Synergien und Kontrapunkte: Jan Ippen über BuzzFeed und die Zeitungs-Zukunft.


Neues vom Nerd: "Vollzeit-Nerd" nennt Jan Ippen sich selbst gerne – im Video-Interview mit turi2.tv erklärt der Geschäftsführer von Ippen Digital, dass er trotzdem Zeitung liest. Er sieht sich selbst als "Brücke" zwischen dem klassischen Zeitungsgeschäft, das sein Vater Dirk Ippen jahrzehntelang mit der Ippen-Gruppe aufgebaut hat, und dem, "was wir an Digitalem aufbauen". Neuster Baustein ist der deutsche Ableger des US-Portals BuzzFeed.

Wie passt der zu Tageszeitungen wir "Frankfurter Rundschau" und "Münchner Merkur"? Ippen findet, dass sich die Frage gar nicht stellt: Er versteht Ippen Digital nicht als "Zeitungs-Portale", sondern als "Plattform mit diversen Medieninhalten". Bei BuzzFeed freut er sich über die junge Zielgruppe, beim investigativen BuzzFeed News findet er "Synergien zu einer 'FR', aber auch die Kontrapunkte mit einem 'Merkur'" "phänomenal". Wichtig sei ihm ein freier und pluralistischer Journalismus: "Wir versuchen nicht, unter einer Marke alles irgendwie zu konsolidieren."

Ob die Zukunft der Medien irgendwann papierlos ist? Für Ippen ist das "eine Frage der Zeitachse". Medien auf Papier sieht er langfristig als "Liebhaber-Produkt". Statt der klassischen Zeitung werde es dann Produkte geben, die "die Legacy der Zeitung" aufgreifen. Im klassischen Geschäft findet er "viele fantastische Bausteine", die er "Stück für Stück" in die digitale Zukunft transformieren will. Dabei setzt er u.a. auf eine Personalisierung, die Filterblasen vermeidet.

Die Zeitungsgruppe, die seinen Namen trägt, sieht Jan Ippen auch dann noch in Familienhand, wenn sein Vater und Gründer Dirk Ippen die Führung irgendwann abgibt: "Wir als Gesellschafter sind ja auch schon aktiv." Dass er irgendwann selbst allein an der Spitze der Gruppe stehen wird, verneint er: "Das kann ein Mensch alleine gar nicht mehr unter einer Feder führen und konsolidiert managen. Das muss am Ende des Tages auf viele Köpfe verteilt werden."
turi2.tv (17-Min-Video auf YouTube)

Ippen Digital übernimmt BuzzFeed Deutschland.


Neue Eltern: BuzzFeed Deutschand lebt unter dem Dach von Ippen Digital weiter. Offiziell ist die Rede von einer "Partnerschaft". Die deutschsprachigen Ausgaben von BuzzFeed, BuzzFeed News und dem Rezepte-Angebote Einfach Tasty werden Teil des Ippen Digital Redaktions­netzwerks. Bis Ende 2020 soll BuzzFeed komplett auf dessen Plattform wechseln. Das Berliner Team von Buzzfeed geht "unter gleichen Bedingungen" und "ohne Einbußen vollständig zu Ippen mit, schreibt Chefredakteur Daniel Drepper bei Twitter. Zudem soll die Redaktion weiter wachsen. Das Investigativ-Team von Buzzfeed News soll Impulse für die Ippen Digital Zentralredaktion liefern.

Jan Ippen, Gründer und Geschäftsführer von Ippen Digital, erhofft sich von dem Zusammenschluss einen "zusätzlichen Wachstumsimpuls" und will das Angebot in Deutschland, Österreich und der Schweiz "marktgerecht weiterentwickeln". Drepper freut sich, mit Ippen einen "journalistischen Partner, keinen auf schnelle Erträge fixierten Investor" gefunden zu haben. Im April hatte BuzzFeed angekündigt, seinen deutschen Ableger verkaufen zu wollen. Ippen Digital betreibt mehr als 80 News-, Regional- und Special-Interest-Portalen in ganz Deutschland, u.a. Merkur.de und Tz.de, Fr.de und Fnp.de sowie die Verticals Ingame.de oder 24auto.de.
ippen-digital.de, spiegel.de, twitter.com (Drepper) turi2.de (Background)

Meinung: Dirk Ippen fährt mit Kaufmann-Genen als Verleger gut.

Verleger Dirk Ippen fährt dank Kaufmann-Genen auch im Zeitungsgeschäft gut, analysiert Brigitte Baetz für den Deutschlandfunk. Vor allem Ippens radikale Fokussierung aufs Lokale sichere ihm und seinen Produkten treue Leser - obwohl in Ippens Redaktionen bis heute "wenig Edelfedern zu finden sind". Ippen, inzwischen 79, sieht die Zeitung in Zukunft eher als Nischenmarkt: Wer zu klein sei, werde geschluckt.
deutschlandfunk.de

Erst verkauft, dann eingestellt: “Siegerlandkurier” verschwindet lautlos.

Siegerlandkurier, Anzeigenblatt für Südwestfalen, wurde still und heimlich eingestellt, die Redaktion komplett entlassen, berichtet Übermedien. Der bisherige Herausgeber, die zu Ippen gehörende Mediengruppe Westfälischer Anzeiger, habe den "Siegerlandkurier" an den Verlag Vorländer & Rothmaler verkauft, der die Siegener Zeitung herausgibt. Der neue Verlag habe die sofortige Einstellung beschlossen, erfahren die Mitarbeiter*innen in einer Telefon-Konferenz am 24. März - die letzte Ausgabe erschien drei Tage zuvor ohne jeden Abschiedshinweis. Boris Rosenkranz vermutet eine kalkulierte Marktbereinigung: Vorländer & Rothmaler gibt mit dem "Siegerländer Wochen-Anzeiger" selbst ein Anzeigenblatt heraus und hat dem "Westfälischen Anzeiger" im Gegenzug zwei Regional-Ausgaben abgetreten.
uebermedien.de (Paid)

Ippen übernimmt Münchner Online-Werbeausstatter Traffective.

Ippen Gruppe, zu der unter anderem die Zeitungen "Münchner Merkur" sowie "tz" gehören, holt die Digital-Agentur Traffective mit Sitz in München unter ihr Dach, meldet "New Business". Käufer ist die Unternehmenstochter Ippen Digital. Mit Programmatic Advertising soll Traffective dabei helfen, die redaktionellen Online-Inhalte von Ippen zu versilbern.
new-business.de

“Münchner Merkur” trennt sich nach erfundenem Papst-Treffen von einem Reporter.


Du sollst nicht lügen: Der "Münchner Merkur" trennt sich von einem freien Mitarbeiter, der sich zuvor mit einem Papst-Treffen schmückte, obwohl er selbst nicht vor Ort war, schreibt die "Süddeutsche Zeitung". Der Reporter hatte seinen Text auf Basis von BR-Recherchen verfasst, der gemeinsam mit der Zeitung im Vatikan angefragt hatte. Zum Zeitpunkt des Treffens war der Reporter vom "Münchner Merkur" nicht in Rom, sodass nur der BR den emeritierten Papst Benedikt XVI. besuchte, was der Reporter nicht kenntlich machte.

Anfang Januar titelte der "Münchner Merkur" irreführend "Unsere Zeitung zu Besuch bei Benedikt XVI". Dass der Reporter nicht persönlich vor Ort war, bestätigt der Autor auf Anfrage der "Süddeutschen Zeitung" und bittet für den falschen Eindruck um Entschuldigung. Er wollte sich "umständliche Erklärungen" im Artikel sparen. Für den Text habe der Reporter autorisierte Zitate verwendet.
sueddeutsche.de

Ippens regionaler Nachrichten-Verbund will ohne Clickbaiting wachsen, schreibt Henning Kornfeld.

Ippen wächst "im Stillen" zum reichweitenstärksten Netzwerk regionaler Nachrichten-Webseiten, schreibt Henning Kornfeld. 40 Journalisten beliefern rund 50 werbefinanzierte Webseiten. Newsroom-Leiter Markus Knall (Foto) wolle mit Clickbaiting nichts zu tun haben. Aber dank Boulevard-Themen erreiche der Nachrichten-Verbund auch jüngere Zielgruppen, die ansonsten keine "Bindung zu Print-Titeln" hätten.
"Journalist" 12/2018 (Paid), turi2.de (Background)

Ippen schiebt Anzeigenblätter der Frankfurter Societät zu anderen Töchtern.

Mediengruppe Frankfurt, Tochter von Ippens Zeitungsholding Hessen und früher unter dem Namen Frankfurter Societät bekannt, stellt das Anzeigenblatt "Mix am Mittwoch" ein. Es erscheint am 26. September zum letzten Mal. Ippens "Offenbach-Post" bringt dafür ab 1. Oktober das "Frankfurter Wochenblatt" und den "Taunus Wochenblick" heraus. Die Anzeigenblätter "Bad Vilbeler Anzeiger" und "Karbener Zeitung" aus der Mediengruppe Frankfurt erscheinen künftig in Ippens Gießener Mittelhessischem Druck- und Verlagshaus.
per Mail

Score Media verliert Ippen als Kunde und holt Carsten Dorn als Chef.


Stürmische Zeiten: Score Media verliert die Verlagsgruppe Ippen als Kunden, erfährt Ulrike Simon. Das Vertragsende könnte den Vermarkter hart treffen und einen großen Geschäftsanteil kosten. Laut Simon hoffe Score Media, Verleger-Neffe Daniel Schöningh in Gesprächen noch umzustimmen. Der sagt zu Simon, entscheidend sei, "dass und wie sich der noch junge Vermarkter weiterentwickle."

Simon hört außerdem, Score Media erweitere die Führungsspitze um Ex-Springer-Verlagsmanager Carsten Dorn. Dorn, zuletzt bei Media Impact, solle ab Mitte August Co-Geschäftsführer von Heiko Genzlinger werden und Finanzen, IT, Vertrieb und strategische Agenturbeziehungen verantworten.
horizont.net, turi.de (Background)

Ippen-Redakteure müssen monatlich 2 Mio Desktop-Visits wuppen.

Lokaljournalismus: Online-Redakteure bei Ippen müssen 2 Mio Desktop-Visits im Monat schaffen, sagt Thomas Kaspar, Chefredakteur Ippen Digital, beim Forum Lokaljournalismus. Mobil sind es 3 Mio Visits, dann trage sich die Redakteursstelle. Auf fragende bis ungläubige Blicke antwortet er, dieses Pensum sei mit "geballtem Wissen" und Analyse-Tools möglich.
kress.de, turi2.de (Background)

Zitat: Ippen-Digitalchef Thomas Kaspar verteidigt Click-Baiting.

"Wir wissen aus unseren Analysen, dass die Aufenthaltsdauer und die Weiter-Klick-Raten überdurchschnittlich hoch auf solchen vermeintlich reißerisch aufgemachten Artikeln sind – anders als bei den seriösen Politik-Meldungen, die die Leute oft nur einmal kurz rezipieren und dann wieder rausgehen."

Thomas Kaspar, Digital-Chefredakteur bei Ippen, verteidigt im Interview mit Rupert Sommer spielerisches Click-Baiting.
kress.de

“Münchner Merkur” kündigt Münchner Lokalredakteuren Wechsel zur “tz” an.

tz merkur Ippen 150Münchner Merkur teilt den Mitarbeitern der Lokalredaktion München per Brief mit, dass ihr Vertrag zum 30. September endet. Ab Oktober sind sie bei Ippens Boulevardblatt "tz" angestellt. Vier Wochen haben die Journalisten Zeit, dem Schreiben zu widersprechen. Bereits im Juni hatte der Verlag angekündigt, die Stadtredaktionen beider Zeitungen zusammenzulegen.
"Süddeutsche Zeitung", S. 39 (Paid), turi2.de (Background)

Georg Anastasiadis ist Chefredakteur des “Münchner Merkur”.

Münchner Merkur 150Münchner Merkur macht Georg Anastasiadis, 51, zum neuen Chefredakteur. Nach dem Weggang von Bettina Bäumlisberger, 55, hat er die Redaktion seit März kommissarisch geleitet. Anastasiadis gilt als politisch konservativ. Verleger Dirk Ippen erregte zuletzt durch die Fusion der Lokalredaktionen von "Münchner Merkur" und "tz" Aufmerksamkeit.
sueddeutsche.de, turi2.de (Background)

Ex-Chef kehrt doch nicht zum “Münchner Merkur” zurück.

Münchner Merkur 150Münchner Merkur: Ex-Chefredakteur Karl Schermann kehrt nun doch nicht aus dem Ruhestand auf seinen alten Posten zurück. Kommissarisch übernimmt stattdessen Vize-Chefredakteur Georg Anastasiadis die Leitung der Ippen-Zeitung bis ein Nachfolger für Bettina Bäumlisberger, 55, gefunden ist, die nach nur zwei Jahren geht. Es gelte als eher unwahrscheinlich, dass Anastasiadis den Posten langfristig behalten möchte, so die "SZ".
sueddeutsche.de, turi2.de (Background)

Keine Strategie beim “Münchner Merkur” erkennbar.

Münchner Merkur 150Münchner Merkur: Die Redaktion wundert sich, dass Chefredakteurin Bettina Bäumlisberger, 55, wegen "unterschiedlicher strategischer Auffassungen" geht, da eine Strategie bei ihr "nie wirklich klar geworden" sei, berichtet Katharina Riehl. Die Rückkehr von Vorgänger Karl Schermann wecke Befürchtungen einer engeren Zusammenarbeit oder gar der Fusion mit der tz.
sueddeutsche.de, turi2.de (Background)