
Wer hat's erfunden? Zu unserem Artikel über die erste politische Anzeige nach neuem EU-Transparenzstandard in Europa, die Table.Media am Mittwoch veröffentlicht hat, erreicht uns Widerspruch aus Nürnberg: Der VNP lässt wissen, dass die "Nürnberger Nachrichten" mit einer CSU-Anzeige einen Tag schneller waren – und den 1. Platz beanspruchen. Wer noch schneller gewesen sein will, hat jetzt Pech gehabt: Wir geben die Geschichtsbücher in den Druck.
nav2.de (Transparenzhinweis zur "NN"-Anzeige), turi2.de (Table.Media-Anzeige)
Private Briefzusteller schießen gegen Finanzministerium wegen ausbleibender Mehrwertsteuerbefreiung.
Kein Liebesbrief: Das Finanzministerium von Lars Klingbeil hat beim Bundeszentralamt für Steuern interveniert, um die Mehrwertsteuerbefreiung privater Briefzusteller zu unterbinden, schreibt der "Spiegel". Demnach wolle das Ministerium die zu erfüllenden Regeln nachschärfen und etwa die Bezahlung der Mitarbeitenden und die Zahl der Briefkästen inkludieren. Erteilte Bescheide würden widerrufen, Unternehmen müssen sich neu bewerben. Viele der privaten Post-Konkurrenten gehören Zeitungsverlagen, die damit ihr Zustellnetz auslasten wollen. Sie vermuten, dass die Regierung der Deutschen Post, an der der Bund Teileigner ist, einen Dienst erweisen will. Walther Otremba vom Bundesverband Briefdienste sagt: "Das offensichtliche Zusammenwirken von Finanzministerium und Deutscher Post legt die Vermutung nahe, dass deren Brief- und Paketteil aufgehübscht werden soll." Der Schritt "gefährdet die Pressevielfalt, insbesondere in den ländlichen Regionen", mahnt zudem Andreas Röhm, Chef des lokalen Anbieters BW Post.
spiegel.de (€)
(Foto: Marquardt, Christian / Action Press / picturedesk.com)

Macht's halblang: US-Präsident Donald Trump hat seine Verleumdungsklage gegen die "New York Times" und mehrere Reporter erneut eingereicht. Zuvor hatte ein Bundesrichter die ursprüngliche, 85 Seiten lange Klage als unnötig ausschweifend abgewiesen. Die überarbeitete Klageschrift zählt noch 40 Seiten. Trump wirft der Zeitung vor, sie habe versucht, seine Präsidentschaftskandidatur 2024 zu untergraben. Er fordert weiterhin 15 Mrd Dollar Schadenersatz. Die "NYT" hält die Klage für unbegründet und spricht von einem Versuch, unabhängige Berichterstattung zu unterdrücken.
nytimes.com (€), turi2.de (ursprüngliche Klage)

Richard Herzinger, 69, ist tot. Der Publizist und promovierte Literaturwissenschaftler hat zuletzt rund 15 Jahre für die "Welt" und "Welt am Sonntag" geschrieben. In seinen Beiträgen verteidigte er vehement die Demokratie und die liberale Gesellschaft. In seinem letzten Text von September kritisierte er die Sympathie von Linken mit dem Putin-Regime. "Welt"-Autor Alan Posener würdigt Herzinger in seinem Nachruf als "Mann der scharfen Gedanken und der noch schärferen Sprache".
welt.de via kress.de
(Foto: Reto Klar und Martin U. K. Lengemann/Welt)

Lobby-Table: Der Newsletter "Berlin.Table" von Sebastian Turner hat am Abend die erste politische Anzeige veröffentlicht, die den neuen EU-Vorgaben zur Transparenz bei politischer Werbung, TTPW, entspricht – vermutlich als erstes Medium in Europa. Die Anzeige des DGB ist oberhalb als "Politische Anzeige" gekennzeichnet, unterhalb sind der Werbekunde und der inhaltliche Zusammenhang, die Diskussion über das Arbeitszeitgesetz, genannt. Zudem gibt es einen weiterführenden Link auf eine "Transparenzbekanntmachung". Sie zeigt, dass für die Anzeige 2.985 Euro geflossen sind. Auf Nachfrage von turi2 erklärt Turner, dass der Preis sich aus Agentur- und Medialeistungen zusammensetzt. Auch die Reichweite des Newsletters und weitere Details des Werbedeals werden genannt. Das seien alles Daten, die sich auch "aus unserer öffentlichen Preisliste" ergeben", sagt Turner zu turi2.
Zudem erklärt er, wie Table.Media die neuen EU-Regeln für politische Werbung, die erst seit 10. Oktober gelten, umgesetzt hat. So habe Table.Briefings gemeinsam mit der Rechtsanwaltskanzlei Nordemann und der Beratung für politische Kommunikation Cosmonauts & Kings die "beispielhafte TTPW-Lösung" entwickelt. Turner nennt das Ziel der Regulierung, die Verhinderung manipulativer Wahlpropaganda wie beim Brexit und den US-Präsidentschaftswahlen, zwar "lobenswert", vergleicht die Anwendung der neuen Richtlinie aber mit "anspruchsvoller Feintischlerei".
turi2 – eigene Infos, table.media ("Berlin.Table" vom 15.10., nach Anmeldung frei), table.media (Transparenzbekanntmachung)
(Foto, Ausschnitt: Jörg Carstensen / dpa / picturedesk.com)
Hör-Tipp: Philosoph und Bestsellerautor Richard David Precht spricht im Podcast "DUP Business Talk" über sein neues Buch "Angststillstand". Er beschreibt ein gesellschaftliches Klima aus vorauseilendem Gehorsam und Empörungskultur, das offene Debatten ersticke. Diese Dynamik reiche bis in Institutionen wie Verlage und Redaktionen. Wer abweichende Stimmen ausgrenze, produziere Trotz, der Rechtspopulisten stärke, so Precht. Er fordert von Chefredakteuren und Verlegern mehr Mut zur Zumutung. "Demokratie hält Streit aus. Sie braucht ihn sogar."
dub-business-talk.podigee.io (42-Min-Audio), youtube.com (42-Min-Video), presseportal.de
(Foto: IMAGO / Kessler-Sportfotografie)
Kurz und KNAckig: Warum Wolfram Weimer “Digitalen Kolonialismus” falsch versteht.

Kulturstaatsminister Wolfram Weimer verwendet den Begriff des “Digitalen Kolonialismus” falsch, urteilt KNA-Redakteurin Jana Ballweber mit Blick auf die Rede Weimers auf der Frankfurter Buchmesse. Dort hatte er das Abschöpfen von urheberrechtlich geschützten Inhalten durch KI-Konzerne als “Kolonialismus” bezeichnet. Ballweber kritisiert in unserer Kolumne Kurz und KNAckig, dass Weimer die rassistische Komponente und die Ausbeutung des Globalen Südens mit diesem Vergleich verkennt. Sie argumentiert, dass Digitaler Kolonialismus tatsächlich existiert, aber anders aussieht.
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Hör-Tipp: "Zeit"-Redakteurin Yasmine M'Barek plädiert dafür, der Regierung "Zeit zu geben, sich für etwas zu entscheiden und eben nicht noch medialen Druck auszuüben". Die Parteien müssten sich nicht nur freundlich in der Öffentlichkeit zeigen, Streit zu Themen sei "völlig normal". M'Barek sagt: "Gut diskutierte Politik ist am Ende des Tages vielleicht die beste."
open.spotify.com (39-Min-Audio)
Reines Theoretikum? Wenn der öffentlich-rechtliche Rundfunk seinen Auftrag der Programmvielfalt "gröblich verfehlt", kann der Rundfunkbeitrag verfassungswidrig sein, entscheidet das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig. Eine Frau aus Bayern wollte keinen Beitrag zahlen, weil sie mit der Vielfalt des Programms nicht zufrieden war. Obwohl das Verwaltungsgericht das Urteil aus der Vorinstanz, das zuungunsten der Klägerin ausgefallen war, aufgehoben hat, ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Frau von der Beitragspflicht entbunden wird oder der Beitrag derzeit verfassungswidrig ist, sehr gering. Die Leipziger Richter betonten, die Erhebung des Rundfunkbeitrags stehe erst dann mit Verfassungsrecht nicht mehr in Einklang, wenn das Gesamtprogrammangebot der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten die Anforderungen an die Vielfalt und Ausgewogenheit über einen längeren Zeitraum gröblich verfehle. Der bayerische Verwaltungsgerichtshof hatte im Fall der Frau falsch entschieden, weil es die Beitragspflicht nur mit der möglichen Nutzung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks begründet habe, nicht aber mit der Frage, ob es strukturelle Defizite bei der Erfüllung des Auftrags gebe.
Es sei zwar nicht möglich, wie die Klägerin eine individuelle Unzufriedenheit mit dem Programm anzuführen, um sich von der Beitragspflicht entbinden zu lassen, so die Richter. Dass alle Menschen in Deutschland Rundfunkbeitrag zahlen müssen, werde aber verfassungsrechtlich mit dem Auftrag der öffentlich-rechtlichen Anstalten gerechtfertigt, ein vielfältiges und ausgewogenes Programmangebot zu machen. In einem Szenario, in dem diese Vielfalt nicht mehr gegeben sei, könnte auch der Rundfunkbeitrag verfassungswidrig werden. Die Hürden für eine Verletzung dieses Gebots seien aber hoch, betonten die Richter. Sie setze ein grobes Missverhältnis zwischen Abgabenlast und Programmqualität voraus. Es sei zudem schwierig, festzustellen, ob die gebotene Vielfalt und deren Darstellung im gesamten Angebot tatsächlich gelinge. Der Rundfunkbeitrag könne also erst dann in Frage gestellt werden, wenn das Angebot aller öffentlich-rechtlichen Anstalten über einen längeren Zeitraum evidente und regelmäßige Defizite erkennen lasse, so die Richter weiter. Der Zeitraum soll dem Gericht zufolge mindestens zwei Jahre umfassen; die Beschwerde müsse durch wissenschaftliche Gutachten unterfüttert werden. Erst dann könne ein Verwaltungsgericht das Bundesverfassungsgericht anrufen, um zu prüfen, ob der Beitrag tatsächlich verfassungswidrig sei.
Das Gericht hat sich in seinem Urteil nicht inhaltlich mit der Frage beschäftigt, ob der öffentlich-rechtliche Rundfunk diese Defizite derzeit erkennen lässt. Die Richter halten es jedoch für "überaus zweifelhaft", ob die Klägerin mit den von ihr vorgebrachten Argumenten eine Entscheidung des Bundesverfassungsgericht zur Verfassungsmäßigkeit des Beitrags auslösen kann. Dennoch hat das Urteil Signalwirkung: Bislang waren die Anstalten davon ausgegangen, dass es ausreiche, wenn das Publikum sich mit Programmbeschwerden an die Aufsichtsgremien, also etwa den Rundfunkrat, wenden kann. Das Bundesverwaltungsgericht zeigt mit seinem Urteil aber nun auf, dass nicht nur die eigenen Aufsichtsgremien, sondern auch Gerichte über die Vielfalt im öffentlich-rechtlichen Programm wachen. (mit Material des KNA-Mediendienstes)
evangelische-zeitung.de
(Foto: Christian Ohde / ChromOrange / picturedesk.com)

Auf einer Wellenlänge: Die neue Intendantin der Deutschen Welle, Barbara Massing, will im "Informationskrieg" eine stärkere Rolle spielen und insbesondere die Länder in Mittel- und Osteuropa stärker in den Fokus nehmen. "Wir wollen die europäische und deutsche Perspektive global sichtbar machen, weil andere das nicht so stark tun", sagt Massing im dpa-Interview. Großes Wachstum habe der deutsche Auslandssender zuletzt in den USA verzeichnet, auch in Russland steige dank Zensur-Umgehungsmaßnahmen die Reichweite. Mit einem Büro in Damaskus will die DW auch ihre Präsenz in der arabischen Welt ausbauen und als einziges Medium "die deutsche Perspektive in arabischer Sprache in der Region vermitteln". Als Ziel gibt Massing aus, dass die Deutsche Welle "weltweit als führende Stimme der Freiheit wahrgenommen wird". Um diese Aufgaben zu erfüllen, wünscht sich Massing von der Politik "finanzielle Planungssicherheit".
digitalfernsehen.de (Interview), spiegel.de (Zusammenfassung)
(Foto: Ayse Tasci/DW)

Geneckt: Das linksliberale US-Magazin "Time" bringt ausnahmsweise mal eine positive Titelgeschichte über Donald Trump, kann es dem US-Präsidenten aber auch damit nicht recht machen. Der stört sich am Cover-Foto, das ihn von unten zeigt und daher vor allem seinen Hals betont. Seine Haare wirken im Gegenlicht wie ein dünner Schleier. "Dieses Foto ist vielleicht das schlechteste von mir aller Zeiten", teilt Trump mit. Jedenfalls wissen jetzt alle: Donald Trump hat so'n Hals.
bild.de, x.com (Cover)

Smartphone-Spion? Eine Sicherheitsfirma aus Jakarta unter deutscher Führung soll eine Spionage-Software vermarktet haben, mit der jahrelang Handys von Politikern, Journalisten und Künstlern geortet worden seien, recherchiert Lighthouse Reports mit deutscher Beteiligung des "Spiegel" und ZDF. Die Rede ist von über 1,5 Mio Trackingversuchen in 168 Ländern, vor allem zwischen 2007 und 2014. Das beschuldigte Unternehmen First Wap weist die Vorwürfe zurück.
spiegel.de (€), zdfheute.de

Lese-Tipp: "Studio-9"-Moderator Korbinian Frenzel liefert in der "taz" sechs Ideen für konstruktiven Journalismus. So appelliert er u.a. dafür, sich "von der Perfektionserwartung zu verabschieden", weniger Machtfragen zu stellen und dafür "mehr Sachfragen zu wagen". Auch für "weniger Drama" wirbt er: "Auf eine Kanzlerwahl, die im ersten Wahlgang scheitert, folgt nicht das Ende der Demokratie, sondern erst einmal der zweite Wahlgang."
taz.de
(Foto: IMAGO / Bernd Elmenthaler)
Freiwillige Social-Kontrolle: Instagram will die Altersfreigaben der Filmindustrie zur Blaupause beim Jugendschutz machen. In den USA, Kanada, Australien und Großbritannien sollen Unter-18-Jährige standardmäßig nur Content ausgespielt bekommen, der äquivalent zu Filmen mit PG-13-Bewertung ist. Die neuen Regeln sollen vermutlich Anfang 2026 auch in Europa kommen.
horizont.net
"Wir fürchten, dass KI-Agenten es uns bald unmöglich machen könnten, die Sicherheit von Signal auf App-Ebene weiterhin zu garantieren."
Die Chefin der Messenger-App Signal, Meredith Whittaker, warnt im "Spiegel"-Interview, dass KI-Agenten "eine existenzielle Gefahr für die IT-Sicherheit und die Privatsphäre von uns allen" seien. Signal werde keine KI entwickeln, sie sehe "einen viel zu großen Hype" um das Thema.
spiegel.de (€)
(Foto: IMAGO / Imagn Images)

Meistgeklickter Kopf gestern nach Nicole Mommsen war Steffen Seibert. Der Botschafter Deutschlands in Israel und ehemaliger "heute"-Moderator äußerte sich im ZDF spezial zu der Befreiung der Geiseln. Die Runde komplettiert das gestrige Geburtstagskind Dirk Ippen.
turi2.de/koepfe (meistgeklickte Köpfe am 13.10.2025)
(Foto: IMAGO / dts Nachrichtenagentur)

Anlässlich der Befreiung der israelischen Geiseln hat Axel Springer die Fassade seines Hochhauses in Berlin am Montagabend mit einer Botschaft angestrahlt – auf Hebräisch und Englisch wurde an das Verlagsgebäude das Wort "Zuhause" projiziert. Damit wolle man ein Zeichen setzen: "Am Ende haben Judenhass, Hamas-Terror und Leid keine Chance. Frieden, Solidarität und Verständigung werden siegen", heißt es in einem "Bild"-Bericht hierzu. Auf Linked-in teilt Springer zudem ein kurzes Video, in dem CEO Mathias Döpfner und "Bild"-Chefredakteurin Marion Horn die israelische Flagge runternehmen – sie war seit dem Hamas-Massaker am 7. Oktober 2023 vor dem Gebäude "als Geste der Solidarität" gehisst. "Diese Fahne weht so lange, bis die letzte Geisel befreit ist", erklärt Döpfner den damaligen Gedanken: "Das ist glücklicherweise heute der Fall."
welt.de, bild.de, linkedin.com
(Foto: IMAGO / Steinach)

Gazastreifen: Die EBU sagt eine für den November geplante Sondersitzung der Mitglieder, bei der über die Teilnahme Israels am Eurovision Song Contest 2026 abgestimmt werden sollte, ab. Nun soll darüber bei der regulären Sitzung im Dezember beraten werden, heißt es. Grund seien die aktuellen Entwicklungen im Gaza-Krieg, derzeit herrscht ein Waffenstillstand. Mehrere Länder hatten wegen des militärischen Vorgehens Israels einen Boykott angedroht.
spiegel.de, turi2.de (Background)

Meistgeklickter Kopf gestern war Katherina Reiche. Derzeit werden die energiepolitischen Vorhaben von Bundeswirtschaftsministerin heiß diskutiert. Im Ranking platziert sich dahinter die Influencerin Annette Weber. Komplettiert wird die Runde von der scheidenden DB-Kommunikationschefin Nicole Mommsen.
turi2.de/koepfe (meistgeklickte Köpfe am 12.10.2025)
(Foto: IMAGO / Manngold)

ÖRR-Reform: Der Landtag von Sachsen-Anhalt hat den Reformstaatsvertrag mit den Stimmen der Koalitionsfraktionen CDU, SPD und FDP durchgewunken. Linke und Grüne haben sich enthalten, die AfD stimmte dagegen. Kulturminister Rainer Robra hofft auch auf eine Zustimmung in Sachsen, die noch immer auf der Kippe steht: "Gelänge dies nicht, wäre alles Makulatur." Alle 16 Bundesländer müssen den von den Ministerpräsidenten vorgeschlagenen Änderungen zustimmen. Mit Blick auf das geplante Widerspruchsmodell beim KEF-Beitragsfestsetzungsverfahren appelliert Rundfunkkommissions-Koordinatorin Heike Raab derweil im Gespräch mit "DWDL" an "alle, die sich verschanzt haben, sich zu überlegen, welchen Beitrag sie leisten können". Sie bedauere, dass die Reform im Finanzierungssystem "möglicherweise nicht kommen wird".
mdr.de, dwdl.de
(Foto: IMAGO / epd-bild/ Rico Thumser)

Kommunikationskrise: Der Rapper Chefket, bürgerlicher Name Şevket Dirican, übt im "Spiegel"-Interview Kritik an der Kommunikation über die Absage des für den 7. Oktober geplanten Auftritts bei der Böhmermann-Ausstellung "Die Möglichkeit der Unvernunft". Sein Vorwurf: "Wir haben keinen Anruf vorab erhalten oder wurden am Abend vorher informiert." Stattdessen sei die Mitteilung von Team Böhmermann "zeitgleich mit dem Versand der Pressemitteilung" gekommen. Ein Nachholen des Auftritts ist für den Musiker "völlig vom Tisch", die Situation sei "jetzt politisch zu aufgeladen". Laut Dirican habe die Böhmermann-Crew einen unangekündigten Auftritt als Alternative vorgeschlagen, "aber damit habe ich mich nicht wohlgefühlt".
Antisemitismus-Vorwürfe wegen seines bei Instagram gezeigten Fotos mit Palästina-Shirt kann er nicht nachvollziehen: "Ich wollte mit dem Trikot meine Solidarität für Palästinenser zeigen, nicht gegen die Menschen in Israel sein." Kulturstaatsminister Wolfram Weimer hatte Dirican vorgeworfen, ein Foto von sich in einem T-Shirt gepostet zu haben, "das das Existenzrecht Israels infrage stellt". "Wir hätten diese Veranstaltung an dem Tag, am 7. Oktober, niemals planen sollen" und die "jüdische Perspektive von vorneherein mitdenken sollen", hatte Jan Böhmermann im Nachgang eingeräumt.
spiegel.de (€), turi2.de (Background)
(Foto: Annette Riedl / dpa / picturedesk.com)

Journalismus oder Propaganda? Der freischaffende palästinensische Fotojournalist Anas Fteiha (Foto) geht mit einer einstweiligen Verfügung juristisch gegen Axel Springer vor. "Bild" hatte ihm unterstellt, das Leid der Menschen im Gaza-Streifen zugunsten der Hamas zu inszenieren. Konkret will Fteiha "Bild" acht Äußerungen untersagen lassen, die den Eindruck erwecken, er verbreite Hamas-Propaganda. Am ersten Verhandlungstag vor dem Landgericht Frankfurt/Main habe die Vorsitzende Richterin laut "FR" dazu geneigt, den Propaganda-Vorwurf als unzulässig zu werten. Den Vorschlag einer gütlichen Einigung habe Springer abgelehnt. Am 22. Oktober will das Gericht entscheiden.
fr.de
(Foto: IMAGO / Anadolu Agency / Khames Alrefi)

"Donald Trump und der Friedensnobelpreis? Klingt fast wie feine Ironie mit globaler Pointe."
Zeitverlags CEO Rainer Esser widerspricht via Linked-in "Welt"-Herausgeber Ulf Poschardt, der kommentiert hatte, dass Trump "wie kein anderer Politiker des Westens" den Friedensnobelpreis verdiene. Esser schlägt stattdessen "Aktivisten in Myanmar, Hongkong, Belarus oder Iran, die unter hohem Risiko für ihr Leben arbeiten", vor.
linkedin.com, welt.de (€, Poschardt-Kommentar), kress.de
(Foto: turi2)

Ursel wills wissen: Die EU-Kommission verlangt von Apple, Google, YouTube und Snapchat Auskünfte zu deren Vorkehrungen in Sachen Kinderschutz. Grundlage dafür ist das Gesetz über digitale Dienste. Die Kommission vermutet, dass Altersbeschränkungen auf YouTube zu leicht umgangen werden und Algorithmen süchtig machen könnten. Auf den App-Plattformen von Apple und Google sowie bei Snapchat könnten Minderjährige Glücksspiel-Apps oder Drogen erwerben, so der Verdacht. Aktuell handelt es sich noch nicht um ein Verfahren. Sollten die Antworten der Kommission nicht genügen, könnte sie jedoch eines einleiten.
horizont.net

Rückendeckung: Der BR-Rundfunkrat stellt sich hinter "Klar"-Moderatorin Julia Ruhs (Foto) und verurteilt "persönliche verbale Angriffe" gegen sie sowie "diffamierende und verletzende Meinungsäußerungen". In einer Stellungnahme unterstreicht das Kontrollgremium "den hohen Stellenwert einer ausgewogenen Berichterstattung". Das Gesamtprogramm habe "unterschiedliche Sichtweisen fair und faktenbasiert" darzustellen. "Perspektiven- und Meinungsvielfalt" müsse "das Markenzeichen" des öffentlich-rechtlichen Rundfunks sein und "gezielt gefördert werden".
welt.de, turi2.de (Background)
(Foto: NDR/Jann Wilken)

ESCape-Plan? In der österreichischen Politik wächst der Druck auf den ORF, den Eurovision Song Contest 2026 in Wien abzusagen, sollte eine Mehrheit der EBU-Mitglieder gegen die Teilnahme Israels stimmen, berichtet der "Standard". Der Sender stecke in dem Dilemma, dass er sich mit der ESC-Teilnahme im Falle eines Sieges zur Ausrichtung im Folgejahr verpflichtet habe und bei einer Absage die Kosten der Produktion in einem anderen Land tragen müsste – kalkuliert sind 40 Mio Euro. Die Abstimmung soll im November stattfinden, könnte durch den sich abzeichnenden Friedensplan aber womöglich obsolet werden, schreibt Harald Fidler.
derstandard.at

"Mit Ihrer geduldigen und konsequenten Arbeit sind Sie eine Barriere gegen jene, die versuchen, durch die alte Kunst der Lüge, zu trennen und durch Teilen zu herrschen."
Papst Leo XIV. stärkt Medienschaffenden im Rahmen einer Audienz den Rücken und würdigt ihren Einsatz in Kriegsgebieten. Über KI-Technologie sagt er, dass diese "nicht in den Händen einiger Weniger" liegen dürfe.
derstandard.at
(Foto: IMAGO / ZUMA Press Wire)

Faustrecht: Deutschlandfunk-Hörer wählen das Thema "Recht des Stärkeren: Wie Machthaber die Welt neu ordnen" als Debattenthema für 2026 im Rahmen des Programms "Denkfabrik". Mehr als 74.100 Menschen haben laut Sender an der Abstimmung teilgenommen – so viele wie noch nie. Das Thema beleuchtet, wie Autokraten und Tech-Oligarchen die bisherige Ordnung infrage stellen. Das Deutschlandfunk-Projekt organisiert jedes Jahr die Wahl eines zentralen Debattenthemas für das Folgejahr. Es wird in Sendungen, Veranstaltungen und Dialogformaten aufgegriffen.
presseportal.de

Termin-Tipp: Das Bonhoeffer-Haus in Berlin lädt heute Abend zur Premiere eines neuen Debatten-Formats. Tobias Korenke, selbst Bonhoeffer-Nachkomme und langjähriger Kommunikationschef der Funke-Medien, diskutiert mit dem Linken-Politiker Bodo Ramelow. Der frühere Ministerpräsident von Thüringen und überzeugte Christ spricht über die Verbindung von politischem Handeln und ethischer Verantwortung. Das Event ist vor Ort und als Livestream erlebbar.
bonhoeffer-haus-berlin.de
(Foto: Funke, Florian Peljak/SZ-Photo/picturedesk.com, Montage: turi2)

Preislos: Die Regisseure Hans Block und Moritz Riesewieck haben ihren Grimme Online Award in Essen am Abend nicht angenommen. Damit protestieren sie gegen den zurückgenommenen Donnepp Media Award für die Nahost-Aktivistin Judith Scheytt durch den Förderverein des Grimme-Instituts. Der Award war ihr auch gegen den Widerstand eines Teils der Jury aberkannt worden. "Wir hoffen auf eine reflektierte Aufarbeitung, damit wir weiter an diesen Preis glauben können. Solange wir das nicht können, stellen wir diesen Preis hier hin und hoffen, uns vielleicht irgendwann wiederzusehen und uns irgendwann wieder richtig zu freuen", sagt Riesewick. Auch Grimme-Chefin Çiğdem Uzunoğlu thematisiert den Donnep-Eklat. Sie nennt die Aberkennung einen "formalen Fehler".
stern.de, dwdl.de, kress.de
(Foto: Henning Kaiser / dpa / picturedesk.com)

Nicht die beste Idee: Satiriker Jan Böhmermann räumt beim Gespräch mit Kulturstaatsminister Wolfram Weimer am Abend in Berlin ein, dass die Terminierung des Konzerts des umstrittenen Rappers Chefket "unklug" war. "Wir hätten diese Veranstaltung an dem Tag, am 7. Oktober, niemals planen sollen", sagt Böhmermann. Man hätte die "jüdische Perspektive von vorneherein mitdenken sollen". Weimer hatte gegen die Veranstaltung interveniert, weil der Rapper auf Fotos ein T-Shirt mit einem Motiv des gewünschten Staates Palästina ohne Israel trage, was nach Ansicht der Bundesregierung als antisemitisch zu betrachten sei. Nach der Absage des Konzerts hatten auch alle weiteren Künstler ihre Konzerte im Rahmen der Ausstellung "Die Möglichkeit der Unvernunft" abgesagt.
Weitere Themen des Gesprächs waren der Kampf ums Gendern, in der sich der Moderator und der Politiker gegenseitig vorwarfen, als "Sprachpolizei" zu agieren. Auch vom Begriff "Zwangsgebühren" wolle Weimer nicht lassen, weil er den Rundfunkbeitrag schon immer so genannt habe – auch vor seinem Wechsel in die Politik. Insgesamt sieht Sören Kittel für die Funke-Zeitungen ein versöhnliches Treffen: "Beide kämpfen auf ihre Weise gegen Rechts, beide gegen Antisemitismus." Im "Spiegel" macht Ulrike Knöfel keinen Gewinner des Abends aus, "das geht in diesen Zeiten nicht". Weimers Problem sei, dass er immer wie ein Gewinner wirken wolle. Böhmermanns Stärke sei, dass er Fehler zugegeben habe, "obwohl er die sonst doch immer bei anderen sucht und findet".
zeit.de, abendblatt.de (€, Kittel), spiegel.de (€, Knöfel)
Mitarbeit: Markus Trantow
(Foto: IMAGO / Future Image / M. Kremer)

Kultur-Kampf: Das neue Debattenformat "Blome & Pfeffer" bei n-tv startet mit Kulturstaatsminister Wolfram Weimer und Grünen-Politikerin Ricarda Lang als Premierengäste. Die Gastgebenden Nikolaus Blome, Politikchef von RTL, und Clara Pfeffer, Hauptstadtkorrespondentin, wollen mit dem Format gelebte Streitkultur zeigen, in der jeder Gast ein kontroverses Thema einbringt. Die Sendung läuft im Wechsel mit dem Talk von Pinar Atalay am Montag um 20.15 Uhr. Zu Atalays Premiere diese Woche war Friedrich Merz zu Gast. Erst am Abend vorher war der Kanzler auch in der ARD bei Caren Miosga.
media.rtl.com

"Mit dem aktuellen Aufstieg der Autokraten wird meine Welt immer kleiner."
Der türkische Exil-Journalist Can Dündar befürchtet im Gespräch mit dem "Tagesspiegel", "dass ich Teil eines Deals zwischen Erdoğan und Trump werden könnte".
"Tagesspiegel", 8.10., S. 12-13 (€)
(Foto: IMAGO / Revierfoto)

Ein Feuerwerk der Kosten: Die Linksfraktion in der Hamburger Bürgerschaft protestiert gegen den Plan, die ZDF-Silvesterparty mit Andrea Kiewel und Johannes B. Kerner nach dem Abzug aus Berlin in der Hansestadt auszurichten. Co-Fraktionschefin Heike Sudmann beklagt, dass der Senat für die Feier "einen sechs- bis siebenstelligen Betrag" beisteuern wolle. Einem finanziellen Engagement müssten "immer entsprechende Gegenleistungen zum Nutzen Hamburgs gegenüberstehen". Sie fordert den Senat auf, die Verhandlungen "umgehend abzubrechen".
n-tv.de, mopo.de, linksfraktion-hamburg.de, turi2.de (Background)
(Foto: ZDF/Marcus Höhn)

Karriere mit Karriere: Der frühere FDP-Politiker und Finanzminister Christian Lindner heuert beim Karriere-Portal Stepstone an. Er soll dort als unabhängiges Mitglied in das Shareholder-Board des Unternehmens einziehen, das gemeinsam von Finanzinvestor KKR und dem Springer-Konzern betrieben wird. Der Job muss von der Bundesregierung genehmigt werden, da Lindner noch nicht lange genug aus der Politik ausgeschieden ist. Er hatte sich bereits vor Monaten die Tätigkeit als freiberuflicher Redner und als Autor genehmigen lassen. Das "Handelsblatt" dokumentiert, wo es weitere Ex-Spitzenpolitiker der FDP hinzieht.
n-tv.de, handelsblatt.com (€, E-Paper)
(Foto: IMAGO / Susanne Hübner)

Weder Fisch noch Fleisch: Das EU-Parlament entscheidet am Mittwoch, ob pflanzliche Fleischersatz-Produkte weiterhin "Wurst", "Schnitzel", "Steak" oder "Burger" heißen dürfen. Die EVP-Fraktion will mit ihrem Vorstoß "Landwirte schützen". Mehr als 20 Unternehmen, darunter Aldi Süd, Lidl und Burger King sowie Branchen-Größen wie Beyond Meat und Rügenwalder Mühle warnen in einem offenen Brief vor immensem Schaden für die Lebensmittelbranche, sollten vertraute Begriffe wie "Tofuwurst" oder "Sojaschnitzel" durch "alltagsferne Kunstbegriffe" ersetzt werden müssen. Am Ende geht es eben auch bei veganen Produkten immer um die Wurst.
bild.de
(Foto: IMAGO / photothek / Ute Grabowsky)

Vor Gericht und auf hoher See: Am Abend haben Satiriker Jan Böhmermann und Medienanwalt Christian Schertz im Rahmen der Ausstellung "Die Möglichkeit der Unvernunft" erstmals auf einer Bühne miteinander gesprochen. "Was Satire darf, entscheiden die Gerichte", beantwortete Böhmermann die große Frage des Abends. Zudem sprachen der Moderator und der Anwalt über juristische Auseinandersetzungen, etwa Böhmermanns Streit mit einem Imker und die Verteidigung des umstrittenen Musikers Till Lindemann durch Schertz. Auch auf die Absage eines Konzerts von Rapper Chefket wegen eines Antisemitismus-Vorwurfs u.a. durch Medienminister Wolfram Weimer reagierte Böhmermann: Weimers Ansicht habe keine Rolle gespielt. Böhmermann und Team sei klar geworden, dass die "Nichtberücksichtigung jüdischer Positionen ausgerechnet am Jahrestag der Hamas-Angriffe" nicht vertretbar sei, berichten die Funke-Zeitungen von der Veranstaltung. In der "Süddeutschen" fragt sich Autor Thore Rausch zeitweise, ob die Konzert-Absage und der anschließende Wirbel "ein großer Witz" des Satirikers seien. Heute Abend treffen Böhmermann und Weimer aufeinander.
abendblatt.de (€), sueddeutsche.de (€)
(Foto: IMAGO / dts Nachrichtenagentur)

Gegen einen geplanten Gesetzesvorschlag des EU-Ministerrats zur Auswertung von verschlüsselten Chats regt sich Widerstand. Die von Kritikern genannte "Chatkontrolle" sieht vor, dass Messenger-Dienste wie WhatsApp und Signal Chats ihrer Nutzer automatisch nach kinderpornografischen Material durchsuchen sollen – noch bevor die Nachrichten verschlüsselt und abgeschickt werden. WhatsApp-Chef Will Cathcart warnt im "Spiegel", das würde die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung untergraben und damit die "Privatsphäre und Sicherheit aller gefährden". Die Threema-Betreiber sprechen von Massenüberwachung und zweifeln die Wirksamkeit der Maßnahme an. Auch Organisationen wie der Chaos Computer Club, der Deutsche Fachjournalisten Verband und Reporter ohne Grenzen sprechen sich gegen das Vorhaben aus und unterstützen die Kampagne Chatkontrolle stoppen. Die erforderliche Mehrheit im Rat käme wohl nur mit Zustimmung Deutschlands zustande – noch haben sich Bundesinnen- und Bundesjustizministerium nicht über die Abstimmung verständigt, hört die "FAZ". Signal und Threema drohen schon mit Rückzug aus der EU, sollte das Gesetz kommen.
spiegel.de, faz.net (€), chat-kontrolle.eu, netzpolitik.org (Background)
(Foto: Matthias Balk / dpa / picturedesk.com)

Zahl des Tages: Rund 50 % der Deutschen haben "häufig oder eher häufig" das Gefühl, die eigene Meinung nicht frei äußern zu können, sagt eine Readly-Umfrage. Demnach ist diese Wahrnehmung am stärksten im Osten ausgeprägt, bei 82,2 % der 40- bis 49-Jährigen – doppelt so viele wie im Westen. Insgesamt 34,3 % aller Befragten sagen jedoch, sie empfinden nie eine Einschränkung der Meinungsfreiheit.
presseportal.de

Nationalpolizei: Der Deutsche Presserat zeigt sich besorgt über die Anweisung des bayerischen Innenministeriums an die Polizei, in ihrer Pressearbeit die Nationalität von Tatverdächtigen und Opfern "grundsätzlich aktiv" zu nennen. Diese Änderung markiere einen "deutlichen Kurswechsel" gegenüber der bisherigen, am Pressekodex orientierten Praxis und berge die Gefahr, wegen des vermuteten oder erwiesenen Fehlverhaltens Einzelner "Vorurteile gegen ganze Gruppen" zu entwickeln oder zu verstärken. Redaktionen müssten weiterhin "sorgfältig abwägen", ob es für die Nennung der Nationalität im konkreten Fall ein "begründetes überwiegendes öffentliches Interesse" gebe, appelliert Presserat-Sprecher Manfred Protze.
presserat.de via medien.epd.de (€)

Song Contest: Eine Mehrheit der Deutschen ist dagegen, Israel von Groß-Events wie dem ESC auszuschließen, sagt eine repräsentative Umfrage von Infratest Dimap für den ARD-Deutschlandtrend. 65 % sind der Meinung, israelische Künstler und Sportler dürften nicht für das Handeln ihrer Regierung bestraft werden. Nur 24 % würden einen Ausschluss Israels befürworten, um Druck auf die israelische Regierung auszuüben. Wegen des Gaza-Kriegs drohen mehrere Rundfunkanstalten der teilnehmenden Länder damit, den ESC 2026 zu boykottieren.
welt.de, turi2.de (Background)
(Foto: EBU)

Zahl des Tages: Rund 206 Mal sind Bücher von Stephen King im Schuljahr 2024/25 aus US-Schulbibliotheken verbannt worden und damit so oft wie von keinem anderen Autor, zählt die Autorenvereinigung PEN America – darunter "Carrie" und "The Stand". Insgesamt registriert der Verein in seinem Bericht "Banned in the USA" 6.870 Fälle, im Vorjahr waren es noch über 10.000. In vielen Jahren davor hielten sich die Fälle jedoch in Grenzen.
spiegel.de, pen.org
(Foto: Christopher Katsarov / AP / picturedesk.com)

Hör-Tipp: Zum 35. Jahrestag der deutschen Wiedervereinigung zeichnet die Podcast-Reihe "DNA des Ostens" vom MDR ein "vielstimmiges Porträt ostdeutscher Lebensrealitäten". Schauspielerin Anna Thalbach führt durch fünf Episoden "voller persönlicher Geschichten, gesellschaftlicher Reflexionen und überraschender Perspektiven". Folge 2 widmet sich den Klischees, die Medien von Ostdeutschland zeichnen.
ardaudiothek.de (5 Episoden à ca 25 Minuten), presseportal.de
(Bild: MDR)

Aller guten Dinge: "Table.Briefings" von Sebastian Turner meldet drei Neuzugänge in der Redaktion. Laura Block kommt von "The Pioneer" und soll über die SPD und Infrastruktur berichten. Magdalena Latz wird neue Korrespondentin für Gesundheitspolitik und die CSU, sie kommt vom Bayerischen Rundfunk. Beide schreiben für "Berlin.Table". Katharina Horban war Carlo-Schmid-Fellow bei der Nato und verstärkt das "Security.Table"-Team. Das Sicherheits-Briefing soll ab 2026 statt bisher dreimal pro Woche werktäglich erscheinen. Chefredakteur Michael Bröcker will mit dem Trio seinen "Deep-Journalism-Ansatz in wichtigen Zukunftsfeldern" ausbauen.
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(Fotos: via Table.Media, Montage: turi2)

Showdown mit Schnibben: Die Reporterfabrik will Filterblasen in der Debattenkultur durchstechen und startet das Debatten-Format "High Noon". Im Erstling treffen sich Melanie Amann, Ex-"Spiegel"-Vize, und Ulf Poschardt, Herausgeber von Springers "Welt", zum Diskussions-Duell mit Dompteur und Gastgeber Cordt Schnibben. Themen des zweistündigen "Hauen und Stechens" sind laut Pressemitteilung Trump und Musk, Klimawandel und Sozialstaat, "Shitbürger" und Staatsbürger, Disruption und Demokratie. Das Format lädt bewusst "prominente Meinungsmacher mit vollkommen konträren Ansichten" ein. Sie sollen sich so duellieren, "dass beide überleben". Die Reihe soll in etwa monatlich mit neuen Ausgaben kommen.
Poschardt sagt zu Beginn des Gesprächs über Amann: "Sie ist eine der wichtigsten deutschen Journalistinnen, die es geschafft hat, auch bei denen bekannt zu sein, die sie nicht mögen." Am Ende des Gesprächs sagt er: "Ihr Shitbürger habt es verkackt, und du bist unfähig zur Selbstkritik!". Amann über Poschardt: Er sei ein "reizender, selbstironischer Mensch", der als Journalist oft so auftritt, dass "ich diesen Menschen vermisse", wenn er zum Spaltungs-Influencer wird.
akademie.reporterfabrik.org (108-Min-Video, nach Anmeldung frei)
(Foto: Reporterfabrik)

Termin-Tipp: Ab 10. Oktober gilt die neue EU-Werbeverordnung, TTPA, die u.a. dazu führt, dass sich Google und Meta erstmal aus politischer Werbung raushalten wollen. Auch Medienhäuser haben anscheinend Probleme bei der Umsetzung. "Table Briefings" von Sebastian Turner will heute ab 12 Uhr mit Medienrechtler Malte Baumann und Berater Jochen König eine "tragfähige Lösung" vorstellen. Die Teilnahme in Berlin und im Stream ist kostenlos.
table.media

Kompetenz-Allianz: ARD, ZDF und Deutschlandradio planen eine "Allianz für Medienkompetenz", berichtet "epd Medien". Eine Arbeitsgruppe zur Vorbereitung sei bereits gegründet. Die neue Allianz solle "Kompetenzen bündeln", neue Möglichkeiten sondieren sowie bestehende Angebote einbeziehen. Bei der Umsetzung könnten auch externe Partner mitwirken. Der neue Reformstaatsvertrag für den ÖRR, der am 1. Dezember in Kraft treten soll, verpflichtet die Sender, sich verstärkt dem Thema Medienkompetenz zu widmen.
medien.epd.de (€)

Linksdrift? Kultur- und Medienstaatsminister Wolfram Weimer wirft dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk Einseitigkeit vor. Im "RND"-Interview sagt er, der ÖRR habe "ein Akzeptanzproblem, weil er politisch links geneigt wirkt". Es sei "nicht gut, wenn viele Millionen Deutsche zwar Zwangsbeiträge zahlen müssen, aber das Gefühl haben, dass sie dort nicht vertreten werden". Dennoch sei Weimer "ein Verfechter" des ÖRR, der "wichtig für die politische Kultur des Landes" sei und daher "über die Rundfunkbeiträge finanziell abgesichert bleiben" müsse. Mit Blick auf US-Tech-Unternehmen strebt Weimer an, auch "Google dem deutschen Presserecht und dessen Haftung" zu unterwerfen. "Wir können nicht zulassen, dass Big-Tech-Plattformen die Deutungsmacht bekommen und wir das nicht mehr demokratisch kontrollieren können", sagt er. Zu seiner Idee eines "Plattform-Solis" wolle er im Herbst ein Eckpunktepapier vorlegen und erwartet, dass die Einnahmen einen "nennenswerten Betrag" erreichen.
rnd.de (€, Interview), rnd.de (Kurzfassung), evangelische-zeitung.de (ÖRR-Kritik) via "KNA-Mediendienst"
(Foto: BKM / Kay Henschelmann)

Döpfcast: Springer-Boss Mathias Döpfner startet den regelmäßigen Podcast "md meets". Darin spricht Döpfner mit "bedeutenden Persönlichkeiten über die wichtigsten politischen, wirtschaftlichen, technologischen und kulturellen Themen unserer Zeit". Für die Produktion zeichnen Filipp Piatov und Daniel van Moll verantwortlich, die auch den Podcast von Paul Ronzheimer produzieren. Erster Gast ist OpenAI-Chef Sam Altman, den der Medienkonzern kürzlich mit dem "Axel Springer Award" ausgezeichnet hat.
welt.de, linkedin.com
(Bild: Axel Springer)

Zum Auftakt eines Prozesses um die Rundfunkbeitragspflicht vor dem Bundesverwaltungsgericht in Leipzig ist es zu Protesten gekommen, berichtet der KNA-Mediendienst. Neben dem Gerichtsgebäude hatten Gegner der Rundfunkbeitragspflicht eine Bühne aufgebaut. Davor versammelten sich gut hundert Protestierende (Foto), unter anderem mit Schildern wie "Propagandasteuer abschaffen". Die Klägerin selbst war nicht anwesend. Neben ihren Anwälten ließ sie sich vom Gründer der "Bürgerinitiative Leuchtturm ARD", Jimmy Gerum, vertreten. In dem Revisionsverfahren wirft die Klägerin aus Bayern dem ÖRR vor, seinen gesetzlichen Auftrag nicht zu erfüllen, weil er kein vielfältiges und ausgewogenes Programm biete. Er diene ihrer Meinung nach als "Erfüllungsgehilfe der vorherrschenden staatlichen Meinungsmacht", in seinen Aufsichtsgremien herrsche zudem mangelnde Staatsferne.
Mit ihrer Klage gegen die Pflicht zur Zahlung des Rundfunkbeitrags hatte die Klägerin in den Vorinstanzen keinen Erfolg. Sie war aber wegen der "grundsätzlichen Bedeutung" des Themas zur Revision beim obersten Verwaltungsgericht Deutschlands zugelassen worden.
In der Verhandlung diskutierte der 6. Senat am Mittwoch mit der Klägerseite sowie Vertretern des Bayerischen Rundfunks, inwieweit sich für den Sachverhalt eine Bindungspflicht aus einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts aus dem Jahr 2018 ergibt. Karlsruhe hatte darin festgestellt, dass die Rundfunkbeitragspflicht mit der Verfassung vereinbar ist.
Außerdem ging es um die Programmautonomie, der der Gesetzgeber einen hohen Stellenwert eingeräumt hat. Bei der Frage, ob der ÖRR seinem Auftrag gerecht werde, müsse man dessen gesamtes Angebot berücksichtigen. Es reiche nicht aus, dies nur an einzelnen Sendungen oder einzelnen Sendeanstalten festzumachen, betonte der Vorsitzende Richter Ingo Kraft.
Das Gericht will sein Urteil am 15. Oktober verkünden.
Diese Meldung ist eine leicht bearbeitete Nachricht des KNA Mediendienstes
(Foto: Hendrik Schmidt / dpa / picturedesk.com)