Springer vs. Eyeo: Werbeblocker verstoßen laut Landgericht Hamburg nicht gegen Urheberrecht.

Springer verliert erneut im Rechtsstreit mit Eyeo, Betreiber des Werbeblockers Adblock Plus. Das Land­gericht Hamburg weist Springers Klage ab, weil das Programm nach Ansicht des Gerichts nicht gegen das Urheber­recht verstößt. Springer streitet schon seit 2014 mit Eyeo, konnte zwar einige Teil­erfolge erzielen, ist vor dem BGH aber auf ganzer Linie gescheitet.
spiegel.de, heise.de

Debatte: Julian Reichelt inszeniert sich als Opfer einer Kampagne, sagt Anwalt Christian-Oliver Moser.

Spielt die Opferrolle: Ex-"Bild"-Chefredakteur Julian Reichelt "inszeniert sich öffentlich als Opfer einer Kampagne, und Springer stützt die Erzählung teilweise", sagt Anwalt Christian-Oliver Moser im Interview mit der "Süddeutschen Zeitung". Moser vertritt eine der Frauen, die gegen Reichelt wegen Machtmissbrauch vorgehen. Das Compliance-Verfahren habe gezeigt, dass Reichelt "ein erhebliches Problem mit der Wahrheit zu haben scheint". Man habe "viel Grenzwertiges an Zwischenmenschlichem gesehen" in Chatverläufen vonseiten Reichelts: "Da wurde klar, dass er in seiner Führungsrolle untragbar war, weil er seinen moralischen Kompass offenbar verloren hat".
sueddeutsche.de (Paid), turi2.de (Background)

Michal Wodzinski wird übergreifender Chefredakteur bei Upday.

Springer macht Michal Wodzinski zum übergreifenden Chefredakteur für das Nachrichtenportal Upday. Der bisherige Chefredakteur von Upday Polen leitet ein Team von acht Chefredakteuren und die Teams, die Upday in Osteuropa kuratieren. Er ist verantwortlich für die journalistische Ausrichtung und Weiterentwicklung und soll ein Team für eine Testphase in den USA aufbauen.
axelspringer.com

Julian Reichelt kündigt Comeback mit eigener Plattform an.


Servus, Zukunft! Ex-"Bild"-Chefredakteur Julian Reichelt kündigt bei seinem ersten TV-Auftritt nach dem Abgang bei Springer ein Comeback mit eigener Plattform an. In der Diskussionssendung "Links.Rechts.Mitte" beim österreichischen Sender Servus TV sagt Reichelt, er arbeite derzeit an "etwas Neuem" und spreche mit "spannenden, jungen Kollegen und Kolleginnen". Er erlebe, dass Journalismus, "der nach den Fakten sucht und sagt, was ist", eine Marktlücke geworden sei. Wie schon früher bei "Bild" und Bild TV zeigt sich Reichelt angriffslustig und übernimmt die Show – zumindest, was den Wortanteil angeht. Den Gerüchten, er würde bei Servus TV anheuern, widerspricht Reichelt und bezeichnet Investigativ-Journalist David Schraven, der einen potenziellen Wechsel nach Österreich auf Twitter thematisiert hatte, als jemanden der abends "bissel dösig" auf der Couch liege und etwas schreibe, das "frei erfunden" sei.

Seinen Rauswurf bei "Bild" findet Reichelt falsch, die Vorwürfe des Machtmissbrauchs gegenüber Frauen bezeichnet er als "perfide, erfundener Quatsch". Er habe während seiner Zeit bei "Bild" mit "absolut herausragenden Frauen" gearbeitet und dazu beigetragen, Frauen­karrieren zu ermöglichen, die vorher "leider und fälschlich" nicht möglich gewesen seien. Schuld an seinem Rauswurf sei viel mehr ein politisches Klima, "in dem man dankbar dafür ist, wenn kritische Stimmen verstummen". Er sieht sich als Opfer "besonders linker Argumentation", die Vorwürfe in einer Art und Weise verbreite, dass "man sich dagegen nicht mehr wehren kann". Dass das bei ihm funktioniert hat, sei zwar bedauerlich, in einer Zeit "voll mit Cancel Culture" aber nicht verwunderlich. (Bild: Screenshot Servus TV)
servustv.com (65-Min-Video), derstandard.at

Neue Podcasts, zweites Schiff: Steingart erweitert seine Medien-Flotte.


Reederei Steingart: Gabor Steingart überzeugt seinen Haupt-Investor Springer und dessen Boss Mathias Döpfner von seinen Expansionsplänen und spendiert seiner Medien-Flotte weitere journalistische Beiboote. Seine Pioneer One bekommmt ein stattliches Schwesterschiff. Der Journalist und Gründer kündigt in seinem "Morning Briefing" Investitionen von zusätzlich 8 Mio Euro und die Einstellung von 25 weiteren Beschäftigten an. Das zweite Medienschiff Pioneer Two soll 52 Meter lang werden und zwei Studios beherbergen, darunter ein "Ballsaal", der auch für TV-Produktionen genutzt werden kann.

Größere Veränderungen gibt es bei Steingarts publizistischem Flaggschiff, dem Morning Briefing. Der werktägliche Newsletter erscheint, wie im November im turi2 Clubraum angekündigt, unter neuem Namen und in einer gekürzten, kostenfreien Version als "ThePioneer Briefing", die Bezahl-Version "ThePioneer Business Class" verspricht zusätzlich "exklusive Nachrichten aus Politik und Wirtschaft". Zudem erscheinen drei neue Podcasts mit Disruptions-Vordenker Christoph Keese, Schriftstellerin Juli Zeh und Wall Street-Reporterin Anne Schwedt. Sobald die pandemische Lage es zulässt, sollen Live-Versionen des "Morning Briefings" und des "Hauptstadt Briefings" stattfinden. (Foto: The Pioneer, Holger Talinski, Montage: turi2)
per Mail

Rebranding fürs "Morning Briefing": Im Live-Podcast turi2 Clubraum spricht Gabor Steingart bereits im November über seine Investitions­pläne und liefert eine kleine Pioneer-Leistungsschau. (12/2021)


Journalismus, ahoi: Gabor Steingart führt im turi2 Clubraum durch sein Medienschiff Pioneer One.

“Bild” lädt Wissenschaft zum Gespräch über Boulevard­journalismus.

Friedensmacher? Die "Bild" lädt Promis aus der Wissenschaft zu einer Digital-Veranstaltung, in der die Rolle des Boulevard­journalismus diskutiert werden soll. Chefredakteur Johannes Boie spricht dazu am 28. Januar u.a. mit Physikerin Viola Priesemann (Foto), die im umstrittenen Lockdown-Macher-Artikel des Blattes prominent zu sehen war. Das Event soll das erste in der Reihe "Hinter den Schlagzeilen – Mit Bild im Gespräch" markieren.
dwdl.de, bild.de (Event-Anmeldung)

Michael Gebhardt wird Vize-Chefredakteur bei “Auto Bild”.

Aufstieg: Die "Auto Bild" macht ihren bisherigen Redaktionsleiter Michael Gebhardt zum Vize-Chefredakteur. Gemeinsam mit Vize Robin Hornig und Chefredakteur Tom Drechsler bildet der 37-Jährige ab Januar das redaktionelle Führungsteam. Gebhardt wechselte 2020 zu "Auto Bild". Vorher arbeitete er als freier Motorjournalist und war Chefredakteur bei AutoScout24.
meedia.de

Zitat: Harald Schmidt und Gregor Gysi kommentieren die Causa Julian Reichelt.

"Solange die aktuelle Bundesregierung bei Ein Herz für Kinder auftritt, ist es eigentlich egal, wer Chefredakteur der 'Bild'-Zeitung ist."

Harald Schmidt kommentiert im zweiten ntv-Halbjahresrückblick mit Gregor Gysi den Rauswurf von Julian Reichelt. Für Gysi sei es "immer ein Vergnügen zu sehen, wenn große Macht plötzlich ein bisschen schmilzt" – zudem dürfe man "Me-Too"-Fälle nicht unterschätzen.
tvnow.de (39-Min-Video)

Business Insider startet Paid-Podcast für 3,99 Euro im Monat.

Business Insider versucht den Spagat zwischen Paid Content und Reichweite: Den Podcast Macht und Millionen gibt es künftig für zahlende Kundschaft eine Woche früher bei Spotify und Apple. Zusätzlich gibt es Zugang zur 1. Staffel, die komplett hinter die Paywall wandert. Das Podcast-Abo kostet 3,99 Euro pro Monat.
macht-und-millionen.podigee.io

Zitat: Steffen Klusmann zeigt sich verwundert über das Reichelt-Interview in der “Zeit”.

"In dem 'Zeit'-Interview hat Julian Reichelt ein paar Behauptungen rausgehauen, bei denen ich mich nur wundern kann, wie man das so stehen lassen konnte."

"Spiegel"-Chefredakteur Steffen Klusmann stellt im dpa-Interview klar, nicht aus ideologischen Gründen über Julian Reichelt berichtet zu haben: "Er hat Dinge getan, die in seiner Position völlig unangemessen sind." Mit Reichelt habe er immer ein professionelles Verhältnis gehabt – "auch wenn wir immer mal wieder Rangeleien hatten".
moz.de via horizont.net (Paid), turi2.de (Background)

Presserat prüft “Lockdown-Macher”-Text der “Bild”.

Der Beschwerden-Sammler: Der deutsche Presse­rat prüft, ob der Anfang Dezember erschienene "Bild"-Artikel "Die Lockdown-Macher" das Wahrhaftigkeits­gebot und die Sorgfalts­pflicht des Presse­kodex verletzt. Grund dafür sind fast 100 Beschwerden gegen den Artikel. Der Presserat entscheidet über den Fall in seiner nächsten Sitzung am 22. März 2022.
meedia.de, turi2.de (Background), turi2.de (Background)

Springer steht 2021 finanziell besser da als vor der Corona-Krise.

Springer erwartet für 2021 ein "zweistelliges Wachstum beim Umsatz" und damit "einen der höchsten Zuwächse seit dem Börsengang 1985", sagt Finanz-Vorstand Julian Deutz gegenüber Reuters. Damit habe Springer das Vorkrisen-Niveau bereits über­troffen und stehe in Bezug auf Umsatz und Ebitda "deutlich besser da, als wir das 2019 beim Einstieg von KKR erwartet haben". Wachstumsmotor sei vor allem das US-Geschäft.
welt.de, reuters.com

Bild des Tages: Mathias Döpfner spielt in Boris-Becker-Film einen Reporter.


Courtzer Auftritt: Springer-Chef Mathias Döpfner (rechts im Bild) versetzt sich mit Schnauzer, Sonnenbrille und Sportjacke optisch zurück in die 80er. Im RTL-Spielfilm "Der Rebell" über Ex-Tennisstar Boris Becker spielt er in einer Nebenrolle einen Reporter, der ein Interview mit dem jungen Becker führen will, aber nur Trainer Günther Bosch vor den Schreibblock bekommt. Er will exklusive Infos, bevor "die Jungs von der 'Bild' das spitz kriegen". Der Film läuft am Donnerstag um 20.15 Uhr.
horizont.net

Vox Media übernimmt die Mehrheit an Group Nine Media.

Springt herunter: Das US-Medien­unternehmen Vox Media übernimmt die Mehrheit an Group Nine Media, dem Joint Venture von Discovery Communications und Springer. Der Verlag hält aktuell noch einen Anteil von weniger als 10 %. "Durch die Fusion werden wir am neuen Unternehmen entsprechend noch weniger halten", sagt Springer-Sprecherin Julia Sommerfeld. Zu Group Nine gehören u.a. die Medien-Marken "The Dodo" und "Seeker".
wsj.com (Paid), new-business.de

Springer passt Verhaltenskodex zu persönlichen Beziehungen an.

Springer passt seinen internen Verhaltens­kodex zu Beziehungen am Arbeitsplatz an, heißt es in einem Schreiben an die Belegschaft von Personalvorstand Julian Deutz und Tilmann Knoll, Leiter Global People & Culture. Demnach müssen nur Beziehungen zwischen Führungskräften und ihnen fachlich oder disziplinarisch unterstellen Mitarbeitenden öffentlich gemacht werden. Dabei geht es um romantische sowie verwandschaftliche Verhältnisse. Konzern und Betriebsrat äußern zudem die Absicht, mehr Frauen in Führungsrollen zu bringen, und eine Richtlinie für Interessenkonflikte und Machtmissbrauch aufzusetzen, die u.a. auch "Welt" und "Bild" betrifft.
meedia.de, rnd.de

Zitat: Deutschland erlebt einen politischen Aufbruch, schreibt Nils Minkmar.

"Diese ökologlisch linksliberale Regierung ist auch eine deutliche Niederlage für die Kräfte der Spaltung, auch der versammelten Springermedien, deren Macht eine bloße Behauptung ist."

Journalist Nils Minkmar schreibt in seinem Newsletter "Der siebte Tag" vom "politischen Aufbruch" in Deutschland: "Wir beginnen also ein spannendes neues Kapitel, zum ersten Mal nach vielen Jahren ist wieder Bewegung in der Bundesrepublik."
steadyhq.com

Basta: Karl Lauterbach verwirrt mit angeblich gelöschtem “Bild”-Beitrag.

Alles nur EinBILDung? Springer zeigt sich "verwirrt und verwundert" über die Aussage von Karl Lauterbach bei Maybrit Illner, er habe eine Löschung des viel kritisierten "Bild"-Berichts Die Lockdown-Macher bewirkt. Der Artikel sei nach wie vor online, es habe keinen Kontakt zwischen Lauterbach und der "Bild" zu diesem Ansinnen gegeben. Selten dürfte sich die "Bild" über eine Kontaktbeschränkung wie diese gefreut haben.
faz.net, turi2.de (Background)

Wir graturilieren: Marcel Wontorra wird 31.

Wir graturilieren: Marcel Wontorra, Stabschef von Springer-Boss Mathias Döpfner und Bruder von Laura Wontorra, feiert heute seinen 31. Geburtstag – leider wieder coronabedingt im kleinen Kreis mit einem Glas Glühwein. Eigentlich hatte er gehofft, seinen runden Geburtstag aus dem vergangenen Jahr groß nachfeiern zu können. Sein Highlight des vergangenen Jahres war die Begegnung mit Özlem Türeci und Ugur Sahin von Biontech im Rahmen des Axel Springer Awards. "Tolle Wissenschaftler, faszinierende Unternehmer, und dabei unfassbar bodenständig und bescheiden", erinnert sich Wontorra. Für das kommende Jahr hofft er darauf, endlich wieder ein volles Weser-Stadion sowie ausverkaufte Hallen von Alba und den Eisbären Berlin besuchen zu können. Geburtstagsglückwünsche erreichen Wontorra per E-Mail, Instagram oder Linked-in.

“Zeit”: Julian Reichelt will auch künftig “Journalismus für die Massen” machen.


Zeit für Widerspruch: Der geschasste "Bild-Chef Julian Reichelt bricht sein Schweigen und gibt im großen "Zeit"-Interview mit Cathrin Gilbert erstmals nach dem Rauswurf bei Springer einen Einblick in seine Zukunftspläne. "Ich werde auf jeden Fall weitermachen", sagt er. Sollte es keinen passenden Job für ihn geben, "hat man in einem freien Land ja die Möglichkeit, sich diesen Job selber zu schaffen". Nur PR wie sein journalistischer Ziehvater Kai Diekmann wolle er nicht machen, "sondern Journalismus für die Massen". Reichelt "liebe es, Millionen Menschen eine starke Stimme zu geben".

Von Springer-Chef Mathias Döpfner ist Reichelt "enttäuscht". Er habe Döpfner "nicht angelogen", seine Beziehung sei bekannt gewesen. "Deswegen hat es mich sehr überrascht, wie überrascht er gewesen sein will", sagt Reichelt. Sein Verhältnis zu Döpfner beschreibt Reichelt "wie eine Familie, die in guten und in schwierigen Zeiten zusammenhält". Dass beide sich "mit irgendwelchen Schmutzgeschichten" gegenseitig Schaden zufügen würden, sei eine "Sehnsuchtsgeschichte unserer politischen Gegner".

Reichelt öffne sich nun, weil er "nichts zu verbergen" habe. Schon das Wort "MeToo" sei im Zusammenhang mit ihm eine "Verleumdung". Im gesamten Compliance-Verfahren haben es keinen Menschen gegeben, "der sich selbst als "Opfer" bezeichnet hat, auch wenn das in den Medien so dargestellt wurde". Auch sei ihm nie eine Aussage präsentiert worden, "in der mir jemand 'Machtmissbrauch' vorwirft", sagt Reichelt. Insbesondere gegen den "Spiegel" teilt Reichelt aus und wirft dem Nachrichtenmagazin vor, "komplette Sachverhalte erfunden" zu haben.

Schon vergangene Woche hatte sich Reichelt nach langer Pause erstmals wieder bei Twitter zu Wort gemeldet und an der Legende gestrickt, er sei Opfer seiner politischen Linie.
zeit.de (Paid), horizont.net (Zusammenfassung), turi2.de (Background)

Online-Vermarkterkreis im BVDW wählt Janine Kühnrich in den Vorstand.

Nummer 1: Der Online-Vermarkterkreis macht Janine Kühnrich, 37, zur stellvertretenden Vorsitzenden. Sie folgt auf Stefan Mölling, 42, der den Posten seit 2019 innehatte. Kühnrich ist die erste Frau, die jemals in das Gremium im BVDW gewählt wurde. Sie ist derzeit als Director Digital Product Management bei Media Impact tätig, dem Vermarkter von Springer.
adzine.de

ProSiebenSat.1: Ex-Springer-Manager Andreas Wiele soll Aufsichtsratsvorsitzender werden.

Springer nach P7: Ex-Springer-Manager Andreas Wiele, 59, (Foto) soll im Mai 2022 Aufsichtsratsvorsitzender der ProSiebenSat.1 Media SE werden, teilt das Unternehmen mit. Er würde damit auf Werner Brandt, 67, folgen, der nicht mehr zur Wiederwahl antritt. Gerichtlich bestellt werde Wiele bereits im Februar. Er beerbt zunächst Adam Cahan, der P7S1 als Aufsichtsrat verlässt. Rainer Beaujean, bisher Vorstandssprecher, wird zum Jahreswechsel Vorstandsvorsitzender von P7S1.
dgap.de, presseportal.de, dwdl.de

Mehrere Wissenschaftsorganisationen kritisieren Corona-Berichterstattung der “Bild”.


Bild dir keine Meinung: Mehrere Wissenschaftsorganisationen, darunter Fraunhofer, die Leopoldina sowie die Deutsche Forschungsgemeinschaft, kritisieren die Corona-Berichterstattung der "Bild". Sie beziehen sich einmal mehr auf den am 4. Dezember veröffentlichten Artikel "Die Lockdown-Macher" und werfen der Boulevardzeitung vor, "einseitige Berichterstattung gegen Wissenschaftlerinnen" zu betreiben. Die Zurschaustellung der gezeigten Expertinnen (unter ihnen u.a. Viola Priesemann) sei "diffamierend". Derartige Darstellungen hätten "an anderer Stelle bereits dazu geführt", dass sich Wissenschaftlerinnen "physischer oder psychischer Gewalt ausgesetzt sahen". Die Humboldt-Universität zu Berlin reicht darüber hinaus Beschwerde beim Deutschen Presserat ein, weil der HU-Professor Dirk Brockmann von der "Bild" als "Lockdown-Macher" bezeichnet wird.

Die "Bild" greift die Kritik ihrerseits in einem kurzen Artikel auf und verweist auf die Debatte, die es dazu bereits am Wochenende gab. Chefredakteur Johannes Boie habe sowohl online als auch im Print ausreichend klar dargelegt, dass "Kritik angemessen geübt werden müsse" – das gelte "ausdrücklich auch für 'Bild'".
dfg.de (Kritik Deutsche Forschungsgemeinschaft), hu-berlin.de (Statement Humboldt-Universität), bild.de, turi2.de (Background)

Debatte: “Bild”-Chef Johannes Boie will Spaltung mit “angemessener Kritik” entgegenwirken.

Spaltet die Gemüter: "Wir alle müssen gegen die Spaltung wirken", kommentiert "Bild"-Chefredakteur Johannes Boie. Gelingen könne dies u.a. mit "Respekt voreinander", gegenseitigem Verständnis und dem Üben und Aushalten von "angemessener Kritik" – letzteres gelte "ausdrücklich auch für 'Bild'". Medienkritiker Stefan Niggemeier empfindet es als "blanken Hohn", wenn man es nicht mal schaffe, "zu sagen, ob die Hetzschlagzeile gegen Wissenschaftler am Samstag 'angemessen' war oder nicht". Daniel Bouhs dagegen spekuliert, ob dies als Eingeständnis von Boie über die zuletzt unangemessene Corona-Berichterstattung der "Bild" gewertet werden könne.
bild.de (Kommentar), twitter.com (Niggemeier), twitter.com (Bouhs), turi2.de (Background)

Debatte: Olaf Scholz hätte sich zu “Bild”-Attacke gegen Wissenschaftler äußern sollen.

Bleibt stumm: Der designierte Bundeskanzler Olaf Scholz hätte bei seinem Auftritt bei der "Bild"-Spendengala Ein Herz für Kinder auf die jüngste "infame und anti-akademische" Attacke des Blatts gegen Wissenschaftler reagieren müssen, schreibt Joachim Huber im "Tagesspiegel". Stattdessen scheine es, als würde Scholz "das Mantra seines Vor-Vor-Gängers Gerhard Schröder aufnehmen, der mit 'Bild, BamS und Glotze' regieren wollte". Bisher habe Scholz keine Gelegenheit ausgelassen, um sich bei Springer "lieb Kind zu machen".
tagesspiegel.de, turi2.de (Background)

“Die Lockdown-Macher”: “Bild” erntet erneut Kritik für Corona-Berichterstattung.


Die Hass-Macher: Die "Bild" handelt sich erneut Kritik für ihre Corona-Berichterstattung ein. Am Samstag wetterte das Blatt online und in der gedruckten Ausgabe unter dem Titel "Die Lockdown-Macher" gegen die Wissenschaftler Viola Priesemann, Dirk Brockmann und Michael Meyer-Hermann: Über deren Köpfen prangt in der Print-Version zusätzlich die Schlagzeile "Experten-Trio schenkt uns Frust zum Fest", darunter sind Geschenk-Pakete mit den Aufschriften "Geschenke-Kauf 2G", "Familienfest nach Corona-Regeln" und "Kino-Verbot für Ungeimpfte" zu sehen.

Gegenwind bekommt die "Bild" nun u.a. von Politökonomin Maja Goepel, die in dem Bericht eine "Gefahr für die Freiheit von Wissenschaftlerinnen, nach bestem Wissen zu beraten" sieht. Sie fordert eine Klarstellung vom Presserat und der Politik. Virologe Christian Drosten, bekanntermaßen kein großer Verfechter der "Bild"-Zeitung, pflichtet Goepel bei und halte es "ebenfalls für geboten, dass die Politik sich zu dieser Darstellung richtigstellend positioniert, um die betroffenen Wissenschaftler zu schützen".

Besonders brisant: Der "Bild"-Bericht erschien nur wenige Stunden nach einem Fackel-Aufmarsch von Corona-Gegnern vor dem Wohnhaus der sächsischen Gesundheitsministerin Petra Köpping. "Das muss man auch erst mal bringen wollen und das noch im vollen Bewusstsein beim Blick auf das eigene Portal", twittert Medienjournalist Daniel Bouhs einen Screenshot von der "Bild"-Startseite. "Sie hätten gleich Zielscheiben auf die Köpfe photoshoppen können", kommentiert der Autor Malte Welding.
rnd.de, bild.de


“Abschüssiger Pfad” – turi2 Clubraum mit Samira El Ouassil diskutiert über Reichelts Twitter-Tirade.


Es reichelt: "Julian Reichelt befindet sich auf einem abschüssigen Pfad", findet Peter Turi im turi2 Clubraum. Er empfiehlt dem geschassten "Bild"-Chefredakteur, seine bezahlte Auszeit zu nutzen, "um in sich zu gehen und über sich und sein Leben nachzudenken". Gemeinsam mit Medienkritikerin Samira El Ouassil und Moderatorin Tess Kadiri diskutiert Turi die Legenden-Bildung, die Reichelt gerade auf Twitter versucht. Auch El Ouassil, die sonst bei Übermedien schreibt und über Philosophie und Gesellschaft podcastet, findet es "hoch problematisch", dass sich der "ewige Kriegsreporter" Reichelt "als Märtyrer und Jeanne d’Arc der politischen Führung inszeniert". Auf dem abschüssigen Pfad befinde er sich schon lange – gerade beschreite er "die letzten Meter".

Moderatorin Kadiri befürchtet, dass Reichelt zum neuen Idol in der Verschwörungs-Ecke des Internets heranwachsen könnte, Turi sieht Reichelt nahtlos anknüpfen an den umstrittenen DDR-Vergleich von Mathias Döpfner. El Ouassil zieht Parallelen zum Fall von Matthias Matussek – "eine Selbstradikalisierung, die aus der Ökonomie der Widerständigkeit erwächst". Wenn die eigene politische Meinung eine Einbahnstraße sei, stehe man irgendwann mit dem Rücken zur Wand und könne nur noch "fauchen, kratzen und beißen".

Im turi2 Clubraum diskutiert Tess Kadiri jeden Freitag um 12 Uhr mit einem prominenten Gast und einem Mitglied der turi2-Redaktion die Themen der Woche und spricht über Leben und Werk des Gastes. Wie sie Muße und Inspiration zum Schreiben findet und warum Ambiguitätstoleranz ihr Lieblingswort ist, erklärt El Oaussil im Clubraum-Podcast – und freut sich über die Zuschreibung von turi2, sie sei die "Grace Kelly der Medienkritik". In der kommenden Woche wird Lars Haider zu Gast sein. Der Chefredakteur des "Hamburger Abendblatts" hat ein Buch über den Bald-Kanzler Olaf Scholz geschrieben.
turi2.tv (40-Min-Podcast bei YouTube), apple.com, spotify.com, deezer.com, turi2clubraum.podigee.io

Ex-“Bild”-Chefredakteur Julian Reichelt inszeniert sich bei Twitter als Opfer seiner politischen Linie.

Opfer-Rolle: Der geschasste "Bild"-Chefredakteur Julian Reichelt strickt an der Legende, Opfer seiner politischen Linie geworden zu sein – und nicht seiner Hormone. Die wohl bald kommende Impfpflicht sei der "größte politische Wortbruch in der Geschichte der Bundesrepublik". Viele Politiker hätten es "herbeigesehnt und befeuert", dass man ihm "die Möglichkeit nimmt, 'Bild' als klarste und unüberhörbare Stimme des freiheitlichen Denkens zu verteidigen". Podcaster und Gag-Autor Micky Beisenherz kann "diese Dreistigkeit" nicht fassen und hält dagegen: "Hätte die 'Bild' unter der Leitung Ihres tonymontanaartigen Wandertestikels nicht permanent so einen irreführenden Torpedo- Scheiß geschrieben, wäre ebendiese vermutlich gar nicht nötig geworden. Glückwunsch. In diesem Sinne: Viel Spaß bei Servus TV."

Zuletzt hatte Correctiv-Gründer David Schraven das Gerücht in die Welt gesetzt, Julian Reichelt würde zum österreichischen Sender Servus TV wechseln. Bisher will das aber weder der Sender noch Reichelt selbst bestätigen. In Reichelts Twitter-Bio ist allerdings neuerdings "I'll be back" zu lesen. Springer hatte Reichelt im Oktober nach neuen Machtmissbrauchs-Vorwürfen gegen ihn gefeuert.
twitter.com (Reichelt), twitter.com (Beisenherz), turi2.de (Background)

Springers Unternehmenskultur muss stärker hinterfragt werden, sagt Juliane Löffler.

Juliane LoefflerVerengte Sicht? Im Fall Julian Reichelt ist bisher zu wenig über die Rahmen­bedingungen im Hause Springer diskutiert worden, sagt Ippen-Investigativ-Journalistin Juliane Löffler im "Journalist"-Interview. Missbrauch sei "in der Medienbranche, aber auch in so vielen anderen Branchen so weit verbreitet, davon haben wir nur ansatzweise eine Vorstellung". Bei #MeToo-Themen sei es "wichtig, die Namen der Täter zu nennen", damit diese mit ihrem Verhalten konfrontiert werden.
journalist.de

Ulf Poschardt kritisiert den Kleidungsstil der Ampel-Koalitionäre.

Sieht die Signale: "Welt"-Chefredakteur Ulf Poschardt kritisiert in seinem "WamS"-Editorial den Kleidungs­stil der Ampel-Koalitionäre bei der Vorstellung des Koalitionsvertrags. Er fragt sich, "warum der künftige Vizekanzler Habeck weder passenden Anzug noch Gürtel und Krawatte fand" und mokiert sich über den "Freizeit­look" von Saskia Esken. Auch die Location am Berliner Westhafen mag Poschardt nicht passen. Die Veranstaltung habe eine "radikale Provinzialität" umgeben. Die Ampel müsse ihren "Safe Space" verlassen, wenn sie ihrer Führungsrolle in Europa gerecht werden wolle.
welt.de (Paid)

Zitat: Gabor Steingart liest die “Bild”, aber liebt sie nicht.

"Ich liebe die 'Bild' als gebildeter, aufgeklärter Mensch natürlich nicht, aber ich lese sie."

Gabor Steingart spricht im turi2 Clubraum über sein Verhältnis zu Springer. Im Gespräch mit Tess Kadiri und Peter Turi lobt er die juristische Bewaffnung des Konzerns und die "gute Finanzstruktur".
turi2.tv (51-Min-Podcast bei YouTube), turi2.tv (direkt zu Springer), apple.com, deezer.com, turi2clubraum.podigee.io

Rebranding fürs “Morning Briefing”, 100 Mio Euro Investment – so lief der turi2 Clubraum mit Gabor Steingart.


Kleckert nicht: "Fünf Menschen und ein Laptop machen noch keinen nachhaltigen Journalismus", sagt Gabor Steingart im turi2 Clubraum. Im neuen Live-Podcast mit Tess Kadiri und Peter Turi spricht der Media Pioneer über Investitions-Pläne, sein Verhältnis zum Investor Springer und liefert eine kleine Pioneer-Leistungsschau. Steingart berichtet, dass sein Unternehmen in einem "Zeitraum X", den er noch überblicken kann, bis zu 100 Mio Euro investieren wird. Aktuell stehe auf der Ausgaben-Seite pro Jahr ein zweistelliger Mio-Betrag. Sein Ziel sei es, die Marke "The Pioneer" zu etablieren. Dafür verschwinde in "absehbarer Zeit" sogar der "Steingart" aus dem Titel seines Morning Briefings und werde durch die Kern-Marke ersetzt.

"Wir sind in vielerlei Hinsicht und für manche Menschen das Leitmedium am frühen Morgen", sagt Steingart gewohnt selbstbewusst und zählt pro Tag "mindestens 500.000 Leser" seines Morning Briefings. Den kostenlosen Morning-Briefing-Podcast rufen demnach bis zu 200.000 Menschen täglich ab. Die Mehrheit des lesenden und hörenden Publikums zahle zwar keine Abo-Gebühren, "wir zählen sie aber zu unserem Kosmos mit dazu". Die Zahl der bezahlten Abos soll bis Jahresende bei 15.000 liegen, prognostiziert der Gründer – "unsere Abos wachsen jeden Tag". 2022 will er diese Zahl verdoppeln, 2023 soll das Medienschiff "stand jetzt" über die Gewinnschwelle schippern.

Auf die Frage, ob es ein Fehler war – angesichts der Reichelt-Affäre und der Äußerungen von Mathias Döpfner –, ausgerechnet auf Springer als Investor zu setzen, antwortet Steingart ausweichend: "Wir hätten das alleine nicht stemmen können", sagt er und betont, dass er sich bewusst für ein Medienhaus als "Anker-Investor" entschieden habe. Er lobt die juristische Bewaffnung des Konzerns und die "gute Finanzstruktur", die dem Startup ein "kluges, strategisches Controlling" und zinsgünstige Kredite sichere. Klingt eher nach Zweck-Bündnis als nach Liebesheirat – auch wenn Steingart die "Binnen-Pluralität" bei Springer und Döpfner als deren Verkörperung lobt.

Im turi2 Clubraum diskutiert Moderatorin Tess Kadiri jeden Freitag um 12 Uhr mit einem prominenten Gast und einem Mitglied der turi2 Redaktion über die Themen der Woche und über Leben und Werk des Gastes. In der kommenden Woche ist Medien-Kritikerin Samira El Ouassil zu Gast. Über Fragen freuen wir uns als Text- oder Sprachnachricht an clubraum@turi2.de.
turi2.tv (51-Min-Podcast bei YouTube), apple.com, deezer.com, turi2clubraum.podigee.io

Bremer Innensenator beschwert sich beim Presserat über Sportwetten-Texte der “Bild”.


Bremer Wettprotestanten: Der Bremer Innensenator Ulrich Mäurer beschwert sich beim Deutschen Presserat auf 233 Seiten gegen Springer und "Bild", meldet der "Spiegel". Konkret geht es um BildBet, gemeinsames Angebot einer Wettfirma aus Gibraltar und Springer. Mäurer kritisiert, dass die "Bild" immer wieder "einseitig positiv" und über Sportwetten berichte und hohe Gewinnchancen verspreche, ohne ausreichend zwischen Redaktion und Anzeige zu trennen – und dann auch noch eine eigene Wett-Marke präsentiere. Viele "Bild"-Beiträge um Quotenwilly und Co erweckten den Eindruck, Wetterfolge seien nicht so sehr vom Glück abhängig, sondern viel mehr strategisch planbar.

Laut "Spiegel" richtet sich die Beschwerde des Innensenators "gegen das Werbegebaren der 'Bild"-Zeitung insgesamt". Mäurer sieht darin eine Verletzung der "Berufsethik der Presse". Springer widerspricht den Vorwürfen und beteuert abermals eine "strikte Trennung" von Redaktion und Werbeabteilung. Man berichte "ausgesprochen anspruchsvoll" über das Thema.

Der SPD-Mann Mäurer hält der "Bild" schon länger vor, "penetrant und positiv" über Sport­wetten zu schreiben und die Branche damit zu verharmlosen. Nun will der Politiker bei der Innenministerkonferenz im Dezember ein weitgehendes Werbeverbot für Sportwetten erwirken. Er sagt, dass die Wettanbieter Spielsucht fördern – und wünscht sich eine Änderung des Staatsvertrags. Stattdessen fordert er eine staatliche Aufklärungskampagne.
"Spiegel" 48/2021, S. 98 (Paid), turi2.de (Background)

Debatte: BDZV braucht Mathias Döpfner zur Durchsetzung politischer Ziele.

Der Nutzen überwiegt: Der BDZV braucht Mathias Döpfner dringend noch als Cheflobbyisten, kommentiert Daniel Bouhs bei Deutschlandfunk Kultur das Festhalten des Verbands an Döpfner trotz Kritik an seiner DDR-SMS. Die Durchsetzung des Leistungs­schutz­rechts sei Döpfners Verdienst und wichtig für künftige Erlöse der Branche. Gerade wenn es darum geht, die neuen Bundes­regierung im Sinne der Verlage zu "bearbeiten", sei im politischen Berlin niemand so gut vernetzt und erfahren, wie Döpfner. So "schamlos" wie kein anderer, nutze er die eigenen Medien, vor allem die "Welt", für Lobby-Texte.
deutschlandfunkkultur.de (5-Min-Audio), turi2.de (Background)

Debatte: DDR-SMS von Mathias Döpfner ist skandalös, weil sie nicht ironisch gemeint ist, schreibt Nils Minkmar.

Skandal-SMS: Nicht weil die DDR-SMS von Mathias Döpfner ironisch wäre, ist sie skandalös, sondern weil sie es nicht ist, schreibt Nils Minkmar in der "Süddeutschen Zeitung". Zur Aufarbeitung einer "unnötig miesen" "Bild"-Corona-Berichterstattung gehöre eine Geisteshaltung, die Döpfner in seiner SMS ausgedrückt hat. Döpfner "sucht den Nebel wabernder Zweideutigkeit" und "raunt statt aufzuklären". Am Ende verrate er das, "worum es beim Ringen um guten Journalismus immer gehen muss: die Wahrheit".
sueddeutsche.de (Paid), turi2.de (Background)

Peter Turi: Mathias Döpfner sollte sich für Corona-Kurs der “Bild” entschuldigen.


Richtungs-Wechsel: turi2-Gründer Peter Turi wirft Springers "Bild" im Podcast turi2 Clubraum ein "Totalversagen" in der Corona-Berichterstattung vor und fordert von Springer-Chef Mathias Döpfner eine öffentliche Entschuldigung. Turi ist ganz bei Stefan Niggemeier, der "Bild" bei Übermedien Bigotterie vorwirft, weil das Blatt erst gegen Maskenpflicht, Tests und Beschränkungen polemisierte und der Politik nun vorwirft, auf die explodierenden Corona-Zahlen nicht vorbereitet zu sein.

"Meiner Meinung nach ist die Corona-Berichterstattung der 'Bild' schädlich für jeden einzelnen Leser, gefährlich für das Gemeinwesen und schändlich für die Verantwortlichen beim Springer Verlag", sagt Turi. Er fordert von Mathias Döpfner eine Entschuldigung für den Corona-Kurs unter Julian Reichelt – am besten "auf Seite 1 von 'Welt' und 'Bild'". Der Springer-Chef sollte "öffentlich allen Verschwörungstheorien und DDR-Vergleichen entsagen und seinen Ex-Assistenten Johannes Boie anweisen, bei 'Bild' einen Kurs der Vernunft zu fahren".

Im neuen Live-Podcast turi2 Clubraum diskutiert Moderatorin Tess Kadiri jeden Freitag um 12 Uhr die Themen der Woche mit einem prominenten Gast und einem Mitglied der turi2-Redaktion. Bei der Premiere am 19. November waren der Werber Raphael Brinkert und Peter Turi zu Gast. Ihre Themen waren neben der Diskussion über Springer und die "Bild" die Belastung der jungen Generation durch Corona-Beschränkungen und die verfehlte Impf-Kommunikation des Gesundheitsministeriums unter Jens Spahn.
turi2.tv (33-Min-Podcast, ab Min 9:45), apple.com, turi2clubraum.podigee.io, deezer.com

Video-Tipp: Jan Böhmermann knöpft sich in “Viertel nach Welke” den Axel-Springer-Verlag vor.

Video-Tipp: "Wie viel Macht hat Springer (noch)?", diskutiert "ZMR-TV-Chefredakteur" Jan Böhmermann mit Gästen wie "DJ-Journalistin" Micaela Schäfer, dem "Schweizer Kult-Rechtsextremist" Christopherus von Tröppel und Elvis von Hallo Spencer. Bis heute lebe man bei Springer ein Konzept, das aus der alten BRD komme: "Ein Pimmel wäscht den anderen." Tokio-Hotel-Sänger Bill Kaulitz berichtet z.B. von jahrelangen Erpressungen durch Medien, die einen zur Zusammenarbeit zwingen, weil sie "böse Geschichten" in der Hinterhand hätten. Zudem mache die "Bild" seit Jahrzehnten "Polit-Aktivismus" statt Journalismus – "am liebsten mit der CDU", urteilt Böhmermann.
youtube.com (25-Min-Video), br.de

Springers Print-Chef Christian Nienhaus übergibt das operative Geschäft.

Springer: Print-Chef Christian Nienhaus, 61, übergibt plangemäß das operative Verlagsgeschäft. Auch seine Positionen als Geschäftsführer von WeltN24, Sales Impact sowie der Print Management GmbH tritt er ab. Seine Nachfolgerin bei WeltN24 wird Merrit Kraus, 31, bisher Verlagsleiterin der "Welt" und der "WamS". Nienhaus bleibt dem Konzern als Berater erhalten, vor allem in der Verbandsarbeit.
axelspringer.com (Nienhaus), axelspringer.com (Kraus)

Debatte: “Bild” prangert Politik dafür an, was “Bild” selbst gefordert hat.

Panik von gestern: Stefan Niggemeier nimmt die Corona-"Bigotterie" von "Bild" auseinander. Über Monate hat "Bild" gegen Masken­pflicht, Tests und Corona-Beschränkungen gewettert, Warnungen vor steigenden Infektions­zahlen im Herbst als "Schreckens­propaganda" und "Panik­mache" deklariert. Nun prangere dasselbe Medium an, dass die Politik auf explorierende Corona-Fälle nicht vorbereitet sei, Tests und Masken­pflicht abgeschafft hat. Letztlich habe der journalistische Kurs von "Bild" mit dazu beigetragen, dass die Corona-Lage "jetzt noch schlimmer ist, als sie sein müsste", resümiert Niggemeier.
uebermedien.de

Debatte: Markus Wiegand appelliert zu fairem Umgang mit Julian Reichelt.

Causa Reichelt: Kritikerinnen von Julian Reichelt bedienen sich "oft genug genau der boulevardesken Methoden", die sie bei "Bild" und Reichelt bemängeln, schreibt "Kress Pro"-Chefredakteur Markus Wiegand. Der Rauswurf wurde "schadenfroh und mit Schaum vor dem Mund" kommentiert und gefeiert, dabei sei der zentrale Vorwurf des Macht­missbrauchs "nur sehr schwach belegt". Auch wenn Reichelt als "Bild"-Chefredakteur "reihen­weise dagegen verstoßen hat, über Menschen sorgsam zu berichten", sollte die Branche "nicht den gleichen Fehler begehen" und fair bleiben, appelliert Wiegand.
kress.de

Politico stellt Redaktionsteam für Europa auf.

The political eight: Springers frisch gebackene Tochter Politico benennt ein acht­köpfiges Redaktions­team für Europa rund um Chefredakteur Jamil Anderlini (Foto). Kate Day, früher beim Telegraph, wird Anderlinis Stell­vertreterin. Executive Editor für Deutschland ist Florian Eder. Sie und fünf weitere Redakteurinnen sollen einen "dauerhaften Rahmen" schaffen, um die Expansion von Politico in Europa voranzutreiben.
politico.eu, turi2.de (Background)

Hör-Tipp: DDR-SMS von Mathias Döpfner ist “ehrliche Dummheit” gewesen, sagt Wolf Biermann.

Hör-Tipp: Springer-CEO Mathias Döpfner hat bei der DDR-SMS sein "brillantes Gehirn" ausgeschaltet, sagt Liedermacher Wolf Biermann im Gespräch mit Lars Haider. Ironie sieht Biermann in Döpfners Äußerungen nicht, das sei "echte, ehrliche Dummheit" gewesen. Es gebe Leute, "die viel klüger reden, als sie sind" – und solche, "die viel dümmer reden, als sie sind".
abendblatt.de (55-Min-Audio)

Gericht: Übernahme der “Berliner Runde” durch Bild TV war “unverhältnismäßig”.

Klau-TV: Die ungenehmigte Übernahme der "Berliner Runde" von ARD und ZDF am Wahlabend durch Bild TV war "unverhältnismäßig", entscheidet das Landgericht Köln. Der Springer-Sender darf das Material nicht weiter nutzen. Die Übernahme eines kürzeren Interview-Ausschnitts war nach Ansicht des Gerichts dagegen zulässig. Springer hatte mit der "überragenden Bedeutung" des Ereignisses argumentiert.
sueddeutsche.de, turi2.de (Background)

Termin des Tages: best4 Speed Data “Finanzen”.

termine2-logoTermin des Tages: Wie wirken sich steigende Inflation und Diskussionen um die Rente auf die Anlage-Entscheidungen der Konsumentinnen aus? Diesen Fragen geht Clarissa Moughrabi, Head of Research bei Springer, heute im Vortrag best4 Speed Data "Finanzen" nach. Das kostenlose Digital-Event der GIK beginnt heute um 11.30 Uhr.
Die wichtigsten Termine der Branche: turi2.de/termine