Meinung: Der Fall Reichelt ist nur die Spitze des Eisbergs.

Causa Reichelt offenbart ein "verstörendes Verhältnis zum aufklärerischen Journalismus" bei Springer, urteilt Stefan Winterbauer. Wenn "Bild" aus Partei-Sitzungen Infos per "Handy-Standleitung" erhalte, brüste man sich mit Exklusiv-Infos, die Veröffentlichung privater Nachrichten von Springer-Führungskräften sei aber selbst dann nicht in Ordnung, "wenn damit ganz klar eklatante Missstände aufgedeckt werden". Der "Meedia"-Chefredakteur fragt sich auch, welcher Zusammenhang eine "Querdenker-Behauptung" wie den DDR-Vergleich von Mathias Döpfner rechtfertigt. Inzwischen hat "NYT"-Autor Ben Smith die gesamte Nachricht im deutschen Original veröffentlicht.
meedia.de, twitter.com (Döpfner-Nachricht)


Zitat: Micky Beisenherz vermutet im Reichelt-Rausschmiss ein Ablenkungsmanöver.

"Also, wenn ich als CEO eines großen Medienhauses ironiefrei die letzte Bundesregierung mit der DDR verglichen hätte, dann würde ich zur Ablenkung auch erstmal meinen Chefredakteur entlassen, weil mir jetzt plötzlich aufgefallen ist, dass sein Verhalten ja so gar nicht geht."

Gag-Autor und Podcaster Micky Beisenherz spielt bei Twitter auf die von der "NYT" geleakte Chat-Nachricht von Springer-Vorstand Mathias Döpfner an Benjamin von Stuckrad-Barre an. Döpfner schreibt darin von einem "DDR-Obrigkeitsstaat".
twitter.com

“Spiegel” veröffentlicht BuzzFeed-Recherche zu Julian Reichelt.

Spiegel-Bild: Der "Spiegel" tut sich mit den Rechercheurinnen von Ippen Investigativ zusammen und veröffentlicht Teile der Recherche zur Causa Reichelt, die Verleger Dirk Ippen in den eigenen Medien unterbunden hat. Die Recherche beschreibt, wie der geschasste "Bild"-Chefredakteur sich jungen Frauen genähert hat und dass Beziehungen von Reichelt zu ihm unterstellten Frauen bis ins Jahr 2014 zurückreichen. Reichelt sei "Förderer und Verführer zugleich" gewesen, schreiben die Autorinnen. Teilweise habe Reichelt besagte Frauen in Positionen gehievt, für die sie "teils auch nach ihrem eigenen Ermessen nicht geeignet waren". Der Bericht schildert den Fall einer Frau, die unter der Situation gelitten habe – ehemalige "Bild"-Leute hätten demnach "über Monate beobachtet, wie schlecht es der Frau ging, wie sie immer häufiger krank wurde". In einem Fall habe sie Sex mit Reichelt gehabt, "weil er in Nachrichten darauf gedrungen habe, sie ihn nicht habe verärgern wollen und sich beruflich von ihm abhängig fühlte". Reichelt habe die Frau zudem dazu aufgefordert, Nachrichtenverläufe zu löschen.

Der Artikel wirft auch einen Blick in eine von Sexismus geprägte Redaktionskultur der "Bild": So würden Frauen "sowohl in der Berichterstattung, aber auch intern" vor allem nach ihrer "Fuckability beurteilt". Zudem hegen die Autorinnen Zweifel daran, ob Springer im Frühjahr "überhaupt an einer ernsthaften Aufklärung des Falls interessiert" war. Mehrere Frauen würden den Ermittlungen "grundsätzlich misstrauen". So soll eine Betroffene von einem Vertrauten Reichelts die Anweisung bekommen haben, "besser nichts" zu sagen, "wenn sich eine Anwältin bei ihr melde". Davon sollen sowohl die Compliance-Abteilung als auch der Vorstand Wind bekommen haben. Reichelts Anwalt habe manche Vorwürfe "schlicht zur Normalität" erklärt. In einem "Spiegel" vorliegenden Schriftsatz heißt es: "Ein Arbeits- und Berufsalltag ohne die Vermischung von Beruflichem und Privatem ist kaum vorstellbar."
spiegel.de (Paid), turi2.de (Background Reichelt), turi2.de (Background Ippen)

Paul Ronzheimer verabschiedet sich bei Bild Live von Reichelt, Bild.de gibt sich wortkarg.

Abschiedsgrüße: "Bild"-Vize Paul Ronzheimer verabschiedet sich bei Bild Live sichtlich angefasst von seinem langjährigen Weggefährten Julian Reichelt. Es sei für ihn ein "besonderer, schwerer Abend". Reichelt habe durch seine "journalistischen Glanzleistungen, seine Ideen und seine absolute Power" viele Menschen bei "Bild" geprägt. Auf Bild.de erfahren Leserinnen derweil so gut wie keine Hintergründe zum Reichelt-Abgang. Unter der Überschrift "Wechsel in der 'Bild'-Chefredaktion" heißt es, Springer habe Reichelt "als Folge von Presserecherchen von seinen Aufgaben" entbunden.
twitter.com, bild.de, turi2.de (Background)


Debatte: Deutsche Medien haben eine generelle Angst, sich mit Springer anzulegen.

"Bild"-Bange: Deutsche Medien tun sich schwer damit, über "Bild"-Interna zu berichten, schreiben Michael Hanfeld (Foto) und Axel Weidemann in der "FAZ". Das liege nicht nur an der "regen Rechtsabteilung" von Springer. Es gebe offenbar auch "eine generelle Angst, sich mit dem Berliner Medienhaus anzulegen". Selbst der "Spiegel" hatte bei einer Reichelt-Recherche eine Anmerkung anfügen müssen.
faz.net, turi2.de (Background)

Gestoppter “Bild”-Bericht: “FR” solidarisiert sich mit Ippen Investigativ.

Solidaritäts-Schreiben: Die Redaktion der "Frankfurter Rundschau", Teil der Ippen-Gruppe, stellt sich in einer Stellungnahme hinter das hauseigene Investigativ-Team. Man hätte den durch Altverleger Dirk Ippen gestoppten "Bild"-Text "gern gedruckt und würde dies auch weiter tun". Die Entscheidung verletze den Grundsatz der Trennung von Redaktion und Verlag: "Wir fordern unseren Verleger auf, die redaktionelle Unabhängigkeit nicht anzutasten."
fr.de via meedia.de, turi2.de (Background)

Springer entbindet Julian Reichelt von seinen Aufgaben – Johannes Boie übernimmt.


BuzzFeed stürzt Reichelt: Die Recherchen von BuzzFeed zur Causa Reichelt haben Konsequenzen, obwohl Verleger Dirk Ippen die Veröffentlichung verhindert hat. Springer entbindet "Bild"-Chefredakteur Julian Reichelt mit sofortiger Wirkung von seinen Aufgaben. Johannes Boie, aktuell Chefredakteur von Springers "Welt am Sonntag", übernimmt. Springer bezieht sich in seiner Pressemitteilung explizit auf neue "Presserecherchen". Dabei habe der Vorstand erfahren, dass Reichelt auch nach dem Compliance-Verfahren im Frühjahr weiter Privates und Berufliches vermischt hat. Aus dem Statement von Springer-Chef Mathias Döpfner spricht Enttäuschung: "Wir hätten den mit der Redaktion und dem Verlag eingeschlagenen Weg der kulturellen Erneuerung bei "Bild" gemeinsam mit Julian Reichelt gerne fortgesetzt. Dies ist nun nicht mehr möglich."

Gleichzeitig kündigt der Verlag rechtliche Schritte "gegen Dritte" an – gemeint sind offenbar Whistleblower, die Protokolle aus den Zeugenbefragungen im Rahmen der Compliance-Untersuchung gegen Reichelt weitergegeben haben. Zudem geht es um Auszüge aus einer E-Mail von Springer-Chef Döpfner, aus der die "New York Times" zitiert. Darin sagt Döpfner, Reichelt sei "wirklich der letzte und einzige Journalist in Deutschland, der noch mutig gegen den neuen DDR-Autoritätsstaat rebelliert". Dass Springer ankündigt, gegen angebliche Quellen vorgehen zu wollen, ist für Ippen-Investigativ-Chefredakteur Daniel Drepper der "nächste Skandal in dieser Sache". Damit knüpfe das Unternehmen "an die Einschüchterungsversuche der vergangenen Monate an".

Bei Twitter gibt es unter dem Hashtag #Reichelt viel Spott und Häme für den geschassten Journalisten. "Welt"-Chef Ulf Poschardt schwimmt deutlich gegen den Strom: Er gratuliert Boie zum neuen Job und bedankt sich bei Reichelt "für die großartige Zusammenarbeit und die vielen spannenden Diskussionen". Ippen-Chefredakteur Markus Knall reagiert bei Twitter mit dem Wortspiel "Ippen-Impact" auf das Reichelt-Aus. Das kommt nicht überall gut an, Stefan Niggemeier etwa nennt Knall eine "traurige Figur".  (Foto: Jörg Carstensen / dpa / Picture Alliance)
axelspringer.com (Pressemitteilung), turi2.de (Background Ippen) turi2.de/koepfe (Profil Boie)

Debatte: Ippen-Veto zeigt Zusammenprall alter und neuer Medienwelt.

Ippen-Veto gegen den BuzzFeed-Beitrag von Ippen Investigativ über Julian Reichelt offenbart, "wie unterschiedlich die alte und die neue Medienwelt ticken", schreibt Stefan Winterbauer (Foto). Verleger Dirk Ippen wolle in der Öffentlichkeit keine schmutzige Wäsche über die Konkurrenz waschen, auch weil er mit Springer-Boss und BDZV-Präsident Mathias Döpfner gemeinsame Interessen habe. In der neuen Medienwelt seien solche Rücksicht­nahmen dagegen "verpönt und von gestern". Recherchen ließen sich "nicht durch das Machtwort eines Verlegers aufhalten" und finden nun über die "New York Times" ihren Weg in die Öffentlichkeit – publiziert von Autor Ben Smith, der bis 2020 Chef­redakteur der US-Ausgabe von BuzzFeed News war.
meedia.de, turi2.de (Background)

Dirk Ippen wirbt bei Investigativ-Team um “Verständnis” für seinen Eingriff in Reichelt-Recherche.


Ippen vs. BuzzFeed: Verleger Dirk Ippen wirbt in einem via dpa veröffentlichten Statement um "Verständnis" für seinen Eingriff in die Recherche zu Julian Reichelt durch das Investigativ-Team um Daniel Drepper. Ippen verweist auf die Konkurrenz-Situation zwischen seinem Münchner Boulevard-Blatt "TZ" und Springers "Bild", die "im täglichen Wettbewerb" stehen. "Es gehört für mich zu den ältesten Grundsätzen des Journalismus, dass bei Berichten über Wettbewerber auch der Anschein vermieden werden muss, es könnten neben publizistischen auch wirtschaftliche Motive hinter einer Kritik am Wettbewerber stehen."

Er sei zu dem Thema mit dem Investigativ-Team "in Kontakt". Das Team von BuzzFeed News hatte ein halbes Jahr lang zu den Missbrauchs-Vorwürfen gegen den "Bild"-Chefredakteur recherchiert, Ippen hatte die Veröffentlichung am Wochenende verhindert. Die Gewerkschaften DJV und DJU werfen dem Verleger ein Verhalten nach "Gutsherrenart" bzw. einen "schwerwiegenden Eingriff in die Pressefreiheit" vor. (Archiv-Foto: Sven Hoppe / dpa / Picture Alliance) |
merkur.de, djv.de, dju.verdi.de

Übermedien: Buzzfeed-Verleger Dirk Ippen stoppt Bericht über “Bild”-Chef Julian Reichelt.

Gekippt: Buzzfeed-Verleger Dirk Ippen hat kurzfristig eine Berichterstattung über "Bild"-Chef Julian Reichelt verhindert, meldet Stefan Niggemeier bei Übermedien. Am Sonntag hätten bei Medien der deutschen Ippen-Gruppe bisher unbekannte Details über den mutmaßlichen Machtmissbrauch von Reichelt erscheinen sollen, das Ippen-Investigativ-Team um Chefredakteur Daniel Drepper habe rund ein halbes Jahr recherchiert. In einem Protest-Brief an Ippen und die Geschäftsleitung äußern die Investigativ-Journalistinnen deutliche Kritik an der Entscheidung und schreiben von einem "Vertrauensbruch". Das Veto des Verlegers widerspreche "allen Regeln der unabhängigen Berichterstattung". Besonders irritiert habe das Team, dass für den Stopp "keine juristischen oder redaktionellen Gründe" genannt worden seien. Auch Anrufe von Springer-Verantwortlichen bei der Ippen-Mediengruppe sollen dem Schreiben zufolge nicht der ausschlaggebende Grund gewesen sein, "sondern persönliche Geschmacksfragen". An den Recherche-Ergebnissen bestehe "ohne jeden Zweifel ein hohes öffentliches Interesse". Erst vor knapp einem Jahr hat Ippen Buzzfeed Deutschland und damit auch die Investigativ-Redaktion Buzzfeed News übernommen, im Juni erfolgte die Umbenennung zu Ippen Investigativ.

Auch ein Artikel der "New York Times" von Ben Smith geht auf den durch Ippen gestoppten Bericht ein. Außerdem sind neue Details darüber zu lesen, wie Reichelt mit jungen Kolleginnen umgegangen sein soll. Smith schreibt von einer "Mischung aus Sex, Journalismus und Firmengeld" in der "Bild"-Redaktion. Der Artikel zitiert zudem aus einer Nachricht von Springer-CEO Mathias Döpfner an Benjamin von Stuckrad-Barre, wonach man bei der internen Untersuchung gegen Reichelt "sehr vorsichtig" sein müsse, weil Reichelt "der letzte und einzige Journalist in Deutschland" sei, "der noch mutig gegen die neue DDR-Diktatur" rebelliere. Döpfner bezog sich offenbar auf einen Kommentar von Reichelt über die Corona-Maßnahmen.

Im Frühjahr hatte Springer ein Compliance-Verfahren gegen Reichelt eingeleitet. Das Ergebnis: Reichelt habe zwar Fehler gemacht, diese seien aber nicht schwerwiegend gewesen. Reichelt durfte in Folge dessen an seinen Arbeitsplatz zurückkehren und "Bild"-Chefredakteur bleiben – allerdings fortan neben Alexandra Würzbach.
uebermedien.de (Paid), nytimes.com (frei nach Anmeldung), turi2.de (Background)


“Bild” druckt erstmals seit zwei Jahren wieder Presserats-Rügen ab.

bildlogoBild hat erstmals nach zwei Jahren wieder Presserats-Rügen abgedruckt, berichtet Stefan Niggemeier bei Übermedien. Die Print-Ausgabe der "Bild" habe sich zuletzt nicht mehr an diese Pflicht gehalten, unauffällig seien Ende September fünf Rügen von 2020 auf einmal veröffentlicht worden. Damit habe das Blatt aber noch immer nicht alle bisherigen Beanstandungen abgedruckt.
uebermedien.de

Gericht: YouTube darf Videos von #AllesAufdenTisch nicht löschen.

Zeige-Pflicht: YouTube darf zwei Videos der umstrittenen Künstler-Aktion #AllesAufdenTisch doch nicht löschen, entscheidet das Landgericht Köln. Die Initiatoren, darunter der Schauspieler Volker Bruch, sehen die Sperre aufgrund von "Falschinformationen" durch die Video-Plattform nicht ausreichend begründet. Das Gericht gibt ihnen recht.
evangelisch.de, faz.net, turi2.de (Background)

IVW: Zeit Online legt am meisten zu, Bild.de fällt auf Ein-Jahres-Tief.

Weggeklickt: Bild.de verzeichnet im September laut der Klickbilanz des IVWs ein Minus von 9,3 % im Vergleich zum Vormonat und fällt damit erstmals seit einem Jahr unter 400 Mio Aufrufe (396,2 Mio). Bild.de bleibt aber die beliebteste Online-Zeitung. Auch Spiegel.de (-2,6), Focus Online (-3,7) und Welt.de (-3,7) büßen an Reichweite ein. Gewinner ist Zeit Online mit einem Plus von 4,7 % auf 77,3 Mio Visits.
meedia.de

“Bild”: YouTube löscht Videos der Aktion #AllesAufDenTisch.

Querblockade: YouTube löscht mehrere Videos der umstrittenen Künstler-Aktion #AllesAufdenTisch wegen Covid-Falschinformationen, berichtet die "Bild". Dabei handle es sich u.a. um Interviews mit dem Mathematik-Professor Stephan Luckhaus und dem Neurobiologen Gerald Hüther. Die Initiatoren der Initiative #AllesDichtMachen, Volker Bruch (Foto) und Jeana Paraschiva, wollen laut "Bild" juristisch gegen YouTube vorgehen.
bild.de, turi2.de (Background)

Jan Josef Liefers schreibt in “Bild” über Einsatz auf Corona-Intensivstation.

Praktikumsbericht: Schauspieler Jan Josef Liefers schreibt in einem Gastbeitrag in der "Bild" über seinen Einsatz auf einer Corona-Intensivstation. Alle Patienten seien "dem Tod näher als dem Leben", "alle jung" und "alle ungeimpft". Er befürworte die Impfung für Erwachsene, überlasse aber jedem die Entscheidung selbst. Liefers hatte sich nach Kritik an #allesdichtmachen bereiterklärt, eine Corona-Intensivstation zu besuchen.
bild.de, turi2.de (Background)

Karin Prien fordert Handyverbot für die Union nach Sondierungs-Leaks bei Bild TV.


Maulwurf-Jagd: Details der Sondierungs­gespräche zwischen Union und FDP sowie zwischen Union und Grünen landen in den vergangenen Tagen in Echtzeit bei Bild TV, offenbar geleaked von ein oder mehreren Unions­mitgliedern. Die CDU schadet sich mit diesen Durch­stechereien selbst, schreibt die schleswig-holsteinische Bildungs­ministerin Karin Prien in einem Gastbeitrag in der "Zeit". "So kann keine ehrliche Wahl-Aufarbeitung funktionieren." Sie fordert ein Handyverbot in den Sitzungen ihrer Partei. Die "Bild" kontert, Prien habe ein "fragwürdiges Verständnis von Journalismus". Die CDU-Politikerin sagt, die Leaks führen nur dazu, "dass die Aushandlungs­prozesse an anderem Ort stattfinden und damit an Transparenz verlieren."

CDU-Vize Jens Spahn wertet den direkten Draht zur Boulevardpresse während der Sitzungen als "ätzend", "verantwortungslos" und "in gewisser Weise auch plump", sagt er am Mittwoch bei einer Pressekonferenz . Er dementiert Gerüchte, wonach der der Maulwurf sei. Florian Schillat kommentiert im "stern", die Durchstechereien könnten die Jamaika-Pläne durchkreuzt haben: "Die FDP könnte bei einem Abschied von Jamaika nun argumentieren, dass die Vertrauensbasis für ein solches Bündnis fehle", sodass sie nicht wie 2017 als Sündenbock dasteht.
zeit.de (Paid), stern.de, t-online.de

Zitat: Christine Strobl kritisiert das Bild-TV-Programm.

"Diese Art des Zuspitzens, diese Ausrichtung auf eine Spaltung der Gesellschaft und der Umgang mit Fakten. Im Übrigen ist das Angebot bisher neben aktuellen Strecken überwiegend durch Wieder­holungen von Dokus geprägt – über Modell­bauer im Hobby­keller beispielsweise."

ARD-Programmdirektorin Christine Strobl empfindet die Berichterstattung von Bild TV als "hochproblematisch", sagt sie der "Augsburger Allgemeinen". Die andauernde Kritik von "Bild" an ARD und ZDF ziele aus ihrer Sicht darauf ab, "den öffentlich-rechtlichen Rundfunk in seiner Gesamtheit zu diskreditieren".
augsburger-allgemeine.de

Bild TV ist ein “Getöse-Sender”, findet Stefan Niggemeier.

Bild TV muss "die ganze Zeit Gas geben", urteilt Stefan Niggemeier im Übermedien-Podcast. Ziel des Senders sei es, Nachrichten zu emotionalisieren und fühlbar zu machen. Das Resultat sei ein "Getöse-Sender", auf dem sich Bildschirm-Persönlichkeiten wie Claus Strunz oder Julian Reichelt regelmäßig in Rage redeten. Auch Widerspruch gegen Bild TV ist kalkuliert und Teil der Marketing-Strategie, glaubt Niggemeier.
uebermedien.de (mit 28-Min-Podcast)

Meedia: Burda ist sauer auf Tanja May wegen geklautem Helene-Fischer-Scoop.

Not amused: Die "Bunte" ist sauer auf Ex-Chefredakteurin Tanja May wegen ihres Scoops über die Schwangerschaft von Helene Fischer bei ihrem neuen Arbeitgeber, der "Bild"-Zeitung, berichtet Meedia. Demnach hat May den Artikel am 30. September verfasst, als sie eigentlich noch bei "Bunte" unter Vertrag stand. "Bild" habe das Datum des Textes nachträglich auf den 1. Oktober umdatiert. Dass May den Artikel offenbar während ihrer Anstellung bei Burda schrieb, findet man dort "sehr unerfreulich".
meedia.de

Zitat: Paul Ronzheimer über die Bedeutung von Bericht­erstattung vor Ort.

"In der digitalen Medienwelt ist es heute mehr denn je entscheidend, Reporter on the ground zu haben und nicht von Neu-Delhi oder Istanbul aus über den Kontinent dazwischen zu berichten. Das führt zu Fehlwahrnehmungen."

"Bild"-Vize Paul Ronzheimer schwärmt im "Journalist" mit Seitenhieb gegen ARD und ZDF von seinem Ideal des Reporter-Daseins. Im Wahlkampf habe "Bild" so fair wie "noch nie über beide Kanzlerkandidaten berichtet".
"Journalist" 10/2021 (Paid)

Meinung: Reichelt-Tirade gegen “Zapp” schießt ins Leere.

Viel Lärm um nichts: "Zapp"-Redaktionsleiterin Annette Leiterer rüffelt "Bild"-Chef Julian Reichelt für dessen "emotionale" Einlassungen und "Falschaussagen" zum Beitrag des Medienmagazins über Journalismus aus dem Ahrtal. Er hätte den veröffentlichten Beitrag abwarten sollen, statt sich wegen einer Anfrage zu echauffieren. Der "Zapp"-Clip sei "kein Angriff, sondern lediglich ein ausgewogener Beitrag" mit Lob und Kritik, bilanziert auch Ralf Heimann im Altpapier.
ndr.de, mdr.de via twitter.com/daniel_bouhs, turi2.de (Background)

Video-Tipp: Übermedien schreibt der neuen „Bild“-Unterhaltungschefin einen Wikipedia-Eintrag.

Video-Tipp: Dem Übermedien-Team fällt auf, dass die neue stellvertretende Chefredakteurin von "Bild", Tanja May, noch keinen Wikipedia-Eintrag besitzt – trotz des 20 Jahre andauernden "Geschäfts mit schmutziger Wäsche" bei "Bunte". Die Redaktion verfasst kurzerhand selbst einen Text und bringt alle "fragwürdigen Methoden, mit denen die Klatsch-Redakteurin arbeitet", darin unter.
youtube.com (9-Min-Video), uebermedien.de, wikipedia.org, turi2.de (Background)

ARD und ZDF gehen juristisch gegen Bild TV vor.

Machen ernst: Die ARD bestätigt epd, rechtlich gegen den Programmklau durch Bild TV am Wahlabend vorzugehen. Es handle sich um eine "rechtswidrige Übernahme" der Berichterstattung. Gegenüber DWDL teilt das ZDF mit, mitzuziehen. ARD und ZDF hatten zuvor angegeben, juristische Schritte gegen Springer zu prüfen. Der Konzern wiederum hatte sich uneinsichtig gegeben und angekündigt, etwaige finanzielle Ansprüche "gern zu begleichen".
rnd.de, dwdl.de, turi2.de (Background)

Klick-Tipp: Statista zählt die “Bild”-Rügen.

bildlogoKlick-Tipp: Statista zählt die "Bild"-Rügen des Presserats und kommt für 2021 auf bisher 13 Stück. Über alle Medien hinweg sind es 19. Zum Vergleich: Im gesamten Jahr 2020 gab es für "Bild" 22 Rügen – Rekord seit 1991. Eine Grafik zeigt das Auf und Ab bei der Anzahl aller ausgesprochenen Sanktionen ab 1991. Laut Statista gehen 29 % von 822 seitdem gerügten Verstößen gegen den Presskodex "auf das Konto von Deutschlands größter Tageszeitung".
statista.com

Die “Zeit” wirft Storymachine mehr Schein als Sein vor.


Blick in den Story-Maschinen­raum: Die Autorinnen Hannah Knuth und Ann-Kathrin Nezik nehmen sich in der "Zeit" die Arbeit der Kommunikations­agentur Storymachine von Kai Diekmann (Foto), Michael Mronz und Philipp Jessen vor. Unter der Überschrift "Die Scheinfluencer" legen sie nahe, dass die Agentur weniger erfolgreich ist, als die Geheimnis­krämerei der Gründer vermuten lässt. Sie sprechen mit Operativ-Chef Philipp Jessen sowie Kunden und ehemaligen Beschäftigten. Über ihre Auftraggeber schweigt die Agentur normalerweise, die "Zeit" nennt aber zwei Beispiele jüngster Kampagnen: Die öffentlich angeknackste Wohnungsgesellschaft Vonovia und den Tabakkonzern British American Tobacco, den Storymachine als "modernes Unternehmen in einer gesundheitsbewussten Welt" darstellen will.

Die Berliner Agentur verdiene ihr Geld mit der "Ratlosigkeit" von Parteien und Unternehmen in Sachen Social Media und der Angst vor der "hypernervösen Öffentlichkeit", schreiben die Autorinnen. Hinter das selbst auferlegte Image als Meinungsmacher machen sie aber zumindest ein Fragezeichen. Die "Zeit" spricht mit aktuellen und ehemaligen Kunden, die sich alle anonym äußern, viele von ihnen positiv. Mehrere beurteilen die Arbeit als "hilfreich", "aber auch keine Zauberei". Andere lassen wissen, dass sie "zufrieden" sind. "Storymachine hat uns geholfen, eine Tonalität für den CEO zu finden", zitiert das Blatt einen anderen Kommunikator. Ein nicht näher benannter Konzernsprecher sagt: "Der Eindruck, dass die Agentur unsere Strategie bestimmt hat, ist falsch. Die sind sehr gut darin, sich zu verkaufen." Große Unternehmen wie die Deutsche Bahn und Volkswagen hätten die Zusammenarbeit mittlerweile beendet "oder stark heruntergefahren". Für Parteien arbeite die Agentur nur noch selten.

Zudem schreibt die "Zeit" von problematischen Arbeitsbedingungen im Berliner Büro: Ehemalige Angestellte berichten von einem "enormem Druck". "Die Fluktuation sei groß, es herrsche mitunter ein vergiftetes Klima." Selbst Philipp Jessen, früher "stern"-Journalist und heute Leiter des Tagesgeschäfts, gebe sich "keine Mühe, den Druck zu verbergen, unter dem er steht". Beim Gespräch mit der "Zeit" habe er sich erst einmal eine Aspirin eingeworfen. Gegen kritische Bewertungen auf dem Online-Job-Portal Kununu gehe Storymachine aktuell anwaltlich vor.
zeit.de (Paid), turi2.de (Background), turi2.de (Interview Kai Diekmann)

Aus dem Archiv von turi2.tv: Digital zu Gast bei Kai Diekmanns Storymachine. (02/2021)

“Bild” macht “Zapp”-Anfrage vor Berichterstattung öffentlich.


Zu früh gezappt: "Bild" veröffentlicht Stunden vor der Ausstrahlung des Medienmagazins "Zapp" am Mittwochabend eine Anfrage der NDR-Redaktion zur Berichterstattung über die Flutkatastrophe im Juli. Eine Redakteurin habe das Blatt mit "Kritik" aus "Gesprächen mit den Menschen" im Ahrtal konfrontiert, wonach "Bild" ein "Narrativ von rechten Kreisen, von Querdenkern" bediene. Das Springer-Blatt sieht sich diffamiert und bezeichnet die Anfrage als "durchsichtige öffentlich-rechtliche Medienschelte" ohne Substanz. Zudem sei sie ein "Affront gegen die Menschen im Ahrtal".

Julian Reichelt ärgert sich bei Bild TV darüber, dass das Magazin in seiner Anfrage keine konkreten Quellen benennt, sondern nur von "den Menschen" schreibt. Dass regierungskritischer Journalismus immer gleich mit Querdenken in Verbindung gebracht würde, sei grundsätzlich ein "großes gesellschaftliches Problem".

Für Medienjournalist Daniel Bouhs ist die Vorab-Veröffentlichung durch "Bild" "ganz schlechter Stil". Es wäre nur fair gewesen, die Berichterstattung "der anderen Seite" abzuwarten, schreibt er. "Zapp" selbst verweist bei Twitter auf die Sendung am Abend. Man freue sich "auf eine kritische Auseinandersetzung mit dem Film - aber bitte erst nach der Veröffentlichung". Die Sendung ist ab ca. 18 Uhr bei YouTube abrufbar.
bild.de (mit 6-Min-Video), twitter.com (Daniel Bouhs), twitter.com ("Zapp")

Debatte: Einige öffentlich-rechtliche Inhalte sollten für alle Sender freigegeben werden.

Gib den Stoff frei: Stefan Niggemeier (Foto) findet, ARD und ZDF sollten einige Inhalte wie die Sendungen am Wahl­abend für alle Medien freigeben. Zwar müsse Bild TV für den Urheber­rechts­verstoß am Sonntag belangt werden. Prinzipiell sollte "politisch außer­ordentlich bedeutsames" Material aber unter freier Lizenz stehen, sagt auch Wikimedia-Vorstand Christian Humborg.
uebermedien.de, turi2.de (Background)

Meinung: Rundfunkbeitrag soll nicht “auf dem Bild-TV-Schirm landen”.

Bild-Klau: Die Frage, ob sich Bild TV am Wahlabend am Programm von ARD und ZDF hätte bedienen dürfen, ist "freilich nicht nur eine juristische und pekuniäre", es gehe um Gerechtigkeit, meint Joachim Huber. Er wünscht sich von den Öffentlich-Rechtlichen in dieser Sache so viel Energie wie bei der Feststellung der Beitragspflicht von Haushalten und Firmen. "Wer den Rundfunkbeitrag bezahlt und damit die 'Berliner Runde' finanziert, der darf erwarten, dass die sehr wahrscheinlich unrechtmäßige Aneignung von Bildmaterial geahndet wird", schreibt Huber.
tagesspiegel.de

Video-Tipp: Thomas Gottschalk glaubt nicht, dass die Forderungen der “Bild” etwas bewirken.

Video-Tipp: Entertainer Thomas Gottschalk konfrontiert "Bild"-Chef Julian Reichelt mit der Forder-Mentalität des Blatts. "Ihr bellt dauernd irgendwas raus und nichts passiert", sagt er in gewohnter Manier bei Bild TV und nennt als Beispiel den Demut-Appell an Armin Laschet. Reichelt kontert, die Zeitung drücke damit aus, "was wir als richtig empfinden", auch wenn es dann nicht umgesetzt wird.
bild.de (9-Min-Video)

t-online: ARD und ZDF wollen Programmklau durch Bild TV gegebenenfalls rechtlich prüfen.


Bild dir dein Programm: Für das Senden von Teilen des ARD- und ZDF-Programms am Wahlabend hatte Bild TV keine Genehmigung, erfährt t-online. "Wir behalten uns vor, das Vorgehen rechtlich zu prüfen", sagt ARD-Sprecher Bernhard Möllmann. Auch das ZDF prüft juristische Konsequenzen. Bild TV, von Haus aus ARD- und ZDF-kritisch, hatte am Sonntag­abend öffentlich-rechtliches Material übertragen – u.a. fast 15 Minuten der "Berliner Runde". Springer verweist auf die Wahl als "nachrichtliches Ereignis von überragender Bedeutung", das von ARD und ZDF zwar "zentral veranstaltet wird", aber auch Menschen zugänglich sein müsste, die sich "auf anderem Wege" informieren wollen.

Der Konzern kündigt an, etwaige finanzielle Ansprüche von ARD und ZDF "gern zu begleichen". Springer gehe im Fall der Fälle aber davon aus, "dass ARD und ZDF Leistungsschutzrechte auch gegenüber den GAFA-Plattformen in gleicher Konsequenz geltend machen" – eine Spitze gegenüber den Öffentlich-Rechtlichen und deren Material, das z.B. auf Google und Facebook landet.
t-online.de, dwdl.de, rnd.de, turi2.de (Background)

Bild: Niels Starnick/"Bild"

Meinung: “Bild” befeuert Wut der Querdenkenden.

Bild macht den Mord an einem Tankstellen-Mitarbeiter in Idar-Oberstein kaum zum Thema, kritisiert Stefan Niggemeier. Man müsse sich die Frage stellen, ob die "Bild"-Berichterstattung über die Corona-Maßnahmen zur Radikalisierung des Täters beigetragen haben könnte. Die "Bild" halte zwar Abstand zu Querdenkerinnen und der AfD – "aber nicht zu vielen ihrer Positionen". Mit ihrer "Radikalität" befeuere sie deren Wut immer neu.
uebermedien.de

“Bild” wirft Nemi El-Hassan anti-israelische Instagram-Likes vor.

Ausgeherzt: Die "Bild" wirft Nemi El-Hassan mehrere anti-israelische Instagram-Likes vor. El-Hassan soll noch vor wenigen Monaten u.a. einen Aufruf zum Boykott israelischer Produkte sowie israelfeindliche Slogans mit einem Herz versehen haben. In der Nacht von Montag auf Dienstag habe die Journalistin die "Gefällt mir"-Angaben unter den beschriebenen Beiträgen gelöscht.
bild.de, turi2.de (Background)

Springer-Vorstand Jan Bayer kündigt Personal-Aufstockung an.

Springer: Vorstand Jan Bayer kündigt im Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" eine Personalaufstockung des Konzerns an: In den nächsten fünf Jahren soll die Zahl der für Springer tätigen Journalistinnen von 2.400 auf über 3.000 steigen. Zudem soll das Bewegtbild­angebot Bild Live online "mittelfristig" hinter die Bezahlschranke wandern, so Bayer. Den Vorwurf, die "Bild" würde Kampagnen betreiben, weist er zurück.
sueddeutsche.de (Paid), handelsblatt.com (Kurzfassung)

Nach Kritik: “Bild” schießt gegen Joe Kaeser.

Opferrolle: "Bild"-Politikchef Johannes C. Bockenheimer wirft Joe Kaeser vor, sein Blatt an den "rechten bis rechtsextremen Rand" zu rücken. Der "Ex-Siemens-Chef und Aktivist" hatte dem Springer-Medium auf Twitter "Volksverdummung oder -Verhetzung" vorgeworfen. Grund dafür war die Zuspitzung einer Interview-Aussage des IG-Metall-Präsidenten Jörg Hofmann zur Klima-Politik.
bild.de, twitter.com (Kaeser-Tweet)

Video-Tipp: Olaf Scholz stolpert beim Gendern.

Video-Tipp: SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz stolpert im letzten TV-Triell über die Tücken des Genderns und liefert der "Bild" so einen launigen, kurzen Zusammenschnitt mit nicht ganz geschlechtergerechter Sprache. "Arbeitnehmer und Arbeitnehmer" sowie "Bürger und Bürger" bilden nicht zwingend alle Bevölkerungsgruppen ab – auch, wenn es gut gemeint war.
twitter.com (30-Sek-Video)

“Bild”: Sky plant Reality-Show mit den Ochsenknechts.

Keeping up with the Ochsenknechts: Bezahlsender Sky plant eine Reality-Show um die deutsche Promi-Familie, berichtet "Bild". Das Format mit dem Titel "Diese Ochsenknechts" wird bereits gedreht und soll Anfang 2022 starten. Mit dabei sind Natascha Ochsenknecht (Foto) sowie ihre erwachsenen Kinder Wilson Gonzalez, Jimi Blue und Cheyenne. Ex-Mann Uwe Ochsenknecht fehlt.
bild.de (Paid)

Springer bringt kostenlose “Bild”-Sonderausgabe über die Zukunft von Deutschland.

Gedruckte Glaskugel: Springer legt heute eine kostenlose Sonderausgabe von "Bild" den regulären Ausgaben bei und verteilt sie kostenlos in Metropolregionen – Thema ist die Zukunft Deutschlands. Das Blatt mit 5,5 Mio Auflage beschwört Erfindergeist und Ideen-Reichtum. Auf dem Titel fordert Biontech-Gründerin Özlem Türeci: "Es muss ein Ruck durch Deutschland gehen." Investor Frank Thelen sagt: "Nichts schmeckt besser als ein künstliches Steak." Die Spitzenkandidaten von CDU, SPD und FDP machen in "Bild" einen "Innovations-Check". Laut Springer wollte Grünen-Kandidatin Annalena Baerbock den Fragebogen nicht beantworten.
axelspringer.com

Nach Antisemitismus-Vorwürfen der “Bild”: WDR-Moderatorin Nemi El-Hassan distanziert sich von Demo-Teilnahme.

Nemi El-Hassan, ab Oktober neue Moderatorin von Quarks beim WDR, distanziert sich nachträglich von ihrer Teilnahme an einer Al-Kuds-Demo 2014. "Keinesfalls habe ich während der Demo antisemitische Parolen von mir gegeben, noch Menschen jüdischen Glaubens körperlich angegriffen", sagt sie in einem Statement. Während Ausschreitungen sei sie nicht zugegen gewesen. Die "Bild"-Zeitung hatte zuerst über den Fall berichtet und El-Hassan u.a. die Relativierung von islamistischer Gewalt vorgeworfen.

Laut "Bild" soll sie zudem "zahlreiche" Tweets gelöscht haben, z.B. einen "über ihre Teilnahme an einer Anti-Israel-Demo, bei der extreme Hasssbotschaften" verbreitet worden sind. Der WDR zieht vorläufig keine Konsequenzen und teilt mit, man stehe mit El-Hassan "weiter im Austausch", zu weiteren Fragen werde man sich "erst äußern, wenn diese Gespräche abgeschlossen sind".
rnd.de, bild.de, spiegel.de, twitter.com

Meinung: Julian Reichelt macht CDU-Talk zur “Reichelt-Show”.

Freundschaftdienst: "Bild"-Chef Julian Reichelt besucht Springer-Manager Christian Nienhaus, der in Hagen für die CDU kandidiert, am Freitag­abend als Gast einer Diskussion der Jungen Union im west­fälischen Schwelm. DJV-NRW und Westfalenpost hatten den Besuch zuvor kritisiert. Zur "Wahl­kampf­show" für die CDU wird Reichelts Auftritt jedoch nicht, schreibt Sebastian Weiermann, eher zur "Reichelt-Show" – für Nienhaus und den weiteren CDU-Kandidaten Hartmut Ziebs bleiben "nur Statistenrollen". Mit "viel Pathos" erzählt Reichelt, dass "alles" in seiner Laufbahn auf den 11. September 2001 zurückzuführen sei. Das Ahrtal nennt er den "Ground Zero" der Flutkatastrophe. Geschickt greift Reichelt manche Vorlagen seiner Gesprächs­partner auf, lässt andere dafür bewusst unerwidert.
uebermedien.de

“Bild”-Vize Paul Ronzheimer verteidigt seine Auslandseinsätze und kritisiert ARD, ZDF und seine Kritiker.

Frontschnüffelhund: "Bild"-Vize Paul Ronzheimer verteidigt im großen Interview mit der NZZ seinen forcierten Auftritt in Afghanistan, erläutert seine Motive und kritisiert die Konkurrenz. Ronzheimer hat es sich zum "Markenzeichen gemacht, überall dort einzureisen, wo andere ausreisen", schreibt die "NZZ", "stets begleitet von Kameras und Schlagzeilen". Die Kritik, ein "Showreporter" ("NZZ") zu sein, weist Ronzheimer zurück: Die Kritik habe "viel mit Neid zu tun". Auf den "regelrechten Personenkult" ("NZZ") um Ronzheimer angesprochen antwortet Ronzheimer: "Eine Boulevardzeitung muss immer mit Personalisierungen arbeiten", damit "es jemanden gibt, der die Zuschauer an der Hand nimmt und Themen einführt". In Deutschland werde "dieser Journalismus abgefeiert, wenn er von CNN kommt" und "angeprangert" bei "Bild".

Die Konkurrenz von ARD und ZDF kritisiert Ronzheimer hart: Deren "Bürokratie, Risikoscheu und Bräsigkeit" verhinderten, "dass sie Reporter vor Ort haben". Die "deutschen Reporter würden sich zwar trauen, aber sie gehen unter im Zuständigkeitswahn". Die Sicherheitslage für westliche Journalisten sei "zumindest im Moment weniger heikel". Die Taliban hätten "ein großes Interesse daran, mit uns zu kommuninizieren". Für Journalisten bestehe "die größte Gefahr darin, von Gangstern oder von IS-Leuten entführt zu werden". Allerdings stelle sich die Frage: "Wie lange finden die Taliban unsere kritische Berichterstattung gut?" Ronzheimer, der sich für eine elf Minuten lange Live-Schalte mit Bild TV selbstbewusst und direkt von einer Siegesfeier der Taliban von einem hörbar besorgten Moderatoren-Duo befragen lässt, sagt: "Ich traue den Taliban nicht, ihre Ideologie hat sich nicht verändert." Als Interview-Scoop kann Ronzheimer ein Gespräch mit dem obersten Taliban-Sprecher Zabihullah Mujahid vorweisen.
nzz.ch, bild.de (Videoschalte), bild.de (Sprecher-Interview), turi2.de (Background)

“BamS” widmet Annalena Baerbock wegen Interview-Absage leere Seite.

Weil Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock wohl kein Bock auf ein Interview hatte, druckt die "BamS" an Stelle des Gesprächs eine leere Seite. Unter dem reißerischen Titel "Das ist ihre Seite, Frau Baerbock" heißt es, die Politikerin habe als erste grüne Spitzenkandidatin vor einer Bundestagswahl ein Interview abgelehnt weil sich "angeblich" kein Termin finden ließ. Darauf folgt die Ankündigung auf ein Interview mit CDU-Kandidat Armin Laschet in der nächsten Sonntagsausgabe. Im Kleingedruckten werden alle Grünen-Spitzenkandidaten aufgelistet, die sich vor einer Bundestagswahl von "BamS" interviewen ließen.
"BamS" S. 8 (E Paper)

“Bild”-Berichterstattung: Springer muss 30.000 Euro Entschädigung an Schauspielerin zahlen.

bildlogoSpringer muss 30.000 Euro Entschädigung an die österreichische Schauspielerin Julia Stemberger zahlen. 2018 hatte die "Bild" ihr im Rahmen der "Me-Too"-Berichterstattung eine zwei Jahrzehnte alte Affäre mit Regisseur Dieter Wedel angedichtet. Springer war gegen ein Urteil von November 2019 in Berufung gegangen, das Kammergericht Berlin gab der Darstellerin nun recht und spricht von einer "schweren Verletzung der Persönlichkeitsrechte". Vor drei Jahren hatte Stemberger bereits eine Gegendarstellung in der "Bild" durchgesetzt.
sueddeutsche.de (Paid)

MDR: Wegretuschiertes “Bild”-Logo war “Entscheidung einer einzelnen Person”.

MDR entschuldigt sich im "Sachsenspiegel" nochmals für das wegretuschierte "Bild"-Logo auf einem Mikrofon. Inzwischen spricht der Sender nicht mehr von "ästhetischen Gründen" als Motiv, sondern von der "Entscheidung einer einzelnen Person, die den Beitrag redaktionell erstellt hat". Man habe den Beitrag nun korrigiert.
bild.de, turi2.de (Background)