Retro: ARD-Sender und Rundfunkarchiv stellen historische Beiträge online.

ARDARD und das Deutsche Rundfunkarchiv stellen ab dem 27. Oktober rund 40.000 historische TV- und Radio-Beiträge nach und nach online – vor allem aus der Zeit vor 1966, auch aus der DDR. Die Videos und Audios sollen künftig unter "ARD Retro" zeitlich unbegrenzt in der ARD-Mediathek zu finden sein. Auch das Deutschlandradio steuert Aufnahmen der Zeitgeschichte bei.
presseportal.de, radioszene.de, digitalfernsehen.de

Rundfunkanstalten könnten nach IRT-Aus in “Abhängigkeit von Dritten” geraten.

IRT: Wer nach dem bevorstehenden Aus des Instituts die Interessen der öffentlich-rechtlichen Sender in nationalen und internationalen Gremien vertreten soll, ist unklar, schreibt Anika Blatz. Das Fraunhofer Institut IIS in Erlangen könnte Forschung und Entwicklung des IRT zwar teilweise übernehmen, nicht aber dessen "hoheitliche Aufgaben". Eine Gefahr sei, dass die Sender sich von privatwirtschaftlichen Technologie-Anbietern abhängig machen.
sueddeutsche.de, turi2.de (Background)

Renner: Rundfunkanstalten haben doch keine Auflösung des IRT beschossen.

Funkstille: Die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten haben ihr Institut für Rundfunktechnik überraschend doch nicht eingestampft, räumt Kai-Hinrich Renner ein. Der Rückzug des ZDF aus dem Gesellschafterkreis ist schon länger bekannt, ARD, Deutschlandradio, Deutsche Welle, ORF und SRG sollen folgen. Wie es danach für das IRT weitergeht, ist noch offen. Hintergrund ist ein Betrugsskandal: Ein für das Institut tätiger Patentanwalt soll sich 200 Mio Euro in die eigene Tasche gewirtschaftet haben.
berliner-zeitung.de, rnd.de, sueddeutsche.de (Background)

Meinung: Reform des öffentlich-rechtlichen Rundfunks ist dringend nötig.

Zu langer Atem: Die Ministerpräsidenten haben die Reform des öffentlich-rechtlichen Rundfunks fahrlässig auf 2022 vertagt, kritisiert Helmut Hartung. Es sei höchste Zeit, "Zweck und Struktur neu zu definieren und die Anstalten zu einer engeren Zusammenarbeit zu zwingen". Das medienpolitische Schneckentempo schade der Akzeptanz des öffentlich-rechtlichen Modells genauso wie der Ausgewogenheit des dualen Systems.
"FAZ", S. 13 (Paid)

Rundfunkkommission: Länder fordern von Bund Mio-Hilfen für Privatradios.

Privatradios können auf finanzielle Hilfen des Bundes hoffen. Dem Vorschlag, den Sendern die Verbreitungskosten für UKW und DAB+ über drei Monate abzunehmen, hätten alle Länder zugestimmt, so die rheinland-pfälzische Staatssekretärin und SPD-Politikerin Heike Raab. Außerdem soll die Frequenzschutzabgabe an die Bundesnetzagentur bis 2021 wegfallen. Kostenpunkt für die Hilfen: rund 23 Mio Euro.
"FAZ" (Paid)

HR-Intendant gibt Fehler bei HR2-Umbau zu.

Hessischer Rundfunk: Intendant Manfred Krupp räumt Fehler beim vorgesehenen Umbau des Hörfunksenders HR2 ein. Der Sender hätte "den Dialog mit den Kulturinstitutionen früher suchen müssen“, was inzwischen geschehen sei. Außerdem sei der Begriff "Klassikwelle" unpassend gewesen. Damit reagiert der Intendant auf Kritik aus der Kulturbanche, die in den Plänen Sparmaßnahmen sah. Ein "Kahlschlag" bei dem Sender sei im Zuge der Reform nicht vorgesehen, versichert Krupp.
"FAZ" (Paid), turi2.de (Background)

Bericht: BBC vertagt die Suche nach Generaldirektor*in.

BBC-Logo-150x150BBC könnte erst im Januar 2021 eine*n Nachfolger*in für Noch-Generaldirektor Tony Hall haben. Die Rundfunkanstalt denke darüber nach, Gespräche mit den Kandidat*innen von Juni auf September zu verschieben, schreibt Mark Sweney. Der Kreis der Anwärter*innen auf den Job falle kleiner aus als gedacht, da viele der infrage kommenden Personen wegen Corona aus Angst vor Image-Schäden in ihren jetzigen Positionen verharrten.
theguardian.com, turi2.de (Background)

ORF rechnet mit bis zu 50 Mio Euro weniger Einnahmen.

ORF rechnet in der Krise mit einem operativen Minus zwischen 28,6 und 50 Mio Euro, zitiert der "Standard" aus der Stiftungsrat-Sitzung den ORF-Chef Alexander Wrabetz. Die Rekordarbeitslosigkeit lässt die Einnahmen aus den Rundfunkgebühren einbrechen, da Arbeitslose in Österreich unter bestimmten Bedingungen von der Abgabe befreit sind.
derstandard.at, turi2.de (Background)

Deutsche Welle will stärker gegen internen Machtmissbrauch vorgehen.

Deutsche Welle verpasst sich eine verbindliche Dienstvereinbarung gegen sexuelle Belästigung und Machtmissbrauch am Arbeitsplatz. Beschäftigte, auch freie, sollen sich bei Bedarf an spezielle Stellen wenden können. Der Sender will Fälle verfolgen und aufklären. Intendant Peter Limbourg spricht von einer "Null-Toleranz-Strategie". Die Deutsche Welle stand wegen Belästigungsvorwürfen zuletzt massiv in der Kritik.
dw.com, lifepr.de, turi2.de (Background)

Meinung: Die Landesmedienanstalten müssen reformiert werden.

Landesmedienanstalten sind zu teuer, veraltet und intransparent, schreibt Helmut Hartung in der "FAZ". Die Aufsicht des Privatrundfunks müsse reformiert werden. Von den 18,36 Euro an monatlichen Rundfunkgebühren erhalten sie 35 Cent. Doch es fehle an einer Überwachung der Mittelverwendung. Die Rechtfertigung für die Finanzierung durch den Rundfunkbeitrag liege in der Sicherung einer staatsfreien Medienaufsicht.
"FAZ", S. 16 (Paid)

Bild TV darf offiziell auf Sendung gehen.

bildlogoBild: Die "Kommission für Zulassung und Aufsicht" (ZAK) der Landesmedienanstalten erteilt dem Web-TV-Projekt des Boulevardblattes eine Rundfunkzulassung. Im Programm sollen der ZAK zufolge lineare Sendeformate laufen, darunter Talk- und Sport-Inhalte. Springer war lange davon überzeugt, keine Rundfunklizenz zu brauchen. Das sah das Berliner Verwaltungsgericht anders. Im Herbst 2019 hatte der Verlag ein groß angelegtes Live-Programm seines Boulevardblatts angekündigt.
dwdl.de, onvista.de, turi2 (Background)

Tom Buhrow plant keinen Komplettumzug der ARD-Filmtochter Degeto.

Degeto, ARD-Filmtochter, soll nicht komplett nach Leipzig umziehen, beschwichtigt Tom Buhrow im "Handelsblatt" die internen Kritiker. Bei den Degeto-Mitarbeitern in Frankfurt/Main wachse der Widerstand. Buhrow will die ARD künftig ostdeutscher aufstellen. 49 der 50 Gemeinschaftseinrichtungen befinden sich in Westdeutschland, was u.a. die sächsische Regierung bemängelt.
handelsblatt.com

Niedersächsische Landesmedienanstalt verhindert einen Interessenkonflikt mit RTL.

Niedersächsische Landesmedienanstalt umgeht mit der Wahl des NLM-Vize Christian Krebs als Nachfolger des NLM-Direktors Andreas Fischer einen Interessenkonflikt, schreibt Medienkorrespondenz. Zur Wahl soll zunächst auch ein namentlich nicht genannter RTL-Manager gestanden haben, obwohl die Medienaufsicht RTL kontrolliert.
medienkorrespondenz.de

Renner: Landesmedienanstalten zweifeln bei “Bild TV” an der journalistischen Sorgfalt.

Bild dir deinen Sendeschluss? Die Landesmedienanstalten zweifeln bei "Bild TV" an der journalistischen Sorgfaltspflicht, schreibt Kai-Hinrich Renner in der "Berliner Zeitung". Die Bewilligung des Antrags für eine Rundfunklizenz sei demnach "kein Selbstläufer". Die Live-Berichterstattung über die rassistischen Morde in Hanau habe sich "im Wesentlichen in wilden Spekulationen erschöpft", hört Renner "in Kreisen der Landesmedienanstalten".

Die Pläne von Julian Reichelt, bei "Bild TV" neben professionellen Beiträgen von Journalisten auch gleichberechtigt Berichte von Laien zu senden, stoße bei den Medienaufsehern auf Kritik. "Bild TV" will künftig bis zu 18 Stunden täglich live senden und "News in Echtzeit" zeigen. Medienwächter kritisieren, dass Reichelt womöglich "Schnelligkeit und fiktionale Erzähltechniken" wichtiger als "Wahrheit und Fakten" seien, schreibt Renner.
berliner-zeitung.de

Lese-Tipp: “Welt am Sonntag” beleuchtet die “teuerste Maus der Welt”.

Lese-Tipp: Die öffentlich-rechtlichen Sender brauchen mehr "Empfängerbewusstsein", schreibt die "Welt am Sonntag" in einer mehrseitigen Titelgeschichte über die geplante Erhöhung der Rundfunkgebühr. Laut Staatsrechtler hätten die Länder, die der Erhöhung zustimmen müssen, nur die "Rolle der Abnicker" für die "teuerste Maus der Welt". Die "Strukturdebatten" innerhalb der Anstalten hätten keine Folgen.
"Welt am Sonntag", S. 15-18 (Paid)

Nach Streiks und Sendeausfällen: BR gelingt eine Tarifeinigung.

Streik hat Sendeschluss: Dem BR gelingt nach monatelangen Verhandlungen und temporären Sendeausfällen eine Tarifeinigung. Die Beschäftigten erhalten künftig einen Gehaltszuwachs in drei Stufen. Die Tarifgehälter werden rückwirkend zum April 2019 um 2,1 % angehoben, ab dem kommenden April sind es weitere 2,4 % mehr sowie ein Jahr später noch einmal 2,25 %. Der BR verspricht bis Ende 2024 auf betriebsbedingte Kündigungen zu verzichten.

Auf Gewerkschaftsseite bestätigt der Bayerische Journalisten-Verband die Einigung, meldet die dpa. Die Laufzeit der Vereinbarung betrage 36 Monate mit einem Sonderkündigungsrecht zum 31. März 2021. Erstmals wirkten sich die Arbeitsniederlegungen beim BR auch zeitweise auf die tagesaktuelle Berichterstattung aus, die zum Teil eingeschränkt war. Auch in anderen ARD-Anstalten kam es zu Streiks.
digitalfernsehen.de, turi2.de (Background)

Auch die ARD kündigt dem Forschungsinstitut IRT.

Institut für RundfunktechnikAusgeforscht? Das Institut für Rundfunktechnik, gemeinsame Forschungseinrichtung der öffentlich-rechtlichen Sender im deutschsprachigen Raum, steht womöglich vor dem Aus, meldet "Zapp". Nach dem Ausstieg des ZDF Ende 2019 haben inzwischen auch die ARD-Anstalten sowie die Sender aus Österreich und der Schweiz ihren Gesellschaftervertrag mit dem Münchner Institut gekündigt. Mit dem Ausstieg der Sender zum 31. Dezember sei der Weiterbetrieb in jetziger Form nicht mehr gewährleistet, sodass "mit Hochdruck" an einer künftigen Lösung gearbeitet wird.

Das IRT erhält für Entwicklungen Lizenzgebühren, u.a. für Teile des MPEG-Kompressionsverfahrens. Doch die Gesellschafter bezuschussen das Forschungsinstitut jährlich - letztlich mit Gebührengeldern. Nach dem Ausstieg des ZDF wären die übrigen Sender verpflichtet, die finanzielle Lücke künftig zu füllen. Laut "Zapp" seien die Kündigungen der ARD-Anstalten "auch als präventiver Akt" zu verstehen. Das IRT habe Hoffnung, dass die Sender ein neues Modell finden, um das Institut zu retten. Kritik am IRT wurde 2017 laut: Ein für das Technikinstitut tätiger Patentanwalt soll sich 200 Mio Euro in die eigene Tasche gewirtschaftet haben. Beim Prozess hatten sich die Beteiligten auf einen Vergleich geeinigt.
ndr.de, turi2.de (Background)

Ministerpräsident Laschet ermahnt öffentlich-rechtlichen Rundfunk zu Kostendisziplin.


Unterwegs mit Ihren Gebühren? Öffentlich-rechtliche Sender haben "eine privilegierte Stellung" mit "überdurchschnittlichen Gehältern", mahnt NRW-Ministerpräsident Armin Laschet im "Spiegel"-Interview. Die Medienlandschaft stehe "insgesamt unter Druck", ganze Lokalzeitungsredaktionen würden geschlossen. Dagegen sei im öffentlich-rechtlichen Rundfunk alles "staatlich garantiert, egal ob es einer schaut oder nicht." Mit Blick auf die "Umweltsau"-Satire erwartet Laschet "auch eine gewisse Verantwortung". Die Ausgaben für Sportlizenzen seien "absurd", dort müssten die Sender "behutsamer und sparsamer" sein. Auch die Honorare für "Moderatoren von Samstagabendshows" erscheinen Laschet "teilweise zu hoch".

Dass die ARD mittels Framing versuchte, das Image aufzupolieren, sei "alles andere als hilfreich". Es dürfe nicht "der Eindruck eines Schönsprechs erzeugt werden". Haltung ersetze nicht Qualität. "Bei denen, die das System prinzipiell ablehnen, hilft nichts mehr", resigniert Laschet. Die öffentlich-rechtlichen Medien berichten "professionell, kompetent und objektiv", lobt der NRW-Ministerpräsident. Mit knapp 400.000 Euro im Jahr verdient Buhrow fast doppelt so viel wie der Ministerpräsident, schreibt der "Spiegel". "Ich neide Tom Buhrow sein Gehalt nicht", gibt sich Laschet gelassen, "jeder Sparkassendirektor" erhalte mehr als ein Ministerpräsident.
"Spiegel" 3/2019, S. 78-79 (Paid)

Reuters-Umfrage: Medienschaffende blicken weltweit positiv auf 2020.

Medienschaffende blicken für ihre Organisationen zu 73 % "zuversichtlich" oder "sehr zuversichtlich" in das neue Jahr, sagt eine Umfrage von Reuters unter 233 internationalen Medienmachern. Bei den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten äußerten sich nur 46 % so optimistisch. Die wachsende Konkurrenz durch Streaming, Angriffe populistischer Politiker oder Budgetkürzungen sorgten für Unsicherheit.
sueddeutsche.de (Zusammenfassung), digitalnewsreport.org
(Studie)

Lese-Tipp: Die “Süddeutsche Zeitung” erklärt den neuen Medienstaatsvertrag.

Lese-Tipp: Die "Süddeutsche Zeitung" beantwortet die wichtigsten Fragen zum Medienstaatsvertrag, der von der Ministerpräsidentenkonferenz am Donnerstag als moderne Version des Rundfunkstaatsvertrags beschlossen werden soll. Künftig sind darin neben dem dualen Rundfunksystem auch Regelungen für YouTuber zu finden. Das Gesetz muss spätestens im Herbst 2020 gelten, um die EU-Richtlinie rechtzeitig zu erfüllen.
sueddeutsche.de

Werbemarkt-Liberalisierung ist letzter Streitpunkt beim Medienstaatsvertrag.

Medienstaatsvertrag ist "so gut wie fertig", zitiert die "FAZ" die rheinland-pfälzische Medienstaatssekretärin Heike Raab. Die Liberalisierung der Werbung sei das letzte strittige Thema. Ein "systematisches Diskriminierungsverbot" solle künftig sicherstellen, dass Suchmaschinen gleichartige Inhalte nicht unterschiedlich behandeln.
"FAZ", S. 13 (Paid)

FDP-Politiker wollen Berichterstattung von ARD und ZDF aufteilen.

Rundfunkgebühren: Die FDP-Landesverbände in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen fordern in einem Positionspapier eine Reformierung von ARD und ZDF, schreibt "Welt". Das ZDF solle sich künftig um nationale Berichterstattung kümmern, die bereits dezentral aufgestellte ARD solle regional berichten. Flaggschiffe wie die "Tagesschau" sollen bleiben.
welt.de

Landesmedienanstalten wollen Wolfgang Kreißig als DLM-Vorsitzenden.

Landesmedienanstalten befördern Wolfgang Kreißig ab Januar zum Vorsitzenden der Direktorenkonferenz und der Kommission für Zulassung und Aufsicht, schreibt Medienkorrespondenz. Kreißig ist Präsident der Landesanstalt für Kommunikation Baden-Württemberg. Cornelia Holsten wolle keine weitere Amtszeit, die nach zwei Jahren ausläuft.
medienkorrespondenz.de, turi2.de (Background)

Aus dem turi2-Archiv: Cornelia Holsten mahnt Influencer zu klarer Werbe-Kennzeichnung (Archiv 11/2017).