“Hamburger Morgenpost”: Reporter-Unikat Volker “Schimmy” Schimkus geht in Rente.

Schimmy sagt Tschüss: Chefreporter Volker Schimkus, 66, geht nach 25 Jahren bei der "Hamburger Morgenpost" in den Ruhestand. Der gelernte Dekorateur und Siebdrucker ist bekannt für seine waghalsigen Foto-Positionen und seine schrillen Anzüge. Er liebt es, als Reporter "in die extremsten Situationen hineinzugehen", sagt er dem NDR-Medienmagazin "Zapp". Als freier Fotograf will er weiterarbeiten.
ndr.de, mopo.de

Wir graturilieren: Georg Meck wird 52.


Wir graturilieren: Georg Meck, Ressortleiter Wirtschaft sowie Geld & Mehr bei der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung", feiert heute zusammen mit seiner Familie an der Ostsee seinen 52. Geburtstag. Eine eigene Party muss Meck nicht schmeißen – er ist praktischerweise zur Feier des runden Geburtstages einer Freundin eingeladen.

Das Beste am abgelaufenen Jahr war, dass ihn "niemand genötigt hat, bei stürmischer See ein wackliges Segelboot zu besteigen". Für das neue Lebensjahr soll das auch genau so bleiben – "gerade bei der Feier an der Küste". Gratulationen erreichen Meck an der Ostseeküste auf allen Wegen, z. B. per Mail.

Klick-Tipp: “Zapp” beschäftigt sich monothematisch mit Relotius-Nachwehen.

Klick-Tipp: Den Fall Relotius und die Folgen für den Journalismus beleuchten Inga Mathwig und Daniel Bouhs am Mittwochabend bei "Zapp". Im Interview lobt etwa Julia Jäkel die Aufarbeitung und fordert allgemein "über unsere Standards nachzudenken".
ndr.de, NDR Fernsehen, 23.20 Uhr

Aus dem turi2.tv-Archiv:
"Mehr Rechte für die Dokumentation" – Relotius-Aufklärerin Brigitte Fehrle im Interview (Archiv 05/2019).


Zitat: Bascha Mika reagiert auf einen tätlichen Angriff gegen ihren Kollegen Danijel Majic.

Bascha Mika, Chefredakteurin der Frankfurter Rundschau"Wenn, was sich abzeichnet, die Nationalisten und Rechtsextremen stärker werden, können wir uns ausrechnen, was daraus folgt. Nicht nur für den kritischen Journalismus."

Bascha Mika, Chefredakteurin der "Frankfurter Rundschau", reagiert in einem Kommentar auf den tätlichen Angriff gegen "FR"-Reporter Danijel Majic in Österreich am Wochenende. Die Redaktion wisse zwar, wie schnell Hetze in Gewalt umschlagen kann – es sei jedoch "besonders erschreckend, wenn es tatsächlich passiert".
fr.de, fr.de (Background)

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Print lebt – und wie! Das wollen wir, 14 junge Journalist*innen vom ifp, euch zeigen. Wir produzieren zum Abschluss unserer Ausbildung ein gedrucktes Magazin. "Bauer" wird es heißen. Denn: Stadt und Land trennt ein immer tieferer Graben. Selten hört man von denen, die das Bindeglied sind zwischen urbanem und ländlichem Raum und auf die wir alle angewiesen sind: den Bauern.
Hilf mit und crowdfunde unser Magazin!

Kai-Hinrich Renner: G+J hat die “FTD”-Texte von Claas Relotius bislang nicht geprüft.


Causa Relotius: Gruner + Jahr hat die "FTD"-Texte von Claas Relotius bisher nicht überprüft, schreibt Kai-Hinrich Renner. Herausgefunden haben das Studierende des Studiengangs Journalistik der Universität Hamburg. Zwischen 2010 und 2012 habe Relotius der "Financial Times Deutschland" insgesamt zehn Artikel geliefert. Zu dieser Zeit war der heutige "Spiegel"-Chef Steffen Klusmann Chefredakteur der inzwischen eingestellten "FTD".

Die genauen Ergebnisse der Studie der Uni Hamburg wollen die Forscher am Freitag bei Message Online zur Verfügung stellen. Sicher sei jedoch, dass die "FTD"-Geschichten von Relotius "mehr als nur Ungereimtheiten" enthalten, so Professor Volker Lilienthal. Bei einigen Texten gebe es "Indizien für Zudichtungen".

Ein Sprecher von Gruner + Jahr erklärt, dass die Texte bis zur Klärung nun im Archiv gesperrt wurden. Laut Renner sei die Reportage "Beat über Bethlehem" aber noch immer in der Datenbank Genios für 3,21 Euro verfügbar.
abendblatt.de (Paid)

Update, 17.05. um 11:30 Uhr: Bei Message Online ist die Relotius-Untersuchung erschienen.
message-online.com

Aus dem turi2.tv-Archiv: "Spiegel"-Chef Steffen Klusmann über den Relotius-Skandal (Archiv 12/2018).

BBC macht große Schritte hin zum ausgeglichenen Geschlechterverhältnis.

BBC-Logo-150x150BBC macht große Fortschritte bei der Gendergerechtigkeit. Vor einem Jahr war ein freiwillige Projekt gestartet – 500 BBC-Teams haben sich beteiligt. Damals hatten lediglich 27 % der Teams ein ausgeglichenes Geschlechterverhältnis in Beiträgen, im April 2019 waren es bereits 74 %. Auch in der Sportredaktionen und bei BBC Arabic gleiche sich das Verhältnis an.
sueddeutsche.de

Auch “Der Kritiker” Georg Diez verlässt den “Spiegel”.

Spiegel verliert nach dem Kolumnisten Jan Fleischhauer auch Georg Diez (Foto) zu Ende September. Er ist seit neun Jahren Kultur-Autor und war bis September 2018 "Der Kritiker" auf Spiegel Online. Diez will neue Formate entwickeln, "die die Lücke zwischen medialem, akademischem und politischem Diskurs schließen". 2016 und 2017 forschte Diez bereits als Nieman Fellow in Harvard zur Journalismus-Zukunft.
turi2 - eigene Infos, turi2.de (Fleischhauer)

Zitat: Armin Wolf bringt zum Schutz vor Fake-News-Vorwürfen Quellen physisch mit zu Interviews.

"Neu ist in den letzten Jahren, dass ich die Zitate nicht nur suche, sondern auch physisch mitbringe, in Form von tatsächlichen Zeitungen."

ORF-Anchor Armin Wolf erklärt im Gespräch mit Holger Gertz, wie sich seine Arbeit in den letzten Jahren verändert hat. Wolf habe sich sogar Mitschnitte von Interviews schicken lassen, die er zitieren wollte – vor allem FPÖ-Politiker bestritten Zitate sonst einfach.
"Süddeutsche Zeitung", S. 3

Lese-Tipp: Julia Bönisch macht sich mit ihrem Text im “Journalist” keine Freunde, beobachtet Anne Fromm.

Lese-Tipp: Julia Bönisch, Chefredakteurin von SZ.de, hat sich mit ihrem Gastbeitrag im "Journalist" intern keine Freunde gemacht, beobachtet Anne Fromm. Kollegen und Betriebsrat hätten sich nach dem Text, der u.a. internen Konflikte thematisiert, von ihr distanziert. Bönisch spricht sich auch dafür aus, Redaktion und Verlag nicht mehr so strikt zu trennen. In vielen Medien ist das – Digitalisierung hin oder her – ein absolutes No-Go. In der SZ ist jene Trennung seit den 70er Jahren im Redaktionsstatut verankert, vereinbart wurde sie einst von Redaktion und Verlag. Der Betriebsrat sehe in dieser Forderung eine Verletzung des Redaktionsstatuts.
taz.de

Polnische Medien berichten von Einschüchterungsversuchen seitens der Regierung.

Pressefreiheit: Polens nationalpopulistische Partei PiS setzt Medien unter Druck, beobachtet Florian Hassel. Kritische Anfragen wie von der Zeitung "Gazeta Wyborcza" blieben häufig unbeantwortet, Anzeigenkunden würden unter Druck gesetzt. Das Kulturministerium wolle Medien aufspalten, betroffen wären auch deutsche und US-Beteiligungen. Die Sorge vor ausländischer Kritik habe entsprechende Gesetze bisher verhindert.
"Süddeutsche Zeitung", S. 21 (Paid), turi2.de (Background)

Türkei widerspricht Folter-Vorwürfen von Deniz Yücel.

Pressefreiheit: Das türkische Außenministerium widerspricht dem Vorwurf des Journalisten Deniz Yücel (Foto), er sei während seiner Haft gefoltert worden. "Internationale Mechanismen" könnten die Freiheit in der Türkei überprüfen, kontert eine Erklärung aus Ankara die Mahnung des deutschen Außenministeriums zur Einhaltung der Anti-Folterkonvention der Vereinten Nationen.
zeit.de, turi2.de (Background)

Hör-Tipp: CvD von Spiegel Online spricht über pointierte Überschriften.

Hör-Tipp: Levin Kubeth spricht im Podcast mit Janko Tietz, Chef vom Dienst bei Spiegel Online, über über die Kunst der Überschrift. Tietz erzählt unterhaltsam aus der SpOn-Praxis von gelungenen und übergeigten Überschriften und macht klar, warum Überschriften online und in Social Media so wichtig sind.
anchor.fm (49-Min-Audio)

“Welt”: “Spiegel”-Redakteure sind uneins über Klusmann-Reformen und Relotius-Konsequenzen.


Claas halb leer: Der "Spiegel" kommt angesichts des Relotius-Skandals und des Umbaus zur integrierten Print-Online-Redaktion nicht zur Ruhe, skizziert Per Hinrichs in der "Welt am Sonntag" nach Gesprächen mit "Spiegel"-Mitarbeitern. "Altgedienten Heft-Journalisten" seien Klusmanns "Ton und Tempo" nicht geheuer. Andere lobten Klusmanns "Pragmatismus und Eloquenz".

Der Schock aus dem Fälschungsfall Claas Relotius sei intern noch nicht ausgestanden. Einen "umfassenden Freispruch" für Relotius' Ressortleiter Ullrich Fichtner habe Chefredakteur Steffen Klusmann nach internem Druck wieder kassiert. Dem Buch von Relotius-Enthüller Juan Moreno sehe Klusmann gelassen entgegen: Lieber solle es Moreno schreiben als "irgendein Honk". Gegangen ist nach dem Skandal, außer Relotius, bisher nur einer: Der Dokumentar, der für die Relotius-Faktenchecks zuständig war, ging in den Vorruhestand.
"Welt am Sonntag", S. 34 (Paid), turi2.de (Background)

Mitarbeit: Dirk Stascheit

Aus dem turi2.tv-Archiv: "Spiegel"-Chef Steffen Klusmann über den Relotius-Skandal (Archiv 12/2018).

Türkei geht gegen drei regierungskritische Journalisten vor.

Pressefreiheit: Drei regierungskritische Journalisten sind in der Türkei festgenommen worden, meldet die dpa. Es handele sich um Canan Coskun (Foto), Zeynep Kuray und Irfan Tunccelik. Coskun, Ex-Reporterin bei "Cumhuriyet", sei nach Zahlung einer zuvor auferlegten Geldstrafe mittlerweile wieder frei. Kuray und Tunccelik seien am Freitag während ihrer Berichterstattung zur Kundgebung der Oppositionspartei HDP festgenommen worden.
faz.net, turi2.de (Background)

Aussage: Deniz Yücel wurde während seiner Haft in der Türkei drei Tage lang gefoltert.


Free Deniz: Deniz Yücel ist während seiner Haft in der Türkei gefoltert worden, erklärt der Journalist in einer Aussage vor dem Amtsgericht in Berlin. Im Gefängnis Silivri bei Istanbul sei der "Welt"-Korrespondent durch Vollzugsbeamte geschlagen, getreten, erniedrigt und bedroht worden. Die Schuld sieht Yücel direkt beim türkischen Präsidenten – seine Folter sei "womöglich auf direkte Veranlassung des türkischen Staatspräsidenten oder dessen engster Umgebung, auf jeden Fall aber infolge der Hetzkampagne, die er begonnen hatte und unter seiner Verantwortung" geschehen.

Die Beamten hätten ihn als "Vaterlandsverräter" und "deutschen Agenten" beschimpft. Tritte gegen die Füße und Schläge auf Brust und Rücken hätten weniger auf körperliche Schmerzen als auf Erniedrigung und Einschüchterung abgezielt. Yücel habe die Folter bereits in seiner Beschwerde vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte öffentlich gemacht.
spiegel.de

“Fridays for Future”-Organisatorin kritisiert Journalisten.

Journalismus: "Fridays for Future"-Organisatorin Luisa Neubauer kritisiert in einem Gastbeitrag in der neuen "Zeit" die Berichterstattung vieler Politikjournalisten. Der politische Journalismus befasse sich statt mit der Klimapolitk der Bundesregierung lieber mit den Schulstreiks und der Bewegung, über die "in jeder Schattierung ausführlich" berichtet werde.
zeit.de (Vorabmeldung)

Debatte: Frank Dopheide will seinen Ex-Chef Steingart “mit Argusaugen beobachten”.


Frank Dopheide, Sprecher der Geschäftsführung der Handelsblatt Media Group, zollt seinem früheren Weggefährten Respekt: Der habe "wahre Fans" und "kreativen Geist". Und tue gut daran, nicht auf Werbung setzen.

"Wenn Gabor Steingart 'Ideenreichtum' zur Grundlage für neuen Journalismus und ein neues Geschäftsmodell macht, klingt das stimmig für einen kreativen Geist und ist allemal eine gute Geschichte, die schon vom Start weg für Interesse und Diskussionsstoff sorgt, mehr als es ein ambitionierter Businessplan je könnte. Das hat sich schon mal ausgezahlt.

Die großen Unternehmenslenker lieben es, ihre Botschaften über die Leitmedien zu verbreiten und shiften gleichzeitig ihr Werbebudget in die Billigkanäle. Jeder Mediengründer ist gut beraten, seine Zukunft nicht darauf zu bauen. Das hilft auch bei der Fokussierung.

Die tägliche Relevanz und die Nähe zum Leser/Hörer/Teilnehmer sind die Punkte, an denen sich Businessplan und Zukunft entscheiden. Gabor Steingart hat nicht nur Leser, sondern wahre Fans. Es könnte klappen. Wir werden es mit Argusaugen beobachten."

Debatte: Patrick Kammerer will Papier und Werbung noch nicht einmotten.


Patrick Kammerer, Coca Colas Kommunikator im deutschen Markt, reagiert auf die Worte des vom Werbeglauben abgefallenen Gabor Steingart.

"Etwas zu verliebt in die eigene Formulierkunst, der Herr Steingart. Dabei lieben wir ihn doch schon genug.

Nicht zuletzt klingen seine Thesen - legitimerweise – angetrieben von den eigenen Geschäftsinteressen.

Denn selbstverständlich erlaubt Papier den Dialog. Schon mal (Leser-) Briefe geschrieben? Es ist auch nicht 'prähistorisch', sondern allenfalls historisch. Wie etwa das Grundgesetz oder der Pressekodex, die beide alt und nach wie vor aktuell sind.

Wenn Werbung 'ein Übers-Ohr-Hauen von Leserinnen und Lesern' wäre, gälte das ebenso für jedes meinungsstarke Stück, das als journalistischer Bericht daherkommt. Gute Medien, gedruckt oder online, bestehen jeden Test zur Trennung von Redaktion und Anzeigen. Wie auch von Meinung und Bericht."

Chefredakteur Michael Bröcker verlässt die “Rheinische Post”.

Rheinische Post und Chefredakteur Michael Bröcker gehen Ende September nach 15 Jahren getrennte Wege. In einer internen Mitteilung schreibt Bröcker, dass er künftig "an verantwortlicher Stelle mit starken Partnern ein neues digitales Angebot im Journalismus" aufbauen werde. Worum es sich genau handelt, verrät er nicht. Michael Bröcker ist seit Anfang 2014 Chefredakteur der "Rheinischen Post". Informationen zur Nachfolge gibt es noch nicht.
per Mail, horizont.net

Ohne Print und Werbung: Reaktionen auf das Steingart-Interview von turi2.tv.

"Toll! Finde sein Morning-Briefing großartig! Er hat Mut & Energie: Go!"

Gründer-Figur Frank Thelen begrüßt via Twitter Gabor Steingarts Expansionspläne.
twitter.com, turi2.de (weitere Reaktionen)

weitere Reaktionen:

"Soweit, dass wir durch Werbung 'übers Ohr gehauen' werden, würde ich nicht gehen. Eher gilt: je mehr, desto nerviger!"

Dirk Metz, Kommunikationsberater, via E-Mail

"Steingart hat aus meiner Sicht eine Begabung für verlegerisches Handeln. Schön, dass er es jetzt hier in Berlin ausbaut. Da ist er wagemutig, ohne tollkühn zu sein."

Uwe Walter, Storytelling-Coach, via YouTube

"Ich bin seit etlichen Jahren einer seiner begeisterten Gratis-Leser – äußerst dankbar dafür – bin aber weg, wenn's Geld kostet."

Hermann K. Severin, Kommunikationsberater, via E-Mail

Hat Gabor Steingart Recht und welche Chance hat sein Kurs ohne Werbung? Mailen Sie uns Ihre Meinung an: post@turi2.de



ORF-Stiftungsratschef will regierungskritischen Moderator Armin Wolf auf Sabbatical schicken.

Pressefreiheit macht keinen Urlaub: Im Streit der FPÖ gegen den ORF legt der ORF-Stiftungsratschef Norbert Steger (Foto links) dem regierungskritischen ORF-Moderator Armin Wolf eine Auszeit nahe. "Ich würde ein Sabbatical nehmen, auf Gebührenzahler-Kosten durch die Welt fahren und mich neu erfinden," sagt Steger in der Tageszeitung "Österreich" über Wolf.

Über die umstrittenen Pläne der Abschaffung der ORF-Gebühren äußert sich der als FPÖ-nah geltende Steger nur knapp: "Ich bin primär der Meinung, es soll billiger werden für den Zahlenden." Steger vermisse bei Wolf die "Dankbarkeit" gegenüber den Gebührenzahlern. Wolf sei "ein gut bezahlter, de facto pragmatisierter Journalist", bei dem "die Eitelkeit" mit ihm durchgehe. Ein FPÖ-Politiker kritisierte den Journalisten zuvor scharf nach einem kritischen Interview.
ots.at, twitter.com, sn.at, merkur.de

Debatte: Thomas Wilde: Steingart ist vielleicht naiv und größenwahnsinnig – aber er verdient Respekt!


Ist Gabor Steingart naiv? Größenwahnsinng? Kann er ein Geschäftsmodell ohne Abo und Werbung etablieren? Thomas Wilde, Gründer der PR-Agentur Wilde & Partner, traut es ihm durchaus zu: Er "verdient Respekt", denn "den Mutigen gehört die Welt". (Foto: Wilde & Partner / Michael Englert für turi2.de/edition2)

"Die Frage wird sich so mancher gestellt haben, der am Morning Briefing von Gabor Steingart Gefallen gefunden hat und den Podcast so schätzt, dass er morgens regelrecht darauf wartet: Welches Geschäftsmodell steckt eigentlich hinter dem (bislang) kostenlosen und werbefreien Informationsangebot?

Da scharrt ein allseits hochgeschätzter Journalist und Autor mit nachweislich kaufmännischem Background und entsprechenden Ambitionen aus "der Mitte der Gesellschaft" eine Gruppe von Medienschaffenden um sich und startet ein Mediengeschäft – wie er selbst sagt – "ohne Plan, aber mit Business-Plan", will nichts von klassischen Abos wissen, erteilt der herkömmlichen Werbung und dem Produkt Print eine deutliche Absage, sieht sich aber auch nicht als Experimentier-Labor für einen möglichen Investor aus dem Kreis der Großverlage.

Und kündigt gegenüber Peter Turi in einem unterhaltsamen Interview über eine Dreiviertelstunde so nebenbei an, seine Mannschaft in Berlin von derzeit rund 20 auf 50 Mitarbeiter ausbauen und einen zweiten Standort in der Hauptstadt errichten zu wollen.

Naiv? Größenwahnsinnig? Mein erster Gedanke nach dem Interview: Warum denn nicht – warum sollte es nicht funktionieren? Und danach: In unserem Land fehlt es an mutigen Medienschaffenden, die abseits der bekannten Formeln auf die Suche nach neuen Formen des Dialogs mit dem Leser gehen und bereit sind, für ein durchaus nicht auszuschließendes Scheitern auch eigenes Geld in den Sand zu setzen. Das verdient Respekt – den Mutigen gehört die Welt. Die Debatte ist eröffnet.

Dank an Peter Turi für das aufschlussreiche Gespräch. So etwas ist Inspiration pur – nicht nur für den Moment an einem Sonntagvormittag."

Debatte: Christoph Schwennicke gibt Gabor Steingart recht – aber nur in Teilen.


Gabor Steingart will den Journalismus der Zukunft ohne Papier und Werbung realisieren (Text, Video und Podcast hier). Christoph Schwennicke, Verleger von "Cicero" und "Monopol" widerspricht in Teilen und warnt: "Wer Geld gibt, will Einfluss nehmen" - auch bei Steingarts Medienprojekt.

"Was Gabor Steingart sagt, ist immer interessant und immer schön markant. Seine Aussagen zum Papier teile ich gleichwohl nicht. Es wird weiter einen Markt für inhaltlich, optisch und haptisch reizvolle Magazine geben. Nicht mehr den Massenmarkt. Aber jenen, den sich Vinyl gerade von der CD zurückerobert. Wie bei der Musik wird es Vinyl geben und Streamingdienste, aber keine CD mehr. Heißt: Es wird weiter Feinkost-Magazine geben, aber keine Papier-Massenware mehr - und es wird die digitalen Kanäle geben, wie Gabor Steingart gerade einen auf- und ausbaut.

Dass wir besser mit unserer originären Dienstleistung (Inhalte) als über den Umweg Werbung unser Geschäft finanzieren, teile ich uneingeschränkt. Deshalb sind wir auch so froh mit dem Aufwuchs von Cicero Plus und unseren digitalen Abos. Da hat sich was verändert in der Bereitschaft der Nutzer, für guten Stoff auch im Netz zu bezahlen. Spotify und Netflix wirken hier.

Die Frage ist nur: Reicht das mittelfristig fürs Geschäftsmodell? Und wie verhält es sich mit den anderen Geldgebern, von denen er spricht: Ich wünsche Gabor Steingart wirklich, dass er Partner und Investoren findet, die Geld geben, ohne sich inhaltlich einzumischen. Unsere Erfahrung ist bei Sondierungen immer eine andere: Wer Geld gibt, will Einfluss nehmen. So einfach ist das. Und so verständlich irgendwo auch. Deshalb sind wir froh und dankbar, dass sich in den drei Jahren unserer Selbständigkeit der Res-Publica-Verlag ohne fremde Hilfe trägt."

Meinung: Die “heute-show” ist humorlos, aber Ernstes wird verlacht.

Satire: Karnevalswitze werden zu ernst genommen, Regierungserklärungen aber verlacht, beobachtet Hajo Schumacher. Die "heute-show" sei humorloser als eine Pressekonferenz mit Peter Altmaier. Glaubwürdigkeit habe wie im Journalismus weniger mit den Inhalten als mit dem Personal zu tun - so auch bei der Standup-Künstlerin Enissa Amani.
morgenpost.de, turi2.de (Background)

Meinung: Ohne “Spiegel”-Aufschrei hätte Enissa Amani keine Schlagzeilen gemacht.

Satire darf alles, aber nicht alle dürfen Satire, beobachtet Leo Fischer, Ex-Chefredaktur von "Titanic". Hätte sich "Spiegel"-Autorin Anja Rützel nicht als Opfer inszeniert, hätte es Enissa Amanis (Foto) Kritik nie in die Schlagzeilen geschafft. Satire von Menschen mit ausländisch-klingenden Namen werde in Deutschland immer noch zu wenig ernst genommen.
neues-deutschland.de, turi2.de (Background)

Spanische rechtspopulistische Partei ignoriert kritische Presseanfragen.

Pressefreiheit: Die rechtspopulistische spanische Partei Vox ignoriert Anfragen von kritischen Medien, schreibt Reiner Wandler. Wahlprognosen trauen der Partei ein zweistelliges Ergebnis bei den anstehenden Parlamentswahlen zu. Autoren der größten spanischen Tageszeitung "El País" würden als "Manipulatoren" beschimpft, die Fake News verbreiteten.
taz.de

Angeklagter im Mordfall Kuciak hat Journalisten bespitzeln lassen.

Slowakei: Marian Kocner, der Geschäftsmann, der den Mord an Jan Kuciak und seiner Verlobten beauftragt haben soll, ließ systematisch Journalisten ausspähen. Mindestens sechs Leute, u.a. ein Ex-Geheimdienstagent, haben für ihn gespitzelt. Kuciak hatte vier Monate vor seiner Ermordung versucht, Kocner bei der Polizei anzuzeigen. Sie wies ihn ab.
sueddeutsche.de, turi2.de (Background)