Spiegel-Umfrage: Luca-App wurde von Gesundheitsämtern kaum genutzt.

Verfolgung ohne Jagd: Die Luca-App war wenig hilfreich für die Corona-Kontaktnachverfolgung. Fast zwei Drittel aller Gesundheitsämter, die eine Spiegel-Umfrage beantwortet haben, konnten noch nie eine Infektionskette mit Hilfe von Luca-Daten nachverfolgen. In gerade einmal 1.000 Fällen seien Daten von Gaststätten, Diskotheken oder Geschäften angefordert worden. Ernüchternde 280 mal halfen die Infos, Infektionsketten nachzuverfolgen.
spiegel.de

Der “Spiegel” hält Urteil im Fall Mockridge für “falsch”.

Spiegel will gegen das Urteil des Oberlandesgerichts Hamburg vorgehen, das eine Löschung von Passagen aus dem Artikel Die Akte Mockridge verlangt. "Wir halten diese Entscheidung für falsch", teilt der Verlag in Bezug auf das Urteil mit und verweist auf den Pressesenat, der anerkannt habe, dass ein "legitimes öffentliches Interesse" an der Berichterstattung besteht. Der "Spiegel" hatte bereits angekündigt, notfalls bis vor das Bundesverfassungsgericht zu ziehen.
meedia.de , turi2.de (Background)

Mockridge-Artikel: “Spiegel” muss weitere Passagen streichen.

Schluss mit lustig: Der "Spiegel" muss weitere Teile des Artikels Die Akte Mockridge über Vergewaltigungs-Vorwürfe gegen Comedian Luke Mockridge streichen, entscheidet das Oberlandes­gericht Hamburg. Zugleich will Anwalt Simon Bergmann für seinen Mandanten nun auch Schadensersatz und Schmerzensgeld einklagen, da entstandene Persönlichkeitsrechtsverletzungen "derart schwerwiegend" seien. Das Urteil ist bereits das dritte gerichtliche Verbot von Abschnitten des Textes. Bereits im November 2021 hatte das Landgericht Köln Teile der Recherche untersagt, in der eine namentlich nicht genannte Ex-Freundin Vorwürfe gegen Mockridge erhebt. Kurze Zeit später folgte das Verbot von Passagen, in denen der "Spiegel" detailliert berichtet, Mockridge habe seine damalige Freundin Ines Anioli vergewaltigt.

In der Schilderung zwei weiterer anonymer Frauen hat das Landgericht Hamburg im Dezember 2021 noch keine Probleme gesehen. Doch Anwalt Bergmann ist gegen das Urteil vorgegangen – mit Erfolg. Der "Spiegel" muss nun auch diesen Teil des Artikels löschen, weil die Schilderungen der Frauen von Übergrifflichkeiten "als unwahr anzusehen" seien. Auch deshalb, weil Mockridge die Anschuldigungen abstreite. Damit seien nun, ergänzend zu den bereits erwirkten einstweiligen Verfügungen, die "Kernpunkte des Artikels" untersagt, so Bergmann.
dwdl.de, presseportal.de, turi2.de (Background)

“Spiegel”: Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Bundesvorstand der Grünen.

Nicht ganz grün: Die Berliner Staatsanwaltschaft hat Ermittlungen wegen des Verdachts der Untreue gegen den Bundesvorstand der Grünen eingeleitet, berichtet der "Spiegel". Robert Habeck (Foto), Annalena Baerbock, Ricarda Lang, Jamila Schaefer, Michael Kellner und Marc Urbatsch sollen sich 2020 selbst einen Corona-Bonus in Höhe von 1.500 Euro bewilligt haben, welcher "nicht von den parteiinternen Regeln gedeckt" sei.
spiegel.de (Paid)

OLG Hamburg erlaubt “Spiegel”-Bericht über Compliance-Verfahren gegen Julian Reichelt wieder.

Spiegel darf seinen ersten Artikel über das Compliance-Verfahren gegen Julian Reichelt mit dem Titel Vögeln, fördern, feuern wieder veröffentlichen. Das OLG Hamburg setzt ein früheres Veröffentlichungs­verbot des Land­gerichts außer Kraft, berichtet Stefan Winterbauer bei Meedia. Reichelt hatte eides­stattlich versichert, dass Springers Press­estelle Fragen des "Spiegel" nicht an ihn weiter­geleitet habe, wodurch er keine Gelegen­heit zur Stellung­nahme hatte. Das Angebot, auf die Fragen nachträglich einzugehen, habe Reichelt nicht angenommen.
meedia.de, sueddeutsche.de, turi2.de (Background)

Spiegel TV verteidigt nachgestellte Demo-Szene.

Spiegel TV verteidigt seinen Plan, eine Demo-Szene für die ZDF-Sendung "Terra Xpress" mit Komparsen nachzustellen. In sozialen Netzwerken war der Vorwurf aufge­kommen, Spiegel TV würde Teilnehmerinnen echter Demos bezahlen. Dem wider­spricht Spiegel TV in einer Stellung­nahme und stellt klar, dass die Szene in der Sendung explizit als "nachgestellt" gekennzeichnet würde.
dwdl.de

Klick-Tipp: Der “Spiegel” überprüft die Pläne der Regierung mit einem “Ampelradar”.

Klick-Tipp: Der "Spiegel" stellt künftig ein Tool auf seine Webseite, mit dem Interessierte überprüfen können, inwieweit die neue Regierung ihre Pläne tatsächlich umsetzt. Der "Ampelradar" listet 180 Vorhaben aus dem Koalitionsvertrag von SPD, Grünen und FDP nach Ressorts auf, sowie den aktuellen Bearbeitungsstand. Das Tool soll in den kommenden Jahren aktualisiert und erweitert werden.
spiegel.de

Debatte: Das generische Maskulinum wird aussterben, glaubt Luise Pusch.

Männer sind mitgemeint: Die Abschaffung des "Fräuleins" vor 50 Jahren zeige, dass bei Veränderungen der Sprache "Geduld" gefragt ist, sagt Sprach­wissenschaftlerin Luise Pusch. Sie glaubt, dass "irgendwann die Vernunft gewinnt" und das generische Maskulinum ausstirbt. Wenn ein Thema Frauen betreffe, dauere es immer "mindestens 40 Jahre, bis sich etwas ändert". Sie ist für das generische Femininum.
spiegel.de (Paid)

Klick-Tipp: James-Bond-Wortspiele, die der “Spiegel” liegen gelassen hat.

Klick-Tipp: Der "Spiegel" macht in seiner neusten Ausgabe mit Gesundheitsminister Karl Lauterbach als 007-Agent "in verzagter Mission" auf: "Ein Quantum Angst: Wie die Impfpflicht Land und Politik entzweit", heißt es auf dem Cover. Weitere Wortspiele, die es nicht auf die Titelseite geschafft haben, veröffentlicht das Magazin nun auf seiner Website. Mit dabei: "Dr. Yes", "Der Arzt, der sich liebte" und "Regier an einem anderen Tag".
spiegel.de

Debatte: Medien müssen das “Rauschen” reduzieren, sagt Bernhard Pörksen.

Don't mess up: Um eine mediales Schreckens-Szenario wie im Netflix-Film Don't look up zu verhindern, müssen Medien das "Rauschen" in den Griff bekommen, das der Populismus produziert, sagt Medien­wissenschaftler Bernhard Pörksen. Dafür brauche es einen besseren Umgang mit "Nonsens­positionen": Journalistinnen sollten diese "scharf" kritisieren, ohne "die pauschale Verdammung der Person".
spiegel.de (Paid)

Lese-Tipp: Arno Frank über die Grenze zwischen Journalismus und Kunst.

Lese-Tipp: Der belgische Popsänger Stromae liefert in einer französischen Nachrichtensendung eine Gesangseinlage ab und stößt damit auch auf Kritik. "Spiegel"-Autor Arno Frank überlegt, wie weit "Kunst in journalistische Abläufe eingreifen" darf und fragt sich, wer wohl im "heute journal" mit Mariette Slomka "zu einem solchen Wagnis, zu einer solchen Frechheit" bereit wäre.
spiegel.de

Hör-Tipp: Melanie Amann sieht keine Schwäche beim “Spiegel” sondern stärkere Konkurrenz.

Hör-Tipp: Nicht der "Spiegel" ist in seinen Recherchen schwächer geworden, sondern die Konkurrenz stärker, sagt Melanie Amann, Leiterin des "Spiegel"-Hauptstadt­büros, im Radioeins-Medien­magazin. Viele Investigativ-Journalistinnen, die heute etwa für die "Süddeutsche" mit Recherchen glänzen, seien ehemalige "Spiegel"-Leute. Eine Konkurrenz zwischen Online und Print sieht sie nicht, oft seien es die großen Geschichten aus dem gedruckten Magazin, die Digital-Abos generierten.
wwwagner.tv (16-Min-Interview in 104-Min-Audio)

Video-Tipp: Chefredakteur Steffen Klusmann zur heutigen Rolle des “Spiegels”.

Video-Tipp: "Spiegel"-Chefredakteur Steffen Klusmann würde sein Magazin heute nicht mehr als "Sturmgeschütz der Demokratie" bezeichnen, wie einst Gründer Rudolf Augstein. Das entspreche nicht mehr dem Vokabular des Nachrichtenmagazins, sagt Klusmann im "Zapp"-Interview mit Daniel Bouhs. Missstände aufdecken sei aber immer noch klassisch für den "Spiegel". Weiter spricht Klusmann über Kritik an den Recherchen zu Julian Reichelt und Luke Mockridge. "Wenn man mit kritischen Geschichten kommt, werden die sofort angegriffen", sagt Klusmann im Interview von turi2.
youtube.com (20-Min-Video), turi2.de (Mit 20-Min-Video)

Debatte: Der “Spiegel” sollte multimedialer werden, aber nicht zu bunt.

Luft nach oben: Der "Spiegel" habe es anders als Springer bis heute nicht geschafft, "ein starkes multi­mediales Haus zu werden", obwohl der Verlag "die besten Voraus­setzungen" dafür hat, urteilt Medien­insider Marvin Schade (Foto) in einem "Tagesschau"-Beitrag von Daniel Bouhs. Politik­wissenschaftler Albrecht von Lucke mahnt hingegen, das Magazin verliere sich "zunehmend in Beliebigkeit", weil das Heft immer "bunter" werde.
tagesschau.de (Text), tagesschau.de (2-Min-Video)

Klick-Tipp: Der Spiegel präsentiert Geschichte in 4.000 Ausgaben.

Klick-Tipp: Der "Spiegel" öffnet zum 75-jährigen Jubiläum sein Titelarchiv. Interessierte können durch fast 4.000 Cover stöbern, dazu gibt es Textauszüge und kurze Audio-Kommentare zum Jahrzehnt. Registrierten Nutzerinnen stehen die historischen Ausgaben als PDF im Original-Layout zur Verfügung. Eine besondere Funktion dabei: Wer sein Geburtsdatum eingibt, erfährt, welche "Spiegel"-Ausgabe an diesem Tag am Kiosk lag.
spiegel.de

Wir graturilieren: Der “Spiegel” wird 75.


Wir graturilieren: Am 4. Januar 1947 ist der erste "Spiegel" erschienen, in diesem Jahr feiert das Hamburger Nachrichtenmagazin seinen 75. Geburtstag. Damals wie heute gilt die Devise von Gründer Rudolf Augstein: "Sagen, was ist." Dafür nimmt der "Spiegel" auch juristische Kämpfe in Kauf, wie etwa zuletzt bei den Berichten zu Julian Reichelt und Luke Mockridge. "Wenn man mit kritischen Geschichten kommt, werden die sofort angegriffen", sagte Chefredakteur Steffen Klusmann jüngst im Video- und Podcast-Interview von turi2. Unterlassungen für "alles und nichts" seien an der Tagesordnung.

Kritischen Journalismus hat der "Spiegel" in den letzten Jahren allerhand produziert, 2018 stand das Magazin jedoch selbst in der Kritik – für die gefälschten Reportagen seines Reporters Claas Relotius. Der "Spiegel" macht den Skandal selbst öffentlich, arbeitet ihn auf und schraubt daraufhin an internen Arbeitsabläufen. Das Geburtstags-Geschenk macht sich der "Spiegel" selbst: Für 2021 erwartet die Spiegel-Gruppe ein deutliches Umsatz-Plus von mehr als 20 Mio Euro, 2020 hatte der "Spiegel" 256 Mio umgesetzt. Über 10 Mio Euro mehr Erlöse als im Vorjahr freuen sich die Macherinnen beim Digitalabo – die nächsten 75 Jahre können also kommen.

Lese-Tipp: Der “Spiegel” stellt seine Faktenchecker vor.

Lese-Tipp: Über 50 Personen sollen in der Dokumentations-Abteilung des "Spiegels" dafür sorgen, dass sich keine falschen Fakten ins Heft schleichen – oder sich der Fall Relotius wiederholt. Einige Faktenchecker stellen nun ihre Arbeit vor, darunter Julia Lange (Foto), die die US-Bericht­erstattung prüft, und Charlotte Weichert, die aus der Neuro­chirurgie in den Journalismus gewechselt ist.
spiegel.de

Journalistinnen müssen “erhebliche Anstrengungen” unternehmen, um an Stellungnahme zu kommen.

BundesgerichtshofSchlechte Presse: Medien müssen "erhebliche Anstrengungen" unternehmen, damit Betroffene die Möglichkeit bekommen, sich bei Strafverdacht zu äußern, entscheidet der Bundesgerichtshof. Hintergrund ist eine Meldung des "Spiegels" von 2017, dass der ehemalige VW-Manager Wolfgang Hatz in U-Haft sei. Das Magazin hatte keine Stellungnahme von Hatz darin aufgenommen, weil er kurzfristig nicht erreichbar gewesen sei. Laut BGH wiegen in diesem Fall Hatz‘ Persönlichkeitsrechte schwerer als die Pressefreiheit und damit auch Sorgfalt vor Schnelligkeit.
juve.de, twitter.com/Ralf_Hoecker

Zitat: Der “Spiegel” war früher manchmal “zum Kotzen”, sagt Barbara Junge.

"Zumindest in den ersten Jahrzehnten war der 'Spiegel' nicht nur ein Herrenmagazin, sondern auch so herrlich exklusiv, dass er beim Diversitäts-Check gnadenlos durchgefallen wäre."

"taz"-Chefredakteurin Barbara Junge findet, der "Spiegel" war früher manchmal "schlicht zum Kotzen". Heute tut das Magazin dem Land "mit all seinen Verfehlungen, Verwerfungen und merkeligem Scholzismus" gut.
spiegel.de (Paid)

Zitat: Augstein-Schwester hielt ihren Bruder lange zu Höherem berufen.

"Lange Zeit dachte ich, Rudolf müsste zu etwas Höherem berufen sein, als nur eine Zeitschrift mit Krawall und Affären herauszugeben. Ich sah ihn eher in der Philosophie oder als Verleger einer Kunst- und Literaturzeitung."

Ingeborg Villwock, Schwester von "Spiegel"-Gründer Rudolf Augstein erinnert sich zum 75. Jubiläum des Magazins an ihren Bruder, der ihr "zunehmend rätselhafter" wird. Trotz Ansehen, Erfolg ud Glücks, zähle er "zu den traurigsten Menschen, die ich kennengelernt habe", sagt sie.
spiegel.de (Paid)

(Foto: Dmitrij Leltschuk / Spiegel)

Debatte: Der “Spiegel” muss “sprachlich abrüsten”.

Selbstkritik: Redakteur Martin Knobbe fragt sich, ob der "Spiegel" zu destruktiv berichtet und eine Mitschuld an der Politikverdrossenheit trägt. Zwar gehöre der "kritische Blick zur DNA" eines Politikjournalisten, jedoch sei es falsch, wenn nach dem Lesen eines Artikels nur "Frust, Resignation oder gar Wut blieben". Knobbe will künftig "sprachlich abrüsten" und mehr darüber berichten, wie Probleme gelöst werden können.
spiegel.de

Debatte: Veit Medick beobachtet eine Verwandlung bei Friedrich Merz.

Tickt anders: "Ich glaube schon, dass man da jetzt gerade sieht, dass er ein neuer Merz wird", sagt Redakteur Veit Medick im Podcast Spiegel Daily über einen umgänglicheren, moderneren Friedrich Merz. Veit hat den Politiker bei seinem Comeback begleitet und beobachtet eine "Verwandlung" des CDU-Chefs. Der Merz von 2018 und 2020 habe reflektiert, dass er keine Mehrheit in der Partei bekomme und dann "etwas geändert".
spiegel.de (20-Min-Audio)

Steffen Klusmann über Reichelt, Relotius und Diversität beim “Spiegel”.


Rück-"Spiegel": "Die Rolle des 'Spiegels' ist die Opposition gegenüber den Mächtigen", sagt "Spiegel"-Chefredakteur Steffen Klusmann. Genau drei Jahre nach dem Fall Relotius und kurz vor dem 75. Jubiläum des Nachrichtenmagazins spricht er im Video- und Podcast-Interview mit turi2-Chefredakteur Markus Trantow über das Selbstverständnis des "Spiegel" in gesellschaftlich bewegten Zeiten. Gefürchtet werden, möchte Klusmann nicht. Doch wenn ein Fragen-Katalog des "Spiegel" bei einem Unternehmen zurecht Alarmglocken auslöse, "finde ich das gut". Es sei wichtig, Missstände aufzuklären und Dinge kritisch zu hinterfragen. "Das ist Teil der Spiegel-DNA", auch wenn die immer wieder modern interpretiert werden müsse. Für 2022 kündigt Klusmann den Aufbau eines "kleinen, schlagkräftigen Newsteams" an. Auch die Diversität in der Redaktion macht der Chefredakteur als Baustelle aus. Zwar läge die Frauenquote in Führungspositionen im einstigen "Männerladen" bei 44 %, "das reicht aber noch nicht".

Grundsätzlich ist der Job härter geworden, sagt Klusmann über juristische Anfechtungen. "Wenn man mit kritischen Geschichten kommt, werden die sofort angegriffen." Unterlassungen für "alles und nichts" seien an der Tagesordnung. Bei investigativen Geschichten seien Dokumentare und Justiziare dabei, alles werde "zig mal" überprüft. Das gelte auch für die Berichterstattung in den Fällen Julian Reichelt und Luke Mockridge. Die juristischen Prozesse kämpfe der "Spiegel" nun bis zum Ende durch. Traditionellen Werten bleibe das Nachrichtenmagazin treu und unterscheide streng zwischen Aktivismus und Journalismus: "Aktivismus wäre ja, was wir gern hätten, nicht 'sagen, was ist'."

Wirtschaftlich blickt Klusmann positiv in die Zukunft: Zwar sinken auch beim "Spiegel" die Print-Auflagen, doch die Digital-Abonnements wachsen – aktuell sogar so stark, dass sie Print-Rückgänge überkompensieren. Auf den 75. Geburtstag des Magazins am 4. Januar werde die "Spiegel"-Belegschaft digital anstoßen, in der Hoffnung, die Feier im Frühjahr nachzuholen und "es krachen zu lassen".
turi2.tv (20-Min-Video auf YouTube), turi2.de/podcast, spotify.com, podcast.apple.com, deezer.com, audionow.de


Debatte: Auch Satirikerinnen müssen sich an Fakten halten.

Fake Comedy: Die Recht­fertigung des SWR für den Schwurbel-Auftritt von Lisa Fitz will "Spiegel"-Redakteur Florian Diekmann nicht gelten lassen. Die Verbreitung falscher Tatsachen falle nicht in den "Bereich der Meinungs­vielfalt", bei Journalistinnen würden in solch einem Fall "Artikel und Beiträge korrigiert oder sogar ganz zurückgezogen" werden. Die Kabarettistin hatte von EU-weit 5.000 Impf-Toten gesprochen. Der Sender erkennt die Zahlen als "nicht belastbar" an, beruft sich aber auf die "Pluralität der vorkommenden Meinungen".
spiegel.de, turi2.de (Background)

Zitat: Steffen Klusmann zeigt sich verwundert über das Reichelt-Interview in der “Zeit”.

"In dem 'Zeit'-Interview hat Julian Reichelt ein paar Behauptungen rausgehauen, bei denen ich mich nur wundern kann, wie man das so stehen lassen konnte."

"Spiegel"-Chefredakteur Steffen Klusmann stellt im dpa-Interview klar, nicht aus ideologischen Gründen über Julian Reichelt berichtet zu haben: "Er hat Dinge getan, die in seiner Position völlig unangemessen sind." Mit Reichelt habe er immer ein professionelles Verhältnis gehabt – "auch wenn wir immer mal wieder Rangeleien hatten".
moz.de via horizont.net (Paid), turi2.de (Background)

“Spiegel” erwartet Umsatz-Plus von mehr als 20 Mio Euro.

Geburtstags-Geschenk: Die Spiegel Gruppe erwartet für das laufende Jahr ein Umsatzplus von mehr als 20 Mio Euro, teilt der Verlag mit. Das ist ein Wachstum von fast 8 % verglichen mit den 256 Mio Euro Umsatz 2020. Grund sei u.a. das gute laufende Digital-Geschäft "mit deutlichen Steigerungen bei den Vertriebs­erlösen", sagt Verlags-Chef Thomas Hass. Das Digitalabo bringe dieses Jahr rund 10 Mio Euro mehr Umsatz als 2020. Der "Spiegel" feiert Anfang 2022 seinen 75. Geburtstag.
gruppe.spiegel.de

“Spiegel”-Journalistin Christiane Hoffmann wird Vize-Regierungssprecherin.

Hoffentlich keine Angst vor der Wahrheit: "Spiegel"-Journalistin Christiane Hoffmann wird stell­vertretende Regierungs­sprecherin der Ampel-Koalition. Sie wechselt auf Ticket der Grünen aus dem "Spiegel"-Haupt­stadt­büro, wo sie Vize-Leiterin ist, ins Bundes­presse­amt. Hoffman ist die Dritte im Ampel-Bunde – neben Regierungs­sprecher Steffen Hebestreit, den die SPD berufen hat, und Wolfgang Büchner, der auf Vorschlag der FDP ebenfalls Vize ist.
spiegel.de , faz.net, twitter.com/HoffmannSpiegel

“Unzulässige Verdachtsberichterstattung”: Teile des “Spiegel”-Berichts über Mockridge waren unzulässig.

Causa Mockridge: Das Landgericht Hamburg sieht in dem "Spiegel"-Bericht "Die Akte Mockridge" über die Vorwürfe gegen Comedian Luke Mockridge teilweise eine "unzulässige Verdachtsberichterstattung". Zwar sei das öffentliche Interesse über den Fall hoch, der Artikel habe aber gegen Grundsätze der Unschuldsvermutung verstoßen und die Persönlichkeitsrechte von Mockridge verletzt. Mockridges Ex-Freundin Ines Anioli hatte ihm versuchte Vergewaltigung vorgeworfen. Nun haben die Richter in Hamburg dem "Spiegel" per einstweiliger Verfügung verboten, über den Kernvorwurf von Anioli zu berichten, schreibt Redakteurin Ann-Katrin Müller bei Twitter. Das Landgericht Köln hatte den entsprechenden "Spiegel"-Bericht im November noch als "im Kern für rechtmäßig" eingestuft.

Der "Spiegel" werde "alle Rechtsmittel ausschöpfen, um die Freiheit seiner Berichterstattung zu verteidigen", twittert Müller. Zulässig bleibe jedoch die Berichterstattung über die Vorwürfe von zahlreichen anderen Frauen, die dem Comedian übergriffiges Fehlverhalten vorwerfen, so Müller weiter. Mockridges Anwalt Simon Bergmann will laut der "Süddeutschen" eine sechsstellige Entschädigungs-Summe geltend machen. Bergmann sagt, dies sei der "eklatanteste Fall unzulässiger Verdachtsberichterstattung" und verweist auf die "schweren Folgen für unseren Mandanten". Mockridge hatte u.a. alle Sat.1-Shows für 2022 abgesagt.
sueddeutsche.de, twitter.com, turi2.de (Background)

Ex-“Spiegel”-Chefredakteur Wolfgang Büchner wird Vize-Regierungssprecher.


Lindners Lautsprecher: Der ehemalige "Spiegel"-Chefredakteur Wolfgang Büchner (links im Bild) soll Vize-Regierungssprecher auf FDP-Ticket werden. Büchner und FDP-Chef Christian Lindner bestätigen die Pläne dem "Spiegel". Vergangene Woche hatte bereits The Pioneer über einen möglichen Seitenwechsel berichtet. Seit April ist Büchner Senior Advisor bei der PR-Agentur MSL. Daneben war er als "strategischer Kommunikations­berater" für die FDP tätig. Lindner, der in der Ampel-Regierung Finanzminister wird, hat Büchner für den Posten vorgeschlagen und lobt ihn als "hochprofessionellen, verantwortungsvollen Kommunikationsexperten". Lindner ist überzeugt, dass Büchner "einen wertvollen Beitrag dazu leisten wird, die Arbeit der neuen Bundesregierung angemessen zu kommunizieren".

Büchner, der vor dem "Spiegel" für die dpa und danach für Ringier und Madsack tätig war, ist offenbar schon perfekt in der neuen Rolle und lässt wissen: "Das Projekt der Ampel, diesen politischen Aufbruch in unserem Land kommunikativ zu begleiten, ist eine unwiderstehliche Herausforderung." Als erster Regierungssprecher ist bereits Steffen Hebestreit vorgesehen, der bisher als Sprecher von Olaf Scholz im Bundes­finanz­ministerium tätig ist. Die Bestätigung durch das neue Bundeskabinett dürfte Formsache sein. Wen die Grünen als Vize-Regierungssprecher oder -sprecherin ins Rennen schicken, ist noch nicht bekannt.
spiegel.de, turi2.de (Background)

“Spiegel” und ARD: Ermittler lassen viele Missbrauchs-Aufnahmen im Netz stehen.

Ungelöscht: Deutsche Ermittlungs­behörden lassen große Mengen von kinder­porno­grafischem Material im Internet nicht löschen – obwohl dies "technisch mit einfachen Mitteln möglich wäre", berichten "Spiegel", das NDR-Magazin "Panorama" und das Funk-Format STRG_F. Demnach ließ das BKA selbst nach einem Ermittlungs­erfolg gegen die Darknet-Plattform Boystown die dortigen Aufnahmen nicht entfernen. Reporterinnen hätten auf eigene Faust 13 Terabyte an Material löschen lassen.
spiegel.de (Paid), youtube.com (36-Min-Video)

“Spiegel”: Deutsche Bahn will XXL-ICEs auf die Schiene schicken.

Deutsche Bahn will dem Flugzeug Konkurrenz machen und ab Mitte Dezember 20 neue, extragroße ICEs einsetzen, die knapp 1.000 Passagiere fassen können, berichtet der "Spiegel". Die XXL-ICEs sollen auf der Strecke zwischen Stuttgart, Frankfurt und Hamburg fahren. Zudem sollen sich die Fahrtzeiten verkürzen. Zwischen Düsseldorf und München etwa soll es 30 Minuten schneller gehen, zwischen Köln und Berlin 25 Minuten.
spiegel.de (Paid)

Lese-Tipp: Heike Kleen sammelt #MeToo-Fälle aus der Medienbranche.

Lese-Tipp: "Spiegel"-Autorin Heike Kleen spricht mit sechs Frauen aus drei Redaktionen über "Übergriffe mächtiger Männer", die sie nie gemeldet haben. Die Frauen erlebten "Kuss­versuche aus dem Nichts, fremde Hände unter dem Pulli, eine Zunge im Ohr", doch der "reibungs­lose Ablauf am Arbeits­platz" schien damals wichtiger als "ihre Gefühle und ihre körperlichen Grenzen". Heute würden sie den Männern wohl eine "scheuern".
spiegel.de (Paid)

Leistungsschutzrecht: Google schließt Verträge mit “Zeit”, “Spiegel” und Co.

Leistungsschutz-Lizenz: Google schließt mit dem "Spiegel", der "Zeit", dem "Handelsblatt", dem "Tagesspiegel" sowie mit den Online-Portalen T-Online, Golem und Netzwelt Lizenz-Verträge ab, die auf dem im Juni eingeführten Leistungsschutzrecht basieren. Für "erweiterte Vorschauen von Nachrichten" bekommen die Medienhäuser künftig Vergütungen. Für Snippets gibt es kein Geld, die kurzen Text-Auszüge fallen auch nicht unter das neue Leistungsschutzrecht. Über die Höhe der Zahlungen schweigen sich die Unternehmen aus. Weitere Gespräche mit "großen und kleineren Verlagen" seien laut Google in einem "fortgeschrittenen Stadium". Man sei zuversichtlich, eine "gesetzeskonforme und für alle funktionierende Lösung" zu finden.

Auch mit den Verwertungsgesellschaften sei Google weiterhin im Gespräch. Corint Media hatte von Google zuletzt eine Lizenzgebühr für Nutzung von Überschriften, Artikelausschnitten und Vorschau-Bildern gefordert. Für das Jahr 2022 seien dafür rund 420 Mio Euro fällig. Der Suchmaschinen-Riese wies die Forderungen als "haltlos" zurück.
blog.google, meedia.de, turi2.de (Background)

Lese-Tipp: Markus Deggerich nimmt die rührselige Penny-Kampagne auseinander.

Lese-Tipp: Dank Penny "liegt die ganze Nation auf der Couch und heult sich aus", schreibt Markus Deggerich über den Discounter-Werbefilm mit dem Titel Der Wunsch, der gerade viral geht. Der "Spiegel"-Redakteur erkennt zwar, dass das Video ihn "manipulieren will", trotzdem schaut er "gebannt berührt" hin – wie bei einer "toxischen Beziehung".
spiegel.de, youtube.com (4-Min-Video)

“Spiegel”: EU-Kommission will Kurznachrichten nun wohl doch archivieren.

Späte Einsicht: Die EU-Kommission will gesendete und empfangene Chats mit Messenger-Diensten künftig anders als bisher wohl doch archivieren, meldet der "Spiegel". EU-Kommissionsvizepräsidentin Vera Jourová wolle dafür "am liebsten" die aus dem Jahr 2001 stammende interne Verordnung anpassen und für alle EU-Institutionen verbindlich machen – ein ähnliches Vorhaben sei aber schon 2008 am Parlament und den EU-Staaten gescheitert.
spiegel.de, turi2.de (Background)

Landgericht Köln hält “Spiegel”-Bericht über Luke Mockrige “im Kern für rechtmäßig”.

Spiegel vs. Mockridge: Das Landgericht Köln entscheidet in einem Rechtsstreit mit Comedian Luke Mockridge in 9 von 10 Punkten für den "Spiegel", twittert Autorin Ann-Katrin Müller. Mockridge hatte sich juristisch gegen einen "Spiegel"-Bericht gewehrt, der ihm sexualisierte Gewalt vorwirft, und Unterlassung gefordert. Das Gericht habe die Berichterstattung "im Kern für rechtmäßig erachtet", so Müller. Nur in einem "Nebenvorwurf" musste das Magazin vier Sätze entfernen. Mockridge starte nun "einen zweiten Versuch" vor dem Landgericht Hamburg.
twitter.com/akm0803 via meedia.de, turi2.de (Background)

“Spiegel” und ARD sehen Betrug und Spionage in der Geschichte von SAP.

Steal better: Der Softwarekonzern SAP hat Konkurrenten ausspioniert und deren Produkte gestohlen, berichten "Spiegel" und ARD. So soll der frühere SAP-Vorstand Gerhard Oswald Datenklau bei der US-Firma Oracle gebilligt haben. Trotz eines Rechtsstreits trennte sich der Konzern nicht von ihm. Zudem soll SAP in der 1990er Jahren unter dem Deckmantel einer Kooperation mit der Uni Mannheim Konkurrenten ausspioniert haben. SAP teilt mit, die Fälle seien inzwischen aufbereitet bzw. abgeschlossen.
spiegel.de (Paid), tagesschau.de

“Spiegel”: Die EU-Kommission löscht E-Mails und archiviert keine Kurznachrichten.

Schaut weg: Die EU-Kommission löscht E-Mails und archiviert keine Kurznachrichten wie SMS oder WhatsApp, berichtet der "Spiegel". Darunter seien auch Nachrichten von Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen an den Chef von Pfizer über einen milliardenschweren Vertrag zum Corona-Impfstoff von Biontech. Die Kommission erwidert, man speichere grundsätzlich keine Kurznachrichten, da sie meist "keine wichtigen Informationen" enthielten.
spiegel.de (Paid)

Debatte: Sandro Schroeder mag den “Klimabericht”, aber nicht dessen Sponsor.

Abzug in der Werbe-Note: Der "Spiegel"-Podcast Klimabericht macht die "abstrakte Klimakatastrophe und den Kampf dagegen alltagsnah und erlebbar", lobt Sandro Schroeder bei Übermedien. Die Moderatoren Sebastian Spallek und Kurt Stukenberg liefern "gut informierte, teils überraschende Antworten" und sind dabei "maximal unaufgeregt". Die Werbung der Boston Consulting Group sorgt bei Schroeder allerdings für einen "unangenehmen Beigeschmack", da man gegen die Beratungsfirma den "Vorwurf des Greenwashing" erheben könne.
uebermedien.de, spiegel.de

Lese-Tipp: Nikolaus Blome wurde bei RTL freundlicher empfangen als beim “Spiegel”.

Lese-Tipp: Der Start beim "Spiegel" war für Nikolaus Blome damals "echt holprig", erzählt der heutige Politik-Chef von RTL im Gespräch mit DWDL. Blome war von 2013 bis 2015 stellvertretender Chefredakteur des Magazins. Das Fernsehen habe ihn dagegen "total freundlich, offen" empfangen. "Da wurde nicht gefragt, woher kommst du und was hast du Dunkles vorher gemacht" – eine ganz "andere Atmosphäre".
dwdl.de

“Spiegel” und BR: Gutachten bringt Daimler im Abgas-Skandal in Bedrängnis.


Unsauber: Ein Gutachten soll belegen, dass Daimler in seinen Diesel-Modellen unzulässige Abschalteinrichtungen verwendet hat, berichten "Spiegel" und BR. Demnach hat der von einer US-Anwaltsfirma beauftragte Software-Entwickler Felix Domke in einer E-Klasse acht Abschalteinrichtungen entdeckt, die u.a. den Verbrauch des Harnstoffs AdBlue drosseln, der die Abgase reinigt. Dies sei die "dreisteste Abschalteinrichtung, die ich kenne", sagt Abgasexperte Kai Borgeest. Daimler weist die Vorwürfe zurück.

Der Autobauer hat stets bestritten, in seinen Diesel-Fahrzeugen unzulässige Abschalteinrichtungen zu verwenden und Beschwerde gegen das Kraftfahrt-Bundesamt eingelegt, das mehrere Modelle von Daimler zurückgerufen hat. Schadensersatz-Klagen gegen Daimler scheiterten bis jetzt häufig daran, dass Klägerinnen nicht nachweisen konnten, wie die Manipulation abläuft.
spiegel.de (Paid), br.de

Lese-Tipp: Michalis Pantelouris traut der Minister-Umfrage vom “Spiegel” nicht.

Lese-Tipp: Der "Spiegel" startet eine Umfrage über mögliche Ministerposten und Übermedien-Autor Michalis Pantelouris gerät ob der Ergebnisse ins Stutzen: Mit Alexander Graf Lambsdorff und Volker Wissing landen zwei Politiker auf den vorderen Plätzen, "bei denen ich 'den Deutschen' in der Mehrheit nicht einmal zugetraut hätte, sie zu kennen". Pantelouris zweifelt an der Methodik der Umfrage.
uebermedien.de, turi2.de (Background)

Zahl des Tages: Saskia Esken landet bei Umfrage über Ministerposten auf dem letzten Platz.

Zahl des Tages: Lediglich 15 % aller Befragten trauen laut "Spiegel"-Umfrage der SPD-Vorsitzenden Saskia Esken ein Ministeramt zu. Das Magazin hat insgesamt 23 potenzielle Kandidatinnen zur Bewertung freigegeben. FDP-Chef Christian Lindner halten 67 % für geeignet, er führt das Ranking an. Auf den ersten acht Plätzen landen in der Umfrage nur Männer.
spiegel.de (Paid)

Lese-Tipp: Für Margarete Stokowski sind lausige Online-Kommentare keine ernstzunehmende Debatte.

Lese-Tipp: Die Diskussion um die "vergiftete" Debatten­kultur nervt "Spiegel"-Kolumnistin Margarete Stokowski. Jeder "kleinste Drecks­kommentar" im Internet wird heute "als Beweis für die diskurs­technische Apokalypse genommen". Früher hätte man solche Sprüche einfach als "Lästern" abgetan. Sie wäre schon "vollständig verrottet", wenn sie den Social-Media-Hate immer ernst nehmen würde.
spiegel.de

Debatte: Marco Evers sieht Richard David Precht als “intellektuellen Scheinriesen” und “Dr. Wirrkopf”.

Vordenker oder Querdenker? Wissenschafts-Redakteur Marco Evers rechnet im "Spiegel" mit dem Philosophen Richard David Precht ab, der aus seiner Sicht ein "intellektueller Scheinriese" ist, der "inzwischen gedanklich ungefilterten Unsinn" erzählt. Evers bezieht sich auf Prechts Podcast mit Markus Lanz, in dem er "Quatsch" über Corona-Impfungen erzählt, den er sich aus "Schmalspur-Internetinfos" aus dem Querdenker-Milieu angeeignet hat, so der Autor.
spiegel.de (Paid), lanz-precht-podigee.io (52-Min-Audio)

Basta: Ein “fuck you” ist noch lange kein Kündigungsgrund.

Fluchen erlaubt: Man darf seiner Hausvermietung den verbalen Mittelfinger zeigen – solange man jung ist und Englisch spricht. Das Amtsgericht Köpenick gibt einem Mieter recht, der einem Verwalter den Ausdruck "fuck you" entgegen geschleudert hatte und dem daraufhin gekündigt wurde. Das sei nicht rechtens. Es handle sich nur um eine "jugendsprachlich verbreitete Unmutsäußerung in einer bereits sehr angespannten Situation".
spiegel.de

Die Politikjournalistin Bettina Gaus stirbt im Alter von 64 Jahren.


Pointiert bis zuletzt: Die Journalistin und "Spiegel"-Kolumnistin Bettina Gaus ist am 27. Oktober nach nach kurzer schwerer Krankheit im Alter von 64 Jahren gestorben, teilt der Hamburger Verlag mit. Gaus hatte seit April 2021 das politische Geschehen für das Magazin kommentiert, zuvor war sie 30 Jahre lang politische Korrespondentin der "taz". Deren Chefredakteurin Ulrike Winkelmann bezeichnet Gaus als "eine der wichtigsten Stimmen" in der "taz"-Geschichte, die stets einen "fulminanten Auftritt" hatte und "durch pointierte Argumentation" überzeugen konnte.

Bettina Gaus besuchte die Deutsche Journalistenschule, war von 1983 bis 1989 Redakteurin bei der Deutschen Welle und berichtete ab 1989 aus Nairobi, ab 1991 für die "taz". Später wurde sie Parlaments­korrespondentin, zunächst in Bonn und später in Berlin, wo sie in der "Analyse immer scharf" war und gleichzeitig immer freundlich auch zu den Kolleginnen, "deren Meinung sie oft so gar nicht teilte", schreibt Winkelmann. Ihre Kollegen Jan Feddersen, Lukas Wallraff und Dominic Johnson erinnern sich an sie als "selbstbewusste, unverstellte" Frau mit einem "ausgeprägten Freiheitsdrang", die von Smartphones genauso wenig hielt wie von Rauchverboten und "die so schön, schnell und originell schreiben konnte wie nur ganz wenige".

Im Frühjahr dieses Jahres wechselte sie schließlich zum "Spiegel", wo ihr Vater Günter Gaus Anfang der 70er Chefredakteur war. Der heutige "Spiegel"-Chef Steffen Klusmann würdigt sie als "eine unbestechliche Journalistin und eine brillante Analystin", deren Stimme "fehlen wird".

"Statt alte Melodien vom politischen Stammtisch abzuspielen, schrieb sie ihre Songs selbst", schreibt ihr Freund Georg Löwisch in der "Zeit". Ihr letzter Text im "Spiegel", entstanden wenige Tage vor ihrem Tod, beweist dies eindrucksvoll: Während im Zusammenhang mit der Causa Reichelt viele Medien von MeToo sprechen, rügt sie in ihrem Text den "merkwürdig prüden Ton" in der Debatte und ein Weltbild, bei dem Frauen "stets und grundsätzlich die Opfer in Beziehungen mit männlichen Vorgesetzten" sind. (Foto: Christoph Hardt / Geisler-Fotopress / Picture Alliance)
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