turi2 edition #18: Finanztip-Chef Hermann-Josef Tenhagen im Porträt.


Auf der richtigen Seite: Hermann-Josef Tenhagen nervt mit seiner Arbeit Banken und unterstützt Verbraucherinnen. Eine sendungsbewusste Art gehört für ihn zu den wichtigsten Tugenden im Journalismus, und so ist der Chef von Finanztip.de omnipräsent und multimedial unterwegs. Die Finanzbranche sollte sich als Dienstleister verstehen, sagt er.

Geld, sagt Hermann-Josef Tenhagen, muss gar nicht kompliziert sein. Das verdeutlich er am „Vier-Töpfe-Prinzip“: Gratis-Girokonto, Tagesgeldkonto, ETF-Sparplan, kostenlose Kreditkarte. Das reiche, um die eigenen Finanzen zu organisieren und geregelt zu sparen. „Geld bestimmt unser Leben, deswegen sollte sich jede und jeder zumindest mit den Grundlagen befassen.“

Der frühere „taz“-Redakteur ist einer bekanntesten deutschen Verbraucherjournalisten. Nach 15 Jahren bei „Finanztest“ arbeitet Tenhagen seit 2014 beim kurz zuvor gegründeten Finanztip.de und hat das Onlineportal zu einer gefragten Adresse gemacht. Über 900.000 Personen beziehen den wöchentlichen Newsletter, die mehr als 1.000 „Finanztip“-Ratgeber werden jährlich rund 60 Millionen Mal abgerufen, der YouTube-Kanal zählt gut 360.000 Abos.

Tenhagens Antrieb ist, „Menschen zu mehr finanziellem Freiraum zu verhelfen. Vor allem jenen, die nicht über die Mittel verfügen, für Beratung Geld auszugeben“. Deshalb fühlt er sich bei Finanztip gut aufgehoben. Den Geldratgeber haben die durch den Verkauf ihrer Baufinanzierungsplattform Interhyp reich gewordenen Marcus Wolsdorf und Robert Haselsteiner als gemeinnützige GmbH gegründet und inzwischen in die Finanztip Stiftung überführt. Ihr Ziel: Vor allem wirtschaftlich schlechter gestellte Menschen sollen sich einfach, verständlich und kostenlos über Finanzen informieren können.

Banken und Versicherungen sind von Tenhagen und seiner Truppe mitunter ganz schön genervt. Zum Beispiel, wenn auf Finanztip.de Musterbriefe veröffentlicht werden, mit denen Kundinnen zu Unrecht erhobene Gebühren für Kreditbearbeitung oder Kontoführung zurückfordern können. Dann bekommen Banken säckeweise Post und viel Arbeit. „Ich will das Gefühl haben, auf der richtigen Seite zu stehen“, so Tenhagen. Die Finanzbranche sollte sich als Dienstleister verstehen und ihre Kundinnen und Kunden im besten Sinne beraten, statt provisionsgetriebene Produkte zu verkaufen, sagt er. „Es darf nicht sein, dass der Schwanz mit dem Hund wackelt.“

Tenhagen ist omnipräsent und arbeitet multimedial. Er ist häufig Gast in TV-Talkshows und Ratgebersendungen wie „Mex“ und „MDR um 4“, kommentiert und kolumniert für „Spiegel“, „SZ“ und RadioEins. Sendungsbewusstsein gehört für ihn zu den wichtigsten Tugenden im Journalismus. „Wir wollen unsere Themen und Informationen doch in die Welt bringen.“ Wenn dann noch Spaß an Sprache hinzukommt und die Fähigkeit, Sachverhalte verständlich zu formulieren, seien das beste Voraussetzungen für journalistisches Arbeiten.

Der Chef lässt auch andere glänzen. In der rund 30-köpfigen Redaktion ist zum Beispiel Saidi Sulilatu das Finanztip-Gesicht auf YouTube und im Social Web. „Ich freue mich über jede Idee und jede Innovation, die bei uns im Team entsteht und fliegt“, betont Tenhagen. So sei auch der TikTok-Kanal entstanden. Sophie, eine junge Mitarbeiterin, sollte für die Initiative „Finanztip Schule“ Kontakte zu Lehrerinnen herstellen, was sich als zähes Projekt erwies. Also schlug sie vor, die junge Generation direkt über TikTok anzusprechen. Ein Volltreffer: Finanztip hat dort inzwischen mehr als 300 Clips veröffentlicht und erreicht rund 330.000 Follower. „Immer wieder Neues ausprobieren, das treibt mich an“, sagt Tenhagen, der seinen SEO-Profis genau zuhört. „Wir können im Digitalen sehen, was bei unserem Publikum ankommt und was nicht. Diese Werkzeuge sollten wir nutzen, um so viele Menschen zu erreichen wie möglich.“

3 Karriere-Tipps von Hermann-Josef Tenhagen:
1 Basis legen: Eine Ausbildung machen und vieles ausprobieren.
2. Fragen stellen: Was kannst du am besten, was macht dir am meisten Freude?
3. Entscheidung treffen: Höre auf dein Bauchgefühl, folge deinen Talenten.

Hermann-Josef Tenhagen
Geb. 1963 in Wesel
1984 Studium Politik, VWL, Literaturwissenschaft und Pädagogik in Bonn
1987 Graduiertenkolleg Politikwissenschaften, Baylor University, Waco/USA
1988 Diplomstudium Politikwissenschaften an der FU Berlin
1991 Redakteur & später Ressortleiter „Wirtschaft und Umwelt“ bei der „taz“
1996 Vize-Chefredakteur der „taz“
1998 Nachrichtenchef „Badische Zeitung“, Freiburg
1999 Chefredakteur „Finanztest“ von der Stiftung Warentest
2014 Chefredakteur & Geschäftsführer Finanztip.de


Foto: Micha Kirsten

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turi2 edition #18: Oliver Santen, Kommunikationschef des Bundesverbands Deutscher Banken, im Porträt.


Boulevard durchs Bankenviertel: Seine Karriere beginnt Oliver Santen bei einer Zeitung mit sehr großen Schlagzeilen. Als Kommunikationschef des Bundesverbands Deutscher Banken wünscht er sich heute von der Finanzbranche manchmal etwas mehr Klartext.

Journalismus, Kommunikation, Journalismus, Kommunikation. Das ist, in stark komprimierter Form, der berufliche Werdegang von Oliver Santen. Die etwas längere Fassung lautet so: Santen startet als Redakteur bei „Bild“ und „Welt am Sonntag“, spricht dann für die Allianz, kehrt als Wirtschafts- und Politikchef von „Bild“ zu Springer zurück und leitet seit mehr als zehn Jahren die Kommunikation namhafter Unternehmen und Verbände. Derzeit sorgt er dafür, dass die privaten Banken in Deutschland in der Öffentlichkeit gut dastehen.

Journalismus und Kommunikation sind für Santen ohnehin keine komplett getrennten Welten, auch durchs Bankenviertel führt ja zuweilen ein Boulevard. Als Kommunikationschef des Bundesverbands Deutscher Banken geht er darin auf, komplizierte Themen einordnen und erklären zu müssen, sagt er: „Mit Sprache und Bildern arbeiten, daran feilen, weiter vereinfachen.“ Santen wünscht sich, dass die Finanzbranche insgesamt „klarer und emotionaler“ kommuniziert. Eine Karriere dort empfiehlt er Menschen, „die gerne mit Themen arbeiten, die alle etwas angehen, und die Fragen stellen, die jedem auf der Seele brennen“.

Eine weitere Gemeinsamkeit zwischen Journalismus und Kommunikation ist auch das gute Gefühl, das sich bei Santen zuweilen am Ende eines Arbeitstags einstellt: das Gefühl, „einerseits völlig ausgepowert zu sein und andererseits gemeinsam mit meinem Team etwas ganz Konkretes geschafft zu haben“. Früher verschaffte ihm die gedruckte Zeitung in der Hand dieses Gefühl. „Heute ist die Welt viel digitaler geworden, aber das Erlebnis ist das gleiche.“ Und noch etwas hat er auf seinen beruflichen Stationen zwischen Journalismus und Kommunikation gelernt: „Ohne eine Handvoll verlässliche, loyale Freunde komme ich weder durch eine Krise noch durch mein Leben.“

3 Tipps von Oliver Santen

Für Anfänger: Bleib immer neugierig. Bau dir ein Netzwerk auf und pflege
es kontinuierlich. Arbeite eine Zeit lang im Ausland.

Für Profis: Verliere nie den externen Blick auf deine Organisation, sondern versuche, sie genauso zu
sehen, wie am ersten Arbeitstag. Das ist Gold wert, denn so wirst du nicht betriebsblind.

Für den Umgang mit Geld: Kümmere dich heute um dein Geld, nicht morgen oder übermorgen. Investiere nur in das, was du verstehst. Sprich mit anderen über Geld.

Oliver Santen
Geb. 1969 in Schwerte (Ruhr)
1990 Publizistik-Studium in Münster
1996 Journalistenschule Axel Springer
1998 Politikredakteur bei „Bild“
1999 Parlamentskorrespondent der „Welt am Sonntag“
2000 Pressesprecher der Allianz Gruppe
2004 Axel Springer, zuletzt Politik- und Wirtschaftschef „Bild“
2011 Siemens, zuletzt Head of Public Relations and Technology Media
2017 Kommunikationschef Bundesverband Deutscher Banken


Foto: hoffotografen.de

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turi2 edition #18: Finanzjournalistin Jessica Schwarzer im Porträt.


Nutzwert statt Nullnummer: Jessica Schwarzer kommt zunächst nicht auf die Idee, Finanzjournalistin zu werden. Ein Praktikum bei der „Handelsblatt“-Tochter DM Online weckt schließlich ihr "Börsenblut". Heute ist das tägliche Auf und Ab der Märkte ihre Passion. Das "Rüstzeug zum Zocken" erfährt man von ihr aber nicht.

Seit über 25 Jahren sind Geldanlagen die journalistische Heimat von Jessica Schwarzer. Doch heute definiert sie ihren Beruf „völlig anders als früher“: Schwarzer schreibt, moderiert Events, gastiert in Podcasts, dreht Videos, leitet Seminare und macht Social Media. Die Börse hatte sie beruflich zunächst gar nicht auf dem Schirm, dafür aber den Journalismus. Ihr Kindheits-Idol ist die rasende Reporterin Karla Kolumna aus den Hörspielen um Benjamin Blümchen.

Nach dem Politik- und Geschichtsstudium in Düsseldorf macht sie ein Praktikum bei der damaligen „Handelsblatt“-Tochter DM Online. Der Redaktionsleiter Matthias von Arnim erkennt Schwarzers Börsenblut. „Vorher war ich gar nicht auf die Idee gekommen, dass ich Finanzjournalistin werden könnte“, erzählt sie. Knapp zehn Jahre später startet sie beim „Handelsblatt“ und erklimmt die Karriereleiter: Von der Redakteurin im Newsroom entwickelt sie sich zur Ressortleiterin Finanzen und dann zur Chefkorrespondentin. 2018 entscheidet sie sich schließlich für die Selbstständigkeit als Journalistin, Autorin und Moderatorin. Was bleibt ist „das Spannendste an meinem Job: das tägliche Auf und Ab an den Märkten“.

Neue Möglichkeiten auszutesten, ist Jessica Schwarzer wichtig. Gleichzeitig ist sie ein „großer Fan des guten, alten Nutzwert-Journalismus“. Sie empfiehlt deshalb eher, „die Grundlagen der erfolgreichen Geldanlage zu vermitteln als das Rüstzeug zum Zocken“. Auch wenn letzteres etwas aufregender scheine. Ein langer Atem sei an der Börse Grundvoraussetzung. Schwarzer empfiehlt für den Vermögensaufbau deshalb: „Langfristig denken und sein Risiko breit streuen – am besten mit Fonds und ETFs“. Ihre Karriere als Börsenanlegerin startet bereits 1996: Beim Börsengang der Deutschen Telekom ersteht sie ihre erste Aktie. Damit wird sie Unternehmerin, betont sie in einem Interview, denn Aktien sind Unternehmensbeteiligungen.

Jessica Schwarzer denkt Finanzjournalismus und Gleichberechtigung zusammen. Sie wünscht sich definitiv mehr Frauen in den Chefetagen der Finanzwelt, grundsätzlich mag sie die Branche aber. In ihren Seminaren stellt sie heraus, dass Frauen andere Erwerbsbiographien haben als Männer und deshalb auch anders mit ihrem Geld umgehen sollten. Schwarzer vermittelt Grundwissen, erklärt die Fachsprache und will so die Angst vor der Börse nehmen. Deshalb unterstützt sie auch die Initiative Finanz-Heldinnen, die Frauen für Geldfragen begeistern und mit Wissen unterstützen will. Dass männliche Bullen und Bären die Märkte dominieren, habe mit der heutigen Realität nichts mehr zu tun.

Schwarzer liebt es, „wenn die Ideen nur so sprudeln und meinen Auftraggebern auch gefallen“. Sie hat acht Bücher geschrieben und beweist, dass ihr Beruf vielseitig ist: Sie schreibt darüber, „wie wirklich jeder entspannt reich werden kann“, über Finanzplanung für Frauen und Emotionsregulierung bei schwerem Börsengang. Damit tritt sie den Beweis an, dass man über Geld eben doch sprechen kann – und auch schreiben.

Tipp von Jessica Schwarzer für eine Anfängerin: „Immer an die Leserin und den Leser denken. Heißt konkret: Lieber über Strategien für den langfristigen Vermögensaufbau zu berichten, als über die vermeintlich nächste 100-Prozent-Chance“

Jessica Schwarzer
Geb. 1974 in Düsseldorf
1995 Studium neuere Geschichte, Wirtschaftsgeschichte und Politik in Düsseldorf und Wien
1996 Kauf der ersten Aktie: Deutsche Telekom beim Börsengang
1999 Praktikum bei DM Online
2008 Redakteurin, später Ressortleiterin Finanzen und Chefkorrespondentin Börse beim „Handelsblatt“
2018 Freiberufliche Journalistin, Autorin und Moderatorin


Foto: Olaf Rayermann

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Porträt: Michael Helbig, Kommunikationschef der Kreditanstalt für Wiederaufbau.


Banking besser machen: Hätte Michael Helbig einen Trophäenschrank, könnte er dort so einige Auszeichnungen präsentieren: Journalistinnen wählten den Kommunikationschef der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) bei der Umfrage eines Fachmagazins im Jahr 2021 zum Unternehmenssprecher des Jahres in der Kategorie Bank. Und der Branchenverband DPRG zeichnete die Bank mit einem „Thought Leadership Award“ aus, weil sie es dank ihrer Kommunikation geschafft habe, sich als Vorreiter in Sachen Klimaschutz zu positionieren.

Der Förderbank KfW fällt es leichter als privaten Geschäftsbanken, Gutes zu tun. Denn ihr Auftrag besteht explizit darin, die wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Lebensbedingungen zu verbessern. Doch der Sozialwissenschaftler Helbig ordnet seine Arbeit auch ganz persönlich als „Arbeit an der Weiterentwicklung unserer Gesellschaft“ ein. „Die Finanzbranche hat sich schon vor einiger Zeit auf den Weg gemacht, nicht allein Erfolgsmeldungen in Bezug auf ihre Gewinne zu kommunizieren, sondern über die Wirkung ihres Handelns zu berichten“, sagt er und hält fest: „Ohne die Bereitstellung von Finanzmitteln läuft keine Investition in Klimaschutzmaßnahmen, keine Innovation im Bereich Digitalisierung, keine Baumaßnahme für Wohnungen oder Kitas.“

Dass er bei der staatlichen Bank KfW an der Schnittstelle zwischen Finanzmarkt und Politik arbeitet, ist für Helbig das Spannendste an seinem Job. Als Kommunikator müsse er dafür sorgen, dass die Anforderungen beider Seiten abgebildet sind, sagt er. „Daher muss man manchmal vermeintliche Widersprüche erkennen und so auflösen können, dass die dahinter liegenden Gründe verständlich werden.“ Dass eine Botschaft die gewünschten Adressatinnen erreicht, liegt indes nicht allein in seiner Hand. Umso größer ist die Freude, wenn sie bei den richtigen Leuten ankommt: „Ein guter Arbeitstag ist dann einer, wenn ein Konzept funktioniert und Unternehmen, Team, Zuhörerinnen und Zuhörer zufrieden sind.“

Michael Helbig
Geb. 1971 in Wuppertal
1992 Studium Sozialwissenschaften in Bochum
1997 Promotion, wissenschaftlicher Mitarbeiter bei Inwis
1999 Assistent beim Aufsichtsrat von DaimlerChrysler Services
2000 Abteilungsdirektor Kommunikation der Dresdner Bank
2006 Direktor Kommunikation und Pressesprecher der KfW


Foto: Alexander Kempf

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Porträt: Sina Mainitz, ZDF-Börsenreporterin.


Geht auf Nummer Sicher: Sina Mainitz läuft gern durch Wald und Wiese – Joggen und Yoga sind für die ZDF-Börsenreporterin der perfekte Ausgleich zum Berufsleben und dem Alltag mit zwei kleinen Kindern. Ihre Yoga-Ausbildung 2015 war „mit das Beste, was mir im Leben passieren konnte“, sagt sie heute. Der Sport bietet ein Kontrastprogramm zu den Themen, mit denen sich die Börsenexpertin beschäftigt, sobald sie die ZDF-Redaktion betritt. Ob Wirecard oder „manch anderer Skandal in der Finanzwelt“ – grundsätzlich stört Mainitz in der Finanzbranche eine gewisse „Gier nach dem schnellen Geld“. Sie würde den Sektor gerne „mehr menscheln lassen“ und „ethisch vertretbarer machen“.

In der Branche bewegt sich die gebürtige Marburgerin bereits seit vielen Jahren. Mainitz studiert zunächst Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Medien- und Kommunikationswirtschaft und geht danach für eine Hospitanz für längere Zeit ins ZDF-Studio nach New York. Anschließend arbeitet sie als Redakteurin und Reporterin für verschiedene Sendungen, bevor sie 2008 ins ZDF-Börsenstudio wechselt. Seitdem berichtet sie live für alle aktuellen Sendungen vom Börsenparkett.

Wenn Mainitz heute die Redaktion betritt, weiß sie nicht immer, was der Tag bringt. Mit ihren Kolleginnen bespricht sie die wichtigsten Themen, recherchiert und textet, um anschließend live aus Frankfurt zu berichten. Dann geht es schon weiter zur nächsten Sendung, in der es thematisch manchmal um etwas ganz anderes geht. Doch genau das liebt sie an ihrem Job: „sich täglich auf etwas Neues einlassen zu müssen und durch die Aktualität immer wieder überrascht zu werden“. Wenn sie es dann schafft, Wirtschaftsnachrichten so rüberzubringen, dass sie möglichst viele Menschen verstehen und die Redaktion zufrieden ist, „fahre ich mit einem Lächeln nach Hause“.

Weil dort ihre Familie auf sie wartet, arbeitet Mainitz in Teilzeit. Eine gesunde Work-Life-Balance macht für sie einen Profi in der Arbeitswelt aus. Diese Eigenschaft fehle vielen Führungkräften, glaubt sie. Sie räumt sich diese Zeit deshalb ein. Statt immer nur bei der Arbeit „durchzupowern“, genießt Mainitz das Leben viel mehr: „Ich bin dankbar für den Sonnenschein, für die Natur, für Gesundheit.“ Dinge, die Mainitz früher als zu selbstverständlich angesehen habe.

Auch beim Thema Finanzen ist ihr eine gewisse Balance wichtig. Mainitz selbst sieht sich nicht als „Zockerin“ und setzt nicht alles auf eine Karte. Wer sich noch nicht lange mit Aktien beschäftigt, sollte Geduld haben und breit streuen, rät sie. Der Aktienmarkt sei „nichts für jemanden, der schnelles Geld verdienen will“. Wer Geld hat, sollte dann „etwas Sinnvolles damit tun“, sagt Mainitz. Die einen wollen über die Runden kommen, andere möchten sich einen Traum erfüllen oder anderen mit weniger Geld helfen. Wofür man sein Geld ausgibt, „ist eine ganz individuelle Sache“.

Geld-Tipp von Sina Mainitz für Anfängerinnen:
„Lesen, lesen, lesen und sich informieren – auf Portalen wie der Verbraucherzentrale oder den guten alten Bankberater fragen“


Sina Mainitz im turi2 Jobs-Podcast mit Pauline Stahl

Sina Mainitz
Geb. 1977 in Marburg
1996 Studium der Pharmazie in Marburg
1999 Mitarbeit beim ZDF, duales Studium BWL in Ravensburg
2002 Hospitanz im ZDF-Studio New York
2003 Trainee, Redakteurin und Moderatorin beim ZDF
2008 Moderatorin und Redakteurin im ZDF-Börsenstudio in Frankfurt
2015 Ausbildung zur Yogalehrerin


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Porträt: Astrid Zehbe, Finanzjournalistin.


Geld als Mittel zum Zweck: Dass Frauen wirtschaftlich und beruflich auf eigenen Füßen stehen sollten, muss Astrid Zehbe nicht erst lernen – sie hat es nie anders kennengelernt. Zehbe kommt in Ostberlin zur Welt und wächst in der DDR auf. Alle Frauen in ihrer Familie und ihrem Umfeld haben Vollzeit-Jobs, einige sogar Führungsfunktionen.

Zehbe macht das Verdienen und Vermehren des Geldes zum Beruf – jedenfalls in der Theorie. Nach BWL- und Journalismus-Studium wird sie Redakteurin beim Finanzen Verlag. Ihr Fachthema gehört für sie nicht in eine Nische: „Wer versteht, wie die Finanzmärkte ticken, der kann viele politische und gesellschaftliche Entwicklungen ableiten, besser einordnen und hinterfragen.“ Anders gesagt: „Money makes the world go round.“

Geld ist für Zehbe auch Mittel zum Zweck: Es zu nutzen, „um finanziell möglichst unabhängig zu werden“, ist ihr wichtigster Finanz-Tipp. Seit dem vergangenen Jahr beschäftigt sie das Thema nicht mehr nur publizistisch. Sie ist selbst Unternehmerin geworden: Mit ihrer langjährigen Kollegin Daniela Meyer hat Zehbe die Agentur Fresh & Furious gegründet, die für Verlage und Finanzdienstleister journalistische Produkte entwickelt. An der neuen Rolle schätzt sie den „gestalterischen Freiraum und die Möglichkeit, selbst etwas aufzubauen“.

Wichtigstes Produkt der beiden Gründerinnen ist „Finanzielle“, ein viermal pro Jahr erscheinendes Magazin für Frauen, das mit Dienstleistungen wie Veranstaltungen, Seminaren und Beratung verknüpft ist. Zehbe und Mayer haben „Finanzielle“ als Beiboot der Frauenzeitschrift „Emotion“ von Verlegerin Katarzyna Mol-Wolf entwickelt. Wie verhandeln Frauen gut? Wie sollten sie ihr Geld anlegen? Und wie gelingt mit seiner Hilfe ein genussvolles Leben? Das sind Fragen, mit denen sich Zehbe für „Finanzielle“ befasst.

Dass Geld zwar wichtig, aber nicht das Wichtigste ist, muss ihr aber niemand erklären. Sie weiß das seit ihrem 16. Lebensjahr, als sie eine Krebsdiagnose erhält. Astrid Zehbe hat das Glück, nach einem Jahr mit Operationen, Chemotherapie und Bestrahlung wieder ganz gesund zu werden. „Ich musste sehr früh erfahren, dass das Leben sich von einer Minute auf die andere gravierend verändern kann – und schlimmstenfalls sogar vorbei sein kann“, sagt sie heute. „Das hat mich dahingehend geprägt, als dass ich versuche, meine Zeit mit Tätigkeiten zu verbringen, die mich erfüllen, die mir gut tun und bei denen vor allem meine Familie mit von der Partie ist.“

3 Karriere-Tipps von Astrid Zehbe:
1. Bleibe offen für Neues und bilde dich fort – dein Leben lang.
2. Habe Respekt, aber habe keine Angst! Übernimm Verantwortung, auch wenn du glaubst, noch nicht so weit zu sein – man wächst mit seinen Aufgaben. Alles Talent hilft nichts, wenn Angst oder Bequemlichkeit daran hindern, dieses Talent zu nutzen.
3. Bleibe als Profi neugierig, aber immer auch kritisch. Wer betriebsblind und voreingenommen wird, verspielt sich Chancen und die Möglichkeit, sich weiterzuentwickeln. Frischer Wind hält fit!

Astrid Zehbe
Geb. 1982 in Berlin
2002 BWL-Studium mit Aufenthalten in Prag und Genf
2009 Journalismus-Studium in Mainz mit Aufenthalt in Memphis
2011 Finanzredakteurin beim Finanzen Verlag in München
2014 Korrespondentin in Berlin für den Finanzen Verlag
2019 Co-Gründerin und -Chefredakteurin des Magazins „Courage“ im Finanzen Verlag
2021 Gründung der Zeitschrift „Finanzielle“ sowie der Agentur Fresh & Furious


Foto: Markus Witte

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Porträt: Thomas Kehl, Finanz-Influencer und Mitgründer von Finanzfluss.


Auf Bildungsmission: Thomas Kehl spricht ruhig, fast sanft, und hat so gar nichts Überhebliches an sich. Im Vergleich dazu klingt der Titel seines gedruckten Erstlings „Das einzige Buch, das Du über Finanzen lesen solltest“ beinahe marktschreierisch. Seine Fans und Leserinnen haben die augenzwinkernde Botschaft der gewählten Zeile allerdings verstanden – und Kehl auf Anhieb zum Bestseller-Autor gemacht. Dabei ist das Buch, geschrieben mit Co-Autorin Mona Linke, nur ein Nebenprodukt auf seiner „Mission“, wie er gerne sagt, den Menschen finanzielle Bildung beizubringen. „Jeder sollte in der Lage sein, sich um sein eigenes Geld zu kümmern“, so Kehl.

Deshalb gründet der ehemalige Investmentbanker mit seinem Schulfreund Arno Krieger 2019 das Startup Finflow. Schon ein paar Jahre zuvor beginnen sie mit wenig Ahnung, aber viel Engagement, Erklär-Videos zum Einmaleins der Finanzen zu drehen. Eine Marktlücke, wie sich bald herausstellt. Ihr YouTube-Kanal namens Finanzfluss wird vom Versuchsballon zum Überflieger – mit aktuell fast einer Million Abos. Die Marke Finanzfluss ist inzwischen auf allen wichtigen Kanälen präsent und hat ihr Programm durch Ratgeber, Rechner und Produktvergleiche kräftig erweitert. Die junge Firma beschäftigt rund 15 Mitarbeitende, darunter Entwickler, Mediengestalter, eine Redaktion und eine Social-Media-Managerin.

Thomas Kehl genießt seine verschiedenen Rollen: als Unternehmer, der strategisch denkt, als Journalist, der recherchiert und moderiert, als Produktmanager, der mit seinem Team neue Formate entwickelt. Auch redaktionelle Routinen gehören dazu: Jeden Mittwoch und jeden Sonntag erscheint ein frisches Video auf YouTube. „Diesen Mix an Anforderungen und Aufgaben finde ich spannend, das macht meinen Job aus“, sagt der gelernte Bankkaufmann. Kehl ist das prominent gewordene Gesicht von Finanzfluss, laut eigenen Angaben die „größte Community für finanzielle Selbstentscheider im deutschsprachigen Raum“. Seine populärsten Videos „Bitcoin erklärt“ und „Aktien & Börse verstehen“ wurden über 1,8 Millionen Mal abgerufen. Auf der hohen Reichweite basiert das Geschäftsmodell: Provisionen aus Affiliate-Marketing und Einnahmen aus Werbung und Sponsorings sind die wichtigsten Erlösquellen. Unabhängigkeit ist dem Gründer-Duo wichtig: „Wer über Finanzen aufklärt, darf nicht finanziell befangen sein.“

Genau das kritisieren sie an der Branche: Weil Beraterinnen viel zu oft produktbezogene Provisionen erhalten, kann das zu schlechteren Anlageempfehlungen führen. „Solche Interessenkonflikte sollte man erkennen, deshalb ist finanzielle Grundbildung so wichtig“, sagt Kehl. Die Finanzbranche sei überreguliert und für normale Anlegerinnen zu kompliziert. „Viele Neo-Banken machen vor, wie’s besser geht. Preisgestaltung und Nutzungserlebnis sind wirklich fortschrittlich.“

Kehl würde beruflich wieder den Schritt ins Geldbusiness gehen. Gute Erfahrung hat er damit gemacht, sich früh einen Mentor zu suchen. Über den Karriereservice an der Hochschule bekam er Kontakt zu einem Manager der Deutschen Bank. „Ein wertvoller Austausch, der bis heute besteht“, sagt der Finanzfluss-Macher. Deshalb rät er auch Nachwuchskräften dazu. Wenn sie auf ihrem Gebiet spannende Menschen mit Expertise entdecken, zum Beispiel auf Veranstaltungen oder in Business-Netzwerken, dann sollten sie diese ansprechen, so Kehl: „Einfach trauen und fragen. Menschen berichten gerne über ihren Beruf. Erst recht, wenn sie dadurch junge Leute unterstützen können.“

3 Tipps von Thomas Kehl:
1. Machen: Ob als Buchhalter, Wirtschaftsprüfer, Banker – einfach loslegen: Praxis zählt am meisten.
2. Zeigen: Frühzeitig ein Linked-in-Profil anlegen, ehrlich und offen kommunizieren.
3. Verbinden: Kontakt suchen zu Leuten, die kompetent in deinem Interessenbereich sind.

Thomas Kehl
Geb. 1989 in Saarbrücken
2012 Ausbildung zum Bankkaufmann
2014 Studium Wirtschaftswissenschaften, Management & Finanzen in Frankfurt, London und Paris
2016 Start des YouTube-Kanals Finanzfluss
2017 Finanzanalyst bei der Investmentbank Natixis in Paris
2019 Gründung der Firma Finflow mit Arno Krieger, Finanzfluss wird Hauptberuf
2022 Autor „Das einzige Buch, das Du über Finanzen lesen solltest“


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Porträt: Annette Weisbach, freie Wirtschaftsjournalistin.


To make a difference: Momentan sei wirklich eine besondere Zeit, sagt Annette Weisbach. In ihrem Beruf begegnen ihr all die großen Fragen: Wie geht es weiter mit China? Gelingt die grüne Transformation der Wirtschaft? Und schließlich Digitalisierung, Krypto und das Metaverse: Was wird kommen, was ist nur ein Hype? Diese Fragen bewegen auch die Finanzwelt, über die Weisbach täglich berichtet. Diese Welt kennt sie von innen: Nach dem VWL-Studium begleitet sie unter anderem den Chief Economist der Deutschen Bank und arbeitet als Investmentbankerin, bevor sie 2007 zu Bloomberg TV nach London und damit in den Journalismus wechselt – für sie ein wegweisender Schritt.

Ihre Erfahrung kommt ihr dort zugute: „Bei Ausbruch der Finanzkrise war ich eine der wenigen im Newsteam, die grundsätzlich die Struktur von Subprime Markets et cetera verstanden hat“, erinnert sie sich. Dennoch findet sie, die Finanzbranche solle kreativer werden und sich mehr für Menschen ohne klassischen Wirtschaftshintergrund öffnen. In England sei das zum Beispiel der Fall und führe auch dazu, dass der Beruf breiter akzeptiert werde. Voraussetzung für Erfolg im Feld der Finanzen ist laut Weisbach, international arbeiten zu wollen, keine Scheu vor Zahlen zu haben und neugierig zu sein.

2009 macht sie sich als Wirtschaftsjournalistin selbstständig. Seitdem arbeitet sie für den globalen Finanznachrichtensender CNBC und die Deutsche Welle, außerdem ist sie Ghostwriterin und trainiert Führungskräfte für Auftritte vor Kameras oder Publikum. 2021 kommt eine weitere regelmäßige Tätigkeit hinzu: Sie hostet das „Investment Briefing“ bei Gabor Steingarts Media Pioneer. „Es bleibt wirklich interessant, auch nach vielen Jahren“, sagt Weisbach über ihre Arbeit, bei der sie immer wieder dazulernen und Menschen treffen darf, die etwas bewegen wollen.

Ihr wichtigstes Learning dabei: „Authentisch und menschlich zu bleiben lohnt sich.“ Dann erfahre man, wie das Gegenüber tickt. „Wenn ich die Möglichkeit hatte, ein Thema mit einem interessanten Gespräch aufzuarbeiten oder jemanden durch ein Medientraining wirklich weitergeholfen habe“, sagt sie, sei das für sie ein guter Tag. Kurz: Wenn sie einen Unterschied gemacht hat.

Annette Weisbach
Geb. 1976 in Königstein
1997 Studium der VWL und Politikwissenschaften
2003 Deutsche Bank, Assistentin des Chefvolkswirts
2003 FREO Financial & Real Estate
2005 Macquarie Corporate Finance
2007 Bloomberg TV in London
2009 Freie Journalistin u.a. für CNBC und DW TV, Trainerin und Ghostwritern
2021 „Das Investment Briefing“ bei The Pioneer


Foto: Hannelore Foerster

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Porträt: Kristina Jeromin, grüne Finanzexpertin.


Über den Tellerrand hinaus: Von ihrer Oma hat Kristina Jeromin gelernt: „Ebbes ist immer für Ebbes gut.“ Für irgendwas ist alles immer gut. Oder, in Jeromins eigenen Worten: „Nicht am Anfang jedes Weges lässt sich absehen, wohin er führen wird.“ Ihre Erfahrungen bestätigen, dass es oft die vermeintlichen Fehlentscheidungen oder großen Kompromisse im Leben sind, „die besonders weit führen“.

Jeromin hat das Leben nach dem Studium der Politikwissenschaften und Philosophie für mehr als zehn Jahre an die Deutsche Börse geführt. Dort verantwortet sie unter anderem das konzernweite Nachhaltigkeits-Management, bevor sie als Bundestagskandidatin der Grünen in Hessen antritt und den Konzern verlässt. Der Listenplatz 11 reicht nicht für den Einzug in den Bundestag, an einem nachhaltigen Finanzsystem arbeitet Jeromin trotzdem weiter.

Seit 2018 ist sie Geschäftsführerin der Initiative „Green and Sustainable Finance Cluster Germany“, deren Ziel die Bündelung nachhaltiger Aktivitäten in der Branche ist. Der Job überrascht Jeromin immer wieder: Es sei spannend, die Entwicklung der letzten Jahre zu begleiten und manchmal auch „proaktiv beeinflussen zu können“. Dabei wünscht sie sich manchmal weniger „So war das schon immer“ – und mehr „Lasst uns das einfach mal versuchen”. Dazu gehört für Jeromin mit Blick auf den Aufbau nachhaltiger Wirtschaftsstrukturen ein ganzheitlicher Ansatz: „Häufig verliert sich die Diskussion in Details einzelner Wertschöpfungsbereiche.“ Und: mehr Vielfalt. Denn ohne die könne der nötige wirtschaftliche Wandel und dessen Finanzierung nicht gelingen: „Wir brauchen alle Perspektiven mit am Tisch.“ Alle Geschlechter, Generationen, inhaltlichen Hintergründe. Wer Spaß an komplexen Sachverhalten hat, „detaillierter Kleinarbeit etwas abgewinnen kann“, aber auch „gerne visionär über den Tellerrand hinausschaut“, sei deshalb in der Finanzbranche genau richtig.

Kristina Jeromins bester Geld-Tipp ist der mit dem Stein: Nie dürfe man vergessen, dass Geld eine Wirkung hat, die sich nach einer Kauf- oder Anlageentscheidung entfalte „wie Wellen bei einem Stein, den man ins Wasser wirft“. Ganz genau vorhersagen kann diese Wellen niemand. Aber versuchen sollte man es trotzdem: „Dieses Gedankenspiel ist hilfreich für einen verantwortungsvollen Umgang mit Geld.“

Tipp vom Kristina Jeromin: „Bleibe wach und (selbst-)kritisch und verliere nie die Lust am Lernen“

Kristina Jeromin
geb. 1982 in Wiesbaden
2002 Studium Politikwissenschaften und Philosophie in Mainz
2009 Verantwortlich für Kommunikation von Nachhaltigkeitsthemen bei der Deutschen Börse
2015 Head of Group Sustainability Deutsche Börse
2018 Co-Geschäftsführerin des Green und Sustainable Finance Cluster Germany
2021 Bundestagskandidatin der Grünen in Hessen


Foto: Christof Mattes

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Inas Nureldin, Gründer der nachhaltigen Bank Tomorrow.


Begrünt Banking: Soziales Wohnen, Windparks und saubere Transportwege statt Rüstung, Massentierhaltung und Kohlekraftwerke: Inas Nureldin ist überzeugt, die Finanzbranche ist eine zentrale Säule für eine „durch Nachhaltigkeit geprägte Wirtschaft“. Die von ihm gegründete Tomorrow Bank orientiert sich bei ihrer Projektauswahl deshalb an den „Sustainable Development Goals“ der Vereinten Nationen und zieht dafür ein eigenes Gremium zu Rate.

Das Social Business will mit finanziellen Ressourcen einen positiven Wandel schaffen. Dieser liegt Nureldin nicht nur ökonomisch am Herzen: „Wenn ich das Gefühl habe, dass ich in meinem Job nichts Neues lerne, dann ist es Zeit, etwas zu verändern“, sagt er. Fachlich und persönlich möchte sich der Halbschwabe und Halbpalästinenser kontinuierlich weiterentwicklen.

Stuttgart, Kairo, Bodensee, Singapur, Hamburg – der ehemalige Waldorfschüler hat viele berufliche Stationen hinter sich gebracht. Nachdem Nureldin bei einem ägyptischen Business-Wettbewerb gewinnt, baut er parallel zum Bachelor-Studium sein erstes Startup auf. Die Mission: Mit einem Software-Unternehmen die Wertschöpfungsketten der Lebensmittelbranche offenlegen. Ab 2017 widmet er sich dann voll und ganz dem Kapitalmarkt. Der Wunsch nach Transparenz aber bleibt. Er glaubt, dass „Geld noch schneller und radikaler in die richtige Richtung gelenkt werden muss“. Entsprechend predigt der zweifache Vater: „Wer Ideen hat und sie umsetzen möchte, der sollte vor allem damit starten – jetzt und hier.“

Inas Nureldin sieht seine Tomorrow Bank als Vorkämpfer der schnelleren Transformation zu einer klimaneutralen Gesellschaft, „damit wir unsere Klimaziele noch rechtzeitig erreichen, bevor es zu spät ist“. Die „sehr eingefahrene Industrie“ brauche „neuen Atem“. Er will durch sein Handeln einen Unterschied machen. Ein nachhaltiges Girokonto sei ein erster Schritt. Nureldin pustet Staub von den Sparbüchern, macht Bankkarten aus Holz und bringt grünes Leben ins Bankenviertel.

Karriere-Tipp von Inas Nureldin: „Neugierig sein, vieles ausprobieren und keine Angst vor Fehlern oder Scheitern haben. Denn wer noch nie einen Fehler gemacht hat, hat sich noch nie an etwas Neuem versucht.“

Inas Nureldin
Geb. 1981 in Oberndorf am Neckar
2004 Studium Corporate Management & Economics in Friedrichshafen
2005 Gründung Salis IT Services
2008 International Social Entrepreneurship Program in Singapur
2015 Silicon Valley Immersion Program in San Francisco
2016 Executive Program Sustainability Management in Lüneburg
2017 Gründung Tomorrow mit Michael Schweikart und Jakob Berndt


Foto: Michi Schunck

Dieser Beitrag ist Teil der turi2 edition #18 Kapital – alle Geschichten hier im E-Paper:

turi2 edition #17: Zeit­verlag-Chef Rainer Esser ermächtigt gern andere.


Freiräumer: Rainer Esser, Geschäftsführer des Zeit­verlags, hat eine außergewöhnliche Erfolgs­geschichte geschrieben. Dafür lässt er viel Freiraum und will vor allem helfen, den Ideen anderer Leben einzuhauchen. Er wünscht sich in sämtlichen Bereichen die Empathie und den Willen, zuzuhören, erklärt er im Porträt der turi2 edition #17. Weiterlesen >>>

turi2 edition #17: Bascha Mika glaubt an Heldentum und Demut.


Idealistische Generalistin: Bascha Mika, Ex-Chefredakteurin der “taz” und der “Frankfurter Rundschau”, wurde “hardcore katholisch” erzogen. Das missionarische Gen trägt sie bis heute in sich. Mika findet erst vergleichsweise spät zum Journalismus und nimmt auf dem Weg mancherlei Kurven. “Als Chefin ist man immer auch Dienerin der Redaktion”, sagt sie im Porträt der turi2 edition #17. Weiterlesen >>>

turi2 edition #17: Katja von Doren setzt auf Neugier und Facettenreichtum.


Der Unterschied macht’s: Katja van Doren, Finanz- und Personalchefin von RWE Generation, soll verhindern, dass der Energie­riese zum Fossil wird. Dafür setzt sie auf Neugierde und “unterschiedlichste Talente” in ihrer Belegschaft. Sie rät insbesondere jungen Frauen dazu, sich finanziell unabhängig zu machen, erzählt sie im Porträt der turi2 edition #17. Weiterlesen >>>

turi2 edition #17: Digital-Unternehmerin Tijen Onaran ist nur am Wochenende still.


Mindset-Entstauberin: Für Tijen Onaran ist Diversität keine Option, sondern ein Muss. Mit ihrem Netzwerk Global Digital Women will sie das Thema auch in das hinterletzte Altherren-Zimmer bringen – und beweisen, dass Teilhabe an Macht “keine Frage der Herkunft ist”. Ab und zu könne sie sich aber auch etwas von ihrem Hund Leo abschauen, erzählt sie im Porträt in der turi2 edition #17. Weiterlesen >>>

turi2 edition #17: Bettina Fetzer will führen und loslassen.


Rasant, aber nicht abgehoben: Bettina Fetzer arbeitet sich von der Smart-Pressesprecherin zur globalen Kommunikations- und Marketing-Chefin von Mercedes-Benz hoch. Heute begleitet sie den Autobauer durch den Wandel. Ihre Wegweiser: Haltung und Vertrauen – auch in sich selbst, erzählt sie im Porträt in der turi2 edition #17. Weiterlesen >>>

turi2 edition #17: Douglas-CEO Tina Müller hält die Zügel in der Hand.


Karriere-Makeover: Tina Müller sieht Schönheit als lebenslangen Prozess – in den Menschen genauso viel investieren sollten wie in ihre Karriere. Der Beauty-Branche geht die heutige Douglas-Chefin nur einmal fremd, aber das unter großem Applaus. Sie habe eben ihre “Ansprüche und Maßstäbe”, erzählt sie im Porträt in der turi2 edition #17 Jobs. Weiterlesen >>>

Porträt: Markus Dohle, Chef von Penguin Random House.

Bücherwurm: Er hat von hinten angefangen: erst Vertrieb, dann Produktion, dann "Bücher machen", seit 2008 in New York. Nach fast 30 Jahren ist Markus Dohle noch nicht buchstabensatt.

Er hat immer eine Leseempfehlung parat. Geht es ums Thema Entscheidungen, rät Dohle zu "Think again" von Adam Grant, erschienen natürlich bei Penguin Random House. Und dazu, sich möglichst spät zu entschließen, um so viele Perspektiven wie möglich zu sammeln. Bücher, daran glaubt er fest, können Menschen "ein bisschen näher zu ihrem besten Ich" führen. Für jemanden, der daran arbeitet, "gute Spuren in Menschen zu hinterlassen", kann es also nur minimale Enttäuschungen geben: Zum Beispiel, wenn "eine tolle Geschichte viel zu wenig Leser findet".

Abgesehen davon darf man Markus Dohle wohl als zufriedensten Manager der Verlagsbranche bezeichnen: Seinem jüngeren Ich gibt er den Rat: "Hab‘ wieder genauso viel Glück!" – mit der kleinen Einschränkung: "Mach’s beim zweiten Mal noch etwas besser." Im nächsten Leben, sagt Dohle, wird er Autor. Obwohl: "Vielleicht schaffe ich es ja noch im Diesseits."

Markus Dohle
Geb. 1968 in Arnsberg
1994: Diplom-Wirtschaftsingenieur, Einstieg bei Bertelsmann
2002: Vorsitzender der Geschäfts-führung bei Mohn Media
2008: Chef von Random House in New York
2012: Das bis heute erfolgreichste Buch des Verlags erscheint: "50 Shades of Grey"
2013: Fusion mit Penguin Books
2020: Übernahme Verlagsgruppe Simon & Schuster


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Porträt: Screenforce-Chef Malte Hildebrandt.

Auf dem Schirm: Als Kind will Malte Hildebrandt Tennisprofi werden, nachdem er fasziniert den Ballwechsel zwischen Björn Borg und John McEnroe im Fernsehen verfolgt. Aus der Sportkarriere wird nichts. Dem Bildschirm bleibt er aber bis heute treu.

"Das Fernsehen, samt seiner digitalen Verlängerungen, ist der Kitt, der unsere Gesellschaft zusammenhält", glaubt der Geschäftsführer von Screenforce, der Initiative der TV-Vermarkter. Ihm ist wichtig, in mindestens zwei Meetings täglich herzhaft gelacht zu haben. Das heißt nicht, dass er seinem Umfeld mit Oberflächlichkeit begegnet – er setzt bloß auf Leichtigkeit, um die Arbeit "nicht zum alles dominierenden Inhalt des Lebens zu machen".

Nach dem Studium leitet der Betriebswirt das Produktmanagement von ProSieben. Zur Jahrtausendwende gründet er den Sportvermarkter Sports Interactive UK – wir erinnern uns an den Tennis-Traum. Doch nach wenigen Monaten zieht er weiter, zuerst zu Home Shopping Europe, dann zu Braun, 2005 wieder zu ProSieben. Schließlich landet er bei Screenforce. "Jeder Weg und jede Abzweigung hat etwas Gutes", sagt Hildebrandt. Angst vor falschen Entscheidungen ist überflüssig – das hat er vom Leben gelernt.

Malte Hildebrandt
Geb. 1966 in Hamburg
1988: Studium Business Administration in München und Oklahoma
2000: Gründung von Sports Interactive UK
2005: Marketing-Bereichsleiter bei ProSieben
2013: CMO bei ProSiebenSat.1
2016: selbstständiger Berater für Screenforce
2021: Geschäftsführer Screenforce


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Porträt: Marie-Louise Timcke, Datenjournalismus-Chefin der “Süddeutschen Zeitung”.


Daten-Deuterin: Stricken und Programmieren – das macht Marie-Louise Timcke am liebsten. Sie hat sogar mal ein Skript geschrieben, das Daten visualisiert und in Strickmuster übersetzt. In ihrer Freizeit, zum Spaß.

Nach dem Abi möchte Timcke Tumore erforschen, beginnt ein Studium am Bodensee. Was sie dort über wissenschaftliches Arbeiten lernt, nützt der Datenjournalistin noch heute. Ein Wissenschaftsjournalismus-Studium und ein paar Praktika später gründet sie die Initiative Journocode zur Fortbildung an der Schnittstelle von Journalismus und Datenwissenschaft. "Wir leben in einer datengetriebenen Welt", sagt Timcke. Wirtschaft und Regierung entscheiden anhand von Statistiken, Firmen handeln nicht mit dem Geld, sondern den Daten der Kundschaft. Damit Menschen das verstehen und hinterfragen können, "muss sich auch der Journalismus mit diesen Zahlen auskennen". 

Seit 2022 führt Timcke das Datenteam der "SZ". Sie schätzt die Abwechslung "von Programmieren und statistischem Analysieren bis zum Interviewen und Erzählen". Sogar die "eher ungeliebte" Datenbereinigung macht Spaß. Wenn dann noch der Code ohne Fehlermeldung durchläuft, ist ihr Tag gelungen.

Tipp von Marie-Louise Timcke: "Nimm Herausforderungen an, aber erwarte nicht zu viel von dir."

Marie-Louise Timcke
Geb. 1992 in München
2012: Studium Life Sciences in Konstanz
2014: Studium Wissenschafts-journalismus in Dortmund
2017: Gründung Journocode, Datenvolontärin und später Leiterin des Interaktiv-Teams der "Berliner Morgenpost"
2022: Leiterin des Datenteams der "Süddeutschen Zeitung"


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Porträt: ZDF-“heute”-Moderatorin Jana Pareigis.

Man kann nicht alles haben: Jana Pareigis ist leidenschaftlich gern Journalistin, perfekt ist ihr Job jedoch nicht. Die Anmoderationen "müssen immer so kurz sein", sie wünscht sich manchmal ein paar Sätze mehr. Und dass es "so viele schlechte Nachrichten gibt", ist freilich auch nicht ideal. Trotzdem freut sich die "heute"-Moderatorin, dass sie sich permanent mit dem Zeitgeschehen beschäftigen und Missstände aufdecken kann. Pareigis hofft, damit einen positiven Beitrag zur Gesellschaft zu leisten.

Diesen Drang verwirklicht sie nicht sofort in den Medien: Nach dem Abitur arbeitet sie ehrenamtlich in Simbabwe mit Kindern, bevor sie studiert und parallel für NDR Info und N24 tätig ist. Nach dem Volo 2008 bei der Deutschen Welle moderiert sie dort unter anderem das "Journal" und steigt 2014 beim ZDF-"Morgenmagazin" ein. Über das "Mittagsmagazin" gelangt sie zu den "heute"-Nachrichten, wo sie 2021 Petra Gersters Platz in der profilierten Ausgabe um 19 Uhr einnimmt.

In ihrem Beruf muss man sich die Neugierde bewahren, glaubt Pareigis. Sie legt Wert darauf, auch redaktionell an den Nachrichten mitzuarbeiten und "hätte kein Interesse daran, Sprecherin zu sein". Verständlich, immerhin ist ihr das Journalistinnen-Dasein schon im Abi-Buch prognostiziert worden. "Bundeskanzlerin stand da auch, aber das wird nichts mehr."

Jana Pareigis
Geb. 1981 in Hamburg
2001: Studium Politikwissenschaften und Afrika-Studien in Hamburg und Berlin
2008: Volo bei der Deutschen Welle
2010: Freie Redakteurin/Reporterin Moderatorin "Journal" der Deutschen Welle
2014: Moderatorin des ZDF-"Morgenmagazins"
2018: Moderatorin des ZDF-"Mittagsmagazins"
2021: Moderatorin der "heute"-Nachrichten im ZDF


(Foto: Holger Talinski)

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Porträt: Niddal Salah-Eldin, Chefin der Freetech-Academy.

Arbeitet am Journalismus von morgen: Niddal Salah-Eldin will für andere der Mensch sein, der ihr selbst beim Berufseinstieg gefehlt hat. Schon als sie digitale Innovationen in der Chefredaktion der "Welt" vorantreibt, sagt sie: "Wenn ich nur einem Menschen meine Erfahrung weitergeben kann und der davon profitiert, ist das für mich ein ganz großes Geschenk." Heute ist genau das ihr Job.

Salah-Eldin ist im Sudan geboren, aufgewachsen in Göttingen. Seit Herbst 2021 stattet sie als Geschäftsführerin von Springers FreeTech Academy ganze Jahrgänge von Nachwuchs-Journalistinnen mit dem richtigen Handwerkszeug aus. Ihre Mission ist es, Journalismus besser und zukunftsfähiger zu machen. "Diese Zukunft ist interdisziplinär und divers", sagt sie. Besonders die Schnittstelle zwischen Journalismus und Technologie hat sie dafür im Blick.

Was Salah-Eldin dabei gar nicht gebrauchen kann? Nuancenfreies Denken: "Das reflexhafte Ritual, alles immer einsortieren zu wollen, ödet mich an." Sie wünscht sich "mehr Ambiguitätstoleranz und weniger selbstgerechten Missionierungseifer aus allen Lagern". Salah-Eldin schätzt "Klartext und offene Diskussion, das gemeinsame Ringen um die beste Lösung". Und plädiert dafür, liebgewonnene Rituale zu hinterfragen und auch mal Dinge zu verlernen.

Den Nachwuchs warnt sie davor, sich an der eigenen Macht zu berauschen: "Die Leute erinnern sich nicht an deine Titel. Sondern an das, was du zum Guten verändert hast."

3 Karriere-Tipps von Niddal Salah-Eldin:
1. Werde so gut in dem, was du tust, dass man dich nicht ignorieren kann. Hervorragende Ergebnisse erzielen: Das gibt dir Freiheit. Kein Garant, aber ein wichtiger Baustein für Unabhängigkeit. Diese ermöglicht es dir bestenfalls, deine Jobs aussuchen zu können.
2. Bilde dich stets weiter. Wer glaubt, dass die Ausbildung oder ein Studium ausreicht, um über Jahrzehnte anschlussfähig zu bleiben, irrt gewaltig. Lebenslanges Lernen for the win! Es geht nicht nur darum, sich neues Wissen anzueignen. Man muss auch Rituale und Gelerntes hinterfragen. Das, was sich überholt hat, muss man abtragen.
3. Umarme die Chancen, die sich unterwegs bieten. Du musst nicht schon in der Schule wissen, was du mal werden willst. Ohne Scheuklappen sieht man mehr Land! Viel wichtiger ist aber dieser exklusive Ratschlag: Hör nicht zu viel auf Ratschläge anderer und vertraue im Zweifel dir und deinem Weg.

Niddal Salah-Eldin
Geb. 1985 in Khartum, Sudan, aufgewachsen in Göttingen
2005: Studium Publizistik und Politikwissenschaft in Mainz
2006: Hilfskraft beim ZDF
2013: Trainee bei Ketchum Pleon
2014: Gründungsmitglied des Social­-Media-Teams der "Welt"
2018: Director of Digital Innovation und Beraterin der Chefredaktion der "Welt"
2019: Vize-Chefredakteurin Produkt und Innovation bei dpa
2021: Geschäftsführerin FreeTech Academy, Springer


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Porträt: Marcus Englert, Gründer der Podcast-Plattform Julep.

Wünsche, Werte, Wille: Er liebt alte Autos, Fotoapparate, Plattenspieler. Deshalb hat sich Marcus Englert der Digitalisierung verschrieben: "Die Transformation von analoger Technik in das digitale Zeitalter ist die Leidenschaft, die ich zum Beruf gemacht habe."

Seit mehr als zehn Jahren arbeitet Englert selbstständig als Investor, Gründer, Berater und Aufsichtsrat, ist in viele Medien- und Digitalprojekte involviert. Sein jüngstes Projekt ist die Podcast-Plattform Julep. "Diese tägliche Vielfalt ist ein Geschenk", sagt Englert. Da muss man aufpassen, "sich nicht von den vielen Möglichkeiten erschlagen zu lassen". Der Fokus aufs Wichtige fordere Disziplin und Energie. Und manchmal die bewusste Suche nach Ruhe: "Du brauchst Oasen."

Englerts Weg in die Medien verläuft nicht schnurstracks. Am Cern-Institut in Zürich, wo nach den Gesetzen des Universums geforscht wird, promoviert er in Nuklearphysik. "Die abstrakte Denkschule hilft auch sehr in anderen Gebieten", sagt er. Seine Erkenntnis aus fast 30 Berufsjahren: "Das Produkt ist wichtig, aber die Menschen dahinter sind viel wichtiger." Klare Ziele und harte Arbeit werden belohnt, glaubt Marcus Englert. Aber bei allem Wünschen und Wollen rät er, die eigenen Werte nicht zu vergessen: "Agiere immer so, dass Du dich jeden Abend im Spiegel ansehen kannst."

Marcus Englert
Geb. 1965 in München
1985: Physik-Studium in München
1994: Promotion am Cern in Genf, Berater bei Boston Consulting
1998: Geschäftsführer ProSieben Media
1999: Vorstand der Kirch New Media
2006: Digital-Vorstand ProSiebenSat.1 Media
2010: Associate Partner und Geschäfts­führer Altman Solon
2020: Mitgründer der Podcast-Plattform Julep


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Porträt: Magdalena Rogl, Leiterin Diversity und Inklusion bei Microsoft.

Pädagogisch wertvoll: Mitte 20, geschieden, alleinerziehend. Vom Gehalt als Kinderpflegerin kann Magdalena Rogl mit zwei Kindern in München kaum leben. "Ich habe das als Chance genutzt, um mehr zu wachsen, als ich es mir je hätte vorstellen können", sagt sie zwölf Jahre später, inzwischen Führungskraft, glücklich verheiratet, Mutter von vier Kindern.

Rogl hat weder Abitur noch Hochschulabschluss. Ihre Familie ist akademisch geprägt, ihre Oma sagt einmal: "Bei uns gibt es die Fleißigen und die Klugen. Du bist eine von den Fleißigen." Sie meint das als Kompliment. Neben dem Job in einer Kinderkrippe beginnt Rogl, abends im Community-Management bei "Focus Online" zu arbeiten. 2011 übernimmt sie dessen Leitung, absolviert ein Online-Studium, arbeitet sich weiter hoch. Digital Native war sie nie, aber in Social Media fühlt sie sich zu Hause. Alles Technische bringt sie sich selbst bei.

2016 kommt Rogl zu Microsoft, seit 2021 ist sie "Project Lead für Diversity und Inklusion" im Personalbereich. Ihren Job findet Rogl "ziemlich perfekt". Etwas würde sie trotzdem gerne ändern: "Aus ‚Human Ressources‘ sollte ‚Human Relations‘ werden." Beziehungen statt Rohstoff.

Den roten Faden ihrer Biografie hat Rogl lange gesucht. Dabei ist er offensichtlich: "Ich liebe es, Menschen beim Wachsen zu begleiten."

Tipp von Magdalena Rogl: "Versuche, dir bewusst zu werden, wer du bist und wer du sein willst. Finde deine Werte und nutze sie als Kompass. Bau dir ein Netzwerk auf"

Magdalena Rogl
Geb. 1985 in München
2002: Ausbildung zur Erzieherin
2011: Leiterin Community Management bei "Focus Online", Online-Studium in Social Media und Community Management
2013: Managerin Online-Kommunikation bei "Tomorrow Focus"
2016: Head of Digital Channels bei Microsoft
2021: Project Lead für Diversity und Inklusion bei Microsoft


(Foto: Sapna Richter)

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Porträt: Florian Scholbeck, Geschäftsführer Kommunikation bei Aldi Nord.

Türöffner: Große Umwege ist Florian Scholbeck nie gegangen – "weil ich niemals ein konkretes, berufliches Ziel hatte". Seine Neugier sorgt aber dafür, dass sein Lebenslauf gespickt ist mit ungewöhnlichen Wendungen: Er studiert Bauingenieurwesen in München und verdient sich währenddessen beim Rettungsdienst etwas dazu, zeitgleich sammelt er seine ersten journalistischen Erfahrungen als Lokal- und Sportreporter. Die längste Zeit seines bisherigen Berufslebens verbringt der gebürtige Münchner beim Bayerischen Rundfunk, unter anderem als Anchorman beim Inforadio B5 aktuell sowie in der Intendanz. Nebenbei studiert er für den Master of Business Administration. 

"Jeder neue Job war im besten Sinn ein nächster Schritt", sagt Scholbeck. Als Unternehmensberater knüpft er die ersten Bande mit Aldi Nord. 2017 macht ihn der Deutschen liebster Billigheimer zum ersten Geschäftsführer Kommunikation. Den Discounter möchte er, passend zur Produktpalette, "unaufgeregt, respektvoll und mit Humor an der rechten Stelle" vertreten. 

Den Schritt in die PR meistert Scholbeck mit einer "positiv zugeneigten Distanz", wie er es nennt. "Überall dabei sein, nie dazugehören, sich mit keiner Sache gemein machen, auch nicht mit einer guten", zitiert er den früheren "Tagesthemen"-Moderator Hajo Friedrichs. Der hatte bei dieser Weisheit zwar die Nachrichten-Branche im Kopf, Scholbeck tritt die Unternehmenskommunikation aber genauso an. Seinen Job als Kommunikator sieht er jenseits der professionellen Schreibstube, er will "Teil der Wertschöpfungskette und ehrlicher Berater" zugleich sein.

3 Karriere-Tipps von Florian Scholbeck:
1. Lernt journalistisches Handwerk in einer Lokalredaktion. Recherchieren, Themen finden, mit Leuten reden, unter Zeitdruck schreiben, sich ausprobieren – je mehr, umso besser.
2. Fragen sind Technik und Routine. Zuhören ist Haltung und Respekt gegenüber den Menschen, da liegen die Geschichten.
3. Nichts wird so heiß gegessen, wie es gekocht wird! Erst recht nicht in der Kommunikation. Verwende Energie für die wirklich wichtigen Dinge.

Florian Scholbeck
Geb. 1972 in München
1994: Studium Bauingenieurwesen in München
1999: Deutsche Journalistenschule München 
2001: Redakteur und Moderator beim Bayerischen Rundfunk 
2015: Unternehmensberater bei Combine Consulting
2017: Kommunikationschef Aldi Nord


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Porträt: Holger Feist, Strategiechef der Münchner Messe.

Nimmt für den Aufstieg auch mal längere Wege: Holger Feists Karriereweg ist ein ewiges Hin und Her: Er startet 1986 als Hospitant beim "Landsberger Tagblatt", studiert dann aber Wirtschaft. Als Assistent des Ökonomen Hans-Werner Sinn schlägt er eine akademische Laufbahn ein, gibt einem Job als Unternehmensberater aber den Vorzug. Dann soll es doch die Medienbranche sein – nicht aber der Journalismus. Feist wird 2008 Manager beim Burda-Verlag.

Aus der glitzernden Medienwelt wechselt er schließlich in eine zugige Messehalle: 2014 wird er Strategiechef der Messe München. "Ich habe bei jedem Umweg eine Menge gelernt", beteuert Feist. Ein paar Dinge sollte man zu Beginn der Karriere aber schon beherzigen: "Das Geheimnis des Erfolgs ist richtig viel Arbeit, richtig lange. Punkt." Feist rät Anfängerinnen, offen für Kritik zu sein. "Feedback ist wirklich ein Geschenk, auch wenn es sich manchmal nicht so anfühlt."

Feists private Leidenschaft sind Berge und Seen, was sich auch im Job bemerkbar macht. Er traktiert sein Team gerne mit Analogien wie "Kurs halten", "anstrengende Wege" oder "lohnende Ausblicke". Immerhin: Berge und Seen verschaffen ihm auch Ruhe und Entspannung – "wenn die Woche herum ist".

Holger Feist
Geb. 1969 in Landsberg am Lech
1991: VWL-Studium
1995: Assistent am Center for Economic Studies, München
2000: Promotion in VWL
2001: Unternehmensberater bei McKinsey
2008: Director Development bei Hubert Burda Media
2012: Geschäftsführer Burda Intermedia Publishing
2014: CSO Messe München
2021: Unternehmenssprecher


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Porträt: DB-Vorständin Sigrid Nikutta.

Auf der richtigen Schiene: Worauf werde ich am Ende meines Lebens stolz sein? Diese Frage stellt sich Sigrid Nikutta immer wieder. Schon jetzt kann man sagen: Sie wird am Ende ihres Lebens mehr erlebt haben, als viele andere. 

Im Alter von acht Wochen kommt die Tochter von Spätaussiedlern aus Polen nach Ostwestfalen. Die strebsame Sigrid macht Abitur, studiert Psychologie. Später, als sie schon im Job ist, promoviert sie noch nebenbei. Ursprünglich will Nikutta als Psychologin mit schwerkriminellen Jugendlichen arbeiten, doch es kommt anders: Sie macht Karriere in besonders techniklastigen und männerdominierten Teilen der Wirtschaft. Das letzte ihrer fünf Kinder bekommt sie mit 47 Jahren, da ist sie gerade Chefin der Berliner Verkehrsbetriebe.

Ihren derzeitigen Job als Vorständin der Deutschen Bahn und Vorstandschefin von DB Cargo erkämpft sie sich 2020 trotz massiver Widerstände. Den Weg ebnet sie sich aber nicht mit therapeutischem Sanftmut: Die Managerin ist forsch und durchsetzungsstark. In ihrer Promotion hat sich Nikutta mit der Frage beschäftigt, ob 60-jährige Führungskräfte in den Vorstand oder zum alten Eisen gehören. Die Antwort darauf weiß sie jetzt.

Tipp von Sigrid Nikutta: "Klebe nicht an ehemaligen Zielen"

Sigrid Nikutta
Geb. 1969 in Szczytno, Polen
1988: Psychologie-Studium in Bielefeld
1996: Deutsche Bahn, Leiterin eines Bildungszentrums in Dresden
2001: Personalleiterin DB Cargo
2009: Promotion LMU München
2010: Vorstandschefin Berliner Verkehrsbetriebe
2020: Vorständin Deutsche Bahn, Vorstandschefin DB Cargo



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Porträt: Telekom-Vorständin Birgit Bohle.

Einfach Mensch bleiben: Forscherin, Professorin, Politikerin, Tänzerin, Ärztin oder Köchin: Berufe, die Birgit Bohle sich fürs nächste Leben vorstellen könnte. In diesem gehört sie zu den wichtigsten Managerinnen der deutschen Wirtschaft. Bei der Deutschen Bahn hat sie den Fernverkehr verantwortet, jetzt ist sie für die fast 230.000 Mitarbeiterinnen der Deutschen Telekom zuständig.

"Sei mutig und lebe das Leben in Fülle", rät Bohle. Ihren ersten Job bei Bertelsmann kündigt sie nach neun Monaten, um zur Unternehmensberatung McKinsey zu wechseln. "Für mich war das kein Umweg, denn ich habe in der verhältnismäßig kurzen Zeit sehr viel gelernt", sagt sie heute.

Bohle gibt zu, dass sich an manchen Tagen Sitzungen wie ein Marathon anfühlen, nur ohne "das gute Gefühl der Ziellinie". Manchmal vermisst sie "Leichtigkeit und Lust im täglichen Doing". Es gibt aber auch die vielen anderen Tage, an deren Ende sie das Gefühl hat, das Richtige getan zu haben, fürs Unternehmen, die Belegschaft oder Einzelne. Als sie bei Linked-in dazu aufruft, sich für den krebskranken Sohn einer Kollegin als Stammzellspenderin registrieren zu lassen, tun das fast 1.000 Menschen. Das war so ein Tag.

Birgit Bohle
Geb. 1973 in Remagen
1992: Ausbildung bei der BASF, Studium der Wirtschafts-wissenschaften in Koblenz, Nizza und Austin (Texas)
1999: Consultant bei Bertelsmann
2000: Unternehmensberaterin bei McKinsey
2007: Managerin bei der DB
2015: Vorstandschefin DB Fernverkehr
2019: Vorständin Personal & Recht der Deutschen Telekom


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Porträt: Susanne Grundmann, Chief Global Client Officer der Omnicon Media Group Germany.

Immer Appetit auf neue Erfahrungen: Susanne Grundmann liebt die japanische Küche. "Sie lässt jede Zutat erstrahlen und bringt durch die richtige Komposition eine perfekte Harmonie hervor", sagt die Chief Global Client Officer der Omnicon Media Group Germany, "und genauso ist es auch mit High-Performance-Teams". Als Chefin will sie "nicht immer Wortführerin, sondern Raumgeberin sein".

Susanne Grundmann lebt in ihrer Jugend drei Jahre in Japan. Neben Wirtschaft studiert sie auch Japanisch, arbeitet lange für den Kamerahersteller Nikon. "Ich bin in meinem Leben privat wie beruflich bewusst durch Seitentüren gegangen, wenn dahinter neue Erfahrungen auf mich warteten", sagt sie. "Diese Schritte können Beschleuniger sein." Als sie sich als Vorstandsassistentin bei Nikon nicht ausgelastet fühlt, beginnt sie ein berufsbegleitendes Studium in England, der Konzern unterstützt sie. "Das hat mir neue Türen, Zugang zu einem internationalen Netzwerk und wunderbare Freundschaften ermöglicht."

Seit 2014 arbeitet Grundmann für große Agenturen, macht in kurzer Zeit Karriereschritte, zählt nun zur Top-Elite im Business. Das ist ihr auch deshalb gelungen, weil sie selbst beherzigt, was sie Einsteigerinnen rät: "Es ist gut, die eigene Komfortzone zu verlassen."

Susanne Grundmann
Geb. 1981 in Haan
1995: Schüleraustausch in Japan
2000: Studium Wirtschafts­wissenschaften und Japanisch in Bonn und Tokyo
2006: Vorstands­assistentin bei Nikon, später Managerin, u.a. im Marketing
2007: MBA Henley Business School, Reading, England
2014: Geschäftsführerin Mediacom
2018: CSO OMD Germany
2020: CEO OMD Germany
2022: Chief Global Client Officer Omnicon Media Group Germany


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Hinweis: Zum Zeitpunkt des Redaktionsschlusses der Edition war Susanne Grundmann CEO bei OMD Germany. Daher haben wir sie in einer früheren Version dieses Artikels so bezeichnet. Da sie zum Zeitpunkt des Erscheinens dieses Beitrags aber bereits Chief Global CLient Officer der Omnicon Media Group Germany war, haben wir den Artikel nachträglich angepasst.

Porträt: Schlagfertigkeitstrainerin Nicole Staudinger.

Lässt sich nicht unterkriegen: Mit dem Planen hat Nicole Staudinger aufgehört. Ihren Beruf als Schlagfertigkeitstrainerin hat sie selbst erfunden. Um zu tun, was immer ihr Traum war: Auf der Bühne stehen und Menschen unterhalten. "Ich befinde mich ständig auf Umwegen", sagt sie, "und besteige die Berge dann, wenn sie da sind".

Einen gewaltigen Berg hat sie bereits erklimmen müssen: Die zweifache Mutter macht sich 2014 als Trainerin selbstständig – kurz darauf wird bei ihr Brustkrebs diagnostiziert. Noch während der Chemo beginnt sie mit dem Schreiben. "Brüste umständehalber abzugeben" wird ein Bestseller. Inzwischen sind sechs weitere Bücher von ihr erschienen. Staudinger hält Seminare und Vorträge über Schlagfertigkeit, Resilienz und Frauen in Führungspositionen. Sie spricht auch über ihre Erkrankung. Einen Unterschied zwischen Arbeit und Freizeit gibt es für sie nicht mehr: "Das ist für mich alles Lebenszeit."

Dass sie im Job für alles selbst verantwortlich ist, sei das Beste, aber auch das Schlimmste daran. Auch eine "Schlagfertigkeitsqueen" kennt Selbstkritik: Sie würde sich selbst gerne weniger wichtig nehmen. "Und meinen Drang zum Kurzeuphorischen gezielter einsetzen."

Nicole Staudinger
Geb. 1982 in Köln
2005: Als ausgebildete Verlagskauffrau Anzeigenleiterin für Magazin-Verlage
2014: Zertifizierte Trainerin, Firmengründung, Krebsdiagnose
2015: Erstes Buch: "Brüste umständehalber abzugeben"
2020: Gründung der "AKADEme" für Frauen, Podcast "Scheiter Heiter"
2022: Siebte Buchveröffentlichung: "Leicht gesagt"


(Foto: Stefan Neumann)

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Porträt: Philipp Jessen, Co-Gründer von Storymachine.

Geschichtenerzähler: Beim Start seiner Karriere ist Philipp Jessen der Hahn im Korb: Als erster männlicher Volontär fängt er bei der "Gala" an. Danach geht der heutige Chef der Agentur Storymachine "jeden Umweg, den man nur gehen kann" – nicht aufgrund von Orientierungslosigkeit, "sondern ganz bewusst". Kurze Zeit studiert Jessen Kulturwissenschaften, schreibt währenddessen für "Bild" und "WamS". Sein Studium hätte er schon früher abbrechen sollen, weiß er heute. Und: "Niemals mit Cola Zero anfangen!"

Geschadet hat offenbar beides nicht. Nach einigen Jahren bei "Vanity Fair" wird Jessen 2008 Vize-Ressortleiter der letzten Seite bei der "Bild". Dann folgen Chef-Posten: Zunächst bei der "Bravo", dann bei "Gala" und "stern". Anschließend zieht sich Jessen aus dem Journalismus zurück. 

Geschichten erzählt er weiterhin – am liebsten seinen Kindern. Aber auch mit der Agentur Storymachine, die er 2017 mit Kai Diekmann und Michael Mronz gründet. Dass ihn der Job so erfüllt, macht es schwer, Aufgaben auch mal abzugeben. Den Satz: "Dann mache ich es eben selbst" will sich Philipp Jessen schleunigst abgewöhnen. Gleiches gilt für den Griff nach den Snacks, die im Büro jederzeit griffbereit liegen: "Ich werde langsam fett." 

Philipp Jessen
Geb. 1977 in Hamburg
1998: Volontariat bei "Gala"
2000: Studium Kulturwissenschaften
2005: Executive Editor bei "Vanity Fair"
2010: Chefredakteur "Bravo"
2012: Vize-Chefredakteur "Gala"
2014: Chefredakteur stern.de
2017: Gründung Storymachine


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Porträt: Anna Dushime, Redaktionsleiterin bei Steinberger Silberstein.

Unterhaltung mit Mehrwert: Anna Dushime hält leidenschaftlich gern "Nickerchen". Weil sich das nur schwer zu Geld machen lässt, lebt sie im Job ihre zweite Leidenschaft aus: Menschen unterhalten. Als Redaktionsleiterin der Berliner Produktionsfirma Steinberger Silberstein verantwortet Dushime die Funk-Formate "Aurel Original" und "Browser Ballett". In Podcasts und Kolumnen thematisiert sie zudem alles zwischen Politik und Dating. Ihre "taz"-Texte laufen unter der Überschrift: "Bei aller Liebe".

Vorauszusehen war ihr Werdegang nicht. Dushime wird in Ruanda geboren, geht in Großbritannien zur Schule, macht ihr Abitur im Ruhrgebiet und studiert in den Niederlanden Marketing. Damals lernt sie "ernsthaft für Statistik-Klausuren" – braucht sie später nie wieder –, bemerkt aber, wie wichtig das Netzwerken ist. In Berlin heuert sie beim Forschungsnetzwerk ResearchGate an und gelangt über BuzzFeed zur Agentur Stoyo. 2019 geht Dushime dann zu Steinberger Silberstein.

Wegen ihrer Herkunft werden Themen wie Diversität und Rassismus oft an sie herangetragen, "ohne, dass ich diese selbst gewählt habe". Als "alter weißer Mann" will sie trotzdem nie leben. Lieber als "Labrador einer wohlhabenden Familie".

Anna Dushime
Geb. 1990 in Ruanda
1999: Umzug nach Deutschland
2008: Marketing-Studium in den Niederlanden und Budapest
2012: Verschiedene Positionen bei ResearchGate in Berlin
2015: Redakteurin bei BuzzFeed
2016: Kreative Leitung bei Agentur Stoyo
2019: Wechsel zu Produktionsfirma Steinberger Silberstein
2020: Redaktionsleiterin dort


(Foto: Pako Quijada)

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Porträt: SAP-Marketingleiterin Kerstin Köder.

Pippi-Langstrumpf-Fan: Dass sie Schwäbin ist, verrät der leichte Zungenschlag. Von ihrer Heimat aus zieht Kerstin Köder durch die Republik, macht beruflich Station in Kiel, Hamburg, Berlin, Köln und nun schon seit vier Jahren im badischen Walldorf. Zurück "in the Länd", wie sie sagt, aber mit weltweitem Aktionsradius. Denn Köder leitet das SAP-Marketing für Europa, den Mittleren Osten und Afrika. Diese Internationalität und die damit einhergehenden Kontakte zu so vielen unterschiedlichen Menschen, ihren Kulturen, Sprachen, Herangehensweisen – "definitiv das Beste an meinem Job".

Kerstin Köders Heldin aus Kindertagen: Pippi Langstrumpf. Taff, aber auch verspielt. Köder selbst ist mehr der Geht-nicht-gibt’s-nicht-Typ: energetisch, ehrgeizig, zielstrebig. "Alles, was ich anfange, will ich Tag für Tag verbessern und mit großem Erfolg zu Ende bringen", sagt sie. Da macht sie beruflich und privat kaum Unterschiede: Das Marketingrezept soll genauso perfekt aufgehen wie der Pizzateig oder das Sauerteigbrot.

Wer meint, ihr Unternehmen mache "nur" Software, dem sprudelt Köder entgegen, welchen Beitrag die Technologie leistet: für die Krebsforschung, die Impfstoffproduktion, das Remote-Arbeiten in der Pandemie. "Wir bringen Profitabilität und Nachhaltigkeit zusammen, und machen so die Welt ein bisschen besser", sagt die SAP-Managerin. Was eine gute Führungskraft ausmacht, fasst sie in drei Eigenschaften zusammen: mutig, authentisch und klar sein. Da ist Pippi Langstrumpf dann doch wieder im Spiel.

Tipp von Kerstin Köder: "Be visible – nicht nur in Social Media, Netzwerke sind entscheidend"

Kerstin Köder
Geb. 1969 in Stuttgart
1989: Studium International Business & Marketing, Hochschule Pforzheim
1994: Marketing Managerin, Breuninger
1999: Marketing Managerin, Debitel
2005: Head of CRM & Customer Value Management, Debitel
2010: Director Marketing, Freenet
2018: VP Marketing Middle and Eastern Europe & Germany, Mitglied d. Geschäftsleitung, SAP
2020: Head of Marketing EMEA, SAP


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Porträt: Andreas Arntzen, CEO beim Wort & Bild Verlag.

Wort- und bildgewaltig: Dass er in 20 Jahren einen Medien-Riesen führen wird, ahnt Andreas Arntzen in den 90ern nicht. "Arntzi" hütet damals das Hockey-Tor der Nationalmannschaft. Beruflich folgt er dieser Passion: Er studiert BWL und gründet im Sport-Einzelhandel.

Heute macht Arntzen gesunde Geschäfte im beschaulichen Baierbrunn: Zwischen Zwiebel-Kirchturm und Isar-Lauf entsteht die "Apotheken Umschau", deren stabile Millionen-Auflage und Werbeeinnahmen von der Münchner Medien-Schickeria neidisch beäugt und teils imitiert werden. Der Ärger darüber ist verraucht, die Digitalisierung des Gesundheitswesens stresst stärker. Arntzen klagt, dass die Branche digital "einige Jahre hinterher" hinkt.

Eine Geduldsprobe für den Digital-Pionier. Er baut um die Jahrtausendwende ein Job-Portal für Holtzbrinck, gründet die Partnerbörse Parship und tritt als Investor auf. Die Vita des fast zwei Meter großen Managers ist gefüllt: "Wenn ich das Gefühl hatte, dass es langweilig wird, habe ich mich umorientiert."

Beim Wort & Bild Verlag ist das offenbar nicht der Fall. Arntzen führt ihn seit 2016 – am liebsten "durch Lob, Fragen und Ideen". Und mit Optimismus: "Der Glaube kann Berge versetzen", sagt Arntzen.

Andreas Arntzen
Geb. 1967 in Hamburg
1989: Hockey-Karriere und BWL-Studium in Hamburg
2000: Gründung Parship
2002: CEO des Zeitverlags
2004: CEO der Handelsblatt-Gruppe
2006: COO bei Madsack
2014: NZZ-Geschäftsführung
2016: CEO des Wort & Bild Verlags


(Foto: Sonja Herpich / Wort & Bild)

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Porträt: Jochen Wegner, Chefredakteur von “Zeit Online”.

Ausdauernd nicht nur am Podcast-Mikro: Die Faszination für das Digitale ist eine Konstante in Jochen Wegners Leben. In seiner Jugend knackt er unter dem Synonym "Mr Pokeface" zum Spaß den Kopierschutz von Software, freilich ohne jemals daran zu verdienen – bis zwei Männer mit Trenchcoats und Durchsuchungsbefehl vor der Tür stehen, wie er in einem Podcast erzählt. Als Chefredakteur von Zeit Online ist er 2016 Co-Initiator der Plattform "Deutschland spricht". Deren Idee ist eine Art Politik-Tinder, um Menschen mit unterschiedlichen Meinungen zusammenzubringen. Mittlerweile läuft das Projekt international.

Wegner ist ein echter Macher des Digital-Journalismus. Er liebt es, "Ideen zu finden und sie dann auch zu realisieren". Er ist anfangs jedoch nicht auf das Medien-Business festgelegt. Zwischenzeitlich will er auch mal Physiker, KI-Forscher, Unternehmer und Philosoph werden. Nach Abschluss der Kölner Journalistenschule studiert er Philosophie und Physik, bevor er sich hauptberuflich in den Journalismus stürzt. Wegner fängt 1998 beim "Focus" als Redakteur im Ressort "Forschung und Technik" an, steigt zu dessen Vize-Leiter auf, wird 2006 Chef von "Focus Online". Ende 2010 nimmt er seinen Hut, führt eine Zeit lang ein Medien-Startup und arbeitet als freier Berater, bis er 2013 die Chefredaktion von Zeit Online übernimmt.

Wegner mag, dass er sich beruflich mit vielen Menschen austauscht, auch wenn das gleichsam "permanente Konfrontation" bedeutet. Einsteigerinnen müssen für ihn, unabhängig von Berufsabschlüssen, die Grundeigenschaften guter Journalistinnen mitbringen – "mit Leidenschaft nach Wahrheit suchen und eine Geschichte erzählen können". Dass sich dabei in digitalen Medien gewisse Freiheiten ergeben, zeigt sein potentiell unendlicher Podcast "Alles gesagt". Gemeinsam mit "Zeit Magazin"-Chef Christoph Amend strapaziert er seit 2018 das Durchhaltevermögen von Promi-Gästen und Hörerinnen mit teils über acht Stunden dauernden Episoden. Wegner hat also auf mehr als eine Art recht, wenn er sagt: "Mein Beruf ist es, Ideen ins Leben zu quatschen."

Tipp von Jochen Wegner: "Mach nur, was du wirklich, wirklich willst. Nimm dir alle Zeit, herauszufinden, was das ist. Lass es dann nie wieder los"

Jochen Wegner
Geb. 1969 in Karlsruhe
1990: Kölner Journalistenschule
1992: Studium Philosophie und Physik in Bonn
1998: Redakteur "Forschung und Technik" beim "Focus"
2006: Chefredakteur Focus Online
2010: CEO Mag10 Publishing
2013: Chefredakteur Zeit Online
2019: Mitglied der "Zeit"-Chefredaktion


(Foto: Andreas Chudowski)

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Porträt: Kristina Bulle, CMO bei Procter & Gamble.

Routinen und Gänsehautmomente: Bei Procter & Gamble bewegt Kristina Bulle riesige Summen. 1,8 Milliarden Euro hat das Unternehmen 2021 hierzulande für Werbung ausgegeben, so viel wie kein anderes.

Bulles Arbeitstage beginnen und enden routiniert: Um 7.30 Uhr verlässt sie das Haus, dann Sport, ab neun Uhr Büro. Am Feierabend Stallvisite bei Anton, dem Pony ihrer Tochter. "Morgens über Cookies und First Party Data reden und abends Pferdemist wegmachen, das erdet."

Ursprünglich will Bulle Pharmazie studieren, nach einem Praktikum in der Dorf-Apotheke korrigiert sie ihren Plan. Bei P&G kümmert sie sich heute um neue Kampagnen, Mediaplanung und datenbasiertes Marketing, um Organisationsstrukturen und Personalplanung. "Ich liebe es, mit verschiedenen Menschen an verschiedenen Projekten zu arbeiten", sagt Bulle.

Kristina Bulle hat viele Talente. Sie backt und bastelt, malt und handarbeitet, repariert und recycelt. Ihre kreative Seite hilft auch im Job. "Ich denke viel in Bildern und Analogien, zum Beispiel, wenn ich neue Kampagnen beurteilen muss." Und sie kann sich darauf verlassen: "Wenn ich Gänsehaut bekomme, sind wir auf dem richtigen Weg."

Damit meint sie nicht allein wirtschaftlichen Erfolg. Bulle nimmt P&G in die Pflicht, sich für eine bessere Gesellschaft und den Schutz der Umwelt einzusetzen: "Das empfinde ich auch als meine persönliche Verantwortung."

Kristina Bulle
Geb. 1967 in Cuxhaven
1989: Studium BWL in Osnabrück
1995: Einstieg bei Procter & Gamble (P&G)
2003: Marketing Director Asien für Max Factor in Japan
2012: Global Director Channel Marketing von P&G
2015: CMO für Deutschland, Österreich, Schweiz
2020: Vorstand der Organisation Werbungtreibende im Markenverband


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Porträt: Kristina Lunz, Co-Gründerin des Centre for Feminist Foreign Policy.

Verbindet "Nein heißt Nein" mit "Don’t take no for an answer": Kristina Lunz glaubt, dass man zunächst an der eigenen mentalen Gesundheit arbeiten muss, um "zu echtem, nachhaltigem, gesellschaftlichem Wandel" beitragen zu können. Sie lässt sich seit drei Jahren professionell unterstützen, um eine "angenehme Weggefährtin für viele" zu sein – auch bei ihrer Arbeit beim Centre for Feminist Foreign Policy, einer Forschungs- und Beratungsorganisation mit Fokus auf feministische Außenpolitik. 

Nach der Schule studiert Lunz Psychologie und wird die erste Uni-Absolventin ihrer Familie. Ihr weiteres Studium und ihre spätere Arbeit führen sie nach England, Kolumbien, New York, Myanmar und schließlich nach Berlin. Als Aktivistin trägt sie 2016 mit der Kampagne "Nein heißt Nein" zur Änderung des Sexualstrafrechts bei.

2018 bringt sie dann das deutsche Centre for Feminist Foreign Policy mit auf den Weg. Lunz liebt es, Mitgeschäftsführerin in einem "warmen und unterstützenden" Team zu sein, auch wenn "unsere Gesellschaft derart misogyn und sexistisch ist, dass weibliche Gründer:innen kaum Finanzierung erhalten". Vor allem in den ersten Karrierejahren braucht frau deshalb Durchhaltevermögen. "Don’t take no for an answer" lautet ihr Motto – außer bei intimen Beziehungen.

Kristina Lunz
Geb. 1989 in Reckendorf
2010: Psychologie-Studium in Mainz
2013: Studium Internationale Politik in London und Oxford
2015: Wissenschaftliche Beraterin
2017: Gender and Coordination Officer bei der UNO in New York und Myanmar 
2018: Gründung Centre for Feminist Foreign Policy in Berlin
2019: Beraterin für das Auswärtige Amt
2022: Buch "Die Zukunft der Außenpolitik ist feministisch"


(Foto: F. Castro)

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Porträt: Sara Urbainczyk, Gründerin der Plattform “Echte Mamas”

Power-Mama: Der Wunsch, etwas Eigenes zu gründen, brodelt schon lange in Sara Urbainczyk. Doch wählt sie zunächst den sicheren Job im Verlagswesen – obwohl sie sich "eingeschränkt" fühlt. Im Jahr 2017, mit Mitte 30, schmeißt sie schließlich bei Bauer hin und gründet mit Marion Scheithauer und Miriam Wieder "Echte Mamas", eine Online-Community für Mütter.

Mittlerweile managt Urbainczyk von Hamburg aus ein Team von 25 Kolleginnen. Ihr sei es wichtig, selbst auf allen Plattformen aktiv zu sein, um die digitalen Trends zu verstehen. "Es geht um das richtige Gefühl und Gespür", sagt sie. Gleichzeitig will sie als Mutter die Werte ihrer Firma vertreten. Mit ihrem Partner teilt sie Haushalt und Kinderbetreuung gerecht auf und plant genügend Zeit für ihre Familie ein. "Ich bin zufriedener und ausgeglichener, wenn alles im Einklang ist."

Sie weiß, dass immer noch viele gut ausgebildete Mütter von Firmen "aussortiert" werden. Urbainczyk macht sich das zum Vorteil: Neue Mitarbeiterinnen rekrutiert sie direkt aus der Community. Dass sie damit den richtigen Weg geht, sieht sie an kleinen Dingen – wie den "vielen positiven Nachrichten und Emojis bei Slack".

Sara Urbainczyk
Geb. 1981 in Bottrop
2001: Studium Kommunikations- und Medienwissenschaften an der Uni Duisburg-Essen
2008: Praktikum beim "stern", Online-Redakteurin bei "OK!"
2011: Leitung Digitale Medien bei Klambt
2012: Digital Business Director bei der Bauer Media Group
2015: Geburt ihres Sohnes
2017: Gründung von "Echte Mamas"


(Foto: Mia Takahara)

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Porträt: Markus Gürne, Ressortleiter der ARD-Börsenredaktion.

Elk-like: Würde Markus Gürne sich mit einem Tier vergleichen, wäre es wohl der Elch. Der sieht nicht sehr agil aus, kann aber schnell und grazil unterwegs sein, sagte er einst in einem Interview. Außerdem hat der Elch ein dickes Fell – unerlässlich für einen Journalisten, der sich wie Gürne zwischen Krisengebieten und Wirtschaftskrisen bewegt. 

Der gebürtige Stuttgarter macht seine Anfänge als Schüler in der Sportredaktion des damaligen Süddeutschen Rundfunks. Später verschlägt es ihn als Korrespondent nach Ägypten, Indien und in den Irak. Im Ausland lernt er nicht nur Resilienz, sondern auch wie sehr Politik, Wirtschaft und Gesellschaft miteinander verwoben sind. 

Seit 2012 leitet Gürne die ARD-Börsenredaktion und moderiert die "Börse vor acht". 2020 wird er in Brennpunkten und als Co-Autor von "Der Wirtschafts-Virus" zum Corona-Erklärer. Seinen Job sieht er als eine Art "Sendung mit der Maus" für Erwachsene. Er wolle "das Erkennen von Möglichkeiten und Verringern von Risiken" vermitteln. Er gibt zu: Das gelingt nicht immer. 

Beschäftigt sich Gürne gerade nicht mit Börsenkursen, verbringt er Zeit in seinem Haus in Schweden – in der Nähe der Elche.

Markus Gürne
Geb. 1970 in Stuttgart
1993: Studium Rechts- und Politikwissenschaften, allgemeine Rhetorik in Tübingen
1998: Volontariat beim Süddeutschen Rundfunk
2003: ARD-Korrespondent in Kairo und Bagdad 
2005: Leiter der Tagesschau-Redaktion im HR
2008: Korrespondent in Neu-Delhi
2012: Ressortleiter der ARD-Börsenredaktion


(Foto: Ben Knabe / HR)

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Porträt: Jobst Benthues, Chef von Redseven Entertainment.

Auf direktem Weg: Er findet seinen Job zu schön, um wahr zu sein. Manchmal hat Jobst Benthues Angst, jemand kommt zur Tür herein und fordert ihn auf: "Herr Benthues, fangen Sie jetzt endlich an, ernsthaft zu arbeiten!" Bis das passiert, produziert und entwickelt Benthues für Redseven Entertainment nationale und internationale TV-Formate, darunter "Germany’s Next Topmodel" oder "Rosins Restaurants". 

Um an einen Job zu kommen, der "jeden einzelnen Tag Spaß macht", geht Benthues den "geradesten Weg", den es beim Privatfernsehen gibt: Kabelträger, Aufnahmeleiter, Redaktionsassistent, Casting-Redakteur, Producer, Produktionsleiter. Gefühlt hat er in dieser anstrengenden Zeit alle paar Wochen einen neuen Job. Doch es soll sich lohnen. 

Als Benthues 1995 zu ProSieben wechselt, wird es "etwas ruhiger". Er lernt, nicht alles selbst können zu müssen und auf sein Team zu vertrauen. Mit dieser Einstellung gewinnt Benthues gleich dreimal den Deutschen Fernsehpreis, zahlreiche seiner Formate sind mehrfach ausgezeichnet. Trotz des Erfolgs kennt er den erdenden Blick auf die Quote, bei dem er ab und an feststellen muss, dass das Publikum die eigene Begeisterung nicht teilt.

Jobst Benthues
Geb. 1969 in Hildesheim
1989: Studium Betriebs-wirtschaftslehre in Köln
1990: Aufnahmeleiter und Redakteur fürs Kinderfernsehen bei RTL
1995: Vize-Geschäftsführer Business Development bei ProSieben
1997: Head of Entertainment bei ProSieben
2008: Gründung Redseven Entertainment


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Porträt: Lynette Jackson, globale Kommunikationschefin bei Siemens.

Die Magie des Kontakteknüpfens: Zweimal in ihrem Leben nimmt Lynette Jackson eine längere Auszeit. Das erste Mal ganz freiwillig: Als 30-Jährige legt sie mit ihrem Mann ein Sabbatical ein – eine "wunderbare Erfahrung". Damals arbeitet die Engländerin beim Automobilzulieferer TRW. Zwei Arbeitgeber später landet sie 2018 bei Siemens im schweizerischen Zug – und muss nach zwei Jahren eine Zwangspause aufgrund von Brustkrebs einlegen.

Insgesamt sieben Monate unterzieht sich Jackson einer Therapie und verarbeitet ihre Gedanken in einem Blog. Energie tankt die ehemalige Profi-Synchronschwimmerin in den Schweizer Seen. Jackson ist heute "wieder ganz gesund" und pfeift auf Optimierungsdruck. "So viele Menschen konzentrieren sich darauf, was sie besser machen können – anstatt sich vor Augen zu führen, welch hervorragende Arbeit sie leisten." 

Als neue Kommunikationschefin bei Siemens in München möchte sie den Nutzen von Technologien betonen und trotzdem menscheln. Daher streut Jackson gerne "magischen Feenstaub" auf rationale Aspekte, und meint damit die partnerschaftliche Ansprache von Beschäftigten, Kundinnen und Aktionären. Bei jedem Projekt achtet sie zudem darauf, sich genügend Zeit zu nehmen, "um meine Batterien wieder etwas aufzuladen". Denn davon, so ist sie überzeugt, profitieren am Ende alle.

Lynette Jackson
Geb. 1972 in Rinteln
1991: Französisch-Studium in Birmingham und Montpellier
1998: Diverse Kommunikationsjobs bei TRW Automotive in Solihull, UK und Detroit, USA
2013: Kommunikationsleiterin bei ABB in Zürich
2018: Leitung der Kommunikation für Smart Infrastructure bei Siemens in Zug, Schweiz
2021: Kommunikationschefin bei Siemens in München


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Porträt: Yasmin Polat, podcastende Journalistin.

Schonungslos mitteilsam: Selbstausdruck ist für Yasmin Polat online wie offline eine Passion – und ihr täglich Brot. Seit 2021 präsentiert sie im Wechsel mit Dena Zarrin und Don Pablo Mulemba den Spotify-Podcast "Fomo – Was habe ich heute verpasst?", der die News des Tages auf wenige Minuten verdichtet. Es gefällt ihr, "einer Art Wahrheit nahezukommen", und dabei Freude oder – "wenn es sein muss" – Trauer auszulösen.

Polats Werdegang ist gefüllt mit "zahlreichen und langen" Schlenkern, erst mit etwa 27 Jahren kommt sie zum Journalismus. Davor stehen Jobs in Callcentern, Castingagenturen, TV-Produktionen, einer Druckerei und schließlich ein Studium der Islamwissenschaften. Allerdings lässt sie wissen: "Geschrieben habe ich schon immer."

Ihr Job erfordert "eine Mischung aus Empathie und Schonungslosigkeit", glaubt Polat. Als Social-Media-Junkie freut sie sich besonders, wenn ihre Podcasts oder Texte ein Echo in den sozialen Netzwerken finden. Sie glaubt an den großen Siegeszug von TikTok, das "vielleicht sogar die Zukunft des Streamings" werde. Mal sehen, wie verlässlich ihr Auge für Trends ist.

Yasmin Polat
Geb. 1989 in Berlin
2015: freie Journalistin
2016: Studium Islamwissenschaften, "Tagesspiegel"-Praktikum
2018: Redakteurin bei watson.de
2020: Social-Media-Redakteurin im ARD-Hauptstadtstudio
2021: Spotify-Podcast "Fomo"

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Porträt: Merck-Kommunikationschefin Sabia Schwarzer.

Nur die Liebe zählt: Liebe ist für Sabia Schwarzer das Allerwichtigste: "Wenn man sich geliebt fühlt, kann man alle Herausforderungen meistern." Eine "Liebe für Menschen" haben der Journalistin und Kommunikations-Expertin schon früh ihre Eltern mitgegeben. Von ihrem großen Vorbild, ihrer indischen Großmutter, die sich in einer Männerwelt behauptete, hat Schwarzer aber auch gelernt, "dass man, egal was die sozialen Konventionen sind, sich selbst treu sein und seinen Weg gehen kann".

Sabia Schwarzer liebt es, "zu sehen, wie Menschen ihre Gabe nutzen, um sich, ihrem Umfeld und der Gesellschaft Gutes zu tun". Kolleginnen, aber auch ihre Chefin ermutigt Schwarzer "neue Wege zu gehen, etwas zu wagen, dabei an Grenzen zu kommen und zu wachsen". Damit ist sie selbst gut gefahren. Nach dem Studium arbeitet sie als Journalistin für die Deutsche Welle. Dann wechselt sie in die Unternehmenskommunikation der Allianz. 2015 übernimmt sie dort die Leitung, bevor sie 2022 zum Chemie- und Pharmakonzern Merck geht.

Das Beste an ihrem Job, sagt Schwarzer, ist, "dass ich Geschichten entdecken und erzählen kann". Wenn sie Kollegen im Flur lachen hört, weiß sie: Das ist ein gelungener Arbeitstag. Mit ihrem besonderen Gefühl für Menschen versucht die dreifache Mutter "Abenteuer, Freude und Sinn in den Arbeitsalltag" einzubringen.

Was sie dabei manchmal vergisst, sind ihre eigenen Bedürfnisse. In Pakistan aufgewachsen, hat für Schwarzer lange Zeit der Familien-Koch in "dem ganzen Tohuwabohu um mich herum" einen Ort der Ruhe und des Friedens geschaffen. Der fehlt ihr heute oft. "Ich verausgabe mich für andere, aber frage mich nie: Wie geht es dir eigentlich? Was brauchst du heute?" Ihrem jüngeren Ich würde sie raten, sich ab und zu einfach mal in die Sonne zu legen, an nichts zu denken, sich nicht "für alles und jeden" zuständig zu fühlen. Mittlerweile weiß sie: Nicht nur Liebe zu anderen zählt – sondern auch die zu sich selbst.

Tipps von Sabia Schwarzer: "Sei neugierig und stelle Fragen. Nimm immer das Beste an. Übe, zu widersprechen"

Sabia Schwarzer
Geb. 1970 in Krefeld, aufgewachsen in Pakistan
1989: Studium Amerikanische Literatur
1995: Journalistin bei der Deutschen Welle
1996: Leiterin der Allianz-Kommunikation für die Region Asien-Pazifik, später für Nordamerika
2015: Kommunikationschefin für den gesamten Konzern
2016: Studium IT-Management
2022: Kommunikationsleiterin bei Merck


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Katja Espey, Community-Managerin beim SWR.

Immer für eine Überraschung zu haben: Licht und Schatten liegen in Katja Espeys Job nah beisammen. "Kein Tag ist wie der andere", freut sie sich und offenbart parallel: "Mein Tag ist schwer planbar." Was hilft, ist eine gute Vorbereitung. Ihr Leitsatz: "Better prepared, than sorry."

Ihre Karriere ist aber nicht minutiös geplant, erzählt die Chefin des Community-Managements des SWR. Das Medienwissenschafts-Studium – "spannend genug", ohne sich "zu früh festzulegen" – reichert sie mit Praktika im Programmkino, beim Filmverleih sowie in Agenturen an. Sie kommuniziert drei Jahre für Fitness First, studiert erneut und geht gleich zwei Mal ins Ausland. Parallel "rutscht" sie beruflich Richtung Social Media.

Community-Management ist "mehr als der Umgang mit Hate Speech und Desinformation", sagt Espey. Doch die Handhabung beider Themen entscheide, "wie wir künftig Debatten und Diskussionen auf Social Media führen". Community-Managerinnen sollten daher mehr Respekt bekommen. Im Netz gebe es ein "konstruktives Miteinander und wertvolle Inhalte zu entdecken" – etwa während der Flutkatastrophe im Ahrtal. Es brauche einfach "etwas mehr Toleranz. Von allen. Punkt."

Katja Espey
Geb. 1990 in Düsseldorf
2009: Studium Medien-wissenschaft in Marburg
2013: Praktikum 20th Century Fox Home Entertainment, Kommunikationsmanagerin Fitness First
2016: Studium Filmwissenschaft in Mainz, Werkstudentin bei Merck
2018: Austausch-Semester in Pavia, Italien und Lodz, Polen
2020: Head of Community Management beim SWR


(Foto: Patricia Neligan / SWR)


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Porträt: Bertelsmann-Kommunikationschefin Karin Schlautmann.

Das Neue und das Alte: Wenn es etwas Neues in der Medienwelt gibt, saugt Karin Schlautmann es auf. Ständig ist sie auf der Suche nach innovativen Tools und Kommunikationswegen. Per Online-Studium bildet sie sich zu Themen wie Datenanalyse und Künstlicher Intelligenz weiter, die "in der Kommunikation immer wichtiger werden". Sie brauche Infos aus verschiedensten Quellen, um "Entwicklungen und Stimmungen einschätzen und kommunikative Chancen ausloten zu können".

Als Chefin der Unternehmenskommunikation bei Bertelsmann muss sie große Zukunftsthemen angehen: Bis 2030 will der Konzern klimaneutral sein. Und auch Diversität stellt sie als wichtigen Aspekt für ihr Team heraus, das mit Medien aus allen Teilen der Welt zusammenarbeitet. Diesen Blick nach vorne verbindet sie mit Bewahrung und Reflexion der Vergangenheit. Schließlich vermittelt ihre Abteilung auch das kulturelle Engagement von Bertelsmann, von der Restauration bedrohter Stummfilme bis zum Ricordi-Archiv in Mailand, das Dokumente der italienischen Operngeschichte verwaltet.

Schlautmann schwärmt von der Vielfalt ihrer Aufgaben. Sie beginnt ihre Karriere mit einem Volontariat beim "Westfalenblatt", arbeitet bei "Bild", "Bunte" und "Gala" und übernimmt schließlich auch die Chefredaktion der "Frau im Spiegel".

Bei Bertelsmann ist sie mittlerweile eng mit dem Management verbunden und freut sich, "aus erster Hand" über die Konzern-Strategie informiert zu sein. Wer in der Medienwelt arbeiten will, muss Neugier und die Bereitschaft zu ständiger Veränderung mitbringen, empfiehlt sie – und hofft, dass sie in ihrem nächsten Leben wieder dort landen wird. Sie kann sich "keine spannendere Branche vorstellen".

3 Karriere-Tipps von Karin Schlautmann
1. Sei neugierig und verschaffe dir eine breite Allgemeinbildung.
2. Lerne, in starken Botschaften zu denken.
3. Befasse dich intensiv mit Medien in ihrer ganzen Vielfalt: Schau dir den Wirtschaftsteil deiner Lokalzeitung genauso neugierig an wie Reels auf TikTok, Threads auf Twitter oder ein internationales Magazin wie den "New Yorker".

Karin Schlautmann
Geb. 1965 in Herzebrock-Clarholz
1987: Volontariat beim "Westfalen-Blatt" in Bielefeld
1994: Redakteurin für "Gottschalks Late Night"
1995: "Bild"-Chefreporterin in München
2002: Stellvertretende "Gala"-Chefredakteurin
2003: Chefredakteurin bei "Frau im Spiegel"
2007: Kommunikationschefin der Bertelsmann-Stiftung
2011: Leiterin der Unternehmenskommunikation bei Bertelsmann


(Foto: Jan Voth / Bertelsmann)

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Porträt: Serviceplan-Chef Florian Haller.

Florian HallerBloß nicht zu professionell werden: Hört sich erstmal nach Rückschritt an, wozu Florian Haller rät: "Sei wieder Anfänger." Aber er meint das ernst, denn "Professionalität macht blind für Neues". Erst recht, wenn sich Anforderungen im Eiltempo verändern. Wer weiß das besser als der Serviceplan-Chef. Als er vor 20 Jahren die von seinem Vater gegründete Agentur übernimmt, sind die Teams homogen. Heute zählt die Agenturgruppe weltweit mehr als 100 Jobprofile, von der Mediastrategin bis zum Data Scientist.

Hallers Ziel ist, "Serviceplan zur global führenden Independent-Agentur zu machen". Dann ist eine Verdopplung der 4.500 Stellen in den kommenden Jahren gut vorstellbar. "Unternehmer sein und neugierig bleiben", das treibt ihn an. Marken und Kommunikation sind für ihn das spannendste Berufsfeld: "Ich kann mit jungen, inspirierenden Menschen grenzüberschreitend an kreativen Ideen arbeiten."

Dass sich die Agentur-Kultur verändert hat, bestätigt Florian Haller. Arbeiten bis Mitternacht, Überstunden als Leistungsnachweis – von gestern. Die Jungen streben nach Einklang von Job und Privatleben. Und Serviceplan geht mit, auch weil Haller weiß: "Unternehmer sein heißt Menschen mitnehmen."

Florian Haller
Geb. 1967 in München
1986: BWL-Studium in St. Gallen
1991: Brand Manager bei Procter & Gamble, Genf
1996: Einstieg bei Serviceplan, München
2002: Hauptgeschäftsführer Serviceplan


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Porträt: CSU-Politikerin Dorothee Bär.


Gespür für on- und offline: Für ein Foto für einen Social-Media-Post drückt Dorothee Bär ihr Handy schon mal ihren Kindern in die Hand – oder Touristinnen in Berlin. Die ehemalige Staatsministerin für Digitales weiß, wie man Menschen erreicht. "Wer Menschen nicht liebt und sich nicht für sie interessiert, darf nicht Politikerin werden."

Bär arbeitet, seit sie 14 ist: in einer Gärtnerei, im Krankenhaus, als Putzhilfe, bei Zeitung und Radio, im Kino, bei Douglas. Mit 16 tritt sie in die CSU ein. Ihre politische Karriere beginnt im Kommunalen, "Bäche reinigen, Spielplätze im Dorf schaffen". Seit 2002 sitzt sie im Bundestag. 2005 verliert sie ihren Sitz kurz, rückt Wochen nach der verlorenen Wahl doch noch nach. Eine Chance, ihr Umfeld besser kennenzulernen: "Nach dem Wahltag meldeten sich einige zunächst einmal nicht mehr." Seit Ende 2021 ist Bär nach acht Jahren Regierung nun Opposition. "Nicht-Regieren bedeutet auch ein Mehr an Freiheit", sagt sie.

Bärs Faible für Flugtaxis, Social Media und High Heels hat ihr so manches öffentliche Naserümpfen eingebracht, auch aus der eigenen Partei. Inzwischen sieht sie das gelassen. Der jungen Doro würde sie raten: "Nur auf die hören, die man auch selbst um Rat gefragt hätte".

Tipp von Dorothee Bär: "Nicht auf das Gebabbel anderer hören"

Dorothee Bär
Geb. 1978 in Bamberg
1992: Eintritt in die Junge Union
1999: Studium Politikwissenschaften in München und Berlin
2002: Einzug in den Bundestag
2009: Fraktionssprecherin Familie, Senioren, Frauen und Jugend
2013: Parlamentarische Staatssekretärin
2018: Staatsministerin für Digitales
2021: Vize-Vorsitzende der CDU/CSU-Fraktion, zuständig für Familie und Kultur


(Foto: Jens Krick / Flashpic / Picture Alliance)

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