinnen gebraucht, sagt Stefan Winterbauer.

Zu spät: Es sei "peinlich" für die ARD, über mehrere Tage hinweg keine eigenen Korrespondentinnen in der Ukraine zu haben, kritisiert Stefan Winterbauer. Erst am Mittwoch gab die ARD bekannt, Reporterinnen zu entsenden. Die "Über-Entschuldigung" Sicherheits­bedenken will er angesichts der vielen Korrespondentinnen anderer Medien nicht durchgehen lassen.
meedia.de, turi2.de (Background)

Video-Tipp: Ingo Zamperoni befragt Chefredakteur zum Ende von Doschd TV.

Video-Tipp: Ingo Zamperoni befragt Tikhon Dzyadko zum Ende des letzten unabhängigen TV-Senders in Russland. Der sichtlich desillusionierte Chefredakteur von Doschd TV erklärt aus dem Exil, warum sich der "optimistische Sender" nach Jahren der Repressionen ausgerechnet jetzt zum Aufhören gezwungen sieht. Dzyadko befürchtet das Ende des politischen Lebens und eine russische Diktatur, hofft aber irgendwann auf ein positives Ende.
tagesschau.de (ab 11:06), turi2.de (Background)


Hör-Tipp: ARD dokumentiert Polizeiarbeit in sozialen Medien.

Hör-Tipp: ARD-Autor Philipp Schnee analysiert in der Reportage "Hier spricht die Polizei!" die Polizeiarbeit in sozialen Medien. Das Radiofeature beschreibt, wie die Blaulichtberichterstattung mit Tieren und Terror, Quatsch und True-Crime-Grusel auf dem schmalen Pfad zwischen PR und neutraler behördlicher Information wandelt.
ardaudiothek.de (52-min-Audio), ardaudiothek.de (28-Min-Audio, Hintergrund zur Recherche)

ARD schickt Korrespondenten in die Ukraine.

Kiew calling: Die ARD schickt eigene Korrespondenten in die Ukraine. Bisher greift das Sender-Netzwerk für die Berichterstattung auf Freie und ukrainische Medienschaffende zurück. Der für Osteuropa zuständige WDR sagt dem "Spiegel", dass bereits ein Reporter eingereist sei, weitere sollen ihm folgen. Laut Medieninsider hatte die ARD zuletzt "fast alle" eigenen Reporter aus der Ukraine abgezogen.
spiegel.de, medieninsider.com

Lese-Tipp: Der Faktenfinder enthüllt Fake News im Ukraine-Krieg.

Lese-Tipp: Der ARD-Faktenfinder dokumentiert Desinformationen im Ukraine-Krieg. So zirkuliert in den sozialen Medien ein Bild mit Ukraines Präsident Wolodymyr Selenskyj in das Unbekannte ein Hakenkreuz montiert haben. In einem gefälschten Video verkündet Putin den Rückzug aus der Ukraine. Zudem sind einige Fotos veraltet oder zeigen Situationen aus anderen Ländern.
tagesschau.de

ARD und ZDF reduzieren Paralympics-Berichterstattung im TV.

ARD und ZDF reduzieren ihre TV-Berichterstattung von den Winter-Paralympics dieses Jahr im Vergleich zu 2018 deutlich. Demnach haben beide Sender zusammen vor vier Jahren noch 65 Stunden Live-Programm gesendet, aus Peking ist es weniger als die Hälfte. Das Angebot im Internet hingegen ist umfangreicher geworden. Mit dem Krieg in der Ukraine habe das laut den Sendern primär nichts zu tun. Allerdings seien weniger Deutsche dabei und es gebe keine Mannschaftssportarten.
digitalfernsehen.de, sueddeutsche.de

Porträt: Markus Gürne, Ressortleiter der ARD-Börsenredaktion.

Elk-like: Würde Markus Gürne sich mit einem Tier vergleichen, wäre es wohl der Elch. Der sieht nicht sehr agil aus, kann aber schnell und grazil unterwegs sein, sagte er einst in einem Interview. Außerdem hat der Elch ein dickes Fell – unerlässlich für einen Journalisten, der sich wie Gürne zwischen Krisengebieten und Wirtschaftskrisen bewegt. 

Der gebürtige Stuttgarter macht seine Anfänge als Schüler in der Sportredaktion des damaligen Süddeutschen Rundfunks. Später verschlägt es ihn als Korrespondent nach Ägypten, Indien und in den Irak. Im Ausland lernt er nicht nur Resilienz, sondern auch wie sehr Politik, Wirtschaft und Gesellschaft miteinander verwoben sind. 

Seit 2012 leitet Gürne die ARD-Börsenredaktion und moderiert die "Börse vor acht". 2020 wird er in Brennpunkten und als Co-Autor von "Der Wirtschafts-Virus" zum Corona-Erklärer. Seinen Job sieht er als eine Art "Sendung mit der Maus" für Erwachsene. Er wolle "das Erkennen von Möglichkeiten und Verringern von Risiken" vermitteln. Er gibt zu: Das gelingt nicht immer. 

Beschäftigt sich Gürne gerade nicht mit Börsenkursen, verbringt er Zeit in seinem Haus in Schweden – in der Nähe der Elche.

Markus Gürne
Geb. 1970 in Stuttgart
1993: Studium Rechts- und Politikwissenschaften, allgemeine Rhetorik in Tübingen
1998: Volontariat beim Süddeutschen Rundfunk
2003: ARD-Korrespondent in Kairo und Bagdad 
2005: Leiter der Tagesschau-Redaktion im HR
2008: Korrespondent in Neu-Delhi
2012: Ressortleiter der ARD-Börsenredaktion


(Foto: Ben Knabe / HR)

Dieser Beitrag ist Teil der turi2 edition #17 Jobs – lesen Sie alle Geschichten hier im E-Paper:

Porträt: RBB-Intendantin Patricia Schlesinger.

Sprengt die Männerrunden: Patricia Schlesingers Vater war das, was man in der DDR einen "Republikflüchtling" nannte. Seinen Freiheitsdrang hat die Tochter übernommen, natürlich in anderer Form: Dank der "Lust, in unbekannte Gefilde aufzubrechen", verschlägt es sie als Korrespondentin nach Südostasien und Washington, in ihrer Freizeit sucht sie beim Tauchen und Fliegen die Freiheit. Die neue Vorsitzende der ARD muss, anders als ihr Vater, vor nichts fliehen. Aber stillsitzen kann sie auch nicht.

Ihre Karriere zieht sie schnurstracks durch wie ein Pfeil "immer geradeaus und direkt aufs Ziel gerichtet". Das Volo macht Schlesinger beim NDR. 1997 wird sie die erste weibliche Moderatorin des ARD-Magazins "Panorama". Später übernimmt sie verschiedene Leitungspositionen im Senderverbund, darunter die Ressorts Ausland und Reportage. Die erste oder einzige Frau ist sie noch öfter, heute ist sie Mitglied der Initiative ProQuote. 2016 wird sie zur Intendantin des RBB gewählt. Bis 2024 steht sie nun an der Spitze der ARD.

In der neuen Funktion muss Schlesinger freilich viele strategische Entscheidungen fällen. Dann hilft ihr ein Gedankenexperiment: "Es kann ungemein hilfreich sein, einmal einen Nachruf auf sich selbst zu formulieren." Rückblickend hätte Schlesinger sich auf ihrem Weg gern etwas mehr Zeit gelassen. Vielleicht auch in der Küche. Denn bis heute habe sie kein Soufflé zustande gebracht, "das schmeckt und aussieht wie ein Soufflé". Koch-Experimente in diese Richtung könnte sie aber auch einfach als "Brechen mit Gewohnheiten" und "Aufbrechen von Ritualen" verbuchen – die Leitgedanken, die ihr so sehr liegen.

Tipp von Patricia Schlesinger: "Nicht einschüchtern lassen, von nichts und niemandem"

Patricia Schlesinger
Geb. 1961 in Hannover
1980: Studium Wirtschaftsgeographie, Politische Wissenschaft sowie Sozial- und Wirtschaftsgeschichte in Hamburg und ­Aix-en-Provence
1990: Reporterin beim ARD-Magazin Panorama
1995: Leiterin des ARD-Auslandsstudios in Singapur
2001: Auslandskorrespondentin im ARD-Studio Washington
2016: Wahl zur RBB-Intendantin nach sechs Wahlgängen
2019: Aufsichtsratsvorsitzende Degeto Film
2022: ARD-Vorsitzende


(Foto: Holger Talinski)

Dieser Beitrag ist Teil der turi2 edition #17 Jobs – lesen Sie alle Geschichten hier im E-Paper:

Zitat: Florian Hager ist beim Thema Nutzerdaten neidisch auf Netflix.

"Da hinken wir Netflix hinterher und da bin ich ein bisschen neidisch."

Florian Hager, frisch gebackener HR-Intendant, sagt im dpa-Interview, dass die ARD ohne entsprechende Nutzerdaten keine langfristige Kundenbeziehung aufbauen könne. Er wünsche sich daher "noch ein wenig mehr" Freiheiten: "Wer, wenn nicht wir, geht sauber mit diesen Daten um?"
digitalfernsehen.de

Geburtstagsshow in der ARD: Sieben Promis überraschen Frank Elstner im April.

Surprise, Surprise: Der SWR gibt weitere Details zur Überraschungsshow für Frank Elstner bekannt, die Das Erste anlässlich dessen 80. Geburtstag plant. Die 90-minütige Sendung "Frank Elstner – Noch eine Frage!" soll demnach am Karfreitag, den 15. April um 21.45 Uhr laufen. Sieben Promis, darunter Jan Böhmermann, Günther Jauch, Anke Engelke, Thomas Gottschalk und Michelle Hunziker, sollen für "spontane Wiedersehensfreude, intime Momente und ehrlichen Austausch" sorgen. Jeder von ihnen darf Elstner in einem "Show-ähnlichen Setting" zu "individuell gewählten Schwerpunkten" interviewen.
dwdl.de

Debatte: Peer Schader wünscht sich in Krisen-Berichterstattung einen “Erklär-Anker”.

Ist überfordert: In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag sind ARD und ZDF "quasi zum Nachrichten­kanal" geworden, schreibt Peer Schader bei DWDL. Der zuvor von Patricia Schlesinger theoretisierte Breaking-News-Fall war eingetroffen. In der aktuellen Nachrichten-Lage hätte sich Schader gewünscht, dass ihn die Moderatorinnen "zwischendurch an die Hand nehmen" und helfen diese "zumindest anschnittsweise überblicken zu lernen, ohne davon überrollt zu werden".
dwdl.de

ARD sagt Karnevalssendungen ab.

Kein Karneval: Auch die ARD wird wegen der russischen Invasion in die Ukraine in der kommenden Woche keine Karnevalssendungen ausstrahlen. Anstatt "Karneval in Köln 2022" mit Guido Cantz und Joachim Wüst soll ab 20:15 Uhr "Hart aber fair" auf den Krieg in der Ukraine blicken. Am Nachmittag laufen anstelle des Rosenmontagszugs die Daily-Soaps "Rote Rosen" und "Sturm der Liebe". ZDF und WDR haben die meisten Karnevalssendungen bereits abgesagt.
dwdl.de

ARD und ZDF sagen Karnevalsübertragungen ab.

Krieg statt Karneval: Das ZDF und ARD blasen angesichts des russischen Angriffs auf die Ukraine alle Karnevalssendungen im TV ab. "Kölle Alaaf" und "Mainz bleibt Mainz" werden statt im Fernsehen zur Primetime nur in der ZDF-Mediathek zur Verfügung stehen. Auch die ab Montag geplanten ARD-Übertragungen wackeln, berichtet DWDL. Die Rosenmontagsfeier in Köln wurde wegen der Ereignisse ohnehin schon abgesagt. Stattdessen ist nun eine Friedensdemonstration in der Kölner Innenstadt geplant.
dwdl.de, tagesschau.de (Rosenmontagsfeier), turi2.de (Background)

Claudia Pechstein fordert Entschuldigung und Richtigstellung von der ARD.

Keilt zurück: Eisschnellläuferin Claudia Pechstein verteidigt in einem Statement ihren jahrelangen ARD-Boykott: "Seit wann ist es durch die Pressefreiheit im Grundgesetz abgedeckt, dass wir Sportler jedem Medium ein Interview geben müssen?" Der ARD-Redaktion um Investigativ-Reporter Hajo Seppelt, die vor etwa zehn Jahren über einen Doping-Verdacht gegen Pechstein berichtet hatte, wirft sie "schlampige, fehlerhafte, tendenziöse und ehrverletzende" Arbeit vor. Pechstein beschuldigt den Sender, sie damals falsch zitiert und ihr keine faire Chance gegeben zu haben, auf die Vorwürfe zu reagieren.

Weiter kritisiert Pechstein, die ARD habe ihr Publikum in Bezug auf die Gründe für ihren Boykott "glatt angelogen". Denn nicht die Bericht­erstattung über ihre dreijährige Dopingsperre sei der Grund für ihren Boykott, sondern die ihrer Ansicht nach falschen Anschuldigungen über das spätere Blutdoping. Zudem verschweige der Sender, dass die besagten Blutbehandlungen den verdächtigen Sportlerinnen "keinen Wettbewerbsvorteil" verschafft hätten. Sie werde der ARD wieder Interviews geben, wenn eine "öffentliche Entschuldigung und Richtigstellung" erfolge. Ihr Boykott gelte zudem nicht allen ARD-Sendern, mit RBB und MDR sei sie im "regen Austausch".
facebook.com, turi2.de (Background)

Sandra Maischberger talkt ab Mai zweimal in der Woche.

Doppelte Dosis: Sandra Maischberger geht ab dem 3. Mai zweimal in der Woche im Ersten auf Sendung. Ihr Talk-Format läuft dann nicht mehr nur mittwochs, sondern auch dienstags nach den "Tagesthemen". Derzeit heißt Maischbergers Sendung "Maischberger. Die Woche", ein neuer Titel steht laut DWDL noch nicht fest. Der WDR-Rundfunkrat sieht die Pläne kritisch und fordert vom Sender ein "alternatives Konzept" für den Dienstagabend nach Ablauf von Maischbergers Vertrag in 2023.
presseportal.de, dwdl.de

ARD-Boykott von Claudia Pechstein ist nicht im Sinne des DOSB.


Eiskalt abserviert: "Grundsätzlich entscheiden Athlet*innen selbst, ob sie Interviews geben", sagt der Deutsche Olympische Sportbund zu dem ARD-Boykott von Claudia Pechstein auf Meedia-Anfrage. Der DOSB hätte es aber "begrüßt", wenn sie die Situation "anders gelöst hätte". Der Deutsche Journalistenverband wirft Pechstein ein "seltsames Verständnis von Pressefreiheit" vor. Die ARD selbst hat sich mittlerweile offenbar mit Pechsteins Verhalten abgefunden. Die Eisschnellläuferin spreche "seit Jahren" nicht mit dem Sender. "Wir akzeptieren das", sagt ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky auf "Tagesspiegel"-Anfrage.

Die Sportlerin hatte die ARD von einem Pressetermin zur ihrer Rückkehr von den Olympischen Spielen ausgeschlossen. Erst als der Kameramann seine Kamera nach unten geklappt hat, beantwortete Pechstein die Fragen der Medien. Der Boykott gründet darauf, dass die ARD "nicht so über sie und einen Dopingverdacht berichteten, wie sie es für angemessen hielt", twittert Investigativ-Reporter Hajo Seppelt. Das nennt auch Balkausky als Grund.

Seppelt hatte damals zu Doping-Vorwürfen gegen den Sportarzt Andreas Franke recherchiert. In der "Sportschau" wurde unter anderem Pechstein als Athletin genannt, die beim ihm behandelt worden sein sollte. Daraufhin wollte Pechstein die ARD wegen Rufschädigung verklagen. Da ihr jedoch sportlich nichts nachgewiesen werden konnte, hatten die Vorwürfe keinerlei Auswirkung. (Foto: Laci Perenyi / Picture Alliance)
meedia.de, tagesspiegel.de , turi2.de (Background)
Mitarbeit: Pauline Stahl

Barbara Schöneberger feiert Anfang April ihren Einstand bei “Verstehen Sie Spaß?”.

Premieren-Datum steht: Am 2. April läuft die erste Ausgabe von Verstehen Sie Spaß? mit Barbara Schöneberger als neue Moderatorin, gibt die ARD bekannt. Als Gast ist Paola Felix angekündigt, die Schöneberger in der "Verstehen Sie Spaß?"-Familie "willkommen heißen" soll. Zwischen 1983 und 1990 moderierte Felix die Show gemeinsam mit ihrem Mann Kurt Felix. Auch die TikTok-Zwillinge Lisa und Lena sollen zugegen sein.
dwdl.de, turi2.de (Background)

Debatte: Öffentlich-rechtlicher Nachrichtensender bringt “medienpolitische Konflikte”, schreibt Christian Meier.

Neue Konkurrenz: Ein öffentlich-rechtlicher Nachrichten­sender "käme einem Angriff auf das Nebeneinander von beitragsfinanzierten und privaten Sendern gleich, das sich duales System nennt", schreibt "Welt"-Redakteur Christian Meier. Die Ankündigung von RBB-Intendantin Patricia Schlesinger den Sender Tagesschau24 zu einem "vollwertigen Nachrichtensender" umzubauen, bringe "medienpolitische Konflikte".
welt.de (Paid)

KEF zweifelt an Wirtschaftlichkeit der BR-Neubauten.

Münchner Millionen: Die Kommission zur Prüfung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten (KEF) zweifelt an der Wirtschaftlichkeit der geplanten Neubauten des Bayerischen Rundfunks in Freimann. Bisher hat der BR rund 360 Mio Euro für die Standortverlagerung des Funkhauses geltend gemacht, die KEF kritisiert u.a. Planungsmängel. Der BR soll nun u.a. eine Wirtschaftlichkeitsanalyse vorlegen.
sueddeutsche.de

Rundfunkbeitrag soll bis 2024 stabil bleiben.

Genug GEZahlt: Die Gebühren­kommission KEF sieht die Öffentlich-Rechtlichen trotz Pandemie ausreichend finanziert, schreibt sie im Zwischen-Finanz­bericht, den sie heute an die Länder übergeben hat. Der Rundfunk­beitrag soll deshalb bis 2024 stabil bei monatlich 18,36 Euro liegen. ARD, ZDF und Deutschland­radio sollen in der aktuellen Beitrags­periode zusammen 38,76 Mrd Euro erhalten.
rp-online.de, faz.net