“Spiegel”: FischerAppelt berät Kai Gniffke.


Fishing for Compliments: ARD-Chef Kai Gniffke lässt sich in PR-Dingen noch bis Ende März von der Agentur Fischer­Appelt beraten, meldet der "Spiegel". Der SWR begründet das mit einem "umfang­reichen Reform­prozess" im Verbund, zudem sei der ARD-Vorsitz "deutlich früher als vor­gesehen" an Gniffke gegangen. Kosten nennt der Sender nicht. Die Autoren Alexander Kühn und Anton Rainer erinnern an eine Aussage Gniffkes aus dem Doppel-Interview mit Tom Buhrow Ende 2022. Darin hatte der Journalist prognostiziert, dass von der ARD-Reform Betroffene "jaulen und quieken" würden. Verdi hatte diese Wort­wahl kritisiert. Bei Fischer­Appelt arbeitet inzwischen u.a. Ex-ARD-Sprecher Birand Bingül.
"Spiegel" 05/23, S. 57, turi2.de (Doppel-Interview), turi2.de (Kritik an Gniffke)

Foto: Picture Alliance / dpa / Bernd Weißbrod

Basta: “Letzte Generation” will TV-Gottesdienst stören – kommt aber zu spät.

Jesu-Kreuz 150 (Foto: dpa)Ihr Kleberlein kommet: Die ARD hat ihren Gottesdienst an Heiligabend bereits am 23. Dezember aufgezeichnet. Der Grund: Es hatten sich für die Live-Übertragung aus Stuttgart ungebetene Gäste der "Letzten Generation" angesagt. Es müsste schließlich schon mit dem Teufel zugehen, wenn der Kirchenfunk sich seinen Festtagsfrieden von Klima-Wutbürgern vermasseln ließe.
br.de, swr.de, ardmediathek.de (44 Min störungsfreier Gottesdienst)

SWR startet Sex-Format für heterosexuelle Männer.

Sex-WR: Der SWR startet den YouTube-Kanal Ausgesprochen Geil mit Moderator Frederik Fleig über Sex und Männergesundheit. Das Format richtet sich laut Sender vor allem an heterosexuelle Männer. Es gibt Tipps gegen Erektionsstörungen, Frauen beantworten Fragen wie "Wie wichtig ist die Größe?". Zu Gast ist u.a. ein evangelischer Pfarrer, der über sein erstes Mal mit 13 spricht.
swr.de, youtube.com, tiktok.com

Angela Merkel tritt in SWR2 Crime-Podcast auf.


Mords-Mutti: Der SWR2-True-Crime-Podcast Sprechen wir über Mord!? veröffentlicht als Weihnachts-Special drei Sonderfolgen mit Angela Merkel. Die Ex-Bundes­kanzlerin diskutiert mit dem ehemaligen Bundes­richter Thomas Fischer und ARD-Terrorismusexperte Holger Schmidt über strafrechtliche Zusammenhänge und Motive in Richard Wagners "Ring des Nibelungen". Damit dreht sich der Podcast ausnahmsweise nicht um reale Verbrechen, soll aber einen Bezug zum echten Leben haben. Als Gründe für ihre Teilnahme nennt Merkel in der ersten Folge "das Format, und die Tatsache, dass Sie gefragt haben". Sie könne jetzt Formate machen, die sie früher nur sehr selten hätte machen können. "Das gehört zu meiner neu gewonnen Freiheit dazu."
swr.de, ardaudiothek.de

Video-Tipp: Boris Rosenkranz über Vanessa Mai und ihren “Promo-Sender” ARD.

Video-Tipp: Die ARD-Doku Mai Time Is Now über Vanessa Mai entpuppt sich "bei näherem Hinsehen" als "Imagefilm" für die Schlager-Sängerin, analysiert Übermedien-Gründer Boris Rosenkranz. Pikant sei u.a., dass der verantwortliche SWR die vermeintlich "exklusiven" und "intimen" Einblicke in das Leben der Musikerin gar nicht selbst gefilmt hat, sondern zwei Freunde von ihr.
youtube.com (11-Min-Video), uebermedien.de

Ex-SWR-Landessenderdirektorin Simone Schelberg wird Co-Direktorin des Mainzer Medieninstituts.

Was mit Medien: Die frühere SWR-Landes­sender­direktorin von Rhein­land-Pfalz, Simone Schelberg, ist ab sofort neue Co-Direktorin des Mainzer Medieninstituts neben Matthias Cornils. Das Institut befasst sich mit Medien­recht und Medien­politik und bietet auch einen berufs­begleitenden Master-Studiengang. Schelberg hatte fast 15 Jahre lang die Fernseh- und Hörfunk­programme des SWR für Rheinland-Pfalz verantwortet.
epd.de, turi2.de (Background)

Hör-Tipp: Deutsches Datenrecht wird in Zukunft großes Hindernis, sagt Eike Wenzel.

Hör-Tipp: "Das deutsche Datenrecht ist so umständlich und ist so an den Bedürfnissen einer Gesellschaft für die nächsten zehn Jahre vorbei, dass da tatsächlich sehr viel neu gedacht werden muss", sagt Zukunfts­forscher Eike Wenzel im Podcast SWR3 Report. Er sieht vor allem ein "juristisches Problem" als Hindernis für automatisiertes Fahren und optimierte Infra- und Versorgungs­strukturen.
swr3.de (72-Min-Audio)

Anja Görzel wird Kommunikationschefin SWR, Eva Lippok wird Personalchefin.

SWR befördert Anja Görzel (Foto) zur Leiterin der Haupt­abteilung Kommunikation. Sie leitet bisher Presse und Public Affairs und ist Vize-Unter­nehmens­sprecherin. Görzel folgt im Januar auf Lothar Hasl, der in den Ruhe­stand geht. Neue Personal­chefin wird Eva Lippok, bisher Leiterin "Zentrale Programm­aufgaben". Sie folgt auf Thomas Schelberg, der Geschäfts­führer der SWR Media Services GmbH wird.
presseportal.de

SWR führt einheitliche Marke für Kulturinhalte ein.

Kultur-Konjunktur: Der SWR bündelt zukünftig all seine Kulturinhalte unter der Marke "SWR Kultur". Im ersten Schritt hat der Sender die Kanäle von SWR2 auf Instagram und Facebook umbenannt und inhaltlich neu konzipiert. Voraussichtlich Anfang 2024 soll auch der Radiosender selbst umbenannt werden. Zudem soll bereits 2023 ein neues Kulturmagazin im Fernsehen die bisherigen Formate ablösen. Nicht Teil der neuen Marke sind Klassik-Inhalte. Der Sender plant stattdessen eigene Angebote.
swr.de, dwdl.de

Jennifer Sieglar und Tobias Koch führen durch neue ARD-Sendung “KlimaZeit”.

HR und SWR starten ab dem 4. November auf tagesschau24 die ARD-Sendung "Klimazeit". Das Magazin bietet Hintergrund­berichte, ordnet Ergebnisse der Klima­forschung ein und zeigt Beispiele, was Menschen und Unternehmen für den Klimaschutz tun können. Jennifer Sieglar und Tobias Koch führen abwechselnd durch die Sendung, die jeden Freitag direkt vor der "Tagesschau" um 20 Uhr läuft.
presseportal.de

Newszone-App: Verlage werfen dem SWR eine “technische Umgehung des Verbotstenors” vor.

Zonen-Zoff: 16 Verlagshäuser aus dem Südwesten kritisieren den SWR dafür, die Inhalte der vorläufig untersagten Newszone-App weiter auf TikTok und dasding.de/newszone zu verbreiten. Dadurch würden die Nachrichteninhalte von Newszone als "eigenständiges Angebot" fortgeführt und es liege "eine technische Umgehung des Verbotstenors vor", sagt Wolfgang Poppen, Verleger der "Badischen Zeitung", der dpa. Die Verlage würden derzeit rechtlich prüfen, "ob mit diesem Vorgehen ein Verstoß gegen die Verbotsverfügung" gegeben sei. Der SWR hatte nach dem Urteil des Landgerichts Stuttgart bereits verkündet, Berufung einzulegen. Die App, die Nachrichten von Dasding.de anbietet, sei teilweise zu presseähnlich, so das Gericht.
wuv.de, turi2.de (Background)

SWR will gegen Newszone-Urteil Berufung einlegen.

Grauzone: Der SWR will gegen das Urteil des Land­gerichts Stuttgart Berufung einlegen, das die Verbreitung der App Newszone in einer früheren Version untersagt. Die App, die Nachrichten von Dasding.de anbietet, sei teilweise zu presse­ähnlich, so das Gericht. SWR-Intendant Kai Gniffke sieht in der App kein separates Angebot, sondern nur einen "Ausspiel­weg, der genau für die hier in Frage kommende Zielgruppe relevant ist".
presseportal.de, turi2.de (Background)

Warnstreik bei NDR und SWR führt zu Programmausfällen.

Kein Programm: Beschäftigte des NDR und SWR treten von Donnerstagabend bis Freitagmorgen in einen Warnstreik für mehr Lohn. Die Arbeitsniederlegung hat auch Auswirkungen auf das Programm. Das NDR-Magazin "Das!" fiel am Donnerstagabend aus. Stattdessen lief eine Wiederholung. Die Beschäftigten von NDR fordern u.a. 5,9 % mehr Lohn, die streikenden Kolleginnen vom SWR 6,5 %.
rnd.de

Zahl des Tages: ZDF, SWR und SR haben mehr Rentnerinnen als Mitarbeitende.

Zahl des Tages: Stolze 3.813 ehemalige Mitarbeitende versorgt das ZDF mit monatlichen Rentenzahlungen, hat aber aktuell nur 3.511 Mitarbeitende, wie "Welt am Sonntag" berichtet. Allein für die Rentenzahlungen an den ehemaligen Intendanten Thomas Bellut habe der Sender 5,8 Mio Euro zurückgestellt. Auch beim SWR gibt es mehr Rentnerinnen (3.880) als aktuell Beschäftigte (3.600), ebenso beim SR (690 zu 615) und beim Deutschlandradio (913 zu 717).
welt.de (€)

Zitat: Marieke Reimann wünscht sich weniger medieninterne Kriege.

"Wenn wir als Medien insgesamt bestehen bleiben wollen, ist das eine gemeinschaftliche Aufgabe aller Medien in Deutschland, die sich in einem demokratischen Spektrum bewegen."

Marieke Reimann, Zweite Chefredakteurin des SWR und ehemalige Chefredakteurin von ze.tt, sagt im turi2 Clubraum, Journalistinnen seien "sehr selbstrefentielle Menschen". Aber wenn privatwirtschaftliche Verlage und öffentlich-rechtliche Anstalten die ganze Zeit mit "medieninternen Kriegen beschäftigt" seien, könnten sie Fake News und propagandistischen Kräften nicht genug entgegensetzen.
turi2.de

“Wir verstecken uns vor unserer eigenen Courage” – Marieke Reimann über Außenwirkung und Eigenwerbung der ARD.


Trommeln für den Tanker: Marieke Reimann, seit 2021 Zweite Chefredakteurin des SWR, nervt die "fehlende Eigenwerbung" der ARD. Im turi2 Clubraum mit Markus Trantow und Aline von Drateln sagt sie, die ARD mache "so geiles Zeugs" und habe "so viele Leute mit einem starken journalistischen Verständnis", doch sie schaffe es noch nicht, dem Krisenmodus etwas entgegenzusetzen: "Für den Tanker, der wir ja sind, verstecken wir uns manchmal vor unserer eigenen Courage." Sie wünscht sich "mehr Power hinter dem Bollwerk ARD", Kampagnen mit prominenten Testimonials und dass auch hochrangige Vertreterinnen der Rundfunkanstalten in den sozialen Netzwerken stattfinden.

"Wir sind alle ganz dicht dran an der Krise des RBB und der generellen Identitätskrise der ARD", sagt sie. Die Medien stünden unter einem Generalverdacht, aber die ARD treffe es besonders. Die Mitarbeitenden müssten sich "tagtäglich dafür rechtfertigen, dass es Rundfunkgebühren gibt" und trotzdem nicht alle die Berichterstattung angemessen fänden. Reimann bleibt dennoch optimistisch. Die ARD sieht sie jetzt in der Bringschuld, für mehr Transparenz zu sorgen – und offener für unterschiedliche Perspektiven zu werden.

Sie forder "mehr Durchmischung", die Einstiegshürden in der Medienwelt insgesamt seien immer noch zu hoch. Sie fordert zum Beispiel andere Auswahlkriterien in den Journalistenschulen, sichtbarere Stellenausschreibungen und bessere Praktikumsvergütungen. Dabei spielt für sie auch ihre ostdeutsche Herkunft eine Rolle – eine Perspektive, die nach wie vor nicht genug vertreten sei. Auch deshalb findet sie ihre Arbeit beim SWR toll – weil sie dadurch die Chance habe, als eine der wenigen ostdeutschen Führungskräfte in westlichen Medienunternehmen eine Vorbildfunktion einzunehmen.

Als Kind hört Reimann "Radio Lollipop" von Rolf Zuckowski und interviewt ihre Mutter beim Kochen. "Da wusste ich, ich muss irgendwas mit Radio machen", erinnert sie sich. Nach dem Studium arbeitet sie zunächst als Autorin für "Süddeutsche" und "11 Freunde" und baut dann bei der "Zeit" das Jugendmagazin ze.tt mit auf. Als ze.tt zu einem Ressort von Zeit Online wird, nimmt sie sich eine Auszeit und wechselt dann zum SWR.

"Wir hatten beide kurz so einen Schockmoment, und der hält bis heute an", kommentiert sie mit einem Lachen die enorme Umstellung, die das für sie bedeutet hat. Ihr Alltag sei jetzt strukturiert durch Arbeitsgruppen und Gremien. Es gebe eine sehr hierarchische Struktur, "die man lernen muss einzuhalten". Grundsätzlich findet sie die demokratischen Strukturen gut, aber die langen Dienstwege seien manchmal hinderlich, "weil es Leute davon abhält, selbstständiger zu arbeiten." Viele würden gerne mehr machen, ist Reimann überzeugt. "Aber man traut sich zu langsam."

In der nächsten Woche findet der turi2 Clubraum schon am Mittwoch, den 12.10. statt. Markus Trantow und Aline von Drateln sprechen live on stage im RTL-Audiocenter Berlin mit Nina Gerhardt, Geschäfts­führerin von RTL Radio Deutschland, und Christian Schalt, Geschäfts­leiter der Audio Alliance.
turi2.tv (58-Min-Podcast auf YouTube), turi2clubraum.podigee.io, apple.com, spotify.com, deezer.com, audionow.de


Lese-Tipp: Radio muss nicht in Selbstmitleid verfallen, sagt Stefanie Schäfer.

Lese-Tipp: Radio­macherinnen sollten nicht "in Selbst­mitleid verfallen", weil sie musikalisch nicht mit den Streamern mithalten können, sagt die lang­jährige Musik­chefin des SWR-Jugendradios Das Ding, Stefanie Schäfer. Radio könne "Geschichten zu Songs und den Menschen, die dahinterstehen" erzählen, was Plattformen wie Spotify und Co "nicht leisten" können. Sie empfindet viele Entscheidungen im Bezug auf Radio als "zu hektisch und aktionistisch".
radioszene.de

Heute im turi2 Clubraum: Marieke Reimann über frischen Wind für die Ohren.


Finale: Marieke Reimann verantwortet als Zweite Chefredakteurin des SWR u.a. Radio und Podcasts im Südwesten und redet auch bei der Audio-Strategie der ARD mit. Zum Ausklang der turi2 Podcast-Wochen spricht Reimann mit Aline von Drateln und Markus Trantow über die Rolle des Radios, den wachsenden Stellenwert von Podcasts – und über die Lage der ARD. Außerplanmäßig sendet der Livepodcast von turi2 bereits am Donnerstagmittag um 11 Uhr.

Der turi2 Clubraum diskutiert normalerweise immer freitags die Themen der Woche. In den vergangenen Wochen waren Podcast-Star und TV-Moderator Mickey Beisenherz, die Podcast-Produzentin Ina Tenz und Radio-Managerin Valerie Weber zu Gast. Alle Termine und Links zu Live-Events und Podcasts gibt's auf turi2.de/clubraum.
clubhouse.com (live ab 11 Uhr)

Zitat: SWR-Intendant Kai Gniffke steht zu seiner SPD-Mitgliedschaft.

"Natürlich bin ich im Lauf meiner Arbeit als Reporter, landespolitischer Korrespondent, Chefredakteur und jetzt Intendant oft gefragt worden, wie ich als Parteimitglied denn neutral sein könne. Die wichtigste Antwort darauf lautet: Transparenz!"

Der SWR-Intendant und künftige ARD-Vorsitzende Kai Gniffke bezieht in einem Schreiben Stellung zu seiner SPD-Mitgliedschaft. Jeder könne davon wissen und selbst beurteilen, ob er eine Schlagseite habe. Von Journalistinnen fordert er, "dass sie ihre Arbeit nach professionellen Standards machen und dabei die eigene Meinung von der Arbeit trennen."
dwdl.de

SWR-Intendant Kai Gniffke übernimmt den ARD-Vorsitz 2023.


Keine Überraschung: Der SWR-Intendant Kai Gniffke übernimmt wie erwartet 2023 den ARD-Vorsitz. Darauf einigen sich die Intendantinnen und Gremien­vorsitzenden der ARD-Rundfunk­anstalten in Bremen. Der SWR übernimmt die Aufgabe somit ein Jahr früher als ursprünglich geplant. Gniffke folgt auf Tom Buhrow, der das Amt nach dem Rücktritt von Patricia Schlesinger Anfang August übergangsweise übernommen hatte. Der WDR-Intendant ist ab 2023 stell­vertretender Vorsitzender der ARD. "Es sind herausfordernde Zeiten für die ARD, die wir nun gemeinsam angehen können", beschreibt Buhrow die Umstände, in denen Gniffke den neuen Post antritt. Nicht nur der RBB steckt nach den Vorwürfen gegen die ehemalige Intendantin Schlesinger in einer Vertrauens­krise, auch beim NDR ist nach Recherchen des Business Insiders von Vettern­wirtschaft und einem internen "Regime des Schreckens" die Rede. "Mit guter journalistischer Arbeit müssen wir für das Vertrauen der Menschen kämpfen", sagt Gniffke zu seiner bevorstehenden Aufgabe. Er wolle "noch deutlicher heraus­stellen, dass wir unabhängig und der journalistischen Qualität verpflichtet sind".

Der SWR-Intendant hatte sich in der vergangenen Woche für ein gemeinsames Mantel­programm der Dritten mit Regional­teilen ausgesprochen. Den Zeitungen der Verlags­gruppe Rhein-Main sagte er, das sei "ein Gedanke, den wir in den kommenden Monaten und Jahren intensiv diskutieren sollten". Eine Einstellung des ZDF oder Ersten sei keine Option. Zudem kündigte Kniffke an, "mit Zähnen und Klauen" etwa Volks­musik­sendungen zu verteidigen. Die Aufgabe des ÖRR sei nicht nur, "harte Themen abzuarbeiten und Probleme zu beschreiben".
presseportal.de, turi2.de (Background)

SWR lässt seine Compliance-Regeln hinterfragen.

Sicher ist sicher: Die Kontroll-Gremien beim SWR wollen die Compliance-Regeln des Senders vorsorglich auf den Prüfstand stellen. Eine unabhängige Arbeitsgruppe aus Mitgliedern des Verwaltungs- sowie des Rundfunkrats schaue sich an, "ob die Regeln verbesserungswürdig sind und ob man an der einen oder anderen Stelle nachschärfen könnte", sagt der Verwaltungsratsvorsitzende Hans-Albert Stechl der dpa. Künftig wolle man zudem öfter Sachverstand von außen einholen.
rnd.de

Debatte: Melina Borčak fordert Kündigung von SWR-Journalistinnen wegen Podcast “Sack Reis”.

Feuer-Forderung: Nach der gescheiterten Aussprache über eine Folge des SWR-Podcasts "Sack Reis" zur Situation in Bosnien fordert Melina Borčak die Kündigung der verantwortlichen SWR-Journalistinnen. Karin Feltes, Paula Kersten und Stephanie Haiber hätten "dermaßen schlecht gearbeitet" und seien "dermaßen kritik­resistent", dass sie "für den Journalismus nicht geeignet" sind. Kersten habe sich auf "Schul­referats-Niveau" auf den Podcast vorbereitet.
fr.de, turi2.de (Background)

BR-Intendantin Katja Wildermuth nennt Vorgänge im RBB “singulär”.

Schlesinger-Affäre: BR-Intendantin Katja Wildermuth (Foto) bezeichnet die Enthüllungen rund um den RBB und Ex-Intendantin Patricia Schlesinger als Einzelfall innerhalb der ARD. Im Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" sagt sie: "Nach meinem Kenntnisstand und nach dem, was wir jetzt wissen: Ja, die Vorgänge im RBB sind singulär." Indes fordert HR-Intendant Florian Hager einen "Neubeginn unter neuer Führung", meldet die dpa. SWR-Intendant Kai Gniffke habe indes nicht den Eindruck, "dass die RBB-Geschäftsführung willens oder in der Lage ist, die Vorgänge hinreichend aufzuklären, um den Sender wieder zu stabilisieren".
sueddeutsche.de (Paid), spiegel.de, rnd.de

SWR entschuldigt sich für “Sack Reis”-Folge.

Eingeständnis: Der SWR entschuldigt sich für die Folge "Kurz vor Krieg? Der zerbrechliche Frieden in Bosnien-Herzegowina" aus dem Podcast "Sack Reis". Die Veröffentlichung sei ein "Fehler" gewesen. Bis die Vorwürfe "aufgearbeitet" wurden, pausiert der Sender den Podcast. "Im Sinne der Transparenz" soll die Folge zu Bosnien-Herzegowina jedoch online bleiben. Die Journalistin Melina Borčak hatte kritisiert, dass sich darin "falsche Fakten, Genozid­­leugnung und Kritik­­resistenz" treffen. Nach einem Streitgespräch mit dem SWR habe sie "Beruhigungs­­tabletten schlucken" müssen.
twitter.com, turi2.de (Background)

Podcast-Aussprache zwischen SWR und Melina Borčak läuft gegen die Wand.

Kein gemeinsamer Punkt: Die beabsichtigte Aussprache zwischen der Journalistin Melina Borčak und dem SWR über eine Folge des Podcasts "Sack Reis" artet in ein Streit­gespräch aus, nach dem Borčak "Beruhigungs­tabletten schlucken" musste. Borčak hatte kritisiert, dass sich in der Folge zur Situation in Bosnien "falsche Fakten, Genozid­leugnung und Kritik­resistenz" treffen. In der jetzigen Sonder­folge führt sie aus, dass die Redaktion "keine Ahnung" von dem Thema habe. "Der SWR ist nicht mehr zu retten", schlussfolgert sie. Redaktions­leiterin Karin Feltes verteidigt ihre Recherche und die Auswahl der Protagonistin in der ursprünglichen Folge. Moderatorin Stephanie Haiber hält Borčaks Vorwürfe teils für "frech" und "provokativ".
ardaudiothek.de (84-Min-Audio), twitter.com, turi2.de (Background)

Zitat: Mira Seidel macht sich keine Sorgen um die Zukunft des Radios.

"Wenn ich meine Spotify-Playlist höre, sagt mir niemand, dass draußen die Sonne scheint."

Mira Seidel, Programm­chefin der Jugend­welle Das Ding, macht sich keine Sorgen um die Zukunft des Radios. Im DWDL-Interview sagt sie, das Medium könne im Gegenteil zu Streaming-Diensten "Emotionen und Befindlichkeiten" transportieren.
dwdl.de, turi2.de (Background)

SWR-Jugendradio Das Ding wird “durchhörbarer”.

SWR macht sein junges Radioprogramm Das Ding ab Montag tagsüber "durchhörbarer". Der Sender reagiert damit auf "veränderte Hör­gewohn­heiten" der Ziel­gruppe. "An Tagen, an denen wenig los ist, können sich unsere Moderator:innen auch mal etwas zurück­halten", sagt Programm­chefin Mira Seidel. Musikalische und inhaltliche "Kanten und Spitzen" sowie Newcomer bekommen dafür abends mehr Sende­zeit. Am Sonntag­abend um 21 Uhr ist im Radio­programm künftig Platz für Podcasts wie z.B. Njette Mädchen.
presseportal.de

ARD startet Podcast zur Energiekrise.

Energie-Synergie: Die ARD starte den wöchentlichen Podcast Energiekrise - und jetzt?. Fachjournalistinnen von SWR, WDR, HR und RBB analysieren und diskutieren mit Expertinnen die energie­politische Lage und deren Folgen in Deutschland. Die erste Episode befasst sich mit der Frage: "Kommt Deutschland mit 'weniger' Gas durch den Winter?".
presseportal.de, ardaudiothek.de (24-Min-Audio)

Debatte: Dating-Apps schützen Mitglieder schlecht vor sexuellen Übergriffen.

Probleme weggewischt: Dating-Apps reagieren bei sexuellen Übergriffen oft nicht auf Beschwerden Betroffener, berichtet das neue SWR-Investigativ-Format "Vollbild". Frauen fühlten sich mit ihren Erfahrungen allein gelassen. Bei einem Selbstversuch der Redaktion habe keine Plattform nach der Meldung direkten Kontakt mit der vermeintlichen Betroffenen aufgenommen.
tagesschau.de, youtube.com (28-Min-Video)

Debatte: SWR will auf die Kritik am Podcast “Sack Reis” reagieren.

Falsches Zeichen gesetzt? Der SWR plant eine Sonderausgabe seines Auslandspodcasts "Sack Reis", um die Kritik an einer Folge über die Situation in Bosnien aufzuarbeiten. Journalistin Melina Borčak hatte kritisiert, in der Folge treffen "falsche Fakten, Genozidleugnung und Kritikresistenz" aufeinander. Borčak soll zur Sonderfolge eingeladen werden. In einer Instagram-Story schreibt sie, der SWR habe sie nicht über seine Pläne informiert.
swr.de, instagram.com (Account Borčak), turi2.de (Background)

Nachtrag, 22.7.2022, 21:10 Uhr: Die Einladung zu dem Gespräch sei "im Nachgang natürlich konkret an Frau Borčak erfolgt", teilt der SWR mit. Mittlerweile habe Borčak ihre Teilnahme an dem Gespräch zugesagt.

Debatte: SWR-Podcast “Sack Reis” leugnet den Genozid an Bosniaken.

Podcast-Kritik: In einer Folge des SWR-Podcasts "Sack Reis" zur Situation in Bosnien "treffen sich falsche Fakten, Genozidleugnung und Kritikresistenz", kritisiert Melina Borčak (Foto) im "journalist". Milica, die Protagonistin der Folge, verbreite "typische ultranationalistische und rassistische Framings" – ohne eine "adäquate Einordnung oder Widerspruch" durch die Redaktion. Der SWR streitet die Vorwürfe ab und beruft sich dabei auf die Einschätzung des Justiziariats. In einer Stellungnahme habe der Sender die Genozidleugnung nachträglich als "Meinung" bezeichnet.
journalist.de, ardaudiothek.de (41-Min-Podcast)

Ulla Fiebig strukturiert SWR-Landessender Rheinland-Pfalz neu.

Frischer Wind: SWR-Landessenderdirektorin Ulla Fiebig teilt die Zuständigkeiten und Ressorts des rheinland-pfälzischen Landessenders zum Jahresende neu auf. Unter anderem arbeiten die beiden Landeshörfunkwellen SWR1 Rheinland-Pfalz und SWR4 Rheinland-Pfalz dann in einer gemeinsamen Radio-Unit arbeiten, bleiben aber eigenständige Wellen. Außerdem werden in der bisherigen Hauptabteilung SWR4 Rheinland Pfalz die fünf rheinland-pfälzischen Regionalstudios sowie ein "kompakter Entwicklungsbereich" beheimatet sein. Fiebig leitet die Landessenderdirektion seit Anfang 2022.
dwdl.de

Debatte: SWR-Doku über Russlanddeutsche zeigt ein verzerrtes Bild.

Immer das Gleiche: Die SWR-Dokumentation "Russlanddeutsche – unsere fremden Nachbarn?" zeigt vor allem Klischees, kritisiert "Welt"-Autor Artur Weigandt, der selbst Russlanddeutscher ist. Die Diaspora sei so vielfältig wie die Gesellschaft, doch die Doku zeige immer wieder "Putinisten und AfD-Wähler". Damit verpasse der SWR die Chance, ein differenziertes Bild zu vermitteln. "Die Medien hatten mehr als 30 Jahre Zeit, sich vernünftig mit den Russlanddeutschen auseinanderzusetzen. Sie haben es nicht getan. Soll das die Bilanz einer Integration gewesen sein?", fragt Weigandt.
welt.de (Paid)

SWR macht ein neues Wissenschafts-Format mit YouTuber Jacob Beautemps.

SWR startet eine neue Wissenschafts-Reihe mit dem YouTuber Jacob Beautemps. Drei Folgen von "Science for Future" sind ab dem 4. August in der ARD-Mediathek und auf YouTube abrufbar, eine TV-Ausstrahlung erfolgt zwei Tage später im Nachmittagsprogramm des Ersten. In dem Format sollen "begeisterte" Wissenschaftlerinnen zu Wort kommen, "die schon heute an den Lösungen für Morgen arbeiten".
dwdl.de

Studie: Nur wenige Jugendliche nehmen Notiz von “Ich bin Sophie Scholl”.

Sophie, wer? Nur 23 % der 14- bis 19-Jährigen haben das Instagram-Projekt Ich bin Sophie Scholl vom SWR und BR wahrgenommen, sagt eine Studie der RWTH Aachen laut dem "Spiegel". Lediglich 145 von 1250 befragten Schülern hätten den Kanal angeklickt, die meisten aber nur einmalig. Zudem hätten viele Befragte die digitale Sophie für die echte gehalten.
spiegel.de

Hör-Tipp: Christoph Keese will “erbarmungswürdige Zustände” mit Technologie lösen.

Hör-Tipp: Hy-Chef und Publizist Christoph Keese diagnostiziert im "SWR1 Leute"-Podcast "erbarmungswürdige Zustände" auf dem Planeten Erde, die er am liebsten durch Technologie lösen würde. Es sei weniger relevant, ob man sich nachts um drei in Berlin Rosenkohl liefern lassen könne – Technik könne aber u.a. dafür sorgen, Nahrungsknappheit, Energie- und Gesundheitsprobleme zu einzudämmen.
swr.de (49-Min-Audio)

SWR legt seine Sportsendungen zusammen.

Sportliches Sparprogramm: Der SWR spart sich künftig die Ausstrahlung von zwei unterschiedlichen Landessport-Sendungen am späten Sonntagabend, meldet die dpa. Ab dem 17. Juli soll dann die gemeinsame Sendung "SWR Sport" laufen, bisher erfolgte eine Unterteilung in "SWR Sport Baden-Württemberg" und "SWR Sport Rheinland-Pfalz". Als Grund nennt der Sender rückläufige Quoten, durch die Zusammenlegung sollen mehr Mittel und Kapazitäten für das digitale Sportangebot frei werden.
digitalfernsehen.de

“Nicht mit der Kladde durchs Funkhaus laufen”: Daniel Bouhs über neue Projekte und alte Unbefangenheit.



Familiäre Vorbelastung: "Meine erste Fest­anstellung gekündigt zu haben, war rückblickend das Beste, was ich im Job gemacht habe", sagt Daniel Bouhs im turi2 Clubraum. Der langjährige Medienjournalist und frischgebackene Redakteur mit besonderen Aufgaben des SWR, erzählt im Gespräch mit Aline von Drateln und Björn Czieslik, dass sein Weg in den Medien­journalismus schnell ein "Selbstläufer" geworden ist. Da sein Vater ZDF-Journalist war, habe er nie Berührungs­ängste mit den Medien gehabt. Seine Zeit als freischaffender Journalist, u.a. im ARD-Radio, dem Deutschlandfunk und bei "Zapp", haben ihm "Entwicklungen ermöglicht, die ich in diesem Tempo in dieser Vielfältigkeit nicht gehabt hätte". Im Live-Podcast diskutiert das Trio auch über Diversität in den Medien, den Ansturm aufs 9-Euro-Ticket und die Kommunikation von Robert Habeck.

Den SWR-Job in der Landes­­sender­­direktion Rheinland-Pfalz bei Direktorin Ulla Fiebig hat Bouhs angenommen, weil er "sehr bereit war, mal etwas Neues zu machen". Im Sender habe es "schon Fragezeichen, auch was den Stellenzuschnitt angeht", gegeben, weil er auch für journalistische Qualitäts­sicherung zuständig ist. Bouhs habe jedoch vermittelt: "Es gibt kein Qualitätsproblem", sondern nur die Herausforderung, die Qualität zu halten. Zudem befasst sich Bouhs mit digitalen Entwicklungen und will den "unbefangenen Blick" des Ex-Medien­kritikers in den eigenen Reihen einbringen. Ein weiteres Ziel sei, die "heimliche Medien­haupt­stadt Mainz" stärker zu profilieren.

Künftig kann sich Bouhs gut vorstellen, Aufgaben im Rahmen des nahenden ARD-Vorsitzes des SWR zu übernehmen. Das könnte "eine interessante Perspektive" sein, auch wenn er die ARD-Chefs nicht beneidet: "ARD-Vorsitz ist glaub ich ein irres Brett. Das geht an die Substanz." In vergangenen Gesprächen mit ARD-Chefs habe er gelernt, dass "sich einige gefreut haben, wenn die zwei Jahre auch wieder vorbei waren". Die ARD-Vorsitzende könne nicht wie im Konzern "durchregieren", sondern müsse "neun Anstalten auf einen Nenner bringen, die ja aus guten Gründen autarke Medienhäuser sind".

Dass bezüglich seines Wechsels, auch im Verbund mit der Personalie Kai-Hinrich Renner, von einem "Niedergang des Medien­journalismus" geschrieben wurde, hält er für übertrieben. Einerseits sei Medienjournalismus zwar "immer gefährdet", andererseits gebe es auch in Häusern wieder Bedarf, die ihre Aktivitäten auf dem Feld zwischenzeitlich stark heruntergefahren haben. Schuld daran sei auch die Herausforderung, "den Widerstand gegenüber Desinformation" zu leisten und Qualitäts­journalismus abzuliefern.

Der turi2 Clubraum diskutiert jeden Freitag um 12 Uhr mit einem prominenten Gast die Themen der Woche. Nächste Woche ist der Editorial Director des "Zeit Magazins" Christoph Amend zu Gast.
turi2.tv (48-Min-Podcast auf YouTube), turi2clubraum.podigee.io, apple.com, spotify.com, deezer.com, audionow.de

Hör-Tipp: SWR2 Wissen untersucht die kulturelle Vielfalt im Journalismus.

Hör-Tipp: Journalistinnen mit Migrations-Hintergrund "werden entweder als Migrations­spezialist*innen oder als Quoten­türke gesehen", sagt Christine Horz-Ishak in einem Beitrag über kulturelle Vielfalt im Journalismus bei SWR2 Wissen. "Verwunderlich" findet die Kommunikations-Wissenschaftlerin außerdem, dass deren Expertise oder Ausbildung "in Zweifel gezogen" werde – schließlich "sind die ja hier ausgebildet, sind hier in Deutschland".
swr.de (28-Min-Audio)

Lese-Tipp: Matthias Meisner analysiert, wie sich der Fall um Kabarettistin Lisa Fitz entwickelt hat.

Lese-Tipp: Die Reaktion des SWR auf die "Spätschicht"-Ausgabe mit Kabarettistin Lisa Fitz war "konfus und wirkte unbeholfen", schreibt Journalist Matthias Meisner. Die Debatte treffe den SWR an seiner Schwachstelle, dem Fakten-Check. Meißner kritisiert, die Redaktion hätte herausfinden können, auf welche Quelle sich Fitz bei ihrem Auftritt bezogen hat. Fitz hingegen pflege bei TV-Auftritten ihre Opferrolle.
journalist.de, turi2.de (Background)

Klick-Tipp: SWR startet ein digitales Debattenformat.

Klick-Tipp: Der SWR initiiert mit MixTalk ein digitales Debattenformat. Per Zufallsprinzip kommen zwei Teilnehmende ins Gespräch. Wie beim Speeddating haben sie fünf Minuten Zeit zum Diskutieren. Wer nur zuhören möchte, kann der Live-Debatte der Hosts Katharina Röben, Robin Blase, Danijel Stanic und Helen Fares folgen. Das Format startet morgen um 19 Uhr mit einer Diskussion zum Tempolimit.
presseportal.de