Iranische Medienschaffende fordern Freilassung inhaftierter Kolleginnen.

Presse­unfreiheit: Der iranische Journalisten­verband fordert die sofortige Freilassung mehrerer Medien­schaffender, die über die Demonstrationen im Land berichtet haben. Mindestens neun Reporterinnen seien entweder in Haft oder müssten sich demnächst bei den Behörden melden. Darunter ist die Journalistin Nilufar Hamedi von der Reform­zeitung "Shargh", die den Fall Amini als erste publik gemacht hatte.
zeit.de

Scholz spricht Mohammed bin Salman auf Khashoggi-Mord an.

Mörderische Diplomatie: Bundes­kanzler Olaf Scholz hat bei seinem Besuch in Saudi-Arabien Kronprinz Mohammed bin Salman auf den Mord am Journalisten Jamal Khashoggi angesprochen. "Das gehört sich so", so der Kanzler. Er habe auch das Thema Meinungs­freiheit angerissen, nannte aber keine weiteren Details. Der US-Geheimdienst macht den Kron­prinzen für den brutalen Mord an dem saudischen Regierungs­kritiker verantwortlich.
zeit.de

US-IT-Firmen sollen Internetzugang in Iran verbessern.

Überland-Leitung: Amerikanische IT-Firmen dürfen ihre Geschäfts­tätigkeit in Iran ausweiten, um den Menschen vor Ort besseren Zugang zum Internet und zu unabhängigen Nachrichten zu ermöglichen, teilt US-Außenminister Antony Blinken mit. US-Sanktionen hatten seit 2014 verhindert, dass IT-Firmen Soziale Medien, Video­konferenz-Software und Cloud-Dienste voll umfänglich anbieten können. Die iranische Regierung hat wegen der aktuellen Proteste den Zugang zum Internet massiv eingeschränkt.
spiegel.de

Türkische Zeitung “Sabah” veröffentlicht deutsche Adresse des Exil-Journalisten Cevheri Güven.

Gefährlicher Druck: Das türkische Regierungs­blatt "Sabah" hat ein Bild des Hauses im hessischen Baben­hausen abgedruckt, in dem der Exil-Journalist Cevheri Güven mit seiner Familie lebt. Güven steht unter Polizei­schutz und tauchte bereits mehrfach in sogenannten Todes­listen des türkischen Staates auf. Der Journalist vermutet, dass ihn die Veröffentlichung "eindeutig abschrecken" soll.
dtj-online.de

Lese-Tipp: CNN will zurück zur Mitte.

Lese-Tipp: Der US-Nachrichten­sender CNN hat in den letzten Jahren - wie viele andere Medien – vermehrt auf "Emotionalität und Empörung" gesetzt und will nun "zurück in die Mitte", berichtet ARD-Korrespondentin Nina Barth. In diesem Zug stellt der Sender das Medien­magazin "Reliable Sources" nach drei Jahrzehnten ein, auch ein Korrespondent im Weißen Haus ist seinen Job nach einem bissigen Kommentar in einer Live-Schalte los.
tagesschau.de

Bild des Tages: Queen lächelt vom Opernhaus in Sydney.


Ferne Königin: Ein Porträt von Queen Elizabeth II. lächelt vom welt­berühmten Opern­haus in Sydney. Australien und das angrenzende Neuseeland gehören zum Commonwealth und haben damit ebenfalls ihr Staats­oberhaupt verloren. Viele Menschen in Down Under halten die Tradition aus Kolonial­zeiten für nicht mehr zeitgemäß, getrauert wird aber trotzdem. (Foto: Mark Baker / Associated Press / Picture Alliance)

Moskauer Gericht entzieht der “Nowaja Gaseta” die Lizenz.

Papierkrieg: Ein Gericht in Moskau erklärt die Drucklizenz der unabhängigen russischen Zeitung "Nowaja Gaseta" für ungültig und gibt damit einem Antrag der russischen Medienaufsicht Roskomnadsor statt. Die wirft der Zeitung vor, Dokumente zu einem Eignerwechsel 2006 nicht vorgelegt zu haben. Die Zeitung hatte im März bereits entschieden, ihr Erscheinen bis zum Ende des Krieges auszusetzen.
tagesschau.de, turi2.de (Background)

Debatte: Deutsche Zeitungen ignorieren die Angriffe Albaniens auf die Medien, sagt Birger Schütz.

Unter­drückung undercover: Bei den EU-Beitritts­verhandlungen mit Albanien ignoriert Ursula von der Leyen die Gefahren der Presse in dem kleinen Balkan­land, sagt Birger Schütz von Reporter ohne Grenzen. Minister­präsident Edi Rama habe Medien­schaffende vor laufenden Kameras "schon als Mülltonnen, Parasiten, Schweine und Prostituierte" bezeichnet. Leider seien Ramas Ausfälle "in vielen deutschen Zeitungen kein Thema".
faz.net (€)

Deutsche Welle startet russischsprachigen Podcast mit Exil-Journalistinnen.

Deutsche Welle startet am 1. August den Podcast "DW Novosti Show" im russischsprachigen Programm. Hosts sind Tatiana Felgengauer und Alexandr Plyushchev, die bis Ende März in Moskau für den Sender Echo Moskwy gearbeitet hatten und nun aus dem Exil in Litauen senden. Der Podcast läuft wochentags auf diversen Plattformen und wird auch im westlichen Teil Russlands inklusive der Hauptstadt Moskau im Radio ausgestrahlt.
dw.com

Basta: Murdoch-Titel berichten ungewohnt kritisch über Donald Trump.

Kehrtwende: Die Zeitungen "New York Post" und "Wall Street Journal" aus dem Medien­imperium von Rupert Murdoch geben offenbar ihre Trump-freundliche Linie auf. Beide Blätter haben zuletzt kritische Kommentare über den Sturm aufs Kapitol abgedruckt. Nur Trumps Kumpels von Fox News halten für den Ex-Krawall-Präsidenten noch die Stellung – solange der Rubel rollt, tut ein Fuchs, was ein Fuchs tun muss.
spiegel.de

Lese-Tipp: Israelischer TV-Reporter bringt sein Land in diplomatische Schwierigkeiten.

Lese-Tipp: Während der israelische TV-Reporter Gil Tamary in Saudi-Arabien den Besuch von Joe Biden begleitet, entscheidet er sich für einen Abstecher zum hochheiligen Ort Mekka. Das Problem: Nicht-Muslimen ist das per Gesetz verboten. Ein Mitglied der israelischen Regierung schimpft über die "unverantwortliche Dummheit" aus Quoten­gründen – und der Sender entschuldigt sich.
sueddeutsche.de

“Republik”: Zensur richtet russischen Google-Konkurrenten Yandex zugrunde.


Aufstieg und Fall: Der russische Tech-Riese Yandex ist Uber, Google, Microsoft, Amazon, YouTube, Spotify in einem einzigen Unter­nehmen vereint und marktführend im russischsprachigen Internet. Doch obwohl das Unternehmen von der Sperre der amerikanischen Konkurrenz profitiert, steckt es in einer Krise. Wie eine Recherche des Schweizer Magazins "Republik" zeigt, hängt das mit der immer engeren Kontrolle durch den Kreml zusammen, die ein weltoffenes und politisch neutrales Tech-Unternehmen mit gemütlicher Startup-Atmosphäre in eine Propagandamaschine verwandelt hat.

Als Arkadi Wolosch, Jelena Kolmanowskaja und Ilja Segalowitsch das Unternehmen 1997 gründen, wollen die Mitarbeitenden vor allem programmieren und mit Politik nichts zu tun haben. Damit haben sie Erfolg: Yandex News wird zum wichtigsten Generator von Traffic und "yandexisiert" die russischen Medien. Aber bereits 2008 beginnen die Besuche aus dem Kreml. 2016 treten in Russland erste repressive Mediengesetze in Kraft, 2017 lässt der der damalige ukrainische Präsident Petro Poroschenko alle Yandex-Dienste im Land sperren. Heute segnet der Kreml alle angezeigten Medien­links bei Yandex News ab.

Seit der Sperrung der amerikanischen Konkurrenz hat Yandex mehr Nutzende als je zuvor, ist aber wirtschaftlich in Schieflage geraten. Die EU hat die Führungs­kader des Unter­nehmens mit Sanktionen belegt, inzwischen sind viele zurückgetreten, unzählige Mitarbeitende ins Ausland gezogen. "Ein IT-Riese wie Yandex lebt von frei verfügbarem Wissen und Austausch, von freien Märkten und verfügbaren Software­komponenten. Und an allem mangelt es mehr und mehr", beschreibt "Republik" die Situation.

Das Unternehmen versucht nun den Befreiungsschlag: Es will die "vergifteten Propaganda-Assets" Yandex News und die Blogging-Plattform Yandex Zen an das russische soziale Netzwerk VK verkaufen. (Illustration: Jakub Porzycki / Picture Alliance)
republik.ch

Russland will “Neue Zürcher Zeitung” wegen Putin-Karikatur verklagen.

Was für ein Zirkus: Russland droht der "Neuen Zürcher Zeitung" mit Klage, nachdem diese vor einer Woche einen kritischen Bericht veröffentlicht hat, der u.a. mit einem retuschierten Foto von Putin mit roter Clowns­nase und Regenbogen­farben auf dem Gesicht illustriert war. Die russische Botschaft schreibt "NZZ"-Chefredakteur Eric Gujer, sie behalte sich das Recht vor, den Artikel sowie künftige "verleumderische und beleidigende" Publikationen wegen übler Nachrede und Verleumdung anzuzeigen.
persoenlich.com, nzz.ch

BBC legt Sender zusammen und baut 70 Stellen ab.

BBCancel: Die britische BBC setzt den Rotstift and und fusioniert die Sender BBC News und BBC World News. Rund 70 Beschäftigte sollen dadurch ihren Job verlieren. Der neue Sender BBC News soll im April 2023 starten und tagsüber von London und nachts von Singapur und Washington berichten. Insgesamt will die BBC in den kommenden Jahren 1.000 Stellen abbauen, rund 6 % aller Mitarbeitenden.
spiegel.de, turi2.de (Background)

“Wirtschaftswoche”: SAP verliert Großteil seiner russischen Mitarbeitenden.

Angebot abgelehnt: Rund 1.000 der 1.200 Mitarbeitenden der russischen SAP-Niederlassung wollen einen Aufhebungs­vertrag, berichtet die "Wirtschafts­woche". Nur gut 200 Beschäftigte haben sich für einen Wechsel an SAP-Standorte ins benachbarte Ausland entschieden. Im April hatte Unternehmens­­mitgründer Hasso Plattner angekündigt, dass sich der Konzern aus Russland zurückziehen wird.
wiwo.de, turi2.de (Background)