Meinung: Ronaldo ist nicht verantwortlich für sinkenden Coca Cola-Börsenwert.

Coca Cola: Ronaldo ist nicht der Kurs-Killer der Aktie der Getränke-Marke, als der er in den Medien seit Wochenbeginn dargestellt wird, urteilt Nils Jacobsen. Der Journalist beobachtet, dass der Kurs der Cola-Aktie bereits eine Viertelstunde vor dem Pressekonferenz-Auftritt Ronaldos gesunken war. Es könnte sich daher auch um "Marktgegebenheiten und der turnusmäßigen Dividendenzahlung" handeln. Für einigen Medien, darunter der britische “Guardian”, sei die Schlagzeile aber wohl zu verlockend gewesen.
meedia.de (Paid), turi2.de (Background)

Zitat: Florian Harms sieht manche Redaktionen “vom Dunst des Geldes vernebelt”.

"Selbst der schärfste Verstand scheint nicht dagegen gefeit zu sein, vom Dunst des Geldes vernebelt zu werden."

T-Online-Chef­redakteur Florian Harms wettert in seinem Morgen-Newsletter gegen "Süddeutsche", "FAZ" und "Zeit", die die Anzeige der Lobby-Organisation INSM gegen Annalena Baerbock veröffentlicht haben. Manchen Chef­redaktionen scheine "der Kompass abhanden­gekommen zu sein". T-Online und der "Spiegel" haben die Anzeige laut Harms abgelehnt.
t-online.de, turi2.de (Background)

Zitat: Gabor Steingart sieht Medien in die Regressions­falle tappen.

"Mit ihrem stark ausgeprägten Herdentrieb werden die Medien ein ums andere mal in die Regressions­falle tappen und dem Journalismus keinen Dienst erweisen können."

Gabor Steingart kommentiert den "anschwellenden Abgesang auf die Union" und die "Überhöhung der Grünen" nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt als "Fehlurteile", die auch dann falsch blieben, wenn eine "Mehrheit der professionellen Beobachter" sie teilt.
news.gaborsteingart.com

Rüdiger Suchsland kritisiert Aufarbeitung der #allesdichtmachen-Berichterstattung.

Mehr Analyse: Über die kritisierte #allesdichtmachen-Berichterstattung des "Tagesspiegels" hätten andere Medien "besser und ausgewogener informieren müssen", schreibt Rüdiger Suchsland bei Telepolis. Behauptungen des Blattes seien "an vielen Orten" aufgenommen und zitiert worden, anstatt dessen Fehler aufzuarbeiten. Diese Arbeit gehöre nicht in die Hände "'alternativer Medien' mit Querdenker-Geruch".
heise.de, turi2.de (Background)

Zitat: Maria Furtwängler beklagt gestörten Umgang der Film-Branche mit der Pandemie.

"Im fiktionalen Bereich haben wir einen gestörten oder verunsicherten Umgang mit der Pandemie. Dieses Herumeiern um die Corona-Krise hat mich genervt."

Schauspielerin Maria Furtwängler sagt im RND-Interview, dass viele Serien und Filme so tun, als gäbe es keine Pandemie. Die Comedyserie Ausgebremst, bei der Furtwängler auch Produzentin ist, thematisiert Corona daher explizit.
rnd.de, ardmediathek.de ("Ausbremst"-Serie)

Nach Interview-Boykott: Tennis-Spielerin Naomi Osaka steigt bei den French Open aus.

French Open: Die Japanerin Naomi Osaka (Foto) steigt freiwillig aus dem Tennis-Turnier aus, weil sie in Paris nicht mit Medien sprechen will. An der Presse­konferenz nach ihrem Sieg gegen die Rumänin Patricia Maria Tig hatte Osaka nicht teilgenommen und dafür 15.000 Dollar Strafe zahlen müssen. Sie wirft Journalistinnen vor, keine Rücksicht auf die psychische Gesundheit von Sportlerinnen zu nehmen, sie selbst verspüre bei Interviews "große Wellen der Angst".
bild.de, twitter.com/naomiosaka

Matthias Distel erstattet Anzeige gegen Sat.1 und Imago TV.

Aktenkundig: Unternehmer Matthias Distel, bekannt als Partysänger Ikke Hüftgold, hat bei der Polizei Limburg Anzeige gegen Sat.1 und die Produktionsfirma Imago TV erstattet, berichtet der "Spiegel". Distel wirft Sender und Produzenten vor, beim Dreh zur Reality-Reihe "Plötzlich arm, plötzlich reich" das Kindeswohl missachtet zu haben. Er selbst hatte als Protagonist teilgenommen und den Dreh abgebrochen.
spiegel.de, turi2.de (Background)

“Chrismon”-Chefredakteurin Ursula Ott streicht “stiefmütterlich” aus ihrem Wortschatz.

Mutterkomplex: "Chrismon"-Chefredakteurin Ursula Ott spricht im Sprachstunde-Podcast über das in Medien weit verbreitete Wort "stiefmütterlich" – dazu bewegte sie das Feedback einer Leserin, die sich über den Gebrauch des Wortes ärgerte, weil es Stiefmütter in bösem Licht dastehen lässt. Psychologin und Buchautorin Katharina Grünewald spricht mit Ott über sprachliche Aschenputtelbilder.
chrismon.de (24-Min-Podcast)

Matthias Distel kritisiert Produktionsbedingungen von Sat.1-Sendung.


Reich an Empörung: Schlagersänger Ikke Hüftgold, im echten Leben Matthias Distel, hat beim Sat.1-Format Plötzlich arm, plötzlich reich teilgenommen und kritisiert die Produktion scharf, die das "Kindeswohl von zwei schwer traumatisierten Kindern mit Füßen tritt". Zwei der vier involvierten Kinder sowie deren Mutter seien in psychologischer Behandlung, wovon die Produktionsfirma gewusst habe. Distel hat den Dreh abgebrochen, als er erfuhr, dass die Kinder in der Vergangenheit misshandelt wurden, und fordert eine "lückenlose Aufklärung".

Imago TV sagt gegenüber DWDL, die Beteiligten seien wie üblich gecastet worden: "Es werden lange Gespräche geführt, Videoaufnahmen und Selbsteinkünfte eingeholt." Von den Missbrauchsvorwürfen habe der Sender erst während des Drehs erfahren. Den Drehabbruch Distels habe die Produktionsfirma mitgetragen, sie räumt "Recherche-Fehler" ein. Sie distanziert sich on den Vorwürfen Distels, Quote mit der Notsituation der Kinder machen zu wollen.
dwdl.de, facebook.com (Statement Distel), rnd.de, t-online.de

Zitat: Journalistinnen drücken erfolgreichen Frauen Exoten-Stempel auf, sagt Fränzi Kühne.

"Der weibliche Exotenstatus wird durch die Berichterstattung immer wieder reproduziert."

Aufsichtsrätin Fränzi Kühne sagt im "Spiegel"-Interview, bei Männern werde die Familie nur erwähnt, wenn es menscheln soll, Frauen würden ständig über ihr Privatleben und Frausein befragt. Kühne veröffentlicht ein Buch, in dem sie Männern die Fragen stellt, die sonst erfolgreiche Frauen hören.
spiegel.de (Paid)

Julian Reichelt erwirkt einstweilige Verfügung gegen “Vögeln, fördern, feuern”-Artikel des “Spiegel”.

Vorerst ausgevögelt: Das Landgericht Hamburg untersagt dem "Spiegel" per einstweiliger Verfügung die Weiterverbreitung der Verdachtsberichterstattung gegen Julian Reichelt. Im Artikel "Vögeln, fördern, feuern" ging es um das Compliance-Verfahren gegen Julian Reichelt, der "Bild"-Chefredakteur ging rechtlich dagegen vor. In dem Artikel sind laut Gericht die Grundsätze der zulässigen Verdachtsberichterstattung nicht eingehalten worden. Es sei davon auszugehen, dass Reichelt keine ausreichende Gelegenheit zur Stellungnahme bekommen habe. Genau das hatte Reichelt moniert. Der "Spiegel" kann Widerspruch gegen den Beschluss einlegen. Reichelt ist nach Ende des Compliance-Verfahrens, in dem es um Vorwürfe des Machtmissbrauchs ging, auf seinen Posten zurückgekehrt.
welt.de, mopo.de, turi2.de (Background)

Bauers NS-Aufarbeitung verläuft schleppend, kritisiert Philipp Alvares de Souza Soares.

NS-Aufarbeitung der Verlegerfamilie Bauer verläuft "äußerst zögerlich", gleichzeitig kommen neue Details zu den Immobiliendeals aus NS-Zeiten von Alfred Bauer ans Licht, schreibt Philipp Alvares de Souza Soares. Der Verleger habe bei einer Zwangsversteigerung günstig ein Grundstück gekauft, auf dem 1953 Teile des Verlagsgebäudes errichtet wurden. 2020 hatte Bauer dem "Spiegel" gesagt, der Verlag könne ausschließen, "dass sich heute Grundstücke oder Liegenschaften aus 'Arisierung' in unserem Besitz befinden". Alvares de Souza Soares hört aus "Verlagskreisen", die Angebote profilierter Historikerinnen zur Aufarbeitung seien Bauer zu teuer gewesen. Der Verlag habe stattdessen eine "Recherchedienstleisterin" engagiert.
manager-magazin.de (Paid)

Lese-Tipp: Bildblog-Autoren über Muster hinter “Bild”-Geschichten.

Lese-Tipp: "Unter Julian Reichelt ist die Stimmungsmache gegen Muslime stark angestiegen", sagt Mats Schönauer (Foto) im "Standard"-Interview. Er und sein Bildblog-Kollege Moritz Tschermak sprechen über das Muster hinter "Bild"-Geschichten, darunter "das Bilden und Schüren von Feindbildern", das Weglassen entlastender Fakten und Expertinnen-O-Töne, die das jeweilige Feindbild weiter unterstützen. Die Meinungsmacht von "Bild" sei trotz sinkender Auflagen ungeschlagen – auch, weil "andere, auch seriöse Medien immer noch von 'Bild' abschreiben, oft ungeprüft".
derstandard.de

“Katapult”-Gründer Benjamin Fredrich macht sich seine Regeln selbst, schreibt Anne Fromm.

Wer im Glashaus sitzt: Katapult-Gründer Benjamin Fredrich, "der Hoffnungsträger des norddeutschen Lokaljournalismus, arbeitet selbst mit Bild-Zeitungs-Methoden", schreibt Anne Fromm in der "taz". Fredrich hatte dem Übermedien-Redakteur Jürn Kruse eine manipulative Interviewführung vorgeworfen und daraufhin unerlaubt den Mitschnitt veröffentlicht: "Fredrich, der anderen vorwirft, sich nicht an Regeln zu halten, macht sich seine Regeln einfach selbst."
taz.de, turi2.de (Background)

“Medium Magazin”: Volontärinnen berichten von Sexismus in Redaktionen.


Machtmissbrauch: Toxische Führungskulturen, Sexismus und andere Formen der Diskriminierung sind in deutschen Medienhäusern weit verbreitet, schreiben Eva Hoffmann und Pascale Müller im "Medium Magazin". Während ihrer Recherche melden sich binnen einer Woche 189 Medienschaffende, davon 142 Frauen, um ihre Erfahrungen aus den Redaktionen zu schildern. Aus 25 Interviews geht hervor, dass "kaum eine Redaktion" frei von Problemen sei. Berichtet wird u.a. von der Ansprache erwachsener Frauen als "Mäuschen" oder "Schätzchen" und dem Nutzen des rassistischen Begriffs "Neger". Insbesondere Praktikantinnen und Volontärinnen seien von unangemessenen Berührungen und sexistischen Kommentaren betroffen. Sie berichten besonders häufig von körperlichen Übergriffen. Gemeldete Vorfälle werden laut der Recherche oftmals nicht ernst genommen.

Frauen haben es nach Recherche des "Medium Magazin" schwerer, in Führungspositionen zu gelangen. So habe eine Journalistin Anfang der 2000er trotz zehn Jahren Berufserfahrung keinen Job in der Pressestelle bekommen, mit der Begründung, dass man "keine weiteren Frauen im gebärfähigen Alter" einstellen könne. Eine Redakteurin glaubt an "riesigen strukturellen Sexismus" und fordert, Machtstrukturen neu zu denken, damit sich am Arbeitsklima etwas ändert. (Anmerkung: Das Foto stammt von einer Vorab-Demo zum Weltfrauentag 2021.)
medium-magazin.de (Paid)

RND erstattet Strafanzeige nach Gewaltandrohungen zu einem Text von Imre Grimm.

Pressefreiheit: Madsacks RND erstattet Straf­anzeige wegen Gewalt­androhungen gegen Gesellschafts­ressort-Leiter Imre Grimm, schreibt Chef­redakteur Marco Fenske (Foto) in eigener Sache. Grimm hatte als Reaktionen auf seinen Text Stars gegen den Lockdown: Warum die Aktion 'Alles dichtmachen' eine Verhöhnung der Corona-Toten ist 400 E‑Mails erhalten. Zwei Drittel davon seien "übel beleidigend" gewesen und "weit von dem entfernt, was man gemeinhin Diskurs oder Debatte nennt".
rnd.de

Rundfunkrat fordert Konsequenzen für “Tatort”-Schauspielerinnen, die bei #allesdichtmachen dabei sind.

Noch 'ne Rolle rückwärts: Der WDR-Rundfunkrat Garrelt Duin stiftet mit einem Post zur Aktion #Allesdichtmachen Verwirrung, in dem er fordert, dass beteiligten "Tatort"-Schauspielerinnen die Jobs gekündigt werden. "Sie haben sich als Repräsentanten der öffentlich-rechtlichen Sender unmöglich gemacht. Die zuständigen Gremien müssen die Zusammenarbeit – auch aus Solidarität mit denen, die wirklich unter Corona und den Folgen leiden – schnellstens beenden." Kurz darauf rudert Duin zurück: "Der Tweet heute Morgen war Mist. Inhaltlich überzogen und meiner Rolle als Mitglied im Rundfunkrat nicht angemessen."
bild.de, rtl.de

Zitat: Kritik an #allesdichtmachen ist ihm zu schwarz-weiß gedacht, sagt Georg Restle.

"Die zum Teil wohlfeile Kritik an #allesdichtmachen ist mir zu plump. Nicht jeder, der einen neuen Untertanengeist aufs Korn nimmt, ist ein 'Querdenker' oder 'nimmt Tausende Tote in Kauf'. Wir sollten aufhören, uns gegenseitig in Ecken zu treiben, aus denen keiner mehr rauskommt."

"Monitor"-Redaktionsleiter Georg Restle kritisiert bei Twitter, die Debatte zeige, "wie sehr wir im schwarz-weiß gefangen sind".
twitter.com

“Alles dicht machen”: Schauspielerinnen kritisieren Corona-Politik.  


Noch ganz dicht? 53 deutsche Schauspielerinnen sprechen sich in der gemeinsamen Aktion "Alles dicht machen" gegen die Corona-Politik der Bundesregierung aus. Unter ihnen sind Jan Josef Liefers, Heike Makatsch, Wotan Wilke Möhring, Ulrike Folkerts, Ken Duken, Martin Brambach, Ulrich Tukur und Volker Bruch. In kurzen Videoclips bedanken sie sich bewusst überschwänglich und mit ironischem Unterton für die beschlossenen Maßnahmen der Regierenden. Die Website allesdichtmachen.de bricht unter der Last der Anfragen zeitweise zusammen und ist am Donnerstag zwischenzeitlich nicht erreichbar gewesen. Hinter der Aktion steckt laut "Spiegel" die Münchner Firma Wunder Am Werk GmbH, deren Geschäftsführer Bernd K. Wunder äußert sich auf "Spiegel"-Anfrage nur mit den Worten: "Das ist Kunst."

Jan Josef Liefers kritisiert in seinem Beitrag die alarmierende Berichterstattung der Medien. Einige Zeitungen hätten damit begonnen, "alte überwunden geglaubte Vorstellungen von kritischem Journalismus wieder aufleben zu lassen". Dagegen müsse man sich wehren: "Wir sollten einfach nur allem zustimmen und tun, was man uns sagt. Nur so kommen wir gut durch die Pandemie." Ulrich Tukur sagt: "Schließen Sie ausnahmslos jede menschliche Wirkungsstätte und jeden Handelsplatz, nicht nur Theater, Cafés, Schulen, Fabriken, Buchhandlungen, Knopfläden nein, auch alle Lebensmittelläden, Wochenmärkte und vor allem auch all die Supermärkte."

Im Netz häufen sich kritische Stimmen: RND-Medienredakteur Imre Grimm kommentiert: "Ruhm und Erfolg schützen nicht vor Pech beim Denken", die Aktion sei "eine Verhöhnung der Hinterbliebenen von mehr als 70.000 Coronatoten und derer, die auf Intensivstationen um ihr Leben kämpfen". Übermedien-Gründer Stefan Niggemeier kritisiert, dass die Schauspielerinnen mit einer "ekligen Ironie gegen die Corona-Maßnahmen" kämpfen. Die Autorin Annika Brockschmidt sieht in "Alles dicht machen" den bisher "vielleicht größten PR-Erfolg" der Pandemie-Leugnerinnen: "Starbesetzung, glossy Instagram-Wirkung statt kruden Memes aus irgendwelchen subreddits, Menschen mit Fans". ARD-Digitalexperte Dennis Horn kommentiert: "Diese Pandemie hat einige schlimme Dinge hervorgebracht. Diese grässliche Idee gehört dazu." Komiker Oliver Pocher droht bei Twitter, am Freitag ab 10 Uhr stündlich ein Parodie-Video zur Aktion zu drehen, "bis der Lockdown beendet ist". Lobende Worte findet dagegen z.B. Ex-Verfassungsschutzpräsident Hans Georg Maaßen, der die Aktion als "großartig" bezeichnet. Virologe Jonas Schmidt-Chanasit spricht gar von einem "Meisterwerk", das "uns nachdenklich machen sollte".
spiegel.de, tagesspiegel.de, bild.de, rnd.de (Grimm), youtube.com (Videos)

Blackfacing: BR nimmt Satire-Figur vom Schirm.

Bayerischer Rundfunk wird keine weiteren Auftritte der Kunstfigur "Maxwell Strauß" von Kabarettist Helmut Schleich zeigen. BR-Intendantin Katja Wildermuth hat im Rundfunkrat eine interne Wertediskussion angekündigt, dazu werde eine spezielle Arbeitsgruppe eingerichtet. Der Sender habe die Verantwortung, "gegen Stereotype und Herabwürdigungen zu wirken". Schleich hatte einen afrikanischen Diktator mit schwarz angemaltem Gesicht gemimt und damit heftige Kritik ausgelöst.
rnd.de, turi2.de (Background)

Moritz Tschermak und Mats Schönauer vom Bildblog schreiben Buch über die “Bild”.

Bildbashing: Moritz Tschermak (Foto) und Mats Schönauer vom Bildblog veröffentlichen im Mai das Buch Wie 'Bild' mit Angst und Hass die Gesellschaft spaltet. Sie haben dafür "mit Betroffenen und Opfern der 'Bild'-Berichterstattung" sowie aktuellen und ehemaligen Mitarbeiterinnen gesprochen. Sie wollen zeigen "wie die 'Bild'-Medien systematisch Ängste schüren".
bildblog.de

BR nutzt Blackfacing in Satiresendung “SchleichFernsehen”.

Bayerischer Rundfunk sendet in der Satireshow "SchleichFernsehen" eine fragwürdige Parodie: Satiriker Helmut Schleich mimt mit schwarz angemaltem Gesicht einen afrikanischen Diktator, der Deutschland Tipps im Umgang mit der Pandemie gibt. Blackfacing ist rassistisch – eine Sprecherin des BR teilt mit, die "damit verbundene Problematik" seien der Redaktion bewusst gewesen und im Vorfeld intensiv mit Schleich diskutiert worden. In einem Satireformat müsse dem Künstler "Freiraum für satirische Überhöhungen zugebilligt werden".
spiegel.de, faz.net, sueddeutsche.de

Nach Wut-Tweet: “Frontal21” bietet Elon Musk ein Interview an.

Frontal21 reagiert auf den Wut-Tweet von Elon Musk: Bei Twitter schreibt die Redaktion des ZDF-Magazins, sie würde den Tesla-Chef gerne interviewen. Dann hätte er die Chance, zu erklären, warum die Gigafactory in Brandenburg umweltverträglich ist. Vergangene Woche hatte "Frontal21" in einer Reportage den großen Wasserverbrauch der Fabrik angeprangert.
rnd.de, turi2.de (Background)

Meinung: Berichterstattung über Julian Reichelt ist “bisher geradezu sanftmütig”.

Causa Reichelt: Die Berichterstattung über die vermeintlichen Fehltritte von Julian Reichelt sind "verglichen mit boulevardesken Maßstäben" bisher "geradezu sanftmütig", urteilt Markus Wiegand. Der "Kress Pro"-Chefredakteur fragt sich, wie "Bild" über den eigenen Chefredakteur berichten würde, genügend "süffige Details aus dem Innenleben der Boulevardzeitung gäbe es "reihenweise". Dass Reichelt "seit Jahren insgesamt ein problematisches Führungsverhalten" zeige, werde wohl auch deshalb bisher wenig diskutiert, weil "Bild" ihre "Mitarbeiter ungewöhnlich gut entlohnt".
"Kress Pro" 2/2021, S. 56-57 (Paid), kress.de (Editorial zum Thema)

Meedia: “Spiegel” bedauert irreführende Spahn-Überschrift.

Spiegel bedauert die Überschrift "Firma von Spahns Ehemann verkaufte Masken ans Gesundheitsministerium" zum Artikel, der sich um den Masken-Deal der Regierung mit Burda dreht. Sie bringt Daniel Funke, Spahns Ehemann, damit in Verbindung, obwohl er mit dem Geschäft nichts zu tun hat und impliziert damit einen möglichen Interessenskonflikt. Der "Spiegel" schreibt Meedia: "Wir verstehen, dass die ursprüngliche Überschrift für sich genommen einen missverständlichen Eindruck erzeugen kann." Sie wurde geändert in: "Arbeitgeber von Spahns Ehemann verkaufte Masken ans Gesundheitsministerium".
meedia.de, turi2.de (Background)

Stefan Niggemeier kritisiert Lorenz Maroldts Reichelt-Drehbuch.

Blattkritik: Das fiktionale Drehbuch von "Tagesspiegel"-Chefredakteur Lorenz Maroldt zu den Anschuldigungen gegen "Bild"-Chef Julian Reichelt ist "eine journalistische Kapitulation", schreibt Stefan Niggemeier (Foto). Maroldt umgehe in seinem Newsletter die Regeln der Verdachtsberichterstattung, was weder Betroffenen noch Publikum helfe. Derzeit bestehe die Gefahr, dass die "angeblichen Opfer aus dem Blickfeld geraten". Ihre Erfahrungen zu hören, "nicht nur als halbfiktionales Drehbuch oder im dreiviertelsatirischen Videobeitrag" sei nun das Wichtigste.
uebermedien.de (Paid), turi2.de (Background)

“Bild” zitiert Familienministerium in Artikel über “GNTM” ohne Zusammenhang.

Nicht ganz so nackte Tatsachen: Die "Bild" erweckt in einem Artikel über "Germany's next Topmodel" den Eindruck, das Familienministerium kritisiere eine Folge der Show, in der die Nachwuchs-Models freizügig über den Laufsteg schreiten. Die Zeitung zitiert das Ministerium: "Sexismus ist nichts, das wir einfach tolerieren oder ignorieren können. Gemeinsam müssen wir Sexismus ganz klar als das bezeichnen, was er ist: nämlich eine Form von Gewalt" – und lässt dessen nachfolgenden Hinweis, dass Rundfunk Ländersache ist, einfach weg.
dwdl.de

Moderator von Bayern 3 löst Rassismus-Diskussion aus.

Bayern 3 steht im Shitstorm. Grund sind Äußerungen des Moderators Matthias Matuschik über die koreanischen Popband BTS. Matuschik bezeichnete die Mitglieder als "kleine Pisser" und verglich sie mit dem Corona-Virus, sagte gegen BTS gebe "es hoffentlich bald ebenfalls eine Impfung". Für seine Aussagen hat sich Matuschik inzwischen entschuldigt und bezeichnet sie in einer Stellungnahme als "komplett daneben". Er schreibt zudem, er habe nie die Absicht gehabt, jemanden rassistisch zu beleidigen, ihm sei aber bewusst, "dass am Ende zählt, wie die Worte bei den Empfängern ankommen ‐ und nicht, wie sie gemeint waren." Zuvor hatte der Sender bereits in einer Stellungnahme geschrieben, Matuschik sei beim Versuch, "seine Meinung ironisch-überspitzt und mit übertrieben gespielter Aufregung darzustellen, in seiner Wortwahl übers Ziel hinausgeschossen". Fremdenfeindlichkeit und Rassismus würden ihm aber fernliegen.
rnd.de, sueddeutsche.de, bayern3.de (Stellungnahme)

Reiner Haseloff fordert bei ARD und ZDF Impf-Aufklärung zur Primetime.

Impf-TV zur Primetime: Sachsen-Anhalts Minister­präsident Reiner Haseloff redet sich bei Markus Lanz in Rage und fordert nach "Tagesschau" und "heute" tägliche Aufklärungs­sendungen zur Corona-Impfung. Der Auftrag der Öffentlich-Rechtlichen sei in erster Linie Bildung, sagt Haseloff. Bildungs­sendungen sollten deshalb in der Primetime laufen, "ein Quiz gehört nach hinten, für diejenigen, die nicht einschlafen können".
watson.de, twitter.com (90-Sek-Video), zdf.de (Haseloff ab 33:30 Min)

Rundfunkanstalten platzieren Literaturberichterstattung in der Nische.

Literaturjournalismus: Der öffentlich-rechtliche Rundfunk treibt "die Auflösung der Gesellschaft in Zielgruppen und Kundenprofile" voran, schreibt Felix Stephan in der "Süddeutschen". Während Verlage Autor*innen aus dem Digitalen in der Verlagswelt aufbauen, tauchen die Sender in digitale Milieus ab, meint er. Die Existenz einer allgemeinen Öffentlichkeit werde von den Anstalten geleugnet, die stattdessen die "spitze Zielgruppe" im Netz erreichen wollen. Anlass für Stephans Ausführungen ist eine Diskussion zur Zukunft der Literaturkritik im WDR.
sueddeutsche.de (Paid)

Clickbait-Medien schlagen Profit aus Pöbeleien gegen TV-Hosts.

Krieg dem Clickbait: Das Verhalten von Medien wie "Nordbuzz" gegenüber TV-Moderatorinnen wie Ruth Moschner (Foto), grenzt "an systematisches Mobbing", schreibt Peer Schader. Die "Schlagzeilenschleudern" überhöhen Social-Media-Entgleisungen zu Artikeln, doch "all diese Berichte handeln von – nichts", stellt er fest. Die Eskalation in sozialen Netzwerken sei ein Problem, aber der Umgang mit Verlagen, "die das zur Basis ihres Geschäftsmodell gemacht haben", müsse ebenfalls geklärt werden.
dwdl.de

“Welt am Sonntag” moniert “Lobgesänge auf die Mächtigen” im deutschen Journalismus.

Fehlende Distanz zur Regierung wirft Wolfgang Büscher (Foto) den "deutschen Medien" in der "Welt am Sonntag" vor. Dafür sammelt er 30 Kommentare aus der Corona-Zeit, die das belegen sollen. Mehr als die Hälfte der "schönsten und schaurigsten Lobeshymnen" geht demnach auf das Konto von ARD und ZDF. Der Bayerische Rundfunk fordert im Oktober etwa "mehr Merkel bitte", der Deutschlandfunk bezeichnet sie im Januar als "ehrliche Haut". Immerhin gibt Büscher zu, "vor solchen Versuchungen" auch selbst "nicht immer gefeit" gewesen zu sein und kramt sein eigenes Kanzlerinnen-Lob vom März 2020 aus dem Archiv.
welt.de (Paid)

Michael Haller kritisiert Corona-Journalismus.

Zu viel Konsens: Journalistik-Professor Michael Haller macht die Übereinstimmung von Journalist*innen mit Regierungspositionen als großes Problem aus. Im "Tagesspiegel" kritisiert er Malte Lehming, der das Phänomen als "Ausdruck einer Wertegemeinschaft" verteidigt hat. Die handwerklichen Fähigkeiten, die seriösen Journalismus ausmachen, würden so "unter den Meinungsteppich" gekehrt. Haller sieht Parallelen zur Flüchtlingskrise, "als viele Journalisten ihre Willkommenseuphorie im Rückblick als naiv und parteiergreifend erkannten".
tagesspiegel.de, turi2.de (Background Lehming)

Basta: die etwas niedrigwissenschaftliche Studie des Physik-Professor Roland Wiesendanger.

Ein bisschen unschlau: Der Physik-Professor Roland Wiesendanger sammelt aus kunterbunten und nicht nur wissenschaftlichen Quellen Argumente für seine Idee, das Corona-Virus stamme aus einem chinesischen Labor, schreibt "Studie" über seine Erkenntnisse, nutzt seinen Arbeitgeber, die Uni Hamburg, als Glaubwürdigkeitsboost und platziert sie so erfolgreich bei diversen Medien. Derweil demaskieren auf Twitter mehrere Nutzer*innen den hohen Unfugs-Faktor – die Uni immerhin hat sich ein verbales Schlupfloch gelassen: "Hochwissenschaftliche Beweise" habe Wiesendanger nicht.
uebermedien.de

Meedia: DW-Chef Peter Limbourg hält kritische Artikel über den Sender für unausgewogen.


Limbourgs Sicht: DW-Intendant Peter Limbourg sagt im Meedia-Interview über die Machtmissbrauchs-Vorwürfe mehrerer Medien wie "Guardian", "Zeit", "taz" und "Süddeutsche Zeitung", in den Artikeln seien alte Themen aufgegriffen worden, die der Sender "schon vor eineinhalb Jahren angegangen" ist. Die Berichterstattung gehe "im Wesentlichen auf wenige Vorgänge in der Arabisch-Redaktion zurück".

Das Arbeitsverhältnis zu drei gekündigten Mitarbeiter*innen sei nicht beendet worden, weil sie Kritik äußerten: "Aus der Redaktion hatten wir sehr viele Beschwerden über die Spaltung der Redaktion durch diese Kollegen bekommen." Limbourg nennt den Schritt "Wiederherstellung des Betriebsfriedens und Gewährleistung einer vertrauensvollen und kollegialen Zusammenarbeit". Einzelne Verdi-Vertreter*innen hätten die internen Konflikte "mit angeheizt, um sie dann zu skandalisieren." Der Intendant kritisiert außerdem, dass Journalist Mohamed Amjahid, der in "Zeit" und "Süddeutscher Zeitung" Artikel über die DW geschrieben hat, "nach unseren Informationen eng verbunden ist mit den von uns beendeten Kollegen", und das nicht kenntlich mache. Amjahid bestreitet das gegenüber Meedia.
meedia.de (Paid), turi2.de (Background)

Zitat: Thea Dorn kritisiert den Umgang der Medien mit der Krise.

"Finden Sie nicht, dass es im Journalismus die Tendenz gibt: Lieber eine Katastrophen-Schlagzeile zu viel als eine zu wenig?"

Autorin und Moderatorin Thea Dorn kritisiert im "Handelsblatt"-Interview, dass es "in Zeiten des Schlamassels" heikel ist, wenn die Grenze zwischen "realistischer Gefahrenbeschreibung" und "Dramatisierung im Interesse von Quote, Auflagenhöhe oder Klickzahlen" nicht klar erkennbar ist.
handelsblatt.com

ARD führt bei den “Tagesthemen” die Rubrik “Pro und Contra” ein.


Konservative Stimmen mögen erklingen: Die ARD sendet in den "Tagesthemen" am Montagabend erstmals die neue Rubrik Pro und Contra. Zum Auftakt diskutieren Kristin Schwietzer vom MDR und Tom Schneider vom HR die Schulöffnungen. Die Rubrik soll nicht täglich, aber immer, wenn es sich anbietet "das "Meinungsspektrum der Nachrichtensendung verbreitern", sagt Helge Fuhst (Foto), zweiter Chefredakteur von ARD aktuell, im "Welt"-Interview mit Christian Meier. Es gebe die unterschiedlichsten Meinungen in der Anstalt, sie müssten aber sichtbarer werden, weil das Publikum mehr Meinungsvielfalt fordere.

Fuhst sagt, die "Tagesthemen" sollen nicht missionarisch wirken, sondern "Einschätzungen und Denkanstöße" liefern. Er wünscht sich mehr junge Kommentator*innen, will häufiger "neue Gesichter ins Rennen schicken" und räumt ein, dass es aktuell zu wenige öffentlich wahrgenommene, konservative Meinungsmacher*innen gibt. Meiers Vermutung, dass die Konservativen aus Furcht vor Shitstorms lieber schweigen, will er nicht stehen lassen, "grundsätzlich fehlt uns nicht der Mut".
welt.de (Paid)

Landesmedienanstalten gehen gegen Online-Medien wie KenFM vor.

Landesmedienanstalten gehen erstmals gegen rechte Online-Medien wie KenFM von Ken Jebsen (Foto) und "Deutschland Kurier" vor, die aktuell vor allem Corona-Verschwörungstheorien verbreiten, schreibt Christoph Sterz. Die Medien-Aufseher werfen ihnen vor, gegen journalistische Grundsätze zu verstoßen. Mit dem neuen Medienstaatsvertrag können sie wenn nötig Sanktionen verhängen. Medien-Ethikerin Marlis Prinzing meint, dass die Landesmedienanstalten besonders transparent handeln müssen, um das "grundsätzlich wichtige und begrüßenswerte Vorgehen" ausreichend zu legitimieren.
deutschlandfunk.de, turi2.de (Background)

Elyas M’Barek und Jonas Nay spielen die Hauptrollen in Relotius-Verfilmung.

Relotius-Rollenvergabe: Elyas M'Barek (Foto) und Jonas Nay spielen die Hauptfiguren in der Ufa-Verfilmung des Buchs Tausend Zeilen Lüge von "Spiegel"-Reporter Juan Moreno. M'Barek verkörpert den freien Journalisten Romero, angelehnt an Moreno, Nay spielt Star-Reporter Lars Bogenius, inspiriert von Claas Relotius. Michael Bully Herbig führt bei der Mediensatire die Regie.
ufa.de, turi2.de

“Süddeutsche Zeitung” berichtet vom Vorwurf des Machtmissbrauchs innerhalb der DW.


Ungeklärte Tatsachen: Hinter der Fassade der Deutschen Welle herrschen "erbitterter Streit", "Missmanagement, Einschüchterung und Schikane", schreibt Mohamed Amjahid in der "Süddeutschen Zeitung". Kritik an der Führungsebene führe zum Rausschmiss. In einem Protestbrief von Anfang 2020, den Amjahid zitiert, schrieben mehr als 350 DW-Mitarbeiter*innen: "Wir glauben, dass Machtmissbrauch bei der Deutschen Welle allgegenwärtig ist." Der Artikel stellt die Frage, ob interne Missstände angemessen aufgearbeitet werden. Die Zusammenarbeit mit drei freien Mitarbeiter*innen sei im Dezember 2020 wegen "nachhaltig zerstörten Vertrauensverhältnisses" beendet worden, alle drei waren laut Artikel "mit kritischen Nachfragen zu Strukturen und Arbeitsklima aufgefallen".

Aus Sicht des Senders hätten Verdi-Vertreter*innen die internen Konflikte angeheizt. Tatsächlich geht die Gewerkschaft hart mit Intendant Peter Limbourg ins Gericht und schreibt in einem Brief, der Sender habe "auf dem Gebiet der Konfliktlösung jedes Maß verloren". DW-Sprecher Christoph Jumpelt schreibt in einem Statement, der "SZ"-Artikel stelle falsche Behauptungen auf. Der Sender sei der Bitte um Stellungnahme und Erläuterung "ausführlich nachgekommen", davon finde sich kaum etwas in dem Artikel wieder. "Seit Jahren aufgearbeitete Vorfälle" würden fälschlicherweise als aktuell dargestellt. Die Gründe für die Trennung von den drei Mitarbeiter*innen sei "nicht wahrheitsgetreu wiedergegeben".
sueddeutsche.de

Traffic-Erfolg von Watson kostet Mitarbeiter*innen, schreibt Marvin Schade.

Jugendportal Watson existiert wegen der Reichweitenstrategie "gemixt aus kompromissloser Suchmaschinenoptimierung und einfachstem Boulevard" noch, analysiert Marvin Schade. Der Traffic-Erfolg koste aber Mitarbeiter*innen, die redaktionsinterne Stimmung sei "im Keller", der Arbeitsdruck immens. Ein Ströer-Sprecher nennt die Fluktuation auf Anfrage bei einem "nach wie vor im Aufbau" befindenden Portal "normal". Schade schreibt, die Führung von Chefredakteurin Kinga Rustler sei "die Antithese zu dem, was die Marke eigentlich ausmacht".
medieninsider.com (Paid)

G+J-Zeitschriften werden zum Bertelsmann-Marketinginstrument, meint Ulrike Simon.

Lese-Tipp: Gruner + Jahr ist kaum wiederzuerkennen, schreibt Ulrike Simon. Seit 2013 hat sich der Umsatz halbiert. Simon analysiert, das habe neben dem Strukturwandel der Medien "auch mit der Unternehmensführung zu tun und mit dem Druck, den Bertelsmann-CEO Thomas Rabe ausübt". Julia Jäkel, Stephan Schäfer und Oliver Radtke haben es laut Simon mit dem Wachstum probiert, allerdings "ohne durchschlagenden Erfolg". Sie kritisiert, dass Chefredakteur*innen inzwischen mehrere Titel verantworten, "das kannte man früher nur von Häusern, auf die G+J herabblickte". Bei Content Alliance und Ad Alliance entscheiden laut Simon "die Kaufleute" über die Themen, die Zeitschriften seien immer häufiger "zusätzliches Marketinginstrument für RTL-Sendungen".
horizont.net (Paid)

Meinung: Politikjournalismus ist zu schwarzmalerisch.

Blick in die Glaskugel: Jan Feddersen beobachtet in den deutschen Berichten über den Beginn der Biden-Regierung "Narrative der negativen Wahrsagelust". Das "hartleibige Schlechtreden von politischen Prozessen, ehe sie wirksam werden" mache "den politischen Verstand madig". Feddersen findet: "Politisches hängt immer am Moment und ist nur begrenzt einschätzbar." Als Beispiele zieht er den Atomausstieg und das Ende der Wehrpflicht heran.
taz.de

Kritik: Clubhouse-Investor sperrt Journalist*innen aus.

Elon Exklusiv: Tesla-Chef Elon Musk hat am Abend zum Clubhouse-Gespräch geladen, doch nicht alle durften mithören. Jessica Lessin, Gründerin und Chef­redakteurin von The Information, beklagt bei Twitter, dass Clubhouse-Investor Marc Andreessen (Foto) Journalist*innen blockiert. Musk-Fans haben das Gespräch derweil bei YouTube gestreamt.
twitter.com/Jessicalessin, techcrunch.com

Landesmedienanstalten erhalten 2020 so viele Beschwerden wie noch nie.

Programmbeschwerden nehmen 2020 deutlich zu: Die Landesmedienanstalten haben 2.613 Meldungen erhalten, ein Plus von rund 25 % – 2019 waren es noch 2.058. 513 Beschwerden beziehen sich auf das Programm des privaten Rundfunks, 186 auf Online-Inhalte, vor allem bei Instagram und Youtube. Beschwerden können seit 2004 über das Portal Programmbeschwerde.de eingereicht werden.
deutschlandfunk.de, digitalfernsehen.de

Meinung: WDR verrät Kulturauftrag mit abgesetzter Literaturkritik.

Lese-Lücke: WDR begeht mit dem Zusammenstreichen seines Literaturprogramms "Verrat am Kulturauftrag", kritisiert Felix Stephan. Die "ganz rechte Infosphäre" freue sich über die entstehenden Lücken und dränge in den kulturellen Raum. Literaturkritik gehört laut Stephan gerade deshalb in den öffentlich rechtlichen Rundfunk, weil der keinen ökonomischen Druck habe und mit Literaturkritik nicht viel Geld zu machen ist. Er unterstellt dem WDR "Angst, als elitär zu gelten" – deshalb gebe es immer weniger "angeblich Kompliziertes" und stattdessen viel Gefühliges.
sueddeutsche.de

Meinung: ARD und ZDF schaffen in Laschet-Interviews keinen Mehrwert.

ARD und ZDF verpassen in ihren Hauptstadt-Interviews mit Armin Laschet den Übergang von der Personaldiskussion zur Sachpolitik, schreibt Peer Schader bei DWDL. Er beobachtet, dass die Sendungen "vollständig in ihren Ritualen erstarrt zu sein scheinen". Sie haben "auf fast exakt dieselben Fragen fast exakt dieselben Antworten erhalten". Politische Inhalte finden neben Personalthemen kaum Anklang, so Schader. Die Berichterstattung "aus dem politischen Tagesbetrieb" scheine "vorrangig für den politischen Tagesbetrieb gemacht".
dwdl.de

Allensbach-Chefin Köcher: Menschen blicken kritischer auf Medien als vor der Pandemie.

Medien: 40 % der Menschen sehen die Berichterstat­tung aktuell kritischer als vor der Corona-Pandemie, sagt Allensbach-Chefin Renate Köcher im "Handelsblatt"-Interview. Angesichts des positiven Bildes der Medien zu Beginn der Krise, sei dies "bemerkenswert". Köcher wünscht sich mehr Neugierde in der Corona-Berichterstattung, deren Mehrwert sie für "mittlerweile überschaubar" hält.
handelsblatt.com (Paid)

turi2 edition #13: Matthias Horx über Zukunft und Zumutungen.


Rolle vorwärts: Prognosen sind schwierig, vor allem, wenn sie sich auf die Zukunft beziehen – Trend-Experte Matthias Horx wagt dennoch den Blick auf die Welt nach Corona. Im Interview mit Heike Turi in der turi2 edition #13 nennt er Covid-19 “ein Meisterstück der Evolution”. Und Horx blickt auf die Medien: Er beklagt den “Trend zum Trash” und dass die Inhalte vieler Medienmarken wie “getarnte Anzeigen” aussehen. Horx prognostiziert: “Online-Werbung ist die nächste Blase, die demnächst platzen wird.” Sie können den Text hier im kostenlosen E-Paper lesen oder das Buch gedruckt bestellen. Weiterlesen …