NZZ-Kommunikationschefin Seta Thakur wechselt zum Schauspielhaus Zürich.

NZZ und Seta Thakur, Leiterin der Unternehmens­kommunikation, gehen im November getrennte Wege. Sie wechselt zum Schauspielhaus Zürich, wo sie die Leitung der Presse- und Medienabteilung übernimmt und Mitglied der erweiterten Direktion wird. Thakur arbeitet seit 2018 bei der "NZZ", zeitweise hat sie auch den Bereich Marketingstrategie geleitet.
persoenlich.com

Regisseur Dietrich Brüggemann kritisiert in einem Gastbeitrag den “Tagesspiegel”.

Wie im schlechten Film: Regisseur Dietrich Brüggemann kritisiert in einem Gastbeitrag den "Tagesspiegel", der über ein "antidemokratisches Netzwerk" hinter der Aktion "Alles dicht machen" berichtet hatte. Brüggemann habe zwar eine Mail mit Fragen erhalten, der Artikel sei aber noch vor seinen Antworten online gegangen – ein "Schlachtfeld der Gehässigkeit, und noch nicht mal elegant formuliert." Der "Tagesspiegel" räumt in einem Vorspann ein, Brüggemann sei "keine ausreichende Gelegenheit zu einer Stellungnahme" gegeben worden.
tagesspiegel.de, turi2.de (Background)

Ex-“Bild”-Chefredakteur und -Herausgeber Willi Schmitt, 77, ist tot.

Willi Schmitt, ehemaliger Chefredakteur der "Bild am Sonntag", ist tot. Nach Stationen als Sportchef, Chefreporter und Vize-Chef der "Bild" lenkte er die "BamS" ab 1984 drei Jahre lang mit Wolfgang Kryszohn und zwei weitere Jahre in Eigenverantwortung. 2000 übernahm Willi Schmitt für drei Jahre die Chefredaktion der "Sport Bild". Kai Diekmann sagt im "BamS"-Nachruf, dass er Schmitt die Erkenntnis verdanke, "dass es keinen schöneren Beruf gibt". Franz Beckenbauer bezeichnet den Journalisten als "hochanständigen Kerl". Schmitt ist am vergangenen Sonntag gestorben.
bild.de (Paid)

Meinung: Politik hat bei der “Monopolisierung des Internets” lange “regungslos zugeschaut”.

Endlich aufgewacht? Tech-Giganten wie Google und Facebook hätten ihre wachsende Macht jahrelang "ungeniert ausgespielt", die Politik habe dabei "staunend zugeschaut oder einfach weggesehen", schreibt Burda-Vorstand Philipp Welte im "Focus". Inzwischen scheint in Berlin und Brüssel aber ein Umdenken eingesetzt zu haben, was er u.a. an dem neuen Leistungsschutzrecht festmacht. In Kombination mit dem "handfesteren Wettbewerbsrecht" werde dieses "zum wirksamen Werkzeug" für "wirklich jedes Medienunternehmen", wenn es um die Durchsetzung von Rechten gegenüber den "Megaplattformen" geht.
"Focus" 23/2021, S. 46 (Paid), turi2.de (Background)

US-Justizministerium hat Telefonate von Reporterinnen der “New York Times” beschlagnahmt.

New York Times: Das US-Justizministerium hat 2017 unter der Trump-Regierung Telefonaufzeichnungen von vier Reporterinnen der Zeitung heimlich beschlagnahmt, räumt die Biden-Regierung ein. Anlass war die Untersuchung einer undichten Stelle im Regierungs­apparat. Auch Telefonate von Journalistinnen der "Washington Post" und von CNN" wurden beschlagnahmt. "NYT"-Chefredakteur Dean Baquet sagt, die Beschlagnahmung "untergräbt die Pressefreiheit zutiefst".
nytimes.com

Funke wirbt mit Zuversichtskampagne um Werbungtreibende.

Anzeigen-Akquise: Funke wirbt mit einer "Zuversichtskampagne" um regionale Werbungtreibende, berichtet Roland Pimpl bei "Horizont". Die Essener bieten in den kommenden drei Monaten "stark rabattierte Anzeigenkontingente" an, die vor allem Lockdown-geschädigten Unternehmen zugute kommen sollen. Zusätzlich plant der Verlag eigene Imageanzeigen, die von Sponsoren finanziert werden.
horizont.net (Paid)

Geschäftsführer Farhad Khalil verlässt den “Tagesspiegel”, Gabriel Grabner folgt.

Chefsessel-Tausch: Geschäftsführer Farhad Khalil verlässt den "Tagesspiegel", Gabriel Grabner (Foto) wird sein Nachfolger. Er ist bisher gruppenübergreifend Head of Digital bei Holtzbrinck. Gemeinsam mit Ulrike Teschke, die seit 2017 Geschäftsführerin beim "Tagesspiegel" ist, bildet er das neue Führungs-Duo der Zeitung.
tagesspiegel.de, kress.de

Springer kooperiert mit Facebook.


Ende des Widerstands? Springer schließt überraschend eine globale Partnerschaft mit Facebook. Die Medieninhalte von Marken wie "Bild", "Welt" und Business Insider sollen künftig auf diversen Plattformen des US-Tech-Riesen erscheinen – das schließt auch eine Ausspielung bei Facebook News ein, das noch im Mai starten soll. Bisher ist Springer einer der schärfsten Gegner von Verlags-Kooperationen mit US-Konzernen und Verfechter des Leistungsschutzrechts, das Google, Facebook & Co auf die harte Tour zur Kasse bitten will. Künftige Forderungen aus dem LSR sind aus der neuen Vereinbarung ausdrücklich ausgeschlossen.

Springer-Chef Mathias Döpfner bezeichnet das Abkommen als strategischen Meilenstein "für das Haus und die gesamte Branche". Die Kooperation umfasst auch Bezahl-Inhalte von "Welt" und "Bild", die via Facebook in einer begrenzten Anzahl anmeldefrei zugänglich sein sollen. Zudem wird Springer auch in Deutschland als Dienstleister für Facebook tätig: Das Springer-Unternehmen Upday besorgt – wie schon für den Markt in Großbritannien – die Kuratierung der Partnerinhalte bei Facebook News.
axelspringer.com, turi2.de (Background)

Mitarbeit: Markus Trantow

Der “Tagesspiegel” will auch außerhalb der Hauptstadt relevant sein.

Tagesspiegel misst sich mit der "Süddeutschen Zeitung", der "Zeit" und habe auch die "FAZ" im Blick, sagt Chefredakteur Christian Tretbar im "Kress"-Interview. 80 % der "Tagesspiegel"-Reichweite sei inzwischen überregional und nicht nur auf Berlin und Brandenburg begrenzt. Tretbar sieht die Zeitung auch aufgrund des Standortvorteils "näher an der Politik".
kress.de (Paid)

“Weser-Kurier” relauncht sein Online-Angebot.

Weser-Kurier fusioniert Print- und Digital-Abo: Print-Abonnentinnen bekommen künftig den Digital-Zugang gleich mit. Darüber hinaus gibt es drei weitere Abo-Modi, die sich jeweils in Preis und Umfang unterscheiden. Parallel erscheinen die Website und das E-Paper in neuer, aufgeräumterer Optik, ein Relaunch der App soll folgen.
meedia.de, weser-kurier.de, weser-kurier.de (Relaunch-Infos)

“Spiegel” wirft “SZ”, ZDF und “Bild” Parteilichkeit im DFB-Machtkampf vor.

DFB: Im Machtkampf zwischen Präsident Fritz Keller und seinem Generalsekretär Friedrich Curtius teilen "Süddeutsche Zeitung", ZDF und "Bild" "fulminant gegen die Keller-Gegner" aus, wirft der "Spiegel" den Medien vor. "SZ" und ZDF hätten "bis aufs Wort" identische Fragenkataloge an den früheren DFB-Berater Kurt Diekmann geschickt, die auf geleakten internen E-Mails fußten, aus denen zuerst die "Bild" zitiert hatte. Diekmann vermutet einen Hackerangriff und hat Strafanzeige gestellt.

In einem "Bild"-Bericht von Ende April wird Diekmann als dubioser Berater dargestellt – dabei soll das Springer-Blatt selbst mit ihm zusammengearbeitet und ihm "8000 Euro netto plus Spesen" für DFB-Interna bezahlt haben, schreibt der "Spiegel". Das Magazin resümiert: Hätte sich Keller nicht mit einem Nazi-Vergleich ins Abseits manövriert, "wäre der Kampf deshalb wohl für ihn entschieden gewesen".
spiegel.de (Paid), turi2.de (Background)

“Junge Welt” sieht sich wettbewerbsrechtlich benachteiligt.

Keiner will das Kapital: Die Junge Welt sieht sich durch die seit 2004 angeordnete Verfassungsschutz-Beobachtung wettbewerbsrechtlich benachteiligt und benennt "in eigener Sache" etliche Konsequenzen. So lehnen etwa Radioanstalten ab, bezahlte Werbespots der Zeitung zu senden, die Verkehrsbetriebe in Berlin, Hamburg, Köln und Leipzig genehmigen keine "Junge Welt"-Plakate. Auch in öffentlichen Bibliotheken werde die linke Publikation ausgegrenzt: Ihre Webseite sei auf dort zugänglichen Computern oft verboten.
jungewelt.de

Zitat: Rainer Esser gratuliert den mächtigen Plattformen.

"Es gibt da diesen Spin: Weil diese Firmen so viel Geld verdienen und einen großen Marktanteil haben, müssen sie böse sein. Ja, es sind große, mächtige Plattformen mit sehr gut funktionierenden Geschäftsmodellen. Da kann ich erstmal nur sagen: herzlichen Glückwunsch!"

Rainer Esser, Geschäftsführer des "Zeit"-Verlags, teilt "das Jammern über Google und Facebook" nicht, sagt er im Meedia-Interview. Esser hält die Diskussion um die großen Plattformen als mögliche Konkurrenz für "nicht zielführend."
meedia.de (Paid)

Zitat: DDVG-Chef Matthias Linnekugel wünscht sich einen Zuschuss bei Abo-Zustellungen.

"Ich bin sehr enttäuscht über die Entwicklung, da das Bundeswirtschaftsministerium noch kürzlich seinen Entwurf der Förderrichtlinie versandt hatte."

DDVG-Chef Matthias Linnekugel verwundert die auf den letzten Metern gescheiterte Presseförderung, sagt er im Meedia-Interview. Linnekugel sieht das Hauptproblem bei der Zustellung von regionalen Zeitungen und fände es am einfachsten, wenn "der Staat einen Zuschuss pro ausgelieferter Zeitung gibt."
meedia.de

Twitter startet Anzeigenkampagne in US-Medien, um sie zu unterstützen.

Güldenes Gezwitscher: Twitter schaltet in 28 US-Zeitungen Anzeigen, die Leserinnen motivieren sollen, den lokalen Journalismus und Nachrichtenagenturen zu unterstützen. Die Anzeigen verweisen auf öffentliche Twitter-Listen, in denen lokale Reporterinnen und Zeitungen aufgeführt sind. Gleichzeitig bewirbt Twitter den Hashtag #FollowLocalJournalists.
talkingbiznews.com

Ist Social Media für Führungskräfte in der Wirtschaft nur Zeitverschwendung, Sebastian Matthes?


Sozial-mediales Management: “Ja, Social Media ist mitunter Zeitverschwendung”, gibt Sebastian Matthes in seinem Gastbeitrag für die turi2 edition #14 unumwunden zu. Trotzdem glaubt der Chefredakteur des “Handelsblatts”, “eine Abstinenz kann sich keine Führungskraft mehr leisten”. Nirgendwo erreichten Firmenchefinnen Mitarbeiterinnen und Kundschaft besser und direkter als bei Twitter, Linked-in und Co, schreibt Matthes. Die turi2 edition #14 mit allen Gast­beiträgen und Interviews erscheint am 6. Mai. Hier können Sie das kostenlose E-Paper vorbestellen. Weiterlesen …

RND erstattet Strafanzeige nach Gewaltandrohungen zu einem Text von Imre Grimm.

Pressefreiheit: Madsacks RND erstattet Straf­anzeige wegen Gewalt­androhungen gegen Gesellschafts­ressort-Leiter Imre Grimm, schreibt Chef­redakteur Marco Fenske (Foto) in eigener Sache. Grimm hatte als Reaktionen auf seinen Text Stars gegen den Lockdown: Warum die Aktion 'Alles dichtmachen' eine Verhöhnung der Corona-Toten ist 400 E‑Mails erhalten. Zwei Drittel davon seien "übel beleidigend" gewesen und "weit von dem entfernt, was man gemeinhin Diskurs oder Debatte nennt".
rnd.de

Wie viel Mitschuld tragen Werbungtreibende am Clickbaiting? So lief das turi2 Clubsandwich.


Media und Verantwortung: "Wirtschaft sollte sich nicht zum Richter über guten oder schlechten Journalismus aufspielen", sagt Thomas Voigt im "turi2 Clubsandwich", dem gemeinsamen Media-Talk am Mittag von turi2 und Mediascale. Der Kommunikationschef der Otto Group hat am Mittwochmittag gemeinsam mit Daimler-Kommunikationschef Jörg Howe, Mediascale-Chef Wolfgang Bscheid und – gegen Ende des Talks – auch mit Moderatorin Dunja Hayali über die Frage diskutiert, ob Werbekunden eine Mitverantwortung für Clickbaitung und übergeigte Überschriften haben. "Ich tue mich wahnsinnig schwer damit, zu sagen, wer gut und wer böse ist", sagt auch Howe und fragt sich, wo die Grenze zu ziehen ist. Bscheid hat eine aktuelle Umfrage im Gepäck, in der sich 80 % von mehr als 200 befragten Marketing-Entscheiderinnen einen verantwortungsbewussteren Einsatz von Werbegeldern wünscht. Auch das Thema soziale Nachhaltigkeit, also u.a. der Kampf gegen Hate Speech, werde für die Verantwortlichen wichtiger.

Auch Moderatorin Dunja Hayali, die sich gegen Ende des Talks in die Diskussion einschaltet, sieht einen Zusammenhang zwischen Media-Geld und Verantwortung. Es gebe Medien, die einen Auftrag haben und politisch klar verortet sind. Unternehmen, die dort Werbung buchen, müssten sich die Frage stellen lassen, ob die Haltung dieser Medien mit ihren gesellschaftlichen Werten vereinbar ist. Thomas Voigt etwa kann sich eine unabhängige Stiftung vorstellen, die Empfehlungen für bzw. gegen Media-Investitionen gibt – analog zu Presserat und Pressekodex und auf Basis objektiver Kriterien.

Zu Beginn des Talks geht es zunächst um die Frage, wie es um die Qualität im Journalismus bestellt ist. Daimler-Kommunikator Howe etwa beklagt sich über Journalistinnen, die ihre Geschichten schon fertig haben, wenn sie sich an die Pressestelle wenden und ihn nur noch als Stichwortgeber brauchen. Andere kämen mit komplexen Fragenkatalogen "im Kasernenhofstil" und absurden Fristen für deren Beantwortung. Otto-Mann Voigt erlebt die Situation weniger negativ: Er erlebt zwar auch ausgedünnte Redaktionen und Hektik, trotzdem gebe es noch einen vertrauensvollen Umgang zwischen Kommunikatorinnen und Journalisten.
turi2.tv, (69-Min-Video/-Podcast) turi2.de/Podcast, spotify.com, podcast.apple.com, deezer.com, audionow.de, turi2.de/clubraum (weiteres Programm)



Presseförderung ist gescheitert, Verbände sind “schockiert”.

Staatliche Presseförderung ist vorerst gescheitert, teilt das Bundes­wirtschafts­ministerium den Verleger­verbänden VDZ, BDZV, VDL und BVDA mit. Bis Ende April wollte das Ministerium eiegntlich ein finales Förder-Konzept vorlegen. Die Unterstützung war ursprünglich als Zustell­förderung konzipiert, wurde dann zur Transformations­förderung umgewidmet und war nach verfassungs­rechtlichen Bedenken zuletzt als Corona-Soforthilfe für die Verlage gedacht. Die Verbände nennen das Scheitern "schockierend" und fordern von der Politik ab der nächsten Legislaturperiode "eine wirksame Förderung der Zustellung einzuführen".
meedia.de (Paid), vdz.de, bdzv.de

“Bild” wirft dem “Spiegel” bei DFB-Enthüllungen ein “seltsames Doppelspiel” vor.


Gemeinsame Freunde: "Bild" nimmt die Recherchen des "Spiegel" "zum Themenkreis 'Sommermärchen'" ins Visier und berichtet über geschäftliche Verbindungen des Nachrichten-Magazins mit dem Medienberater Kurt Diekmann, der laut "Bild" zeitweise auch in Diensten des DFB gestanden haben soll. Das Springer-Blatt zitiert aus E-Mails zwischen "Spiegel"-Redakteuren und dem Berater sowie aus Rechnungen, die der "Spiegel" Diekmann bezahlt haben soll, und fragt: "Zahlte der 'Spiegel' Honorar an einen Medienberater, als dieser auch für den DFB tätig war?" Eine konkrete Antwort bleibt "Bild" schuldig, deutet aber an, dass in der Zeit als Diekmann für den DFB tätig war, "auch immer wieder DFB-freundliche Artikel" im "Spiegel" erschienen seien – "in der Folge des seltsamen Doppelspiels". "Bild" zitiert aus einem "Spiegel"-Statement in der Sache: "Der 'Spiegel' hat von 2016 bis Mai 2019 mit Herrn Diekmann zusammengearbeitet." Die Zusammenarbeit sei beendet, 2020 seien keine Rechnungen mehr beglichen worden.

Im April 2019 musste der damalige DFB-Chef Reinhard Grindel zurücktreten, weil er im Amt eine Luxus-Uhr geschenkt bekommen, den Wert aber nicht angegeben hatte. Zuvor hatte der “Spiegel” bereits verschwiegene Zusatzeinnahmen in Höhe von 78.000 Euro berichtet, die er ebenfalls nicht angegeben haben soll.
bild.de

Madsack-Verlag wird Opfer von Cyberangriff.


Madsack Mediengruppe ist am Freitag nach eigenen Angaben Opfer eines Cyberangriffs auf die Computersysteme geworden. Das Medienhaus habe zwar bereits "entsprechende Gegenmaßnahmen" eingeleitet, dennoch seien "Beeinträchtigungen der Zeitungsproduktion für den Samstag" nicht auszuschließen. Madsack bringt u.a. die regionalen Tageszeitungen "Hannoversche Allgemeine Zeitung" und die "Neue Presse" raus. Die Online-Dienste, u.a. vom Redaktionsnetzwerk Deutschland, seien nicht betroffen und sind nach wie vor abrufbar.

Laut T-Online ist Madsack von Ransomware befallen worden. Dabei handelt es sich um einen Erpresser-Trojaner, der Dateien durch Verschlüsselung unbenutzbar macht, um sie gegen eine Lösegeldzahlung wieder freizugeben. Einen ähnlichen Vorfall hat es im Dezember 2020 bei der Funke Mediengruppe gegeben, einige Zeitungen konnten damals nur in Notausgaben erscheinen.
ndr.de, t-online.de, heise.de, turi2.de (Funke)

“Bild” schießt gegen Baerbock.


Abteilung Attacke: Bild" nimmt Annalena Baerbock ins Visier. Lydia Rosenfelder und Michael Sauerbier schießen in ihrem Porträt scharfe Spitzen gegen die Grünen-Kanzlerkandidatin – verpackt in blumige Bilder. Die frühere Trampolin-Springerin sei "bereit für einen Sprung". Dass sie "für die Macht große Kompromisse" mache, wollen sie im Landesverband Brandenburg gehört haben. Passenderweise holen die Autorinnen einen Korruptionsskandal aus ihrer Zeit als Landeschefin heraus, den sie "unbeschadet" überstanden hat, und weisen darauf hin, dass Baerbock ihre Doktor-Arbeit nicht beendet hat.

Natürlich entdeckt "Bild" bei der Kandidatin auch "optisch eine Metamorphose" und weist auf "Lederjacke und hohe Absätze, knallrote Kleider" hin – und darauf, dass Baerbocks Ehemann sich nun um die beiden Kinder im Grundschulalter kümmern müsse. Insgesamt eine klare Kampfansage. Das aktuelle Stimmungsbild von Forsa spricht eine andere Sprache: Die Grünen legen um 5 % auf 28 % zu, die CDU verliert nach der Laschet-Ankündigung 7 % und fällt auf 21 %.
bild.de (Paid), faz.net (Forsa)

Mitarbeit: Markus Trantow

Lese-Tipp: “Zuhören wichtiger als Reden” – Peter Turi erklärt den Abschied vom Mansplaining-Journalismus.


Journalismus auf Augenhöhe: "Niemand will im Jahr 2021 von mir die Welt erklärt bekommen. Noch nicht mal meine Frau." Peter Turi, Gründer und neuerdings Clubchef von turi2, erklärt im Fachmagazin "Journalist" seinen Blick auf die Zukunft des Journalismus. In seinem Konzept des "Community-Journalismus" kommen wuchtige Leitartikel, in denen alte, weiße Männer hinter der Bezahlschranke die Welt erklären, genauso wenig vor wie der Empörungsjournalismus und das Clickbaiting der Boulevard-Blätter. Er definiert einen "Mitmach-Journalismus, bei dem Fragen wichtiger sind als Antworten, Zuhören wichtiger als Reden und inklusiv besser als exklusiv". Die Aufgabe von turi2 sieht er darin, die Kern-Zielgruppe der 20.000 Meinungsmacherinnen aus Medien, Wirtschaft und Politik, miteinander ins Gespräch zu bringen.

Ein Konzept, dass nicht nur für Fachmedien, sondern auch bei der Lokalzeitung funktionieren kann, glaubt Turi. Seine Idee ist es, "Geld und Geist unter dem Banner des Geistes" auf die Bühne zu bitten, und "Jung und Alt, Arm und Reich, Links und Rechts zum Dialog über die Zukunft unserer Stadt" einzuladen. Eine Strategie, die turi2 seit ein paar Jahren offensiv verfolgt – mit der gedruckten turi2 edition, Live-Audio- und Video-Gesprächsrunden im turi2 Clubraum und mit Video-Interviews oder -Features bei turi2.tv.

"Community-Journalismus heißt keinesfalls, unkritisch zu sein", schreibt Turi, Kritikerinnen und Abweichler, Zweiflerinnen und Whistleblower bittet er genauso auf die Bühne und bietet ihnen einen Raum. "Wir stellen die drängenden Fragen, sprechen die Probleme an – und sind leidenschaftlich interessiert an Antworten und Lösungen", zitiert Turi die Grundsätze des Kommunikationsfachdienstes. Seine Vision ist ein "Journalismus auf Augenhöhe mit der Zielgruppe", der weder Paywalls noch "übergeigte Überschriften" braucht. Die Frage, ob dieser Ansatz der richtige Weg ist, hat Peter Turi u.a. mit "Journalist"-Chefredakteur Matthias Daniel, Hanna Israel von Zeit Online, Sham Jaff, Uwe Vorkötter und Daniel Fiene am 16. Mai 2021 im Clubraum diskutiert. (Foto: Johannes Arlt für turi2)
journalist.de, turi2.de/clubraum

Verlagsgruppe Rhein-Main baut ihre Chefetage um.

Verlagsgruppe Rhein Main und Lars Hennemann, 52, Chefredakteur der hessischen Tageszeitungen, gehen getrennte Wege. Er verlässt das Unternehmen zur Jahresmitte nach über 20 Jahren "auf eigenen Wunsch", seine Position wird nicht nachbesetzt. Der bisherige Vize Tim Maurer übernimmt stattdessen als Titelverantwortlicher für die Echo Medien und als stellvertretender Chefredakteur für alle Lokalausgaben in Südhessen. Olaf Streubig wird Titelverantwortlicher für den Wiesbadener Kurier und soll als stellvertretender Chefredakteur die WK-Lokalausgaben steuern.
vrm.de

“Schwäbische Zeitung” veröffentlicht Vereinsmeldungen unbearbeitet und ungekürzt.

Schwäbische Zeitung macht aus der Personal-Not eine Tugend: Auf der Seite "Meine Heimat. Mein Verein." veröffentlicht das Regionalblatt Presse­meldungen ungekürzt und unbearbeitet. Bei zu langen Texten schneidet die Redaktion nach 2.400 Zeichen einfach ab. Vize-Chefredakteur Andreas Müller argumentiert, die Seite hebe sich optisch ab und sei klar gekennzeichnet.
uebermedien.de

Regionalzeitung “Katapult MV” startet.

Keine Kapitulation: Mecklenburg-Vorpommern erhält mit "Katapult MV" eine neue Lokalzeitung. Die Redaktion hat in den vergangenen vier Tagen die mindestens benötigten 19.000 Euro in einer Abo-Aktion gesammelt, schreibt Katapult-Gründer Benjamin Fredrich. Damit wird die Greifswalder Zentrale mit fünf Mitarbeiterinnen finanziert. Mit der Gründung soll "die dringend notwendige journalistische Vielfalt in die Region zurückgeholt werden".
katapult-mv.de

Österreich: “Wiener Zeitung” steht möglicherweise vor dem Aus.

Überlebenskampf: Die Wiener Zeitung, 1703 gestartet und damit die älteste Tageszeitung der Welt, kämpft ums Überleben, schreibt Walter Mayr. Grund ist eine geplante Gesetzesänderung, mit der die lukrativen Pflichtinserate im gedruckten Amtsblatt-Teil wegfallen könnten. Jährlich 18 Mio Euro würden dem Verlag dann an Einnahmen fehlen. Derzeit sei eine Schließung des Blatts mit seinen 45 Vollzeitredakteuren zwar vom Tisch, Chefredakteur Walter Hämmerle fürchte aber, die Regierung macht die Zeitung nach Abflauen der öffentlichen Empörung dicht.
spiegel.de

Richtigstellung zum Wochenend-Magazin der “Berliner Zeitung”.

Richtigstellung: Der Berliner Verlag teilt mit, dass sein geplantes Wochenend-Magazin unter anderen Voraussetzungen erscheint als bisher von turi2 berichtet: "Die geplante Wochenendausgabe der 'Berliner Zeitung' wird 58 Seiten umfassen, sie wird 3,60 Euro kosten und nicht in einer eigenen GmbH erscheinen, sondern wie die 'Berliner Zeitung' auch in der Berliner Verlags GmbH." turi2 hat keinen Anlass, an der Korrektheit der Verlagsmitteilung zu zweifeln.
per Mail, turi2.de (bisherige Meldung)

Anna Sprockhoff wird Vize-Chefredakteurin der “Märkischen Allgemeinen”.

Märkische Allgemeine befördert Anna Sprockhoff (Foto), 40, zur stellvertretenden Chefredakteurin. Auf dem Posten arbeitet bisher Maike Schultz, die in Elternzeit geht. Sprockhoff leitet bisher die Potsdamer Lokalredaktion. Sebastian Morgner, 44, wird ebenfalls Teil der Chefredaktion und soll die digitale Transformation im Lokalen vorantreiben.
madsack.de

“Zeit” besetzt Ressorts “Wirtschaft”, “Streit” und “Zeit im Osten” neu.

Zeit macht Charlotte Parnack (Foto), 38, und Roman Pletter, 40, ab Juli zur Doppel­spitze des Wirtschafts­ressorts. Sie folgen auf Uwe Jean Heuser, 57, der die Wirtschaftsredaktion seit 2000 leitet und bald ein neues Ressort übernimmt. Pletter ist aktuell Wirtschafts-Vize, Parnack leitet mit Jochen Bittner das Ressort "Streit". Ihren Posten übernimmt Martin Machowecz, 33, der die "Zeit im Osten" leitet. Ihm folgt seine Stellvertreterin Anne Hähnig, 32.
zeit-verlagsgruppe.de

Julian Reichelt spricht über Missbrauchsvorwürfe – Springer plant Reform der Arbeitskultur.


Zeit zum Reden: Julian Reichelt lädt die "Zeit"-Autorinnen Cathrin Gilbert, Hannah Knuth und Holger Stark in sein Büro im Springer-Hochhaus und äußert sich öffentlich zu den Missbrauchsvorwürfen gegen ihn. Reichelt sagt, dass er sich erstmals im Leben einen Anwalt genommen hat und eine eidesstattliche Versicherung aufsetzen lässt, in der er erklärt, seine Macht niemals gegenüber Mitarbeiterinnen missbraucht zu haben. Die Autorinnen schildern, dass Reichelt das Gespräch mit ihnen ohne Verstärkung durch Konzernsprecher und Kollegen führt – sie müssen den Raum vor dem Gespräch verlassen – und bisweilen "mitgenommen" wirkt. Reichelt wisse, dass er als "Bild"-Chef vielen Menschen weh getan habe, "auch intern". Die Autorinnen zitieren ihn mit den Worten: "Das ist jetzt richtig spannend, oder?"

Der Springer-Vorstand lasse sich regelmäßig über den Fortgang der Untersuchungen gegen Reichelt informieren. Zwar ließen sich die Vorwürfe gegen Reichelt bisher "weder be- noch widerlegen", einige Frauen hätten aber "belastende Indizien vorgelegt". Ein Vertrauter Reichelts soll "mindestens eine der betroffenen Frauen subtil unter Druck gesetzt" haben. Die Autorinnen schildern aber auch ein Telefonat Reichelts mit einer Frau, die zu den Vorwürfen befragt werden soll. Der "Bild"-Chef halte sie an, die Wahrheit zu sagen, auch über seine nicht so netten Charakterzüge – "bloß nichts weglassen."

Springer denke über einen Neustart "für den Tag nach Abschluss des Verfahrens" nach, egal ob Reichelt dann noch an Bord sei, oder nicht. Es solle eine "offene, auch schmerzhafte Diskussion über eine bessere Unternehmenskultur" bei der Zeitung geben. Zudem würden bereits Nachfolgerinnen gehandelt, darunter Interims-Chefin Alexandra Würzbach, der frühere "Bild am Sonntag"-Chef Claus Strunz und Gabor Steingart, an dessen Startup Media Pioneer Springer beteiligt ist.
zeit.de (Paid), kress.de (Zusammenfassung)

“Berliner Zeitung” ersetzt die Wochenendausgabe durch ein Magazin.

Update 24.3., 14.30 Uhr:
Der Berliner Verlag teilt hierzu mit:
"Die geplante Wochenendausgabe der Berliner Zeitung wird 58 Seiten umfassen, sie wird 3.60 € kosten und nicht in einer eigenen GmbH erscheinen, sondern wie die Berliner Zeitung auch in der Berliner Verlags GmbH."
turi2 hat keinen Anlass an der Richtigkeit der Aussage des Verlags zu zweifeln.

Berliner Magazin: Die "Berliner Zeitung" streicht ihre Wochenendausgabe und legt dafür künftig samstags ein vierzigseitiges 58-seitiges Magazin an den Kiosk, berichtet Ulrike Simon. Das Heft kommt für 4,50 Euro 3,60 Euro und erscheint in einer eigenen GmbH. Die bisherige Wochenendausgabe kostet 2,50 Euro. Statt Nachrichten gibt es im neuen Magazin vermehrt Kulturthemen. Ein Startdatum steht noch nicht fest, Simon schreibt, es könnte "in wenigen Wochen" soweit sein.
horizont.net (Paid)

Causa Reichelt: “NZZ” wirft “Spiegel” und “Tagesspiegel” “feucht-fröhliche Spekulationen” vor.


Alles ganz anders? Im Compliance-Verfahren gegen Julian Reichelt springt die Schweizer "NZZ" dem "Bild"-Chefredakteur zur Seite. Das Blatt kritisiert vor allem "Spiegel" und "Tagesspiegel". Die vom Hamburger Nachrichtenmagazin zitierte Formulierung "vögeln, fördern, feuern" habe keiner je gehört. Die "NZZ"-Autoren Alexander Kissler und Marc Felix Serrao vermuten stattdessen, die "Spiegel"-Kolleginnen seien "einfach nur ihrem Sujet verfallen". Sie werfen ihnen fehlende Faktentreue vor, "Hauptsache, es trifft den Richtigen". "Tagesspiegel"-Chefredakteur Lorenz Maroldt sei mit seinem "Drehbuch" über die Geschehnisse bei "Bild" nur deswegen auf der "sicheren Seite", weil er "sein Geraune als Fiktion darstellte".

Kissler und Serrao zitieren vor allem anonym: Es gebe keinen Machtmissbrauch, es geht "nur um Leistung". Allein die frühere "Bild"-Frau Anna von Bayern kommt mit Klarnamen zu Wort, auch sie spricht für Reichelt: "Ich habe nie erlebt, dass er seine Macht gegenüber Mitarbeiterinnen missbraucht hätte." Auf die Frage, wer hinter den Vorwürfen stecken könnte, antwortet sie: "Julian hat viele Feinde."
nzz.ch (nach Anmeldung frei)

Carla Quick und Alexander Müller werden stellvertretende Chefredakteurinnen der “Ostsee-Zeitung”.

Madsack ernennt Carla Quick und Alexander Müller zu stellvertretenden Chefredakteurinnen der "Ostsee-Zeitung". Quick kommt von Bauer, wo sie bisher Chefredakteurin der Online-Magazine Wunderweib.de und Liebenswert-Magazin.de war. Müller ist bereits bei der "Ostsee-Zeitung", aktuell als Chef vom Dienst. Der bisherige stellvertretende Chefredakteur Thomas Pult soll ebenso wie der bisherige geschäftsführende Redakteur Alexander Loew weiter bei der "Ostsee-Zeitung" bleiben. Sie wirken künftig als leitende Redakteure "an verantwortungsvoller Stelle".
madsack.de

Meinung: Eric Gujer nennt Identitätspolitik “Gift”.

Gender-Gujer: “Identitätspolitik ist ein ätzendes Gift”, kommentiert NZZ-Chefredakteur Eric Gujer (Foto). Der dadurch entstehende Riss in der Gesellschaft ziehe sich durch den linken wie den rechten Mainstream. Was für die einen "Schlachten um die korrekte Bezeichnung der Geschlechtszugehörigkeit" sind, seien für andere Migrations-Konflikte. Am Ende, so Gujer, würden vom "Klassenkampf" lediglich radikale Kräfte wie die AfD profitieren, um einzelne Gruppen auszugrenzen.
nzz.ch, faz.net (Paid), turi2.de (Background)

Basta: Der BDZV und die Presseförderung.

Förder-Dilemma: Der BDZV hält das vom Wirtschaftsministerium erarbeitete Konzept zur Förderung der Verlage nur für gut gemeint statt auch gemacht, schreibt Ulrike Simon. Damit befinde sich der Verband "in der misslichen Lage, wie er dem Ministerium ein 'Nein, danke' übermittelt, ohne die gesamte Regierung vor den Kopf zu stoßen". Finanzielle Hilfen hätten die Verlage schon gern, also wie die Hand beißen, die füttert – zumal der Landesverband Bayern schon kaut?
horizont.net (Paid)

Meedia: Kanzlei soll nächste Woche Ergebnisse in der Causa Reichelt vorlegen.

Causa Reichelt: Die Anwaltskanzlei Freshfield soll dem Springer-Vorstand in der kommenden Woche ihr Untersuchungs-Ergebnis im Fall Julian Reichelt vorlegen, meldet Meedia. Aktuelle und ehemalige Mitarbeiterinnen – Männer wie Frauen – werfen Reichelt u.a. Machtmissbrauch vor. Intern weist Reichelt Vorwürfe zurück, ein offizielles Statement gibt es von ihm bisher nicht.
meedia.de (Paid), turi2.de (Background)

Verlegerfamilie Arnold verkauft alle Anteile an der “Rheinischen Post”.


Besiegelt: Die Verlegerfamilie Arnold verkauft ihre 27,89 % Anteile an der "Rheinischen Post" an deren Muttergesellschaft. Damit scheiden alle Nachkommen des Mitgründers Karl Arnold aus dem Gesellschafterkreis aus. Über den Kaufpreis schweigen die Beteiligten. Den Anteilserwerb finanziert die Verlagsgesellschaft vollständig aus "vorhandenen liquiden Mitteln", sagt Johannes Werle, Vorsitzender der Geschäftsführung der Rheinische Post Mediengruppe.

In einer Pressemeldung heißt es von Karl Hans Arnold, Sprecher der Familiengruppe, der Grund für das Ausscheiden seien "unterschiedliche Auffassungen über die strategische Ausrichtung des Unternehmens". Die Rheinische Post Mediengruppe sei ein "kerngesundes Unternehmen und verfügt über die Substanz und das Potential, die Zukunft des Unternehmens erfolgreich zu gestalten". Zuletzt berichtete  Marvin Schade bei Medieninsider hingegen, bei der "Rheinischen Post" eskaliere ein jahrelanger Machtkampf, die Stimmung sei "höchst emotional".
rp-online.de, turi2.de (Background)