Rund 500 Beschäftigte beteiligen sich an Warnstreik bei Deutscher Welle.

Warnstreik: Rund 500 Mitarbeiter*innen der Deutsche Welle haben am Donnerstag laut DJV in Berlin und im Home Office ihre Arbeit niedergelegt. Zuvor waren Tarif­ver­handlungen mit Gewerkschaften gescheitert. Als Folge des Streiks fielen zwischen 12 und 14 Uhr englische und spanische DW-Nachrichtensendungen aus. Intendant Peter Limbourg hatte den Streik als "schweren Fehler" bezeichnet.
digitalfernsehen.de, dwdl.de (Background), turi2.de/koepfe (Profil Peter Limbourg)

Weißrussland verhaftet und verurteilt einen Reporter der Deutschen Welle.

Deutsche Welle: Ein Reporter des deutschen Auslandssenders ist in Weißrussland verhaftet und zu zehn Tagen Gefängnis verurteilt worden. Die Richter werfen ihm angebliches "Rowdytum" vor. Intendant Peter Limbourg spricht von einem "fadenscheinigen Vorwand", um kritische Berichte im Vorfeld der Präsidenten­wahl an diesem Sonntag zu verhindern.
rnd.de, dw.com

Renner: Rundfunkanstalten haben doch keine Auflösung des IRT beschossen.

Funkstille: Die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten haben ihr Institut für Rundfunktechnik überraschend doch nicht eingestampft, räumt Kai-Hinrich Renner ein. Der Rückzug des ZDF aus dem Gesellschafterkreis ist schon länger bekannt, ARD, Deutschlandradio, Deutsche Welle, ORF und SRG sollen folgen. Wie es danach für das IRT weitergeht, ist noch offen. Hintergrund ist ein Betrugsskandal: Ein für das Institut tätiger Patentanwalt soll sich 200 Mio Euro in die eigene Tasche gewirtschaftet haben.
berliner-zeitung.de, rnd.de, sueddeutsche.de (Background)

Deutsche Welle erweitert die Chefredaktion um fünf neue Mitglieder.

Deutsche Welle: Chefredakteurin Manuela Kasper-Claridge (Foto) strebt mehr Diversität an und holt fünf Mitarbeiter*innen in die Chefredaktion, die jeweils einen anderen Blickwinkel einbringen. Zum Team gehören künftig: Erkan Arikan, Leiter der Türkisch-Redaktion, Recherche-Chefin Sandra Petersmann, der in Sambia aufgewachsene Wissenschafts- und Wirtschaftsjournalist Chiponda Chimbelu, die Verantwortliche für die deutsche und englische Nachrichten Homepage, Kristin Zeier, sowie Jaafar Abdul Karim, der für seine Talkshzows "Shababtalk" und "JaafarTalk" bekannt wurde.
dw.com, turi2.de (Background)

Social-Media-Chef Mischa Heuer wechselt von der Deutschen Welle zu MSL.

Deutsche Welle verliert ihren Chef für Social-Media-News, Mischa Heuer, an die PR-Beratung MSL. Bei MSL wirkt Heuer künftig in einer Doppelspitze mit Adrian Rosenthal als Verantwortlicher für Digital und Social Media. Heuer ist Absolvent der Deutschen Journalistenschule und mit 100.000 Followern bei Instagram, Facebook und Twitter selbst Influencer.
wuv.de, mslgroup.de

Ausschreitungen: Deutsche-Welle-Reporter gerät in die Schusslinie der Polizei.

Deutsche Welle: Bei den Ausschreitungen in Minneapolis ist der Korrespondent Stefan Simons in die Schusslinie der Polizei geraten. Er blieb unverletzt, die Polizei drohte mit Verhaftung. Ein Video zeigt, wie Polizeikräfte die Arbeit der Presse behindern. Ein CNN-Team wurde verhaftet. Ein TV-Reporter in Pittsburgh soll von Demonstranten geschlagen worden sein. Innerhalb weniger Tage ist es zu mindestens 68 Übergriffen auf Medienschaffende gekommen, sagen "Reporter ohne Grenzen".
dw.com, welt.de, welt.de (Angriff), welt.de (Reporter ohne Grenzen)

Deutsche Welle, BBC und Co entwickeln gemeinsame Strategie gegen Fake News zu Corona.

DG7, internationale Kooperation öffentlich-rechtlicher Medien, arbeitet an einer gemeinsamen Strategie gegen die Verbreitung von Fake News in der Corona-Pandemie. Die Initiative, an der u.a. die Deutsche Welle und BBC beteiligt sind, wolle "mit zuverlässigen Informationen Leben schützen". DW-Intendant Peter Limbourg sagt, öffentlich-rechtliche Anbieter lieferten Futter "für die Debatten, die notwendig sind, um die Zukunft nach der Pandemie aufzubauen".
quotenmeter.de

Aus dem Archiv: Intendant Peter Limbourg über 65 Jahre Deutsche Welle (2018).

Deutsche Welle will stärker gegen internen Machtmissbrauch vorgehen.

Deutsche Welle verpasst sich eine verbindliche Dienstvereinbarung gegen sexuelle Belästigung und Machtmissbrauch am Arbeitsplatz. Beschäftigte, auch freie, sollen sich bei Bedarf an spezielle Stellen wenden können. Der Sender will Fälle verfolgen und aufklären. Intendant Peter Limbourg spricht von einer "Null-Toleranz-Strategie". Die Deutsche Welle stand wegen Belästigungsvorwürfen zuletzt massiv in der Kritik.
dw.com, lifepr.de, turi2.de (Background)

DW-Intendant Peter Limbourg ist nach positivem Corona-Test in Quarantäne.

Deutsche Welle: Intendant Peter Limbourg wurde positiv auf das Corona-Virus getestet. Er befinde sich seit Dienstag in häuslicher Quarantäne, es gehe ihm den Umständen entsprechend gut, sagt ein Sprecher. Mittels Video-Konferenzen sei Limbourg in die Führung des Auslandssenders eingebunden. Viele Mitarbeiter*innen befinden sich im Home Office.
tagesspiegel.de, dwdl.de

Zitat: DW-Intendant Peter Limbourg widerspricht “allgegenwärtigem” Machtmissbrauch im Sender.

"Dass ausgerechnet ein ehemaliger freier Mitarbeiter, der die Deutsche Welle im Unfrieden verlassen musste, diesen Artikel geschrieben hat, hat mit Journalismus wenig zu tun."

Intendant Peter Limbourg verteidigt die Deutsche Welle im "FAZ"-Interview gegen den Vorwurf des "allgegenwärtigen" Machtmissbrauchs, der im "Guardian" erhoben wurde. Es habe einzelne Fälle gegeben, denen die Geschäftsleitung nachgegangen sei, sobald sie davon erfahren habe.
"FAZ", S. 13 (Paid), turi2.de (Background)

DW-Intendant Peter Limbourg sucht das offene Gespräch mit den Kritikern.

Deutsche Welle: Intendant Peter Limbourg und Verwaltungsdirektorin Barbara Massing fordern die anonymen Kritiker auf, das offene Gespräch zu suchen, schreibt die "taz". Es scheint "tatsächlich einiges nicht zu funktionieren", heißt es im Antwortschreiben an die 250 Unterzeichner eines Briefes, der Machtmissbrauch bei der Deutschen Welle kritisiert.
taz.de, turi2.de (Background)

Aus dem Archiv von turi2.tv: "Die Regierung redet uns nicht rein." – Peter Limbourg über 65 Jahre Deutsche Welle (6/2018).

Deutsche Welle nimmt Stellung zu Belästigungs-Vorwürfen aus dem “Guardian”.

Deutsche Welle reagiert auf Vorwürfe aus einem Guardian-Artikel, wonach es in der Redaktion zu Mobbing, Belästigung und Rassismus gekommen sein soll und die meisten aus Angst nicht offen darüber sprechen würden. Die Deutsche Welle nennt die Schlagzeilen "unbegründet", die zitierten Vorfälle lägen mehr als 18 Monate, teilweise "noch deutlich weiter" zurück. Außerdem fehle in dem Artikel der Hinweis, dass der Sender "in allen damals bekannt gewordenen Fällen unmittelbar gehandelt hat". Intendant Peter Limbourg habe 2018 eine interne Aufklärungskampagne initiiert und bekannt gewordene Fälle mit arbeitsrechtlichen Maßnahmen geahndet. Die Deutsche Welle kritisiert, dass der "Guardian"-Autor ein ehemals Freier des Senders ist, der die DW "im Unfrieden verlassen musste".
dw.com, dwdl.de

Mitarbeiter der Deutsche Welle kritisieren Einschnitte beim deutschen Online-Programm.

Deutsche Welle: Rund 50 freie Journalisten kritisieren in einem Offenen Brief geplante Umstrukturierungen beim Auslandssender. Ab Februar sollen die Nachtschichten der deutschsprachigen Website deutlich gekürzt werden. Die Mitarbeiter befürchten, so falle das letzte deutschsprachige Vollprogramm der Deutschen Welle weg. Programmdirektorin Gerda Meuer entgegnet, schnelle News seien nicht das Hauptprodukt des Senders, sondern Hintergründe. Die Umstrukturierungen würden dem Rechnung tragen.
deutschlandfunk.de, deutschlandfunk.de (Offener Brief)

Maria Gramsch: Mein turi2.tv-Video-Tipp 2019.


Mein turi2.tv-Lieblingsvideo aus dem Jahr 2019 ist das Video-Porträt über Edith Kimani, Moderatorin der DW News in Berlin. Mein Kollege Jens Twiehaus und ich haben Edith Kimani einen Tag lang durch ihren Alltag begleitet. Dabei hat sie uns mit ihrer herzlichen und offenen Art in ihre Kultur eintauchen lassen und uns mit durch ihren Kiez und ins Studio der Deutschen Welle genommen. Das Interview mit Kimani war eines der spannendsten, das ich jemals führen durfte – weshalb das daraus entstandene Video es auch ganz nach oben aufs Treppchen meiner Video-Favoriten bei turi2.tv geschafft hat - und auf Platz 2 der meistgesehenen turi2.tv-Videos 2019.
turi2.tv (7-Min-Video), turi2.de (Alle Videos der Reihe)

Zitat: Stasi-Akten sind keine legitime Quelle, sagt Maike Kohl-Richter.

"Die Stasi-Akten sind keine legitime Quelle, das war immer die große Sorge meines Mannes, (…) weil er sagte, je weiter die Menschen von der DDR weg sind, desto weniger werden sie wissen, dass die Stasi-Akten nicht die Akten eines Rechtsstaates sind."

Maike Kohl-Richter spricht im Deutsche-Welle-Interview mit Peter Limbourg über die Gründe Kohls, sich gegen die Veröffentlichung seiner Stasi-Akte zu stellen.
youtube.com (20-Min-Video)

Aus dem turi2.tv-Archiv (06/2018): "Die Regierung redet uns nicht rein" – Intendant Peter Limbourg über 65 Jahre Deutsche Welle.

DW-Personalrat distanziert sich von Artikel in Verdi-Magazin “M”.

Deutsche Welle: Der örtliche Personalrat Bonn distanziert sich von einem Artikel im Verdi-Magazin "M", in dem ein anonymer Personalrat dem deutschen Auslandssender "strukturellen Machtmissbrauch gegenüber Freien" vorgeworfen hat. Die zitierten Äußerungen sowie Einschätzungen der Kompetenzen von Führungskräften seien dem Personalrat zuvor nicht bekannt gewesen.
per Mail, turi2.de (Background)

Deutsche Welle wird von israelischen Lobbyisten als antisemitisch beschimpft.

Deutsche Welle ist aufgrund eines Übersetzungsfehlers massiver Kritik selbsternannter, israelischer Lobbyisten ausgesetzt. Die Vorwürfe des Antisemitismus seien absurd. Es geht um einen Gastbeitrag des Nahost-Experten Rainer Hermann, den die Deutsche Welle ins Englische übersetzt hat. Die Übersetzung "dass es derzeit 600.000 jüdische Siedler im Gazastreifen gibt" war falsch, das Original bezog sich auf 600.000 jüdische Siedler in den von Israel besetzten Gebieten. Die Redaktion hat den Fehler behoben und dokumentiert.
dw.com

Deutsche Welle: Manuela Kasper-Claridge löst im Mai 2020 Ines Pohl als Chefredakteurin ab.


Neue Wellenrleiterin: Manuela Kasper-Claridge (rechts) löst im Mai 2020 Ines Pohl als Chefredakteurin der Deutschen Welle ab. Kasper-Claridge arbeitet seit 1992 bei der Deutschen Welle. Seit Oktober 2017 ist sie Pohls Stellvertreterin, zudem leitet sie die Abteilung Wirtschaft, Wissenschaft und Umwelt. Intendant Peter Limbourg erhofft sich von ihr "klare Schwerpunkte beim Übergang von der Linearität hin zu mehr On-Demand-Formaten". Ines Pohl bleibt bei der Deutschen Welle und leitet künftig das Auslandsstudio in Washington.

Dort war sie nach ihrem Abschied von der "taz" von 2015 bis zum ihren Aufstieg zur DW-Chefin bereits als Korrespondentin für den Auslandssender aktiv. Der Wechsel bringt weitere Personal-Rochaden mit sich: Die bisherige Studioleiterin in Washington, Alexandra von Nahmen, wechselt nach Brüssel. Dort übernimmt sie von Maximilian Hofmann, der Nachrichtenchef in Berlin wird. Der bisherige Nachrichtenchef Richard Walker übernimmt die Position des Chief International Editor.
dw.com

Aus dem Archiv von turi2.tv: "Ich finde Perspektiv-Wechsel gut": Ines Pohl über ihr erstes Jahr bei der Deutschen Welle (06/2018)

Der Deutsche Welle droht der Verlust der Sendelizenz in Russland.

Russland droht der Deutschen Welle mit dem Entzug der Sendelizenz, berichtet Frank Herold. Das Außenministerium wirft dem Sender Einmischung in innere Angelegenheiten an. Am Mittwoch waren Sendervertreter vor einen Parlamentsausschuss vorgeladen worden. Die Deutsche Welle erschien nicht, da sie sich nicht erpressen lassen wolle, wie Intendant Peter Limbourg sagt. Der Sender sei jedoch Gesprächsbereit, sofern sich beide Seiten auf die Rahmenbedingungen eines Dialogs einigten.
tagesspiegel.de

“Zeit”: Deutsche Welle trennt sich von Moderator nach Vergewaltigungsvorwürfen.

Deutsche Welle hat sich nach Vorwürfen der sexuellen Belästigung sowie Vergewaltigung bereits im August 2018 von einem Moderator getrennt, berichtet die "Zeit". Er soll u.a. mehrere Kolleginnen in seine Wohnung gelockt und sexuell belästigt haben. Der Sender hat die "vorgebrachten Anschuldigungen als glaubwürdig" eingestuft und sich daraufhin von dem Moderator getrennt und seine Sendung eingestellt.
"Zeit" 32/2019, S. 5 (Paid)

Deutsche Welle baut ihre arabische Sendung aus und nennt sie “JaafarTalk”.

Deutsche Welle entwickelt ihre Sendung "Shababtalk" zu "JaafarTalk" weiter – es geht weiter um arabische Themen, die Sendung richtet sich aber künftig auch an ältere Zuschauer. Studiopublikum und Zuschauer können über die Argumente der Gäste abstimmen und so Einfluss auf die Sendung nehmen. Außer im Studio in Berlin tourt die Sendung auch durch Ägypten, Sudan, Tunesien und Jordanien.
dwdl.de

Meinung: Die Herkunft des mutmaßlichen Täters sollte genannt werden.

Medienethik: Journalisten sollten die Herkunft des mutmaßlichen Täters vom Frankfurter Hauptbahnhof nennen, argumentiert Ines Pohl, Chefredakteurin der Deutschen Welle. Da es eine Debatte darüber gibt, ob und was der Fall mit der Zuwanderung zu tun hat, bestehe öffentliches Interesse. Das rechtfertige aber nicht das Verhalten von Medien, die "Rassismen befeuern, weil es Aufmerksamkeit bringt - und Umsatz".
dw.com/de

Aus dem turi2.tv-Archiv: "Ich finde Perspektiv-Wechsel gut." Chefredakteurin Ines Pohl über ihr erstes Jahr bei der Deutschen Welle.

DW gibt Jaafar Abdul Karim eine neue Talkshow – und beendet sein “Shababtalk”.

Deutsche Welle schneidert Jaafar Abdul Karim, Aushängeschild des arabischen Programms, eine neue Talkshow auf den Leib: In "JaafarTalk" will der Moderator Tabuthemen ansprechen und Gäste mit sehr unterschiedlichen Meinungen zusammenbringen. Die Premiere läuft am 30. Juli zum Thema polygame Ehen. Parallel endet seine Jugendsendung "Shababtalk".
dwdl.de

Aus dem Archiv von turi2.tv: "Shababtalk": Jaafar Abdul Karim gibt der arabischen Jugend eine Stimme

Türkische Denkfabrik attackiert internationale Medien wie die Deutsche Welle.

Pressefreiheit: Eine regierungsnahe türkische Denkfabrik wirft internationalen Medien in einer Studie "regierungsfeindliche" Berichterstattung vor, meldet die Deutsche Welle. Dabei seien Journalisten namentlich mit ihren Twitter-Accounts genannt, darunter auch Reporter der BBC sowie des US-Senders Voice of America. Die Türkei versuche objektive Berichterstatter einzuschüchtern, kritisiert die Deutsche Welle, der allein 30 Seiten der Studie gewidmet seien.
dw.com

Aus dem turi2.tv-Archiv: "Die Regierung redet uns nicht rein." – Peter Limbourg über 65 Jahre Deutsche Welle. (6/2018)

Berufe mit Zukunft von A-Z: K wie Korrespondentin – Edith Kimani.


Die Botschafterin: Edith Kimani ist das afrikanische Gesicht der Deutschen Welle. Als Reporterin bereist die Kenianerin den Kontinent, als Moderatorin präsentiert sie die internationalen DW News. Im Porträt von Jens Twiehaus in der turi2 edition #8 berichtet Kimani von ihrem schwierigen Start als Journalistin und Deutschland und erklärt, warum sie sich im Studio heute zuhause fühlt. turi2.tv begleitet Kimani durch ihren Berliner Kiez und ins Studio.

Das Porträt über Korrespondentin Edith Kimani finden Sie auch in unserem kostenlosen E-Paper zur "turi2 edition #8" auf Seite 169.

Edith Kimani steht mit beiden Beinen im Leben, aber mit jedem eigentlich auf einem anderen Kontinent. Das liegt nicht nur an ihrer Herkunft – die Deutsche-Welle-Journalistin mit Wohnsitz Berlin stammt aus Kenia. Ständiges Hin und Her ist Teil ihres Jobs. Edith Kimani moderiert die News im Studio und düst wochenweise quer durch Afrika. Sie trifft Popmusiker in ihrer Heimatstadt Nairobi, probiert Brautkleider in Benin-Stadt und interviewt männliche Prostituierte am Strand von Gambia.

Kimani will es so. Sie will immer wieder zurückgehen und "Geschichten sammeln", wie sie es nennt, statt nur im Studio die Stories der Kollegen anzumoderieren. Das Angebot für Berlin erreicht sie 2016, als sie gerade mal fünf Monate Ostafrika-Korrespondentin der Deutschen Welle ist. Einer Zusage hätte beinahe die Liebe im Weg gestanden – die Liebe zu Land und Leuten. "Ich war damals gerade dabei, mich wirklich in den Kontinent zu verlieben. Ich habe mich selbst als Afrikanerin wiederentdeckt." Ein Total-Umzug kommt deshalb nicht infrage, stattdessen entsteht eine Doppelrolle als reisende Moderatorin oder moderierende Reporterin.

Ihr inniges Verhältnis zur Heimat und zum afrikanischen Kontinent ist spürbar. Sie trägt gern afrikanischen Perlenschmuck, an der Wohnungstür hängt der ironische Spruch "No hurry in Africa" – der gute Ratschlag, es gemächlich angehen zu lassen.

Ein großer Vorteil: Kimani sieht Afrika als Korrepondentin mit anderen Augen. Sie kommt von außen und ist trotzdem eine von dort. Während Auswärtige oft zuerst an Krieg, Korruption und Hunger denken, kennt Kimani Startup-Unternehmer im Technologie-Mekka Nairobi. Und sie weiß, wie hungrig die junge Generation nach einem besseren Leben ist, nach Chancen und Gerechtigkeit.

Die persönliche Chance ihres Lebens bekommt Kimani mit 19 Jahren. Frisch fertig mit der Schule hängt sie in der Warteschleife für ein Studium in Europa, da bekommt sie den Tipp: Der junge Privatsender KTN braucht Nachwuchs und sucht ihn per Fernsehshow. Kimani gewinnt die öffentliche Suche nach Kenias Superstar vor der Kamera ohne nennenswerte TV-Erfahrung – und ist über Nacht bekannt in der 50-Mio-Einwohner-Republik. "Ich war 19, hatte plötzlich einen Job und dachte: Was mache ich damit? So hat es angefangen", sagt sie und muss lachen.

Mehrere Jahre moderiert sie Nachrichten in Kenia, ist im Gespräch mit internationalen Sendern. BBC und CNN sind in Nairobi vertreten; auch die Chinesen mit CCTV. Die Deutsche Welle kann sie gewinnen. Seitdem pflegt Kimani auch eine Liebesbeziehung zu Deutschland, insbesondere zu Berlin und ihrem Kiez in Schöneberg – obwohl das eine Weile gedauert hat.

Sie, die reisende Reporterin, hat anfangs fürchterliches Heimweh. Kaum vorstellbar für Zuschauer, die Kimani aus dem Fernsehen kennen, aufrecht sitzend und gerade in die Kamera schauend: "Welcome to the program." Aber ihr Start in Berlin im bitterkalten Januar sei "ein Monat Weinen ohne Unterbrechung" gewesen, erzählt sie – und schrumpft an ihrem Küchentisch wieder zu einem Häufchen Elend zusammen. Sie habe ihre Mutter angerufen und ins Telefon geheult: "Ich weiß nicht einmal, wie Apotheke auf Deutsch heißt – und selbst wenn ich zur Apotheke komme: Wie erkläre ich, dass ich Kopfschmerzen habe?"

Die Arbeit in der Redaktion und vor allem das Studio bringen ein Gefühl von Zuhause zurück – eine seltsame Vorstellung, dass Kamera-Ungetüme ein wohliges Gefühl erzeugen können. Doch Kimani sagt, das Studio sei ihr Büro und der Ort, an dem sie sich am wohlsten fühle. "Da ist viel Adrenalin im Spiel. Stellen Sie sich vor, Sie befinden sich in einem Boxring und müssen hüpfen, auf und ab, und warten auf die Glocke. So fühlt es sich innerlich an. Ich liebe das einfach." In diesen Momenten, wenn das rote Kameralicht angeht, steht sie wirklich mit beiden Beinen nur auf dem Studioboden.

Lesen Sie alle Erfolgs-Geschichten der turi2 edition #8 – direkt hier im Browser als E-Paper. Oder abonnieren Sie die Buchreihe hier.



Zitat: Er ist dran gewöhnt, nicht willkommen zu sein, sagt Peter Limbourg.

"Dass unser Angebot bei der jeweiligen Regierung nicht immer willkommen ist, gehört zum täglichen Geschäft. Journalismus ohne Risiko gibt es nicht."

Peter Limbourg, Intendant der Deutschen Welle, sagt der "Süddeutschen Zeitung", der Sender werde bei seinem YouTube-Kanal für die Türkei viel Community-Management aufwenden, damit Nutzer bei unliebsamen Beiträgen nicht die Kommentarspalten fluten.
sueddeutsche.de

Aus dem turi2.tv-Archiv: "Die Regierung redet uns nicht rein." – Peter Limbourg über 65 Jahre Deutsche Welle. (6/2018)

Venezolanische Rundfunkbehörde verbannt Deutsche Welle aus dem Kabelnetz.

Deutsche Welle 150Deutsche Welle: Die venezolanische Rundfunkbehörde Conatel hat das Sendesignal des spanischen TV-Kanals der Deutschen Welle aus dem Kabelnetz genommen. DW-Intendant Peter Limbourg fordert die venezolanischen Behörden "mit Nachdruck" auf, das Sendesignal wieder zu verbreiten.
dw.com, twitter.com

Aus dem Archiv von turi2.tv: "Die Regierung redet uns nicht rein." – Peter Limbourg über 65 Jahre Deutsche Welle. (6/2018)

DFB-Boss Reinhard Grindel flüchtet aus Interview der Deutschen Welle.

Deutsche Welle kassiert vom DFB-Präsidenten Reinhard Grindel einen Interview-Abbruch vor laufender Kamera. Als Florian Bauer ihn zur umstrittenen WM in Katar und dem finanziellen Gewinn der Fifa fragt, weicht Grindel zunächst aus. Journalist Bauer bleibt hartnäckig, worauf Grindel das Gespräch erbost abbricht: "Herr Bauer, komm, wir lassen es."
dw.com, twitter.com, n-tv.de

RT Deutsch hat kaum Chancen auf deutsche Sendelizenz.

RT Deutsch hat kaum Chancen auf eine Rundfunklizenz in Deutschland, schreibt Timo Niemeier. RT finanziert sich aus dem Staatshaushalt Russlands, sodass eine Zulassung gemäß Rundfunkstaatsvertrag ausgeschlossen scheint. Bis zum Brexit ist das englische RT von der britischen Medienaufsicht Ofcom lizensiert. Ex-MDR-Chefredakteur Wolfgang Kenntemich solle laut "Bild" helfen, in Deutschland eine Sendelizenz zu erhalten. Das Programm ist bisher online empfangbar.
dwdl.de, tagesspiegel.de (Finanzierung), turi2.de (Background)

Drei Minuten Inspiration – die positiven Ideen aus turi2.tv-Interviews.


Die König(innen) der Kreativität: Das Jahr 2018 war voller Ideen. Zum Jahreswechsel schneidet turi2.tv die klügsten Gedanken zusammen. Miriam Meckel erzählt im Video von ihrem Slack-Channel für unwichtige Dinge, Verena Bahlsen vom Neustart in alten Strukturen und Reporter Jaafar Abdul Karim, dass er sich nirgendwo Journalismus verbieten lässt.

Hier geht es direkt zu den Video-Interviews mit ...
... Verena Bahlsen, Food-Unternehmerin

... Andreas Arntzen, Wort & Bild

... Michael Busch, Thalia

... Anna-Beeke Gretemeier, "stern"

... Jaafar Abdul Karim, Reporter und Moderator

... Mathias Döpfner, Springer

... Tim Alexander, Deutsche Bank

... Miriam Meckel, Ada-Verlegerin

turi2.tv (3-Min-Video auf YouTube)

Journalisten leiden unter Diskreditierungen seitens Regierungen, glaubt Ines Pohl.

Journalisten sind weltweit auch deshalb in Gefahr, weil Regierungen wie Russland, die Türkei und die USA sie diskreditierten und dadurch die Wertschätzung generell sinke, glaubt Ines Pohl, Chefredakteurin der Deutschen Welle. Es sei wichtig, Präsenz zu zeigen und die journalistische Arbeit besser zu erklären.
deutschlandfunk.de

Aus dem turi2.tv-Archiv: "Ich finde Perspektiv-Wechsel gut." Chefredakteurin Ines Pohl über ihr erstes Jahr bei der Deutschen Welle.

Deutsche Welle zeigt mit neuem Büro Präsenz in Taiwan.

Deutsche Welle eröffnet ein Büro in der taiwanesischen Hauptstadt Taipeh. Vier Redakteure berichten für das chinesische, englische und deutsche Angebot des Auslandssenders. Schon seit Jahren versucht die Deutsche Welle erfolglos, ein Büro in der chinesischen Hauptstadt Peking aufzubauen. DW-Inhalte werden in China blockiert.
dw.com

Aus dem Archiv von turi2.tv: "Die Regierung redet uns nicht rein." – Peter Limbourg über 65 Jahre Deutsche Welle. (6/2018)