"Zu langsam in die Gänge gekommen" – Steffen Klusmann über die Konsequenzen aus dem Relotius-Skandal.


Strukturwandel der Gesellschaft: "Spiegel"-Chefredakteur Steffen Klusmann kündigt erste Konsequenzen aus dem Relotius-Skandal an. Das Gesellschafts-Ressort, unter dessen Dach Relotius fälschen konnte, werde umgebaut. Details nennt Klusmann im Video-Interview mit turi2.tv am Rande eines Pressegesprächs in Hamburg noch nicht. Erst wolle er mit den Kollegen sprechen. Eine Schließung des Ressorts – wie von der Prüfkommission vorgeschlagen – schließt er aus. "Aus diesem Ressort kommen auch verdammt gute Geschichten", so Klusmann.

Druck, dass die Redaktion Journalistenpreise liefert, wie der Abschlussbericht zum Relotius-Skandal es beschreibt, soll es unter Chefredakteur Klusmann nicht geben. Die Geschichten müssten relevant und imagebildend sein, "wenn dann mal ein Journalistenpreis dabei abfällt, ist es gut, aber gezielt auf Journalistenpreise zuzuschreiben, das fand ich schon immer totalen Schwachsinn."
turi2.tv (5-Min-Video auf YouTube)

"Spiegel" veröffentlicht Abschlussbericht der Relotius-Aufklärungskommission.


Allgemeine Relotiutätstheorie: Der "Spiegel" hat sich von Claas Relotius einwickeln lassen, schreiben Geschäftsführer Thomas Hass und Chefredakteur Steffen Klusmann im Artikel zum Relotius-Abschlussbericht, und "in einem Ausmaß Fehler gemacht, das gemessen an den Maßstäben dieses Hauses unwürdig ist."

Die Aufklärungskommission hat nicht mit Relotius selbst gesprochen. Laut Bericht habe Relotius zur Vertuschung gezielt "Kollegen umgarnt, Dokumentare abgelenkt, den Abdruck von Leserbriefen verhindert, Übersetzungen und Making-Ofs abgelehnt". Als Zweifel an Relotius' Arbeit aufkamen, sei man denen zu langsam nachgegangen. Die Kommission beschreibt außerdem das Verhältnis zu den Vorgesetzten und zu den Kollegen des Ressorts, viele hätten Relotius "geradezu verehrt". Seine Beliebtheit habe "offenbar in Dokumentation und Redaktion zu mangelnder kritischer Distanz gegenüber seinen Texten" geführt.

Laut Bericht habe es mehrere kleine und drei "deutliche" Warnungen gegeben, von denen theoretisch jede hätte Relotius auffliegen lassen können. Auf die erste Warnung eines Lesers habe Matthias Geyer, damals Leiter des Gesellschaftsressorts, nicht reagiert. Ob und bei wem und wann die zweite ankam, sei nicht zu klären. Die dritte kam von Juan Moreno. Zwei Wochen später veröffentlichte der "Spiegel" dennoch eine Klima-Titelgeschichte, die gefälschte Passagen von Relotius enthielt. Geyer und Ullrich Fichtner hätten die damals amtierenden Chefredakteure Dirk Kurbjuweit und Susanne Beyer auch nicht über den Verdacht gegen Relotius informiert. Besonders schwer wiegt laut Kommission, dass Geyer keine eigenen Nachforschungen angestellt habe.

Der Bericht enthält eine detaillierte "Chronik der Aufdeckung", die zeigt, dass Fichtner und Geyer Moreno lange nicht glaubten. Fichtner sagte der Kommission, Moreno habe "diffuse Drohungen" ausgesprochen, Moreno widerspricht dem. Das Kommissionsteam kommt zu dem Schluss, dass die Stilform sowie die Fehlerkultur die Fälschungen ermöglicht haben. Problematisch sei auch die "besondere Konstruktion des Gesellschaftsressorts innerhalb des 'Spiegel'" – es schotte sich ab, kooperiere nicht mit anderen Ressorts und ignoriere deren Kritik.

Der zuständige Dokumentar hat den "Spiegel" inzwischen "auf eigenen Wunsch" verlassen, Relotius' Vorgesetzte Ullrich Fichtner und Matthias Geyer wurden wegen des Falls nicht Co-Chefredakteur und Blattmacher. Der Verlag kündigt eine unabhängige Ombudsstelle ein, drei Teams arbeiteten "an einem neuen journalistischen Regelwerk".
spiegel.de, spiegel.de (Abschlussbericht, 17 Seiten)

"Hamburger Abendblatt": Relotius-Bericht belastet Geyer und Fichtner schwer.


Claasterfuck: Der "Spiegel" veröffentlicht heute den Abschlussbericht der Relotius-Aufklärungsgruppe. Nach Informationen des "Hamburger Abendblatt" belastet der Bericht die Relotius-Förderer Matthias Geyer und Ullrich Fichtner schwer.

Geyer habe Relotius im November mit den Vorwürfen des Reporters Juan Moreno konfrontiert, aber keine Konsequenzen gezogen - Relotius konnte noch danach u.a. Eindrücke vom Südseeatoll Kiribati für einen Aufmacher liefern, obwohl er dort nie gewesen sei.
abendblatt.de

Die "Zeit" beschreibt den Weg des Strache-Videos in die Medien.

Ibiza-Gate: Die "Zeit" zeichnet nach, wie das Strache-Video in die Öffentlichkeit gelangt ist. Die Falle gestellt habe ein größeres "Geflecht an Personen mit unterschiedlichen Zielen". 2018 hätten Hintermänner versucht, das Video für eine siebenstellige Summe an Medien zu verkaufen. Als diese ablehnten, hätten sie das Video u.a. Jan Böhmermann angeboten. Auch der habe nicht zahlen wollen, mit seinen Andeutungen aber die Betroffenen gewarnt, so dass die Hintermänner das Video aus Angst, enttarnt zu werden, ohne Gegenleistung an den "Spiegel" und die "Süddeutsche" übergaben.
"Zeit" 22/2019, S. 3 (Paid)

Lese-Tipp: "Spiegel"-Entwicklungsteam gibt Einblick in seine Methoden.

Lese-Tipp: Das Entwicklungsteam des "Spiegel" schreibt darüber, mit welchen Methoden es bei der Produktentwicklung zusammenarbeitet. Es nutzt u.a. die Strategie-Priorisierungsmethode OKR für das Großprojekt Relaunch. Die "Spiegel"-Produkte hat das Team in sechs "Entwicklungsstränge" unterteilt, an denen jeweils Produktmanager, Entwicklungsredakteure, Techniker und ein Mitarbeiter aus Anzeigenabteilung oder dem Vertrieb arbeiten.
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"Spiegel" und "SZ" wissen seit Monaten vom #Strachevideo.

#Strachevideo: Der "Spiegel" weiß seit mehreren Monaten von dem auf Ibiza entstandenen Video, die "Süddeutsche" arbeitet schon länger an der Enthüllung, sagt Martin Knobbe (Foto) vom "Spiegel" bei "Anne Will". Vor einer Woche haben die Medien das Video erhalten und nach einem Verifikations-Prozess veröffentlicht. Bei der Frage nach dem Überbringer des Videos beruft Knobbe sich auf den Quellenschutz.
ndr.de (60-min-Video)

"Spiegel" und "SZ": Gudenus hielt Kontakt zur vermeintlichen Russin.

Ibiza-Affäre: Johann Gudenus (Foto) und Heinz-Christian Strache pflegten offenbar auch nach dem Treffen auf Ibiza noch Kontakt zur vermeintlichen russischen Investorin, berichten der "Spiegel" und die "Süddeutsche Zeitung". Mindestens einmal habe Johann Gudenus einen Mittelsmann - offenbar ebenfalls ein Lockvogel - getroffen. Von dem Treffen gebe es eine Audioaufnahme, aus der "Spiegel" und "Süddeutsche" zitieren. Darin habe Gudenus als "Zeichen des guten Willens" zugesagt, über Strabag-Miteigentümer Hans Peter Haselsteiner eine Pressemitteilung zu veröffentlichen. Die Politiker hatten nach Bekanntwerden der Affäre zunächst behauptet, das Treffen sei eine einmalige Angelegenheit gewesen.
sueddeutsche.de, spiegel.de, ots.at (FPÖ-Pressemitteilung aus 2017)

Nach "Spiegel"- und "SZ"-Enthüllungen: Österreichs Kanzler Kurz ruft Neuwahlen aus.


Kein kurzer Prozess: Die Enthüllungen von "Spiegel" und "Süddeutscher Zeitung" sorgen für ein politisches Erdbeben in Österreich. Bundeskanzler Kurz ruft am Abend für "den nächst möglichen Zeitpunkt" Neuwahlen in der Alpenrepublik aus. Zuvor war am Mittag Vize-Kanzler und FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache von allen Regierungs- und Parteiämtern zurückgetreten. In einem heimlich aufgenommenen Video von 2017 hatte Strache einer vermeintlichen russischen Oligarchin gegen Wahlkampfunterstützung öffentliche Aufträge versprochen. Außerdem macht Strache seine Verachtung für die freie Presse deutlich und hetzt und lästert über Bundeskanzler Kurz. "Spiegel" und "Süddeutsche" hatten das Video am Samstagabend veröffentlicht.

Der ÖVP-Politiker Kurz sagte in seinem Statement, er habe in den vergangenen anderthalb Jahren mit dem Koalitionspartner viel ausgehalten. Die Methoden, unter denen das Enthüllungsvideo entstanden ist, findet Kurz "verachtenswert", zum Inhalt sagt er dennoch "Genug ist genug". "Schwerwiegend" und "problematisch" nennt er die "Ideen zum Machtmissbrauch" und Straches Ansichten "gegenüber der Medienlandschaft".
spiegel.de, turi2.de (Background)

"Spiegel"- und "SZ"-Enthüllungen bringen Österreichs Vize-Kanzler Strache zu Fall.


Video killed the Right-wing Star: Österreichs Vize-Kanzler Heinz-Christian Strache nimmt nach den Enthüllungen von "Spiegel" und "Süddeutscher Zeitung" seinen Hut. Der Politiker der rechtspopulistischen FPÖ tritt auch als Parteivorsitzender zurück. "Spiegel" und "Süddeutsche" hatten einen Video-Mitschnitt veröffentlicht, in dem Strache einer vermeintlichen reichen Russin öffentliche Aufträge gegen Wahlkampfhilfe anbietet und empfiehlt, die kritische "Kronen-Zeitung" zu übernehmen - offenbar eine Falle. Wer hinter dem Video steckt, ist unbekannt.

Auf einer Pressekonferenz in Wien bezeichnet Strache den Mitschnitt als rechtswidrig. Er erhebt die Anschuldigung einer Schmutzkampagne und nennt dabei auch einen Namen: Jan Böhmermann. Dennoch entschuldigt sich Strache bei der Veranstaltung für sein Verhalten. Er schiebt den lockeren Ton auf seine zunehmende Alkoholisierung. Unklar ist, ob durch das Video auch die Mitte-Rechts-Koalition in Österreich platzt. Bundeskanzler Kurz hat die Möglichkeit, die Koalition mit Strache-Nachfolger Norbert Hofer fortzusetzen. Kurz kann aber auch Neuwahlen ausrufen.
spiegel.de, welt.de, turi2.de (Background)

Update 12.55 Uhr: Auch FPÖ-Fraktionschef Johann Gudenus, der ebenfalls in dem Video zu sehen ist, tritt zurück. Vor dem Bundeskanzleramt in Wien wollen am Mittag tausende Regierungskritiker demonstrieren. Meldungen zufolge will Bundeskanzler Kurz um 14 Uhr vor die Presse treten.
kleinezeitung.at

Update 16.27 Uhr: Das österreichische Bundeskanzleramt kündigt eine Pressekonferenz von Bundeskanzler Kurz für 19.45 Uhr an.

Österreichs Kanzler Kurz will Zusammenarbeit mit FPÖ-Chef Strache beenden.

Österreich: Kanzler Sebastian Kurz will nicht mehr mit Vizekanzler und FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache (Foto) zusammenarbeiten, nachdem bekannt geworden ist, dass Strache versucht hat, Medien zu beeinflussen. Kurz will Strache laut österreichischen Medien zum Rücktritt auffordern. Eine heimliche Videoaufnahme zeigt Strache 2017 auf Ibiza, wie er einer vermeintlichen russischen Millionärin Staatsaufträge für Wahlkampfhilfe verspricht.
n-tv.de, turi2.de (Background)

"Spiegel" und "Süddeutsche" zeigen, wie Österreichs Vizekanzler Medien beeinflussen will.


We're going to Ibiza: Der "Spiegel" und die "Süddeutsche Zeitung" berichten über eine heimliche Videoaufnahme, die den österreichischen Vizekanzler und FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache zeigt. In dem 2017 vor den österreichischen Wahlen auf Ibiza entstandenem Video tappt der Rechtsaußen in die Falle einer vermeintlichen russischen Millionärin, die vorgibt, eine Übernahme der "Kronen Zeitung" zu planen. Strache und sein Parteifreund Johann Gudenus zeigen sich stark interessiert an der Möglichkeit, die Berichterstattung zu beeinflussen und stellen im Gegenzug öffentliche Aufträge im Bausektor in Aussicht. Strache spricht auch über Wege, das Parteispendengesetz zu umgehen.

Der "Spiegel" bringt seine aktuelle Ausgabe mit der Geschichte in Österreich mit einem eigenständigen Cover an den Kiosk. Während in Deutschland Angela Merkel auf der Titelseite ist, zeigt die Österreich-Ausgabe Strache. Für Spekulationen sorgt zudem Jan Böhmermann. Der Satiriker machte bereits im April in einer Rede Andeutungen auf das Video. Der "Spiegel" schreibt dazu, dass die Umstände des Treffens wohl einer Reihe von Leuten bereits bekannt gewesen sei.
"Spiegel" 21/2019, S. 78 (Paid), spiegel.de, sueddeutsche.de, twitter.com (Cover), derstandard.de (Böhmermann)

Kai-Hinrich Renner: G+J hat die "FTD"-Texte von Claas Relotius bislang nicht geprüft.


Causa Relotius: Gruner + Jahr hat die "FTD"-Texte von Claas Relotius bisher nicht überprüft, schreibt Kai-Hinrich Renner. Herausgefunden haben das Studierende des Studiengangs Journalistik der Universität Hamburg. Zwischen 2010 und 2012 habe Relotius der "Financial Times Deutschland" insgesamt zehn Artikel geliefert. Zu dieser Zeit war der heutige "Spiegel"-Chef Steffen Klusmann Chefredakteur der inzwischen eingestellten "FTD".

Die genauen Ergebnisse der Studie der Uni Hamburg wollen die Forscher am Freitag bei Message Online zur Verfügung stellen. Sicher sei jedoch, dass die "FTD"-Geschichten von Relotius "mehr als nur Ungereimtheiten" enthalten, so Professor Volker Lilienthal. Bei einigen Texten gebe es "Indizien für Zudichtungen".

Ein Sprecher von Gruner + Jahr erklärt, dass die Texte bis zur Klärung nun im Archiv gesperrt wurden. Laut Renner sei die Reportage "Beat über Bethlehem" aber noch immer in der Datenbank Genios für 3,21 Euro verfügbar.
abendblatt.de (Paid)

Update, 17.05. um 11:30 Uhr: Bei Message Online ist die Relotius-Untersuchung erschienen.
message-online.com

Aus dem turi2.tv-Archiv: "Spiegel"-Chef Steffen Klusmann über den Relotius-Skandal (Archiv 12/2018).

Auch "Der Kritiker" Georg Diez verlässt den "Spiegel".

Spiegel verliert nach dem Kolumnisten Jan Fleischhauer auch Georg Diez (Foto) zu Ende September. Er ist seit neun Jahren Kultur-Autor und war bis September 2018 "Der Kritiker" auf Spiegel Online. Diez will neue Formate entwickeln, "die die Lücke zwischen medialem, akademischem und politischem Diskurs schließen". 2016 und 2017 forschte Diez bereits als Nieman Fellow in Harvard zur Journalismus-Zukunft.
turi2 - eigene Infos, turi2.de (Fleischhauer)

"Welt": "Spiegel"-Redakteure sind uneins über Klusmann-Reformen und Relotius-Konsequenzen.


Claas halb leer: Der "Spiegel" kommt angesichts des Relotius-Skandals und des Umbaus zur integrierten Print-Online-Redaktion nicht zur Ruhe, skizziert Per Hinrichs in der "Welt am Sonntag" nach Gesprächen mit "Spiegel"-Mitarbeitern. "Altgedienten Heft-Journalisten" seien Klusmanns "Ton und Tempo" nicht geheuer. Andere lobten Klusmanns "Pragmatismus und Eloquenz".

Der Schock aus dem Fälschungsfall Claas Relotius sei intern noch nicht ausgestanden. Einen "umfassenden Freispruch" für Relotius' Ressortleiter Ullrich Fichtner habe Chefredakteur Steffen Klusmann nach internem Druck wieder kassiert. Dem Buch von Relotius-Enthüller Juan Moreno sehe Klusmann gelassen entgegen: Lieber solle es Moreno schreiben als "irgendein Honk". Gegangen ist nach dem Skandal, außer Relotius, bisher nur einer: Der Dokumentar, der für die Relotius-Faktenchecks zuständig war, ging in den Vorruhestand.
"Welt am Sonntag", S. 34 (Paid), turi2.de (Background)

Mitarbeit: Dirk Stascheit

Aus dem turi2.tv-Archiv: "Spiegel"-Chef Steffen Klusmann über den Relotius-Skandal (Archiv 12/2018).

Renner: Die Relotius-Prüfkommission hat ihren Abschlussbericht fertig.

Fall Relotius: Die Prüfkommission hat der "Spiegel"-Chefredaktion am Dienstag ihren 30 bis 50 Seiten umfassenden Abschlussbericht übergeben, schreibt Kai-Hinrich Renner. Das Magazin plane, den Bericht als Grundlage zu nehmen für eine große Geschichte zur Affäre, die in der letzten oder vorletzten Ausgabe im Mai erscheinen soll. Über den Inhalt des Reports sei noch nichts nach außen gedrungen.
morgenpost.de (Paid), turi2.de (Background)

Lese-Tipp: "Spiegel" besucht zum ersten Todestag das private Umfeld von DJ Avicii.

Lese-Tipp: "Spiegel"-Journalist Felix Hutt begibt sich ein Jahr nach dem Tod von Tim Bergling auf Spurensuche. Als DJ Avicii liebte der feinfühlige, talentierte Künstler seine Fans, doch das Rampenlicht scheute Bergling, poträtiert Hutt. Bei Berglings Tod schließen die Behörden ein Fremdverschulden aus. Bei der Frage nach dem Warum, verstumme sein familiäres Umfeld, "wie ein Fernseher, dem der Stecker gezogen wird".
spiegel.de (Paid)

"Spiegel" holt Clemens Höges in die Chefredaktion.


Blattmacher wird Boss: "Spiegel" beruft Clemens Höges in die Chefredaktion – neben Steffen Klusmann und Barbara Hans. Sein Amt als Blattmacher wird Höges behalten. Er scheidet jedoch aus der Kommission aus, die die internen Verfehlungen rund um den Relotius-Skandal untersucht. Der Verlag betont, dass sich die Fertigstellung des Abschlussberichts dadurch nicht verzögere. Der Bericht werde "in Kürze" an Klusmann und Geschäftsführer Thomas Hass übergeben.

Mit Höges' Berufung endet ein Vakuum an der Spitze des Magazins, ausgelöst durch den Fall Relotius. Ullrich Fichtner und Matthias Geyer ließen ihre Ämter als Co-Chefredakteur bzw. Blattmacher zunächst ruhen – und wurden dann auf Posten mit "besonderen Aufgaben" weggelobt. Fichtner und Geyer waren als Förderer und Ressortchef von Relotius für die Chefredaktion verbrannt. Die Lücke füllte Höges zunächst übergangsweise als Blattmacher, ab sofort offiziell als Teil der Chefredaktion. Höges ist seit 1990 beim "Spiegel", leitete früher Deutschland- und Auslandsressort. Unter Wolfgang Büchner wurde er 2014 schon einmal stellvertretender Chefredakteur. (Foto: Fotoraum Reinhold / Der Spiegel, Montage_ turi2)
spiegelgruppe.de

Aktuell bei turi2.tv: Clemens Höges spricht am vergangenen Freitag über die Relotius-Aufklärung.

"Spiegel"-Aufklärer Clemens Höges: Relotius-Kommission möchte keinen Zeitdruck.


Wortkarge Aufklärer: Knapp vier Monate nach der Relotius-Affäre treffen sich hunderte Journalisten beim Reporterforum im "Spiegel"-Haus – und sind teils verwundert über die wenigen Antworten. "Spiegel"-Blattmacher Clemens Höges bittet um Geduld und sagt: "Die Kommission möchte sich nicht unter Zeitdruck setzen lassen". "Spiegel"-Chefredakteur Steffen Klusmann sagt seine Teilnahme am Workshop der Reporter kurzfristig ab – wegen einer Management-Tagung.

Die dreiköpfige Kommission habe viele Gespräche mit Beteiligten geführt und interne Abläufe hinterfragt, erzählt Höges. Ihr Bericht gehe zunächst an Chefredaktion und Geschäftsführung. Auf ungeduldige Fragen von Anwesenden, wann Ergebnisse vorliegen werden, antwortet Höges lediglich: "bald". "Es ist für uns eine große Aufgabe, denn wir stellen absolute Transparenz her", sagt Höges bei der Eröffnung der Veranstaltung (siehe Video). In Zeiten von Fake News gehe es darum, wieder das Vertrauen der Leser zu gewinnen: "Das gilt für den 'Spiegel', aber nicht nur für den 'Spiegel' – obwohl der 'Spiegel' gewissermaßen Ground Zero war." (Foto: Jens Twiehaus)
turi2.tv (2-Min-Video mit Höges)

Clemens Höges zur Relotius-Aufklärung im Video:

Ex-"Spiegel"-Chefredakteur Klaus Brinkbäumer schreibt jetzt für die "Zeit".

Zeit angelt sich Ex-"Spiegel"-Chefredakteur Klaus Brinkbäumer als Autor. Er soll vor allem für die Ressorts Politik, Feuilleton, Dossier und für das "Zeit Magazin" schreiben. Zunächst berichtet er aus den USA, wo er derzeit lebt. Im August 2018 musste Brinkbäumer beim "Spiegel" gehen, sein Vertrag lief zum zum 31. März 2019.
zeit-verlagsgruppe.de

"Spiegel" gewinnt gegen Ronaldos Anwälte.

Spiegel gewinnt einen Rechtsstreit mit den Anwälten von Fußballer Cristiano Ronaldo. Die spanische Kanzlei Senn Ferrero wollte Berichte über Ronaldos Strategien zur Steuervermeidung verbieten und auch Online-Texte löschen lassen. Die Begründung: Dokumente der Football Leaks stammten aus einem Hack auf die Kanzlei. Am Landgericht Hamburg erwirkte sie 2017 eine Einstweilige Verfügung. Vor dem Oberlandesgericht Hamburg hat die Anwaltskanzlei Schertz Bergmann, die für Senn Ferrero agiert, den Antrag auf Unterlassung nun zurückgezogen, um keine Niederlage zu kassieren.
spiegel.de, turi2.de (Background)

Lese-Tipp: Wie ein chinesischer Medizin-Investor "Bild" für umstrittenen PR-Coup nutzt.

Lese-Tipp: "Bild" bringt im Februar einen unausgereiften Brustkrebs-Bluttest auf die Titelseite und verhilft einem Uni-Startup an der Uni Heidelberg zu einem umstrittenen PR-Coup, schreibt "Spiegel". Wissenschaftler bemängeln fehlende Langzeituntersuchungen, doch der Aktienkurs des chinesischen Investors NKY Medical Holdings steigt um mehr als 35 %. Zu den Investoren gehöre auch der prominent vernetzte Jürgen Harder, Lebensgefährte von Franziska van Almsick.
"Spiegel" 14/2019, S. 102 (Paid)

Ulrike Simon stellt ihre Medienkolumne ein und wird "Spiegel"-Autorin.

Medienexpertin Ulrike Simon macht nach dreieinhalb Jahren Schluss mit ihrer wöchentlichen Medienkolumne. Künftig schreibt Simon Texte zu Medienthemen für den "Spiegel". Simon startete ihre Kolumne beim Redaktionsnetzwerk Deutschland, seit dem Start von Spiegel Daily veröffentlicht sie ihre Texte beim Paid-Content-Angebot des "Spiegel".
spiegel.de (Paid)

Mathieu von Rohr wird Ressortleiter Ausland beim "Spiegel".

Spiegel: Mathieu von Rohr, 41, löst Britta Sandberg, 56, als Ressortleiter Ausland ab. Sandberg wechselt "auf eigenen Wunsch" als Korrespondentin nach Paris, wo sie auf Julia Amalia Heyer, 38, folgt, die als Redakteurin ins Berliner Hauptstadtbüro wechselt. Mathieu von Rohr war bisher Vize-Ressortleiter. Auf diese Position rückt nun der Istanbul-Korrespondent Maximilian Popp, 33, auf.
spiegelgruppe.de

Hans Hoff sorgt sich um die physische Konsistenz von Harald Schmidt.

Kolumnisten-Kritik: TV-Kritiker Hans Hoff, selbst ausschließlich bekannt für konstant kreative Kolumnen, lässt kein gutes Haar am Kolumnisten-Kollegen Harald Schmidt. Der Altmeister der Late-Night wirke in seiner Videokolumne bei Spiegel+ wie ein Greis, der die Zuschauer an seiner "publizistischen Verwesung teilhaben lässt", ätzt Hoff.
dwdl.de

Mitarbeit: Markus Trantow

Zitat: Nikolaus Blome würde kein zweites Mal zum "Spiegel" gehen.

"Ich würde jederzeit wieder ein erstes Mal zum 'Spiegel' gehen, in dieser Funktion, die ich da hatte, aber ich würde es kein zweites Mal tun."

"Bild"-Politikchef Nikolaus Blome ist nach seinem Wechsel von "Bild" zum "Spiegel" und wieder zurück glücklich dort, wo er ist, sagt er im "Clap"-Interview.
"Clap" 68, S. 6-11 (Teaser)

Weitere Zitate:

"Es gibt aus meiner Sicht nur zwei wirklich bedeutende Medienmarken: 'Bild' und 'Spiegel' - wobei letztere im Vergleich zu meiner Zeit heute in sehr schwerem Wasser ist."

"Es gibt sicher stets Frage, die von uns Journalisten nicht früh, laut oder präzise genug gestellt worden sind oder werden."

"Zweifel an Berichterstattung sind erlaubt und willkommen. Wer aber seine Zweifel an bestimmten Zusammenhängen derart absolut setzt, wie es beispielsweise der infame Begriff 'Lügenpresse' dokumentiert, der tritt eigentlich seine eigene Intelligenz mit Füßen."

Aus dem Archiv von turi2.tv: Ohne Blut und Blech: Ist "Bild Politik" die schlauere "Bild", Nikolaus Blome? (2/2019)