FinCEN-Files: Deutsche Bank und Co versagen im Kampf gegen Geldwäsche.


Geld-Erklärungsnot: Mafiagruppen und andere Verbrecher*innen sollen über Großbanken wie die Deutsche Bank weltweit Geld gewaschen haben, zitieren der NDR, der WDR und die "Süddeutsche Zeitung" aus geleakten Unterlagen des US-Finanzministeriums. Die Banken seien "nachlässig", die Behörden "überfordert". Über die Deutsche Bank und weitere sollen eine russische Mafiagruppe und ein Helfer von Terrorgruppen Mio gewaschen haben – in großem Umfang, lange und durch das Versagen der Sicherheitssysteme. Christian Sewing, Vorstandschef der Deutschen Bank, sei mitverantwortlich, dass die Verbrecher*innen die Bank so lange nutzen konnten. Er und seine Abteilung untersuchten die Vorgänge 2014 und gaben grünes Licht. Die Deutsche Bank bestreitet, dass Sewing direkt oder indirekt an der Prüfung beteiligt war.

Die Unterlagen wurden Buzzfeed News zugespielt, die Redaktion hat sie mit dem International Consortium of Investigative Journalists geteilt. In Deutschland haben die "Süddeutsche Zeitung", NDR, WDR und der deutsche BuzzFeed-Ableger die Daten ausgewertet und veröffentlichen die Ergebnisse als FinCEN-Files. Grundlage der Recherche sind über 2.100 Berichte aus den Jahren 2000 bis 2017: Banken haben der US-Kontrollbehörde Financial Crimes Enforcement Network darin verdächtige Transaktionen von insgesamt mehr als zwei Bio Dollar gemeldet. Verdächtige Überweisungen müssen laut US-Recht eigentlich binnen 30 tagen gemeldet werden – die Großbanken brauchen aber teilweise Jahre. Das Geld, das gewaschen werden soll, stammt zum Beispiel aus Waffen- und Drogenhandel.
sueddeutsche.de, tagesschau.de (Zusammenfassung), buzzfeed.com, projekte.sueddeutsche.de (FinCEN-Files), icij.org (Rechercheergbenisse bei ICIJ)

Synergien und Kontrapunkte: Jan Ippen über BuzzFeed und die Zeitungs-Zukunft.


Neues vom Nerd: "Vollzeit-Nerd" nennt Jan Ippen sich selbst gerne – im Video-Interview mit turi2.tv erklärt der Geschäftsführer von Ippen Digital, dass er trotzdem Zeitung liest. Er sieht sich selbst als "Brücke" zwischen dem klassischen Zeitungsgeschäft, das sein Vater Dirk Ippen jahrzehntelang mit der Ippen-Gruppe aufgebaut hat, und dem, "was wir an Digitalem aufbauen". Neuster Baustein ist der deutsche Ableger des US-Portals BuzzFeed.

Wie passt der zu Tageszeitungen wir "Frankfurter Rundschau" und "Münchner Merkur"? Ippen findet, dass sich die Frage gar nicht stellt: Er versteht Ippen Digital nicht als "Zeitungs-Portale", sondern als "Plattform mit diversen Medieninhalten". Bei BuzzFeed freut er sich über die junge Zielgruppe, beim investigativen BuzzFeed News findet er "Synergien zu einer 'FR', aber auch die Kontrapunkte mit einem 'Merkur'" "phänomenal". Wichtig sei ihm ein freier und pluralistischer Journalismus: "Wir versuchen nicht, unter einer Marke alles irgendwie zu konsolidieren."

Ob die Zukunft der Medien irgendwann papierlos ist? Für Ippen ist das "eine Frage der Zeitachse". Medien auf Papier sieht er langfristig als "Liebhaber-Produkt". Statt der klassischen Zeitung werde es dann Produkte geben, die "die Legacy der Zeitung" aufgreifen. Im klassischen Geschäft findet er "viele fantastische Bausteine", die er "Stück für Stück" in die digitale Zukunft transformieren will. Dabei setzt er u.a. auf eine Personalisierung, die Filterblasen vermeidet.

Die Zeitungsgruppe, die seinen Namen trägt, sieht Jan Ippen auch dann noch in Familienhand, wenn sein Vater und Gründer Dirk Ippen die Führung irgendwann abgibt: "Wir als Gesellschafter sind ja auch schon aktiv." Dass er irgendwann selbst allein an der Spitze der Gruppe stehen wird, verneint er: "Das kann ein Mensch alleine gar nicht mehr unter einer Feder führen und konsolidiert managen. Das muss am Ende des Tages auf viele Köpfe verteilt werden."
turi2.tv (17-Min-Video auf YouTube)

Jan Ippen sieht BuzzFeed-Kauf als Jungbrunnen für seine Redaktionen.

BuzzFeed: Jan Ippen, Leiter des Digitalgeschäfts der Ippen-Gruppe, sieht im Zukauf von BuzzFeed Deutschland keine "Midlife Crisis" seines Verlags, sondern eine Art Jungbrunnen für seine Redaktionen. Die bisherigen Mitarbeiter*innen müssten lernen, "ein Publikum ab 15 Jahren zu adressieren". Profitabel will Ippen BuzzFeed u.a. mit zusätzlicher Suchmaschinenoptimierung machen.
"Spiegel" 36/2020, S. 55 (Paid), turi2.de (Background)

Ippen Digital übernimmt BuzzFeed Deutschland.


Neue Eltern: BuzzFeed Deutschand lebt unter dem Dach von Ippen Digital weiter. Offiziell ist die Rede von einer "Partnerschaft". Die deutschsprachigen Ausgaben von BuzzFeed, BuzzFeed News und dem Rezepte-Angebote Einfach Tasty werden Teil des Ippen Digital Redaktions­netzwerks. Bis Ende 2020 soll BuzzFeed komplett auf dessen Plattform wechseln. Das Berliner Team von Buzzfeed geht "unter gleichen Bedingungen" und "ohne Einbußen vollständig zu Ippen mit, schreibt Chefredakteur Daniel Drepper bei Twitter. Zudem soll die Redaktion weiter wachsen. Das Investigativ-Team von Buzzfeed News soll Impulse für die Ippen Digital Zentralredaktion liefern.

Jan Ippen, Gründer und Geschäftsführer von Ippen Digital, erhofft sich von dem Zusammenschluss einen "zusätzlichen Wachstumsimpuls" und will das Angebot in Deutschland, Österreich und der Schweiz "marktgerecht weiterentwickeln". Drepper freut sich, mit Ippen einen "journalistischen Partner, keinen auf schnelle Erträge fixierten Investor" gefunden zu haben. Im April hatte BuzzFeed angekündigt, seinen deutschen Ableger verkaufen zu wollen. Ippen Digital betreibt mehr als 80 News-, Regional- und Special-Interest-Portalen in ganz Deutschland, u.a. Merkur.de und Tz.de, Fr.de und Fnp.de sowie die Verticals Ingame.de oder 24auto.de.
ippen-digital.de, spiegel.de, twitter.com (Drepper) turi2.de (Background)

BuzzFeed will mit eigener Shopping-Plattform Umsätze generieren.


Wandel mit Handel: BuzzFeed startet die Plattform BuzzFeed Shopping. Bisher hat das Unternehmen auf Affiliate-Marketing gesetzt und damit 2019 rund 300 Mio Dollar verdient. Nun entwickelt sich BuzzFeed zu einer "ungewöhnlichen Kombi aus Nachrichten, Unterhaltung und Kommerz", schreibt Ann-Marie Alcantara bei WSJ.com. Wohl nicht ohne Zwang: Das Unternehmen hatte schon vor der Krise wirtschaftliche Probleme, die sich durch Corona verstärkt haben. Im Mai hat BuzzFeed bekannt gegeben, sich künftig auf Nachrichten zu konzentrieren, die großes Klickpotential in den USA haben, die lokale Nachrichten- und Politikberichterstattung in Großbritannien und Australien an den Nagel zu hängen und einen Käufer für den deutschen Ableger zu suchen.

Nilla Ali, verantwortlich fürs Shopping bei BuzzFeed, erklärt den Schritt gegenüber WSJ.com mit den sich wandelnden Gewohnheiten der Zielgruppe, die vor zwei Jahren noch nicht geneigt gewesen sei, außerhalb der "traditionellen" Online-Shops zu kaufen. Durch Instagram Shopping und Co habe sich das geändert. BuzzFeed kooperiert bei seiner Plattform mit Shop Bonsai, einer E-Commerce-Plattform, die Verlage und Marken verbindet. Die redaktionelle Unabhängigkeit sieht Ali nicht gefährdet.
wsj.com, turi2.de (Background)

“manager magazin”: Corona wird BuzzFeed & Co “Zusammenschlüsse und Pleiten” bescheren.


In der Klickfalle: Corona offenbart die "Lebenslügen" von Entertainment- und Reichweiten-Portalen wie BuzzFeed, Vice und Business Insider, analysiert das "manager magazin". Der "Reichweitenfetisch" habe sich nicht erst in der Pandemie als Irrglaube erwiesen. Die einstigen Klick-Könige sind heute froh, "wenn sie ein Jahr ohne Entlassungen auskommen", schreibt Philipp Alvares de Souza Soares. Am besten kommt in seiner Analyse noch Springers Business Insider weg, obwohl Alvares nahelegt, dass Springer-Boss Mathias Döpfner sich verspekuliert hat, als er 2015 für 88 % von BI stolze 343 Mio Dollar hingeblättert hat. Zum Vergleich: Jeff Bezos schnappte sich die "Washington Post" zwei Jahre zuvor für nur 250 Mio.

Immerhin hat BI bald nach dem Springer-Einstieg auf Paid Content gesetzt und zählt inzwischen 200.000 Abonnent*innen. 2019 stand ein Umsatz von gut 100 Mio Dollar, nur noch ein Drittel davon kam aus Werbung – und es soll als "Achtungserfolg" einen "kleinen Gewinn" gegeben haben. Beim deutschen Ableger versucht seit 2019 ein neues Team in Berlin, das "Billigimage abzustreifen" – mittelfristig soll es auch hier Bezahl-Inhalte geben, schreibt das "mm".

Konkurrent BuzzFeed zeigt, wie klebrig Klick-Content ist: Große Werbeerlöse ließen sich mit den teuren aber gefeierten Recherchen von BuzzFeed News kaum erzielen – in den USA verdient das Portal nun mit Produkt-Verkäufen aus Koch-Videos, der deutsche BuzzFeed-Ableger steht zum Verkauf. Auch Digital-Veteran Vice wandelt sich: Hier müssen derzeit vor allem Journalist*innen gehen, weil sie "für 50 % unserer Personalkosten, aber nur 21 % unseres Umsatzes stehen", zitiert das "manager magazin" aus einem Memo von CEO Nancy Dubuc.
"manager magazin" 7/2020, S. 76-79 (Paid)

BuzzFeed zieht den News in Großbritannien und Australien den Stecker.

BuzzFeed konzentriert sich künftig auf Nachrichten, die großes Klickpotential in den USA haben und gibt die lokale Nachrichten- und Politikberichterstattung in Großbritannien und Australien auf. Zehn britische und vier australische Nachrichtenmitarbeiter verlieren ihre Jobs. BuzzFeed UK werde vorerst weiterhin Redakteure beschäftigen, die über Nachrichten mit "globalem Publikum" berichten. Das Unternehmen hatte schon vor der Krise wirtschaftliche Probleme, nun gehen die Werbeeinnahmen noch weiter zurück. BuzzFeed sucht seit kurzem nach einem Käufer für den deutschen Ableger.
theguardian.com

Buzzfeed will deutschen Ableger verkaufen.


1 Tweet, der alles verändert: Philipp Jahner, Head of Entertainment von Buzzfeed Deutschland, twittert, der Ableger mit neun Beschäftigten stehe zum Verkauf. Europa-Chef Mark Rogers sagt, man wolle "Partner identifizieren, die es uns ermöglichen, unser Geschäft in Deutschland weiter aufrechtzuerhalten." Der weltweite wirtschaftliche Abschwung durch Corona zwinge das Unternehmen zur Investoren-Suche, es habe keine Ressourcen, "um weitere Geschäftsfelder zu unterstützen, die sich noch nicht in einer starken Position befinden". Buzzfeed hat Anfang des Jahres begonnen, in Deutschland eine eigene Werbevermarktung mit Fokus auf Native Advertising aufzubauen.
handelsblatt.com, twitter.com (Jahner), sueddeutsche.de, turi2.de (Bachground)

Buzzfeed baut in Deutschland eine eigene Vermarktung auf.


Friede ist mit ihnen: Buzzfeed baut rund fünfeinhalb Jahre nach dem Start seines deutschen Ablegers eine eigene Werbevermarktung in Deutschland auf. Dafür holt der US-Konzern Alina Friede von Springer und ernennt sie zur Vermarktungschefin. Im Zentrum der Werbevermarktung soll wie beim US-Original vor allem Native Advertising stehen. Als einen der ersten Werbekunden konnte Buzzfeed die Dating-App Tinder gewinnen.

Friede hat sich bei Springer zuletzt vor allem um internationale Werbekunden gekümmert. 2016 kam sie vom Landwirtschaftsverlag zu Springer, wo sie zuvor bereits als Trainee ausgebildet wurde. Buzzfeed hat sein deutschsprachiges Portal im Oktober 2014 gestartet, bislang jedoch nicht aktiv vermarktet.
horizont.net

Buzzfeed: Amazon nimmt Sicherheits-Risiken bei Zustellungen in Kauf.


Schneller als der Verstand erlaubt: BuzzFeed News und ProPublica veröffentlichen eine gemeinsame Recherche, derzufolge Amazon für seine Zustell-Angebote wie Same-Day-Delivery hohe Sicherheitsrisiken hinnimmt. Der Konzern, der mehr als die Hälfte seiner Pakete inzwischen selbst zustellt, habe Kurse, die neue Fahrer durchlaufen sollten, um sicher zu fahren, nie durchgeführt. Führungskräfte hätten Sicherheits-Richtlinien außer Kraft gesetzt. In Stoßzeiten habe Amazon z.B. einen Nachtblinden und einen Marihuana-Konsumenten eingestellt.

Die Fahrer seien permanent unter Zeitdruck, verzichteten auf Pausen und Essen. Amazon sagt, man habe mehr als 500 Änderungen an der Liefer-App "Rabbit", mit der die Zusteller arbeiten, vorgenommen, um die Sicherheit zu erhöhen. Der Konzern bestreitet, Schnelligkeit über Sicherheit zu stellen. Laut des Artikels waren Amazon-Fahrer seit 2015 an 60 Autounfällen mit schweren Verletzungen beteiligt, bei 13 davon kamen Menschen ums Leben.
buzzfeednews.com (Bericht), businessinsider.de (Zusammenfassung)

Landgericht Berlin untersagt Vice und Buzzfeed Verdachtsberichte über Berliner Arzt.

Verdachtsberichterstattung: Das Landgericht Berlin bestätigt eine einstweilige Verfügung gegen Berichte von Vice und Buzzfeed über einen Berliner Arzt, der homosexuelle Patienten sexuell missbraucht haben soll. Das Gericht wertet die Berichte als vorverurteilend und vermisst eine Distanzierung zu Aussagen der Patienten. Der Beschuldigte selbst wollte keine Stellung nehmen.
sueddeutsche.de

Meinung: BuzzFeed und Vice gelten nicht mehr als Journalismus-Heilsbringer.

BuzzFeed und Vice, früher als Heilsbringer des Online-Journalismus gefeiert, geraten selbst unter Druck, beobachtet Martina Kix. Sie spricht mit den Chefredakteuren der deutschen Ableger, die sich gegen Abgesänge wehren, aber u.a. einräumen, Reichweite via Facebook einzubüßen. Rasmus Kleis Nielsen vom Reuters Institute sagt, junge Medienmarken stünden durch Investoren noch stärker unter Druck.
"Zeit" 24/2019, S. 25 (Paid)

BuzzFeed: Facebook hat EU-Expertenrat mit Gelder-Entzug erpresst.


False friend: Facebook soll Mitgliedern eines Beratergremiums der EU-Kommission gegen Fake News und Desinformation gedroht haben, die Unterstützung für Projekte bei zu harter Regulierung zu kappen, schreibt BuzzFeed. Vier der insgesamt 39 Experten haben Investigate Europe und BuzzFeed News Deutschland davon erzählt. Es habe außerdem Interessenskonflikte gegeben, weil mindestens zehn Personen direkt oder indirekt Geld von den Plattformen erhielten. In der Arbeitsgruppe sitzen u.a. Vertreter von Facebook, Google, Twitter, Sky, AFP, ARD, Bertelsmann und Reporter ohne Grenzen.

Im Abschlussbericht der Gruppe geht es v.a. um freiwillige Regulierung der Plattformen. Monique Goyens, Vorsitzende des Europäischen Verbraucherverbands, sagt, vor allem Facebook-Cheflobbyist Richard Allan habe Druck ausgeübt und via Flurschelte gedroht, die Unterstützung für Projekte einzustellen. Die Gruppe habe zuvor überlegt, ob die Kommission die Geschäftsmodelle von Facebook, Google und Twitter konkret untersuchen solle, danach aber nicht mehr über die Idee abgestimmt. Der entstandene Verhaltenskodex sei ein "Feigenblatt", so Goyens.
buzzfeed.com

Zitat: Vice und Co haben sich zu sehr auf Facebook-Algorithmen verlassen, sagt Ulrike Simon.

"Womöglich wäre der eine oder andere in der aktuellen Situation ganz froh, ein Schlachtross hinter sich zu wissen, alternd und schrumpfend zwar, aber noch immer gewinnbringend genug, um im Zweifel ein wenig Sicherheit zu bieten."

Ulrike Simon sieht die einst aussichtsreiche Zukunft von Digital-only-Medien bröckeln, wenn sogar die Mitarbeiter von Vice aus Angst vor Entlassungswellen einen Betriebsrat gründen wollen.
horizont.net

Junge Online-Nachrichtenportale wollen unabhängiger von Werbeeinnahmen werden.

Online-Portale wie BuzzFeed und Vice wollen sich unabhängiger von schwankenden Werbeeinnahmen machen, beobachten Isabell Hülsen und Martin Müller. BuzzFeed betreibt in New York ein Erlebnisgeschäft für Spielzeug. Gemeinsam mit einer Universität bietet das Unternehmen zudem Social-Media-Kurse an. Junge Nachrichtenportale wie Vice mussten zuletzt Mitarbeiter entlassen.
spiegel.de, turi2.de (Background)

Aus dem Archiv von turi.tv: Daniel Drepper bastelt für BuzzFeed auch lustige Listen.


BuzzFeed macht das Geld mit Witzvideos, beobachtet Veronika Wulf.

Lese-Tipp: Veronika Wulf besucht die deutsche BuzzFeed-Redaktion, um herauszufinden, wie wachsende Relevanz und schrumpfende Belegschaft zusammengehen. Ob der deutsche Ableger sich selbst trägt, verrät Daniel Drepper nicht, die meisten Klicks sammelt BuzzFeed über Witzartikel. Dass die Seriosität unter einem Journalismus-Modell leidet, das sich u.a. durch Katzenvideos und den Verkauf von Produkten wie Kochtöpfen finanziert, glaubt Drepper nicht.
sueddeutsche.de (Paid), turi2.de (Background)

Aus dem Archiv von turi.tv: Daniel Drepper bastelt für BuzzFeed auch lustige Listen.

Zahl des Tages: BuzzFeed News lockt zahlende Unterstützer mit exklusiven E-Mails.

Zahl des Tages: Um 5 Dollar im Monat bittet BuzzFeed News seine Leser zur Finanzierung der Recherchen. Das neue Mitglieds­programm bietet den Unterstützern exklusive E-Mails, soll aber kein Vorbote für eine Paywall sein. Wer 100 Dollar im Jahr zahlt, bekommt zudem einen Stoffbeutel.
techcrunch.com, support.buzzfeednews.com

Demonstranten gehen in Chemnitz auf Reporter los.

Rechte Reporter-Jäger: Sogenannte besorgte Bürger attackieren bei erneuten Protesten in Chemnitz mindestens zwei Journalisten. T-Online-Redakteur Jan-Hendrik Wiebe (Foto) wird neben einem Polizeifahrzeug angegriffen und verliert sein Mikro. Buzzfeed-Reporterin Pascale Müller wird die Kamera aus der Hand geschlagen. In Chemnitz marschieren AfD-Funktionäre an der Seite von Pegida-Unterstützern und bekannten Neonazis. (Foto: Screenshot Twitter)
twitter.com (Angriff auf Wiebe), twitter.com (Angriff auf Müller)

Nachtrag, 2. September, 12:35 Uhr: Offenbar wurden weitere Journalisten bei ihrer Arbeit in Chemnitz angegriffen, dokumentiert Patrick Gensing.
twitter.com (Tweet-Sammlung)

Buzzfeed testet freiwilliges Bezahlmodell.

Buzzfeed testet in Kooperation mit Google ein freiwilliges Bezahlmodell. Nutzer werden aufgefordert, einen selbst gewählten Betrag zu zahlen, um umfangreiche Berichterstattung zu finanzieren. Die Inhalte bleiben frei zugänglich. Bei Erfolg des Modells könnte Buzzfeed zusätzliche Funktionen für Abonnenten anbieten. Bei der technischen Umsetzung hilft Google im Rahmen seiner News Initiative.
digiday.com

Hör-Tipp: BuzzFeed verkauft auch News mit dem Mitteln des Boulevards.

Hör-Tipp: Clickbait-Portale wie BuzzFeed fallen in letzter Zeit immer öfter mit Exklusiv-Recherchen auf, sagt Daniel Bouhs. Auch die verkauft BuzzFeed mit den Mitteln des Boulevards, um Leser "anzufixen". Die Strategie: Recherchen in Emotionen wickeln. Bei den News gehe es BuzzFeed weniger um Klicks, sondern mehr um "Impact", also die Erwähnung in anderen Medien. Die Redaktion besetze gezielt Themen, die andere Medien nicht abdecken.
deutschlandfunkkultur.de (8-Min-Audio)

Netflix zeigt in seiner BuzzFeed-Serie auch Folge über eine deutsche Reporterin.

Netflix zeigt in "Follow This", seiner Dokumentation über BuzzFeed, auch eine Folge aus Deutschland. Darin portraitiert Netflix die Reporterin Juliane Löffler, die zum Leben von intersexuellen Menschen recherchiert und der Frage nachgeht, wie das geplante Gesetz für ein drittes Geschlecht ihr Leben ändert. Die Folge erscheint zusammen mit fünf anderen am 23. August. Insgesamt hat die Serie 21 Folgen.
per Mail, turi2.de (Background)

BuzzFeed koppelt selbst recherchierte News von Klick-Content ab.

BuzzFeed gibt seinen selbst recherchierten News eine eigene Website. Künftig laufen harte Nachrichten auf buzzfeednews.com, auf der Mutterseite buzzfeed.com herrscht weiter der Klick-Content mit Memes und Gifs. BuzzFeed News will sich mit der neuen News-Seite als seriöse Nachrichten-Quelle profilieren. Zwischen den Seiten soll es weiter Verweise und Links geben.
techcrunch.com, buzzfeednews.com

BuzzFeed-Chefredakteur Ben Smith sieht die Plattform nicht als Anti-Trump-Medium.

BuzzFeed sei nicht gegen Trump, sondern für Millenials, sagt Chefredakteur Ben Smith der dpa. Trump hatte BuzzFeed verklagt, weil das Portal ein Dossier des britischen Geheimdienstexperten Christopher Steele veröffentlichte. Andere Medien hatten es abgelehnt, es wirft Trumps Wahlkampfteam Kontakte zur russischen Regierung vor. Smith verteidigt die Veröffentlichung.
derstandard.de, turi2.de (Background)

Basta: BuzzFeed-Redakteur bittet um Praktikum bei Robin Alexander.

Robin Alexander Nah dran: BuzzFeed-Rechercheur Karsten Schmehl geht der Frage nach, wie "Welt"-Redakteur Robin Alexander (Foto) an Infos aus dem Innersten der deutschen Politik kommt. Aber auch der Beitritt in die geschlossene Facebook-Gruppe "Gespräche über die Union - CDU/CSU!" bringt keine Erkenntnisse. Da hilft wohl nur eins: Schmehl bittet um ein Praktikum bei Alexander.
buzzfeed.com

Buzzfeed: Merkel-Podcast wird offenbar sehr teuer von union-naher Firma produziert.

Merkel-Podcast hat zwischen 2006 bis 2017 mehr als eine Mio Euro und damit im Schnitt 750 Euro pro Minute gekostet, schreibt Buzzfeed. Er wird von Evisco produziert, einer Firma, die zur Hälfte Politikberater Roland Berger gehöre und zu 40 % dem Schwiegersohn von Ex-CSU-Chef Edmund Stoiber. Berger sagt auf Buzzfeed-Anfrage, er halte inzwischen keine Anteile mehr an dem Unternehmen. Das Bundespresseamt gibt an, in dieser Zeit keine Beratungsaufträge an Berger vergeben zu haben.
buzzfeed.com

Juliane Leopold soll die Redaktion von tagesschau.de leiten.

Juliane Leopold, Gründungschefredakteurin der deutschen BuzzFeed-Ausgabe, soll Chefin von tagesschau.de werden, schreibt Kai-Hinrich Renner. Die ARD-Intendanten müssen der Personalie noch zustimmen. Nach ihrem Abschied von BuzzFeed hat Juliane Leopold tagesschau.de bereits beraten. Redaktionsleiterin Christiane Krogmann hat ihren Job wegen eines Streits mit "Tagesschau"-Chef Kai Gniffke aufgegeben.
morgenpost.de, turi2.de (Background)

Aus dem Archiv von turi2.tv: Juliane Leopold über das Rezept für viralen Erfolg. (2015)

BuzzFeed-Chef Jonah Peretti wünscht sich mehr Geld von Facebook.

BuzzFeed: CEO Jonah Peretti beklagt im Interview mit Digiday, dass Facebook Umsatzbeteiligungen für Inhalteproduzenten nur bei neuen Diensten wie Instant Articles biete, aber nicht für den Newsstream. Dabei mache Facebook damit den größten Umsatz. Peretti regt eine Beteiligung von z.B. zwei Cent für jede Minute "gut verbrachter Zeit" auf Facebook an. Er setzt darauf, dass sich Google und Facebook aus eigenem Interesse für Qualitätsinhalte einsetzen, "falls nicht, werden sie reguliert". Für Stefan Winterbauer klingt Peretti schon wie die deutschen Verlegerverbände.
digiday.com via meedia.de (Winterbauer)

Google und Facebook werden für News zahlen, glaubt Jonah Peretti.

Nachrichten sind nicht per se ein schlechtes Online-Geschäftsmodell, argumentiert BuzzFeed-Chef Jonah Peretti. Google und Facebook müssten früher oder später die Produktion hochwertiger News unterstützen, um nicht reguliert zu werden. Wer wie BuzzFeed Qualitäts-Nachrichten digital mit hoher Reichweite biete, habe eine Chance - und gegenüber z.B. der "New York Times" und der "Washington Post" einen Kostenvorteil.
digiday.com

Klick-Tipp: BuzzFeed-Gründer Jonah Peretti erläutert seine Strategie.

Klick-Tipp: BuzzFeed-Gründer Jonah Peretti verbindet seinen Ausblick 2018 mit einer deutlichen Google- und Facebook-Kritik. In Zeiten von Fake News sollten sie endlich Qualität bevorzugen und Publisher besser bezahlen. Peretti schildert eine neue strategische Ausrichtung: BuzzFeed soll diversifizieren und 2019 die Hälfte seines Umsatzes außerhalb klassischer Werbung erzielen, etwa mit Produkte-Verkauf und Video-Produktion.
buzzfeed.com, niemanlab.org

BuzzFeed entlässt etwa 100 Mitarbeiter in den USA und UK.

BuzzFeed trennt sich in den USA und Großbritannien von etwa 100 Mitarbeitern. Das Unternehmen nimmt deutlich weniger mit Werbung ein als erwartet. BuzzFeed Deutschland unter Daniel Drepper ist nicht betroffen. Im Sommer hatte BuzzFeed seine Anti-Banner-Politik beendet und bindet seitdem Display-Anzeigen auf seiner Website und seinen Mobil-Apps ein.
wsj.com turi2.de (Background)

Aus dem Archiv von turi2.tv: Deutschland-Chefredakteur Daniel Drepper zu seinem Antritt bei BuzzFeed.


Analyse: Anzeigenfinanzierte Online-Medien haben es zunehmend schwer.

Online-Medien: Der niedrige Kaufpreis für Mashable und die offenbar verfehlten Einnahmeziele von BuzzFeed und Vice zeigen, wie abhängig selbst große Medien-Startups von den Verschiebungen im Werbemarkt sind, analysiert Ricardo Bilton. Anzeigenfinanzierte Online-Medien haben es demnach zunehmend schwer, während die Anzeigen-Geschäfte bei Google und Facebook gut laufen. Das "Wall Street Journal" hat berichtet, dass BuzzFeed und Vice ihre Erlösziele verpassen.
niemanlab.org, wsj.com (Paid), turi2.de, turi2.de (Background)

Basta: BuzzFeed-Partyspiel ruft zu peinlichen Social-Media-Aktionen auf.

Asoziales Netzwerk: BuzzFeed verkauft das Partyspiel Social Sabotage, das die Spieler zu peinlichen Social-Media-Aktionen auffordert. Auf den Karten steht z.B. "Sende Deiner Mutter: Meine Windel ist voll" oder "Poste bei Facebook: Ich überlege, Fotos meiner Füße online zu verkaufen". Ein ideales Spiel also, um endlich den Freundeskreis zu dezimieren.
theverge.com

Zitat: BuzzFeed-News-Chef Daniel Drepper weiß, wie er Menschen im Netz erreicht.

"Ich glaube, kaum ein anderes Unternehmen im Journalismus weiß so gut wie wir, wie man Menschen im Netz erreicht."

Daniel Drepper, deutscher Chef von BuzzFeed News, nimmt sich beim Verkaufen von Geschichten seine Entertainment-Kollegen als Vorbild.
journalist-magazin.de

weitere Zitate:

"Geschichten in den sozialen Netzwerken funktionieren unabhängig von der Marke. Das heißt, die Leute klicken nicht irgendwas an, bloß weil Buzzfeed draufsteht. Für uns bedeutet das, dass wir jede Geschichte so spannend anteasern müssen, dass sie geklickt wird."

"Uns ist es wichtig, dass wir Geschichten aus unserem eigenen Blickwinkel erzählen und nicht das nachmachen, was schon erschienen ist oder schon drei Mal so ähnlich gesagt wurde."

"Wir brauchen Kollegen, die bereit sind, sich dauernd mit uns zu verändern. Was wir überhaupt nicht gebrauchen können, sind Leute, die sich für was Besseres halten."

Aus dem Archiv von turi2.tv: Daniel Drepper bastelt für BuzzFeed auch lustige Listen.

Auch Google hat Werbe-Targeting von Rassisten zugelassen.

Google: Werbekunden können Anzeigen für Nutzer buchen, die nach antisemitischen oder rassistischen Aussagen googeln, recherchiert BuzzFeed. BuzzFeed hatte eine Anzeigen-Kampagne für Nutzer gestartet, die mit Google nach Aussagen wie "Schwarze ruinieren alles" oder "Zionisten kontrollieren die Welt" gesucht haben. Google hat die Anzeigen nach einer Anfrage von BuzzFeed gestoppt und sagt, es versuche bereits, anstößige Kampagnen zu erkennen, wolle darin aber besser werden. Zuvor war bekannt geworden, dass Facebook Anzeigenkunden ermöglicht, Werbung bei antisemitischen und rassistischen Nutzern auszuspielen.
buzzfeed.com, mashable.com, turi2.de (Background)

14 Journalismus-Organisationen fordern Freilassung von Journalisten in Türkei.

Türkei: 14 Journalismus-Organisationen fordern in einem offenen Brief an Erdogan die Freilassung von Deniz Yücel und den anderen aus politischen Gründen inhaftierten Journalisten in der Türkei. Zu den Unterzeichnern gehören der DJV, Netzwerk Recherche und Correctiv, Initiator ist der Recherche-Verband Journalists Network. Die Organisationen verlangen von der Türkei, rechtsstaatliche Prinzipien und faire Prozesse zu garantieren. Der Brief soll auch in türkischen Medien erscheinen. Yücel sitzt am 10. September, seinem 44. Geburtstag, seit 209 Tagen in Haft.
kress.de, journalists-network.org

Daniel Drepper weckt Aufbruchsstimmung bei Buzzfeed.

Buzzfeed Deutschland erlebt seit dem Dienstantritt von Daniel Drepper als Chefredakteur eine Aufbruchsstimmung, schreibt Marvin Schade nach einem Besuch der Redaktion in Berlin. Der erfahrene Recherche-Journalist Drepper will Buzzfeed mit aufmerksamkeitsstarken, seriösen Geschichten neues Gewicht verleihen, was auch der Vermarktung zugutekommen könnte. Bis Ende 2017 soll die Redaktion auf 13 Festangestellte wachsen.
meedia.de

Aus dem Archiv von turi2.tv: Daniel Drepper bastelt für BuzzFeed auch lustige Listen.