In der Kolumne Mein Homescreen stellt seit August 2015 jeden Samstag ein prominenter Medien- oder Markenmacher die Startseite seines Smartphones vor. Dabei verrät er seine liebsten Apps und echte Geheimtipps, erzählt aber auch einiges über sich und seine Steckenpferde.

Mein Homescreen: Miriam Meckel.

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Miriam Meckel, Kommunikationswissenschaftlerin und Chefredakteurin der Wirtschaftswoche, trägt einen gut sortierten Werkzeugkasten zum Wahrnehmen und Präsentieren auf ihrem Startbildschirm herum - und einen Schlaftrainer.

Das Smartphone ist sozusagen meine Fernbedienung für den Alltag. Ich habe es tagsüber eigentlich durchgängig "an der Frau". Über die Apps auf meinem Homescreen organisiere ich mein Büro und auch Vieles drumherum. Im Hintergrund: der Himmel über Berlin.

Eine der wichtigsten Apps ist für mich Evernote, das ist mein Scrapbook fürs Gedankensortieren. Hier notiere ich Ideen für Geschichten, Beobachtungen, Argumente oder sammele Screenshots, die ich später nochmal brauche.

Für die Kommunikation nutze ich immer noch häufig die E-Mail. Die meisten diktiere ich direkt ins Telefon, weil das viel schneller geht als die Tipperei auf dem Screen. Gelegentlich wird aus einem "Leser" dann ein "Laser" oder aus einer "These" "Käse", aber meistens verstehen die Kolleginnen und Kollegen, was ich meine.

Das Messaging läuft bei mir hauptsächlich über Threema, weil diese App die Kommunikation verschlüsselt. Das Schweizer Startup, das WhatsApp Konkurrenz macht und als Nachrichtendienst die NSA ärgert, unterstütze ich gerne.

Auf meinem Homescreen gibt es einen ganzen Ordner für Soziale Medien. Facebook, LinkedIn, Xing nutze ich regelmäßig. Auch die Wordpress-App, um von unterwegs etwas auf meiner Website zu posten. Am wichtigsten aber ist Hootsuite, das Dashboard für verschiedene Social-Media-Anwendungen, das im Einklick-Zugriff gleich auf dem Homescreen zu erreichen ist.

Hinter dem kleinen Gehirn verbirgt sich eine Beta-App, mit der ich teste, ob man mit einer App den Schlaf beeinflussen kann. Entwickelt wird sie von einem jungen Wissenschaftler und Startup-Unternehmer aus New York. Das gehört zum Themenfeld Neuroenhancement, mit dem ich mich derzeit intensiver beschäftige.

Und dann natürlich Foto und Video, auch da gibt es einen ganzen Ordner. Meine Lieblingsapp derzeit: RoadMovies, eine kostenlose App, mit der man schnell sehr nette kleine Kurzfilme machen kann. Gerne in Kombination mit MuViBob, einer App, die noch eigene Musik zum Film hinzufügt.

In der vergangenen Woche hat Xing-Gründer Lars Hinrichs seinen prall gefüllten, aber gut sortierten Homescreen vorgeführt. Davor gewährten Jan-Eric Peters, Armin Wolf, Kai Diekmann und Ralf Ressmann Einblick in ihre Startbildschirme.

Mein Homescreen: Lars Hinrichs.

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Der Startbildschirm von Lars Hinrichs ist so prall gefüllt wie das Konto des Xing-Gründers. Anders als sein Geld teilt Hinrichs seinen Homescreen gern mit den turi2-Lesern.

Wenige Seiten, viele Apps: Der Startbildschirm auf dem iPhone 6 des Immobilienunternehmers und Xing-Gründers Lars Hinrichs ist brechend voll und gut aufgeräumt zugleich. Das ist auch nötig, denn das Telefon ist "für mich zum zentralen Computer geworden" - zum Beweis zeigt der Ladebalken von Hinrichs Akku schon mittags nur noch 44 %.

Akkurat nach Lebensdomänen kategorisiert, nehmen die Helferlein wenig Platz weg. Die wenigen direkt zugänglichen Apps sind die besonders wichtigen. Der Ordner "Home" dient dazu, dass auch aus der Ferne ein Licht aufgeht, er beinhaltet die Steuerungen für das voll vernetzte Zuhause der Hinrichs. In "Tools" versteckt sich neben allerlei Werkzeugen auch der Zugang zum Strategiespiel Clash of Clans. Pausen-Spielkind Hinrichs hat stolze 3.012 Punkte auf dem Konto.

Reise-Apps haben es dem Unternehmer besonders angetan. Beim durchorganisierten Davonfliegen helfen ihm u.a. Skyscanner, Flightradar24 und die Apps diverser Airlines. Für den Boden der Tatsachen ist u.a. der DB-Navigator an Bord. Essens-Apps bilden eine gesonderte Kategorie. Wichtig sind Hinrichs hier vor allem Yum Cha Dim Sum - eine App, die diverse chinesische Häppchen mit englischen Namen, kantonesischer Aussprache und vor allem ihrem Inhalt auflistet - "damit man das Richtige auch dann bestellt, wenn die Sprachbarriere zu groß ist".

Bei profanen Dinge wie Kommunikation helfen Facebook, Twitter ("nützlich sind vor allem die Kurzbiografien") und WhatsApp. Zur Beruhigung aller E-Mail-Aufschieber zeigt Hinrichs' Posteingang schlappe 1.119 Mails. Nicht so schlimm, denn: "Inbox Zero ist kein erstrebenswertes Ziel."

In der vergangenen Woche hat "Welt"-Chefredakteur Jan-Eric Peters seinen minimalistischen Homescreen sehen lassen. Davor gewährten Armin Wolf, Kai Diekmann und Ralf Ressmann Einblick in ihre Startbildschirme.

Mein Homescreen: Jan-Eric Peters.

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"Welt"-Herrscher Jan-Eric Peters stellt bei turi2 seinen Homescreen vor, auf dem er es genauso aufgeräumt mag, wie auf seinem Schreibtisch. Gegen schlechte Laune hilft ihm "japp". Diese App besitzt er "Welt"-exklusiv.

"Mein Schreibtisch ist abends leer geräumt, das Mailfach meistens ebenso, auch im Urlaub. Wahrscheinlich pathologisch. Aber ich kann besser denken, wenn nicht alles vollgestopft ist. Entsprechend minimalistisch ist mein Homescreen. Hier finden sich nur die Apps, die ich sehr oft nutze. Alles andere kommt auf den Seiten danach. Oder bei Safari. Im Browser habe ich immer ein halbes Dutzend Seiten geöffnet, ich lese auch lange Geschichten gern auf dem Handy.

Das Smartphone ist mein Büro. Mein eigentliches in der Chefredaktion habe ich 2013 zum letzten Mal betreten, ich sitze lieber in einer Glasbox im Newsroom, dort finden auch alle Termine statt. Was mein Sekretariat ziemlich nervt.

Welche Apps ich nutze? Neben unseren eigenen vor allem Twitter, Facebook und WhatsApp, klar. Aber häufig auch Hipstamatic (Linse 'Jane', Film 'Ina's 1969'). Ich fotografiere ganz gern, wäre zu Journalistenschulzeiten beinahe Fotograf geworden.

komoot habe ich erst kürzlich entdeckt. Marathon machen die Knie leider nicht mehr mit, jetzt fahre ich ab und an Rad. Vor ein paar Tagen bin ich mit meinen drei Jungs an der Ostsee entlang und zurück nach Berlin. Die App hilft beim Navigieren und zeichnet die Touren auf.

Meine Lieblings-App ist natürlich 'japp' (sprich: jep). Die hat mir die Redaktion zum Geburtstag geschenkt, mit vielen lustigen Videos, Foto-Geschichten und liebevollen Texten und sogar mit einem selbst komponierten Song. Sollte ich jemals schlechte Laune haben, die holt mich da garantiert raus!"

In der vergangenen Woche hat ORF-Anchor Armin Wolf seinen piekfein aufgeräumten Homescreen vorgeführt. Davor gewährten Kai Diekmann und Ralf Ressmann Einblick in ihre Startbildschirme.

Mein Homescreen: Armin Wolf.

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Armin Wolfs Homescreen ist piekfein aufgeräumt. Teletext liest Österreichs Star-Interviewer per iPhone-App.

Vorsicht, frisch gewischt: ORF-Moderator Armin Wolf, die alpenländische Antwort auf Claus Kleber mit Richard-Gutjahr-Gen, führt sein digitales Leben so aufgeräumt wie seine gefürchteten Politiker-Interviews im Fernsehen. Null ungelesene Mails, keine unbeantworteten Anrufe - ein Homescreen-Messi wie Kai Diekmann müsste vor Respekt auf die Knie fallen.
 
ZIB2-Moderator Wolf ist mit 188.000 Followern auf Twitter der Netz-Ösi Nummer 1. Logisch, dass die Twitter-App auf seinem iPhone 5 die wichtigste Anwendung ist. "Es ist mir unvorstellbar, wie Journalisten in tagesaktuellen Medien ohne Twitter noch arbeiten können." Ähnlich wichtig wie Twitter ist ihm Teletext. "Die ORF-Teletext-Seite 111 ist das erste, das ich morgens anschaue", sagt Wolf. Sechs News auf zwölf Zeilen, "übersichtlicher geht's nicht".
 
ORF.at ist Pflicht, ebenso Spiegel Online und die "Süddeutsche"-App. Übers Branchengeschehen hält "Der Standard" Wolf auf dem Laufenden - dessen Medien-Seiten etat.at liegen als Bookmark auf Wolfs Homescreen. Viel Zeit verbringt Wolf in seiner Mail-App: Jede freie Minute nutzt er, um bloß nicht auf einem riesigen Haufen sitzen zu bleiben. "Keine Ahnung, wie Menschen 150 oder 300 ungelesene Mails aushalten, mich würde schon der Anblick direkt ins Burnout kippen."
twitter.com/arminwolf, de.wikipedia.org, youtube.com (Interview HC Strache), diepresse.com (Zuschauer über Wolf)
 
In der vergangenen Woche offenbarte Kai Diekmann das Chaos seines Homescreens. Davor zeigte Ralf Ressmann seine Lieblings-Apps.

Mein Homescreen: Kai Diekmann.

kai-diekmann-homescreen600"Bild"-Chef Kai Diekmann sieht auf seinem iPhone 6+ nicht, wenn der Bundespräsident angerufen hat, dafür aber live, wie die 24 verschiedenen "Bild"-Ausgaben entstehen.

Kommunikationsflut: Würde morgen der Bundespräsident anrufen, auf dem Weg zum Emir vielleicht, Kai Diekmann, Chefredakteur von "Bild", würde es gar nicht mitkriegen. So stark zugenommen hat der Sozialstress, dass selbst Vieltelefonierer Diekmann bei 247 unbeantworteten Anrufen auf dem Handy (Stand Donnerstag morgen) kapituliert. Die eine App, die Diekmann wirklich bräuchte, ist daher nicht installiert - weil noch nicht erfunden: die App, die alle Kommunikationskanäle zusammenführt und für Diekmanns Assistenten zugänglich macht.

"Es ist eine Pest mit den vielen Kommunikationswegen", klagt Diekmann. "Ich werde angemorst über E-Mails, SMS, WhatsApp, Messenger, Facebook, LinkedIn." Am besten erreicht man ihn deshalb über E-Mail oder über sein Büro. Das muss auch die 104 E-Mails abarbeiten, die gerade aufgelaufen sind. Ein wichtiger Kanal, auf dem man Diekmann bequem und sicher nicht erreicht, sind die Social Networks: Von den 40 ignorierten Anfragen stammen allein 32 von LinkedIn.

Zu Branchendiensten hält Diekmann auf dem Handy herzlichen Abstand: Nur die turi2-App ist installiert - auf der zweiten Seite hinter "Nachrichten". US-News aus Tech, Social Media und Webjournalismus lässt Diekmann sich von Prismatic zusammentragen - für ihn "der beste algorithmische Aggregator".

Bild in progressDie geheimste und für Diekmann wichtigste App liegt gleich rechts unten in unmittelbarer Daumennähe, das grüne Ding mit dem Fernglas - allerdings gibt es auf der ganzen Welt nur 40 Leute, die sie installieren dürfen: iBeamerPro erlaubt es Diekmann, jederzeit in jeder der 24 Ausgaben der "Bild" den Stand der Titelseiten zu überwachen. Somit kann er in der Welt rumhoppeln und trotzdem sehen, was daheim gerade läuft. Big Brother für "Bild" - "für die Kollegen sehr angenehm", kommentiert Diekmann ohne eine Spur von Ironie.
lexikon2.de, twitter.com/kaidiekmann

Letzte Woche hat Ralf Ressmann seinen Homescreen vorgestellt.

Mein Homescreen: Ralf Ressmann.

Mein Homescreen PasspartoutRalf Ressmann, Europa-Direktor des Zeitungs-Verbandes WAN-IFRA, bringt mit dem Smartphone seinen Sohn ins Bett, die Glühbirnen zum Leuchten und die News ans Handgelenk. Auf turi2 erklärt er seine Lieblings-Apps.

"Auf meinem iPhone 6+ nutze ich u.a. die Fernbedienung für meine Philipps Hue Glühbirnen, die energiesparend sind und laut Hersteller 16 Millionen Farben darstellen können. Da ich eine leichte Grünschwäche beim Sehen habe, entgehen mir sicherlich ein paar Millionen davon. Die Facebook-App präsentiert mir basierend auf Likes von Medien morgens einen erstaunlich guten Mix. Natürlich besuche ich die wichtigen Quellen wie Spiegel Online, Zeit.de, FAZ.net und turi2. Bei turi2 bevorzuge ich die mobil-kompatible Website, bei der News-App muss ich zu viel klicken. mg steht für mediagazer.com, dessen Website aggregiert das internationale Mediengeschehen.

Für To-do-Listen bevorzuge ich derzeit Todoist, daran gefällt mir die Möglichkeit, plattformübergreifend (Mobile, Mail, Desktop-Browser, Desktop App) Tags analog zu Projekten zu vergeben. Außerdem mag ich, wenn der Karma-Trend von Todoist mir meldet, dass ich in dieser Woche sehr produktiv war. Die Apple Watch nutze ich in der täglichen Hoffnung, dass es bald mehr praktische Apps für die Uhr gibt. Im Moment ist das Angebot leider immer noch sehr begrenzt. Buffer probiere ich gerade aus, um Tweets und Linkedin-Beiträge zu termieren.

Unverzichtbar ist für mich und meinen Sohn die Gute-Nacht-App vom Sandmann. Sie liefert mit mir die Zu-Bett-geh-Hilfe als Video-on-demand zuhause, auf Reisen und egal ob es 19 Uhr oder 21 Uhr ist."