Zitat: Julian Reichelt sieht eine “wundervolle”, “unbegreifliche” Marktlücke für “Bild Live”.

"Wir sind live, wenn es passiert. Bei uns läuft nicht wie im rbb 'Kochen in Malaysia', wenn in Berlin Zehntausende demonstrieren und einige versuchen, den Reichstag zu stürmen. Das ist eine wundervolle Marktlücke. Dass es die in Deutschland gibt, ist mir allerdings unbegreiflich."

"Bild"-Chefredakteur Julian Reichelt sieht seine Truppe von "Bild Live" als "disruptive Kraft" und will einen "hübschen Anteil" des 4,5-Mrd-Werbekuchens für TV erhaschen. "Wo wir Wachstum sehen, investieren wir aggressiver als jeder andere, weil wir bedingungslos an die Marke 'Bild' und ihren Impact glauben", sagt Reichelt im Interview mit "kresspro".
kresspro, Nr. 7/2020 (Paid)

rtv packt Programm-Heft in weitere “Bild”-Regionalausgaben.

rtv legt sein Programmheft tvtv ab Oktober in mehr Regionalausgaben der "Bild": Hamburg, Hannover, Bremen, Saarland, Berlin-Brandenburg, Chemnitz und Dresden. In der Beilage stehen dafür künftig Hinweise auf "Bild Live"-Programme. Anfang 2019 war "tvtv" erstmals in Regionalausgaben des Boulevard-Blattes gelandet, u.a. in NRW, Leipzig und Thüringen.
per Mail, turi2.de (Background)

Mathias Döpfner gibt Fehler der “Bild” in der Solingen-Berichterstattung zu.

Reue vom Chef: Springer-Boss Mathias Döpfner findet die Kritik an der "Bild"-Bericht­erstattung zum Mordfall in Solingen gerechtfertigt. "Wir haben den Schutz von Minder­jährigen in diesem Fall missachtet", sagt er. Döpfner fordert eine Debatte über Presse­freiheit und Persönlichkeits­rechte. Nach der Veröffentlichung von Chat-Nachrichten eines 11-jährigen Jungen durch RTL und "Bild" hatte es 160 Beschwerden beim Presserat gegeben.
sueddeutsche.de, welt.de (komplette Rede), turi2.de (Background)

Der Presserat rügt die “Bild” für ihren Bericht über Christian Drosten.


Sie hatten Besseres zu tun: Der Presserat rügt "Bild" für ihren Bericht über Christian Drosten, in dem das Boulevard-Blatt schrieb, eine Studie des Virologen zur Infektiosität von Kindern sei "grob falsch". Der Presserat teilt mit, er habe im Artikel mehrere schwere Verstöße gegen die journalistische Sorgfaltspflicht gefunden. So sei unter anderem die Formulierung, die Studie sei "grob falsch", von den zitierten Expertenmeinungen nicht gedeckt. Außerdem erwähne der Beitrag nicht, dass es sich bei der Studie um eine Vorveröffentlichung handle. Der Presserat bemängelt zudem, "Bild" habe unsauber zitiert. Auch zur Frist von nur einer Stunde, die "Bild" Drosten für eine Stellungnahme eingeräumt hatte, bezieht der Presserat Stellung und sagt, diese Zeitspanne sei zu kurz gewesen.

Springer reagiert gelassen auf die Rüge und sieht sieht keinen Grund, die Berichterstattung zu revidieren. Der Verlag teilt in einem Statement mit: "Die wie immer zu erwartende Kommentierung des Presserates nehmen wir zur Kenntnis. Der Kern der Berichterstattung von 'Bild' zu der Studie, die große gesellschaftliche Auswirkungen auf das Leben der Menschen in unserem Land hatte, bleibt davon unberührt."

Im Mai hatte das Springer-Blatt mit einer Reihe an kritischen Berichten zum bekannten Virologen und dessen Studien für Aufsehen gesorgt. Dabei nutze "Bild" mehrere Wissenschaftler als vermeintliche Kronzeugen, die sich im Anschluss von der Art der Berichterstattung distanzierten. Drosten selbst hatte die "Bild" vehement für ihren Umgang mit ihm kritisiert.
spiegel.de, presserat.de, turi2.de (Background)

Meinung: “Bild”-Bashing bedient alte Reflexe.

bildlogo"Bild"-Bashing aus Prinzip: Bei der Kritik an der Veröffentlichung von WhatsApp-Chats eines Jungen im Zusammenhang mit dem Familien-Drama in Solingen schwingen "ganz alte Reflexe" mit, schreibt Alexander Kissler in der "NZZ". Die Einordnung in Gut und Böse begradige die "unübersichtlich gewordene welt­anschauliche Front für einen Moment". Hinzu komme, dass "Bild" unter Julian Reichelt wieder politischer geworden ist und damit von Mitbewerbern "wieder ernst genommen und angegriffen" werde.
nzz.ch

“Bild” verspricht Plus-Kund*innen Bevorzugung bei “Bild kämpft für Sie”.

Bild führt ein neues Argument für ihr Plus-Abo an und verspricht den Nutzer*innen, priorisiert bei "Bild kämpft für Sie!" behandelt zu werden. In der Rubrik vermittelt das Blatt bei Streit mit zum Beispiel Behörden oder Versicherungen. Laut eigenen Angaben werden sich täglich "mehrere Hundert" Leser*innen mit Anliegen an die "Bild".
bild.de (Paid)

Zitat: Julian Reichelt über die “Bild”-Entscheidung im Fall Solingen.

"Auch die Ermittlungsbehörden waren der Meinung, dass es der Erhellung dieses Falls und im öffentlichen Interesse angemessen ist, daraus zu zitieren."

"Bild"-Chefredakteur Julian Reichelt rechtfertigt die Berichterstattung seiner Zeitung im Mordfall Solingen damit, die Redaktion sei "zu einer ähnlichen Einschätzung wie die Ermittlungsbehörden gekommen" - deren Verantwortung der des Pressekodex "ähnelt und ähneln sollte".
deutschlandfunk.de, turi2.de (Background)

Zitat: “Bild”-Bericht über Solingen ist ein Fall für den Presserat, sagt Ulrike Simon.

"Die Mutter ist ein Fall fürs Jugendamt, 'Bild' ist einer für den Presserat."

Für Medienjournalistin Ulrike Simon zeugt die Erklärung von Julian Reichelt, RTL habe zuerst über den WhatsApp-Chat zwischen dem überlebenden Sohn aus Solingen und dessen von der Mutter begleiteten Schulfreund berichtet, von "sittlicher Unreife". "Bild" hat den umstrittenen Beitrag inzwischen von der Seite genommen.
horizont.net, turi2.de (Background), medieninsider.com (Reichelt-Mail im Wortlaut, Paid)

Video-Tipp: Neuer Newsroom der “Welt” soll die Kommunikation erleichtern.

Video-Tipp: Oliver Michalsky, Online-Chefredakteur bei "Welt", spricht in einem Springer-Video über die Vorteile des neuen Newsrooms in Berlin. Die Pandemie habe gezeigt, dass eine komplette Zeitung aus dem Home Office produziert werden könne. "Das wird aber kein Dauerzustand sein", sagt Michalsky. Ein schnelles Zurufen in den Newsroom könne mit digitalen Kommunikationswegen nicht ersetzt werden.
youtube.com (3-Min-Video)

Unterhaltungschefin Sissi Benner-Stenzel verlässt “Bild”.

Tschüssissikowski: "Bild" und Unterhaltungschefin Sissi Benner-Stenzel, 43, gehen getrennte Wege, berichtet zuerst Ulrike Simon bei Horizont.net. Springer bestätigt den Abgang. Benner-Stenzel, die auch Vize-Chefredakteurin ist, verlässt "Bild" nach zehn Jahren - offiziell "auf eigenen Wunsch" und im "allerbesten gegenseitigen Einvernehmen" um sich "neuen Aufgaben zu widmen". Laut Simon habe sich der Abgang aber schon "seit längerer Zeit angebahnt".

"Bild"-Chefredakteur Julian Reichelt dankt mit warmen Worten und bedauert in der Pressemitteilung, "eine geschätzte und beliebte Kollegin zu verlieren". Ulrike Simon hört aus der Redaktion jedoch, er habe Benner-Stenzel "schlicht loswerden" wollen. Nachfolgerin wird kommissarisch ihre bisherige Stellvertreterin Janina Kirsch.
horizont.net (Paid)

Media Markt zeigt Bild-TV-Sendungen von der Ifa in seinen Märkten.

bildlogoBild TV produziert Sondersendungen zur Technik-Messe Ifa, die in diesem Jahr nur für Fachbesucher geöffnet ist. Für großes Publikum sorgt eine Kooperation mit Media Markt, wo die Sendungen in 275 Märkten auf rund 11.000 TV-Geräten laufen. Dreimal täglich stellen Moderatorin Sina Stinshoff und "Bild"-Technik-Experte Martin Eisenlauer in jeweils 15-minütigen Live-Sendungen Trends und Neuheiten der Messe vor.
axelspringer.com

Startup-Lobbyist Christian Miele klärt Twitter-Streit mit Julian Reichelt beim Dinner.

Dinner-Diplomatie: Christian Miele, Chef des Bundes­verbands Deutsche Startups und selbst Gründer, trifft sich zu einem klärenden Gespräch mit "Bild"-Chef Julian Reichelt und einem nicht genannten Springer-Vorstand. Grund ist ein eskalierter Twitter-Streit um eine Schlagzeile, in der "Bild" Naren Shaam, Berliner Gründer des Reise-Startups Omio, schlicht als "Inder" bezeichnet hatte.
twitter.com

“Bild” macht Berufsberatung für angehende Influencer*innen.

Traumberuf Influencer*in: "Bild" erklärt ihren Leser*innen, wie sie zu Online-Stars werden. Agenturchef Kevin Tewe (All in) sagt, dass es nicht auf die Zahl der Follower ankommt, sondern darauf, zu einer Marke zu passen, um für Werbedeals gebucht zu werben. Nur wegen des Geldes sollte niemand einen Auftrag annehmen: "Die Community lässt sich nicht verarschen." Influencerin Diana zur Löwen rät, alle Produkte, für die man wirbt, auch selbst zu testen und Werbung stets zu kennzeichnen – "lieber einmal mehr als zu wenig".
bild.de (Paid)

Ann Kathrin Hasenjäger wechselt von Springer zum “Tagesspiegel”.

Tagesspiegel verpflichtet Ann Kathrin Hasenjäger, 39, als Head of Brand­management. In dieser Funktion verantwortet sie die nationalen Vermarktungs­aktivitäten. Hasenjäger kommt von Springer, wo sie zuletzt in der Regional­vermarktung tätig war. Zuvor hat sie als Brand Managerin bei IQ Media Marketing bereits die nationale Vermarktung des "Tagesspiegels" mitgestaltet.
tagesspiegel.de

Transfermarkt steigt mehrheitlich bei Bremer KI-Firma ein.

Trikotwechsel: Springers Transfermarkt schnappt sich 50,1 % der Anteile an Scoutastic, einer Tochter­firma der Bremer Tech-Bude Just Add AI. Scoutastic gibt an, mithilfe von Künstlicher Intelligenz Spielerdaten zu analysieren. Gefüttert mit den Transfermarkt-Inhalten, sollen Kund*innen aus dem Profifußball diese Analysen für die Spielerbeobachtung und Talentsuche nutzen.
axelspringer.com

Ringier Axel Springer verkündet Sparprogramm – 35 Stellen fallen weg.

Ringier Axel Springer Logo-150Schweizer Sparprogramm: Ringier Axel Springer reagiert auf sinkende Einnahmen und will deshalb sparen. Insgesamt streicht der Verlag 35 Stellen. Er stellt das Modemagazin "Style" ein. Die letzte Ausgabe erscheint am 20. August. Das bisher von der gleichen Redaktion erstellte Kulturmagazin "Bolero" soll in Zukunft extern produziert werden. Außerdem will Ringier Axel Online- und Print-Redaktion der "Schweizer Illustrierten" verkleinern und zusammenführen.
ringieraxelspringer.ch

Zitat: Kai Diekmann erzählt von seiner Kindheit ohne “Bild”.

"Wenn mein Vater im Urlaub die 'Bild'-Zeitung kaufte, in Dänemark, gab es Krach mit meiner Mutter."

Ex-"Bild"-Chefredakteur und Storymachine-Chef Kai Diekmann spricht mit Eventmanager Sascha Hellen über seine Kindheit in Bielefeld mit familiärem "Bild"-Verbot. Wenn sie anfangs danach gefragt wurden, hätten seine Eltern gesagt, "der macht irgendwas bei Axel Springer".
soundcloud.com (61-Min-Audio)


“Bild” sieht eingekaufte Bundesliga-Pakete als “Traumkombination”.

Bundesliga: Die Rechte-Pakete M (Highlights hinter der Paywall) und DOOH (Außenwerbung) sind für "Bild" eine "Traumkombination", sagt Nikolaus Glasmacher, General Manager Sport der "Bild"-Gruppe, im Sponsors-Interview. Springer könne damit auf Außen-Displays für seine Highlight-Clips bei Bild plus werben. Erklärtes Ziel sei es, Neukunden für das gesamt Bezahl-Angebot zu gewinnen. Als Vorteil gegenüber reinen Sport-Anbietern sieht Glasmacher, dass "Bild" auch noch "ganz viel weiteren Content" hat.
sponsors.de (inkl. 26-Min-Video)

Türkischer Staatsanwalt will härteres Urteil gegen Deniz Yücel.

Nächste Instanz: Die türkische Staatsanwaltschaft will ein härteres Urteil gegen den "Welt"-Journalisten Deniz Yücel durchsetzen. Die Ankläger ziehen in die nächste Instanz, weil das Gericht Yücel vom Vorwurf der Volksverhetzung freigesprochen hatte. Auch Yücel hat angekündigt, gegen das Urteil vorzugehen. Er war zu fast drei Jahren Gefängnis verurteilt worden und will einen Freispruch erwirken. Parallel laufen in der Türkei zwei weitere Verfahren gegen den Journalisten, u.a. wegen eines Witzes, den er in der "Welt am Sonntag" wiedergegeben hatte. Auf Twitter sieht Yücel eine Bedeutung über seinen Fall hinaus: "Die Botschaft lautet also: Jeder, der auch außerhalb der Türkei der türkischen Staatsideologie widerspricht – beim Thema Benachteiligung der Kurden oder beim Umgang mit dem Genozid – macht sich potenziell strafbar."
welt.de, twitter.com

Springer überarbeitet seine Unternehmensgrundsätze.


Werte 2.0: Springer passt im Zuge der Rassismus-Debatte seine Firmengrundsätze an, sagt Konzernboss Mathias Döpfner in einem Video. Konkret geht es um eines der fünf "Essentials", das künftig lautet: "Wir lehnen politischen und religiösen Extremismus und jede Art von Rassismus und sexueller Diskriminierung ab." Rassismus und sexuelle Diskriminierung werden also künftig explizit mit genannt. Döpfner begründet: "Rassismus gegen Juden ist leider nur eine schreckliche Form von Rassismus. In Europa breitet sich Fremdenfeindlichkeit, Diskriminierung von Migranten und Rassismus, der auf Hautfarben abzielt, aus." Springer wolle der gesellschaftlichen Entwicklung Rechnung tragen, sich aber nicht mit Protestbewegungen gemein machen. Axel Springer hat die fünf Grundsätze, die auch Teil der Satzung sind, 1967 formuliert, der Konzern aktualisiert sie von Zeit zu Zeit.
horizont.net, youtube.com

Türkisches Gericht verurteilt Deniz Yücel zu zwei Jahren und neun Monaten Haft.


Urteil in Abwesenheit: Ein Gericht in Istanbul verurteilt den "Welt"-Journalisten und früheren Türkei-Korrespondenten Deniz Yücel zu zwei Jahren und neun Monaten Haft. Die Staatsanwaltschaft hatte ihm Propaganda für die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK vorgeworfen. Vom Vorwurf der Volksverhetzung und der Propaganda für die Gülen-Bewegung ist er dagegen freigesprochen worden. Yücel selbst war bei der Verkündung des Urteils nicht anwesend. Von Februar 2017 bis Februar 2018 saß er insgesamt 367 Tage ohne Anklage in türkischer Haft. Seine Inhaftierung hatte die deutsch-türkischen Beziehungen schwer belastet. Der damalige Außenminister Sigmar Gabriel hatte sich im direkten Gespräch mit dem türkischen Präsidenten Erdogan für Yücels Freilassung eingesetzt.

Erst nach seiner Freilassung und der Ausreise nach Deutschland hatte die Staatsanwaltschaft Anklage gegen Yücel erhoben. Als Belege dienten Artikel von ihm in der "Welt", darunter ein Witz über das Verhältnis von Kurden und Türken. In einem Kommentar bei Welt.de nennt Yücel die Entscheidung "ein politisches Urteil, wie die ganze Geschichte meiner Verhaftung politisch motiviert war". Dass die Richter sich entschieden hätten, "lieber das Verfassungsgericht bloßzustellen als den Staatspräsidenten" zeige einmal mehr, "wie es um die Rechtsstaatlichkeit in diesem Land bestellt ist: erbärmlich".

Der DJV spricht von einem "Willkürurteil, das kritische und unabhängige Berichterstattung dauerhaft kriminalisiert". Der DJV-Bundesvorsitzender Frank Überall fordert das Auswärtige Amt zu diplomatischen Konsequenzen gegenüber der Türkei auf. Die Bundesvorsitzende der DJU in Verdi, Tina Groll, sieht in der Entscheidung einen "Abgesang auf die Rechtsstaatlichkeit in der Türkei". Der Geschäftsführer der Organisation Reporter ohne Grenzen, Christian Mihr, kommentiert: "Dass die türkische Justiz an dem absurden Vorwurf der Terrorpropaganda festhält und Yücel zu fast drei Jahren Haft verurteilt, zeigt, wie politisiert und willkürlich diese ist." (Foto: picture alliance / Sven Simon)
sueddeutsche.de, spiegel.de, welt.de (Kommentar Yücel), djv.de, dju.verdi.de, reporter-ohne-grenzen.de

Springer holt Chefredakteur Tom Drechsler in die “Auto Bild”-Geschäftsführung.

Auto Bild: Chefredakteur Tom Drechsler wird zusätzlich Mitglied der Geschäftsführung von Springers Auto-Zeitschrift. Damit geht der Verlag bei seinen Titeln in Hamburg den gleichen Weg wie zuvor bei "Bild" und "Welt" und hebt die Trennung zwischen Verlags- und Redaktionsgeschäft auf. Gemeinsam mit Drechsler tragen Christian Wolf, Digitalgeschäftsführer, und Frank Mahlberg, Verlagsgeschäftsführer und Sprecher, die wirtschaftliche Verantwortung. Auf Redaktions-Ebene bekommt Drechslers Vize Stefan Voswinkel ein weiteres Sternchen auf der Schulter und darf sich nun "Stellvertreter im Range eines Chefredakteurs" nennen.
axelspringer.com, turi2.de (Background)

Lese-Tipp: “Guardian” porträtiert “Bild”-Chef Julian Reichelt als “Gefühlsunternehmer”.

Lese-Tipp: Thomas Meaney erklärt in einem Langzeit-Porträt im "Guardian", wie das System "Bild" funktioniert und welche Rolle Chefredakteur Julian Reichelt (Foto) dabei spielt. Jahrzehntelang habe "Bild" alle "Schäbigkeit des Landes" an einen Ort vereint. Heute sei das Blatt weniger einflussreich als noch in den 1960ern, dafür politisch wichtiger und pflege enge Beziehungen zu Deutschlands Mächtigen. Reichelt, der schon als Teenager davon träumte, für "Bild" zu arbeiten, sieht sein Blatt als "Stimme der einfachen Menschen" und "das letzte nationale Lagerfeuer". Er sei weniger News-Impressario, sondern mehr "Gefühlsunternehmer", der es versteht, auf Stimmungen einzugehen, resümiert Meaney.
theguardian.com

Anna von Bayern wechselt von “Bild” zum Kosmetik-Konzern Coty.

Adel verpflichtet: Der Kosmetik-Konzern Coty holt Anna Prinzessin von Bayern in den Vorstand. Zuletzt war sie Journalistin bei "Bild" und hat u.a. den Polit-Talk "Die richtigen Fragen" moderiert. Bei Coty bekleidet sie das neu geschaffene Amt Chief Corporate Affairs Officer. Die Coty-Marke Wella gehört inzwischen mehrheitlich dem Investor KKR, der auch bei Springer involviert ist.
manager-magazin.de, finanznachrichten.de

Zitat: Stephanie Caspar lehnt die Presseförderung der Bundesregierung ab.

"Wenn es – und so sieht es momentan aus – auf eine direkte Subvention der Verlage hinausläuft, dann ist das ein Sündenfall."

Springer-Vorständin Stephanie Caspar lehnt im Interview mit Ulrike Simon die geplante Presseförderung durch den Bund ab. Sie glaubt, wenn der Staat die Print-Zustellung fördern würde, bekämen Verlage jeder Größe mehr Zeit für die digitale Transformation.
horizont.net (Paid)

Springer macht Chefredakteure Reichelt und Poschardt zusätzlich zu Sprechern der Geschäftsführung.


Doppelfunktion: Springer hebt an der Spitze von "Bild" und "Welt" die personelle Trennung von Redaktions- und Verlags­geschäft auf. Die Chef­redakteure Julian Reichelt (links) und Ulf Poschardt werden jeweils auch Sprecher der Geschäftsführung. Es ist das erste Mal, dass Springer Chefredakteure in die Geschäftsführung beruft. Springer will damit "die Bedeutung des Journalismus für die Marken" hervorheben. Redaktion und Vermarktung sollen "klar getrennt" bleiben.

Springer-Vorständin Stephanie Caspar erhofft sich durch die personelle Zusammenführung weniger Kompetenzgerangel als bisher, dafür einen engeren Austausch bei Ideen. Die Wachstumsziele für "Bild" und Welt erfordern eine "zukunftsfähige Aufstellung", die "Marken in den Mittelpunkt" stellt und die "Strukturen zwischen Redaktion und Verlag vereinfacht", sagt sie zu "Horizont". Die Redaktionen prägten die Marken "Bild" und "Welt", "daher gehören mit den Chefredakteuren Journalisten an die Spitze des Führungsteams".

Die "Bild"-Geschäftsführung besteht neben Reichelt als Sprecher künftig aus Verlagsleiterin Carolin Hulshoff Pol und Lars Moll, der von Welt Digital kommt. Bei der WeltN24 GmbH bleibt Christian Nienhaus als weiterer Geschäftsführer im Amt. Hinzu kommt ab September - wie berichtet - Ex-RTL-Chef Frank Hoffmann, der auf Torsten Rossmann folgt und alle TV- und Bewegtbildaktivitäten verantwortet.
axelspringer.com, horizont.net

Video-Tipp: Freiheitsrechte müssen die Krise überstehen, sagt Mathias Döpfner.

Video-Tipp: Die Pandemie darf nicht zum Ende der offenen Gesellschaft führen, in der Freiheitsrechte langfristig eingeschränkt werden, sagt Springer-Chef Mathias Döpfner in der englischsprachigen Interview-Reihe mit Samsungs Chief Strategy Officer Young Sohn. Die Krise ist auch eine Chance für die Digitalisierung oder das mobile Arbeiten, hofft Döpfner.
youtube.com (20-Min-Video), presseportal.de

Ulrike Simon: Lars Janzik verlässt Springer.

Springer und Lars Janzik gehen ab Ende September getrennte Wege, berichtet Ulrike Simon. Janzik ist seit 2018 Chef der Springer-Tochter Vertical Media, die u.a. Gründerszene herausgibt. Da Gründerszene inzwischen unter das Dach von Business Insider gezogen ist, wird Janziks Posten nicht neu besetzt. Seine Aufgaben übernehmen die BI-Chefs Romanus Otte und Jakob Wais.
horizont.net, turi2.de (Background)

Springers News-App Upday profitiert von erhöhter Nachfrage während Corona.

Upday konnte im 1. Halbjahr sinkende Werbepreise durch Nutzerzuwachs kompensieren und 30 % mehr Umsatz generieren, sagt Upday-Chef Peter Würtenberger. Die Newsapp von Springer und Samsung erreicht derzeit rund 7 Mio Nutzer*innen täglich, in der Spitze waren es während der Corona-Hochphase in Europa über 11 Mio. Vor Corona zählte Upday es noch nur 5,4 Mio tägliche Nutzer*innen. In Zukunft soll Upday auch in den Samsung-Browser integriert werden. Der Ableger Earli für andere Gerätemarken steht weniger im Fokus.
horizont.net (Paid), turi2.de (Background)

Renner: Springer liebäugelt erneut mit Sport1.


Sport1-Bild: Springer hat oder hatte offenbar erneut Interesse an der Übernahme des Sportsenders Sport1, schreibt der meist gut informierte Kai-Hinrich Renner. Es gebe "viele Quellen, sowohl im Springer- als auch im Sport1-Umfeld", die ihm davon berichten. Jedoch sei nicht auszuschließen, "dass die Gespräche zu nichts führten". Ein Springer-Sprecher will die Spekulationen nicht kommentieren, einer Sprecherin der Sport1-Mutter Highlight Communications ist von Gesprächen mit Springer "nichts bekannt". Ein Sprecher der Sport1 Medien AG sagt: "Diese Gerüchte entbehren jeder Grundlage."

Sport1 würde gut in Springers Portfolio passen, schreibt Renner und sieht Indizien dafür in der zentralen Bedeutung der Sportberichterstattung bei Bild TV und den kürzlich erworbenen Bundesliga-Rechten. Außerdem "glaubt in der Branche keiner", so Renner, dass Ex-RTL-Chef Frank Hoffmann, der spätestens Ende 2020 zur WeltN24 GmbH wechselt, mit den Sendern Welt und N24 Doku sowie der Produktionsfirma Maz & More "ausgelastet" sei. Hinzu kommt, dass Springers Media Impact bereits das Online-Angebot von Sport1 vermarktet. Schon 2017 wollte Springer Sport1 übernehmen und dem Vernehmen nach 85 Mio Euro für den Sender zahlen. Der Deal scheiterte aber offenbar daran, dass die damaligen Sport1-Gesellschafter sich zerstritten.
berliner-zeitung.de, turi2.de (Background)

“manager magazin”: Corona wird BuzzFeed & Co “Zusammenschlüsse und Pleiten” bescheren.


In der Klickfalle: Corona offenbart die "Lebenslügen" von Entertainment- und Reichweiten-Portalen wie BuzzFeed, Vice und Business Insider, analysiert das "manager magazin". Der "Reichweitenfetisch" habe sich nicht erst in der Pandemie als Irrglaube erwiesen. Die einstigen Klick-Könige sind heute froh, "wenn sie ein Jahr ohne Entlassungen auskommen", schreibt Philipp Alvares de Souza Soares. Am besten kommt in seiner Analyse noch Springers Business Insider weg, obwohl Alvares nahelegt, dass Springer-Boss Mathias Döpfner sich verspekuliert hat, als er 2015 für 88 % von BI stolze 343 Mio Dollar hingeblättert hat. Zum Vergleich: Jeff Bezos schnappte sich die "Washington Post" zwei Jahre zuvor für nur 250 Mio.

Immerhin hat BI bald nach dem Springer-Einstieg auf Paid Content gesetzt und zählt inzwischen 200.000 Abonnent*innen. 2019 stand ein Umsatz von gut 100 Mio Dollar, nur noch ein Drittel davon kam aus Werbung – und es soll als "Achtungserfolg" einen "kleinen Gewinn" gegeben haben. Beim deutschen Ableger versucht seit 2019 ein neues Team in Berlin, das "Billigimage abzustreifen" – mittelfristig soll es auch hier Bezahl-Inhalte geben, schreibt das "mm".

Konkurrent BuzzFeed zeigt, wie klebrig Klick-Content ist: Große Werbeerlöse ließen sich mit den teuren aber gefeierten Recherchen von BuzzFeed News kaum erzielen – in den USA verdient das Portal nun mit Produkt-Verkäufen aus Koch-Videos, der deutsche BuzzFeed-Ableger steht zum Verkauf. Auch Digital-Veteran Vice wandelt sich: Hier müssen derzeit vor allem Journalist*innen gehen, weil sie "für 50 % unserer Personalkosten, aber nur 21 % unseres Umsatzes stehen", zitiert das "manager magazin" aus einem Memo von CEO Nancy Dubuc.
"manager magazin" 7/2020, S. 76-79 (Paid)

Mein Homescreen: Olaf Gersemann.


Olaf Gersemann, Datenfreund und Ressortleiter Wirtschaft, Finanzen und Immobilien bei “Welt”, wurde durch die Corona-Krise zur Selfmade-Medienmarke: Auf seinem Twitter-Kanal veröffentlicht der 52-Jährige seit Februar anschauliche Corona-Updates zu Fallstatistiken aus aller Welt. Seine Zahlenliebe zeigt sich auch auf Gersemanns Homescreen. Was die Leser*innen bei “Welt” gerade interessiert und wie viele Abos sie abschließen, trackt der Journalist genauso wie die Entwicklung an den Finanzmärkten. Währenddessen zählt er Trainingseinheiten und Kalorien. Weiterlesen …

Vergleich: Bild Live sendet nach Newslage, Blick TV will eher Nachrichtensender sein.

Bewegt-Bild im Blick: Die Online-TV-Sender von "Bild" und "Blick" haben ähnliche Ziel, die Herangehensweise unterscheidet sich aber, vergleicht Ulrike Simon beide Angebote. Blick TV orientiert sich an klassischen News-Sendern und zeigt eine 15-minütige Nachrichten­schleife. Bild Live dagegen sendet live, wann immer es geboten ist, z.B. bei Breaking News. Talk-, Sport- und Service-Formate ergänzen das Programm.
horizont.net (Paid)

“Bild” verschenkt Corona-Sonderbeilage mit Millionenauflage.

Bild zieht die Corona-Zwischenbilanz und legt seinen Zeitungen in mehreren Metropolregionen eine Sonderausgabe "voller Zuversicht" bei. In einigen Gegenden wandern die Blätter direkt in die Briefkästen. Aufmacher ist ein Interview mit Wolfgang Schäuble, in dem er über seine Kindheit und über Krisenzeiten spricht. Außerdem nutzt "Bild" die Aktion für Werbung in eigener Sache und erklärt ganzseitig, wie "Bild Live" funktioniert.
axelspringer.com, bild.de (Schäuble-Interview, Paid)

Mehmet Scholl wird fester Fußball-Experte für Bild TV.

Bild verpflichtet Ex-Nationalspieler Mehmet Scholl nach seinem einmaligen Geister-Gastspiel als festen Spieler im Expertenteam für Live-Videos. Scholl analysiert in den kommenden zwei Jahren nach Abpfiff Spiele aus Bundesliga, Champions League und Pokal sowie Spiele der Europameisterschaften. Bis 2017 war Scholl als Experte für die ARD im Einsatz, ehe es zum Zerwürfnis kam, da Scholl nicht mit der kritischen Doping-Berichterstattung einverstanden war
axelspringer.com, turi2.de (Background)

Türkisches Gericht vertagt Urteil im Yücel-Prozess.

Türkei: Die für heute geplante Urteilsverkündung im Prozess gegen "Welt"-Journalist Deniz Yücel wurde kurz nach Beginn der Sitzung überraschend vertagt. Die Richter wollen zunächst das Abschluss-Plädoyer der Verteidigung bewerten, neuer Termin ist der 16. Juli. Die Staatsanwaltschaft wirft Yücel Terror und Volksverhetzung vor. Yücel selbst war in Istanbul nicht anwesend.
faz.net, spiegel.de

Torsten Rossmann verlässt Springers WeltN24 GmbH, Ex-RTL-Chef Frank Hoffmann wird Nachfolger.

WeltN24 und Geschäftsführer Torsten Rossmann, 56, gehen "spätestens Ende des Jahres" getrennte Wege. Nachfolger als TV-Chef wird ab 1. September Frank Hoffmann, der von 2013 bis 2019 Chef von RTL Deutschland war. Rossmann, der seit über 20 Jahren für N24 und Welt arbeitet, bleibt Springer als "TV- und Bewegtbildstratege" erhalten.
axelspringer.com, horizont.net

Renner: Springers Geschäft mit digitalen Kleinanzeigen ist gefährdet.

Springer leidet unternehmerisch nicht nur wegen des Rückgangs von Werbeeinnahmen unter der Corona-Krise, sondern auch, weil das Geschäft mit digitalen Kleinanzeigen eingebrochen ist, schreibt Kai-Hinrich Renner. Es sei "nicht völlig auszuschließen, dass Friede Springer im Fall eines möglichen hochriskanten Erwerbs des Kleinanzeigengeschäfts von Ebay ihr Widerspruchsrecht ausgeübt hat."
berliner-zeitung.de, turi2.de (Background)

DFL erlöst mit Medienrechten ab der Saison 2021/22 erstmals weniger als bisher.


Corona-K(n)ick: Die DFL vergibt die Übertragungsrechte für die Bundesliga neu und erlöst damit umgerechnet 1,1 Mrd Euro pro Saison - ein Rückgang um 60 Mio Euro pro Spielzeit. Den Gesamterlös für die Spielzeiten 2021/22 bis 2024/25 beziffert die DFL auf 4,4 Mrd Euro. Zum Vergleich: Der Gesamterlös für die vier Spielzeiten von 2017/18 bis 2020/21 betrug Höhe 4,64 Mrd Euro, also durchschnittlich 1,16 Milliarden Euro pro Saison. Die Pay-Rechte sichern sich Sky und Dazn. Sky überträgt alle Einzelspiele am Samstag, das Top-Spiel und die Konferenz ebenso wie alle Begegnungen der 2. Bundesliga. Streamingdienst Dazn bekommt die Rechte für die Freitags- und Sonntagsspiele. Ein überraschendes Platz-Comeback feiert Sat.1. Der Sender kauft Free-TV-Rechte für insgesamt neun Spiele, darunter die Auftaktmatches der 1. und 2. Bundesliga, den Supercup und die Relegation. Sport1 zeigt die neu am Samstagabend um 20:30 Uhr angesetzten Begegnungen in der 2. Liga.

Bei den Zusammenfassungsrechten schlagen wie bisher ARD und ZDF zu. Die ARD bekommt die Rechte diesmal auch für die Zusammenfassung der Freitags- und Sonntagsspiele der 2. Bundesliga; dieses Material will sie voraussichtlich beim Sender One vermarkten. Auch Axel Springer mischt mit: Der Medienkonzern erwirbt die Pay-Rechte, direkt nach Abpfiff alle Begegnungen beider Ligen zusammenzufassen. Zudem kauft Springer das zum ersten Mal ausgeschriebene "Out-of-Home"-Paket. Es berechtigt dazu, Bewegtbilder der Spiele auf Flächen für Außenwerbung zu nutzen.
dfl.de, presseportal.de, turi2.de (Background)

“Bild”-Redakteur Morten Wenzek: “Snapchat ist definitiv nicht tot.”


Gelber Geist für die Gen Z: Im Video-Interview mit turi2.tv erklärt Morten Wenzek, Verantwortlicher Redakteur für Neue Plattformen und Social Media, was "Bild" auf dem vielfach totgesagten Videodienst Snapchat hält: Werbeeinnahmen und eine für die Medienmarke ansonsten nahezu ungekannte Zielgruppe. Erst kürzlich hätten sein Team und er eine Snapchat-Show über Corona auch für andere Inhalte geöffnet. Jetzt versuchten sie, die hinzugewonnenen jungen Leser*innen nicht mit "Promi- oder Sport-Content zu verschrecken". Obwohl der Kanal für die Boulevard-Zeitung "wertvoll" sei, um 13- bis 24-Jährige zu erreichen, mahnt Wenzek zu kritischer Distanz. Übrigens: Auf der chinesischen Kurzvideo-Plattform TikTok produziert "Bild" aus dem traditionell China-kritischen Springer-Haus – anders als etwa die "Tagesschau" – erst gar keine Beiträge.

Im Video schlägt Wenzek außerdem vor, wie Redaktionen die neue 140-sekündige Sprachnachrichten-Funktion von Twitter für ihre Berichterstattung einsetzen könnten – und äußert sich zu Rezos Presse-Schelte. Weder Politik noch Journalismus dürften "junge Perspektiven" links liegen lassen und "aus ihrem Elfenbeinturm herab den gleichen Film abfahren, den sie schon immer machen", findet Wenzek. Auch wenn Journalist*innen stets hinterfragen sollten, was etwa Fridays for Future und andere junge Organisationen forderten: "Ich finde, Rezo hat einen guten Punkt."

Zum Streit zwischen "Bild" und dem Virologen Christian Drosten will Wenzek nichts sagen. Die Auseinandersetzung hatte sich auch auf Twitter abgespielt.
turi2.tv (11-Min-Video auf YouTube), turi2.de (Twitter-Sprachnachrichten), turi2.de (Bild vs. Drosten)