Debatte: Igor Levit verteidigt Claudia Roth im Documenta-Streit.

Springt in die Bresche: Star-Pianist Igor Levit findet es "ekelhaft", dass Kultur­staats­ministerin Claudia Roth im Documenta-Streit unterstellt wird, sie sei im Kampf gegen Anti­semitismus nicht eindeutig. "Judenhass ist Menschen­hass. Was dieses Prinzip angeht, ist Claudia Roth die mensch­gewordene Eindeutigkeit", sagt er dem "Spiegel". Er vermutet, dass deshalb Roth angegriffen wird, weil sie "eine der letzten Vertreterinnen der Generation Multikulti" sei.
spiegel.de (Paid), turi2.de (Background)

Sparkassen knüpfen künftiges Documenta-Sponsoring an Bedingungen.


Wenn's um Kunst geht, Sparkasse: Die Sparkassen wollen ihr Sponsoring der Kunst­ausstellung Documenta nach dem Antisemitismus-Skandal nur unter Bedingungen fortsetzen. Dabei gehe es "über aktuelle Personal­entscheidungen hinaus" um "kraftvolle Veränderungen", teilt der Deutsche Sparkassen- und Giroverband (DSGV) auf "Handelsblatt"-Anfrage mit. Das sei eine "notwenige Voraussetzung für jegliche Förderungen in der Zukunft". Was genau die Finanz­gruppe fordert, erklärt er nicht. Der oberste Lobby­verband der Sparkassen begründet die Reform-Forderung damit, dass der Skandal auch den Förderern der Documenta "erheblich geschadet" habe. Antisemitische Darstellungen seien "inakzeptabel" – dass diese gezeigt werden können, werfe "grundlegende Fragen in der Wahrnehmung der Aufgaben durch die Verantwortlichen" und im Umgang "mit den aufgetretenen Problemen" auf.

Die Kasseler Sparkasse gehört seit 1955 zu den Sponsoren der Ausstellung. Mittlerweile ist die Sparkassen-Finanzgruppe einer der Hauptpartner der Documenta – die Förderungen belaufen sich laut DSGV im sechs­stelligen Bereich. Auslöser des Skandals war ein Banner des Kollektivs Taring Padi, auf dem antisemitische Motive zu sehen waren. Die Generaldirektorin der Documenta, Sabine Schormann hatte als Reaktion auf die Vorwürfe in der vergangenen Woche ihr Amt niedergelegt.
nachrichten.handelsblatt.com, zeit.de (Paid), turi2.de (Background)

Documenta-Generaldirektorin Sabine Schormann legt ihr Amt nieder.


Kunst­freilassung: Die Documenta trennt sich von General­direktorin Sabine Schormann. Darauf einigen sich Schormann und der Aufsichts­rat der Kunst­ausstellung bei einer gemeinsamen Sitzung. Das Gremium um Kassels Oberbürgermeister Christian Geselle und Hessens Kunstministerin Angela Dorn zieht damit Konsequenzen aus dem Antisemitismus-Eklat rund um das Plakat des Künstler­­kollektivs Taring Pad auf der diesjährigen Ausstellung.

Kultur­­staats­­ministerin Claudia Roth hatte zuletzt kritisiert, dass Schormann die Aufklärung nicht "leisten kann oder will". Sie begrüßt deshalb die Entscheidung. "Es ist richtig und notwendig, dass nun die Aufarbeitung erfolgen kann", sagt Roth der "Frankfurter Rundschau". Meron Mendel, der als Antisemitismus-Berater der Documenta zurückgetreten war, sagt in den "Tagesthemen", das Handeln von Schormann "war ein Hindernis für die Aufarbeitung". Die Verantwortlichkeiten seien von Anfang an sehr "diffus" gewesen.

Für "Spiegel"-Redakteurin Ulrike Knöfel verfestigt sich der Eindruck, jeder Beteiligte habe "seine eigene Wahrheit". Sowohl Schormann als auch Roth hätten sich ständig selbst widersprochen. Zudem habe eine Findungskommission bereits 2018 entschieden, die indonesische Künstlergruppe Ruangrupa mit der künstlerischen Leitung der 15. Documenta zu beauftragen. Damals war Schormann noch gar nicht im Amt. Deshalb seien jetzt "alle Vorgänge und Akten auf den Tisch zu bringen". (Foto: Swen Pförtner / dpa / Picture Alliance)
hna.de, zeit.de, fr.de, spiegel.de, turi2.de (Background)

Debatte: Claudia Roth widerspricht Documenta-General­direktorin Sabine Schormann.

Wo ein Wille ist: Kultur­staats­ministerin Claudia Roth geht im Anti­semitismus-Skandal der documenta auf Abstand zu General­direktorin Sabine Schormann. Roth sei "sehr erstaunt und befremdet" über die Stellungnahme Schormanns vom Dienstag. Sie bezweifle, dass Schormann die Aufklärung des Plakats des Künstler­kollektivs Taring Pad "leisten kann oder will".
spiegel.de, turi2.de (Background)

Bild des Tages: Schottisches Museum entdeckt Selbstporträt von Vincent van Gogh.


Verstecktes Genie: Die Konservatorin Lesley Stevenson der National Gallery of Scotland hält das Bild "Kopf einer Bäuerin mit weißer Haube" in die Kamera, auf dem Bildschirm daneben ist ein mutmaßliches Porträt von Vincent van Gogh zu sehen. Der Maler hat sich sehr wahrscheinlich auf der Rückseite des Gemäldes selbst verewigt. Eine Zufallsentdeckung, die das Museum in Vorbereitung einer Ausstellung mithilfe von Röntgenstrahlen gemacht hat. Van Gogh hat die Rückseite von Gemälden genutzt, um Geld zu sparen. Bei der Zeichnung handelt es sich wohl um die ersten Versuche eines Selbstporträts. (Foto: Neil Hanna / National Galleries of Scotland)