NDR muss 60 Mio Euro pro Jahr sparen.

NDR muss von 2021 bis 2024 knapp eine Viertel-Mrd Euro sparen, das sind 60 Mio pro Jahr, sagt Intendant Joachim Knuth. Das gelte auch, wenn der Rundfunkbeitrag wie von der KEF empfohlen erhöht wird. Welche Personal-Auswirkungen das Sparen hat, könne Knuth noch nicht sagen. Am Informations- und Investigativ-Journalismus will er keinen Rotstift ansetzen, aber Inhalte so planen, dass sie auf möglichst vielen Ausspielwegen funktionieren.
rnd.de

Regionalzeitungen dürfen sterben, findet Leonhard Dobusch.

Regionalzeitungen, die sich nicht mehr tragen können, sollen untergehen, meint Leonhard Dobusch. "Zombie-Zeitungen" behinderten unabhängigen Lokaljournalismus im Netz, weil die Leser für die Print-Abos Geld ausgeben, das ihnen dann für lokaljournalistische Blogs fehlt. Von staatlicher Förderung hält Dobusch nichts, er schlägt staatsferne Förderinstrumente vor, etwa, den Rundfunkbeitrag um 10 Cent im Monat anzuheben und das Geld "wettbewerblich für lokaljournalistische Anschubfinanzierung zu vergeben".
netzpolitik.org

“Münchner Merkur” trennt sich nach erfundenem Papst-Treffen von einem Reporter.


Du sollst nicht lügen: Der "Münchner Merkur" trennt sich von einem freien Mitarbeiter, der sich zuvor mit einem Papst-Treffen schmückte, obwohl er selbst nicht vor Ort war, schreibt die "Süddeutsche Zeitung". Der Reporter hatte seinen Text auf Basis von BR-Recherchen verfasst, der gemeinsam mit der Zeitung im Vatikan angefragt hatte. Zum Zeitpunkt des Treffens war der Reporter vom "Münchner Merkur" nicht in Rom, sodass nur der BR den emeritierten Papst Benedikt XVI. besuchte, was der Reporter nicht kenntlich machte.

Anfang Januar titelte der "Münchner Merkur" irreführend "Unsere Zeitung zu Besuch bei Benedikt XVI". Dass der Reporter nicht persönlich vor Ort war, bestätigt der Autor auf Anfrage der "Süddeutschen Zeitung" und bittet für den falschen Eindruck um Entschuldigung. Er wollte sich "umständliche Erklärungen" im Artikel sparen. Für den Text habe der Reporter autorisierte Zitate verwendet.
sueddeutsche.de

Zitat: Journalistischer Sparkurs ist keine Option, sagt Republik-Gründerin Clara Vuillemin.

"Wir wollen nicht nur für einen exklusiven, abgeschotteten Kreis arbeiten. Die Bezahlschranke brauchen wir aber, um uns zu finanzieren."

Republik-Gründerin Clara Vuillemin sagt im "taz"-Interview, dass sie trotz Schwierigkeiten, das Schweizer Onlinemagazin zu finanzieren, keinen Sparkurs fahren will. Im Zweifelsfall beende sie es lieber, statt die Qualität runterzuschrauben.
taz.de

Zitat: Die Gesellschaft muss gegen Hass eintreten, sagt Richard Gutjahr.

"Wir sind als Gesellschaft gefordert. Zusehen ist keine Option."

Journalist Richard Gutjahr sagt im "Standard"-Interview, das Problem seien neben Hetzern und Hasspredigern, besonder "jene, die sie gewähren lassen."
derstandard.at, turi2.de (Background)

weitere Zitate:
"Es fehlt an technischer Ausrüstung und Personal. Dieses Spiel wird der Staat verlieren." (über auf die Straße getriebenen Netzhass)

"Sosehr mich meine Peiniger auch bedroht haben, ich möchte nicht, dass der Staat Zugriff auf Whatsapp oder E-Mail-Nachrichten hat. Lassen wir das zu, können wir unsere Demokratie gleich ganz abschaffen."

Studie: Deutsche Medien berichten überdurchschnittlich oft über Migration.

Migration und Flucht sind in deutschen Medien überdurchschnittlich oft Thema, sagt eine Studie der TU Dortmund für die Otto-Brenner-Stiftung. Medien in Osteuropa berichteten weniger und kritischer über die Themen. Während deutsche Medien vor allen Migrationsthemen im eigenen Land behandeln, seien sie in den meisten anderen EU-Staaten Auslandsthemen. Auffällig: In vielen Berichten spielten Migranten und Flüchtlinge nur eine "Statistenrolle".
sueddeutsche.de, otto-brenner-stiftung.de

Zitat: Gabor Steingart hält Print-Leser für scheintot.

"Wenn jemand sagt, er lese gern auf Papier, ist das keine Meinungsäußerung, sondern eine Altersangabe."

Gabor Steingart sagt im "NZZ"-Interview, dass es gedruckte Tageszeitungen nur noch so lange gibt, "bis der letzte Traditionsleser stirbt".
nzz.ch

Weitere Zitate:
Sollten auch Chefredaktoren gewählt werden?
"Ja, und zwar von der Leserschaft, nicht vom Aufsichtsrat."
Haben Sie das hier schon eingeführt?
"Ich weiss nicht, ob wir jetzt gleich die ganze Welt retten sollen."

Video-Tipp: Walulis knöpft sich die Recherchemethoden der “Bild” vor.

Video-Tipp: Die Satire-Sendung Walulis von Funk knöpft sich die Recherchemethoden der "Bild" vor, die nach dem Raser-Unfall in Südtirol eine nicht involvierte Frau fälschlicherweise für tot erklärte. Walulis fantasiert im Stil des Boulevardblattes, wie die fiktive Todesmeldung von "Bild"-Chef Julian Reichelt aussehen könnte.
youtube.com (9-Min-Video)

Urteil: Recherchezentrum Correctiv darf “Tichys Einblick” öffentlich kritisieren.

Tichys Einblick darf vom Recherchezentrum Correctiv unter bestimmten Umständen als "teils falsch" gekennzeichnet werden, zitiert die "FAZ" aus dem 45-seitigen Urteil des Landgerichts Mannheim. Zur Presse gehöre auch die Medienkritik, eine "Begleiterscheinung funktionsgerechten Pressehandelns". Roland Tichy hatte wegen unlauteren Wettbewerbs geklagt.
faz.net (Paid)

Ministerpräsident Laschet ermahnt öffentlich-rechtlichen Rundfunk zu Kostendisziplin.


Unterwegs mit Ihren Gebühren? Öffentlich-rechtliche Sender haben "eine privilegierte Stellung" mit "überdurchschnittlichen Gehältern", mahnt NRW-Ministerpräsident Armin Laschet im "Spiegel"-Interview. Die Medienlandschaft stehe "insgesamt unter Druck", ganze Lokalzeitungsredaktionen würden geschlossen. Dagegen sei im öffentlich-rechtlichen Rundfunk alles "staatlich garantiert, egal ob es einer schaut oder nicht." Mit Blick auf die "Umweltsau"-Satire erwartet Laschet "auch eine gewisse Verantwortung". Die Ausgaben für Sportlizenzen seien "absurd", dort müssten die Sender "behutsamer und sparsamer" sein. Auch die Honorare für "Moderatoren von Samstagabendshows" erscheinen Laschet "teilweise zu hoch".

Dass die ARD mittels Framing versuchte, das Image aufzupolieren, sei "alles andere als hilfreich". Es dürfe nicht "der Eindruck eines Schönsprechs erzeugt werden". Haltung ersetze nicht Qualität. "Bei denen, die das System prinzipiell ablehnen, hilft nichts mehr", resigniert Laschet. Die öffentlich-rechtlichen Medien berichten "professionell, kompetent und objektiv", lobt der NRW-Ministerpräsident. Mit knapp 400.000 Euro im Jahr verdient Buhrow fast doppelt so viel wie der Ministerpräsident, schreibt der "Spiegel". "Ich neide Tom Buhrow sein Gehalt nicht", gibt sich Laschet gelassen, "jeder Sparkassendirektor" erhalte mehr als ein Ministerpräsident.
"Spiegel" 3/2019, S. 78-79 (Paid)

“Spiegel” widerspricht Vorwurf der Befangenheit bei Atomkraft-Berichten.

Spiegel weist die Vorwürfe von Journalist Oliver Neß, der dem Magazin eine Befangenheit bei der Atomkraft-Berichterstattung vorwirft, als "absurd" zurück. Zwar habe die Stiftung von Bill Gates, Microsoft-Gründer und Nuklearinvestor, die Redaktion finanziell unterstützt, eine redaktionelle Einmischung oder Befangenheit habe es aber nie gegeben. Neß habe vor seiner Veröffentlichung kein "Spiegel"-Statement angefragt, beklagt das Magazin.
twitter.com ("Spiegel"-Statement), mmm.verdi.de (Kritik von Neß)

“Spiegel”: Journalist erstattet Strafanzeige wegen Verdachts auf illegale Beschattung bei Wirecard-Berichterstattung.


Neue Schatten: Michael Hedtstück, Online-Chefredakteur des Magazins "Finance" und Autor von Artikeln über Wirecard, stellt Strafanzeige gegen unbekannt, schreibt der "Spiegel". Es geht um den Verdacht auf illegale Beschattung und Observierung. Hedtstücks Name taucht in dem Beschattungsplan auf, den die "Financial Times" vor Weihnachten veröffentlicht hat. Wirecard räumte ein, eine Forensik-Beratung mit Nachforschungen beauftragt zu haben, aber nicht mit Beschattungen.

In dem entsprechenden Dokument ist hingegen davon die Rede, Mobiltelefone "von potenziellen verdächtigen Personen abzusaugen". Hedtstück und Frankfurt Business Media geht es mit der Anzeige "um die Freiheit und das Ansehen der Medien". Die Staatsanwaltschaft Frankfurt hat sich noch nicht geäußert.
"Spiegel" 3/2020, S. 76 (Vorabmeldung), turi2.de (Background)

Zitat: Öffentlich-Rechtliche haben keinen Erfolgsdruck, moniert Armin Laschet.

"Es kann nicht sein, dass Sie in Deutschland alles kritisieren dürfen, vom Papst abwärts – nur nicht die Beiträge des Westdeutschen Rundfunks. "

NRW-Ministerpräsident Armin Laschet moniert im "Spiegel"-Interview, der öffentlich-rechtliche Rundfunk habe keinen Erfolgsdruck, deshalb erwarte er, dass Redakteure kritikfähiger sind.
"Spiegel" 3/2020, S. 78 (Vorab), turi2.de (Background)

Jetzt ersetzt die Jungs-Mädchen-Frage durch die Rubrik Querfragen.

Jetzt beerdigt nach 15 Jahren die Jungs-Mädchen-Frage, eines der meistgelesensten Formate des Onlinemagazins. Sie schließe zu viele Menschen aus, es reiche nicht mehr, "Menschen 'mitzumeinen'". Die Aufteilung in "Jungs" und "Mädchen" sei nicht mehr zeitgemäß. Die neue Rubrik "Querfragen" kommt jeden Freitag in Schriftform und zweiwöchentlich als Podcast.
jetzt.de

Reuters-Umfrage: Medienschaffende blicken weltweit positiv auf 2020.

Medienschaffende blicken für ihre Organisationen zu 73 % "zuversichtlich" oder "sehr zuversichtlich" in das neue Jahr, sagt eine Umfrage von Reuters unter 233 internationalen Medienmachern. Bei den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten äußerten sich nur 46 % so optimistisch. Die wachsende Konkurrenz durch Streaming, Angriffe populistischer Politiker oder Budgetkürzungen sorgten für Unsicherheit.
sueddeutsche.de (Zusammenfassung), digitalnewsreport.org
(Studie)

Der “Spiegel” schaltet sein umgebautes Online-Angebot frei.


Spiegel ohne Online: Der "Spiegel" startet mit einem optisch und technisch runderneuerten Online-Angebot ins neue Jahrzehnt. Seit dem frühen Mittwochmorgen ist das neue Spiegel.de live und kommt künftig ohne den Zusatz "Online" aus. Auch altgediente Rubriken müssen weichen: Die historische Ecke "Einestages" geht in "Spiegel Geschichte" auf, Spiegel.TV verschwindet als eigene Online-Marke und wird Teil von "Spiegel Video". Die Optik ist jetzt aufgeräumter und ausgeruhter, Themenschwerpunkte gebündelt, News und Meinungsstücke sollen optisch klarer getrennt werden. In der neuen Rubrik "Leben" sammelt Spiegel.de alle weicheren Nutzwert- und Service-Themen, die – obwohl zum Teil hinter der Paywall "Spiegel Plus" – nicht aus dem gedruckten Heft stammen müssen, aber online erfahrungsgemäß für viele neue Digitalabos sorgen. Typografie und Farben rücken das Online-Angebot stärker ans Heft.

"2019 waren wir stark mit uns selbst beschäftigt, 2020 wollen wir wieder publizistisch in die Offensive gehen und zeigen, was wir können", sagt Chefredakteur Steffen Klusmann auf der Pressekonferenz zur Produktvorstellung am Dienstag. Der neue digitale "Spiegel" solle zeigen, dass hinter Heft und Online-Angebot eine Redaktion stehe. "Es gibt keinen Korrespondenten mehr, der nicht auch für Online arbeitet", unterstreicht Klusmann den Kurs, der beim "Spiegel" vor ein paar Jahren noch unvorstellbar war. In den Redaktionskonferenzen gehe es immer erst ums Thema, dann um den Ausspielweg. So will der "Spiegel" künftig auch ein bisschen online first hinbekommen: Im Pay-Bereich können Nutzer, abhängig von Thema und Nachrichtenlage, auch unter der Woche schon Texte finden, die erst am Wochenende im gedruckten "Spiegel" erscheinen.

"Die Leser machen in der Erwartung an unsere Marke keinen Unterschied zwischen Online und Print", sagt Produktchef Stefan Ottlitz und zitiert Leserbefragungen. Für das vor gut anderthalb Jahren unter seiner Leitung umgebaute Bezahlangebot "Spiegel Plus" zieht er eine positive Bilanz: 125.000 bezahlte Online-Abos zählt der Verlag aktuell, dazu kommen 9.000 kostenlose Probemonate, die zu 40 % zu Bezahlabos konvertieren. "Spiegel Plus" sei damit inzwischen für ein Drittel des Online-Umsatzes verantwortlich. Auch das Geschäft mit Online-Anzeigen sei 2019 gewachsen. Für das abgelaufene Jahr erwartet der "Spiegel" einen Gesamtumsatz von 262 Mio Euro, davon kommt ein Viertel aus dem Digitalgeschäft (Anzeigen und Vertrieb). 2020 will der Verlag den Digitalanteil auf 30 % steigern.
turi2 vor Ort, spiegel.de, spiegelgruppe.de (Screenshots)

Zitat: “Charlie Hebdo”-Herausgeber Riss will weiter provozieren.

"Viele Menschen haben 'Charlie' erst durch das Attentat kennengelernt. Sie haben uns spontan unterstützt, und manche haben vielleicht erst später bemerkt, dass wir eine Satirezeitschrift sind. Missverständnisse waren deshalb unvermeidlich."

Karikaturist Laurent Sourisseau alias "Riss", Überlebender des Anschlags auf die Redaktion von Charlie Hebdo vor fünf Jahren, sagt im "Welt"-Interview, dass die Satire-Zeitung schwarzem Humor und Provokation treu blieben will. Trotz 30.000 Abos und Spenden nach dem Anschlag ist "Charlie Hebdo" heute verschuldet, u.a. wegen der hohen Sicherheitskosten.
"Welt", S. 8 (Paid)

Meinung: Öffentlich-Rechtliche müssen Freie besser vor Hetzkampagnen schützen.

Öffentlich-rechtliche Sender schützen ihre Freien nicht genug vor rechten Angriffen, kritisiert Peter Weissenburger und nennt Richard Gutjahr (Foto) und den BR sowie Danny Hollek und den WDR als aktuellste Beispiele. Die Sender unterschätzten nicht nur "die Geschwindigkeit, in der Hass auf Einzelne niedergehen kann", sondern auch, dass ihre Freien viel angreifbarer seien als Festangestellte. Die Sender seien "nicht auf derartige juristische Projekte" eingestellt.
taz.de, turi2.de (Gutjahr), turi2.de (Hollek)

BR findet Richard Gutjahrs Vorwürfe “im Kern nicht zutreffend”.


Brieffreundschaft beendet: Der Bayerische Rundfunk findet den offenen Abschiedsbrief seines langjährigen Mitarbeiters Richard Gutjahr "im Kern nicht zutreffend", sagt ein BR-Sprecher dem RND. "Der BR weist insbesondere den Vorwurf der Lüge und Täuschung durch den Intendanten strikt zurück." Die Anstalt habe Gutjahr eine Weiterbeschäftigung "in einem interessanten, auf seinen Themenbereich zugeschnittenen Bereich" angeboten, zitiert die "Welt" den BR. Gutjahr wollte demnach die Stelle nicht annehmen.

Im März 2019 sei ein Aufhebungsvertrag "in gegenseitigem Einvernehmen" geschlossen worden. Seitdem sei der Journalist nicht mehr für den BR tätig gewesen. Richard Gutjahr wirft Ulrich Wilhelm u.a. vor, ihn während eines rechtsextremen Shitstorms nicht angemessen unterstützt zu haben. Gutjahr hatte u.a. die "Rundschau-Nacht" im BR moderiert.
rnd.de, welt.de

Meinung: Bei Hass im Netz hilft Solidarität.

#Umweltsau: Der Streit um die Satire macht sichtbar, dass viele Menschen nicht wissen, wie sie mit Bedrohungen im Netz umgehen sollen, kommentiert "Spiegel"-Autorin Margarete Stokowski. "Bedingungslose Solidarität" und Unterstützung für die vom Hass Betroffenen, auch von Vorgesetzten, wirke bei Hasskommentaren als "eine Art Gegenzauber".
spiegel.de

Richard Gutjahr verlässt den BR und kritisiert Intendant Wilhelm.

BR: Richard Gutjahr verlässt die Anstalt nach 22 Jahren als fester freier Mitarbeiter. In einem offenen Brief an BR-Intendant Ulrich Wilhelm kritisiert er den Umgang mit freien Mitarbeitern scharf. Der BR habe Gutjahr und seine Familie mit dem "Hass und der Hetze" in Folge seiner ARD-Berichterstattung allein gelassen. Gutjahr wirft Wilhelm vor, den Rundfunkrat mit Unwahrheiten getäuscht zu haben. Nachdem Gutjahrs Rechtsschutzversicherung ihm nach einem Jahr kündigte, bat der Journalist den BR um juristische Unterstützung, die ihm verwehrt worden sei.
gutjahr.biz

Hör-Tipp: Im Podcast “Unter zwei” blicken 18 Journalisten auf das Jahr 2019 zurück.

Hör-Tipp: Levin Kubeth holt sich in seinem Podcast "Unter zwei" prominente Unterstützung und schaut mit 18 Journalisten-Kollegen auf das mediale Jahr 2019 zurück. Mit dabei sind u.a. "Zeit Magazin"-Chefredakteur Christoph Amend, Storymaschine-Gründer Kai Diekmann und Carline Mohr, Leiterin digitale Kommunikation SPD. Neben einem Rückblick darauf, was sich 2019 im Journalismus verändert hat, geben die Protagonisten u.a. auch einen Ausblick, was im neuen Jahr im Journalismus angepackt werden muss.
podcasts.apple.com (61-Min-Audio)

Spanische Zeitung “El Pais” stellt die gedruckte Lateinamerika-Ausgabe ein.

Print-Krise: Die Erinnerung "an eine Zeitungslektüre mit raschelnden Seiten" wird "irgendwann verblasst sein", kommentiert "FAZ"-Autor Paul Ingendaay. "El Pais" stellt die gedruckte Lateinamerika-Ausgabe zum Jahreswechsel ein, was aktuell insbesondere ältere Leser kritisieren. Spaniens meistgelesene Zeitung gilt auch in Lateinamerika als Leitmedium.
"FAZ", S. 14 (Paid)

Der WDR reagiert mit einer Sondersendung auf die Debatte zur “Umweltsau”.


Umweltsau durchs Dorf getrieben: Der WDR reagiert am Samstag auf die von seinem Satirevideo "Umweltsau" ausgelöste Diskussion mit einem einstündigen Spezial im Radiosender WDR2. Darin stellt sich WDR2-Programmchef Jochen Rausch (rechts) den Anrufen von Hörern und sagt, sein Sender habe über die Wortwahl und die Frage, ob er Kinder instrumentalisiere, nicht lange genug nachgedacht. "Dafür würde ich mich entschuldigen", so Rausch, der zudem von einem "Fehler" spricht: "Wir haben mit einem sehr großen Hammer auf einen relativ kleinen Nagel gehauen."

Auch WDR-Intendant Tom Buhrow schaltet sich in die Debatte ein und sagt am Telefon: "Das Video war ein Fehler. Ich entschuldige mich ohne Wenn und Aber dafür." Buhrow sagt, dass er aus dem Krankenhaus anruft, wo er seinen Vater besucht, der keine "Umweltsau" sei. Die weiteren Anrufer bilden ein weites Meinungsspektrum ab. Während einige sich empört über den Beitrag zeigen und zum Teil weitere Konsequenzen fordern, gibt es auch Zuspruch von Hörern, die die Empörung nicht nachvollziehen können oder die Löschung des Videos für falsch halten.

WDR2 hatte eine von einem Kinderchor gesungene, umgedichtete Version von "Meine Oma fährt im Hühnerstall Motorrad" auf Facebook gepostet. In der Fassung fährt die Oma unter anderem mit dem SUV und isst Discounterfleisch und sei daher eine "Umweltsau". Nach heftiger Kritik, unter anderem von NRWs Ministerpräsident Armin Laschet entfernte der WDR den Beitrag von seiner Seite. Moderatorin Steffi Neu sagt in der Radio-Sondersendung, der Sender habe über 15.000 Posts mit teils sehr harte Kritik empfangen.
wdr.de (32-Min-Audio), faz.net, rnd.de (Background)

Zitat: Kinder-Nachrichten sind kein leichtes Pflaster, sagt Kika-Chefin Astrid Plenk.

"Die Kompetenz, komplexe Nachrichten für Kinder herunterzubrechen, muss man sich erarbeiten, das hat man nicht von heute auf morgen."

Kika-Chefin Astrid Plenk sagt im Meedia-Interview, sie sieht dem von Super RTL geplanten Nachrichtenmagazin für Kinder gelassen entgegen – wenn es sich mit "Logo" messen wolle, müsse es "klar journalistisch" sein.
meedia.de, turi2.de (Beitrag über Kinder-TV in der turi2 edition #9)

Meinung: Saudi-Arabien verkauft die Welt mit Kashoggi-Urteil für dumm.

Kashoggi-Urteil ist eine Unverschämtheit, schreibt Dunja Ramadan. Saudi-Arabien verkaufe die Welt für dumm. Die Regierung des Landes ignoriere die Indizien und versuche nicht einmal, es zu vertuschen. Ramadan glaubt, die internationale Staatengemeinschaft trage Mitschuld, weil sie keine ernsthaften Konsequenzen gezogen hat.
sueddeutsche.de, turi2.de (Background)

Khashoggi-Mord: Gericht verhängt fünf Todesstrafen.

Khashoggi-Mord: Ein Gericht in Saudi-Arabien hat fünf Personen wegen des Mordes am regierungskritischen Journalisten Jamal Khashoggi zum Tode verurteilt. Drei weitere Angeklagte wurden zu Haftstrafen von insgesamt 24 Jahren wegen "Verschleierung des Verbrechens" verurteilt. Khashoggi wurde im Oktober 2018 im saudischen Konsulat in Istanbul getötet. Der Fall löste eine diplomatische Krise aus. UN-Beobachter sehen glaubwürdige Hinweise für eine persönliche Verstrickung des saudischen Königshauses.
tagesspiegel.de

Meinung: Medien sollten Landwirtschaftsthemen nicht zu sehr emotionalisieren.

Agrarlobby: Medien sollten differenzierter über die Landwirtschaft berichten, fordert Ralf Stephan, Chefredakteur der "Bauernzeitung", in der "Süddeutschen Zeitung". Die Themen Tiere und Ernährung treffe Leser emotional, sodass einige Medien das "Skandalisierungspotenzial" für Auflage missbrauchten. Einige Bauern müssten "erst noch lernen", dass Medien auf Missstände hinweisen müssen.
"Süddeutsche Zeitung", S. 24 (Paid)

“Spiegel”: Football-Leaks-Gründer Rui Pinto fühlt sich nicht als Hacker.

Football Leaks: Rui Pinto, Gesicht der Enthüllungsplattform, sagt "Spiegel" und dem Recherchenetzwerk EIC, die Vorwürfe der Lissabonner Staatsanwaltschaft gegen ihn seien falsch. Er habe mit Erpressung und Cyberkriminalität nichts zu tun und sei kein Hacker. Die Staatsanwaltschaft hatte auf einem Rechner aus seiner Wohnung Hacker-Software gefunden. Pinto argumentiert, auch andere Personen hätten Zugriff darauf gehabt. Am 13. Januar entscheidet das Gericht, ob Pinto angeklagt wird und in wie vielen Fällen.
"Spiegel" 52/2019, S. 92 (Vorabmeldung)

“Spiegel” startet 2020 eine Ombudsstelle.

Spiegel richtet eine Ombudsstelle ein, die Hinweise auf Unregelmäßigkeiten annimmt, auch anonyme, und gemeinsam mit der Aufklärungskommission prüft, schreibt Chefredakteur Steffen Klusmann in einer Art Jahresend-Fazit "Ein Jahr Relotius-Skandal". Der Betrug wirke bis heute nach, der "Spiegel" habe aber seine Lehren daraus gezogen.
spiegel.de

Aus dem turi2.tv-Archiv (05/2019): "Spiegel"-Chef Steffen Klusmann über die Konsequenzen aus dem Relotius-Skandal

Hör-Tipp: Julia Jäkel sieht in der Content Alliance keinen Kampagnenjournalismus.

Hör-Tipp: Die Zusammenarbeit der Content Alliance führt nicht automatisch zu Kampagnenjournalismus, sagt G+J-Chefin Julia Jäkel im "OMR"-Podcast bei Pia Frey. Jäkel sieht eine "Chanceneröffnung für jeden einzelnen Player". Die "stern"-Berichterstattung über Abtreibung zeige, dass Kampagnen nicht immer negativ seien.
omrmedia.podigee.io (38-Min-Audio)

Lese-Tipp: “manager magazin” disst Gabor Steingart.

Lese-Tipp: Die "Spiegel"-Tochter "manager magazin" nimmt den Fehdehandschuh auf, den Gabor Steingart ihr hingeworfen hat und berichtet in einem meinungsstarken, aber faktenschwachen Stück über Steingarts neue Firma Media Pioneer. Autor Philipp Alvares de Souza Soares geißelt "Steingarts großspurige Selbstdarstellung" und wirft ihm vor, er habe zu "Handelsblatt"-Zeiten manchen unsauberen Deal mit der Industrie gemacht - allerdings bringt das "manager magazin" keinen einzige Zeugen dafür bei.
manager-magazin.de (Paid)

Chinesische Handelskammer in Deutschland will “Welt”-Interview zensieren.

China: Wei Duan, Geschäftsführer der chinesischen Handelskammer in Deutschland, streicht in einem "Welt"-Interview über Themen wie den Einfluss Chinas oder Huawei zahlreiche kritische Passagen. Die "Welt" veröffentlicht die unzensierte Version, Pekings Vertreter wollte bei der Autorisierung der Zitate im Nachhinein rund zwei Drittel der Fragen rauskürzen.
"Welt", S. 8 (Paid)

AfD-Fraktion unterstellt “Bild”-Reporter Spionage.

Pressefreiheit: Die AfD-Fraktion will in einer kleinen Anfrage von der Bundesregierung wissen, ob "Bild"-Reporter Paul Ronzheimer ein Spion sei. Der Journalist berichtete über die Demonstrationen in Hongkong. Das Auswärtige Amt will "weder einzelne Inhalte noch die Arbeit einzelner Medien oder Journalisten" kommentieren. Die "freiheitsfeindliche und damit pressefeindliche" AfD bringt "Journalisten in Gefahr", warnt "Bild"-Chef Julian Reichelt.
bild.de

Zitat: Magdeburg ist für Peter Frey das neue Washington der aufstrebenden Reporter.

"Ich sage meinen jungen Kollegen immer: Leute, wir leben in einer Zeit, in der es spannender ist, Korrespondent in Magdeburg zu sein als in Washington."

ZDF-Chefredakteur Peter Frey verteidigt im "Zeit"-Streitgespräch die "Bodenhaftung" des ZDF. Dabei helfe auch, dass die Sendezentrale in Mainz statt in Berlin liegt.
"Die Zeit" 53/2019, S. 12-13 (Paid)

Aus dem turi2.tv-Archiv: ZDF-Chefredakteur Peter Frey findet Journalisten wichtiger denn je (Archiv 01/2018).

Lese-Tipp: Ralf Heimann erklärt Heuristiken von Journalisten.

Lese-Tipp: Ralf Heimann schreibt eine Bildblog-Serie über Fehler, die Journalisten machen. Etwa, Heuristiken zu nutzen: Wenn Infos fehlen, um eine Situation anhand Fakten einzuschätzen, und sie deshalb raten – und dabei Wahrscheinlichkeiten falsch einschätzen, sich von ihren Erinnerungen in die Irre führen lassen oder den Einfluss des Unsichtbaren unterschätzen.
bildblog.de

dpa-Umfrage: Redaktionen prüfen Texte seit Relotius-Skandal häufiger.

Redaktionen haben nach dem Relotius-Skandal ihre internen Abläufe und Standards überarbeitet und führen mehr Faktenchecks durch, sagt eine Umfrage der dpa. Bei der "taz" entstand zudem ein "Relotius-Stammtisch" aus Reportern, der WDR arbeitet am Papier "10 Grundsätze zur Glaubwürdigkeit", die "Zeit" prüft monatlich Artikel, die ein Zufallsgenerator auswählt.
rnd.de

Zitat: ZDF-Chefredakteur Peter Frey will AfD-Mann Björn Höcke keine Bühne mehr bieten.

"Wir Medien haben niemanden zu erziehen. Aber wir müssen zeigen, wo die Grenzen demokratischer Gesinnung verlaufen."

ZDF-Chefredakteur Peter Frey sagt in einem Streitgespräch der "Zeit", dass sein Sender, AfD-Politiker Björn Höcke nicht mehr in Talkshows einladen will.
"Zeit" 53/2019 (Paid), zeit.de (Vorabmeldung)

Weitere Zitate:

"Wir sind zu alt geworden, nicht nur was unsere Zuschauer angeht, sondern auch beim Personal. Und wir sind nicht divers genug. Darunter leiden wir. Wir brauchen ja auch Experten für migrantische Lebenswirklichkeiten."

"Leider kriegen wir nicht alle Gäste mit Migrationshintergrund, die wir gern hätten. Manche schlagen unsere Einladung aus, weil sie nach Auftritten schon viele Anfeindungen erlebt haben. Ich finde das besorgniserregend."

"Zum Glück sind die Zeiten der alten Bundesrepublik vorbei, als man im Sender wusste, wer in welches politische Lager gehörte, und das Karrieren befördert hat."

"Ich kann das heutige Gerede, der deutsche Journalistenstand hätte einen rot-grünen Einschlag, nicht nachvollziehen. Ich sehe das beim ZDF nicht."

Französische Finanzaufsicht verurteilt Bloomberg zu Mio-Strafe.

Bloomberg kassiert von der französischen Finanzaufsicht eine Strafe von 5 Mio Euro wegen der Verbreitung von Falschnachrichten. Die Agentur hatte 2016 eine gefälschte Presse­mitteilung übernommen, die "sehr schwere" Unregelmäßigkeiten beim französischen Bauriesen Vinci vorgab. Die Aktien von Vinci stürzten darauf um ein Fünftel ab. Bloomberg hätte die Informationen "als falsch erkennen müssen", sagt die Behörde.
derstandard.at

ROG-Bilanz 2019: Weltweit sitzen 389 Medienschaffende im Gefängnis.

Reporter ohne Grenzen Logo 150Pressefreiheit: Weltweit sind derzeit 389 Journalisten und andere Medienschaffende inhaftiert, 12 % mehr als 2018, veröffentlichen Reporter ohne Grenzen in ihrer Jahresbilanz. Fast die Hälfte davon sitzt in Gefängnissen in China, Ägypten und Saudi-Arabien. Insgesamt wurden 2019 mindestens 49 Medienschaffende getötet, 57 gelten derzeit als entführt.
sueddeutsche.de

Schweizer Medien-Startup Republik hat ein Loch in der Kasse.

Republik, crowd-finanziertes Schweizer Medien-Startup, kämpft ums Überleben. In einer Mail offenbart Republik den Unterstützern ein "Loch in der Kasse", das Projekt sei "viel langsamer gewachsen als geplant", zudem habe man "seit dem Start einiges vermasselt". Sollten bis Ende März 2020 nicht 2,2 Mio Franken und 19.000 Abonnenten zusammenkommen, stehe die geordnete Auflösung an.
persoenlich.com, project-r.construction

Schweizer Reporter plant eine gemeinsame Plattform für Qualitätsmedien.

SCHWEIZ_FLAGGE_150Schweiz: Hannes Grassegger, Reporter beim Magazin des "Tages-Anzeiger", plant eine öffentlich-rechtliche Plattform für Schweizer Qualitätsmedien, schreibt die "Süddeutsche Zeitung". Das Generalabonnement spielt Nutzern mit einem Algorithmus personalisierte Inhalte verschiedener Medien zu. Die Infrastruktur der Plattform könnte von der SRG stammen.
sueddeutsche.de

Meinung: Weniger ist in den Medien oft mehr, findet der Journalist Christian Lindner.

Journalismus: Weniger ist oft mehr, kommentiert der Journalist Christian Lindner, Ex-Chef der "Rhein-Zeitung" und Ex-Vize bei der "Bild am Sonntag", im Fachmagazin "Journalist". Es sei ein Irrtum, wenn Journalisten glaubten, die Menschen würden Medien so viel nutzen wie die Medienmacher selbst. Die Konsumenten brauchten "Welterklärungsangebote", die mit ihrem "individuellen Leben" zu tun haben.
journalist-magazin.de