turi2.de/termine: “Zeit” für Forschung, künstliche Intelligenz, Tax Advisors.

Termine: Die "Zeit" nimmt sich heute und morgen Zeit für Forschung. Auf dem Hybrid-Event dreht sich alles um globale Krisen und Lösungsmöglichkeiten. Der Verleger-Verband Wan-Ifra lädt um 15 Uhr zum Changemakers Webinar. Schwerpunkt sind künstliche Intelligenz und Journalismus. Ab 16 Uhr diskutiert das "Handelsblatt" über die Rolle von Future Tax Advisors in Unternehmen. Alle Events finden online statt und sind kostenlos.
Alle Termine, frei durchsuchbar unter turi2.de/termine

Josef Joffe lässt sein Mandat als “Zeit”-Herausgeber bis zum Vertragsende ruhen.


Satz mit Ex: Der Publizist Josef Joffe lässt sein Mandat als "Zeit"-Heraus­geber bis zum Vertrags­ende im März 2023 ruhen, erfährt die "Welt" auf Nachfrage von dem Verlag. Demnach haben sich Joffe und die Verleger der Wochen­zeitung Dieter und Stefan von Holtzbrinck "einvernehmlich" zu diesem Schritt entschieden. Dazu geführt hat ein geleakter Brief von Joffe an dessen Freund und Bank-Miteigentümer Max Warburg. Darin schreibt der Publizist u.a., er habe Warburg "gewarnt" und es sei seiner "Invention zu verdanken, dass das Stück geschoben wurde und die Bank die Gelegenheit erhielt, Widerrede zu leisten". Joffe bezieht sich auf eine Recherche der "Zeit" und des ARD-Magazins "Panorama" zur Verwicklung der Bank in die Cum-Ex-Geschäfte. Der Artikel dazu ist am 17. November 2016 in der "Zeit" erschienen.

Zwar ist sich die "Zeit"-Redaktion sicher, Joffe habe tatsächlich keinen Einfluss auf den Artikel genommen, der "in geplanter Form" erschienen sei, dennoch erwecke der Brief den Eindruck, die Zeitung sei zu beeinflussen. Joffe ist seit 2020 Herausgeber der "Zeit" und zählt zu den renommiertesten Journalisten in Deutschland. Ob er künftig weiterhin für die "Zeit" schreibt, entscheidet die Redaktion "von Fall zu Fall", sagt eine Sprecherin gegenüber der "Welt".
welt.de (Paid), turi2.de (Background)

Tina Hildebrandt und Heinrich Wefing leiten das Politik-Ressort der “Zeit”.

Zeit für Veränderung: Bei der "Zeit" leitet Tina Hildebrandt künftig neben Heinrich Wefing das Politik-Ressort. Die bisherige Co-Leiterin Elisabeth Raether wird Mitglied der Ressortleitung für die Seite 3, Co-Leiter Marc Brost hat das Unternehmen bereits verlassen. Stellvertretender Ressortleiter wird Mark Schieritz. Hildebrandt arbeitet seit 2004 für die "Zeit", zuletzt als Berlin-Chefkorrespondentin.
zeit-verlagsgruppe.de

Hör-Tipp: Clueso hat seine Kundinnen früher zum Weinen gebracht.

Hör-Tipp: Als Clueso während seiner Lehre im Frisörsalon gearbeitet hat, sind manche Kundinnen "halbheulend rausgerannt", weil er ihnen seinen Style aufgedrückt hat, erzählt der Sänger im "Zeit"-Podcast "Und was machst du am Wochenende". Er habe sich eben schon damals eher als Künstler betrachtet denn als Handwerker. Im Gespräch mit Ilona Hartmann und Christoph Amend erzählt er außerdem, dass er ziemlich oft vor der Polizei wegrennen musste.
zeit.de (56-Min-Podcast)

Lese-Tipp: Wie ein Steinzeit-Computer im Schach gewinnen konnte.

Lese-Tipp: Vor genau 25 Jahren tritt der IBM-Super­computer Deep Blue gegen den Schach­weltmeister Garri Kasparow an. Obwohl der Computer ein "schwer­fälliger Dinosaurier" ist, kann er Kasparow dennoch in nur 19 Zügen besiegen. "Zeit"-Autor Yves Bellinghausen (Foto) zeigt, welchen Einfluss diese Niederlage auf das Spiel und die Wahrnehmung Künstlicher Intelligenz hatte.
zeit.de

Oliver Schröm veröffentlicht gesamten Joffe-Brief an Max Warburg auf Twitter.


Kein Briefgeheimnis: Investigativ-Journalist Oliver Schröm veröffentlicht auf Twitter das gesamte Cum-Ex-Schreiben von "Zeit"-Herausgeber Josef Joffe an dessen Freund und Bank-Miteigentümer Max Warburg. Joffe schreibt darin u.a., er habe Warburg "angefleht", eine "exzellente PR-Agentur" einzuschalten, um "des guten Rufes willen die Öffentlichkeit zu überzeugen". Gleichzeitig beschwert sich Joffe, von der Warburg-Privatbank unzureichend beraten worden zu sein: Im Brexit-Quartal sei ihm so ein Minus von vier Prozent in seinem eigenen Depot entstanden.

Schröm kritisiert, Joffe hätte im "Spiegel" den Eindruck erweckt, die Bank hätte vor dem geplanten Veröffentlichungstermin keine Möglichkeit zur Stellungnahme bekommen. Stattdessen habe die Bank ein frühzeitig angefragtes Interview abgelehnt. Kurz vor Veröffentlichung der Recherchen habe die Bank schriftlich auf eine Bitte um Stellungnahme reagiert – in der sie bestritt, in Cum-Ex-Geschäfte verwickelt zu sein und mit rechtlichen Schritten drohte.
twitter.com (Thread Schröm), turi2.de (Background)

“Zeit” holt Britta Stuff vom “Spiegel” und macht sie zur Co-Ressortleiterin “Entdecken”.

Hamburger Wechsel: Die "Zeit" wirbt Britta Stuff vom "Spiegel" ab und macht die 42-Jährige ab September zur Co-Ressortleiterin "Entdecken". Sie folgt auf Moritz von Uslar, der "auf eigenen Wunsch" wieder auf die Position als Kulturreporter zurückkehrt. Stuff arbeitet seit 2020 als stellvertretende Ressortleiterin "Reporter" beim "Spiegel".
zeit-verlagsgruppe.de

Hör-Tipp: Ulrich Wickert joggt mit fast 80 keine Berge mehr hoch.

Hör-Tipp: Fernseh­legende Ulrich Wickert kann es kaum fassen, dass er bald 80 Jahre alt wird. "Vor 27 Jahren bin ich den Berg hinter dem Häuschen immer hochgejoggt", erzählt er im "Zeit"-Podcast "Und was machst du am Wochen­ende?". Das schaffe er heute nicht mehr. Er könne außerdem nicht feststellen, dass man im Alter gelassener wird.
zeit.de (65-Min-Audio)

Abo-Auflagen von “Zeit” und “Spiegel” steigen.

Abo-Plus: Die Abo-Auflagen der "Zeit" und des "Spiegels" steigen, geht aus den aktuellen IVW-Zahlen hervor. Die "Zeit" verzeichnet 475.366 Abo-Exemplare, das sind knapp 10 % mehr als im Vorjahr. Der "Spiegel" verzeichnet 437.801 Abo-Exemplare und damit 9,8% mehr als im Vorjahresquartal. Die Gesamtauflage der "Zeit" steigt um 5,6 % auf 610.576 Exemplare, beim "Spiegel" um 9,3 % auf 723.109 Exemplare.
ivw.de, zeit-verlagsgruppe.de, gruppe.spiegel.de

turi2 edition #17: Zeit­verlag-Chef Rainer Esser ermächtigt gern andere.


Freiräumer: Rainer Esser, Geschäftsführer des Zeit­verlags, hat eine außergewöhnliche Erfolgs­geschichte geschrieben. Dafür lässt er viel Freiraum und will vor allem helfen, den Ideen anderer Leben einzuhauchen. Er wünscht sich in sämtlichen Bereichen die Empathie und den Willen, zuzuhören, erklärt er im Porträt der turi2 edition #17. Weiterlesen >>>

Lese-Tipp: Tim Wolff verortet Satire zwischen Nonsens und Aufklärung.

Lese-Tipp: Die "Zeit" diskutiert mit Tim Wolff, ehemaliger Titanic-Chefredakteur und "Chefideologoe" von Jan Böhmermann, wie investigativer Journalismus und Satire zusammengehen. "Die Geschichte der Komik geht zwischen Dominanz von Nonsens und aufklärerischer Satire hin und her", sagt Wolff. Er verteidigt die These aus seinem neuen Buch, Deutschland sei ein "menschheitshistorischer Fehler", und spricht über typisch deutschen Humor.
zeit.de

Zitat: Für Ulf Poschardt ist Twitter “Gratismut in Potenz”.

"Twitter 2022: Das ist moralisches Luschentum für die, die zu feige sind, sich vor der Tür zu prügeln, wenn sie ein Problem mit Leuten haben. Twitter ist Gratismut in Potenz."

"Welt"-Chefredakteur Ulf Poschardt wettert im "Zeit"-Interview gegen Twitter. Er postet dort seit Wochen nichts mehr und konzentriert sich jetzt lieber auf Linked-in. "Da sind Leute, die sind an Erfolg interessiert."
zeit.de (Paid)

Weitere Zitate aus dem Interview:
"Twitter ist eine national-moralistische Zauberbude voller Spießer, die mit aller Bitterkeit gegen Leute vorgehen, die anders auf die Welt schauen als sie selbst."

"Wenn ein FDP wählender Spitzen­steuer­satz­zahler wie ich, der seit 30 Jahren alles für dieses Land tut, eine Provokation darstellen soll – was daran ist meine Schuld?"

"Jan Böhmermann ist kein Komiker. Er ist der bestbezahlte Regierungs­sprecher im Range eines Chefpredigers."

Zitat: “Zurücktreten ist nicht”, sagt Deniz Yücel.

"Mir ist der Satz rausgerutscht: 'Ich habe mich schon mit ganz anderen Präsidenten angelegt.' Das habe ich erst bedauert, dann dachte ich: Ist doch wahr."

Im "Zeit"-Interview reagiert PEN-Präsident Deniz Yücel auf die Rücktrittforderungen seiner Vorgänger. Für ihn ist klar: "Zurücktreten ist nicht".
"Zeit" (Vorabmeldung)

Weitere Zitate aus dem Interview:
"Sofern ich nicht ausdrücklich auf etwas Bezug nehme, worauf wir uns in den Gremien geeignet haben, spreche ich nur in der Ich-Form."

"Generell finde ich die Vorstellung merkwürdig, dass ein PEN-Präsident für alle Mitglieder sprechen soll, kann oder muss."

"Das ist kein Generationskonflikt. Mir scheint das eher ein Konflikt zwischen einer Gruppe von Leuten, die im PEN eine Mischung aus Honoratiorenhaftigkeit und Vereinsmeierei pflegen, und anderen, die froh sind, dass etwas in Bewegung kommt – und sich jetzt teils zum ersten Mal einmischen."

Medienhäuser starten Initiative für ukrainische und russische Journalistinnen.


Exil-Hilfe: "Zeit", "FAZ", "Handelsblatt", "Süddeutsche" und "Tagesspiegel" starten eine gemeinsame Initiative, um ukrainische und russische Journalistinnen zu unterstützen. Die Medienhäuser spenden an Reporter ohne Grenzen, vernetzen geflüchtete Journalistinnen und stellen ihnen Mittel für ihre Arbeit zur Verfügung. "Die Hilfe soll den Menschen ermöglichen, ihre Arbeit im Exil oder vor Ort fortzusetzen", heißt es in der Mitteilung.

Die Leitungen der Medienhäuser stimmen überein, dass ohne freie Presse "Journalismus zur Propaganda" wird. Man wolle deshalb "denjenigen eine Stimme geben, die aufgrund äußerer Aggression ihrer publizistischen Kraft beraubt wurden".

Kulturstaatsministerin Claudia Roth sagt im Bundestag ebenfalls zu, sich für Arbeits- und Aufnahmemöglichkeiten für bedrohte Journalistinnen beider Länder zu engagieren. Sie arbeite hierfür mit dem Auswärtigen Amt, mit Stiftungen, mit Reporter ohne Grenzen und anderen Organisationen zusammen.
swmh.de, tagesschau.de

Hör-Tipp: Mai Thi Nguyen-Kim ist gerne eine Streberin.

Hör-Tipp: Mai Thi Nguyen-Kim schämt sich nicht für ihre Strebsamkeit, sagt sie im "Zeit"-Podcast "Rice and shine". Es sei etwas "seltsam Deutsches", Leuten Respekt für ihr Talent entgegenzubringen, aber nicht für ihren Fleiß. Im Podcast spricht sie auch über ihre Hassliebe zu Talkshows. Diese seien nicht das richtige Format, um Wissenschaft zu vermitteln, sagt sie.
zeit.de (65-Min-Podcast)

Lese-Tipp: Epidemiologe Larry Brilliant über Pocken und Corona.

Lese-Tipp: Der Epidemiologe Larry Brilliant (Foto) half in den 70ern dabei, die Pocken auszurotten – weil ihm ein Guru dies befahl. Anders als bei Corona bekamen damals nicht die reichsten Länder den meisten Impfstoff, sondern die, "die am stärksten betroffen waren", berichtet er im Gespräch mit Bernhard Pörksen. Er glaube in der aktuellen Pandemie trotzdem noch an "Wunder".
zeit.de (Paid)

Zitat: Holger Stark ist bei Investigativ-Recherchen der richtige Sound wichtig.

"Die Enthüllungsstory aus dem Privatleben eines Entertainers darf nicht denselben Sound haben wie jene über CDU-Politiker, die sich in der Pandemie an Maskendeals bereichern. Letztere verdienen ein Ausrufezeichen, Ersterer eher ein abwägendes Fragezeichen."

Holger Stark, Vize-Chef­redakteur und Investigativ-Chef der "Zeit", sagt im "Journalist"-Interview, dass bei Recherchen manchmal "ein Weniger an wuchtigen Worten und intimen Details angemessener" ist.
"Journalist" 3/2022, S. 56 - 62 (Paid)

Weitere Zitat aus dem Interview:

"Der Jagdinstinkt sollte nicht zum Jagdfieber werden. Und heikel wird es, wenn daraus ein Herdentrieb vieler Redaktionen wird. Spätestens dann sollte sich investigativer Journalismus hinterfragen und im Zweifel zurücknehmen. Es gab genug Beispiele, wo dieses Korrektiv fehlte."

"Ich betrachte investigativen Journalismus fast immer als Entwicklungsprozess nach bestem Wissen und Gewissen, der nur selten bei Weiß beginnt und bei Schwarz aufhört."

"Mit der Prämisse an Recherchen heranzugehen, ein Betroffener müsste nach der Veröffentlichung zurücktreten, würde eine Investigation vom Ende her angehen."

"Unsere Faustregel lautet aber, dass wir nach zwei, drei Wochen ein Gefühl dafür haben wollen, ob wir einen guten Zugang finden. Meine Erfahrung ist, dass halbgare Geschichten oft monatelang vor sich hindümpeln und letztendlich doch nicht gut werden."

Hör-Tipp: Giovanni Di Lorenzo würde auch den Teufel interviewen.

Hör-Tipp: "Zeit"-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo sagt in der neuen Folge vom Podcast "Entscheider treffen Haider", er würde "gut vorbereitet auch mit dem Teufel reden". Dennoch gibt er zu, rhetorisch fitte Interviewpartnerinnen sind mitunter herausfordernd, wie z.B. Viktor Orban. Für di Lorenzo sind "gute Interviews auch immer eine Art Portrait".
abendblatt.de (60-Min-Audio)

Porträt: “Zeit”-Kolumnistin Katja Berlin.

Die Kirsche auf der Torte: Ihren Humor nutzt Katja Berlin zunächst nur zur Bewältigung ihres "unerfreulichen" Angestelltendaseins. Heute zahlt das Lachen der Leserinnen ihre Rechnungen.

Die Bäckerin der satirisch angehauchten, sehr erfolgreichen "Zeit"-Grafikkolumne "Torten der Wahrheit" startet 2008 ihren Twitter-Account und verabschiedet sich einen Blog und einen Bestseller später in die Selbstständigkeit. Das humoristische Gespür behält sie trotzdem: Nach mehr als einem Dutzend Buchveröffentlichungen macht es inzwischen "97 Prozent" ihres Jobs aus. Die restlichen drei fresse die Umsatzsteuervoranmeldung.

Die erklärte Feministin Berlin möchte Menschen dazu bringen, "Sachverhalte aus anderen Perspektiven zu betrachten. Aus der weiblichen zum Beispiel." Selbstoptimierung will sie privat gern hinter sich lassen, sich lieber "selbstokayisieren". Sie glaubt, dass sich Ideen auch erzwingen lassen, sieht Deadlines als "Freundinnen". Und hofft, dass Humor sich auch im professionellen Kontext als geeignetes Stilmittel etabliert. Denn: "Humor und Seriosität schließen sich nicht aus. Nein, auch nicht bei Frauen."

Katja Berlin
Geb. 1980 in Berlin als Katja Dittrich
2002: "völlig zurecht" Abbruch des Lehramtsstudiums
2005: Diplom in Medienberatung
2008: Twitter-Account @katjaberlin
2011: Freie Arbeit für Magazine, TV, Kampagnen
2015: Start der Grafikkolumne "Torten der Wahrheit" in der "Zeit"
2022: Start des Podcasts "Fix und Vierzig" mit Gunda Windmüller

(Foto: Lotte Ostermann)

Dieser Beitrag ist Teil der turi2 edition #17 Jobs – lesen Sie alle Geschichten hier im E-Paper:

“Zeit” kommt wegen Ukraine-Krieg diese Woche schon am Mittwoch heraus.

Zeit erscheint in dieser Woche schon am Mittwoch statt regulär am Donnerstag, um die Ereignisse in der Ukraine "möglichst zeitnah zu beleuchten". Chef­redakteur Giovanni di Lorenzo sagt: "Das sind wir dieser historischen Zäsur schuldig." Zuletzt hatte die "Zeit" ihren regulären Erst­verkaufs­tag anlässlich der Nuklear­katastrophe von Fukushima im Jahr 2011 um einen Tag vorverlegt.
dwdl.de

“Die Welt ist viel komplexer als jedes Torten-Diagramm” – Katja Berlin über Twitter-Kritik und Gerhard Schröder.


Helle Kerzen auf der Torte: Ihre Torten über gendergerechte Sprache sind ein "Reizthema" und sorgen "fast immer für Aufruhr", sagt Katja Berlin im turi2 Clubraum. Mit ihrer "Zeit"-Kolumne "Torten der Wahrheit" greift Berlin jede Woche das gesellschaftliche Geschehen in einem Torten-Diagramm auf. Positives Feedback bekommt sie vor allem für feministische Torten, erzählt sie Clubraum-Moderatorin Aline von Drateln und turi2-Chefredakteur Markus Trantow. Dass das Thema in sozialen Medien so beliebt ist, findet Berlin grundsätzlich gut. Dadurch sind "viele Diskussionen losgetreten worden". Allerdings sollten Nutzerinnen aufpassen, denn "nicht alles, wo Feminismus drauf steht, ist Feminismus". Um Frauen geht es auch im Podcast Fix und Vierzig, in dem Berlin gemeinsam mit Gunda Windmüller über das Leben ab 40 spricht.

Berlin weiß, dass all diese Themen und "die Welt viel komplexer als jedes Tortendiagramm" sind. Gerade damit erklärt sie sich aber auch die Beliebtheit ihrer Kolumne. Es sei ein "schöner visueller Kommentar, den man in zwei Sekunden anguckt und dann weiterleitet". In Zeiten, in denen "man komplexe Analysen lesen sollte", sei das "ganz erleichternd". Die Kehrseite der Medaille: Häufig werden Berlins Torten in sozialen Medien geteilt, oft ohne Quellenangabe. Hinzu kommen Hater, die sie "sofort blockiert". Nur so sei es für sie noch möglich, Twitter zu öffnen,"ohne mir komplett den Tag zu versauen".

Kritik findet Berlin auch für den Umgang mit Gerhard Schröder. Gerade in der aktuellen Lage sei es wichtig, den Altkanzler in den Medien als das zu bezeichnen, was er ist: "Nicht nur Gas- sondern Russland-Lobbyist". In Deutschland schützen ihrer Meinung nach Ämter viel zu sehr vor Kritik oder Sanktionen. Strengere Maßnahmen wünscht sie sich auch im Falle des ARD-Boykotts der Eisschnell-Läuferin Claudia Pechstein. Nicht nur hätten die anderen Pressevertreter mehr Solidarität zeigen müssen, sondern "vielleicht sollten wir in diesem Jahr gar keine Sportler mehr interviewen". So würde man sich auch den "Worldcup of shame" in Katar im Winter sparen.

Der turi2 Clubraum diskutiert jeden Freitag um 12 Uhr mit einem prominenten Gast die Themen der Woche. Am kommenden Freitag ist Meedia-Journalist und Daten-Dompteur Jens Schröder zu Gast.
turi2.tv (35-Min-Podcast bei YouTube), turi2clubraum.podigee.io (Audio-Podcast), apple.com, spotify.com, deezer.com, audionow.de

Heute im Clubraum: Katja Berlin serviert die “Torten der Wahrheit”.


Torten-Schlacht: Die Torten-Grafiken von Katja Berlin sagen mehr als tausend Worte – mit ihrer Grafik-Kolumne in der "Zeit" bringt sie jede Woche das gesellschaftliche Geschehen auf den Punkt. Außerdem ist sie Autorin mehrerer Bücher, zählt auf Twitter mehr als 100.000 Follower und neuerdings podcastet sie auch. Im turi2 Clubraum spricht Berlin heute ab 12 Uhr mit Moderatorin Aline von Drateln und turi2-Chefredakteur Markus Trantow über ihre Projekte und die Themen der Woche. So geht es u.a. um die Schlappe, die Altkanzler Gerhard Schröder gegen seine Ex-Frau Doris Schröder-Köpf einstecken musste, das Trio diskutiert außerdem den Zoff im BDZV und den Ärger zwischen der ARD und Eisschnellläuferin Claudia Pechstein. Die Sendung läuft heute Mittag live bei Clubhouse und erscheint gegen 18 Uhr als Podcast.

Der turi2 Clubraum diskutiert immer freitags die Themen der Woche. In den vergangenen Wochen waren etwa der Social-Audio-Pionier Holger Kahnt, der Comedy-Autor Peter Wittkamp und die "Playboy"-Verlegerin Myriam Karsch zu Gast. Alle Termine und Links zu Live-Events und Podcasts gibt's auf turi2.de/clubraum.
clubhouse.com (live ab 12 Uhr)

Hör-Tipp: “Zeit”-Podcast “Das Politikteil” analysiert die Folgen der Ukraine-Invasion.

Hör-Tipp: "Zeit"-Politikchef Marc Brost holt die langjährige Russland-Korrespondentin Alice Bota für den "Zeit"-Podcast "Das Politikteil" aus der Elternzeit, um die dramatischen Folgen der Ukraine-Invasion durch Russland zu analysieren. Dabei geht es u.a. um die Frage, ob der Westen die Ukraine im Stich gelassen hat.
open.spotify.com (59-min-Audio)

Nach Holtzbrinck-Recherche: Der “Tagesspiegel” will seine Transparenz-Richtlinien überprüfen.


Transparenz-Debatte: Der "Tagesspiegel" will als Reaktion auf die Holtzbrinck-Recherche der "Berliner Zeitung" über vermeintliche Interessenkonflikte im Verlagshaus seine internen Abläufe und Transparenz-Richtlinien überprüfen, berichtet die "Süddeutsche Zeitung". Allerdings sei "kein Fall" von mittelbarer oder unmittelbarer Einflussnahme durch Gesellschafter, den Verlag oder der Geschäftsführung auf die Berichterstattung bekannt. Dies gelte für die Art und den Tenor der Berichte sowie für die Themenauswahl. Fehlende Transparenz-Hinweise wolle man "selbstverständlich ergänzen und zukünftig noch intensiver recherchieren und kenntlich machen".

Verleger Holger Friedrich bestreitet derweil, dass der Holtzbrinck-Text eine Retourkutsche für den kritischen "Zeit"-Artikel über die angeblich schlechte Stimmung bei der "Berliner Zeitung" vom November gewesen sei – "auch wenn der Gedanke naheliegend ist". Friedrich hatte vor wenigen Wochen eine Gegendarstellung in der "Zeit" bewirkt. U.a. seien Angaben zur Finanzierung der "Berliner Zeitung" falsch gewesen. Die "Zeit" wiederum geht nun gegen diese Entscheidung vor und erwartet im März ein endgültiges Urteil.
sueddeutsche.de, turi2.de (Background)

Zitat: Ulrich Matthes legt Amt als Präsident der Deutschen Filmakademie nieder.

"Auch die Kampagne #allesdichtmachen hat offen gestanden meinen Entschluss noch befördert, das Amt nicht weiterzumachen."

In der Konferenz "Unlock Film by Zeitmagazin" spricht Schauspieler Ulrich Matthes über seinen Entschluss, das Amt als Präsident der Deutschen Filmakademie niederzulegen. Die Aktion #allesdichtmachen, in der sich deutsche Schauspielerinnen gegen die Corona-Politik ausgesprochen haben, bezeichnet er als "komplett missglückt".
zeit.de (Livestream), presseportal.de

“Die Zeit ist anders”-Kampagne wird auf Audio ausgeweitet.

Hören und Lesen: Die "Zeit" setzt ihre Werbekampagne "Die Zeit ist anders" nun auch in den Podcasts "Zeit Verbrechen", "Alles gesagt?", "Augen zu" und im NDR ein. Für zunächst acht Wochen gehen die Hosts Christoph Amend, Giovanni di Lorenzo, Sabine Rückert und Jochen Wegner in kurzen Einspielern der Frage nach, "warum man die 'Zeit' nicht nur als Hörer, sondern auch als Leser entdecken sollte".
zeit-verlagsgruppe.de, turi2.de (Background)

Hör-Tipp: Die Malerin Frida Kahlo und ihre Beliebtheit bei jungen Frauen.

Hör-Tipp: Die Chefredakteurin der "Weltkunst", Lisa Zeitz, ist als Teenagerin selbst von Frida Kahlos Kunstwerken fasziniert gewesen. Im "Zeit"-Podcast "Augen zu" spricht sie mit Florian Illies und Giovanni di Lorenzo darüber, dass die Künstlerin gerade für junge Frauen oft ein Vorbild an "weiblichem self empowerment" ist. Momente, in denen "Gefühle hochwallen", seien eine "tolle Zeit, sich mit Kahlo zu beschäftigen, findet Zeitz.
podcast.apple.com (46-Min-Audio)

turi2 edition #16: Was muss die Spezies Mensch 2022 ändern, wenn sie eine Zukunft haben will, Fritz Habekuß?


Das große Ganze: Jeder spricht über den Klimawandel. “Das ist wichtig und überfällig”, sagt “Zeit Wissen”-Redakteur Fritz Habekuß. Es bringe allerdings nichts, nur Treibhausgase einzusparen. In seinem Gastbeitrag für die turi2 edition #16 kritisiert der Co-Autor des Bestsellers “Über Leben” falsche Ansätze und betont die Bedeutung von Ökosystemen. Weiterlesen >>>

Dieser Beitrag ist Teil der turi2 edition #16 über Nachhaltigkeit. Hier geht’s zum kostenlosen E-Paper.

“Zeit” und “Spiegel” steigern ihre Auflagen erneut, “Bild” sinkt leicht.

Liegen gut in der Kurve: Die IVW-Zahlen vom vierten Quartal 2021 zeigen ein deutliches Wachstum der Auflagen bei "Zeit" und "Spiegel". Die Wochenzeitung erzielt erstmals eine verkaufte Gesamtauflage von über 600.000 Exemplaren. Im Vergleich zum Vorjahr ist das eine Steigerung um fast 10 %. Beim "Spiegel" klettert die Auflage durch viele neue Digital-Abos um 7,8 % auf knapp 700.000. Der Verlag verzeichnet damit seit 2003 erstmals wieder ein Wachstum in der verkauften Auflage.

Bergab geht es hingegen beim "stern", durch ein Minus von 5,2 % liegt die verkaufte Auflage nur noch bei 350.000. Die "Bild" verliert im Vergleichszeitraum 1,7 % und fällt auf knapp unter 1,1 Mio Exemplare. Der Titel mit der höchsten verkauften Auflage, die Programm-Zeitschrift "TV 14", fällt um 5,6 % auf 1,66 Mio.

Ein weiterer Aufsteiger ist "Katapult", das mit gut 90.000 ein Drittel mehr Abos hat als im Jahr zuvor.
zeit-verlagsgruppe.de, dwdl.de

Kress: Holger Friedrich erwirkt Gegendarstellung in der “Zeit”.


Zeit für eine Korrektur: Nach einem kritischen Artikel über die "Berliner Zeitung" erwirkt Verleger Holger Friedrich vor dem Landgericht Hamburg eine Gegendarstellung von der "Zeit", schreibt Markus Wiegand bei Kress.de. Autorin Hannah Knut hatte im November berichtet, der Unternehmer finanziere die Zeitung mit seinem Privatvermögen. "In Bezug auf den Verlag erfolgt durch mich keine laufende Finanzierung als natürliche Person aus meinem Privatvermögen", lässt Friedrich nun per Beschluss festhalten. Auch wurde das Budget für die Wochenend-Ausgabe, anders als berichtet, nicht gekürzt.

Ursprünglich hatte Friedrich mit seinem Anwalt Christian Schertz eine Gegendarstellung in vier Punkten verlangt, sagt eine Sprecherin der "Zeit", nun gehe es nur noch um zwei. Die erste einstweilige Verfügung habe das Gericht auf Kosten Friedrichs zurückgewiesen, im zweiten Verfahren müsse er "zwei Drittel der Kosten tragen". Es sei bedauerlich, dass "wegen der Falschberichterstattung Gerichtsverfahren notwendig wurden", sagt Anwalt Scherz. Laut Kress will der Verleger in einem weiteren Verfahren die Unterlassung der Aussagen in der Gegendarstellung sowie weitere Passagen im ursprünglichen Artikel durchsetzen.

In dem Text vom 17. November mit dem Titel Ihr Erlöser. Oder ihr Untergang zeichnet die Autorin ein verstörendes Bild über die Stimmung in der Redaktion der "Berliner Zeitung". Eine Redakteurin sieht, wie das Blatt "richtig gegen die Wand klatscht", eine andere Mitarbeiterin wirft Friedrich vor, keine Geduld zu haben und sich nicht beraten zu lassen. Tomasz Kurianowicz, Chefredakteur der "Berliner Zeitung am Wochenende", äußerte sich damals gegenüber turi2 "empört und enttäuscht" über den Beitrag der "Zeit". Der Text sei "tendenziös", "einseitig" und "unfair". (Foto: Jörg Carstensen / dpa / Picture Alliance; Montage: turi2)
kress.de, turi2.de (Background), zeit.de (Paid)

Debatte: Für Selbstzensur muss kein Machthaber mehr sorgen, schreibt Josef Joffe.

Zensiert: Die "Schere im Kopf" erzwingt kein westlicher Machthaber mehr, denn "das besorgen wir selber", schreibt "Zeit"-Herausgeber Josef Joffe über Selbst­zensur im Journalismus. Der Wunsch nach einer "achtsamen" Sprache sei nicht neu. Allerdings sei "das Gutdenk von heute" das "Dummdenk von morgen". Dagegen helfe nur ein "offener, besonnener Diskurs diesseits von Falschaussage und Verleumdung".
zeit.de (Paid)

turi2 edition #16: Yasmine M’Barek über Alter und Atomstrom.


Weiblich, jung, migrantisch: Yasmine M’Barek ist mit 22 Jahren eine der einflussreichsten jungen Journalistinnen des Landes. Als typische Vertreterin ihrer Generation will die “Zeit”-Redakteurin sich nicht bewundern oder labeln lassen. Stattdessen plädiert sie im Interview mit Nancy Riegel in der turi2 edition #16 für mehr Atomstrom und einen besseren Kleidungsstil der Regierung. Weiterlesen >>>

Dieser Beitrag ist Teil der turi2 edition #16 über Nachhaltigkeit, die am 12. Januar 2022 erscheint. Hier kostenloses E-Paper bestellen!

Die “Zeit” startet ersten Podcast nur für Abonnentinnen.

Zeit startet ihren ersten Podcast nur für Abonnentinnen. In "Die Patrioten" porträtiert die ehemalige US-Korrespondentin Kerstin Kohlenberg sieben Menschen, darunter ein Black-Lives-Matter-Aktivist und ein Mann, der beim Angriff auf das US-Kapitol teilgenommen hat. Drei Folgen sind bereits verfügbar, die restlichen vier erscheinen am 13. und 20. Januar.
kress.de, zeit.de (Paid)

Debatte: Gendern bringt Gleich­berechtigung nicht voran, glaubt Navid Kermani.

Generisches Maskulinum wird bald aus der Sprache verschwinden, jedoch "die Gleichberechtigung keinen Schritt voranbringen", bedauert Schrift­steller Navid Kermani in einem Essay in der "Zeit", die ihn frisch als Autor verpflichtet hat. Sprache funktioniere "auch und gerade durch das, was nicht gesagt, aber von den Hörern mitgedacht wird". Gerade in der Literatur liege in der "Unein­deutigkeit von Geschlechter­zuschreibungen ein enormer Vorteil". Für den Alltag ist Gendern "schlicht zu umständlich, kompliziert und unmelodisch", findet Kermani, und werde sich allen­falls "als Distinktions­merkmal der höher gebildeten, sozial besser­gestellten Schichten behaupten".
zeit.de (Paid)

Zeit-Verlag startet Lernplattform für Business English.

In English, please: Die Zeit-Verlags­gruppe startet mit "Business Spotlight" ein Online-Sprach­magazin für Business English. Lernende können u.a. mit Kursen, Audio-Playlists und Artikeln ihre Fähigkeiten in Aussprache, Grammatik und inter­kultureller Kommunikation verbessern. Das Angebot beginnt am 1. Januar und kostet zunächst drei Euro für drei Monate.
zeit-verlagsgruppe.de, business-spotlight.de

Lese-Tipp: 31 Wissenschaftlerinnen wehren sich gegen mediale Hetzjagd.

Lese-Tipp: 31 Forscherinnen und Wissen­schaftlerinnen beklagen bei Zeit Online, dass ihre Aussagen von Öffentlichkeit und Medien "aus dem Kontext gerissen, verkürzt, manchmal auch verfälscht" werden. Zu ihnen gehören u.a. der Arzt Eckart von Hirschhausen, Chemikerin Mai Thi Nguyen-Kim und Wissenschafts-Journalist Ranga Yogeshwar (Foto), der einige Medien als "Brandstifter" beschuldigt, die "dazu beitragen, dass Wissen­schaftler bedroht werden". Viele der Forschenden beziehen sich explizit auf den "Bild"-Bericht "Die Lockdown-Macher", der aktuell vom Presserat geprüft wird.
zeit.de, turi2.de (Background)

Wir graturilieren: Nils von der Kall wird 46.


Wir graturilieren: Nils von der Kall, Verlagsleiter Marketing und Vertrieb der "Zeit", feiert heute seinen 46. Geburtstag – im kleinen Kreis zu Hause und mit bestelltem Essen, "um uns voll auf den Geburtstag zu konzentrieren". Beeindruckt hat den Manager im vergangenen Jahr der "Siegeszug der Podcasts", der in der Pandemie nochmals an Schub gewonnen habe: "Ich frage mich: Wie finden Menschen in ihrem vollgepackten Alltag noch Zeit dafür?" Er selbst sei in der Corona-Krise süchtig geworden nach Podcasts, ganz hoch im Kurs steht bei ihm der Ideacast von Harvard Business Review – neben den "Zeit"-eigenen Podcasts versteht sich.

Im abgelaufenen Jahr seien die meisten Probleme im Job kontrollierbar gewesen, privat habe er dagegen mehr gezittert: Bei der Prüfung zu seinem Sportbootführerschein habe er Prüfungsangst gespürt: "Das war eine mentale Achterbahnfahrt, aber es hat funktioniert und jetzt darf ich auch motorisiert zur See fahren." Der Vorsatz, endlich wieder ausreichend zu schlafen, ist dagegen schiefgegangen: So wenig wie dieses Jahr, habe er noch nie geschlafen – was allerdings auch an seinem zeitintensiven "Zeit"-Job und der Podcast-Sucht liege.

Highlight war, dass die "Zeit" wie bereits in den letzten beiden Jahren Rekord-Leserzahlen verbucht habe. Privat hofft er, endlich wieder mehr und unbeschwerter reisen zu können – "besonders in meine Zweitheimat-Länder Türkei und Norwegen". Gratulationen sind via E-Mail oder Linked-in gerne gesehen.

Zitat: Steffen Klusmann zeigt sich verwundert über das Reichelt-Interview in der “Zeit”.

"In dem 'Zeit'-Interview hat Julian Reichelt ein paar Behauptungen rausgehauen, bei denen ich mich nur wundern kann, wie man das so stehen lassen konnte."

"Spiegel"-Chefredakteur Steffen Klusmann stellt im dpa-Interview klar, nicht aus ideologischen Gründen über Julian Reichelt berichtet zu haben: "Er hat Dinge getan, die in seiner Position völlig unangemessen sind." Mit Reichelt habe er immer ein professionelles Verhältnis gehabt – "auch wenn wir immer mal wieder Rangeleien hatten".
moz.de via horizont.net (Paid), turi2.de (Background)

“Zeit”: Julian Reichelt will auch künftig “Journalismus für die Massen” machen.


Zeit für Widerspruch: Der geschasste "Bild-Chef Julian Reichelt bricht sein Schweigen und gibt im großen "Zeit"-Interview mit Cathrin Gilbert erstmals nach dem Rauswurf bei Springer einen Einblick in seine Zukunftspläne. "Ich werde auf jeden Fall weitermachen", sagt er. Sollte es keinen passenden Job für ihn geben, "hat man in einem freien Land ja die Möglichkeit, sich diesen Job selber zu schaffen". Nur PR wie sein journalistischer Ziehvater Kai Diekmann wolle er nicht machen, "sondern Journalismus für die Massen". Reichelt "liebe es, Millionen Menschen eine starke Stimme zu geben".

Von Springer-Chef Mathias Döpfner ist Reichelt "enttäuscht". Er habe Döpfner "nicht angelogen", seine Beziehung sei bekannt gewesen. "Deswegen hat es mich sehr überrascht, wie überrascht er gewesen sein will", sagt Reichelt. Sein Verhältnis zu Döpfner beschreibt Reichelt "wie eine Familie, die in guten und in schwierigen Zeiten zusammenhält". Dass beide sich "mit irgendwelchen Schmutzgeschichten" gegenseitig Schaden zufügen würden, sei eine "Sehnsuchtsgeschichte unserer politischen Gegner".

Reichelt öffne sich nun, weil er "nichts zu verbergen" habe. Schon das Wort "MeToo" sei im Zusammenhang mit ihm eine "Verleumdung". Im gesamten Compliance-Verfahren haben es keinen Menschen gegeben, "der sich selbst als "Opfer" bezeichnet hat, auch wenn das in den Medien so dargestellt wurde". Auch sei ihm nie eine Aussage präsentiert worden, "in der mir jemand 'Machtmissbrauch' vorwirft", sagt Reichelt. Insbesondere gegen den "Spiegel" teilt Reichelt aus und wirft dem Nachrichtenmagazin vor, "komplette Sachverhalte erfunden" zu haben.

Schon vergangene Woche hatte sich Reichelt nach langer Pause erstmals wieder bei Twitter zu Wort gemeldet und an der Legende gestrickt, er sei Opfer seiner politischen Linie.
zeit.de (Paid), horizont.net (Zusammenfassung), turi2.de (Background)

Leistungsschutzrecht: Google schließt Verträge mit “Zeit”, “Spiegel” und Co.

Leistungsschutz-Lizenz: Google schließt mit dem "Spiegel", der "Zeit", dem "Handelsblatt", dem "Tagesspiegel" sowie mit den Online-Portalen T-Online, Golem und Netzwelt Lizenz-Verträge ab, die auf dem im Juni eingeführten Leistungsschutzrecht basieren. Für "erweiterte Vorschauen von Nachrichten" bekommen die Medienhäuser künftig Vergütungen. Für Snippets gibt es kein Geld, die kurzen Text-Auszüge fallen auch nicht unter das neue Leistungsschutzrecht. Über die Höhe der Zahlungen schweigen sich die Unternehmen aus. Weitere Gespräche mit "großen und kleineren Verlagen" seien laut Google in einem "fortgeschrittenen Stadium". Man sei zuversichtlich, eine "gesetzeskonforme und für alle funktionierende Lösung" zu finden.

Auch mit den Verwertungsgesellschaften sei Google weiterhin im Gespräch. Corint Media hatte von Google zuletzt eine Lizenzgebühr für Nutzung von Überschriften, Artikelausschnitten und Vorschau-Bildern gefordert. Für das Jahr 2022 seien dafür rund 420 Mio Euro fällig. Der Suchmaschinen-Riese wies die Forderungen als "haltlos" zurück.
blog.google, meedia.de, turi2.de (Background)

Die “Zeit” widerspricht Vorwürfen der “Berliner Zeitung”, unsauber gearbeitet zu haben.

Berliner Zeitung: Die "Zeit" widerspricht dem Vorwurf, in ihrer Berichterstattung über die Situation bei der Hauptstadt-Zeitung journalistisch unsauber gearbeitet zu haben. Autorin Hannah Knuth habe Fragen an die Geschäftsführung der "Berliner Zeitung" geschickt und um Beantwortung binnen 24 Stunden gebeten. Antworten habe sie nicht erhalten, dafür – mehrere Stunden nach Ablauf der Frist – ein Interview-Angebot mit Tomasz Kurianowicz, Chefredakteur der "Berliner Zeitung am Wochenende". Knuth habe zugestimmt und um Termin-Vorschläge gebeten.

Kurianowicz schickt eine "Präzisierung" seines Statements von Mittwochabend: "Es stimmt. Frau Knuth hat mein Interview-Angebot angenommen, aber mir den Hinweis gegeben, dass ein Gespräch für die aktuelle Produktion des Textes zu spät komme." Seiner Erfahrung als früherer "Zeit"-Mitarbeiter nach sei ein Eingriff in den Text noch möglich gewesen. Auf einen entsprechenden Hinweis habe die "Zeit" nicht geantwortet, daher bleibe er bei seinem Vorwurf.
turi2 – eigene Infos, turi2.de (Background)

“Zeit” startet neuen Newsletter für Schülerinnen.

Zeit startet den neuen wöchentlichen Newsletter "Zeit für dich" für Schülerinnen rund um die Themen Klima, Gerechtigkeit, Politik und Zukunfts-Jobs. Parallel gibt es kostenlose Schul-Abos der "Zeit" zur Unterrichtsgestaltung, die bis zu 9 Wochen genutzt werden können. Klassen-Abonnentinnen erhalten auch Zugriff auf "Zeit Campus".
zeit.de/zeitfuerdich (Newsletter), zeit.de/klassensatz (Schul-Abo)

“Zeit” berichtet über schwierige Lage und Unzufriedenheit bei der “Berliner Zeitung”.

Stimmungstief? Die "Zeit" nimmt sich die Situation des Berliner Verlags von Holger Friedrich vor und zeichnet ein verstörendes Bild über die Stimmung in der Redaktion der "Berliner Zeitung". Tomasz Kurianowicz, Chefredakteur der Wochenend-Ausgabe der Hauptstadt-Zeitung, wirft der "Zeit" gegenüber turi2 fehlende journalistische Sorgfalt vor. Der Text von Hannah Knuth ist voller anonymer Stimmen von früheren und aktuellen Beschäftigten. Eine Redakteurin sieht, wie das Blatt "richtig gegen die Wand klatscht", eine andere Mitarbeiterin wirft Friedrich vor, keine Geduld zu haben und sich nicht beraten zu lassen. Der Verleger setze stark auf die neue Wochenend-Ausgabe, behandle die Tageszeitung "stiefmütterlich" und forciere die Trennung von Tageszeitungs- und Wochenend-Redaktion. Zudem habe Friedrich nach "Zeit"-Informationen als anonymer Autor zwei Beiträge in der Zeitung platziert.

Der Betriebsrat habe in einer E-Mail vor einem "Klima der Angst" gewarnt, schreibt Knuth, weil die Geschäftsleitung vermehrt Personal-Gespräche führe. Mehrere Beschäftigte seinen zuletzt aufgefordert worden, das Haus zu verlassen – u.a. wegen der finanziellen Lage der Zeitung. Geschäftszahlen nennt der "Zeit"-Artikel nicht, zitiert aber ehemalige Beschäftigte, die glauben, dass die Zeitung in die Insolvenz geht, wenn Friedrich aufhöre, sie aus seinem Privatvermögen zu finanzieren. Am Mittwoch war Friedrich selbst in die Offensive gegangen und hatte verkündet, dass der Verlag erstmals seit dem Besitzer-Wechsel vor zwei Jahren ein "ausge­glichenes Betriebs­ergebnis" erwartet.

Tomasz Kurianowicz, Chefredakteur der "Berliner Zeitung am Wochenende", äußert sich am späten Abend gegenüber turi2 "empört und enttäuscht" über den Beitrag der "Zeit". Er habe der Autorin Hannah Knuth ein Interview-Angebot gemacht, "damit sie eine andere Perspektive auf die Entwicklungen im Berliner Verlag gewinnen" könne. Knuth habe mit "Verweis auf den voranschreitenden Redaktionsschluss" abgelehnt. Kurianowicz nennt die Berichterstattung "tendenziös", "einseitig" und "unfair".

Update 18.11., 11 Uhr
Die "Zeit" widerspricht der Darstellung von Kurianowicz. Knuth habe das Interview-Angebot angenommen und um Termin-Vorschläge gebeten. Zuvor habe die "Zeit" einen Katalog mit vier Fragen an die Geschäftsführung der "Berliner Zeitung" geschickt und um Beantwortung binnen 24 Stunden gebeten. Die Rückmeldung des Berliner Verlags sei Stunden nach der Frist eingegangen und ohne sich zu den Fragen zu äußern.
zeit.de (Paid), turi2.de (Verlags-Prognose), turi2 – eigene Infos

Zu dieser Meldung gibt es eine Weiterentwicklung: turi2.de

Mitarbeit: Tim Gieselmann