Russland versucht, Abgeordneten-Passwörter zu erbeuten.


Ich glaub, es hackt: Russland versucht im Vorfeld der Bundestagswahl einmal mehr, Passwörter und kompromittierendes Material von und über Abgeordnete zu erbeuten, berichten "Bild" und "stern". Ziel sei das "Sammeln von Kompromat", so CDU-Politiker Patrick Sensburg, Vorsitzender des Wahlprüfungsausschusses. Die Hackerinnen stehen mutmaßlich in Diensten des russischen Geheimdienstes GRU und haben es v.a. auf "Alltagskorrespondenz" von Mandatsträgerinnen abgesehen. Dadurch sollen etwa abfällige Äußerungen über politische Gegner nach der Wahl als Druckmittel eingesetzt werden. Bundeswahlleiter Georg Thiel will auch russische Störungen während des Wahlsonntags nicht ausschließen.

Das Auswärtige Amt spricht von "unzulässigen Cyberaktivitäten", die Bundesregierung fordert ihre "sofortige Einstellung". Deutschland will sich "weitergehende Maßnahmen" vorbehalten. Grünen-Politiker und Netzexperte Konstantin von Notz kritisiert, die Regierung habe die "schwerwiegende Gefährdungslage" bei Hacking und Desinformation zu lange ignoriert.
bild.de, "stern" 39/2021, S. 22 (Paid)

Analyse: Armin Laschet kassiert binnen eines Monats die meisten Hass-Tweets.

Hass im Netz: CDU-Kanzlerkandidat Armin Laschet kassiert binnen eines Monats die meisten Hassposts auf Twitter, analysiert Hateaid. Ihn attackieren mehr als 27.000 Kommentare mit "potentiell beleidigender und verletzender Sprache". Bei SPD-Kandidat Olaf Scholz sind es 6.690, bei Grünen-Kandidatin Annalena Baerbock 5.524 Hassposts. Zumindest ein Teil der Tweets soll laut Hateaid aus der sogenannten "rechten Blase" kommen, also von Konten, die rechte oder extrem rechte Inhalte verbreiten.
spiegel.de

Twitter zahlt wegen irreführender Nutzerzahlen 809 Mio Dollar an Investoren.

Twitter einigt sich nach jahrelangem Streit mit seinen Investoren auf einen Vergleich in Höhe von 809,5 Mio Dollar. Die Investoren hatten seit 2016 geklagt, weil Twitter irreführende Angaben zur Zahl seiner Nutzerinnen und Nutzer gemacht hatte. Die Justiz muss dem Vergleich noch zustimmen, das Geld soll noch in diesem Jahr fließen.
theverge.com, wsj.com (Paid), manager-magazin.de

CDU-Politiker Ruprecht Polenz reagiert auf Rezo-Video.

Reaction Letter: Ex-CDU-Generalsekretär Ruprecht Polenz reagiert mit einem offenen Brief auf das jüngste und finale Zersörungs-Video von Rezo zum Thema Korruption. Polenz habe deswegen "lange nicht einschlafen" können. Die Kritik an den Grauzonen teilt Polenz, Transparenz-Vorschriften müssten wirksamer kontrolliert werden. Bei den im Clip thematisierten Masken-Deals der Union spricht der Politiker von "besonders krassen Fällen" und verweist auf die "über 400.000 anständigen Mitglieder der CDU".
spiegel.de, facebook.com (offener Brief), turi2.de (Background)

Debatte: Menschen mit Berufsbezeichnung in der Twitter-Bio äußern sich nicht nur privat.

Rollenverteilung: "Ich glaube alle, die ihre Berufsbezeichnung in ihrer Twitter-Biografie haben, müssen sich bewusst sein, dass sie sich dann nicht nur als Privatperson äußern", sagt ZDF-Fernsehrat-Mitglied Leonhard Dobusch zur Causa Marion Brasch. Die hatte ihren Wahlaufruf zwar als Autorin und nicht als RBB-Moderatorin unterschrieben – der Sender strafte sie dennoch dafür ab. Journalistinnen würden in Social Media vor allem in ihrer professioneller Rolle wahrgenommen.
deutschlandfunkkultur.de, turi2.de (Background)

Zitat: Fritz Jergisch beschreibt die Boulevardisierung der Qualitätsmedien.

"Wenn die 'New York Times' auf Facebook 20 Meldungen raushaut, sehe ich wahrscheinlich nur die drei unterhaltsamsten davon. Die anderen 17, die vielleicht hochrelevant, aber ein bisschen trockener sind, sehe ich gar nicht."

Der österreichische Satire-Website-Gründer Fritz Jergisch beschreibt im "Standard", warum auch Qualitätsmedien einer schleichenden Boulevardisierung unterliegen – beeinflusst durch Algorithmen.
derstandard.at

Zitat: Insta-Chef Adam Mosseri vergleicht Tote im Straßenverkehr mit Social Media.

"Wir wissen, dass durch Autounfälle mehr Menschen sterben als ohne. Aber im Großen und Ganzen schaffen Autos mehr Wert als sie vernichten. Ich denke, bei Social Media ist das ähnlich."

Instagram-Chef Adam Mosseri reagiert im Podcast von Recode auf eine Facebook-Untersuchung zu den Schäden, die Instagram bei jungen Menschen anrichtet – und erklärt, wie er das Netzwerk zu einem freundlicheren Ort machen will. Den Auto-Vergleich findet er im Nachhinein bei Twitter "less than perfect".
vox.com (mit 67-Min-Audio), onlinemarketing.de, turi2.de (Background)

Der SWR holt Marieke Reimann als Zweite Chefredakteurin.


Next Generation: Journalistin Marieke Reimann, 34, Ex-Chefin des eingestampften "Zeit"-Jugendportals ze.tt, startet am 1. November als Zweite Chefredakteurin beim SWR. Damit steht sie an der Senderspitze neben Chefredakteur Fritz Frey, 62. Reimann wird in ihrem neuen Job auch die Abteilung "Zentrale Informationen" in Baden-Baden verantworten. Unter dieses Ressort fallen u.a. die Audio-Nachrichten des SWR und die Entwicklung "digitaler Newsformate für junge Zielgruppen", wie der Sender mitteilt. Sie soll den digitalen Umbau der Chefredaktion vorantreiben. Ihre Vorgängerin auf der Position ist Gabi Biesinger, die seit 1. August als Hörfunk-Korrespondentin in London unterwegs ist.

Reimann hatte die "Zeit"-Gruppe im Herbst 2020 verlassen, als ze.tt zum Ressort von Zeit Online wurde. Seitdem war sie als freie Journalistin tätig. Ihr Handwerk hat sie an der Deutschen Journalistenschule gelernt. Im Interview mit turi2 sagt Reimann Ende 2019: "Die Führungsebenen in unserem Land bilden nicht die Gesellschaft ab, die wir im Jahr 2020 haben. Es dominieren weiße westdeutsche Akademiker." Reimann wurde in der DDR geboren.

Ihre Entscheidung für den SWR kommentiert sie so: "Hier gibt es eine große Offenheit für progressivere Projekte, digitale Formate und diversere Biografien, das merkt man und das mag ich." Reimann ist die jüngste Person und erste Ostdeutsche, die es im öffentlich-rechtlichen Rundfunk in Westdeutschland auf einen solchen Posten schafft – sie werde nun "bestimmt einige aus den Socken und den Sesseln hauen", sagt sie turi2. (Foto: SWR/Ralf Obergfell)
presseportal.de, turi2.de/koepfe (Profil Reimann)

Aus dem Archiv: Marieke Reimann im Interview in der turi2 edition #10 über Stereotypen und Print-Könige (2020).

Basta: Emoji-Neuzugänge sind vielseitig interpretierbar.

Mit Essen schwanger gehen: Das Unicode Consortium hat 37 neue Emojis enthüllt. Der Vielfalt wegen gesellt sich zu der schon vorhandenen schwangeren Frau nun auch ein schwangerer Mann und ein schwangerer nicht-binärer Mensch. Kleiner, aber feiner Unterschied: Dieser Smilie könne auch einfach nur für einen aufgeblähten Bauch stehen oder "für das unangenehme Gefühl, zu viel zu Mittag gegessen zu haben".
faz.net

Facebook entfernt ein “schädliches Netzwerk” der Querdenken-Bewegung.

Klar gedacht: Facebook löscht auf seiner Plattform und auf Instagram rund 150 Konten und Gruppen, die mit der Querdenken-Bewegung in Verbindung stehen sollen. Die Kanäle hätten "wiederholt gegen die Gemeinschaftsstandards von Facebook" verstoßen, u.a. wegen der "Veröffentlichung von gesundheitsbezogenen Falschinformationen, Hassrede und Anstiftung zur Gewalt". Auch Verlinkungen zu Querdenken-Websites hat Facebook gelöscht. Facebook spricht von einem "schädlichen Netzwerk", das für eine "koordinierte Schädigung der Gesellschaft" verantwortlich sei. Die entsprechenden Inhalte würden das Potenzial bergen, "in reale Gewalt umzuschlagen und auch in anderer Form gesellschaftlichen Schaden anzurichten". So sei es den Nutzenden der nun gelöschten Seiten vor allem darum gegangen, die Verschwörungstheorie der "Corona-Diktatur" zu verbreiten.

Grundsätzlich wolle das soziale Netzwerk aber keinen Querdenken-Content verbieten. Vielmehr gehe es darum, die "missbräuchliche Verwendung" der eigenen Plattform zu unterbinden und die Nutzenden so besser schützen, schreibt Facebook in einem Blogpost. Der ebenfalls zur Facebook dazu gehörende Chat-Dienst WhatsApp ist von der Maßnahme nicht betroffen. Auch Accounts von "Querdenken"-Gründer Michael Ballweg sind von nun an nicht mehr abrufbar, Ballweg kündigt rechtliche Schritte gegen die Löschung an.
about.fb.com, tagesschau.de, spiegel.de

CDU-Wahlkampf-App: Staatsanwaltschaft stellt Ermittlungen gegen Hackerin ein.

Entlastet: Die Berliner Staatsanwaltschaft stellt die Ermittlungen gegen Lilith Wittmann aus dem Chaos Computer Club ein, meldet der "Spiegel". Die Hackerin hatte die CDU im Mai auf eine Schwachstelle in deren Wahlkampf-App hingewiesen, daraufhin hatte die Partei Wittmann angezeigt. Nach Kritik hat die CDU die Strafanzeige zwar zurückgenommen, die Staatsanwaltschaft musste aber trotzdem weiter ermitteln. Das Ergebnis: Wittmann habe nicht gegen den Hacker-Paragrafen verstoßen, da die internen Daten "nicht vor einem unberechtigten Zugriff geschützt und aus technischer Sicht öffentlich abrufbar" gewesen sind.
spiegel.de, heise.de, lilithwittmann.medium.com

VW will 2025 fahrerlose Sammel-Taxis auf die Straßen lassen.

Autonom durch die Nacht: 2025 sollen autonom fahrende Sammeltaxis Hamburg unsicher machen, haben VW und dessen Mobilitätstochter Moia am Mittwoch angekündigt. Die ersten von bis zu 30 Testfahrzeugen sollen schon kommendes Jahr über eine rund 50 Kilometer lange Teststrecke in den Stadtteilen Winterhude, Uhlenhorst und Hohenfelde rollen und die Straßenzüge vermessen. Nach dreijährigem Testbetrieb mit Sicherheitsfahrern sollen die Elektro-Bullis mit dem Namen ID.Buzz ganz ohne Fahrer auskommen und Fahrgäste allein abholen können.
handelsblatt.com

Klick-Tipp: “Süddeutsche Zeitung” analysiert die Rolle des Instagram-Algorithmus im Wahlkampf.

Klick-Tipp: Die "Süddeutsche Zeitung" untersucht zusammen mit der NGO Algorithmwatch, wie der Instagram-Algorithmus im Wahlkampf funktioniert. Inhalte populistischer Parteien wie der AfD werden demnach deutlich prominenter im Newsfeed platziert als die anderer Parteien, obwohl inhaltliche Faktoren laut Facebook eigentlich keine Rolle spielen sollten. Doch plakative, kontroverse Themen wie Kriminalität oder Wohnen landen häufiger im Blickfeld der User. Im Rahmen des Projekts #wahlfilter wurden über 6000 Beiträge von mehr als 100 Accounts von Politikerinnen und Parteien untersucht.
sz.de/wahlfilter

Irische Datenschutz-Behörde ermittelt gegen TikTok.

TikTok gerät ins Visier der irischen Datenschutz-Behörde DPC. Die Ermittlungen drehen sich um die Verarbeitung persönlicher Daten von Kindern und Jugendlichen und um die Weitergabe von Kundeninformationen nach China. Die chinesische Kurzvideo-App steht seit Langem in der Kritik, hat nach eigenen Angaben in den vergangenen Wochen aber schärfere Regeln im Umgang mit Nutzerdaten eingeführt.
zeit.de

Basta: Facebooks eigene Untersuchungen zeigen, wie schädlich Instagram ist.

Der schöne Schein: Da sag noch mal einer, Auftragsforschung muss immer dem Auftraggeber gefallen. Forschende bei Facebook haben jetzt herausgefunden, dass die Bilder-Tochter Instagram für "einen beträchtlichen Anteil" junger Nutzerinnen "schädlich" ist. Wir leiden ein bisschen mit Insta-PR-Frau Karina Newton, die die Ergebnisse in einem Blog-Post schönreden muss.
cnet.com

Zur Bundestagswahl: Studio 71 macht Social-Media-Kampagne mit Eko Fresh.

Studio 71, ProSiebenSat.1-Tochter, konzipiert und produziert für die Bundeszentrale für politische Bildung eine Social-Media-Kampagne mit Eko Fresh. In Erklär-Videos soll der Musiker die "wichtigsten Fragen der jungen Generation" zur Wahl aufgegriffen, Influencerinnen werben zusätzlich auf ihren Kanälen für die Infoangebote der BPB. Für kommenden Samstag kündigt Studio 71 zudem die dreistündige Live-Show "(Un)wählbar - Deutschland, was stimmt mit dir nicht?!" an, YouTuber Robin Blase und Victoria Reichelt von "Deutschland 3000" moderieren.
presseportal.de, youtube.com (Link zum Livestream, Samstag ab 19 Uhr)

Zahl des Tages: Deutsche befürchten digitale Angriffe auf die Bundestagswahl.  

Zahl des Tages: Sorgenvolle 6 von 10 Menschen befürchten Wahlkampf-Manipulationen durch Fake-News-Kampagnen in sozialen Netzwerken oder Hackerinnen-Angriffe auf Politikerinnen, sagt eine Umfrage von Bitkom. 64 % der Befragten machen sich sogar Sorgen darüber, dass das Wahlergebnis bei der Auszählung manipuliert werden könnte. Nur 34 % glauben, dass deutsche Sicherheitsbehörden gut gegen digitale Angriffe gerüstet sind.
bitkom.org

Debatte: Zeithistorische Dokumente des frühen Internet gehen durch technischen Wandel verloren.

Digitales Vergessen: Ausgerechnet technische Innovation reißt Lücken in das mediale Gedächtnis, berichtet CNN zum 20. Jahrestag von 9/11. Adobe hat seinen Flash-Player Ende 2020 eingemottet, interaktive Multimedia-Elemente des frühen Internets sind dadurch unzugänglich. Die Wieder­herstellung ist über Emulatoren und Umwege zwar möglich, aber sehr aufwendig. Dabei stellt sich grundsätzlich die Frage, wie digitaler Journalismus für die Nachwelt erhalten bleiben kann, wenn Tech-Konzerne über dessen Lebensdauer bestimmen.
edition.cnn.com via twitter.com/dakommtnochmehr

Tinder-Chef Jim Lanzone wechselt zu Yahoo.

Kurzer Zwischenstopp: Tinder-Chef Jim Lanzone, 50, wechselt an die Spitze von Yahoo. Seine Nachfolgerin wird die bisherige Europachefin von Tinder Renate Nyborg. Sie ist die erste Frau an der Spitze des Dating-App-Unternehmens. Sie arbeitet seit Oktober 2020 für Tinder und war vorher unter anderem für Apple tätig. Lanzone ist erst im Juli 2020 vom TV-Sender CBS zu Tinder gewechselt.
handelsblatt.com, manager-magazin.de

Bundesregierung macht Russland für Cyber-Angriffe auf deutsche Abgeordnete verantwortlich.


Hackergrüße aus Moskau: Der russische Militärgeheimdienst GRU steht offenbar hinter einer Welle von Cyber-Angriffen auf deutsche Landtags- und Bundestags­abgeordnete, berichten "Spiegel", BR und WDR sowie "Bild". Der Generalbundesanwalt habe Ermittlungen aufgenommen. Deutsche Sicherheits­behörden seien überzeugt, dass hinter der Angriffs­welle keine Cyber-Kriminellen stecken, sondern eine "fremde Macht", konkret: Die staatlich gelenkte, russische Hacker-Gruppe "Ghostwriter", die dem GRU untersteht. Undiplomatisch direkt fordert die Bundes­regierung die russische Regierung in einer Stellungnahme "mit allem Nachdruck auf, diese unzulässigen Cyber­aktivitäten mit sofortiger Wirkung einzustellen", sagt eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes.

Ende August hatte die "Intensität" der "Ghostwriter"-Kampagne stark zugenommen. Viele Politikerinnen haben Phishing-Mails bekommen. Bei einigen waren die Angreifer wohl erfolgreich und konnten in private und dienstliche Computer der Abgeordneten eindringen. Bis Ende 2020 war die "Ghostwriter"-Gruppe vor allem in Mittel- und Osteuropa aktiv, konzentriert ihre Angriffe seit Anfang 2021 laut "Bild" aber auf Deutschland und die anstehende Bundestagswahl.
spiegel.de, tagesschau.de, bild.de

Twitter testet Communities für Interessensgruppen.

Twitter testet mit der neuen Funktion Communities eine Mischung aus Facebook-Gruppen und Reddit-Foren. Nutzerinnen können sich in den Gruppen mit anderen zu gemeinsamen Interessen austauschen und z.B. gezielt Fragen an eine bestimmte Community stellen. Die Diskussion ist öffentlich einsehbar, jedoch können nur Mitglieder antworten. Die Teilnahme ist zunächst nur mit Einladung möglich.
theverge.com , techcrunch.com, blog.twitter.com

Google und Telekom arbeiten an neuem Cloud-System.

Google und die Telekom-Tochter T-Systems entwickeln gemeinsam eine "souveräne Cloud". Die Infrastruktur soll von Google kommen, Betrieb und Kontrolle dagegen beim deutschen Konzern liegen, um Datenschutz­bedenken auszuräumen. Zielgruppe für die Cloud sind die öffentliche Hand, der Finanzsektor und die Bundesregierung.
handelsblatt.com (Paid), absatzwirtschaft.de

Statista: Mehrheit vertraut großen Tech-Konzernen beim Datenschutz nicht.

Nicht sicher: Tech-Konzerne wie Google, Amazon und Facebook genießen nur wenig Vertrauen, wenn es um Datenschutz geht, sagt einen Studie von Statista. Das höchste Zutrauen sprechen die Befragten in Deutschland noch Amazon (42 %) zu, darauf folgen Google (30 %), Apple (26 %) und Microsoft (22 %). Schlusslicht ist Facebook mit 20 %.
de.statista.com

Langsames Internet soll bald weniger kosten.

Verstopfte Leitung: Ist die Internet­geschwindigkeit zu Hause deutlich schlechter als vom Provider versprochen, sollen Verbraucherinnen dafür künftig weniger zahlen müssen. Die Bundes­netzagentur will das ab Dezember durchsetzen. Entscheidend ist der Abstand zwischen tatsächlicher und vertraglich vereinbarter Leistung: Je größer dieser ist, desto mehr schrumpft die Rechnung.
heise.de, bundesnetzagentur.de

Regierungsplan: Gremium soll entscheiden, welche IT-Lücken der Staat nutzen darf.

Staatstrojaner: Das Bundesinnenministerium hat einen Entwurf erarbeitet, welche IT-Sicherheitslücken der Staat zum Ausspähen nutzen darf, berichtet die "Süddeutsche Zeitung". Ein Gremium aus Sicherheits­behörden und dem BSI soll in geheimer Sitzung abwägen, welche Lücken "verantwortungsvoll" genutzt werden können – und welche sofort geschlossen werden sollten. Kanzleramt, Außen-, Verteidigungs- und Justiz­ministerium kennen den Plan seit mehr als einem Jahr, eine Entscheidung aus Karlsruhe bringt nun Fahrt in die Thematik.
sueddeutsche.de (Paid)

Online-Display-Werbung wächst 2021 auf über 5 Mrd Euro Umsatz.

Online-Werbung Der Markt für digitale Display-Werbung in Deutschland wächst 2021 um gut 23 % auf erstmals knapp über 5 Mrd Euro, prognostiziert der Online-Vermarkterkreis im BVDW. Hohe Wachstums­raten zeigen die Wirtschafts­bereiche, die stark vom Lockdown betroffen waren, etwa Kunst, Kultur, Gastro und Freizeit. Bei den Werbe­formen wachsen besonders stark Bewegtbild­formate, die mit 1,7 Mrd Euro bereits 34 % der Werbe­umsätze ausmachen.
t3n.de, bvdw.org

Studie: Ende der Third-Party-Cookies erschwert publisherübergreifende Werbekampagnen.

Alternative nötig: Das Ende der Third-Party-Cookies erschwert publisherübergreifende Werbekampagnen, sagt eine Studie der OWM. Große Plattformen seien dagegen kaum betroffen, da sie meistens mit Benutzerkonten eigene Daten sammeln. Die Studie empfiehlt Plattformen, eine einheitliche Alternative für Cookies zu entwickeln, die für alle funktioniert.
new-business.de, horizont.net (Paid)

Streaming-Geräte von Roku kommen im Herbst nach Deutschland.

Roku will seine Streaming-Player ab Herbst auch in Deutschland anbieten, berichtet das "Handelsblatt". Die Set-Top-Boxen und TV-Sticks sollen Streaming auf nicht-internetfähigen Fernsehern ermöglichen – Konkurrenten sind z.B. Apple TV, Google Chromecast und Amazon Fire TV. Zum Start sollen auf den Geräten neben Netflix, Amazon Prime und Disney Plus auch die Streaming-Dienste von RTL, Sky und ProSiebenSat.1 verfügbar sein.
handelsblatt.com

Studie: Die meisten Fake-News gibt es über Annalena Baerbock.

Gift gegen Grün: 71 % der Falschmeldungen über die Kanzlerkandidatinnen entfallen auf Grünen-Kandidatin Annalena Baerbock, sagt eine Studie der NGO Avaaz. Mit großem Abstand folgt Unions-Spitzenmann Armin Laschet mit 29 %. SPD-Kandidat Olaf Scholz kommt sogar ungeschoren davon, ihn treffe kein Desinformationsnarrativ. Grundlage für die Untersuchung sind Daten der Faktencheck-Redaktionen von dpa, AFP und des Recherche-Netzwerks Correctiv. Von Januar bis Ende August seien insgesamt 25 % aller rund 800 untersuchten Fake-News auf Baerbock entfallen – so viel wie auf keine andere Politikerin. Zum Vergleich: Angela Merkel liegt mit 13 % auf Platz zwei, darauf folgt Armin Laschet mit 10 %.

Laut Avaaz sei bei Facebook u.a. das Gerücht umgegangen, Baerbock wolle Haustiere verbieten lassen – diese Falschmeldung hätten dann sogar seriöse Tageszeitungen übernommen. Die Studie kommt zu dem Schluss, dass Fernsehen und traditionelle Medien "zu einem großen Teil zur Verbreitung der Falschnachrichten" beitragen. Kritik äußern die Expertinnen von Avaaz auch an Facebook, mehr als 50 % der falschen Posts über Baerbock seien ohne Warnhinweise online abrufbar. Auch die Rolle von RT DE sieht die Studie kritisch: Demnach soll der russische Propaganda-Sender im ersten Halbjahr 2021 mehr Interaktionen auf Facebook erzeugt haben als klassische Medien, meistens soll es in den Beiträgen um Impf-Themen gegangen sein.
welt.de, tagesschau.de, zeit.de, secure.avaaz.org (Studie)

Amazon investiert in acht weitere Logistik-Standorte.

Amazon will bis Mitte 2022 acht weitere Logistik-Gebäude in Deutschland aufbauen. Dadurch sollen 3.000 neue, unbefristete Jobs entstehen. Bereits 2020 habe der Online-Händler 3.000 Arbeitsplätze im Logistik-Bereich geschaffen. Derzeit betreibt Amazon bundesweit 17 größere Logistik-Zentren, dazu kommen weitere 30 Logistik-Standorte.
amazon-presse.de via tagesschau.de

Meinung: Sendungen für Jungwähler fördern selten mehr als private Einblicke von Spitzenpolitikern zu Tage.

Politik-Plausch: Sendungen für junge Wählerinnen wie "Ich würde nie…" von Deutschlandfunk Nova oder "Kreuzverhör – deine Wahl?" von Funk treffen Spitzenkanidaten zum Interview im Späti statt im Regierungsviertel. Sie fördern aber "abgesehen von randomisierten Fakten aus dem Privatleben des Gastes" selten Erhellendes zu Tage, was möglicherweise auch an den Politikern selbst liegen könnte, beobachtet Emeli Glaser. Die Interviewformate brillierten vor allem dann, wenn sie entlarven, wie gleichgültig manche Po­li­ti­ke­rin­nen den Sorgen jüngerer Generationen gegenüber stehen.
taz.de

BMW will mit Daimler und VW ein gemeinsames Betriebssystem bauen.

Carsharing: BMW wirbt auf der IAA für ein Auto-Betriebssystem "Made in Germany". Der Münchner Autobauer warnt Daimler und VW eindringlich davor, eigene Software-Lösungen zu entwickeln und will stattdessen eine gemeinsame Entwicklung forcieren. Die soll nicht nur Kosten sparen, sondern auch die Kompatibilität von Zulieferteilen gewährleisten. Experten mahnen zur Eile, denn Techfirmen wie Google haben ihre Auto-Betriebssysteme längst auf die Straße gebracht.
sueddeutsche.de

Online-Fußballmagazin FiDo will der “weibliche Kicker” werden.

Kickerin: Frauenfußball-Experte Michael Rappe, u.a. freier Sportjournalist der "Rhein-Neckar-Zeitung", bringt ein neues Online-Magazin für Frauenfußball heraus. "FiDo – Frauenfußball in Deutschland online" erscheint nach erfolgreichem Crowdfunding einmal wöchentlich jeden Dienstag und will der "weibliche Kicker" werden. Das Online-Magazin finanziert sich aktuell durch Abos.
per Mail, fido.media.de

Basta: Fugging überlässt anderen Orten den Ruhm.

Viele Wege führen nach Ruhm: Der 100-Einwohner-Ort Fucking war mal Pilgerort für Touristen aus aller Welt und Selfies mit der größten Attraktion des Örtchen gingen viral. Seitdem der Ort Fugging heißt und das letzte Ortseingangsschild im Museum steht, müssen Selfie-Touristen entweder alternative Sehnsuchtsorte bereisen oder eben ins Museum. Zum Glück sollen auch Rammelsbach, Vögelsen, Poppendorf oder Petting schöne Ortseinfahrten haben.
spiegel.de

Kulturrat kritisiert kulturfreien Wahl-O-Mat.

Unkultiviert: Der Deutsche Kulturrat kritisiert den "Wahl-O-Mat" der Bundeszentrale für politische Bildung zur Bundestagswahl, weil dieser kulturelle Themen bei der Abfrage völlig ausklammere. Das sei keine Petitesse, sondern ignoriere die Bedeutung der Kulturpolitik bei der Bundestagswahl, beklagt Geschäftsführer Olaf Zimmermann. Die Inhalte werden von einer bunt gemischten Expertengruppe und einer Jugendredaktion von Erstwählerinnen zusammengestellt.
deutschlandfunk.de

“Bild”-Vize Paul Ronzheimer verteidigt seine Auslandseinsätze und kritisiert ARD, ZDF und seine Kritiker.

Frontschnüffelhund: "Bild"-Vize Paul Ronzheimer verteidigt im großen Interview mit der NZZ seinen forcierten Auftritt in Afghanistan, erläutert seine Motive und kritisiert die Konkurrenz. Ronzheimer hat es sich zum "Markenzeichen gemacht, überall dort einzureisen, wo andere ausreisen", schreibt die "NZZ", "stets begleitet von Kameras und Schlagzeilen". Die Kritik, ein "Showreporter" ("NZZ") zu sein, weist Ronzheimer zurück: Die Kritik habe "viel mit Neid zu tun". Auf den "regelrechten Personenkult" ("NZZ") um Ronzheimer angesprochen antwortet Ronzheimer: "Eine Boulevardzeitung muss immer mit Personalisierungen arbeiten", damit "es jemanden gibt, der die Zuschauer an der Hand nimmt und Themen einführt". In Deutschland werde "dieser Journalismus abgefeiert, wenn er von CNN kommt" und "angeprangert" bei "Bild".

Die Konkurrenz von ARD und ZDF kritisiert Ronzheimer hart: Deren "Bürokratie, Risikoscheu und Bräsigkeit" verhinderten, "dass sie Reporter vor Ort haben". Die "deutschen Reporter würden sich zwar trauen, aber sie gehen unter im Zuständigkeitswahn". Die Sicherheitslage für westliche Journalisten sei "zumindest im Moment weniger heikel". Die Taliban hätten "ein großes Interesse daran, mit uns zu kommuninizieren". Für Journalisten bestehe "die größte Gefahr darin, von Gangstern oder von IS-Leuten entführt zu werden". Allerdings stelle sich die Frage: "Wie lange finden die Taliban unsere kritische Berichterstattung gut?" Ronzheimer, der sich für eine elf Minuten lange Live-Schalte mit Bild TV selbstbewusst und direkt von einer Siegesfeier der Taliban von einem hörbar besorgten Moderatoren-Duo befragen lässt, sagt: "Ich traue den Taliban nicht, ihre Ideologie hat sich nicht verändert." Als Interview-Scoop kann Ronzheimer ein Gespräch mit dem obersten Taliban-Sprecher Zabihullah Mujahid vorweisen.
nzz.ch, bild.de (Videoschalte), bild.de (Sprecher-Interview), turi2.de (Background)

Beifall für Baerbocks “Bild”-Boykott – nicht nur aus der eigenen Bubble.

Sie hatte Besseres zu tun: Annalena Baerbock bekommt bei Twitter für ihr nicht gegebenes "Bild am Sonntag"-Interview Beifall aus der eigenen Twitter-Blase - aber nicht nur. CDU-Influencer Axel Wallrabenstein twittert: "Ich wähle Baerbock nicht, aber das gefällt mir." Mit im Team "Anti-BILD", die Baerbocks Block gegen "Bild" bejubeln, sind die üblichen Verdächtigen wie Thomas Knüwer, der die grenzwertige Begründung "Gegnern der Demokratie gibt man kein Interview" twittert. Micky Beisenherz bedauert die Verengung aufs "eigene Kernklientel". "Bild"-Vize Paul Ronzheimer vermutet, Baerbock wisse, dass "sie nicht mehr gewinnen kann", sondern nur noch "irgendwie durchkommen muss" und wolle daher "ihre Grünen-Basis nicht verärgern".
twitter.com (Wallrabenstein), twitter.com (Knüwer), twitter.com (Beisenherz), twitter.com (Ronzheimer), turi2.de (Background)

Rezo veröffentlicht neues Zerstörungsvideo zur Klimapolitik.

Klimazerstörung: YouTuber Rezo hat am Samstag ein neues Video mit dem Titel "Zerstörung Teil 2: Klimakatastrophe" veröffentlicht, in dem er die deutsche Klimapolitik scharf angreift. In dem 33-minütigen Video haut er Politikerinnen wie der stellvertretenden FDP-Bundesvorsitzende Nicola Beer oder dem ehemalige Verfassungsschutzchef Hans-Georg Maaßen ihre Aussagen zur Klimakrise um die Ohren.

Für Klimakrisen-Leugnerinnen hat der YouTuber eine Botschaft: "Wenn man diese sicheren Erkenntnisse dann leugnet, dann ist man kein Skeptiker oder Hinterfrager. Dann ist man einfach auf dem selben Level wie andere Aluhutträger, die meinen, dass Bill Gates kleine Kinder isst." Am Ende des Videos kündigt Rezo ein weiteres Video an, was das vorerst letzte der "Zerstörungsserie" sein soll.

In seinem letzten Video hatte sich Rezo besonders intensiv an CDU-Chef Armin Laschet sowie Ernährungs- und Landwirtschafts­ministerin Julia Klöckner abgearbeitet und darin zahlreiche widersprüchliche Aussagen und PR-Fails aufgezählt.
rnd.de, youtube.com (33-min-Video), turi2.de (Background)

Basta: Facebook-Algorithmus verwechselt schwarze Menschen mit Primaten.

Zum Affen gemacht: Die Gesichtserkennung von Facebook hat einen Knick in der Optik und dem Konzern einen handfesten Rassismus-Skandal eingebrockt. Facebook-Nutzerinnen, die sich ein Video über einen rassistischen Vorfall gegen Afroamerikaner in den USA angesehen hatten, wurden weitere "Videos über Primaten" vorgeschlagen. Die verantwortliche Software ist zwar vom Netz genommen, doch die künstliche Unintelligenz wirft Fragen auf.
spiegel.de

Jan Böhmermann nimmt sich politische Manipulationen bei Wikipedia vor.

Wikileaks: Mit dem Portal Netzpolitik.org hat das Team um Jan Böhmermann die Wikipedia-Artikel aller 709 Bundestagsabgeordneten untersucht und festgestellt, dass fast 90 der Texte zu mehr als 50 % von einem einzigen Account stammen – manchmal doktern die Politikerinnen sogar selbst an ihren Einträgen herum, offenbar, um "Unangenehmes" darin verschwinden zu lassen. Nicht immer werde das transparent gemacht, heißt es in der ersten "ZDF Magazin Royale"-Ausgabe nach der Sommerpause. CDU-Politiker Olav Gutting z.B. soll Details über dubiose Verbindungen zu Aserbaidschan aus seinem Eintrag gelöscht haben, weil sie aus seiner Sicht nicht der Wahrheit entsprochen hätten. Als Quelle dafür habe er seine eigene Homepage angegeben. Die Grünen-Abgeordnete Margit Stumpp habe mehrmals Editierungen vorgenommen, um ihre digitale Kompetenz herauszustellen. Auffälligkeiten stellt Böhmermann auch beim Eintrag von Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock fest: Vorheriges sei dieser nur 53-mal geändert worden, im Wahlkampfjahr dagegen 927-mal. Viele dieser Veränderungen seien "politisch motiviert". "Die Wikipedia-Artikel von 87 Abgeordneten des Deutschen Bundestages haben in etwa die Qualität der Masterarbeit von Franziska Giffey", witzelt Böhmermann.

Ihr Fett weg bekommen zudem PR-Agenturen, die gegen Geld Anpassungen vornehmen. Die Berliner Firma "WikiManufaktur" wirbt z.B. damit, Wikipedia-Inhalte von Kleinstparteien für nur 80 Euro aufzuhübschen – und verspricht "absolute Diskretion". Ähnliches bietet Olaf Kosinsky, Ex-Vorstand der deutschen Wikipedia, mit seiner PR-Agentur Piwac für Politisches Wikipedia-Monitoring an. Das Brisante daran: In seiner Zeit als "hohes Wikipedia-Tier" hatte Kosinsky über 500 Artikel zu Bundestagsabgeordneten geschrieben und darüber hinaus Dutzende lizenzfreie Fotos von Spitzen-Politikerinnen geknipst. Dabei sei Kosinsky dem politischen Betrieb "näher gekommen".
youtube.com (22-Min-Video), zdf.de (ganze Sendung, 33 Min), netzpolitik.org, br.de

“Politico” enthüllt, was online nach dem Tod der Queen geschieht.

Todesplan: Wenn Queen Elizabeth II. tot ist, soll sich die Website der Royal Family schwarz färben, meldet "Politico" unter Berufung auf das geheime Protokoll "Operation London Bridge". Auch auf den Internetseiten der Ministerien sowie auf den Social-Media-Kanälen sollen dann schwarze Banner zu sehen sein. Bis sich der Premierminister live im TV geäußert hat, sollen keine Beiträge mehr online gehen.
politico.eu via n-tv.de, spiegel.de