Hör-Tipp: Nora Gantenbrink spricht mit Christian Fuchs über Rechtsextremismus.

Hör-Tipp: In der ersten Folge ihres neuen Podcasts Sollzustand hat Nora Gantenbrink den Journalisten Christian Fuchs zu Gast. Er berichtet, dass er eigentlich über die positiven Dinge des Ostens berichten wollte, allerdings schon früh über den NSU berichten musste und so zum Experten für Rechtsextremismus wurde. Er rät, bei Berichten über rechte Kräfte nicht deren Erzählung weiterzugeben.
spotify.com, deezer.com, apple.com (jeweils 60-Min-Audio), rowohlt.de

Basta: Journalist müsste man sein.

Häppchen-Hochstapler: Ein Mann, 61, gibt sich jahrelang als "FAZ"-Redakteur aus und schleicht sich so auf Events von Gucci, der "GQ" und den Rolling Stones. Vor Gericht ist er zu stolz, seinen Häppchen-Hunger einzugestehen – und erklärt den Vorwurf zur Fake-News. Dazu ermächtigt ihn seine selbst verliehene Berufsbezeichnung: Er sei Journalist.
faz.net

Die “Süddeutsche Zeitung” will 50 Redaktionsstellen streichen.

Süddeutsche Zeitung SZ 150Süddeutsche Zeitung: Bis zu 50 Redakteur*innen - etwa ein Zehntel der Redaktion - müssen gehen, berichtet Anne Fromm unter Berufung auf eine Redaktionsversammlung. Bis Mitte Dezember können sich Mitarbeiter*innen freiwillig melden und gegen eine Abfindung ausscheiden. Dies gelte jedoch nur für Angestellte, die bereits mindestens drei Jahre bei der "SZ" sind. Maximal erhalten sie 134.000 Euro, plus weitere 30.000 Euro, wenn sie schon in den nächsten sechs Wochen gehen.
taz.de

Hör-Tipp: ARD-Korrespondent Jo Angerer sieht in Belarus kein Ende der Proteste.

Hör-Tipp: Jo Angerer, Moskau-Korrespondent der ARD, berichtet nach der Unterbrechung der Berichterstattung durch die Polizei wieder aus Minsk, sagt er im Radioeins-Medienmagazin von Jörg Wagner und Daniel Bouhs. "Es ist offensichtlich hier die Taktik, dass man so wenig Berichterstattung wie möglich haben möchte", klagt Angerer. Die Regierung könne die Protestbewegung langfristig nicht aufhalten.
wwwagner.tv (7-Min-Audio), turi2.de (Background)

Correctiv hat mit verdeckten Aktivist*innen von Fridays for Future recherchiert.

Freitags sind sie nie da: Correctiv hat für eine Recherche über Kohlestrom in Nordrhein-Westfalen mit Aktivist*innen von Fridays for Future zusammengearbeitet, schreibt die "Welt am Sonntag". Acht Personen, die bei der Umweltbewegung aktiv sind, haben mit persönlichen Correctiv-Mail-Adressen einen Fragenkatalog an Kommunen geschickt, um Beteiligungen an Kraftwerken abzufragen. Dass die Mail-Absender bei Fridays for Future sind, sei bei der Veröffentlichung der Ergebnisse - nicht aber während der Recherchen erkennbar gewesen. Correctiv arbeitet gemeinnützig - gemäß der Satzung unabhängig von politischen Einflüssen. Die redaktionelle Leitung habe beim Rechercheverbund gelegen, sagt Chefredakteur Justus von Daniels.

Fridays for Future habe auf die Anfrage einer Stellungnahme der "Welt am Sonntag" bis zum Redaktionsschluss nicht geantwortet. Laut Correctiv seien die Recherchen ohne externe Freiwillige - sogenannte "freie Crowd-Reporter" - nicht realisierbar. Von 53 Kommunen im Ruhrgebiet halten demnach mindestens 20 Anteile an Kraftwerken oder dem Energieversorger RWE. An diesem Sonntag sind Kommunalwahlen in Nordrhein-Westfalen.
edition.welt.de (Paid)

Das Bundesverdienstkreuz könnte an “Financial Times”-Berichterstatter gehen.

Financial Times: Die beiden Journalist*innen Stefania Palma (Foto) und Dan McCrum sollen für die Recherchen über Wirecard mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet werden, schreibt die "FAS". Danyal Bayaz von den Grünen habe den Vorschlag bei Heiko Maas eingereicht, der als Chef des Auswärtigen Amtes die Vergabe prüfen wolle. Es sei auch eine Wiedergutmachung nach der Bafin-Anklage.
faz.net

Media Pioneer holt Sabine Sasse und Anne Hufnagl.

Media Pioneer schippert künftig mit Sabine Sasse (Foto) als Event-Chefin über die Spree. Sie wirkt derzeit als Chefin des Pro-Europa-Vereins United Europe und soll im Dezember an Bord gehen. Anne Hufnagl heuert als feste Fotografin bei Gabor Steingart an. Chefredakteur Gordon Repinski und der frühere Obama-Stratege Julius van de Laar starten einen Podcast zur US-Wahl.
meedia.de

Presserat: Umstrittene “taz”-Polizei-Kolumne ist von der Meinungs­freiheit gedeckt.

taz: Die umstrittene Polizei-Kolumne von Autor*in Hengameh Yaghoobifarah verstößt nicht gegen den Pressekodex, sagt der Deutsche Presserat. Yaghoobifarahs Empfehlung, Polizisten seien am besten auf der Müll­deponie aufgehoben, sei von der Meinungs­freiheit gedeckt. Damit weist das Gremium die 382 eingegangenen Beschwerden als unbegründet zurück. Auch die Staats­anwalt­schaft will ihre Ermittlungen nicht fortführen.
spiegel.de, taz.de, presserat.de, turi2.de (Background)

Staatsanwaltschaft will nicht gegen Hengameh Yaghoobifarah ermitteln.

taz: Die Staatsanwaltschaft wird voraussichtlich nicht gegen Autor*in Hengameh Yaghoobifarah ermitteln, teilt die Zeitung mit. Nach einer Vorprüfung sieht die Behörde keinen "Anfangsverdacht für eine Straftat"; die Kolumne "All cops are berufsunfähig" sei von der Meinungsfreiheit gedeckt gewesen. Formal ist das Verfahren aber noch nicht abgeschlossen.
taz.de, turi2.de (Background)

Khashoggi-Mord: Gericht mildert die fünf Todes- in Gefängnisstrafen ab.

Khashoggi-Mord: Ein saudi-arabisches Gericht mildert die Todesstrafen der fünf Hauptangeklagten in Gefängnisstrafen à 20 Jahre ab. Auch das Strafmaß der drei weiteren Angeklagten sei reduziert worden. Sie waren wegen "Verschleierung des Verbrechens" zu insgesamt 24 Jahren Haft verurteilt worden.
wsj.com (Paid), turi2.de (Background)

Julia Encke ist Nachfolgerin von Claudius Seidel als Feuilleton-Chefin der “FAS”.


Frankfurts frische Feuilleton-Frau: Die "FAS" ernennt Julia Encke zur neuen Feuilleton-Chefin, beobachtet Ulrike Simon von "Horizont" im Impressum der Zeitung. Encke tritt die Nachfolge des langjährigen Ressortleiters Claudius Seidl an, dessen Vertrag nicht verlängert wurde. Die Journalistin schreibt seit 2015 im Literatur-Ressort der "FAS". Ihr Vorgänger Seidl wird künftig Filmkritiken schreiben und mit Rainer Schmidt - Enckes Ehemann - für das Magazin "Frankfurter Allgemeine Quarterly" arbeiten.

Encke, geboren 1971, schreibt zunächst für die "FAZ" und die "Süddeutsche Zeitung". 2015 wechselt sie zur "FAS". Seidl war 19 Jahre Feuilleton-Chef bei der "FAS" und hatte sich vor dem Arbeitsgericht in Berlin gegen seinen auslaufenden Vertrag gewehrt. Die "FAS"-Journalist*innen in Berlin stammen meist aus der "FAZ"-Zentrale in Frankfurt am Main - die Entsendeverträge laufen nach fünf Jahren aus.
(Foto: Heinrich-Böll-Stiftung)
horizont.net

Wir graturilieren: Marieke Reimann wird 33.

Wir graturilieren: Ze.tt-Chefredakteurin Marieke Reimann wird heute 33. Sie feiert den "Schnapszahl-Geburtstag natürlich ordentlich feucht fröhlich mit jeder Menge Freund*innen, die aus ganz Deutschland" zu ihr kommen. Nach einem türkischen Frühstück ist am Nachmittag in Berlin eine Geburtstagsfeier "Corona-und Lärmschutz-gerecht" auf einem großen Floß im Freien geplant. Dass das Thema Ostdeutschland im vergangenen Jahr - 30 Jahre nach Mauerfall und Wiedervereinigung - "medial und gesellschaftlich ordentlich Aufschwung bekommen hat", freut die gebürtige Rostockerin besonders - dies dürfe auch gerne im Wahljahr 2021 medial so weitergehen.

Im neuen Lebensjahr wünscht sich Reimann, dass die Black-Live-Bewegung auch in deutschen Redaktionen mehr Wirkung zeigt und "diese zum Beispiel mehr nichtweiße Menschen einstellen". Gratulationen sind "am liebsten persönlich" gewünscht, "aber da das gerade schwierig ist, nehme ich alle Kaffeeeinladungen und Herzungen auch gerne per Instagram oder per Mail entgegen". (Foto: Holger Talinski für die turi2.de/edition10)
turi2.de/koepfe (Profil von Reimann), turi2.de (Interview mit Reimann über alte weiße Männer und Print-Könige)

Wir graturilieren: Jörg Schönenborn wird 56.

Wir graturilieren: WDR-Programmdirektor Jörg Schönenborn wird heute 56 und feiert dank guter Wetteraussichten mit der Familie und ein paar Freunden im Freien. "Aber nur so viele, dass wir im Garten gut Abstand halten können", versichert Schönenborn. Im abgelaufenen Jahr habe ihn der wachsende Zuspruch der Zuschauer*innen gefreut – beim jüngeren Publikum sei das Interesse so groß "wie nie zuvor". Zudem sei das WDR-Team in der Pandemie "über sich hinausgewachsen".

Im neuen Lebensjahr blickt Schönenborn positiv auf die Serienoffensive der ARD-Mediathek: "Eine solche Vielfalt und so viele gute Serien hatten wir noch nie", sagt er. Vor dem Binge-Watching sind am heutigen Ehrentag aber noch Gratulationen auf allen Wegen willkommen: "Einfach mal ausprobieren – ich freue mich über jeden kreativen Versuch", so Schönenborn.

Ungarn: Ex-Crew des regierungskritischen Mediums Index plant ein neues Portal.

Ungarn: Die Ex-Mitarbeiter*innen des regierungskritischen Nachrichtenportals Index, die nach der Entlassung des Chefredakteurs aus Protest gekündigt hatten, gründen ein neues Portal: Telex soll "unabhängig, interessant, vielseitig, unterhaltsam und parteilos" informieren und sich zunächst aus Spenden finanzieren. Chefredakteurin wird Veronika Munk, frühere Vize-Chefredakteurin von Index.
derstandard.at

WDR-Studioleiterin freut sich über angepasste Geburtsurkunde.

Jetzt offiziell: Georgine Kellermann, Studioleiterin beim WDR in Essen, hat ihre Geburtsurkunde anpassen lassen, teilt sie auf Twitter mit. Bereits im vergangenen Jahr hatte Kellermann ihr Coming-out als trans Frau. Mit dem Schritt in die Öffentlichkeit will sie Menschen, "die in der gleichen Situation sind", Mut machen.
rnd.de, wdr.de, twitter.com



Mitarbeit: Elisabeth Neuhaus

Interne Dokumente zeigen das Ausmaß der Überwachung von Julian Assange.

Wikileaks: Julian Assange wurde systematisch überwacht, berichten NDR und WDR über interne Dokumente der Sicherheitsfirma UC Global. Das Personal habe u.a. Besucher*innen von Assange gezielt ausgespäht. Der Sicherheitsdienst bewachte das Londoner Botschaftsgebäude der ecuadorianischen Regierung. Wer die Überwachung von Assange beauftragte, ist unklar.
presseportal.de, tagesschau.de

Staatsanwaltschaft stellt die Ermittlungen gegen die “Financial Times” ein.


Späte Einsicht: Die Staatsanwaltschaft München stellt das Ermittlungsverfahren gegen die "Financial Times"-Journalist*innen Stefania Palma und Dan McCrum ein. Die Bafin hatte 2019 Strafanzeige wegen des Verdachts der Marktmanipulation gestellt. Die Staatsanwaltschaft sieht keine hinreichenden Anhaltspunkte - die Berichterstattung über Wirecard sei "jedenfalls vom Standpunkt der damaligen Informationslage aus weder falsch noch irreführend."

Die "Financial Times" hatte u.a. berichtet, in der Asien-Zentrale von Wirecard habe es undurchsichtige Geschäfte gegeben, Kundenbeziehungen in Dubai seien erfunden worden. Der Aktienkurs des mittlerweile insolventen Zahlungsdienstleisters war daraufhin gesunken. Die Münchener Staatsanwaltschaft hatte nach den Recherchen der "Financial Times" die Ermittlungen aufgenommen.
handelsblatt.com (Paid), turi2.de (Background)

Hör-Tipp: Swantje Dake und Anita Zielina über das Mentoring von Führungskräften.

Hör-Tipp: Swantje Dake, Chefredakteurin Digital von "Stuttgarter Zeitung" und "Stuttgarter Nachrichten", und Digital-Expertin Anita Zielina teilen ihre Erfahrungen als Führungskräfte im OMR Media Podcast. "Ich sehe immer noch viele Chefs in Verlagen, die vorrangig mit sich selber beschäftigt sind und nicht mit ihren Mitarbeitern", sagt Zielina. Dake schätzt vor allem den Austausch mit branchenfremden Entscheider*innen. Beide finden, dass Frauen ihre Karriere-Ambitionen zurückhaltender kommunizieren als Männer.
omrmedia.podigee.io (51-Min-Audio)

Claudius Seidl ist nicht mehr Feuilletonchef der “FAS”.

Frankfurt statt Berlin? "FAS" zieht Claudius Seidl von der Spitze des Feuilleton-Ressorts ab, schreibt Ulrike Simon bei "Horizont". Seidl bleibt festangestellter "FAZ"-Redakteur in Berlin, wo er insbesondere Filmkritiken verfassen soll. Er kümmert sich zudem um das Magazin "Frankfurter Allgemeine Quarterly". Wer Seidl als Feuilletonchef bei der "FAS" nach 19 Jahren folgt, ist unklar.

Seidl hatte sich vor dem Arbeitsgericht in Berlin gegen seinen auslaufenden Vertrag gewehrt - mit Rechtsbeistand von Anwalt Ulrich Fischer, früherer GDL-Rechtsbeistand bei den Tarifverhandlungen mit der Deutschen Bahn. Die "FAS"-Journalist*innen in Berlin stammen meist aus der "FAZ"-Zentrale in Frankfurt am Main - die Entsendeverträge laufen nach fünf Jahren aus. Seidl schrieb zuvor u.a. für den "Spiegel" und die "Süddeutsche Zeitung".
horizont.net (Paid)

Geli Tangermann und Mathis Neuburger werden Vize-Chefredakteure der “Hamburger Morgenpost”.

Hamburger Morgenpost macht Geli Tangermann, 33, (Foto) und Mathis Neuburger, 40, zu Vize-Chefredakteuren. Tangermann kommt von der "Welt", dort arbeitet bisher sie im Politik-Ressort. Neuburger steigt redaktionsintern auf, er leitet bisher das Ressort Lokales. Außerdem befördert die Zeitung Eva Jost, 40, zur Digital-Chefin.
meedia.de, new-business.de

Pandemie erschwert die Berichterstattung über die Tour de France.

Tour de France: In der Pandemie ist die Bewegungsfreiheit der Journalist*innen "massiv" eingeschränkt, berichtet Daniel Bouhs im Deutschlandfunk. Die Fahrer lebten in einer "Blase" von 30 Leuten pro Team: Autogramme und Selfies sind verboten, Interviews finden nur am Start und am Ziel in zugewiesenen Boxen mit zwei Metern Sicherheitsabstand statt.
deutschlandfunk.de

ARD-Kamerateam wurde in Minsk festgenommen.

Belarus: Die Polizei in Minsk hat am Freitag zwei russische Kameraleute und einen belarussischen Producer, die für die ARD arbeiten, in einer Polizeistation festgehalten. Die beiden Russen wurden des Landes verwiesen. WDR-Fernsehdirektor Jörg Schönenborn spricht von einem "absolut inakzeptablen" Vorfall. Auch Journalist*innen von AFP, AP und der BBC wurde die Arbeitserlaubnis entzogen.
presseportal.de

Hör-Tipp: Gabor Steingart veröffentlicht seine “Lage der Nation” auch als Hörbuch.

Hör-Tipp: Buch-Bekanntmachung: Gabor Steingart rührt cross­medial die Werbetrommel für sein Buch Die unbequeme Wahrheit. Rede zur Lage unserer Nation. In einer Podcast-Extra-Ausgabe liest Steingart 20 Minuten aus seinem Werk, in dem er u.a. mehr Investitionen in die Digitalisierung fordert. "Bild" veröffentlicht vorab Auszüge aus dem Buch - offenbar kommt hier die "strategische Partner­schaft" zum Zuge, die Springer mit der Beteiligung an Steingarts Firma Media Pioneer eingegangen ist.
dasmorningbriefing.podigee.io (22-Min-Audio)

Wirecard: Gegen die Investigativ-Journalisten wird weiter vermittelt.

Wirecard: Die Münchner Staatsanwaltschaft ermittelt nach wie vor wegen des Verdachts der Marktmanipulation gegen die Journalisten Stefania Palma und Dan McCrum, schreibt Kai-Hinrich Renner. Sie haben den Bilanzskandal um den Finanzdienstleister enthüllt und Unstimmigkeiten bei Wirecard früh bemerkt. 2019 hat die Bafin sie angezeigt und vorher das ihr übergeordnete Finanzministerium über die geplante Anzeige informiert. Das Ministerium habe sich bisher nicht vom Vorgehen der Bafin distanziert, schreibt Renner.
berliner-zeitung.de, turi2.de (Background)

Ungarn: Journalist*innen gründen neues Nachrichtenportal.

Ungarn: Die Journalist*innen, die bisher für die Nachrichtenseite Index.hu arbeiteten, planen ein neues, unabhängiges Nachrichtenportal. Der regierungskritische Chefredakteur des Portals, Szabolcs Dull, war entlassen worden, fast die gesamte Redaktion hat daraufhin aus Sorge um die Pressefreiheit gekündigt. In Ungarn stehen mehr als 80 % der Medien direkt oder indirekt unter Regierungskontrolle, schätzt das Investigativportal Atlatszo.
sueddeutsche.de, turi2.de (Background)

Neuer Tarifvertrag erlaubt Zeitschriftenverlagen in Notlage Einsparungen beim Personal.

Zeitschriftenverlage können für einen begrenzten Zeitraum die Arbeitszeit ihrer Beschäftigten sowie Urlaubs- und Weihnachtsgeld reduzieren, wenn sie sich in einer nachgewiesenen wirtschaftlichen Notlage befinden. Darauf haben sich DJV und Verdi mit dem Verlegerverband VDZ geeinigt. Im Gegenzug müssen die Verlage auf betriebsbedingte Kündigungen verzichten und sind aufgefordert, die Aufträge an Freie nicht zu kürzen. Der Tarifvertrag zur Beschäftigungs­sicherung gilt ab September und läuft bis Ende 2021.
djv.de, vdz.de

Belarus: Staatlicher Rundfunk bekommt Personalprobleme.

Belarus: Dem staatlichen Fernsehen "laufen wichtige Mitarbeiter sowie vor allem das jüngere Publikum davon", beobachtet Frank Nienhuysen. Angestellte der staatlichen Rundfunkanstalt BT fordern, keine staatlich manipulierten Informationen mehr zu senden, Unternehmen stornieren die Werbung bei staatlichen Sendern. Präsident Alexander Lukaschenko (Foto) habe indes Russland "für alle Fälle um zwei, drei Gruppen von Journalisten" gebeten.
sueddeutsche.de, turi2.de (Background)

“Spiegel”: Russische Söldner spionierten CNN-Team aus.

Liebesgrüße aus Moskau: CNN-Journalist*innen sollen 2019 bei Recherchereisen in die Zentralafrikanische Republik von russischen Söldnern ausgespäht worden sein. "Spiegel", "Bellingcat" und "The Insider" berufen sich auf ein Dokument, das die Absicht zur Komplettüberwachung des CNN-Teams belegt. Jeder öffentliche Schritt der Gruppe um Chefkorrespondentin Clarissa Ward wurde überwacht, ihr Hotelzimmer mit versteckten Kameras ausgespäht und das Material in einer Desinformationskampagne genutzt. Die Journalist*innen wollten u.a. die Aktivitäten russischer Söldner im Land untersuchen. Hinter der Überwachung soll Putin-Freund Jewgeni Prigoschin stehen.
spiegel.de, bellingcat.com (Englisch)

RBB Kultur will offenbar vor allem bei freien Mitarbeitern sparen.

RBB Kultur will seinen Sparkurs offenbar vor allem auf Kosten von freien Mitarbeiter*innen durchziehen, schreibt Kai-Hinrich Renner. Eine interne Liste bündelt Formate, die gestrichen werden sollen - etwa diverse Ausgaben der "Kulturnachrichten". "Über 80" Personen seien bei RBB Kultur frei, aber arbeitnehmerähnlich beschäftigt; für 40 bis 50 von ihnen ist der RBB der wichtigste Auftraggeber. Der Sender dementiert, dass nur bei Freien gespart wird.
berliner-zeitung.de

Hochrangige Mitarbeiter verlassen das Team der “Ellen DeGeneres Show”.

Ellen Mann von Bord! Die beiden Produktionsleiter Ed Glavin und Jonathan Norman sowie Autoren-Chef Kevin Leman verlassen das Team der "Ellen DeGeneres Show". Damit reagieren die drei offenbar auf die Entscheidung der Produktionsfirma Warner Bros., an anderen führenden Produktionsmitgliedern festzuhalten. Zuvor hatte die Firma die Arbeitsbedingungen untersucht, nachdem Medien über "ein "toxisches Klima" am Set berichtet hatten.
faz.net, variety.com, turi2.de (Backgroud)

Erneut wurde ein Journalist bei einer Corona-Demo angegriffen.

Pressefreiheit: Am Rande einer Demonstration gegen die Corona-Maßnahmen wurde in Hamburg ein freier Kameramann attackiert. Demo-Teilnehmer beschimpften den Reporter und schlugen ihn anschließend gar mit Fäusten. Er trug eine Platzwunde davon. Schon in der Vergangenheit war es bei Demonstrationen gegen die Corona-Regeln zu verbalen und teils körperlichen Angriffen auf Journalist*innen gekommen.
ndr.de

Renner: Befunde der “Spiegel”-Kommission belasten Leyendecker kaum.

Keine Angst vor der Wahrheit: Die "Spiegel"-Kommission findet "wenig Belastendes" gegen Ex-Reporter Hans Leyendecker (Foto), schreibt Kai-Hinrich Renner. Ein abschließender Bericht soll laut einem "Spiegel"-Sprecher bis September öffentlich gemacht werden. Leyendecker wird vorgeworfen, 1993 in einem Artikel über einen Polizei-Einsatz gegen die RAF in Bad Kleinen einen Informanten erfunden zu haben.
berliner-zeitung.de

Wir graturilieren: Roland Hag wird 57.

Wir graturilieren: Roland Hag, Chefredakteur der Zeitschriften "Neue Frau" und "Woche der Frau", feiert heute seinen 57. Geburtstag - morgens mit einem Frühstück im Kreise der Familie und tagsüber bei Klambt. Am Abend stößt er mit seiner Frau auf den Ehrentag an -"ist ja keine besondere Zahl und außerdem mitten in der Woche", sagt Hag. Im abgelaufenen Jahr war die Zeit mit seinen vier Kindern das persönliche Highlight von Hag. Im neuen Lebensjahr wünscht er sich, gesund zu bleiben sowie "Erfolg auf der ganzen Linie". Gratulationen sind auf allen Wegen willkommen - beispielsweise per E-Mail.

Tanit Koch hat bei der Besetzung der Ressortführung auf Führungskultur geachtet.

RTL: Der Auswahlprozess der neuen Ressortleiter*innen war in seiner Art für Medienhäuser ein "ziemlich einzigartiger Prozess", sagt Chefredakteurin Tanit Koch im Deutschlandfunk. Die Mediengruppe habe die Bewerber*innen in Assessmentcenters nicht nur auf die journalistische Kompetenz hin geprüft. Vielmehr habe man sich entschlossen auch "auf die Führungskultur und -kompetenz" zu schauen. Die neue Struktur soll Know-how nicht nur für einzelne Sendungen verfügbar machen, sondern formatübergreifend. Die neue Herausforderung sei es "die Alleinstellungsmerkmale der Sendungen und der Plattformen" herauszuarbeiten.
deutschlandfunk.de, turi2.de (Background)

Der DJV warnt Freie vor Burda-Verträgen.

Burda bekommt Gegenwind vom DJV. Der Journalisten-Verband warnt freie Journalist*innen vor Burda-Verträgen, weil diese "unfaire Regelungen für Freelancer enthalten". Konkret geht es insbesondere um eine "in der Höhe unbeschränkte finanzielle Haftung für Inhalte" sowie Vorgaben für die Herausgabe von Arbeitsunterlagen. Die seien "mit dem journalistischen Quellenschutz nicht vereinbar". Burda entgegnet, der Rahmenvertrag für freie Mitarbeiter stelle „eine gute Grundlage für eine faire und vertrauensvolle Zusammenarbeit“ dar und werde bereits „von vielen Hundert Freelancern akzeptiert“. Es gebe seit eineinhalb Jahren keine Probleme in der Anwendung. Der Verlag stehe aber bereit „Fragen und Missverständnisse“ im direkten Gespräch mit dem DJV aufzuklären.
djv.de, djv.de (Vetrags-Details)

Bahn-Kommunikationschef Schumacher wettert gegen “das System Manager Magazin”.


Er hält 'nen Rant: "Hybris", "Selbstüberschätzung" und "elitäres Gehabe" kennzeichnen das "System Manager Magazin", schimpft Oliver Schumacher, als Kommunikationschef der Deutschen Bahn häufig schmerzgeplagt durch negative Artikel der Hamburger. In einer "Gast-Polemik" für den PR-Report schreibt Schumacher, "Manager Magazin"-Redakteure sähen sich "als Mittelpunkt der deutschen (Wirtschafts-)Publizistik" und reagierten "beleidigt, ja aufrichtig pikiert", wenn sie die neue Konzernstrategie oder spannende Personalien "nicht exklusiv" präsentiert bekämen.

In seinem Offline-Rant wettert Schumacher, die Weltsicht des "Manager Magazin" sei "bemerkenswert simpel": Es sei "ganz egal", was auf der Welt auch geschehe: "Schuld sind meist nur wenige Vorstände und/oder Aufsichtsräte". Zum "System Manager Magazin" gehöre auch das "Kalkül": "Wer exklusive Informationen liefert, wird eher in Ruhe gelassen, mit ein bisschen Glück sogar hofiert." So fuße ein Großteil der Berichte "auf anonymen Quellen".

Es gehöre zur Wahrheit, dass "Selbstüberschätzung und elitäres Gehabe" der "Manager Magazin"-Redakteure "bisweilen in deutschen Chefetagen verfangen": "Da zittern millionenschwere Top-Manager, denen die Alphatier-Gene ansonsten aus jedem Knopfloch tropfen, allen Ernstes vor Veröffentlichung vermeintlicher oder tatsächlicher Insider-Geschichten." Das Zittern sei aber "kaum nachzuvollziehen, denn die MM-Berichte über die Deutsche Bahn haben im vergangenen Jahrzehnt in der Regel nur eines ausgelöst: Schweigen in anderen Medien". Die Artikel versendeten sich nach seiner Erfahrung meist "im medialen Nichts".

Schumacher hält für sich und seine leidgeplagten Kolleg*innen aber auch Trost bereit: Die Auflage des "Manager Magazin" sei ja eher "mickrig" (laut IVW sind es im 2. Quartal 2020 immerhin 97.026 verkaufte Exemplare). "All die Häme und Schadenfreude" erreichten wohl eher "den stellvertretenden Abteilungsleiter Dieter Durchschnitt", der sich durch das "Manager Magazin" bestätigt fühle, "dass die da oben eh keine Ahnung haben".
prreport.de (Paid), turi2.de/koepfe (Profil von Schumacher), turi2.tv (Video-Interview mit Schumacher aus dem Juni 2020)

“stern”-Chefredakteur Florian Gless startet wöchentliche Kolumne.

stern bekommt eine neue Kolumne. Unter dem Titel "Ach Mensch" schreibt ab der aktuellen Ausgabe 33/2020 Chefredakteur Florian Gless über gesellschaftliche Entwicklungen. Die Kolumne tritt die Nachfolge der von Hans-Ulrich Jörges an, dessen "Zwischenruf aus Berlin" vergangene Woche zum letzten Mal nach 18 Jahren erschienen ist
guj.de, turi2.de (Background)

Warner Media untersucht die Show von Ellen DeGeneres.

Be (un)kind: Warner Media untersucht die Arbeitsbedingungen der Ellen DeGeneres-Show, einer der erfolgreichsten Sendungen im US-Fernsehen. Laut Ex-Mitarbeiter*innen habe am Set ein "toxisches Klima" geherrscht, auch rassistische Äußerungen seien gefallen. Die Vorwürfe richten sich vor allem gegen drei Produzenten, aber auch DeGeneres selbst soll ihrer "Feel-Good-Marke nicht gerecht werden". Warner will aktuelle und ehemalige Angestellte dazu interviewen.
faz.net, variety.com

Hans-Ulrich Jörges hört auf mit seiner “stern”-Kolumne.

stern: Hans-Ulrich Jörges, 68, verabschiedet sich endgültig. Seine aktuelle Kolumne ist die letzte. 18 Jahre lang verfasste er seinen "Zwischenruf aus Berlin". "Es ist Zeit zu gehen", schreibt er in seinem letzten Text. Seit 2017 ist das "stern"-Urgestein nur noch Kolumnist, davor gehörte er zehn Jahre lang der Chefredaktion an.
stern.de, turi2.de (Background)

Ungarns regierungskritisches Portal Index droht die Unabhängigkeit zu verlieren.

Pressefreiheit: Das reichweitenstarke Nachrichtenportal Index, eines der letzten regierungskritischen Medien Ungarns, droht die Unabhängigkeit zu verlieren, berichtet Deutschlandfunk. Der Unternehmer Miklos Vaszily hat 50 % der Anteile des Anzeigen-Vermarkters gekauft - er steht Ministerpräsident Viktor Orban (Foto) nahe. Der regierungskritische Chefredakteur Szabolcs Dull wurde entlassen.
tagesschau.de