Wie geht’s der Modebranche, Petra Winter?


Hoffen auf Kauflust: Die Modebranche hat große Sorgen, sagt Petra Winter, Chefredakteurin der Luxus-Modezeitschrift "Madame", im "Wie geht's"-Interview von turi2.tv. Durch den Corona-bedingten Shutdown fehle es allen Modehändlern, die kein starkes Online-Geschäft haben, an Umsatz. Und selbst einige Online-Händler bekämen wegen der Schließung von Lagern Probleme. Das bedeutet auch für Luxus-Magazine wie "Madame" Umsatzeinbußen: "Das trifft uns hart", sagt Winter, und hofft darauf, dass der Konsum nach dem Shutdown wieder anspringt. Die Mode-Branche habe gar "Glück im Unglück", dass das Virus nicht im Herbst ausgebrochen ist. So bleibe immerhin noch das Herbst- und Weihnachtsgeschäft. Der Blick auf die Entwicklung in China bestätige diese Hoffnung.

Am Ende des Skype-Calls aus dem Home Office gibt Winter noch Mode-Tipps für die Arbeit von Zuhause: Sie findet, im Home Office könne man "sich schon ein bisschen mehr casual gönnen", da es ja keine Außentermine gäbe. Für Video-Konferenzen sollte man sich allerdings - zumindest obenrum - so anziehen, wie man es auch fürs Büro tut.
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Wie geht’s dem Silicon Valley, Marcus Schuler?


Wenig Hoffnung: Die Mitarbeiter*innen der Tech-Firmen im Silicon Valley arbeiten schon seit drei Wochen aus dem Home Office, sagt Marcus Schuler, Silicon Valley-Korrespondent der ARD, im "Wie geht's"-Interview von turi2.tv. Damit waren Google, Facebook und Co schneller und wohl auch weitsichtiger als die Politik in den USA, die erst später "eine Art Ausgangs-Beschränkung" ausgerufen hat. Ob die Konzerne am Ende zu den Gewinnern der Krise gehören, will er noch nicht abschätzen. Wo das Geschäft ungebrochen gut laufe, sei bei Streaming-Diensten wie Netflix und Disney+. Anders als in Europa, gibt es in den USA auch keine Bandbreiten-Beschränkungen. Wenig Hoffnungen hat Schuler, dass das US-Gesundheitssystem der Krise standhält.

Sich selbst schützt der ARD-Journalist dadurch, dass er ganz regulär im Home Office arbeitet und – wenn er zu Terminen geht – den Sicherheitsabstand einhält und das Mikrofon mit Plastik umwickelt, wie man es jetzt häufig im Fernsehen sieht. Schuler lobt die deutschen Medien, die anders als viele US-Medien, verlässliche Informationen liefern. Ein Lichtblick ist für ihn der Gouverneur von New York, Andrew Cuomo. Im Gegensatz zu Präsident Trump, habe er seine Zahlen und Fakten parat und wisse, wo es zu Engpässen in der Versorgung kommen kann.
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Wie geht’s der Werbebranche, Martin Blach und Marcel Loko?


Zusammen weniger allein: "Mein Eindruck ist, dass diese Krise eine Kreativitäts-Explosion in der gesamten Gesellschaft auslöst", sagt Marcel Loko im "Wie geht's"-Doppelinterview mit Martin Blach, beide Gründer und CEOs der Hirschen Group. Durch Corona und firmenübergreifendes Home Office habe sich die Kommunikation mit Kund*innen und Kolleg*innen massiv beschleunigt. Loko ist überzeugt, dass am Ende "neue Wege, neue Formate und auch neue Märkte entstehen".

Auch Martin Blach erwartet "sehr viele positive Veränderungen", z.B. bei Digitalisierung und Mobilität. Seinen Kund*innen gibt Blach in der Corona-Krise zwei Kommunikations-Tipps: "empathisch kommunizieren und vertriebsmäßig denken" – so könne eine Marke mit mehr Profil aus der Krise kommen. Corona selbst würde er in der Werbung nicht explizit erwähnen, wohl aber zeigen, wie Firmen und Unternehmen sich in der Krise engagieren.
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Aus dem Archiv von turi2.tv: Martin Blach, Hirschen Group, übers Marketing der Verleger. (12/2015)

Wie geht’s dem Sportjournalismus, Pit Gottschalk?


Auf Ersatzdroge: "Die Situation ist schon sehr bedrückend", sagt Sport1-Chefredakteur Pit Gottschalk im "Wie geht's"-Interview von turi2.tv über den Corona-bedingten Shutdown nahezu aller Sport-Events. "Wir sind ja alle Sportjournalisten geworden, weil wir den Fußball oder den Sport so lieben. Und wenn man das nicht erleben kann, dann fehlt einem schon etwas in der DNA." Sport1 behilft sich im Programm aktuell mit Wiederholungen alter Sport-Ereignisse. "Es ist wie so eine Art Drogen-Ersatz. Man kommt über die Runden, aber die Live-Droge ist natürlich noch viel besser", räumt Gottschalk ein.

In seiner Sport1-Mannschaft, die fast komplett im Home Office trainiert, spürt Gottschalk ein starkes "Wir-Gefühl", Programm und Website am Laufen zu halten – auch im Hinblick darauf, in der Zeit nach Corona noch gut aufgestellt zu sein. Hoffnung gibt ihm, dass der Sport wieder seine "menschliche Seite" zeigt. Diskussionen über Beleidungen von Fußball-Funktionären, die noch vor wenigen Wochen die Schlagzeilen bestimmten, würden heute "nicht mehr in dieser Schärfe" geführt.
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Wie geht’s der Arbeitskultur, Ronald Focken?


Schaffe, schaffe... Video-Konferenz: "Die Digitalisierung wird gerade massiv beschleunigt", beobachtet Ronald Focken, Geschäftsführer und Gesellschafter von Serviceplan, im "Wie geht's"-Interview von turi2.tv. Dass die virtuelle Zusammenarbeit in der Corona-Krise so gut laufe, "haben wir vorher nicht für möglich gehalten". Wichtig seien "feste Ankerpunkte": Genaue Starttermine für Video-Konferenzen und Regeln wie "nur einer redet", die bei physischen Treffen allzu oft nicht funktionierten. Focken sieht nicht nur "eine wahnsinnige Effizienz-Steigerung in der Projekt-Abstimmung", sondern auch einen wachsenden Zusammenhalt innerhalb der Teams.

Außerdem ist Ronald Focken überzeugt, dass sich Geschäftsreisen auch nach der Corona-Krise deutlich reduzieren werden. Für Serviceplan sind Reisen einer der größten Kostenpunkte. Angesichts durch Corona wegbrechender Etats werde "eine gewisse Kosten-Ersparnis-Phase" kommen. Zudem arbeite die Agenturgruppe in diesem Jahr an einer Nachhaltigkeits-Strategie: "Da hatten wir das Thema ohnehin auf der Agenda. Durch Corona kriegt das nochmal eine andere Geschwindigkeit."
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Wie geht’s der Freiheit, Ulf Poschardt?


Welt in Quarantäne: "Die Freiheit wird gerade massiv eingeschränkt", sagt Ulf Poschardt im "Wie geht's"-Interview. turi2.tv erwischt den "Welt"-Chefredakteur am Donnerstagmorgen per Skype auf dem Weg zur nächsten Video-Konferenz im Home Office, aus dem er Springers Blaue Gruppe dieser Tage führt. Poschardt stört sich zwar an den Beschränkungen, denen die Gesellschaft angesichts der Corona-Krise unterliegt. Auf der anderen Seite beweise sich eine liberale Demokratie gerade, wenn sie fähig ist, Freiheit mit demokratischen Mitteln einzuschränken, "um die Schwächsten der Schwachen zu schützen".

Die These, dass die Politik angesichts der Corona-Krise mit strengen Regeln reagiert, die im Kampf gegen den Klimakollaps viel nötiger wären, findet Poschardt "so bescheuert, dass ich sie eigentlich gar nicht kommentieren will". Wer eine Pandemie mit der Klimakrise verwechsle, habe beides nicht verstanden. Die Diskussion wolle er lieber Jakob Augstein und Richard David Precht überlassen. Der Philosoph hatte in einem turi2.tv-Interview u.a. gesagt, "dass die Leute mehr Angst um ihr Leben haben als um das Überleben der Menschheit".
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Wie geht’s dem Lernen in Zeiten der Quarantäne, Miriam Meckel?


Lernen 4.0: "Wir werden ungewollt in die Digitalisierung hineingeschleudert", beobachtet Miriam Meckel. Die Gründungs-Verlegerin des Magazins "ada" und Kommunikations-Professorin glaubt, dass die Corona-Krise die Art, wie wir lernen, nachhaltig verändern wird und dass das am Ende gut für Deutschland ist. Im "Wie gehts"-Interview von turi2.tv berichtet sie von ihren Erfahrungen mit Tools wie Slack und Zoom und findet, dass man in Video-Konferenzen besonders merkt, welcher Teilnehmer nur um des Redens Willen redet und wer empathisch reagiert.

Bei "ada", der Bildungsplattform des "Handelsblatts", arbeitet Meckel mit ihren Kolleg*innen derzeit daran, möglichst viele Komponenten von Events und Live-Begegnungen auf die digitale Plattform zu bringen und vor allem Interaktionsmöglichkeiten zu schaffen. Dass sich Events und Bildung komplett digitalisieren lassen, glaubt sie indes nicht: "Menschen brauchen auch den physischen Kontakt."
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Wie geht’s den Ärztinnen und Ärzten, Dr. med. Dennis Ballwieser?


Auf die Pandemie eingestellt: Dennis Ballwieser, Geschäftsführer des Wort & Bild Verlags und gelernter Anästhesist, macht allen Mut, die Angst vor einer Eskalation der Corona-Krise haben. Im "Wie geht's"-Interview von turi2.tv ist er überzeugt, dass unser Gesundheitssystem "bei allen Unkenrufen und aller Kritik" auf die kommende Krise eingestellt ist: "Wir haben eines der leistungsfähigsten Gesundheits-Systeme der Welt", sagt Ballwieser und verweist auf die bestens ausgebildeten Fachkräfte in Krankenhäusern, Praxen und Apotheken.

Ballwieser meldet sich vom fast verwaisten Sitz des Wort & Bild Verlags in Baierbrunn. Die meisten Mitarbeiter*innen sind im Home Office, berichtet er. Nur einige für die Technik zuständige Kolleg*innen sind noch vor Ort. Trotzdem liefert der Verlag online eine Menge Corona-Infos: Es gibt einen täglichen Podcast, Blogposts der Berlin-Korrespondentin und Videos, sagt Ballwieser. Außerdem hat der Verlag auf unterschiedliche Zielgruppen zugeschnittene Corona-Newsletter gestartet.

Für das Ende der Krise wünscht sich Ballwieser eine Diskussion über die gesellschaftliche Wertschätzung von Pflegekräften und Apotheker*innen vor Ort.
turi2.tv (9-Min-Video auf YouTube) #thinkpositive #actpositive

Wie geht’s dem Networking in Zeiten von Corona, Tijen Onaran?


Digital feiern: Tijen Onaran, Gründerin des Frauen-Netzwerks Global Digital Women, beobachtet, dass in Zeiten der physischen Trennung die Menschen digital zusammenrücken. Statt von "Social Distancing" spricht sie im "Wie geht's"-Interview von turi2.tv lieber von "Social Connecting" - nur eben digital – von der Nachbarschaftshilfe bis zur Party. Wenn sie am Mittwoch Geburtstag feiert, schaltet sie sich von München aus auf einen Ouzo mit Linda Zervakis zusammen, die "Tagesschau"-Sprecherin sitzt gerade in Hamburg in Quarantäne. Gut zu tun hat Onaran trotz Corona-Krise, sagt die Frontfrau der Frauen-Vernetzung: Unternehmen, für die sie sonst Employer Branding macht, fragen in Zeiten der Quarantäne nach "Employer Entertainment".

Und ihre Community hält Onaran, die eigentlich ungern telefoniert und skypt, dieser Tage mit Online-Liveschaltungen zusammen. Im neuen Format T-Talk auf YouTube spricht sie live mit erfolgreichen Frauen und lässt ihre Follower daran teilhaben. Und auch analoge Rituale wie das freitägliche Erfolgs-Meeting in ihrer Firma finden nun digital statt.
turi2.tv (5-Min-Video bei YouTube) #thinkpositive #actpositive

Wie geht’s der Fernsehbranche, Thomas Lückerath?


Allgemeine Verunsicherung: "Gestandene Medienmanagerinnen und -manager fragen nach Rat", sagt Thomas Lückerath im "Wie geht's"-Interview mit turi2.tv. Der Gründer und Geschäftsführer des TV-Branchendienstes DWDL.de nimmt die Fernsehbranche als durch Corona zutiefst verunsichert wahr. Etwa bei der Frage, wer bei ausgefallene Produktionen die Kosten übernimmt, fehle noch der Modus Operandi. "Jetzt ist nicht die Zeit für Taktik", appelliert Lückerath, "jetzt muss den Freien in der Branche geholfen werden." Die drohten nämlich, durchs Raster zu fallen bei den Hilfsmaßnahmen, die der Staat jetzt auflegt.

Zwar sei der Bedarf an Information und Unterhaltung so groß wie nie, auf fiktionale Unterhaltung spezialisierte Firmen haben es aber schwer, weiß Lückerath. Bei einer Quiz-Show könne man vor der Kamera die Abstände noch einhalten, wer Filme und Serien drehe, komme aber nicht ohne physische Nähe aus.

Thomas Lückerath warnt auch davor, dass die Medienunternehmen jetzt zu Beginn der ihr ganzes Pulver an Formten und Ideen bereits verschießen. Er wünscht sich soviel Aktionismus auch noch in der dritten, vierten oder fünften Woche.
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Wie sieht die Welt nach Corona aus, Matthias Horx?


Die Populisten halten das Maul: Sein Text über die Welt nach Corona ist in der vergangenen Woche viral gegangen, in der "Wie geht's?"-Reihe von turi2.tv spricht Zukunftsforscher Matthias Horx über unsere Gesellschaft mit dem Virus und stellt schon jetzt fest, dass die Hetzer und Trolle in den sozialen Medien deutlich leiser geworden sind. "Daran merkt man doch, dass eine neue Wirklichkeit im Entstehen ist", findet Horx und räumt der Idee, dass die Shitstorms, wie wir sie bis eben noch kannten, der Vergangenheit angehören, eine realistische Chance ein. Und er beobachtet schon jetzt eine "Renaissance von vernünftiger, inklusiver Politik", sieht, wie die AfD sich selbst zerlegt und prognostiziert, dass US-Präsident Trump nicht wiedergewählt werden wird.

Überhaupt stellt der Trend- und Zukunftsforscher fest, dass alle seine Bekannten, "selbst die pessimistischsten Menschen", inzwischen optimistisch in die Zukunft blicken, obwohl das Leben gerade disruptiert wurde. Auch Horx selbst saß noch bis vor Kurzem ständig im Flugzeug, nun arbeitet er aus seinem Wohn- und Arbeitshaus am Stadtrand von Wien. Die Zeit, die er nun gewonnen hat, will er nutzen, um "publizistisch in die Offensive zu gehen". Einen ersten Eindruck davon gibt es mit Texten und Videos unter diezukunftnachcorona.com.
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Wie geht’s den Journalist*innen bei den Sendern, Daniel Bouhs?


Vieles anders: Wie verändert die Corona-Krise die Arbeit der Meinungsmacher*innen? Diese Frage stellt turi2.tv den Akteur*innen der Kommunikationsbranche in der neuen turi2.tv-Serie "Wie geht's?". Am Freitag sprachen wir per Skype mit dem Berliner Journalisten Daniel Bouhs, der u.a. für "taz", ARD-Radios und Das Erste über Medien berichtet. Bouhs sieht Wissenschafts-Journalist*innen besonders gefragt und schwere Zeiten für alle, die über Sport und Kultur berichten. Heimarbeiter Bouhs ist auch betroffen, weil das TV-Magazin "Zapp" pausiert. Ihren kritischen Blick auf den Journalismus will die Redaktion aber behalten und an anderer Stelle einbringen.

Der Journalismus, glaubt Bouhs, wird sich durch die Corona-Krise stark verändern, weil öffentlich-rechtliche wie private Sender "mit einem Schlag" gezwungen waren, "mobil, autark" zu arbeiten. "Das sind Prozesse, die in den Sendern zum Teil verschleppt wurden, weil sie mit Sparmaßnahmen eher beschäftigt waren als mit technischer Innovation." Aber wenn es drauf ankommt, kann es auch schnell gehen: Inzwischen seien etwa Skype-Schalten statt teurer Satelliten-Übertragungen alltäglich. Beeindruckt hat Bouhs auch, wie schnell Radio, TV und Verlage Mitarbeiter*innen ins Home Office geschickt haben.
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