China setzt kritische Verleger aus Hongkong unter Druck.

China: Verleger aus Hongkong, die z.B. Tagebücher von Zeitzeugen und Biografien von in Ungnade Gefallenen verkaufen, geben immer häufiger auf, beobachtet Friederike Böge. Fünf Jahre hätten gereicht, um den "anarchischen, kritischen" Honkonger Buchmarkt ausbluten zu lassen. Kunden vom Festland fürchten Gepäckkontrollen, der Pekinger Flughafen konfisziert Tausende Bücher. Die Regierung überwacht Buchsendungen und übt Druck auf die Druckereien aus. Die drei chinesischen Großverlage bieten keine politische Literatur an.
"FAS", S. 5 (Paid)

Huawei klagt gegen US-Handelsministerium.

Huawei reicht Klage gegen das US-Handelsministerium ein, das Telekomausrüstung von Huawei beschlagnahmt hat. Huawei hatte es aus China in ein kalifornisches Testlabor geschickt und wollte es später wieder nach China befördern. Dafür sei keine Lizenz erforderlich. Die US-Regierung hat ihre schwarze Liste derweil um fünf chinessische Unternehmen erweitert: Supercomputer-Hersteller Sugon, drei Tochterfirmen und ein Computertechnologie-Institut.
faz.net

Berechnung: Bestellungen aus China belasten deutsche Paketzusteller.

Onlineshopping: Die Deutschen bestellen 2018 erstmals mehr Elektronik als Mode online, sagt eine Berechnung der Logistikberatung MRU. Viele der 330 Mio Elektro-Bestellungen sind Kleinstpakete aus China, z.B. Anschlusskabel und Ladegeräte. Sie kosten fast kein Porto, decken aber die Zustellkosten im Empfängerland nicht und sind oft so klein, dass die Briefträger statt Paketboten sie anliefern. Der Weltpostverein handelt für China wegen der rasant wachsenden Bestellzahlen eine neue Gebührenordnung aus.
"Welt", S. 5 (Paid)

Huawei rechnet mit 40 % bis 60 % weniger verkauften Smartphones.

Huawei rechnet international mit einem Absatzrückgang seiner Smartphones um 40 % bis 60 %, berichtet Bloomberg. Grund ist der Handelsstreit mit den USA. Der chinesische Tech-Gigant will den Verlust auf dem Heimatmarkt ausgleichen und 2019 die Hälfte aller chinesischen Smartphones verkaufen, 2018 lag der Anteil bei 34 %.
bloomberg.com via techcrunch.com, turi2.de (Background)

Foxconn könnte iPhones bei Bedarf außerhalb Chinas herstellen.


With a little help from my friends: Die Eskalationsstufe "iphone-los" wird es im Handelsstreit zwischen den USA und China nicht geben, sagt Foxconn – das Unternehmen habe genügend Produktionskapazitäten außerhalb Chinas, um den gesamten US-Bedarf zu decken. Aktuell produziert Apples Auftragsfertiger die meisten Smartphones auf dem chinesischen Festland, China ist außerdem der größte internationale Markt für iPhones und iPads.

Der Handelsstreit spitzt sich zu, Donald Trump hat China zuletzt mit neuen Zöllen in Höhe von rund 300 Mrd Dollar gedroht. Apple kann sich laut Foxconn auf einen Plan B verlassen, der diese Strafzölle umgeht. Foxconn investiere für die iPhone-Produktion u.a. gerade in Indien. Bisher habe Apple Foxconn nicht beauftragt, die Produktion aus China abzuziehen.
bloomberg.com, heise.de

China droht unsicheren Kantonisten mit eigener Sperrliste.


China mauert zurück: China kündigt an, eine Liste von "unzuverlässigen Akteuren" anzulegen. Der Schritt ist eine Antwort auf die USA, die Chinas Technik-Aushängeschild Huawei auf eine Sperrliste gesetzt haben. Der chinesische Sperrmechanismus schließt Firmen, Organisationen und Personen ein, die chinesische Firmen aus "nichtkommerziellen Gründen" vom Nachschub abschneiden, Verträge brechen oder "legitime Geschäftsinteressen ernsthaft schädigen".

Welche Folterwerkzeuge jene erwarten, die auf der Liste landen, solle bald verkündet werden, sagt Gao Feng, Sprecher des Handelsministeriums. Aktien von Apple, das einen Großteil seiner Geräte in China produzieren lässt, sind nach der Meldung ebenso unter Druck wie die von Zulieferern wie Intel und Qualcomm.
bloomberg.com, theverge.com

Deutsche Telekom distanziert sich von Huawei.

Deutsche Telekom ruft die Mitarbeiter in einem internen Schreiben auf, keine Huawei-Smartphones mehr als Diensthandys zu kaufen, "im Sinne des Investitionsschutzes". Ein generelles Kaufverbot gebe es nicht, sagt ein Sprecher dem "Handelsblatt", die Telekom verkauft auch weiter Huawei-Geräte an Kunden. Alphabet hat kürzlich entschieden, Huawei von Android-Updates und Google-Apps auszuschließen, das US-Handelsministerium hat den Anbieter auf eine Sperrliste gesetzt.
handelsblatt.com, turi2.de (Background)

Meinung: Umgang mit Gesichtserkennung spaltet USA und China.

Datenschutz: Während China die Überwachung perfektioniert, stellt sich San Francisco, unweit des Silicon Valleys, mit dem Verbot eines Datenabgleichs bei der Gesichtserkennung gegen einen Kontrollstaat, beobachtet Raffael Schuppisser. In China sorge die Kommunistische Partei mit Kameras für ein Überwachungssystem, das jeden Bürger bewerte: Schlechte Handlungen, etwa bei Rot über die Straße gehen, könne negative Auswirkungen auf die Vergabe von Wohnungen oder eines Auslandsvisum haben.
aargauerzeitung.ch, turi2.de (Background)

Zitat: Terry von Bibra will Europa und Alibaba zusammenbringen.

"Europa ist kompliziert, Alibaba ist kompliziert - meine Aufgabe ist es, beides zu verstehen und zusammenzubringen."

Terry von Bibra, Europachef von Alibaba, erklärt im "Wirtschaftswoche"-Interview die Bedeutung deutscher Marken für den asiatischen Markt. Made in Germany sei begehrt und der deutsche Mittelstand für Alibaba deshalb "super spannend".
"Wirtschaftswoche" 21/2019, S. 68-69 (Paid)

Basta: "Tank Man"-Fotografen aus Leica-Werbung nutzten Nikon-Kameras.

Kein Like für Leica: In einem Werbefilm für Leica, den der Kamera-Hersteller gar nicht bestellt hat, stellen vier fiktive Fotografen die Situation nach, in der das berühmte Foto vom Tank Man enstanden ist, der sich 1989 in Peking allein vor die Panzer stellte. Die Nachfrage vom "Spiegel" bei den echten Fotografen ergibt jedoch: Alle vier hatten Nikon-Kameras.
"Spiegel" 18/2019, S. 47 (Paid), turi2.de (Background)

Video-Tipp: Leica-Spot erzürnt Chinas Zensoren.

Video-Tipp: Leica ist in Chinas sozialen Medien nun ein geblocktes Wort. Hintergrund ist ein Werbefilm, den die brasilianische Saatchi-Agentur F/Nazca produziert hat. Er zeigt fiktionale Fotoreporter bei der Arbeit, u.a. beim Fotografieren des berühmten einsamen Demonstranten, der sich 1989 auf dem Tiananmen-Platz in Peking den Panzern entgegenstellte, die die Studentenproteste niederschlugen.
youtube.com, scmp.com (Background)

Basta: Jack Ma lobt 12-Stunden-Arbeitstage.

996 statt 911: Alibaba-Chef Jack Ma versteht nicht, warum junge Chinesen kritisieren, dass sie an sechs Tagen die Woche von 9 bis 21 Uhr arbeiten müssen – in China unter der Formel 996 bekannt. Viele hätten schließlich gar nicht die Möglichkeit, so viel zu arbeiten und dadurch so viel Respekt zu verdienen. Schade nur, dass seine Mitarbeiter diese motivierenden Worte gar nicht erst lesen: Dafür haben sie schließlich keine Zeit.
spiegel.de

Zahl des Tages: EU will Chinas KI-Vorsprung mit jährlichen 20 Mrd. Euro einholen.

Zahl des Tages: Jährliche 20 Mrd. Euro werden im nächsten Jahrzehnt für Forschung rund um künstliche Intelligenz in der EU investiert, rechnet EU-Kommissar Günther Oettinger im "Welt"-Interview vor. Oettinger spricht sich für "öffentlich-private Forschungsgemeinschaften" aus, um China bei der KI-Technologie einzuholen.
"Welt", S. 10 (Paid)

Waltraut von Mengden kämpft für Verlage gegen die "Feinde" aus Fernost und Übersee-West.


Chinesen und Amerikaner aufgehorcht: Waltraut von Mengden macht als erste Vorsitzende des Verbands der Zeitschriftenverlage in Bayern Lobbyarbeit bei der Politik. Die Verlage haben "einen gemeinsamen 'Feind' ausfindig gemacht", der "uns leider allen das Leben schwer macht", sagt sie im Interview von turi2.tv beim VZB-Mediengipfel in München und meint Tech-Giganten aus den USA und China. Die hätten durch ihre Monopolstellung "einen ungeheuren Wettbewerbsvorteil". Umso wichtiger sei es für die deutschen Verlage, sich zu vernetzen und der Politik die Macht der Verlage, auch als Wirtschaftsmacht, zu demonstrieren.

Früher war Waltraut von Mengden Geschäftsführerin des MVG Verlags, damals noch Herausgeber der deutschen "Cosmopolitan". Heute ist sie aus dem operativen Verlagsgeschäft weitgehend raus und darüber nicht ganz unglücklich. Sie ist noch an zwei Verlagen beteiligt, u.a. an Inspiring Network von Katarzyna Mol-Wolf, schaut sich das Geschäft aber sonst aus der "Vogelperspektive" an. "Ich freue mich, dass ich nicht mehr so 200 % in diesem operativen Geschäft sein muss", sagt sie. Gerade für kleinere und mittelständischen Verlage sei das Leben "schon sehr hart" geworden.
turi2.tv (3-Min-Video bei YouTube)

Gudrun Herrmann wechselt zum TikTok-Herausgeber ByteDance.

ByteDance holt Kommunikationschefin Gudrun Herrmann von LinkedIn für die PR im deutschsprachigen Raum. Die chinesische Firma hinter der Kurzvideo-App TikTok will in Deutschland durchstarten: Zu ByteDance gehören auch der Aggregator News Republic, gerade eingeführt wird der Slack-Konkurrent Lark. TikTok soll bereits Millionen junge Nutzer in Deutschland haben, auch Medien wie 1Live verbreiten ihre Inhalte dort.
turi2 - eigene Infos, linkedin.com

Die DFL eröffnet ein Büro in China und wirbt mit Jürgen Klinsmann.

China-Expansion: Die Deutsche-Fußball-Liga will den chinesischen Markt erobern. Im April geht sie mit Ex-Nationalspieler und Ex-Bundestrainer Jürgen Klinsmann für vier Tage in Peking auf Werbetour. Heute öffnet zudem ein Büro in der chinesischen Hauptstadt, das Patrick Stüber leitet. Im Oktober hat die DFL bereits eine Niederlassung in New York geöffnet. Außerdem hat der Ligaverband eine Partnerschaft in Indien abgeschlossen.
dfl.de

Reporter ohne Grenzen warnen vor chinesischem Einfluss auf ausländische Medien.

China bemüht sich zunehmend, nicht nur heimische Journalisten zu kontrollieren, sondern auch Einfluss auf ausländische Medien zu nehmen, warnen die Reporter ohne Grenzen. Die Regierung erhöhe dafür den Druck auf kritische Journalisten und kaufe sich in ausländische Medienhäuser ein. So entstehe "eine konkrete Gefahr" für Demokratien weltweit, da China versuche, die öffentliche Wahrnehmung zu kontrollieren.
sueddeutsche.de

5G: Bundesnachrichtendienst warnte Bundesregierung vor Huawei.

Huawei: Der Bundesnachrichtendienst warnte die Bundesregierung vor einer Beteiligung von Huawei am Aufbau des deutschen 5G-Mobilfunknetzes, schreibt der "Spiegel". Die Sicherheitsexperten begründeten die Warnung mit einer "Gesamtwürdigung" der Strategie Chinas. Der chinesische Geheimdienst dürfe laut Gesetz "betroffenen Organen, Organisationen und Bürgern die erforderliche Unterstützung, Hilfe und Zusammenarbeit verlangen".
per E-Mail, turi2.de (Background)

Huawei will deutsche Bedenken mit No-Spy-Abkommen zerstreuen.

Huawei: Vincent Pang, Westeuropa-Chef des umstrittenen chinesischen Mobilnetz-Ausrüsters, bietet Deutschland ein sogenanntes No-Spy-Abkommen an. Die Firma gebe keine Daten weiter oder baue Hintertüren in Geräte ein - sollte der chinesische Staat darum bitten, werde man ablehnen, sagt er im "Handelsblatt"-Interview.

Seine Wortwahl zeigt einen gewissen Humor: 2013 kündigte die Bundesregierung nach dem NSA-Skandal ein gleichnamiges Abkommen mit den USA an, das dann nicht zustande kam. Bei Routern des Huawei-Konkurrenten Cisco aus den USA sind wiederholt Hintertürchen aufgetaucht.
"Handelsblatt", S. 59 (Paid), spiegel.de (Background Cisco)