"Hinter vielem steht nun ein Fragezeichen" – "Spiegel" arbeitet den Fall Relotius auf 23 Seiten auf.


Im Spiegel des Sturms: Der "Spiegel" stellt 23 Seiten des neuen Hefts frei ins Netz – und widmet sich ausführlich der Selbstkritik im Fall Relotius. In der Rubrik Hausmitteilung schreiben Susanne Beyer und Dirk Kurbjuweit: Der "Spiegel" müsse sich überlegen, wie er Recherchen noch genauer kontrollieren könne, "auch wenn wir keine totale Überwachung haben wollen". Clemens Hoeges schildert weitere Details: Demnach fälschte Relotius Facebook-Profile, um sich zu entlasten und gestand schließlich nachts in einem Carsharing-Auto im Gespräch mit Kollegin Özlem Gezer.

Hoeges entlastet in seinem Text die hausinterne Dokumentation unter Leitung von André Geicke. Sie könne sehr vieles überprüfen über Datenbanken und Archive. "Vorsätzlicher Betrug ist im System nicht vorgesehen", schreibt Hoeges jedoch. Relotius betrüge genauso gut, wie er schreibe.

Auf vier Seiten dokumentiert das Heft zahlreiche Reaktionen – Zuspruch und auch Kritik an der Art und Weise, wie der "Spiegel" den Skandal öffentlich machte. "Zeit"-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo äußert sich als "Spiegel"- und Journalismus-Kritiker auf drei weiteren Seiten. Reporter Juan Moreno beschreibt erneut, wie ihm der Schwindel aufgefallen ist. Er sei inzwischen überzeugt, dass seine Leistung Zufall war und ein Vorteil, dass er Relotius persönlich nicht kannte.
spiegel.de (23-Seiten-PDF aus "Spiegel" 52/2018)

"Wir müssen uns relativ nackig machen" – "Spiegel"-Chef Steffen Klusmann über den Relotius-Skandal.