
Unerwünscht: Die russische Staatsanwaltschaft stuft die Deutsche Welle als "unerwünschte Organisation" ein, was die Arbeit des Senders massiv kriminalisiert. Wer mit der DW kooperiert oder deren Inhalte teilt, riskiert in Russland künftig hohe Geld- oder Haftstrafen. Betroffen sind auch russische Mitarbeitende im Ausland. DW-Intendantin Barbara Massing gibt sich kämpferisch und betont, der Sender lasse sich davon nicht abschrecken. Das Vorgehen zeige lediglich, "wie sehr das Regime unabhängige Informationen fürchtet". Moskau führt die DW bereits seit März 2022 als "ausländischen Agenten" und blockiert deren Webseiten. Trotz der Zensur erreiche das russische Angebot laut Senderangaben wöchentlich rund 10 Mio Menschen.
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Mainzer Milliarden: Der ZDF-Fernsehrat genehmigt den Haushaltsplan des Senders für das Geschäftsjahr 2026. Dieser sieht Aufwendungen in einer Gesamthöhe von rund 2,75 Mrd Euro vor. Der Finanzplan schließt mit einem negativen Gesamtergebnis von rund 105 Mio Euro ab, die das ZDF aus Rücklagen deckt. Intendant Norbert Himmler (Foto) nennt den ÖRR einen "Stabilitätsanker" und warnt vor der Dominanz globaler Tech-Plattformen. Er mahnt, die "Kontrolle von Inhalten durch Big Tech" bedrohe das Mediensystem und die Demokratie. Die Rolle des Senders sieht er als "Ermöglicher" für "digitale Teilhabe und demokratische Kommunikation".
presseportal.zdf.de
(Foto: ZDF / Tim Thiel)

Kunst am Kiosk: Fotokünstler Andreas Gursky gestaltet die zweite "Guest Edition" der "Welt am Sonntag", die an diesem Wochenende erscheint. Sie verbindet auf 64 Seiten journalistische Inhalte mit der Bildauswahl des Künstlers. Die Zeitung zeigt ikonische Werke und bisher unveröffentlichte Fotografien. Im zweiten Buch gibt es ein ausführliches Interview mit Gursky. Damit setzt die "WamS" ihre "Guest"-Reihe fort, die 2024 mit Donata und Wim Wenders Premiere hatte. Springer erhöht die Auflage der Zeitung auf 750.000 Exemplare.
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Hör-Tipp: Die langjährige ARD-Journalistin Annette Dittert erklärt bei "Holger ruft an", dass sie bei der ARD aussteigt, weil sie weniger Zeit in Sitzungen verbringen will. Ein Problem sei das nicht, sondern eine Typ-Frage. Sie sagt zudem, warum ihre Stelle im Studio London nicht nachbesetzt wird, und kündigt an, dass man sie künftig jeden Donnerstag mit einem neuen Clip auf Instagram finde, den sie selbst schneide.
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(Foto: NDR/Karolina Heller)

Background-Check: Das ZDF erlässt strengere Regeln für die Beauftragung von Dienstleistern in Krisenregionen, kündigt Chefredakteurin Bettina Schausten im Fernsehrat an. Hintergrund ist die Tötung eines Technikers in Gaza, der Mitglied der Hamas war. Künftig sollen nicht nur Qualität und Zuverlässigkeit der beauftragten Firmen, sondern auch deren Mitarbeitende überprüft werden, etwa durch Selbstauskünfte, Lebensläufe und Social-Media-Checks. Zusätzlich erarbeite das ZDF ein Konzept für systematische Background-Checks, bei denen auch externe Experten einbezogen werden sollen.
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Berliner Botschaften: Der "Tagesspiegel" will sich im kommenden Jahr noch stärker als überregionale Marke positionieren, kündigt Chief Commercial Officer Kolja Kleist im "Meedia"-Interview an. Er spricht von einer "Dualität": In Berlin sei der "Tagesspiegel" Marktführer, doch 80 % der Digital-Nutzer kämen schon heute nicht aus Berlin. "Wir fokussieren stärker und definieren präzise, welche Zielgruppe wir ansprechen wollen", sagt Kleist und sieht "Qualitätsjournalismus für die fortschrittliche Mitte" als USP. Am Print-Geschäft wolle der "Tagesspiegel" festhalten: "Solange das wirtschaftlich tragfähig ist, schöpfen wir es aus." Print sei zur Markenbildung weiterhin wichtig, aber: "Print ist kein Zukunftsmedium mehr", so Kleist. Wachstumspotenziale sieht er u.a. im Video-Advertising, der politischen Kommunikation und skalierbaren Marketing-Lösungen für den Mittelstand.
meedia.de (€)
(Foto: Privat, Montage: turi2)

Maulkorb in Ostafrika: Die Deutsche Welle protestiert gegen die dauerhafte Suspendierung von zwei DW-Korrespondenten durch die äthiopische Medienaufsichtsbehörde EMA. Die Behörde spricht in einem Brief nur von "fortgesetzten Verstößen gegen äthiopische Gesetze und berufliche Ethik", ohne konkret zu werden. Der Sender prüfe nun rechtliche Schritte gegen das Arbeitsverbot. Die EMA hatte bereits im Oktober alle neun DW-Korrespondenten in Äthiopien vorübergehend suspendiert, sieben Reporter dürfen ihre Arbeit wieder aufnehmen. DW-Chefredakteurin Manuela Kasper-Claridge weist die pauschalen Vorwürfe zurück und stellt sich hinter ihr Team.
corporate.dw.com

Fern-Sehl-Kontrolleurin: Der ZDF-Fernsehrat wählt Kommunikationswissenschaftlerin Annika Sehl in den von den Ländern beschlossenen Medienrat, der die Arbeit des Öffentlich-Rechtlichen Rundfunks kontrollieren soll. Sehl ist seit Oktober 2022 Inhaberin des Lehrstuhls für Journalistik mit dem Schwerpunkt Medienstrukturen und Gesellschaft an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt. Zudem ist sie u.a. assoziierte Forscherin am Reuters Institute for the Study of Journalism der Uni Oxford. Auch die Länder und das Deutschlandradio haben bereits Sachverständige in den Medienrat entsandt, zwei weitere folgen noch von der ARD.
presseportal.zdf.de, turi2.de (Länder), turi2.de (Deutschlandradio)
(Foto: ZDF/Christine Blohmann/Die Hoffotografen Berlin)

Von Köln nach Hessen: RTL Deutschland macht Katrin Raap zur Geschäftsführerin von RTL Hessen. Sie folgt im März auf Eberhard Volk, der sich nach mehr als 20 Jahren an der Spitze der RTL-Tochter verabschiedet, um sich seiner Familie zu widmen. Raap ist seit 1997 für RTL Deutschland tätig und verantwortet derzeit bei RTL News als Mitglied des Geschäftsführungsboards den Bereich Produktionsservices und Lizenzierung. RTL Hessen produziert mit rund 60 Beschäftigten das hessische Regional-Fenster sowie Beiträge fürs nationale RTL-Programm.
media.rtl.com
(Fotos: RTL / Tom Friedmann / intern)

Ausgezeichnet: Der turi2-Schwestertitel "kress pro" kürt Thomas Düffert zum "Medienmanager des Jahres 2025". Der Vorsitzende der Konzerngeschäftsführung von Madsack habe das Unternehmen durch Zukäufe und Kooperationen von einem klassischen Regionalverlag zu "einem der bedeutendsten deutschen Medienhäuser" gemacht, begründete die Jury ihre Wahl. Der Verlag sei inzwischen zu einem "Motor der Transformation" im Regionalmediengeschäft geworden. Den Preis für sein Lebenswerk erhält Publizist Stefan Aust, dessen persönlicher Stil sich "stets durch Meinungsfreudigkeit, Mut, gedankliche Schärfe und eine konsequente Ausrichtung an den Rezipienten" auszeichne.
kress.de, shop.oberauer.com (Heft oder E-Paper mit allen Nominierten und Ausgezeichneten bestellen)
(Foto: Aaron Leithäuser)
Pressefreiheit: Die EU-Kommission hat ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Ungarn eingeleitet. Sie wirft dem Staat Eingriffe in die Arbeit von Medienschaffenden und -unternehmen vor sowie Einschränkungen der redaktionellen Freiheit und Wirtschaftsaktivitäten von Medien. Des Weiteren moniert die Kommission u.a. einen mangelhaften Quellenschutz. Die ungarischen Behörden können nun binnen zwei Monaten auf die Vorwürfe reagieren.
medien.epd.de (€)
Künftige Kohle: Der WDR-Rundfunkrat winkt den Haushaltsplan für 2026 sowie den Nachtragshaushalt für 2025 des Senders durch. Demnach liegen die Erträge im kommenden Jahr bei 1,7 Mrd und die Aufwendungen bei 1,64 Mrd Euro, enthalten aber auch Positionen "rein kalkulatorischen Charakters". Im Finanzplan ist ein Defizit von 25,5 Mio Euro vorgesehen, das aus Rücklagen finanziert werde.
presseportal.de

VerKracht: Die "Süddeutsche Zeitung" und ihr langjähriger Chefredakteur Wolfgang Krach (links), 62, gehen nach 23 Jahren getrennte Wege. Krach scheidet zum Jahreswechsel "einvernehmlich" aus der Chefredaktion aus und verlässt den Verlag, bleibe der "SZ" aber "verbunden". Als Grund für den Abschied nennt der Verlag "unterschiedliche Vorstellungen" zwischen Krach und den Gesellschaftern über die "Gestaltung der Zusammenarbeit und die Weiterentwicklung der 'SZ'". Krach habe daraufhin selbst angeboten, auszuscheiden. Laut "Spiegel" soll ein Streit über den Redaktionsetat Trennungsgrund sein. Demnach soll Krach nicht bereit gewesen sein, weitgehende Kürzungen mitzutragen. Künftig führt Judith Wittwer (rechts), die die Redaktion seit 2020 zusammen mit Krach leitet, die Geschäfte allein weiter. Unterstützung bekommt sie von Ulrich Schäfer, der stellvertretender Chefredakteur bleibt.
Krach kam 2003 vom "Spiegel" zur "Süddeutschen" und gehörte der Chefredaktion 18 Jahre lang an, davon zehn Jahre als Chefredakteur. "SZ"-Geschäftsführer Christian Wegner dankt Krach für seinen "langjährigen Einsatz und die vertrauensvolle Zusammenarbeit". Seine "Leidenschaft für die Redaktion und sein Einsatz für journalistische Exzellenz" hätten das Haus "über Jahre hinweg entscheidend geformt".
kress.de, newsroom.de, spiegel.de, sueddeutsche.de
(Fotos: Friedrich Bungert und Julian Baumann / SZ, Montage: turi2)

TV-Talk ohne Bild: Die "Welt" veröffentlicht die TV-Talksendung "Burgard" von Chefredakteur Jan Philipp Burgard nun zusätzlich auch als Podcast. In der ersten Ausgabe begrüßt Burgard AfD-Chefin Alice Weidel. Heute Abend erscheint die zweite Ausgabe mit FDP-Verteidigungsexpertin Marie-Agnes Strack-Zimmermann.
open.spotify.com, podcasts.apple.com
(Bild: Welt)

Rausgekickt: Der Olympia-Verlag beendet zum Jahreswechsel die Kooperation mit BCN, berichtet "Meedia". Der Vermarkter von Burda, Funke und Klambt hatte zuletzt die Print-Vermarktung vom "kicker" betreut. Ab 2026 verantwortet das interne Media-Sales-Team unter der Leitung von Taygun Karakas und Lukas Ringer (Foto) auch die "kicker"-Print-Vermarktung selbst. Der Verlag will dadurch flexibler auf die Anforderungen des Marktes reagieren und Entscheidungswege verkürzen. Ringer bezeichnet den Schritt als "logische Weiterentwicklung", um Kampagnen über alle Kanäle hinweg ganzheitlich zu steuern.
meedia.de, horizont.net (€), turi2.de (Podcast zur "kicker"-Vermarktung)
(Foto: Christine Blei / kicker)

Newsstream: Der spanische FAST-Channel-Anbieter Love TV Channels startet in Deutschland den 24-Stunden-Newskanal Nachrichten 360. Das Programm besteht aus Videomaterial der Nachrichtenagenturen dpa, AFP und Reuters und ist kostenlos über die Streaming-Plattform Samsung TV Plus empfangbar. Samsung-Manager Benedikt Frey verspricht sich von dem Nachrichtenangebot ein "breiteres Spektrum an Perspektiven" auf der Plattform. In Spanien betreibt Love TV Channels seit einem Jahr nach ähnlichem Prinzip den Kanal "Actualidad 360".
digitalfernsehen.de
EU vs. Musk: Warum die Politik X besser heute als morgen verlassen sollte.

X-Besitzer Elon Musk ist Anführer eines rhetorischen Feldzugs gegen die Europäische Union, beobachtet “KNA-Mediendienst”-Redakteurin Jana Ballweber in unserer Kolumne “Kurz und KNAckig”. Sie wundert sich, dass die EU der Plattform des Multimilliardärs dennoch weiter die Treue hält und etwa Werbung schaltete, bis Musk selbst dem Werbekonto der EU-Kommission den Stecker zog – als “mutmaßliche Retourkutsche” für ein Millionen-Bußgeld. Ballweber meint, der beste Moment für den Abschied von X “wäre für europäische Politiker gestern gewesen”.
weiterlesen…
Bau dir deine Bubble? Tech-Riese Google teilt Neuerungen im Umgang mit journalistischen Inhalten mit. Dazu gehört die globale Einführung der Funktion "Preferred sources", mit der User angeben können, welche Quellen sie bevorzugt sehen möchten. Zudem will Google Links zu Angeboten, für die User ein Abo haben, prominenter platzieren und im KI-Modus kurze Einleitungen zu verlinkten Quellen geben, "die erklären, weshalb ein Besuch des Links hilfreich sein könnte". Darüber hinaus verkündet das Unternehmen den Start eines neuen Pilotprogramms mit internationalen Medienhäusern, darunter "Spiegel", "FAZ" und "Zeit". Es soll untersuchen, wie KI für mehr Reichweite und Engagement sorgen kann. Dazu gehören Experimente mit KI-Zusammenfassungen und Audio-Briefings bei Google News. Für seinen KI-Bot Gemini hat Google zudem Partnerschaften mit Medienanbietern wie Estadão, Antara, Yonhap und The Associated Press geschlossen, um auf Echtzeitinformationen zurückgreifen zu können.
blog.google
Pressefreiheit: Der DJV Hessen beklagt mehrere "Einschränkungen der Berichterstattung" durch die Polizei bei den Protesten gegen die Neugründung der AfD-Jugend in Gießen. Betroffen seien Medienschaffende des "epd", der "taz" und des Bundesverbands freier Radios gewesen, obwohl sie ihre Presseausweise vorgelegt hätten. Die Gewerkschaft dankt der Polizei zwar für ihren Beitrag zur Sicherheit der Demos, sieht jedoch "einen Eingriff in die freie Berichterstattung" und fordert eine bessere Schulung der Beamten. Der DJV-Landesvorsitzende Knud Zilian kritisiert: "Anscheinend ist es Polizisten und Polizistinnen nicht ausreichend bewusst, dass wir eine Pressefreiheit haben und dass Journalisten und Journalistinnen auch und gerade bei Großdemonstrationen ihren Job ohne unnötige Behinderungen wahrnehmen müssen."
djv-hessen.de, medien.epd.de (€)
EU-mgesetzt: Das Bundeskabinett hat einen Gesetzentwurf gegen Einschüchterungsklagen beschlossen. Das gab das Bundesjustizministerium, das den Entwurf erarbeitet hat, am Mittwoch in einer Pressemitteilung bekannt. Einschüchterungsklagen, auch SLAPP-Klagen genannt, sind unberechtigte Klagen, die oft gegen Journalisten oder Wissenschaftler erhoben werden, um deren öffentliche Beiträge zu unterdrücken. Vor Gericht haben sie oft keinen Bestand, kosten die Betroffenen aber viel Zeit und Geld und binden Ressourcen, die nicht in die eigentliche Arbeit gesteckt werden können. Im vergangenen Jahr hatte die Europäische Union eine Richtlinie gegen solche Klagen erlassen, die mit dem Gesetzentwurf nun in nationales Recht umgesetzt werden soll. Sie gilt allerdings nur für Klagen mit grenzüberschreitendem Bezug, die mehrere Mitgliedsstaaten betreffen.
Die Abkürzung SLAPP steht für "Strategic Lawsuits Against Public Participation", übersetzt strategische Prozessführung gegen öffentliche Beteiligung. Als Einschüchterungsklagen gelten künftig Klagen, bei denen der Hauptzweck des Rechtsstreits darin besteht, die Beteiligung des Beklagten am öffentlichen Meinungsprozess zu verhindern, einzuschränken oder zu sanktionieren - etwa, indem verhindert werden soll, dass ein Medienbericht oder eine wissenschaftliche Studie veröffentlicht wird. Außerdem muss der Rechtsstreit laut Gesetzentwurf unter Berücksichtigung aller Umstände missbräuchlich geführt werden, damit eine Klage als Einschüchterung gewertet wird. Fälle, in denen diese Bedingungen erfüllt sind, sollen künftig bevorzugt behandelt werden, um schnell Rechtssicherheit herzustellen. Zudem sollen Betroffene weniger finanziellen Belastungen ausgesetzt sein, während die finanziellen Risiken für Kläger erhöht werden. Rechtskräftige Urteile in zweiter und dritter Instanz sollen außerdem veröffentlicht werden müssen. Der Bundestag muss dem Gesetz noch zustimmen. (Mit Material des KNA-Mediendienstes)
kna.de (€), lto.de
(Foto: IMAGO / Steinach)

Sand im Getriebe: Der Berufsverband Dokumentarfilm AG DOK sieht die Zusammenarbeit zwischen freien Autoren und öffentlich-rechtlichen Redaktionen durch zunehmende Bürokratie gefährdet. Eine Umfrage unter 103 Filmschaffenden habe ergeben, dass kreative Prozesse zunehmend unter langen Entscheidungswegen und der Fokussierung auf Abrufzahlen litten. Viele Befragte berichten von verzögerten Vertragsabschlüssen und unbezahlter Mehrarbeit in der Stoffentwicklung. Die Zentralisierung bei den Sendern führe in der Praxis zu immer mehr Abstimmungsschleifen, es fehle an persönlicher Kommunikation. Der Verband fordert von den Sendern flachere Hierarchien, verbindliche Fristen und mehr Mut zu gesellschaftlich relevanten Themen jenseits der Quote.
medienpolitik.net, agdok.de

Freie Bahn für Mediengruppierung: Das Bundeskartellamt genehmigt den Kauf der Mediengruppe Oberfranken durch die Mediengruppe Bayern. Kartellamtspräsident Andreas Mundt stuft das Vorhaben als "wettbewerblich unbedenklich" ein. Da die Zeitungen in unterschiedlichen Regionen Bayerns erscheinen, existiere keine direkte Konkurrenzsituation. Auch hinsichtlich weiterer Tätigkeitsbereiche bestünden keine Bedenken. Zu den bestehenden Titeln wie der "Passauer Neuen Presse" und dem "Donaukurier" kommen damit der "Fränkische Tag" und dessen Schwesterzeitungen hinzu.
meedia.de, bundeskartellamt.de, turi2.de (Background)

Hör-Tipp: "Publikaturist" Peter "Bulo" Böhling will mit seiner turi2-Kolumne Bulo's Beobachtungen Debatten anstoßen und nimmt dafür auch Shitstorms in Kauf. "Wichtig ist nicht, dass man gemocht wird für das, was man tut, sondern dass man gehört wird", sagt er im Podcast "We Like Mags". Von "Haltungsjournalismus" hält er dagegen wenig. Außerdem erzählt "Bulo", wie er mit seiner Firma "Gary Glotz" Finanzierungslücken bei Filmproduktionen schließt und warum etablierte Verlage junge Menschen mit ihren Ideen einfach "machen lassen" sollten.
open.spotify.com (37-Min-Audio)
(Bild: Bulo)

Content-King: Mantelprogramm-Anbieter Radio NRW verpflichtet Michael Thuge, 36, als neuen Content-Leiter. Er kommt von Radio Leverkusen, wo er seit Mitte 2022 als Chefredakteur arbeitet, und tritt seinen neuen Posten im Frühjahr an. Thuge soll bei Radio NRW als zentraler Ansprechpartner die strategische Planung des Inhalts verantworten. Ein Schwerpunkt liegt auf der digitalen Ausrichtung der Zulieferung für die 45 NRW-Lokalradios. Zudem kümmert er sich um das Digital-Programm "Radio Mixtape".
radioszene.de
(Foto: Radio Leverkusen)

Nachmieterin gefunden: Journalistin Julia Brestrich (vorne rechts) zieht als Host in die News-WG vom BR ein. Sie folgt auf Max Osenstätter, der das Instagram-Format seit dem Start 2018 entscheidend mitgeprägt hat. Er wechselt zunächst für sechs Monate zur "Tagesschau" nach Hamburg, bevor er an anderer Stelle zum BR zurückkehrt. Brestrich hat beim BR volontiert und moderierte Anfang 2025 bereits die "BR24 Wahlarena". Zuvor stand sie als Host für das junge WDR-Nachrichtenformat "tickr" vor der Kamera. Die bestehenden Hosts Minusch Afonso (vorne links) und Maximilian Pichlmeier (hinten) bleiben der "News-WG" erhalten.
br.de, instagram.com (Einzugsvideo)

Zweiklassen-News: Redakteure der Lübecker Nachrichten Media haben heute die Arbeit niedergelegt. Sie fordern mit einem Warnstreik unter dem Motto "Fairpay Journalismus" die Aufnahme von Haustarifverhandlungen. Die Streikenden sind bei einer Tochtergesellschaft der "Lübecker Nachrichten" angestellt, die laut DJV keine Tarifgehälter zahlt. Die Medienschaffenden müssten demnach 15 % mehr arbeiten als ihre Kollegen im Mutterhaus, verdienten aber weniger. Gespräche habe die Geschäftsführung laut DJV bisher verweigert.
djv-nord.de

Lese-Tipp: Medienwissenschaftler Volker Lilienthal hat in einer Fallstudie untersucht, warum das Projekt Bild-TV gescheitert ist. Dafür hat er ausführlich 43 Mitarbeiter und Führungskräfte befragt – mit ausdrücklicher Zustimmung des damaligen Chefredakteurs Julian Reichelt. Die Studie mit dem Titel "Ein Jahr Chaos" zeichnet ein Bild von Überforderung, einen weiteren Medienkanal zu bedienen, und mangelnder Kompetenz, da Fertigkeiten der TV-Produktion im laufenden Betrieb erlernt werden mussten. Reichelt wird in seiner Führungsrolle als "absoluter Mikro-Manager" beschrieben, zugleich hätten klare Zuständigkeiten gefehlt.
inlibra.com (Fallstudie) via newsletter.medieninsider.com (Zusammenfassung)

Ost-Ohrweiterung: Das Leipziger Podcast-Radio Detektor.fm bekommt vom Media Forward Fund 500.000 Euro Förderung für den Aufbau eines journalistischen Angebots für Sachsen-Anhalt. Geplant sind ein wöchentlicher Podcast und ein Newsletter sowie vier Live-Veranstaltungen vor Ort. Ziel ist es, die Informationsversorgung und Medienvielfalt in Ostdeutschland zu stärken. Detektor.fm hat sich mit diesem Konzept unter 79 Bewerbungen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz durchgesetzt. Geschäftsführer Christian Bollert wertet die Unterstützung als Bestätigung der journalistischen Arbeit der vergangenen 16 Jahre und will die Formate auch nach Ende der Förderzeit weiterführen.
mediaforwardfund.org, detektor.fm

Lebenslänglich: Der RBB muss Ex-Programmdirektorin Claudia Nothelle bis zu ihrem Lebensende ein monatliches Ruhegeld von 8.438 Euro zahlen. Ein entsprechendes Urteil des Arbeitsgerichts Berlin ist seit Oktober rechtskräftig, da der Sender keine Berufung eingelegt hat, berichtet zuerst die "Mitteldeutsche Zeitung". Warum nicht, bleibt unklar. Nothelle hatte bis 2019 sieben Jahre lang das Programm verantwortet und zusätzlich zu einer Abfindung das vertraglich vereinbarte Ruhegeld erhalten. Der RBB hatte die Zahlungen 2023 unter Intendantin Ulrike Demmer zunächst eingestellt und Rückforderungen gestellt. Da eine Einigung scheiterte, landete der Fall vor Gericht. Nothelle arbeitet mittlerweile als Professorin für Fernsehjournalismus an der Hochschule Magdeburg-Stendal.
spiegel.de, bild.de, mz.de (€), turi2.de (Background)
Kooperation trotz Konkurrenz – über den Rechercheverbund von NDR, WDR und “Süddeutscher Zeitung”.

NDR und WDR arbeiten seit 2014 mit der “Süddeutschen Zeitung” in einem Rechercheverbund zusammen. Zu den gemeinsamen Enthüllungen gehörten Exklusivgeschichten zu Terrorbekämpfung, Wirtschaftskriminalität und illegalen Parteispenden. Luka Simon hat die Recherchekooperation für eine Masterarbeit im Studiengang Journalistik und Kommunikationswissenschaft an der Uni Hamburg untersucht und Interviews mit neun investigativen Journalistinnen und Journalisten geführt, die in dem Verbund arbeiten. Themen waren Arbeitsweisen, Probleme und Konflikte. Ihre Aussagen werden in Simons Text anonymisiert wiedergegeben. Ihr Beitrag ist Teil der Reihe Das Beste aus epd Medien bei turi2.
weiterlesen…, medien.epd.de (Beitrag bei epd Medien)

Weidel gegen Welt: Jan Philipp Burgard, Chefredakteur von Springers "Welt", weist Vorwürfe von Alice Weidel zurück. Die AfD-Chefin hatte im Anschluss an ein Interview in Burgards TV-Talk via X von einem "Vollversagen der Medien" geschrieben. Der Anlass: Burgard hatte die Politikerin auf Nazi-Parolen wie "Alles für Deutschland" und "Jugend wird durch Jugend geführt", die in ihrer Partei verwendet wurden, angesprochen. Weidel schreibt, der Journalist habe ihr diese Aussagen "in den Mund gelegt". Burgard könne den Vorwurf "nicht nachvollziehen", teilt er in einem Statement gegenüber turi2 mit. Der Sender habe "das Interview ungeschnitten im TV gesendet und auch in voller Länge online gestellt, sodass sich jeder Zuschauer selbst ein Bild machen kann." In dem Gespräch hatte Weidel u.a. den Verfassungsschutz als "Schmierige Stasi-Spitzel" bezeichnet.
turi2 – eigene Infos, x.com (Weidel), welt.tv (mit 35-Min-Interview)
(Foto: IMAGO / dts Nachrichtenagentur)
"Unser Auftrag ist es, zur Versachlichung der Debatten beizutragen. Das müssen wir uns viel energischer klar machen."
"Tagesthemen"-Moderatorin Jessy Wellmer äußert sich im KNA-Interview zur Rolle der öffentlich-rechtlichen Medien in Deutschland und sagt im Vergleich zu privaten Wettbewerbern: "Wir und unsere Schlagzeilen müssen sich nicht in dem Maße an Klickzahlen orientieren."
kress.de
(Foto: ARD/Marc Rehbeck)
Video-Tipp: Die 3sat-Doku "True Art Crime" befasst sich mit spektakulären und dreisten Kunstverbrechen in Europa. Beim Schirn-Raub in Frankfurt verschwinden 1994 drei geliehene Gemälde, zwei davon aus der Tate Gallery in London. Deren Versicherungssumme von 24 Mio Pfund lässt die Tate schließlich nach umstrittenem Rückkauf Jahre später finanziell besser dastehen zuvor. Gleich zweimal wurde Munchs "Der Schrei" geklaut – jeweils in einer unterschiedlichen Fassung.
3sat.de (57-Min-Video)
(Foto: ZDF)

ARD-Programmdirektorin Christine Strobl verteidigt im Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" den Föderalismus innerhalb des Senderverbundes, der Entscheidungen und Abstimmung nicht immer leicht macht. "Wir sind vielfältiger, weil es bei uns immer mindestens fünf bis sechs gute Ideen gibt. Das führt auch im Ergebnis zu einem weniger konformistischen Programmangebot." Zugleich bringe die föderale Struktur "gewaltige Vorteile" mit sich, da in der ARD "niemand allein irgendeine inhaltliche Richtung vorgeben" könne, auch sie nicht. Mit Blick auf die Kommunikation um "ttt" und Klar" räumt Strobl allerdings ein: "Wir müssen aus jedem dieser Vorfälle lernen, weil diese Vielstimmigkeit und Langsamkeit in der Kommunikation in bestimmten Krisen zum Problem werden kann." Vorwürfe einer fehlenden konservativen Ausrichtung im Programm weist Strobl zurück: "Ich kann nicht erkennen und sehe auch keine Belege dafür, dass wir insgesamt unausgewogen wären." Sie vermisse "keine konservative Stimme", gute journalistische Arbeit entstehe "nicht durch eine politische Orientierung, sondern durch fundierte Recherche und differenzierte Darstellung". Dennoch kündigt Strobl eine wissenschaftliche Untersuchung an, um die Debatte zu objektivieren.
sueddeutsche.de (€)
(Foto: ARD/Alexander von Spreti)

Gefährliche Wahrheit: Die Organisation Reporter ohne Grenzen verzeichnet in ihrer Jahresbilanz weltweit 67 getötete Journalisten im Zeitraum von Dezember 2024 bis Dezember 2025. Hauptursachen für die gewaltsamen Tode sind Kriege und das organisierte Verbrechen. Mit 43 % sei fast die Hälfte der in den vergangenen zwölf Monaten getöteten Journalisten in Gaza durch teils gezielte Angriffe der israelischen Armee ums Leben gekommen. Mexiko bleibe mit neun Morden für Journalisten das zweitgefährlichste Land der Welt. Weltweit sitzen laut ROG 503 Medienschaffende in Haft, wobei China mit 121 Gefangenen die Liste anführe. Die Zahl der vermissten Reporter stieg auf 135, was unter anderem auf die unklare Lage in Syrien nach dem Sturz des Assad-Regimes zurückzuführen sei. Die Gewerkschaft DJU zeigt sich über die Zahlen "tief besorgt".
derstandard.at, taz.de, reporter-ohne-grenzen.de, dju.verdi.de
(Bild: Reporter ohne Grenzen / RSF)

Ende der Sprechstunde: Der MDR beendet nach mehr als fünfeinhalb Jahren die Produktion des Podcasts Kekulés Gesundheits-Kompass. Das Format mit Virologe Alexander Kekulé war im März 2020 als "Kekulés Corona-Kompass" gestartet und wurde nach Ende der Pandemie in den breiter angelegten "Gesundheits-Kompass" überführt. Der MDR begründet das Aus mit einer Neuausrichtung seines Podcast-Portfolios. Auch die notwendigen Sparmaßnahmen des Senders dürften ein Grund sein. Die letzte Ausgabe erscheint am 18. Dezember. In anderen aktuellen MDR-Formaten bleibe Kekulé weiter ein "geschätzter Gesprächspartner".
presseportal.de
(Foto: MDR/Stephan Flad)

United Publishers: Der Weltverband der Zeitungsverleger WAN-IFRA und der internationale Verband der Zeitschriftenverleger FIPP legen zum 1. Januar 2026 ihre Geschäfte zusammen. Durch die Fusion entsteht die weltweit größte Allianz der Branche, die über 20.000 Medienmarken in 120 Ländern vereint. FIPP integriert sich als neuer Bereich "Consumer Lifestyle and Special Interest Media" unter der Leitung des bisherigen CEOs Alastair Lewis in die WAN-IFRA-Strukturen. Die Marke FIPP und der jährliche Kongress bleiben erhalten. Die Verbände reagieren mit der Fusion auf die Transformation der Medienlandschaft und die Dominanz globaler Tech-Plattformen.
new-business.de, wan-ifra.org

Digitaler Freund und Helfer? Der MDR beleuchtet in einer Doku für ARD Wissen den Einsatz von Chatbots zur Pflege der psychischen Gesundheit. Psychotherapeut Umut Özdemir (rechts) wagt ein Experiment, bei dem Probanden nicht wissen, ob sie mit einem Menschen oder einer Maschine kommunizieren. Der Film zeigt u.a. ein Paar, das ChatGPT als Mediator nutzt, sowie einen Studenten, dessen Wahnvorstellungen die KI sogar verstärkt. Fachleute wie Psychologe Bertolt Meyer und die Ethikerin Judith Simon ordnen die Risiken und Chancen der Technologie ein.
presseportal.de, ardmediathek.de (45-Min-Video)
(Foto: MDR/Johanna Wittig)

Zahl des Tages: Wachsame 42 % der Deutschen sehen die Demokratie durch Falschnachrichten in sozialen Medien gefährdet, sagt eine repräsentative Studie des Vodafone Instituts. Fast 24 % berichten von häufigem Kontakt mit Desinformation in den vergangenen Monaten. Besonders groß sei die Sorge vor KI-generierten Inhalten in Wahlkampfzeiten. Für 53 % der Menschen gewinnt redaktionelle Berichterstattung an Bedeutung.
presseportal.de

Mitteldeutliche Reduzierung: Der MDR muss 2026 weitere 10 Mio Euro einsparen – zusätzlich zu den bereits bekannten 160 Mio Euro bis 2028. Aufgrund der Unsicherheiten zur künftigen Höhe des Rundfunkbeitrags würden im Wirtschaftsplan für 2026 vorsorglich 10 Mio Euro gesperrt, kündigt Intendant Ralf Ludwig (Foto) im Rundfunkrat an. Nach derzeitigen Planungen werde der Sender das Wirtschaftsjahr 2026 bei geplanten Gesamtaufwendungen von knapp 766 Mio Euro mit einem Defizit von rund 21 Mio Euro abschließen. Im Zuge der Einsparungen plant der MDR, Eigenproduktionen zu reduzieren und stattdessen stärker auf Qualität zu setzen, insbesondere Dialogangebote in den Programmen sollen ausgebaut werden.
Vor allem bei den Freien sorgten die Sparpläne für große Unzufriedenheit, berichtet "epd Medien". Die Honorarsätze sollen zu Jahresbeginn "teils drastisch gesenkt" worden sein. MDR-Sprecher Michael Naumann verneint gegenüber "epd Medien" eine einseitige Belastung der freien Mitarbeiter. Der MDR wäge "notwendige Maßnahmen sehr verantwortungsbewusst und sorgfältig ab". Einsparnotwendigkeiten beträfen "sämtliche Bereiche des Senders", sagt Naumann.
medien.epd.de (€), evangelische-zeitung.de, evangelische-zeitung.de (Freie)
(Foto: MDR/Hagen Wolf)

Ausgetextet: Der RBB stellt in dieser Woche nach mehr als drei Jahrzehnten sein eigenständiges Teletext-Angebot ein und übernimmt den ARD-Text. Lediglich im 300er-Bereich gibt es künftig noch Programmvorschauen für das RBB-Fernsehen sowie einen Nachrichten-Überblick von RBB24 Inforadio. Auch Untertitel für Hörgeschädigte auf Seite 150 bleiben erhalten. Der Online-Ableger sowie die App vom "rbbtext" entfallen hingegen ersatzlos. Intendantin Ulrike Demmer begründet den Schritt mit notwendigen Einsparungen des Senders und verändertem Mediennutzungsverhalten.
presseportal.de, rbbtext.de
(Bild: Screenshot rbbtext)

Kontroll-Rätin: Der Hörfunkrat des Deutschlandradios entsendet Politikwissenschaftlerin Jeanette Hofmann in den neu zu schaffenden Medienrat, der senderübergreifend die Arbeit des öffentlich-rechtlichen Rundfunks überwachen soll. Hofmann ist Professorin für Internetpolitik an der FU Berlin sowie Forschungs- und Gründungsdirektorin des Alexander von Humboldt Instituts für Internet und Gesellschaft. Zudem genehmigt der Hörfunkrat den Jahresabschluss 2024, der 1,9 Mio Euro Überschuss aufweist. Im Wirtschaftsplan für 2026 stehen geplanten Einnahmen von 294 Mio Euro Ausgaben in Höhe von 327,1 Mio Euro gegenüber. Die Differenz wird aus vorhandenen Rücklagen finanziert.
deutschlandradio.de, turi2.de (Medienrat)
(Foto: IMAGO / dts Nachrichtenagentur)

Frisches Kapital: Die Funke Mediengruppe platziert zum ersten Mal in ihrer Geschichte ein Schuldscheindarlehen am Markt und sammelt damit 100 Mio Euro ein. Funke will die Mittel für weitere Wachstumsprojekte und die digitale Transformation nutzen. Die Tranchen haben Laufzeiten von drei und fünf Jahren bei variabler und fester Verzinsung. Verlegerin Julia Becker sieht in dem Schritt ein Signal dafür, dass Qualitätsjournalismus Zukunft hat. CFO Simone Kasik stellt weitere Zukäufe in Aussicht.
meedia.de, funkemedien.de

Unter vier Augen: Red-Bull-Sender ServusTV richtet sich mit einer neuen Sendung speziell ans deutsche Publikum. Im neuen Talk-Format "Klartext Deutschland" bittet Moderator David Rohde (rechts) seine Gäste künftig zum direkten Einzelgespräch. Erster Gast ist am 11. Dezember der Polizeigewerkschafter Manuel Ostermann, eine Woche später kommt CDU-Urgestein Wolfgang Bosbach (links). 2026 sollen weitere Ausgaben folgen. Zu sehen ist die Sendung über die Streaming-Plattform ServusTV on.
dwdl.de, presse.servustv.com
(Foto: ServusTV / Terminal D.)

Gemischte Gefühle: Für den TV-Abschied von Thomas Gottschalk bei RTL finden die Kritiker lobende und tadelnde Worte. Im Spiegel sieht Janko Tietz einen "Abschied auf Kik-Discounter-Niveau". Die RTL-Show "Denn sie wissen nicht, was passiert" steht für ihn "stellvertretend für den Niedergang des ganzen Landes". Der Sender habe Gottschalk mit einer Routine verabschiedet, "als ginge der Sachbearbeiter Klaus Müller aus dem Controlling in den Ruhestand".
Johanna Ewald sieht für die Funke Medien "eine Art Humor, der an alte Gottschalk-Abende erinnert – allerdings an jene, über die man später diskutiert hat". Die Show sei manchmal lustig gewesen, habe aber meist "wie aus einer Zeit gefallen" gewirkt, in der Unterhaltung auf Kosten anderer funktioniert habe.
Marlene Knobloch beurteilt den TV-Abend in der "Zeit" als "unkitschig" und "historisch". Selbst Sven Kuschel von "Bild", sieht "eine ruhige Würdigung. Kein Feuerwerk", wenn er auch mit "Tränen-Abschied" titelt und noch etwas tiefer in die Emotionen-Kiste greift, als andere Beobachter. Beim Schwesterblatt "Welt" ist Volker Corsten der Meinung: "Diese letzte Show hätte man Thomas Gottschalk ersparen sollen." Der Versuch von RTL "eine normale Spielshow zu simulieren" sei gründlich misslungen. Mit seinem Interview am Ende der Sendung habe Günther Jauch den Abgang seines alten Freundes "gerettet".
Im "Tagesspiegel" beobachtet Joachim Huber, wie sich die Stimmung in den Medien zugunsten Gottschalks drehte, nachdem er seine Krebs-Erkrankung öffentlich gemacht haben: Die "Ekpathie" sei in "Empathie" umgeschlagen. "Jetzt werden Daumen gedrückt, die vorher nach unten gezeigt wurden." Gottschalk, ist Huber überzeugt, "hat sich um das deutsche Fernsehen verdient gemacht".
spiegel.de (€), morgenpost.de (Funke), zeit.de, bild.de, welt.de, tagesspiegel.de
(Foto: RTL / Julia Feldhagen)

Gut gewirtschaftet: Michael Freitag ist "Wirtschaftsjournalisten des Jahres" 2025. Der stellvertretende Chefredakteur des "Manager Magazins" überzeugt die Jury des Fachblatts "Wirtschaftsjournalist:in", das wie turi2 im Medienfachverlag Oberauer erscheint. Die Juroren loben ihn als bestvernetzten Beobachter der Automobilindustrie. Sie heben zudem seine analytische Stärke und gründliche Recherche hervor. Im Ranking folgen Larissa Holzki vom "Handelsblatt" und Horst von Buttlar von der "Wirtschaftswoche". Damit geht der Titel zum zweiten Mal in der Geschichte des Preises an das "Manager Magazin". Marc Beise von der "Süddeutschen Zeitung" erhält den Preis für sein Lebenswerk. Der 66-Jährige verabschiedet sich zum Jahresende in die Rente.
wirtschaftsjournalistin.com, shop.oberauer.com (€, Magazin mit ausführlicher Jury-Begründung)
Blick zurück: Springer hat 2024 im Mediengeschäft in Deutschland und den USA 2,4 Mrd Euro umgesetzt und ein gestiegenes Ebitda von 360 Mio Euro erwirtschaftet, berichtet der "Standard" aus einem Gespräch mit Aufsichtsratschef Jan Bayer. Die US-Mediengruppe "Politico" wachse "jedes Jahr im Umsatz" und verdiene ihr Geld mehrheitlich mit B2B-Abos. Bayer propagiert Optimismus für die Medienbranche: "Wenn sich Journalismus darauf besinnt, wo er herkommt und welche Aufgaben er hat, dann ist mir nicht bange."
derstandard.de
(Foto: Axel Springer)
KI-Koop: Social-Konzern Meta schließt eine neue Partnerschaft mit Verlagshäusern, um deren Inhalte für seinen KI-Assistenten zu nutzen. Zum Start sind US-Medien wie CNN, Fox News und "USA Today" dabei sowie als einziges EU-Angebot "Le Monde" aus Frankreich. Der eigene KI-Assistent solle so laut Meta "reaktionsfähiger, genauer und ausgewogener" werden. Man visiere zudem weitere Partnerschaften an.
stern.de
Bildet sich weiter: Für Axel Springer hat Künstler Noma Bar die Konzerngrundsätze in Piktogramme übersetzt, die seit Dezember an den globalen Standorten präsent sind. Bar betrachtet sie als "eine tägliche Erinnerung daran, dass wir für universelle Werte einstehen". CEO Mathias Döpfner sieht in den regelmäßig aktualisierten "Essentials", die auf Unternehmensgründer Axel Springer zurückgehen, eine "Transparenz", die "aufrichtiger als jede behauptete Neutralität" sei.
axelspringer.com
(Foto: Axel Springer)
Klartext? Der NDR-Intendant Hendrik Lünenborg sieht bei der Causa "Klar" vor allem ein Kommunikationsproblem, zeigt sich im Interview mit "epd medien". Für ihn "waren bestimmte Zuständigkeiten zu Beginn nicht eindeutig festgelegt", weshalb "keine stringente Kommunikation" folgen konnte. Angesprochen auf Interna, die zu "Welt" gelangt sind, sagt Lünenborg, er wolle "für ausreichend psychologische Sicherheit sorgen, damit der Drang, Probleme nach außen zu tragen, geringer wird". Er verneint zudem, dass das Tischtuch zwischen NDR und BR wie vom "Spiegel" beschrieben "zerschnitten" sei. Man arbeite "auf ganz unterschiedlichen Ebenen hervorragend zusammen" und er selbst pflege "einen guten Austausch mit der Intendantin". Lünenborg plädiert für "Besonnenheit" und reklamiert für sich sowie die Redaktionen Zeit, "einmal runterzuzählen von zehn auf Null und zu überlegen, statt sofort eine Meinung oder eine Reaktion zu haben". Infolge des negativ ausgefallenen Klimaberichts des NDR vor zwei Jahren habe sich die Auswahl von Führungskräften und das Führungsleitbild verändert, sagt er. Insgesamt laufe ein "umfangreicher Kulturprozess, der kontinuierlich weitergeht".
medien.epd.de (€)
(Foto: NDR/Janis Röhlig)