
Steffen Grimberg macht ARD, ZDF und den Rundfunkbeitrag als Lieblingsthema von Kolumnisten aus, “wenn sich partout gerade kein Thema aufdrängt” und nimmt sich die jüngste ÖRR-Kritik von Florian Harms vor. In unserer Kolumne “Kurz und KNAckig”, die wir in Kooperation mit dem “KNA-Mediendienst” veröffentlichen, kritisiert er, dass der T-Online-Chef die Narrative derjenigen bediene, die “unter Verweis auf angeblich verengte Meinungskorridore … Vielfalt, Diversität und unabhängig-kritische Recherche” einschränken wollen. Was passiere, wenn man den ÖRR einenge, könne man gerade in den USA besichtigen.
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Linke Schelte: Publizist Jakob Augstein übt im Podcast von "Bild"-Vize Paul Ronzheimer vernichtende Kritik an der linken Medien- und Parteienlandschaft. Der "Spiegel"-Erbe bezeichnet den Online-Auftritt des Nachrichtenmagazins, an dem er beteiligt ist, als "Hort der Wokeness", der Realitäten, darunter die AfD-Wahl durch Migranten, ausblende. Generell bezeichnet er den journalistischen Umgang mit der AfD als "Vollkatastrophe", da moralische Ausgrenzung die Partei nur stärke.
Besonders hart geht Augstein mit ZDF-Satiriker Jan Böhmermann ins Gericht, den der Publizist als den "Schlimmsten von allen" bezeichnet. Der Einfluss, den "solche Leute" auf das Denken anderer Menschen und das "demokratische Klima" hätten, sei "verheerend". Denn Demokratie sei nicht immer, "was einem gefällt". Er kritisiert "wokes Denken", "Ausschließerdenken", "Rechthaberdenken", "Elitendenken". Das spalte die Gesellschaft und verbaue den Weg, zu gemeinsamen Gesprächen und Lösungen.
Auch die SPD, in der Augstein Mitglied ist, bekommt ihr Fett weg. Er nennt die Partei einen "wandelnden Toten". Die Partei lebe in der Vergangenheit und habe den Kontakt zur arbeitenden Bevölkerung verloren habe. In der linken Bewegung sieht er eine Spaltung in die "urbane, feministische Gleichstellungslinke" und die "Leute, die jeden Tag arbeiten gehen und ihr Geld verdienen müssen". Die SPD habe diese Unterschiede irgendwann nicht mehr "überein" bekommen und sei daran zerbrochen.
bild.de, open.spotify.com (76-Min-Audio)
(Foto: IMAGO / HMB-Media / Uwe Koch)

Lese-Tipp: Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen zieht Bilanz seines Jahres als interner Blattkritiker beim "Spiegel". Er bescheinigt der Redaktion eine hohe Toleranz gegenüber seiner Kritik. Beim Umgang mit dem Publikum sieht er jedoch große Defizite. Die aktuellen Abstimmungs-Tools auf der Website bezeichnet er als "Dialogtöter", weil sie ein "Entweder-oder-Denken" erzwingen. Pörksen fordert stattdessen echte Debattenformate wie eine digitale Publikumskonferenz. Zudem kritisiert er den weitverbreiteten Negativismus im politischen Journalismus. Die Formel "Je negativer, desto unabhängiger" hält er für einen Denkfehler. Seine Vision ist eine "zuhörende Redaktion", die "bewusste Distanz zu einem Ad-hoc-Bescheidwissertum" hält.
spiegel.de (€)
(Foto: IMAGO / epd / Theo Klein)

Medienkritik: "Finanzfluss"-Chefredakteurin Mary Abdelaziz-Ditzow kündigt für Ende Februar ihr Buch "Behind the News" an. Darin blicke sie "schonungslos ehrlich und konstruktiv" hinter die Kulissen der deutschen Medienlandschaft und analysiert "die größten Fails im System", schreibt sie bei Linked-in. Sie thematisiere eine "toxische Symbiose" zwischen Medienmachern und Rezipienten, deren Sensationssucht oft der Antrieb für Berichterstattung sei. Abdelaziz-Ditzow will mit "Irrtümern und haltlosen Klischees" aufräumen und kündigt an, "den vielleicht größten Medienbias unserer Zeit" offenzulegen. Auslöser für das Werk sei ein innerer Konflikt mit der Branche gewesen: "Mir war klar: Entweder ich verlasse die Medienwelt oder ich schreibe dieses Buch". Bevor sie zu "Finanzfluss" wechselte, arbeitete die Autorin in Führungspositionen beim "Handelsblatt" und bei n-tv.
linkedin.com, ullstein.de (336 Seiten, 14,99 Euro)

Ende einer Ära: Der RBB verabschiedet Medienjournalist Jörg Wagner in den Ruhestand – nach fast 30 Jahren als Moderator des "Radioeins-Medienmagazins". Wagner präsentiert seine letzte Ausgabe am 27. Dezember live vor Publikum aus dem Studio 14 des RBB in Berlin. Programmdirektor Robert Skuppin dankt Wagner für "seine Fachkenntnis und Leidenschaft" und ergänzt: "Dass er dabei für den RBB selbst nicht immer bequem war, ist für ein Medienmagazin als Auszeichnung zu verstehen." Wagner hatte u.a. den Skandal um Ex-Intendantin Patricia Schlesinger in seiner Sendung aufgearbeitet und war darüber zeitweise in Konflikt mit Teilen der RBB-Führung geraten.
Das "Medienmagazin" geht am 10. Januar mit Journalistin Teresa Sickert weiter. Die 37-Jährige moderierte bisher unter anderem das Netzmagazin "Trackback" bei Fritz und "Breitband" bei Deutschlandfunk Kultur. Mit dem Wechsel halten neue Rubriken wie ein Faktencheck mit Pascal Siggelkow und ein Blick auf die Podcast-Charts Einzug in die Sendung. Das Magazin läuft weiterhin samstags ab 18 Uhr auf Radioeins sowie in Kurzfassungen bei RBB24 Inforadio.
presseportal.de, turi2.de (Background)
(Fotos: RBB/Ralf Schuster, RBB/Gundula Krause, Montage: turi2)

Hör-Tipp: Der freie Wirtschaftsjournalist Felix Rohrbeck wünscht sich von Redaktionen, offener mit Fehlern umzugehen, um das Vertrauen der Öffentlichkeit in die Medien zu stärken. Im "Übermedien"-Podcast "Nice & Nötig" spricht er mit Host Annika Schneider darüber, warum sich viele Redaktionen schwer damit tun, Fehler einzuräumen oder sich dafür zu entschuldigen. In einem Fellowship beim Media Lab Bayern hat er sich ein halbes Jahr lang mit der Fehlerkultur im Journalismus beschäftigt. Bei einem Selbst-Experiment auf einer Bühne an der Hamburger Reeperbahn hat er von seinen eigenen journalistischen Fehlern berichtet, die er heute bedauert.
uebermedien.de (44-Min-Audio)
(Bild: Übermedien)

Klar wie Kloßbrühe? Das NDR-Medienformat "Zapp" widmet sich in seiner neusten Ausgabe der Perspektiven-Vielfalt im ÖRR und arbeitet in diesem Zuge auch die Diskussion um die Sendung "Klar" und deren Moderatorin Julia Ruhs auf. NDR-Programmdirektor Frank Beckmann sagt etwa zur internen Kritik an den Pilotfolgen von "Klar": "Kritik muss in jedem Sender erlaubt sein, das gehört einfach auch zu unserem Handwerk. Wenn Menschen leidenschaftlich über Themen diskutieren, ist das auch nichts Schlechtes, sondern etwas Gutes." Dennoch brauche Kritik Regeln, etwa dass sie kollegial, konstruktiv und in einem geschützten Raum stattfinde – nicht über Social Media. Sowohl Ruhs als auch die internen Kritiker hatten ihre Meinungen öffentlich gemacht. "Ja, das war beides doof", so Beckmann.
Der Programmdirektor sagt, dass man mit den Piloten habe Ergebnisse sammeln wollen. Es sei von Anfang an klar gewesen, dass man "Meinungspluralität auch dadurch sichern" wolle, "dass wir unterschiedliche Moderatoren haben". "Auch wenn das eine Moderatorin anders sieht."
Dass der NDR Ruhs nicht weiter beschäftige, werde behauptet: "Fakt ist, sie moderiert genauso viel wie vorher auch." Beckmann definiert die Sendung auch nicht als explizit konservatives Format. Es sei dem Sender darum gegangen, Themen "ins Schaufenster" zu stellen, von denen Menschen das Gefühl haben, sie würden zu wenig behandelt.
In dem Beitrag kommt auch die "Welt"-Journalistin und konservative Kommentatorin Nena Brockhaus zu Wort. Sie kenne Ruhs. Sie urteilt: "Der NDR hätte an Julia Ruhs festhalten müssen, aber sie wurde natürlich nicht gecancelt." Sie sei omnipräsenter denn je. Da könne man nicht von Cancel Culture sprechen. Brockhaus übt aber auch inhaltliche Kritik an den "Klar"-Ausgaben. So hätte man, immer dann, wenn Ruhs am Mikrofon war, deutlich machen müssen, dass es sich um Meinungsbeiträge gehandelt habe. Die Zuschauer hätten in der Sendung nicht zwischen Meinung und Reportage unterscheiden können. Sie hält das Format für berechtigt, aber nicht für ausgewogen: "Ich finde, solange es 'Reschke Fernsehen' gibt, sollte es auch 'Klar' und Julia Ruhs geben. Aber am liebsten wäre mir, es gäbe eine Sendung, die komplett ausgewogen ist."
Ruhs selbst äußert sich in der Sendung nicht. Autorin Konstanze Nastarowitz sagt, Ruhs sei nicht bereit gewesen, Fragen der Redaktion vor der Kamera oder schriftlich zu beantworten.
youtube.com (44-Min-Video)

"Mediale Kanäle und Kultur sind eins geworden. Medien, Medien, Medien, den ganzen Tag, jedes Gefühl wird durch ein Medium gequetscht. Medien haben die Kultur gekillt, die Gesprächskultur, die politische Kultur. Das, was wirklich zwischen den Menschen ist. Kultur ordnet sich der Technik, der Verwertungslogik oder der Kapitalisierung unter."
Jan Böhmermann erklärt im "Spiegel"-Interview, warum er mit seiner Ausstellung Die Möglichkeit der Unvernunft in Berlin "raus aus den Medien, rein in die Wirklichkeit" geht.
spiegel.de (€)
(Foto: IMAGO / Future Image / M. Kremer)

Preis-Retoure: "Übermedien"-Redakteurin Annika Schneider gibt aus Protest den an sie verliehenen "Donnepp Media Award" zurück und will auch das Preisgeld von 5.000 Euro an den Verein der Freunde des Adolf-Grimme-Preises zurücküberweisen. Sie reagiert damit auf die Aberkennung des Preises an Judith Scheytt wegen Vorwürfen von Antisemitismus. Die Vereinsvertreter hätten sich mit Scheytts "Arbeit und ihren Themen nicht ausreichend auseinandergesetzt, weder vor noch nach der Preisverleihung", schreibt Schneider auf ihrer Website.
kress.de, annikaschneider.de, uebermedien.de (€), turi2.de (Background)

Eine Untersuchung der Otto-Brenner-Stiftung sieht eine Übersättigung des Angebots junger, öffentlich-rechtlicher Reportage-Formate und kritisiert deren "Ich-Zentrierung". Studienautor Janis Brinkmann und sein Team haben Vollbild vom SWR, exactly vom MDR, Ultraviolet Stories und Crisis - Hinter der Front von Funk sowie die Puls Reportage vom BR unter die Lupe genommen. 2022 hatte Brinkmann für eine OBS-Studie bereits Funk-Formate wie Y-Kollektiv und STRG_F untersucht. Die neuen Formate setzten "noch konsequenter als ihre Vorgänger auf die Ich-Perspektive der Reporter*innen", sagt Brinkmann. Nahezu jedes Thema werde über persönliche Erwartungen, Erfahrungen, Eindrücke oder Emotionen präsentiert. Investigative Recherchen und andere Quellen seien hingegen kaum erkennbar. "Was authentisch gedacht ist, kann auch ins Selbstreferenzielle kippen", kritisiert Brinkmann und beobachtet in manchen Fällen "wenig authentischen Selfie-Journalismus".
Positiv bewertet die Studie, dass die neuen Formate perspektivische und geografische Lücken schließen, die Brinkmann in seiner ersten Untersuchung identifiziert hatte. "exactly" gebe ostdeutschen Lebenswirklichkeiten einen Raum, "Crisis - Hinter der Front" thematisiere internationale Konflikte. Mit Ausnahme der "Puls Reportage" komme jedoch keines der untersuchten Formate an die digitalen Reichweiten von "STRG_F" oder "Y-Kollektiv" heran. Die Studie deutet dies als Hinweis "auf eine gewisse Übersättigung der jungen Zielgruppe mit subjektiv präsentierten Inhalten".
presseportal.de (Pressemitteilung), otto-brenner-stiftung.de (Studie im Detail), turi2.de (erste Studie)
(Bild: OBS, Montage: turi2)

Einerlei Maß: Die ARD-Intendanten und die Vorsitzenden der Aufsichtsgremien der Sender haben einen ARD-weiten Governance-Kodex beschlossen. Nun müssen noch die einzelnen Aufsichtsgremien der Sender zustimmen, damit die Richtlinie im Dezember mit dem neuen Rundfunkstaatsvertrag in Kraft treten kann. Der Kodex verankere Regeln zu guter Unternehmensführung und Aufsicht. Er gehe aber noch "einen Schritt weiter" und konkretisiere "was verantwortungsvolles, transparentes und zukunftsorientiertes Handeln bedeutet". In jährlichen "Entsprechenserklärungen" berichten die Sender künftig, wo sie sich an die Standards gehalten haben und wo sie begründet abgewichen sind. ARD-Chef Florian Hager sagt: "Wir gehen mit diesem Kodex einen wichtigen Schritt und können ihn jetzt dazu nutzen, Governance in der ARD kontinuierlich selbst zu hinterfragen, zu verbessern und weiterzuentwickeln."
presseportal.de

Das Vertrauen der Deutschen in die Medien bleibt 2024 im Vergleich zum Vorjahr weitestgehend stabil, sagt eine Langzeitstudie zum Medienvertrauen von Forschenden der Unis Mainz und Düsseldorf, die das Fachjournal "Media Perspektiven" veröffentlicht. Demnach geben 47 % der über 1.200 Befragten an, den etablierten Medien "eher" oder "vollkommen" zu vertrauen, wenn es um wirklich wichtige Dinge gehe. Im Vorjahr waren es noch 44 %. Um fünf Prozentpunkte sinkt außerdem der Anteil derer, die angeben, den Medien kein Vertrauen zu schenken. Er liegt nun bei 20 %.
Grund zur Sorge sehen die Wissenschaftler trotzdem. Denn immer mehr Menschen stellen der Studie zufolge die Integrität und die Legitimität des Mediensystems an sich in Frage. Die Ergebnisse beim sogenannten "Medienzynismus" seien alarmierend, so die Experten. Denn auch wenn das allgemeine Medienvertrauen stabil bleibt, stimmen 20 % der Aussage zu, dass die Medien die Meinungsfreiheit in Deutschland untergraben – ein Plus von fünf Prozentpunkten. Ebenfalls jeder Fünfte ist der Ansicht, die Bevölkerung werde von den Medien systematisch belogen. Auch wenn die immer zynischere Einstellung sich in der aktuellen Erhebung nicht im allgemeinen Vertrauen in Medien niederschlage, fürchtet das Team, dass sie auf Dauer die Haltung generell beeinflussen könnte.
Mit Blick auf unterschiedliche Bevölkerungsgruppen nimmt das Team bei Frauen ein etwas höheres Vertrauen als bei Männern wahr. Nur geringe Unterschiede gibt es zwischen West- und Ostdeutschland und zwischen Stadt und Land. Am höchsten ist das Medienvertrauen in der Gruppe der unter 30-Jährigen und nimmt dann mit zunehmendem Alter beinahe stetig ab. Auch die Parteisympathie wirke sich deutlich auf das Medienvertrauen aus: Bei Anhängern der Linken und der Grünen ist es mit 71 % am höchsten, bei Anhängern der AfD mit 15 % am niedrigsten. Das BSW kommt auf 27 %, die FDP auf 42 %, die CDU/CSU auf 48 % und die SPD auf 60 % Vertrauen in die Medien. Die Werte beziehen sich jeweils auf die eigene Anhängerschaft.
Besonders viel Vertrauen genießt in Deutschland der öffentlich-rechtliche Rundfunk. 61 % der Befragten vertrauen seinen Berichten hier überwiegend oder vollkommen, das sind drei Prozentpunkte weniger als im Vorjahr. Obwohl ARD, ZDF und Deutschlandradio damit den höchsten Wert unter den Medienhäusern erreichen, ist dies der niedrigste Wert seit Beginn der jährlichen Befragung 2015. Lokalzeitungen kommen auf 56 % Vertrauen, überregionale Tageszeitungen auf 55 %. Nur 3 % vertrauen der Berichterstattung von Boulevard-Zeitungen. Beim privaten Rundfunk sinkt das Vertrauen deutlich – von 22 auf 17 %.
Eine gekürzte Meldung des KNA-Mediendienstes
(Foto: Imago Steinach)

Lese-Tipp: Seit Monaten machen Fans und Medien in Berlin Jagd auf Popstar Harry Styles, der immer wieder in der Stadt gesichtet wird. Nicht nur Boulevard-Medien und Klatschblätter spielen mit, sogar die "Zeit" beteiligt sich an der Suche. Boris Rosenkranz findet es bedenklich, dass die Privatsphäre Prominenter insbesondere für Boulevardjournalisten und Paparazzi "kein Sperrgebiet, sondern ein Vergnügungspark" sei und nicht wenige meinten, "das sei halt 'part of the job' bei Stars: immer und überall verfügbar zu sein".
uebermedien.de
(Symbolfoto: IMAGO / i Images)

Seine Sicht der Dinge: Im NDR-Medienmagazin "Zapp" spricht Grünen-Politiker Stefan Gelbhaar erstmals öffentlich über die Vorwürfe sexueller Belästigung gegen sich und den Skandal um die falsche Berichterstattung des RBB in seinem Fall. "Es ist ein Break in meinem Leben erfolgt, und das ist auch nicht reversibel", sagt er über die Berichterstattung. Gleichzeitig widerspricht er dem Vorwurf, seine Macht missbraucht zu haben: "Die Unterstellung, dass jetzt quasi alle Menschen, nur weil sie jung sind, per se ganz schüchtern sind – die trifft bei den Grünen Gott sei Dank nicht zu." Im Rahmen der Doku, die am Abend bei YouTube erscheint, äußert sich auch RBB-Intendantin Ulrike Demmer: "Wir haben da einen gravierenden Fehler gemacht, der so nicht hätte passieren dürfen." Eine angebliche Hauptzeugin, auf deren Aussagen sich die RBB-Berichterstattung stützte, existierte offenbar gar nicht.
presseportal.de, youtube.com (Kanal von "Zapp")
(Foto: IMAGO / Bernd Elmenthaler)

Die Glaubwürdigkeit der Angebote des Öffentlich-Rechtlichen Rundfunks wächst nach einem Tief 2022 und 2023 wieder etwas, sagt eine Studie von Infratest Dimap im Auftrag des WDR. An die sehr hohen Vertrauenswerte vor und zu Beginn von Corona von um die 80 % reichen die Werte aber nicht wieder heran. Demnach halten 65 % der Befragten ÖRR-Fernsehen für glaubwürdig – genauso viele wie Ende 2023. Das Vertrauen ins Radio wächst leicht um 3 %-Punkte auf 69 %, genauso ÖRR-Online-Angebote, die 55 % erreichen. 67 % der Befragten halten den ÖRR für "nicht verzichtbar", 27 % nennen die Angebote "verzichtbar".
Besonders gering ist das Vertrauen in den ÖRR bei Anhängern der AfD. Entsprechend liegt der Zuspruch für die gebührenfinanzierten Sender im Westen höher als im Osten. WDR-Programmdirektor Jörg Schönenborn nennt die Zustimmungswerte zum ÖRR "ein großes gesellschaftliches Kapital, um das uns andere Länder beneiden. Wir müssen aber zugleich sehr ernst nehmen, dass Menschen, die radikale und extreme Parteien wählen, uns und unsere Arbeit seit einigen Jahren zunehmend kritisch sehen".
Der WDR fragt in seiner Studie auch das Vertrauen in Politik, gesellschaftliche Institutionen und private Medien ab. Die besten Werte erreicht demnach die Polizei (81 %), gefolgt von der Stiftung Warentest (78 %), und der Verbraucherzentrale (72 %). Der ÖRR belegt Platz 5.
presseportal.de (Zusammenfassung, Link zu ausführlichen Auswertung)
Zeitverlag-Chef Rainer Esser formuliert im großen Video-Interview von turi2 deutliche Forderungen und Erwartungen an den durch Gebühren finanzierten ÖRR. "Der öffentlich-rechtliche Rundfunk, der durch Gebühren gut finanziert ist, hat eine Bringschuld denjenigen gegenüber, die auch in dem Boot der Qualitätsmedien sitzen", sagt er im Gespräch mit turi2-Chefredakteur Markus Trantow. Der ÖRR müsse dafür sorgen, dass das Medienumfeld stark ist. Esser erwartet von den Sendern mehr Initiativen in der Zusammenarbeit mit Verlagen. Gleichzeitig erkennt er, dass auch die Sender unter finanziellem Druck stehen, weil die Gebühren nicht im selben Maße wie die Kosten steigen. Die Sender müssten nun eine Transformation durchlaufen und ihre "Lehmschicht", die sie in den vergangenen Jahrzehnten aufgebaut hätten, abbauen. Klagen, um höhere Gebühren durchzusetzen, sieht Esser, der gewöhnlich eher die Gemeinsamkeiten zwischen Verlagen und ÖRR betont, als den falschen Weg.
Gleichzeitig kritisiert er Forderungen, den ÖRR in Deutschland weiter einzuschränken, und verweist etwa auf Österreich, wo für den ORF deutlich weniger strenge Regeln gelten. Das betreffe u. a. die Werbung und Veröffentlichungen im Internet. Weitere Themen des Gesprächs sind das wachsende Engagement der "Zeit" auf Social Media – die Plattformen wolle der Verlag nicht den Populisten von links und rechts überlassen. Außerdem geht es um die Bedeutung von Linked-in für Essers Kommunikation als CEO.
turi2.tv (44-Min-Interview auf YouTube)
Inhaltsverzeichnis des Video-Interviews:
00:00 Büro und Bürogestaltung
04:00 Weltlage und Umgang damit
06:00 Was der Journalismus der "Zeit" heute leisten muss
07:20 Stimmung bei Partnern und Kunden
08:11 Bilanz und Zahlen der "Zeit" 2024
09:10 Werbeumsätze der "Zeit" und Rolle des Vertriebs/von Abos, Rekord-Auflage der Kernmarke
12:05 Schwesterverlage "Tagesspiegel" und "Handelsblatt" im Vergleich zur "Zeit"
14:00 Die "Zeit" als Innovationsführer – das war nicht immer so
15:00 Podcast-Abo
16:10 Wie lange geht das Abo-Wachstum noch weiter?
18:00 Umgang mit Tech-Riesen und Konkurrenz um Werbegeld
21:15 Wie viel Verantwortung hat Werbegeld? Warum Esser "Zeit"-Werbekunden nicht ins Gewissen redet
24:00 Konflikt zwischen Verlagen und dem ÖRR
31:25 Warum Rainer Esser selten selbst in der "Zeit" schreibt + Rolle von Linked-in
33:30 Die "Zeit" bei TikTok
36:11 Ist die Zeit für neue Submarken erstmal vorbei? Rolle von Events und Digitalem
41:04 Zukunft Essers als "Zeit"-Geschäftsführer: Rente mit 70?
Kurz und KNAckig: Warum der “televisionäre Konservatismus” noch üben muss.

Das neue ARD-Reportagemagazin “Klar” muss beim “televisionären Konservatismus” “‘klar’ noch üben”, schreibt Steffen Grimberg, Leitender Redakteur des KNA Mediendienstes, in unserer Kolumne Kurz und KNAckig. Beim Versuch, “eine nicht nur gefühlte Lücke im öffentlich-rechtlichen TV-Meinungsspektrum” zu schließen, bediene das Format “vielleicht unbeabsichtigt, aber ziemlich eindeutig” Narrative von “Grenzen dicht machen” bis “Asylrecht abschaffen”. Die Redaktion schmeiße “öffentlich-rechtliche Grundsätze in einer Art und Weise über den Haufen”, dass sich die Sendung ihre “hämische Resonanz” selbst zuzuschreiben habe. weiterlesen >>>

Unbeachtet: Die Initiative Nachrichtenaufklärung legt ihr Ranking der "vergessenen Nachrichten" in diesem Jahr erstmals gemeinsam mit Deutschlandradio vor. Demnach sieht die Jury aus Wissenschaftlern und Journalisten deutsche Rüstungsexporte für Kindersoldaten auf dem ersten Platz der zu wenig beachteten Nachrichten. Es folgen die Zustände im Flüchtlingslager auf der griechischen Insel Samos und das Verbot von Menschenrechtsorganisationen in Äthiopien. "Wir sehen aktuell eine echte Nachrichtenschwemme in den Sozialen Medien und gleichzeitig eine starke Themenverengung", kritisiert Hektor Haarkötter, INA-Vorsitzender und Professor für politische Kommunikation an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg. Als Beispiel dient ihm der vergangene Wahlkampf. Getrieben von Social Media sei es fast ausschließlich um Migration, Inflation und Verteidigung gegangen. Der "überwiegende Teil der Medien" sei auf "diesen Zug aufgesprungen".
deutschlandfunk.de via mediendienst.kna.de (€)
(Foto: IMAGO / mhphoto)

Rügen-Gebirge: Der Presserat spricht in seiner März-Sitzung 24 Rügen aus – ein Drittel davon gehen an Springers "Bild". Das Boulevardblatt und seine Schwester "BZ" werden u.a. für die Berichterstattung über die Berliner Polizistin Judy S. gerügt. Das Blatt hatte behauptet, dass es sich bei der Frau um eine trans Frau handele, die zwei Kollegen sexuell missbraucht habe. Die Meldungen stellten sich als falsch heraus. Der Presserat sieht in der Enthüllung von S. Identität einen Verstoß gegen das Persönlichkeitsrecht. Außerdem habe die Berichterstattung die Unschuldsvermutung verletzt.
Zwei weitere Rügen erhielt Bild.de wegen der Berichterstattung über den Anschlag auf den Magdeburger Weihnachtsmarkt. Der Presserat kritisiert hier u.a. "Sensationsberichterstattung". Eine weitere Rüge gab es für "Bild" wegen einer falschen Bildunterschrift zu Fußball-Ausschreitungen in Amsterdam. Ein Foto, das zeigen sollte, wie israelische Fans angegriffen wurden, zeigte tatsächlich den Angriff dreier israelischer Fans auf einen Niederländer. "Bild" hat dem Presserat gegenüber eine Korrektur des Fehlers abgelehnt, so das Gremium. Zusätzlich rügt der Presserat das Blatt für irreführende Berichterstattung über Bürgergeld-Bezieher, wegen der Offenbarung der Identität der Kinder eines Vergewaltigungsopfers, des Vaters eines Tatverdächtigen, eines Verdächtigen in einem Mordfall und eines verunglückten Ehepaares.
Zahlreiche andere Medien erhielten darüber hinaus Rügen, weil sie geschäftliche Eigeninteressen nicht deutlich gemacht haben, Schleichwerbung veröffentlichten oder für eigene Produkte geworben haben. Der Online-Auftritt der "Berliner Zeitung" wurde für einen spekulativen Gastbeitrag zu Corona-Impfungen gerügt, der "Nordkurier", weil er einer Agenturjournalistin eine politische Aussage in einen Text herein redigiert hat, die diese nie getätigt hatte.
Die "taz" erhielt eine Rüge für die Aussage, Polizisten seien "von der Gesellschaft beauftragte Mörder in Uniform". Der "Hamburger Morgenpost" wirft der Presserat eine Falschdarstellung über eine entlassene Staatssekretärin vor.
Insgesamt sprachen die Mitglieder 24 Rügen, 29 Missbilligungen und 32 Hinweise aus. 49 Beschwerden waren als unbegründet zurückgewiesen worden.
mediendienst.kna.de (€), kress.de
Eine Meldung des KNA-Mediendienstes

Fake Nius: Auch die rechtspopulistische Website "Nius" von Julian Reichelt hat im Fall Judy S. eine Unterlassungserklärung abgegeben, berichtet der "Spiegel". Die Website hatte – ähnlich wie "Bild" – einer jungen Polizistin angedichtet, dass sie eine trans Frau sei und zwei Männer sexuell missbraucht habe. Zusätzlich veröffentlichte die Website einen transfeindlichen Kommentar. Die Texte sind nicht mehr abrufbar. Eine Entschuldigung oder Korrektur habe "Nius" – anders als "Bild" – nicht veröffentlicht.
spiegel.de, turi2.de (Background)
Kurz und KNAckig: Der lange Schatten der Pandemie.

Die Corona-Pandemie und der Beginn der Maßnahmen dagegen jähren sich dieser Tage zum fünften Mal. In den Medien wird jetzt viel aufgearbeitet und es werden auch unbequeme Fragen gestellt, beobachtet Steffen Grimberg. Der Leiter des KNA-Mediendienstes beschreibt in unserer Kolumne “Kurz und KNAckig”, wie Missverständnisse zwischen Journalismus und Wissenschaft die Gesellschaft verunsicherten. Ein Vertrauensverlust, der teilweise bis heute anhält.
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Lese-Tipp: Der "Tagesspiegel" rekonstruiert den Fall Judy S., in dem Springers "Bild" eine junge Berliner Bundespolizistin zur trans Frau erklärte, ihr sexuelle Übergriffe und einen Penis andichtete. Für Medienanwalt Christian Schertz, der S. vertritt, ist es "die Geschichte eines unfassbaren Rufmordes". Erst als er klagte, nahm "Bild" die Vorwürfe zurück. Die Zeitung und Chefredakteurin Marion Horn entschuldigten sich – und zahlten 30.000 Euro. Ob S. je wieder in ihrem Beruf arbeiten könne, sei unklar. Ihr Ruf sei zerstört.
"Tagesspiegel", 20.3.25, S. B10-B12 (€)

Es gilt das ausgedachte Wort? Medienkritik-Portal "Übermedien" wirft der rechtspopulistischen Website "Nius" von Julian Reichelt vor, es bei der Verbreitung von wörtlichen Zitaten mit der Wahrheit nicht so genau zu nehmen. Autorin Johanna Bernklau nennt konkret ein Zitat von Wolodymyr Selenskyj, das "Nius" wohl erfunden und später korrigiert hat. "Übermedien" legt nahe, dass die "Nius"-Redaktion mit KI arbeite, die den Wortlaut von Zitaten ändere. In einem anderen Fall habe das Reichelt-Portal schon 2024 gefälschte Zitate von Wirtschaftswissenschaftler Lars Feld verbreitet. Daraufhin hatte dieser bei X eine Fake-News-Warnung geschrieben. Die gefälschten Zitate stehen anscheinend bis heute unverändert online.
uebermedien.de (€)

@niggi out: Das TV-Branchen-Magazin "DWDL" von Thomas Lückerath (rechts) übernimmt 50 % des Medienkritik-Portals "Übermedien". Mitgründer Stefan Niggemeier (links) verkauft seine Anteile und scheidet als Gesellschafter aus. Künftig gehört "Übermedien" je zur Hälfte "DWDL" und Mitgründer Boris Rosenkranz. Niggemeier begründet sein Ausscheiden mit dem Wunsch, "Dinge jenseits von 'Übermedien' und jenseits von Medienkritik auszuprobieren". Er bleibe dem Online-Magazin aber als Autor verbunden. Beide Redaktionen sollen laut Pressemitteilung weiterhin eigenständig arbeiten, auch an der Finanzierung soll sich nichts ändern. "Übermedien" ist durch Mitgliedsbeiträge finanziert, "DWDL" ist werbefinanziert. Auch Chefredakteur und Geschäftsführer Alexander Graf bleibt an Bord. Er betont, dass die redaktionelle und wirtschaftliche Unabhängigkeit von 'Übermedien' gewahrt bleibe.
uebermedien.de
(Foto: IMAGO / Chris Emil Janßen, IMAGO / Horst Galuschka, Montage: turi2)
Urknall des Reality-TV: 25 Jahre “Big Brother” in Deutschland.

Als “Big Brother” in Deutschland im März 2000 erstmals auf Sendung ging, forderte Kurt Beck, damals Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz, ein Verbot. Die Medienbeauftragte der Evangelischen Kirche in Deutschland sprach von einem “Menschenzoo”. Das Reality-Format hat Geschichte geschrieben, die Macher bezeichnen es heute als “Eliteformat” unter den inzwischen zahlreichen Reality-Sendungen. Heike Hupertz vergleicht in ihrem Text für epd Medien die erste Staffel von vor 25 Jahren mit der aktuell laufenden 15. – mit erstaunlichen Erkenntnissen. Ihr Text erscheint in der Reihe Das Beste aus epd Medien bei turi2.
weiterlesen >>>, medien.epd.de (Text bei epd Medien lesen)

Zimmervermittler-Vermittlerin: "taz" und "FAZ" werfen "Spiegel"-Vize Melanie Amann einen Interessenkonflikt und fehlende Transparenz bei einem Artikel über einen Berliner Immobilienunternehmer vor. Dieser vermietet auch eine Berliner Wohnung, die Amann und ihrer Mutter gehört. Dort wohnt ein Freund des "taz"-Autors, dem wohl gekündigt werden soll, weshalb die Geschichte jetzt anscheinend an die Öffentlichkeit kommt. Es geht um einen Beitrag von 2022 über Unterkünfte für ukrainische Geflüchtete, in dem der Immobilienunternehmer als Protagonist erscheint. Amann habe den Beitrag "weder initiiert noch in irgendeiner Weise inhaltlich beeinflusst", teilt der Verlag mit. Sie habe den Mann bei der Recherche nur als "möglicherweise geeigneten Ansprechpartner" genannt und "unter Offenlegung ihrer persönlichen Verbindung zu ihm" den Kontakt vermittelt. "taz" und "FAZ" fehlt dieser Transparenzhinweis unter dem Beitrag. Einen "handfesten Medienskandal" kann "Welt"-Medienredakteur Christian Meier darin nicht erkennen, "auch wenn sich die 'taz' das zu wünschen scheint". Meier meint: "Dass Journalisten die besseren Vermieter sind, ist vermutlich nur ein frommer Wunsch."
taz.de, faz.net (€), welt.de (Meier)
(Foto: IMAGO / teutopress)

Lese-Tipp: Stefan Niggemeier wirft Schlagerradio vor, sein Superquiz unnötig in die Länge zu ziehen. Das Format sei "ähnlich nervig" und "ähnlich zweifelhaft" wie einst 9Live. Über 20 Minuten erweckten die Moderatoren den Eindruck, es komme niemand auf die richtige Lösung, nennen immer wieder die kostenpflichtige Telefonnummer für 50 Cent pro Anruf und erhöhen aus "Verzweiflung" Gewinnsumme und "Gewinnleitungen". Produziert wird das Quiz von einer externen Firma, die Sendern durch die Anrufeinnahmen "ohne Investitionsrisiko attraktive Zusatzerlöse" verspricht.
uebermedien.de (€)
(Bild: Schlagerradio)

Jung und naiv? Das rechtspopulistische Portal "Nius" von Julian Reichelt und die rechte Zeitung "Junge Freiheit" haben eine gefälschte dpa-Meldung verbreitet, berichtet Stefan Niggemeier bei "Übermedien". In der vermeintlichen dpa-Nachricht hatte es geheißen, dass Friedrich Merz sich bereits darauf festgelegt habe, dass bei einer Koalition mit der SPD das Innenministerium an die Sozialdemokraten fallen würde. Merz selbst hatte die Meldung zurückgewiesen, Froben Homburger, Nachrichtenchef der dpa, hatte erklärt, dass die Agentur keine solche Meldung veröffentlicht habe. Dennoch hätten "Nius" und "JF" die Meldung aufgegriffen und verbreitet, so "Übermedien". Die Falschmeldung auf der "Nius"-Seite wurde anscheinend inzwischen entfernt, ein Facebook-Post, den viele Nutzende wütend kommentieren, ist am Abend allerdings weiter abrufbar. Auch die "JF" hat die Meldung anscheinend offline genommen und einen Kommentar angepasst.
uebermedien.de, facebook.com ("Nius"-Post), jungefreiheit.de (angepasster Kommentar)

Hör-Tipp: Komiker und TV-Kritiker Oliver Kalkofe ist zu Gast im "Läuft"-Podcast von epd Medien. Im Gespräch mit Alexander Matzkeit erklärt er, dass Nostalgie nicht unbedingt ein Geschäftsmodell fürs TV sein muss: "Vieles war früher ganz toll, weil uns vielleicht auch die besseren Vergleiche fehlten." Zudem plädiert er für Medienbildung als Pflichtfach in der Schule. Wer nicht früh lerne, richtig mit Medien umzugehen, laufe Gefahr, Opfer von Fake News und Populismus zu werden.
open.spotify.com (27-Min-Podcast) via medien.epd.de (€)

60 Minuten mit Folgen: Im 20 Mrd Dollar schweren Rechtsstreit zwischen CBS News und Donald Trump suchen die Parteien einen Mediator, meldet die "NYT". Trump wirft CBS und Mutter-Konzern Paramount unerlaubte Wahlbeeinflussung in einem Interview mit Kamala Harris vor. Der Sender hatte bei CBS News auf eine Reporter-Frage einen anderen Antwort-Teil gesendet als im ausführlichen Interview bei "60 Minutes".
nytimes.com (€), yahoo.com

Entspiegelt: Die Ombudsstelle des "Spiegel" findet "keine schwerwiegenden Verstöße" gegen die Redaktionsstandards bei einem Bericht zum "Katapult"-Buchladen in Chemnitz, der vor Weihnachten erschienen war, teilt der Verlag auf turi2-Anfrage mit. An zwei Stellen habe das Gremium "Ungenauigkeiten" ausgemacht, die der "Spiegel" inzwischen korrigiert und unter dem Text transparent gemacht habe. Mehrere "Katapult"-Beschäftigte hatten sich vom "Spiegel" falsch wiedergegeben gefühlt. Verleger Benjamin Fredrich warf dem Magazin u.a. vor, Mitarbeitende herabgewürdigt und manipuliert sowie "verzerrte und falsche Zitate" veröffentlicht zu haben.
turi2 – eigene Infos, turi2.de (Background), katapult-magazin.de (Statements), katapult-magazin.de ("Berichtigungen"), spiegel.de (€, korrigierter Artikel)
(Foto: IMAGO / imagebroker / Thomas Lammeyer)

Die Schuld der Medien? BSW-Chefin Sahra Wagenknecht macht Medien und Umfrageinstitute für das Scheitern ihrer Partei an der Fünf-Prozent-Hürde bei der Bundestagswahl mitverantwortlich. Konkret erhebt sie im Rahmen eines Statements bei der Bundespressekonferenz Vorwürfe gegen das ZDF und Forsa. Während die Berichterstattung über die neue Partei anfangs noch fair gewesen sei, sei der Umgang der Medien mit Wagenknecht und ihren Anhängern im Sommer gekippt. Die Erfolgsaussichten der Partei seien "systematisch niedergeschrieben" worden.
Besonders das Umfrageinstitut Forsa nimmt Wagenknecht ins Visier. Obwohl alle Umfragen im Herbst bei 7 % gestanden hätten, habe Forsa die Partei mit nur noch 4 % bewertet – begleitet durch intensive Medienberichterstattung. Im Januar hätten, laut Wagenknecht, Forsa und das ZDF die Partei nur noch bei 3 % gesehen, obwohl andere Umfragen bei 6 % lagen. 48 Stunden vor der Wahl habe Forsa erneut von einem niedrigen Ergebnis für das BSW berichtet und das Wahlergebnis damit um 66 % unterschätzt. Für Wagenknecht eine "gezielte Aktion zur Manipulation von Wahlverhalten". Der Partei fehlen nur knapp 13.500 Stimmen zum Einzug in den Bundestag.
Der DJV weist die Vorwürfe als "absurd" zurück: "Auch kleine Parteien haben durch neue Formate einen größeren Raum bekommen", sagt der Vorsitzende Mika Beuster. BSW-Chefin Wagenknecht könne sich nicht über fehlende Medienpräsenz beschweren.
turi2 – eigene Beobachtung, welt.de, djv.de
(Foto: IMAGO / Andreas Gora)

Was mit Medien: Journalistin Stella Venohr verantwortet künftig die Medienberichterstattung der dpa. Sie folgt auf Anna Ringle, die die Leitung des Regionalbüros Nordamerika übernimmt. Seit Anfang 2024 ist Venohr als EU-Korrespondentin im Brüsseler dpa-Büro tätig. Zuvor war sie für die Nachrichtenagentur als Politikredakteurin und Bundeskorrespondentin tätig.
presseportal.de, turi2.de (Ringle)
(Foto: Daniela Arndt / dpa)

Nachspiel: Der Programm-Ausschuss des RBB-Rundfunkrats trifft sich am 17. Februar zu einer Sondersitzung in der Causa Gelbhaar. Man unterstütze "Intendantin Ulrike Demmer aktiv bei der Aufklärung der aktuellen Vorgänge" und begrüße, dass die "Fehler vollständig und ohne Rücksicht auf Personen aufgeklärt" würden, heißt es in der Ankündigung. Die Sitzung wird in Berlin stattfinden und nicht öffentlich sein. Die Sondersitzung war ursprünglich bereits für den 30. Januar angedacht gewesen.
presseportal.de, turi2.de (erste Ankündigung)

Schlecht geschnitten? Die CDU ist nicht amüsiert über den Bericht der "heute"-Nachrichten vom CDU-Parteitag. Die Partei stört sich an einem Schnittbild, das Delegierte mit verschränkten Armen zeigt, und der Formulierung "trotzige Zustimmung" zu Kanzlerkandidat Friedrich Merz. Für NRW-Medienminister Nathanael Liminski "eine bewusste Falschdarstellung" und ein Fall für "Konsequenzen". Das ZDF weist den Vorwurf scharf zurück und betont, dass im Beitrag auch die Rede von "stehenden Ovationen" und "demonstrativer Unterstützung" für den Parteichef ist.
faz.net (€), focus.de, zdf.de (2-Min-Video)

RBBusiness Insider: Springers "Business Insider" legt in der Berichterstattung im Fall Gelbhaar nach und zitiert aus einem Anwalts-Schreiben, das vor der Veröffentlichung der Vorwürfe gegen den Grünen-Politiker im RBB eingegangen sei. Darin soll Gelbhaars Anwalt den Vorwürfen gegen seinen Mandanten ungewöhnlich deutlich widersprochen, Belege genannt und seine Zusammenarbeit bei der Aufklärung angeboten haben. Wenigstens das Justiziariat des Senders müsse von dem Schreiben gewusst haben, so "BI". Auf die Frage, warum der Sender die Vorwürfe, dennoch veröffentlichte, verweise der RBB auf die gerade eingeleitete externe Untersuchung. Nach der Sendung hatte sich die eidesstattliche Versicherung einer vermeintlichen Hinweisgeberin der RBB-Redaktion als falsch erwiesen. "BI"-Investigativ-Chef Lars Petersen sieht nun nicht nur die Redaktion, sondern auch die Senderführung in "Erklärungsnot".
businessinsider.de (€)

Hört mit: Springers "Business Insider" berichtet detailliert aus einer internen Schaltkonferenz zwischen RBB-Chefredakteur David Biesinger und seinen ARD-Kollegen von Dienstag. Thema war der Fall Gelbhaar. Biesinger soll laut "BI" erstmals von personellen Konsequenzen gesprochen haben. Demnach soll eine Reporterin, die sich derzeit im Mutterschutz befinde, die vermeintliche Quelle betreut haben, die sich später als falsch herausstellte. "Ich gehe von personellen Konsequenzen natürlich aus", zitiert das Magazin Biesinger. Vorher müsse man die laufende Untersuchung abwarten.
Offenbar hatte sich die Journalistin mit der Quelle nicht nur nicht persönlich getroffen, sondern auch eine Szene, die ein vermeintliches Treffen zeigt, für die Berichterstattung nachgestellt. Dies sei im Abnahme-Prozess nicht transparent gemacht worden.
Ein RBB-Sprecher lehnt gegenüber "BI" einen Kommentar des Schaltgesprächs ab: "Die Chefredaktionskonferenz tagt vertraulich, wir kommentieren daher keine kolportierten Aussagen aus diesem Kreis."
businessinsider.de (€)
(Fotos: IMAGO / Future Image; rbb/Gundula Krause)

Fähnchen im Wind? Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen fürchtet eine Rückkehr des Gesinnungsjournalismus. Abos würden immer mehr zur Haupteinnahmequelle für Medien, dadurch bestehe die Gefahr, dem Publikum nach dem Munde zu schreiben, statt publizistisch Distanz zu wahren, sagt er dem epd. Er fordert eine stärkere Dialogorientierung zwischen traditionellem Journalismus und den vernetzten Nutzern. Zudem sollten Medien ihre Arbeitsweisen überdenken, um nicht zum Verstärker von Empörung zu werden.
medien.epd.de (€)
(Foto: IMAGO / epd)

Wumms gegen Springer: Olaf Scholz schießt im Interview mit dem "Hamburger Abendblatt" gegen seinen Kontrahenten Friedrich Merz und die "Bild"-Zeitung. In dem Gespräch mit Chefredakteur Lars Haider nennt der Kanzler Springers Boulevard-Blatt "die Presseabteilung der CDU". Als Beleg dient ihm die Beobachtung, dass Verhandlungs-Positionen von Merz bereits im Vorfeld von politischen Gesprächen öffentlich in Zeitungen als unverhandelbar nachzulesen gewesen seien, mit denen Merz "eng kooperiert": "Da gibt’s ja eine mit vier Buchstaben – Presseabteilung der CDU." Dabei sei es um Verhandlungen zwischen der Regierung und der Union in Fragen der Migrationspolitik gegangen.
Im weiteren Gespräch zwischen Haider und Scholz geht es stellenweise um politische Kommunikation. So erklärt der Kanzler, dass er bei der öffentlichkeitswirksamen Entlassung von FDP-Chef Christian Lindner als Finanzminister keineswegs "beleidigt" oder "hysterisch" gewesen sei: "Ich war zornig." Auf Nachfrage erklärt Scholz, dass er durchaus öfter als alle vier Jahre einmal zornig werde – "aber Sie bekommen das nicht immer mit".
Im Zusammenhang mit der Frage nach einer Absenkung des Wahl-Alters für die Bundestagswahl auf 16 Jahre, die der Kanzler befürwortet, spricht er auch über die heute fragmentiertere Medienlandschaft. Es würden nicht mehr alle Menschen Zeitungen lesen und Radio hören, zudem gebe es "unglaublich viele soziale Medien". "Es ist schwer hinzukriegen, dass man mit allen im Gespräch ist. Das war schon mal einfacher. Aber das ist etwas, da müssen wir einen Weg finden, wie das gelingt. Ohne, dass wir Kulturpessimisten werden."
abendblatt.de (mit 83-Min-Video)
(Foto: Video-Screenshot, Abendblatt.de, Ausschnitt)
Kinder als Zielgruppe: Über die Suchtgefahr von Kinderserien.

In Kinderserien geht es häufig rasant zu: Schnelle Schnitte und Szenenwechsel, schrille Farben und laute Geräusche können im schlimmsten Fall süchtig machen. Viele sehr junge Zuschauer bingen inzwischen wie die Älteren. In unserer Reihe NewsKNAcker, die wir in Kooperation mit dem “KNA-Mediendienst” veröffentlichen, fragt Kristina Staab, wie Eltern erkennen, welche Angebote problematisch sein können. Experten raten zu konkreten Absprachen mit dem Nachwuchs, wie viel und was geguckt werden darf.
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Gewinn-Ausschüttung: Ein Schweizer Gericht verurteilt den Ringier-Verlag zu einer Zahlung von mehr als 326.000 Euro an die Ex-Grünen-Politikerin Jolanda Spiess-Hegglin. Die Summe, zuzüglich Zinsen und Verfahrenskosten, sieht das Gericht als den Gewinn an, den "Blick"-Verlag Ringier mit persönlichkeitsrechtsverletzender Berichterstattung über Spiess-Hegglin ab 2014 erzielt hat.
Der Verlag widerspricht der Summe und kündigt gegenüber dem "Standard" an, die Entscheidung anzufechten. Für Ladina Heimgartner, CEO von Ringier Schweiz, ist die Entscheidung ein "fataler Schlag gegen den freien Journalismus". Sie gibt zu, dass die "Blick"-Berichterstattung "nicht zu den publizistischen Sternstunden" des Boulevard-Blatts gezählt habe. Der tatsächliche, mit den Meldungen erzielte Gewinn liege aber deutlich unter der geforderten Summe.
"Blick" hatte damals über eine mögliche Vergewaltigung Spiess-Hegglins durch einen anderen Politiker berichtet, was Spiess-Hegglin als Auftakt zu einer "medialen Hetzjagd" beschreibt. Ringier soll rund 200 Artikel zu dem Fall veröffentlicht haben, gegen vier besonders reißerische Texte klagte sie auf Schadenersatz.
derstandard.den, faz.net, blick.ch (Kommentar Heimgartner)
(Foto: TIL BUERGY / Keystone / picturedesk.com)

Dunkle Wolken: Das Edelman Trust Barometer 2025 sieht das Vertrauen in Wirtschaft, Regierung, Medien und NGOs erschüttert. 69 % der Deutschen fühlen sich demnach benachteiligt und nehmen reiche und privilegierte Gruppen als Hauptprofiteure wahr. Besonders junge Menschen würden zunehmend "feindseligen Aktivismus", einschließlich Gewalt akzeptieren, um Veränderungen zu erzwingen. Unternehmen allein würden den wachsenden Groll nicht bewältigen können, sagt Edelman-CEO Christiane Schulz: "In Deutschland, wo Themen wie soziale Ungleichheit, steigende Lebenshaltungskosten und Desinformation allgegenwärtig sind, braucht es eine konzertierte Zusammenarbeit aller Institutionen." Das Edelman Trust Institute hat für die Studie 33.000 Menschen in 28 Ländern befragt.
edelman.com (Zusammenfassung und Download)

Royale Einigung: Prinz Harry und die britische "Sun" schließen noch vor dem zweiten Prozesstag einen Vergleich im Streit um illegale Recherchemethoden. Der Verlag entschuldigte sich öffentlich und zahlt Harry eine "substanzielle Entschädigung". Der Prozess sollte ursprünglich zehn Wochen dauern und auch Harry als Zeugen hören. Der Abhörskandal kostete den Murdoch-Konzern bisher über 1 Mrd Euro, berichtet die BBC. Ein weiteres Verfahren gegen die "Daily Mail" ist anhängig.
sueddeutsche.de, dwdl.de
(Foto: IMAGO / ZUMA Press)

Abrechnung und Widerspruch: Der NDR wehrt sich gegen das Buch "Inside Tagesschau" des früheren ARD-Aktuell-Mitarbeiters Alexander Teske. Das Buch werde "derzeit auf mögliche Rechtsverletzungen geprüft", teilt eine NDR-Sprecherin auf Anfrage von "Focus Online" mit. Teskes Schilderungen seien "einseitig" und beruhten "auf den subjektiven Erinnerungen eines einzelnen, ehemaligen Mitarbeiters". Teske habe sich 2022 erfolglos auf eine unbefristete Stelle beworben, seine Klage dagegen wurde vom Arbeitsgericht Hamburg "vollumfänglich abgewiesen", so der NDR. Eine Einladung der Chefredaktion zur internen Diskussion seines Buchs habe Teske unbeantwortet gelassen. In seinem Buch wirft er der ARD-Nachrichtenredaktion u.a. tendenziöse Berichterstattung und fehlendes Gespür "für die Nöte der breiten Bevölkerung" vor. Besonders in rechtspopulistischen Medien stößt er damit offene Ohren.
focus.de

Debatte: "NZZ Deutschland"-Vize Morten Freidel arbeitet sich an Faktenchecks und Faktencheckern ab. Letztere würden häufig "keine Tatsachen prüfen, sondern Meinungen bewerten". Als Beispiel zieht er jeweils Faktenchecks von "Correctiv" und der dpa heran, die Texte des Blogs "Achse des Guten" kritisierten und im Nachhinein gerichtlich untersagt wurden. Als Kronzeuge kommt u.a. Anwalt Joachim Steinhöfel zu Wort, der erfolgreich gegen die Facktenchecks vorgegangen war. Er "möchte nicht", dass "staatlich unterstützte ideologisch kontaminierte Wahrheitsfinder darüber befinden, was richtig oder falsch ist".
nzz.ch (€), newsroom.de (Zusammenfassung)

Milliarden-Zoff: Die "Zeit" lässt Jusos-Chef Philipp Türmer und Unternehmer Raoul Roßmann im "Streit"-Gespräch gegeneinander antreten. Dabei übt Türmer harte Kritik an "Nius"-Finanzier Frank Gotthardt. An seinem Beispiel "sehen wir doch, wie sehr es den Diskurs zersetzt, wenn Menschen mit viel Geld sich politische Macht erkaufen und beispielsweise Medienunternehmen aufbauen, die eigentlich rechten Aktivismus betreiben". Türmer und Roßmann diskutieren die Frage: "Soll man Milliardäre abschaffen?"
zeit.de (€)
(Foto: IMAGO / dts Nachrichtenagentur)

Schalt-Kritik: Der MDR wehrt sich gegen Kritik an einem Schaltgespräch zu Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff kurz nach dem Anschlag auf den Magdeburger Weihnachtsmarkt. Ein Sendersprecher sagt, "dass es sich um eine zwischen den 'Tagesthemen' und der Staatskanzlei fest vereinbarte Schalte in die Live-Sendung gehandelt hat und nicht, wie fälschlicherweise dargestellt, um einen 'dreisten Vorgang'. Ein MDR-Reporter hatte ein Statement Haseloffs unterbrochen, indem er ihm ein Handy mit Ingo Zamperoni am anderen Ende in die Hand gedrückt hat. Laut MDR "haben die Kollegen der anderen Medien vor Ort von der vereinbarten Schalte profitiert".
turi2 – eigene Infos, turi2.de (Kritik)
(Foto: Screenshot ARD)

Video-Tipp: Medienanwalt Christian Schertz wollte selbst mal Journalist werden, sagt er im Interview mit Gregor Gysi bei "Missverstehen Sie mich richtig". Sein Vater habe ihn irgendwann gefragt, ob er lieber über das Tun und Schaffen anderer berichten oder selbst tun und schaffen wolle. Beim Rias habe er journalistische Arbeit erlebt und die anwaltliche Tätigkeit als sinnstiftender empfunden. Im Vorgespräch sagt Schertz, dass er auch heute noch die meisten Prozesse gegen "Bild" führt – danach komme gleich der "Spiegel". Das Nachrichten-Magazin finde er "fast schlimmer" als Springers Boulevard-Blatt.
youtube.com (2-Std-Video)
(Foto: Schertz-Bergmann)

He said, she said: Das französische Online-Magazin "Mediapart" wirft dem NDR Zensur vor. Hintergrund ist eine Recherche über die Finanzierung der US-Recherche-Organisation OCCRP, aus der sich der deutsche Sender kurz vor der Veröffentlichung zurückgezogen haben soll. Laut des Berichts von "Mediapart" hatte der NDR die Recherche initiiert und weitere internationale Medien mit ins Boot geholt. Der NDR habe u.a. den OCCRP-Leiter Drew Sullivan interviewt. Vor der Kamera habe er zugegeben, dass ein Großteil der Finanzierung des OCCRP von der US-Regierung komme. Zudem berichten die französischen Journalisten, dass die US-Behörden auf die Besetzung von Schlüsselpositionen der Recherche-Organisation Einfluss genommen hätten.
Der NDR widerspricht dem Zensur-Vorwurf. Er "entbehrt jeglicher Grundlage und entspricht in keiner Weise den Tatsachen", so der Sender. Demnach haben sich "mehrere Redaktionen des NDR (...) unabhängig und autonom gegen die Fortführung oder Veröffentlichung der Recherche entschieden".
Aufgrund der Erkenntnisse der NDR-Journalisten habe der Sender die Zusammenarbeit mit dem OCRP bereits im Oktober 2023 auf Eis gelegt, bestätigt eine Sprecherin turi2. Man habe "seit der kritischen Recherche von NDR-Autoren" "an keinen Rechercheprojekten des OCCRP mehr teilgenommen". Laut "Mediapart" sei ein Bericht, der für das Medienmagazin "Zapp" entstanden sei, nicht veröffentlicht worden. Hier widerspricht der NDR: "Die Redaktion 'Zapp' war an der Recherche zu OCCRP nicht beteiligt." Es gebe weder einen fertigen noch unfertigen Film. Darüber hinaus lagen laut NDR "zu keinem Zeitpunkt (...) abnahmefähige Texte oder Filme vor".
turi2 – eigene Infos, mediapart.fr (englisch, Vorwürfe gegen NDR), mediapart.fr (englisch, OCCRP-Recherche), dropsitenews.com
(Foto: NDR/Gita Mundry)

Den Spiegel vorgehalten: Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen arbeitet im "Spiegel" auf fünf Seiten die Klimaberichterstattung des "Spiegel" auf. Er sieht im Nachrichten-Magazin bis 2019 einen schlingernden Kurs zwischen Panikmache und Verniedlichung, etwa, wenn er auf eine Interview-Serie mit dem Wissenschaftler Hans von Storch verweist, der den Klimawandel herunterspielt. Ab 2019 habe sich das geändert, u.a. mit neuen Formaten wie Podcasts. Dennoch bleibe der "Spiegel" "unter seinen Möglichkeiten". Pörksen regt etwa ein eigenes Ressort "Klima & Zukunft" an und wünscht sich einen "planetarischen Journalismus", der Klimakriminalität "mit Wucht und Wums attackiert". Pörksen schreibt einmal pro Quartal eine öffentliche Blattkritik für den "Spiegel".
"Spiegel" 48/2024, S. 94-98 (€)