Zitat: “Spiegel”-Journalist sieht bei Scheuer “taktisches Verhältnis zur Wahrheit”.

"Das ist das, was ich als taktisches Verhältnis zur Wahrheit bezeichnen würde, und das ist der eigentliche Skandal, der sich hinter diesen Akten verbirgt."

Investigativ-Journalist Gerald Traufetter vom "Spiegel" spricht im Medienmagazin "Zapp" über den zweifelhaften Umgang des PR-Teams von Verkehrsminister Andreas Scheuer mit kritischen Medienanfragen.
ndr.de (5-Min-Video), turi2.de (Background)

Wir graturilieren: Gaby Rath wird 51.


Wir graturilieren: Gaby Rath, Leiterin der Kommunikation beim WDR-Vermarkter WDR mediagroup, wird 51. Ihren Geburtstag feiert sie "im kleinen Kreis" zusammen mit der Familie. Dabei hofft sie auf die passenden, äußeren Bedingungen: "Wenn ich Glück habe, spielt das Wetter mit und wir machen eine sonnige, längere Wandertour inklusive Picknick in der Natur."

Das Beste am abgelaufenen Jahr seien "Werte wie Dankbarkeit, Wertschätzung, Empathie und Zusammenhalt" gewesen, die "coronabedingt plötzlich eine größere Rolle" spielen. Auch Kommunikation habe "in jeder Hinsicht nochmal einen ganz neuen Stellenwert bekommen".

Für das neue Jahr wünscht sie sich "Umarmungen statt Abstand, Begegnungen statt Video-Calls und auch mal wieder ein Geburtstags-Kaffeekränzchen im Büro". Glückwünsche sind unter anderem via Linked-in oder E-Mail willkommen.

Der WDR gerät für mögliche Schleichwerbung in die Kritik.

Schleichwerbung? Die WDR-Reisesendung "Wunderschön" fällt Ende Mai mit einer Folge auf, in der wiederholt die Marke Mercedes präsentiert wird, schreibt Marvin Oppong. Besonders pikant: Der WDR hat für die Folge auch auf Material einer Agentur zurückgegriffen und ließ sich von ihr mindestens eine Gesprächspartnerin vermitteln, die Sportveranstaltungen mit Mercedes als Sponsor organisiert und zudem für den in der Folge präsentierten Smart-Verleih tätig war.
"FAZ", S. 15 (Paid)

Interne Mails: PR-Team von Andreas Scheuer torpediert kritische Medienanfragen.


Bescheuertes Spiel: Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer und sein PR-Team haben offenbar gezielt Anfragen kritischer Journalisten konterkariert, um die Berichterstattung zu ihren Gunsten zu drehen, berichten NDR und WDR. Den Sendern liegen Dokumente und Mails vor, die Scheuers Ministerium an den Untersuchungsausschuss zur Maut-Affäre übersandt hat. Auf einen Fragen-Katalog des "Spiegel"-Redakteurs Gerald Traufetter etwa schlägt der Leiter für Strategisches Medien­management in einer Mail an Scheuer vor, die Antworten "schon heute" an einen anderen Journalisten zu senden, "um die morgige Vorabmeldung des 'Spiegel' zu torpedieren." Scheuers Reaktion: "Vorgehen top", der "Plan" sei "super". Ein ranghoher Beamter im Ministerium rät: "Wir sollten medial dagegen arbeiten und morgen weitere Unterlagen veröffentlichen." Der PR-Coup geht auf: Noch vor der "Spiegel"-Veröffentlichung kündigt Scheuer an, dem Untersuchungsausschuss 30 weitere Aktenordner zur Verfügung zu stellen.

DJV-Sprecher Hendrik Zörner wirft Scheuer "Medienmanipulation" vor. Medienjournalist Daniel Bouhs kommentiert, der Vorgang zeige, "wie schäbig PR-Profis mitunter mit recherchierenden Medien umgehen". Der Sprecher des Verkehrsministeriums, Wolfgang Ainetter, spricht von einem "Fehler" und entschuldigte sich für die "Wortwahl". Bei bis zu 200 Medienanfragen pro Tag könne es in der internen Kommunikation "mitunter zu unglücklichen Formulierungen kommen". (Foto: imago images / Future Image)
tagesschau.de, ndr.de (Kommentar Bouhs)

Aus dem Archiv von turi2.tv: Minister Andreas Scheuer erklärt seine Kommunikation: Neuigkeiten-Zimmer und Instagram Live (10/2018)

BR, NDR und WDR finden Tausende Hass-Posts in geschlossenen Facebook-Gruppen.

Facebook-LogoFacebook geht nicht konsequent genug gegen rechte Hetze auf seiner Plattform vor, berichten BR, NDR und WDR. Reporter*innen der Sender haben 2,6 Mio Posts und Kommentare aus 138 meist geschlossenen rechten Facebook-Gruppen erfasst und analysiert. In den Daten fanden sie mehr als 10.000 schwere Beleidigungen, viele davon rassistischer Art, und weit mehr als Tausend mutmaßlich rechtswidrige Inhalte, darunter Aufrufe zur Vergewaltigung, SS-Runen oder antisemitische Hass-Propaganda.
tagesschau.de

Die ARD will sportschau.de ausbauen.

Sportschau.de soll ausgebaut werden, berichtet Volker Nünning. Der innerhalb der ARD für das Angebot zuständige WDR plant, mehr Geld und Personal für das Angebot zu binden und es zu einen der fünf maßgeblichen Plattformen der ARD auszubauen. Zudem soll die Seite künftig insbesondere auf mobile Geräte ausgerichtet sein. Unklar ist bislang noch, ob die Seite dafür erneut den sogenannten Drei-Stufen-Test durchlaufen muss.
medienkorrespondenz.de

Stream-Tipp: WDR Mediagroup diskutiert Kundenaktivierung durch Radiowerbung.

Stream-Tipp: Die WDR Mediagroup diskutiert in ihrem Live-Talk-Format "Radio goes on" ab 12.00 Uhr, wie der Handel Radiowerbung nutzen kann, um Kund*innen zu aktivieren. Tobias Lammert, Geschäfts­bereichs­leiter Marketing & Vertrieb des WDR-Vermarkters, spricht darüber mit Handels-Expertin Eva Stüber vom IFH Köln.
youtube.com (Live-Diskussion ab 12.00 Uhr)

Klick-Tipp: Der WDR gibt Zeitzeugen des 2. Weltkriegs das Wort in einer AR-App.

Klick-Tipp: Der WDR erweitert seine Augmented-Reality-App WDR AR 1933-1945 um ein weiteres Kapitel. In "Mit 18 an die Front" erzählen Zeitzeugen, wie sie in den 2. Weltkrieg berufen wurden. Die App ist u.a. für den Schulgebrauch gedacht und zeigt die Protagonisten in der eigenen Umgebung. Bisher erschienen bereits die Kapitel "Kriegskinder" und "Meine Freundin Anne Frank".
wdr.de, presseportal.de

NDR kickt “Zeitzeichen”, um 145.000 Euro pro Jahr zu sparen.

NDR-Hörfunkdirektorin Katja Marx spricht über das Aus der WDR-Sendung Zeitzeichen im linearen NDR-Radioprogramm: 145.000 Euro pro Jahr zahle der NDR dem WDR jedes Jahr, "um eine Sendung im Abendprogramm zu wiederholen, die schon seit dem jeweiligen Morgen als Podcast in der ARD-Audiothek für alle frei verfügbar ist". Laut Marx sei das "nicht mehr zeitgemäß". Der NDR will in den nächsten Jahren 300 Mio Euro einsparen.
rnd.de, turi2.de (Background)

Recherche-Verbund: Bei staatlichen Corona-Hilfen mangelt es an Kontrollen.

Corona-Hilfsgelder: Bei Förderanträgen kommt es vermehrt zu Missbrauchsversuchen, berichten NDR, WDR und "Süddeutsche Zeitung". Betrüger*innen hätten es leicht, weil Formulare in einigen Fällen weder Steuer- noch Personal­ausweis­nummer abfragten. In manchen Bundesländern laufen Ermittlungen. Nach NRW hat auch Sachsen seine Auszahlungen gestoppt.
sueddeutsche.de, tagesschau.de, spiegel.de (Sachsen), turi2.de (Background)

Meinung: Das Ende der “Lindenstraße” ist eine Erlösung.

Lindenstraße war jahrelang eine "feste Institution" im deutschen Fernsehen, schreibt Hans Hoff bei DWDL in einem Nachruf anlässlich der letzten Folge, die am Sonntag ausgestrahlt wird. Das Konzept habe sich überlebt, die Absetzung sei eine Erlösung. Heute wirke die "Lindenstraße" wie "ein entfernter Verwandter, den man zu schätzen vorgibt, von dem man aber lieber eine Weile nichts hört".
dwdl.de

Corona-Krise: Medienmagazin “Zapp” pausiert beim NDR.

Corona-Pandemie: Die dritten Programme der ARD streichen zeitweise Formate aus dem Programm, schreibt Kai-Hinrich Renner in der "Berliner Zeitung". Betroffen ist u.a. das Medienmagazin "Zapp" vom NDR sowie beim WDR die Comedy "Dittsche" mit Olli Dittrich - der Drehort, ein Hamburger Imbiss, ist geschlossen. Der RBB will "Kräfte schonen" und nimmt bis zum 28. März sieben Formate aus dem Programm, u.a. das "Heimatjournal" und die Satiresendung "Abendshow".
berliner-zeitung.de

Corona: ARD berät, die dritten Programme zu bündeln.

ARD berät, die Arbeit der dritten Programme zu bündeln, zitiert Daniel Bouhs aus der Online-Pressekonferenz von WDR-Intendant Tom Buhrow und ARD-Programmchef Volker Herres. Täglich wäre ein "ARD extra" nach der "Tagesschau" denkbar, um Informationen in Dichte liefern zu können. Wochenweise könnte dafür eine Rundfunkanstalt zuständig sein. Pläne, Hörfunkwellen zusammenzulegen, gebe es noch nicht.
twitter.com/daniel_bouhs, dwdl.de

Urteil: Krankheitstage von WDR-Freien zählen für Urlaubsgeld ab dem ersten Tag.

WDR muss bei der Berechnung des Urlaubs­geldes für freie Mitarbeiter*innen Krankheitstage ab dem ersten Tag anrechnen, urteilt das Arbeits­gericht Köln. DJV und Verdi hatten geklagt, weil der WDR die Ansicht vertritt, erst Zeiten ab durchgehend drei Wochen anrechnen zu müssen. Die Zahl der Arbeitstage im Jahr ist relevant für die Höhe des Urlaubsgeldes.
djv-nrw.de

Tom Buhrow begründet großes Kommunikationsteam mit erklärungsbedürftiger Beitragserhöhung.

Erklärungsbedürftig: ARD-Vorsitzender Tom Buhrow erklärt im Deutschlandfunk, warum sein Kommunikationsteam so viel größer ist als das seines Vorgängers Ulrich Wilhelm. 2020 sei ein "Beitragsjahr", in dem über die Höhe des Rundfunkbeitrags entschieden wird, was "eine besondere Kraftanstrengung" erfordere. Selbst bei einer Erhöhung werde die ARD wohl nicht darum herumkommen, "auch im Programm Anpassungen vorzunehmen". Es stünden noch "viele, auch schmerzhafte" Diskussionen an.
deutschlandfunk.de (Text und 10-Min-Audio), turi2.de (Background)

Wolfram Winter und Andreas Fünfgeld stoßen als ARD-Krisenberater intern auf Kritik.

ARD-Vorsitzender Tom Buhrow hat für 580.000 Euro Ex-Sky-Kommunikator Wolfram Winter (Foto) und Ex-RTL2-Sprecher Andreas Fünfgeld als Krisenberater engagiert - zusätzlich zu seinem bereits 15-köpfigen Kommunikationsteam. Für die beiden Externen aus München stehe in Köln aber "kaum jemand Spalier", schreibt Lisa Priller-Gebhardt und hört aus ARD-Kreisen: "Wir brauchen hier keine Unternehmensberater". Winter und Fünfgeld sehen ihre Aufgabe daher auch in der internen Kommunikation, sie wollen die ARD auf "reformwillig und reformfähig" trimmen.
"Süddeutsche Zeitung" S. 31 (Paid), turi2.de (Background)

“SZ”: Focus Online sieht in WDR-Berichten “Verschwörungstheorien”.

WDR wehrt sich gegen Focus Online, das in ARD-Beiträgen "Verschwörungstheorien" sieht, schreibt die "Süddeutsche Zeitung". Dies betreffe die Berichterstattung im Fall des unschuldig in Haft gestorbenen Amed A. Eine WDR-Sprecherin sei über die Kritik von Focus Online "deutlich irritiert" und verweist auf neue Ermittlungsergebnisse nach den Recherchen.
sueddeutsche.de

Tom Buhrow gesteht zum Teil falsche Wortwahl bei “Umweltsau”-Debatte.

WDR: Tom Buhrow hat in der "Umweltsau"-Debatte "nicht immer die richtigen Worte gefunden", schreibt der WDR-Intendant in einem Gastbeitrag in der "Welt am Sonntag". Die öffentliche Meinung sei heute "fast spiegelverkehrt", außerhalb der Medienwelt sei der Tenor "so was geht nicht. Gut, dass Sie das klargestellt haben". Buhrow verteidigt zudem einen höheren Rundfunkbeitrag und kritisiert die ARD als "ein ziemlich westdeutscher Laden".
"Welt am Sonntag", S. 11 (Paid)

WDR-Rundfunkrat segnet Tom Buhrows Handeln bei der “Umweltsau”-Debatte ab.

WDR-Rundfunkrat segnet das Verhalten von Tom Buhrow während der "Umweltsau"-Debatte ab, schreibt die dpa. Einige Mitglieder sollen die Löschung des Satire-Videos kritisiert haben. Buhrow versicherte dem Rundfunkrat in einer Sitzung, dass die Kritik aus der "Mitte der Gesellschaft" kam, der WDR dürfe sich nicht instrumentalisieren lassen.
dwdl.de, turi2.de (Background)

Lese-Tipp: “SZ Magazin” interviewt “Lindenstraße”-Mitwirkende zum Serien-Aus.

Lese-Tipp: Das "SZ Magazin" trifft "Lindenstraße"-Schauspieler*innen und -Mitwirkende in der Serien-Kneipe "Akropolis". U.a. erzählt Casting Director Horst Scheel, dass der "Spiegel" die von ihm ausgesuchten Schauspieler auf dem Kieker hatte, WDR-Redakteur Götz Schmedes, wie er die Nachricht vom Serien-Aus überbracht hat und dass auch er den genauen Grund nicht kenne. Regisseur Hans W. Geißendörfer kämpft mit den Tränen und sagt, die Produktionskosten hätte er nicht nach unten drücken können und dass die Serie "auf der Höhe der Zeit" gewesen sei.
sz-magazin.sueddeutsche.de (Paid)

Video-Tipp: WDR-Studioleiterin Georgine Kellermann über ihr Coming-Out.

Video-Tipp: WDR-Studioleiterin Georgine Kellermann hat sich mit 62 Jahren als transgender geoutet und spricht im WDR-Format "Docupy" ausführlich über ihr Coming-Out. Sie habe einen Candystorm bekommen – erzählt aber auch, dass die Zeit zu Beginn ihrer Karriere noch nicht reif gewesen sei "für jemanden, der sich outet, auch vor der Kamera zu stehen".
youtube.com (7-Min-Video)

Ministerpräsident Laschet ermahnt öffentlich-rechtlichen Rundfunk zu Kostendisziplin.


Unterwegs mit Ihren Gebühren? Öffentlich-rechtliche Sender haben "eine privilegierte Stellung" mit "überdurchschnittlichen Gehältern", mahnt NRW-Ministerpräsident Armin Laschet im "Spiegel"-Interview. Die Medienlandschaft stehe "insgesamt unter Druck", ganze Lokalzeitungsredaktionen würden geschlossen. Dagegen sei im öffentlich-rechtlichen Rundfunk alles "staatlich garantiert, egal ob es einer schaut oder nicht." Mit Blick auf die "Umweltsau"-Satire erwartet Laschet "auch eine gewisse Verantwortung". Die Ausgaben für Sportlizenzen seien "absurd", dort müssten die Sender "behutsamer und sparsamer" sein. Auch die Honorare für "Moderatoren von Samstagabendshows" erscheinen Laschet "teilweise zu hoch".

Dass die ARD mittels Framing versuchte, das Image aufzupolieren, sei "alles andere als hilfreich". Es dürfe nicht "der Eindruck eines Schönsprechs erzeugt werden". Haltung ersetze nicht Qualität. "Bei denen, die das System prinzipiell ablehnen, hilft nichts mehr", resigniert Laschet. Die öffentlich-rechtlichen Medien berichten "professionell, kompetent und objektiv", lobt der NRW-Ministerpräsident. Mit knapp 400.000 Euro im Jahr verdient Buhrow fast doppelt so viel wie der Ministerpräsident, schreibt der "Spiegel". "Ich neide Tom Buhrow sein Gehalt nicht", gibt sich Laschet gelassen, "jeder Sparkassendirektor" erhalte mehr als ein Ministerpräsident.
"Spiegel" 3/2019, S. 78-79 (Paid)

Zitat: Öffentlich-Rechtliche haben keinen Erfolgsdruck, moniert Armin Laschet.

"Es kann nicht sein, dass Sie in Deutschland alles kritisieren dürfen, vom Papst abwärts – nur nicht die Beiträge des Westdeutschen Rundfunks. "

NRW-Ministerpräsident Armin Laschet moniert im "Spiegel"-Interview, der öffentlich-rechtliche Rundfunk habe keinen Erfolgsdruck, deshalb erwarte er, dass Redakteure kritikfähiger sind.
"Spiegel" 3/2020, S. 78 (Vorab), turi2.de (Background)

NRW-Staatskanzlei verteidigt Laschets Kritik an “Umweltsau”-Satire des WDR.

Umweltsau: Die Kritik des NRW-Ministerpräsidenten Armin Laschet (Foto) an der Satire des WDR war aus Sicht der Staatskanzlei "kein Eingriff der Medienaufsicht", schreibt die "Süddeutsche Zeitung". Laschet habe mit Tweets gegen die von einem Kinderchor gesungene Satire lediglich sein Recht auf Meinungsäußerung wahrgenommen.
sueddeutsche.de, turi2.de (Background)

Meinung: Umweltsau-Skandal ist völlig unnötig, schreibt Uwe Jean Heuser.

Umweltsau-Skandal hat "etwas Tieftrauriges, weil er so unnötig ist", kommentiert Wirtschafts-Ressortleiter Uwe Jean Heuser (Foto) in der "Zeit". WDR-Intendant Tom Buhrow hätte wissen können, "wie sensibel der Umgang mit Satire" in Zeiten rechter Kritiker ist. Auch die "Attacke" der Redakteure auf Buhrow sei "völlig überzogen". Sich einmal infrage zu stellen, hätte allen Beteiligten enorm geholfen.
"Zeit" 3/2020, S. 20 (Paid)

Intendant Tom Buhrow stellt sich der Kritik von WDR-Redakteuren.

WDR: Intendant Tom Buhrow hat sich vor 700 Mitarbeitern zum "Umweltsau"-Video und der umstrittenen Löschung erklärt. Ein Teilnehmer der nicht-öffentlichen Versammlung sagt dem "Spiegel", Buhrow habe im Prinzip gesagt, dass er wieder so handeln würde. Zugleich habe er die Mitarbeiter ermutigt, dass "alle unbedingt so weitermachen sollten wie bisher", es dürfe und solle weiter experimentiert werden. DWDL berichtet, es sei im Saal "hoch her" gegangen, offen und konstruktiv sei der Dialog ‐ anders als von der Pressestelle dargestellt ‐ nicht gewesen. Unmut kam auf, weil sich Buhrow wegen anderer Termine vorzeitig aus dem Treffen verabschiedet habe.
spiegel.de, dwdl.de, welt.de

Meinung: Das Schicksal von Tom Buhrow entscheidet sich intern.

WDR: Intendant Tom Buhrow ist nach der "Umweltsau"-Debatte angeschlagen, schreibt Thomas Lückerath. Seine Position schwäche jedoch nicht die Kritik von außen, sondern das durch seine vorschnelle Entschuldigung verspielte Vertrauen bei den Mitarbeitern. Mittlerweile gebe es sogar Rücktrittsforderungen. Da ein Rücktritt aber vor allem Applaus von externer, rechter Seite bekommen würde, die ihn als Erfolg für sich verbuchen würde, könnte ironischer Weise ausgerechnet eine weitere Entschuldigung – dieses Mal intern – Buhrow Ruhe verschaffen.
dwdl.de, turi2.de (Background)

“Welt am Sonntag”: WDR engagiert Agentur für Krisenkommunikation.

WDR engagiert vorsorglich die auf Krisenkommunikation spezialisierte Agentur Media 5, die helfen soll, den ab 2021 wohl steigenden Rundfunkbeitrag zu kommunizieren, schreibt die "Welt am Sonntag". Geschäftsführer Andreas Fünfgeld ist Ex-Pressesprecher von RTL2. Wolfram Winter, Ex-Kommunikationschef von Sky, ist als Berater Teil des auf zwei Jahre angelegten Projekts.
"Welt am Sonntag" (Paid)

Umweltsau: Hunderte demonstrieren in Köln für und gegen Öffis.


Demo vor dem Sender: Das Umweltsau-Video des WDR zieht am Samstag mehrere Demos in Köln vor dem Sender-Gebäude nach sich. Hunderte demonstrieren für bzw. gegen den öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Unter anderem versammelten sich verschiedene rechte Gruppen sowie eine Gegenkundgebung, an der auch Verdi und der DJV teilgenommen haben. DJV-Chef Frank Überall, auch freier Journalist beim WDR, sagte, die Umweltsau-Satire verletze keine Rechte und müsse deshalb ausgehalten werden – auch von einem Intendanten. Tom Buhrow hat sich für das Video entschuldigt, der WDR hat es gelöscht, die Redakteursvertretung den Schritt in einem internen Schreiben scharf kritisiert.
dwdl.de, bild.de, deutschlandfunk.de, turi2.de (Background)

Meinung: Öffentlich-Rechtliche müssen Freie besser vor Hetzkampagnen schützen.

Öffentlich-rechtliche Sender schützen ihre Freien nicht genug vor rechten Angriffen, kritisiert Peter Weissenburger und nennt Richard Gutjahr (Foto) und den BR sowie Danny Hollek und den WDR als aktuellste Beispiele. Die Sender unterschätzten nicht nur "die Geschwindigkeit, in der Hass auf Einzelne niedergehen kann", sondern auch, dass ihre Freien viel angreifbarer seien als Festangestellte. Die Sender seien "nicht auf derartige juristische Projekte" eingestellt.
taz.de, turi2.de (Gutjahr), turi2.de (Hollek)

Umweltsau: WDR-Redakteursrat wirft Tom Buhrow “Verletzung der Rundfunkfreiheit” vor.


Weiter durch's Dorf getrieben: Die Redakteursvertretung des WDR kritisiert Tom Buhrow und das "schlechte Krisenmanagement der Geschäftsleitung" im Hinblick auf das "Umweltsau"-Video, zitiert Stefan Niggemeier aus einem Schreiben aus dem WDR-Intranet. Das Gremium sei irritiert von der "eklatanten Verletzung der inneren Rundfunkfreiheit". "Zeitnah" solle eine außerordentliche Redakteursversammlung einberufen werden.

WDR-Intendant Tom Buhrow meldet sich derweil im "Spiegel"-Interview zu Wort: "Man wird doch noch mal Entschuldigung sagen dürfen, ohne dass einem gleich Zensur vorgeworfen wird." Der WDR habe Hunderte Anrufe von "Seniorinnen und Senioren und deren Enkeln" erhalten. Buhrow kommentiert weiter: "Wir können doch nicht einfach so tun, als ob es nicht zählt, wenn sich ein großer Teil unseres Publikums zu Unrecht angegriffen fühlt. Soll ich denen sagen: Sie sitzen einer rechten Instrumentalisierung auf, und Ihre Gefühle sind deshalb irrelevant?"

Buhrow rechtfertigt die Sperre außerdem damit, dass das Video nicht direkt als Satire gekennzeichnet gewesen sei. Niggemeier weist jedoch darauf hin, dass das Lied seinen Ursprung bereits in der WDR5-Sendung "Satire Deluxe" in einer kürzeren Version am 9. November hatte.
uebermedien.de, Spiegel 2/2020 (Paid), spiegel.de (Zusammenfassung), dwdl.de

Zitat: Tom Buhrow will sich ohne Zensur-Vorwurf entschuldigen können.

"Wir wollen weiter unbequem sein. Man wird doch noch mal Entschuldigung sagen dürfen, ohne dass einem gleich Zensur vorgeworfen wird."

WDR-Intendant Tom Buhrow sagt im "Spiegel"-Interview, dass ihm de "Umweltsau"-Debatte "etwas konstruiert" vorkommt. "Eingeschüchterte Redakteure" seien ihm bisher nicht begegnet.
Spiegel 2/2020 (Paid), spiegel.de (Zusammenfassung), dwdl.de

Weitere Zitate aus dem Interview:

"Wir hatten wirklich Hunderte Seniorinnen und Senioren und deren Enkel am Telefon. Uns war sofort klar, diese Menschen waren nicht Teil einer orchestrierten Sache."

"Wir können doch nicht einfach so tun, als ob es nicht zählt, wenn sich ein großer Teil unseres Publikums zu Unrecht angegriffen fühlt. Soll ich denen sagen: Sie sitzen einer rechten Instrumentalisierung auf, und Ihre Gefühle sind deshalb irrelevant?"

"Dass Herr Laschet sich geäußert hat, hat es eher schwieriger gemacht zu reagieren."

"Es politisieren zu wollen, dass Kinder ein Kinderlied singen, finde ich absurd. Kinder spielen im Fernsehen und im Hörfunk überall eine Rolle, auf Spendengalas, bei Weihnachtskonzerten. Ich glaube, selbst auf Wahlplakaten von Politikern."

"Wir haben jede Woche zuhauf Beiträge, die kontrovers sind, die Mächtige kritisieren, die Missstände aufspießen. Da braucht sich niemand Gedanken zu machen. Ich erlebe auch den WDR nicht so, dass hier eingeschüchterte Redakteure herumlaufen."

“Welt”-Chef Ulf Poschardt kritisiert: Einige Milieus treiben ARD und ZDF vor sich her.


Angriff der "Welt"-Macht: "Welt"-Chefredakteur Ulf Poschardt nimmt die Diskussion um die WDR-Satire und die BR-Kritik von Richard Gutjahr zum Anlass, in einem Kommentar auf Seite 1 die öffentlich-rechtlichen Anstalten scharf zu kritisieren. Poschardt wirft ihnen vor, "einen eher hermetischen Werte- und Wahrnehmungskorridor" zu besitzen, bedingt durch eine "beamtenähnliche Journalistenexistenz" und zu gleichen Verhältnissen, aus denen die Medienschaffenden stammen. In den "Tagesthemen" kommentiere daher "in der Regel ein konformistisches Haltungskollektiv". Applaus komme dafür von "nationalmoralistischen Minderheiten, denen der Umerziehungsimpetus in Sachen Sozialismus, Klimanotstand oder Gendersprache noch nicht weit genug geht". Poschardt diagnostiziert, diese Milieus würden die Sender vor sich hertreiben.

Damit bewegt sich Poschardt nicht weit von der Kritik der AfD und anderer rechtspopulistischer Kräfte, die ARD und ZDF als zu links erachten. Von ihnen will sich der Springer-Mann jedoch nicht vereinbaren lassen. Vielmehr warnt er, dass die vermeintliche Schieflage der Öffentlich-Rechtlichen von der Partei für einen "erwartbar antiliberalen Affekt" genutzt werde. Porschardt fordert daher, dass die Mitte der Gesellschaft definieren solle, wie die Grundversorgung aussehen solle. Er selbst plädiert für eine Wachstumsbremse oder wie er verschärft sagt "Wucherbremse".
welt.de, turi2.de (Background)

Meinung: Bei Hass im Netz hilft Solidarität.

#Umweltsau: Der Streit um die Satire macht sichtbar, dass viele Menschen nicht wissen, wie sie mit Bedrohungen im Netz umgehen sollen, kommentiert "Spiegel"-Autorin Margarete Stokowski. "Bedingungslose Solidarität" und Unterstützung für die vom Hass Betroffenen, auch von Vorgesetzten, wirke bei Hasskommentaren als "eine Art Gegenzauber".
spiegel.de

Der WDR reagiert auf Morddrohungen infolge der “Umweltsau”-Debatte.


Unter aller Umweltsau: Mehrere Mitarbeiter des WDR haben im Rahmen der Diskussionen um die "Umweltsau"-Satire Morddrohungen erhalten, wie der WDR bestätigt. Die Anstalt schreibt auch, sie biete den Betroffenen Personenschutz an. Das gelte auch für freie Mitarbeiter. WDR-Intendant Tom Buhrow sagt: "Wir werden das nicht dulden, ich gehe mit allen juristischen Mitteln dagegen vor." In einer Video-Botschaft zeigt sich Buhrow erschüttert und kommentiert, die Drohungen würden erschreckendes über den Zustand im Land aussagen. "Wir können doch nicht den Scharfmachern und Rechthabern das Feld überlassen", so Buhrow, der ein neues Klima des Miteinanders fordert.

Derweil berichtet Spiegel Online über eine Twitter-Auswertung, die nahelegt, dass die Debatte gezielt von Accounts aus dem rechten Spektrum angeheizt wurde, ehe sie auf reichweitenstarke rechtskonservative Accounts und schließlich die Medien übersprang. Dazu passend kritisiert der DJV-Vorsitzende Frank Überall die Reaktion des WDR auf die Netzkritik: "Tom Buhrow muss sich der Frage stellen, ob er mit seiner eilfertigen redaktionellen Distanzierung für den Beitrag nicht all denen Oberwasser gegeben hat, die nicht auf den Austausch von Argumenten, sondern auf das Mundtotmachen kritischer Journalisten aus sind."

Der DJV ruft zudem den WDR auf, sich aktiv um die Sicherheit eines bedrohten Mitarbeiters zu kümmern, bei dem Anhänger der rechtsextremen Szene vor seinem Haus aufmarschiert sind. Der freie Mitarbeiter wurde zum Ziel von Blogs und Twitterern aus dem rechtsextreme Umfeld, nachdem er getwittert hatte, dass die Großeltern der Video-Kritiker keine Umweltsäue gewesen seien, sondern eine "Nazisau".
sueddeutsche.de (Morddrohungen), spiegel.de (Twitter-Auswertung), twitter.com (Statement Buhrow), turi2.de (Background)

WDR-Satire: Chorleiter weist Vorwurf der Instrumentalisierung zurück.


Fromme Chorknaben? Zeljo Davutovic, Gesamtleiter des WDR-Kinderchors, entschuldigt sich in einem Statement nach dem umstrittenen Satire-Song. Den Kindern sei erklärt worden, dass "mit Überspitzung und Humor" der Generationenkonflikt "aufs Korn" genommen werden sollte. Kinder und Eltern hätten freiwillig an dem Projekt teilgenommen. In dem Satire-Song gehe es nicht um die Oma, "sondern um uns alle. Hier schließe ich mich persönlich ein", erklärt Davutovic. Einige Familien haben sich entschieden, nicht mitzuwirken, sagt er der "Süddeutschen Zeitung". Das Thema sei während dieser Abfrage "überhaupt nicht hochgekocht".

Die Idee der jahresrückblickenden WDR-Satire sei auf Kinderstimmen konzipiert, "Fridays for Future" sei ebenfalls von Kindern und Jugendlichen organisiert, weshalb Chorleiter Davutovic auch das Projekt der WDR2-Redaktion zugesagt habe. Als Musiker wolle er sich "bei allen entschuldigen, die sich trotz der Einordnung als Satire von uns persönlich angegriffen fühlen." Der Chor habe "in den vergangenen Jahren immer allergrößten Respekt vor Seniorinnen und Senioren gezeigt", beispielsweise bei Auftritten in Seniorenheimen.
(Foto: Screenshot WDR Fernsehen)
welt.de, sueddeutsche.de (Paid), turi2.de (Background)