Rainer Robra sieht im Medienstaatsvertrag die “Weichen” richtig gestellt.

Politische Lese-Hilfe: Der neue Medienstaatsvertrag entlastet die Beitragszahlenden zwar nicht, stellt die Weichen aber in die richtige Richtung, urteilt Rainer Robra. Der Staatskanzlei-Chef von Sachsen-Anhalt und Kritiker von ARD und ZDF hebt in einem Gast-Text in der "FAZ" u.a. hervor, das Kultur-Programm nun höher bewertet werde als früher.
faz.net (Paid)

Zitat: Tom Buhrow sieht Zukunft des Radios als “emotionale Heimat”.

"Die Radiowelt muss eine emotionale Heimat sein. Die ganze Ansprache muss für die Region sein. Hier hat das Radio seine Chance."

WDR-Intendant Tom Buhrow sagt im dpa-Interview, dass sein Sender manche Zielgruppen linear im Radio und TV gar nicht mehr erreicht. Bei Digital-Angeboten sei nicht allen immer klar, dass sie vom WDR stammten.
meedia.de

Der WDR plant einen Thementag rund um die Inflation.

Teurer Tag: Der WDR macht im Fernsehen und im Radio am Mittwoch, den 1. Juni einen Thementag rund um die Inflation. Unter dem Titel "Alles wird teurer?!" will das WDR Fernsehen z.B. "pfiffige Spartipps" geben und sich mit der "Psychologie des Hamsterns" befassen, WDR 2 nimmt u.a. den Tankstellenrabatt unter die Lupe und 1Live sendet den ganzen Tag Infos über Benzinpreise und das 9-Euro-Ticket.
presseportal.de

Lese-Tipp: Radio Golos Berlina will die Stimme Berlins auf Russisch sein.

Lese-Tipp: Das kleine Radio Golos Berlina (Stimme Berlins) versteht sich als deutsches Radio auf Russisch. Nach Beginn des Krieges hat sich der Nischensender, der vorher "Radio Russkij Berlin" hieß, umbenannt – jetzt musste er auch das Russische Haus verlassen, wo er seine Studios hatte. Das Team von Kreativdirektorin Maria Kritchevski improvisiert seitdem aus einem kleinen Havariestudio in Berlin Steglitz und zeigt seine Solidarität mit der Ukraine vor allem durch die Musikauswahl.
sueddeutsche.de

Prognose: Werbeumsätze im TV und Radio auch 2022 unter Vor-Corona-Niveau.

Vaunet: Der Privatsender-Verband rechnet damit, dass die Werbeerlöse wie 2020 und 2021 auch 2022 unter dem Vor-Krisen-Niveau liegen werden. Im Radio sollen die Erlöse in etwa wie im Vorjahr bei 707 Mio Euro liegen, vor der Pandemie lagen sie bei 784 Mio Euro. Im TV steigen sie immerhin leicht um 1 % auf 4,38 Mrd Euro, 2019 waren es jedoch 4,4 Mrd. Insgesamt soll der Umsatz der Audio- und audiovisuellen Medien um 4,2 % auf 6,54 Mrd Euro wachsen.
digitalfernsehen.de, dwdl.de

Wir graturilieren: Yvette Gerner wird 55.

Wir graturilieren: Die Intendantin von Radio Bremen, Yvette Gerner, wird heute 55 Jahre alt. Im abgelaufenen Lebensjahr hat sie vor allem die Leistung der Kolleginnen während der Pandemie beeindruckt. Nur eine Sache bereitet ihr im Beruf noch Kopfschmerzen: Wie kann sie das Hundeverbot am besten auflösen? Im Gegensatz dazu war die Mitarbeitenden aus dem Home-Office zurückzuholen und Sendungen remote zu machen, "alles kein Problem".

Gerner hat gelernt, dass es sich lohnt, Dinge einfach auszuprobieren. Als erstes Highlight im neuen Lebensjahr wünscht sie sich heute den Aufstieg von Werder Bremen – das wäre ein schönes Geburtstagsgeschenk. An ihrem Ehrentag feiert sie ihre Familie auf der Konfirmation ihrer Nichte "fröhlich mit". Über Glückwünsche in Form von witzigen Selfies, z.B. via Linked-in, freut sich Gerner heute.

Mein Podcast-Tipp: Marcus Schuler über “The Daily”.


Nachrichten-Vorbild: Marcus Schuler, ARD-Korrespondent im Silicon Valley, hört am liebsten The Daily von der “New York Times” – für ihn “einer der besten Nachrichten-Podcasts der Welt”. Die aufwendig produzierte Sendung hilft ihm, die US-Amerikaner besser zu verstehen und zeigt, dass guter Journalismus Geld kostet. Schuler berichtet seit 2017 für die ARD aus dem Silicon Valley und produziert gemeinsam mit Björn Staschen den wöchentlichen TechTalk für Tagesschau24. Seine Hör-Empfehlung erscheint in der neuen Reihe Mein Podcast-Tipp, in der Meinungs­macherinnen der turi2-Community ihre Lieblings-Podcasts vorstellen. Weiterlesen >>>

KEF-Chef Detzel: Rundfunkbeitrag könnte “nominal steigen”.


Mehr Geld für ARD und ZDF? Der Chef der Gebührenkommission KEF, Martin Detzel, geht offenbar davon aus, dass der Rundfunkbeitrag erneut steigen wird. Im Interview mit der "FAZ" sagt er: "Wenn man angesichts der gegenwärtigen Inflationsrate die Kostenentwicklung hochrechnet, ist es keine Überraschung, dass die Beiträge nominal steigen könnten." Dass sich der Beitrag parallel zur Teuerungsrate entwickelt, schließt Detzel allerdings aus. Die KEF habe bisher "immer einen Anstieg des Beitrages unterhalb des Inflationsniveaus" empfohlen.

Politische Forderungen an die Sender, die eigenen Strukturen zu ändern oder den Auftrag selbst zu reduzieren, wie zuletzt von CSU-Chef Markus Söder geäußert, nennt Detzel "unrealistisch". Man müsse von den Sendern zwar Vorschläge für Sparmaßnahmen und mehr Wirtschaftlichkeit fordern. Die Erwartung, dass "Intendanten von sich aus Redaktionen schließen und Mitarbeiter entlassen", sei aber eine "Illusion". Das würde "ihrem Auftrag als Arbeitgeber und dem Selbstbehauptungsinteresse ihrer Institution" widersprechen.
"FAZ", S. 13 (Paid)

Hör-Tipp: Sissi Pitzer und Leonhard Dobusch nehmen Rundfunkräte unter die Lupe.

Hör-Tipp: BR-Medienjournalistin Sissi Pitzer und ZDF-Verwaltungsrat Leonhard Dobusch stellen sich im "BR Medienmagazin" die Frage, ob Rundfunkräte noch zeitgemäß sind. Pitzer erinnert sich u.a. an ihren ersten Besuch des BR-Gremiums, der mit Zigaretten und opulenten Eisbechern garniert war; Donbusch plädiert für eine Sitzvergabe per Losverfahren.
br.de (30-Min-Audio)

RBB rechnet wegen Streik mit Programm-Einschränkungen.

Info-Mangel: Der RBB rechnet aufgrund eines Mitarbeiter-Warnstreiks heute mit Programm-Einschränkungen, berichtet Markus Ehrenberg im "Tagesspiegel". Der Sender könne aus diesem Grund "nicht so aktuell und ausführlich informieren wie gewohnt". RBB Kultur will u.a. vorproduzierte Sendungen und "mehr Musik" einsetzen, um etwaige Löcher zu überbrücken.
tagesspiegel.de

ARD-Hauptstadtstudio bekommt virtuelle Besuchertour.

Augmented ARD: Das Hauptstadtstudio des Ersten bekommt eine virtuelle Besuchertour mit interaktiven Erkundungsmöglichkeiten. 360-Grad-Aufnahmen der Räume sowie Erklärvideos geben einen Einblick hinter die Kulissen. Das Angebot ist auch eine Reaktion auf Corona, da durch die Pandemie klassische Vor-Ort-Führungen nicht wie gewohnt stattfinden konnten.
presseportal.de, besuchertour.ard-hauptstadtstudio.de (Tour)

RBB setzt Werbemaßnahmen der “Jungen Welt” ab.


Werbung Ende: Die "Junge Welt" ärgert sich über die Absetzung von Werbespots bei Radio eins. Der Sender verweist dabei auf die Klage der "Jungen Welt" gegen die Bundesrepublik Deutschland. Die marxistisch orientierte Zeitung wehrt sich juristisch gegen ihre Erwähnung im Verfassungsschutzbericht. Die Absetzung des Spots bei Radio eins nennt Geschäftsführer Dietmar Koschmieder "geschäftsschädigend" und sieht darin "einen klaren Vertragsbruch und Angriff auf die Pressefreiheit".

Die "Junge Welt" wollte 2021 per Eileintrag erreichen, dass die Einträge im Verfassungsschutzbericht unterlassen werden. Im März 2022 hat ein Gericht den Antrag abgewiesen. Der jährliche Verfassungsschutzbericht erwähnt die "Junge Welt" seit 1998.
jungewelt.de, turi2.de (background)

Britische Fußballfans attackieren ARD-Radioreporter.


Eklat am Spielfeldrand: Britische Fußball-Fans haben beim Europapokal-Spiel zwischen West Ham United und Eintracht Frankfurt am Abend in London zwei Hörfunkreporter der ARD attackiert. Philipp Hofmeister und Tim Brockmeier berichten hörbar geschockt von Schlägen der Gastgeber-Fans. In den Sekunden vor dem Vorfall sind Tumulte hörbar. "Wir werden hier attackiert. Meinem Kollegen Tim haben sie das Headset runtergeworfen", kommentiert Hofmeister den Vorfall live.


Möglicherweise hätten die "Tor"-Schreie der Reporter beim zwischen­zeitlichen Führungstreffer von Eintracht Frankfurt die britischen Fans aufgebracht, vermutet Brockmeier. Beide überstehen den Vorfall unverletzt und moderieren nach dem Wechsel der Kommentatoren­plätze das Spiel bis zum Schluss. Während des Angriffs sei den Betroffenen zufolge kein Sicherheits­personal in der Nähe gewesen, die Presse­verantwortlichen der Heimmannschaft hätten aber schnell und vorbildlich reagiert. (Foto: Arne Dedert / dpa / Picture Alliance)
hessenschau.de (2-min-Audio), bild.de

“Bild”: 1Live macht Wahlwerbung für SPD-Politiker Thomas Kutschaty.

Distanzverlust: WDR-Hörfunksender 1Live sympathisiert im Vorfeld der NRW-Landtagswahl auffallend stark mit SPD-Politiker Thomas Kutschaty, beobachtet "Bild". Unter einem Instagram-Post verteilt das Social-Media-Team Applaus-Emojis an Menschen, die ankündigen, Kutschaty wählen zu wollen. Auf Twitter blende der Sender dagegen Kommentare aus, die sich kritisch äußern. Der WDR gibt zu, 1Live habe "nicht ausreichend Distanz" gewahrt, es gebe einen "intensiven Austausch" über die "unangemessenen Kommentare".
bild.de

Zitat: Joachim Huber verteidigt die Unterhaltung im öffentlich-rechtlichen TV.

"Auch im öffentlich-rechtlichen Fernsehen gilt der schlichte Grundsatz: Mit Speck fängt man Mäuse."

Joachim Huber, Ressortleiter Medien beim "Tagesspiegel", verteidigt den Unterhaltungsauftrag von ARD und ZDF – der jüngst von Markus Söder in Zweifel gezogen wurde. Söder sei "nur einer von 16 Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten mit 16 Geschmäckern".
tagesspiegel.de, turi2.de (Background)

Deutscher Ethikrat kritisiert deutsches Corona-Management – und die Medienberichterstattung.


Doch nicht so doll: Der deutsche Ethikrat um Vorsitzende Alena Buyx (Foto) kritisiert in einer 161-seitigen Stellungnahme das deutsche Corona-Management. Insbesondere die junge Generation sei "nicht genug berücksichtigt und gesehen" sowie mit andauernden Maßnahmen "schwerer vulnerabel" geworden. Zudem bemängelt der Ethikrat auch die Arbeit der Medien in der Pandemie: "Der kritische Teil der Aufgabe" das "strittige Für und Wider von Maßnahmen" darzustellen, sei insbesondere zu Beginn der Corona-Krise "nicht im wünschenswerten Maß erfüllt" gewesen.

Insgesamt kommt der Ethikrat zu dem Schluss, dass wesentliche Maßnahmen "dezentral und lokal" verhängt werden sollten. Zudem sieht er "problematische Gewöhnungseffekte" bei "länger andauernden Freiheitsverlusten".
ethikrat.org, t-online.de, welt.de (Paid)

“Podcasts sind das neue Radio” – Philip Banse über die Zukunft journalistischer Audio-Produkte.


Pionier-Arbeit: Als Philip Banse 2005 seinen ersten Podcast Küchenradio startet, entstehen "unglaublich grauenhafte, langweilige, scheppernde" Aufnahmen, sagt der Journalist und Podcast-Pionier rückblickend im turi2 Jobs-Podcast. Im Gespräch mit turi2-Chefredakteur Markus Trantow und Redakteurin Pauline Stahl erzählt er, dass aber auch "ein paar richtig schöne Folgen" dabei waren, die "im normalen Setting" nicht möglich gewesen wären. Zu dieser Zeit arbeitet Banse beim öffentlich-rechtlichen Radio – eine Institution, die er "toll und wichtig" findet. Allerdings gibt es Regeln: "Die haben ihre Formate, Längen, Rhythmen und Vorgaben." Beim "ungeregelten Labor-Podcast" hingegen "konnten wir machen, was wir wollten". Vor allem der Austausch mit Zuhörerinnen hat ihn fasziniert. "Das Feedback hat alles übertroffen, was ich bisher kannte", sagt Banse. Der Charme von Podcasts sei, "dass sie leben".

Gemeinsam mit Jurist Ulf Buermeyer hostet Banse mit der Lage der Nation einen der beliebtesten deutschen Podcasts. Mit einem Geschäftsmodell, das auf Spenden, Werbung, Live-Events und Abos basiert, rentiert sich das Format mittlerweile auch wirtschaftlich. Anfangs habe das Podcasten vor allem zur "Markenbildung" gedient, sagt Banse. An sich selbst als Personen-Marke habe er sich erst gewöhnen müssen: "Lange Zeit war es mein innerer Kampf, zu dem zu stehen, was ich mache." Sich nicht mehr in einer Gruppe oder hinter einem Projekt zu verstecken, "war für mich der größte Schritt". Mittlerweile hat er seine eigenen Vorstellungen und "manchmal einen dicken Kopf". Weil sein Co-Host ähnlich ticke, gebe es ab und zu auch mal Streit. Doch nach sechs Jahren gemeinsamer Arbeit "kennen wir uns, wissen was uns wichtig ist und nehmen Rücksicht darauf".

Dass die Zuhörerinnen irgendwann keine Lust mehr auf zwei Männer haben, die sich unterhalten, kann sich Banse vorstellen. "Das passiert wahrscheinlich jeden Tag", sagt er, "dafür kommen dann neue dazu". Der Zukunft des Formats ist er sich aber sicher und bezeichnet es als "das neue Radio". Audio-Produkte journalistischer Art werde es weiterhin geben, "solange Leute etwas ohne Bild hören wollen". Ob das Podcast heißt und wie es sich weiterentwickele, sei eine andere Frage.

Philip Banse ist eines von 100 Jobs-Vorbildern aus der turi2 edition #17. Das Buch zum Thema "Arbeiten in der Kommunikation" erscheint am 6. April. Die Podcast-Reihe turi2 Jobs begleitet die Buch-Veröffentlichung und die neue Jobs-Plattform turi2.de/jobs.
turi2.tv (47-Min-Podcast auf YouTube), turi2.podigee.io, spotify.com, podcast.apple.com, deezer.com, audionow.de

Text: Pauline Stahl

Bauer verliert Verlagschef Rob Munro-Hall.

Bye Bye Bauer: Die Bauer Media Group und Rob Munro-Hall gehen ab sofort getrennte Wege.  Der Brite kam 2008 zu Bauer und machte beim Hamburger Medienhaus Karriere.  2016 hat ihn Bauer zum CEO des britischen und 2020 zum Chef des weltweiten Verlagsgeschäfts befördert. Die Stelle soll neu besetzt werden, ein Nachfolger ist bisher noch nicht gefunden. Zuletzt hatte sich Bauer aus vielen Ländern zurückgezogen und u.a. das USA-Geschäft verkauft.
new-business.de, bauermedia.com, turi2.de (Background)

Media-Analyse 2022: Fast alle meistgehörten Radiosender verzeichnen ein Minus.


Hingehört: Nur drei der 20 meistgehörten Radiosender in Deutschland konnten im vergangenen Jahr Zuhörerinnen gewinnen, geht aus der MA 2022 Audio hervor, der Erhebung der Arbeitsgemeinschaft Media-Analyse in Frankfurt. Zu den Gewinnern gehören Bayern 1 mit einem Plus von 1,8 %, WDR 2 (+ 0,6 % ) und Rock Antenne (+ 15,5 %). Größter Verlierer unter den Top 20 ist MDR Sachsen mit einem Minus von 16,4 %. Auch SWR3, NDR2, Antenne Bayern, 1Live und Bayern 3 müssen Federn lassen.

Freuen können sich die kleinen Sender Energy Sachsen, BigFM Saarland und Energy Saarland, die laut Erhebung den größten Zuhörergewinn verzeichnen – bei Energy Sachsen sind es deutliche 59,1 %. Auf der anderen Seite der Skala steht BR Klassik mit einem Verlust von 33,3 %.

Insgesamt ist die Radionutzung in Deutschland auf einem stabilen Level. 93,5 % der Deutschen über 14 Jahren hören regelmäßig Radio. Die Verweildauer liegt bei 254 Minuten, bei der letzten Analyse waren es noch 260 Minuten am Tag. 24,5 % der Befragten gibt an, innerhalb der letzten vier Wochen zumindest einmal DAB+ genutzt zu haben, ein Plus um vier Prozentpunkte. Auch die Zahl der Podcast-Konsumentinnen steigt auf 36,9 %. 2021 waren es nur 29,3 %. (Foto: Oliver Berg / dpa/ Picture Alliance)
presseportal.de, dwdl.de, horizont.net (Paid)

Debatte: Deutsch-Pop-Boom im Radio bekommt eine Delle.

Neue Deutsche Delle: Der einstige Boom des Deutsch-Pops im Radio ebbt ab, erfährt Manuel Weis. Radio-Hamburg-Musikchefin Tanja Ötvös (Foto) sieht einen Grund dafür in starker Polarisierung deutscher Songs und fehlender Innovation, weil "heute vieles eher nach einem alten Schema produziert" werde. Niklas Gruse von Radio FFN nennt als Problem den oft fließenden Übergang zu deutschem Schlager: "Beide Musik­stile sind nicht miteinander kompatibel." FFH-Musikchef Matthias Weber beobachtet, dass sich Menschen an deutschen Songs schneller satt hören.
dwdl.de

Radio Hamburg beleuchtet russisches Konsulat in Ukraine-Farben.

Erleuchtung: Der Privatsender Radio Hamburg hat am Dienstagabend die ukrainischen Nationalfarben Blau-Gelb und eine Friedenstaube auf die Fassade des russischen General­konsulats in der Hansestadt projiziert. Aus Laut­sprechern war die ukrainische National­hymne zu hören. Von der Polizei erhielten die Aktivistinnen eine Belehrung, dass ihre Aktion nicht erlaubt ist, strafbar gemacht habe sich jedoch niemand.
mopo.de, bild.de, radiohamburg.de (mit Video)

Hör-Tipp: Hörspiel-Serie “Lost in Neulich” erzählt unterhaltsam von gesellschaftlichen Diskursen.

Hör-Tipp: Die fiktionale Hörspiel-Serie Lost in Neulich dreht sich um den Kultur-Clash einer Groß­stadt­familie, die aufs Land zieht. Familien­mutter Sandra Lüders soll der Dorf­gemeinschaft eine Batterie­zellen-Fabrik schmackhaft machen, gleichzeitig kämpft sie mit der Work-Life-Balance. Sohn Justin hat Liebeskummer, Vater Thomas träumt von Selbst­verwirklichung als Musiker und Tochter Jana sucht nach ihrer geschlechtlichen Identität. Die Audio-Serie von Radio Bremen ist die erste Produktion nur für die ARD-Audiothek. Die ersten beiden Episoden stehen seit Ende 2021 online, ab heute folgen weitere jeweils am Mittwoch und Sonntag.
radiobremen.de, ardaudiothek.de (jeweils ca. 20-Min-Audio)

Farb-Hersteller Brillux plant eigenes Radioprogramm.

Farbfrequenz: Der Farben- und Lackhersteller Brillux plant ein Handwerksradio, das bundesweit über DAB+ senden soll. Im Programm drehe sich alles um die Themen Renovieren, Sanieren und Umgestalten. Wann der Sender startet, ist unklar, derzeit sucht Brillux noch Personal für Redaktion und Moderation. Zuletzt hatte im Oktober die Kreuzfahrt-Reederei Aida ein bundes­weites Radio­programm gestartet.
teltarif.de, satellifax.de, turi2.de (Background Aida)

Debatte: US-Ableger von Radio Sputnik vermittelt simples Schwarz-Weiß-Bild der Welt.

Schwarz-Weiß-Hören: In der EU sind die russischen Propaganda­sender RT und Sputnik inzwischen verboten, in den USA sendet ein Sputnik-Ableger weiterhin. Marko Schlichting hört ein Programm, das "ober­flächlich betrachtet informativ" scheint, "latent jedoch fast durchweg Propaganda" vermittelt. Der Sender zeichne ein simples "Schwarz-Weiß-Bild" der Welt: "Russland ist das Licht, Amerika die Finsternis."
n-tv.de

Radiosender Echo Moskaus stellt den Betrieb ein.

Sendeschluss: Der unabhängige, kreml­kritische Radio­sender Echo Moskaus wird eingestellt. Der Verwaltungs­rat habe mehr­heitlich entschieden, den Sender und die Website zu schließen, teilt Chef­redakteur Alexej Wenediktow auf Telegram mit. Schon am Dienstag hatten die russischen Behörden die Über­tragung beendet und den Zugang zur Website blockiert.
tagesschau.de, turi2.de (Background)

KEF zweifelt an Wirtschaftlichkeit der BR-Neubauten.

Münchner Millionen: Die Kommission zur Prüfung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten (KEF) zweifelt an der Wirtschaftlichkeit der geplanten Neubauten des Bayerischen Rundfunks in Freimann. Bisher hat der BR rund 360 Mio Euro für die Standortverlagerung des Funkhauses geltend gemacht, die KEF kritisiert u.a. Planungsmängel. Der BR soll nun u.a. eine Wirtschaftlichkeitsanalyse vorlegen.
sueddeutsche.de

Antisemitismus-Vorwürfe: Deutsche Welle gesteht Fehler ein und trennt sich von fünf Mitarbeitenden.


Aufarbeitung: Die Deutsche Welle legt ihren Untersuchungs-Bericht von Sabine Leutheusser-Schnarrenberger und Ahmad Mansour zu den Antisemitismus-Vorwürfen gegen den Sender vor. Als Konsequenz trennt sich der Sender von fünf bereits freigestellten Mitarbeitenden – über sie hatte die "Süddeutsche Zeitung" im Dezember berichtet. Vorwürfe gegen elf weitere Beschäftigte, die zum einen der Kommission, zum anderen der DW selbst aufgefallen sind, werden geprüft. Der bisherige Leiter der arabischen Redaktion gibt seine Leitungsfunktion ab, berichtet Intendant Peter Limbourg. Auch über die Antisemitismus-Vorwürfe hinaus ist die arabische Redaktion des Senders "zu tiefst gespalten", sagt Mansour und empfiehlt einen "Neuanfang". "Es ist uns nicht gelungen, das zu befrieden, obwohl wir da seit drei Jahren dran sind", gibt Limbourg mit Blick auf die Probleme in der Redaktion zu.

Gleichzeitig lobt Mansour die journalistischen Leistungen der Redaktion: Die Programme, etwa die Talkshow von Jaafar Abdul Karim, seien in der arabischen Welt hoch relevant und erreichten ein Millionen-Publikum.

Die Untersuchungs-Kommission betont gleichzeitig, dass es in der arabischen Redaktion keinen strukturellen Antisemitismus gibt und es sich bei den Fällen um Einzelfälle handelt. Intendant Limbourg legt einen Zehn-Punkte-Plan vor, um solche Falle künftig zu vermeiden. Dazu gehört u.a. eine Antisemitismus-Definition, die eine Anerkennung des Existenzrechts Israels mit einschließt und verpflichtend allen Mitarbeitenden vermittelt werden soll. Zudem soll der Code of Conduct für die Beschäftigten geschärft werden.

Bezogen auf die Antisemitismus-Vorwürfe gegen Kooperations-Partner in der arabischen Welt sollen die Werte des deutschen Auslandssenders konkreter vermittelt und die Partnersender strenger geprüft werden. Nach Einschätzung der Kommission handelt es sich etwa beim Sender Al Jadeed nicht um einen "Hisbollah-Sender". Bei anderen in die Kritik geratenen Partnern empfiehlt die Kommission entweder ein Ende der Zusammenarbeit oder einen Dialog. (Foto: dpa, Imago, DW)
turi2 – eigene Beobachtung, dw.com (Pressemitteilung und Untersuchungsbericht als Download), turi2.de (Background)

Sportradio Deutschland kooperiert mit Eurosport bei Olympia-Berichterstattung.

Heißer Draht nach Peking: Das Sportradio Deutschland und Eurosport kooperieren bei der Olympia-Berichterstattung. De Sender erweitert sein Programm um Reportagen, O-Töne, Interviews und Einschätzungen von den Olympischen Winterspielen in Peking. Die Inhalte stammen aus der Live-Berichterstattung von Eurosport und werden speziell für Hörerinnen aufbereitet.
radiowoche.de

Bauer Media kauft portugiesischen Radio-Marktführer.

Da ist Musik drin: Die Bauer Media Group übernimmt für rund 60 Mio Euro die portugiesische Sendergruppe Media Capital Rádios. Die Radio-Tochter Bauer Media Audio expandiert damit in den portugiesischen Markt und erweitert ihr Geschäft auf neun Länder. Media Capital Rádios betreibt vier der zehn meistgehörten Radiosender in Portugal und kommt auf 4,5 Mio Hörerinnen in der Woche.
bauermedia.com

Diversität nach Quote ist nur Ultima Ratio – Katja Wildermuth über Vielfalt, Spardruck und mobiles Arbeiten beim BR.


Polyperspektivischer Rundfunk: "Das Wichtigste ist, dass die Kolleginnen und Kollegen innerhalb des Senders Vielfalt nicht als eine Pflichtübung verstehen, sondern als Bereicherung", sagt BR-Intendantin Katja Wildermuth im Interview bei turi2.tv und im turi2 Podcast. Seit einem Jahr steht sie als erste Frau an der Spitze des Bayerischen Rundfunks und räumt ein: "Wir haben viele Jahre vergleichsweise homogen rekrutiert". Förderprogramme wie Puls Talente sollen den BR diverser machen, 40 Redaktionen im Haus beteiligen sich an der von der BBC initiierten 50:50-Challenge. Sie hat das Ziel, Männer und Frauen gleicher­maßen als Gesprächs­partnerinnen ins Programm Programm zu holen. Vielfalt versteht Wildermuth nicht nur im Hinblick auf Geschlecht oder kulturelle Herkunft, sondern auch auf soziale Herkunft, Haltung, Bildungs­wege und Lebense­ntwürfe. Die Vielfalt der Gesellschaft könne der BR im Programm nur abbilden, "wenn wir die Poly­perspektivität auch bei uns haben". Diversität nach Quote hält sie nur für die "Ultima Ratio".

Im Gespräch mit turi2-Redakteur Björn Czieslik in ihrem Büro im 15. Stock des Münchner Funkhauses erzählt Katja Wildermuth auch, wie sich Corona auf die Arbeit im BR auswirkt. "Ich arbeite wahnsinnig mobil, ich habe meinen Laptop oder mein iPad dabei. Sie können mich überall hinsetzen", sagt sie. Zu Hause am Küchen­tisch arbeite sie selbst jedoch eher selten. Ginge es nach Wildermuth, hätte sie mobiles Arbeiten oder Home-Office ohne tägliche Präsenz im Sender schon viel früher eingeführt: "Eigen­verantwortung ist der Schlüssel für das Überleben im 21. Jahrhundert. Ich bin mir sicher, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter können am besten einschätzen, wie sie ihre Arbeit gut erledigen." Dabei sei es Aufgabe der Führungs­kräfte, darauf zu achten, dass Beschäftigte "im Home-Office nicht vereinsamen", die Grenze zwischen Arbeit und Privat­leben nicht verschwimmt und die Teams "auch mal Spaß miteinander haben", was in ergebnis­orientierten Video­konferenzen oft zu kurz komme.



Wie die gesamte ARD steht auch der BR unter Spardruck – obwohl der Rundfunkbeitrag 2021 gestiegen ist. Vorbei seien die Zeiten, in denen ein Programm für alle reicht: "Jeder möchte am liebsten auf ihn zugeschnittenes Programm", sagt Wildermuth. "Wir müssen aufpassen, dass wir nicht nur innerhalb des Bestehenden sparen", irgendwann habe das Prinzip "Schnall den Gürtel enger" seine Grenzen. Dann stelle sich die Frage: "Welche Inhalte, welche Programme sind uns wirklich wichtig?" Diese müsse der BR dann finanziell so ausstatten, dass Macherinnen und Produktionsfirmen "davon auch wirklich leben können". Es gehe darum, "nicht mit dem Rasenmäher zu sparen, sondern strategisch".

Weitere Themen im Interview sind u.a. der Umgang mit geschlechter­gerechter Sprache, die federführende Rolle des BR innerhalb der ARD bei Wissenschaft und Bildung, Dokus und ökologischer Nachhaltig­keit sowie die Bedeutung von unabhängigem, professionellen Journalismus in Zeiten, in denen jeder und jede Inhalte erstellen und verbreiten kann.
turi2.tv (16-Min-Video), turi2.podigee.io (18-Min-Audio), spotify.com, podcast.apple.com, deezer.com, audionow.de

Elf Hörfunk-Veranstalter in NRW gründen gemeinsamen Sender.

Gehörte Einigkeit: In NRW einigen sich elf Hörfunk-Veranstalter darauf, einen gemeinsamen Sender für eine junge Zielgruppe zu implementieren. Antenne NRW, Kiss FM und neun weitere Antragsteller hatten sich ursprünglich auf die zweite UKW-Kette beworben, nun wollen sie das Programm zusammen angehen. Das sei ein "höchst bemerkenswertes Ergebnis" und ein einmaliger Vorgang, sagt Tobias Schmid, Direktor der Landesanstalt für Medien NRW.
radiowoche.de

Hör-Tipp: Antenne Bayern podcastet zur Mafia im Allgäu.

Hör-Tipp: Antenne Bayern startet einen dreiteiligen Podcast zur Mafia im Allgäu und geht dabei "Kriminalfällen zwischen Sonthofen und Sizilien" nach. Die Stadt Kempten sei vor allem in den 80ern Dreh- und Angelpunkt für internationale Drogengeschäfte gewesen, recherchiert Investigativ-Journalist Christoph Lemmer. Insgesamt drei Folgen beleuchten immer Donnerstags die "ehrenwerte Gesellschaft" im Allgäu.
antenne.de (1. Folge, 16-Min-Audio)

Nielsen: Werbeumsätze steigen um 6,6 % im Vergleich zum Vorjahr.

Werbung: Insgesamt 37,9 Mrd Euro Brutto setzen deutsche Medien 2021 in Anzeigen um – ein Plus von 6,6 % im Vergleich zum Vorjahr, melden die Analysten von Nielsen. Den größten Zuwachs verzeichnet TV mit 12,7 %, gefolgt vom Kino mit 9 % Plus. Zeitschriften steigern ihrem Umsatz um 2,6 %. Ein Minus gibt es dagegen bei Radio (-0,7 %) und Prospekten (-9,3 %).
meedia.de

Debatte: Vaunet sieht die duale Medienordnung in Gefahr.

Privatsache: Der Privatsender-Verband Vaunet kritisiert, dass die Vorschläge der Länder für eine Reform des öffentlich-rechtlichen Rundfunks die Medienordnung zulasten der privaten Anbieter verschieben. Der Verband fordert ein vollständiges Verbot von Werbung bei ARD und ZDF und eine starke Begrenzung im Radio. Der Gesetzgeber müsse Radio und Audio separat berücksichtigen und die Präsenz von ARD und ZDF auf Drittplattformen generell überdenken.
presseportal.de (Medienordnung), presseportal.de (Radio/Audio)

Debatte: ARD und ZDF sollten weniger abgehoben auftreten.

Weniger ist mehr: ARD und ZDF sollten weniger Tendenz wagen, fordert CDU-Mitglied Andreas Rödder in einem "FAZ"-Gastbeitrag. Der öffentlich-Rechtliche Rundfunk solle zu den "Prinzipien des Beutelsbacher Konsenses zurückkehren, statt sich in Erhebungen der eigenen Glaubwürdigkeit zu gefallen". Auch Reformen zur Erhebung der Rundfunkgebühr, eine Diskussion über Gehälter und Sinn oder Unsinn, alles Wünschenswerte selbst zu finanzieren, sei Rodder zufolge durchaus angebracht.
faz.net (Paid)

Ex-WDR-Programmdirektorin Valerie Weber heuert bei Privatradios im Südwesten an.

Zurück zum Privatradio: Die bis vor kurzem noch amtierende WDR-Programm­direktorin Valerie Weber wird Programm-Geschäftsführerin von Audiotainment Südwest. Unter dem Dach der Firma sind die Radio­sender RPR1, Radio Regenbogen und Big FM vereint. Weber hatte im Dezember überraschend ihren Abschied vom WDR verkündet, davor war sie Programm­chefin von Antenne Bayern.
radioszene.de, dwdl.de, turi2.de (Background)