SWMH will 100 Mio Euro investieren und Jobs streichen.


Spendierhosen und Rotstift: Die Südwestdeutsche Medienholding kündigt ein Investitions- und Umbauprogramm für ihre Verlage an, zu denen u.a. die "Süddeutsche Zeitung", "Stuttgarter Zeitung", "Stuttgarter Nachrichten", Regionalzeitungs- und Fachverlage gehören. In den kommenden zwei Jahren sollen 100 Mio Euro in "digitale Angebote" und eine "wettbewerbsfähigere Aufstellung" des Geschäfts fließen. Gleichzeitig fallen Jobs dem Rotstift zum Opfer. So sind Abgänge in "jeweils zweistelliger Höhe" beim Süddeutschen Verlag, der Medienholding Süd und der SWMH selbst vorgesehen. Hans-Jürgen Jakobs schreibt im "Handelsblatt" von 150 Stellen. Im Digitalen sollen auch neue Jobs entstehen.

Online- und Print sollen künftig besser zusammenarbeiten, einzelne Redaktionseinheiten zusammengeführt werden. SWMH-Chef Christian Wegner gibt als Konzernziel den Verkauf von 500.000 Digitalabos bis 2022 aus. Heute zählt der Konzern 100.000 Digitalkunden, schreibt Jakobs. Ein Drittel des Umsatzes soll dann aus dem Digitalen kommen, heute sind es gerade einmal 7%. Mit dem Programm stemmt sich die Holding gegen wegbrechende Auflagen und Werbeumsätze. Bei Towhall-Meetings in München und Stuttgart hat Wegner die Pläne heute den Mitarbeitern verkündet.

Für die Krise in der Chefredaktion der "Süddeutschen Zeitung" um Digital-Chefredakteurin Julia Bönisch will Wegner "noch im Oktober" eine Lösung präsentieren, schreibt Jakobs. Wegner werfe sich vor, zu spät als Schlichter eingeschritten zu sein. Am als amtsmüde geltenden Chefredakteur Kurt Kister wolle er festhalten. Zu Spekulationen über Kisters Nachfolge gebe es keinen Anlass.
sueddeutsche.de, handelsblatt.com (Jakobs, Paid)

Renner: “Süddeutsche”-Digitalchefin Julia Bönisch ist auf dem Absprung.

Krach in der Kiste: Julia Bönisch, Digitalchefin von "Süddeutsche Zeitung", ist bereits seit acht Wochen nicht mehr in der Redaktion tätig, schreibt Kai-Hinrich Renner. Ihre Aufgaben seien auf andere Mitarbeiter verteilt worden. Eine Auflösung des Vertragsverhältnisses scheine trotz eines Vermittlungsversuchs von SWMH-Geschäftsführer Christian Wegner "nahezu unvermeidlich".

Anlass des Zerwürfnisses solle ein bereits im Mai im Fachblatt "Journalist" veröffentlichter Artikel sein. Darin fordert Bönisch der Digitalisierung angepasste Arbeitsabläufe in Redaktionen und schreibt u.a. über leitende Redakteure, dass diese ihre Beförderung "wuchtigen Texten" zu verdanken hätten. Co-Chefredakteur Wolfgang Krach spricht von einem "Vertrauensbruch". Das Verhältnis zwischen Print- und Online-Redakteuren ist bei der "Süddeutschen Zeitung" weiter schlecht, schreibt Renner.
morgenpost.de (Paid), journalist-magazin.de (Bönisch-Artikel)

Aus dem Archiv von turi2.tv: SZ.de-Chefin Julia Bönisch verabschiedet sich vom Reichweitenrennen (Archiv 05/2018).

Ranking: Deutsche PR-Profis fürchten die Investigativredaktion von “Frontal 21” am meisten.

Investigativ-Recherche: Das ZDF-Politmagazin "Frontal 21" (33 %), der Rechercheverbund aus NDR, WDR und "Süddeutscher Zeitung" (32 %) sowie der "Spiegel" (29 %) sind die meist gefürchteten Investigativredaktionen unter deutschen PR-Profis. Für das Ranking haben News aktuell und Faktenkontor 510 Fach- und Führungskräfte der PR befragt. Schlusslichter des PR-Trendmonitors sind die "FAZ" mit 5 % und "Report München" mit 4 %.
presseportal.com

Digital-Geschäftsführer Johannes Vogel verlässt die “Süddeutsche”.

Süddeutsche Zeitung verliert Digital-Geschäftsführer Johannes Vogel. Er verlässt das Unternehmen nach 18 Jahren, weil er sich nach Jahren der Transformation nun selber verändern wolle. Neu in die Geschäftsführung kommt Jens Kessler, Technologie-Chef der "SZ"-Mutter SWMH. Er führt die Digitalgeschäfte nun mit Verlagschef Stefan Hilscher.
wuv.de

Zeichen & Wunder überarbeitet Markenauftritt der “Süddeutschen Zeitung”.

Süddeutsche Zeitung SZ 150Süddeutsche Zeitung engagiert die Münchner Designagentur Zeichen & Wunder. Sie soll die Marke schärfer im Medienmarkt positionieren. Die Agentur entwickelt eine Markenstrategie für die Tageszeitung und die digitalen Angebote, einen neuen Claim und das gesamte Corporate Design. Dazu kommt die Kommunikation zur Einführung des neuen Auftritts, u.a. eine Imagekampagne. Der Etat liegt im sechsstelligen Bereich.
horizont.net

Zitat: Jan Fleischhauer sagt, er wurde beim “Spiegel” nicht “rausgemobbt”.

"Bei der 'Süddeutschen' wäre das mit mir zwei Wochen gut gegangen. Dann wäre ich von der politischen Abteilung standrechtlich erschossen worden."

Ex-Kolumnist Jan Fleischhauer nennt den "Spiegel" im Interview mit "Kress Pro" ein "liberales Haus" und sagt zu seinem Abgang nach 30 Jahren, er sei nicht rausgemobbt worden.
"Kress Pro" 6/2019, S. 70-73 (Paid)

weitere Zitate:

- über den Grund für seinen Wechsel:

"Wenn man wie ich 57 Jahre alt ist, ahnt man, dass es so viele Angebote mutmaßlich auch nicht mehr geben wird."

- wie sich seine Kolumne beim "Focus" ändern wird:

"Die direkte Reibung zum 'Spiegel' fällt weg, klar. Aber die Reibung zum medialen Gesamtumfeld wird bleiben. Ich habe nicht den Eindruck, dass ich dort von lauter konservativen und rechten Journalisten umgeben bin."

agma: Überregionale Zeitungen können gegen den Auflagentrend Leser hinzugewinnen.

Überregionale Tageszeitungen gewinnen zum Teil trotz sinkender Auflage an Reichweite, so ein Ergebnis der aktuellen Analyse der Arbeitsgemeinschaft Media. Die "Bild" belibt trotz Verlusten von 8,4 % mit einer Reichweite von 8,63 Mio an der Spitze. Die "Süddeutsche Zeitung" (1,28 Mio, +2,4 %), die "FAZ" (0,83 Mio, +9,2 %) und die "Welt" (0,70 Mio, +6,1 %) gewinnen hinzu. Noch deutlicher gewinnen die Sonntagstitel "Welt am Sonntag" (0,99 Mio, +13,8 %) und "FAS" (0,83 Mio + 20,3 %), die "Zeit" verliert mit 1,77 Mio und -2,7 % leicht. Bei den regionalen Titel gibt es starke Schwankungen. Großer Gewinner laut agma ist hier die "Berliner Morgenpost" mit 0,31 Mio und einem Plus von 29,2 % und der "Donaukurier", der ein Plus von 25 % bei 0,2 Mio Reichweite erzielt. Insgesamt erreichen Tageszeitungen laut der Analyse eine Reichweite von 53,9 % der Bevölkerung-
meedia.de

ProQuote: “stern” strahlt mit knapp 53 % Frauenanteil in Führungs-Jobs.

stern erreicht als erstes Leitmedium einen Frauenanteil von mehr als 50 % in Führungspositionen der Print-Redaktion, zählt ProQuote. Die Zeitschrift besetzt alle Leitungsjobs mit gemischten Doppelspitzen und erreicht so 52,5 %. Der "Spiegel" meldet einen Frauenanteil von knapp 39 %, die "Süddeutsche" 32,6 %. Schlusslicht ist "Focus" mit nur 11,8 % Frauen.
meedia.de

IVW-Zahlen: Auflagen der Springer-Zeitungen schrumpfen massiv.

Zeitungen verlieren weiter an Auflage – und Springer ist der große Verlierer im 2. IVW-Quartal. "Bild" gehen 144.000 Käufer von der Fahne, im Vergleich zum Vorjahr -9,9 %. "Bild am Sonntag" verliert 9,8 %, "Welt" sogar 14,2 % bei Abo und Einzelverkauf. "Süddeutsche", "taz" und "Zeit" halten sich stabil, was zumeist am Digitalabo-Wachstum liegt.
meedia.de

“SZ”-Autor Johannes Kuhn wechselt zum Deutschlandfunk.

Süddeutsche Zeitung: Johannes Kuhn, Autor und Ex-US-Korrespondent für Tech- und Wirtschaftsthemen, wechselt im August als Korrespondent in das Hauptstadtstudio von Deutschlandfunk, verkündigt der Journalist bei Twitter. Künftiger Schwerpunkt sei die Digitalpolitik. Kuhn arbeitete knapp zehn Jahre für die "Süddeutsche Zeitung".
twitter.com

Meinung: Nennung der Nationalität von Verdächtigen birgt Gefahren.

Pressekodex: Die Nennung der Nationalität von Verdächtigen deckt das Informationsinteresse der Öffentlichkeit, befeuert aber Vorurteile, schreibt die "Süddeutsche Zeitung". Die Polizei hatte nach der Vergewaltigung in Mülheim an der Ruhr von "bulgarischen" Verdächtigen gesprochen, was Boulevardmedien anders als die zunächst wartende "Süddeutsche Zeitung" aufgriffen.
sueddeutsche.de

Die “Kontext Wochenzeitung” berichtet über Gegenwind für SWMH-Chef Christian Wegner.

SWMH: Christian Wegner, seit Mitte 2018 Chef der Südwestdeutschen Medienholding, stößt auf Widerstand im Betriebsrat der Medienholding Süd, schreibt Josef-Otto Freudenreich. In einem Offenen Brief kritisieren die Arbeitnehmervertreter, Wegner spare zu stark im Print-Journalismus und schaffe alten Weggefährten gleichzeitig hochdotierte Management-Jobs. Laut Freudenreich stimme zudem die Chemie nicht: Wegner und seine Mitstreiter erweckten den Eindruck, die Kollegen in Stuttgart für Provinzler zu halten.
kontextwochenzeitung.de, turi2.de (Background)

Analyse: Umbau bei IQ Media könnte “Süddeutscher” und “FAZ” die Tür öffnen.

IQ Media: Der Umbau beim Holtzbrinck-Vermarkter könnte eine Brücke sein, um auch die "Süddeutsche" und die "FAZ" an Bord zu holen, schreibt Roland Pimpl. IQ Media kümmert sich künftig nur noch um Mediaagenturen und Mandanten, "SZ" und "FAZ" müssten somit nicht mehr befürchten, dass Holtzbrinck in einer Allianz "über Gebühr von ihren Kunden profitiert".
horizont.net (frei nach Registrierung), turi2.de (Background)

“Süddeutsche Zeitung” stellt ihr Familien-Magazin ein.

Süddeutscher Verlag stellt das Magazin Süddeutsche Zeitung Familie ein. Die letzte Ausgabe erscheint am 15. Oktober. Grund sei die "aufwendige Herstellung". Trotz "stetig wachsender Abonnentenzahlen" sieht der Verlag keine Perspektive. Das 2017 gestartete Familien-Heft erscheint sechs Mal im Jahr mit 80.000 Auflage zum Einzelpreis von 7,90 Euro. Familien-Themen sollen verstärkt in der "SZ" stattfinden. Zu den Auswirkungen für Mitarbeiter äußert sich der Verlag nicht. Redaktion und Verlag diskutieren nach eigenen Angaben über Ideen, "Süddeutsche Zeitung Familie" digital fortzuführen. Erst vor einer Woche kündigte Gruner + Jahr an, das Elternmagazin "Nido" einzustellen.
turi2 - eigene Infos, turi2.de ("Nido")

Österrreichs Ex-Vize-Kanzler Strache stellt Strafanzeige gegen “alle” Beteiligten am “Ibiza-Video”.

Ibiza-Video: Heinz-Christian Strache, Ex-Vize-Kanzler von Österreich, hat in München und Hamburg Strafanzeige "gegen alle Personen" gestellt, die für die "Herstellung, Verbreitung und Veröffentlichung des sog. 'Ibiza-Videos' mitwirkend verantwortlich" seien. Bestimmte Personen bzw. die "Süddeutsche Zeitung" oder der "Spiegel", die das Video verbreitet haben, sind nicht namentlich genannt.
sueddeutsche.de

Die “Zeit” beschreibt den Weg des Strache-Videos in die Medien.

Ibiza-Gate: Die "Zeit" zeichnet nach, wie das Strache-Video in die Öffentlichkeit gelangt ist. Die Falle gestellt habe ein größeres "Geflecht an Personen mit unterschiedlichen Zielen". 2018 hätten Hintermänner versucht, das Video für eine siebenstellige Summe an Medien zu verkaufen. Als diese ablehnten, hätten sie das Video u.a. Jan Böhmermann angeboten. Auch der habe nicht zahlen wollen, mit seinen Andeutungen aber die Betroffenen gewarnt, so dass die Hintermänner das Video aus Angst, enttarnt zu werden, ohne Gegenleistung an den "Spiegel" und die "Süddeutsche" übergaben.
"Zeit" 22/2019, S. 3 (Paid)

Zitat: Alfred Steffen findet Kreativität im “Sagen Sie jetzt nichts”-Interview meist unerwartet.

"Kreativ sind oft die, von denen man es am wenigsten erwartet, Politiker, Anzugträger, Leute aus der Wirtschaft."

Alfred Steffen, Fotograf des "Sagen Sie jetzt nichts"-Interviews im "SZ-Magazin", hat es mit Schauspielern nicht immer leicht. Ursula von der Leyen sei z.B. "schnell, mutig, schlagfertig" gewesen.
sz-magazin.sueddeutsche.de

“Spiegel” und “SZ” wissen seit Monaten vom #Strachevideo.

#Strachevideo: Der "Spiegel" weiß seit mehreren Monaten von dem auf Ibiza entstandenen Video, die "Süddeutsche" arbeitet schon länger an der Enthüllung, sagt Martin Knobbe (Foto) vom "Spiegel" bei "Anne Will". Vor einer Woche haben die Medien das Video erhalten und nach einem Verifikations-Prozess veröffentlicht. Bei der Frage nach dem Überbringer des Videos beruft Knobbe sich auf den Quellenschutz.
ndr.de (60-min-Video)

“Spiegel” und “SZ”: Gudenus hielt Kontakt zur vermeintlichen Russin.

Ibiza-Affäre: Johann Gudenus (Foto) und Heinz-Christian Strache pflegten offenbar auch nach dem Treffen auf Ibiza noch Kontakt zur vermeintlichen russischen Investorin, berichten der "Spiegel" und die "Süddeutsche Zeitung". Mindestens einmal habe Johann Gudenus einen Mittelsmann - offenbar ebenfalls ein Lockvogel - getroffen. Von dem Treffen gebe es eine Audioaufnahme, aus der "Spiegel" und "Süddeutsche" zitieren. Darin habe Gudenus als "Zeichen des guten Willens" zugesagt, über Strabag-Miteigentümer Hans Peter Haselsteiner eine Pressemitteilung zu veröffentlichen. Die Politiker hatten nach Bekanntwerden der Affäre zunächst behauptet, das Treffen sei eine einmalige Angelegenheit gewesen.
sueddeutsche.de, spiegel.de, ots.at (FPÖ-Pressemitteilung aus 2017)

Nach “Spiegel”- und “SZ”-Enthüllungen: Österreichs Kanzler Kurz ruft Neuwahlen aus.


Kein kurzer Prozess: Die Enthüllungen von "Spiegel" und "Süddeutscher Zeitung" sorgen für ein politisches Erdbeben in Österreich. Bundeskanzler Kurz ruft am Abend für "den nächst möglichen Zeitpunkt" Neuwahlen in der Alpenrepublik aus. Zuvor war am Mittag Vize-Kanzler und FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache von allen Regierungs- und Parteiämtern zurückgetreten. In einem heimlich aufgenommenen Video von 2017 hatte Strache einer vermeintlichen russischen Oligarchin gegen Wahlkampfunterstützung öffentliche Aufträge versprochen. Außerdem macht Strache seine Verachtung für die freie Presse deutlich und hetzt und lästert über Bundeskanzler Kurz. "Spiegel" und "Süddeutsche" hatten das Video am Samstagabend veröffentlicht.

Der ÖVP-Politiker Kurz sagte in seinem Statement, er habe in den vergangenen anderthalb Jahren mit dem Koalitionspartner viel ausgehalten. Die Methoden, unter denen das Enthüllungsvideo entstanden ist, findet Kurz "verachtenswert", zum Inhalt sagt er dennoch "Genug ist genug". "Schwerwiegend" und "problematisch" nennt er die "Ideen zum Machtmissbrauch" und Straches Ansichten "gegenüber der Medienlandschaft".
spiegel.de, turi2.de (Background)

“Spiegel”- und “SZ”-Enthüllungen bringen Österreichs Vize-Kanzler Strache zu Fall.


Video killed the Right-wing Star: Österreichs Vize-Kanzler Heinz-Christian Strache nimmt nach den Enthüllungen von "Spiegel" und "Süddeutscher Zeitung" seinen Hut. Der Politiker der rechtspopulistischen FPÖ tritt auch als Parteivorsitzender zurück. "Spiegel" und "Süddeutsche" hatten einen Video-Mitschnitt veröffentlicht, in dem Strache einer vermeintlichen reichen Russin öffentliche Aufträge gegen Wahlkampfhilfe anbietet und empfiehlt, die kritische "Kronen-Zeitung" zu übernehmen - offenbar eine Falle. Wer hinter dem Video steckt, ist unbekannt.

Auf einer Pressekonferenz in Wien bezeichnet Strache den Mitschnitt als rechtswidrig. Er erhebt die Anschuldigung einer Schmutzkampagne und nennt dabei auch einen Namen: Jan Böhmermann. Dennoch entschuldigt sich Strache bei der Veranstaltung für sein Verhalten. Er schiebt den lockeren Ton auf seine zunehmende Alkoholisierung. Unklar ist, ob durch das Video auch die Mitte-Rechts-Koalition in Österreich platzt. Bundeskanzler Kurz hat die Möglichkeit, die Koalition mit Strache-Nachfolger Norbert Hofer fortzusetzen. Kurz kann aber auch Neuwahlen ausrufen.
spiegel.de, welt.de, turi2.de (Background)

Update 12.55 Uhr: Auch FPÖ-Fraktionschef Johann Gudenus, der ebenfalls in dem Video zu sehen ist, tritt zurück. Vor dem Bundeskanzleramt in Wien wollen am Mittag tausende Regierungskritiker demonstrieren. Meldungen zufolge will Bundeskanzler Kurz um 14 Uhr vor die Presse treten.
kleinezeitung.at

Update 16.27 Uhr: Das österreichische Bundeskanzleramt kündigt eine Pressekonferenz von Bundeskanzler Kurz für 19.45 Uhr an.

Lese-Tipp: Julia Bönisch macht sich mit ihrem Text im “Journalist” keine Freunde, beobachtet Anne Fromm.

Lese-Tipp: Julia Bönisch, Chefredakteurin von SZ.de, hat sich mit ihrem Gastbeitrag im "Journalist" intern keine Freunde gemacht, beobachtet Anne Fromm. Kollegen und Betriebsrat hätten sich nach dem Text, der u.a. internen Konflikte thematisiert, von ihr distanziert. Bönisch spricht sich auch dafür aus, Redaktion und Verlag nicht mehr so strikt zu trennen. In vielen Medien ist das – Digitalisierung hin oder her – ein absolutes No-Go. In der SZ ist jene Trennung seit den 70er Jahren im Redaktionsstatut verankert, vereinbart wurde sie einst von Redaktion und Verlag. Der Betriebsrat sehe in dieser Forderung eine Verletzung des Redaktionsstatuts.
taz.de

SZ.de-Chefin Julia Bönisch sieht Redaktionsleitungen künftig mehr als Manager denn als Schreiber.

"Für manche in der Branche bin ich ein Affront. Frau, Onlinerin, noch keine 40 – damit stehe ich für fast alles, was unbequem und lästig ist: für Veränderung, für Digitalisierung, für einen Generationenwechsel, der auch Frauen an die Spitze bringt."

Julia Bönisch, Chefredakteurin von SZ.de, schreibt im "journalist", die Rolle der Redaktionsleitung befinde sich mitten in einem Generationenwechsel – "vom Schreiber hin zum Manager".
journalist-magazin.de

Aus dem Archiv von turi2.tv: SZ.de-Chefin Julia Bönisch verabschiedet sich vom Reichweitenrennen. (10/2017)

Gefälschte Online-Shops sollen über N26 Geld gewaschen haben.

N26: Betrüger haben mehrfach Konten bei der Smartphone-Bank eröffnet, um offenbar Geld aus dem Geschäft mit betrügerischen Online-Shops zu waschen, sagen Recherchen von "Süddeutscher Zeitung" und NDR. Bei N26 reicht ein Videochat für die Kontoeröffnung. Bis zur Sperrung der betroffenen Konten, seien teilweise mehrere Tage vergangen.
"Süddeutsche Zeitung", S. 19 (Paid)

SWMH-Chef Christian Wegner will mehr Effizienz im Kerngeschäft.

SWMH: Christian Wegner, neuer Chef der Südwestdeutschen Medienholding, will das "Kerngeschäft effizienter" machen und "bestimmte Bereiche automatisieren", sagt er im Interview mit den Hausblättern "Stuttgarter Zeitung" und "Stuttgarter Nachrichten". Dem ehemaligen ProSiebenSat.1-Digiutalvorstand ist wichtig, "frühzeitig zu erkennen, welche Rollen künftig wegfallen und welche hinzukommen". Wegner glaubt, die gedruckte Zeitung werde "noch viel länger erhalten bleiben, als alle denken" und adelt seine Mitarbeiter mit der Aussage: "Die Zeitungsbranche ist eine von wenigen Branchen, die in ihrem Kern eine Sinnhaftigkeit hat."
stuttgarter-zeitung.de via newsroom.de, turi2.de (Background)

“Süddeutsche” startet Newsletter auf Zeit.

Süddeutsche Zeitung SZ 150Süddeutsche Zeitung startet zwei vorübergehende Newsletter zu den Themen Europawahl und Klima-Schulstreiks. Die Pop-Up-Newsletter bündeln die jeweilige Berichterstattung und erscheinen wöchentlich. Der "Klimafreitag" erscheint sinnigerweise freitags und erstmalig heute, der "Europäer der Woche" startet am kommenden Freitag.
per Mail, sueddeutsche.de (Europa), sueddeutsche.de (Klima-Schulstreiks)

“Süddeutsche” und weitere Medien schmieden One-Free-Press-Coalition.

Pressefreiheit: Mehrere internationale Medien schließen sich in der One-Free-Press-Coalition zusammen, unter ihnen die "Süddeutsche Zeitung". Die Koalition will monatlich eine Liste mit zehn Journalisten veröffentlichen, deren Freiheit oder Leben in Gefahr sind. Bastian Obermayer schreibt, in vielen Ländern seien verbale Übergriffe Normalität geworden. Frederik Obermaier porträtiert Maria Ressa von den Philippinen, die wegen Präsident Duterte um ihr Leben fürchten muss.
"Süddeutsche", S. 25 (Paid, Koalition); "Süddeutsche", S. 25 (Paid, Ressa)

Meinung: Jeder kleine Fehler wird zum Relotius-Fall hochgebauscht.

Journalismus: Wann immer Journalisten ein noch so kleiner Fehler passiert, sehen Kritiker den nächsten Relotius-Fall, schreibt Boris Rosenkranz (Foto). "Achgut"-Autor Bernhard Lassahn diffamiere Heribert Prantl als den "wahren Relotius", der die Wahrheit verachte. Prantls pastorale Art müsse nicht allen gefallen, doch Lassahn, der auch für "rechte Wutportale" schreibe, sei an "Krawall und Spaltung", statt an einer ernsthaften Diskussion interessiert.
uebermedien.de, achgut.com (Prantl-Kritik)

Heribert Prantl gibt seine Ämter bei der “Süddeutschen Zeitung” ab.

Süddeutsche Zeitung: Heribert Prantl gibt seine Ämter als Ressortleiter Meinung und Mitglied der Chefredaktion ab. Prantl bleibt als regelmäßiger Autor. In der Wochenendausgabe werde eine neue wöchentliche Kolumne von ihm erscheinen. Die Ressortleitung Meinung übernimmt Stefan Ulrich. Unter ihm soll der Meinungsteil erweitert werden. So kündigt die Zeitung an, künftig auch freitags wie am Wochenende die gesamte Seite 5 für Meinungsstücke zu reservieren.
sueddeutsche.de

“Zeit” findet Fehler in Texten des umstrittenen Autoren.

Zeit findet Fehler in etwa einem Drittel von rund 50 Texten, die jener Journalist geliefert hat, der mit einer Fälschung beim "SZ Magazin" aufflog. Die Fehler seien keine erfundenen Personen oder Orte, sagt Chefreporter Stefan Willeke. Derzeit bewerte die "Zeit", ob die gefundenen Fehler System haben oder entschuldbar sind. Dem "SZ Magazin" war in einem Text des Reporters eine erfundene Protagonistin aufgefallen, noch bevor er erschienen ist.
"Süddeutsche Zeitung", S. 23, turi2.de (Background)

“SZ Magazin” trennt sich wegen erfundener Protagonistin von Autor.

Relotius reloaded? Das "SZ Magazin" trennt sich von einem freien Autor und Kolumnisten, der eine Protagonistin erfunden habe, schreibt Meedia.de. Den Namen des Journalisten nennt der Mediendienst nicht. Der entsprechende Artikel wurde nicht veröffentlicht, weil Redaktion und Dokumentation Zweifel hegten. Der Journalist hat viele weitere Artikel über diverse Themen aus Sport und Gesellschaft für das "SZ Magazin" und die "Süddeutsche Zeitung" geschrieben. Laut Verlag verstoßen sie aber nicht gegen journalistische Standards. "Spiegel" und "Zeit" prüfen die Artikel, die der Autor für sie verfasst hat. Der Journalist hat den Henri-Nannen-Preis und den Reporterpreis gewonnen.
meedia.de

Zitat: Hans Leyendecker sieht Echokammern in den Qualitätsmedien.

"Auch in den Qualitätsmedien suchen Leser, Hörer, Zuschauer nach ihren Echokammern. Sie suchen nach der Bestätigung ihrer Meinung und manchmal auch ihrer Vorurteile."

Ex-"SZ"-Investigativchef Hans Leyendecker sagt im Interview mit dem "Journalist", Echokammern gebe es nicht nur in Sozialen Medien und glaubt, dass sie Fälle wie den von Claas Relotius begünstigen.
"Journalist" 1+2/2019, S. 64 (Paid), presseportal.de

Studie: Medien haben “überwiegend korrekt” über Flüchtlinge berichtet.

Medienkritik: Deutsche Medien haben im Zeitraum Mai 2015 bis Januar 2016 "überwiegend korrekt" über die Zuwanderung berichtet, sagt eine Studie der Uni Mainz. Kommunikationsforscher Marcus Maurer hat Berichte von "Tagesschau", "Heute", "RTL aktuell", der "Süddeutschen Zeitung", der "FAZ" und der "Bild" untersucht. Sie seien allerdings "meist einseitig", allein die "Bild" habe etwa gleich viele positive wie negative Berichte über Flüchtlinge veröffentlicht. Allerdings habe die Zeitung und auch das ZDF Zuwanderung "überwiegend als Gefahr dargestellt". Die Geschlechterverteilung der Flüchtlinge sei "fast exakt". Nur die "Tagesschau" habe "deutlich häufiger Frauen und Kinder als Männer thematisiert" und gezeigt.
bild.de

Media-Tenor-Ranking: “Bild” ist Deutschlands meistzitiertes Medium 2018.

Mehr Maaßen macht meistzitiertes Medium aus: "Bild" ist 2018 das meistzitierte Medium in Deutschland, zählt Media Tenor in seinem Zitate-Ranking. Mit insgesamt 1.203 Exklusiv-Meldungen ist der Boulevardtitel vor dem "Spiegel", der mit 1.098 Nennungen knapp dahinter liegt. Es folgen "New York Times" mit 907 Zitaten sowie "Bild am Sonntag" mit 895 Zitaten. "Süddeutsche Zeitung" und "Handelsblatt" belegen die Plätze 5 und 6.

Besonders häufig wird "Bild" mit Aussagen von Ex-Verfassungsschutz-Chef Hans-Georg Maaßen zitiert als dieser die Echtheit der Chemnitz-Videos anzweifelt. Auch Themen wie die Organspende oder die diskutierte Digitalsteuer verhelfen "Bild" 2018 zu Nennungen in anderen Medien.
"Bild", S. 1 (Paid)

“SZ Magazin” ist auch vom Fall Relotius betroffen.

SZ Magazin ist ebenfalls von den Fälschungen im Fall Claas Relotius betroffen: Im Jahr 2015 hat das Magazin "zwei manipulierte Interviews" von Relotius veröffentlicht, wie die Chefredaktion mitteilt. Es handele sich dabei um Interviews mit dem New Yorker Herrenschneider Martin Greenfield sowie den Woodstock-Veteranen Barbara und Nicholas Ercoline. Die Interviews "weisen Fehler auf und verstoßen gegen journalistische Standards", sie wurden inzwischen von der Website genommen. Relotius hat die Manipulation in beiden Fällen zugegeben.
sz-magazin.sueddeutsche.de

“Süddeutsche”, NDR und WDR veröffentlichen Recherche zu Implantaten.


Geschäfte mit der Gesundheit: Der Recherche-Verbund von NDR, WDR und "Süddeutscher Zeitung" veröffentlicht mit den "Implant Files" die nächste, große Recherche. Die internationale Zusammenarbeit von rund 60 Medien beleuchtet Schäden, die unzureichend geprüfte Implantate und Medizinprodukte verursachen. Gemeinsam mit dem International Consortium for Investigative Journalists haben mehr als 250 Journalisten aus 36 Ländern über zwei Jahre an der Veröffentlichung gearbeitet.

Die Recherche angestoßen hat die niederländische Journalistin Jet Schouten. Bei einer Recherche vor vier Jahren hatte sie sich als Herstellerin von Medizinprodukten ausgegeben. Ein herkömmliches Mandarinennetz verkaufte sie in einer Broschüre als Vaginalnetz, das bei Beckenbodenbeschwerden helfen sollte. Von drei Prüfstellen erhielt sie die Aussicht auf eine Zulassung als Medizinprodukt

Im Unterschied zu den Panama sowie Paradise Papers basiert die Recherche nicht auf Leaks. Die Ergebnisse basieren auf der Untersuchung des Markts von Medizinprodukten sowie Interviews mit Patienten und Ärzten "von Mumbai bis München, von Mostar bis Mexiko-Stadt".
icij.de, sueddeutsche.de, sueddeutsche.de (über die Recherche), ndr.de

Lese-Tipp: Bernd Dörries geht vermeintlichem Elefanten-Massaker in Botswana nach.

Lese-Tipp: Anfang September verbreiten Medien in aller Welt Meldungen über ein Elefanten-Massaker in Botswana, das angeblich größte bisher in Afrika, lanciert von der Tierschutz-Organisation Elephants Without Borders. Bernd Dörries forscht nach und stößt auf Zweifel, ob die Geschichte so wirklich stimmt oder nicht eher interessensgetrieben ist.
"Süddeutsche Zeitung, S. 3 (Paid)

“Süddeutsche” und WDR: Fifa-Chef Infantino plant den Ausverkauf des Fußballs.


Alles muss raus: Fifa-Präsident Gianni Infantino plant offenbar den Verkauf fast aller Fußball-Medienrechte an ein Investoren-Konsortium mit Verbindungen nach Saudi-Arabien, berichten "Süddeutsche Zeitung" und WDR. Eine geheime Absichtserklärung aus dem März 2018 nennt u.a. Digital- und Archiv-Rechte, Filme und Videos, Merchandising und Computerspiele. Der Deal würde dem Verband 25 Mrd Dollar für zwölf Jahre in die Kassen spülen. Betroffen wären auch neue Formate wie eine Weltliga für Nationalteams und eine erweiterte Klub-WM, deren Einrichtung Infantino fordert, sowie die kommenden Weltmeisterschaften. Die Fifa nennt das Dokument "veraltet".

Könnte Infantino seinen Plan durchsetzen, hätten die Investoren die Vermarktung in der Hand, der Weltfußballverband bliebe nur als leere Hülle übrig, urteilen "Süddeutsche" und WDR. Kritiker wie der langjährige Fifa-Hausjurist Marco Villiger und sein Vize Jörg Vollmüller stellen dem Plan ein vernichtendes Urteil aus und warnen vor dessen Umsetzung. Beide Juristen haben die Fifa inzwischen verlassen. (Archivbild: AP Photo/Frank Augstein)
"SZ am Wochenende", S. 2 (Paid), sueddeutsche.de, sportschau.de

“SZ-Magazin” stellt 2019 keine “Gewissensfrage” mehr.

SZ-Magazin beendet nach 16 Jahren und mehr als 850 Texten die Kolumne Die Gewissensfrage. Darin beantwortet Jurist und Mediziner Dr. Dr. Rainer Erlinger Moralfragen wie "Darf man über Unfälle anderer lachen?" oder "Muss ich dem Brautpaar schenken, was es sich wünscht?". Die letzte Folge erscheint am 28.12., über den Grund für das Aus ist nichts bekannt. 2019 startet eine neue Kolumne von "SZ"-Autorin Johanna Adorján.
swmh.de