Zitat: Präsidenten-Promis wie Döpfner sind nicht nötig, sagt MVFP-Präsident Rudolf Thiemann.

"Ich glaube nicht, dass es notwendig ist, einen besonders prominenten Präsidenten zu haben. Aber es schadet auch nicht."

Rudolf Thiemann, Präsident des VDZ-Nachfolgevereins Medienverband der Freien Presse, sagt im "Horizont"-Interview, dass es prominente Präsidenten wie Mathias Döpfner vom BDZV nicht zwingend braucht.
ereader.horizont.net

Marie-Sophie von Bibra und Jan-Sebastian Blender leiten Readly in der DACH-Region

Readly ernennt als neues Führungsduo für die DACH-Region Marie-Sophie von Bibra, Head of Growth Operations, und Jan-Sebastian Blender, Head of Content. Beide arbeiten seit 6 Jahren für das Unternehmen. Gundel Henke wechselt von der japanischen E-Commerce Plattform Rakuten zu Readly und unterstützt das deutsche Team als Head of Growth.
news.cision.com

Debatte: Luxemburger Zeitung tut sich schwer mit dem Ukraine-Krieg, schreibt Jochen Zenthöfer.

Widersprüchlich: Die marxistische "Zeitung des Luxemburger Volkes" tut sich schwer mit dem Ukraine-Krieg, schreibt "FAZ"-Autor Jochen Zenthöfer. Sie schreibe von einem "russischen Angriffskrieg", Putin müsse einsehen, dass noch mehr Krieg "nicht zu einem für unsere Welt guten Ergebnis führen wird". Dennoch äußert die Zeitung Kritik an westlichen Medien, die vorwiegend Meldungen über "Angriffe auf Krankenhäuser" und "angeblichen Bombenhagel" verbreiten würden und fragt, ob die Ukraine-Solidarität „wirklich mit unserem Geld" bezahlt werden sollte.
faz.net (Paid)

Gehälter und die Arbeitszeit bei “Zeit Online” nähern sich der Printredaktion an.

Bessere Zeiten: Die Gewerkschaften DJV Berlin-JVBB und Verdi einigen sich mit Holtzbrinck darauf, Gehälter und Arbeitszeit der Beschäftigen von Zeit Online schrittweise denen in der Printredaktion anzugleichen. Das bedeutet eine Anhebung der Gehälter und eine Verkürzung der Arbeitszeit von 40-Wochenstunden auf 36-Wochenstunden für Redakteurinnen bzw. auf 35-Wochenstunden für Verlags-Angestellte.
meedia.de

Die “Rhein Main Zeitung” bekommt eine Übersichtsseite für die Region.

Total regional: Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" verpasst ihrem Regionalblatt "Rhein Main Zeitung" eine zentrale Startseite für die Berichterstattung aus allen Städten und Gemeinden außerhalb Frankfurts. Die "Seite Drei" soll die Integration von Stadt und Land in der Region in der Zeitung abbilden. Außerdem sei die Internetredaktion für das Rhein-Main-Gebiet erheblich gewachsen.
faz.net

Zitat: “Mopo”-Verleger Arist von Harpe sieht sich vor allem als Geschäftsführer.

"Bei dem Wort Verleger denke ich immer an schwerreiche Personen wie Augstein oder Springer im Nachkriegsdeutschland."

"Mopo"-Verleger Arist von Harpe sagt im Meedia-Interview, dass er sich vielmehr als Geschäftsführer als ein Verleger fühlt: "Glücklicherweise ohne einen Shareholder, dem ich irgendwelche Zahlen berichten müsste."
meedia.de (Paid)

“Kampagnen auf den Krieg aufzubauen, ist falsch” – Uwe Vorkötter über Haltungsmarketing und Zeitungs-Zukunft.


Haltung zeigen: "Junge Medien­schaffende können besser und einfacher eine Reichweite aufbauen", sagt "Horizont"-Herausgeber Uwe Vorkötter im turi2 Clubraum. Im Live-Podcast mit Moderatorin Aline von Drateln und turi2-Chefredakteur Markus Trantow bescheinigt der langjährige Zeitungs-Chefredakteur jungen Journalistinnen ein besseres Gefühl für "zeitgeistige Themen", kritisiert aber, dass heute "Präzision in der Recherche" fehle. Eine gewisse "Tunnelblick-Recherche" bezeichnet Vorkötter als "einer der gravierendsten Fehlentwicklungen im Journalismus". Dass es vielen Zeitungen heute schlechter geht als noch vor 20 Jahren habe jedoch woanders seine Wurzeln. Wer heute noch eine Print­zeitung mache, müsse sie "nochmal ganz neu denken". Stattdessen werden die meisten Zeitungen noch genau so gemacht, "wie vor 20 Jahren".

Vorkötter kritisiert auch andere Entwicklungen in der Medien­branche, etwa die Abschaltung von Russia Today und Sputnik im Zuge des Kriegs in der Ukraine. Er habe für die Sperrung der russischen Propaganda "emotional" zwar Verständnis, finde es aber trotzdem "falsch und unnötig". Artikel 5 im Grundgesetz ist "nicht teilbar", sagt Vorkötter. "Da steht, eine Zensur findet nicht statt – das Verbot von Medien ist Zensur." Schwieriger findet er die Debatte zur deutschen Bericht­erstattung über den Krieg. Trantows These, Journalismus dürfe auch im Krieg "die Welt nicht in Gut und Böse teilen", stimmt Vorkötter nur bedingt zu. Zwar sei es sein Job als Journalist kritisch zu sein, in diesem Fall könne er aber keine "Schein­objektivität einnehmen, weil Gut und Böse so offensichtlich sind".

Stellung zu dem Angriffskrieg zu beziehen, findet der Journalist auch für große Unternehmen legitim. Haltungs­marketing ist nichts neues, sagt Vorkötter. Die "richtig großen Marken­geschichten" hatten etwas mit Politik oder wichtigen "Zeitgeist-Phänomenen" zu tun, etwa die Schockfoto-Kampagne von Benetton. Entscheidend sei, ob eine Marke eine Haltung hat und die für ihr Marketing nutzt oder umgekehrt. Klassische Kampagnen auf den Krieg aufzubauen, "ist jedoch der falsche Weg".

Der turi2 Clubraum diskutiert jeden Freitag um 12 Uhr mit einem prominenten Gast die Themen der Woche. Am kommenden Freitag ist Judith Barbolini, Geschäfts­führerin des Markt­forschungs­instituts Rheingold, zu Gast.
turi2.tv (49-Min-Podcast bei YouTube), turi2clubraum.podigee.io (Audio-Podcast), apple.com, spotify.com, deezer.com, audionow.de

Julia Becker geht nicht in den BDZV-Vorstand, Funke tritt aus.


Schüssikowski: Die Funke Mediengruppe um Verlegerin Julia Becker macht ihre Drohung wahr und tritt Ende 2022 aus dem BDZV aus, berichtet u.a. die "FAZ". Damit schlägt Becker auch das Angebot aus, als Vizepräsidentin in den Verbands-Vorstand zu gehen. In einem Brief an die Vize-Präsidenten des Verbands von Funke-Geschäftsführer Christoph Rüth ist von einem Vertrauensverlust der Mediengruppe "in die Veränderungsbereitschaft des geschäftsführenden Präsidiums" die Rede.

Mit dem Austritt wolle Funke den "Spekulationen um das Machtgerangel im BDZV ein klares Signal entgegensetzen und das Augenmerk auf den Kern unserer Diskussion lenken", schreibt Rüth weiter. Funke hatte zuvor mehrmals öffentlich den Rücktritt von Mathias Döpfner als Vorsitzenden gefordert. Der BDZV bot Becker an, den frei gewordenen Vize-Posten von Madsack-Chef Thomas Düffert zu übernehmen. Dieses Angebot lehnt Becker "dankend ab", heißt es in dem Schreiben.

Funke strebt eine umfassende Modernisierung des Verbands an und spricht sich u.a. für ein Mitspracherecht für Lokalmedien und eine Konsolidierung der Landesverbände aus. Zuletzt hatte der BDZV eine Reformkommission mit zehn Verlags- und Verbands-Vertretern gebildet. Die Reformvorschläge sind jedoch insgesamt auf wenig Gegenliebe gestoßen.
faz.net, turi2.de (Background)
(Foto: Selina Pfrüner für turi2)

BDZV bietet Julia Becker Vize-Posten und setzt Reform-Kommission ein.


Vize fürs Verweilen: Der BDZV will im Streit um seinen Präsidenten Mathias Döpfner die Reihen schließen und macht Funke-Verlegerin Julia Becker ein Angebot, das sie vermutlich ablehnen wird: Geht es nach dem Verband, soll Becker den frei gewordenen Vize-Posten von Madsack-Chef Thomas Düffert übernehmen, um die Verbands-Arbeit aktiv mitgestalten zu können, berichtet Medieninsider. Unterschrieben ist der Brief von Christian DuMont Schütte, Aufsichtsrat von DuMont, Jan Dirk Elstermann, Verleger "NOZ" und Valdo Lehari, Verleger "Reutlinger General-Anzeiger", die gleichzeitig klarstellen, dass sie hinter Döpfner stehen. Die Unterschrift Döpfners fehlt. Auch deswegen ist es unwahrscheinlich, dass Becker sich nach ihrem Vorstoß gegen den Springer-CEO Ende Februar mit einem Posten beschwichtigen lässt. Funke schweigt bisher zu dem Vorschlag.

Derweil zeitigen die Reformvorschläge Beckers, die Ende Januar bekannt und Mitte Februar im Rahmen der Delegierten-Versammlung diskutiert wurden, Konsequenzen: Es gibt nun eine mit zehn Verlags- und Verbands-Vertretern besetzte Reformkommission, bestehend aus acht Männern und zwei Frauen. Für Springer sitzt der frühere Springer-Manager und Funke-Kenner Christian Nienhaus am Tisch, für Funke verhandelt Verlags-Sprecher Tobias Korenke. Außerdem reden u.a. Verleger Lambert Lensing-Wolff, Inken Boyens, Verlegerin der "Dithmarscher Landeszeitung", Lutz Schumacher von Schwäbisch Media und Matthias Ditzen-Blanke, Verleger der "Nordsee-Zeitung" mit. Für den BDZV ist Katrin Tischer, Geschäftsführerin Märkte, dabei.

Zur Delegierten-Versammlung im September soll es erste Ergebnisse geben. Funke fordert eine Reform des BDZV u.a. mit mehr Mitspracherecht für Lokalmedien, einer Konsolidierung der Landesverbände und einer Kooperation oder Verschmelzung des Zeitungsvermarkters ZMG mit dem Marktforscher GIK. (Fotos: Springer, Selina Pfrüner für turi2)
turi2 – eigene Infos, medieninsider.com (Vize-Angebot, Paid). turi2.de (Background)

“Zeit” kommt wegen Ukraine-Krieg diese Woche schon am Mittwoch heraus.

Zeit erscheint in dieser Woche schon am Mittwoch statt regulär am Donnerstag, um die Ereignisse in der Ukraine "möglichst zeitnah zu beleuchten". Chef­redakteur Giovanni di Lorenzo sagt: "Das sind wir dieser historischen Zäsur schuldig." Zuletzt hatte die "Zeit" ihren regulären Erst­verkaufs­tag anlässlich der Nuklear­katastrophe von Fukushima im Jahr 2011 um einen Tag vorverlegt.
dwdl.de

Heute im Clubraum: Katja Berlin serviert die “Torten der Wahrheit”.


Torten-Schlacht: Die Torten-Grafiken von Katja Berlin sagen mehr als tausend Worte – mit ihrer Grafik-Kolumne in der "Zeit" bringt sie jede Woche das gesellschaftliche Geschehen auf den Punkt. Außerdem ist sie Autorin mehrerer Bücher, zählt auf Twitter mehr als 100.000 Follower und neuerdings podcastet sie auch. Im turi2 Clubraum spricht Berlin heute ab 12 Uhr mit Moderatorin Aline von Drateln und turi2-Chefredakteur Markus Trantow über ihre Projekte und die Themen der Woche. So geht es u.a. um die Schlappe, die Altkanzler Gerhard Schröder gegen seine Ex-Frau Doris Schröder-Köpf einstecken musste, das Trio diskutiert außerdem den Zoff im BDZV und den Ärger zwischen der ARD und Eisschnellläuferin Claudia Pechstein. Die Sendung läuft heute Mittag live bei Clubhouse und erscheint gegen 18 Uhr als Podcast.

Der turi2 Clubraum diskutiert immer freitags die Themen der Woche. In den vergangenen Wochen waren etwa der Social-Audio-Pionier Holger Kahnt, der Comedy-Autor Peter Wittkamp und die "Playboy"-Verlegerin Myriam Karsch zu Gast. Alle Termine und Links zu Live-Events und Podcasts gibt's auf turi2.de/clubraum.
clubhouse.com (live ab 12 Uhr)

Diverser als ihr Ruf – Herausgeber Carsten Knop über die Arbeit der “FAZ”.


Frankfurter Allgemeine Zeitungsjobs: "Für mich war Journalismus immer ein Traumberuf", sagt Carsten Knop. Im neuen Podcast "turi2 Jobs – Arbeiten in der Kommunikation" verrät der Herausgeber der "FAZ", dass er schon im Alter von 17 Jahren Journalist werden wollte und das auch heute dem Nachwuchs nur empfehlen kann. Für ihn ist das der "abwechslungsreichste Beruf", ein tägliches "Studium generale". Im Gespräch mit Peter Turi sagt Knop auch, dass die "FAZ" längst diverser ist, als viele glauben. So sind 95 % der aktuellen Neueinstellungen der Zeitung Frauen, ein Teil mit Migrationsgeschichte. Schon heute hätten in vielen Ressorts Frauen das Sagen – die Frage, wann erstmals eine Frau einen der vier Herausgeber-Posten der "FAZ" übernimmt, werde sich daher mit der Zeit von allein beantworten.

Auf die Job-Situation von Journalistinnen schaut Knop positiv: Die "Dienstleistung" der Medienschaffenden, die Welt zu erklären und zu ordnen, werde weiter gebraucht. Die Jobs in den Redaktionen würden zudem vielfältiger. So brauche es heute u.a. auch Programmiererinnen und Audio-Spezialisten. An der Voraussetzung, nur Menschen mit abgeschlossenem Studium zu beschäftigen, will Knop allerdings nicht rütteln. "Die 'FAZ' gibt den Leserinnen und Lesern ein Qualitätsversprechen", sagt Knop. Das müsse die Redaktion bedienen, dafür brauche sie einen hohen Bildungsgrad in Breite und Tiefe.

Knop und Turi sprechen außerdem über die Konkurrenz-Situation mit ARD und ZDF: "Die Angebote tagesschau.de und hessenschau.de der Öffentlich-Rechtlichen sind eine Zumutung für privat finanzierten Journalismus", sagt der "FAZ"-Herausgeber. Er vergleicht die Zeitung mit einer Fabrik, die ein Produkt herstellt – und vor dem Fabrik-Tor steht ein Konkurrent, der dieses Produkt kostenlos anbietet. Dennoch gelinge es der Zeitung immer besser, Verluste im Print-Geschäft digital auszugleichen. So zähle die "FAZ" aktuell mehr als 200.000 Digital-Abonnentinnen, 80.000 von ihnen nutzten das Basis-Angebot F+. "Wir wachsen", freut sich Knop.

Carsten Knop ist eines von 100 Vorbildern in der turi2 edition #17. Das Buch zum Thema "Arbeiten in der Kommunikation" erscheint am 6. April und stellt die 100 wichtigsten Arbeitgeber aus Werbung, Marketing, PR und Medien vor. Die neue Podcast-Reihe turi2 Jobs begleitet die Buch-Veröffentlichung und die neue Jobplattform turi2.de/jobs. In der ersten Folge des Podcasts spricht Agentur-Inhaber Florian Haller über den Kultur-Wandel in der Agentur-Branche.
turi2.tv (48-Min-Podcast auf YouTube), turi2.podigee.io, spotify.com, podcast.apple.com, deezer.com, audionow.de


Lese-Tipp: Die “FAZ” sammelt Pressestimmen zum Ende der olympischen Spiele.

Lese-Tipp: Die "FAZ" sammelt internationale Pressestimmen zum Ende der Olympia 2022. "Le Figaro" etwa schreibt von "einzigartigen Olympischen Spielen", die in "Peking in die olympische Geschichte eingingen". Der österreichische "Kurier" verabschiedet mit den Spielen auch endgültig den "olympischen Geist" und "The Telegraph" sagt "Leb wohl" zu den "elendigsten Spielen von allen".
faz.net

Der “Freitag” gönnt sich das neue Ressort “Grünes Wissen”.

Der Freitag gründet das neue Ressort "Grünes Wissen", das ab sofort monatlich unter der Leitung von Pepe Egger in der Print-Ausgabe erscheint und vier Seiten umfasst. Das grüne Wissen brauche die Gesellschaft, "um aus unserer Welt eine ökologisch nachhaltige und sozial gerechte zu machen". Zum Auftakt gibt’s ein Interview mit Mai Thi Nguyen-Kim sowie einen Bericht über die Insel Helgoland zu lesen.
freitag.de

Ranking: “Spiegel” ist umsatzstärkste Zeitschrift in Deutschland.

Umsatzstark: Der "Spiegel" ist nach einem Ranking des Magazins "Der neue Vertrieb" die umsatzstärkste Zeitschrift in Deutschland. Auf Platz zwei folgt die "Zeit", auf Platz drei die Programmzeitschrift "Hörzu". Die Grundlage des Rankings sind die Absatzzahlen der gedruckten Exemplare im Einzelverkauf und im Abo aus dem Jahr 2021.
presseportal.de

“Horizont”: Funke gerät durch Kritik an Döpfner beim BDZV selbst ins Abseits.

Funke vs. Döpfner: Funke-Geschäftsführer Christoph Rüth gerät für sein "Rütteln" am Amt von Mathias Döpfner als BDZV-Präsident selbst in die Kritik, berichtet Roland Pimpl bei "Horizont". Funke vermische Springer-Angelegenheiten mit dem Verbandsgeschehen, so der Vorwurf. Gescheitert sei die "Palastrevolution" daran, dass die überwiegenden kleinen Zeitungen in Döpfner einen starken, gut vernetzen Branchen-Lobbyisten sehen. Zudem sei eine Alternative nicht in Sicht – auch Funke-Verlegerin Julia Becker habe "keinerlei Ambitionen", so Pimpl.
horizont.net (Paid)

“FAZ”: Funke denkt über den Verbleib im BDZV nach.


Ein Funken Groll: Die Funke-Gruppe um Verlegerin Julia Becker stellt offenbar den Verbleib des Verlags im BDZV in Frage, hört "FAZ"-Medienjournalist Michael Hanfeld aus der Tagung des Präsidiums vom Montag. Funke habe aufscheinen lassen, "dass man über den Verbleib im BDZV durchaus nachdenke". Demnach sei es bei Funke "denkbar schlecht" angekommen, dass es im Fall Mathias Döpfner keine Aussprache gegeben hat. Funke hatte sich zuvor als erster großer Verlag gegen den BDZV-Chef gestellt und in einem "Spiegel"-Statement von einer "unerlässlichen" Neuaufstellung gesprochen, um die Zeitungsbranche zu schützen.

Um die von Funke in einem Diskussionspapier angeregte Strukturreform des BDZV solle sich in den kommenden Monaten eine "Taskforce aus den Reihen der Mitglieder" kümmern. Es werde dann "konkret an einer Modernisierung gearbeitet", teilt der BDZV mit, ohne weitere Details zu nennen. Funke hatte zuvor durchscheinen lassen, mit einer Fusion aller Verlagsverbände zu liebäugeln.

In der Sitzung hatte sich der BDZV zudem besorgt über den "erneut starken Ausbau von presseähnlichen Angeboten des öffentlich-rechtlichen Rundfunks" geäußert. Klare Grenzen für Textangebote seien "wichtiger als jemals zuvor". Außerdem appellierte Döpfner erneut an die Bundesregierung, die im Koalitionsvertrag stehende Förderung der Zeitungszustellung umzusetzen, mit Blick auf das "chronisch unterfinanzierte Zustellnetz der Presse" sei dies "zwingend notwendig". Es gehe "um den Informationszugang für alle, also um Grundlagen der Demokratie". (Foto: Selina Pfrüner für turi2)
faz.net, presseportal.de, turi2.de (Background)

“Süddeutsche”: Mathias Döpfner bleibt offenbar BDZV-Chef.

Keine Folgen: Die erneuten Enthüllungen in der Causa Reichelt haben für Springer-Chef Mathias Döpfner in seiner Rolle als BDZV-Chef offenbar keine Konsequenzen. Wie die "Süddeutsche Zeitung" berichtet, blieb die Personalie bei der Tagung des Präsidiums am Montag nur eine "Randnotiz", die Frage, ob Döpfner trotz seines umstrittenen Verhaltens weiter als Gesicht des Verbandes tauge, sei nicht besprochen worden. Vor dem Treffen hatte sich die Funke-Gruppe gegen Döpfner gestellt.
sueddeutsche.de, turi2.de (Background)

Martin Benninghoff wird neuer Politikchef der “Frankfurter Rundschau”.

Frankfurter Rundschau macht Martin Benninghoff ab 1. April zum neuen Politikchef. Zuletzt hat er mehr als sechs Jahre lang als Redakteur bei der "FAZ" gearbeitet. Seine innenpolitischen Schwerpunkte liegen auf den Themen Rechtspopulismus, Religion und Integration. Außerdem hat Benninghoff die Bücher "Aufstand der Kopftuchmädchen" und "Der Spieler – Wie Kim Jong-un die Welt in Atem hält" geschrieben.
kress.de

Debatte: Funkes Verbands-Reformpläne sind noch Zukunftsmusik.

Funke zündet nicht: Die Vorschläge der Funke Mediengruppe für einen Zusammenschluss der Verlegerverbände sind angesichts der Konkurrenz durch Digitalkonzerne keine dumme Idee, schreibt Michael Hanfeld in der "FAZ". Die Verlage hätten jedoch erst mal genug mit sich selbst zu tun. Der Vorgang zeige, wie schwer es ihnen falle, gemeinsame Interessen zu formulieren und diese gegenüber der Politik zu vertreten.
faz.net (Paid), turi2.de (Background)

Wolfgang Fellner muss sexuelle Belästigung an Moderatorin Katia Wagner im “Standard” zugeben.


Me Too: "Österreich"-Herausgeber Wolfgang Fellner hat am Freitag einen Widerruf im "Standard" veröffentlichen müssen. Fellner hatte Vorwürfe der sexuellen Belästigung seiner ehemaligen Mitarbeiterin Katia Wagner im Mai 2021 zunächst als "frei erfunden" bezeichnet – die Moderatorin hat erfolgreich dagegen geklagt. In vierzehn Zeilen muss Fellner zugeben, dass er u.a. zu Wagner gesagt habe, dass er "sie lieben würde", dass es gut für sie wäre, hätte sie einen Mann wie ihn an ihrer Seite und dass er sie in Zukunft stärker in seinen "Schwitzkasten" nehmen würde.

Die "Süddeutsche Zeitung" zitiert aus einer Tonbandaufnahme von besagtem Treffen, Wagner habe das Gespräch ohne Fellners Wissen aufgenommen. In der Aufzeichnung könne man hören, wie Fellner sich "an sie heranmacht, was sie für ein Schatz, ein Engel, wie schön sie sei". Wagner habe "kühl" und "betont sachlich" geantwortet oder geschwiegen. Fellner sei schlussendlich "ungemütlich" geworden und habe gesagt: "Also erstens, ich liebe dich, dass das klar ist. Ich hoffe, das wird gewürdigt und erwidert. Was soll dieser komische Blick? Hallo? Da erwarte ich schon eine entsprechende Reaktion, wenn ich so was sage."
sueddeutsche.de (Paid), twitter.com, puls24.at (Foto: Imago / Twitter)


Causa Reichelt: Funke fordert “Neuaufstellung” des BDZV.

Döpfner-Dämmerung? Die Funke-Mediengruppe stellt sich in der neu aufgeflammten Causa Reichelt als erster großer Verlag öffentlich gegen BDZV-Chef Mathias Döpfner. Das Verhalten von Döpfner sei schon im Oktober "dem Amt eines BDZV-Präsidenten nicht angemessen" gewesen, heißt es in einem Funke-Statement im "Spiegel". Die neusten Berichte "haben uns in unserer Auffassung leider bestärkt". Eine "Neuaufstellung der ehrenamtlichen Strukturen" sei "unerlässlich", um die Zeitungsbranche zu schützen. Am Montag tagt die Delegiertenversammlung des Verbands und wird wohl auch über die Personalie Döpfner sprechen. Wie sich andere Verlage positionieren, ist noch unklar. Doch auch im zweiten Regionalzeitungs-Riesen, Madsack, hat Döpfner nicht nur Freunde.
spiegel.de (Paid)

BDZV einigt sich mit DJV auf neuen Tarifvertrag.

Zahltag: Der Arbeitgeber-Verband BDZV hat sich in fünfter Verhandlungsrunde mit der Journalisten-Gewerkschaft DJV auf einen neuen Gehaltstarifvertrag für Zeitungsredakteurinnen geeinigt. Der Tarifvertrag sieht eine Corona-Prämie von 500 Euro und eine stufenweise Gehaltserhöhung von 3,5 % vor. Nachwuchsjournalistinnen winken bis 6,9 % mehr Ausbildungsvergütung. Freie erhalten rückwirkend zum 1.1.2022 mehr Geld und eine Einmalzahlung in Höhe eines Viertels ihres durchschnittlichen Monatshonorars im März. Die DJU hat dem Tarifvertrag bisher noch nicht zugestimmt, hat dazu aber noch bis Ende der Erklärungsfrist am 21. Februar Zeit.
presseportal.de, turi2.de (Background)

Basta: Die Yellow Press fragt sich, warum Helene Fischer das Haus nicht mehr verlässt.

Klatschpresse is watching you: "Topf voll Gold" twittert den Screenshot eines Bauer-Klatschmagazins, das sich fragt, warum Helene Fischer das Haus nicht mehr verlässt – und wovor sie Angst habe: "Warum nimmt sie dieses merkwürdige Versteckspiel in den eigenen vier Wänden in Kauf, um sich und ihr süßes Töchterchen zu verstecken?" Im selben Text steht, wie ihr Freund beim Kauf von Kaffee und Tiefkühlpizza gesichtet worden sei. Es gibt demnach keine blöden Fragen, nur stalkende Klatschpresse.
twitter.com

Zahl des Tages: Über die Hälfte der großen Verlage glaubt an Personalisierung bei Paid-Content.

Zahl des Tages: Genau 57 % der Verlage mit über 100.000 Auflage schätzen die Relevanz von personalisierten Produkten in den nächsten drei Jahren als strategisch hoch oder sehr hoch ein, sagt eine Studie des BDZV und Schickler. Binnen fünf Jahren steigt der Wert sogar auf 83 %. Personalisierung sei der "Booster für Paid-Content", der Fokus der Zeitungsbranche liege auf Artikelempfehlungen und Newslettern.
presseportal.de, bdzv.de (Studie)

Klick-Tipp: Pro Quote lässt Frauen die Führungswand hochklettern.

Klick-Tipp: ProQuote lässt Frauen die Führungswand hochklettern und eruiert bei der "taz" aktuell einen "Frauenmachtanteil" von 62,1 %. Auf Platz zwei folgt der "Stern" mit 43,2 %, Platz drei belegt die "Zeit" mit 41,7 %. Schlusslicht "FAZ" kommt auf magere 23,7 % weibliche Führungsbeteiligung.
pro-quote.de (Kletterwand), pro-quote.de (Erklärung)

Klick-Tipp: Zeitungsgruppe Stuttgart zeigt 1968er Baden-Württemberg von oben.

Klick-Tipp: Das Projekt BW von oben der Zeitungsgruppe Stuttgart zeigt auf einer interaktiven Karte 20.000 hochauflösende Luftaufnahmen Baden-Württembergs von 1968 und heute. Die Bilder stammen aus dem Landesarchiv und vom Landesamt für Geoinformation und Landentwicklung. Zahlreiche Artikel erzählen die Geschichten hinter den Bildern. Eine Online-Anwendung ermöglicht es außerdem, jede Straße und jedes Haus zu finden und die historischen Bildern mit den heutigen zu vergleichen.
stuttgarter-zeitung.de, stuttgarter-nachrichten.de

Zitat: Die Ampel-Koalition verharrt “nicht so sehr in alten Strukturen”, findet Andreas Bull.

"Nicht das Anzeigengeschäft, das ein veraltetes Modell ist, braucht weitere Förderungen, sondern kleinere Verlage und der unabhängige Journalismus."

"taz"-Geschäftsführer Andreas Bull findet die Ampel-Koalition bei der Förderung der Zeitungs­verlage "glaubwürdiger" als die alte Regierung. Sie seien näher dran an den "modernen Problemen des Journalismus" und verharren nicht so sehr in "alten Strukturen".
taz.de

Wissenschafts-Talk der “Bild” endet mit Verabredung für weiteren Dialog.

"Lockdown-Macher" treffen Schlagzeilen-Macher: "Bild" hat mit einem Talk am Freitagmittag versucht, sein zerrüttetes Verhältnis zur Wissenschafts-Community zu kitten – zu Teil offenbar mit Erfolg. Mit Viola Priesemann und Michael Meyer-Hermann sind auch zwei der Anfang Dezember als "Lockdown-Macher" verunglimpften Wisschenschafts-Köpfe zum Gespräch mit Chefredakteur Johannes Boie angetreten. Außerdem nahmen Otmar Wiestler, Chef der Helmholtz-Gemeinschaft, und Michael Hallek von der Uniklinik Köln an der Runde Teil. "Bild"-Chef Boie unterstreicht mehrfach, dass der umstrittene Artikel auch in der Redaktion scharf diskutiert wurde. Der Physiker Meyer-Hermann sagt, dass er die Gesprächsrunde auch als Entschuldigung der "Bild" bei den betroffenen Forschenden verstehe. Eine wörtlich ausgesprochene Entschuldigung von Boie gibt es allerdings nicht – er sagt allerdings, dass er den Text heute in dieser Form nicht mehr veröffentlichen würde.

Am Ende des mehr als einstündigen Gesprächs stehen vor allem Angebote zu weiteren Gesprächen. "Ich würde mich freuen, wenn mehr Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ans Telefon gehen, wenn 'Bild' anruft", bilanziert Boie. Er habe dazugelernt, dass es sich Forschende anders als Politik-Köpfe meist nicht ausgesucht haben, in der Öffentlichkeit zu stehen. Michael Hallek fordert eine Diskussion über die Verantwortung des Springer-Verlags. Wer so viele Menschen erreiche, dürfe nicht spalten.

Die Physikerin Priesemann wünscht sich, dass sich der Boulevard mehr an Mittelwerten der Wissenschaft orientiert als an den Extrem-Werten. Helmholtz-Chef Wiestler signalisiert Boie in seinem Schluss-Statement Bereitschaft zur Zusammenarbeit, fordert aber auch Qualitätsmaßstäbe für eine faktenbasierte Wissenschafts-Kommunikation. Der Immunologe Meyer-Herrmann bescheinigt Wissenschaft und Boulevard-Journalismus Nachholbedarf darin, die richtige Sprache zu finden. Oft meinten beide mit den selben Worten unterschiedliche Dinge. Die für "Bild" typische Zuspitzung sieht er als "Riesenproblem" und nicht vereinbar mit der Forschung. (Fotos: Springer)
turi2 – eigene Beobachtung, taz.de, tagesspiegel.de, dwdl.de

Die “Rheinische Post”-Mediengruppe vermarktet MHS Digital.

Süd-Vermarkter: Die Digitaleinheit der "Rheinischen Post" übernimmt die nationale Vermarktung der Digitalangebote der Medienholding Süd. Zu der Gruppe gehören regionale Tageszeitungen wie "Stuttgarter Zeitung", "Stuttgarter Nachrichten" und "Schwarzwälder Bote". RP Digital verantwortet die digitalen Aktivitäten der regionalen Verlage und ist operativ für die digitalen Aktivitäten mehrerer Zeitungen zuständig.
rheinischepostmediengruppe.de

Die “Frankfurter Rundschau” veröffentlicht keine Anzeigen der AfD mehr.

Werbe-Banner: Aufgrund zahlreicher Beschwerden veröffentlicht die "Frankfurter Rundschau" künftig keine Anzeigen der AfD mehr. In einer Anzeige in der heutigen Ausgabe schreibt Geschäftsführer Max Rempel, die "Frankfurter Rundschau" stehe für eine "klare links-liberale Haltung". Dass die Zeitung eine Anzeige der AfD abgedruckt hat, bezeichnete er als Fehler. Die Redaktion hatte sich bereits von der Anzeige distanziert.
horizont.net, turi2.de (Background)

Debatte: Joseph-Otto Freudenreich sieht bei “StZN” die “Auflösung einer einstmals stolzen Zeitung”.

Bläst Trübsal: Joseph-Otto Freudenreich beklagt mit der Umstellung der "Stuttgarter Zeitung" und "Stuttgarter Nachrichten" die "unaufhaltsame Auflösung einer einstmals stolzen Zeitung". Statt Bildung, Orientierung und vierte Gewalt hieße es nun "Sparen, meist auf Kosten des Personals". Wie die geplante Ausrichtung auf das Internet in der Printversion funktionieren soll, "weiß kein Mensch".
kontextwochenzeitung.de , turi2.de (Background)

Termin des Tages: Der “Tagesspiegel” lädt zum virtuellen Neujahrsempfang.

termine2-logoTermin des Tages: Der Berliner "Tagesspiegel" lädt ab 18.30 Uhr zum virtuellen Neujahrsempfang mit der Regierenden Bürgermeisterin Franziska Giffey. Die SPD-Politikerin stellt sich den Fragen von Herausgeber Stephan-Andreas Casdorff und Chefredakteur Christian Tretbar. Das Event gibt es als kostenlosen Livestream auf der Website des "Tagesspiegels".
Die wichtigsten Termine der Branche: turi2.de/termine

Marc Rath wird Chefredakteur der “Mitteldeutschen Zeitung”.

Mitteldeutsche Zeitung macht Marc Rath zum Chef­redakteur, teilt er bei Twitter mit. Rath war zuletzt Chef der "Landes­zeitung für die Lüneburger Heide" und folgt in Halle auf Hartmut Augustin, der die "Mittel­deutsche Zeitung" nach zwölf Jahren an der Spitze "im besten beider­seitigen Ein­vernehmen" verlässt. Sachsen-Anhalt ist für Rath kein Neuland: Von 2011 bis 2017 war er Koordinator für Lokales der Magdeburger "Volksstimme", die wie die "Mittel­deutsche Zeitung" zu Bauer gehört.
kress.de, twitter.com/RathMarc

Lese-Tipp: Zwei Ungeimpfte sprechen über die Gründe für die Anzeigen-Aktion in den Lokal-Zeitungen.

Lese-Tipp: "Süddeutsche"-Redakteurin Anna Ernst nimmt einige Zeitungsinserate der Ungeimpften unter die Lupe und bekommt zwei vermeintlich Arbeitssuchende ans Telefon. Eine "Krankenschwester mit Herz und verschiedenen Qualifikationen" erzählt z.B., die Annonce sei eine "Protestnote" für sie. Über 300 Mitglieder hätten die Stellenanzeigen-Aktion in einer geschlossenen Telegram-Gruppe abgesprochen – offene Briefe an das Landesratsamt hätten zuvor nichts gebracht. "Das mit den ausgedachten Nummern, das war aber ein Fehler", gibt die Frau zu. Ein Mann namens "Sven Wolf" traue weder den Impfungen noch den Medien und spricht von einem Berufsverbot.
sueddeutsche.de (Paid), turi2.de (Background)

IVW: Die größten 110 Regionalzeitungen verlieren alle.

IVW: Die größten 110 deutschen Regionalzeitungen verlieren im 4. Quartal allesamt an Auflage. Der "Tagesspiegel" schreibt das geringste Minus, da er schwindende Print-Käufe mit Digitalabos kompensiert. In Hamburg verliert die "Morgenpost" satte 9,7 %, in Bayern schwächelt vor allem die zu Ippen gehörende "tz". Die Funke-Zeitungen aus Thüringen melden sogar ein Minus von fast 10 %, die Daten sind aber aufgrund eines Hacker-Angriffs aus dem vergangenen Jahr nur bedingt belastbar.
meedia.de

Der “Fränkische Tag” vermutet ebenfalls Fake-Stellengesuche.

Auffällige Anzeigen: Auch in der Tageszeitung "Fränkischer Tag" haben offenbar Impfgegnerinnen Fake-Anzeigen platziert. Die Zeitung berichtet, Gegnerinnen der Corona-Maßnahmen hätten ungeimpfte Pflegekräfte in einer Bamberger Chatgruppe dazu aufgefordert, das Blatt mit Stellenanzeigen zu "fluten". Die Häufung von sich ähnelnden Inseraten sei "ungewöhnlich" und wirke "auf den ersten Blick fast wie abgesprochen". Allein innerhalb eines Tages seien mehr als 50 mögliche Falsch-Annoncen eingetrudelt.
br.de, turi2.de (Background)

Zeitschriften-Verleger fordern schnelle Staatshilfen für Pressehäuser.

Hilferuf: Die Zeitschriften-Verleger fordern rasche staatliche Hilfen für Printmedien. "Wenn jetzt noch lange gewartet wird, dann haben wir in Deutschland eine andere, ärmere Presselandschaft, weil viele redaktionelle Angebote es nicht schaffen werden", warnt VDZ-Hauptgeschäftsführer Stephan Scherzer im Gespräch mit der dpa. Scherzer verweist u.a. auf bis zu 100 % teurere Papier-Preise und gestiegene Zustellkosten in ländlichen Gebieten. Zudem würden Leserinnen wegen der Corona-Pandemie "nicht mehr in hoher Frequenz zum Einkaufen gehen", was die Absätze schrumpfen lasse.

In der vergangenen Legislaturperiode hatte die Große Koalition mehrere Optionen geprüft, wie sie der Presselandschaft mit möglichen Millionenhilfen unter die Arme greifen könnte – das Vorhaben dann aber zu den Akten gelegt. Im Ampel-Koalitionsvertrag heißt es, man wolle "die flächendeckende Versorgung mit periodischen Presseerzeugnissen gewährleisten und prüfen, welche Fördermöglichkeiten dazu geeignet sind". "Wir bekommen Signale aus der Politik, dass daran gearbeitet wird, aber die Förderung ist gerade jetzt eine Frage der Umsetzungsgeschwindigkeit", sagt Scherzer und hofft auf eine Diskussion und sofortige Umsetzung noch im ersten Quartal.

Scherzer wirbt für "neutrale und objektive" Fördermaßstäbe: "Sie dürfen sich nicht von redaktionellen Inhalten ableiten, es muss alle betreffen – von Zeitschriften, konfessionellen, Fach- und Publikumstiteln bis Tageszeitungen." Scherzer prognostiziert "zahlreiche" Titeleinstellungen, sollte sich die Situation für die Verlage nicht ändern: "Wir reden nicht nur über Einstellungen der gedruckten Zeitschrift, sondern der gesamten Marke."
spiegel.de, deutschlandfunk.de

RBB: Ein Bautzener Anzeigenblatt druckt offenbar über 100 gefakte Stellengesuche.


Ausgedachte Anzeigen? RBB-Journalist Andreas Rausch spürt im Bautzener Anzeigenteil des Oberlausitzer Kuriers 126 Stellengesuche von angeblich Ungeimpften aus dem Gesundheitswesen auf. Unter den vermeintlich verzweifelten Suchenden seien Krankenschwestern, Altenpflegerinnen und Physiotherapeutinnen. 18 willkürlich ausgesuchte Annoncen habe Rausch durchtelefoniert – allerdings meist ohne Durchkommen. Rausch vermutet einen "merkwürdigen Zusammenhang" mit dem Aufmacher des Regionalblatts: In dem Bericht "In der Sorge vereint" geht es um die jüngste Bautzener Demonstration, bei der u.a. "zahlreiche" Beschäftigte der Gesundheits- und Pflege-Branche "friedlich gegen staatliche Einschränkungen im Zuge der Corona-Pandemie" demonstriert hätten. Nach Autorenmeinung hätte dabei "ein Hauch von '89" in der Luft gelegen.

Es sei ein "merkwürdiger Zusammenhang, wenn man nach Umschlagen der Titelseite vor der Wand von Inseraten steht", resümiert Rausch: "Ich kann mir schon vorstellen, dass dies den Leser in der Oberlausitz verunsichert und besorgt macht." Erst vor wenigen Wochen hatte "Spiegel"-Journalist Oliver Das Gupta im "Traunsteiner Tagblatt" eine ähnliche Entdeckung über auffallend viele Kleinanzeigen von arbeitssuchendem Medizin-Personal gemacht – und über eine "konzentrierte Aktion" gemutmaßt. In einem Twitter-Thread sammelt Journalist Johannes Grunert weitere Sichtungen dieser Art, u.a. im "Donaukurier", der "Sächsischen Zeitung" und in den "Dresdner Neuesten Nachrichten".
rbb24.de, twitter.com, alles-lausitz.de (E-Paper "Oberlausitzer Kurier") turi2.de (Background), Foto: RBB


Hör-Tipp: Bei “Stuttgarter Zeitung” und “Stuttgarter Nachrichten” geht die Angst um.

Stuttgarter-Zeitung-Stuttgarter-NachrichtenHör-Tipp: In den Redaktionen von "Stuttgarter Zeitung" und "Stuttgarter Nachrichten" geht die Angst um, berichtet Thomas Wagner bei "Medias Res". Viele Angestellte glauben dem Versprechen der SWMH nicht, die Verschlankung der Redaktionen solle ohne Kündigungen vonstattengehen. In einem anderen Abfindungsprogramm seien bereits zuvor über 100 Stellen abgebaut worden.
deutschlandfunk.de (6-Min-Audio), turi2.de (Background)

Lese-Tipp: “Katapult MV” hält nichts von todernster Berichterstattung.

Lese-Tipp: Lokal­journalismus lässt sich durch "bedeutsame Unterhaltung" retten, sagt "Katapult"-Gründer Benjamin Fredrich im "Journalist"-Interview. Bei der neugegründeten Lokalzeitung "Katapult MV" rücke die Redaktion vom "Grundton allgemeiner Krisen­bericht­erstattung" der Konkurrenz ab – und die Zahl der Abos wächst "stark". Wichtig sei es auch zu akzeptieren, dass Print ausgedient hat und Nachrichten dort zu verbreiten, wo die Leserinnen sind, zum Beispiel bei TikTok – "egal, wie scheiße man ein Medium findet".
journalist.de

SWMH spart Stellen bei “Stuttgarter Zeitung” und “Stuttgarter Nachrichten” ein.

Stuttgarter-Zeitung-Stuttgarter-NachrichtenSWMH will bis zum Jahresende etwa 50 Stellen bei "Stuttgarter Zeitung" und "Stuttgarter Nachrichten" abbauen, das entspricht rund 20 % der Redaktion. Die bisherigen Ressorts werden zu Thementeams geformt, die Printausgaben sollen mit vier statt fünf Büchern auskommen. Betriebsbedingte Kündigungen sind nicht geplant.
spiegel.de, meedia.de

Hör-Tipp: Westdeutsche Großverlage haben den Osten übernommen.

Hör-Tipp: Medienforscherin Mandy Tröger erklärt im Postcast Wohlstand für alle, wie westdeutsche Großverlage nach der Wieder­vereinigung ihre Monopol­stellung im Osten ausgebaut haben - obwohl dort damals auch 120 neue Zeitungen und Zeitschriften entstanden waren, die Partizipation durchsetzen wollten. "Es war ein zutiefst demokratischer Moment", sagt Tröger. Dennoch gehören heute alle größeren Zeitungen und Zeitschriften westdeutschen Verlagen. Solche "Entfremdungs- und Enttäuschungs­erfahrungen" seien ein Ansatz, um Schlag­wörter wie "Lügenpresse" zu erklären.
wohlstandfueralle.podigee.io (40-Min-Audio)

Clap: “Express – Die Woche” wird neues Anzeigenblatt von DuMont.

DuMont ersetzt sein Anzeigenblatt "Kölner Wochenspiegel" durch den neuen Gratis-Titel "Express - Die Woche", berichtet Clap. DuMont will damit die Marke "Express" stärken und dessen Reichweite mit der des bisherigen "Kölner Wochenspiegels" bündeln. Die neue Redaktion arbeitet aber weitgehend unabhängig von der weiterhin erscheinenden Tageszeitung. Die Chefredaktion ist noch unbesetzt.
clap-club.de