Lese-Tipp: Die “Zeit” über die deutsch-jüdische Journalistin Jella Lepman.

Lese-Tipp: Die "Zeit" porträtiert die deutsch-jüdische Journalistin Jella Lepman, ihres Zeichens Cousine von Max Horkheimer und Freundin von Theodor Heuss. Die umtriebige Autorin, von der bis heute keine deutsche Biographie existiert, ist fünfzig Jahre nach ihrem Tod Objekt zahlreicher Forschungen. Lepman, die mit ihren Kindern 1936/37 nach London floh, war u.a. die erste Redakteurin des "Stuttgarter Neuen Tagblatts".
zeit.de (Paid)

Zitat: Anna-Beeke Gretemeier über die “Fridays for Future”-Ausgabe des “stern”.

"Wir hatten selbstverständlich das letzte Wort. Ich sehe darin nichts Unjournalistisches. Unsere Unabhängigkeit ist voll intakt."

"stern"-Chefredakteurin Anna-Beeke Gretemeier sieht kein Problem darin, Aktivist*innen mit der Auswahl von Themen und Gesprächspartner*innen zu betreuen - wie etwa in der "stern"-Ausgabe, die gemeinsam mit der Bewegung "Fridays for Future" entstand.
zeit.de (Paid), turi2.de (Background)

“FAZ”: Lob für Arte, Kritik für “Kulturzeit” von 3sat.

Licht und Schatten: Die "FAZ" übt sich in der Mittwochs­ausgabe gleich doppelt in öffentlich-rechtlicher Medien­kritik. Arte, die "Stimme Deutschlands in Frank­reich", besteche mit "gutem, vielseitigem, hoch­stechendem Programm", lobt Jürg Altwegg. Dagegen wirft Oliver Jungen den "Kulturzeit"-Moderator*innen von 3sat u.a. vor, selten kritische Interviews zu führen. Er wünsche sich wieder "mehr diskursive Härte, Experi­mentier­freude und Widerspruch".
faz.net (Arte, Paid), faz.net ("Kulturzeit")

Tool-Tipp: MediaLab Bayern präsentiert Software-Hilfen für Lokalmedien.

Tool-Tipp: 22 Werkzeuge und Software-Lösungen will das MediaLab Bayern Medienschaffenden an die Hand geben, um deren Arbeitsalltag im Lokalen zu erleichtern. Mit dabei sind u.a. eine Audio-Produktionsbox fürs Home Office und Corona-Tracking auf Landkreis-Ebene. Alle Projekte wurden zur Innovations-Challenge des staatlich geförderten Medienlabors eingereicht.
media-lab.de

Steffen Grimberg ist neuer Vorsitzender des DJV Berlin-JVBB.

DJV Berlin - JVBB wählt Medienjournalist Steffen Grimberg zum neuen Vorsitzenden. Susanne Stephan und Andreas Oppermann sind seine Stellvertreter, Thorsten Keller neuer Schatzmeister, Ismail Cevik Schriftführer. Der alte Vorstand war im Juli wegen "seit Langem bestehenden Differenzen im Vorstand" geschlossen zurückgetreten.
djv-berlin.de, turi2.de (Background)

Aus dem Archiv von turi2.tv: interview2: Steffen Grimberg, Sprecher der ARD und Ex-Medienjournalist (01/2016).

Florian Gless verteidigt im “heute-journal Update” die Kooperation von “stern” und FFF.


Wer im Gless-Haus sitzt: "stern"-Chefredakteur Florian Gless verteidigt am späten Freitagabend im ZDF die Kooperation seines Magazins mit Fridays for Future. Im "heute journal update" sagt er: "Wir haben unsere journalistische Unabhängigkeit an jeder Stelle gewahrt". Alle Beiträge seien sauber recherchiert und von der Dokumentation geprüft worden. Gless berichtet auch, der "stern" habe sich "sehr bewusst für diesen Schritt entschieden". Die Klimakrise müsse wieder zu einem zentralen Thema werden: "Wir wollten unbedingt Aufmerksamkeit darauf lenken".

Die Diskussion, ob der "stern" mit der Zusammenarbeit einen "Tabubruch" begangen habe, wie es Interviewer Wulf Schmiese kritisch einwirft, hält Gless für eine "Journalisten-Diskussion". Die Leser*innen würden die Einbindung der Klimaaktivisten längst nicht so kritisch sehen wie die Branche.
zdf.de (Video, Interview ab Minute 3:15)

Meredith Haaf hält Meinungsjournalismus noch immer für wertvoll.

Meinungsjournalismus hat auch in einer Zeit, in der jede*r seine Meinung im Internet publizieren kann, seine Berechtigung, kommentiert Meredith Haaf. Tatsächlich sei durch die verlorene Gatekeeper-Funktion der Weg zu einer anspruchsvollen Meinungsbildung erst recht möglich. Der klassischen Medien oft entgegengebrachte Vorwurf, neben Fakten auch Meinung zu transportieren, sei derweil nicht neu, sondern schon vor rund 250 Jahren von Schriftstellern festgehalten worden.
"Süddeutsche Zeitung", S. 32 (Paid)

Belgiens Virolog*innen treten in den Schweige-Streik.


Hättest du geschwiegen, wärst du Virologe geblieben: Belgiens Virolog*innen wollen das gesamte Wochenende über keine Interviews geben. Der prominenteste Virus-Experte des Landes, Marc van Ranst (Foto), und einige Kolleg*innen wollen mit ihrem Schweigestreik die Politik aus der Reserve locken, berichtet der TV-Sender VRT. Die Wissenschaftler*innen beklagen, dass sich die Politik zu oft hinter ihnen versteckt und die Entscheidungsträger*innen sich ihrerseits weigern, Interviews zur Corona-Politik zu geben. Die Virolog*innen betonen ausdrücklich, der Protest richte sich nicht gegen die Medien.

Die Debatte um den Einfluss von Virologen auf die politischen Entscheidungen, der in zahlreichen Ländern geführt wird, nimmt damit in Belgien eine bislang unbekannte Wendung. In vielen Ländern sind seit dem Ausbruch der Pandemie Virus-Expert*innen zu gefragten Berater*innen geworden – ziehen mitunter aber auch den Hass von Bevölkerung, Politik oder Medien auf sich. Belgien ist derzeit wieder stark von Corona betroffen, die Region Brüssel gilt als Risikogebiet.
orf.at, bild.de

Umfrage: 23 % der Deutschen würden Nachrichten von Influencern beziehen.

Influence me: 23 % der Deutschen würden sich von Influencer*innen statt von etablierten Medien mit Nachrichten versorgen lassen, ergibt eine Umfrage. Bei den 16- bis 34-Jährigen sind es sogar 38 %, bei den 35- bis 44-Jährigen 34 %. Befragt wurden Verbraucher*innen, Marketer und Influencer*innen - von der Influencer-Marketing-Agentur Takumi.
meedia.de (Paid)

Zitat: Jeff Jarvis über Vertrauensverluste im Journalismus.

"Wir haben angefangen, Click-Baiting über Katzen und die Kardashians zu machen, und damit stark an Vertrauen eingebüßt."

Jeff Jarvis spricht im "Meedia"-Interview darüber, dass Verlage oft "an der falschen Stelle gespart" haben - und dass dieser Sparzwang gemeinsam mit anderen Faktoren zu einem Vertrauensverlust seitens der Nutzer*innen geführt hat.
meedia.de

“FAZ”: Roland Tichy gibt Vorsitz der Ludwig-Erhard-Stiftung ab.

Roland auf Rückzug: Roland Tichy gibt den Vorsitz der Ludwig-Erhard-Stiftung ab, meldet die "FAZ". Tichy bekleidet das Amt seit 2014, geriet aber jüngst in die Kritik, als sein Monatsmagazin "Tichys Einblick" einen sexistischen Text über die Berliner Staatssekretärin Sawsan Chebli veröffentlichte. Dorothee Bär, Staatsministerin für Digitalisierung im Bundeskanzleramt, gab daraufhin ihren Rückzug aus der Stiftung bekannt. Weitere Stimmen forderten Tichys Rücktritt, u.a. auf Twitter. Ein prominenter Kritiker Tichys innerhalb der Stiftung ist Jens Weidmann, Präsident der Bundesbank.

Weidmann betont etwa, Tichys Rolle als Herausgeber vertrage sich nicht mit seiner Rolle als Vorsitzender der Stiftung. Durch "Tichys Einblick", in dem "ein zuspitzender, oft polemischer Debattenstil" herrsche und in dem es "wiederholt zu beleidigenden und verletzenden Äußerungen gekommen sei", sei eine negative Berichterstattung über die Stiftung ausgelöst worden. Zudem habe die Stiftung Mitglieder verloren; vorgeschlagene Preisträger*innen hätten die Annahme einer Auszeichnung durch die Stiftung abgelehnt - etwa Friedrich Merz, der 2018 den Ludwig-Erhard-Preis erhalten sollte. Tichys Nachfolger*in soll noch diesen Herbst gewählt werden.
faz.net, spiegel.de, handelsblatt.com, turi2.de (Background Bär)

Media Pioneer bietet 10 % seiner Aktien zum Kauf an.

Goldgräber-Gabor: Media Pioneer, Unternehmen von Gabor Steingart, bietet wie angekündigt 10 % seiner Aktien zum Kauf an. Nun sind die Rahmenbedingungen bekannt: Bis Ende des Jahres kommen nur Anleger mit einer Mindestinvestition von 100.000 Euro zum Zug. Erst im nächsten Schritt werden auch geringere Anlagebeträge berücksichtigt. Bis Ende 2021 sollen so die genannten 10 % Anteile an Investor*innen gebracht werden. Die restlichen Anteile halten weiterhin Steingart und sein Management (54 %) sowie Axel Springer (36 %).

Bei den angebotenen Wertpapieren handelt es sich um vinkulierte Namensaktien. Bei ihrer Übertragung muss Media Pioneer zunächst zustimmen, was sie schlechter verkehrsfähig macht. Media Pioneer begründet diesen Schritt damit, dass "eine dominierende Einflussnahme durch parteipolitisch oder strategisch ausgerichtete Investoren verhindert" werden soll.
mediapioneer.com, turi2.de (Background)

Französische Medien stellen sich mit Appell hinter “Charlie Hebdo”.

Frankreich: Mehr als hundert Medien wenden sich in einem "feierlichen Appell" an die Bevölkerung, nachdem "Charlie Hebdo" Drohungen von Al-Quaida bekommen hat. Verschiedene Tageszeitungen, Magazine, Radio- und Fernsehsender schreiben darin: "Wir brauchen Sie. Das Bollwerk Ihres Gewissens." Marika Bret, Personalchefin der Satirezeitschrift, hat konkrete Morddrohungen erhalten und musste untertauchen.
spiegel.de, turi2.de (Background)

Dorothee Bär verlässt wegen Roland Tichy die Ludwig-Erhard-Stiftung.

Bär sagt Bye-Bye: Dorothee Bär, Staatsministerin für Digitalisierung im Bundeskanzleramt, verlässt die Ludwig-Erhard-Stiftung aus Protest gegen deren Vorsitzenden Roland Tichy. Tichy, der der Stiftung seit 2014 vorsteht, hatte in der aktuellen Ausgabe seines Monatsmagazins "Tichys Einblick" einen Text veröffentlicht, in dem die Berliner Staatssekretärin Sawsan Chebli mit sexistischen Äußerungen bedacht wird. So ist über Chebli etwa zu lesen: "Befreundete Journalistinnen haben bislang nur den G-Punkt als Pluspunkt feststellen können in der Spezialdemokratischen Partei der alten Männer."

Bär wertet die Veröffentlichung als "frauenverachtend" und "mit den Zielen der Stiftung unvereinbar." Sie glaubt, "Ludwig Erhards Ansinnen wäre heute sicher nicht die Herabwürdigung von Frauen, sondern das Fördern weiblicher Karrieren."
handelsblatt.com

Christian Drosten hinterfragt Medien-Interesse an seiner Person.

Playin the Drost: Star-Virologe Christian Drosten glaubt, dass einige Medien eher daran interessiert sind, auf seine Person loszugehen als sich mit Inhalten zu beschäftigen, sagt er dem "Tagesspiegel": "Manche scheinen sich gefragt zu haben: 'Play the ball or play the man?'" Jetzt setzten Viele seinen Namen mit einer Wahrheit gleich, "die sie nicht hören wollen". Dabei lasse sich die Pandemie "nicht wegdiskutieren".
tagesspiegel.de

Arzt bedrängt “FAZ”-Fotografen auf Querdenken-Demo.

Pressefreiheit: Ein Hamburger Arzt hat Pressefotografen auf einer Querdenken-Demo in Frankfurt beleidigt und bedrängt, darunter einen freien Fotografen der "FAZ", schreibt Herausgeber Carsten Knop und veröffentlicht ein Video des Vorfalls. Die Fotografen werden darin dazu aufgefordert, ihre Masken abzulegen und keine Fotos mehr zu machen. Ordner*innen vor Ort hätten kaum eingegriffen, sagt Knop.
faz.net (4-Min-Video)

Holger Friedrich lädt Bernd Runge zu Redaktionsworkshop ein, schreibt Ulrike Simon.

Berliner Zeitung: Verleger Holger Friedrich lädt zu einem redaktionsinternen Workshop über die künftige Organisation der Zeitung den ehemaligen Conde-Nast- und heutigen "Interview"-Verleger Bernd Runge ein, schreibt Ulrike Simon. Runge war wie Friedrich IM bei der Stasi und hat "Drähte zu einem russischen Oligarchen", so Simon. Friedrich habe ihn als "möglichen Kooperationspartner" vorgestellt. Redaktionstechnisch zeichne sich ab, dass das Lokalressort der Zeitung aufgelöst und durch ein "Reporter-Ressort" unter neuer Leitung ersetzt werden wird.
horizont.net (Paid)

Zitat: Julian Reichelt sieht eine “wundervolle”, “unbegreifliche” Marktlücke für “Bild Live”.

"Wir sind live, wenn es passiert. Bei uns läuft nicht wie im rbb 'Kochen in Malaysia', wenn in Berlin Zehntausende demonstrieren und einige versuchen, den Reichstag zu stürmen. Das ist eine wundervolle Marktlücke. Dass es die in Deutschland gibt, ist mir allerdings unbegreiflich."

"Bild"-Chefredakteur Julian Reichelt sieht seine Truppe von "Bild Live" als "disruptive Kraft" und will einen "hübschen Anteil" des 4,5-Mrd-Werbekuchens für TV erhaschen. "Wo wir Wachstum sehen, investieren wir aggressiver als jeder andere, weil wir bedingungslos an die Marke 'Bild' und ihren Impact glauben", sagt Reichelt im Interview mit "kresspro".
kresspro, Nr. 7/2020 (Paid)

FinCEN-Files: Deutsche Bank und Co versagen im Kampf gegen Geldwäsche.


Geld-Erklärungsnot: Mafiagruppen und andere Verbrecher*innen sollen über Großbanken wie die Deutsche Bank weltweit Geld gewaschen haben, zitieren der NDR, der WDR und die "Süddeutsche Zeitung" aus geleakten Unterlagen des US-Finanzministeriums. Die Banken seien "nachlässig", die Behörden "überfordert". Über die Deutsche Bank und weitere sollen eine russische Mafiagruppe und ein Helfer von Terrorgruppen Mio gewaschen haben – in großem Umfang, lange und durch das Versagen der Sicherheitssysteme. Christian Sewing, Vorstandschef der Deutschen Bank, sei mitverantwortlich, dass die Verbrecher*innen die Bank so lange nutzen konnten. Er und seine Abteilung untersuchten die Vorgänge 2014 und gaben grünes Licht. Die Deutsche Bank bestreitet, dass Sewing direkt oder indirekt an der Prüfung beteiligt war.

Die Unterlagen wurden Buzzfeed News zugespielt, die Redaktion hat sie mit dem International Consortium of Investigative Journalists geteilt. In Deutschland haben die "Süddeutsche Zeitung", NDR, WDR und der deutsche BuzzFeed-Ableger die Daten ausgewertet und veröffentlichen die Ergebnisse als FinCEN-Files. Grundlage der Recherche sind über 2.100 Berichte aus den Jahren 2000 bis 2017: Banken haben der US-Kontrollbehörde Financial Crimes Enforcement Network darin verdächtige Transaktionen von insgesamt mehr als zwei Bio Dollar gemeldet. Verdächtige Überweisungen müssen laut US-Recht eigentlich binnen 30 tagen gemeldet werden – die Großbanken brauchen aber teilweise Jahre. Das Geld, das gewaschen werden soll, stammt zum Beispiel aus Waffen- und Drogenhandel.
sueddeutsche.de, tagesschau.de (Zusammenfassung), buzzfeed.com, projekte.sueddeutsche.de (FinCEN-Files), icij.org (Rechercheergbenisse bei ICIJ)

Hör-Tipp: Thomas Koch vermisst bei der “Bild” die “Stimme des Volkes”.

Hör-Tipp: Die "Bild" hatte als langjährige "Stimme des Volkes" und "Arbeiterblatt" eine "journalistische Rechtfertigung", inzwischen sei es Kampagnen-Journalismus, klagt Thomas Koch (Foto) im DWDL-Podcast Zwei Herren mit Hund mit Kai Blasberg. Nach dem Tele-5-Abgang meldet sich Blasberg erstmals aus seiner neuen Heimat Nordfriesland. Beim "Klickjournalismus" gehe es Springer nur noch ums Geldverdienen, sagt Koch.
dwdl.de (53-Min-Audio)

Hör-Tipp: Pia Frey erklärt, welche Themen bei Opinary funktionieren.

Hör-Tipp: Fragen zum politischen Tagesgeschehen, aber auch zu Pietro und Sarah Lombardi oder Meghan und Harry liefern bei Opinary erfahrungsgemäß viele Klicks, verrät Pia Frey im Hamburg Media School-Podcast. Die Zeit von Clickbait und möglichst schrillen Werbe-Bannern sei vorbei, das Bewusstsein für die "Qualität der Nutzeransprache" gewachsen, glaubt die Gründerin.
medienmachtmeinung.de (28-Min-Audio)

Ladina Heimgartner leitet für Ringier künftig internationales Mediengeschäft.

Schweiz: Ladina Heimgartner, 40, leitet ab Oktober das internationale Mediengeschäft von Ringier und wird Chefin der Blick-Gruppe. Ihr Vorgänger Thomas Spiegel verlässt das Unternehmen wegen "unterschiedlicher Auffassungen über die strategische Ausrichtung", so Ringier. Als Leiterin des sogenannten Corporate Centers verantwortete Heimgartner bisher u.a. die Kommunikationseinheit.
ringier.ch, new-business.de, turi2.de (Background)

Hör-Tipp: Wo ist die Blattlinie der “Berliner Zeitung”?

Hör-Tipp: Der "Berliner Zeitung" fehlt eine Blattlinie, "ein publizistisches Konzept", beobachtet Claudia van Laak. Seit das Neuverleger-Paar Friedrich übernommen hat, sei der Umfang gesunken, vielfach würden dpa-Meldungen übernommen. Die Zeitung lasse innere Pressefreiheit und eine unabhängige Chefredaktion vermissen, sagt Verdi.
deutschlandfunk.de (5-Min-Audio und Text)

Lese-Tipp: Georgine Kellermann über soziale Geschlechterprägung.

Lese-Tipp: Jochen Bittner fragt WDR-Studioleiterin Georgine Kellermann, die bis vor einem Jahr als Mann lebte, in einem Brief, ob man als Frau zur Welt komme, oder von der Gesellschaft zu ihr gemacht werde. Kellermann antwortet, sie habe stets versucht, von ihrer weiblichen Seite abzulenken, auch sich selbst, vor allem aus Angst. Sie glaubt, sie hätte keine Transgender-Reporterin werden können, weil die Gesellschaft nicht bereit gewesen wäre. Soziale Geschlechterprägung sei mächtig – aber nicht genug, um "die Substanz eines Menschen zu verändern".
"Zeit" 39/2020, S. 11 (Paid), turi2.de (Background)

Mathias Döpfner gibt Fehler der “Bild” in der Solingen-Berichterstattung zu.

Reue vom Chef: Springer-Boss Mathias Döpfner findet die Kritik an der "Bild"-Bericht­erstattung zum Mordfall in Solingen gerechtfertigt. "Wir haben den Schutz von Minder­jährigen in diesem Fall missachtet", sagt er. Döpfner fordert eine Debatte über Presse­freiheit und Persönlichkeits­rechte. Nach der Veröffentlichung von Chat-Nachrichten eines 11-jährigen Jungen durch RTL und "Bild" hatte es 160 Beschwerden beim Presserat gegeben.
sueddeutsche.de, welt.de (komplette Rede), turi2.de (Background)

Lese-Tipp: Kritiker kämpft gegen gegenderte Sprache.

Lese-Tipp: Walter Krämer protestiert in zahlreichen Briefen an Rundfunk- und Fernseh-Räte gegen gegenderte Sprache bei ARD und ZDF, berichtet Anne Fromm. Krämer sieht durch sie Männer benachteiligt. Einerseits, weil bei negativen Bezeichnungen wie "Diebe" seltener gegendert werde, andererseits, weil die Sprechpause häufig nicht zu hören sein und so nur die weibliche Form wahrnehmbar. Die jeweiligen Räte antworten unterschiedlich. Während das ZDF antwortet, seine Praxis nicht ändern zu wollen, gibt der WDR Krämer zum Teil recht und will Gendern in Nachrichtensendungen untersagen.
uebermedien.de

Video-Tipp: “Tagesspiegel” erklärt in einer Videoreihe seine Arbeit.

Video-Tipp: Der "Tagesspiegel" gibt zu seinem 75. Geburtstag Einblick in seine Arbeit. Zum Auftakt der Videoreihe erklärt Volontärin Maria Kotsev den Unter­schied zwischen Berichten und Meinungs­beiträgen und räumt mit dem Vorurteil auf, alle Journalist*innen wären links. Im Laufe der Woche folgen u.a Videos zur Themen­findung und zum Redaktions­alltag.
tagesspiegel.de (4-Min-Video)

Hör-Tipp: Klaus Meier lobt den Lokaljournalismus in Corona-Zeiten.

Hör-Tipp: Journalistik-Professor Klaus Meier stellt dem Lokaljournalismus in der Pandemie ein gutes Zeugnis aus. Er sei nah bei den Menschen gewesen, habe Mut und Zuversicht vermittelt, Distanz zu lokalen Behörden gewahrt und vielfältige Expert*innenmeinungen abgebildet. "Journalismus muss jetzt Bürgerinnen und Bürger als Partner sehen", sagt Meier. Überregionalen Medien wirft er vor, die Menschen eher als Befehlsempfänger wahrzunehmen und Angst zu schüren.
drehscheibe.org (17-Min-Audio)

Rundfunkbeitrag: RBB-Intendantin Patricia Schlesinger droht mit Verfassungsbeschwerde.

Beitragserhöhung: RBB-Intendantin Patricia Schlesinger will vor das Verfassungsgericht ziehen, sollte das Parlament in Sachsen-Anhalt die Erhöhung des Rundfunkbeitrages blockieren, sagt sie im Radioeins-Medienmagazin. Das Knüpfen der Beitragserhöhung an politische Forderungen sei vom Gesetzgeber nicht gewollt. Schlesinger sagt über ihre 2021 beginnende zweite Amtszeit, dass sich der RBB digitaler aufstellen muss bei gleichzeitig sinkenden Einnahmen. Damit seien Sparmaßnahmen verbunden wie die Kürzung des Budgets von rbb Kultur um 1 Mio Euro. Zudem bekundet sie Interesse am ARD-Vorsitz.
wwwagner.tv (29-Min-Audio), turi2.de (Background)

Correctiv hat mit verdeckten Aktivist*innen von Fridays for Future recherchiert.

Freitags sind sie nie da: Correctiv hat für eine Recherche über Kohlestrom in Nordrhein-Westfalen mit Aktivist*innen von Fridays for Future zusammengearbeitet, schreibt die "Welt am Sonntag". Acht Personen, die bei der Umweltbewegung aktiv sind, haben mit persönlichen Correctiv-Mail-Adressen einen Fragenkatalog an Kommunen geschickt, um Beteiligungen an Kraftwerken abzufragen. Dass die Mail-Absender bei Fridays for Future sind, sei bei der Veröffentlichung der Ergebnisse - nicht aber während der Recherchen erkennbar gewesen. Correctiv arbeitet gemeinnützig - gemäß der Satzung unabhängig von politischen Einflüssen. Die redaktionelle Leitung habe beim Rechercheverbund gelegen, sagt Chefredakteur Justus von Daniels.

Fridays for Future habe auf die Anfrage einer Stellungnahme der "Welt am Sonntag" bis zum Redaktionsschluss nicht geantwortet. Laut Correctiv seien die Recherchen ohne externe Freiwillige - sogenannte "freie Crowd-Reporter" - nicht realisierbar. Von 53 Kommunen im Ruhrgebiet halten demnach mindestens 20 Anteile an Kraftwerken oder dem Energieversorger RWE. An diesem Sonntag sind Kommunalwahlen in Nordrhein-Westfalen.
edition.welt.de (Paid)

TV-Tipp: Der “Presseclub” der ARD sendet am Sonntag erstmals aus Dresden.

TV-Tipp: Erstmals nach der Wende sendet der "Presseclub" der ARD statt aus Köln live aus dem Osten der Republik. Volker Herres meldet sich am Sonntag ab 12.03 Uhr anlässlich des 30-jährigen Jubiläums der deutschen Einheit aus dem Kulturpalast in Dresden. Der "Presseclub" geht der Frage nach, wie vereint Ost und West heute tatsächlich sind.
wdr.de, twitter.com

Das Bundesverdienstkreuz könnte an “Financial Times”-Berichterstatter gehen.

Financial Times: Die beiden Journalist*innen Stefania Palma (Foto) und Dan McCrum sollen für die Recherchen über Wirecard mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet werden, schreibt die "FAS". Danyal Bayaz von den Grünen habe den Vorschlag bei Heiko Maas eingereicht, der als Chef des Auswärtigen Amtes die Vergabe prüfen wolle. Es sei auch eine Wiedergutmachung nach der Bafin-Anklage.
faz.net

Media Pioneer holt Sabine Sasse und Anne Hufnagl.

Media Pioneer schippert künftig mit Sabine Sasse (Foto) als Event-Chefin über die Spree. Sie wirkt derzeit als Chefin des Pro-Europa-Vereins United Europe und soll im Dezember an Bord gehen. Anne Hufnagl heuert als feste Fotografin bei Gabor Steingart an. Chefredakteur Gordon Repinski und der frühere Obama-Stratege Julius van de Laar starten einen Podcast zur US-Wahl.
meedia.de

Übermedien: RTL-Chefredaktion gesteht intern Fehler in Solingen-Berichterstattung ein.


Interne Reue: RTL-Chefredakteurin Tanit Koch (Foto) und die beiden Chefredakteure Michael Wulf und Jan Rudolph schreiben im Intranet des Senders mit Blick auf die Solingen-Berichterstattung: "Wir haben Fehler gemacht." Das berichtet Übermedien. Der Umgang mit dem minderjährigen Freund des Jungen entspreche laut der Chefredaktion nicht dem "generellen journalistischen Selbstverständnis" der Verantwortlichen. Ein "Expertenkreis aus Chefredaktion, Plattform-Spezialisten und Qualitätsmanagement" soll vergleichbare Fälle in Zukunft klären.

Nach außen bleibt der Sender bei seinem Statement, es bestünde ein berechtigtes öffentliches Interesse an Hintergründen der Tat, auch wenn es falsch gewesen sei, den vollen Namen des Jungen zu nennen. Auch die "Bild" hatte aus Chat-Nachrichten zitiert. Chefredakteur Julian Reichelt verteidigte die Entscheidung im Nachgang öffentlich.
uebermedien.de, turi2.de (Background)

Zitat: “SZ”-Geschäftsführer Stefan Hilscher schielt nicht nur auf Reichweite.

"Sie werden auf der Website täglich Geschichten finden, die interessant, aber keine Reichweiten-Könige sind. Und das muss so sein. Wenn man zu sehr nur auf Reichweite zielt, geht auf längere Sicht das Gespür für Qualität verloren."

Stefan Hilscher, Geschäftsführer des Süddeutschen Verlags, sagt im "Horizont"-Interview, dass es auf die richtige Themen-Mischung ankommt, über die nicht er, sondern die Redaktion entscheidet.
"Horizont" 37/2020, S. 12 (Paid)

“taz”-Kolumne: Innenminister Horst Seehofer kritisiert die Entscheidung des Presserats.

All cops are berufsunfähig: Bundesinnenminister Horst Seehofer kritisiert die Entscheidung des Presserats zur "taz"-Kolumne von Autor*in Hengameh Yaghoobifarah als "unerträgliche Verharmlosung". Die Formulierung, Polizisten gehörten auf die Mülldeponie, zeuge davon, dass das Wertesystem unserer Gesellschaft "ganz offenkundig aus den Fugen geraten" ist.
faz.net

Zwei EJS-Volos starten Podcast über jungen Journalismus.

Zwei Männer, ein Podcast: Tobias Hausdorf und Niklas Münch, Volontäre an der Evangelischen Journalistenschule, starten den Podcast Hinter den Zeilen. Einmal pro Monat wollen sie darin über Journalismus-Nachwuchs, Wege in den Redaktionsjob und die Finanzierung der Ausbildung sprechen. In der ersten Folge geht es u.a. um Journalistenschulen in Deutschland.
hinterdenzeilen.de

Hör-Tipp: Der Presserat und die “Verrohung der Medien”.

Hör-Tipp: Eine kurze Geschichte des Presserats und dessen prominenter Fälle erzählt Daniel Bouhs bei DLF nach. Die von dem Gremium ausgesprochenen Rügen hält Anwalt Christian Schertz für wenig wirksam. Gegen die "Verrohung der Medien" helfen nur gerichtliche Schritte, glaubt er. "Es sind letztlich die Vertreter von Burda, Bauer, Springer etc, die dort über sich selbst richten", kritisiert er die Zusammensetzung des Presserats. Stattdessen wünsche er sich "unabhängige, vielleicht auch pensionierte Richter" im Plenum.
srv.deutschlandfunk.de (19-Min-Audio), deutschlandfunk.de (Text)

NSU 2.0.: Verdacht gegen Frankfurter Polizisten erhärtet sich.

NSU 2.0: Ein Beamter des 1. Polizeireviers in Frankfurt am Main gilt offiziell als "Beschuldigter" im Fall der "NSU 2.0"-Drohschreiben. Der Polizist stand bereits Anfang des Jahres im Fokus von Ermittlungen. Die vor kurzem an die "taz" gerichteten Schreiben bezüglich der Kolumne von Hengameh Yaghoobifarah haben den Verdacht gegen ihn erhärtet.
faz.net

Staatsanwaltschaft will nicht gegen Hengameh Yaghoobifarah ermitteln.

taz: Die Staatsanwaltschaft wird voraussichtlich nicht gegen Autor*in Hengameh Yaghoobifarah ermitteln, teilt die Zeitung mit. Nach einer Vorprüfung sieht die Behörde keinen "Anfangsverdacht für eine Straftat"; die Kolumne "All cops are berufsunfähig" sei von der Meinungsfreiheit gedeckt gewesen. Formal ist das Verfahren aber noch nicht abgeschlossen.
taz.de, turi2.de (Background)

Studie: Talkshows neigen zur “Cliquenbildung”.

Talkshows wie Anne Will, Maischberger & Co. neigen zur "Cliquenbildung", bemängelt eine Studie der Denkfabrik Das progressive Zentrum, die 1.208 Sendungen der vergangenen drei Jahre ausgewertet hat. In den meisten Formaten treffe "Hauptstadtpolitik auf Hauptstadtjournalismus", Vertreter*innen von Gewerkschaften oder NGOs haben es schwer. Allein die Bewegung "Fridays for Future" habe es "von der Straße in die Talkshow-Sessel geschafft".
sueddeutsche.de

Zitat: Julian Reichelt über die “Bild”-Entscheidung im Fall Solingen.

"Auch die Ermittlungsbehörden waren der Meinung, dass es der Erhellung dieses Falls und im öffentlichen Interesse angemessen ist, daraus zu zitieren."

"Bild"-Chefredakteur Julian Reichelt rechtfertigt die Berichterstattung seiner Zeitung im Mordfall Solingen damit, die Redaktion sei "zu einer ähnlichen Einschätzung wie die Ermittlungsbehörden gekommen" - deren Verantwortung der des Pressekodex "ähnelt und ähneln sollte".
deutschlandfunk.de, turi2.de (Background)

Khashoggi-Mord: Gericht mildert die fünf Todes- in Gefängnisstrafen ab.

Khashoggi-Mord: Ein saudi-arabisches Gericht mildert die Todesstrafen der fünf Hauptangeklagten in Gefängnisstrafen à 20 Jahre ab. Auch das Strafmaß der drei weiteren Angeklagten sei reduziert worden. Sie waren wegen "Verschleierung des Verbrechens" zu insgesamt 24 Jahren Haft verurteilt worden.
wsj.com (Paid), turi2.de (Background)

Michael Krechting wechselt von NOZ zu Funke.

Funke holt Michael Krechting, noch Leiter der digitalen Zentralredaktion bei NOZ / mh:n Medien, ins Online-Führungsteam für NRW. Er soll die redaktionelle Entwicklung von Funke in NRW unterstützen und sich u.a. um die Abo-Strategie für waz.de und Co kümmern. Seinen neuen Job wird Krechting laut Funke spätestens im Januar 2021 antreten. Krechtings alten Posten im Norden besetzt Alexander Krug, wie seit Montag feststeht.
funkemedien.de, turi2.de (Alexander Krug)

Tagesspiegel gibt 7.500 kostenlose Abos an Berliner*innen unter 25.

Tagesspiegel bittet bei 16- bis 25-jährigen Berliner*innen um Feedback zu seinen Inhalten – im Gegenzug gibt es 7.500 kostenlose, sechsmonatige Digital-Abos. Die Ergebnisse sollen in die Produkt­entwicklung fließen. Weil täglich eine Informationsflut auf sie einprasselt, sei "hochwertiger und verlässlicher" Journalismus bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen "wichtiger denn je", meint Geschäftsführerin Ulrike Teschke.
tagesspiegel.de, abo.tagesspiegel.de (Kampagne)