Zitat: Keine Substantivierungen in Politik-Interviews, fordert Moderator Jörg Thadeusz.

"Keiner von den ganzen Wichtigtuern hat mir je erklären können, warum wir in solchen Momenten von Thematik statt von Thema, von Problematik statt von Problem reden."

Moderator Jörg Thadeusz erklärt im "FAZ"-Interview, warum Abstraktionen und Substantivierungen Politik zu einem unattraktiven Talkshow-Thema machen.
"FAZ", S. 13 (Paid)

Wir graturilieren: Ina Karabasz wird 36.


Wir graturilieren: Ina Karabasz, Leiterin des Live-Journalismus beim "Handelsblatt", feiert heute ihren 36. Geburtstag – und zwar, für eine gebürtige Rheinländerin an Weiberfastnacht ungewöhnlich, in Hamburg mit ihrem Partner, denn sie moderiert abends eine Veranstaltung. Das Beste am abgelaufenen Jahr war für Karabasz die kontinuierliche Weiterentwicklung des Journalismus-Live Konzept mit ihren Kolleg*innen und ein Besuch des Noma in Kopenhagen. Für das kommende Jahr wünscht sie sich viele spannende Themen, immer wieder Neues zu erleben und viel gutes Essen. Gratulationen sind per E-Mail oder Linked-in willkommen.

DJV: Bundesregierung senkt Hürde für Auskunftssperren.

djv-LogoDeutscher Journalisten-Verband setzt bei der Bundesregierung niedrigere Hürden für Auskunftssperren im Melderegister durch. Journalist*innen sollen ihre Daten sperren lassen können, um sich vor Bedrohungen und unbefugten Nachstellungen zu schützen, teilte der Verband in einer Pressemitteilung mit. Die Maßnahme ist Teil eines Gesetzentwurfs zur Bekämpfung von Hasskriminalität, den das Bundeskabinett am Mittwoch beschlossen hat.
djv.de

Lese-Tipp: Zeit Online gibt Einblick in Datenrecherche.

Lese-Tipp: Zeit Online dokumentiert, wie die Redaktion mit wissenschaftlichen Daten arbeitet und wie die Ergebnisse der Datenrecherchen wiederum der Wissenschaft helfen. Die Redaktion veranschaulicht etwa die Umzüge vom Osten in den Westen Deutschlands, dokumentiert, wie sich Themen und Sprache im Bundestag verändert haben und wie sich die Wahlentscheidungen der EU-Bürger entwickeln. Noch nie waren die journalistischen Recherchen von Zeit Online in der Wissenschaft so gefragt wie 2019, schreiben die Autor*innen Elena Erdmann, Philip Faigle und Julius Tröger.
blog.zeit.de

“Focus”: Rudolf Augstein hatte Zweifel an der “Spiegel”-Titelstory von Bad Kleinen.

Spiegel: Der "Focus" wirft dem früheren "Spiegel"-Journalisten Hans Leyendecker vor, Polizei, Öffentlichkeit und seinen Chef Rudolf Augstein in der Causa Bad Kleinen "hinters Licht" geführt zu haben. Augstein kritisierte die Geschichte über den angeblich von der Polizei ermordeten RAF-Mann Wolfgang Grams bereits 1993 scharf und bestellte Leyendecker zum Rapport nach Sylt.
"Focus" 8/2020, S. 40-43 (Paid), turi2.de (Background)

Korrektur: In einer früheren Version dieser Meldung hatten wir geschrieben, dass Augstein bereits vor der Veröffentlichung der Story Zweifel an ihr hatte. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

Video-Tipp: Journalistenreisen gefährden die redaktionelle Unabhängigkeit, warnt “Zapp”.

Video-Tipp: Ein Reporter des "Tagesspiegel" ist auf Einladung der Mode-Marke Tommy Hilfiger nach Kitzbühel gereist, berichtet Daniel Bouhs im NDR-Medienmagazin Zapp. Der "Tagesspiegel" hatte dies im Artikel transparent gekennzeichnet. Doch in einem späteren Interview mit dem Modedesigner fehlte ein solcher Hinweis, was die journalistische Unabhängigkeit gefährde.
ndr.de (5-Min-Video)

Media Pioneer muss noch keine Gewinne bringen, sagt Gabor Steingart.

Media Pioneer hat noch "viele Jahre" Zeit, bis es wirtschaftlich erfolgreich sein muss, sagt Gründer Gabor Steingart bei der dpa-Chefredaktionskonferenz. Das Startup verdient aktuell mit der Zweitverwertung von Inhalten Geld, sagt Chefredakteur Michael Bröcker. Vor der Monetarisierung stünden "Reichweite und Relevanz", das Morning Briefing bleibe kostenlos. Wie groß das Team werde, wisse Steingart noch nicht, er stellt aber weiter Mitarbeiter ein.
horizont.net

Meinung: Journalisten fehlt es oft am politischen Widerspruchsgeist.

Journalisten sind heute entweder von einem "starken Missionsgeist" erfüllt oder finanziell unabhängig, kommentiert Jan Fleischhauer im "Focus". Das Umfeld der Medienmenschen hätte mehrheitlich eine ähnliche politische Einstellung, damit fehle häufig ein "Widerspruchsgeist". Wenn Journalisten den Bundeskanzler stellen könnten, "käme der nicht aus dem bürgerlichen Lager".
"Focus" 7/2020, S. 6 (Paid)

Gericht weist Klage gegen Glenn Greenwald zurück.

Investigativjournalist Glenn Greenwald muss sich vorerst nicht vor einem brasilianischen Gericht wegen des Vorwurfs der Cyber-Kriminalität verantworten. Unter Berufung auf das Recht auf die Geheimhaltung der Quellen wies ein Richter eine entsprechende Klage ab. Die brasilianische Staatsanwaltschaft wirft Greenwald vor, Handys von Staatsanwälten und anderen Amtsträgern gehackt zu haben.
sueddeutsche.de, turi2.de (Background)

Klick-Tipp: ProQuote zeigt die Frauenquoten der Verlage im Kamele- und Straußenrennen.

Klick-Tipp: ProQuote lässt die Redaktionen um die Wette galoppieren und veranschaulicht den Frauenanteil redaktioneller Führungspositionen in deutschen Leitmedien im Kamel- und Straußenrennen. Die Nase vorn haben sowohl der gedruckte "stern" als auch stern.de mit jeweils 53,1 % tatsächlichem Machtanteil von Frauen – das einzige Medienhaus, das das von ProQuote geforderte Maß von mindestens 50 % erreicht.
pro-quote.de

Video-Tipp: Frontal 21 und Correctiv waren undercover bei Klimawandel-Leugnern.

Video-Tipp: Das ZDF-Magazin Frontal 21 und Correctiv recherchieren undercover bei Klimawandel-Leugnern. In ihrem Bericht zeigen sie, wie James Taylor, Chefstratege des Heartland-Instituts angibt, verdeckt Spenden von Konzernen anzunehmen, um Stimmung zu machen. Zum Beispiel finanziere seine Gruppe die junge Influencerin Naomi Seibt.
zdf.de (8-Min-Video), correctiv.org

Englisch-Aufruf der “Berliner Zeitung” ist ein guter Ansatz, schreibt Anne Fromm.

Berliner Zeitung sucht neue, englisch sprechende Mitarbeiter, die Friedrichs ziehen damit die Häme der Branche auf sich, beobachtet Anne Fromm. Es gebe zwar einige Punkte bei dem Verleger-Ehepaar, die kritischer Berichterstattung bedürfen, aber der Spott über den Ansatz, in der Hauptstadt englischsprachigen Journalismus anzubieten, zeuge eher von der traditionellen Wandel-Unwilligkeit der Medien, findet Fromm. In Berlin gebe es Hunderttausende potentielle Nutzer und bisher kaum Angebote.
taz.de

“Spiegel” veröffentlicht seine Post-Relotius-Standards.


Keine Angst vor der Wahrheit 2.0: Der "Spiegel" veröffentlicht die journalistischen Standards, die als Teil des Relotius-Aufarbeitungsprozesses entstanden sind. 50 Journalist*innen des Magazins haben das 74-seitige Dokument mitformuliert. Die Standards gelten für alle Mitarbeiter*innen der Redaktion und der Dokumentation als verbindlich, schreibt Chefredakteur Steffen Klusmann. Sie sollen regelmäßig überprüft und überarbeitet werden.

Es gibt u.a. Regeln zur Haltung, zur Quellenarbeit, zu Transparenz und Sprache, dem Auftritt in sozialen Netzwerken, zur Verifikation und zur Fehlerkultur. Es heißt darin z.B. "Fakten schlagen die vermeintlich literarische Qualität" und dass durch die Auswahl der Protagonisten nicht die Realität verzerrt werden darf. Verdeckte Recherche ist in "Ausnahmefällen möglich", muss aber mit der Chefredaktion abgestimmt sein. Szenen, die Autor*innen nicht selbst beobachtet haben, müssen kenntlich gemacht werden. Außerdem müssen sie der Dokumentation auf Nachfrage Kontaktdaten und Fotos von Protagonist*innen sowie Ortsnachweise vorlegen.
spiegel.de, spiegel.de (Leitfaden als PDF)

Aus dem turi2.tv-Archiv (05/2019): "Spiegel"-Chef Steffen Klusmann über die Konsequenzen aus dem Relotius-Skandal.

Nennung der Nationalität schafft laut Polizeisprecher da Gloria Martins Transparenz.

Medienarbeit: Münchens Polizeisprecher Marcus da Gloria Martins will mit der Nennung der Nationalität von Tatverdächtigen dokumentieren, "dass nichts vertuscht wird", sagt er im "FAZ"-Interview. Wenn Touristen, Durchreisende, Obdachlose oder Migranten in Polizeieinsätze involviert sind, wird die Nationalität standardmäßig kommuniziert. Journalisten haben zudem jederzeit ein Auskunftsrecht.
"FAZ", S. 7 (Paid)

“SZ”: Focus Online sieht in WDR-Berichten “Verschwörungstheorien”.

WDR wehrt sich gegen Focus Online, das in ARD-Beiträgen "Verschwörungstheorien" sieht, schreibt die "Süddeutsche Zeitung". Dies betreffe die Berichterstattung im Fall des unschuldig in Haft gestorbenen Amed A. Eine WDR-Sprecherin sei über die Kritik von Focus Online "deutlich irritiert" und verweist auf neue Ermittlungsergebnisse nach den Recherchen.
sueddeutsche.de

Correctiv wirft dem ZDF Ungenauigkeit bei Übersetzungen von O-Tönen vor.

Übersetzungen arabischer, russischer und chinesischer O-Töne stimmen im ZDF nicht immer mit der Original-Aussage überein, sagt eine Auswertung von Correctiv für den "Journalist". In mehreren Dutzend Stichproben hat Correctiv beim ZDF mindestens sieben Ungenauigkeiten gefunden. Aussagen seien gerafft und verdichtet worden, in einigen Fällen tauchen in der Übersetzung Worte auf, die an anderer Stelle im Interview gesagt wurden, im O-Ton aber fehlen. Das ZDF will seine Übersetzungspraxis nun überprüfen. In den Stichproben der ARD-"Tagesschau" waren alle Übersetzungen korrekt.
presseportal.de, journalist.de

“Berliner Zeitung” und RND beenden ihre Kooperation, schreibt Daniel Bouhs.

Berliner Zeitung beendet die Kooperation mit Madsacks RedaktionsNetzwerk Deutschland, schreibt Daniel Bouhs. Die gemeinsame Hauptstadtredaktion liefert seit 2018 die Inhalte für Politik und Wirtschaft. Wie die "Berliner Zeitung" die Seiten ab Februar füllt, sei noch unklar, sie schreibe aber gerade IT- und Redakteursstellen aus, so Bouhs.
twitter.com

Hör-Tipp: Gabor Steingart spricht mit Tom Buhrow.

Hör-Tipp: In seinem Morning-Podcast spricht Gabor Steingart mit Tom Buhrow über das schwindende Vertrauen in den Journalismus und Journalisten. Steingart kritisiert, viele Kollegen hätten „Neugier durch Haltung ersetzt“. Buhrow warnt davor, Themen aus dem journalistischen Diskurs rauszuhalten. Dies erhöhe die Wahrscheinlichkeit, dass sie anderswo in hässlicher Gestalt behandelt würden.
gaborsteingart.com

Nachrichtenagentur AP wehrt sich gegen Rassismusvorwürfe.

Nachrichtenagentur AP rechtfertigt sich im "Guardian" gegen Rassismusvorwürfe. Die Agentur hatte die Afrikanerin Vanessa Nakate von einem Foto mit Klima-Aktivistinnen in Davos rausgeschnitten, was im Netz auf Kritik stößt. Das ursprüngliche Foto sei aus Gründen der Bildkomposition beschnitten worden, die Agentur hatte beide Versionen den Medien angeboten.
theguardian.com, welt.de (Paid), twitter.com

Giovanni di Lorenzo kritisiert die Sparmaßnahmen bei der “Hamburger Morgenpost”.

Hamburger Morgenpost: Die von DuMont kommunizierten "Restrukturierungsmaßnahmen" sind nichts anderes als Sparmaßnahmen, kommentiert "Zeit"-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo die Krise des Hamburger Boulevardblatts. Die Leser durchschauten "das Spiel" und wendeten sich weiter ab. "Das befeuert nur die Abwärtsspirale".
dumontschauberg.wordpress.com

Zitat: Jan Fleischhauer vermisst bei Verlagsmanagern die journalistische Denke.

"Meine Erfahrung ist, dass auf der Verlagsseite oft Leute sitzen, die von unserem Geschäft nichts verstehen und auch noch stolz darauf sind. Vielleicht geht es uns auch deshalb so schlecht."

Jan Fleischhauer ist froh, dass Burda-Vorstand Philipp Welte "nicht aus dem Controlling" kommt, sagt er im "Journalist"-Interview.
"Journalist" 1/2020, S. 60-66 (Paid)

Kai Diekmann bereut im “Journalist”, “Bild” nicht eher verlassen zu haben.


Kai-ne Widerrede: Kai Diekmann plädiert im neunseitigen Titelinterview des "Journalist" für mehr Lokaljournalismus und bereut, "Bild" nicht eher verlassen zu haben. Zu Interviewer Jan Freitag sagt er, er hätte bereits viel früher den Absprung bei "Bild" schaffen müssen. In den 16 Jahren an der Spitze hätten sich zu viele Routinen eingeschliffen: "Am Ende haben viele in der täglichen Arbeit zu häufig nicht mehr gefragt: Was ist gut für die Marke, was ist gut für das Blatt, sondern was will Kai?" Das, so Diekmann, sei der Punkt, "an dem ein Chef der Marke nicht mehr nur guttut, dem Team nicht und auch dem Blatt nicht."

Dennoch findet er lobende Worte für "Bild". Die Marke habe es als eine der wenigen verstanden, dass sowohl Trägermedium als auch Gatekeeper-Funktion weggefallen seien. Für die klassische Medienindustrie gebe es "kein Recht auf Überleben". Große Chancen sieht Diekmann aber im Lokaljournalismus, auf den sich Medien stärker konzentrieren sollten, insbesondere unter Einbeziehung der Leser. Wenig selbstkritisch zeigt sich Diekmann im Hinblick auf die Art der Berichterstattung unter seiner Führung: Die habe nicht zur Verrohung der Kommunikation beigetragen.
"Journalist" 01/2020, S. 18 (Paid)

Studie des Arbeitsministeriums zweifelt an der staatlichen Presseförderung.

Zustellförderung: Die staatliche Presseförderung verhindert weder das Printsterben noch verhilft sie zu mehr Pressevielfalt, zitiert Ulrike Simon im "Horizont" eine Studie des Arbeitsministeriums, das am Sinn der Subvention zweifle. Eine "kritische Form des Journalismus" sei eine "öffentliche Aufgabe", der Staat müsse dafür lediglich "eine Ordnung herstellen".
"Horizont", S. 6 (Paid)

Brasilien wirft Glenn Greenwald Phone Hacking vor – der Journalist widerspricht.

Brasilien: Die Staatsanwaltschaft wirft dem Journalisten Glenn Greenwald vor, Teil eriner "kriminellen Organisation" zu sein. Er habe 2019 angeblich Handys von Staatsanwälten und anderen Amtsträgern gehackt. Greenwald bestreitet die Vorwürfe und nennt sie "einen offensichtlichen Versuch, die unabhängige Presse zu attackieren". Greenwald hatte 2013 als Erster über die NSA-Dokumente von Edward Snowden berichtet.
sueddeutsche.de, thedailybeast.com

Wikipedia-Gründer Jimmy Wales warnt vor Verlust von Lokalmedien.

Medienkrise bedroht die Demokratie, warnt Wikipedia-Gründer Jimmy Wales. Ohne journalistische Kontrolle sinke das Vertrauen in demokratische Institutionen. Auch der Wikipedia würden mittlerweile Lokalmedien als verlässliche Quellen fehlen. Wales sieht die zunehmende Zahlungsbereitschaft der Nutzer als Hoffnungsschimmer, warnt aber auch, eine höhere Abhängigkeit von digitalen Aboerlösen könnte dazu führen, dass Redaktionen schreiben, was ihren Lesern gefällt und in ihr Weltbild passt.
sueddeutsche.de

NDR muss 60 Mio Euro pro Jahr sparen.

NDR muss von 2021 bis 2024 knapp eine Viertel-Mrd Euro sparen, das sind 60 Mio pro Jahr, sagt Intendant Joachim Knuth. Das gelte auch, wenn der Rundfunkbeitrag wie von der KEF empfohlen erhöht wird. Welche Personal-Auswirkungen das Sparen hat, könne Knuth noch nicht sagen. Am Informations- und Investigativ-Journalismus will er keinen Rotstift ansetzen, aber Inhalte so planen, dass sie auf möglichst vielen Ausspielwegen funktionieren.
rnd.de

Regionalzeitungen dürfen sterben, findet Leonhard Dobusch.

Regionalzeitungen, die sich nicht mehr tragen können, sollen untergehen, meint Leonhard Dobusch. "Zombie-Zeitungen" behinderten unabhängigen Lokaljournalismus im Netz, weil die Leser für die Print-Abos Geld ausgeben, das ihnen dann für lokaljournalistische Blogs fehlt. Von staatlicher Förderung hält Dobusch nichts, er schlägt staatsferne Förderinstrumente vor, etwa, den Rundfunkbeitrag um 10 Cent im Monat anzuheben und das Geld "wettbewerblich für lokaljournalistische Anschubfinanzierung zu vergeben".
netzpolitik.org

“Münchner Merkur” trennt sich nach erfundenem Papst-Treffen von einem Reporter.


Du sollst nicht lügen: Der "Münchner Merkur" trennt sich von einem freien Mitarbeiter, der sich zuvor mit einem Papst-Treffen schmückte, obwohl er selbst nicht vor Ort war, schreibt die "Süddeutsche Zeitung". Der Reporter hatte seinen Text auf Basis von BR-Recherchen verfasst, der gemeinsam mit der Zeitung im Vatikan angefragt hatte. Zum Zeitpunkt des Treffens war der Reporter vom "Münchner Merkur" nicht in Rom, sodass nur der BR den emeritierten Papst Benedikt XVI. besuchte, was der Reporter nicht kenntlich machte.

Anfang Januar titelte der "Münchner Merkur" irreführend "Unsere Zeitung zu Besuch bei Benedikt XVI". Dass der Reporter nicht persönlich vor Ort war, bestätigt der Autor auf Anfrage der "Süddeutschen Zeitung" und bittet für den falschen Eindruck um Entschuldigung. Er wollte sich "umständliche Erklärungen" im Artikel sparen. Für den Text habe der Reporter autorisierte Zitate verwendet.
sueddeutsche.de

Zitat: Journalistischer Sparkurs ist keine Option, sagt Republik-Gründerin Clara Vuillemin.

"Wir wollen nicht nur für einen exklusiven, abgeschotteten Kreis arbeiten. Die Bezahlschranke brauchen wir aber, um uns zu finanzieren."

Republik-Gründerin Clara Vuillemin sagt im "taz"-Interview, dass sie trotz Schwierigkeiten, das Schweizer Onlinemagazin zu finanzieren, keinen Sparkurs fahren will. Im Zweifelsfall beende sie es lieber, statt die Qualität runterzuschrauben.
taz.de

Zitat: Die Gesellschaft muss gegen Hass eintreten, sagt Richard Gutjahr.

"Wir sind als Gesellschaft gefordert. Zusehen ist keine Option."

Journalist Richard Gutjahr sagt im "Standard"-Interview, das Problem seien neben Hetzern und Hasspredigern, besonder "jene, die sie gewähren lassen."
derstandard.at, turi2.de (Background)

weitere Zitate:
"Es fehlt an technischer Ausrüstung und Personal. Dieses Spiel wird der Staat verlieren." (über auf die Straße getriebenen Netzhass)

"Sosehr mich meine Peiniger auch bedroht haben, ich möchte nicht, dass der Staat Zugriff auf Whatsapp oder E-Mail-Nachrichten hat. Lassen wir das zu, können wir unsere Demokratie gleich ganz abschaffen."

Studie: Deutsche Medien berichten überdurchschnittlich oft über Migration.

Migration und Flucht sind in deutschen Medien überdurchschnittlich oft Thema, sagt eine Studie der TU Dortmund für die Otto-Brenner-Stiftung. Medien in Osteuropa berichteten weniger und kritischer über die Themen. Während deutsche Medien vor allen Migrationsthemen im eigenen Land behandeln, seien sie in den meisten anderen EU-Staaten Auslandsthemen. Auffällig: In vielen Berichten spielten Migranten und Flüchtlinge nur eine "Statistenrolle".
sueddeutsche.de, otto-brenner-stiftung.de

Zitat: Gabor Steingart hält Print-Leser für scheintot.

"Wenn jemand sagt, er lese gern auf Papier, ist das keine Meinungsäußerung, sondern eine Altersangabe."

Gabor Steingart sagt im "NZZ"-Interview, dass es gedruckte Tageszeitungen nur noch so lange gibt, "bis der letzte Traditionsleser stirbt".
nzz.ch

Weitere Zitate:
Sollten auch Chefredaktoren gewählt werden?
"Ja, und zwar von der Leserschaft, nicht vom Aufsichtsrat."
Haben Sie das hier schon eingeführt?
"Ich weiss nicht, ob wir jetzt gleich die ganze Welt retten sollen."

Video-Tipp: Walulis knöpft sich die Recherchemethoden der “Bild” vor.

Video-Tipp: Die Satire-Sendung Walulis von Funk knöpft sich die Recherchemethoden der "Bild" vor, die nach dem Raser-Unfall in Südtirol eine nicht involvierte Frau fälschlicherweise für tot erklärte. Walulis fantasiert im Stil des Boulevardblattes, wie die fiktive Todesmeldung von "Bild"-Chef Julian Reichelt aussehen könnte.
youtube.com (9-Min-Video)

Urteil: Recherchezentrum Correctiv darf “Tichys Einblick” öffentlich kritisieren.

Tichys Einblick darf vom Recherchezentrum Correctiv unter bestimmten Umständen als "teils falsch" gekennzeichnet werden, zitiert die "FAZ" aus dem 45-seitigen Urteil des Landgerichts Mannheim. Zur Presse gehöre auch die Medienkritik, eine "Begleiterscheinung funktionsgerechten Pressehandelns". Roland Tichy hatte wegen unlauteren Wettbewerbs geklagt.
faz.net (Paid)