Wirtschaftsministerium gibt Post mehr Zeit für Brief-Zustellung.


Schneckenpost mit Zustellgarantie? Das Wirtschaftsministerium hat am Donnerstag die Eckpunkte für ein überarbeitetes Postgesetz vorgelegt. Demnach bekommt die Deutsche Post künftig mehr Zeit für die Zustellung von Briefen, muss im Gegenzug aber sicherstellen, dass Briefe auch tatsächlich ankommen. Die bisherige Vorgabe, dass mindestens 80 % der Briefe am nächsten Werktag nach Briefkastenleerung ankommen müssen, hält das Ministerium für "wenig hilfreich".

Die Bundesnetzagentur erhält laut der Novelle mehr Befugnisse bei der Überwachung und Sanktionierung der Post. Zuletzt wurde das Postgesetz 1999 grundlegend überarbeitet. Mittlerweile habe sich der Anspruch dahingehend geändert, dass Verlässlichkeit vor Geschwindigkeit bei der Briefzustellung stehe. Anfang der Woche hatte die Deutsche Post eine "Welt"-Meldung postwendend dementiert, wonach sich das Unternehmen mit dem Rückzug von der flächen­deckenden Brief-Zustellung in Deutschland beschäftigt.
spiegel.de, sueddeutsche.de, turi2.de (Background)

Die “Zeit” verlängert ihre Titelstorys künftig mit Scrollytelling ins Netz.

Scrollable Content: Die Zeit reichert die Titelstories der gedruckten Ausgabe künftig mit Bild, Video und Charts an und verlängert sie als interaktive speziell für Mobilgeräte angepasste Stories ins Netz. Dazu arbeitet der Verlag mit Scrollytelling zusammen, die auf das digitale Erzählformat spezialisiert sind. Die Zeit verschickt die sogenannten Scrollys u.a. über die Newsletter "ZEIT Brief" und "Freunde der ZEIT" an ihre Leserinnen. Den Anfang macht eine Geschichte zum Thema Greenwashing bei Unternehmen. Auch Spiegel Online und andere Medien nutzen diese Art des Storytellings bereits.
per Mail, zeit.scrlly.com

Nach 134 Jahren: Deutschsprachige Zeitung “Argentinisches Tageblatt” stellt den Betrieb ein.

Argentinischer Abschied: Die letzte deutschsprachige Zeitung in Argentinien, das "Argentinische Tageblatt", hat am Freitag mit der 32.432. Ausgabe ihren Print-Betrieb eingestellt. Kurz zuvor war der langjährige Redaktionsleiter Stefan Kuhn gestorben. Grund für das Aus sind Personal­mangel und wirtschaftliche Probleme. 1889 erschien das Blatt zum ersten Mal, seit 1981 kam es nur noch wöchentlich statt täglich heraus. Zuletzt betrug die Auflage 10.000. Die Website soll vorerst bestehen bleiben.
sueddeutsche.de (€), deutschlandfunkkultur.de, twitter.com

“Bild” entschuldigt sich für Fake-Interview mit “Drachenlord” Rainer Winkler.

Interview mit einem Fabelwesen: Die "Bild" entschuldigt sich in ihrer Donnerstag-Ausgabe für ein Fake-Interview mit "Drachenlord" Rainer Winkler. Die Boulevardzeitung hatte Anfang des Jahres einen Artikel über den "meistgehassten Mann des Internets" mit Zitaten des YouTubers veröffentlicht, der in einem Livestream sein Mitwirken an dem Interview dementiert hat. Laut "Bild" habe man stattdessen "eine andere Person interviewt, die sich mit Fälschungen amtlicher Ausweisdokumente und hoher krimineller Energie" als Rainer Winkler ausgegeben habe.

"Bild" hatte die Interviewfragen nur schriftlich übermittelt und sei wohl auf einen gefälschten Twitter-Account reingefallen, berichtet die "Süddeutsche Zeitung". Der "Bild"-Artikel ist inzwischen offline. Ein anonymes Bekennervideo zeichnet nach, wie sogenannte Drachenlord-Hater "Bild" hinters Licht geführt haben wollen. Das Boulevardblatt kündigt an, Strafanzeige zu erstatten. Rund um den umstrittenen YouTuber "Drachenlord" hat sich ein Mob sogenannter Hater gebildet, die ihn sowohl im Netz als auch im realen Leben schikanieren.
sueddeutsche.de, rnd.de

Nürnberger Presse hatte ebenfalls Druckereiprobleme.

Ohne Druck: Der Verlag Nürnberger Presse meldet wie auch die "FAZ" Druckereiprobleme. Die Donnerstag-Ausgabe der "Nürnberger Zeitung" und der "Nordbayerischen Zeitung" konnte wegen technischer Probleme nicht gedruckt werden. Zahlreiche Lokalzeitungen waren von den Einschränkungen ebenfalls betroffen. Die "FAZ" hatte aufgrund einer technischen Störung in der Druckerei am Mittwochabend Lieferprobleme bei der gedruckten Ausgabe, weshalb die Digital-Ausgabe kostenlos abrufbar war.
nordbayern.de, turi2.de (Background)

“Bild”, “BamS” und “B.Z.” werden im nächsten Jahr klimaneutral.

bildlogoGrünes Label fürs rote Blatt: Springer verkauft "Bild", "Bild am Sonntag" und die "B.Z." ab Januar als "klimaneutrales Produkt" – so wie seit September bereits die "Auto Bild". Die Emissionen, die bei der Produktion der Zeitungen entstehen, gleicht Springer durch Kompensationszahlungen aus, u.a. für eine Solaranlage in Indien und ein Wasserkraftwerk in Nicaragua. Ab März sollen sich auf die gleiche Art auch "Welt" und "Welt am Sonntag" mit dem Tüv-zertifizierten "Klimaneutral"-Sticker schmücken dürfen.
axelspringer.com, turi2.de (Background)

Christian Rainer scheidet als “Profil”-Chefredakteur aus.


Profi(l)-Verlust: Christian Rainer gibt seinen Posten als Chefredakteur des österreichischen Nachrichten-Magazins "Profil" ab. Er wolle "zeitnah" ausscheiden, eine Nachfolge steht noch nicht fest. Ob er Herausgeber des Magazins bleibt, ist noch unklar. Den Schritt habe sich Rainer "lange überlegt" und sehe "den richtigen Zeitpunkt nach einem Viertel­jahrhundert an der Spitze der Redaktion nun für gekommen". Der "Standard" hatte zunächst berichtet, Rainer habe bei einem Redaktions-Treffen gesagt, er sei gekündigt worden – ein unschönes Geschenk für den Journalisten, der heute seinen 61. Geburtstag feiert. Inzwischen schreibt der "Standard", die zitierten Aussagen seien unzutreffend. "Kurier"-Vize Richard Grasl wird indes neuer Geschäftsführer des "Profil" und löst Thomas Kralinger ab, der weiterhin Geschäfts­führer des "Kurier"-Medien­hauses und der Mediaprint bleibt. Rainer ist seit Juli 1998 Chefredakteur und Herausgeber des "Profil".
profil.at, derstandard.at

Studie: Ältere nutzen häufiger Streamingdienste.

Reichweiten-Analyse: Immer mehr Ältere nutzen Streamingdienste, sagt Nielsen Media in seiner halbjährlichen Umfrage zum Mediennutzungsverhalten der Deutschen. Demnach verzeichnet die Gruppe der 55- bis 69-Jährigen im Vergleich zum Vorjahr ein Anstieg von 12 %. Rund 67 % der Älteren schaltet täglich bei ARD oder ZDF ein, bei den Jüngeren sind es 38 %. Printmedien verlieren 6 % Reichweite.
horizont.net

Übermedien: “Geo Epoche” verlangt Geld für eine nicht bestellte Abo-Erweiterung.

Zwangs-Heft? Gruner + Jahr stellt den Abonnenten seines Geschichts-Magazins Geo Epoche ein "unverlangt zugesendetes" Sonderheft für zwölf Euro in Rechnung, schreibt Eckhard Stengel bei Übermedien. Das Abonnement beinhalte "neben den regulären sechs Ausgaben ab sofort zusätzlich eine Ausgabe der Geo Epoche Panorama pro Jahr", teilt der inzwischen zu RTL gehörende Verlag mit: "Sollte der Bezug nicht gewünscht werden, sind wir selbstverständlich kulant." Im Einzelverkauf kostet das besagte Heft 18 Euro. Die Verbraucherzentrale Hamburg kritisiert das Vorgehen als "sehr dubios" und prüfe derzeit, ob sie dem Verlag eine Abmahnung schicken sollte.
uebermedien.de

Das “Handelsblatt” legt sich ein neues Print-Layout zu.


Frischzellenkur: Das "Handelsblatt" führt ein neues Layout und eine neue Struktur für seine Print-Ausgabe ein. Damit einher geht u.a. ein Ausbau der Berichterstattung über "geoökonomische Entwicklungen", schreibt Chefredakteur Sebastian Matthes. Korrespondenten-Berichte bekommen dazu künftig prominentere Plätze auf den ersten Seiten. Übergeordnetes Ziel sei es, "die ökonomischen Themen, die Unternehmen und Politik bewegen, stärker in den Mittelpunkt zu rücken". Wolfgang Ischinger, ehemaliger Botschafter und Ex-Vorsitzende der Münchner Sicherheitskonferenz, sowie die Sicherheitspolitikexpertin Claudia Major von der Stiftung Wissenschaft und Politik sind neu an Bord als Gastautoren. "In einem nächsten Schritt" werde auch die Website überarbeitet.
"Handelsblatt", S. 1 (€), handelsblatt.com

“Heilbronner Stimme” kann auch am Montag nicht gedruckt erscheinen.

Stimmungstief: Auch am Montag wird es wegen des Cyberangriffs auf die Stimme Mediengruppe keine gedruckte Ausgabe der "Heilbronner Stimme" geben. Stattdessen werde versucht, ein 24-seitiges E-Paper zu produzieren, kündigt Chefredakteur Uwe Ralf Heer der dpa an. Wenn das klappt, könne am Montag wieder eine gedruckte Ausgabe für Dienstag in die Produktion gehen.
swr.de, spiegel.de, turi2.de (Background)

“Heilbronner Stimme” erscheint wegen eines Cyberangriffs mit einer Notausgabe.


Stimmstörung: Bei einer Cyberattacke sind die Computersysteme der Heilbronner Stimme verschlüsselt worden, sagt Chefredakteur Uwe Ralf Heer der dpa. Es gebe ein Bekennerschreiben, eine Lösegeldforderung liege aber bisher nicht vor. Die reguläre Zeitungsproduktion sei "bis auf Weiteres nicht möglich", am Samstag erscheint eine sechsseitige Notausgabe. Auch weitere Unternehmen der Stimme Mediengruppe seien von dem Cyberangriff betroffen. Das Landeskriminalamt habe bereits Ermittlungen eingeleitet. Ende 2020 wurde bereits die Funke Mediengruppe Opfer einer Cyberattacke, im April 2021 dann Madsack. In beiden Fällen war die Zeitungsproduktion ebenfalls beeinträchtigt.
swr.de, faz.net, stimme.de
(Foto: Picture Alliance, dpa, Christoph Schmidt)

José F. A. Oliver ist neuer Präsident der Autorenvereinigung Pen-Zentrum.

Neue Spitze: Der Autor José F. A. Oliver ist neuer Präsident der Schriftstellervereinigung PEN-Zentrum Deutschland. Heinrich-Böll-Preisträger Oliver folgt auf Interimspräsident Josef Haslinger, der das Amt im Mai übernommen und sich nun nicht mehr zur Wahl gestellt hatte. Im Frühjahr führten interne Streitereien zum geschlossenen Rücktritt des Vorstands um Deniz Yücel. Yücel und Co gründeten im Anschluss mit Pen Berlin ein eigene Vereinigung.
faz.net, turi2.de (Background)

Streit um Auskunftspflicht: “Bild” verliert gegen Bundesverfassungsgericht.

Keine Auskunft unter dieser Nummer: Die Bild erleidet im Streit mit dem Bundesverfassungsgericht über die Auskunftspflicht von Anwaltskosten eine Schlappe. Das Verwaltungsgericht Karlsruhe urteilte per Eilentscheidung, das Verwaltungsgericht müsse die Kosten in 39 vorausgegangenen Streitigkeiten nicht offenlegen, da das Geschäftsgeheimnis in diesen Fällen höher wiege als das Informationsinteresse der "Bild". "Bild" wollte u.a. wissen, ob das Verfassungsgericht Geld für externe Anwälte verschwendet.
spiegel.de

Rede zu “SZ”-Jubiläum: Angela Merkel war ungern “Kohls Mädchen”.

Niemandes Mädchen: Altbundeskanzlerin Angela Merkel hat beim 77. Jubiläum der Süddeutschen Zeitung am Donnerstagabend in ihrer Festrede den hohen Wert der Pressefreiheit und Meinungsvielfalt beschworen und für ihren Schutz geworben. Die "Süddeutsche Zeitung" bezeichnete sie als ihren "ständigen Begleiter" und als "Stachel im eigenen Fleisch" der Schwesterpartei CSU.

Merkel wurde in ihrer Rede auch persönlich und sagte, die Bezeichnung vieler Medien als "Kohls Mädchen" zu Beginn ihrer politischen Karriere habe sie als "jemand, der sich freute, erstmals im Leben eigenständig seine Meinung zu äußern, ohne mit staatlichen Institutionen in Schwierigkeiten zu kommen", als "ziemlich deprimierend" empfunden.

Die Altbundeskanzlerin lobte die "Süddeutsche Zeitung" u.a. für die "klare Unterscheidbarkeit von Sachverhaltsmeldungen, Reportagen und Meinungsartikeln" und sagte weiter: "Wenig ist aus meiner Sicht bei der Zeitungslektüre erfreulicher, als einen Meinungsartikel zu lesen, dessen Quintessenz man nicht schon kennt, wenn man nur die Zeitung aufschlägt oder den Namen des Autors oder Autorin liest."

Merkel wurde auch politisch und bezeichnete den russischen Angriffskrieg in der Ukraine als Zäsur und lobte die Entschlossenheit und Geschlossenheit des Westen. Im Hinblick auf die Drohgebärden aus Moskau empfahl sie, die "Worte ernst zu nehmen und sich ernsthaft mit ihnen auseinanderzusetzen und sie nicht von vornherein als Bluff einzustufen".
sueddeutsche.de, sueddeutsche.de (Rede-Manuskript), sueddeutsche.de (Insights zu 77 Jahren "SZ")

Prinz Harry, Elton John und andere Promis verklagen Associated Newspapers..

Nicht die feine englische Art: Eine Reihe berühmter britischer Persönlichkeiten um Elton John und Prinz Harry verklagen den britische Zeitungsverlag Associated Newspapers. Die Prominenten werfen dem Herausgeber der Daily Mail grobe Verletzungen der Privatsphäre wie etwa illegale Abhöraktionen, die Beauftragung von Privatdetekteien zum Ausspähen ihres Privatlebens oder Bestechung der Polizei vor. Associated Newspapers weist die Vorwürfe zurück und sieht sich einer geplanten Schmutzkampagne ausgesetzt.
theguardian.com

“Freude.Forever”: BMW bringt ein neues Print-Magazin auf den Markt.

Freude am Drucken: BMW bringt mit "Freude.Forever" ein Print-Magazin heraus, das die "Facetten des modernen, nachhaltigen Luxus und des technologischen Fortschritts" beleuchten will. Die monothematischen, je 140-seitigen Hefte sollen anlassbezogen erscheinen. Das Heft erscheint mit 150.000 Auflage für 10 Euro. Der Erstling widmet sich der "Verbindung und Bedeutung von modernem Luxus" sowie "beständiger Nachhaltigkeit".
per Mail

Kosmos- und der Olympia-Verlag kooperieren bei weiteren Fußball-Titeln für Kinder.

Kickt gut: Die beiden Verlage Kosmos und Olympia wollen nach dem Launch von "Kicker Kids" weiter zusammenarbeiten. Entstehen sollen dabei "unterhaltsame und informative Kinderbuchbände", Hörspiele sowie Spiele. Mit "Fussball – Alles zu WM, EM, Spielern, Rekorden und Co." erscheint ein neues Sachbuch. "Wir glauben an das gedruckte Wort. Ein Buch ermöglicht Kindern einen ganz anderen Zugang und eine intensivere Beschäftigung mit ihren Lieblingsthemen", begründet "Kicker"-Chefredakteur Jörg Jakob die Partnerschaft.
per E-Mail

Oliver Wurm will alle Landesverfassungen als Magazine an die Kioske bringen.

Machen die 16 voll: Der Journalist Oliver Wurm und der Designer Andreas Volleritsch wollen "in den nächsten Jahren" alle 16 Landesverfassungen in Magazin-Optik veröffentlichen. Im Oktober geht es zunächst weiter mit der Bremer Verfassung und im Dezember mit der des Saarlandes. Für 2023 seien bereits sechs weitere Projekte in Arbeit. Die neusten Wendecover-Hefte umfassen je rund 180 Seiten und wie gehabt den vollständigen Text des Grundgesetzes.
per E-Mail, turi2.de (Background)

Zahl des Tages: Helene Fischer ist 315 Mal auf Klatschmagazin-Covern.

Zahl des Tages: Genau 315 Mal zeigen deutsche Klatsch-Hefte Helene Fischer auf den Titelseiten zwischen Januar 2021 und Juli 2022, wertet Übermedien aus. Ihr Ex-Freund Florian Silbereisen ist auf 227 Covern, Prinz Harry auf 210. Angela Merkel ist 74 Mal das Titel-Gesicht, seit dem Ende ihrer Amtszeit im Dezember 2021 interessiert sich die Regenbogen-Presse verstärkt für sie.
uebermedien.de (€)

Julian Reichelt sieht seine Zukunft nicht im Print und kündigt neue Dachmarke an.


Macht keinen Druck: "Ich glaube, dass Zeitung nicht mehr unser Geschäft sein wird", sagt Ex-"Bild"-Chef Julian Reichelt in einer Fragestunde, bei der Nutzerinnen u.a. Auskunft zu den Plänen seines neuen Medienunternehmens haben wollen. Das Modell des YouTube-Kanals "Achtung, Reichelt!" und "allem weiteren, was wir planen" werde ziemlich sicher nicht gedruckt stattfinden. Als Gründe dafür nennt er u.a. die hohen Papier-, Verteilungs- und Energiepreise, die es derzeit "nahezu unmöglich machen, eine neue, erfolgreiche Zeitung zu gründen". Reichelt hält Zeitung zwar nach wie vor für ein "wunderschönes Modell", aber nicht mehr für ein nachhaltiges – vor allem nicht, um große Reichweiten zu erzielen. Weil er aber genau diese Reichweite wolle, liege die Zukunft "nicht auf bedrucktem Papier".

Als neue Projekte plant Reichelt mehrere Shows abseits seines bisherigen "Achtung!"-Formats, auch mit weiteren Moderatorinnen. Die Sendungen sollen perspektivisch auf einer eigenen Website mit neuer Dachmarke beheimatet sein. In "einigen Wochen" wolle er diese Marke bekannt geben.
youtube.com (30-Min-Video)

Sorge vor Erdgas-Knappheit: Die “FAZ” hamstert Papier.

Für den Ernstfall: Die "FAZ" erhöht ihren Vorrat an Papier und will sich so gegen einen möglichen Produktionsengpass durch eine Erdgas-Knappheit wappnen. Zusätzlich bis zu 1.400 Tonnen Zeitungsrollen wolle man z.B. am wichtigsten Standort in Mörfelden-Walldorf, südlich des Frankfurter Flughafens, einlagern. Der Papierbedarf soll so für drei Monate sichergestellt sein. Auch die Vorräte an Druckplatten und Farbe würden erhöht.
faz.net (Paid)

“Donaukurier”: Druckerei in Ingolstadt soll noch dieses Jahr schließen.

Spar-Druck: Bis Ende des Jahres soll die Druckerei des "Donaukurier" in Ingolstadt stillgelegt werden, berichtet die "Süddeutsche Zeitung". Künftig soll der Druck der Regionalzeitung in Regensburg erfolgen – im Druckzentrum der "Mittelbayerischen Zeitung", die ebenfalls zur Mediengruppe Bayern der umstrittenen Verlegerin Simone Tucci-Diekmann gehört. Insider sprechen vom "Niedergang" ihrer Zeitung, sie befürchten zudem Folgen für die Aktualität des Blattes.
sueddeutsche.de

Lese-Tipp: “Capital”-Jubiläumsheft orientiert sich an der Erstausgabe.

Hoch verzinst für Print-Liebhaber: Das Wirtschaftsmagazin "Capital" feiert seinen 60. Geburtstag mit einer Retro-Edition im Stil der ersten Ausgabe von Mai 1962. Auf 116 Seiten begibt sich die Redaktion in Sachen Schrift, Design, Formate und Fotos "auf die Spuren ihrer Anfänge". Zu lesen gibt es u.a. ein Interview mit Unternehmensberater Roland Berger, Gespräche mit ehemaligen Chefredakteuren sowie prominente Glückwünsche von z.B. Tina Müller. Auf seiner Website blickt das Magazin zudem auf denkwürdige Titelseiten aus sechs Jahrzehnten zurück.
capital.de, shop.capital.de (10 Euro), capital.de (Bildergalerie)

Zitat: “Focus Money”-Chef Georg Meck hält Absprachen mit Wirtschaftsbossen für überholt.

"Die Zeiten, in denen alte Kollegen ein Abendessen mit einem Vorstandsvorsitzenden hatten und dann abgesprochen haben, in zwei Wochen darüber zu berichten, sind lange vorbei."

Für "Focus Money"-Chefredakteur Georg Meck ist der Finanz- und Wirtschaftsjournalismus innerhalb der vergangenen 30 Jahre schneller, wettbewerbsorientierter und auch investigativer geworden. Trotzdem gebe es noch immer Fälle "bei denen eine ganze Branche Fehlentwicklungen zu spät erkennt".
meedia.de (Paid)

“Der Freitag” startet die Anzeigen-Kampagne “Wir wollen bloß die Welt verändern”.

Nur noch kurz die Welt verändern: "Der Freitag" startet die neue Anzeigen-Kampagne "Wir wollen bloß die Welt verändern", mit der die Zeitung ihre "mutigen und kritischen Leser:innen" in den Fokus rücken will. "Freitag lesen ist: Das große Ganze sehen, statt die große Masse" ist beispielsweise auf einem der Motive zu lesen. Die Idee zum Titel kommt vom Markenberater Christian Frick, die Berliner Designagentur studio nunc zeichnet für die Gestaltung verantwortlich.
freitag.de

Debatte: Boris Rosenkranz analysiert die Symbiose von Paparazzi und Klatschpresse.

Stalking als Storygarant: Autor Boris Rosenkranz beschreibt am Beispiel eines Fotografen, der Helene Fischer obsessiv verfolgt und die Bilder meistbietend verkauft hat, die perfide Symbiose von Paparazzi und Klatschpresse. Klatschblätter aus Verlagen, "die sich als ehrliche, bodenständige Unternehmen geben und sich für seriöse journalistische Produkte feiern" beschäftigen professionelle Stalker, die Promis das Leben zur Hölle machten. Die Yellow Press konstruiere daraus Skandal-Berichte oder zynische Geschichten über Promis in der Stalking-Falle.
uebermedien.de (Paid)

“Handelsblatt” und dfv kooperieren in Sachen Recht und Steuern.

Beigesteuert: Das "Handelsblatt" und die dfv Mediengruppe kooperieren in Sachen Recht und Steuern. Ab heute erscheint im "Handelsblatt" wöchentlich eine themenbezogene Seite, deren Inhalt von der dfv-Fachredaktion geliefert wird. "Handelsblatt"-Chefredakteur Sebastian Matthes verspricht sich davon einen "qualitativ hochwertigen Mehrwert".
dfv.de

“Tagesspiegel” geht morgen in den Warnstreik.

More money: Der Berliner "Tagesspiegel" geht am Mittwoch in den Warnstreik, aufgerufen dazu haben die Deutsche Journalisten-Union sowie der DJV Berlin-Brandenburg. Grund sind u.a. Unstimmigkeiten darüber, wie Redakteurinnen künftig nach Branchentarifvertrag bezahlt werden sollen. In der Holtzbrinck-Gruppe, zu der der "Tagesspiegel" gehört, hatte es kürzlich einen Tarifabschluss für Beschäftigte von "Zeit Online" gegeben.
bb.verdi.de, turi2.de (Background)

Deutscher Ethikrat kritisiert deutsches Corona-Management – und die Medienberichterstattung.


Doch nicht so doll: Der deutsche Ethikrat um Vorsitzende Alena Buyx (Foto) kritisiert in einer 161-seitigen Stellungnahme das deutsche Corona-Management. Insbesondere die junge Generation sei "nicht genug berücksichtigt und gesehen" sowie mit andauernden Maßnahmen "schwerer vulnerabel" geworden. Zudem bemängelt der Ethikrat auch die Arbeit der Medien in der Pandemie: "Der kritische Teil der Aufgabe" das "strittige Für und Wider von Maßnahmen" darzustellen, sei insbesondere zu Beginn der Corona-Krise "nicht im wünschenswerten Maß erfüllt" gewesen.

Insgesamt kommt der Ethikrat zu dem Schluss, dass wesentliche Maßnahmen "dezentral und lokal" verhängt werden sollten. Zudem sieht er "problematische Gewöhnungseffekte" bei "länger andauernden Freiheitsverlusten".
ethikrat.org, t-online.de, welt.de (Paid)

Lese-Tipp: SZ-Magazin beschreibt, was Lieferdienste ihren Fahrradkurieren abverlangen.

Lese-Tipp: Autor Christoph Cadenbach beschreibt im "SZ-Magazin", welchen Preis Lieferdienste ihren Fahrradkurieren abverlangen, damit Großstädterinnen für ihren Supermarkteinkauf ihre Couch nicht verlassen müssen. Einer der Hauptprotagonisten erzählt, wie er mit Gründerträumen nach Berlin kam und im Fahrradsattel des Lieferdienstes Gorillas und schließlich nach einem Unfall im Krankenhaus landete.
"SZ-Magazin" 13/2022 (Paid)

Bauer verliert Verlagschef Rob Munro-Hall.

Bye Bye Bauer: Die Bauer Media Group und Rob Munro-Hall gehen ab sofort getrennte Wege.  Der Brite kam 2008 zu Bauer und machte beim Hamburger Medienhaus Karriere.  2016 hat ihn Bauer zum CEO des britischen und 2020 zum Chef des weltweiten Verlagsgeschäfts befördert. Die Stelle soll neu besetzt werden, ein Nachfolger ist bisher noch nicht gefunden. Zuletzt hatte sich Bauer aus vielen Ländern zurückgezogen und u.a. das USA-Geschäft verkauft.
new-business.de, bauermedia.com, turi2.de (Background)

Video-Tipp: Jürgen Winkler von Onlineprinters erklärt den Papier-Mangel.

Video-Tipp: Die Druckerei Onlineprinters hat zwar jede Menge Aufträge, aber wenig Papier, erklärt COO Jürgen Winkler dem BR. Der Mangel liege sowohl an bestreikten als auch stillgelegten Papierfabriken, die Preise für eine Tonne sind in den vergangenen Monaten um bis zu 80 % gestiegen. Spezielle Sorten haben mittlerweile eine Lieferdauer von bis zu drei Monaten.
br.de (2:30-Min-Video)

Zitat: Präsidenten-Promis wie Döpfner sind nicht nötig, sagt MVFP-Präsident Rudolf Thiemann.

"Ich glaube nicht, dass es notwendig ist, einen besonders prominenten Präsidenten zu haben. Aber es schadet auch nicht."

Rudolf Thiemann, Präsident des VDZ-Nachfolgevereins Medienverband der Freien Presse, sagt im "Horizont"-Interview, dass es prominente Präsidenten wie Mathias Döpfner vom BDZV nicht zwingend braucht.
ereader.horizont.net

Zwei Männer greifen die Redaktion von “nd” an.


Alk-Attacke: Zwei Männer, die offenbar alkoholisiert waren, haben die Redaktion der linken Tageszeitung "nd" in Berlin-Friedrichshain angegriffen. Laut Angaben der Zeitung haben sie versucht, das Gebäude zu betreten und es mit Bierflaschen beworfen. "nd"-Verlagsleiter Rouzbeh Taheri (Foto) bestätigt, dass dabei Ausdrücke wie "Lügenpresse" gefallen seien.

Verletzt wurde bei dem Angriff niemand, allerdings sei Sachschaden entstanden. Die Täter sind flüchtig, der Staatsschutz ermittelt. "nd" vermutet einen rechtsradikalen Hintergrund.
t-online.de, twitter.com (Tweet "nd")

“Leipziger Volkszeitung” veröffentlicht Hilfe-Seite auf Ukrainisch.

Leipzig liefert: Die "Leipziger Volkszeitung" veröffentlicht am Mittwoch eine gedruckte Hilfe-Seite auf Ukrainisch, um ankommenden Flüchtenden Orientierung zu geben. Beantwortet werden u.a. Fragen zu Unterbringung, Ansprechpartnern und der Registrierung in Deutschland. Chefredakteurin Hannah Suppa schreibt bei Twitter, die Idee ist vom "Kölner Stadt-Anzeiger" "entliehen".
twitter.com (LVZ), ksta.de (Background "Kölner Stadt-Anzeiger")

Debatte: Die News-Industrie ist so ungesund wie ein Big Mac, schreibt Christian Jakubetz.

No news today: "Wer News für Informationen hält, glaubt auch, dass ein Big Mac gesund ist", schreibt Christian Jakubetz bei "The European". Aufgrund von Krieg und Corona könne man sich den ganzen Tag durch alptraumartige, dunkle Nachrichten scrollen – ein Verhalten, das von der mit Tracking-Tools ausgestatteten "News-Industrie" befeuert werde und gewollt sei. Stattdessen sollte man auf Fastfood-Neuigkeiten verzichten und lieber auf Analysen und ausgeruhte Reportagen setzen.
theeuropean.de

Die Papierindustrie cancelt den Papiermangel.


Nicht von Pappe: Der Verband der Papierindustrie widerspricht den Gesetzlichen Krankenkassen, die Umsetzung der Corona-Impfpflicht scheitere aufgrund eines Mangels an Papier. In einem Twitter-Statement heißt es, das Argument sei nicht nachvollziehbar – und die deutsche Papierindustrie "lieferfähig". Der Verband sehe sich "als Vorwand missbraucht", erklärt ein Sprecher der "Welt".

Der Bedarf, um die Impfpflicht-Schreiben zu verschicken, belaufe sich auf "600 Tonnen Kopierpapier im A4-Format", was "einem Promille des jährlichen Verbrauchs in Deutschland" entspreche. Es gebe derzeit aber "Engpässe bei Druckpapieren". Auch das Bundeswirtschaftsministerium will nichts von einem "akuten Papiermangel" wissen.
twitter.com, welt.de, turi2.de (Background)

(Foto: Frank May / Picture Alliance; Montage: turi2)

Lese-Tipp: SZ-Magazin geht Zölibatbrüchen in der katholischen Kirche auf den Grund.

Lese-Tipp: Das SZ-Magazin thematisiert Zölibatbrüche, die in der eigenwilligen Logik der katholischen Kirche oft erst mit einer Eheschließung zum Straftatbestand werden. Autorin Kristina Ratsch spricht mit verstoßenen Priester-Kindern und einem Priester, der sich für die Liebe entschieden hat und damit bewusst gegen Kirchenrecht verstößt.
"SZ Magazin", 11/2022, S. 24 (Paid)

VDZ stellt sich als Medienverband der freien Presse neu auf.

Neuer Name, alte Köpfe: Die Zeitschriftenverleger organisieren sich ab sofort im Medienverband der freien Presse (MVFP). Neuer, alter Präsident ist Rudolf Thiemann von der Liborius Verlagsgruppe, der u.a. mit Philipp Welte (Hubert Burda Media) das exekutive Führungsgremium des Nachfolgerverbandes des VDZ bildet und diesem schon seit 2017 vorstand. Der MVFP will die Interessen seiner Mitglieder mit einheitlichen Mitgliedsbeiträgen und fünf Landesvertretungen möglichst demokratisch abbilden.
wuv.de, new-business.de, turi2.de (Background)

Christian Drosten geht juristisch gegen “Cicero” und Roland Wiesendanger vor.

Rote Linie überschritten: Der bisher nicht als besonders dünnhäutig aufgefallene Virologe Christian Drosten verlangt vom "Cicero" und dem Physiker Roland Wiesendanger eine Unterlassung und wehrt sich erstmals juristisch gegen einen Professoren-Kollegen. Wiesendanger hatte Drosten Anfang Februar in einem "Cicero"-Interview eine Corona-Verschwörung vorgeworfen und behauptet, er habe die Öffentlichkeit über den Ursprung des Corona-Virus gezielt getäuscht und "die ganze Medienwelt, die ganze Politik in die Irre" geführt.

Drosten widerspricht dem Vorwurf vehement und versichert per eidesstattlicher Erklärung, dass ein menschgemachter Ursprung zum Corona-Ausbruch "aus mehreren wissenschaftlich-technischen Gründen unwahrscheinlich und in jedem Fall nicht belegbar" sei. Kern des Streits ist die Frage ob der Corona-Ausbruch eine Naturkatstrophe ist, auf einen Laborunfall zurückgeht oder sogar gezielt durch Menschen verbreitet wurde. Wiesendanger beruft sich bei seiner Kritik auf eine Telefonkonferenz mehrerer Virologen zu Beginn der Pandemie, bei der sich die Wissenschaftler, darunter auch Drosten, angeblich einheitlich auf eine Naturkatastrophe als Begründung für den Ausbruch verständigt hätten.
tagesschau.de, sueddeutsche.de

“Tagesspiegel” bringt Paralympics Zeitung in digitaler Form.

Inklusive Berichterstattung: Die Paralympics Zeitung des "Tagesspiegel" und der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung erscheint zum Start der Winterspiele in Peking nur noch in digitaler Form und nicht mehr als gedruckte Beilage diverser Zeitungen. Die neue Ausgabe erscheint am 04.03. als E-Paper, online und einmalig auch mit ausgewählten Texten auf einer Doppelseite im gedruckten "Tagesspiegel". Während der Winterspiele berichtet die aus Nachwuchsreporterinnen bestehende Redaktion täglich in einer digitalen Serie von den Paralympics.
per Mail, turi2.de (Background)

Übermedien: “Bild” schiebt Karl Lauterbach Falschaussage zu Intensivstationen unter.

Falsches Bild: "Bild" übt sich in der Kunst des Weglassens und legt Gesundheitsminister Karl Lauterbach die Worte "Intensivstationen waren nie überlastet" in den Mund, dokumentiert Übermedien. Grundlage ist ein deutlich differenzierteres Zitat von Lauterbachs Staatssekretär. Das Springer-Blatt ist sich keiner Schuld bewusst. Es beruft sich auf das vollständige Zitat hinter der Paywall und lässt wissen "'Bild' hat nicht geschrieben 'Alle Intensivstationen waren nie überlastet'".
uebermedien.de