“Kiosk ist wichtigster Vertriebskanal” – Oliver Wurm über den Erfolg des “Grundgesetz-Magazins”.


Mission statt Remission: Selfmade-Verleger Oliver Wurm feiert mit seinem Grundgesetz als Magazin einen Kiosk-Erfolg, der das Resultat aus Social-Media-Präsenz, der wohlwollenden Berichterstattung anderer Verlage und insbesondere der Unterstützung von Pressegrosso und Bahnhofsbuchhandel ist. "Alleine, dass es dieses System in Deutschland gibt, gibt so Nasen wie mir überhaupt die Möglichkeit, selbst verlegerisch tätig zu sein", sagt Wurm im Interview mit Horizont.net und turi2.tv am Rande der Jahrestagung des Gesamtverbands Pressegroßhandel in Wiesbaden. Die Präsenz am Kiosk sei für sein Grundgesetz-Magazin "Gold wert" und "der wichtigste Vertriebskanal".

Mit der Botschaft "Die Würde des Menschen ist unantastbar" auf dem Cover erreiche er am Kiosk auch Menschen, "die vielleicht nur eine Cola holen und eine Tüte Flips. Das nehmen sie mit aus dem Laden. Wenn sie auch noch mein Grundgesetz mitnehmen, ist es umso besser." Dass ein frei verfügbarer Gesetzestext in Magazinform zum Erfolg werden würde, war nicht absehbar, sagt Wurm. "Insofern ist der Gewinn, der jetzt in Teilen fließt, ein Ergebnis des Risikos, das wir eingegangen sind. Und das Risiko speist sich aus der inneren Überzeugung, dass wir es tun mussten."
turi2.tv (6-Min-Video bei YouTube)

Grosso-Chef Frank Nolte spricht jetzt für alle Pressegroßhändler.



Zum Neuanfang nur einmal Baden: Der Gesamtverband Pressegroßhandel hat seine operative Arbeit aufgenommen. Der neu gegründete Verband vertritt erstmals alle deutschen Pressegroßhändler, auch die Grossisten, an denen Verlage beteiligt sind. Als Zeichen des Neuanfangs hat der Verband seine Jahrestagung nach über 60 Jahren in Baden-Baden ins hessische Landeshauptstädtchen Wiesbaden verlegt. "Die Branche verändert sich wahnsinnig, es bleibt kein Stein auf dem anderen. Warum da alles beim Alten lassen und immer in Baden-Baden bleiben?", sagt Frank Nolte, Vorsitzender beim Bundesverband Presse-Grosso und Präsident des neuen Gesamtverbands, im Interview mit turi2.tv und horizont.net. "Wir können jetzt als Vertretung für die ganze Branche noch besser auftreten", gibt sich Nolte selbstbewusst.

Die Gespräche mit Verlagen im Rahmen der Gründung des Verbands hätten dazu geführt, "dass man sich noch besser versteht und gemeinsam an den Herausforderungen arbeitet". Nolte sieht nach zwei Jahren der Konsolidierung langsam ein Ende der Fusionen im Presse-Großhandel. In ein, zwei Jahren müssten die Grossisten Bilanz ziehen und schauen, ob weitere Fusionen noch zusätzliche Synergien brächten.
turi2.tv (7-Min-Video bei YouTube), presseportal.de

Kartellamt kritisiert Handelsspannen-Regelung zwischen Grosso und Großverlagen.

Grosso: Das Kartellamt fordert Nachbesserungen bei den Handelsspannen, die Presse-Grosso und sieben Großverlage verhandelt haben, berichtet "DNV". Die Partner sollen bis Monatsende eine diskriminierungsfreie Regelung finden. Kleine Verlage kritisieren, dass die derzeitige Regelung sie benachteiligt: Sie müssen einen gewissen Umsatz pro Titel erzielen, um zu guten Konditionen an den Großhandel verkaufen zu können.
dnv-online.net, turi2.de (Background)

Bauers Großhändler PVN startet Zeitschriften-Verkauf auf Amazon.


Klick statt Kiosk: Der Großhändler PVN verkauft ab sofort einzelne Zeitschriften auf Amazon – die Bauer-Tochter spricht von der "weltweit ersten Vertriebskooperation" dieser Art. Kunden können bei Amazon nun "Spiegel", "Focus", "stern", "Cosmopolitan" und 500 weitere Magazine bestellen. Bis Jahresende entfällt die Versandgebühr, danach soll sie 99 Cent kosten.

Der Vertrieb über Amazon sei nach dem Ausbau von Meine-Zeitschrift.de "der nächste logische Schritt", sagt PVN-Geschäftsleiter Joachim Sander. Er eröffnet damit aber nicht nur einen Vertriebsweg, sondern womöglich auch einen Streit: Amazon verschickt die Zeitschriften bundesweit – also auch über das Gebiet des PVN hinaus in die Gebiete anderer Presse-Grossisten. (Foto: Manfred Bail / Imagebroker / Picture Alliance, Montage: turi2)
presseportal.de, amazon.de/zeitschriften

Aus dem Archiv von turi2.tv: Ulla Strauß von United Kiosk findet, Verlage sollten Amazon und Apple umarmen (05/2018).

Bundesregierung sucht neue Entlastung für Verlage bei der Bezahlung von Zeitungsboten.

Zeitungszusteller: Die Bundesregierung verabschiedet sich von dem Plan, Verlage über einen verringerten Rentenbeitrag für Minijobber zu entlasten, schreibt das "Handelsblatt". Dadurch würden die Renten der Zusteller sinken, eine Aufstockung durch den Staat könnte gegen das Äquivalenzprinzip verstoßen. Eine Studie soll nun neue Optionen auftun.
"Handelsblatt", S. 10 (Paid)

Copypreis bei “Bild” steigt auf 1 Euro.

bildlogoAuflage fällt, Preis steigt: "Bild" kostet in einigen weiteren Regionen künftig 1 Euro, berichtet "Clap". Ab kommender Woche erhöhen sich die Preise für einige Regional- und Bundesausgaben in Nord und West. In Teilen Ostdeutschlands stiegen die Preise im Mai auf 80 Cent, in Berlin-Brandenburg bleiben es 90 Cent.
clap-club.de

Korrektur: "Bild" kostet z.B. in Frankfurt/Main und Düsseldorf schon jetzt 1 Euro. Springer teilt mit, die Schwelle werde nicht erstmals ab 1. Juli überschritten.

“DNV”: Berliner Zeitungsboten tragen testweise Einkauf Aktuell aus.

Deutsche Post testet in Berlin eine Fremdzustellung ihrer Werbesendung Einkauf Aktuell, berichtet "DNV". Statt Postboten sollen für sechs Monate die Zeitungsboten von Berlin Last Mile zum Einsatz kommen. Die Firma gehört dem Logistiker Fiege sowie den Berliner Töchter-Verlagen von DuMont, Holtzbrinck und Funke. Einkauf Aktuell erreicht nach eigenen Angaben 20 Mio Haushalte, in Berlin sind es jeden Samstag 1,8 Mio Exemplare.
dnv-online.net

Lokalzeitungen fordern höhere Verdienstgrenze für Minijob-Zusteller.

Verband Deutscher Lokalzeitungen fordert die Anhebung der Verdienstgrenze für Zusteller, die in Minijobs arbeiten. Lohnerhöhungen sollten nicht zu einer Reduzierung des Stunden-Kontingents führen, wo ohnehin ein Mangel an Zustellern herrsche, so die Argumentation der Lokalverleger. Die Anzeigenblätter wünschen sich Subventionen für die Zustellung.
dnv-online.net , turi2.de (Background)

Zeitschriften-Branche stagniert – und setzt ihre Hoffnungen auf den Vertrieb.


Digitalvertrieb hui, Werbung pfui: Die deutschen Zeitschriftenverleger erwarten für dieses Jahr einen stabilen Umsatz – aber eine völlig gegensätzliche Entwicklung in den Segmenten. Der Bereich digitale Werbung, E-Commerce und Rubriken soll um 9,6 % wachsen, digitaler Vertrieb um 14,5 %, Events und Corporate Publishing um 3,8 %, geben die Mitglieder des VDZ laut Trend-Umfrage an. Umsätze mit Print-Vertrieb werden um 3,8 % zurückgehen, das Anzeigengeschäft um 4,2 %. Fach- und Publikumsverlage erzielten 2018 zusammen 20,6 Mrd Euro Umsätze – eine Steigerung um mehrere Milliarden, weil Methoden geändert wurden.

Die Hoffnung der Branche liegt auf dem Vertrieb: 4 Mrd Euro setzten Publikumszeitschriften 2018 mit Abos und Einzelverkäufen um – die Zahl hat der VDZ neu und erstmals über IVW-Zahlen hinaus erhoben. Einnahmen aus dem Lesermarkt werden wichtiger, sagt VDZ-Hauptgeschäftsführer Stephan Scherzer (Foto, links). Einerseits weil das Geschäft mit Print-Anzeigen weg bricht. Andererseits weil digitale Werbedollars hauptsächlich bei Google und Facebook landen. Scherzer hofft auf ein Umdenken der Werbungtreibenden weg von den Plattformen: "Wenn sich das Mindset der Buchenden nicht ändert, sind wir bei 85 bis 90 % in drei Jahren."

Die Zahl der Publikumszeitschriften wächst trotz sinkender Reichweiten der großen Titel immer weiter. 2018 zählte der VDZ 1.625 Magazin-Titel, ein Plus von 38 % verglichen mit 2001. 45 % der Verlage planen auch in diesem Jahr neue, regelmäßig erscheinende Printtitel, 60 % Print-Sonderausgaben. Scherzer glaubt fest an eine analoge Zukunft – selbst Airbnb baue jetzt Hotels und Amazon eröffne Geschäfte. Zudem habe 20 Jahre Medienwandel gezeigt, dass alle Verlage noch da seien: "Ich habe den Eindruck, dass in dieser Branche noch immer Geld verdient wird."
turi2 bei VDZ-Pressekonferenz in Berlin, vdz.de (Mitteilung) vdz.de (PDF-Dokument)

Arbeitsministerium prüft Subventionen für die Zeitungszustellung.


Zukunft der Zustellung? Die deutschen Verlegerverbände verhandeln mit dem Arbeitsministerium über eine "direkte Infrastrukturförderung für Logistik", sagt Jörg Eggers, Geschäftsführer des Bundesverbands Deutscher Anzeigenblätter, im "Horizont"-Interview. Er hofft auf eine dreistellige Mio-Summe für die Branche. Das Arbeitsministerium will bis Juni Optionen prüfen. Ein Ansatz: Verlage bekommen für jedes zugestellte Exemplar einen festen Betrag.

Die im Koalitionsvertrag versprochene Senkung des Rentenversicherungs-Beitrags für Zusteller ist bisher nicht eingelöst worden, deshalb erwäge man laut Eggers nun staatliche Zustellungs-Zuschüsse. Die Neutralitätspflicht des Staates müsse dabei gewahrt sein und die Zuschüsse dürften nicht zu publizistischer Wettbewerbsverzerrung führen, schreibt Ulrike Simon.
"Horizont" 14/2019, S. 1 (Paid)

Facebook fördert deutsche Lokalzeitungen mit 2 Mio Euro.


Den Verlagen geld-fällt das: Facebook überweist 2 Mio Euro Lokalzeitungs-Entwicklungshilfe nach Deutschland – ein Teil der angekündigten 300-Millionen-Initiative. 13 deutsche Verlage nehmen das Angebot an, unter ihnen die "Rheinische Post", Funke, DuMont und Ippen. Facebook finanziert ihnen ein zwölf Wochen dauerndes Programm, in denen sie u.a. mit Digitalabo-Experten an Geschäftsmodellen basteln. Danach arbeiten die Verlage weiter im Facebook Journalism Project mit.

Ex-"Spiegel"-Geschäftsführer Jesper Doub, jetzt Facebook-Manager, sagt "Horizont", Bezahlmodelle seien ein wichtiges Element in der Finanzierung von Journalismus. "Klar ist aber auch, dass ein Abonnementmodell nicht für alle Medien funktionieren wird." Das nun beginnende Programm sei nur ein Anfang. Doub räumt ein, dass in der Zusammenarbeit von Verlagen und Facebook zuletzt öfter mal der Wurm drin war.
de.newsroom.fb.com, horizont.net (Doub, Login erforderlich), turi2.de (Background)

Laterpay erhält 6 Mio Euro, startet Zeitpässe für Werbefreiheit und digitale Einzelausgaben.


Zahltag: Der Paid-Content-Dienstleister Laterpay erhält weitere 6 Mio Euro von seinen Investoren und startet neue Angebote. Über Laterpay können Website-Betreiber ihren Nutzern jetzt Werbefreiheit verkaufen: Erster Kunde ist das US-Magazin salon.com, das eine werbefreie Stunde für 0,50 Dollar und eine werbefreie Woche für 7 Dollar anbietet. Mehrere hundert Nutzer sollen dieses Angebot in einem ersten Testmonat gebucht haben, meldet Laterpay-Gründer Cosmin Ene (Foto). Benutzer von Laterpay schreiben Einzelkäufe ohne Login wie auf einem digitalen Bierdeckel an und bezahlen erst später.

Laterpay bietet Verlagen nun außerdem auch die Technologie für den Verkauf einzelner E-Paper und digitaler Ausgaben an. Diese Möglichkeit fehle laut Cosmin Ene fast überall im Netz – obwohl Leser den Einzelkauf am Kiosk aus der Print-Welt kennen. "Verlage vernachlässigen so alle Leser, die kein Interesse an einem Abonnement haben", sagt Ene. Er gründete Laterpay 2010 in München. Das Unternehmen sammelte Kapital – so auch in der neuesten Finanzierungsrunden – von privaten Investoren ein. Zu ihnen zählen Experten aus der Tech- und Telekommunikationsbranche, Family Offices und der Online-Games-Pionier Klaas Kersting. (Fotos: Laterpay, Picture Alliance; Montage: turi2)
turi2 – eigene Infos, gruenderszene.de

“Horizont”: Verlage sind vom Gruner-Bauer-Bündnis überrumpelt.

Pressevertrieb: Das Bauer-Gruner-Bündnis im Zeitschriften-Einzelverkauf irritiert einige direkt Betroffene, schreibt Roland Pimpl. Der Jahreszeiten Verlag (Jalag) habe offenbar durch eine "Horizont"-Meldung davon erfahren und nicht durch den Geschäftspartner G+J DPV oder vom befreundeten Hause Bauer. "Zeit" und "Spiegel" haben Verständnis.
"Horizont" 10/2019, S. 4 (Paid), horizont.net, turi2.de (Background)

Zeitschriften-Gutschein-App Eazers gibt auf.

Eazers: Die Gutschein-App für Printmedien stellt ihren Betrieb ein. Geschäftsführer Jürgen Kieslich sieht keine ausreichenden Wachstumschancen für die App, mit der Verlage potenziellen Lesern digitale Gutscheine für gedruckte Zeitungen und Zeitschriften ausstellen konnten. Im Programm von Eazers waren u.a. "Bild", "Wirtschaftswoche" und Spezial-Titel. Das Angebot war beim SZZ Presse-Grosso entstanden.
dnv-online.net

Springers Vertrieb Sales Impact vergrößert seine Geschäftsführung.

Sales Impact: Springers Pressevertrieb wird in der Spitze geselliger und vergrößert die Geschäftsführung von vier auf sieben Mitglieder. Die bisherige Nordost-Chefin Sandra Balcke, 43, kommt als Vertriebsleiterin für "Bild" und "Welt" dazu. Auch Logistik-Chef Friedrich Tentrop, 38, und David Löffler, 41, Chef des Springer-Grossos Buch und Presse in Hamburg, steigen in die Geschäftsführung auf.
dnv-online.de

Post will auf Zeitschriften-Covern mehr Platz fürs Adressetikett.

Deutsche Post schreibt Verlagen auf Zeitschriften-Covern künftig eine textfreihe "Ruhezone" fürs Adressetikett vor, berichtet "Clap". Verlage sollen rund ums Etikett zwei Zentimeter Platz lassen, damit die Post Presse­sendungen besser maschinell verarbeiten kann. Für Blattmacher eine unpopuläre Maßnahme - mit dem positiven Nebeneffekt, dass der Aufkleber nicht mehr den Aufmacher verdeckt.
clap-club.de

“Jammern verboten”: Wie “Zeit”-Chef Rainer Esser Print- und Anzeigen-Krise trotzt.


Esser kann's besser: Bei der "Zeit" steigen die Umsätze, der Abonnenten-Stamm ist stabil. Geschäftsführer Rainer Esser steht als Person für diesen Erfolg und erläutert seine Rezepte im ausführlichen Interview von Peter Turi. Esser spricht über Diversität, Diversifizierung – und warum seine Journalisten keinen Grund zur Klage haben. Das Gespräch ist nun als Video verfügbar. Unten lassen sich einzelne Themen gezielt anklicken. Wer nur hören möchte, findet das Gespräch im turi2 podcast – sowie direkt bei Spotify und iTunes.

Rainer Esser spricht mit Peter Turi über ...

0:57 ... sich, seinen Job und 80-Stunden-Wochen

4:17 ... das Geschäft mit den "Zeit" Reisen

6:20 ... Unternehmenskultur und Diversität

7:20 ... die Bezahlung der (freien) Journalisten

9:00 ... seine weitere Karriere und die Holtzbrinck-Brüder

10:47 ... Profitabilität und Erfolg der Marke "Zeit"

16:12 ... den "Zeit"-Leser-Club als Wertegemeinschaft

22:56 ... Wochen-Frequenz und andere Faktoren für Erfolg

26:18 ... den Weg der Kunden-Gewinnung

29:38 ... das Geschäft mit Events und Konferenz

33:08 ... die steigende Bedeutung neuer Geschäftsfelder

34:47 ... Anzeigenschwund und neue Modelle im Werbegeschäft

39:27 ... Print-Zukunft und die "Zeit" im kleinen Format

turi2.tv (44-Min-Gespräch bei YouTube), turi2.de/podcast

Remission soll für Kleinverkaufsstellen einfacher werden, plant Sales Impact.

Sales Impact will die Remission für Kleinstverkaufsstellen vereinfachen, sagt Chef Michael Fischer zu Ulrike Simon. Springers Vertriebsorganisation führe Gespräche mit Presse-Grosso und IVW. Fischer sagt, statt Formularen sei z.B. der Einsatz von Smartphones denkbar. Er will im ersten Quartal 2019 eine Lösung finden.
"Horizont" 49/2018, S. 19 (Paid)

Der “Economist” reformiert seinen Ruf, um Leserinnen zu locken.

The Economist 150Economist arbeitet an mehr Diversität im Leser(innen)-Marketing. Nur ein Viertel der Abonnenten sind Frauen. 16 Redakteurinnen und Marketing-Mitarbeiterinnen verändern deshalb die Ansprache, schreibt Thomas Hahn: Der "Economist" will nicht mehr aus einer Machtposition von oben herab kommunizieren, sondern häufiger Fragen stellen und den Dialog suchen. An entscheidenden Stellen sitzen Frauen: Zanny Minton ist Chefredakteurin, Marina Haydn Marketingchefin. Der "Economist" gewann zuletzt in Print und Digital Kunden.
"Süddeutsche Zeitung", S. 23 (Paid)

Zitat: Philipp Welte sieht die Verlage in der Pflicht, für journalistische Freiheit zu sorgen.

"Wenn die Freiheit der Presse in einer Gesellschaft in Bedrängnis gerät, steht es schlecht um die Freiheit an sich."

Burda-Vorstand Philipp Welte appelliert beim VDZ Publishers’ Summit für einen Kampf um die Pressefreiheit. Denn die demokratische Freiheit sei durch ein "unauflösbares Band" mit dem "freien, nur der Wahrheit verpflichteten Journalismus" verknüpft.
focus.de

Grossisten verzögern die Auslieferung des linken Magazins “Konkret”.

Konkret: Das Presse-Grosso bringt das linke Magazin nur verzögert in den Handel, teilt der Verlag mit. Grund ist ein Streit ums Titelbild, das eine Hakenkreuz-Krawatte zeigt. Die Händler sehen einen Verstoß gegen den Gebrauch von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen. Die Händler dürfen nun selbst entscheiden, ob sie das Cover zeigen oder es überkleben. Der Verlag sieht sich in seiner Existenz bedroht.
konkret-magazin.de

Zitat: Post-Chef Frank Appel rechtfertigt steigende Kosten im Presseversand.

"Das Verschwinden von Zeitungstiteln liegt aber kaum daran, dass wir unser Porto erhöhen. Denn das ist sicherlich nur ein geringer Bestandteil der Kosten."

Post-Chef Frank Appel rechtfertigt steigende Preise für den Versand von Zeitungen und Zeitschriften. Das Verteilnetz sei fix, bei sinkenden Auflagen koste das Einzelstück eben mehr.
handelsblatt.com, turi2.de (Background)

“Handelsblatt”: Post will Preise für den Presseversand kräftig anheben.

Deutsche Post will die Verlage 2019 kräftiger zur Kasse bitten, berichtet Christoph Schlautmann im "Handelsblatt". Vertriebschef Martin Linde habe intern angekündigt, "deutlich" die Preise für den Presseversand zu erhöhen. Unter anderem wegen hoher Versandkosten hat sich jüngst der ADAC entschlossen, den Versand seiner Zeitschrift "Motorwelt" ab 2020 einzustellen. Der Club zahlt jährlich rund 50 Mio Euro Porto und fürchtet weitere Erhöhungen.

Die Post will mit höheren Preisen ihre Brief- und Paketsparte in die Spur bringen. Geschäftskunden müssen ab Januar für Pakete deutlich drauflegen – der Anstieg fällt doppelt so hoch aus wie sonst zum Jahresanfang üblich. Der Umsatz im Paketgeschäft wächst, das Ergebnis aber schrumpft. Grund hierfür sind vor allem fehlende Arbeitskräfte. Die Post bedient sich immer wieder bei Leiharbeitsfirmen, doch die finden immer schwieriger Mitarbeiter.
handelsblatt.com, turi2.de (Background)

Zahl des Tages: Nur wenige Presse-Grossisten überleben die kommenden Jahre.

Zahl des Tages: Magere 10 bis 15 Presse-Grossisten überleben bis 2023, schätzt die Springer-Vertriebstochter Sales Impact. Derzeit gibt es 44 Großhändler für Gedrucktes. Die Schätzung basiert auf der Annahme, dass Auflagen weiter sinken und nur Grossisten mit mindestens 100 Mio Euro Jahresumsatz im Geschäft bleiben.
horizont.net

“taz”-Chef Ruch präsentiert Pläne für Ende der Tageszeitung im Jahr 2022.

Geschäftsführer Karl-Heinz Ruch ist sich sicher: Auch ohne täglich Print muss niemand vom Dach des neuen "taz"-Hauses (im Hintergrund) springen. (Foto: Jens Twiehaus)

taz ohne Totholz: Geschäftsführer Karl-Heinz Ruch legt Zahlen für ein mögliches Ende der täglichen, gedruckten "taz" zum 1. Januar 2022 vor. Sein heute vor Journalisten gezeigtes Szenario umfasst eine Print-Ausgabe am Wochenende sowie digitale Abo-Produkte in Form von App und E-Paper. Weil Druck- und Vertriebskosten entfallen und das freiwillige Online-Abo wächst, geht Ruch von stabilen Umsätzen und möglicherweise gar steigenden Erträgen aus.

Ruch hatte schon 2011 ein Ende der gedruckten Tageszeitung in zehn Jahren prognostiziert ("Szenario 2021") und jüngst vor Mitgliedern der Genossenschaft einen Print-Abschied auf Raten angedeutet. Jetzt legt er Zahlen vor, um Mitarbeitern die Angst zu nehmen. Demnach würde die "taz" rund 1,8 Mio Euro Druckkosten, 3,5 Mio Euro für Vertrieb und 1,1 Mio Euro Speditionskosten sparen. Die fehlenden fast 16 Mio Euro aus Print-Abos und 1,1 Mio Euro aus Print-Einzelverkauf müssten aber von steigenden digitalen Umsätzen ausgeglichen werden.

Mindestens 84.000 Kunden müssten für digitale "taz"-Produkte zahlen. Schon jetzt seien es 62.000, die Zielmarke bis 2022 also "realistisch", sagt Ruch. Es gebe ein Leben nach der gedruckten Tageszeitung. "Wir werden nicht in Schönheit sterben." Diese Zuversicht soll auch der Berliner Neubau der "taz" ausstrahlen. Redaktion und Verlag ziehen im Oktober ein. Der neue Newsroom ist crossmedial ausgerichtet. In einem Media-Raum will die "taz" Podcasts und Videos produzieren.
turi2 vor Ort im Berliner "taz"-Neubau

Eindrücke von heute aus dem "taz"-Neubau gibt es in den turi2-Stories bei Instagram und Facebook.


Zitat: Philipp Welte fordert mehr Zusammenarbeit von den Verlagen und lobt das Grosso.

"Anstatt als Flottenverband für die Zukunft unserer Industrie zu kämpfen, kämpfen wir viel zu häufig noch gegeneinander."

Philipp Welte, Zeitschriften-Vorstand von Burda, fordert auf der Grosso-Tagung in Baden-Baden eine bessere Zusammenarbeit zwischen den Verlagen und lobt die Grossisten: Die Zwischenhändler hätten mit dem neuen Grosso-Deal gezeigt, dass sie bereit seien, "gemeinschaftlich für die Zukunft unseres Pressevertriebssystems zu kämpfen".
horizont.net

Aus dem Archiv von turi2.tv: "Ich rede mit allen über alles": Philipp Welte reagiert auf Widerstand des Kartellamts.

Bundesverfassungsgericht weist Beschwerde von Bauer im Grosso-Streit zurück.

Bauer muss sich im Streit mit dem Bundesverband Presse-Grosso geschlagen geben. Das Bundesverfassungsgericht weist eine Beschwerde des Verlags ohne Begründung ab. Bauer hatte die Beschwerde 2016 nach der Niederlage vor dem Bundesgerichtshof eingereicht. Der BGH hatte geurteilt, dass Bauer nicht wie gewünscht mit den Grossisten einzeln Verträge aushandeln darf.
dnv-online.net, turi2.de (Background)

Presse-Grosso konstatiert für Print am Kiosk 2018 eine “mittelschwere Katastrophe”.


Print gewinnt an Tempo – aber nur in der Abwärtsspirale: Frank Nolte, Chef des Bundesverbandes Presse-Grosso, berichtet von alarmierenden Umsatzrückgängen am Kiosk. Die Zahlen seien eine "mittelschwere Katastrophe". Um 10,1 % sank der Presseabsatz im 1. Halbjahr 2018 laut Nolte, der Umsatz ging um 7,2 % zurück. Auch die Fußball-WM und die Panini-Sammelbilder sorgten nicht für einen Lichtblick, sagt Nolte in einem Interview des Branchenblatts Der Neue Vertrieb vor der Jahrestagung der Pressegroßhändler in Baden-Baden.

Besonders unter Druck seien "definitiv die Tageszeitungen", die "überproportional an Auflage verlieren", so Nolte. Als positive Ausnahme nennt Nolte das Segment der Kindermagazine und die Burda-Tochter Blue Ocean. Die Zahl der Presse-Grossisten werde weiter schrumpfen. Allein im Jahr 2018 werden laut Nolte sieben weitere selbständige Betriebe aufgeben und fusionieren. Dabei ist die Zahl der Grossobetriebe seit 2008 bereits von 73 auf 44 gesunken.
Der Neue Vertrieb, 11/2018, S. 16-31

Aus dem Archiv von turi2.tv: Grosso-Chef Frank Nolte sah 2017 keine Möglichkeit mehr zum Sparen.

fragebogen2: Ulla Strauß.


fragebogen2: Mrs. Kiosk Ulla Strauß geht mit einem "Still Day One"-Anstecker durch die Welt und verbreitet Optimismus. So wortgewaltig und lautstark, dass sie manchmal das Zuhören vergesse, sagt Strauß im Video-Fragebogen. Die Chefin von United Kiosk ist Marathon-Läuferin und will noch bis zum 80. Lebensjahr laufen, in der Hoffnung, flotter zu finishen. So kann sie sich auch ihre (gar nicht so) heimliche Schwäche weiter erlauben: Schokolade.
turi2.tv (2-Min-Video bei YouTube)

Aus dem Archiv von turi2.tv: Ulla Strauß begründet, warum Verlage Amazon und Apple umarmen sollten.

lexikon2: Heribert Bertram.


Heribert Bertram ist Vertriebsexperte und Frohnatur, Netzwerker und Verkäufer – und bei Bauer verantwortlich für 600 Mio Euro Umsatz und acht Firmen. Als Kind träumt er in bester Top-Gun-Manier davon, als Jet-Pilot durchzustarten, erzählt er im Video-Fragebogen von turi2.tv. Als Bauer-Vertriebschef nimmt er das aus seiner Sicht bequem gewordene Presse-Grosso ins Visier. Weiterlesen…

Porträt: Holger Bingmann kooperiert mit Freiberuflern und will eine Uni gründen.

Holger Bingmann, geschäftsführender Gesellschafter des Medienkonzerns Melo Group, will sein klassisches Gewerbe ins digitale Zeitalter überführen, schreibt Henrike Roßbach im Porträt. In seiner Startup-Location Blogfabrik stellt Bingmann etwa 80 Bloggern, YouTubern und Grafikern sehr günstigen Raum zum Arbeiten. Im Gegenzug fragt seine Firma die Freiberufler bei Bedarf, ob sie einen externen Auftrag gegen Bezahlung übernehmen wollen. Zu solchen Aufträgen zählt eine Social-Media-Kampagne für eine deutsche Bank. Auch mit einer Universität mit Schwerpunkt Digitalisierung will der Präsident des Groß- und Außenhandelsverbands BGA Geld verdienen.
sueddeutsche.de