Gabor Steingart startet sein Morning Briefing am 11. Juni.


Alles neu macht der Juni: Gabor Steingart startet sein Morning Briefing in eigener Regie am 11. Juni, kündigt er seinen Abonnenten per Vorab-Newsletter an. "Ich lasse Sie nicht mehr alleine aufwachen", schreibt der Welterklärer Steingart. Das Mailing hatte er bereits Ende Februar nach seinem Abgang beim "Handelsblatt" für "in einigen Wochen" angekündigt.

Unklar ist, ob Steingart nun unabhängig von "Handelsblatt"-Technik startet, oder – wie einst angekündigt – auf Verlagstechnik zurückgreifen und Abonnenten "mitnehmen" kann. Für den Versand des Vorab-Mailings nutzt er den gleichen Technik-Dienstleister wie das "Handelsblatt", das Programm Maileon der Firma Xqueue in Offenbach. Zuletzt hatte "Kress Pro" geschrieben, dass Steingart aus seinem hoch dotierten Vertrag mit dem Verlag nicht herauskommt. (Bild: Screenshot, Steingart-Newsletter)
per Mail, turi2.de (Background)

Mitarbeit: Markus Trantow

Aus dem Archiv von turi2.tv: Gabor Steingart startet eine Podcast-Morningshow.

Gabor Steingart startet eine Podcast-Morningshow.


Ton? Läuft! Gabor Steingart erfindet sein Morning Briefing neu und verlängert den geschriebenen Newsletter um eine Podcast-Morningshow. Im Juni soll es losgehen, sagt der frühere "Handelsblatt"-Geschäftsführer im Interview mit turi2.tv am Rande des European Newspaper Congress in Wien. Dafür will Steingart künftig täglich in Berlin ins Studio gehen und eine Morningshow aufzeichnen, die mehr sein soll als der vorgelesene Newsletter.

Auf seine Zeit beim "Handelsblatt" blickt Steingart im Gespräch ohne Groll zurück: In seinen acht Jahren an der Spitze der Wirtschaftszeitung "haben wir ein gutes Stück der Transformation zurückgelegt." Nun müssten Sven Afhüppe und andere, jüngere Kollegen das Begonnene weiterführen.

Der Publizist gibt sich, auf seinen Abgang beim "Handelsblatt" angesprochen, selbstkritisch: "Ich glaube, dass es schwierig ist, Steingart auszuhalten." Für Verleger, die früher sehr erfolgreich waren, sei es zudem manchmal schwierig, die Zumutungen der heutigen Zeit auszuhalten.
turi2.tv (5-Min-Video auf YouTube)

Renner: Gabor Steingart kommt nicht aus seinem Vertrag bei Holtzbrinck raus.


Abwarten und Tee trinken: Gabor Steingart kommt nicht aus seinem Vertrag heraus und verschickt deshalb bisher keine Morning Briefings, erfährt Kai-Hinrich Renner aus dem Flurfunk beim "Handelsblatt". Der Vertrag des Ex-Juniorverlegers soll bis Ende 2020 laufen. Hinzu komme Steingarts Anteil an der Handelsblatt Media Group, die eine Trennung erschwere.

In der Verlagsmeldung zu Steingarts Abgang hieß es, er werde seinen Newsletter "als unabhängige journalistische Stimme herausgeben". Renner hört in Steingarts Umgebung, sein Newsletter werde "Ende Juni, Anfang Juli" starten. (Foto: Michael Englert für turi2.de/edition2)
abendblatt.de, turi2.de (Background)

Gabor Steingart bewirbt sein neues Morning Briefing mit Video-Manifest.

Gabor Steingart bewirbt sein neues "MorningBriefing" und entfernt den Hinweis "in einigen Wochen geht es los". Im Film verliest seine Tochter Timea ("Try Daddies' Morning Briefing") ein Manifest, das im Kern postuliert, dass jemand des anderen Meinung nicht schätzen muss, um sie als anregend konsumieren zu können. Steingart preist sein neues Briefing als "Provokant. Unabhängig. Kostenfrei".
gaborsteingart.com

Gabor Steingart kritisiert Verleger Dieter von Holtzbrinck in seiner Abschiedsmail.


Aufrechter Abgang: Ex-"Handelsblatt"-Geschäftsführer Gabor Steingart bedankt sich in einer Abschiedsmail gewohnt wortgewaltig bei den Mitarbeitern der Handelsblatt Media Group, kress.de dokumentiert das Schreiben. Der geschasste Herausgeber macht klar, dass sein Abgang "nicht ganz freiwillig" ist, beschwört den Zusammenhalt der Mitarbeiter und findet auch selbstkritische Worte: "Vielleicht bietet ja mein Abgang auch Chancen für Ihre eigene Entfaltung." Wer immer im Mittelpunkt stehe, stehe immer allen im Wege.

Kritik übt er an Verleger Dieter von Holtzbrinck in zwei Punkten: Erstens wirft er ihm eine Einmischung in die interne Presse- und Meinungsfreiheit vor. Sein Handeln in der Causa Martin Schulz habe ihn vom Verleger entfremdet, schreibt Steingart. Die Freiheit der Andersdenkenden sei für Steingart "nicht verhandelbar".

Zweitens warnt Steingart davor, notwendige Reformen zu verschlafen. Der "5-Prozent-Gesellschafter" hätte den bisherigen Investitions-Kurs gerne fortgesetzt. Nötig sei eine "kraftvolle Digitalstrategie für die beiden großen Titel" – "Handelsblatt" und "Wirtschaftswoche". Nostalgie, das hätten Verlag und Mitarbeiter "oft genug gemeinsam festgestellt, ist kein Geschäftsmodell".
kress.de (Wortlaut E-Mail), kress.de (Einordnung kress.de), turi2.de (Protest-Brief), turi2.de (Causa Schulz)

Mitarbeit: Markus Trantow

Aus dem Archiv von turi2.tv: Gabor Steingart zeigt die Zentrale von "Handelsblatt" und "Wirtschaftswoche".

Aus dem Archiv von turi2.tv: Beat Balzli zeigt die "Wirtschaftswoche"-Redaktion.

Gabor Steingart startet eigenes Morning Briefing "in einigen Wochen".

Gabor Steingart sammelt auf seiner Website bereits E-Mail-Adressen für sein eigenes Morning Briefing. Interessenten bekommen die Nachricht: "In einigen Wochen geht es los." Steingart darf seinen spitz-pointierten Morgen-Newsletter nach seinem Ausscheiden beim "Handelsblatt" auch in eigener Eigentümerschaft herausgeben.
gaborsteingart.com/newsletter via twitter.com/SandraStruewing, horizont.net (Background)

Meinung: Gabor Steingart kann zeigen, ob Journalisten ohne Verlag auskommen.

Gabor Steingart könnte einen Präzedenzfall dafür liefern, ob Ein-Personen-Pressemarken auch ohne Verlage auskommen, schreibt Markus Schöberl. Mit 700.000 Newsletter-Abonnenten hat Steingart bereits den Grundstock. Wäre er erfolgreich, wäre das eine Inspiration für viele. Mit journalistischen Experimenten könne sich Steingart mehr verdient machen als mit jedem Verlags-Top-Job.
xing.com/news

Roland Pimpl macht sich Gedanken um Gabor Steingarts Zukunft.

Gabor Steingart kann nun ein eigenes Geschäft aufziehen, schreibt Roland Pimpl – dank einer Vereinbarung dürfe er für den Newsletter trotz Abgangs die Infrastruktur beim "Handelsblatt" nutzen. Ein Führungsjob anderswo hänge davon ab, wo für "ein Kaliber wie Steingart" Platz sei. Pimpl sieht Steingart-Fans bei Gruner + Jahr sowie Springer. Als Berater sei Steingart zwar vorstellbar, dabei könne ihm allerdings die Bühne fehlen.
"Horizont" 8/2018, S. 1 u. 4 (Paid)

Gabor Steingart: Sparpläne sollen Grund für Trennung sein, schreibt Jochen Kalka.

Gabor Steingart: Sparpläne von Verleger Dieter von Holtzbrinck sollen der Grund für den plötzlichen Abgang von Junior-Verleger Gabor Steingart gewesen sein, schreibt Jochen Kalka. Im Vorfeld eines Strategie-Meetings zum Kurs der Handelsblatt Media Group habe sich DvH "völlig überraschend" für eine Konsolidierung ausgesprochen, während Steingart gern weiter expandieren würde. Die Entscheidung, sich zu trennen, sei ebenfalls "völlig überraschend" gekommen.
wuv.de

lexikon2: Gabor Steingart ist "der große Unvollendete der deutschen Medien".

Nachruhm: Gabor Steingart ist "der große Unvollendete der deutschen Medien": "Erst wollte er die Welt retten, dann den 'Spiegel' und schließlich das 'Handelsblatt' – drei unvollendete Missionen". Mit diesem Satz beginnt der aktualisierte Eintrag von Steingart im lexikon2. Markus Trantow und Peter Turi halten darin auch fest: "Steingart bleibt ein Vordenker der Branche, Liebling der Leser und Vorbild für viele."
lexikon2.de

Gabor Steingart hatte beim "Handelsblatt" Hausverbot – aus Versehen.

Gabor Steingart hatte beim "Handelsblatt" am ersten Tag der Trennung Hausverbot, schreibt Bülend Ürük. Verleger Dieter von Holzbrinck habe das Hausverbot aufgehoben, da es offenbar nur "aus Versehen" erfolgte – eine Formulierung in einem Muster-Trennungs-Anschreiben sei ohne entsprechende Korrektur durchgewunken worden. Die Abfindung und der Rückkauf der 5 % an der Handelsblatt Media Group, die Gabor Steingart hält, dürften den Verleger einen zweistelligen Mio-Betrag kosten, schätzt Ürük. In dieser Woche verhandeln die Anwälte miteinander, wie der Übergang erfolgt.
kress.de, turi2.de (Kommentar von Peter Turi)

Aus dem Archiv von turi2.tv: Gabor Steingart zeigt das neue Handelsblatt-Haus.

"Spiegel": Gabor Steingart kam der Sonne zu nah.

Gabor Steingart: Die Manager im Hause Holtzbrinck hätten sich vom geschassten "Handelsblatt"-Chef mehr wirtschaftlichen Erfolg und "we­ni­ger öf­fent­li­che Selbst­dar­stel­lung" gewünscht, analysiert der "Spiegel". Eigentlich habe Die­ter von Holtz­brinck Steingarts Morning Briefing gemocht, doch die Zahl der Steingart-Freunde in der Stuttgarter Holding sei klein.
"Spiegel" 7/2018, S. 67, blendle.com (Paid)

Kommentar von Peter Turi: Hinter Gabor Steingart tut sich ein Abgrund auf.

Der Himmel über Düsseldorf verdüstert sich: Junior-Verleger Gabor Steingart verlässt die Handelsblatt Media Group, Senior-Verleger Dieter von Holtzbrinck hat jetzt ein Problem. Ein Kommentar von turi2-Gründer Peter Turi. (Foto: Michael Englert für turi2.de/edition2)

Was wird aus dem Handelsblatt ohne Gabor Steingart? Die beste Idee, sagte Gabor Steingart mir vor nicht mal einem Jahr, die er selbst nie gehabt habe, sei die Idee seines Verlegers Dieter von Holtzbrinck, gewesen, ihn auf die Verlagsseite des "Handelsblatts" zu holen. Heute steht fest: Dieter von Holtzbrinck hat diese Idee jetzt bereut und die Notbremse gezogen. Und steht beim "Handelsblatt" vor einem Scherbenhaufen.

Warum nur ist es zu dieser Trennung gekommen? Die Verbindung schien so gut zu passen: Hier der zurückhaltende, liberale Verleger, der seine Journalisten machen lässt, dort der unternehmungslustige Journalist, der sichtbar Spaß am Verlegen gefunden hat. Als ausgeschlossen darf dabei gelten, dass allein der Ärger Dieter von Holtzbrincks über einen scharfen Kommentar von Steingart gegen SPD-Minus-Mann Martin Schulz die plötzliche Trennung bewirkt hat. DvH gilt als liberal und besonnen.

Die Ursachen dürften tiefer liegen, womöglich in der Persönlichkeit von Steingart. Der ist unfassbar schnell im Denken, Sprechen, Schreiben und Handeln, dazu bis zum Anschlag selbstbewusst. Womöglich hat er die Rolle als Junior-Verleger anders, also weiter und freier definiert, als es dem Senior-Verleger recht war.

Insider, die nicht als Freunde von Steingart gelten, sehen noch einen anderen Grund: "Die Zahlen sind’s." Das Erschrecken über die Geschäftszahlen für 2017 sei groß gewesen in der DvH-Holding in Stuttgart. Das Feuerwerk an Konferenzen, Preisen und Events habe das Erodieren des Stammgeschäfts im Vertriebs- und Anzeigenmarkt nicht mehr übertönen können. Steingarts geringes Interesse an der wirtschaftlichen Seite des Verlagsgeschäfts habe die Stuttgarter genervt.

So oder so: Hinter Gabor Steingart tut sich in Düsseldorf ein Abgrund auf – ein Nachfolger ist weit und breit nicht in Sicht. So wenig wie ein neues Konzept. Steingart hat die publizistische Linie und das Führungspersonal ganz auf sich und sein Konzept Live-Journalismus ausgerichtet. Es ist die Frage, was und wer bleibt von der Ära Steingart.

Background-Infos von turi2 zu Gabor Steingart:

Gabor Steingart spricht im September 2016 im 7-Seiten-Interview mit der turi2.de/edition4 über Innovation und darüber, wie er das "Handelsblatt" umgebaut hat. Der Artikel ist vollständig und kostenlos lesbar im E-Paper auf turi2.de/epaper/4, dazu unten bei Gehe zu Seite 44 eingeben.

Gabor Steingart führt turi2.tv durch die neue Firmenzentrale in Düsseldorf-Pempelfort

Gabor Steingart im 40-Minuten-Gespräch mit Peter Turi für turi2.tv zum Thema "Innovation".

Holtzbrinck bestätigt Trennung von Gabor Steingart.


Goodbye, Gabor: "Handelsblatt"-Verleger Dieter von Holtzbrinck und "Handelsblatt"-Herausgeber Gabor Steingart gehen nun auch offiziell getrennte Wege. Am Freitag kurz vor 16 Uhr mit Ende der Mitarbeiter-Versammlung in Düsseldorf hat der Verlag die finale Trennungsnachricht herausgegeben. Darin nennt DvH Medien "Differenzen in wesentlichen gesellschaftsrechtlichen Fragen" als Haupttrennungsgrund. Eine "unterschiedliche Beurteilung journalistischer Standards", wie zuletzt nach dem Morning Briefing von Mittwoch, habe demnach nur eine untergeordnete Rolle gespielt.

In der Schlussnote unter der Zusammenarbeit finden Holtzbrinck und Steingart warme Worte füreinander: Steingart nennt Holtzbrinck einen "wunderbaren Menschen, dessen Geduld ich über so viele Jahre nicht nur strapaziert, sondern oft genug auch überstrapaziert habe". Holtzbrinck lobt Steingart als "Multitalent", "dynamischen Unternehmensstrategen" und "charismatischen Führer". Beide wollen nun an einem "reibungslosen Übergang" arbeiten.

Das Morning Briefing des "Handelsblatts" soll auch künftig weiter erscheinen – allerdings ohne seinen Erfinder als Autor. Frühaufsteher Steingart verschickt künftig seinen eigenen Morgennewsletter "als unabhängige journalistische Stimme" an seine "rund 700.000 Abonnenten".
turi2.de (Pressemitteilung im Wortlaut)

Pressemitteilung im Wortlaut: Gabor Steingart verlässt die Handelsblatt Media Group.


turi2.de dokumentiert die Pressemittelung zur Trennung von Gabor Steingart, verbreitet am 9.2.2016 gegen 16 Uhr von DVH Medien, im Wortlaut

Handelsblatt und Gabor Steingart gehen getrennte Wege.

Nach sieben Jahren äußerst erfolgreicher und freundschaftlicher Zusammenarbeit haben sich Handelsblatt-Verleger Dieter von Holtzbrinck und der Vorsitzende der Handelsblatt-Geschäftsführung, Gabor Steingart, der zugleich auch Herausgeber des Handelsblatts war, auf eine Beendigung ihrer beruflichen Partnerschaft verständigt. Zwei Gründe sind hierfür entscheidend. 1. Differenzen in wesentlichen gesellschaftsrechtlichen Fragen. Hinzu kam 2. eine – nicht generell, aber im Einzelfall – unterschiedliche Beurteilung journalistischer Standards. Beide Seiten bedauern die Trennung, wollen aber den freundschaftlichen Kontakt aufrechterhalten und schließen eine andere Form der Zusammenarbeit in der Zukunft nicht aus. Das Handelsblatt Morning Briefing wird wie gewohnt weiter erscheinen. Darüber hinaus wird Gabor Steingart in eigener Eigentümerschaft sein eigenes Morning Briefing an die mittlerweile rund 700.000 Abonnenten als unabhängige journalistische Stimme herausgeben.

Zur Trennung sagt Dieter von Holtzbrinck: „Das Multitalent Gabor Steingart hat in wenigen Jahren zunächst das Handelsblatt, danach die gesamte Handelsblatt Gruppe auf großartige Weise weiterentwickelt und erneuert, was höchsten Respekt und größten Dank verdient. Dabei hat sich der preisgekrönte und breit gebildete Publizist als äußerst kreativer und dynamischer Unternehmensstratege gezeigt, als mutiger und charismatischer Führer. So wurde aus der altehrwürdigen Verlagsgruppe Handelsblatt eine auf vielen Medienkanälen marktführende Handelsblatt Media Group. Diesen erfolgreichen Weg werden wir mit Kraft und Begeisterung weitergehen.“ Gabor Steingart: „Dieter von Holtzbrinck ist ein wunderbarer Mensch und erfahrener Verleger, dessen Geduld ich über so viele Jahre nicht nur strapaziert, sondern oft genug auch überstrapaziert habe. Dass unsere dennoch – oder deshalb? – so erfolgreiche Zusammenarbeit jetzt abrupt endet, lässt uns beide nicht unberührt. Unsere Freundschaft und meine Wertschätzung ihm gegenüber bestehen unvermindert fort. Im Interesse der Handelsblatt Media Group und ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, ihrer Kunden und nicht zuletzt ihrer Leserinnen und Leser arbeiten wir gemeinsam an einem reibungslosen Übergang.“

Kontakt:
Helga Maass
Referentin Unternehmenskommunikation
Tel.: 0711 – 227 202 0
E-Mail: hm@dvhmedien.com

Abgang von Gabor Steingart beim Handelsblatt ist intern bestätigt.

Der Himmel über Düsseldorf verdüstert sich: Junior-Verleger Gabor Steingart verlässt die Handelsblatt Media Group. Senior-Verleger Dieter von Holtzbrinck hat jetzt ein Problem: Das neue "Handelsblatt" hatte sich Steingart auf den Leib geschneidert – was und wer wird bleiben von Gabors Konstrukt? Foto: Michael Englert für turi2.de/edition2

Handelsblatt künftig ohne Steingart: Der Abgang von Gabor Steingart, 56, beim Handelsblatt ist intern bestätigt. Die Redakteure sind für 15 Uhr zu einem Townhall-Meeting eingeladen. Damit bewahrheitet sich die News von Spiegel Online, die von einem Zerwürfnis mit Verleger Dieter von Holtzbrinck, 76, berichtet hatte. Die Meldung kommt dennoch überraschend – hatte Steingart doch in den letzten neun Jahren dem "Handelsblatt" erst als Chefredakteur, dann als Herausgeber und 3-Prozent-Verleger selbstbewusst seinen Stempel aufgedrückt.

Als ausgeschlossen darf dabei gelten, dass allein der Ärger Dieter von Holtzbrincks über einen scharfen Kommentar von Steingart gegen SPD-Minus-Mann Martin Schulz die plötzliche Trennung bewirkt hat. DvH gilt als liberal und besonnen. Die Ursachen dürften tiefer liegen, womöglich in der Persönlichkeit von Steingart. Der ist unfassbar schnell im Denken, Sprechen, Schreiben und Handeln, dazu bis zum Anschlag selbstbewusst. Womöglich hat er die Rolle als Junior-Verleger anders, also weiter und freier definiert, als es dem Senior-Verleger recht war.

Auf jeden Fall steht Dieter von Holtzbrinck beim "Handelsblatt" jetzt vor einem Scherbenhaufen – Steingart hatte den Verlag entschlossen entstaubt, die publizistische Linie, das Unternehmenskonzept und das Führungspersonal ganz auf sich und sein Konzept Live-Journalsmus ausgerichtet. Es ist jetzt die große Frage, was und wer bleibt von der Ära Steingart.
turi2 – eigene Quellen, turi2.de (Background)

Background-Infos von turi2 zu Gabor Steingart:

Gabor Steingart spricht im September 2016 im 7-Seiten-Interview mit der turi2.de/edition4 über Innovation und darüber, wie er das "Handelsblatt" umgebaut hat. Der Artikel ist vollständig und kostenlos lesbar im E-Paper auf turi2.de/epaper/4, dazu unten bei Gehe zu Seite 44 eingeben.

Gabor Steingart führt turi2.tv durch die neue Firmenzentrale in Düsseldorf-Pempelfort

Gabor Steingart im 40-Minuten-Gespräch mit Peter Turi für turi2.tv zum Thema "Innovation".

"Spiegel": Gabor Steingart steht beim "Handelsblatt" vor der Ablösung.


Gewitterwolken über Düsseldorf: Gabor Steingart steht beim "Handelsblatt" vor der Ablösung, schreibt der "Spiegel". Grund sei ein Zerwürfnis mit Dieter von Holtzbrinck. Der Verleger der Handelsblatt Media Group störe sich an Steingarts Kampagne gegen SPD-Chef Martin Schulz. Auslöser ist laut "Spiegel" das Morning Briefing von Mittwoch. Darin schreibt Steingart, dass der inzwischen ungeliebte Schulz "Außenminister Sigmar Gabriel zur Strecke bringen" wolle.

Der "Spiegel" zitiert aus einem Schreiben Holtzbrincks an Schulz, in dem sich der Verleger bei dem Politiker entschuldigt: "Das heutige 'Morning Briefing' von Gabor Steingart hat mich schockiert. Inhalt und Stil des Sie betreffenden Textes entsprechen weder meinen publizistischen Qualitäts- und Wertevorstellungen noch denen der Handelsblatt-Redaktion." Am Nachmittag soll es ein Gespräch mit dem Aufsichtsrat gegeben haben, schreibt der "Spiegel". Für Freitag sei ein Gespräch zwischen Steingart und Holtzbrinck geplant.

Steingart ist nicht nur Herausgeber, sondern besitzt als Miteigentümer 3 % des Verlags. Er wirkt seit 2009 in Düsseldorf, seit 2013 agiert er als Junior-Verleger. Das neue "Handelsblatt"-Hauptquartier ist maßgeblich von seinen Ideen und Vorstellungen geprägt, genauso wie die Ausrichtung der Wirtschaftszeitung auf Live-Journalismus. (Foto: Jens Twiehaus/turi2)
spiegel.de

Aus dem Archiv von turi2.tv: Gabor Steingart zeigt das neue Handelsblatt-Haus.

Video-Rundgang: Gabor Steingart zeigt das neue Handelsblatt-Haus.


Steingarts ganzer Stolz: Die Handelsblatt Media Group richtet sich diese Woche im neuen Düsseldorfer Hauptsitz ein. Ein sichtlich euphorischer Geschäftsführer Gabor Steingart nimmt turi2.tv auf einen Rundgang mit. Die Reporter Markus Trantow und Jens Twiehaus folgen ihm im Laufschritt mit der Kamera in die Konferenz, durch neue Newsrooms und in die Chefbüros. Steingart verkündet visionäre Pläne: Ein TV-Studio mit Publikum soll Live-Journalismus ermöglichen. Und womöglich noch dieses Jahr startet ein Magazin rund um Digitalisierung.

Steingart will an der Toulouser Allee 27 ein Haus rund um Kommunikation betreiben. 700 Mitarbeiter machen Journalismus, sind Agentur, Event-Veranstalter und Analysten. "'Journalismus zuerst' lautet das Motto", versichert Junior-Verleger Steingart, "deshalb ist die Redaktion im obersten Stockwerk. Darüber ist nur der offene Himmel." Der Zuerst-Journalismus bedeutet beim "Handelsblatt" künftig digitale Live-Berichterstattung. Gleich neben dem Newsdesk entsteht ein TV-Studio mit Platz für Publikum. Von hier sollen "Handelsblatt"-Journalisten live ihre Einschätzungen abgeben – Video-Programm für die eigenen digitalen Angebote und soziale Medien.

Im Büro von "Wirtschaftswoche"-Herausgeberin Miriam Meckel verrät Steingart, dass ein Team an einem neuen Magazin-Konzept arbeitet. Noch dieses Jahr könnte die Premiere erscheinen, wohl im vierteljährlichen Rhythmus. Steingart will die "WiWo" damit nicht ersetzen, nur ergänzen. Er wünscht sich "Inspiration für eine neue Zeit". Viel Raum ist im neuen Medienhaus für Begegnungen eingeplant: Auf dem Dach werden 150 Lounge-Möbel für Veranstaltungen stehen, die Abonnenten näher an die Marken des Hauses binden. "Kein Google, kein Facebook, kein Yahoo kann wirkliche Community bieten", sagt Steingart. "Die Amerikaner sprechen von Communities, können aber Menschen doch nur digital zusammenbringen."
turi2.tv (6-Min-Video im YouTube-Kanal von turi2)

Zitat: Gabor Steingart will als Journalist nützlich sein.

"Wenn ich für Sie als Journalist nicht nützlich bin, entscheiden Sie sich für jemand anderen."

Für Gabor Steingart hat Journalismus nichts mehr mit bedrucktem Papier zu tun. Beim Morning Briefing Live in Hamburg nennt er Nostalgie eine Innovationsbremse.
twitter.com, turi2 beim Morning Briefing Live in Hamburg

Aus dem Archiv von turi2.tv: Wann Gabor Steingart die besten Ideen kommen.

Gabor Steingart startet Event-Reihe "Morning Briefing Live".

Gabor Steingart bringt sein Morning Briefing auf die Bühne. Der "Handelsblatt"-Herausgeber diskutiert bei der vierteiligen Serie Morning Briefing Live mit Lesern beim Frühstück die Neuigkeiten am Morgen. Die Reihe startet am 8. Dezember in Düsseldorf, weitere Termine sind in Köln, Berlin und Hamburg.
handelsblatt.com

Gabor Steingart ist kein Frauentyp, findet Amna Franzke.

Gabor Steingart gelobt mehr Geschlechter-Gerechtigkeit, hat sein Versprechen aber schon einmal gebrochen, kritisiert Amna Franzke. Nach dem Georg von Holtzbrinck Preis verspricht er: Nie wieder eine Verleihung mit nur männlichen Gewinnern. In den Führungspositionen der Redaktion habe er Frauenförderung aber über Jahre nicht umgesetzt.
taz.de

Zitat: Gabor Steingart würdigt Roland Berger als Mann der Kommunikation.

"Er sendet und empfängt. Er nimmt und er gibt zurück. Und falls gerade kein geeigneter Gesprächspartner zur Verfügung steht, kann Roland Berger auch mit sich selbst in den geistigen Austausch treten."

"Handelsblatt"-Herausgeber Gabor Steingart würdigt Unternehmensberater Roland Berger als Mann der Kommunikation. Autor Hans-Jürgen Jakobs porträtiert Berger zum 80. Geburtstag als "Neugierigen, der es mit den Existenzialisten hielt".
morningbriefing.handelsblatt.com (Steingart), "Handelsblatt", S. 18-21, blendle.com (Jakobs, Paid)

Gabor Steingart sagt: "Kopf hoch, Deutschland!"

Buch-Tipp: Gabor Steingart, Junior-Verleger des "Handelsblatts" und flamboyanter Welterklärer mit massiven Schlafstörungen, hat die schönsten Formulierungen aus seinem Morning Briefing in die Form eines Buches gegossen und unter dem Titel "Kopf hoch, Deutschland" für 15 Euro bei Knaus (und damit dem Holtzbrinck-Konkurrenten Bertelsmann) veröffentlicht.
morningbriefing.handelsblatt.com (mit 51-Sek-Video), amazon.com

Gabor Steingart: CDU-Generalsekretär Peter Tauber ist angezählt.

Peter Tauber: Die Tage des CDU-Politikers als Generalsekretär scheinen gezählt, lässt Gabor Steingart in seinem Morning Briefing durchblicken. Kanzlerin Merkel gehöre zu den entschiedensten Kritikern des Chef-Wahlkämpfers. Seine Wahlkampfführung werde intern als "hüftlahm, Internet-verliebt und wenig effizient" kritisiert. Steingart sieht eine "Entsorgung durch Beförderung" kommen.
morningbriefing.handelsblatt.com, turi2.tv (3-Min-Interview mit Peter Tauber)

Aus dem Archiv von turi2.tv: Video-Besuch in der Wahlkampfzentrale der CDU.

Zitat: Gabor Steingart wünscht sich ein grassierendes "Gründungsfieber".

"Das Gründungsfieber ist das einzige Fieber, von dem man hofft, dass es ansteckend ist."

Gabor Steingart wünscht sich mehr Gründungsfieber in Deutschland und empfiehlt in seinem Morning Briefing das Gründertreffen Bits & Pretzels, das am Wochenende in München stattfindet und u.a. Vorträge von Kevin Spacey, Philipp Lahm und Stefan Raab bietet.
morningbriefing.handelsblatt.com

Video-Tipp: Gabor Steingart interviewt Angela Merkel.

Video-Tipp: Gabor Steingart hat sein Konzept vom Live-Journalismus heute Mittag im Interview mit Angela Merkel vorgeführt. In gut 90 Minuten entlockt der "Handelsblatt"-Herausgeber der Kanzlerin nicht nur politische Ansichten und Meinungen, sondern auch ihre Urlaubslektüre über den Komponisten Dmitri Schostakowitsch. Am Freitag erscheint das Gespräch im gedruckten "Handelsblatt".
facebook.com (94-Min-Video)

Anzeige: Michelle Obama hat Gabor Steingart zu seinem "Morning-Briefing" inspiriert.

Anzeige
Dear Gabor, I need you! Warum Michelle Obama (und nicht Peter Turi) Handelsblatt-Verleger Gabor Steingart zu seinem Mega-Erfolg "Morning-Briefing" inspiriert hat, verrät Steingart in diesem Video vom Mediatalk zum Launch der turi2 edition4 bei Minute 24.
turi2.tv (Steingart verrät), turi2.tv (38 Minuten Live-Gespräch von vorne).

Gabor Steingart steht ganz früh auf für gute Ideen.


Die Ein-Mann-Morningshow: Gabor Steingart ist der auffälligste Herausgeber in der deutschen Zeitungs-Szene. Im Livegespräch zur turi2 edition4 mit Peter Turi philosophiert er über sein "Handelsblatt", Ideen und das Morning Briefing. Für den Newsletter beginnt Steingarts Tag oft um 4.30 Uhr. Ein Team sortiert die nächtliche Lage und klingelt ihn aus dem Bett, erzählt Steingart auf dem Podium von Landau Media in Düsseldorf.

Steingart hängt sich rein – jeden Morgen und überhaupt. Er bringt das "Handelsblatt" auf Vordermann und einen ganzen Verlag auf Trab. Für ihn ist es das Programm "Dornröschen wach küssen". Bei seinem Antritt habe er "eine gewisse Verstaubtheit" vorgefunden und "vielleicht auch eine gewisse Lieblosigkeit". Das ist längst vorbei, aus Steingart sprudeln die Ideen. Das ausführliche Gespräch mit ihm steht gedruckt in der turi2 edition Innovation. Leser sehen Teil 1 des Live-Mitschnitts aus Düsseldorf über die Augmented-Reality-Funktion der edition.
turi2.tv (4-Min-Zusammenfassung im YouTube-Kanal von turi2), turi2.de (Steingart-Gespräch gekürzt)

lexikon2: Gabor Steingart.

Gabor Steingart ist der große Unvollendete der deutschen Medien: Er wollte erst die Welt retten, dann den "Spiegel" und schließlich das "Handelsblatt" – drei unvollendete Missionen. Am weitesten schien der begnadeter Welterklärer und passionierte Weltverbesserer mit dem Auftrag von Verleger Dieter von Holtzbrinck, den Düsseldorfer Wirtschaftsverlag rund ums "Handelsblatt" zu modernisieren. Doch dort endet sein Weg überraschend im Februar 2018. Steingart bleibt ein Vordenker der Branche und Vorbild für viele: Er hat den Morgennewsletter "Morning Briefing" etabliert, die Sparte Live-Journalismus aufgebaut und das alte Abomodell durch den Club-Gedanken ersetzt.
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Gabor Steingart greift "Spiegel" und "Zeit" für Martin-Schulz-Hype an.

Gabor Steingart schießt sich in seinem Morning Briefing auf "Spiegel" und "Zeit" ein. Der "Handelsblatt"-Herausgeber wirft den Blättern vor, den Martin-Schulz-Hype mit Titeln wie "Und dann kam Martin" ("Zeit") und "Merkeldämmerung" ("Spiegel") angeheizt zu haben. Steingart, der sich schon früh als Schulz-Gegner positioniert hat, vergleicht die Berichterstattung der Kollegen mit dem VW-Skandal: "Wenn bei Nachrichtenmagazinen die gleichen Verbraucherschutzgesetze gelten würden wie bei manipulierten Dieselmotoren, müsste man zumindest für diese Ausgabe sein Geld zurückverlangen."

Die Medien hätten die Neugier der Wähler als Wechselwille missverstanden, schreibt Steingart und feuert eine Breitseite Richtung Bernd Ulrich. Der Politikchef der "Zeit" formuliert in der aktuellen Ausgabe, dass kein Zweifel daran bestehe, "dass Martin Schulz ein politisches Großtalent ist". Steingart kontert: "Wo das Zweifeln verlernt wird, beginnt der Glaube. Und wo der Glaube beginnt, endet der Qualitätsjournalismus."
morningbriefing.handelsblatt.com

turi2 edition4: Gabor Steingart im Interview über Innovation.


Gabor Steingart wollte erst die Welt retten und dann den "Spiegel". Jetzt erfindet er als Junior-Verleger die Verlagsgruppe Handelsblatt neu. Mit Peter Turi spricht er über Erfolg, Scheitern und Fortschritt

Was, Gabor Steingart, ist die beste Idee, die Sie je hatten?
Die größte Innovation meines Lebens stammt nicht von mir, sondern von Dieter von Holtzbrinck. Auf die Idee, dass ich als Journalist auch einen Verlag führen könnte, wäre ich nicht gekommen.

Was war die schlechteste Idee, die Sie je hatten?
Nach dem Tod von „Spiegel“-Gründer Rudolf Augstein wollte ich von den Mitarbeitern, sprich Miteigentümern des „Spiegel“ als deren Sprecher gewählt werden. Ich glaubte, den beginnenden Sinkflug einer journalistischen Instanz verhindern zu müssen. Das Ergebnis: Ich verlor mit Pauken und Trompeten. Der „Spiegel“ wollte nicht … weiterlesen auf turi2.de