“Spiegel” bekommt den Beileger “Spiegel Geld”.


It's all about money: Der "Spiegel" kommt am 9. Mai mit dem Beileger "Spiegel Geld". Weitere Ausgaben des neuen Hefts, das sich an "Leser aller Vermögensstrukturen" richtet, sollen im September und November erscheinen. Anders als die gescheiterten Magazin-Experimente "Spiegel Classic" und "Spiegel Fernsehen" muss sich der neue Ableger mit dieser Vertriebsstrategie nicht selbst am Kiosk behaupten. Redaktionsleiterin Anne Seith verantwortet "Spiegel Geld", ab 2021 sollen vier Ausgaben pro Jahr kommen. Es geht um Geldanlagen, Versicherungen, Vorsorge und Steuern. Roland Pimpl schreibt, es bleibe abzuwarten, wie gut die "Spiegel"-Redaktion ihre journalistische Unabhängigkeit bei der Heftproduktion wahren kann.
meedia.de, horizont.net (Pimpl)

Leyendecker: Auch “Spiegel”-Chefredakteur Kilz hat mit Bad-Kleinen-Quelle gesprochen.


Mitwisser: Investigativ-Journalist Hans Leyendecker (Foto) sagt im "Zeit"-Interview erstmals, dass auch der damalige "Spiegel"-Chefredakteur Hans Werner Kilz mit seiner Quelle im Fall Bad Kleinen telefoniert hat, deren Existenz bezweifelt wird. Leyendecker hatte 1993 unter Berufung auf einen Informanten "aus Beamtenkreisen" berichtet, ein GSG9-Mitglied habe den RAF-Terroristen Wolfgang Grams erschossen. Den Ermittlungen zufolge hat sich Grams aber selbst getötet. In der "Zeit" sagt Leyendecker nun, Kilz habe vorgeschlagen, selbst mit der Quelle zu sprechen, um sich einen eigenen Eindruck von dessen Glaubwürdigkeit zu verschaffen und eine eidesstattliche Versicherung für seine Schilderung zu erhalten. Diese habe der Zeuge aus persönlichen Gründen jedoch nicht abgeben wollen.

Am selben Tag habe sich ein anderer Mann bei Leyendecker gemeldet, der sich nicht namentlich, aber als als Grenzschutzbeamter vorstellte und im Wesentlich die Schilderung des Zeugen bestätigt. "Der Anonymus war aus meiner Sicht kein Informant. Aber er befreite mich endgültig von einem Problem, nämlich der ursprünglichen Forderung meiner Quelle, niemandem gegenüber von deren Existenz zu berichten", sagt Leyendecker.

Kein Verständnis zeigt Leyendecker dafür, dass der "Spiegel" den Fall nun von der Relotius-Kommission neu untersuchen lässt: "Bei Relotius geht es um Betrug, Fälschung, Vorsatz. Bei mir ist es weder Betrug noch Fälschung, noch Vorsatz. Die beiden Fälle gleichzusetzen ist eine Unverschämtheit." Bei manchen Ex-Kollegen seien "viele Bösartigkeiten im Spiel, manchem geht es auch um späte Rache", glaubt Leyendecker. Die Namen seinen Quellen werde er mit ins Grab nehmen.
"Zeit" 4/2020, S. 8/9 (Paid), turi2.de (Background)

Hör-Tipp: “Spiegel”-Entwicklungschef Matthias Streitz spricht über den SpOn-Relaunch.

Hör-Tipp: Im Medienpodcast "Unter Zwei" gibt "Spiegel"-Entwicklungschef Matthias Streitz Einblicke in die Arbeiten zum Neustart von Spiegel Online als "Der Spiegel" auch im Netz. In der Entwicklung habe das Team Musterleser erfunden zur Orientierung. Relaunches seien mit dem alten CMS kaum mehr möglich gewesen.
anchor.fm

“Spiegel” widerspricht Vorwurf der Befangenheit bei Atomkraft-Berichten.

Spiegel weist die Vorwürfe von Journalist Oliver Neß, der dem Magazin eine Befangenheit bei der Atomkraft-Berichterstattung vorwirft, als "absurd" zurück. Zwar habe die Stiftung von Bill Gates, Microsoft-Gründer und Nuklearinvestor, die Redaktion finanziell unterstützt, eine redaktionelle Einmischung oder Befangenheit habe es aber nie gegeben. Neß habe vor seiner Veröffentlichung kein "Spiegel"-Statement angefragt, beklagt das Magazin.
twitter.com ("Spiegel"-Statement), mmm.verdi.de (Kritik von Neß)

“Spiegel” startet parallel zum Online-Umbau eine Dachmarken-Kampagne.


Spiegel beendet die Selbstbespiegelung und hält nun "dieser Welt den Spiegel vor" – zumindest in der neuen Dachmarken-Kampagne, die parallel zum umbauten Online-Angebot startet. Sie zeigt sechs gespiegelte Doppelseiten zu harten News-Themen wie Donald Trump oder Fridays for Future mit Sätzen wie: "Hunderttausende Jugendliche kämpfen für den Klimaschutz. – Millionen Erwachsenen sind gegen ein Tempolimit." Zusätzlich gibt es einen 45-Sekunden-Spot. Die Kampagne aus dem Hause Serviceplan läuft gedruckt, digital, in Social Media, Kino und Out of Home.
turi2 vor Ort, spiegel.de, spiegelgruppe.de (Motive und Video), turi2.de (Background)

Korrektur 9.33 Uhr: In einer früheren Version dieser Meldung haben wir einen falschen Agenturnamen genannt. Wir bitten den Fehler zu entschuldigen.

Steffen Klusmann: Relotius hat dem Image des “Spiegel” nicht geschadet – aber Umsatz gekostet.

Causa Relotius hat dem Image des "Spiegel" nicht geschadet, bilanziert Chefredakteur Steffen Klusmann bei der Vorstellung des neuen Spiegel.de. Eine Umfrage habe ergeben, dass ein Drittel der Leser den "Spiegel" nun besonders kritisch sehe, ein weiteres Drittel schätze die Aufarbeitung des Skandals, ein weiteres Drittel habe von der Causa gar nichts mitbekommen. Wirtschaftlich hat der Skandal das Magazin allerdings einiges gekostet, weil eine für den Jahresbeginn 2019 geplante Preiserhöhung erst Monate später durchgeführt wurde.
turi2 vor Ort

Der “Spiegel” schaltet sein umgebautes Online-Angebot frei.


Spiegel ohne Online: Der "Spiegel" startet mit einem optisch und technisch runderneuerten Online-Angebot ins neue Jahrzehnt. Seit dem frühen Mittwochmorgen ist das neue Spiegel.de live und kommt künftig ohne den Zusatz "Online" aus. Auch altgediente Rubriken müssen weichen: Die historische Ecke "Einestages" geht in "Spiegel Geschichte" auf, Spiegel.TV verschwindet als eigene Online-Marke und wird Teil von "Spiegel Video". Die Optik ist jetzt aufgeräumter und ausgeruhter, Themenschwerpunkte gebündelt, News und Meinungsstücke sollen optisch klarer getrennt werden. In der neuen Rubrik "Leben" sammelt Spiegel.de alle weicheren Nutzwert- und Service-Themen, die – obwohl zum Teil hinter der Paywall "Spiegel Plus" – nicht aus dem gedruckten Heft stammen müssen, aber online erfahrungsgemäß für viele neue Digitalabos sorgen. Typografie und Farben rücken das Online-Angebot stärker ans Heft.

"2019 waren wir stark mit uns selbst beschäftigt, 2020 wollen wir wieder publizistisch in die Offensive gehen und zeigen, was wir können", sagt Chefredakteur Steffen Klusmann auf der Pressekonferenz zur Produktvorstellung am Dienstag. Der neue digitale "Spiegel" solle zeigen, dass hinter Heft und Online-Angebot eine Redaktion stehe. "Es gibt keinen Korrespondenten mehr, der nicht auch für Online arbeitet", unterstreicht Klusmann den Kurs, der beim "Spiegel" vor ein paar Jahren noch unvorstellbar war. In den Redaktionskonferenzen gehe es immer erst ums Thema, dann um den Ausspielweg. So will der "Spiegel" künftig auch ein bisschen online first hinbekommen: Im Pay-Bereich können Nutzer, abhängig von Thema und Nachrichtenlage, auch unter der Woche schon Texte finden, die erst am Wochenende im gedruckten "Spiegel" erscheinen.

"Die Leser machen in der Erwartung an unsere Marke keinen Unterschied zwischen Online und Print", sagt Produktchef Stefan Ottlitz und zitiert Leserbefragungen. Für das vor gut anderthalb Jahren unter seiner Leitung umgebaute Bezahlangebot "Spiegel Plus" zieht er eine positive Bilanz: 125.000 bezahlte Online-Abos zählt der Verlag aktuell, dazu kommen 9.000 kostenlose Probemonate, die zu 40 % zu Bezahlabos konvertieren. "Spiegel Plus" sei damit inzwischen für ein Drittel des Online-Umsatzes verantwortlich. Auch das Geschäft mit Online-Anzeigen sei 2019 gewachsen. Für das abgelaufene Jahr erwartet der "Spiegel" einen Gesamtumsatz von 262 Mio Euro, davon kommt ein Viertel aus dem Digitalgeschäft (Anzeigen und Vertrieb). 2020 will der Verlag den Digitalanteil auf 30 % steigern.
turi2 vor Ort, spiegel.de, spiegelgruppe.de (Screenshots)

“Focus”: Leyendeckers Ex-Kollegen erinnern sich anders als er an Bad-Kleinen-Recherche.

Spiegel: Ex-Mitarbeiter erinnern sich in "entscheidenden Punkten" anders an die Hintergründe der Berichterstattung zum Fall Bad Kleinen als Reporter Hans Leyendecker, schreibt der "Focus". Es geht vor allem darum, ob es für den Artikel wirklich einen Informaten oder nur einen anonymen Anrufer gab, die Relotius-Kommission wertet dazu gerade Leyendeckers damalige Recherche aus. Laut "Focus" sagen Leyendeckers Ex-Kollegen u.a., es habe keinen Mittelsmann zum zitierten Zeugen gegeben.
"Focus" 2/2020, S. 40-43 (Paid), turi2.de (Background)

“Spiegel” startet 2020 eine Ombudsstelle.

Spiegel richtet eine Ombudsstelle ein, die Hinweise auf Unregelmäßigkeiten annimmt, auch anonyme, und gemeinsam mit der Aufklärungskommission prüft, schreibt Chefredakteur Steffen Klusmann in einer Art Jahresend-Fazit "Ein Jahr Relotius-Skandal". Der Betrug wirke bis heute nach, der "Spiegel" habe aber seine Lehren daraus gezogen.
spiegel.de

Aus dem turi2.tv-Archiv (05/2019): "Spiegel"-Chef Steffen Klusmann über die Konsequenzen aus dem Relotius-Skandal

Steingart: Relotius-Kommission prüft Leyendeckers Bad-Kleinen-Story.

Spiegel: Die Relotius-Kommission rollt auf Druck des Ex-Bundesanwalts Alexander von Stahl die Berichterstattung zum Fall Bad Kleinen nochmal auf, schreibt Gabor Steingart in seinem Morning Briefing. Hans Leyendecker (Foto) hatte 1993 unter Berufung auf einen Informanten "aus Beamtenkreisen" berichtet, ein GSG9-Mitglied habe den RAF-Terroristen Wolfgang Grams erschossen. Grams hat sich den Ermittlungen zufolge selbst getötet, Leyendecker räumte Fehler ein. Im Kern geht es nun darum, ob es den Informaten gab - oder nur einen anonymen Anrufer.
gaborsteingart.com (Anmeldung nötig), focus.de

Großverlage und Presse-Grosso kippen Mindestumsatz-Regeln.

Grosso-Verband und die Verlags-Allianz von Springer, Burda, Gruner + Jahr, Bauer, Funke, Spiegel und Klambt streichen die Mindestumsatz-Regeln aus ihren Vertriebsverträgen. Die Großverlage hatten sich Anfang 2018 mit dem Grosso-Verband darauf geeinigt, dass die Grossisten eine höhere Marge für Titel erhalten, die einen gewissen Mindestumsatz nicht erfüllen. Kleinere Verlage sahen sich dadurch benachteiligt und klopften beim Bundeskartellamt an, das Bedenken äußerte. Nun läuft die Vereinbarung zum Jahresende aus.
horizont.net, dnv-online.net, turi2.de (Background)

“Spiegel” lässt bei Innovations-Prozess möglichst viele mitmachen.

Spiegel hat eine interne Innovationskultur geschaffen, sagt Entwickler Ole Reißmann im kress.de-Interview. Dafür bringe der Verlag die journalistisch publizistische und die geschäftliche Perspektive zueinander, sechs interdisziplinäre Teams kommen wöchentlich zusammen. Es gelte, möglichst früh viele Menschen einzubeziehen. Die Teams vereinbaren mit Hilfe der Management-Methode OKR quartalsweise Ziele.
kress.de

Lipinski: Foto-Chefin Michaela Herold verlässt den “Spiegel”.

Spiegel und Michaela Herold, Leiterin der Bild-Redaktion, gehen ab Juli 2020 getrennte Wege, schreibt Gregory Lipinski. Herolds Abgang könne an der Ernennung von Judith Mohr als Art Director liegen, mutmaßt Lipinski. Herold ist 2011 von Springer zum "Spiegel" gewechselt, sie gehe "auf eigenen Wunsch" und wolle sich "neuen beruflichen Herausforderungen" widmen.
meedia.de, turi2.de (Background)

“Tages-Anzeiger”: Wikipedia entdeckt Fälschungen im Beitrag zu Claas Relotius.

Fall Relotius: Die Wikipedia-Seite über den Ex-"Spiegel"-Autor wurde offenbar mehrfach Ziel von Manipulationen. Rund ein halbes Dutzend Accounts, die zuvor nicht in der Wikipedia aktiv waren, hätten zunächst Absätze zu Relotius Fälschungen abgeschwächt oder relativiert. Später hätten sie auch vermeintliche Quellen für Behauptungen genutzt, die gefälscht waren oder in denen die angeblich enthaltenen Informationen nicht zu finden sind. Mindestens einige der Accounts seien offenbar vom gleichen Rechner aus gesteuert worden. Die IP deute auf die Region, aus der Relotius stammt.
tagesanzeiger.ch (Paid), meedia.de

Spiegel: Cordelia Freiwald und Kurt Jansson leiten künftig die Dokumentation.


Neue Fehler-Sheriffs an der Ericusspitze: Der "Spiegel" befördert die beiden bisherigen Stellvertreter, Cordelia Freiwald und Kurt Jansson, zu gleichberechtigten Leitern seiner Dokumentation. Sie folgen auf Hauke Janssen, der seit 1998 der "Spiegel"-Dokumentation vorstand und im Juli in den Vorruhestand gegangen ist. Freiwald ist seit 1994 als Dokumentationsjournalistin beim "Spiegel" und seit 2012 stellvertretende Leiterin. Jansson ist seit 2008 beim "Spiegel", zunächst als Online-Redakteur. Seit 2010 arbeitet er in der Spiegel-Dokumentation.

Gemeinsam stehen beide nun einem Team von rund 80 Mitarbeitern vor, davon 50 die Recherchen von Inhalten überprüfen. Freiwald und Jansson werden auch Vertrauen zurückgewinnen müssen. Im Zuge des Relotius-Skandals geriet auch die berühmte "Spiegel"-Dokumentation in die Kritik, da viele Beobachter sich fragten, warum die Täuschungen der Abteilung nicht aufgefallen sind.
spiegelgruppe.de

Video-Tipp: Anwalt Schertz ärgert sich über Relotius’ Ruf als “Buhmann der Branche”.

Video-Tipp: Relotius-Anwalt Christian Schertz spricht bei Radioeins im Video-Radiointerview über die Klage gegen Juan Moreno. Das Buch stimme "in erheblichen Punkten" nicht, Claas Relotius sei "der Buhmann der Branche", ärgert sich Schertz. Die Klage richtet sich nicht gegen den "Spiegel", wo Schertz aufgrund früherer Mandanten als "Staatsfeind Nummer eins" gelte.
youtube.com (22-Min-Video), turi2.de (Background)

Ad Alliance führt die Teams von IP Deutschland und G+J EM unter einem Dach zusammen.

Ad Alliance lässt der organisatorischen Neuausrichtung auch eine räumliche folgen, berichtet "Clap". Die Teams von Gruner + Jahr und IP Deutschland ziehen jeweils unter ein Dach. In Düsseldorf und Hamburg sei dies bereits geschehen, zuletzt auch in München. In Frankfurt soll der Schritt in Kürze folgen.
clap-club.de, turi2.de (Background)

Renner: Spiegel Verlag und Gruner + Jahr planen gemeinsames Wirtschaftsportal.

Spiegel_VerlagsgebäudeSpiegel Verlag und Gruner + Jahr arbeiten an einem gemeinsamen Portal mit dem Arbeitstitel Wirtschaft+, berichtet Kai-Hinrich Renner. Hierfür sollen die Inhalte aus der Wirtschaftsredaktion des "Spiegel", vom "Manager Magazin", dem "Harvard Business Manager" sowie den G+J-Magazinen "Capital" und "Business Punk" gebündelt werden. Das Portal aus der Hansestadt soll Handelsblatt.com "seine Spitzenstellung unter den deutschsprachigen Wirtschafts- und Finanzportalen streitig" machen.
"Hamburger Abendblatt"

Claas Relotius geht juristisch gegen das Buch von Juan Moreno vor.


Gelogene Lügen? Claas Relotius geht gegen Juan Moreno und dessen Buch "Tausend Zeilen Lüge. Das System Relotius und der deutsche Journalismus" vor, berichtet die "Zeit". Das Werk enthalte "erhebliche Unwahrheiten und Falschdarstellungen" so Medienanwalt Christian Schertz, der Relotius vertritt. Die "Zeit" berichtet, sie sei den Anschuldigungen nachgegangen und habe tatsächlich Ungereimtheiten im Buch entdeckt.

Insgesamt verweist Schertz auf 22 Textstellen und fordert Moreno und dessen Verlag Rowohlt auf, die entsprechenden Darstellungen nicht weiter zu behaupten oder zu verbreiten. Die "Zeit" zitiert Relotius: "Ich muss keine unwahren Interpretationen und Falschbehauptungen von Juan Moreno hinnehmen. Ohne mich persönlich zu kennen oder mit Menschen aus meinem näheren Umfeld gesprochen zu haben, konstruiert Moreno eine Figur."

Seiner "großen Schuld" sei er sich "heute sehr bewusst" und er wolle durch die Auseinandersetzung mit dem Buch nicht davon ablenken. Hinter seinem Handeln stünde jedoch nicht eigensinniges Kalkül, sondern krankhafter Realitätsverlust. Moreno wiederum widerspricht in einer Stellungnahme dem Verdacht, unsauber gearbeitet zu haben. Er beschreibt am Ende des Buches eine Szene, wonach Relotius offenbar auch nach seiner Entlarvung noch gelogen habe, da er in Hamburg gewesen sei und nicht wie angegeben in Behandlung in Süddeutschland. Dafür gebe es laut "Zeit" aber keine hinreichenden Belege.

Auch bei Morenos Beschreibung, wonach Relotius angegeben habe, seine Schwester sei an Krebs erkrankt, fand die "Zeit" Widersprüche. Ferner habe Relotius nur 19 Preise und zwei Auszeichnungen erhalten und nicht 40, wie Moreno behauptet. Andere Streitfragen beträfen unter anderem, ob Relotius mit Praktikanten im selben Büro saß und wie häufig er mit Kollegen zum Mittagessen ging und wirkten eher kleinlich. "Zeit"-Autor Christof Siemes schließt seinen Bericht mit den Worten: "Vor der Ansteckungsgefahr, die offenbar vom Morbus Relotius ausgeht, scheint selbst Juan Moreno nicht ganz gefeit zu sein, jener Mann, der sich zutraute, die Diagnose zu stellen."
zeit.de

- Anzeige -

Zeit für bento – das junge Magazin vom SPIEGEL
Es ist Zeit für bento. Denn auf bento.de hat sich einiges getan: Zeit für mehr Stories, Zeit für gute Argumente – Zeit für die wichtigen Themen.
Auch das Design wirkt ruhiger. Und nun? Etwas Zeit nehmen und jetzt bento.de entdecken!

Hör-Tipp: Juan Moreno findet die “Spiegel”-Reaktion auf die Relotius-Enthüllung sportlich.

Hör-Tipp: Juan Moreno (Foto) spricht mit der "Süddeutschen Zeitung" auf der Frankfurter Buchmesse über sein Relotius-Buch. Der "Spiegel" nehme die Enthüllungen "sportlich", der freie Journalist erhalte vom Verlag weiterhin Aufträge. Dennoch gibt Moreno zu: "Ich würde es nicht gerne nochmal schreiben müssen".
sueddeutsche.de (34-Min-Audio), turi2.de (Lese-Tipp)

IVW 3/2019: “Welt” verliert 27,2 %, “Focus” 11,6 %, E-Paper-Verkäufe steigen.


Das Netz fängt auf: Im 3. Quartal verlieren die meisten Zeitungen und Zeitschriften laut IVW weiter Auflage. Minus-Spitzenreiter ist "Welt" mit 27,2 %. Beim "Focus" sorgt die stark zusammengestrichene Bordauflage für ein Auflagen-Minus von 11,6 %. "Bild" verliert 9,6 %. Der "Spiegel" und die "Süddeutsche Zeitung" verlangsamen den Sinkflug durch steigende E-Paper-Verkäufe. "Zeit" und "Handelsblatt" drehen die Auflage dadurch sogar um 2,0 % und 6,8 % ins Plus. Die "Landlust" bleibt stabil.
horizont.net, dwdl.de (Zeitungen), dwdl.de (Zeitschriften)

- Anzeige -

Bestseller aus Literatur, Musik und Film
Das neue Magazin SPIEGEL Bestseller stellt eine Institution des kulturellen Lebens in den Mittelpunkt:
Die SPIEGEL-Bestseller-Listen – mit dem Wichtigsten aus Literatur, Film und Musik.
Die Beilage erscheint in einer Auflage von rund 600.000 Exemplaren.

Bento-Redaktion produziert Print-Beileger “Bento Start” für “Spiegel”.


Adieu, Adoleszenz: Bento soll erwachsener werden und wendet sich von Quizartikeln und Listen ab. Ab 2020 legt die Redaktion dem "Spiegel" viermal jährlich "Bento Start" bei. Das Heft kommt mit 200.000 Auflage, richtet sich an Studierende und ersetzt den "UniSpiegel". Die Redaktion verwertet dafür Beiträge von der Website und recherchiert zusätzliche. Bento-Teamleiterin Katharina Hölter verantwortet das Heft redaktionell. Im Netz will Bento künftig längere, tiefer recherchierte Artikel aus "konsequent junger Perspektive" bieten. Inhaltlich und optisch soll der Jugendableger näher an den "Spiegel" rücken, aber eigenständig bleiben.
horizont.net, bento.de