Lese-Tipp: epd nimmt die Innovationslabore von ARD und ZDF unter die Lupe.

Lese-Tipp: epd-Autor Stephan Köhnlein beschäftigt sich mit den Innovationslaboren von ARD und ZDF und spricht mit einigen Verantwortlichen. Manchmal seien die "etwas trägen oder verkrusteten Strukturen" ein Hindernis, neue Projekte umzusetzen, erfährt Köhnlein etwa aus einem Gespräch mit Lisa Zauner (Foto) vom WDR Innovation Hub. SWR-Innovationsleiter Thomas Dauser möchte derweil "alte Barrikaden im Kopf" bei der privaten Konkurrenz einreißen, eine "Zusammenarbeit der Qualitätsmedien" biete aus seiner Sicht eine "große Chance".
epd.de

Lese-Tipp: Warum Sprechblasen keine fundierte Recherche ersetzen.

Lese-Tipp: Journalist Andrej Reisin kritisiert bei Übermedien die WDR-Doku Wie jüdisch ist Deutschland? u.a. für ihre "Flapsigkeit im Ton". Die junge Reporterin Rachel Patt scheitere an der "mangelnden handwerklichen Betreuung durch ihre Redaktion". Sender würden zudem immer stärker der Idee verfallen, Reporterinnen müssten permanent vor der Kamera stehen und ihre eigene Geschichte erzählen. Das könne zwar funktionieren, "weil das Publikum emotional besser folgt, aber Sprechblasen ersetzen eben keine fundierte Recherche".
uebermedien.de

Andrea Schafarczyk wird neue WDR-Programmdirektorin NRW, Wissen und Kultur.

Vollzug: Journalistin Andrea Schafarczyk, 46, wird neue WDR-Programmdirektorin für NRW, Wissen und Kultur. Der Rundfunkrat bestätigt damit die Personalie, die von Intendant Tom Buhrow vorgeschlagen wurde. Schafarczyk war seit 2020 medienübergreifende Chefredakteurin des Hessischen Rundfunks. Sie folgt auf Valerie Weber, die den WDR verlässt.
presseportal.de, turi2.de (Background)

Zitat: Durch die Mediathek löst sich der “Konflikt Erstes gegen Dritte” auf, sagt Jörg Schönenborn.

"Der Konflikt Erstes gegen Dritte löst sich über die Mediathek langsam auf."

WDR-Programmdirektor Jörg Schönenborn sagt im DWDL-Interview, es sei "vor einigen Jahren" noch "unvorstellbar" gewesen, dass der WDR und andere Anstalten ihre eigenen Mediatheken zugunsten der gemeinsamen ARD-Mediathek aufgeben. Die Dritten seien zu "exzellenten Doku-Anbietern geworden, weil dafür im Ersten nicht viel Platz war".
dwdl.de

Recherche-Team zeigt, wie Instagram Ess-Störungen befeuert.


Haut und Knochen: Der Algorithmus von Instagram befeuert mit "zerstörerischen Körperbildern" Ess-Störungen, sagt eine Recherche von NDR, WDR, "Süddeutscher Zeitung" und Tamedia. In Experimenten hat das Recherche-Team mehrere Accounts angelegt, die typischen Profilen von Jugendlichen ähneln, die bei Instagram nach Inspiration für Essstörungen suchen. Schnell melden sich ältere, männliche Nutzer, die anbieten beim Abnehmen zu helfen oder um Nacktbilder bitten. Obwohl das Reporter-Team die Profile der "Mager Coaches" meldet, entfernt Instagram sie nicht, weil sie "von außen" nicht zu erkennen seien.

Als problematisch erweist sich auch der Algorithmus von Instagram, der Nutzerinnen Inhalte und Accounts empfiehlt, die sie interessieren könnten. Die Testkonten mit Namen wie "sk1nny_Sarah" oder "My Thinspo" gewinnen in kürzester Zeit Follower. Als die Reporterinnen ähnlichen Accounts folgen, sind die nächsten Freundschaftsvorschläge "My fasting diaries" oder "starving is beauty".

Für die Recherchen haben die "Süddeutsche Zeitung", NDR und WDR interne Studien ausgewertet und mit Betroffenen gesprochen. Das Fazit: Dem Anspruch, "die sicherste globale Gemeinschaft mit der meisten Unterstützung" zu sein, werde Instagram bei weitem nicht gerecht.
tagesschau.de, sueddeutsche.de (Paid), turi2.de (Background)

(Foto: Picture Alliance / photothek / Ute Grabowsky)

Ex-WDR-Programmdirektorin Valerie Weber heuert bei Privatradios im Südwesten an.

Zurück zum Privatradio: Die bis vor kurzem noch amtierende WDR-Programm­direktorin Valerie Weber wird Programm-Geschäftsführerin von Audiotainment Südwest. Unter dem Dach der Firma sind die Radio­sender RPR1, Radio Regenbogen und Big FM vereint. Weber hatte im Dezember überraschend ihren Abschied vom WDR verkündet, davor war sie Programm­chefin von Antenne Bayern.
radioszene.de, dwdl.de, turi2.de (Background)

WDR streamt ab Montag die neue True-Crime-Sendung “Lokalzeit MordOrte”.

Morden im Westen: Der WDR startet am Montag die neue True-Crime-Reihe Lokalzeit MordOrte bei YouTube, in der echte Kriminalfälle aus NRW Thema sind. In der ersten Folge geht es u.a. um einen Flammenwerfer-Amoklauf an einer Kölner Schule 1964 und einen Maskenmord in Bielefeld. Zu Wort kommen sollen auch "Crime-Experten" wie Philipp Fleiter, André Miegel und Patrick Temp.
presseportal.de, youtube.com (1-Min-Teaser)

Zitat: Filmproduzent Günter Rohrbach konnte machen, was er wollte.

"Wir waren einfach selbstbewusst, uns konnte niemand. Kein Programmdirektor und schon gar kein Intendant hätten gewagt, uns irgendwie dazwischenzufunken."

Günter Rohrbach, Filmproduzent und Miterfinder des "Tatorts", sagt im Interview mit der "Süddeutschen Zeitung", dass er nicht versteht, warum die heutigen Redakteurinnen "immer jammern, immer Angst haben". Die finanzielle Situation sei zu seiner Zeit aber auch eine andere gewesen.
sueddeutsche.de (Paid)

Hör-Tipp: Götz Alsmann hat ein Herz für vergessene Perlen des Jazz.

Hör-Tipp: Musiker Götz Alsmann widmet sich in seinem neuen Podcast "Der geheime Garten des Jazz" vergessenen Größen der Jazz­geschichte - oder solchen, die gar nicht erst zu Größen wurden. In der ersten Folge geht es um John Plonsky, der hauptsächlich als Studio­trompeter und Arrangeur gearbeitet, jedoch nur wenige eigene Werke veröffentlicht hat. Alsmann ist von dessen Album "Cool Man Cool" fasziniert: "Solche Platten sind es, die die eigentliche Geschichte des Jazz schreiben", sagt er bei Deutschlandfunk Kultur.
ardaudiothek.de (15-Min-Audio) via deutschlandfunkkultur.de (mit 7-Min-Audio)

WDR veröffentlicht Doku-Serie über Ermittlungen im Missbrauchskomplex Münster.

Persönliche Einblicke: Das WDR-Lokalzeit-Team hat die Ermittlungen im Missbrauchskomplex Münster begleitet und eine fünfteilige Reportage-Serie daraus gemacht. Heike Zafar und Detlef Proges begleiten Vernehmungen, die Suche mit Spürhunden und sprechen mit Mitgliedern der Kommission über ihre Erlebnisse. Zu sehen ist die Reihe ab 3. Januar täglich in der WDR Lokalzeit Münster und in der Mediathek.
presseportal.de

Wir graturilieren: Dennis Horn wird 40.


Wir graturilieren: Heute feiert der Digitalexperte der ARD, Dennis Horn, seinen 40. Geburtstag. Der Journalist und "Nerd vom Dienst", wie er sich selbst bezeichnet, verbringt den Tag zu Hause in Dormagen mit "Ausschlafen, Waldspaziergang, Ruhe". Die größte Inspiration hat er sich im vergangenen Jahr bei seinen Gästen im Podcast Innovationstheater geholt. Fürs kommende Jahr hofft er darauf, endlich wieder eine Konferenz besuchen zu können, und zwar die Republica in Berlin. Weil in der Pandemie aber nichts so richtig planbar ist, freut er sich auf die Highlights, "mit denen ich vorher nie im Leben gerechnet hätte". Der Mann, der jeden Tag "Regenschirmwetter" für seinen Heimatort vorhertweetet, freut sich auch an seinem Geburtstag am meisten über Glückwünsche bei Twitter.

Debatte: Scheidende WDR-Programmdirektorin Valerie Weber haben “Stolz und Vorurteile” belastet.

Zeit für Neues: In der "Süddeutschen" spricht Valerie Weber über ihr vorzeitiges Ausscheiden beim WDR als Programmdirektorin nach acht Jahren. Sie hätte es nicht gut gefunden, "jetzt noch einmal neue Strukturen einzufädeln, die dann jemand anders in der Umsetzung verantworten soll": "Bei mir persönlich ist der Punkt: Wenn mir etwas zu vertraut wird, ist es Zeit zu gehen." Belastet hätte die vom Privatfunk kommende Managerin seit Amtsantritt, wie ihr das Thema "Stolz und Vorurteile" entgegengeschlagen sei: Es habe "viel Zeit und Mühe gekostet", klarzumachen, dass sie für den "Mehrwert der hochwertigen Angebote" stehe und dafür, "sie zu organisieren und die Wege freizumachen".
sueddeutsche.de, turi2.de (Background)

Andrea Schafarczyk soll WDR-Programmdirektorin werden.

WDR: Intendant Tom Buhrow schlägt Andrea Schafarczyk als Programm­direktorin für die Bereiche NRW, Wissen und Kultur vor – als Nachfolgerin von Valerie Weber, die den Sender verlässt. Am 25. Januar entscheidet der Rundfunkrat. Schafarczyk war bis 2015 Wortchefin beim jungen WDR-Radio 1Live, derzeit ist sie medien­übergreifende Chef­redakteurin beim HR.
presseportal.de, dwdl.de, turi2.de (Background)

WDR legt Kulturwandel-Bericht vor.

WDR: Die ehemalige EU-Kommissarin Bericht von Monika Wulf-Mathies (Foto) legt ihren Bericht zum Kultur­wandel im Sender vor. Der WDR habe einen "wichtigen Schritt zu einem wert­schätzenden und respekt­vollen Arbeitsklima" eingeleitet. Verbindlich sollte Feedback auch für Führungs­kräfte werden, auch für Top-Journalisten sollte es "keine Ausnahmen geben". Führungs­funktionen sollte der WDR nur noch an Bewerberinnen mit "überzeugender Sozialkompetenz" vergeben.
dwdl.de, presseportal.de, wdr.de (Bericht), turi2.de

Hör-Tipp: Ex-Lifestyle-Journalist Andreas Tölke berichtet von seinem Einsatz für Geflüchtete.

Hör-Tipp: Ex-Lifestyle-Journalist Andreas Tölke berichtet im WDR5-Tischgespräch von seinem Einsatz für Geflüchtete, die er auch in seiner Privatwohnung einquartierte. "Ich fand immer, ich habe sehr viel von dieser Welt genommen und ziemlich wenig zurückgegeben" begründet er sein Engagement. Zeitweise habe er aber auch Angst vor der eigenen Courage gehabt.
wdr.de (53-Min-Audio)

WDR startet Podcast über Ex-Intendant Fritz Pleitgen.

WDR lässt seinen ehemaligen Intendanten Fritz Pleitgen in einer siebenteiligen Podcast-Reihe sein Leben Revue passieren. Jochen Rausch, Programmchef von 1Live, WDR 2 und WDR 4, befragt Pleitgen u.a. zu seiner Kindheit während des Zweiten Weltkriegs und wie er vom Fußball zum Journalismus kam. Alle Folgen von "Fritz Pleitgen – Sein Leben" sind ab 8. Dezember in der ARD-Audiothek verfügbar.
presseportal.de

Programmdirektorin Valerie Weber verlässt den WDR.

WDR verliert seine lang­jährige Direktorin Valerie Weber, die den Sender auf eigenen Wunsch verlässt. "Mit der Übergabe des ARD-Vorsitzes vom WDR an den rbb zum Jahreswechsel geht für mich eine äußerst spannende Aufgabe als Mitglied der ARD-Geschäftsführung zu Ende", so die 55-Jährige, die seit 2013 Hörfunk­direktorin und seit 2019 Programm­direktorin für NRW, Wissen und Kultur ist. Sie hat u.a. das NRW-Magazin "Lokalzeit" und die Wissens-Sendung "Quarks" verantwortet. Dem WDR werden "ihre wertvollen Impulse und kreativen Ideen fehlen", sagt Intendant Tom Buhrow. Über ihr nächstes berufliches Ziel ist noch nichts bekannt.
presseportal.de

RBB übernimmt 2022 die Federführung im ARD-Studio Warschau.

RBB übernimmt im Laufe des Jahres 2022 für acht Jahre die crossmediale Feder­führung des ARD-Studios Warschau. Derzeit verantwortet der WDR das Studio in der polnischen Hauptstadt, beide Sender wechseln sich ab. Der RBB wird zwei Korrespondentinnen nach Warschau entsenden. Aktuell berichten Jan Pallokat vom RBB fürs Radio und Olaf Bock vom WDR fürs TV aus Polen.
rbb-online.de

Maskenaffäre: Recherche zeigt “knallharte” Verkaufs-Methoden der PR-Frau Andrea Tandler.


Durchatmen nicht erwünscht: "Süddeutsche Zeitung", WDR und NDR decken auf, mit welchen Methoden die Münchner PR-Unternehmerin Andrea Tandler deutschen Ministerien im März 2020 teure Corona-Masken verkauft. Statt eines Angebots habe sie dem bayerische Gesundheitsministerium "ein Ultimatum" gestellt: Eine Million FFP2-Masken für 8,9 Mio Euro, Antwort innerhalb eines Tages erbeten, Anzahlung 50 %. Gleiches Spiel in Nordrhein-Westfalen, nur eine Mio teurer. Die PR-Frau sei gemeinsam mit der Schweizer Firma Emix und den Jungmillionären Jascha Rudolphi und Luca Steffen "dreist" vorgegangen und habe "alte CSU-Verbindungen" über die frühere bayerische Kultusministerin Monika Hohlmeier genutzt, schreibt die "SZ".

Bereits im Mai war bekannt geworden, dass Tandler für die Deals zwischen 34 und 51 Mio Euro Provision kassiert haben soll. Die neuste Recherchen zeigen u.a., wie unzufrieden das Ministerium in NRW mit dem Deal gewesen ist. Zunächst seien die versprochenen "hochwertigen" Masken gegen solche aus Hongkong ausgetauscht worden, "dann wurden die Lieferungen immer wieder verschoben". Am Ende zahlt NRW nur die bis dahin gelieferten 527.200 FFP2-Masken. Aus einer Aufstellung geht hervor: Das größte Bundesland hat insgesamt 68 Mio Masken von Dutzenden Lieferanten bezogen – zum Durchschnittspreis von 4,34 Euro. "Der Deal mit Emix, der mit Hilfe der CSU-Connection zustande kam, blieb der teuerste". Andrea Tandler selbst beantwortet Anfragen zum Fall bisher nicht. (Foto: Picture Alliance / dpa-tmn / Christin Klose)
sueddeutsche.de (Paid). tagesschau.de, turi2.de (Background)

Ulrike Simon wird 2022 ARD-Kommunikations­leiterin.

Neue Aufgaben: Die ehemalige Medien­journalistin Ulrike Simon, die seit August für RBB-Intendantin Patricia Schlesinger kommuniziert, leitet künftig die Kommunikation der gesamten ARD, berichten "Clap" und Meedia. Sie teilt sich den Job mit RBB-Sprecher Justus Demmer, der sich ums Tagesgeschäft kümmert. 2022 wechselt der ARD-Vorsitz von WDR zum RBB. Der bisherige, vom WDR stammende ARD-Kommunikations­leiter Birand Bingül wechselt zur PR-Agentur FischerAppelt.
clap-club.de, meedia.de, turi2.de (Background Bingül)

WDR zeigt gesellschaftspolitische Comedy

DiversiTV: Der WDR lädt mit zwei diversen Comedy-Shows zu einem "Perspektivwechsel auf die eigene Gesellschaft" ein. In "Team Abdel" stellt sich Abdelkarim aktuellen Themen und hinterfragt sie satirisch. Khalid Bounouar diskutiert in "Wie redest du?!" mit seinen Gästen über Diskriminierung und Rassismus im Alltag. Die Sendungen laufen ab 15. November im Fernsehen und sind vorher schon in der ARD-Mediathek zu sehen.
presseportal.de

Stefan Buchen kritisiert WDR für “Gesinnungsprüfung” von Nemi El-Hassan.

Methodenkritik: Der WDR hat bei seiner Befragung von Nemi El-Hassan aufgrund von Antisemitismus-Vorwürfen womöglich gegen das Arbeits­recht verstoßen, schreibt Journalist Stefan Buchen. Das Gespräch sei zu einer "umfassenden Gewissens- und Gesinnungs­prüfung" geraten, welche "die Kompetenzen der WDR-Verantwortlichen in Zweifel zieht". Der WDR weist den Vorwurf "entschieden zurück", der Sender habe in den Gesprächen das Arbeitsrecht verletzt. Die Gespräche "waren vom Bemühen des WDR geprägt, eine Grundlage für eine weitere Zusammenarbeit zu finden".
berliner-zeitung.de via bildblog.de, sueddeutsche.de (Reaktion WDR)

Jürgen Kraus leitet künftig WDR2 und WDR4.

WDR befördert Jürgen Kraus zum Leiter des neuen Programm­bereichs WDR2 / WDR4 samt der gleich­namigen Radiowellen. Kraus, derzeit Leiter der Haupt­abteilung Programm­management, folgt im März 2022 auf Jochen Rausch, der in den Ruhestand geht. Das junge Programm 1Live, das Rausch auch leitet, fällt künftig in die Verantwortung von Cosmo-Chefin Schiwa Schlei.
dwdl.de, turi2.de (Background)

ZDF will weiter mit Nemi El-Hassan zusammenarbeiten.

ZDF stellt sich hinter Moderatorin Nemi El-Hassan, sie werde weiterhin für das Funk-Format Der Fall tätig sein, so der Sender zur "Bild". Die betreuende ZDF-Redaktion sehe aufgrund der bisherigen Zusammenarbeit "keinen Anlass, an ihrer journalistischen Professionalität zu zweifeln". Der WDR hatte sich kürzlich gegen eine weitere Zusammenarbeit mit El-Hassan entschieden. Der Journalistin wird vorgeworfen, an einer Al-Kuds-Demo teilgenommen und israelkritische Posts im Netz gelikt zu haben.
bild.de, turi2.de (Background)

Meinung: Nemi El-Hassan vermischt Journalismus und Aktivismus, sagt Laura Hertreiter.

Kündigungs­schreiben: Nemi El-Hassan beweist mit ihrem Text in der "Berliner Zeitung" ein "grundlegendes Miss­verständnis darüber, was Journalismus ist", schreibt Laura Hertreiter (Foto) in der "Süddeutschen". Sie unterschlage Gegen­positionen und flüchte sich "in die Eindeutigkeit der Halb­wahrheiten". Sie habe sich mit ihrem Text "vom Journalismus verabschiedet".
sueddeutsche.de, turi2.de (Background)

Der WDR beendet die Zusammenarbeit mit Nemi El-Hassan.


Finaler Bruch: Der WDR entscheidet sich endgültig gegen eine Zusammenarbeit mit der Journalistin Nemi El-Hassan. "Das Vertrauen für eine künftige Zusammenarbeit ist nicht mehr vorhanden", heißt es in der Begründung. El-Hassan hatte in der Berliner Zeitung dem WDR vorgeworfen, die Linie der "Bild" übernommen zu haben, die eine "gezielte Kampagne zur Demontage einer Person" gegen sie gefahren habe. Dieser Vorwurf ist "unsinnig", heißt es aus Köln. Der WDR habe "sorgfältig und umfangreich beraten, weil die Verantwortlichen den beruflichen Weg der jungen Journalistin nicht leichtfertig behindern, sondern ihr eine Chance geben wollten".

Ursprünglich sollte El-Hassan ab November die Wissenschafts-Sendung "Quarks" moderieren. Ihr wurde kurz nach der Ankündigung Antisemitismus vorgeworfen, weil sie an einer Al-Kuds-Demo teilgenommen hatte und israelkritische Posts im Netz gelikt haben soll. Daraufhin entzog ihr der WDR den Moderationsjob.

El-Hassan beruft sich in ihrem Gastbeitrag auf ihre "palästinensischen Wurzeln" und schreibt: "Die Reaktion des WDR zeigt exemplarisch, dass es schlecht steht um die vielfach gerühmte Debattenkultur in diesem Land". Wenige Stunden später nach der Veröffentlichung des Artikels zieht der WDR einen Schlussstrich und lässt damit die Option fallen, die Journalistin hinter der Kamera zu beschäftigen.
wdr.de, rnd.de, sueddeutsche.de, turi2.de (Background)

Nemi El-Hassan wehrt sich in Gastbeitrag gegen Antisemitismus-Vorwürfe.

Gegenwehr: Journalistin Nemi El-Hassan schreibt in der "Berliner Zeitung" über die Antisemitismus-Vorwürfe gegen ihre Person. Sie sei Ziel einer Kampagne rechter Internet-Aktivisten gewesen. Die "Bild"-Bericht­erstattung habe die Grenze zwischen "kritischer journalistischer Arbeit und einer gezielten Kampagne zur Demontage einer Person" überschritten. Der WDR habe "in der Hoffnung, sich selbst aus der Schusslinie zu ziehen" die "Bild"-Linie übernommen und so "zukünftigen Kampagnen Tür und Tor geöffnet". Das zeige, "dass es schlecht steht um die vielfach gerühmte Debattenkultur in diesem Land". El-Hassan habe sich gewünscht, schlicht nach ihrer beruflichen Eignung beurteilt zu werden. Allerdings sehe sie sich nicht als Opfer, sondern wolle ihre "Sicht auf die Welt einzubringen, so wie alle anderen Menschen auch" und weigere sich, den palästinensischen Teil ihrer Identität zu verleugnen.
berliner-zeitung.de, turi2.de (Background)

Moderatorin Nemi El-Hassan beschäftigt erneut den WDR-Rundfunkrat.

WDR-Rundfunkrat hat am Freitag erneut kontrovers über Moderatorin Nemi El-Hassan und die Frage diskutiert, ob Post und Likes von ihr anti­semitisch motiviert waren. "Es ist eine schwierige, schwierige Abwägung“, sagt Intendant Tom Buhrow. Der Vorsitzende Andreas Meyer-Lauber ruft in Erinnerung, dass der Rundfunkrat in Personal­angelegen­heiten jedoch "nix zu entscheiden" habe.
faz.net

“Bild”: Zentralrat der Juden legt Beschwerde beim ZDF ein.

Antisemitismus? Der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, beschwert sich beim ZDF, meldet "Bild". Der Sender beschäftige mit Feyza-Yasmin Ayhan (Foto) eine Autorin, die "sich durch das Verbreiten antisemitischer und israelfeindlicher Ressentiments hervorgetan" habe, schreibt Schuster in einem Brief an Intendant Thomas Bellut. Letzterer antwortet, dass Ayhan sich klar von antisemitischen Positionen distanziert habe. In einem weiteren Schreiben bittet Schuster den WDR darum, die Vorwürfe gegen Nemi El-Hassan nicht fallen zu lassen – und widerspricht den Argumenten einer Initiative, die sich für El-Hassan einsetzt.
bild.de, turi2.de (Background)

Hör-Tipp: Georgine Kellermann spricht im BR über ihr Coming-out.

Hör-Tipp: WDR-Journalistin Georgine Kellermann freut sich auf der "Blauen Couch" von Bayern 1 über die Wertschätzung, die ihr Kolleginnen und Menschen in den sozialen Medien entgegenbringen. "Das muss mich glücklich machen, das geht gar nicht anders." Sie erzählt von ihrer Jugend, in der sie lieber in der Mädchen-Gruppe gestanden habe und kommentiert ihr spätes Coming-out als trans Frau: "Meine Sorge war, dass ich, wenn ich werde, wer ich bin, nicht mehr tun kann, was ich liebe. Das war ein Fehler."
ardaudiothek.de (31-Min-Audio)

Aus dem Archiv: Georgine Kellermann im Interview in der turi2 edition #14:

Initiative will sich im WDR-Rundfunkrat für Nemi El-Hassan einsetzen.

Causa Nemi El-Hassan: Die Deutsche Initiative für den Nahen Osten plädiert im WDR-Rundfunkrat dafür, dass El-Hassan doch noch Moderatorin von "Quarks" wird. Die Unterstützung eines Aufrufs von Jewish voice for Peace könne man "per definitionem" nicht als antisemitisch bewerten, da die Organisation eine jüdische sei. Ihr Like bei einem Instagram-Beitrag über die Flucht von palästinensischen Häftlingen sei "eher" ein Ausdruck von "Häme" gewesen, da sich das israelische "Gefängnis-System" blamiert habe.
faz.net (Paid), tagesspiegel.de, turi2.de (Background)

Reporter-Legende Gerd Ruge, 93, ist tot.

Gerd Ruge, 93, ist tot. Der Journalist ist am Freitagabend in München gestorben. Ruges Karriere began 1949 beim damaligen Nordwestdeutschen Rundfunk, später war er u.a. als ARD-Korrespondent in Moskau und den USA tätig. Zudem erfand und leitete er den "Weltspiegel",  war zwischenzeitlich Chefredakteur beim WDR Fernsehen und übernahm für sechs Jahre die Leitung des Moskauer ARD-Studios. 1993 ging er in den Ruhestand, arbeitete aber weiter als freier Journalist und machte mit "Gerd Ruge unterwegs" Reisereportagen.

WDR-Intendant und ARD-Vorsitzender Tom Buhrow würdigt Ruge als "Reporterpersönlichkeit der ersten Stunde". Ruge sei ein "wertvoller Zeitzeuge wichtiger politischer Ereignisse im In- und Ausland" gewesen. "Unvergessen bleiben seine zahlreichen Auslandsreportagen und Reiseberichte, das Publikum hat ihn dafür geliebt", für viele nachfolgende Journalistinnen sei Ruge "Vorbild und Orientierung" gewesen. "Ich werde seine sympathische und bescheidene Art vermissen", so Buhrow weiter.

Zahlreiche Journalistinnen trauern um Ruge. Ruge sei ein "großer Humanist" und ein "Journalist mit Haltung" gewesen, sagt Ruges enger Wegbegleiter Thomas Roth dem WDR. Für ZDF-Journalist Claus Kleber ist Ruge "der letzte der Weltensammler, die uns nach Nazi-Wahn und Krieg die Welt und die Ferne nach Hause brachten". "Da geht ein ganz Großer", twittert Tina Hassel, Leiterin des ARD-Hauptstadtstudios: "Weltgewandt, mutig, unbestechlich und immer voller Humor und Wärme den Menschen um ihn herum zugewandt." Ruge bliebe ein "Vorbild und Inspiration", schreibt "Welt"-Chefredakteur Ulf Poschardt bei Twitter. Mit Gerd Ruge gehe eine "Reporter-Legende, ein journalistisches Vorbild für eine ganze Generation", twittert der ehemalige ARD-Programmdirektor Volker Herres. Es brauche heute "dringender denn je" Journalisten wie Ruge, schreibt Eckhard Fuhr in der "Welt". Eine "weit verbreitete Illusion" sei es, dass "Weltwissen jederzeit und an jedem Ort als 'Information' abrufbar" sei. Ruges Reportagen hätten gezeigt, "dass die Welt in Wahrheit weit und weithin unentdeckt ist und dass man sich bewegen muss, um sie kennen zu lernen".
presseportal.de, Foto: Paul Zinken/dpa

Kress.de: Georg Mascolo hört als Chef des Verbunds von WDR, NDR und “Süddeutscher” auf.

Recherche rum: Der Leiter des Recherche-Verbunds von WDR, NDR und "Süddeutscher Zeitung", Georg Mascolo, 56, gibt den Posten ab, bestätigt die Kooperation Kress.de. Er wolle seinen Vertrag auslaufen lassen. Mascolo, von 2008 bis 2013 "Spiegel"-Chefredakteur, macht den Job demnach noch bis März 2022. Eine Nachfolge stehe noch nicht fest. Unter seiner Leitung hat der Verbund u.a. die Panama Papers aufgearbeitet. Mascolo bleibt laut Kress.de Autor bei der "Süddeutschen".
kress.de

WDR baut Insta-Kanal der “Aktuellen Stunde” für junges Publikum um.

Verjüngungskur: Der WDR verpasst dem Instagram-Account @aktuellestunde einen neuen Anstrich. Unter der neuen Marke tickr sollen die Reporterinnen Lisa Altmeier (Foto), Anna van Doorn, Ilias Hamdani und Aron David Leute unter 25 wochentags mit kurzen News-Clips erreichen, meldet DWDL. Das Format läuft auch auf Snapchat.
dwdl.de, instagram.com

“Pandora Papers”: NDR, WDR und “Süddeutsche Zeitung” enthüllen Geldverstecke von Politik, Promis und Kriminellen.


Büchse der Pandora: Die Investigativ-Allianz von WDR, NDR und "Süddeutscher Zeitung" landet den nächsten Daten-Scoop. Die Medien enthüllen, dass Hunderte Politik-Promis, aber auch Persönlichkeiten aus der Gesellschaft und Kriminelle ihr Geld in Steueroasen verstecken. Grundlage der Recherche ist eine Datensammlung mit dem Namen "Pandora Papers", die fast 12 Mio vertrauliche Dokumente umfasst, das dem Recherche-Netzwerk ICIJ zugespielt und von 600 Journalistinnen weltweit ausgewertet wurde. Zu den in die Offshore-Geschäfte verstrickten Persönlichkeiten gehören u.a. der ehemalige britische Premier Tony Blair, der amtierende tschechische Premierminister Andrej Babiš sowie der ukrainische Präsident Wolodimir Selenskij. Auch Geldgeschäfte von Vertrauten des russischen Präsidenten Wladimir Putin deckt das Daten-Leck auf.

Sie alle haben nach den Enthüllungen Vermögen in unterschiedlichen Steueroasen versteckt oder über Briefkastenfirmen Geschäfte gemacht, um Steuern zu sparen. Ein besonderes Schlaglicht wirft die "Süddeutsche Zeitung" auf das Emirat Dubai – als "Gangster’s Paradise unter Palmen halt". Unter den mehr als 1 Mio Immobilienbesitzerinnen befinden sich auch 4.000 in Deutschland steuerpflichtige Firmen oder Personen. Seit dem vergangenen Jahr möbelt das umstrittene Emirat sein Image mithilfe von vielen deutschen Social-Media-Stars auf, die es auch mit Steuervorteilen ins Land lockte.

Die Enthüllung umfasst Dokumente von 1996 bis 2021 und ist von ihrem Umfang die bisher größte, noch vor den Panama Papers von 2016. 150 Medien-Organisationen in 117 Ländern sind an der zeitgleichen Veröffentlichung der Enthüllungen am Sonntagabend beteiligt. (Bild: ICIJ, Medienlogos/Montage: turi2)
tagesschau.de, sueddeutsche.de (Übersicht, Paid), sueddeutsche.de (Dubai-Schwerpunkt, Paid), ardmediathek.de (32-Min-Doku)

WDR lässt Nemi El-Hassan bei “Quarks” nicht vor die Kamera.

Ausgequarkst: Die Journalistin Nemi El-Hassan wird "Quarks" nicht moderieren, kündigt WDR-Intendant Tom Buhrow an. Sie soll stattdessen gegebenenfalls hinter der Kamera als Autorin für die Sendung arbeiten. Als Grund nennt Buhrow nicht etwa El-Hassans Teilnahme an einer israelfeindlichen Demonstration 2014, sondern problematische Likes auf Social Media in jüngster Zeit. Darüber hatte u.a. die "Bild" berichtet. Bisher hatte der WDR den Start von El-Hassan als "Quarks"-Moderatorin nur vorläufig ausgesetzt.
tagesspiegel.de, turi2.de (Background)

“Bild” wirft Nemi El-Hassan anti-israelische Instagram-Likes vor.

Ausgeherzt: Die "Bild" wirft Nemi El-Hassan mehrere anti-israelische Instagram-Likes vor. El-Hassan soll noch vor wenigen Monaten u.a. einen Aufruf zum Boykott israelischer Produkte sowie israelfeindliche Slogans mit einem Herz versehen haben. In der Nacht von Montag auf Dienstag habe die Journalistin die "Gefällt mir"-Angaben unter den beschriebenen Beiträgen gelöscht.
bild.de, turi2.de (Background)

Offener Brief ruft zu Solidarität mit Nemi El-Hassan auf.

Schützenhilfe: Mehr als 400 Unterzeichnerinnen rufen in einem offenen Brief zu Solidarität mit der Journalistin Nemi El-Hassan auf. Die Debatte um ihre Teilnahme an einer israelfeindlichen Demo habe "jegliches Maß und Mitte" verloren, heißt es dort. Zudem kritisiert der Brief, dass Berichte über El-Hassan oft mit Vorurteilen und Ängsten gegenüber Muslimen arbeiteten. Der WDR solle die Zusammenarbeit mit El-Hassan wie geplant aufnehmen. Zu den Unterzeichnerinnen gehören die Publizistin Carolin Emcke, Tilo Jung und Jakob Augstein.
docs.google.com (Offener Brief) via twitter.de, turi2.de (Background)

“WamS”: Causa El-Hassan bringt Öffentlich-Rechtliche in eine Zwickmühle.


Politisch heikel: Die Causa Nemi El-Hassan bringt die Öffentlich-Rechtlichen in eine Zwickmühle, beobachtet die "Welt am Sonntag". Die Journalistin, deren Moderationsstart beim WDR-Magazin "Quarks" aufgrund ihrer Teilnahme an einer israelfeindlichen Demo auf Eis liegt, sei "nicht die einzige aus ihrem Milieu, die bei den Öffentlich-Rechtlichen für eine Karriere vorgesehen ist". El Hassan gehöre zu einer Gruppe, "in der Karriere gemacht wird, weniger trotz einer wenig demokratiekompatiblen Einstellung, sondern mit oder sogar wegen dieser Einstellung", schreibt "WamS"-Chefredakteur Johannes Boie.

Außer El-Hassan hätten u.a. auch BR-Reporter Malcolm Ohanwe sowie Funk-Journalistin Alena Jabarine ihren Auftraggebern Kritik eingehandelt – vor allem wegen Kontroversen zu Israel. Die "aktuelle Situation" sei "nicht ausschließlich" El-Hassans Schuld, schreibt Boie weiter. Er kritisiert "alle, die bei ihrer bisherigen Karriere beide Augen zugedrückt haben".
welt.de (Text Boie), edition.welt.de (ausführlicher Text, Paid), turi2.de (Background)

Meinung: Debatte um WDR und Nemi El-Hassan ist scheinheilig.

Antisemitismus-Vorwürfe: Die Diskussion um den WDR und Nemi El-Hassan ist scheinheilig, schreibt Hanno Hauenstein in der "Berliner Zeitung". Sie sei "Ausdruck einer inzwischen normalisierten deutschen Sehnsucht, die Deutungshoheit über Antisemitismus gegen Minderheiten in Anschlag zu bringen". Dabei spiele es keine Rolle mehr, "ob diese jüdisch, muslimisch oder links sind". Dem WDR wirft Hauenstein vor, der "Druckwelle von rechts" nachzugeben. Springer würde "unter dem Deckmantel eines Engagements gegen Antisemitismus eine Rhetorik der Spaltung" kaschieren.
berliner-zeitung.de, turi2.de (Background)

Debatte: Nemi El-Hassans Statements und Verhalten lassen “zu wünschen übrig”.

For real? Journalistin Nemi El-Hassan distanziert sich nicht sonderlich glaubwürdig von ihrer Teilnahme an einer israelfeindlichen Demo 2014, kommentiert Andrej Reisin bei Übermedien. "Es fällt zum Beispiel schwer zu glauben, angesichts der Heftigkeit der Aggressionen und der damaligen Debatte als Teilnehmerin dieser Demo nichts davon mitbekommen zu haben." Ihre "Lösch-Aktionen" auf Twitter und YouTube seien "wenigstens sehr ungeschickt". Reisin fragt zudem, ob ARD und ZDF Antisemitismus zu selten thematisierten. Er sieht diesbezüglich "blinde Flecke" in der "medialen Mehrheitsgesellschaft".
uebermedien.de, turi2.de (Background)

WDR: Nemi El-Hassan wird “Quarks” vorerst nicht moderieren.

Notbremse: Der WDR setzt das "Quarks"-Debüt von Moderatorin Nemi El-Hassan "vorerst aus", teilt der Sender mit. Die Vorwürfe gegen sie wögen schwer. "Es wiegt aber auch schwer, einer jungen Journalistin eine berufliche Entwicklung zu verwehren." Deshalb sei nun "eine sorgfältige Prüfung geboten." El-Hassan hatte 2014 an einer israelfeindlichen Demo in Berlin teilgenommen, dies nach Vorwürfen in der "Bild" aber als "Fehler" bezeichnet. Der WDR gibt an, "keinerlei Form von Antisemitismus" zu dulden.
presseportal.de, turi2.de (Background)

Nach Antisemitismus-Vorwürfen der “Bild”: WDR-Moderatorin Nemi El-Hassan distanziert sich von Demo-Teilnahme.

Nemi El-Hassan, ab Oktober neue Moderatorin von Quarks beim WDR, distanziert sich nachträglich von ihrer Teilnahme an einer Al-Kuds-Demo 2014. "Keinesfalls habe ich während der Demo antisemitische Parolen von mir gegeben, noch Menschen jüdischen Glaubens körperlich angegriffen", sagt sie in einem Statement. Während Ausschreitungen sei sie nicht zugegen gewesen. Die "Bild"-Zeitung hatte zuerst über den Fall berichtet und El-Hassan u.a. die Relativierung von islamistischer Gewalt vorgeworfen.

Laut "Bild" soll sie zudem "zahlreiche" Tweets gelöscht haben, z.B. einen "über ihre Teilnahme an einer Anti-Israel-Demo, bei der extreme Hasssbotschaften" verbreitet worden sind. Der WDR zieht vorläufig keine Konsequenzen und teilt mit, man stehe mit El-Hassan "weiter im Austausch", zu weiteren Fragen werde man sich "erst äußern, wenn diese Gespräche abgeschlossen sind".
rnd.de, bild.de, spiegel.de, twitter.com

Jörg Thadeusz moderiert bis zur Wahl nicht mehr beim WDR und RBB.

Selbstverordnete Sendepause: Bis zur Bundestagswahl moderiert Jörg Thadeusz keine weiteren Folgen mehr seiner Radio-Sendung bei WDR 2, auch die eigentlich noch für den 21. September geplante Ausgabe seiner RBB-Talkshow Thadeusz und die Beobachter entfällt. Der Moderator ist laut eigenen Angaben selbst auf die Sender zugegangen und hat den Verantwortlichen die Pause angeboten. "Ich möchte nicht, dass die Kolleginnen und Kollegen sich wegen meines Fehlers Zweifel an ihrer journalistischen Integrität ausgesetzt sehen", twittert er. Grund ist eine im Juni von Thadeusz veröffentlichte Kolumne im Wahlkampf-Magazin des Berliner FDP-Landesverbands. Mitarbeitende des öffentlich-rechtlichen Rundfunks dürfen sich "nicht aktiv im Wahlkampf betätigen", lässt etwa der WDR wissen.

Die bei WDR 2 geplanten Gespräche mit den Politikerinnen Sahra Wagenknecht, Norbert Röttgen und Bernd Baumann übernimmt stattdessen Thomas Bug. Beim RBB hätte seine Talkshow noch mit einer Ausgabe vor der Wahl im Programm bleiben sollen, dort hätte er allerdings eine Stellungnahme abgeben sollen. "Diese Lösung hätte Transparenz hergestellt, zumal in der Sendung ausschließlich Journalisten und Journalistinnen und keine Politikerinnen und Politiker zu Gast gewesen wären", sagt RBB-Chefredakteur David Biesinger. Man wolle trotzdem "am Vorhaben, aus verschiedenen Perspektiven und ohne parteipolitische Beteiligung auf den Wahlkampf zu schauen" festhalten und will daher kurzfristig ein Ersatzprogramm auf die Beine stellen.
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