Zitat: Julian Reichelt sieht eine “wundervolle”, “unbegreifliche” Marktlücke für “Bild Live”.

"Wir sind live, wenn es passiert. Bei uns läuft nicht wie im rbb 'Kochen in Malaysia', wenn in Berlin Zehntausende demonstrieren und einige versuchen, den Reichstag zu stürmen. Das ist eine wundervolle Marktlücke. Dass es die in Deutschland gibt, ist mir allerdings unbegreiflich."

"Bild"-Chefredakteur Julian Reichelt sieht seine Truppe von "Bild Live" als "disruptive Kraft" und will einen "hübschen Anteil" des 4,5-Mrd-Werbekuchens für TV erhaschen. "Wo wir Wachstum sehen, investieren wir aggressiver als jeder andere, weil wir bedingungslos an die Marke 'Bild' und ihren Impact glauben", sagt Reichelt im Interview mit "kresspro".
kresspro, Nr. 7/2020 (Paid)

Hör-Tipp: Thomas Koch vermisst bei der “Bild” die “Stimme des Volkes”.

Hör-Tipp: Die "Bild" hatte als langjährige "Stimme des Volkes" und "Arbeiterblatt" eine "journalistische Rechtfertigung", inzwischen sei es Kampagnen-Journalismus, klagt Thomas Koch (Foto) im DWDL-Podcast Zwei Herren mit Hund mit Kai Blasberg. Nach dem Tele-5-Abgang meldet sich Blasberg erstmals aus seiner neuen Heimat Nordfriesland. Beim "Klickjournalismus" gehe es Springer nur noch ums Geldverdienen, sagt Koch.
dwdl.de (53-Min-Audio)

rtv packt Programm-Heft in weitere “Bild”-Regionalausgaben.

rtv legt sein Programmheft tvtv ab Oktober in mehr Regionalausgaben der "Bild": Hamburg, Hannover, Bremen, Saarland, Berlin-Brandenburg, Chemnitz und Dresden. In der Beilage stehen dafür künftig Hinweise auf "Bild Live"-Programme. Anfang 2019 war "tvtv" erstmals in Regionalausgaben des Boulevard-Blattes gelandet, u.a. in NRW, Leipzig und Thüringen.
per Mail, turi2.de (Background)

Presserat spricht Rügen gegen “Freizeit Spass”, “Bild” und “BZ” aus.

Presserat rügt "Freizeit Spass", "Bild" und "BZ": Burdas "Freizeit Spass" hat eine Geschichte über eine heimliche Tochter von Prinzessin Diana erfunden und die Fiktion nicht kenntlich gemacht. "Bild" habe einem Hongkonger Aktivisten ein falsches Zitat untergejubelt. Die "BZ" hat laut Presserat bei einem Anschlag auf ein Döner-Restaurant das Leid der Opfer ins Lächerliche gezogen.
sueddeutsche.de

Mathias Döpfner gibt Fehler der “Bild” in der Solingen-Berichterstattung zu.

Reue vom Chef: Springer-Boss Mathias Döpfner findet die Kritik an der "Bild"-Bericht­erstattung zum Mordfall in Solingen gerechtfertigt. "Wir haben den Schutz von Minder­jährigen in diesem Fall missachtet", sagt er. Döpfner fordert eine Debatte über Presse­freiheit und Persönlichkeits­rechte. Nach der Veröffentlichung von Chat-Nachrichten eines 11-jährigen Jungen durch RTL und "Bild" hatte es 160 Beschwerden beim Presserat gegeben.
sueddeutsche.de, welt.de (komplette Rede), turi2.de (Background)

Der Presserat rügt die “Bild” für ihren Bericht über Christian Drosten.


Sie hatten Besseres zu tun: Der Presserat rügt "Bild" für ihren Bericht über Christian Drosten, in dem das Boulevard-Blatt schrieb, eine Studie des Virologen zur Infektiosität von Kindern sei "grob falsch". Der Presserat teilt mit, er habe im Artikel mehrere schwere Verstöße gegen die journalistische Sorgfaltspflicht gefunden. So sei unter anderem die Formulierung, die Studie sei "grob falsch", von den zitierten Expertenmeinungen nicht gedeckt. Außerdem erwähne der Beitrag nicht, dass es sich bei der Studie um eine Vorveröffentlichung handle. Der Presserat bemängelt zudem, "Bild" habe unsauber zitiert. Auch zur Frist von nur einer Stunde, die "Bild" Drosten für eine Stellungnahme eingeräumt hatte, bezieht der Presserat Stellung und sagt, diese Zeitspanne sei zu kurz gewesen.

Springer reagiert gelassen auf die Rüge und sieht sieht keinen Grund, die Berichterstattung zu revidieren. Der Verlag teilt in einem Statement mit: "Die wie immer zu erwartende Kommentierung des Presserates nehmen wir zur Kenntnis. Der Kern der Berichterstattung von 'Bild' zu der Studie, die große gesellschaftliche Auswirkungen auf das Leben der Menschen in unserem Land hatte, bleibt davon unberührt."

Im Mai hatte das Springer-Blatt mit einer Reihe an kritischen Berichten zum bekannten Virologen und dessen Studien für Aufsehen gesorgt. Dabei nutze "Bild" mehrere Wissenschaftler als vermeintliche Kronzeugen, die sich im Anschluss von der Art der Berichterstattung distanzierten. Drosten selbst hatte die "Bild" vehement für ihren Umgang mit ihm kritisiert.
spiegel.de, presserat.de, turi2.de (Background)

Meinung: “Bild”-Bashing bedient alte Reflexe.

bildlogo"Bild"-Bashing aus Prinzip: Bei der Kritik an der Veröffentlichung von WhatsApp-Chats eines Jungen im Zusammenhang mit dem Familien-Drama in Solingen schwingen "ganz alte Reflexe" mit, schreibt Alexander Kissler in der "NZZ". Die Einordnung in Gut und Böse begradige die "unübersichtlich gewordene welt­anschauliche Front für einen Moment". Hinzu komme, dass "Bild" unter Julian Reichelt wieder politischer geworden ist und damit von Mitbewerbern "wieder ernst genommen und angegriffen" werde.
nzz.ch

“Bild” verspricht Plus-Kund*innen Bevorzugung bei “Bild kämpft für Sie”.

Bild führt ein neues Argument für ihr Plus-Abo an und verspricht den Nutzer*innen, priorisiert bei "Bild kämpft für Sie!" behandelt zu werden. In der Rubrik vermittelt das Blatt bei Streit mit zum Beispiel Behörden oder Versicherungen. Laut eigenen Angaben werden sich täglich "mehrere Hundert" Leser*innen mit Anliegen an die "Bild".
bild.de (Paid)

“Standard”: Presserat zählt 160 Beschwerden gegen Solingen-Berichterstattung.

Presserat meldet bis Dienstagmittag 160 Beschwerden gegen die Berichterstattung über die fünf toten Kinder in Solingen, schreibt der "Standard" aus Wien. Demnach steht vor allem Springers "Bild" in der Kritik. Ihr wird u.a. der Verstoß gegen Ziffer 4.2 des Kodex vorgeworfen, Fehlende Zurückhaltung bei "schutzbedürftigen Personen". Zunächst hatte RTL, später auch "Bild" aus einem WhatsApp-Chat mit einem Freund des überlebenden sechsten Kindes zitiert, RTL hatte den Freund auch interviewt und seinen vollen Namen genannt. Beide Medien nennen die Berichterstattung einen Fehler, wobei "Bild"-Chef Julian Reichelt sich zusätzlich wortreich rechtfertigt.
standard.at

Zitat: Julian Reichelt über die “Bild”-Entscheidung im Fall Solingen.

"Auch die Ermittlungsbehörden waren der Meinung, dass es der Erhellung dieses Falls und im öffentlichen Interesse angemessen ist, daraus zu zitieren."

"Bild"-Chefredakteur Julian Reichelt rechtfertigt die Berichterstattung seiner Zeitung im Mordfall Solingen damit, die Redaktion sei "zu einer ähnlichen Einschätzung wie die Ermittlungsbehörden gekommen" - deren Verantwortung der des Pressekodex "ähnelt und ähneln sollte".
deutschlandfunk.de, turi2.de (Background)

Zitat: “Bild”-Bericht über Solingen ist ein Fall für den Presserat, sagt Ulrike Simon.

"Die Mutter ist ein Fall fürs Jugendamt, 'Bild' ist einer für den Presserat."

Für Medienjournalistin Ulrike Simon zeugt die Erklärung von Julian Reichelt, RTL habe zuerst über den WhatsApp-Chat zwischen dem überlebenden Sohn aus Solingen und dessen von der Mutter begleiteten Schulfreund berichtet, von "sittlicher Unreife". "Bild" hat den umstrittenen Beitrag inzwischen von der Seite genommen.
horizont.net, turi2.de (Background), medieninsider.com (Reichelt-Mail im Wortlaut, Paid)

Meinung: Die Recherchen der “Bild” im Solinger Mordfall sind eine “Schande”.

Bild schreckt im Solinger Mordfall nicht davor zurück, aus Telefon-Nachrichten eines elfjährigen Jungen zu zitieren, was eine "Schande" für den Journalismus sei, klagt Tanjev Schultz, Professor an der Universität Mainz, bei T-Online. Wenn Redaktionen "immer neuen Sensationsstoff" erwarteten, "werden sie entsprechend beliefert". Die "Bild" hatte eine RTL-Geschichte übernommen und "sehr schnell wieder runtergenommen", um den Jungen nicht weiter identifizierbar zu machen, sagt Springer.
t-online.de , turi2 - eigene Infos

Unterhaltungschefin Sissi Benner-Stenzel verlässt “Bild”.

Tschüssissikowski: "Bild" und Unterhaltungschefin Sissi Benner-Stenzel, 43, gehen getrennte Wege, berichtet zuerst Ulrike Simon bei Horizont.net. Springer bestätigt den Abgang. Benner-Stenzel, die auch Vize-Chefredakteurin ist, verlässt "Bild" nach zehn Jahren - offiziell "auf eigenen Wunsch" und im "allerbesten gegenseitigen Einvernehmen" um sich "neuen Aufgaben zu widmen". Laut Simon habe sich der Abgang aber schon "seit längerer Zeit angebahnt".

"Bild"-Chefredakteur Julian Reichelt dankt mit warmen Worten und bedauert in der Pressemitteilung, "eine geschätzte und beliebte Kollegin zu verlieren". Ulrike Simon hört aus der Redaktion jedoch, er habe Benner-Stenzel "schlicht loswerden" wollen. Nachfolgerin wird kommissarisch ihre bisherige Stellvertreterin Janina Kirsch.
horizont.net (Paid)

Media Markt zeigt Bild-TV-Sendungen von der Ifa in seinen Märkten.

bildlogoBild TV produziert Sondersendungen zur Technik-Messe Ifa, die in diesem Jahr nur für Fachbesucher geöffnet ist. Für großes Publikum sorgt eine Kooperation mit Media Markt, wo die Sendungen in 275 Märkten auf rund 11.000 TV-Geräten laufen. Dreimal täglich stellen Moderatorin Sina Stinshoff und "Bild"-Technik-Experte Martin Eisenlauer in jeweils 15-minütigen Live-Sendungen Trends und Neuheiten der Messe vor.
axelspringer.com

Meinung: In der Redaktion der Zukunft muss nicht jeder im Büro arbeiten, findet Julian Reichelt.

Redaktionen sind am besten, wenn jeder seinen Platz hat – "das muss nicht zwingend in der Redaktion sein", sagt "Bild"-Chef Julian Reichelt im Happy-Works-Podcast von Jasmine Werner und Eva Resch. In der Corona-Krise habe er gemerkt, dass die Präsenz aller Mitarbeiter*innen Prozesse nicht unbedingt voranbringt. Deshalb wolle "Bild" seinen Mitarbeiter*innen künftig ermöglichen, dort zu arbeiten, "wo sie sich selber am produktivsten empfinden".
anchor.fm (45-Min-Audio), kress.de

Startup-Lobbyist Christian Miele klärt Twitter-Streit mit Julian Reichelt beim Dinner.

Dinner-Diplomatie: Christian Miele, Chef des Bundes­verbands Deutsche Startups und selbst Gründer, trifft sich zu einem klärenden Gespräch mit "Bild"-Chef Julian Reichelt und einem nicht genannten Springer-Vorstand. Grund ist ein eskalierter Twitter-Streit um eine Schlagzeile, in der "Bild" Naren Shaam, Berliner Gründer des Reise-Startups Omio, schlicht als "Inder" bezeichnet hatte.
twitter.com

“Bild” macht Berufsberatung für angehende Influencer*innen.

Traumberuf Influencer*in: "Bild" erklärt ihren Leser*innen, wie sie zu Online-Stars werden. Agenturchef Kevin Tewe (All in) sagt, dass es nicht auf die Zahl der Follower ankommt, sondern darauf, zu einer Marke zu passen, um für Werbedeals gebucht zu werben. Nur wegen des Geldes sollte niemand einen Auftrag annehmen: "Die Community lässt sich nicht verarschen." Influencerin Diana zur Löwen rät, alle Produkte, für die man wirbt, auch selbst zu testen und Werbung stets zu kennzeichnen – "lieber einmal mehr als zu wenig".
bild.de (Paid)

Silke Brüggemeier wechselt als Foto- und Video-Chefin zur dpa.

dpa holt zum Jahreswechsel Silke Brüggemeier von "Bild" und ernennt sie zur stellvertretenden Chefredakteurin. In ihrer neuen Rolle ist sie für die Foto- und Video-Redaktion der Agentur verantwortlich. Brüggemeier ist seit 2005 bei "Bild", wurde 2008 Fotochefin und koordinierte zuletzt Foto und Video plattformübergreifend. Bei der dpa absolvierte sie bereits ihr Volontariat.
horizont.net, turi2.de (Background)

“Bild”: Christoph Metzelder will Veröffentlichung von Verfahrensdetails verhindern.

Abwehrriegel: Die Anwälte von Sportmarketing-Mann und Ex-Nationalspieler Christoph Metzelder wollen dem Rechtsausschuss des NRW-Landtags untersagen, über Details zu den Ermittlungen gegen Metzelder zu sprechen. Außerdem sollen keine Schriftsätze dazu auf der Website des Landtags erscheinen. Die Anwälte argumentieren, andernfalls drohe mediale Berichterstattung, die mit einer Vorverurteilung einhergehe. Der "Bild" und anderen Medien ist es derzeit untersagt, Details zu den Ermittlungen zu schreiben, was über die Hintertür der Rechtsausschuss-Sitzung möglich werden könnte.
bild.de (Paid), turi2.de (Background)

Video-Tipp: Walulis zieht “Bild”-Reporter*innen durch den Kakao.

bildlogoVideo-Tipp: Walulis' Sommervertretung dokumentiert, wie die "Bild" sich ihren Ruf als "Deutschlands auflagenstärkstes Klopapier" erarbeitet, zum Beispiel indem sie die letzten 50 Stunden eines Suizid-Toten rekonstruiert oder Lebende für tot erklärt. Die Reporter*innen arbeiteten mit Maßnahmen wie "Witwenschütteln", Druck auf Promis und Übertreibungen.
youtube.com (11 Min)

Zitat: Kai Diekmann erzählt von seiner Kindheit ohne “Bild”.

"Wenn mein Vater im Urlaub die 'Bild'-Zeitung kaufte, in Dänemark, gab es Krach mit meiner Mutter."

Ex-"Bild"-Chefredakteur und Storymachine-Chef Kai Diekmann spricht mit Eventmanager Sascha Hellen über seine Kindheit in Bielefeld mit familiärem "Bild"-Verbot. Wenn sie anfangs danach gefragt wurden, hätten seine Eltern gesagt, "der macht irgendwas bei Axel Springer".
soundcloud.com (61-Min-Audio)


Kai Diekmann hält seinen “Bedarf an Bühnenpräsenz” vorerst für gedeckt.

Naturbursche: Bärtig und nebst gehörntem Gefährten plaudert Ex-"Bild"-Chef Kai Diekmann mit Anne Hähnig über seine Freundschaft zu Helmut Kohl. Mit Gerhard Schröder, gegen dessen Agenda 2010 er bei "Bild" einst lautstark trommelte, habe er sich inzwischen versöhnt. Dass er bei seiner Agentur Storymachine fast nur noch im Hintergrund arbeitet, ist für ihn offenbar in Ordnung: Sein "Bedarf an Bühnenpräsenz" sei "für die nächsten Jahrzehnte gedeckt", so Diekmann.
zeit.de (Paid)

Übermedien: Fotograf lauert Einbrechern bei Helene Fischer auf.

Fingierter Foto-Fang? Boris Rosenkranz wundert sich, dass es von einem angeblichen Einbruch auf der Baustelle der Villa von Helene Fischer (Foto) am Ammersee perfekte Fotos gibt. "Bild", Bauer und Burda, die die Bilder gedruckt haben, wollen sich zur Herkunft nicht äußern. Rosenkranz stellt die Hypothese auf, der Fotograf könnte die "Eindringlinge" selbst mitgebracht haben.
uebermedien.de (Paid)

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Die Nr. 1 im Lesermarkt!
Laut aktuellen ma-Zahlen erreicht keiner mehr Leser als BILD Deutschland Gesamt (Montag bis Samstag) und BILD am SONNTAG (Sonntag) im Segment der national verbreiteten Tages- bzw. Sonntagszeitungen.
* ma 2020 Pressemedien II; LpA BILD Deutschland Gesamt (inkl. B.Z.): 7,88 Mio. und LpA BILD am SONNTAG: 7,20 Mio.; Basis: deutschsprachige Bevölkerung ab 14 Jahre
mediaimpact.de

“Bild” sieht eingekaufte Bundesliga-Pakete als “Traumkombination”.

Bundesliga: Die Rechte-Pakete M (Highlights hinter der Paywall) und DOOH (Außenwerbung) sind für "Bild" eine "Traumkombination", sagt Nikolaus Glasmacher, General Manager Sport der "Bild"-Gruppe, im Sponsors-Interview. Springer könne damit auf Außen-Displays für seine Highlight-Clips bei Bild plus werben. Erklärtes Ziel sei es, Neukunden für das gesamt Bezahl-Angebot zu gewinnen. Als Vorteil gegenüber reinen Sport-Anbietern sieht Glasmacher, dass "Bild" auch noch "ganz viel weiteren Content" hat.
sponsors.de (inkl. 26-Min-Video)

Lese-Tipp: “Guardian” porträtiert “Bild”-Chef Julian Reichelt als “Gefühlsunternehmer”.

Lese-Tipp: Thomas Meaney erklärt in einem Langzeit-Porträt im "Guardian", wie das System "Bild" funktioniert und welche Rolle Chefredakteur Julian Reichelt (Foto) dabei spielt. Jahrzehntelang habe "Bild" alle "Schäbigkeit des Landes" an einen Ort vereint. Heute sei das Blatt weniger einflussreich als noch in den 1960ern, dafür politisch wichtiger und pflege enge Beziehungen zu Deutschlands Mächtigen. Reichelt, der schon als Teenager davon träumte, für "Bild" zu arbeiten, sieht sein Blatt als "Stimme der einfachen Menschen" und "das letzte nationale Lagerfeuer". Er sei weniger News-Impressario, sondern mehr "Gefühlsunternehmer", der es versteht, auf Stimmungen einzugehen, resümiert Meaney.
theguardian.com

Anna von Bayern wechselt von “Bild” zum Kosmetik-Konzern Coty.

Adel verpflichtet: Der Kosmetik-Konzern Coty holt Anna Prinzessin von Bayern in den Vorstand. Zuletzt war sie Journalistin bei "Bild" und hat u.a. den Polit-Talk "Die richtigen Fragen" moderiert. Bei Coty bekleidet sie das neu geschaffene Amt Chief Corporate Affairs Officer. Die Coty-Marke Wella gehört inzwischen mehrheitlich dem Investor KKR, der auch bei Springer involviert ist.
manager-magazin.de, finanznachrichten.de

Springer macht Chefredakteure Reichelt und Poschardt zusätzlich zu Sprechern der Geschäftsführung.


Doppelfunktion: Springer hebt an der Spitze von "Bild" und "Welt" die personelle Trennung von Redaktions- und Verlags­geschäft auf. Die Chef­redakteure Julian Reichelt (links) und Ulf Poschardt werden jeweils auch Sprecher der Geschäftsführung. Es ist das erste Mal, dass Springer Chefredakteure in die Geschäftsführung beruft. Springer will damit "die Bedeutung des Journalismus für die Marken" hervorheben. Redaktion und Vermarktung sollen "klar getrennt" bleiben.

Springer-Vorständin Stephanie Caspar erhofft sich durch die personelle Zusammenführung weniger Kompetenzgerangel als bisher, dafür einen engeren Austausch bei Ideen. Die Wachstumsziele für "Bild" und Welt erfordern eine "zukunftsfähige Aufstellung", die "Marken in den Mittelpunkt" stellt und die "Strukturen zwischen Redaktion und Verlag vereinfacht", sagt sie zu "Horizont". Die Redaktionen prägten die Marken "Bild" und "Welt", "daher gehören mit den Chefredakteuren Journalisten an die Spitze des Führungsteams".

Die "Bild"-Geschäftsführung besteht neben Reichelt als Sprecher künftig aus Verlagsleiterin Carolin Hulshoff Pol und Lars Moll, der von Welt Digital kommt. Bei der WeltN24 GmbH bleibt Christian Nienhaus als weiterer Geschäftsführer im Amt. Hinzu kommt ab September - wie berichtet - Ex-RTL-Chef Frank Hoffmann, der auf Torsten Rossmann folgt und alle TV- und Bewegtbildaktivitäten verantwortet.
axelspringer.com, horizont.net

Ranga Yogeshwar kritisiert Umgang der “Bild” mit Christian Drosten.

Katastrophen-Berichterstattung: Ranga Yogeshwar bezeichnet im RTL-Podcast "Fragen wir doch" den Umgang der "Bild" mit Christian Drosten als eine "Katastrophe". Er fordert: "Da sollten wir als journalistische Zunft aufstehen und 'Stopp, das geht so nicht!' sagen". Den Grund für die aggressive Berichterstattung wittert Yogeshwar im Auflagenabfall der "Bild": "Das ist vielleicht das letzte Aufbäumen, bei dem man fühlt, dass die eigene Existenz auf dem Spiel steht." Allgemein empfiehlt er, dass Journalismus weg solle von schnellen Nachrichten und hin zu mehr Tiefgang.
maassgenau.de, turi2.de (Background)

Renner: Springer liebäugelt erneut mit Sport1.


Sport1-Bild: Springer hat oder hatte offenbar erneut Interesse an der Übernahme des Sportsenders Sport1, schreibt der meist gut informierte Kai-Hinrich Renner. Es gebe "viele Quellen, sowohl im Springer- als auch im Sport1-Umfeld", die ihm davon berichten. Jedoch sei nicht auszuschließen, "dass die Gespräche zu nichts führten". Ein Springer-Sprecher will die Spekulationen nicht kommentieren, einer Sprecherin der Sport1-Mutter Highlight Communications ist von Gesprächen mit Springer "nichts bekannt". Ein Sprecher der Sport1 Medien AG sagt: "Diese Gerüchte entbehren jeder Grundlage."

Sport1 würde gut in Springers Portfolio passen, schreibt Renner und sieht Indizien dafür in der zentralen Bedeutung der Sportberichterstattung bei Bild TV und den kürzlich erworbenen Bundesliga-Rechten. Außerdem "glaubt in der Branche keiner", so Renner, dass Ex-RTL-Chef Frank Hoffmann, der spätestens Ende 2020 zur WeltN24 GmbH wechselt, mit den Sendern Welt und N24 Doku sowie der Produktionsfirma Maz & More "ausgelastet" sei. Hinzu kommt, dass Springers Media Impact bereits das Online-Angebot von Sport1 vermarktet. Schon 2017 wollte Springer Sport1 übernehmen und dem Vernehmen nach 85 Mio Euro für den Sender zahlen. Der Deal scheiterte aber offenbar daran, dass die damaligen Sport1-Gesellschafter sich zerstritten.
berliner-zeitung.de, turi2.de (Background)

Vergleich: Bild Live sendet nach Newslage, Blick TV will eher Nachrichtensender sein.

Bewegt-Bild im Blick: Die Online-TV-Sender von "Bild" und "Blick" haben ähnliche Ziel, die Herangehensweise unterscheidet sich aber, vergleicht Ulrike Simon beide Angebote. Blick TV orientiert sich an klassischen News-Sendern und zeigt eine 15-minütige Nachrichten­schleife. Bild Live dagegen sendet live, wann immer es geboten ist, z.B. bei Breaking News. Talk-, Sport- und Service-Formate ergänzen das Programm.
horizont.net (Paid)

“Bild” verschenkt Corona-Sonderbeilage mit Millionenauflage.

Bild zieht die Corona-Zwischenbilanz und legt seinen Zeitungen in mehreren Metropolregionen eine Sonderausgabe "voller Zuversicht" bei. In einigen Gegenden wandern die Blätter direkt in die Briefkästen. Aufmacher ist ein Interview mit Wolfgang Schäuble, in dem er über seine Kindheit und über Krisenzeiten spricht. Außerdem nutzt "Bild" die Aktion für Werbung in eigener Sache und erklärt ganzseitig, wie "Bild Live" funktioniert.
axelspringer.com, bild.de (Schäuble-Interview, Paid)

Kai Diekmann kritisiert Polizei-Kolumne, will “taz” aber treu bleiben.

"Ich habe von Leuten gehört, die jetzt wegen der Polizisten-Kolumne wohl ihre Anteile zurückgegeben haben. Ich selbst würde das aber nicht tun."

Kai Diekmann, Storymachine-Aufseher und einstiger Bild-Frontmann, findet die Kolumne von Hengameh Yaghoobifarah "einfach nur schlecht", die Zeitung insgesamt aber "geschmacklos gut". Deshalb werde er "taz"-Genosse bleiben.
cicero.de, turi2.de/koepfe (Profil Diekmann)

Mehmet Scholl wird fester Fußball-Experte für Bild TV.

Bild verpflichtet Ex-Nationalspieler Mehmet Scholl nach seinem einmaligen Geister-Gastspiel als festen Spieler im Expertenteam für Live-Videos. Scholl analysiert in den kommenden zwei Jahren nach Abpfiff Spiele aus Bundesliga, Champions League und Pokal sowie Spiele der Europameisterschaften. Bis 2017 war Scholl als Experte für die ARD im Einsatz, ehe es zum Zerwürfnis kam, da Scholl nicht mit der kritischen Doping-Berichterstattung einverstanden war
axelspringer.com, turi2.de (Background)

“Bild”-Redakteur Morten Wenzek: “Snapchat ist definitiv nicht tot.”


Gelber Geist für die Gen Z: Im Video-Interview mit turi2.tv erklärt Morten Wenzek, Verantwortlicher Redakteur für Neue Plattformen und Social Media, was "Bild" auf dem vielfach totgesagten Videodienst Snapchat hält: Werbeeinnahmen und eine für die Medienmarke ansonsten nahezu ungekannte Zielgruppe. Erst kürzlich hätten sein Team und er eine Snapchat-Show über Corona auch für andere Inhalte geöffnet. Jetzt versuchten sie, die hinzugewonnenen jungen Leser*innen nicht mit "Promi- oder Sport-Content zu verschrecken". Obwohl der Kanal für die Boulevard-Zeitung "wertvoll" sei, um 13- bis 24-Jährige zu erreichen, mahnt Wenzek zu kritischer Distanz. Übrigens: Auf der chinesischen Kurzvideo-Plattform TikTok produziert "Bild" aus dem traditionell China-kritischen Springer-Haus – anders als etwa die "Tagesschau" – erst gar keine Beiträge.

Im Video schlägt Wenzek außerdem vor, wie Redaktionen die neue 140-sekündige Sprachnachrichten-Funktion von Twitter für ihre Berichterstattung einsetzen könnten – und äußert sich zu Rezos Presse-Schelte. Weder Politik noch Journalismus dürften "junge Perspektiven" links liegen lassen und "aus ihrem Elfenbeinturm herab den gleichen Film abfahren, den sie schon immer machen", findet Wenzek. Auch wenn Journalist*innen stets hinterfragen sollten, was etwa Fridays for Future und andere junge Organisationen forderten: "Ich finde, Rezo hat einen guten Punkt."

Zum Streit zwischen "Bild" und dem Virologen Christian Drosten will Wenzek nichts sagen. Die Auseinandersetzung hatte sich auch auf Twitter abgespielt.
turi2.tv (11-Min-Video auf YouTube), turi2.de (Twitter-Sprachnachrichten), turi2.de (Bild vs. Drosten)

“Bild” stichelt gegen den “Spiegel”.

Bild interpretiert aus zwei Meinungs-Beiträgen im "Spiegel" einen Streit um die journalistischen Grundsätze des Magazins. "Spiegel"-Autor Philipp Oehmke (Foto) hatte sich in einem Text zur Entlassung des Meinungschefs der "NYT" für ein Ende des "Neutralitäts-Journalismus" ausgesprochen und mehr Haltung gefordert. Hauptstadt-Korrespondent Florian Gathmann widersprach und forderte, "so neutral wie möglich" zu sein. "Bild" lässt sich vom "Spiegel" versichern: "Augsteins Satz 'Sagen, was ist' leitet seit mehr als 70 Jahren unverändert den Journalismus dieses Hauses. Daran halten wir fest."
bild.de, spiegel.de (Oehmke, Paid), spiegel.de (Gathmann, Paid)

Zitat: Stefan Niggemeier kritisiert Julian Reichelts Aussagen im Springer-Podcast.

"Er verklärt die eigene schmutzige Arbeit zu etwas so Edlem, dass der Kontrast zur Realität aberwitzig wird."

Stefan Niggemeier setzt sich auf 20.000 Zeichen mit dem Döpfner-Reichelt-Podcast auseinander und konstatiert, für Mathias Döpfner und Julian Reichelt sei jeder Mensch ein Elfenbeinturm-Bewohner, der nicht zu ihnen in die Jauchegrube steigt.
uebermedien.de (Paid), turi2.de (Background)

Meinung: “Bild” erzeugt mit irreführender Headline zahlreiche Social-Media-Interaktionen.

Bild erzeugt in den sozialen Medien ein großes Echo mit einer irreführenden Überschrift, kritisiert Jens Schröder. Der Beitrag Laut Autopsie-Bericht – George Floyd (†46) hatte Coronavirus suggeriert einen direkten Zusammenhang mit seinem Tod. Die Infektion lag jedoch bereits mehrere Wochen zurück.
meedia.de

Mathias Döpfner nimmt Julian Reichelt im Podcast ins Gebet und nennt Ein-Stunden-Frist für Drosten einen “dummen Fehler”.


Im Verhör: Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner knöpft sich in Springers Inside.Pod-Podcast "Bild"-Chefredakteur Julian Reichelt (Foto) vor. Die Ein-Stunden-Frist für Virologe Christian Drosten zur Beantwortung von Fragen nennt Döpfner einen "dummen Fehler". Reichelt räumt ein, "Bild" habe sich dadurch "angreifbar" gemacht, glaubt aber: "Die Fragen hätte Drosten in der Zeit, in der er getwittert hat, beantworten können." Vom "Unantastbarkeitsprinzip" gegenüber "Heilsbringern" hält Reichelt nichts und wünscht sich, "dass die Menschen mit mir so energisch und aggressiv diskutieren wie ich auch diskutiere".

Sein "exzessives Twittern" habe er vor zweieinhalb Jahren aufgegeben und sieht es im Nachhinein als Fehler, sich in jede Debatte zu stürzen: "In einer Blase zu argumentieren, ist vollkommen hoffnungslos. Man geht immer als Verlierer heraus." "Bild" überlege gar, ihre Aktivitäten in sozialen Netzwerken einzuschränken, sagt Reichelt: "Wir füllen die Kassen von amerikanischen Plattformen dadurch, dass wir uns gegenseitig zerfleischen und schaden. Twitter lebt davon, dass Menschen sich gegenseitig schaden."

Auch mit "Bild" will Reichelt nicht "Ärgermacher aus Prinzip" sein: "Wir sollten 'Bild' nicht instrumentalisieren, um unsere eigenen Ansichten zu befeuern. Schon gar nicht sollten wir 'Bild' nutzen, um uns über andere Menschen zu erheben." (Foto: picture alliance/Norbert Schmidt)
soundcloud.com (53-Min-Audio)



Weitere Zitate aus dem Podcast:

Julian Reichelt über Wissenschaftler, die sich von der "Bild"-Berichterstattung distanzieren:
"Wissenschaft kann sich nicht aussuchen, wo sie abgebildet wird."

... über "Duelle":
"Ich möchte keine Duelle. Ich weiß, wozu Duelle führen und wie Menschen nach einem Duell aussehen. Und ich bin froh, dass es sowas bei uns nicht gibt."

... über den Unterschied von Wahrheit und Fakten:
"Ich glaube nicht an Wahrheit, aber an die bestmögliche Version der Fakten, die wir vor Deadline recherchieren können."

... über seinen Ruf, einen militärischen Führungsstil zu pflegen:
"Nichts schafft eine größere Abneigung zum Militärischen und zum Krieg als zehn Jahre im Krieg verbracht zu haben. Ich mag keine Waffen, ich finde Waffen nicht faszinierend."

"Wenn der Führungsstil militärisch wäre, gäbe es deutlich weniger Debatten bei uns."

... über Diskussionen in Blasen:
"Wir leben in einer Zeit, in der Öffentlichkeit aus verschiedenen Blasen besteht, die nahezu keine Überschneidungspunkte mehr haben."

... über "Bild" als Ventil:
"'Bild' gibt Menschen, die radikalismusgefährdet sind, eine Stimme, bevor sie sich radikalisieren."

... über Twitter-Krawall:
"Twitter als Krone der Social-Media-Niedertracht lebt davon, dass Menschen aufeinander losgehen, sich gegenseitig schaden und sich selbst schaden. Sich durch eine dumme Äußerung selber vernichten, ist das, was auf Twitter am besten funktioniert."

"Es kann nicht sein, dass wir diejenigen, die das Konzept Free Media am meisten untergraben, nämlich Social Media, dass wir denen die Kassen mit unserem Streit füllen. Das ist inzwischen meine Überzeugung."

... über "Bild"-Kritiker:
"Die wissenschaftliche Disziplin 'Bild -Kritik' besteht in allererster Linie daraus, 'Bild' nicht zu lesen. Das ist die einzige wissenschaftliche Disziplin der Welt, in der man sich ausdrücklich und stolz nicht mit dem Forschungsobjekt beschäftigt, sondern zu seinen Einschätzungen kommt, ohne sich damit zu beschäftigen."

Mathias Döpfer über "Bild"-Kritiker:
"Ich freue mich über jeden, der 'Bild' kritisiert. Das ist gut und wichtig. Aber eines ist Voraussetzung: Ich muss es schon lesen. Wass ich immer häufiger höre ist: 'Ich kann es nicht mehr lesen, ich lese es nicht mehr, aber ich weiß trotzdem, was drinsteht.' Das ist einfach nicht mehr akzeptabel: Haut drauf, aber bitte nach Lektüre."

... über das Rezo-Video zur "Zerstörung der Presse".
"Da sollte man ganz gelassen reagieren. Nicht alles, was uns nicht gefällt, ist deswegen kein Journalismus. Natürlich ist das hervorragender Journalismus, auch wenn er in der These und der Beweisführung meines Erachtens sehr brüchig ist."

Frühere Vize-Chefredakteurin Ulrike Zeitlinger verlässt “Bild”.

Bild und Ulrike Zeitlinger gehen getrennte Wege. Zeitlinger, die bis vor einem Jahr "Bild"-Vize war und seitdem "Entwicklung und Innovation" verantwortet, wolle sich "neuen Heraus­forderungen" widmen. Weitere Personalien: Jan Wolf Schäfer kehrt als Nachfolger von Nikolaus Blome vom "Focus" zu "Bild" zurück. Kim Horn, Tochter von Ex-"BamS"-Chefin Marion Horn, steigt in die Chefredaktion der "Bild am Sonntag" auf.
horizont.net, turi2.de (Background)

Die Führung von Media Impact glaubt, die Krise dank “Bild” gut überstanden zu haben.

Media Impact hat im April 23 % und im Mai 26 % geringere Netto-Werbeumsätze im Vergleich zu 2019 verzeichnet, sagen Geschäftsführerin Julia Wehrle und ihr Co-Chef Carsten Schwecke in Interview mit Horizont Online. Damit habe der Springer-Vermarkter aber Marktanteile gewonnen, vor allem dank der "Bild". Im Sommer wolle Media Impact darüber beraten, ob es künftig auch in Print mit der Ad Alliance kooperiert.
horizont.net (Paid)

“Assi-Zeitungen”: YouTuber Rezo kritisiert “Bild”, “Welt” und “FAZ”.

Die Zerstörung der Presse: Seriöse Medien sollten sich von "Assi-Zeitungen" stärker distanzieren, sonst spielen sie "Hetzern in die Hände", sagt Influencer Rezo in einem einstündigen Video bei YouTube. Darin warnt er u.a. vor Verschwörungstheorien und kritisiert die Arbeit vor allem von "Bild", "Welt" und "FAZ". Diese hätten häufig falsch über ihn berichtet. Es gebe zudem Gründe, warum etablierte Zeitungen von einigen Menschen verachtet würden: "Unethisches Verhalten ist leider keine Seltenheit", sagt Rezo. Insbesondere "Bild" und "Welt" fehle es an "moralischer Integrität". Aus Sicht von Rezo hielten sich die Redaktionen häufig nicht an den Opferschutz sowie an Persönlichkeitsrechte. Dass die "Bild" dem Virologen Drosten für die Beantwortung einer Presseanfrage nur eine Stunde Zeit ließ, sei ein "Kack-Move".

Julian Reichelt kontert bei Twitter, dass die Frist "leider" zu kurz gewesen sei, "aber wir fragen". Der "Bild"-Chef lädt Rezo zu einem Redaktionsbesuch ein, "ich komme aber auch jederzeit zu Dir" - und betont: "Dies ist keine Aufforderung zum Duell, lieber 'Spiegel'". Rezo sagt, dass er die Presse nicht zerstören wolle - anders als der Titel seines gleichnamigen Videos vermuten lassen könnte. Reichelt spricht bei Twitter von "Zerstörungsquatsch" sowie von "billigen, schnellen Likes". Rezo wisse nicht, "was 'Zerstörung' ist".
(Foto: Screenshot YouTube)
youtube.com (60-Min-Video), twitter.com (Reaktion Reichelt), t-online.de, tagesspiegel.de

Lese-Tipp: Benjamin Reuter skizziert Julian Reichelts Kampfmodus bei der “Bild”.

Lese-Tipp: "Bild"-Chef Julian Reichelt spaltet die Redaktion, beobachtet Benjamin Reuter und skizziert dessen "Kampfmodus" anhand des Streits mit Christian Drosten. Langgediente Redakteure seien unzufrieden, jüngeren kündigten wegen der "neuen, aggressiven Strategie". Jedoch gebe es eine "verschworene Gemeinschaft", die Reichelt folgt, auch wenn "die Wahrheit dabei auch mal unter die Räder" komme.
tagesspiegel.de

“FAZ”-Podcast: Kekulé relativiert Drosten-Kritik, “FAZ” lehnt Gesprächsangebot der “Bild” ab.

Mediale Antikörper: Alexander Kekulé sagt im "FAZ"-Podcast, dass auch er von der "Bild" im Streit mit Christian Drosten benutzt worden sei. Dabei stellt der Forscher klar, dass der "Tagesspiegel" ihn mit der Forderung, Drosten solle seine Studie zurückziehen, falsch zitiert habe: "Ich habe das zu keinem Zeitpunkt gefordert." Die Zeitung selbst gesteht ein, aus der Vergangenheitsform "Warum der im Umgang mit den Medien versierte, erfahrene Forscher und Politikberater die Vorveröffentlichung nicht einfach zurückgezogen und stattdessen der 'Bild' eine unnötige Angriffsfläche gegeben hat, ist schwer nachvollziehbar" die Präsens-Formulierung "Warum Drosten die Studie nicht einfach zurückzieht, ist schwer nachvollziehbar" gemacht zu haben. An seiner grundsätzlichen Kritik an der Studie hält Kekulé jedoch fest.

Andreas Krobok, Moderator des "FAZ"-Podcast erteilt zu Beginn der neuen Folge zudem Julian Reichelt eine Absage für ein gemeinsames Gespräch mit ihm und Christian Drosten. "Sorry, lieber Julian Reichelt: Uns, die 'FAZ' braucht es da nicht", sagt Krobok. Auch "FAZ"-Medienreporter Michael Hanfeld bezeichnet das Gesprächsangebot im Podcast als "wertlos". Die "Bild" verfolge eine "primitive Taktik", um Christian Drosten zu diskreditieren. Reichelt wolle ein Gespräch erst, nachdem er genug Munition gegen den Virologen gefeuert habe.
faz.net (27-Min-Audio), tagesspiegel.de (Kekulé-Text mit Korrektur), turi2.de (Gesprächs-Angebot), turi2.de ("Bild" vs. Drosten)

“Bild”-Chef Julian Reichelt bestreitet Anti-Drosten-Kampagne.

"Quatsch und frei erfunden": So wertet "Bild"-Chef Julian Reichelt den Vorwurf, sein Blatt fahre eine Kampagne gegen den Virologen Christian Drosten. Die Berichterstattung der "Bild" sei "vollkommen legitim"; seine Zeitung sei deshalb nun selbst Opfer einer üblen Kampagne - u.a. durch "FAZ" und "Spiegel". Mit Blick auf Drosten befindet Reichelt, er habe nicht gedacht, "dass wir beim Thema Heiligenverehrung in den Medien so weit gekommen sind".
"Spiegel" 23/2020, S. 18 (Paid), turi2.de (Background)