IVW-Zahlen: Auflagen der Springer-Zeitungen schrumpfen massiv.

Zeitungen verlieren weiter an Auflage – und Springer ist der große Verlierer im 2. IVW-Quartal. "Bild" gehen 144.000 Käufer von der Fahne, im Vergleich zum Vorjahr -9,9 %. "Bild am Sonntag" verliert 9,8 %, "Welt" sogar 14,2 % bei Abo und Einzelverkauf. "Süddeutsche", "taz" und "Zeit" halten sich stabil, was zumeist am Digitalabo-Wachstum liegt.
meedia.de

Kress.de: "taz" denkt über die Einstellung der Regionalteile nach – Andreas Bull widerspricht.

taz will mit der Umstellung von sechs Ausgaben pro Woche auf eine Wochenendausgabe 2022 auch die Regionalteile umbauen, zitiert Kress.de aus einem internen Schreiben, das anscheinend von besorgten Redakteuren stammt. Demnach erwäge die Geschäftsführung, die Ausgaben Nord und Berlin als eigene Bücher zu streichen, auch zwei weitere Optionen würden diskutiert. Die Verfasser des Schreibens seien "empört" darüber, "wie in diesem Haus mit uns kommuniziert wird". "Es gibt überhaupt keine Planungen", sagt Geschäftsführer Andreas Bull gegenüber turi2 zu dem Schreiben. Im Zuge des Umbaus werde im Haus alles Mögliche diskutiert.
turi2 – eigene Infos, kress.de (Beschwerdeschreiben)

Mein größter Misserfolg – und was ich daraus gelernt habe (5): Kai Diekmann.


Den Misserfolg genossen: Ex-"Bild"-Chefredakteur Kai Diekmann stellt fest, dass Recht haben und Recht bekommen zwei sehr unterschiedliche Dinge sind und schlägt die "taz" lieber mit ihren eigenen Mitteln. Er und viele andere Medien- Marken- und Meinungsmacher schreiben bei turi2 über ihre größten Misserfolge und was sie daraus gelernt haben. Erzählen auch Sie uns Ihre Geschichte: post@turi2.de.
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Zitat: Karl-Heinz Ruch will nicht glauben, dass Journalisten nicht ans Zeitungssterben glauben.

"Die Journalisten wissen genau, wann Schluss ist mit dem Diesel und wann mit der Braunkohle. Nur von einem Ende der Zeitung wollen sie nichts wissen."

"taz"-Geschäftsführer Karl-Heinz Ruch verabschiedet sich aus dem Berufsleben und vom Geschäftsmodell Tageszeitung. Wochenzeitungen könnten sich noch eine Weile halten.
"Frankfurter Rundschau" via horizont.net, turi2.de (Background)

Aus dem Archiv von turi2.tv: Karl-Heinz Ruch spricht 2017 auf der "taz"-Baustelle über die Zeitungskrise.

Video-Tipp: "Bild"-Chef Julian Reichelt berichtet beim "taz"-Panel über seine Zeit als Kriegsreporter.

Video-Tipp: "Bild"-Chefredakteur Julian Reichelt (Foto) spricht beim "tazlab"-Panel mit "taz"-Redakteur Martin Kaul u.a. über seine Zeit als Kriegsreporter. "Die Therapie und das Traumatisiertsein sind gesellschaftlich fast zum Statussymbol geworden," kritisiert Reichelt. Die Kriegserfahrung präge ihn bis heute.
taz.de, facebook.com (17-Min-Video)

Journalismus muss aus Fall Relotius lernen, fordert taz-Chefredakteur Georg Löwisch.

Fall Relotius muss dem Journalismus zu mehr Sorgfalt verhelfen, fordert "taz"-Chefredakteur Georg Löwisch und stellt einen 6-Punkte-Plan vor. Quellen und Rekonstruktionen sollten den Lesern transparenter gemacht werden. Anonymisierte Protagonisten müssten die Ausnahme bleiben, da es die Nachvollziehbarkeit einschränke.
journalist-magazin.de

Aus dem Archiv von turi2.tv: Chefredakteur Georg Löwisch zeigt die "taz" (Archiv 09/2017).

"taz" gründet Team für Zukunftsprojekte mit fünf Mitarbeitern.

In Zukunft: Die "taz" gründet ein Konzeptteam, die fünf Mitarbeiter sollen sich um Zukunftsprojekte kümmern und dabei den Innovationsreport berücksichtigen. Bis Anfang 2021 soll u.a. die Weiterentwicklung der "taz" im Netz, der Wochenendausgabe und der App stehen. Luise Strothmann übernimmt die Produktentwicklung der "taz" im Netz, Jürn Kruse das Community-Management, Jörg Kohn die "taz am Wochenende". Lena Kaiser und Jan Kahlcke verantworten die Entwicklung der täglichen App.
per Mail, turi2.de (Background)

AfD-Jugendorganisation Junge Alternative akkreditiert die "taz" nicht.

Politik: Die AfD-Jugendorganisation "Junge Alternative" verweigert der "taz" die Akkreditierung für ihren Bundeskongress. Andere Medien sind zugelassen. Der Verfassungsschutz hat die Organisation zum Verdachtsfall erklärt, die "taz" berichtete darüber. Auch die AfD hat schon mehrmals Journalisten von öffentlichen Parteiveranstaltungen ausgeschlossen.
blogs.taz.de, tagesspiegel.de

Unbekannte haben das Gebäude der "taz" angegriffen.

taz: Unbekannte haben das Redaktionsgebäude in der Berliner Friedrichstraße angegriffen, Plakate aufgehängt, Flugblätter verteilt und eine Angestellte bedrängt. Zu den Plakaten hat sich die Identitäre Bewegung bekannt. Auch bei der "Frankfurter Rundschau", beim "Spiegel" und am ARD-Haupstadtstudio gab es ähnliche Aktionen. Die Polizei ermittelt wegen Hausfriedensbruch, gefährlicher Körperverletzung und möglichem politischen Hintergrund. Am Wochenende haben Unbekannte bereit das Verlagshaus der "Titanic" und das Büro der Partei mit Farbe beschmiert.
welt.de, blogs.taz.de, fr.de, tagesschau.de

"taz" findet in ihren Texten von Claas Relotius wenig Ungereimtheiten.

taz hat ihre Texte von Claas Relotius geprüft, die der Autor während eines Praktikums in der Hamburger Redaktion der Zeitung verfasst hat. Die meisten Zitate und Beschreibungen kann die "taz" verifizieren. Ein Text zu einer neuen Zweigstelle einer ungarischen Privatuniversität in Hamburg könnte aber Fälschungen enthalten. Ob es den darin zitierten Studenten wirklich gebe, sei zweifelhaft.
blogs.taz.de, turi2.de (Background)

"taz" nimmt Archiv-Texte von Claas Relotius unter die Lupe.

taz prüft die Texte von Claas Relotius (Foto). Der Journalist, der beim "Spiegel" in großem Umfang vorsätzlich Texte manipuliert und erfunden hat, war 2008 Praktikant bei der "taz" in Hamburg. Aus dieser Zeit finden sich zehn Texte von ihm mit einer Länge zwischen 46 und 130 Zeilen im Archiv. 2011 schrieb er für die "taz" noch einen Text zu einem Fotoband über Jazzmusiker.
blogs.taz.de, turi2.de (Background)

"taz" ernennt Andreas Marggraf zum Geschäftsführer.


Generationswechsel: Die "taz" findet in Andreas Marggraf, 49, einen Nachfolger für Geschäftsführer Karl-Heinz Ruch, der Ende 2019 in den Ruhestand geht. Ab Februar leiten Marggraf, Ruch und Andreas Bull den Verlag der links-alternativen Zeitung gemeinsam. Marggraf kommt von Ärzte ohne Grenzen, wo er zuletzt als Finanzchef in der Zentrale in den Niederlanden gewirkt hat. Zuvor war er bereits in gleicher Funktion in der deutschen Sektion tätig.

Bei der "taz" ist Marggraf ein alter Bekannter: Von 1998 bis 2007 führte er die Geschäfte der "taz Nord" und war damals maßgeblich an der Neuausrichtung der Ausgabe beteiligt. "Ich freue mich sehr, zur 'taz' zurückzukehren und gemeinsam mit allen Mitarbeitenden an der digitalen Zukunftsfähigkeit dieser wunderbaren Zeitung zu arbeiten", lässt sich Marggraf im "Hausblog" auf taz.de zitieren. (Foto: Christian Mang)
blogs.taz.de, turi2.de (5-Min-Interview, 9/2017)

Aus dem Archiv von turi2.tv: Geschäftsführer Karl-Heinz Ruch erklärt die Zeitungskrise bei der "taz" für beendet. (9/2017)

"taz"-Haus wird erst Co-Working-Space und dann Kulturzentrum für queeres Leben.

taz: Das historische Redaktionsgebäude in der Berliner Rudi-Dutschke-Straße 23 bekommt Nachmieter. Zunächst zieht bis Ende 2021 das Betahaus ein, Coworking-Space für Startups und Freelancer. Danach soll das Haus als Kulturzentrum für queeres Leben Institutionen aus dem schwul-lesbischen und feministischen Spektrum beheimaten.
tagesspiegel.de, turi2.tv ("taz"-Neubau)

Aus dem Archiv von turi2.tv: "taz"-Geschäftsführer Karl-Heinz Ruch trotzt der Zeitungskrise.

"taz" blickt ohne Angst in die Digital-Zukunft, beobachtet Jens Schneider.

taz bereitet ihren Abschied von der Druckausgabe mit Wehmut, aber ohne Angst vor, beobachtet Jens Schneider. Chefredakteur Georg Löwisch sagt, ein großer Wut-Aufschrei seitens der Leser sei ausgeblieben, denn sie seien "Ultras, was ihre Bindung zu diesem Produkt betrifft". Die "taz" strebe "einen guten Mix" aus Print und Digital an. Ob der Umstieg auf eine digitale Zeitung auf lange Sicht funktioniere, sei offen.
sueddeutsche.de

"taz"-Macher der ersten Stunde produzieren die Jubiläumsausgabe.

taz erscheint zum 40. Jubiläum am Donnerstag mit einer Sonderausgabe, die sich formal an der Struktur der Nullnummer von 1978 orientiert. Die Macher von damals kommen noch einmal zusammen, um eine Jubiläums-"taz" zu produzieren, der zusätzlich ein Nachdruck der Nullnummer beiliegt.
per Mail

Aus dem Archiv von turi2.tv: Geschäftsführer Karl-Heinz Ruch über die Transformation der "taz" (Stand September 2017).

Bild des Tages: stern 1 wird nur Zweiter, strahlt trotzdem.


Abend-Plattmacher: Im Finale des Fußball-Turniers zu 70 Jahren "stern" hat die klassisch-sternrot gekleidete Mannschaft stern 1, hier im Bild, nicht gesiegt. Die Redaktionalmannschaft des "Hamburger Abendblatts" machte sie zum zweiten Sieger. Die Teams von Nannenschule, "taz", NDR, "Spiegel", "Zeit" sowie die zweite Mannschaft des "stern" kickten finalfern. (Foto: Gruner + Jahr)
abendblatt.de

Meinung: Karl-Heinz Ruch arbeitet mit dem Ende der Tageszeitung an der "taz"-Mission.

taz: Geschäftsführer Karl-Heinz Ruch hat schon ganz andere Herausforderungen gemeistert, als vor der Einstellung von Print die zusätzlich nötigen 22.000 Digitalabos zu verkaufen, beobachtet Uwe Vorkötter. Mit seinem "originellen und kreativen Blick" auf das eigene Blatt sowie die gesamte Medienwelt habe er es sogar fertig gebracht, die "Kapitalismus-Kritiker zu Immobilieneigentümern" zu machen.
horizont.net

"taz"-Chef Ruch präsentiert Pläne für Ende der Tageszeitung im Jahr 2022.

Geschäftsführer Karl-Heinz Ruch ist sich sicher: Auch ohne täglich Print muss niemand vom Dach des neuen "taz"-Hauses (im Hintergrund) springen. (Foto: Jens Twiehaus)

taz ohne Totholz: Geschäftsführer Karl-Heinz Ruch legt Zahlen für ein mögliches Ende der täglichen, gedruckten "taz" zum 1. Januar 2022 vor. Sein heute vor Journalisten gezeigtes Szenario umfasst eine Print-Ausgabe am Wochenende sowie digitale Abo-Produkte in Form von App und E-Paper. Weil Druck- und Vertriebskosten entfallen und das freiwillige Online-Abo wächst, geht Ruch von stabilen Umsätzen und möglicherweise gar steigenden Erträgen aus.

Ruch hatte schon 2011 ein Ende der gedruckten Tageszeitung in zehn Jahren prognostiziert ("Szenario 2021") und jüngst vor Mitgliedern der Genossenschaft einen Print-Abschied auf Raten angedeutet. Jetzt legt er Zahlen vor, um Mitarbeitern die Angst zu nehmen. Demnach würde die "taz" rund 1,8 Mio Euro Druckkosten, 3,5 Mio Euro für Vertrieb und 1,1 Mio Euro Speditionskosten sparen. Die fehlenden fast 16 Mio Euro aus Print-Abos und 1,1 Mio Euro aus Print-Einzelverkauf müssten aber von steigenden digitalen Umsätzen ausgeglichen werden.

Mindestens 84.000 Kunden müssten für digitale "taz"-Produkte zahlen. Schon jetzt seien es 62.000, die Zielmarke bis 2022 also "realistisch", sagt Ruch. Es gebe ein Leben nach der gedruckten Tageszeitung. "Wir werden nicht in Schönheit sterben." Diese Zuversicht soll auch der Berliner Neubau der "taz" ausstrahlen. Redaktion und Verlag ziehen im Oktober ein. Der neue Newsroom ist crossmedial ausgerichtet. In einem Media-Raum will die "taz" Podcasts und Videos produzieren.
turi2 vor Ort im Berliner "taz"-Neubau

Eindrücke von heute aus dem "taz"-Neubau gibt es in den turi2-Stories bei Instagram und Facebook.


Meinung: Der "Taz" könnte ihre gute Lage gefährlich werden.

taz droht in ihrem neuen Verlagshaus die Gefahr, "dick und gemütlich" zu werden, schreiben Isabell Hülsen und Alexander Kühn. Ihre prekäre finanzielle Lage habe bisher immer den Anspruch glaubhaft gemacht, anders zu sein als andere Zeitungen. Manche "taz"-Redakteure fragten sich, ob die Zeitung mit ihrem Engagement für Minderheiten, Homosexuelle und Frauen klassisch linke Themen wie Armut und Chancengleichheit aus dem Blick verliere.
"Spiegel" 38/2018, S. 76-79 (Paid)

Malaika Rivuzumwami und Marlene Halser sollen die "taz"-Sichtbarkeit verbessern.

taz macht Malaika Rivuzumwami und Marlene Halser zu Verantwortlichen ihres SEO-Projekts. Sie kümmern sich um die Auffindbarkeit der "taz"-Texte im Netz und sollen in der zunächst einjährigen Projektphase die qualitative Reichweite von taz.de erhöhen und eine bessere Platzierung in der organischen Suche erreichen. Halser leitet bisher das Gesellschafts- und Medienressort taz zwei, Rivuzumwami betreute das Projekt taz meinland. (Foto: Torben Becker/taz)
blogs.taz.de

Meinung: Online-"taz" verändert das Leseerlebnis nicht.

Mediennutzung: Für "taz"-Leser würde es keinen großen Unterschied machen, wenn die Zeitung nur noch digital erscheint, glaubt Sozialpsychologe Kai Sassenberg. Wer sich für ein Thema interessiere, lese Beiträge auch im Netz komplett. Sehr interaktive Gestaltung lenke hingegen schnell ab. Zeitungen würden ohnehin kaum noch als Ganzes konsumiert, neue Bezahlmodelle für einzelne Artikel seien deshalb unabdingbar.
deutschlandfunk.de, turi2.de (Background)

"Motorwelt" ist Deutschlands reichweitenstärkste Zeitschrift.

Print-MA: Die Gesamtreichweite von Zeitungen und Zeitschriften sinkt gegenüber dem vorvergangenen Halbjahr leicht. Die höchste Reichweite haben regionale Abozeitungen mit 31,7 Mio Lesern täglich. Reichweitenstärkster Titel bleibt "Motorwelt" – auch die ADAC-Zeitschrift verliert aber mehr als 1 Mio Leser. Die "Welt" ist die überregionale Tageszeitung mit größtem Minus von 7 %, das "Handelsblatt" gewinnt 6,7 %, die "taz" 4,8 %.
dwdl.de, new-business.de

Aus dem turi2.tv-Archiv: turi2 edition3: "Motorwelt"-Mann Martin Kunz liest auf der Überholspur gern Gedrucktes.

"taz" bereitet Ende der täglichen Printausgabe vor.

Geschäftsführer Karl-Heinz Ruch vor dem Neubau des Verlags, der im Herbst bezugsfertig ist. Hier wird die werktägliche Print-"taz" sterben.

Rettet die Bäume: Die "taz" denkt laut über die Abschaffung ihrer werktäglichen, gedruckten Ausgabe nach. Geschäftsführer Karl-Heinz Ruch schreibt – auf Papier – an die Mitglieder der "taz"-Genossenschaft: "Das Zeitalter der gedruckten Zeitung ist zu Ende, der Journalismus lebt im Netz weiter." Ruch ruft die Genossen unter dem Titel "Szenario 2022" zu Ideen für den Übergang auf. Er wolle keine Zeit verlieren, "um in Ruhe die notwendigen Veränderungen in allen Dimensionen erkunden zu können".

"taz"-Mitgründer Ruch will nach 40 Jahren am Ruder eine Transformation in Gang setzen – kommendes Jahr geht er in Rente. Bereits vor Jahren prognostizierte er das Ende der Tageszeitung. Ohne Trauer analysiert er, dass die gedruckte Nachricht nun ausstirbt: "Die Zeitungen werden am frühen Morgen an die Kioske ausgeliefert, um am Abend zu 90% wieder als Altpapier dort eingesammelt zu werden." Ruch will Verlag und Leser jetzt darauf vorbereiten, dass Druck und Vertrieb einer Papier-"taz" bald nicht mehr möglich sein könnte. Im März veröffentlichte ein internes Team einen Innovationsreport, der analysierte, dass die Leser bald nur noch online sein würden. (Foto: Bernd von Jutrczenka / dpa / Picture Alliance)
taz Mitgliederinfo Nr. 28, S. 6-7

Aus dem Archiv von turi2.tv: Geschäftsführer Karl-Heinz Ruch über die Transformation der "taz", Stand September 2017.

"taz"-Reporterin Barbara Bollwahn, 54, ist tot.

Barbara Bollwahn ist tot. Die langjährige "taz"-Reporterin ist am Samstag im Alter von 54 Jahren in Folge einer unheilbaren Krankheit in Berlin gestorben. Barbara Bollwahn war in der DDR Spanisch-Dolmetscherin, 1991 kam sie zur "taz", ab 2007 schrieb sie auch Jugendbücher. Bollwahn habe das Neue geliebt, "war durstig und hungrig danach", ihre Protagonisten sah sie "nie funktional als Figuren, sondern begegnete ihnen als Menschen", schreibt "taz"-Chefredakteur Georg Löwisch in seinem Nachruf.
taz.de

Meinung: Paywalls schränken Meinungsvielfalt ein.

Paywalls reduzieren für einige Bevölkerungsschichten den Zugang zu gesellschaftlichen Themen wie Rechtspopulismus und Klimawandel, schreibt Ilija Matusko, die das freiwillige Online-Bezahlmodell der "taz" betreut. Wer für Journalismus zahlen müsse, wähle zudem am ehesten Medien, die dem eigenen Weltbild entsprechen, was den gesellschaftlichen Diskurs einschränke.
taz.de

Söder-Satire mutiert 14 Jahre später zu vermeintlichen Fakten.

New York Times und die "Süddeutsche" gehen einer Jahre alten "taz"-Satire über Markus Söder auf den Leim, schreibt Stefan Kuzmany. Er selbst war 2004 Autor der Söder-Satire. Seine Söder in den Mund gelegten Forderungen, Grüne zum Drogentest zu schicken und Schwarzfahrer an den Internetpranger zu stellen, finden sich heute als Fakten in seriösen Medien, weil die Satire in den Archiven zur vermeintlichen Realität wurde.
"Spiegel" 29/2018, S. 35 (Paid), taz.de ("taz"-Artikel)

"Wirtschaftswoche"-Redakteur klagt gegen Abmahnung wegen #metoo-Artikel.

#metoo-Streit: "Wirtschaftswoche"-Redakteur Harald Schumacher klagt gegen die Abmahnung seines Arbeitgebers Handelsblatt GmbH. Er hat in der "taz" berichtet, bei einem Pressetermin Opfer eines Übergriffs einer Frau geworden zu sein und im Artikel gefragt, was wohl andersherum geschehen wäre. Die "Wirtschaftswoche" hatte die Veröffentlichung des Textes zuvor abgelehnt, der Verlag sieht Schumachers "taz"-Text als Verstoß gegen die Regeln seines Arbeitsvertrags. Das Arbeitsgericht Düsseldorf muss klären, ob der Text eine Nachricht oder ein Erlebnisbericht ist.
sueddeutsche.de, taz.de (Schumachers Text)

taz-Innovationsreport greift zu kurz, glaubt Lorenz Matzat.

taz: Der Report 2021 der Zeitung ist löblich, die Ideen zur digitalen Innovation geraten aber schwach, kritisiert Datenjournalist Lorenz Matzat. Wie der Wandel gelingen soll, zumal "ohne intensiven Geldeinsatz, personellen Wechsel", bleibe schwammig. Matzat rechnet vor, für eine Redaktion der Größe der "taz" bräuchte es vier bis fünf Programmierer, ein bis zwei Designer, zwei Produktentwickler und zwei Projektmanager, außerdem rund 1 Mio Euro Budget jährlich.
meedia.de, turi2.de (Background)

"Leser*innen bald nur noch online": "taz" analysiert sich selbst mit Innovationsreport.


Im Newsroom der "taz" wird immer noch nicht digital gedacht – es gibt auch nur zwei Social-Redakteure, die um 17 Uhr das Internet abschließen. (Foto: Jens Twiehaus)

Ruf nach Revolution: Ein Team aus "taz"-Mitarbeitern legt heute eine umfassende Studie zur Zukunft von Redaktion und Verlag vor. Der Report empfiehlt der "taz", sich konsequent aufs Digitale zu konzentrieren, mehr Reichweite im Netz aufzubauen und Kernthemen der "taz"-Leserschaft nicht der Online-Konkurrenz zu überlassen. Die Autoren warnen: "Wenn wir so weitermachen wie bisher, können wir in drei Jahren die laufenden Kosten nicht decken."

Der Report analysiert selbstkritisch, dass die "taz" sowohl gedruckt als auch digital Leser verliere. Print-Verluste seien allgemein zu beobachten, die Rückgänge im Digitalen aber besonders bedrohlich. "Wenn wir uns weiter so langsam in Richtung Digitalistan bewegen wie jetzt, droht das Haus zum Goldenen Käfig zu werden", mahnt der Report. Es brauche deshalb u.a. Suchmaschinen-Optimierer und ein Community Management, das sieben Tage die Woche Zielgruppen erschließt. Bislang tun dies nur zwei Redakteure bis 17 Uhr.

Die "taz" müsse in vielen Bereichen wachsen – auch auf der gedruckten Wochenend-Ausgabe ruhen Hoffnungen. Außerdem brauche es neue Produkte. Vorgeschlagen werden ein junges Portal namens Krawallo und eine Premium-App "taz Platin". Auch Podcasts und Newsletter werden genannt. Nebenbei übrigens auch eine höhere Bezahlung für Mitarbeiter, die sich zunehmend Nebenjobs suchen würden, um nicht in der Altersarmut zu landen.

Acht Mitarbeiter haben nach neun Monaten Denkarbeit 225.000 Zeichen Innovationsreport geboren. Sie haben u.a. das Kollegium und Leser befragt und interne Prozesse durchleuchtet. Die Annahme, dass die gedruckte tägliche "taz" bis 2021 verschwindet, halten sie nach der langen Projektarbeit für plausibel. Deshalb schlagen die Autoren vor, den gesamten Journalismus ins Netz zu übertragen und Print-Produktionsgewohnheiten über den Haufen zu werfen: "Was wäre die 'taz', wenn man sie heute neu erfinden würde? Sie wäre mit Sicherheit keine gedruckte Tageszeitung. (...) Sie würde sagen, scheiß auf Print, Papier ist zum Po-Abwischen."
taz.de

Aus dem Archiv von turi2.tv: Geschäftsführer Karl-Heinz Ruch über die Transformation der "taz".

"taz" erlebt, wie es ist, Redakteuere in Rente zu schicken.

taz macht mittlerweile die Erfahrung, langjährige Mitarbeiter in den Ruhestand zu schicken, schreibt Ulrike Simon. Mehrere Angestellte gingen zuletzt in Rente. Eigentlich hafte der "taz" jedoch das Image an, dass Journalisten hier ihre Karriere nur beginnen würden und später von besser zahlenden Redaktionen abgeworben werden.
daily.spiegel.de (Paid)

Aus dem Archiv von turi2.tv: Chefredakteur Georg Löwisch zeigt die neue "taz".