Großverlage und Presse-Grosso kippen Mindestumsatz-Regeln.

Grosso-Verband und die Verlags-Allianz von Springer, Burda, Gruner + Jahr, Bauer, Funke, Spiegel und Klambt streichen die Mindestumsatz-Regeln aus ihren Vertriebsverträgen. Die Großverlage hatten sich Anfang 2018 mit dem Grosso-Verband darauf geeinigt, dass die Grossisten eine höhere Marge für Titel erhalten, die einen gewissen Mindestumsatz nicht erfüllen. Kleinere Verlage sahen sich dadurch benachteiligt und klopften beim Bundeskartellamt an, das Bedenken äußerte. Nun läuft die Vereinbarung zum Jahresende aus.
horizont.net, dnv-online.net, turi2.de (Background)

“Spiegel” lässt bei Innovations-Prozess möglichst viele mitmachen.

Spiegel hat eine interne Innovationskultur geschaffen, sagt Entwickler Ole Reißmann im kress.de-Interview. Dafür bringe der Verlag die journalistisch publizistische und die geschäftliche Perspektive zueinander, sechs interdisziplinäre Teams kommen wöchentlich zusammen. Es gelte, möglichst früh viele Menschen einzubeziehen. Die Teams vereinbaren mit Hilfe der Management-Methode OKR quartalsweise Ziele.
kress.de

Lipinski: Foto-Chefin Michaela Herold verlässt den “Spiegel”.

Spiegel und Michaela Herold, Leiterin der Bild-Redaktion, gehen ab Juli 2020 getrennte Wege, schreibt Gregory Lipinski. Herolds Abgang könne an der Ernennung von Judith Mohr als Art Director liegen, mutmaßt Lipinski. Herold ist 2011 von Springer zum "Spiegel" gewechselt, sie gehe "auf eigenen Wunsch" und wolle sich "neuen beruflichen Herausforderungen" widmen.
meedia.de, turi2.de (Background)

“Tages-Anzeiger”: Wikipedia entdeckt Fälschungen im Beitrag zu Claas Relotius.

Fall Relotius: Die Wikipedia-Seite über den Ex-"Spiegel"-Autor wurde offenbar mehrfach Ziel von Manipulationen. Rund ein halbes Dutzend Accounts, die zuvor nicht in der Wikipedia aktiv waren, hätten zunächst Absätze zu Relotius Fälschungen abgeschwächt oder relativiert. Später hätten sie auch vermeintliche Quellen für Behauptungen genutzt, die gefälscht waren oder in denen die angeblich enthaltenen Informationen nicht zu finden sind. Mindestens einige der Accounts seien offenbar vom gleichen Rechner aus gesteuert worden. Die IP deute auf die Region, aus der Relotius stammt.
tagesanzeiger.ch (Paid), meedia.de

Spiegel: Cordelia Freiwald und Kurt Jansson leiten künftig die Dokumentation.


Neue Fehler-Sheriffs an der Ericusspitze: Der "Spiegel" befördert die beiden bisherigen Stellvertreter, Cordelia Freiwald und Kurt Jansson, zu gleichberechtigten Leitern seiner Dokumentation. Sie folgen auf Hauke Janssen, der seit 1998 der "Spiegel"-Dokumentation vorstand und im Juli in den Vorruhestand gegangen ist. Freiwald ist seit 1994 als Dokumentationsjournalistin beim "Spiegel" und seit 2012 stellvertretende Leiterin. Jansson ist seit 2008 beim "Spiegel", zunächst als Online-Redakteur. Seit 2010 arbeitet er in der Spiegel-Dokumentation.

Gemeinsam stehen beide nun einem Team von rund 80 Mitarbeitern vor, davon 50 die Recherchen von Inhalten überprüfen. Freiwald und Jansson werden auch Vertrauen zurückgewinnen müssen. Im Zuge des Relotius-Skandals geriet auch die berühmte "Spiegel"-Dokumentation in die Kritik, da viele Beobachter sich fragten, warum die Täuschungen der Abteilung nicht aufgefallen sind.
spiegelgruppe.de

Video-Tipp: Anwalt Schertz ärgert sich über Relotius’ Ruf als “Buhmann der Branche”.

Video-Tipp: Relotius-Anwalt Christian Schertz spricht bei Radioeins im Video-Radiointerview über die Klage gegen Juan Moreno. Das Buch stimme "in erheblichen Punkten" nicht, Claas Relotius sei "der Buhmann der Branche", ärgert sich Schertz. Die Klage richtet sich nicht gegen den "Spiegel", wo Schertz aufgrund früherer Mandanten als "Staatsfeind Nummer eins" gelte.
youtube.com (22-Min-Video), turi2.de (Background)

Ad Alliance führt die Teams von IP Deutschland und G+J EM unter einem Dach zusammen.

Ad Alliance lässt der organisatorischen Neuausrichtung auch eine räumliche folgen, berichtet "Clap". Die Teams von Gruner + Jahr und IP Deutschland ziehen jeweils unter ein Dach. In Düsseldorf und Hamburg sei dies bereits geschehen, zuletzt auch in München. In Frankfurt soll der Schritt in Kürze folgen.
clap-club.de, turi2.de (Background)

Renner: Spiegel Verlag und Gruner + Jahr planen gemeinsames Wirtschaftsportal.

Spiegel_VerlagsgebäudeSpiegel Verlag und Gruner + Jahr arbeiten an einem gemeinsamen Portal mit dem Arbeitstitel Wirtschaft+, berichtet Kai-Hinrich Renner. Hierfür sollen die Inhalte aus der Wirtschaftsredaktion des "Spiegel", vom "Manager Magazin", dem "Harvard Business Manager" sowie den G+J-Magazinen "Capital" und "Business Punk" gebündelt werden. Das Portal aus der Hansestadt soll Handelsblatt.com "seine Spitzenstellung unter den deutschsprachigen Wirtschafts- und Finanzportalen streitig" machen.
"Hamburger Abendblatt"

Claas Relotius geht juristisch gegen das Buch von Juan Moreno vor.


Gelogene Lügen? Claas Relotius geht gegen Juan Moreno und dessen Buch "Tausend Zeilen Lüge. Das System Relotius und der deutsche Journalismus" vor, berichtet die "Zeit". Das Werk enthalte "erhebliche Unwahrheiten und Falschdarstellungen" so Medienanwalt Christian Schertz, der Relotius vertritt. Die "Zeit" berichtet, sie sei den Anschuldigungen nachgegangen und habe tatsächlich Ungereimtheiten im Buch entdeckt.

Insgesamt verweist Schertz auf 22 Textstellen und fordert Moreno und dessen Verlag Rowohlt auf, die entsprechenden Darstellungen nicht weiter zu behaupten oder zu verbreiten. Die "Zeit" zitiert Relotius: "Ich muss keine unwahren Interpretationen und Falschbehauptungen von Juan Moreno hinnehmen. Ohne mich persönlich zu kennen oder mit Menschen aus meinem näheren Umfeld gesprochen zu haben, konstruiert Moreno eine Figur."

Seiner "großen Schuld" sei er sich "heute sehr bewusst" und er wolle durch die Auseinandersetzung mit dem Buch nicht davon ablenken. Hinter seinem Handeln stünde jedoch nicht eigensinniges Kalkül, sondern krankhafter Realitätsverlust. Moreno wiederum widerspricht in einer Stellungnahme dem Verdacht, unsauber gearbeitet zu haben. Er beschreibt am Ende des Buches eine Szene, wonach Relotius offenbar auch nach seiner Entlarvung noch gelogen habe, da er in Hamburg gewesen sei und nicht wie angegeben in Behandlung in Süddeutschland. Dafür gebe es laut "Zeit" aber keine hinreichenden Belege.

Auch bei Morenos Beschreibung, wonach Relotius angegeben habe, seine Schwester sei an Krebs erkrankt, fand die "Zeit" Widersprüche. Ferner habe Relotius nur 19 Preise und zwei Auszeichnungen erhalten und nicht 40, wie Moreno behauptet. Andere Streitfragen beträfen unter anderem, ob Relotius mit Praktikanten im selben Büro saß und wie häufig er mit Kollegen zum Mittagessen ging und wirkten eher kleinlich. "Zeit"-Autor Christof Siemes schließt seinen Bericht mit den Worten: "Vor der Ansteckungsgefahr, die offenbar vom Morbus Relotius ausgeht, scheint selbst Juan Moreno nicht ganz gefeit zu sein, jener Mann, der sich zutraute, die Diagnose zu stellen."
zeit.de

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Hör-Tipp: Juan Moreno findet die “Spiegel”-Reaktion auf die Relotius-Enthüllung sportlich.

Hör-Tipp: Juan Moreno (Foto) spricht mit der "Süddeutschen Zeitung" auf der Frankfurter Buchmesse über sein Relotius-Buch. Der "Spiegel" nehme die Enthüllungen "sportlich", der freie Journalist erhalte vom Verlag weiterhin Aufträge. Dennoch gibt Moreno zu: "Ich würde es nicht gerne nochmal schreiben müssen".
sueddeutsche.de (34-Min-Audio), turi2.de (Lese-Tipp)

IVW 3/2019: “Welt” verliert 27,2 %, “Focus” 11,6 %, E-Paper-Verkäufe steigen.


Das Netz fängt auf: Im 3. Quartal verlieren die meisten Zeitungen und Zeitschriften laut IVW weiter Auflage. Minus-Spitzenreiter ist "Welt" mit 27,2 %. Beim "Focus" sorgt die stark zusammengestrichene Bordauflage für ein Auflagen-Minus von 11,6 %. "Bild" verliert 9,6 %. Der "Spiegel" und die "Süddeutsche Zeitung" verlangsamen den Sinkflug durch steigende E-Paper-Verkäufe. "Zeit" und "Handelsblatt" drehen die Auflage dadurch sogar um 2,0 % und 6,8 % ins Plus. Die "Landlust" bleibt stabil.
horizont.net, dwdl.de (Zeitungen), dwdl.de (Zeitschriften)

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Bestseller aus Literatur, Musik und Film
Das neue Magazin SPIEGEL Bestseller stellt eine Institution des kulturellen Lebens in den Mittelpunkt:
Die SPIEGEL-Bestseller-Listen – mit dem Wichtigsten aus Literatur, Film und Musik.
Die Beilage erscheint in einer Auflage von rund 600.000 Exemplaren.

Bento-Redaktion produziert Print-Beileger “Bento Start” für “Spiegel”.


Adieu, Adoleszenz: Bento soll erwachsener werden und wendet sich von Quizartikeln und Listen ab. Ab 2020 legt die Redaktion dem "Spiegel" viermal jährlich "Bento Start" bei. Das Heft kommt mit 200.000 Auflage, richtet sich an Studierende und ersetzt den "UniSpiegel". Die Redaktion verwertet dafür Beiträge von der Website und recherchiert zusätzliche. Bento-Teamleiterin Katharina Hölter verantwortet das Heft redaktionell. Im Netz will Bento künftig längere, tiefer recherchierte Artikel aus "konsequent junger Perspektive" bieten. Inhaltlich und optisch soll der Jugendableger näher an den "Spiegel" rücken, aber eigenständig bleiben.
horizont.net, bento.de

“Spiegel” gibt Gesellschaftsressort einen neuen Namen und eine neue Führung.

Relotius' Relikte: Der "Spiegel" baut sein Gesellschaftsressort um, jenes Ressort, das dank Sonderstellung im Verlag die Fälschungen von Claas Relotius ermöglichte. Das Ressort heißt künftig "Reporter" heißen. Die Leitung des Ressorts übernehmen Özlem Gezer (links), bisher Vize-Ressortleiterin, Hauke Goos (Mitte), zuletzt Autor, und Britta Stuff (rechts), die von der "Zeit" zum "Spiegel" zurückkehrt.

Der bisherige Gesellschaftstteil in der Heftmitte soll "Platz für Reportagen, Porträts, Reports und große Rekonstruktionen bleiben", sich aber auch für Kollegen aus den anderen Ressorts öffnen. Gesellschaftliche Themen sollen künftig dort im Heft stehen, wo sie thematisch hinpassen. "Spiegel"-Chefredakteur Steffen Klusmann hält "besondere Erzählstücke" auch im Post-Relotius-Zeitalter weiter für einen "wichtigen Bestandteil der DNA des 'Spiegel'".
spiegelgruppe.de

Michael Bully Herbig führt bei Relotius-Verfilmung Regie.

Relotius-Affäre: Michael Bully Herbig (Foto) soll bei der Verfilmung des "Spiegel"-Skandals Regie führen, schreibt die "Süddeutsche Zeitung". Die Rechte an Juan Morenos Buch habe sich Produzent Sebastian Werninger für die Ufa gesichert. Drehbeginn soll Anfang 2021 sein.
sueddeutsche.de, turi2.de (Background)

Aus dem Archiv von turi2.tv: "Spiegel"-Chef Steffen Klusmann über die Konsequenzen aus dem Relotius-Skandal (Archiv 05/2019).

“Spiegel”-Reporter Rafael Buschmann verzichtet auf Beförderung zum Investigativ-Chef.


Fehlende Beweise: Der "Spiegel" bläst die geplante Beförderung von Reporter Rafael Buschmann (Foto) zum Investigativ-Chef endgültig ab, schreibt die "Süddeutsche". Buschmann habe Chefredakteur Steffen Klusmann angeboten, auf den Posten zu verzichten, er bleibt aber Investigativ-Reporter. Der "Spiegel" hatte die Beförderung auf Eis gelegt, nachdem Unregelmäßigkeiten in einen Beitrag Buschmanns über Wettbetrug bei der Fußball-WM 2014 bekannt wurden.

Konkret geht es um die Frage, ob der Chat mit einem Wettbetrüger vor oder nach einem vermeintlich manipulierten WM-Spiel stattgefunden hat. Buschmann sagt, er sei gehackt worden und könne daher keine Screnshots des Chats als Beweis liefern. Chefredakteur Klusmann schreibt im Intranet, der "Spiegel" würde den Artikel aus heutiger Sicht "so nicht mehr drucken". Es reiche künftig nicht mehr, dass "die Gegenseite ihrerseits keinen ultimativen Beleg für die Behauptung hat, wir hätten falsch berichtet. Die Beweislast fällt hier tatsächlich uns zu."
sueddeutsche.de, uebermedien.de, turi2.de (Background)

Klaus Brinkbäumer schreibt “SpiegelStrich”-Kolumne beim “Tagesspiegel”.

Tagesspiegel gewinnt Ex-"Spiegel"-Chefredakteur Klaus Brinkbäumer als Kolumnisten. Der passende Titel für seinen wöchentlichen Auftritt lautet "SpiegelStrich" – Brinkbäumer will über Politik und ihre Sprache schreiben. Er arbeitet bereits als Autor für die "Zeit" im Holtzbrinck-Universum und fand zuletzt kritische Worte für sein Ausscheiden beim "Spiegel".
new-business.de, turi2.de (Background)

Lese-Tipp: “Spiegel” veröffentlicht Abschnitt aus Juan Morenos Relotius-Buch.

Lese-Tipp: Der "Spiegel" veröffentlicht einen Auszug aus dem Buch von Juan Moreno über Claas Relotius. Moreno charakterisiert Relotius als notorischen Lügner und beschreibt, wie der Reporter gegenüber Vorgesetzten eine krebskranke Schwester erfand. Steffen Klusmann schreibt, Morenos Buch sei keine Abrechnung – aber keines, das dem "Spiegel" gefallen kann.
spiegel.de (Auszug), spiegel.de (Klusmann)

Aus dem Archiv von turi2.tv: "Spiegel"-Chef Steffen Klusmann über die Konsequenzen aus dem Relotius-Skandal.

Buch-Tipp: “Spiegel”-Autor Juan Moreno dokumentiert Fall Relotius.

Buch-Tipp: "Spiegel"-Autor Juan Moreno (Foto) veröffentlicht am 17.9. das Buch Tausend Zeilen Lüge – das System Relotius und der deutsche Journalismus. Das Werk ist spannend, aber nicht voyeuristisch sowie dokumentarisch, aber nicht trocken, rezensiert die "Süddeutsche Zeitung". Relotius sei heute krank und in Behandlung, schreibt Moreno.
"Süddeutsche Zeitung", S. 48 (Paid)

Aus dem turi2.tv-Archiv: "Mehr Rechte für die Dokumentation" – Relotius-Aufklärerin Brigitte Fehrle im Interview (Archiv 05/2019).

Zitat: “Spiegel”-Reporter Juan Moreno hätte Relotius-Geschichte auch der Konkurrenz angeboten.

"Ich glaube, dass viele auf eine Geschichte wie diese gewartet hätten."

"Spiegel"-Reporter Juan Moreno darf im "Zeit"-Interview sein Buch bewerben, in dem er schreibt, wie er Claas Relotius hat auffliegen lassen. Moreno wäre auch zur Konkurrenz gegangen, hätte der "Spiegel" versucht, die Sache unter den Teppich zu kehren.
"Zeit" 38/2019, S. 55/56 (Paid)