Zitat: Podcasts mit klarer Zielgruppe lassen sich gut vermarkten, sagt Ina Tenz.

"Gerade Nischen-Podcasts sind für die Werbe­industrie interessant."

Ina Tenz, Geschäfts­leiterin Audio, Strategie und Content bei ABC Communication, sagt im turi2 Clubraum, dass sich Themen mit einer klaren Zielgruppe gut vermarkten lassen: "Der Kunde weiß, er hat keine Streuverluste."
turi2.de (Textzusammenfassung), turi2.tv (47-Min-Podcast)

“Inhaltstiefe Themen finden im Radio keinen Platz” – Ina Tenz über Pferde- und Podcast-Leidenschaft.


Setzt auf's richtige Pferd: "Mein Herz schlägt ganz laut und stark für Podcasts", sagt Ina Tenz im turi2 Clubraum. Das Medium nehme neben der Beratung von Radio­sendern und Markt­forschungs-Unternehmen mittlerweile das meiste ihrer Arbeits­zeit in Anspruch. Jahrzehnte­lang war Tenz eine der prägenden Frauen im deutschen Radio, zuletzt als Programm­chefin von Antenne Bayern. Seit 2019 ist sie in der PR-Agentur ABC Communication ihres Ehe­mannes Béla Anda für Audio, Strategie und Content zuständig und hat u.a. den mittlerweile eingestellten Podcast mit Gerhard Schröder, Der fünfte Satz mit Boris Becker und den Tönnies & Tönnies Podcast mitproduziert. Ihre Lieblings­produktion allerdings ist das Format Pferde­medizin heute, verrät Tenz. Denn hier verbinden sich die beiden großen Leidenschaften der Pferde-Züchterin: "Über Pferde kann ich den ganzen Tag reden." Grundsätzlich gefalle ihr die Viel­schichtigkeit, die Podcasts bieten. Ob für Institutionen, Unternehmen oder Persönlichkeiten, sie könne "immer ganz tief ins Thema einsteigen". Anders als beim Radio, wo "inhaltstiefe Themen" keinen Platz finden sollten, seien diese im Podcast genau richtig.

Positiv nimmt sie wahr, dass die "homöopathischen" Rück­meldungen zu ihren Podcasts "meist neutral, sachbezogenen und konstruktiv" sind. "Ich komme von Massensendern, da ist man Hörer­feedback auf allen Ebenen gewohnt", sagt Tenz. Aus ihrer Zeit beim Radio adaptiert Tenz den "Anspruch, den man an ein gutes Radio­programm hat" auf ihre Podcasts. "Die Vorstellung von Storytelling, Sound, dass kleine Details stimmen müssen, die Sprecher, die Dynamik" – all das sei sowohl in einem guten Radioprogramm als auch in einem Podcast wichtig.

Trotz der Begeisterung für Podcasts ist Tenz davon überzeugt, "dass es Radio immer geben wird". Die Audiowelt verändere sich drastisch, dennoch "ist Radio noch ein Massen­medium". Als "Tages­begleiter, Anbieter von Stimmen" und leichter Unterhaltung werde es das auch bleiben. "Wenn es um Inhalte, um konzentriertes Zuhören geht, gibt es viele Alternativen", meint Tenz.

Nächste Woche ist Radio- und TV-Moderator, Autor, Podcaster, Kolumnist und Gag-Schreiber Micky Beisenherz zu Gast – ausnahmsweise bereits am Mittwoch um 12 Uhr.
turi2.tv (47-Min-Podcast auf YouTube), turi2clubraum.podigee.io, apple.com, spotify.com, deezer.com, audionow.de



Der Podcast ist Teil der Podcast-Wochen von turi2.

Zum Thema Audio veröffentlicht turi2 die turi2 edition #19 Audio – Erscheinungstermin: 12. Oktober 2022. Du kannst die Buchreihe turi2 edition kostenfrei lesen und als E-Paper hier kostenlos abonnieren.

Zitat: Valerie Weber setzt auf Regionalität und positive Nachrichten.

"Eine positive Nachricht am Abschluss zeigt dem Hörer: Wenn du durch bist, habe ich etwas, das wird dir ein Lächeln ins Gesicht zaubern."

Valerie Weber, Programm-Geschäfts­führerin des Radio-Unternehmens Audiotainment Südwest, erklärt im turi2 Clubraum, wie sie mit mehr Regionalität und Positivität der Nachrichten-Verdrossenheit des Publikums entgegnen will.
turi2.de (Textzusammenfassung), turi2.tv (50-Min-Podcast)

Jede Stunde eine positive Nachricht – Valerie Weber über Musik-Happenings und Missionen.


Stimmungs-Managerin: "Die Hörer kommen wegen der Musik, aber bleiben wegen der Menschen", umschreibt Valerie Weber im turi2 Clubraum den Reiz des Mediums Radio in Zeiten von Musikstreaming und Podcast. Für die Programm-Geschäfts­führerin von bigFM, Radio Regenbogen und RPR1 stellt sich nun die Frage, wie sich beides verbinden lässt und daraus etwas neues entsteht. Im Gespräch mit Moderatorin Aline von Drateln und turi2-Chef­redakteur Markus Trantow sagt Weber, dass sich die Bedürfnisse des Publikums ändern: "Das Musik-Happening haben wir nicht mehr dadurch, dass wir Musik spielen." Deswegen brauchen Konsum­marken "eine Mission, für die wir stehen". In den vergangenen Jahren seien statt "Lebens­freude und Selbst­inszenierung" vor allem die Themen "Nachhaltigkeit und Geborgenheit" immer wichtiger geworden. "Stimmungs-Management" sei beim Radio schon immer wichtig gewesen. In gesellschaftlichen Krisenzeiten wachse der Stellenwert aber nochmal. Wenn immer mehr Menschen die Nachrichten meiden, "muss man sich etwas überlegen".

Weber setzt dabei nicht auf eine Verkürzung der News, auch wenn das ein "völlig legitimer Weg" sei. Im Gegenteil: Bei ihren Sendern Radio Regenbogen und RPR1 stellt sie das Nachrichten-Angebot noch breiter auf. Regionalität und Heimat seien dabei besonders wichtig: "Es interessiert die Menschen mehr, was in ihrem Umfeld passiert." Außerdem gibt Weber das Versprechen, jede Stunde über eine positive Nachricht aus der Region zu berichten. Das sei gar nicht so einfach: "Es ist schon schwierig, eine am Tag zu machen." Doch das Vorhaben hat einen ganz bestimmten Zweck. Denn mit der positiven Nachricht am Ende des News-Blocks zeigen die Sender den Hörern: "Wenn du durch bist, habe ich zum Schluss etwas, das wird dir ein Lächeln ins Gesicht zaubern." Das sei noch lange kein konstruktiver Journalismus, aber ein wichtiger Schritt, der Nachrichten-Verdrossenheit entgegen­zuwirken.

Weber äußert sich bei den Themen der Woche auch zum RBB – sie sei "großer Fan" des Senders. "Der Shitstorm wurde weder der Person Patricia Schlesinger gerecht, noch ist es wahr, dass die ARD damit ihr wahres Gesicht zeigt", sagt Weber. Ihrer Meinung nach spielen auch noch immer vorhandene Unterschiede zwischen dem alten Osten und Westen eine große Rolle in dem Konflikt: "Wenn man nicht in der Zentrale sitzt, hat man das Gefühl, man wird abgehängt." Grundsätzlich sei die Problematik "sehr viel differenzierter", als sie von den Medien dargestellt worden sei. Es handele sich nicht um ein Systemversagen, sondern um ein System im Umbau.

Nächste Woche ist Ina Tenz zu Gast. Sie ist ist Geschäfts­leiterin Audio, Strategie und Content bei ABC Communication.
turi2.tv (50-Min-Podcast auf YouTube), turi2clubraum.podigee.io, apple.com, spotify.com, deezer.com, audionow.de



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“Viele haben in letzter Zeit die Freiheit entdeckt” – Nils Minkmar über die Queen und “Quoted”.


Hören für Schreibende: "Das ist im Moment ein goldenes Zeitalter der Podcasts", ist sich Nils Minkmar sicher. Für seinen eigenen Podcast "Quoted" mit Nadia Zaboura mussten beide viel lernen und Coachings mitmachen, erzählt er im turi2 Clubraum mit Aline von Drateln und Pauline Stahl. Es sei faszinierend gewesen, dass man "das Natürliche üben muss, damit das rüberkommt". Das Lesen sieht Minkmar als "Königsweg, um etwas rational aufzunehmen", das Hören von Podcasts dagegen sei "sehr stark sozial" und biete eine "Form von Geborgenheit, in der Dinge beredet werden können".

Bei seinen früheren Ausflügen ins "alte deutsche Radio" hat er sich angesichts "obsessiver und zwanghafter" Regeln und einer speziellen Kultur "nie heimisch" gefühlt. Podcasts seien "viel lebendiger" und es werde noch deutlich mehr ausprobiert, was das Publikum sogar schätze. Mittlerweile sei aber auch Radio etwas flexibler geworden, glaubt Minkmar.

Seine neue Selbstständigkeit "fühlt sich wie die beste berufliche Entscheidung bisher" an, erzählt der freie Journalist, der 2021 den "Spiegel" verlassen hat: "Die neue Chefredaktion war wenig kulturaffin und konnte mit den Sachen, die ich mache, relativ wenig anfangen." In den Medien, "gerade im Feuilleton, kommt es immer auf die Personen an". Wenn man nicht harmoniere, mache eine Zusammenarbeit auch keinen Sinn. Minkmar beobachtet, dass zuletzt viele "die Freiheit und zum Teil auch die Selbstständigkeit entdeckt haben".

Der Tod der Queen habe Minkmar "persönlich gar nicht" berührt, auch wenn es ihm Leid tue. Am spannendsten sei nun der Blick auf die Zukunft, denn er glaubt, das Königreich habe "schwere Zeiten vor sich". Dass sich Menschen stark an die eher meinungs­scheue und reservierte Queen klammern, zeige, dass etwas fehlt, so Minkmar: "Diese Hingabe und jetzt diese Trauer sind eine große Verlust­anzeige." Ihre Präsenz im Volk und bei Besuchen in allen Landes­teilen offenbare, "was Staat auch bedeutet oder wie stark sich der Staat zurück­gezogen hat in Groß­britannien".

Nach zwei Sach­büchern hat Minkmar nun mit großem Spaß seinen ersten Roman Montaignes Katze geschrieben. Trotzdem stehe er manchmal neben sich und denke: "Hast du jetzt gerade wirklich 400 Seiten über ein Wochenende 1584 geschrieben?" In seinem Werk seien Parallelen an die heutige Zeit angelegt. Ihm sei es vor allem darum gegangen, die Geschichte zu erzählen, denn "wenn man reich werden will mit Büchern, sollte man das besser sein lassen", glaubt Minkmar.
turi2.tv (37-Min-Podcast auf YouTube), turi2clubraum.podigee.io, apple.com, spotify.com, deezer.com, audionow.de

Heute im turi2 Clubraum: Nils Minkmar über das Podcasten für Textverliebte.

Hören für Schreibende: Nils Minkmar ist freier Autor und schreibt u.a. für die "Süddeutsche Zeitung". Außerdem macht er den Medienpodcast quoted und schreibt einen eigenen Newsletter namens Der siebte Tag. Diese Woche ist nach zwei Sachbüchern sein erster Roman "Montaignes Katze" erschienen. Im turi2 Clubraum mit Aline von Drateln und Pauline Stahl erzählt er u.a., warum er als Textliebhaber nun auch auf Podcast als Medium setzt und wie sich die Situation freier Journalistinnen in den vergangenen Jahren verändert hat. Außerdem geht es im Live-Podcast um die Themen der Woche, u.a. die deutsch-französische Solidarität in puncto Strom und Gas und die neue britische Premierministerin, Liz Truss.

Der turi2 Clubraum diskutiert immer freitags die Themen der Woche. In den vergangenen Wochen waren Journalistin Ina Karabasz, Steady-Gründer Sebastian Esser, Geschichts-Podcaster Richard Hemmer und Bayer-Kommunikator Christian Maertin zu Gast. In einem Video-Special spricht Micky Beisenherz im Schwanen-Tretboot über Podcasts, Status­­symbole und Selbst­­­inszenierung. Diese Ausgabe ist erneut Teil der turi2 Podcast-Wochen: Acht Wochen lang geben Podcast-Profis und Audio-Experten Tipps und Insights zum Trend-Thema Podcast. Alle Termine und Links zu Live-Events und Podcasts gibt's auf turi2.de/clubraum.
clubhouse.com (live ab 12 Uhr), turi2clubraum.podigee.io (Podcast ab 18 Uhr)

Zum Thema Audio veröffentlicht turi2 die turi2 edition #19 Audio – Erscheinungstermin: 12. Oktober 2022. Du kannst die Buchreihe turi2 edition kostenfrei lesen und als E-Paper hier kostenlos abonnieren.

Zitat: Ina Karabasz trägt beim Moderieren Turnschuhe.

"Ich rate immer all meinen Kolleginnen: Tragt was Bequemes auf der Bühne. Tragt etwas, in dem ihr euch wohlfühlt."

Ina Karabasz, Leiterin des Ressorts Live-Journalismus beim "Handelsblatt", sagt im turi2 Clubraum, sie moderiere über 90 % ihrer Veranstaltungen in Turnschuhen. Frauen seien heutzutage zum Glück nicht mehr nur als "Schmuckstücke" auf der Bühne.
turi2.de

“Man hört in der Stimme, ob jemand Spaß dabei hat” – Ina Karabasz über Live-Events und Laber-Podcasts


Live ist live: Eine Journalistin muss nicht podcasten können, sagt Ina Karabasz, "aber wenn sie es möchte, dann kann sie es". Sie selbst wollte und hat 2018 die Leitung des Ressorts Live-Journalismus beim "Handelsblatt" übernommen. Das sei ihre beste berufliche Entscheidung gewesen, erzählt sie im turi2 Clubraum mit Björn Czieslik und Aline von Drateln – auch wenn der Job "mehr organisatorisches Prozessmanagement" sei, als man als Journalistin denke.

Karabasz erklärt, warum Journalistinnen zwar keine Schnittchen zubereiten, aber gut selbst moderieren können: "Fragen stellen und Hintergründe recherchieren, Experten auf den Zahn fühlen, das können wir richtig gut" – und das könne man dem Publikum auch zeigen. Die größte Herausforderung sei allerdings gerade bei Wirtschaftsthemen, nicht zu viel vorauszusetzen. Das sei aber beim geschriebenen Text nicht anders.

Auch in anderer Hinsicht greift Karabasz auf ihre Erfahrung als Textjournalistin zurück: Bei Live-Events versuche sie immer, dem Aufbau eines Magazin-Artikels zu folgen: Zuerst der Einstieg, der das Publikum abholt, dann eine Einordnung, um ein gemeinsames Wissensfundament zu schaffen, und dann strukturierte Themenblöcke, denen die Gäste folgen können.

Natürlich laufe aber immer etwas anders als geplant. "Eine Veranstaltung ist ein lebendes Gebilde", sagt Karabasz, bei dem viele Menschen involviert seien. Angst vor Pannen habe sie jedoch nicht. Sie selbst mache beim Live-Sprechen zum Beispiel häufig Grammatikfehler, sei schon gestolpert, habe sich mit Kaffee überschüttet und einmal sei sie bei einem Video zu einem Bankengipfel plötzlich barfuß zu sehen gewesen. Schlimm findet sie das nicht. Die Hauptsache sei, dass die Unterhaltung laufe und die Informationen rüber kämen.

Gerade Frauen empfiehlt sie, beim Moderieren Turnschuhe und bequeme Kleidung zu tragen – denn zum Glück seien Frauen heute nicht mehr nur als "Schmuckstücke" für die Veranstaltung auf der Bühne. Ihr wichtigster Tipp ist jedoch, etwas zu tun, was einem Spaß macht – egal, ob auf der Bühne oder im Podcast. Das höre man dann auch an der Stimme. Außerdem gehe es dann mehr ums Thema und die Unterhaltung werde nicht so "bro-ig" – was Karabasz als passionierte Podcast-Hörerin überhaupt nicht leiden kann.

Nächste Woche ist Nils Minkmar zu Gast, freier Journalist unter anderem für die "Süddeutsche" und Co-Host des Medienpodcasts Quoted.
turi2.tv (39-Min-Podcast auf YouTube), turi2clubraum.podigee.io, apple.com, spotify.com, deezer.com, audionow.de

Der Podcast ist Teil der Podcast-Wochen von turi2.

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Heute im turi2 Clubraum: Ina Karabasz über Live-Journalismus und Podcasts.


Live is live: Ina Karabasz verantwortet seit 2018 das Ressort Live-Journalismus beim "Handelsblatt", das 2021 mehr als 80 eigene Veranstaltungen ausgerichtet hat. Seit August fallen auch Podcasts und Videos in ihr Zuständigkeits­gebiet. Im turi2 Clubraum mit Aline von Drateln und Björn Czieslik erzählt sie u.a., wie das "Handelsblatt" Events angeht wie journalistische Geschichten – und wie bei der Bericht­erstattung darüber die journalistische Unabhängig­keit gewahrt bleibt. Außerdem geht es im Live-Podcast um die Themen der Woche, u.a. die Gaspreis­umlage und die Bahn.

Der turi2 Clubraum diskutiert immer freitags die Themen der Woche. In den vergangenen Wochen waren Steady-Gründer Sebastian Esser, Geschichts-Podcaster Richard Hemmer und Bayer-Kommunikator Christian Maertin zu Gast. In einem Video-Special spricht Micky Beisenherz im Schwanen-Tretboot über Podcasts, Status­­symbole und Selbst­­­inszenierung. Diese Ausgabe ist ernut Teil der turi2 Podcast-Wochen: Acht Wochen lang geben Podcast-Profis und Audio-Experten Tipps und Insights zum Trend-Thema Podcast. Alle Termine und Links zu Live-Events und Podcasts gibt's auf turi2.de/clubraum.
clubhouse.com (live ab 12 Uhr), turi2clubraum.podigee.io (Podcast ab 18 Uhr)

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Zitat: Viele Medien bedenken die Rezipienten zu wenig, sagt Sebastian Esser.

"Wenn ich morgens den Deutschland­funk einschalte, kommt die Morgen­andacht mit einem evangelischen oder katholischen Pfarrer. Da kommt nie ein Rabbi oder sonst jemand zu Wort, der einen anderen Hinter­grund hat."

Sebastian Esser, Co-Gründer von Steady und Co-Gründer und Heraus­geber von Krautreporter, sagt im turi2 Clubraum, dass er vielen Medien anmerkt, dass sie "zu wenig an die Rezipienten denken".
turi2.de, turi2.tv (45-Min-Audio)

“Die Marktlücke ist extreme Unabhängigkeit” – Sebastian Esser über Journalismus-Finanzierung.


Steady as he goes: "Journalismus muss sich eine neue Daseins-Berechtigung verdienen und beweisen, dass er unabhängiger ist als andere", sagt Sebastian Esser im turi2 Clubraum. Er hat 2016 mit der Plattform Steady ein Finanzierungs-Portal für unabhängige Medien gegründet. Außerdem ist er Co-Gründer des Online-Magazins Kraut­reporter. Mit Moderatorin Aline von Drateln und turi2-Chef­redakteur Markus Trantow spricht Esser über die Zukunft des Journalismus und gibt Tipps für Neulinge im Medienbusiness. "Stellt euch vor, dass bei unseren Kindern keine Zeitung mehr auf dem Tisch liegt, sie dafür aber unfassbar viel Markenzeug um sich herum haben", sagt er. "Wenn die keine emotionale Bindung mehr an journalistische Marken haben, welche Rolle spielt Journalismus dann noch?" Esser hält "extreme Unabhängigkeit" für eine Markt­lücke. Wäre die gegeben, würden sich die Menschen dem Journalismus zuwenden, "wenn sie wirklich die Wahrheit wissen wollen".

Aktuell denken Medien­schaffende laut Esser noch zu wenig an die Rezipienten. "Wenn ich morgens Deutschland­funk anschalte, kommt die Morgen­andacht mit entweder einem evangelischen oder katholischen Pfarrer." Ein Rabbi oder "sonst jemand, der einen anderen Hintergrund hat", komme nicht zu Wort. Das zeige, dass zum Beispiel an eine jüdische oder muslimische Hörer­schaft nicht gedacht werde. Dabei ist sich Esser sicher: "Wenn das Geld von denen kommt, für die du arbeitest, dann entsteht besserer Journalismus." Eine emotionale Ebene hält er für extrem wichtig. "Die Leute beteiligen sich an etwas, wo sie sich zugehörig fühlen." Medien schaffen eine Bindung, wenn die Menschen Fans sind – entweder von der Idee oder von der Person.

Einsteigern im Medienbusiness rät Esser, mit dem Aufbau der Reichweite anzufangen. Der nächste Schritt sei der Newsletter, denn der "kostet nichts, außer Zeit" und ein Podcast. Wer das anbietet, "ist ein Medienunternehmen", sagt Esser. "Dann braucht man keinen Verlag und keinen Sender und wenn man das richtig macht, hat man gute Chancen, davon leben zu können."

Nächste Woche ist Ina Karabasz zu Gast. Sie ist Leiterin des Live-Journalismus beim "Handelsblatt".
turi2.tv (45-Min-Podcast auf YouTube), turi2clubraum.podigee.io, apple.com, spotify.com, deezer.com, audionow.de

Der Podcast ist Teil der Podcast-Wochen von turi2.

Zitat: Richard Hemmer spricht im turi2 Clubraum über “Geschichten aus der Geschichte”.

"Das Geheimnis ist, dass wir unseren Podcast so regelmäßig auf dieselbe Art und Weise machen."

Podcaster und Historiker Richard Hemmer begründet den Erfolg seines Podcasts Geschichten aus der Geschichte im turi2 Clubraum u.a. mit Regelmäßigkeit und Beständigkeit: "Die Leute lieben es, wenn sie sich auf etwas verlassen können."
turi2.de, youtube.com (55-Min-Audio)

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Bayer-Kommunikator Christian Maertin sagt im turi2 Clubraum, dass die Übernahme von PR-Begriffen besonders häufig passiere, wenn die absendenden Gruppen zu den "vermeintlich Guten" gehören, also etwa NGOs, Umwelt­schützer oder Aktivisten sind. Im Gespräch mit Moderatorin Aline von Drateln und turi2-Chefredakteur Markus Trantow sagt er außerdem, wie er mit "polemischer, extrem unsachlicher" Kritik an Bayer umgeht.
turi2.tv (56-Min-Podcast auf YouTube), turi2.tv (direkt zu PR-Begriffen), turi2clubraum.podigee.io, apple.com, spotify.com, deezer.com, audionow.de

“Sachlichkeit und Fakten-Basiertheit sind der einzige Weg” – Christian Maertin über die Kunst der Kommunikation.


Kommunikations-Papst: "Wer auf Polemik mit Polemik antwortet, wird nie weiter­kommen", sagt Christian Maertin im turi2 Clubraum. Der Leiter der Unternehmens­kommunikation beim Chemie- und Pharma­riesen Bayer hat sich daran gewöhnt, dass sein Unternehmen oft kritisiert wird: "Manchmal sachlich und zurecht, in vielen Fällen extrem polemisch und unsachlich." Im Live-Podcast mit Moderatorin Aline von Drateln und turi2-Chef­redakteur Markus Trantow spricht Maertin über eine "Dialog-orientierte" Strategie, damit umzugehen. Da "nichts tun" keine Option sei, "kannst du nur mit Sachlichkeit reagieren und dem anderen den Spiegel vorhalten". Gerade in "sehr polarisierten Zeiten", wie wir sie gerade erleben, "sind Sachlichkeit, Fakten-Basiertheit und Ent­emotionalisierung in der Kommunikation der einzige Weg". In manchen Fällen müsse Maertin aber auch "die rote Linie aufzeigen" und sagen: "Bis hierhin und nicht weiter."

Als Kommunikator ist es eine der größten Heraus­forderungen, in einer "sehr komplexen Welt" einfache Botschaften zu finden, sagt der ehemalige Journalist. Die "große Kunst der Kommunikation" sei es, Menschen mitzunehmen und ihnen "das Gefühl zu geben, dass sie ernst­genommen werden". Was ihn dabei "total umtreibt", sei eine Diskussions-Kultur, die nicht durch "inhaltliche, sachliche Argumente", sondern "rhetorische Kapriolen, Framing und Derailing" geprägt sei, um "irgendwie Debatten zu gewinnen, obwohl man keine guten Argumente hat". Bei Twitter etwa beobachte er, dass viele Menschen "nicht antizipieren" können, wie ihr Tweet beim Publikum ankommt.

"Gruselig" findet Maertin zudem, dass Medien­schaffende häufig auf PR reinfallen oder Botschaften übernehmen. Politik­journalistinnen etwa nutzen in "ganz sachlichen Artikeln" Begriffe wie Acker- oder Bienen­gift: "Man könnte auch schreiben Pflanzen­schutzmittel", meint Maertin. Gerade wenn die absendenden Gruppen zu den "vermeintlich Guten" gehören, also NGOs, Umwelt­schützer oder Aktivisten sind, "kommen die damit relativ leicht durch".

Der turi2 Clubraum diskutiert jeden Freitag um 12 Uhr mit einem prominenten Gast die Themen der Woche. Das Trio spricht in dieser Woche u.a. über Patricia Schlesinger und arbeitet den Fall aus Kommunikationssicht auf. "Unter diesen Rahmenbedingungen kannst du unmöglich gute und professionelle Krisenkommunikation machen", meint Maertin. Denn da gehöre vor allem Transparenz dazu. Momentan liefere den "größten Beitrag" zur Aufklärung nicht die RBB-Pressestelle, sondern die Redaktion des Senders.

Nächste Woche ist zum Auftakt der turi2 Podcast-Wochen Podcaster Richard Hemmer zu Gast.
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“Die Tage haben eine gewisse Schwere” – Tatjana Ohm über Kriegs- und Krisenberichterstattung.


Die Welt da draußen: "Viele da draußen denken entweder, wir rennen da rein wie die Bekloppten und wissen nicht was wir tun, oder, wir trauen uns nicht so weit, wie es manch ein Zuschauer gerne hätte", sagt Welt TV-Chefmoderatorin Tatjana Ohm, die vor kurzem von ihrem Reporter-Einsatz in der Ukraine zurückgekehrt ist. Im turi2 Clubraum mit Markus Trantow und Pauline Stahl erzählt sie, wie Kriegs- und Krisenberichterstattung in der Realität aussieht. Die Korrespontenten wüssten um die Verantwortung, die sie für ihre Teams haben. Sie selbst halte es immer so: "Wenn einer aus dem Team sagt, ich gehe da nicht mehr hin, dann geht das ganze Team nicht."

Ohm hat bereits aus diversen Kriegs- und Krisengebieten der Welt berichtet. Weil sie kein Abitur hat, zieht sie jedoch Anfang der 1990er Jahre eine Karriere als Journalistin noch nicht in Betracht. Erst während ihres Einsatzes für bosnische Flüchtlinge 1992 gibt sie mehreren Fernsehteams Interviews – und ein freier Journalist im Auftrag von RTL sagt ihr, sie müsse zum Fernsehen. Sie habe das Angebot anfangs "für eine Anmache gehalten", sagt sie. Doch der Journalist bleibt hartnäckig. Einen knappen Monat später ist Ohm auf dem Weg, um aus dem Krieg in Bosnien zu berichten.

"Wenn die ersten Einsätze Kriegs- oder Krisenberichterstattungen sind – das bleibt, und das prägt", stellt Ohm fest. Als "blutjunge Anfängerin" trifft sie damals die Kriegsreporterin Antonia Rados, die zu einem ihrer Vorbilder wird. Dass die Reporterin vor kurzem in Ruhestand gegangen ist, ist für Ohm – trotz großem Verständnis – ein Verlust. "Antonia ist vielleicht gar nicht bewusst, welche Vorbildfunktion sie für eine ganze Generation von Frauen hat und auch noch haben wird", sagt sie. Inzwischen – mit "Ü50" – habe sie selbst keine Vorbilder mehr. Auch aus Krisengebieten hat sie lange nicht mehr berichtet, doch angesichts des Krieges in der Ukraine habe sie nicht anders gekonnt.

Einen festen Alltag gibt es bei ihrer Arbeit vor Ort nicht. Es gibt "eine Art Gerüst", sagt sie, aber man müsse als Reporter immer damit rechnen, dass, "was immer man geplant hat, auch Unwägbarkeiten unterliegt". Sie arbeite bis zu 14 Stunden am Tag. Die Gefahr sei dabei immer zu sehen und zu hören. Manchmal habe sie ein "mulmiges Gefühl", sei aber so beschäftigt, dass es sie nicht beeinflusse: "Wenn du arbeitest, arbeitest du."

"Die Tage haben eine gewisse Schwere", sagt Ohm auch jetzt, zwei Wochen nach ihrer Rückkehr nach Berlin, wo sie längst wieder bei Welt TV im Studio steht. Die Schwere hänge an ihren Kleidern und ließe sich nicht so einfach abschütteln. Ihr helfe, dass sie eine "robuste Persönlichkeit" habe, aber auch der Rückhalt durch Familie, Freundinnen und Kolleginnen – ihr "Netz". Dass sie erneut aus der Ukraine berichten wird, steht für sie schon fest.

Der turi2 Clubraum diskutiert jeden Freitag um 12 Uhr mit einem prominenten Gast die Themen der Woche. Nächste Woche ist Christian Maertin zu Gast, der die Unternehmenskommunikation bei Bayer leitet.
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“Es ist eine neugierige, interessierte Branche” – Wie Kim Alexandra Notz das Image der Werbebranche aufpolieren will.


Werben für Werbung: Kim Alexandra Notz, Chefin der Werbeagentur KNSK, hält ihren Beruf für "einen der abwechslungsreichsten, interessantesten, kreativsten Jobs, den man sich vorstellen kann". Im turi2 Clubraum mit Markus Trantow und Pauline Stahl wundert sie sich daher umso mehr, dass Werbe-Jobs in manchen Umfragen zu den Top 3 der unbeliebtesten Berufe gehören. Unberechtigterweise würden viele immer noch denken, es sei eine Art "Verführung von Konsumentinnen", und "irgendwie schlecht". Diesem Image entgegenzuwirken "wird eine Sisyphos-Aufgabe", glaubt Notz. Sie sei jedoch unerlässlich, denn der Fachkräftemangel treffe die Werbebranche härter als alle anderen Krisen.

"Wir wenden zu viel Zeit dafür auf, uns Leute innerhalb der Branche gegenseitig wegzunehmen", kritisiert Notz. Wichtiger sei es, in andere Branchen zu gehen und Quereinsteiger zu ermutigen. Immerhin sei die Kreativbranche "wie gemacht für den Quereinstieg". Neben Frauen in Führungspositionen fehlen ihr auch die älteren Generationen. Die meisten Agenturen bestünden aus Leuten zwischen 20 und Ende 40. "Wo sind denn die Leute über 50?", fragt sich Notz. Gleichzeitig müssten die Agenturen ihr Hochschulmarketing verbessern. Zu viele Nachwuchskräfte wüssten gar nicht, dass es den Beruf gebe.

Sie selbst, sagt Notz, hätte das gerne früher gewusst. Sie arbeitet lange im Verlagswesen, bevor sie 2013 mit Manfred Bissinger die Agentur Bissinger+ gründet – ihre "beste berufliche Entscheidung". Als die beiden KNSK-Co-Gründer Werner Knopf und Detmar Karpinski sie 2016 in die Führung der Agenturgruppe holen, ist sie gerade im 7. Monat schwanger. Trotzdem überlegt sie nicht lange. Zu Anfang fragt sie aber doch, was sie neben den beiden etablierten Geschäftsführern machen soll. "Erstmal nichts, Kim", sagt ihr Knopf damals.

Sie erinnert sich an den unterschiedlichen Stil der beiden Gründer: "Sie haben die Agentur wie zwei Agenturen in einer geführt", erinnert sich sich. Sie macht es sich zur Aufgabe, die Bereiche wieder stärker zusammenzuführen. Seit 2018 ist sie Inhaberin und sieht die Agentur "auf einem guten Weg". Von sich selbst sagt sie, dass sie "Tag und Nacht über die Agentur nachdenkt". Ihre Work-Life-Balance empfindet sie trotzdem nicht als Problem, weil es ihr so gefalle, wie sie es mache. "Ich erwarte aber nicht, dass andere es auch so machen."

Der turi2 Clubraum diskutiert jeden Freitag um 12 Uhr mit einem prominenten Gast die Themen der Woche. Nächste Woche ist Welt TV-Chefmoderatorin Tatjana Ohm zu Gast, die vor kurzem von ihrem Einsatz in der Ukraine zurückgekehrt ist.
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“Das hat geschmerzt nach 25 Jahren” – Klaus Brinkbäumer über seinen Abgang beim “Spiegel” und seinen Weg zum MDR.


Entspiegelt: "Verblüffend kalt", nennt Klaus Brinkbäumer im turi2 Clubraum seinen Abgang beim "Spiegel" 2018. Der ehemalige Chefredakteur berichtet im Gespräch mit Aline von Drateln und Markus Trantow ganz offen über seine Trennung von dem Hamburger Nachrichten-Magazin und seine Neuerfindung als MDR-Programmdirektor in Leipzig. Die geht soweit, dass die "Spiegel"-App bei ihm inzwischen "vom Schirm gerutscht" ist – "ich habe sie wirklich nicht mehr genutzt", sagt Brinkbäumer. Auf die Frage, was er gern früher über den Job des Journalisten gewusst hätte, antwortet er: "Dass Journalistinnen und Journalisten, obwohl sie sich ja nun der Wahrheitssuche verschrieben haben, gar nicht zwingend integrer oder weniger verlogen sind als andere Menschen."

Nach der Trennung vom "Spiegel" 2018 zieht Brinkbäumer nach New York. "Bewusst, um Abstand zu nehmen", erzählt er heute. In seiner Zeit dort bekommt er einen Sohn, außerdem entstehen zwei Bücher, ein Film, sein Podcast "Ok, America?" und verschiedene Texte für "Zeit" und Zeit Online. Dabei hat er vor allem den Zustand der amerikanischen Medien und der Gesellschaft im Blick – und stellt fest, dass Medien wie Fox News die Spaltung sogar herbeiführen, weil sie von ihr profitieren: "Dass in Amerika öffentlich-rechtliche Medien fehlen bzw. nicht so finanziert sind, dass sie durchdringen können, ist Teil des amerikanischen Problems." In dieser Phase nimmt Brinkbäumer Kontakt zur ARD auf. "Das passte sofort", erinnert er sich. Diese Erfahrung habe auch seine Meinung über den Rundfunkbeitrag verändert. Früher habe er kritischer darüber geredet, inzwischen halte er die Öffentlich-Rechtlichen für "überlebenswichtig" für eine demokratische Gesellschaft.

In seiner Rolle als MDR-Programmdirektor fühlt er sich inzwischen gut angekommen – auch wenn es anfangs schwierig war, "in der Pandemie in ein Haus zu kommen, das wirklich völlig verwaist ist". Er sei am Anfang vielleicht sogar zu still gewesen, weil er er erst einmal habe verstehen müssen, was wie funktioniert. Inzwischen ist er aber "längst voll und ganz hier", sagt er und schwärmt von der jungen Literatur- und Theaterstadt Leipzig und dem Neuseenland, wo er gelegentlich mit dem Segelboot unterwegs ist. Er liest täglich die "Leipziger Volkszeitung" – die sei wirklich gut – und selbst für den RB Leipzig kann sich der eingefleischte St.-Pauli-Fan begeistern. Zu sächseln begonnen hat er jedoch bewusst nicht: "Diese wunderbaren Ausfärbungen der deutschen Sprache zu imitieren, sollte man sein lassen."

Um seine Rolle in dem "nicht unterkomplexen Gebilde" des MDR zu erklären, muss Brinkbäumer weiter ausholen. Wesentlich sei aber das Programm-Machen und das Entscheidungen-Treffen. Letzteres bezeichnet er selbst als ein Talent, das ihm der Leistungssport anerzogen habe: "Da muss man im Sekundentakt Entscheidungen treffen, und ich liebe das." Dass es beim MDR mehr Bürokratie gibt als bei einem Privatmedium wie dem "Spiegel", findet Brinkbäumer "schlicht angemessen": "Wir müssen mehr Rechenschaft ablegen, was wir mit dem Geld machen. Zu recht, denn es ist nicht unser Geld." Einige der Erfahrungen aus seiner "Spiegel"-Zeit kann er dennoch übertragen: "Dass wir die Kraft und Konzentration wirklich auf das eigentliche lenken und uns nicht verrückt machen sollten durch den ganzen Lärm drumherum." Darin unterscheide sich seine neue Arbeit gar nicht so sehr vom "Spiegel".

Der turi2 Clubraum diskutiert jeden Freitag um 12 Uhr mit einem prominenten Gast die Themen der Woche. Nächste Woche ist KNSK-Chefin Kim Alexandra Notz zu Gast.
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Zitat: Kerstin Niederauer-Kopf sagt im turi2 Clubraum, dass nicht nur junges Publikum zum Streaming wechselt.

"Wenn Plattformen wie Amazon Prime in die Champions League einsteigen und Rechte erwerben, dann folgt der Fußball-Liebhaber seinem Content."

Kerstin Niederauer-Kopf, Vorsitzende der Geschäfts­führung bei der AGF Video­forschung, sagt im turi2 Clubraum, sie beobachtet einen "deutlichen Move der mittelalten Zielgruppe" hin zu Streaming-Plattformen.
turi2.de (Zusammenfassung), youtube.com (46-Min-Audio)

Die Fans folgen dem Content – Kerstin Niederauer-Kopf über TV in Streaming-Zeiten.


Quoten-Queen: "Corona war ein richtiger Booster" und hat die Nutzung von Plattformen wie Netflix und Joyn "getriggert", sagt Kerstin Niederauer-Kopf im turi2 Clubraum. Die Vorsitzende der Geschäfts­führung bei der AGF Video­forschung beobachtet, dass es sich dabei insbesondere um die "mittelalte" Zielgruppe handelt, die an der Schwelle von analogem zum digitalen Zeitalter liegt und "beide Welten mitbekommen hat". Im Gespräch mit turi2-Moderatorin Aline von Drateln und turi2-Chefredakteur Markus Trantow erklärt sie, dass diese Generation noch eine "relativ hohe" klassische TV-Nutzung hat, ihr Angebot aber mittlerweile auch auf den Plattformen findet. Spannend sei demnach, wenn etwa Amazon Prime Rechte an der Champions League erwerbe: "Dann folgt der Fußball-Liebhaber natürlich seinem Content", sagt Niederauer-Kopf. Zwar werden Streaming-Dienste wie Netflix oder Wow nicht bei der AGF gemessen, dennoch "haben wir Tricks und Kniffe", auch über die Plattform-Nutzung einen Überblick zu bekommen. Eine Mess-Router-Technologie ermögliche die Quell-Ermittlung – die AGF sehe dann, welcher Streaming-Dienst genutzt wird.

Eine einheitliche Messung von TV, Video, Streaming und Display ist deshalb "so ein dickes Brett, weil wir uns über den Teller­rand hinaus bewegen", sagt Niederauer-Kopf. Die AGF sei für TV und Video zuständig, jedoch gebe es auch Omni-Channel-Marken wie RTL oder "Bild" mit klassischen Print­titeln und einem Fernseh­angebot. Von dort höre die Fernseh-Forscherin häufig: "Weist mir das mal ganzheitlich aus und auch aus einem Guss". Die Herausforderung dabei: "Im Digitalen haben wir andere KPIs als im TV." Während beim TV Metriken wie die Seh­beteiligung zählen, "ist das etwas, das man aus der Digital­welt nicht kennt". Für Niederauer-Kopf besteht die Aufgabe also darin, "den kleinsten gemeinsamen Nenner zu finden", um die Zahlen miteinander vergleichen zu können. Auch Plattformen wie YouTube oder Amazon Prime gehören zur Auswertung der Ziel­gruppen-Verteilung dazu, "aber wir können ja niemanden in die Messung zwingen".

Grundsätzlich geht es immer darum, "dass die Zusammen­setzung der Stichprobe stimmen muss", erklärt Niederauer-Kopf. Dafür brauche sie von jeder sozio-demographischen Struktur einen Anteil, damit die Video­forschung "nicht nur ein Stück des Bevölkerungs-Kuchens unter die Lupe nimmt".

Der turi2 Clubraum diskutiert jeden Freitag um 12 Uhr mit einem prominenten Gast die Themen der Woche. Nächste Woche ist der MDR-Programmchef Klaus Brinkbäumer zu Gast.
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“Der Bildungspolitik fehlt ein CEO” – Stephan Bayer über Verantwortung und Veränderung.


Tutor mit Furor: "Wir haben uns in Deutschland ein System gebaut, in dem keiner verantwortlich ist, dass es mit Bildung besser wird", sagt Stephan Bayer im turi2 Clubraum. Der Chef der Lern­plattform Sofatutor findet es unangenehm zu sehen, wie bei Erscheinen eines negativen neuen Reports zu Bildungs­trends die Verbände "ausflippen" und sich die Schuld zuschieben, ohne dass jemand fragt: "Wie fixen wir das jetzt?" Die Unlust auf Struktur­diskussionen in Sachen Bildung "fuckt mich echt hart ab", lässt Bayer im Gespräch mit Aline von Drateln und Markus Trantow wissen.

Dass fach­fremde Lehr­kräfte jetzt auch noch Medien­kompetenz vermitteln sollen, gefällt Bayer nicht. Hier wünscht er sich Extra-Angebote, z.B. in Form von Projekt­schul­tagen. Auch die in Berlin wieder­eingeführte Verbeamtung von Lehr­kräften, sieht er kritisch: Studien würden belegen, dass die damit verbundenen Privilegien nicht der richtige Anreiz seien, um Bildung zu verbessern. Aus Unternehmer­sicht sagt er: "Ein bisschen Druck, auch abzuliefern, sollten wir uns alle ausliefern." Das Grund­problem in der Bildung sei jedoch klar ein Fach­kräfte­mangel. Der Job müsse einen höheren Status bekommen und attraktiv werden. Bayer berichtet, dass Fach­kräfte "bei Sofatutor Schlange stehen und sagen: 'Holt mich aus dem Lehrerberuf raus'".

Bayers Weg vom Soziologen und Politologen mit Alpaka-Pullover ins einstige "Feindbild Unternehmer" war kein leichter. Es habe ihn "viele Jahre gekostet, diese falsche Überzeugung abzuschütteln, dass Unternehmertum Kommerz sein muss". Sofatutor benutzt den Begriff Startup vor allem für Kommunikations­zwecke, erläutert Bayer weiter. Die Firma sei schon vor Corona profitabel und eher "digitaler Mittel­ständler" gewesen, daher "verdoppelt so eine Pandemie nicht mal eben das Geschäft" und sei "nicht der totale Gamechanger". Für die Relevanz der täglichen Arbeit des Teams sei Corona jedoch "richtig krass" gewesen. Alle Welt, inklusive Angela Merkel, habe sich plötzlich für die Firma interessiert.

Das Werbegeld von Sofatutor fließe vor allem in Mainstream-Medien, wo dann aber sehr gezielt auf das Targeting geachtet werden müsse. Ziel­gruppen­spezifische Medien­angebote seien für die Zwecke der Firma häufig zu klein, für Fernseh­werbung wiederum sei das Angebot "zu nischig". Zudem bespiele Sofatutor "zwei Dutzend Kanäle", jeweils mit einzelnen Channel Managern – von Google und YouTube über Social Media-Plattformen bis zum kürzlich getesteten Out of Home. Dass Kinder aus bildungs­ferneren Haushalten durch sein Direct-to-Consumer-Geschäfts­modell ausgeschlossen sein könnten, treffe ihn "ins Herz". Hier sei das System "noch nicht optimal". Daher träume er davon, noch mehr mit Schulen zusammenzuarbeiten.

Der turi2 Clubraum diskutiert jeden Freitag um 12 Uhr mit einem prominenten Gast die Themen der Woche. Nächste Woche ist Kerstin Niederauer-Kopf zu Gast. Sie ist Vorsitzende der Geschäfts­führung bei der AGF Videoforschung und liefert mit ihren Quoten die Bemessungs­grundlage des Erfolgs eines ganzen Medien­zweigs.
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Frederike Probert, CEO von Mission Female und Board Member der Deutschen Digitalen Beiräte, sagt im turi2 Clubraum, dass Frauen häufig das "stärkende Netzwerk" fehlt. Weil "bestehende Männernetzwerke nicht sehr inklusiv sind", haben sie "nicht das Gefühl, in alteingesessenen Buddy-Clubs willkommen zu sein". 

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Frederike Probert, CEO von Mission Female und Board Member der Deutschen Digitalen Beiräte, findet, dass erfolgreiche Frauen eine "Strickleiter von oben nach unten" reichen müssen, um anderen Frauen auf ihrem Karriereweg zu helfen. Im turi2 Clubraum erzählt sie Aline von Drateln und Björn Czieslik, wie sie genau das mit Mission Female zu erreichen versucht.
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Heute im turi2 Clubraum: Frederike Probert über netzwerkende Frauen.


Outgesourctes Networking: Frederike Probert hat mehr als 20 Jahre im Ad-Tech-Geschäft gearbeitet – und war dabei oft die einzige Frau. Bei einem Camping-Trip durch Europa fasst sie 2018 den Entschluss, daran etwas zu ändern und ihre Mission zum Fulltime-Job zu machen. 2019 gründet Probert das Frauen-Business-Netzwerk Mission Female, das im Job erfolgreiche Frauen zusammenbringt und Gründerinnen unterstützt. Im turi2 Clubraum, dem Live-Podcast mit Aline von Drateln und Björn Czieslik, spricht sie u.a. über ihre Erfahrung, dass bei erfolgreichen Frauen das Netzwerken oft zu kurz kommt. Außerdem diskutiert das Trio über die von der EU beschlossenen verbindlichen Geschlechter­quoten für Vorstände und Aufsichtsräte.

Der turi2 Clubraum diskutiert immer freitags die Themen der Woche. In den vergangenen Wochen waren Christoph Amend, Editorial Director des "Zeit-Magazins, Ex-Medienjournalist Daniel Bouhs und Serviceplan-Geschäftsführer Ronald Focken zu Gast. Alle Termine und Links zu Live-Events und Podcasts gibt's auf turi2.de/clubraum.
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“Die Queen ist einfach nur beeindruckend” – Christoph Amend über Elisabeth II. und Editorials.


Queen-Fanboy: Als das "Zeit-Magazin" zuerst über einen eigenen Newsletter nachgedacht hat, "waren wir der Meinung, dass wir keinen brauchen", sagt Christoph Amend im turi2 Clubraum. Mittlerweile schreibt der Editorial Director des "Zeit"-Supplements seit fünf Jahren den täglichen Newsletter Was für ein Tag. Im Gespräch mit Moderatorin Aline von Drateln und turi2-Chefredakteur Markus Trantow erklärt er, dass er das nur mit einem gut entwickelten System und Co-Autorinnen schafft. Denn neben seinem täglichen Editorial schreibt Amend Bücher und ist Host der Podcasts Und was machst du am Wochenende und Alles gesagt?. Trotz anfänglicher Skepsis kann Amend den Erfolg von Newslettern mittlerweile erklären: "Wenn ich mich für bestimmte Themenbereich interessiere, abonniere ich einen Newsletter, der mir das am besten liefert." Hinzu komme, dass die Leserinnen "auf angenehme Art und Weise Nachrichten bekommen", ohne danach suchen zu müssen.

Wichtig ist laut Amend, das Format immer weiterzuentwickeln. Er selbst habe die Erfahrung gemacht, den ein oder anderen Newsletter abzubestellen, "weil man irgendwann merkt, dass man sie ewig nicht geöffnet hat". Seine Aufgabe als Autor sei daher, "immer mal etwas neues zu entwickeln, damit es nicht langweilig wird". Im Zuge des Kriegs in der Ukraine etwa, vermerkt sein Newsletter ganz am Anfang, der wievielte Tag seit der russischen Invasion vergangen ist. Das diene als "tägliche Erinnerung" an die Geschehnisse, "selbst wenn an bestimmten Tagen keine fundamentalen Nachrichten aus Russland oder der Ukraine kommen". Zwar spielt die tägliche Nachrichtenlage in seinem Newsletter eine Rolle, auf aktuelle Debatten wie der "Welt"-Artikel über die angebliche Sexualisierung und Umerziehung von Kinder bei ZDF und ARD springt das "Zeit-Magazin" jedoch nicht auf. Amends Redaktion würde beim Thema Transsexualität "eher in die Tiefe gehen und eine Langzeitrecherche machen, um dem Thema auf den Grund zu gehen".

Als es bei den Themen der Woche um das 70-jähriges Thronjubiläum von Queen Elisabeth II. geht, enttarnt sich Amend als Fanboy: "Wenn man sich ihr ganzes Leben anschaut, wie sie mit politischen Veränderungen umgegangen ist und Kontenance bewahrt hat, ist sie einfach beeindruckend." Sie habe gezeigt, Fehler korrigieren zu können, "wenn es darauf ankommt", etwa beim Umgang mit dem Tod von Lady Diana. Eine solche Person würde auch Deutschland gut tun, findet von Drateln und schlägt Hape Kerkeling vor. "Die Engländer haben die Queen, wir haben Steinmeier", meint Amend.

Der turi2 Clubraum diskutiert jeden Freitag um 12 Uhr mit einem prominenten Gast die Themen der Woche. Nächste Woche ist Frederike Probert zu Gast. Sie ist CEO von Mission Female und Board Member der Deutschen Digitalen Beiräte.
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“Nicht mit der Kladde durchs Funkhaus laufen”: Daniel Bouhs über neue Projekte und alte Unbefangenheit.



Familiäre Vorbelastung: "Meine erste Fest­anstellung gekündigt zu haben, war rückblickend das Beste, was ich im Job gemacht habe", sagt Daniel Bouhs im turi2 Clubraum. Der langjährige Medienjournalist und frischgebackene Redakteur mit besonderen Aufgaben des SWR, erzählt im Gespräch mit Aline von Drateln und Björn Czieslik, dass sein Weg in den Medien­journalismus schnell ein "Selbstläufer" geworden ist. Da sein Vater ZDF-Journalist war, habe er nie Berührungs­ängste mit den Medien gehabt. Seine Zeit als freischaffender Journalist, u.a. im ARD-Radio, dem Deutschlandfunk und bei "Zapp", haben ihm "Entwicklungen ermöglicht, die ich in diesem Tempo in dieser Vielfältigkeit nicht gehabt hätte". Im Live-Podcast diskutiert das Trio auch über Diversität in den Medien, den Ansturm aufs 9-Euro-Ticket und die Kommunikation von Robert Habeck.

Den SWR-Job in der Landes­­sender­­direktion Rheinland-Pfalz bei Direktorin Ulla Fiebig hat Bouhs angenommen, weil er "sehr bereit war, mal etwas Neues zu machen". Im Sender habe es "schon Fragezeichen, auch was den Stellenzuschnitt angeht", gegeben, weil er auch für journalistische Qualitäts­sicherung zuständig ist. Bouhs habe jedoch vermittelt: "Es gibt kein Qualitätsproblem", sondern nur die Herausforderung, die Qualität zu halten. Zudem befasst sich Bouhs mit digitalen Entwicklungen und will den "unbefangenen Blick" des Ex-Medien­kritikers in den eigenen Reihen einbringen. Ein weiteres Ziel sei, die "heimliche Medien­haupt­stadt Mainz" stärker zu profilieren.

Künftig kann sich Bouhs gut vorstellen, Aufgaben im Rahmen des nahenden ARD-Vorsitzes des SWR zu übernehmen. Das könnte "eine interessante Perspektive" sein, auch wenn er die ARD-Chefs nicht beneidet: "ARD-Vorsitz ist glaub ich ein irres Brett. Das geht an die Substanz." In vergangenen Gesprächen mit ARD-Chefs habe er gelernt, dass "sich einige gefreut haben, wenn die zwei Jahre auch wieder vorbei waren". Die ARD-Vorsitzende könne nicht wie im Konzern "durchregieren", sondern müsse "neun Anstalten auf einen Nenner bringen, die ja aus guten Gründen autarke Medienhäuser sind".

Dass bezüglich seines Wechsels, auch im Verbund mit der Personalie Kai-Hinrich Renner, von einem "Niedergang des Medien­journalismus" geschrieben wurde, hält er für übertrieben. Einerseits sei Medienjournalismus zwar "immer gefährdet", andererseits gebe es auch in Häusern wieder Bedarf, die ihre Aktivitäten auf dem Feld zwischenzeitlich stark heruntergefahren haben. Schuld daran sei auch die Herausforderung, "den Widerstand gegenüber Desinformation" zu leisten und Qualitäts­journalismus abzuliefern.

Der turi2 Clubraum diskutiert jeden Freitag um 12 Uhr mit einem prominenten Gast die Themen der Woche. Nächste Woche ist der Editorial Director des "Zeit Magazins" Christoph Amend zu Gast.
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Heute im turi2 Clubraum: Daniel Bouhs über seinen Abschied vom Medienjournalismus.


Vom Kritiker zum Macher: Daniel Bouhs hat 15 Jahre lang kritisch über den Medienbetrieb berichtet – u.a. im ARD-Radio, dem Deutschlandfunk und bei "Zapp" – seit zwei Monaten steht er auf der anderen Seite. Beim SWR in Mainz ist er "Redakteur mit besonderen Aufgaben" und macht nun mehr Management als Journalismus. Im turi2 Clubraum, dem Live-Podcast mit Aline von Drateln und Björn Czieslik, spricht er über den neuen Job und seinen Blick auf den Medienjournalismus. Außerdem diskutiert das Trio über den Ansturm auf das 9-Euro-Ticket und das Werben der Medienbranche um diversen Nachwuchs.

Der turi2 Clubraum diskutiert immer freitags die Themen der Woche. In den vergangenen Wochen waren Serviceplan-Geschäftsführer Ronald Focken, Angelika Gifford, EMEA-Chefin von Meta und Peter Schwierz, Chef des E-Mobility-Dienstes Electrive zu Gast. Alle Termine und Links zu Live-Events und Podcasts gibt's auf turi2.de/clubraum.
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Keine Angst vor dem Shitstorm: Ronald Focken über Werbung in Filterblasen.


Chief Emotional Officer: "Als Unternehmen musst du Haltung beziehen, Ecken & Kanten haben", sagt Ronald Focken im turi2 Clubraum. Der Geschäftsführer der Agentur-Gruppe Serviceplan erklärt im Gespräch mit Aline von Drateln und Pauline Stahl, dass Kommunikation dann hängen bleibt, wenn sie "gegen den Strom" formuliert wird. Angst vor Shitstorms will Focken seinen Kunden nehmen. Er erklärt etwa, wie seine Agentur einer Fast-Food-Kette geholfen hat, unberechtigte Rassismus-Vorwürfe abzuwenden. Außerdem sagt er, dass er die Arbeit von Kai Diekmann und seiner Social-Media-Agentur Storymachine "langweilig" findet und blickt in die wilden Werbezeiten früherer Jahrzehnte.

Im schnellen Kreuzverhör verrät Focken u.a., dass er sich gerne an die Ravensburger-Werbung aus seiner Kindheit erinnert, weil sie ihm dabei geholfen hat, seinen Wunschzettel für Weihnachten zu füllen. Außerdem lobt er die Werbe-Kampagnen von O2 und Mercedes und sagt, dass er für seine Mitarbeitenden als Geschäftsführer der Chief Emotional Officer sein, Vertrauen geben, motivieren und im Team vorangehen will. Und Focken verrät, dass Serviceplan sich vor Jahren dagegen entschieden hat, Werbung für die Rüstungsindustrie zu machen. Heute, angesichts des Ukraine-Krieges, würde er sich womöglich anders entscheiden – vorausgesetzt, sein Team würde die Aufgabe übernehmen wollen.

"Der Job ist viel ernsthafter, viel effizienzgetriebener geworden", sagt Ronald Focken über den Wandel der Agentur-Branche, der seiner Meinung nach schon in den 1990er Jahren angefangen hat. In seiner Anfangszeit, habe er wilde Partys noch ein bisschen mitbekommen. Damals sei es vor allem um TV-Kampagnen gegangen, aus denen sich alle anderen Werbe-Maßnahmen abgeleitet haben. Später, mit Beginn der Digitalisierung, haben sich die Aufgaben fragmentiert, sagt Focken. Heute beschäftige Serviceplan 120 unterschiedliche Berufsbilder – ganz klassische Kreativ-Köfpe aber auch Daten-Analystinnen.

Der turi2 Clubraum diskutiert jeden Freitag um 12 Uhr mit einem prominenten Gast die Themen der Woche. Nächste Woche ist der Journalist Daniel Bouhs zu Gast. Der langjährige Medienjournalist arbeitet seit diesem Jahr als Redakteur mit besonderen Aufgaben in der Landes­­sender­­direktion Rheinland-Pfalz des SWR.
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“Wir müssen transparenter kommunizieren” – Angelika Gifford über Meta und Meinungsfreiheit.



IT-Angie: Soziale Medien sind "ein Spiegel der Gesellschaft und da passieren nicht immer nur gute Sachen", sagt Angelika Gifford im turi2 Clubraum. Die Vize-Präsidentin für EMEA bei der Facebook-Mutter Meta sagt im Gespräch mit Moderatorin Aline von Drateln und turi2-Chefredakteur Markus Trantow, dass Meinungsfreiheit für den US-Konzern "ein hohes Gut" ist. Menschen eine Stimme zu geben, sei "nicht bloß ein Poster", sondern ein "Wert, den wir Tag für Tag leben". Dabei gelte es stets, den Spagat zwischen Redefreiheit und Hate-Speech oder Fake-News zu schaffen. Zu beachten sei dabei auch der kulturelle Hintergrund: Was in Holland als schlechter Witz durchgehe, könne in Deutschland als Hassrede wahrgenommen werden. Um damit in Zukunft noch besser umzugehen, müsse Meta vor allem "transparenter kommunizieren, was wir eigentlich tun".

Gifford, die zuvor Führungspositionen u.a. bei Microsoft und HP innehatte, erzählt, dass sie 2020 vor allem wegen der "gesellschaftlichen Relevanz" des Unternehmens zu Meta gegangen ist. Auch gefalle ihr, was ihr Arbeitgeber in Sachen Metaverse und KI auf den Weg bringe: "Ich liebe Innovation". Eine der erfolgreichsten deutschen Managerinnen zu sein, habe sie nie geplant. "Ich hatte aber nie Angst, in zu große Schuhe zu schlüpfen", sagt Gifford. Anderen Frauen möchte sie damit gern als Vorbild dienen. In den 30 Jahren, die sie in der Tech-Branche unterwegs ist, "sind immer viel zu wenige Frauen im Raum". Da sei es schon mal vorgekommen, "dass ich zur Sekretärin degradiert wurde".

Für Aufmerksamkeit sorgt in Meetings häufig auch Giffords Herkunft aus Deutschland, das Kolleginnen gerne als "Fax-Republik" abstempeln. Das halte sie zwar für "nicht richtig", dennoch "müssen wir mutiger, schneller und geländegängier im Denken sein". Ein "Herzensprojekt" ist daher das Buch Die Digitale Dekade – Wie wir unsere Wirtschaft transformieren können, das Gifford im April herausgebracht hat. Auf 232 Seiten schreiben Autorinnen wie Sigrid Nikutta, Florian Haller, Achim Berg oder Brigitte Zypries ihre Ideen und Wünsche zur Digitalisierung auf. Gifford lernt daraus u.a., dass die "transformative Kraft" der Technologie auch für Nachhaltigkeit – ihr "zweites Herzensthema" – nutzbar ist.

Der turi2 Clubraum diskutiert jeden Freitag um 12 Uhr mit einem prominenten Gast die Themen der Woche. Nächste Woche ist der Chefredakteur von T-Online, Florian Harms, zu Gast.
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“Stück für Stück das Baby entwickeln” – Peter Schwierz über Neid und Newsletter.


Elektrisierend: "Konzentriere dich auf dein Produkt", empfiehlt Peter Schwierz jeder Gründerin. Unter anderem mit dieser simplen Formel hat der ehemalige turi2-Mitarbeiter aus einem Morgen-Newsletter für E-Mobilität einen Digitalverlag mit 20 Beschäftigten und Millionen-Umsatz geschaffen. Im turi2 Clubraum bespricht der Gründer des E-Auto-Branchendienstes Electrive mit Moderatorin Aline von Drateln die Themen der Woche und schwelgt mit turi2-Verleger Peter Turi anlässlich des 15-jährigen Newsletter-Jubiläums in Erinnerungen. Schwierz war nämlich als einer der ersten Mitarbeiter dabei, als der turi2-Newsletter noch in den Kinderschuhen steckte. Damit, dass es das Format 15 Jahre später noch immer geben wird, habe keiner von beiden gerechnet. "Wir hatten viel Angst, dass der Newsletter auf Dauer nicht funktioniert", erinnert sich Turi. Mittlerweile sind sich Turi und Schwierz einig, dass sie nicht wissen, was den Newsletter ablösen sollte. Schließlich sei das der "direkte Kanal zu jeder Leserin und jedem Leser", meint Schwierz.

Trotz anfänglicher Zweifel beschließt er, sein eigenes Ding zu machen und versendet einen Newsletter für E-Mobilität. Dabei sei nicht einmal klar gewesen, "ob überhaupt das technologische Thema der Elektromobilität kommt". Während er weiterhin bei turi2 arbeitet, investiert Schwierz "mit allem, was rein kam", baut Personal auf und lässt sein Geschäft wachsen. Sein Tipp: "Mit Beharrlichkeit anfangen und Stück für Stück das Baby entwickeln." Sobald "gutes Personal" und ein "funktionierendes Team" da waren, habe er Loslassen müssen. "Da habe ich eine Weile für gebraucht", gibt Schwierz zu. Doch nur so könne er sich wieder mehr auf das Produkt und "Dinge rechts und links davon" kümmern.

Dazu gehört zum Beispiel die Entwicklung weiterer Formate, etwa eine monatliche Online-Konferenz zu bestimmten Themen der E-Mobilität. Von einem eigenen Podcast kann Turi ihn allerdings nicht überzeugen – ein Medium, mit dem Schwierz bisher "nicht warm geworden" ist. Mit einem Print-Produkt liebäugelt er hingegen schon und gibt zu, etwas "neidisch" auf die "schönen Print-Editionen" von Peter Turi zu sein.

Der turi2 Clubraum diskutiert jeden Freitag um 12 Uhr mit einem prominenten Gast die Themen der Woche. Nächste Woche kommt Angelika Gifford, die Europa-Chefin bei Facebook und seit 2021 EMEA-Vizepräsidentin von Meta ist.
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“Diversität bedeutet auch, Menschen ohne Studium in der Redaktion zu haben” – Isabell Beer über investigativen und inklusiven Journalismus.


Jung und gar nicht naiv: "Du bist sehr jung", "du bist ne Frau", "geh doch erst mal studieren" – diese Argumente hat Isabell Beer schon häufig gehört. Im turi2 Clubraum mit Markus Trantow und Annkathrin Weis erzählt sie von ihrem mitunter steinigen Weg in den Investigativjournalismus. Ähnlich wie ihr Vorbild Günter Wallraff recherchiert sie undercover, aber nicht in Fabrikhallen, sondern im Netz: Unter falschem Profil begegnet sie Voyeuristen, bekennenden Vergewaltigern, Drogenkonsumenten – und ist auch schon bedroht worden. "Während Recherchen kann es sein, dass ich auch mal paranoid werde", gibt sie zu. Noch heute kontrolliert sie Hotelzimmer und öffentliche Toiletten auf Kameras und überlegt, wo sie sich in der Bahn hinsetzt.

Auf den Journalismus kommt sie erst mit 18 Jahren, davor wollte sie Schreinerin werden. Sie beginnt mit Praktika und freier Mitarbeit bei den "Nürnberger Nachrichten" und macht ein Volontariat bei der Boulevard-Zeitung "Berliner Kurier". Heute arbeitet sie in einem Investigativteam für das öffentlich-rechtliche Content-Netzwerk funk. Dass sie nie studiert hat, haben Arbeitgeber ihr immer wieder vorgehalten. "Einfach nur falsch", findet das Beer. Diversität bedeute auch, Menschen ohne Studium in der Redaktion zu haben – schließlich wollten Medien auch "nicht nur Menschen erreichen, die aus einem akedemisierten Umfeld stammen".

Dazu fordert Beer auch eine andere Sprache. "Wir sollten Journalismus in einfacher Sprache nicht Leuten wie der 'Bild'-Zeitung überlassen", ist ihre These, der auch Trantow und Weis zustimmen. Der turi2-Chefredakteur beobachtet, dass es gerade jungen Journalistinnen mitunter schwer fällt, einfache Sätze zu schreiben, sie seien oft "zu verkopft". "Die Beschäftigung mit Boulevardzeitungen kann hilfreich sein", rät Beer mit Blick auf ihre Volo-Erfahrung.

Investigativer Journalismus ist aus Beers Sicht leider der Teil der Branche, der immer noch am wenigsten divers ist. Frauen sind in der Unterzahl und vielen Teams gar nicht vertreten. Nicht, weil sie keine Lust dazu haben, sondern weil der Einstieg schwer ist, so ihre Erfahrung. Dabei lobt sie, was Frauen in den Journalismus eingebracht haben: Eine neue Fehlerkultur, die Aufarbeitung struktureller Probleme wie in der #metoo-Debatte und einen sensiblen Umgang mit Traumatisierten.

Dazu gehöre es auch, Menschen nicht aufgrund ihres Aussehens Eigenschaften zuzuschreiben. Beer hat wegen ihrer Piercings, Tattoos und Sitecut früher immer mal wieder Ablehnung erfahren. Vorgesetzte rieten ihr etwa, für Politiker-Interviews den Piercing rauszunehmen. "In den letzten Jahren hat sich da viel verändert", sagt Beer. Geholfen habe, dass viele junge Journalistinnen öffentlich gemacht haben, was zu ihnen gesagt wurde. Kommentare über ihr Aussehen sind Beer jedoch, wie sie sagt, egal – homophobe Äußerungen treffen die queere Journalistin schon eher.

Der turi2 Clubraum diskutiert jeden Freitag um 12 Uhr mit einem prominenten Gast die Themen der Woche. Nächste Woche sind es anlässlich der turi2-Newsletter-Wochen turi2-Gründer Peter Turi und Peter Schwierz, Digital-Verleger des E-Mobility-Branchendienstes Electrive.
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Das "Grundgesetz als Magazin" herauszubringen, hat sich trotz eines sechsstelligen Kredits gelohnt, und zwar nicht nur finanziell, sagt Independent-Verleger Oliver Wurm im turi2 Clubraum. "Auch, wenn die meisten daran gezweifelt haben". Im Podcast spricht er mit turi2-Chefredakteur Markus Trantow und turi2-Redakteurin Pauline Stahl über geringes Vertrauen in große Ideen.
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Das Grundgesetz als Magazin herauszubringen, war definitiv die verrückteste Idee, die Independent-Verleger Oliver Wurm jemals hatte, erzählt er Pauline Stahl und Markus Trantow im turi2 Clubraum. Das Trio spricht über ungewöhnliche Hefte, streitbare Inspirationen und die Themen der Woche.
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“Der schönste Text, den ich jemals bearbeiten durfte” – Oliver Wurm über das Grundgesetz und Gedichte.


Druck von allen Seiten: Das Grundgesetz als Magazin herauszubringen, war definitiv die verrückteste Idee, die Independent-Verleger Oliver Wurm jemals hatte, erzählt er Pauline Stahl und Markus Trantow im turi2 Clubraum. "Diejenigen, die damals gesagt haben, 'das wird funktionieren', kann ich an einer Hand abzählen – und da bin ich selbst viermal dabei." Das Risiko, dafür einen sechsstelligen Kredit aufzunehmen, habe sich allein deshalb schon gelohnt, weil das Grundgesetz "der schönste Text ist, den ich jemals bearbeiten durfte" – und am Ende wartete auch noch das Bundesverdienstkreuz auf den Verleger. Ein "derzeit großer Flop" in seinem Sortiment ist hingegen die Bibel, die er als Neues Testament als Magazin an die Kioske gebracht hat.

Der Erfolg seiner Hefte sei eben oftmals abhängig von Krisen und Skandalen, erzählt Wurm im Podcast. Als die argentinische Fußball-Legende Diego Maradona starb, war das zwar gut für die Verkaufszahlen des Biographie-Magazins, aber erschütternd für den Fußball-Fan. Mit dem Sammelbildchen-Anbieter Panini produziert er seit Jahren regionale Stickeralben. Das Geschäft mit den Sticker-Alben zur Fußball-EM in Deutschland haben die Italiener an Topps aus den USA verloren. Doch Wurm ist sich sicher: "Der Kult um Panini ist auch durch den Rechteverlust unkaputtbar". Dem können seine Gesprächspartner Pauline Stahl und Markus Trantow zustimmen – auch, wenn sie selber keine Fußball-Fans sind.

Zu einer seiner jüngsten Ideen, dem Magazin Dreizehn +13 Gedichte, wurde Wurm von Gerhard Schröder inspiriert – "auch, wenn es schlecht gealtert ist", dies zu erzählen. Dessen Frau Soyeon Schröder-Kim hatte im zweiten Lockdown ein Instagram-Video hochgeladen, in dem der Altkanzler Rainer Maria Rilkes Gedicht "Herbsttag" rezitiert. Es habe ihn "regelrecht angemacht", wie passend und aktuell dieses Gedicht auf die heutige Zeit passt, erzählt Wurm – und deshalb 13 klassische Werke und ebenso viele zeitgenössische Gedichte in ein Heft gepackt.

Wurm vereint mit seinen Magazinen viele Leidenschaften. "Ich arbeite zu viel, ich arbeite zu hart, und brauche dringend eine Pause, sonst frisst mich die Arbeit auf", wird ihm immer wieder bewusst. Ausgleich findet er im Meditieren, Wandern und in der Familien-Chat-Gruppe, die ihn immer mit dem besten Klatsch aus seinem Heimatdorf versorgt.

Der turi2 Clubraum diskutiert jeden Freitag um 12 Uhr mit einem prominenten Gast die Themen der Woche. Nächste Woche macht der Podcast Oster-Pause, in zwei Wochen ist dann die Investigativjournalistin Isabell Beer zu Gast. Sie spricht über ihre Arbeit und die Themen der Woche mit turi2-Chefredakteur Markus Trantow und seiner Co-Hostin Annkathrin Weis, die man aus dem "Journalist"-Podcast "Druckausgleich" kennt.
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Philipp Jessen empfindet seine Agentur Storymachine als "selbstreinigenden Organismus", der die Leute wieder ausspuckt, die nicht dazupassen. Er befürchtet einen "Leistungsabfall", wenn seine Angestellten überhaupt nicht mehr ins Berliner Büro kommen wollen, sagt er im turi2 Clubraum mit Aline von Drateln und Markus Trantow. Das Trio spricht außerdem über Ohrfeigen, Egos und Kritik an der geheimniskrämerischen Agentur.
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Gute PR ist "wahrhaftig", sagt der Co-Gründer und Geschäftsführer von Storymachine, Philipp Jessen, im turi2 Clubraum. Das funktioniert aber nur, wenn der PR-Profi das Produkt oder den Kunden nicht "total ätzend" findet. Mit Aline von Drateln und Markus Trantow spricht er über Narzissten, kreative Löcher im Home Office und Aufreger-Tweets.
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“Storymachine ist ein selbstreinigender Organismus” – Philipp Jessen über Ohrfeigen und Home-Office-Ohnmacht.


Wahrhaft authentisch: Um bei der PR-Agentur Storymachine arbeiten zu können, "musst du speziell sein, aus diversen Gründen“, sagt Co-Gründer und Geschäftsführer Philipp Jessen im turi2 Clubraum mit Aline von Drateln und Markus Trantow. Die Agentur, die er zusammen mit Kai Diekmann und Michael Mronz führt, gibt sich fünf Jahre nach ihrer Gründung noch immer ziemlich geheimniskrämerisch. Nur selten dringt der Name eines Kunden an die Öffentlichkeit. Der frühere Chefredakteur von "Bravo", gala.de und stern.de kann es aber gut verkraften, seine Erfolge im Stillen zu feiern. "Ich empfinde mein Ego nicht als übergroß", sagt Jessen – auch auf die Gefahr hin, dass seine Kolleginnen bei dieser Aussage "lachend vom Stuhl fallen".

Erfolgreiche PR-Arbeit fängt für ihn schon vorm Abschluss eines Vertrags an. "Ich kann nicht für jemanden arbeiten, wenn ich das Produkt oder die Person total ätzend finde." Und natürlich muss er als Chef dafür auch die richtigen Angestellten nach Berlin holen. Seine Agentur empfindet er als "selbstreinigenden Organismus", der die Leute wieder ausspuckt, die nicht dazupassen. Wenn es passt, dann entstehen die besten Ideen immer noch bei "vor Kreativität überlaufenden Teammeetings" – und die gebe es nunmal nicht im Homeoffice. Jessen befürchtet einen "Leistungsabfall", wenn Agentur-Mitarbeitende gar nicht mehr ins Büro zurückkehren. Moderatorin Aline von Drateln, die wegen Corona zurzeit an den heimischen Schreibtisch gefesselt ist, würde sogar Geld dafür zahlen, "um dieser Home-Office-Hölle zu entkommen".

Der Erfolg der Agentur ist für Jessen nicht selbstverständlich. "Ich werde fast Will-Smith-aggressiv, wenn Leute sagen: 'War klar, dass das mit Storymachine funktioniert.'" Nach seinem Abschied von Gruner + Jahr habe er zunächst alleine in einem Co-Working-Space am Görlitzer Park gesessen, in einem Büro, in dem es dank verstopfter Rohre nicht wirklich appetitlich gerochen hat. Bis heute sei "jeder Tag ein Kampf".

Apropos Will Smith: Dem ohrfeigenden Schauspieler würde er dringend raten, seinen Oscar selbst zurückzugeben, bevor er dazu aufgefordert wird. turi2-Chefredakteur Trantow findet, die Academy hätte ihm den Preis an dem Abend gar nicht erst geben dürfen. In Smiths Dankesrede erkennt Jessen Anzeichen einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung. Aline von Drateln sieht in dessen Verhalten typisch toxisches Männlichkeits-Gehabe, das im schlimmsten Fall zu Gewalt gegen die eigene Ehefrau führt.

Apropos toxische Männlichkeit: Das Trio spricht im Podcast außerdem über die "Zwangsmaus"-Debatte um Julian Reichelt, kritische Berichterstattung über Storymachine und über Authentizität als Schlüssel für gute PR-Arbeit – oder wie Philipp Jessen sagen würde, "Wahrhaftigkeit". "Ich hasse das Wort 'authentisch'. Wenn ich zu Hause in Boxershorts 'Love Island' gucke und Schoko-Crossies esse, ist das auch authentisch. Aber das interessiert keinen.“

Der turi2 Clubraum diskutiert jeden Freitag um 12 Uhr mit einem prominenten Gast die Themen der Woche. Nächste Woche ist Oliver Wurm zu Gast, Verleger des Grundgesetz-Magazins und Träger des Bundesverdienstkreuzes.
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Heute im turi2 Clubraum: Philipp Jessen über PR und Home Office.


Im Story-Maschinenraum: Philipp Jessen war Chefredakteur von "Bravo", gala.de und stern.de – seit 2017 ist der Journalismus für ihn "durchgespielt". Gemeinsam mit Kai Diekmann und Michael Mronz steht er an der Spitze der PR-Agentur Storymachine, heute Mittag nimmt er im turi2 Clubraum Moderatorin Aline von Drateln und Chefredakteur Markus Trantow mit in den Maschinenraum. Das Trio spricht über Jessens Blick auf die Medien-Welt und diskutiert über die Themen der Woche, u.a. über den Wert von Home Office, über Zwangsenten und prominente Ohrfeigen.

Der turi2 Clubraum diskutiert immer freitags die Themen der Woche. In den vergangenen Wochen waren etwa "W&V"-Chefredakteurin Verena Gründel, Marktforscherin Judith Barbolini und Journalist und "Horizont"-Herausgeber Uwe Vorkötter zu Gast. Alle Termine und Links zu Live-Events und Podcasts gibt's auf turi2.de/clubraum.
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Haltung in der Werbung wird immer wichtiger, sagt "W&V"-Chefredakteurin Verena Gründel im turi2 Clubraum. Das Branchenmagazin hat sich aber bewusst gegen ein Logo in den Farben der Ukraine entschieden, um nicht einfach nur auf den "Zug des Aktionismus" aufzuspringen. Darüber und über viele weitere Themen spricht Gründel mit turi2-Chefredakteur Markus Trantow und Philadelphia-Engel Aline von Drateln.
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Das Vertrauen in die sozialen Medien ist so gering, dass es irgendwann an der "Brand Safety" von Marken nagt, die auf den Plattformen werben. Das ist die These von Verena Gründel, der Chefredakteurin des Branchenmagazins "Werben & Verkaufen", im turi2 Clubraum. Darüber und über weitere Themen diskutiert sie mit Aline von Drateln und Markus Trantow.
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“Ich bin ein Marketing-Opfer” – Verena Gründel über Gummibärchen und gelb-blaue Logos.


Werben & Vertrauen: Unternehmen werden künftig wieder weniger Geld in Social-Media-Werbung stecken, weil sich das geringe Vertrauen in die Plattformen negativ auf ihre "Brand Safety" auswirkt, sagt Verena Gründel im turi2 Clubraum. Die Chefredakteurin des Branchenmagazins "Werben & Verkaufen" erläutert im Gespräch mit Aline von Drateln und Markus Trantow, dass für Marken "Effektivität" ein wichtiger Key-Performance-Indicator ist – und der sei umso geringer, je schlechter das Image des Werbeumfelds ist. Deswegen würden Marketing-Abteilungen langfristig wieder mehr Budget für klassische Medien aufbringen. Trantow würde Gründel gerne zustimmen, befürchtet aber, dass am Ende nur "die Zahlen zählen".

Aline von Drateln, die im Podcast ihre Vergangenheit als Philadelphia-Engel enthüllt, will von Gründel wissen, wie sich die Branche in den vergangenen Jahren verändert hat. "Werbung ist immer demokratischer geworden", so die "W&V"-Chefredakteurin. "Die Kunden können mit ihrem Feedback direkt Einfluss nehmen." Marken können mit Haltung punkten, indem sie "die Rolle des Identitätsgebers" übernehmen in einer immer komplexer werdenden Welt. Anders als die Konkurrenz hat sich "W&V" aber aktuell bewusst dagegen entschieden, das Logo in den Farben der Ukraine einzufärben. "Wenn wir unser Logo gelb-blau anstreichen, machen wir die Welt nicht besser."

"Grenzwertig" findet Gründel Werbung, die sich direkt an Kinder richtet, sagt sie im Clubraum. Trotzdem zählt eine Werbung des Gummibärchen-Herstellers Haribo zu ihren Lieblingsspots. Sie sei eben auch nur ein "kleines Marketing-Opfer".

Das Trio spricht im Podcast auch über Fridays For Future, die diese Woche die Musikerin Ronja Maltzahn von einer Veranstaltung in Hannover ausgeladen haben, weil sie als weiße Sängerin Dreadlocks trägt. turi2-Chefredakteur Markus Trantow begrüßt zwar den sensiblen Umgang mit anderen Kulturen, vor allem solchen, die von Unterdrückung betroffen sind. Er würde aber eine Linie zwischen "kulturellem Austausch" und kultureller Aneignung ziehen. Aline von Drateln weist daraufhin, dass die Runde als Nicht-Betroffene keine Bewertung vornehmen sollte. Werbeexpertin Gründel kann aber aus Marketing-Sicht resümieren: "Die Marke Fridays For Future hat sich mit dieser Diskussion keinen Gefallen getan."

Der turi2 Clubraum diskutiert jeden Freitag um 12 Uhr mit einem prominenten Gast die Themen der Woche. Nächste Woche ist Philipp_Jessen zu Gast, Co-Gründer und Geschäftsführer der PR-Agentur Storymachine.
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Heute im turi2-Clubraum: “W&V”-Chefredakteurin Verena Gründel über Werbung und Wandel.


Werben & Verändern: Verena Gründel ist Chefredakteurin des Werbe-Fachblatts "Werben & Verkaufen" – im turi2 Clubraum spricht sie heute darüber, wohin die Branche steuert, auch angesichts von Corona und Krieg. Im Gespräch mit Moderatorin Aline von Drateln und turi2-Chefredakteur Markus Trantow geht es außerdem um den Relaunch von "Werben & Verkaufen", das sich unter dem Dach der neuen Eigentümerin Ebner Media Group neu aufstellt – und um die Themen der Woche. Das Trio spricht etwa über Werbung und Vertrauen, die Dreadlocks-Absage von Fridays for Future und sportliche Großereignisse in Schurkenstaaten.

Der turi2 Clubraum diskutiert immer freitags die Themen der Woche. In den vergangenen Wochen waren etwa Marktforscherin Judith Barbolini, Journalist und "Horizont"-Herausgeber Uwe Vorkötter und Jens Schröder, der Graf Zahl der Medienbranche, zu Gast. Alle Termine und Links zu Live-Events und Podcasts gibt's auf turi2.de/clubraum.
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Viele Männer fühlen sich vom Gendern getriggert, weil sie befürchten, "aus ihren Rollen gedrängt" zu werden, beobachtet Judith Barbolini vom Marktforschungsinstitut Rheingold. Im turi2 Clubraum spricht sie mit Aline von Drateln und Markus Trantow über Polarisierung und positive Nachrichten.
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“Gendern kann nerven und zugleich sinnvoll sein” – Judith Barbolini über Polarisierung und positive Nachrichten.


Aufreger-Sterne: Gendern triggert viele Menschen, weil es gesellschaftliche Probleme an die Oberfläche bringt, sagt Judith Barbolini vom Rheingold-Institut im turi2 Clubraum. Sie hat vor Kurzem eine Studie geleitet, die gezeigt hat, dass mehr als die Hälfte der jungen Menschen in Deutschland von Sternchen, Unterstrichen und der Debatte im Allgemeinen genervt ist. Geschlechtergerechte Sprache führe einen "Stellvertreterkrieg" gegen Probleme wie Rassismus oder Sexismus, sagt die Studienleiterin. Zudem können vor allem Männer die Bedeutung des Genderns noch nicht richtig einschätzen. Sie fühlen sich dadurch "in ihren Domains beschnitten" und haben das Gefühl, "aus ihren Rollen gedrängt" zu werden.

Barbolini fühle sich seit der Untersuchung vom generischen Maskulinum nicht mehr angesprochen, erzählt sie Aline von Drateln und Markus Trantow. Über manche Worte stolpere die Studienleiterin allerdings noch, beispielsweise über "Gästin". Es höre sich in ihren Ohren noch "falsch" an und sei damit eher "ein Störer als ein Zeichen für Toleranz". Sollten Medien und Unternehmen nun gendern oder nicht, fragt der Chefredakteur von turi2. "Es kommt drauf an", entgegnet Barbolini. Bei dem Thema gebe es keine klare Handlungsanweisung, da das Gendern selbst noch keine klaren Regeln hat. Allerdings komme geschlechtergerechte Sprache bei jungen Menschen prinzipiell gut an: "Auch wenn es einen nervt und ärgert, heißt das nicht, dass man es nicht als sinnvoll erachten kann." Vor allem im Jobkontext gehöre es mittlerweile "zum guten Ton".

Das Trio spricht im Podcast auch über die aktuelle Nachrichtenlage, in der fast ausschließlich negative Schlagzeilen dominieren. Das verstärkt die "Lähmungserscheinungen" der Pandemie, weil wir das Gefühl haben, "dass wir uns gar nicht mehr freuen dürfen", sagt Barbolini. Trantow bestätigt, dass er sich in einer dauerhaften "Alarmstimmung" befindet. Moderatorin Aline von Drateln sieht das Grundproblem in der Journalistenausbildung, in der der Leitspruch "only bad news are good news" vermittelt wurde. Alle sind sich einig, dass Medien Handlungsanweisungen geben müssen, um positiv durch die Krise zu kommen.

Ähnlich sieht es beim Umgang mit der russischen Bevölkerung aus. Trantow findet, die Sanktionen gegen Russland dürften sich nicht gegen die Kultur und das Volk selbst wenden. "Wir sollten die Tore zur russischen Zivilgesellschaft weit öffnen", damit ein Austausch stattfinden kann. Er findet es falsch, wenn beispielsweise russische Künstlerinnnen oder Komponisten aus Orchestern verbannt werden. Drateln stimmt zu, sagt aber: Bei einem Auftritt der Sopranistin und Putin-Anhängerin Anna Netrebko könnte sie nicht "mit gutem Gewissen in der Pause Piccolo schlürfen".

Der turi2 Clubraum diskutiert jeden Freitag um 12 Uhr mit einem prominenten Gast die Themen der Woche. Kommende Woche ist Verena Gründel zu Gast, die Chefredakteurin des Branchenmagazins "Werben und Verkaufen".
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Heute im turi2-Clubraum: Judith Barbolini über den Krieg der Gender-Sterne.


Sterne des Anstoßes: Das Rheingold-Institut in Köln hat vor Kurzem eine Studie über den Stand der Gender-Sprache bei Menschen unter 35 vorgelegt – im turi2 Clubraum erklärt Studienleiterin Judith Barbolini heute, welche Konsequenzen Medien und Unternehmen daraus ziehen können, dass auch viele junge Menschen die Gender-Lücke als störend empfinden. Barbolini ist Mitglied der Geschäftsführung des Rheingold-Instituts und selbst erst der Zielgruppe entwachsen. Mit Aline von Drateln und Markus Trantow diskutiert die Meinungsforscherin außerdem über die Themen der Woche, darunter den möglicherweise überfälligen Generationswechsel in der Medienbranche und den Umgang mit der russischen Zivilgesellschaft angesichts des Krieges.

Der turi2 Clubraum diskutiert immer freitags die Themen der Woche. In den vergangenen Wochen waren etwa Journalist und "Horizont"-Herausgeber Uwe Vorkötter, Jens Schröder, der Graf Zahl der Medienbranche, und die "Zeit"-Kolumnistin Katja Berlin zu Gast. Alle Termine und Links zu Live-Events und Podcasts gibt's auf turi2.de/clubraum.
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