Meedia: Redaktionen von “Bild” und “Welt” könnten zusammengelegt werden.


Weltbild: Die Redaktionen der Springer-Titel "Bild" und "Welt" könnten zusammengelegt werden, hört Meedia "aus Redaktionskreisen". Vorstandsmitglied Ulrike Handel habe einen derartigen Schritt in einer Fragestunde zu ihrem geplanten Umbau "nicht ausgeschlossen". Doppelstrukturen sollen auf Wunsch Handels abgebaut werden, um die Titel für die Zukunft "sattelfest" zu machen: Vor allem die Organisationsstrukturen sind ihr derzeit "zu komplex".

Springer holt sich für die angedachte Optimierung Unterstützung von Boston Consulting ins Haus. Die Spekulationen über eine Zusammenlegung kommentiert der Verlag nicht und spricht von einem "ergebnisoffenen Strategieprojekt".
meedia.de (€), turi2.de (Background)

Kai Diekmann schreibt ein Buch über seine Zeit bei “Bild”.


Der Mann, der "Bild" war: Kai Diekmann, langjähriger Chefredakteur der "Bild", findet als PR-Unternehmer offenbar Gefallen an der Langform. Die Deutsche Verlags-Anstalt wird im Laufe des Tages ein Buch Diekmanns über seine 16 Jahre bei "Bild" ankündigen. Das Werk soll im Frühjahr 2023 erscheinen. Es ist das erste Mal überhaupt, dass ein ehemaliger "Bild"-Chef über seine Zeit bei Springers Boulevard-Blatt schreibt. Diekmann war von 2001 bis Anfang 2017 bei "Bild", bis Ende 2015 als Chefredakteur.

In dieser Zeit hat er zweifellos Pressegeschichte geschrieben, etwa mit der Schlagzeile "Wir sind Papst" zur Wahl von Joseph Ratzinger zum katholischen Kirchenoberhaupt. Durch eine Nachricht auf der Handy-Mailbox von Diekmann kam 2012 die Affäre um Christian Wulff ins Rollen. In der Folge musste Wulff als erster Bundespräsident sein Amt vorzeitig niederlegen. (Foto: Johannes Arlt für turi2)
turi2 – eigene Infos

Basta: “Bild” kritisiert Energiespartipps, die sie selbst auch gibt.

Wer im Glashaus sitzt: "Haltet ihr uns eigentlich für blöd?", fragt die "Bild" mit Blick auf vermeintlich "allseits bekannte" Ernergiespartipps von Politikern, etwa Baden-Württembergs Innenminister Thomas Strobl oder Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck. Nur: Die gleichen Tipps gibt auch die "Bild" selbst in einem anderen Artikel. Bildblog-Autor Moritz Tschermak fragt daher nicht ganz unberechtigt: Hält "Bild" die eigene Leserschaft eigentlich für blöd?
bildblog.de

Rapper Fat Comedy muss wegen Pocher-Ohrfeige vor Gericht.

Justiz-Schelle: Der Rapper Fat Comedy muss vor Gericht, weil er Comedian Oliver Pocher (Foto) am Rande eines Boxkampfs geohrfeigt hat. Die Staatsanwaltschaft Dortmund hat die Klage wegen vorsätzlicher Körperverletzung zugelassen, der Fall geht in den kommenden Monaten vor das zuständige Amtsgericht. Fat Comedy soll das aus dem Vorfall resultierende Watschn-Video benutzt haben, um Aufmerksamkeit im Internet zu erhalten; Pocher fordert 100.000 Euro Schadensersatz.
bild.de (€), turi2.de (Background)

Presserat verteilt 13 Rügen, davon vier an “Bild”.

bildlogoRundumschlag: Der Deutsche Presse­rat hat 13 Rügen gegen Redaktionen ausgesprochen, vier davon gehen an die "Bild", u.a. wegen einer verfälschten Darstellung eines Gerichts­urteils. Bei "Franken­post" und "Nord­bayerischer Kurier" stellt das Kontroll­gremium einen gravierenden Interessen­konflikt fest, beim "Tages­spiegel" die Verwendung eines falschen Zitats. Schleich­werbung erkennt der Presserat bei "Rheinische Post", "Lippische Landes-Zeitung", "Focus" und "Sächsische Zeitung".
sueddeutsche.de

Meistgeklickter Kopf gestern war Julian Reichelt.

Meistgeklickter Kopf gestern war Julian Reichelt. Gerade erst hatte der Ex-"Bild"-Chefredakteur großspurig eine neue Dachmarke angekündigt, und dann das: Eine ehemalige Reichelt-Geliebte verklagt Springer in den USA. Auf Platz 2 ist der Deutschlandchef von Amazon Prime Video, Kaspar Pflüger – gerade neu dazugekommen in den turi2-Club. Rang 3 belegt Bundesaußenministerin Annalena Baerbock.
turi2.de/koepfe (meistgeklickte Köpfe am 5.9.2022)

Ex-Mitarbeiterin von Julian Reichelt verklagt Springer in den USA.


Nachspiel: Eine ehemalige Mitarbeiterin von Ex-"Bild"-Chefredakteur Julian Reichelt reicht Klage auf Schadenersatz gegen Axel Springer in den USA ein, melden die "Zeit" und Medieninsider. Sie wirft dem Verlag demnach Rechtsverstöße in elf Punkten vor, u.a. Beihilfe zur Belästigung und Diskriminierung. Die Frau soll zum Zeitpunkt der Vorfälle in Kalifornien für "Bild" gearbeitet haben, schon bei den internen Compliance-Ermittlungen 2021 habe sie gegen Reichelt ausgesagt.

Springer will die Klage prüfen und "zu gegebenem Zeitpunkt dazu Stellung nehmen", zitiert die "Zeit" einen Unternehmenssprecher. Auch die deutschen Anwälte der einstigen "Bild"-Mitarbeiterin, Christian Schertz und Anna Sophie Heuchemer, hüllen sich in Schweigen: "Schon aus Gründen des Mandatsgeheimnisses" könnten sie dazu "keinerlei Stellung nehmen". Der juristische Streit ist für Springer aus Image-Gründen brisant: Schon länger arbeitet der Konzern daran, sein US-Geschäft auszubauen. Zuletzt hatte man für mehr als 1 Mrd Dollar das Politik-Portal "Politico" übernommen. Zudem gelten in den USA deutlich strengere Richtlinien beim Umgang zwischen Vorgesetzten und ihren Mitarbeitenden.
zeit.de, medieninsider.com (€)

Julian Reichelt sieht seine Zukunft nicht im Print und kündigt neue Dachmarke an.


Macht keinen Druck: "Ich glaube, dass Zeitung nicht mehr unser Geschäft sein wird", sagt Ex-"Bild"-Chef Julian Reichelt in einer Fragestunde, bei der Nutzerinnen u.a. Auskunft zu den Plänen seines neuen Medienunternehmens haben wollen. Das Modell des YouTube-Kanals "Achtung, Reichelt!" und "allem weiteren, was wir planen" werde ziemlich sicher nicht gedruckt stattfinden. Als Gründe dafür nennt er u.a. die hohen Papier-, Verteilungs- und Energiepreise, die es derzeit "nahezu unmöglich machen, eine neue, erfolgreiche Zeitung zu gründen". Reichelt hält Zeitung zwar nach wie vor für ein "wunderschönes Modell", aber nicht mehr für ein nachhaltiges – vor allem nicht, um große Reichweiten zu erzielen. Weil er aber genau diese Reichweite wolle, liege die Zukunft "nicht auf bedrucktem Papier".

Als neue Projekte plant Reichelt mehrere Shows abseits seines bisherigen "Achtung!"-Formats, auch mit weiteren Moderatorinnen. Die Sendungen sollen perspektivisch auf einer eigenen Website mit neuer Dachmarke beheimatet sein. In "einigen Wochen" wolle er diese Marke bekannt geben.
youtube.com (30-Min-Video)

Markus Söder gibt in der “Bild” seine Ideen zur ÖRR-Reform zum Besten.


Söders Rundfunk-Rat: Die "Bild" findet in Markus Söder einen Verbündeten gegen den öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Im Interview fordert der CSU-Chef und bayerische Ministerpräsident eine Obergrenze der Gehälter und eine generelle Beschränkung von Nebentätigkeiten in Führungs­positionen. Zudem sollten alle Verantwortlichen ihre Nebeneinkünfte offenlegen müssen: "Dabei gilt es, sich die Regeln für Abgeordnete der Parlamente zum Vorbild zu nehmen." Auf die Frage, welche ARD-Anstalten fusionieren könnten, gibt Söder keine konkrete Antwort und hinterfragt stattdessen den Unterhaltungs-Auftrag der Öffentlich-Rechtlichen: "Das können die Privaten genauso gut – und zwar ohne Gebühr."

Auch bei der journalistischen Berichterstattung gebe es Verbesserungs­potenzial: "Zu Beginn des Ukraine-Krieges war zum Beispiel Paul Ronzheimer für 'Bild' direkt vor Ort, während andere zeitversetzt aus 200 Kilometern Entfernung berichtet haben." Eine Erhöhung des Rundfunkbeitrags sieht Söder kritisch: Mit Blick auf die Inflation müsse man darüber nachdenken, die Gebühren "stabil zu halten auf dem jetzigen Level einzufrieren".
bild.de (€)
(Foto: Picture Alliance/dpa, Fabian Sommer)

Debatte: Die Nicht-Nominierung von Paul Ronzheimer für den Fernsehpreis ist überraschend.

Warum nicht? Entscheidungen wie beim Fernsehpreis stärken jene, die eine Anti-"Bild"-Verschwörung als Totschlag­argument bei aufkommender Kritik verwenden, schreibt Medieninsider Marvin Schade über die ausbleibende Nominierung von "Bild"-Reporter Paul Ronzheimer. Die Begründung der Jury für ihre Preisvergabe würde auch auf Ronzheimer zutreffen. Seine Nominierung wäre ein Experiment gewesen – "nicht einmal ein außergewöhnliches".
medieninsider.com, turi2.de (Background)

Gefälschte Ableger deutscher Newsseiten verbreiten russische Propaganda.

Desinformationswelle: Nachgebaute Webseiten von T-Online, "Spiegel", "FAZ" und "Bild" verbreiten massen­haft pro-russische Fake News, berichtet T-Online. Fake-Accounts in sozialen Netzwerken mit durch KI erstellten Profil­bildern teilen die Nachrichten, die wohl russischen Ursprungs sind. Die URLs der gefälschten Seiten ähneln den Originalen, so dass sie nur bei genauem Blick zu erkennen sind.
t-online.de, spiegel.de

Debatte: Ronzheimer und Lehfeldt ärgern sich über fehlende Nominierung beim Fernsehpreis.

Nicht preisverdächtig: "Bild"-Vize Paul Ronzheimer findet es "schade", dass ihm seine Ukraine-Bericht­erstattung keine Nominierung für den Fernseh­preis in der Kategorie "Information" eingebracht hat. Nominiert sind stattdessen Katrin Eigendorf (ZDF), Kavita Sharma (RTL/ntv) und Springer-Kollege Steffen Schwarzkopf (Welt). "Welt"-Politik-Chef­reporterin Franca Lehfeldt pflichtet Ronzheimer bei: Dessen Leistung sei "in Exklusivität und Engagement groß".
twitter.com (Ronzheimer), twitter.com (Lehfeldt)

“Bild” macht Pensionen von Ex-Deutschlandradio-Chefs öffentlich.

Zahlenspiele: "Bild" betreibt weiter Stimmungsmache gegen die Öffentlich-Rechtlichen – und bohrt nun in Sachen Pensionszahlungen beim Deutschlandradio nach. Insgesamt 738.000 Euro soll der Sender 2021 für sechs ehemalige Intendanten und deren Hinterbliebene gezahlt haben, im Schnitt 10.250 Euro monatlich. Für die Altersvorsorge vom derzeitigen Intendanten Stefan Raue habe Deutschlandradio Rücklagen von rund 2 Mio Euro gebildet.

Am Freitag hatte bereits der Business Insider Pensionsansprüche der RBB-Führungskräfte offengelegt: Dem geschäftsführenden Intendanten, Hagen Brandstäter, z.B. stehen 12.500 Euro im Monat zu. Zwischen 45 und 60 % ihres Basisgehalts zahlt der RBB offenbar den Mitgliedern der Geschäftsleitung nach ihrem Ausscheiden.
bild.de, businessinsider.de (€)

Kölner Kardinal Woelki setzt sich gegen die “Bild” durch.


Wolkige Aussicht: Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki wehrt sich vor dem Landgericht Köln im Eilverfahren erfolgreich gegen einen "Bild"-Artikel. In dem Bericht geht es um Missbrauchsvorwürfe gegenüber dem früheren Sternsinger-Chef Winfried Pilz. Die "Bild" hatte darüber berichtet, dass nach einem Umzug von Pilz weder Woelkis Vorgänger Joachim Meisner noch Woelki selbst das neue für Pilz zuständige Bistum über die Vorwürfe informiert hätten. In dem Zusammenhang hatte "Bild" den Kirchenrechtler Thomas Schüller zitiert und geschrieben: "Auch beim Motiv für Woelkis Dienstpflichtverletzung legt sich der Kirchenrechtler fest" – diese Aussage darf die "Bild" nun vorerst nicht mehr wiederholen.

Die "Bild" ergänzt den Artikel um folgende Anmerkung: "Die Äußerung von Professor Thomas Schüller, wonach Pilz bei Woelki unter Denkmalschutz stehe, wurde aus rechtlichen Gründen zunächst gelöscht." Ein Sprecher der Zeitung bezeichnet die Entscheidung als "falsch", man habe Schüller korrekt zitiert und prüfe weitere rechtliche Schritte. Zudem könne man festhalten: "Die eigentlichen Vorwürfe 'einer klaren Dienstpflichtverletzung' selbst werden von Kardinal Woelki nicht angegriffen."
spiegel.de, bild.de
(Foto: Picture Alliance / Panama Pictures, Christoph Hardt)

Bild TV peilt einen Marktanteil von 0,5 % an.

Bild TV will vom Werbekuchen naschen – und "so schnell wie möglich" 0,5 % Marktanteil erreichen, sagt Chefredakteur Claus Strunz im "Horizont"-Interview. Dies sei eine "feste Größe, wenn es um die Verteilung der TV-Werbebudgets geht" und könne "der Einstieg in ein sehr lukratives Geschäft sein". Im Juli lag der Monats-Marktanteil insgesamt bei nur 0,1 %, bei den 14- bis 49-Jährigen beim Doppelten. Als Misserfolg will Strunz den Sender nicht verstanden wissen: "Wer Bild TV auf lineares Fernsehen verengt, verkennt unsere Bewegtbild-Strategie." Die Zahlen von TV, Social und Online stünden "gleichwertig nebeneinander".
ereader.horizont.net (€)

“Bild”: Ex-MDR-Unterhaltungs­chef Udo Foht soll 1 Mio Euro “ergaunert” haben.

Alles nur Show: Der frühere MDR-Unterhaltungs­­chef Udo Foht, der ab 1. September wegen Betrug, Untreue und Steuer­­hinterziehung vor Gericht steht, soll in der Show-Branche fast 1 Mio Euro gesammelt und veruntreut haben, schreibt die "Bild". Die Zeitung nennt einige anonyme Opfer, die ihm Geld auf angebliche Firmen­konten oder in bar gezahlt haben. Ein Medien­verlag habe Foht beispielsweise 20.000 Euro gegeben, damit dieser angeblich US-Star Gloria Gaynor für eine MDR-Preis­verleihung engagieren konnte.
bild.de (€), turi2.de (Background)

Lese-Tipp: Aurelie von Blazekovic porträtiert Bild-TV-Moderatorin Nena Schink.

Lese-Tipp: Bild-TV-Moderatorin Nena Schink (Foto) strahlt ein "Das-wird-man-wohl-noch-sagen-dürfen-Gefühl ohne den Anschein der Altmänner­haftigkeit" aus, schreibt Aurelie von Blazekovic in der "Süddeutschen". Schink bediene damit eine Marktlücke. Als Kind war Talk­masterin Sabine Christiansen noch Schinks Idol, als Studentin wollte sie Investigativ­reporterin werden. Nun akzeptiere sie: "Sie ist anders".
sueddeutsche.de (€)

“Leipziger Volkszeitung” wirft “Bild am Sonntag” Artikel-Klau vor.

Copy & Paste? Die "Leipziger Volkszeitung" wirft der "Bild am Sonntag" vor, einen Artikel abgekupfert zu haben. Ein als "offener Brief" betitelter Text über einen anonymen Bürgermeister stamme "zu über 80 Prozent" aus seinem Protokoll, schreibt "LVZ"-Reporter Josa Mania-Schlegel auf Twitter. Der Inhalt sei "wörtlich kopiert", twittert "LVZ"-Chefredakteurin Hannah Suppa.
twitter.com (Mania-Schlegel), twitter.com (Suppa) via bildblog.de

Springer verzichtet bei “Bild” und “Welt” vorerst auf Einstellungen und Gehalts­erhöhungen.


Sparflamme: Springer hat sich einer starken Kostendisziplin verschrieben und will bei seinen Marken "Bild" und "Welt" vorerst auf Neueinstellungen und Gehalts­erhöhungen verzichten, berichtet Meedia. Das gehe aus einem Schreiben der Geschäfts­führung des Bereichs News Media National um "Bild"-Chef­redakteur Johannes Boie und "Welt"-Chef Ulf Poschardt hervor. Die Einsparungen betreffen demnach "alle", von Fest­angestellten über Werk­studenten bis hin zu Praktikantinnen. Die Verlängerung befristeter Verträge sei weiterhin möglich, zunächst aber auch sechs Monate begrenzt. Eine Ausnahme vom Einstellungs-Stopp stellt der Sender Welt TV dar, der ab 2023 Inhalte für den Privat-Sender Servus TV Deutschland produziert.

Grund für die Einsparungen seien "konjunkturelle Schwierigkeiten, ausgelöst unter anderem durch Krieg und Inflation", die auch die "wirtschaftlichen Ergebnisse unter Druck" gebracht hätten. Hinzu kommen steigende Papierpreise, geringere Anzeigen-Umsätze sowie das "allgemein veränderte Konsumverhalten". Ein Stellen­abbau ist nicht geplant, sagt ein Springer-Sprecher gegenüber Meedia.

In einer Rede zum Geburtstag von Verlegerin Friede Springer Mitte August hatte Springer-Chef Mathias Döpfner noch von "fast einer dreiviertel Milliarde Gewinn im vergangenen Jahr" für den Verlag gesprochen. Für 2022 rechne er mit "rund einer Milliarde mehr Umsatz als in 2020" – das wären laut "Handelsblatt" etwa 4 Mrd Euro. Das ist einem Zwei-Jahres­zeitraum das "größte Wachstum in der Geschichte des Unternehmens", sagte Döpfner.
meedia.de, turi2.de

“Bild” wittert Vetternwirtschaft bei NDR-Musikberater, der NDR widerspricht.

Melodien für Moneten: "Bild" wittert beim NDR den nächsten Fall von Vettern­wirtschaft in der ARD. Musik­berater Dieter Petereit, Lebens­gefährte der Hamburger Landes­funkhaus-Direktorin Sabine Rossbach, soll von NDR 1 Niedersachsen bis zu 50.000 Euro Honorar pro Jahr bekommen. Der NDR stellt klar: Die Beziehung war dem Sender bekannt, Rossbach habe den Auftrag jedoch nicht vermittelt, den Vertrag mit Petereit habe das Landes­funkhaus Nieder­sachsen geschlossen. Dennoch will der NDR Aufträge mit "persönlichen Beziehungen zu Mit­gliedern der Geschäfts­leitung" künftig "noch sensibler behandeln".
bild.de (Paid), ndr.de (Reaktion)

Zitat: Ferda Ataman wehrt sich gegen “Bild”-Artikel.

"Liebe ‘Bild‘, ich bezeichne Deutsche nicht als ‘Kartoffel‘. Das hatte ich Ihnen bei der Presse­konferenz auch so gesagt."

Die neue Bundes­beauftragte für Anti­diskriminierung Ferda Ataman wehrt sich bei Twitter gegen einen Bericht der "Bild", wonach Ataman sich nicht von der umstrittenen Bezeichnung "Kartoffel" für Deutsche ohne Migrations­hintergrund distanzieren will. Nach dem Tweet ergänzt die Zeitung den Satz im Text.
twitter.com, bild.de, turi.de (Background)

Ralf Schuler verlässt die “Bild”, “Cicero” veröffentlicht seinen Brief mit Kündigungs-Gründen.

Zu bunt geworden: Journalist Ralf Schuler, Leiter der Parlamentsredaktion der "Bild", verlässt die Zeitung. "Cicero" veröffentlicht einen Brief Schulers vom 6. Juli, in dem er seine Entscheidung begründet: U.a. stört er sich daran, dass sich Springer "die Agenda der LGBTQ-Bewegung zu eigen mache" – und kritisiert damit den Text von Konzern-Boss Mathias Döpfner, in dem sich dieser gegen einen transkritischen Gastbeitrag der "Welt" positioniert hatte. Schuler wolle "unter der Regenbogen-Fahne genauso wenig arbeiten wie unter den Flaggen anderer Bewegungen".
cicero.de (Paid), medieninsider.com (Paid), meedia.de, turi2.de (Background Text Döpfner)

Judith Sevinç Basad stößt zum Medienunternehmen von Julian Reichelt.

Geschwister im Geiste: Die ehemalige "Bild"-Journalistin Judith Sevinç Basad heuert offenbar bei Julian Reichelt an. Auf Twitter postet Basad ein Video, das sie in einem Studio zeigt, Reichelt läuft durch das Bild und rührt ihr Getränk um. Basad hatte im Juni ihre Kündigung bei "Bild" damit begründet, dass der Springer-Konzern vor "woken Aktivisten" einknicke.
twitter.com via medieninsider.de, turi2.de (Background)

“SZ”-Autor Ronen Steinke weist “Bild” auf antisemitischen Ursprung des Wortes “mauscheln” hin.

Zeilen-Kritik: "Süddeutsche"-Autor Ronen Steinke kritisiert die Wortwahl "Mauschel-Vorwürfe" auf der "Bild"-Titelseite von Samstag in Zusammenhang mit dem Porsche-Gate. In einem Twitter-Thread erklärt er den antisemitischen Ursprung des Wortes "mauscheln", das im 17. Jahrhundert als Spottwort für jüdische Geschäftsleute von der jiddischen Form des Namens "Moses" abgeleitet wurde. Steinke rät, das Wort nicht zu verwenden.
twitter.com

Lese-Tipp: Wie deutsche Medien über die Hitze berichten.

Lese-Tipp: Die "Süddeutsche Zeitung" macht einen "Wetterberichtsbericht" zu der Hitze-Berichterstattung deutscher Medien. Eine "symbolpolitische Maßnahme" sei es etwa, wenn die "Tagesthemen" dieser Tage die Wetter-Schalte vorverlegen. Und die "Bild"-Zeitung tue sich in "besonderer Weise" hervor, wenn sie beispielsweise eine Frau in der Überschrift fragen lässt: "Bin ich feucht oder schwitze ich nur?"
sueddeutsche.de (Paid)

Kress: Kai Traemann verlässt “Bild”-Chefredaktion.

Bild und Chefredaktions-Mitglied Kai Traemann gehen Ende des Monats getrennte Wege, bestätigt der Journalist einen Bericht von Kress. Traemann ist seit 21 Jahren bei Springer, zuletzt als Head of Audio und Moderator des Fußball-Podcasts Phrasenmäher. Er wolle sich jetzt seinen "beruflichen Traum erfüllen", die Trennung erfolge "im aller­besten gegenseitigen Einvernehmen". "Sport-Bild"-Chef Henning Feindt übernimmt als Host den Podcast.
kress.de, twitter.com

“Bild” macht Nagelsmann-Freundin Lena Wurzenberger zur Polizeireporterin.

Ins kriminelle Abseits: "Bild"-Journalistin Lena Wurzenberger arbeitet künftig als Polizei­reporterin in München, bestätigt die Zeitung gegenüber der "Süddeutschen". Die neue Freundin von Bayern-Trainer Julian Nagelsmann hat bis vor Kurzem noch über Sport­themen berichtet, vor rund zwei Wochen hatte "Bild" ihre Versetzung angekündigt, um "journalistische Leit­linien" einzuhalten.
sueddeutsche.de, turi2.de (Background)

Lese-Tipp: Hunde haben beim Springer-Verlag Tradition.

Lese-Tipp: In den 1950er Jahren schafft es Redaktions­dackel Rübezahl immer wieder aufs "Bild"-Titelblatt, da Tiergeschichten für Ex-Chefredakteur Rudolf Michael der "unmittelbare Zugang zur Leser-Seele" waren, schreibt Springer-Archiv-Leiter Lars-Broder Keil. Rübezahl wird damals zum Maskottchen, die "Bild" sucht sogar nach einer Dackeldame für ihn. Auch heute noch freuen sich Mitarbeitende, wenn Kolleginnen ihre Hunde ins Büro bringen, so Keil.
axelspringer.com

Debatte: Marie von den Benken rechnet mit Bild TV ab.

Kein gutes Haar: Bild TV ist "auf dem besten Wege" das deutsche Fox News zu werden, schreibt Autorin und Influencerin Marie von den Benken in ihrer Kolumne auf web.de. Das schaffe der Sender mit "schlechten Moderatoren", die "grotten­schlechte Texte" lesen. Damit werde Bild TV zu einem personifizierten "Das wird man ja wohl noch sagen dürfen" und erreicht damit vor allem das "deutsche Selbstdenker-Lager, in dem konsequent intellektuelle Nebensaison herrscht".
web.de

Bundespräsidialamt wehrt sich gegen “Spiegel”-Bericht.


Widerspruch: Das Bundespräsidialamt weist auf "Bild"-Anfrage einen "Spiegel"-Bericht zurück, wonach Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier den Präsidenten Wolodymyr Selenskyj am Telefon angegangen sein soll. Ein in dem Artikel verwendetes Zitat sei "weder wörtlich noch sinngemäß gefallen". Im dem 45-minütigen Telefonat vom 5. Mai habe Steinmeier eine Erklärung für seine Ausladung nach Kiew gefordert. "Bitte ersparen Sie sich selbst und mir, dass ich das jetzt alles vorlese", soll Steinmeier laut dem "Spiegel" gesagt haben – offenbar mit Blick auf Schriftverkehr, der beweisen soll, dass Selenskyj anders als behauptet von dem Vorgang Bescheid wusste. Die Ausladung sei ein historischer Affront gewesen, so Steinmeier, "einzigartig gegenüber einem Staatsoberhaupt in Friedenszeiten". Der "Spiegel" beruft sich in seinem Text auf "Schilderungen mehrerer Beteiligter", man habe "viele Gespräche mit beiden Seiten" geführt.

Mittlerweile hat der "Spiegel" seinen Text leicht angepasst: In einer unten stehenden "Anmerkung der Redaktion" heißt es, man habe dem Bundespräsidialamt vor Veröffentlichung des Artikels selbstverständlich die Gelegenheit gegeben, sich zu den Recherche-Ergebnissen zu äußern: "Eine Sprecherin Steinmeiers teilte da lediglich mit, sie wolle zu vertraulichen Gesprächen nichts sagen." Die Überschrift, in dem das Zitat ebenfalls zu lesen war, lautet inzwischen schlicht "Wie Steinmeier Selenskyj konfrontierte".
bild.de, spiegel.de (Paid)
(Foto: Picture Alliance/dpa, Britta Pedersen)

Wiener Gericht verurteilt “Bild” und “Heute” zu Entschädigung an Witwe von Unfallopfer.

bildlogoBild muss 20.000 Euro Entschädigung an eine Österreicherin zahlen, deren Ehemann im Urlaub tödlich verunglückt ist, urteilt das Wiener Landes­gericht. "Bild" hatte u.a. ein Foto veröffentlicht, das die weinende Frau über den halb­offenen Leichen­sack gebeugt zeigt, und argumentiert, man sei davon ausgegangen, sie habe den Aufnahmen zugestimmt. Das öster­reichische Boulevard-Blatt "Heute" muss für die Verbreitung der gleichen Geschichte 18.000 Euro zahlen.
derstandard.de

Türkische Zeitung “Hürriyet” kritisiert, dass keine NRW-Ministerin Migrationshintergrund hat.

Schelte aus der Türkei: Die Zeitung "Hürriyet" kritisiert, dass in der neuen NRW-Regierung unter Ministerpräsident Hendrik Wüst keine Person mit Migrationshintergrund einen Ministerposten bekommen hat, berichtet "Bild". Einwanderinnen bräuchten Vorbilder, schreibt "Hürriyet"-Autor Murat Tosun und lobt die schwarz-grüne Regierung in Schleswig-Holstein, die zeige, wie ein modernes Kabinett aussehe. Die NRW-Regierung weist auf die zentrale Rolle von Integrations-Staatssekretärin Gonca Türkeli-Dehnert hin.
bild.de

Video-Tipp: Julian Reichelt findet sich nicht radikaler als zu “Bild”-Zeiten.

Video-Tipp: "Über das Thema, mit Video und Bewegtbild große Reichweiten zu erzielen, bin ich noch nicht hinweg", verrät Ex-"Bild"-Chef Julian Reichelt im Videocast "Sodom und Corona" über seine Zukunftspläne. Der These, er sei nach seinem Abgang bei der Zeitung radikaler geworden, widerspricht er vehement. Seine inneren Positionen seien gleich geblieben, vielmehr sei das "linksgrüne Milieu" radikaler geworden, sagt er. Um Opfer der Cancel Culture zu werden, müsse er inzwischen nicht einmal mehr eine Meinung äußern, sondern "nur beschreiben, was ich im Alltag erlebe."
youtube.com


Debatte: Der WDR hat ein “kompliziertes Verhältnis” zu Springer.

Schwieriges Springer: Der WDR stolpert bei seinem "Lieblingsfeind" erneut über die eigenen Füße, schreibt "taz"-Autor Steffen Grimberg über eine abgebrochene TV-Doku zu 70 Jahren "Bild". "Wenn der WDR etwas über 'Bild' mache, werde das bei Springer immer gleich politisch ausgelegt, heißt es in der Kölner Anstalt." Damit gehe sie sich allerdings selbst auf den Leim – zudem würde man "den 'Bild'-Brei oft heißer essen, als er gekocht wird".
taz.de

Nagelsmann-Freundin darf bei “Bild” nicht mehr über den FC Bayern berichten.

Bild entbindet Sport­reporterin Lena Wurzenberger mit sofortiger Wirkung von der Bericht­erstattung über den FC Bayern München. Grund: Sie ist die neue Freundin von Bayern-Trainer Julian Nagelsmann, mit dem sie derzeit im Kurz-Urlaub auf Ibiza weilt, wie "Bild" selbst berichtet. Wurzenberger habe Springer über die Beziehung in Kenntnis gesetzt. Worüber sie künftig berichtet, werde "zeitnah mit ihr besprochen".
dwdl.de, bild.de, sueddeutsche.de (Paid)

“Fernsehen ist der Kitt der Gesellschaft” – Malte Hildebrandt über Netflix und Nachrichten.


Fels in der Brandung: "Momentan ist es gar nicht so einfach, Programm zu machen", sagt Malte Hildebrandt mit Blick auf unzählige Sonder­sendungen zu Corona und Krieg. Der Geschäfts­führer der TV-Gattungs­initiative Screenforce sieht die Zukunft der Fernseh­branche trotz der Herausforderungen "kontrolliert positiv". Am Rande der Screenforce Days erklärt er im Gespräch mit turi2-Moderatorin Aline von Drateln, dass TV gerade in schwierigen Zeiten als "Kitt der Gesellschaft" dient und eine ganz besondere Rolle hat: "Nämlich aufzuklären, sauber zu recherchieren, Qualitäts­journalismus." Auch die Nachrichten-Sendungen der Privatsender wie ntv, Welt TV und Bild TV finder er "ausgesprochen bemerkens­wert" und "zu wenig wertgeschätzt".

Die Netflix-Pläne für ein werbefinanziertes Angebot bereiten Hildebrandt keine große Sorge. Die Verkündung habe für ihn eher wie eine "Reflex" auf den starken Subscriber-Schwund gewirkt. Kommt die Werbung bei dem Streaming­dienst, heißt der Screenforce-Chef sie willkommen: "Das stärkt die Gattung Bewegtbild." Zudem werde Netflix "wahrscheinlich keine langen Werbebreaks machen", sonder sich etwa auf "Pre-Rolls" konzentrieren, meint Hildebrandt. "Deshalb schauen wir dem Thema einigermaßen entspannt entgegen."
turi2.tv (9-Min-Video)

Wir graturilieren: “Bild” wird 70.


Wir graturilieren: Springers "Bild" feiert heute ihren 70. Geburtstag – u.a. mit einer 20-seitigen Sonderausgabe am Kiosk. Chefredakteur Johannes Boie, seit sieben Monaten im Amt, blickt zwar auf einen bewegten Start beim Boulevard-Blatt, findet aber "nichts Ärgerliches, dass es wert wäre, am 70. Geburtstag zu erwähnen". Mit Blick auf die lange Geschichte der Marke findet Boie, dass die "Bild" "ziemlich oft und bei allen kritischen Seiten ihrer Vergangenheit auf der richtigen Seite stand". Als Beispiele nennt er u.a. das Festhalten an der deutschen Einheit und ein starkes Westbündnis Deutschlands.

Nach seinem Wechsel von "Welt am Sonntag" zur "Bild" hat Boie gemerkt, wie viel Spaß Boulevard macht, sagt er. Kritikerinnen legt er zum Geburtstag nahe, sich ein eigenes Bild von "Bild" zu machen und nicht nur Vorurteile zu pflegen.

“Bild” veröffentlicht zum 70-jährigen Jubiläum eine 20-seitige Spezialausgabe.

Geburtstagsgeschenk: "Bild" veröffentlicht zum 70-jährigen Jubiläum eine 20-seitige Spezial­ausgabe mit "einzig­artigen Geschichten über Politik, Promis und die Schlagzeilen von 'Bild'". Zudem gibt es "eine kleine Zeitreise zu unseren 'Bild'-Girls'. Die Geburtstags­­zeitung erscheint am Kiosk – anders als frühere Sonder­­ausgaben, die "Bild" auch schon mal massen­haft gratis verteilt hat. Die erste Ausgabe der Zeitung ist am 24. Juni 1952 in einer Start­auflage von 455.000 Exemplaren erschienen – heute sind es rund 1,2 Mio Exemplare.
bild.de, youtube.com (3-Min-Video mit Promi-Gratulationen)

Julian Reichelt beschwert sich per Brief über die Vergabe des “stern”-Preises.


Preis-Schelte: Ex-"Bild"-Chef Julian Reichelt hat sich im Vorfeld der Vergabe des "stern"-Preises (ehemals Henri-Nannen-Preis) bei der Jury über die Auszeichnung der "Spiegel"-Story "Warum Julian Reichelt gehen musste" beschwert. Sie war gestern als "Geschichte des Jahres" gewürdigt worden. Reichelt schreibt, der Text bestehe "aus Verleumdungen und Erfindungen, die sowohl persönlich als auch politisch motiviert" waren. Den beteiligten Journalistinnen schreibt er "brutalen Aktivismus" zu, sie wollten "Menschen vernichten". Die Autorinnen hätten Methoden verwendet, die "gegen alle journalistischen Standards verstoßen". Auch auf Twitter stellt sich Reichelt gegen die Berichterstattung des "Spiegel" und betont, das Zitat "Vögeln, fördern, feuern", das das Magazin in einem ersten Text zur Causa verwendet hatte, sei eine "freie Erfindung".

Zudem schreibt Reichelt, er habe "lange Zeit nicht die Kraft gefunden", sich "gegen die Wucht dieses Vernichtungsschlags zu wehren". Mut gegeben habe ihm u.a. das jüngste Urteil im Prozess Johnny Depp versus Amber Heard. In seinem Brief zieht er zusätzlich Journalistenpreise in Zweifel, die "zu allererst durch die unsäglichen Relotius-Methoden des 'Spiegel' in Verruf geraten" seien: Sie sollten nicht an "skrupellose Aktivisten" vergeben werden, die "Zitate erfinden" und "bereit sind, ihre Quellen zu verraten". (Foto: Tobias Steinmaurer / APA / Picture Alliance)
kress.de, twitter.com (Thread Reichelt), turi2.de (Background)