Clubhouse kümmert sich mit frischem Geld um die Entwicklung einer Android-App.

Club-Ausbau: Clubhouse kündigt in einem Blogpost die Entwicklung einer Android-App an. Außerdem will das Netzwerk in den kommenden Monaten Möglichkeiten testen, wie Kreative auf der Plattform Geld verdienen können - etwa durch direkte Geldspenden, Tickets oder Abonnements. Zusätzlich launcht die App ein eigenes Zuschussprogramm für Kreative. Clubhouse setzt die Pläne mithilfe einer neuen Finanzierungsrunde um. Investor*innen schätzen die Audio-Plattform mittlerweile auf etwa 1 Mrd Dollar.
joinclubhouse.com (Blogpost), n-tv.de, techcrunch.com

Zitat: Joe Kaeser blickt mit Sorge auf die Weltlage.

"Wenn die Entwicklung so weitergeht, könnte es in zehn Jahren für die Welt wichtiger sein, wer Chef von Facebook wird, als wer zum US-Präsidenten gewählt wird."

Der scheidende Siemens-Chef Joe Kaeser sagt im "Handelsblatt"-Interview, dass die großen Plattformen nur wenig gesellschaftlichen Nutzen bringen, aber ungeheure Macht haben. Er fordert von der Politik "einen Ordnungsrahmen für die Gewaltenteilung neuer Prägung."
"Handelsblatt", S.4-7 (Paid)

Weitere Zitate:

Joe Kaeser über das "Geschäftsmodell Aktivismus":

"Wer nur kritisiert, sich aber nicht an der Lösung beteiligen will, verwirkt das moralische Recht, dauerhaft Sachverhalte anzuprangern."

... über seinen persönlichen Einsatz beim Thema Kohlekraftwerk Adani:

"Ein Vorstandsvorsitzender ist für alles im Unternehmen verantwortlich, auch wenn er nicht für jedes Ressort zuständig ist."

... über seinen Wunsch nach einem "integrativen Kapitalismus":

"Der Kasino-Kapitalismus ist zu weit gegangen."

Trumps Twitter-Sperre behindert die Geschichtsforschung.

Twitter-Sperre von Donald Trump stellt die Polit-Wissenschaft vor Probleme. Forscherin Lindsay Chervinsky findet eine Analyse von Trumps Twitter-Nutzung zentral, um die Präsidentschaft zu beschreiben. Das Nationalarchiv hat mit der Trump-Regierung vereinbart, dass seine Digitalkommunikation gesichert wird. Doch nun ist aufgrund vieler Personalwechsel unklar, ob dies wirklich geschehen ist, so Chervinsky.
spiegel.de (Paid)

Lese-Tipp: So arbeitet eine Alibi-Agentur.

Die Lügen der anderen: Alibis und Ausreden für jede Gelegenheit bietet die Bremer Agentur Alibi-Profi – Radio Bremen porträtiert den Gründer Stefan Eiben. Gegen Geld bekommen Pornodarstellerinnen einen Alibi-Zweitjob, Arbeitslose verheimlichen ihren Jobverlust und Verheiratete ihr Doppelleben. Unmoralisch findet Eiben das nicht, solange keine Gesetze gebrochen werden. Das Problem sei die Gesellschaft, die viele Menschen in die Enge dränge, sagen Agentur-Mitarbeiter.
tagesschau.de, alibi-profi.de (Agentur-Website)

Bodo Ramelow läuft der „Welt am Sonntag“ bei Clubhouse ins offene Messer.

Lost in Social Media Space: Ministerpräsident Bodo Ramelow begibt sich in der neuen Social-Media-App Clubhouse auf dünnes Eis – und bricht gnadenlos ein. Der Ministerpräsident von Thüringen macht am Freitag in gelöster Stimmung vor einem vermeintlich geschlossenen Publikum mehrere lockere, dumme Sprüche über die Corona-Krisenrunden mit der Kanzlerin. Und wird von Johannes Boie, dem Chefredakteur der "Welt am Sonntag", tags darauf vorgeführt - mit einer zugespitzten Interpretation der Äußerungen des Linken-Politikers. Ramelow witzelt in der lockeren Clubhouse-Runde auf Fragen u.a. von Kevin Kühnert und Paul Ronzheimer, dass er während der stundenlangen Bund-Länder-Beratungen bis zu "zehn Level Candy Crush" schaffe. Kanzlerin Merkel nennt er flapsig "das Merkelchen".

Vom "Welt"-Artikel tags darauf wird Ramelow überrascht: Wütend und mit wachsender Verzweiflung versucht er sich bis 1.39 Uhr am Sonntagmorgen in mehreren Gesprächsrunden zu wehren und zu erklären - bekommt die Zahnpasta aber nicht mehr zurück in die Tube. Sein Fazit, kurz bevor er sich ins Bett verabschiedet: Das sei ihm "eine Lehre", das Verhalten von Boie mache die lockere Atmosphäre im Clubhouse "kaputt". Daniel Bouhs verweist auf Twitter ungehört darauf hin, dass bei Gesprächen aus Clubhouse-Unterhaltungen laut den Richtlinien des Dienstes nur zitiert, aufgezeichnet oder transkribiert werden darf, wenn eine Erlaubnis der Beteiligten vorliege. Gegenargument der anwesenden Journalisten: Die Meinungs- und Pressefreiheit stehe über Firmenrichtlinien.

Fazit: Die insgesamt vier Stunden, die Ramelow auf Clubhouse verbracht hat und an deren Anfang er "Bella ciao" und am Ende "Die Gedanken sind frei" singt, werden als erster großer Kommunikations-Fail in die Geschichte von Clubhouse eingehen. Einer Plauder-App, die jetzt einerseits durch die Decke gehen könnte, andererseits von Kommunikationsprofis fortan mit dem Warnhinweis versehen werden muss: Der Feind hört mit.

turi2 – eigene Beobachtung, welt.de, twitter.com (Bouhs), notion.so (Clubhouse-Richtlinien), twitter.com/KaiDiekmann (Twitter-Protokoll von Kai Diekmann)

Mitarbeit: Peter Turi, Markus Trantow

Clubhouse-Eklat: Richard Gutjahr und Eva Herman streiten schon seit Jahren.

Gutjahr vs. Hermann: Der durch Clubhouse öffentlich gewordene Rechtsstreit zwischen Richard Gutjahr und Ex-"Tagesschau"-Sprecherin Eva Herman schwelt schon seit 2017. Bei Facebook schreibt der Journalist, dass Herman ihm mittlerweile knapp 1.000 Euro aufgrund vergeblicher Zwangsvollstreckungsversuche schulde. Die Überweisung dieses Geldes sei laut seinen Informationen nun in die Wege geleitet, so Gutjahr.
facebook.com, turi2.de (Background)

Zitat: Lilly Blaudszun über ihre Social-Media-Arbeit für Manuela Schwesig.

"Sie müssen sich das so vorstellen: Manuela Schwesig backt eine Pizza, macht ein Foto davon, und ich übersetze das dann ins Netz."

SPD-Influencerin Lilly Blaudszun erklärt im "FAS"-Interview, dass die Online-Kommunikation von Ministerpräsidentin Manuela Schwesig "im ständigen Dialog" entsteht. Die 19-Jährige sei sich bewusst, dass sie "Dinge auslösen kann", wenn sie "Müll ins Internet" schreibt.
faz.net (Paid)

Weitere Zitate:

Lilly Blaudszun über Authentizität:

"Authentizität kann man nicht herstellen, das ist eine Illusion."

...über den SPD-Politiker, der junge Menschen am stärksten verärgert hat:

"Bei uns in der Partei auf jeden Fall Sigmar Gabriel."

...über die Generation Z:

"Am Ende repräsentiert keine Plattform unsere Generation so sehr wie TikTok."

Italienischer Datenschutz setzt TikTok nach Tod einer 10-Jährigen unter Druck.

TikTok steht nach dem Tod einer 10-Jährigen in Italien stark in der Kritik. Das Mädchen hatte sich laut Medienberichten im Rahmen einer Video-Challenge mit einem Gürtel bewusstlos gewürgt, im Krankenhaus wurde ihr Hirntod festgestellt. Die italienische Datenschutzbehörde fordert nun TikTok dazu auf, alle Konten zu sperren, bei denen das Alter der Nutzer*innen nicht nachweisbar ist. "La Repubblica" schreibt, dass diese Aufforderung womöglich eine Komplett-Sperrung des Netzwerks bedeute, weil TikTok eine Alterskontrolle kaum leisten könne. Das Unternehmen erklärt, dass es das Schreiben derzeit prüft.
handelsblatt.com

Im “glitschigen James-Bond-Feld”: Die “Süddeutsche” über den Influencer Joe Laschet.

Wie der Vater? Joe Laschet ist Sohn des neuen CDU-Parteichefs Armin Laschet und verdient sein Geld als Influencer. Johanna Adorján unternimmt in der "Süddeutschen" einen Streifzug durch sein Profil auf Instagram. Sie findet, dass Joe Laschet seine Marke "auf dem etwas glitschigen James-Bond-Feld positioniert". Er wirbt für klassische Herrenmode, Whiskey und Armbanduhren. Mit seinem Vater verstehe er sich offenbar gut. Beide posieren gern vor dem selben Buchregal. Als Influencer macht Joe Laschet "einen ordentlichen Job" mit professioneller Haltung und klarer Kennzeichnung von Anzeigen, schreibt Adorján und stellt fest: "Man sieht auf diesem Account einfach einen Mann seine Arbeit tun."
sueddeutsche.de (Paid), instagram.com (Profil Laschet)

Hör-Tipp: Clubhouse laviert zwischen Akustikvoyeurismus und Networking.

Hör-Tipp: "Clubhouse ist wie der Blick durchs Schlüsselloch – nur mit den Ohren", sagt Samira El Ouassil im Podcast von Übermedien. Für die Zeitungswissenschaftlerin ist Clubhouse die App des zweiten Lockdowns in Deutschland. Sie könne Panels auf Konferenzen ersetzen, bediene aber auch das Bedürfnis nach Bar- oder Tischgesprächen. Mit der Audio-App entdecke die Social-Media-Welt die Vergänglichkeit wieder, denn anders als bei Twitter oder Facebook würden die Unterhaltungen nicht aufgezeichnet. Auch deswegen sei die App Vertrauenssache – wer nicht dabei war, müsse sich auf die Berichte anderer verlassen.
uebermedien.de (27-Min-Podcast)

Richard Gutjahr gegen Eva Herman – Clubhouse hat seinen ersten Rechtsstreit.


Club der klagenden Dichter: Richard Gutjahr hat sich mit einer Falschbehauptung in einer Clubhouse-Diskussion mächtig Ärger eingehandelt. Weil der streitbare Journalist im Beisein von Ohrenzeuge und Medienanwalt Ralf Höcker in einer Gesprächsrunde zum Thema "Lügenpresse" behauptete, er habe einen "Haftbefehl" gegen Ex-"Tagesschau"-Sprecherin Eva Herman, musste er auf Facebook Abbitte leisten und sich entschuldigen: "Gemeint hatte ich nicht einen Haftbefehl, sondern einen vollstreckbaren Kostenfestsetzungsbeschluss." Höcker, Anwalt von Hermann, habe daraufhin auf eine Rechnung verzichtet, schreibt Meedia.

Weil Herman trotz Gerichtsbeschluss zunächst nicht zahlte, habe Gutjahr die Zwangsvollstreckung beantragt, die aber nicht durchgesetzt werden konnte, weil Herman sich in Kanada aufhält. Inzwischen habe Herman ihre Schuld von knapp 770 Euro beglichen, schreibt Meedia. "Ich entschuldige mich für meine falsche Formulierung in aller Form bei Frau Herman. Ich stehe zu meinen Fehlern", beendet Gutjahr seine Erklärung. Die skurrile Geschichte zeigt vor allem eines: Auch Clubhouse ist kein rechts- und medienanwaltsfreier Raum.
meedia.de, facebook.com (Widerruf Gutjahr)

Mitarbeit: Markus Trantow

Basta: Medienwissen von Hans-Georg Maaßen in schlechter Verfassung.

Recherche-König: Hans-Georg Maaßen, Ex-Verfassungsschutz-Präsident, stört sich an 96 Mio Dollar, die ZDF-Satiriker Jan Böhmermann verdienen soll – und poltert in einem inzwischen wieder gelöschten Tweet: "Wir brauchen diesen ÖRR [Anm.: Öffentlich-rechtlichen Rundfunk] nicht!“ Maaßen informiert sich nämlich lieber auf der Satire-Seite Mediamass über die wirklich wichtigen Nachrichten.
twitter.com, de.mediamass.net (Böhmermann-Artikel)


YouTube schließt Ken Jebsen nach Regelverstößen endgültig aus.

YouTube sperrt den Kanal KenFM des Verschwörungs­ideologen Ken Jebsen endgültig. Jebsen habe innerhalb von 90 Tagen zum dritten Mal gegen YouTubes Covid-19-Richtlinien verstoßen, sagt ein Sprecher. Schon Im Mai 2020 hatte YouTube KenFM den Werbe-Geldhahn abgedreht, im November wurden die Videos schon einmal zeitweise gesperrt.
tagesspiegel.de, heise.de, turi2.de (Background)

Zitat: Martin Sonneborn sieht Fundamentalkritik durch Kleinstgruppen gefährdert.

"Ich plädiere dafür, dass nicht jede Kleinstgruppe sich zum Nabel der Welt deklariert. Es gibt sonst keine wirkungsvolle Kritik am fundamentalsten unserer Probleme: der wachsenden sozialen Ungleichheit."

Satire-Politiker Martin Sonneborn sagt dem "Spiegel", er habe nicht mit einem Shitstorm als Reaktion auf satirische Mittel gerechnet, "die wir seit Jahren verwenden".
"Spiegel" 04/2021, S. 101, turi2.de (Background)

Daimler, Bahn, Deutsche Bank, VW und weitere laden zu virtuellen Shoa-Gedenkfeier.

Virtuelles Gedenken: Kommenden Dienstag laden Borussia Dortmund, Daimler, die Deutsche Bahn, die Deutsche Bank, Volkswagen und der Freundeskreis Yad Vashem Deutschland zu einer virtuellen Gedenkfeier für die Opfer der Shoa. Daran nehmen unter anderem auch Josef Schuster, Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland, und Kai Diekmann als Vorstandsvorsitzender des Freundeskreises Yad Vashem Deutschland teil. Die Veranstaltung findet einen Tag vor dem internationalen Holocaust-Gedenktag statt.
die-bahn-laedt-ein.com (Anmeldung)

Google und Facebook drohen Australien mit Rückzug.

Australien: Google droht der Regierung, seine Suchfunktion im Land nicht mehr anzubieten, sollte das geplante Leistungsschutzrecht wirklich angewandt werden. Zuletzt hat das Unternehmen bereits einige Medien aus seinen Suchergebnissen entfernt. Auch Facebook kündigt Konsequenzen an. Es sei denkbar, dass der Konzern in Australien das Teilen von Links zu Nachrichtenartikeln künftig ausschließt. Die Regierung gibt sich von den Drohungen unbeeindruckt.
zeit.de, turi2.de (Background)

Basta: BVG will keine kritische Infra­struktur sein.

Bloß nicht wichtig: Die Berliner Verkehrsbetriebe wollen auf keinen Fall zur kritischen Infra­struktur gehören. Dann nämlich müssten sie bei ihrer IT Mindest­standards nach Vorgaben des BSI einhalten, bei Verstößen drohen hohe Bußgelder. Womöglich schwant der BVG, dass in irgendeinem ihrer gelben Busse die Haltestellen-Ansage noch unter Windows 95 laufen könnte.
heise.de, tagesspiegel.de (Background)

Klick-Tipp: Bernie Sanders geht viral.

Klick-Tipp: Zahlreiche Memes von Bernie Sanders und dessen Outfit bei der Amtseinführung von Joe Biden machen zurzeit die Runde im Netz. Buzzfeed hat die einfallsreichsten Kreationen der Nutzer*innen gesammelt – darunter: Photoshop-Montagen vom eingekuschelten Sanders in Star Wars, Game of Thrones oder König der Löwen.
buzzfeed.com, twitter.com

US-Gericht weist Klage von Parler gegen Amazon ab.

Parler scheitert mit dem Versuch, eine Rückkehr auf die Cloud-Infrastruktur von Amazon per Gerichtsbeschluss zu erreichen. Ein US-Gericht lehnte die einstweilige Verfügung vom Netzwerk ab, weil es dafür nicht die Voraussetzungen erfüllt habe. Amazons Cloud-Tochter AWS hatte Parler nach dem Sturm von Trump-Anhängern auf das Kapitol die Verträge gekündigt. Amazon wirft Parler vor, gewalthaltige Inhalte nicht ausreichend zu moderieren.
spiegel.de, turi2.de (Background)

Facebook lässt Trump-Sperre prüfen.

Facebook-LogoFacebook lässt die Konto-Sperre von Donald Trump von seinem 2020 selbst eingerichteten Aufsichtsgremium prüfen – und verspricht, das Urteil bindend anzunehmen. Das Gremium, bestehend aus Poltiker*innen, Akademiker*innen und Menschenrechtler*innen, prüft u.a., ob die Sperrung gegen das Recht auf Meinungsfreiheit verstößt und ob Trump gegen Nutzerregeln verstoßen hat. Bis zur Klärung bleibt der Ex-Präsident vom sozialen Netzwerk ausgesperrt.
faz.net

Clubhouse-Diskussion mit rechter Influencerin löst Kritik aus.

Clubhouse hat seinen ersten Fall von "Darf man das?": Eine Diskussionsrunde zum Schlagwort "Lügenpresse" zwischen mehreren Journalist*innen und der rechtspopulistischen Influencerin Anabel Schunke sorgt für Wirbel. Kritiker*innen bemängeln, der Dialog sei unkritisch gewesen, einige der Journalist*innen hätten offenbar nicht gewusst, mit wem sie es zu tun hatten. Im Anschluss geht die Diskussion über die Diskussion auf Twitter und in anderen Clubhouse-Runden weiter.
wuv.de, twitter.com

Zitat: Jochen Wegner kritisiert Online-Medien, die zur Spaltung der Gesellschaft beitragen.

"Ein Teil der Medien hat für sich als Geschäftsmodell entdeckt, auf die Spaltung der Gesellschaft zu zielen und diese zu verstärken."

Zeit-Online-Chef Jochen Wegner kritisiert, dass Medien mit Blick auf die Live-Zugriffszahlen gerade im Internet "soziale und politische Friktion" als Energiequelle nutzen.
"Journalist" 1/2021, S. 60 (Paid)

Termin-Tipp: Der “Tagesspiegel” lädt zur Debatte bei Clubhouse.

Tagesspiegel versucht die derzeitige Hype-App Clubhouse journalistisch zu nutzen und lädt am Abend um 19.30 Uhr zu einer Debatte mit dem Team seines Checkpoint-Newsletters. Chefredakteur Lorenz Maroldt und die Redakteur*innen Ann-Kathrin Hipp, Anke Myrrhe und Felix Hackenbruch sprechen unter dem Titel "Inside Rotes Rathouse - neue Corona-Beschlüsse für Berlin" über die Konsequenzen aus den neuen Corona-Regeln für die Hauptstadt.
joinclubhouse.com, turi2.de (Background)

Donald Trump will Stephen Bannon begnadigen.

Letzte Amtshandlung? US-Präsident Donald Trump will seinen früheren Vertrauten Stephen Bannon offenbar begnadigen, berichtet CNN. Der Ex-Berater des Präsidenten muss sich eigentlich ab Mai vor Gericht verantworten, ihm wird vorgeworfen, Spendengelder veruntreut zu haben. Zwischen Trump und Bannon war es 2018 zum Bruch gekommen, zuletzt sollen sie sich wieder angenähert haben.
edition.cnn.com, spiegel.de

TikTok gewinnt im Wahljahr an Bedeutung.

TikTok könnte 2021 ein Faktor im digitalen Wahlkampf werden, schreibt Marc Röhlig. Aktuell sind alle im Bundestag vertretenen Parteien nicht mit offiziellen Accounts vertreten, auch Spitzepolitiker*innen fehlen. Eher unbekannte Kräfte wie der Thüringer SPD-Abgeordnete Lutz Liebschers oder der FDP-Bundestagsabgeordnete Thomas Sattelberger erreichen über hunderttausend Abonnenten. Immer mehr Politiker*innen zeigen aber Interesse an der App. Wie genau TikTok damit umgehen wird, ist indes noch ungewiss.
spiegel.de

Parler will mit russischer Unterstützung zurück ins Netz.

Parler schleicht sich nach der Blockade von Amazon, Google und Apple zurück ins Netz: John Matze, Firmenchef der von Trump-Anhänger*innen beliebten Twitter-Alternative, hat am Montag in einer Botschaft verkündet, am Wiederaufbau zu arbeiten. Parler arbeite dafür mit der Firma DDos-Guard, die wie Reuters berichtet bereits mit rassistischen Internet-Seiten zusammengearbeitet hat.
handelsblatt.com, turi2.de (Background)

“Horizont”: Chefredakteurin Barbara Hans soll den “Spiegel” verlassen, die Redaktion sparen.


Spiegel der Sparmaßnahmen: Der "Spiegel" steht vor einem Umbau der Chefredaktion – und wohl dem Abgang von Chefredakteurin Barbara Hans, schreibt Roland Pimpl bei Horizont.net. Hans solle ihren Posten oder gar das Haus verlassen. Grund sei, dass sie "ihre Rolle" bisher nicht finden konnte oder wollte, ihre Aufgaben in der fusionierten Redaktion seien unklar. Auch "harmoniere" das Führungs-Trio Steffen Klusmann, Clemens Höges und Hans "nicht wirklich". Nach dem Abgang von Hans könnte der "Spiegel" die Chefredaktion nach Vorbild der "Zeit" um weitere "Mitglieder" oder Stellvertreter*innen erweitern, schreibt Pimpl.

Zudem steht die Redaktion vor einer harten Sparrunde: Zwei Drittel der geplanten Einsparungen von 10 Mio Euro bis 2023 solle die Redaktion leisten, berichtet Horizont.net. Das Angebot für ein Altersteilzeitmodell, das bis 15. Januar lief, sei auf mehr Interesse als gedacht gestoßen. Dadurch könne der Verlag auf Kündigungen wohl verzichten.

Haken soll es auch bei der neuen Raumverteilung an der Ericusspitze: Der Verlag gibt fünf zusammenhängende Stockwerke an den Vermieter zurück, davon drei redaktionell genutzte. Auf der Einnahmenseite berichtet Pimpl von rund 100.000 voll bezahlten Digitalabos beim Nachrichten-Magazin. Bis 2025 soll die Zahl auf 200.000 steigen und die sinkende Zahl der Printabos einigermaßen stabil halten.
horizont.net (Paid)

turi2 edition #13: Ina Tenz über Freiheit.


Heimvorteile: Ina Tenz, Podcast-Produzentin bei ABC Communications und früher langjährige Programmdirektorin u.a. von Radio FFN und Antenne Bayern, entdeckt neue Vorzüge beim Arbeiten im Mobile-Office. Ihr anfänglich schlechtes Gewissen ist gewichen: “Mittlerweile feiere ich meine Freiheit und die Ergebnisse”, schreibt sie in ihrem Gastbeitrag in der turi2 edition #13. Sie können den Text hier im kostenlosen E-Paper lesen oder das Buch hier gedruckt bestellen.. Weiterlesen …

Meinung: Clubhouse stillt Bedürfnis nach “Talk auf dem Flur” und ersetzt Konferenzen.


In Schnatter-Stimmung: Am Wochenende hat die Kommunikations- und Tech-Branche in Deutschland ihre Twitter-Feeds mit der Audio-App geflutet, heute versuchen sich Journalist*innen und das Social-Media-Personal an Erklärungen für den plötzlichen Clubhouse-Hype. Daniel Hüfner, Alex Hofmann und Hannah Schwär von Business Insider sehen die iOS-App "ein bisschen wie Twitter, nur mit Ton statt Text" – und als Ersatz-Programm für die wegen Corona ausgefallenen Konferenzen. So sieht es auch Jan Nicolas König bei "Horizont": Das Tool befriedige das Bedürfnis nach "Talk auf dem Flur", der derzeit nur eingeschränkt möglich ist.

Die starke Nachfrage hierzulande ist zwar neu, die App dagegen nicht, in den USA ist sie schon seit letztem Frühjahr für Apple-Geräte verfügbar. Roland Eisenbrand zeichnet bei OMR nach, wie Digital-Unternehmer Philipp Glöckler und Berater Philipp Klöckner jetzt den Stein in Deutschland ins Rollen gebracht haben – per Telegram-Gruppe. Julian Heck attestiert der App "ein riesiges Suchtpotential". Startup-Verbandschef Christian Miele freut sich, dass dort statt Social-Media-Agenturen die eigentlichen Profil-Inhaber*innen vorm Mikro sitzen. Medienkritikerin Samira El Ouassil nimmt die App bei Übermedien mit einer Parodie aufs Korn.

Kritisiert wird an Clubhouse, dass Nutzer*innen dem Teilen ihres kompletten Adressbuchs mit dem Anbieter zustimmen müssen, wenn sie andere Leute einladen wollen. Auch das Mitschneiden von Gesprächen durch das dahinterstehende Unternehmen gilt als problematisch, ebenso wird der Männer-Überschuss in den Audio-Runden bemängelt. Marvin Schade erinnert daran, dass Clubhouse bereits in der Vergangenheit zu wenig moderiert habe – und die App vergangenen Herbst durch Konferenzräume mit offen antisemitischen Äußerungen auffiel.

Hüfner, Hofmann und Schwär fassen zusammen: "Nach dem anfänglichen Hype, nach den Wintermonaten und nach den Corona-Beschränkungen wird sich die App erneut beweisen müssen." (Foto: Christoph Dernbach / dpa / Picture Alliance)
businessinsider.de, horizont.net (Paid), omr.com, julianheck.de, uebermedien.de (Parodie), twitter.com (Tweet Miele), medieninsider.com (Paid), bild.de, wuv.de



Mitarbeit: Tatjana Kerschbaumer

Klick-Tipp: Focus Online blickt zum 25-Jährigen in die Zukunft.

Klick-Tipp: Focus Online wird 25 Jahre alt. Zum Jubiläum teilen 25 Autor*innen aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft ihre Ideen für die kommenden 25 Jahre und eine bessere Zukunft, u.a. Olaf Scholz, Markus Söder und Christian Lindner sowie Klimaaktivistin Luisa Neubauer. Verleger Hubert Burda und Gründer Helmut Markwort erinnern sich an die Anfänge der News-Seite, die damals dreimal täglich einen Wetterbericht bot.
focus.de, focus.de (6-Min-Video)

Twitter sperrt Konto von republikanischer QAnon-Anhängerin.

Twitter sperrt vorübergehend den Account der republikanischen Kongress-Abgeordneten Marjorie Taylor Greene. Sie hatte dort laut CNN wiederholt Verschwörungs­mythen und Falsch­meldungen verbreitet. Greene ist Anhängerin der rechtsextremen QAnon-Bewegung. Zuletzt hatte Twitter den Account von Donald Trump gesperrt – erst temporär, dann dauerhaft.
spiegel.de, cnn.com

Studie: Neue Streaming-Angebote setzen TV-Sender noch mehr unter Druck.

Streaming-Plattformen bringen TV-Sender in Bedrängnis, sagt eine Studie der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster und Roland Berger. Der Markteintritt von Disney war "Vorreiter einer zweiten Welle" von Anbietern. Auf dem Sprung nach Deutschland seien HBO Max von Warner, Peacock von NBCUniversal und Paramount+ von ViacomCBS. Alle Streamingdienste stehen unter Expansionsdruck, weil sie neue Umsätze generieren müssen, die wegfallende Lizenzeinnahmen kompensieren. Noch nehmen die Nutzerzahlen in Deutschland zu und sei keine "Überforderung" durch die Vielzahl der Angebote erkennbar. Aber der Tag hat bekanntlich nur 24 Stunden – und Zeit fürs Streaming knapsen die Nutzer*innen am ehesten von der TV-Zeit ab.
"Welt" (Paid)

Metro und Google starten den Lieferando-Konkurrent Dish Order.

Metro startet die Bestellplattform "Dish Order", ein eigenes Lieferangebot in Konkurrenz zu Lieferando. Der Großhändler kooperiert mit Google und will so die nötige Reichweite sicherstellen: Nutzer*innen können direkt über die Google Suche oder Google Maps bestellen. Metro verlangt anders als Lieferando keine Provision von den Gastronom*innen, sondern monatlich 49 Euro und eine einmalige "Anschlussgebühr".
handelsblatt.com, internetworld.de

EU sollte auf Tech-Lizenzen setzen, meint Stefan Winners.

Digitale EU: Ex-Burda-Vorstand Stefan Winners überlegt im Interview mit dem "Aktionär", wie die EU den Tech-Markt regulieren kann: Denkbar wäre laut Winners, das "chinesische Modell" zu etablieren. Firmen müssten dann Lizenzen kaufen, um in bestimmten Sektoren in Europa tätig werden zu dürfen. US-Firmen müssten ihr Europageschäft abspalten, um einen EU-Sitz zu haben. Er plädiert außerdem für "Liberalisierung", bei der etwa Google seine Such-Schnittstelle auch anderen Anbietern zugänglich machen muss.
deraktionaer.de

turi2 edition #13: Matthias Horx über Zukunft und Zumutungen.


Rolle vorwärts: Prognosen sind schwierig, vor allem, wenn sie sich auf die Zukunft beziehen – Trend-Experte Matthias Horx wagt dennoch den Blick auf die Welt nach Corona. Im Interview mit Heike Turi in der turi2 edition #13 nennt er Covid-19 “ein Meisterstück der Evolution”. Und Horx blickt auf die Medien: Er beklagt den “Trend zum Trash” und dass die Inhalte vieler Medienmarken wie “getarnte Anzeigen” aussehen. Horx prognostiziert: “Online-Werbung ist die nächste Blase, die demnächst platzen wird.” Sie können den Text hier im kostenlosen E-Paper lesen oder das Buch gedruckt bestellen. Weiterlesen …

Zitat: Trumps Twittersperre ist nur auf ersten Blick sympathisch, sagt Heiko Maas.

"Es kann nicht die Entscheidung eines Firmenchefs in den USA sein, wer was wo sagen darf und wer nicht."

Außenminister Heiko Maas sagt im Interview mit der "Bild am Sonntag", auf den ersten Blick wirke es "sympathisch", dass Twitter Trumps Konto sperrt, doch die Tech-Riesen hätten zu viel Macht, "Meinungsbildungsprozesse zu beeinflussen".
"Bild am Sonntag", S. 10 (Paid)

Kommunikationsbranche entdeckt Social-Audio-App Clubhouse für sich.

Kommunikationsbranche lechzt nach Clubhouse-Einladungen: Die Social-Audio-App gewinnt rasant an Beliebtheit, bisher ist sie nur für iOS verfügbar. Die Nutzer*innen tauschen sich in Audio-Chaträumen aus, jede*r kann sich in laufende Gespräche einklinken. Besonders für Podcast-Hosts ist die App deshalb interessant. Noch ist sie in der Beta-Phase. Marketing-Clou der Erfinder Paul Davison und Rohan Seth: In den Club kommt man bisher nur per Einladung eines Mitglieds.
twitter.com, t3n.de (Erklärung App)

“Coronahelden”-Spots der Bundesregierung haben 2 Mio Euro gekostet.

Bundesregierung hat für die Produktion und Vermarktung der drei "Coronahelden"-Spots rund 2 Mio Euro bezahlt, ergibt eine Antwort auf eine Anfrage der FDP-Fraktion. Die Produktion hat mehr als 300.000 Euro gekostet, die Bewerbung mehr als 1,7 Mio Euro. In den Videos erinnern sich Corona-"Veteranen" aus der Zukunft an die Pandemie, sie sollen besonders 16- bis 29-Jährige ansprechen. In der Zielgruppe haben die Spots 57 % Gesamtreichweite erlangt.
rnd.de, turi2.de (Background)

turi2 edition #13: Sham Jaff über Deutschland und Diversität.


Blick für das Big Picture: Weiblich, jung, migrantisch – braucht es das, um die Welt als Ganzes zu sehen? Die Newsletter-Publizistin Sham Jaff spricht im Interview mit Elisabeth Neuhaus für die turi2 edition #13 über westliche Gedankenlosigkeit und Respekt für die “Bild”. Im turi2-Videofragebogen verrät sie, dass sie schon als Kind gerne “alles” geworden wäre. Sie können das Interview hier im kostenlosen E-Paper lesen oder das Buch gedruckt bestellen. Hier geht’s zum Videofragebogen. Weiterlesen …

Zahl des Tages: Größte Wikipedia-Version hat 6 Mio Einträge.

Zahl des Tages: Mehr als 6 Mio Einträge hat die englischsprachige Wikipedia, sie ist die größte Version, gefolgt von der deutschen mit 2,5 Mio Artikeln. Weil bisher viele Sprachversionen isoliert sind, will Informatiker Denny Vrandecic eine Universalsprache entwickeln, mit der alle Einträge erstellt und aktuell gehalten werden können. So soll das Onlinelexikon noch zehnmal größer werden.
"Spiegel" 3/2021, S. 102 (Paid)

BMW will bis 2025 ein Viertel des Gewinns online machen.


Rollen ins Netz: SUV im Warenkorb: BMW wünscht sich, dass seine Autos künftig im Internet gekauft werden. Bis 2025 soll ein Viertel des Konzern-Gewinns aus Online-Verkäufen kommen, sagt Vertriebschef Pieter Nota. Der Autobauer will dazu einen dreistelligen Mio-Betrag in die Digitalisierung von Vertrieb und Marketing investieren. BMW verspricht sich vom Online-Geschäft auch Wachstum bei den Sonderausstattungen wie Fahrassistenz- und Sound-Paketen oder höheren Batterie-Reichweiten bei E-Modellen. Die Lieferung der Autos soll jedoch weiter über die Händler*innen laufen. Neben Tesla zählen zu BMWs Hauptwettbewerbern in Sachen Digitalisierung und E-Mobilität die deutschen Autobauer Audi und Mercedes.
handelsblatt.com, "FAZ", S. 22 (Paid)