Verdi kritisiert SWMH-Sparmaßnahmen.

SWMH schließt wohl zuerst die Regional-Redaktionen in Esslingen, Böblingen, Waiblingen und Göppingen, schreibt Josef-Otto Freudenreich. "Stuttgarter Zeitung" und "Stuttgarter Nachrichten" müssen laut Freudenreich außerdem jeweils drei ihrer zwölf Exklusiv-Autoren einsparen. Verdi nennt den SWMH-Plan einen "Personalabbau nach Gutsherrenart", weil der Betriebsrat vor vollendete Tatsachen gestellt worden sei.
kontextwochenzeitung.de, turi2.de (Background)

Lese-Tipp: Juliane von Reppert-Bismarck erzählt, wie Schüler Medien wahrnehmen.

Lese-Tipp: Juliane von Reppert-Bismarck spricht im Interview mit Silke Fokken über ihre Erfahrungen mit ihrem Projekt Lie Detectors. Dabei gehen Journalisten in Schulklassen und vermitteln, wie sie Fake News identifizieren können. Ein Aha-Erlebnis sei für von Reppert-Bismarck gewesen, als ihr 13-jähriges Patentkind erzählt habe, dass viele Klassenkameradinnen für Donald Trump seien und dies an Botschaften auf Instagram liege.
spiegel.de

Meinung: Frauenquote der “taz” in Artikeln ist nachahmenswert.

Journalismus: Rund zwei Drittel der erwähnten Personen in deutschen Tageszeitungen sind männlich, errechnet der Gendertracker. Die "taz" bildet mit fast 40 % Frauen eine Ausnahme, denn sie hat sich eine Quote auferlegt, schreibt Annika Schneider. Frauen hätten oft Zweifel an ihrer eigenen Expertise, Redakteure suchten Gesprächspartner v.a. in Adressdatenbanken, Archiven und sozialen Medien – wo mehr Männer vorkommen. Es gehe nicht um Frauenförderung, sondern andere Netzwerke, Themen und Perspektiven für den Journalismus, sagt Tabea Grzeszyk.
deutschlandfunk.de

Meinung: Journalisten müssen Sprach-Framing erkennen.

Nachrichtensprache: Journalisten berichten über den "Wirtschaftsnobelpreis", obwohl es ihn nicht gibt – das zeigt ein grundsätzliches Problem mit inhaltlich falscher Verkürzung, meint Tanja Köhler. Journalisten sollten besser auf objektive Sprache achten. Köhler rät, weder positiv umgedeutete Begriffe wie "Gute-Kita-Gesetz", noch negative wie " Kopftuchmädchen" zu nutzen. T-Online scannt seine Artikel dafür z.B. mit einer Software, die Floskeln findet, der "Guardian" hat einen Style-Guide.
deutschlandfunk.de

Jörg Kachelmann wirft dem RBB unseriöse Wetterberichte vor.

RBB streitet sich mit Jörg Kachelmann (Foto) über angeblich erfundene Temperaturwerte in Wetterberichten des RBB-Inforadio, schreibt Übermedien. Einige Temperaturwerte aus dem Sendegebiet seien berechnet statt gemessen, was Kachelmann bereits vergangene Woche bei Twitter als "Fake" kritisierte. Der RBB spricht von "fachüblichen Berechnungsmodellen".
uebermedien.de

Meinung: Medien sollten Terroristen nicht namentlich nennen oder ihre Bilder zeigen.

Terror-Berichterstattung sollte Tätern nicht zu viel Raum bieten, da der vermeintliche Ruhm sonst Nachahmer anstachelt, schreiben Jens Lubbadeh und Birgit Herden und berichten über Untersuchungen zum Thema. Forscher empfehlen, Namen und Fotos der Täter nicht zu veröffentlichen und die Überschriften nicht auf die Täter zu münzen. Auch sollten Journalisten Schlagwörter, die Täter nutzen, vermeiden, da das mit ihnen verbundene Gedankengut sonst Verbreitung finde, wenn Leser nach den Begriffen suchen.
welt.de

Meinung: “MOZ” ist für die ostdeutsche Medienlandschaft sehr wichtig.

Märkische Oderzeitung 150Märkische Oderzeitung macht journalistischen Spagat, um Rentner und Zugezogene zu adressieren, konkurriert dabei mit dem digitalen Lokalnachrichten-Angebot des RBB und will den Austausch mit Polen fördern, beobachtet Kevin Hanschke. Für die ostdeutsche Medienlandschaft sei die "MOZ", die eines der größten Verbreitungsgebiete Deutschlands abdeckt, wichtiger Bestandteil. Die schlechte Handynetz-Abdeckung erschwert der Redaktion die Digitalisierung,
"FAZ", S. 13 (Paid)

EU-Reporter fordern bessere Infos und eigene Sprecher für EU-Kommissare.

Journalismus: Die EU-Reporter-Vereinigung API haben Ursula von der Leyen eine Wunschliste für deren Zeit als EU-Kommissionschefin geschickt. Sie fordern u.a. relevante Infos bei den täglichen Midday Briefings und dass sie Dokumente nicht erst kurz vor diesen Pressekonferenzen bekommen, außerdem eigene Sprecher für jeden Kommissar.
"Süddeutsche Zeitung", S. 10 (Paid)

“Thüringer Allgemeine” druckt nach Interview-Absage von Höcke Weißraum.

Thüringer Allgemeine erscheint am Montag mit Weißraum, an der Stelle war ein Interview mit AfD-Politiker Björn Höcke geplant. Das vereinbarte Gespräch sei abgesagt worden. Chefredakteur Jan Hollitzer (Foto) möchte vor Thüringens Landtagswahl "sachlich, ausgewogen und fair" mit der gleichen Aufmerksamkeit über alle Parteien berichten - auch über Höcke.
Thüringer Allgemeine S. 2 (Paid)

Meinung: Überzogene Ansprüche in Social Media gefährden die Authentizität.

Social Media verändert die Kommunikation zwischen Politikern und Bürgern, kommentiert Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen bei NDR Kultur. Die Menschen hätten "überzogene Ansprüche" an vermeintliche Idole, die auch von Journalisten aufgebauscht würden. Die vielfach gewünschte Authentizität gehe beim Drang nach Perfektionismus verloren.
ndr.de

Übermedien: Deutschlandradio trennt sich nach gefälschten Reportagen von Mitarbeiter.

Radio Relotius: Deutschlandradio trennt sich von einem Mitarbeiter, der vermeintliche Vor-Ort-Reportagen lieferte, obwohl er selbst nie vor Ort war, berichtet Daniel Bouhs. Der Deutschlandradio-Reporter habe im vergangenen halben Jahr O-Töne verwendet, die er selbst nicht geholt hat, was er aber nicht kennzeichnete. Das Material stamme aus anderen Medien. Mit atmosphärischen Elementen habe er den Eindruck erweckt, er wäre persönlich vor Ort. Deutschlandradio und der inzwischen gekündigte Journalist bestätigen auf Anfrage von Übermedien den Fall.

"Der Fall ist kein zweiter Relotius", betont Deutschlandfunk-Chefredakteurin Birgit Wentzien bei Übermedien. Der Journalist habe keine Geschichten erfunden, die Fakten stimmten. Der Reporter berichtete knapp zwei Jahrzehnte für Deutschlandradio, zuletzt aus dem europäischen Ausland. Der Journalist sagt, er habe aus einer "persönlichen Notlage" gehandelt, "aber das entschuldigt nichts". Aus "persönlichen Gründen" habe er seinen Wohnort für Reportage-Reisen nicht verlassen können. Der Sender hat die Zusammenarbeit beendet.
uebermedien.de (Paid)

Britisches Königshaus verklagt “The Sun” und “Mirror”.

Plötzlich Prinzessin Angeklagter: Der britische Prinz Harry verklagt die Betreiber der UK-Boulevardzeitungen "Sun" und "Mirror", berichtet die Londoner Enthüllungs-Plattform Byline Investigates. Die Zeitungen hätten Voice-Mail-Nachrichten illegal abgehört, um an private Informationen über den Prinzen zu gelangen. Das britische Königshaus hat die Anklage bestätigt, meldet die dpa.

Die Vorwürfe richten sich gegen den Verlag News Group Newspapers, zu dem die "Sun" gehört, sowie gegen Reach, Herausgeber vom "Mirror". Die Zeitungen gehören zu den auflagenstärksten Blättern in Großbritannien. Der Prozess soll frühestens 2021 starten und sich auch auf die Aktivitäten von Privatdetektiven beziehen, welche von "The Sun", den "Mirror"-Titeln sowie der inzwischen eingestellten "News of the World" beauftragt wurden, meldet Byline Investigates.
bylineinvestigates.com, faz.net, gala.de

Gabor Steingart zieht “Journalist”-Interview zurück, das Magazin druckt nur die Fragen.

Journalist veröffentlicht ein Interview mit Gabor Steingart, von dem nur die Fragen übrig bleiben. Nach Darstellung des DJV-Blatts habe Steingart erst versucht, seine Antworten umzuschreiben und in die Fragen der Autorin einzugreifen. Später ließ er seine Aussagen über seinen Anwalt Christian Schertz komplett zurückziehen.
journalist-magazin.de, deutschlandfunk.de, twitter.com (Reaktion Steingart)

Aus dem Archiv von turi2.tv: Gabor Steingart über seine Pläne, Journalismus ohne Werbung zu treiben. (4/2019)

Meinung: Die Berufsempörten erhalten zu viel Raum, beobachtet Giovanni di Lorenzo.

Klassische Medien messen "Berufsempörten von links und von rechts" zu viel Bedeutung bei, kritisiert Giovanni di Lorenzo. Dadurch werde ein ­Resonanzraum geschaffen, den sie allein nie hätten. Es habe zwar schon immer Empörung gegeben, aber das Massenphänomen habe sich erst durch die technischen Gegebenheiten der digitalen Medien in dem Maße entfaltet.
horizont.net (Paid)

“Hypervernetzung macht Gesellschaften verrückt”: Zukunftsforscher Matthias Horx über die Zukunft des Fernsehens.


Zurück in die Zukunft: Das Fernsehen wird eine Renaissance erleben, prognostiziert Zukunftsforscher Matthias Horx im Video-Interview von "Horizont" und turi2.tv beim AGF-Forum 2019. Vor 20 Jahren habe er das bereits bei der "Zeit" gesehen. Damals hätte für viele festgestanden, dass das Medium nie überleben wird: "Viel zu lange Texte, umständlich, intellektuell, kapiert kein Schwein – und heute ist es das ökonomisch bestfunktionierende wöchentliche Printprodukt in Deutschland."

Um in Zeiten der Hypervernetzung zu überleben, müsse sich das Fernsehen wieder auf seine Kernkompetenzen besinnen, also die "komplexe Darstellung von Wirklichkeit". Der Trend gehe immer weiter zum Negativen, was zu "Hasswellen und politischer Manipulation" führe. Dies bringe zwar auf der einen Seite größere Aufmerksamkeit. Andererseits mache alles "Üble, was aus dem Netz heraus kriecht" aber auch "Gesellschaften verrückt".
turi2.tv (5-Min-Video)

Zitat: DRadio-Intendant Stefan Raue plädiert für Transparenz durch Erklärung.

"Wir haben lange geglaubt, uns nicht erklären zu müssen. Wir müssen aus unserem Turm raus und erklären, was wir warum tun."

Deutschlandradio-Intendant Stefan Raue sagt im "FAZ"-Interview, dass Transparenz mehr ist als Fehlerkultur. "Unebenheiten" in Beiträgen sollten erklärt statt "poliert" werden.
"FAZ", S. 13 (Paid)

Über Podcast vs. Radio:

"Podcasts müssen sehr schnell an den Hörer gebracht werden. Man muss rasch auf den Punkt kommen. Wir duzen die Hörer auch, nicht weil wir sie ankumpeln wollen, sondern weil die Menschen gerne direkt und persönlich angesprochen werden. Ich habe den Kopfhörer auf, und da spricht jemand direkt mit mir. Das ist ein ganz persönlicher Zugang, nicht das klassische Radio."

Aus dem Archiv von turi2.tv: Stefan Raue will sich den Text im Netz nicht gänzlich verbieten lassen. (12/2017)

Lese-Tipp: Per Mertesacker vermisste in England den Austausch mit Journalisten.

Lese-Tipp: Per Mertesacker, Ex-Arsenal-Fußballprofi und künftiger Dazn-Kommentator, sagt im Interview mit der "Süddeutschen Zeitung", dass sich der Sportjournalismus in Deutschland und England unterscheidet. In England schirmten Vereine die Spieler stärker von den Medien ab. Ein Austausch mit Journalisten sei seltener, was zu mehr Spekulationen in der Yellow Press führe.
"Süddeutsche Zeitung", S. 11 (Paid)

Meinung: Verleger sollten europäische Alternative zu Google schaffen.

Google News: Verlage sollten eine europäische Plattform als Gegenpol zu Google schaffen, kommentiert "FAZ"-Redakteur Michael Hanfeld (Foto). Die Digitalkonzerne seien der Überzeugung, sie stünden über dem Gesetz. In Frankreich verzichtet Google auf Presse-Snippets, um Abgaben aufgrund des Leistungsschutzrechts zu umgehen.
faz.net

Renner: “Süddeutsche”-Digitalchefin Julia Bönisch ist auf dem Absprung.

Krach in der Kiste: Julia Bönisch, Digitalchefin von "Süddeutsche Zeitung", ist bereits seit acht Wochen nicht mehr in der Redaktion tätig, schreibt Kai-Hinrich Renner. Ihre Aufgaben seien auf andere Mitarbeiter verteilt worden. Eine Auflösung des Vertragsverhältnisses scheine trotz eines Vermittlungsversuchs von SWMH-Geschäftsführer Christian Wegner "nahezu unvermeidlich".

Anlass des Zerwürfnisses solle ein bereits im Mai im Fachblatt "Journalist" veröffentlichter Artikel sein. Darin fordert Bönisch der Digitalisierung angepasste Arbeitsabläufe in Redaktionen und schreibt u.a. über leitende Redakteure, dass diese ihre Beförderung "wuchtigen Texten" zu verdanken hätten. Co-Chefredakteur Wolfgang Krach spricht von einem "Vertrauensbruch". Das Verhältnis zwischen Print- und Online-Redakteuren ist bei der "Süddeutschen Zeitung" weiter schlecht, schreibt Renner.
morgenpost.de (Paid), journalist-magazin.de (Bönisch-Artikel)

Aus dem Archiv von turi2.tv: SZ.de-Chefin Julia Bönisch verabschiedet sich vom Reichweitenrennen (Archiv 05/2018).

ÖVP wehrt sich gegen Berichterstattung der Wochenzeitung “Falter”.

Österreich: Die Wochenzeitung "Falter" kassiert eine Unterlassungsklage von der ÖVP. "Falter" berichtete, die ÖVP sei "hochverschuldet" und habe Großspenden verschleiert. Die Partei von Ex-Kanzler Kurz (Foto) zweifelt an der Echtzeit der Quellen. Viele Medien berichteten nicht über die Enthüllungen - aus Angst vor wegbrechenden Anzeigen öffentlicher Stellen, sagt Reporter ohne Grenzen.
deutschlandfunk.de

- Anzeige -
Glaubwürdigkeit ist die wichtigste Währung für Medienhäuser. Doch Glaubwürdigkeit basiert auf Vertrauen – und Vertrauen entsteht durch Nähe. Wie können Medienhäuser diese Nähe herstellen – und dürfen sie das überhaupt? Weltweit haben viele Häuser das für sich mit ‚Ja‘ beantwortet. Wir zeigen die erfolgreichen Beispiele. Jetzt anmelden!

Zitat: Bundespräsident Steinmeier wünscht sich im Radio mehr Orientierung.

"Muten Sie den Hörern ein paar Sätze zu, die bei der Orientierung im unübersichtlichen Gelände des alltäglichen Wahnsinns helfen."

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier ermutigt Programm-Macher beim Deutschen Radiopreis zu mehr Wort mit Tiefgang. Der reine "Dudelfunk" werde sich gegen Spotify und Co nicht behaupten, glaubt er.
twitter.com/ndr

“Le Monde”-Besitzer sagen Mitarbeitern Mitsprache bei neuen Mehrheitsaktionären zu.

Le Monde_150x150Le Monde: Die Mitarbeiter und Aktionär Matthieu Pigasse legen ihren Streit bei. Pigasse und Xavier Niel als weiterer Aktionär sichern den Mitarbeitern, wie von ihnen gefordert, ein Mitspracherecht ein, sollten sich die Mehrheitsverhältnisse an der Zeitung in Zukunft ändern. Der Streit hatte sich am tschechischen Milliardär Daniel Kretinsky entzündet, der seit Oktober 2018 mit 49 % an der Holding von
Pigasse beteiligt ist, in der die "Le Monde"-Anteile liegen. Die Mitarbeiter fürchten um die Unabhängigkeit der Zeitung. Sie halten gemeinsam mit den Leser ein Viertel der Anteile.
tagesspiegel.de, turi2.de (Background)

Mathias Döpfner kritisiert philanthrophische Verleger.

Verlegertum und Journalismus sollten ein Geschäftsmodell bleiben, mahnt BDZV-Präsident und Springer-Chef Mathias Döpfner in seiner Rede auf der BDZV-Mitgliederversammlung. Mit einem Seitenhieb auf das Ehepaar Silke und Holger Friedrich, das den Berliner Verlag gekauft hat und dies auch mit zivilgesellschaftliches Engagement begründet, sagt Döpfner: "Mir wäre lieber, sie sagten: Wir wollen Geld verdienen." Gleichzeitig wirbt Döpfner dafür, die Trennlinien zwischen klassischen Journalisten und Verlegern einerseits und Bloggern und YouTubern andererseits aufzugeben: Jeder Blogger könne der Großverleger der Zukunft sein.
horizont.net, turi2.de (Background)

Klaus Brinkbäumer schreibt “SpiegelStrich”-Kolumne beim “Tagesspiegel”.

Tagesspiegel gewinnt Ex-"Spiegel"-Chefredakteur Klaus Brinkbäumer als Kolumnisten. Der passende Titel für seinen wöchentlichen Auftritt lautet "SpiegelStrich" – Brinkbäumer will über Politik und ihre Sprache schreiben. Er arbeitet bereits als Autor für die "Zeit" im Holtzbrinck-Universum und fand zuletzt kritische Worte für sein Ausscheiden beim "Spiegel".
new-business.de, turi2.de (Background)

Meinung: Urteil zu vertraulichen Hintergrund-Gesprächen hilft der Presse.

Bundesbehörden müssen Journalisten mitteilen, wenn sie mit anderen Journalisten vertrauliche Hintergrundrunden organisieren, entscheidet das Bundesverwaltungsgericht Leipzig. Journalist Jost Müller-Neuhof hatte gegen den BND geklagt. Das Urteil nutze Journalisten, weil die Kontrolle staatlicher Informationspolitik eine wichtige Aufgabe von ihnen sei, schreibt die "taz". Überflüssig seien vertrauliche Gespräche trotzdem nicht, Ministerien könnten so z.B. Themen kommentieren, die ein anderes Ministerium leitet.
taz.de

Zitat: Journalisten sind für Inhalte-Monetarisierung mitverantwortlich, sagt RND-Chefredakteur Marco Fenske.

"Journalisten sollten nicht so arrogant sein zu glauben, sie hätten mit der Monetarisierung ihrer Inhalte nichts zu tun."

Chefredakteure haben eine Verantwortung dafür, welche Reichweiten sie generieren, sagt RND-Chefredakteur Marco Fenske im "Meedia"-Interview. Für die Reichweite von RND.de sei Clickbaiting "überhaupt keine Option".
meedia.de

Berliner Verlegerpaar Friedrich will Medienverdrossenheit bekämpfen – auch mit Print.

Berliner Schnauze: Silke und Holger Friedrich, künftige Eigentümer des Berliner Verlages, wollen sich mit der Verlagsübernahme gegen die Politik- und Medienverdrossenheit stellen, sagt das Ehepaar im Antritts-Interview in ihrer "Berliner Zeitung". "Wir machen das nicht aus einem Mäzenatentum, sondern aus einem bürgerlichen Engagement heraus", sagt Holger Friedrich. Das Berliner Druckhaus solle künftig ausgelastet sein, "vielleicht nicht nur mit Produkten des Berliner Verlages".

"Wenn die Branche in einer Selbstfindungskrise ist, möchten wir zur Selbstfindung beitragen", sagt Silke Friedrich, die "nicht an den Abgesang des Journalismus" glaube. Die Gesellschaft brauche meinungsstarke, faktenorientierte Medien in einer "unfassbar komplexen Welt".
berliner-zeitung.de, turi2.de (Background)

Meinung: Streit mit rechtsextremistischen Parteien ist vergeudete Zeit.

Politik: Wer der AfD die große Bühne bietet, unterstützt keinen demokratischen Diskurs, sondern beteiligt sich an den "systematischen Angriffen auf unsere Grundwerte", schreibt "Monitor"-Chef Georg Restle in einem "Zeit"-Gastbeitrag. Die gezielte Provokation sei Kalkül. Nachdem er die AfD als rechtsextremistisch kritisiert hatte, erhielt Restle Morddrohungen.
"Zeit" 39/2019, S. 11 (Paid), turi2.de (Background)

Zitat: Briten meiden Nachrichten aktiv, sagt Rasmus Kleis Nielsen.

"Wir beobachten seit dem Brexit-Referendum einen so starken Vertrauensschwund in die Presse wie nirgendwo sonst."

Rasmus Kleis Nielsen, Direktor des Reuters Institutes, beobachtet bei den britischen Mediennutzern eine Ermüdung, sagt er im Interview mit der "Süddeutschen". Selbst News-interessierte Bürger würden Nachrichtensendungen aktiv meiden, da die Brexit-Berichterstattung sie "depressiv mache und ihnen zu viel Kraft raube".
sueddeutsche.de

Journalisten von “Le Monde” ringen um Mitsprache bei Eigentümer-Verhältnissen.

Le Monde_150x150Frankreich: Die Journalisten der Tageszeitung "Le Monde" streiten mit Privatinvestor Matthieu Pigasse um die Aufnahme des tschechischen Aktionärs Daniel Kretinsky. Pigasse will eine Vereinbarung nicht unterzeichnen, die einer Vertretung von Journalisten, Mitarbeitern, Lesern und Minderheitsaktionären ein Veto bei Eigentümer-Veränderungen einräumen würde. Pigasse erklärt, er wolle seine Mehrheitsanteile behalten, die Journalisten fürchten, er habe Kretinsky ein Vorkaufsrecht eingeräumt.
tagesspiegel.de, sueddeutsche.de, turi2.de (Background)

Facebook will Werber daran hindern, Schlagzeilen in Anzeigen umzuschreiben.


Wahrhaftig oder werbisch? Facebook, zuletzt im geflissentlichen Gewand des Fake-News-Bekämpfers unterwegs, will Verlegern künftig die Kontrolle über Schlagzeilen journalistischer Artikel zurückgeben. Wenn Werbetreibende sie für Anzeigen nutzen, können sie die Überschriften bisher beliebig umtexten. In Großbritannien hat die konservative Partei den Titel eines BBC-Artikels über das Bildungswesen zu ihren Gunsten umgedichtet. Die Faktenchecker von Full Fact bemängelte die Überschrift als irreführend. Facebook ermögliche so Desinformation u.a. in Wahlkämpfen und das Ausnutzen der Glaubwürdigkeit von Medienmarken.
welt.de, cbc.ca

Olaya Argüeso und Justus von Daniels werden Correctiv-Chefredakteure.

Correctiv macht Olaya Argüeso, 44, und Justus von Daniels, 41, zu den Nachfolgern des bisherigen Chefredakteurs Oliver Schröm, der zurück zum NDR geht. Argüeso ist seit 2018 bei Correctivund hat u.a. bei den Recherchen zu den CumExFiles und Grand Theft Europe mitgearbeitet. Von Daniels ist seit 2015 beim Rechercheverbund und leitete zuletzt das Lokal-Team.
correctiv.org, turi2.de (Background)

Zusammen streiten ist wichtig, sagt “taz”-Chefredakteur Georg Löwisch.

"Es ist wichtig, sich nicht so zu zerstreiten, dass gar nicht mehr geredet wird. Es ist wichtig, zusammen zu streiten."

"taz"-Chefredakteur Georg Löwisch sagt auf der Versammlung der "taz"-Genossenschaft, ein guter Streit schließe ein, "dass beide Seiten denken: Vielleicht irre ich mich ja doch".
blogs.taz.de

Aus dem Archiv von turi2.tv (09/2017): Chefredakteur Georg Löwisch zeigt die "taz".

“manager magazin” vermutet finanzielle Probleme bei Edition F.

Edition F steckt in der Krise, schreibt das "manager magazin", nach Chefredakteurin Teresa Bücker hat auch Nachfolgerin Silvia Follmann den Hut genommen. Bücker habe dem Onlinemagazin mit Beiträgen über Diskriminierung und Gleichberechtigung Relevanz gebracht, die nun verloren gehe. Ob das bisherige Konzept Edition F über Wasser halten könne, sei fraglich, die finanzielle Lage laut Insidern angespannt. Gründerin Susann Hoffmann widerspricht und will im Oktober die neue Chefredaktion präsentieren.
manager-magazin.de

Lese-Tipp: “Spiegel” veröffentlicht Abschnitt aus Juan Morenos Relotius-Buch.

Lese-Tipp: Der "Spiegel" veröffentlicht einen Auszug aus dem Buch von Juan Moreno über Claas Relotius. Moreno charakterisiert Relotius als notorischen Lügner und beschreibt, wie der Reporter gegenüber Vorgesetzten eine krebskranke Schwester erfand. Steffen Klusmann schreibt, Morenos Buch sei keine Abrechnung – aber keines, das dem "Spiegel" gefallen kann.
spiegel.de (Auszug), spiegel.de (Klusmann)

Aus dem Archiv von turi2.tv: "Spiegel"-Chef Steffen Klusmann über die Konsequenzen aus dem Relotius-Skandal.

Björn Höcke bricht ZDF-Interview ab und droht mit “massiven Konsequenzen”.

ZDF: Thüringens AfD-Chef Björn Höcke bricht ein Interview mit der ZDF-Sendung "Berlin direkt" ab und droht dem Reporter mit "massiven Konsequenzen". Er hatte Höcke über seine Sprache und genutzte NS-Begriffe befragt. Sein Sprecher, Ex-"Welt"-Mann Günther Lachmann, beklagt, die Fragen hätten Höcke "stark emotionalisiert".
welt.de, zdf.de (17-Min-Video)

Springer kündigt Sparkurs an und bekennt sich zur “Welt”.

Die Welt am Marterpfahl: Springer plant einen Stellenabbau bei "Bild" und "Welt" sowie bei den Druckereien und Zeitschriften, kündigen Friede Springer, Mathias Döpfner und KKR-Europachef Johannes Huth im Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" an. "Wir werden eher bei den Häuptlingen als bei den Indianern sparen," sagt Döpfner, der Hierarchien verschlanken wolle. Für "digitales Wachstum" wolle Springer in der Summe Arbeitsplätze aufbauen. Die defizitäre "Welt" bleibe "ein essenzieller Teil" von Springer, verspricht Döpfner.

Springer wolle "ein journalistisches Haus" bleiben, "Welt" solle auch als gedruckte Ausgabe fortgeführt werden. "Allein das Rascheln des Papiers - wunderbar", sagt Friede Springer, die Großaktionärin beim Konzern bleibt. Die bisher getrennten Redaktionen von "Bild" und "Bild am Sonntag" sollen künftig "intensiver" zusammenarbeiten, die beiden Marken bleiben erhalten. KKR wolle Springer "langfristig begleiten" und schließt weitere Übernahmen nicht aus: "Wir werden uns nach Abschluss der Transaktion anschauen, was auf dem Markt ist", kündigt der KKR-Europachef an.
"Süddeutsche Zeitung", S. 20 (Paid)

Zitat: Jan Hollitzer empfindet weitere Einsparungen als produktionsgefährdend.

"All die Sparmaßnahmen, die jetzt an den anderen Funke-Standorten greifen, sind bei uns bereits verwirklicht. Noch weniger geht nicht. Das wäre produktgefährdend."

"Thüringer Allgemeine"-Chefredakteur Jan Hollitzer will den Lokalteil, das "Hauptverkaufsargument", stärken, sagt er im Interview mit dem "Medium Magazin".
mediummagazin.de (Paid)