Twitter reagiert auf chinesische Kampagne gegen Hongkong-Proteste.

China: Twitter und Facebook haben Accounts gesperrt, die kampagnenartig im Sinne der chinesischen Staatsführung die Proteste in Hongkong diskreditierten. Twitter schaltet zudem seine Werbetools für Staatsmedien ab, allerdings nicht für unabhängige, gebührenfinanzierte öffentlich-rechtliche Medien. Twitter hat nach eigenen Angaben 936 aktive und rund 200.000 noch nicht eingesetzte Accounts gesperrt. Facebook hat fünf Accounts, sieben Seiten und drei Gruppen gelöscht.
spiegel.de, twitter.com (Staatsmedien), twitter.com (gesperrte Accounts), turi2.de (Background)

Huawei präsentiert Betriebssystem Harmony OS.

Huawei stellt seine Android-Alternative Harmony OS vor. Das Betriebssystem soll auf Smartphones, Computern, Tablets und Uhren laufen. Huawei wird voraussichtlich den Zugang zum Google-System Android verlieren, nachdem Präsident Trump die chinesische Firma zum Staatsfeind erklärt hat. Harmony OS soll quelloffen sein und auch auf Geräten anderer Hersteller laufen können. Setzt es sich durch, müssten Anbieter von Apps neben iOS und Android eine dritte Version entwickeln.
manager-magazin.de, turi2.de (Background)

USA: Trump verbannt Geräte von chinesischen Tech-Firmen aus den Staatsbehörden.


Verbannt: US-Präsident Donald Trump macht ernst und verbietet US-Bundesbehörden ab dem 13. August, Telekommunikations- und Videoüberwachungsgeräte sowie Dienstleistungen direkt bei chinesischen Tech-Konzernen zu kaufen. Betroffen sind die Firmen Huawei, ZTE sowie Hytera und Hikvision, die als nationale Sicherheitsbedrohung eingestuft werden. Die USA befürchtet Spionage für die chinesische Regierung durch die Techkonzerne.

Vereinzelt sollen bei Bundesbehörden Ausnahmen beantragen werden können – wenn die Beteiligten nicht davon ausgehen, dass ihre Zusammenarbeit mit den jeweiligen Unternehmen eine Sicherheitsbedrohung darstellt. Präsident Trump hatte im Mai per Dekret den Notstand in der Telekommunikation ausgerufen – der Schritt galt als weiterer Schlag gegen das chinesische Huawei.
techcrunch.com, cnbc.com, turi2.de (Background)

The Information: Huawei musste Google-basierten Smartspeaker einstampfen.


Zwangsscheidung: Google und Huawei haben vor der Eskalation des Handelsstreits zwischen den USA und China gemeinsam an einem Smartspeaker gearbeitet, berichtet The Information. Der geplante Huawei-Sprachassistent sollte im September auf der Ifa in Berlin vorgestellt werden, das Projekt für das gemeinsame Gerät musste jedoch im Mai eingestampft werden.

Geplant war ein Huawei Sprachassistent, der auf Basis des Google Assistants hätte laufen sollen. Der smarte Speaker sollte weltweit auf den Markt kommen und auch in den USA online verkauft werden. Der Bann vom US-Markt hat Huawei bereits dazu gezwungen, die offene Android-Version für seine Smartphones zu verwenden. In der Open-Source-Variante von Android fehlen offizielle Google-Updates sowie u.a. die YouTube- und Gmail-Apps.
theinformation.com, techcrunch.com, theverge.com

TikTok-Mutter ByteDance bestätigt Smartphone-Pläne.


Telefon-Joker: TikTok-Mutter ByteDance kooperiert mit dem Gerätehersteller Smartisan Technology und bringt ein Smartphone auf den Markt. Smartisan habe schon vor der Zusammenarbeit entsprechende Pläne vorangetrieben, die Entwicklung läuft seit sieben Monaten. Das Smartphone soll auf die Ansprüche der Zielgruppe abgestimmt sein – was das konkret heißt, ist noch nicht klar, gute Video-Funktionen dürfen aber als gesetzt gelten.

ByteDance hat sich durch den Erfolg von TikTok – trotz Kritik wegen Datenmissbrauchs und unzulänglichem Jugendschutz – und der chinesischen Schwester-App Douyin in die Liga der Tech-Konzerne Baidu und Tencent Holdings vorgearbeitet. Seit einiger Zeit investiert ByteDance auch außerhalb der Social-Media-Branche, u.a. in AI.
reuters.com, turi2.de (Background)

Alibaba lässt US-Verkäufer auf seine Großhandels-Plattform.


Angriff im Amazon-Land: Der chinesische Gigant Alibaba öffnet seine Großhandels-Plattform für Verkäufer aus den USA. Sie können ihre Produkte nun über alibaba.com an Millionen Kunden verkaufen. Als erste kommen Frischwaren-Händler Robinson und Büroausstatter Office Depot auf die Plattform. Die Öffnung der 1999 gestarteten Plattform richtet sich auch gegen Amazon, das sich mit Business-Angeboten als Freund der Einkaufsabteilungen positioniert hat.

Alibaba sendet mit den ersten US-Verkäufern nicht nur das Signal, weiter international expandieren zu wollen. Es macht auch ein Angebot an die US-amerikanische Politik im fortlaufenden Handelskonflikt mit China. Alibaba könnte eine Erlösquelle für Firmen aus den USA werden, die bislang nur bestellen konnten. Das Portal Alibaba.com ist dabei nur ein Teil des Alibaba-Konzerns, das auch Alipay, das Auktionshaus Taobao und den Shop Tmall betreibt. (Foto: Da Qing / Imaginechina / Picture Alliance)
bloomberg.com

“Öko-Test”: Verantwortliche sollen 1,2 Mio Euro in China veruntreut haben.

Öko-Test: Laut interner Dokumente sind bei der Tochter der SPD-Medienholding 1,2 Mio Euro in Asien verschwunden, schreibt die "Süddeutsche Zeitung". Die Verantwortlichen hätten sie bei gescheiterten China-Geschäften veruntreut. Die Staatsanwaltschaft ermittelt, Das Amtsgericht Frankfurt hat eine Durchsuchung angeordnet.
"Süddeutsche Zeitung", S. 12 (Paid)

Huawei streicht offenbar Jobs in den USA.

Huawei will Mitarbeiter in den USA entlassen, schreibt das "Wall Street Journal". Betroffen seien Angestellte der auf Entwicklung spezialisierten Tochterfirma Futurewei Technologies, wofür bisher 850 Mitarbeiter in mehreren US-Städten arbeiten. Zwischen China und den USA tobt ein Handelskonflikt. Huawei hat die Einsparungen bisher nicht bestätigt.
handelsblatt.com, wsj.com, turi2.de (Background)

China sperrt nun auch “FAZ” und “Süddeutsche”.

Das Netz wird engmaschiger: China blockiert nun auch die Websites von "Süddeutsche" und "FAZ". Bisher blockierte das System vor allem große Tech-Plattformen und englischsprachige Medien, die über kritische Themen wie Tibet oder auch die Verfolgung der Uiguren in Xinjiang berichten. Auch die "Tagesschau" wird seit Ende Juni blockiert. Am Samstagfrüh ist u.a. Focus Online und Abendblatt.de geblockt, ein großes Ströer-Portal und ein Wirtschaftsblatt aus Düsseldorf bisher aber ebensowenig wie turi2.de, ergeben Tests mit VPN-Tunneln nach China.

Die Sperr-Infrastruktur, von Spöttern Große Chinesische Firewall genannt, gilt als die effizienteste Internet-Zensurmaschine der Welt diesseits vom plumpen Kappen des kompletten Datenverkehrs. Die Kriterien sind naturgemäß nicht bekannt. Das Netz in China ist seit jeher unfrei, die Zensur von aus chinesischer Perspektive eher kleiner Medien stellt aber eine neue Qualität dar. Grund könnten Berichte über die ungewöhnlich großen Proteste in Hong Kong gegen ein neues Auslieferungsgesetz sein.
sueddeutsche.de, faz.net, tagesschau.de

Mitarbeit: Dirk Stascheit

Chinas Polizei durchsucht mit einer App offenbar die Handys von Touristen.

China: Personen, die über den Landweg von Kirgisistan nach China einreisen, müssen Grenzpolizisten ihr Handy geben, woraufhin die Beamten eine Software installieren, die das Gerät unter anderem auf Koransuren und Texte über den Dalai Lama, Tibet oder Taiwan absucht. Die "Süddeutsche Zeitung" hat die App von einem Touristen erhalten und zusammen mit weiteren Medien untersuchen lassen.
sueddeutsche.de

Vorwerk produziert Thermomix statt in Wuppertal künftig in China.

Vorwerk verlagert die Produktion seiner Küchenmaschine Thermomix von Wuppertal nach China, berichtet die "Rheinische Post". 200 Stellen fallen am Stammsitz weg, bis zu 85 Mitarbeiter erhalten betriebsbedingte Kündigungen. Einzelne Komponenten wie Motoren und Messer will Vorwerk weiterhin in Wuppertal herstellen. Geräte für den europäischen Markt sollen auch künftig aus dem Thermomix-Stammwerk in Frankreich kommen.
rp-online.de (Paid) via n-tv.de

Die Drogeriekette dm akzeptiert ab sofort Alipay.

Alibaba gewinnt in Deutschland weiter an Bedeutung und gewinnt die Drogeriemarktkette dm als Partner. Chinesische Kunden können ihre Produkte dort künftig per Handy mit dem Bezahldienst Alipay bezahlen. Insbesondere Touristen aus China nutzen den Bezahldienst gerne auch im Ausland. Die dm-Konkurrenten Müller und Rossmann bieten bereits Zahlungen per Alipay an.
sueddeutsche.de, turi2.de (Background)

China erwägt, FedEx auf die schwarze Liste zu setzen.

FedEx gerät zwischen die Fronten im Handelsstreit zwischen China und den USA. China erwägt, dem Logistikunternehmen alle Geschäfte in China zu untersagen. Der Schritt sei eine Reaktion auf nicht ausgelieferte Huawei-Pakete. FedEx gab am Montag bekannt, seinerseits die Trump-Regierung verklagen zu wollen. Die Einhaltung der Sanktionen gegen chinesische Firmen sei logistisch weitestgehend unmöglich.
businessinsider.de

Bericht: Zehn Mobilfunk-Provider von Hackern angegriffen.

Hacker-Angriff: Mindestens zehn Mobilfunk-Provider in Europa, Asien und Afrika sind Opfer von vermutlich chinesischen Hackern geworden, sagt die amerikanisch-israelische Sicherheitsfirma Cybereason in einem Bericht. Ziel der Hacker war es demnach, gezielt 20 Personen auszuspähen, die Verbindungen zu China haben. Die Angriffe liefen seit mindestens 2017 und glichen einem Katz- und Mausspiel, sagt der Bericht. Die Hacker hatten es auf alle Daten abgesehen – von Zahlungsinformationen bis zu E-Mail- und Standort-Daten.
cybereason.com via forbes.com, wsj.com (Paid)

China setzt kritische Verleger aus Hongkong unter Druck.

China: Verleger aus Hongkong, die z.B. Tagebücher von Zeitzeugen und Biografien von in Ungnade Gefallenen verkaufen, geben immer häufiger auf, beobachtet Friederike Böge. Fünf Jahre hätten gereicht, um den "anarchischen, kritischen" Honkonger Buchmarkt ausbluten zu lassen. Kunden vom Festland fürchten Gepäckkontrollen, der Pekinger Flughafen konfisziert Tausende Bücher. Die Regierung überwacht Buchsendungen und übt Druck auf die Druckereien aus. Die drei chinesischen Großverlage bieten keine politische Literatur an.
"FAS", S. 5 (Paid)

Huawei klagt gegen US-Handelsministerium.

Huawei reicht Klage gegen das US-Handelsministerium ein, das Telekomausrüstung von Huawei beschlagnahmt hat. Huawei hatte es aus China in ein kalifornisches Testlabor geschickt und wollte es später wieder nach China befördern. Dafür sei keine Lizenz erforderlich. Die US-Regierung hat ihre schwarze Liste derweil um fünf chinessische Unternehmen erweitert: Supercomputer-Hersteller Sugon, drei Tochterfirmen und ein Computertechnologie-Institut.
faz.net

Berechnung: Bestellungen aus China belasten deutsche Paketzusteller.

Onlineshopping: Die Deutschen bestellen 2018 erstmals mehr Elektronik als Mode online, sagt eine Berechnung der Logistikberatung MRU. Viele der 330 Mio Elektro-Bestellungen sind Kleinstpakete aus China, z.B. Anschlusskabel und Ladegeräte. Sie kosten fast kein Porto, decken aber die Zustellkosten im Empfängerland nicht und sind oft so klein, dass die Briefträger statt Paketboten sie anliefern. Der Weltpostverein handelt für China wegen der rasant wachsenden Bestellzahlen eine neue Gebührenordnung aus.
"Welt", S. 5 (Paid)

Huawei rechnet mit 40 % bis 60 % weniger verkauften Smartphones.

Huawei rechnet international mit einem Absatzrückgang seiner Smartphones um 40 % bis 60 %, berichtet Bloomberg. Grund ist der Handelsstreit mit den USA. Der chinesische Tech-Gigant will den Verlust auf dem Heimatmarkt ausgleichen und 2019 die Hälfte aller chinesischen Smartphones verkaufen, 2018 lag der Anteil bei 34 %.
bloomberg.com via techcrunch.com, turi2.de (Background)

Foxconn könnte iPhones bei Bedarf außerhalb Chinas herstellen.


With a little help from my friends: Die Eskalationsstufe "iphone-los" wird es im Handelsstreit zwischen den USA und China nicht geben, sagt Foxconn – das Unternehmen habe genügend Produktionskapazitäten außerhalb Chinas, um den gesamten US-Bedarf zu decken. Aktuell produziert Apples Auftragsfertiger die meisten Smartphones auf dem chinesischen Festland, China ist außerdem der größte internationale Markt für iPhones und iPads.

Der Handelsstreit spitzt sich zu, Donald Trump hat China zuletzt mit neuen Zöllen in Höhe von rund 300 Mrd Dollar gedroht. Apple kann sich laut Foxconn auf einen Plan B verlassen, der diese Strafzölle umgeht. Foxconn investiere für die iPhone-Produktion u.a. gerade in Indien. Bisher habe Apple Foxconn nicht beauftragt, die Produktion aus China abzuziehen.
bloomberg.com, heise.de

China droht unsicheren Kantonisten mit eigener Sperrliste.


China mauert zurück: China kündigt an, eine Liste von "unzuverlässigen Akteuren" anzulegen. Der Schritt ist eine Antwort auf die USA, die Chinas Technik-Aushängeschild Huawei auf eine Sperrliste gesetzt haben. Der chinesische Sperrmechanismus schließt Firmen, Organisationen und Personen ein, die chinesische Firmen aus "nichtkommerziellen Gründen" vom Nachschub abschneiden, Verträge brechen oder "legitime Geschäftsinteressen ernsthaft schädigen".

Welche Folterwerkzeuge jene erwarten, die auf der Liste landen, solle bald verkündet werden, sagt Gao Feng, Sprecher des Handelsministeriums. Aktien von Apple, das einen Großteil seiner Geräte in China produzieren lässt, sind nach der Meldung ebenso unter Druck wie die von Zulieferern wie Intel und Qualcomm.
bloomberg.com, theverge.com

Deutsche Telekom distanziert sich von Huawei.

Deutsche Telekom ruft die Mitarbeiter in einem internen Schreiben auf, keine Huawei-Smartphones mehr als Diensthandys zu kaufen, "im Sinne des Investitionsschutzes". Ein generelles Kaufverbot gebe es nicht, sagt ein Sprecher dem "Handelsblatt", die Telekom verkauft auch weiter Huawei-Geräte an Kunden. Alphabet hat kürzlich entschieden, Huawei von Android-Updates und Google-Apps auszuschließen, das US-Handelsministerium hat den Anbieter auf eine Sperrliste gesetzt.
handelsblatt.com, turi2.de (Background)

Meinung: Umgang mit Gesichtserkennung spaltet USA und China.

Datenschutz: Während China die Überwachung perfektioniert, stellt sich San Francisco, unweit des Silicon Valleys, mit dem Verbot eines Datenabgleichs bei der Gesichtserkennung gegen einen Kontrollstaat, beobachtet Raffael Schuppisser. In China sorge die Kommunistische Partei mit Kameras für ein Überwachungssystem, das jeden Bürger bewerte: Schlechte Handlungen, etwa bei Rot über die Straße gehen, könne negative Auswirkungen auf die Vergabe von Wohnungen oder eines Auslandsvisum haben.
aargauerzeitung.ch, turi2.de (Background)

Zitat: Terry von Bibra will Europa und Alibaba zusammenbringen.

"Europa ist kompliziert, Alibaba ist kompliziert - meine Aufgabe ist es, beides zu verstehen und zusammenzubringen."

Terry von Bibra, Europachef von Alibaba, erklärt im "Wirtschaftswoche"-Interview die Bedeutung deutscher Marken für den asiatischen Markt. Made in Germany sei begehrt und der deutsche Mittelstand für Alibaba deshalb "super spannend".
"Wirtschaftswoche" 21/2019, S. 68-69 (Paid)