Meinung: Weniger ist in den Medien oft mehr, findet der Journalist Christian Lindner.

Journalismus: Weniger ist oft mehr, kommentiert der Journalist Christian Lindner, Ex-Chef der "Rhein-Zeitung" und Ex-Vize bei der "Bild am Sonntag", im Fachmagazin "Journalist". Es sei ein Irrtum, wenn Journalisten glaubten, die Menschen würden Medien so viel nutzen wie die Medienmacher selbst. Die Konsumenten brauchten "Welterklärungsangebote", die mit ihrem "individuellen Leben" zu tun haben.
journalist-magazin.de

“Süddeutsche Zeitung” analysiert Strafanzeige der Bafin gegen die “Financial Times”.


Vermuten viel, beweisen wenig: Die "Süddeutsche Zeitung" zitiert aus der bisher geheimen Klage der Bafin gegen die "Financial Times". Die Börsenaufsicht hat sie im März wegen des Verdachts der Marktmanipulation eingereicht. Es geht um die Berichterstattung der Zeitung in Bezug auf Wirecard, die einen Sinkflug der Aktie des Unternehmens nach sich zog. Laut "Süddeutscher Zeitung" zeigt das Dokument vor allem, dass fraglich ist, ob europäische Vorschriften zum Schutz des Aktienhandels auf die Arbeit von Journalisten anzuwenden sind.

Das Presseverständnis der Bafin sei schwierig, sie argumentiere in der Anzeige mit Formeln gegen Marktmissbrauch, die "mit der Arbeit der Presse wenig zu tun haben". Die Indizienlage gegen die "FT"-Journalisten sei indes dünn. Die Bafin unterstellt dem Journalisten Dan McCrum z.B., seinen Bericht über mehrere Tage gestreckt zu haben – laut Börsenaufsicht ein Anhaltspunkt dafür, die Aktie nachhaltig beeinflussen zu wollen. Wirecard selbst hat Anfang des Jahres vor dem Landgericht München eine Zivilklage auf Schadenersatz gegen die Zeitung und den Journalisten eingereicht.
sueddeutsche.de, turi2.de (Background)

Studie: 65 % der Südosteuropäer sind der Meinung, Öffentlich-rechtliche werden politisch beeinflusst.

Öffentlich-rechtliche Medien werden von zwei Drittel der Mediennutzer in Südosteuropa als wichtiger Bestandteil der Demokratie angesehen, erklärt Hendrik Sittig eine KAS-Studie im DW-Interview. Dennoch sind fast 65 % der Nutzer der Meinung, die Sender seien politischer Beeinflussung ausgesetzt. Diese zeige sich besonders durch die finanzielle Abhängigkeit der Sender sowie den politischen Einfluss in den Rundfunkräten.
dw.com

Niggemeier: Medien interpretieren Bericht zu ARD- und ZDF-Publikum falsch.

Publikum der ARD- und ZDF-Nachrichten ist nicht so links, wie u.a. "Welt am Sonntag", "Tagesspiegel" und "NZZ" es darstellen, kritisiert Stefan Niggemeier. Er schaut sich den zugrundeliegenden Bericht des Reuters Institutes an, aus dem v.a. Konservative ableiten, die "Tagesschau" und "Heute" erreichten die Mitte der Gesellschaft nicht mehr. Niggemeier vermutet, dass die kritisierten Medien eine Grafik des Berichts falsch interpretieren.
uebermedien.de

Roma-Doku von Sat.1 ist tendenziös, sagt Politologe Hajo Funke.

Medienkritik: Die Doku "Roma: Ein Volk zwischen Armut und Angeberei", die Sat.1 im August ausgestrahlt hat, ist diskriminierend und tendenziös, sagt das Gutachten des Politologen Hajo Funke. Sie erfülle die Kriterien der Volksverhetzung. Sat.1 sperrt die Sendung im Archiv, weist die Kritik aber zurück. Die Doku sei ausgewogen und "journalistisch einwandfrei". Die Landesmedienanstalt Rheinland-Pfalz prüft mehrere Beschwerden.
taz.de

Zitat: Tilo Jung will Altem nicht hinterhertrauern.

"Es hilft auch nichts, jetzt darüber zu klagen, dass die einen nicht mehr drucken, die anderen nicht mehr finanzieren, die dritten das Gedruckte nicht mehr lesen, die vierten alles gratis haben wollen. Das ist so sinnlos, wie wenn ich Leute beschimpfe, die AfD gewählt haben."

Tilo Jung, "freier Chefredakteur" seines Politik-Kanal für Desinteressierte, will im Interview mit der Wochenzeitung "Kontext", Altem nicht hinterhertrauern.
kontextwochenzeitung.de

Lese-Tipp: “Berliner Zeitung”-Herausgeber Michael Maier warnt vor Vorverurteilungen.

Lese-Tipp: Michael Maier, Herausgeber der "Berliner Zeitung", warnt im Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" nach der Stasi-Enthüllung über Verleger Holger Friedrich vor einer Vorverurteilung. Es sei "verstörend, wie weit die Schatten der Vergangenheit in eine Gegenwart reichen".
"Süddeutsche Zeitung", S. 23 (Paid)

Meinung: Die Direktion der Landesmedienanstalt im Saarland wird Erbhof der CDU.

Medienanstalten: Die Direktion der Landesmedienanstalt im Saarland ist ein Erbhof der CDU, kommentiert Volker Nünning im Fachmagazin Medienkorrespondenz. Die seit 2001 gängige Praxis, dass CDU-Politiker aus dem Landtag "nahtlos" auf den Chefposten wechseln, werde mit der Nominierung der CDU-Abgeordneten Ruth Meyer (Foto) fortgeschrieben. Die Kritik der Opposition drohe erneut zu Scheitern.
medienkorrespondenz.de

Zitat: Journalisten können Karren nicht aus dem Dreck ziehen, sagt Wolfgang Messner.

"Nun sollen also die Journalisten der Blätter, die von den Verlegern inhaltlich ausgehöhlt, kaputtgespart und fusioniert werden, ihr 'Gesicht zeigen' und die Karre aus dem Dreck ziehen."

"Wirtschaftsjournalist"-Chefredakteur und ProRecherche-Gründer Wolfgang Messner findet, die Aktion "Journalismus zeigt Gesicht" zeige, "wie weit den Verlagen schon das Wasser zum Hals steht".
kontextwochenzeitung.de

Landgericht Berlin untersagt Vice und Buzzfeed Verdachtsberichte über Berliner Arzt.

Verdachtsberichterstattung: Das Landgericht Berlin bestätigt eine einstweilige Verfügung gegen Berichte von Vice und Buzzfeed über einen Berliner Arzt, der homosexuelle Patienten sexuell missbraucht haben soll. Das Gericht wertet die Berichte als vorverurteilend und vermisst eine Distanzierung zu Aussagen der Patienten. Der Beschuldigte selbst wollte keine Stellung nehmen.
sueddeutsche.de

Basta: “Elle” sieht bei farbigen Models schwarz.

Schwarzes Debak-Elle: Burdas deutsche "Elle" titelt "Back to Black" und kürt farbige Models als Inspirationsquelle auch abseits der Laufstege. Cover-Model Gertrud Hegelund ist aber nur deshalb schwarz, weil das Titelfoto schwarz-weiß ist, sonst hat sie helle Haut, blondes Haar und dänische Wurzeln. Auch im Heft nimmt es "Elle" mit farbigen Models nicht so genau und deklariert Naomi Chin Wing als Janaye Furman.
fashionista.com, instagram.com


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Not a good look, @ellegermany . For their November 2019 issue, the presumably white-led publication declares that “black is back”. Ironic when they, along with much of the fashion industry, have been complicit in denying visibility to black models until relatively recently. Oh, and apparently they can’t actually tell models apart. In the bottom middle, a picture of @naomichinwing is used in place of @iam_janaye . And @joansmalls has been around for a minute/hasn’t gone anywhere lmao. The issue, titled “Back to Black”, also features a white model on the cover. You can’t make this stuff up! • #elle #ellemagazine #ellegermany #naomichinwing #janayefurman #models #blackmodels #modelsofcolor #runway #fashionweek #fashionmonth #pfw #nyfw #mfw #lfw #paris #london #milan #nyc #wtf #fail #magazine #print #editorial #editor #editorinchief #media #sabinenedelchev #dietprada

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Meinung: Grönemeyer-Gesundheitsmagazin kann Werner Bartens nicht überraschen.

Gesundheitsblatt Professor Dietrich Grönemeyer von Funke dürfte den Lesern gut als "Einschlafhilfe dienen", urteilt Werner Bartens. Die Themen Rücken, Demenz, Wechseljahre und Yoga seien vorhersehbar, die Umsetzung beliebig und "lasch wie eine kalt gewordene Wärmflasche". Manche Texte "atmen den Stil von Frauenzeitschriften der Achzigerjahre". Grönemeyer tauche hybrid mal als ratgebender Namensgeber auf, mal als externer Kenner.
sueddeutsche.de, turi2.de (Background)

Video-Tipp: Anwalt Schertz ärgert sich über Relotius’ Ruf als “Buhmann der Branche”.

Video-Tipp: Relotius-Anwalt Christian Schertz spricht bei Radioeins im Video-Radiointerview über die Klage gegen Juan Moreno. Das Buch stimme "in erheblichen Punkten" nicht, Claas Relotius sei "der Buhmann der Branche", ärgert sich Schertz. Die Klage richtet sich nicht gegen den "Spiegel", wo Schertz aufgrund früherer Mandanten als "Staatsfeind Nummer eins" gelte.
youtube.com (22-Min-Video), turi2.de (Background)

TV-Tipp: Das Erste zeigt die kontroverse Royals-Doku mit Kritik an der Boulevardpresse.

TV-Tipp: Das Erste zeigt am Montag um 20.15 Uhr die kontroverse Royals-Doku "Harry & Meghan: An African Journey", in der sich die frühere "Suits"-Darstellerin Meghan sehr kritisch über die Boulevardpresse äußert. Die ITV-Doku löste in Großbritannien eine Debatte aus, da sich Vertreter der britischen Königsfamilie bisher mit öffentlicher Kritik eher vornehm zurückhielten.
programm.ard.de

Influencer Rezo mag den Begriff YouTuber nicht.

YouTube: Influencer Rezo (Foto) kritisiert im "Zapp"-Interview den Begriff YouTuber als "dummen Ausdruck", weil sich das Wort nur auf das Medium beziehe. Rezo, der sich selbst nicht als Journalist bezeichnet, hatte Innenminister Seehofer nach dessen Äußerungen über Gamer per Tweet "Doofie" genannt. Den Begriff habe Rezo gewählt, weil das "eben seine Sprache" sei.
presseportal.de, youtube.com (62-Min-Video)

Verlage beziehen gegenüber Übermedien kaum Stellung zu Döpfner-Kommentar.

Kritiklos: Übermedien begibt sich vergeblich auf die Suche nach Widerspruch aus der Verlagswelt zu einem Kommentar von Mathias Döpfner. Der Springer-Chef und BDVZ-Präsident hatte kritisiert, Medien würden mehrheitlich nicht die Realität abbilden. Ippen, DuMont, "FAZ" und "Rheinische Post" geben keinen Kommentar ab. Funke und Madsack antworten allgemein, auch die SWMH bleibt ausweichend. Einzig "Handelsblatt"-Geschäftsführer Gerrit Schumann antwortet ausführlich. Widerspruch bekommt Döpfner aber auch von ihm nicht.
uebermedien.de

Hör-Tipp: Dunja Hayali über Anstand und Empörungswellen.

Hör-Tipp: Dunja Hayali spricht in Hotel Matze mit Matze Hielscher über Engagement gegen Hetze, die Halbwertzeit von Empörungswellen in den Medien und darüber, wie sie selbst sich ihre Meinung bildet. Sie sieht es als Journalistin als Pflicht, nicht nur mit Menschen in ihrer Filterblase zu sprechen und "Dinge erstmal sacken zu lassen, statt gleich zu reagieren".
soundcloud.com (68 Min)

Meinung: Frauenquote der “taz” in Artikeln ist nachahmenswert.

Journalismus: Rund zwei Drittel der erwähnten Personen in deutschen Tageszeitungen sind männlich, errechnet der Gendertracker. Die "taz" bildet mit fast 40 % Frauen eine Ausnahme, denn sie hat sich eine Quote auferlegt, schreibt Annika Schneider. Frauen hätten oft Zweifel an ihrer eigenen Expertise, Redakteure suchten Gesprächspartner v.a. in Adressdatenbanken, Archiven und sozialen Medien – wo mehr Männer vorkommen. Es gehe nicht um Frauenförderung, sondern andere Netzwerke, Themen und Perspektiven für den Journalismus, sagt Tabea Grzeszyk.
deutschlandfunk.de

Meinung: Journalisten müssen Sprach-Framing erkennen.

Nachrichtensprache: Journalisten berichten über den "Wirtschaftsnobelpreis", obwohl es ihn nicht gibt – das zeigt ein grundsätzliches Problem mit inhaltlich falscher Verkürzung, meint Tanja Köhler. Journalisten sollten besser auf objektive Sprache achten. Köhler rät, weder positiv umgedeutete Begriffe wie "Gute-Kita-Gesetz", noch negative wie " Kopftuchmädchen" zu nutzen. T-Online scannt seine Artikel dafür z.B. mit einer Software, die Floskeln findet, der "Guardian" hat einen Style-Guide.
deutschlandfunk.de

Meinung: Die Autorisierung von Interviews hat Vorteile.

Autorisierung von Zitaten und Interviews ist nicht grundsätzlich schlecht, schreibt Harald Hordych, Vize-Chef der "SZ am Wochenende". Gerade die gefälschten von Tom Kummer und Claas Relotius wären mit Autorisierung eher aufgeflogen. Zudem gäbe dem Interviewten das Wissen, später noch einmal einschreiten zu können, die Ruhe, um offener und vertraulicher zu sprechen.
sueddeutsche.de

Hör-Tipp: Kabarettist Dieter Nuhr hält Greta-Witze für legitim.

Hör-Tipp: Kabarettist Dieter Nuhr verteidigt im Podcast von Gabor Steingart seine Witze über Greta Thunberg. Der Vorwurf, er habe sich an einem 16-jährigen Mädchen vergriffen, sei "völlig idiotisch", er habe sich die "mächtigste Frau der Welt" ausgesucht, die Staatschefs trifft und maßgeblichen Einfluss auf die Gesellschaft nehmen wolle. Nuhr bemühe sich, in seiner Sendung "in alle Richtungen auszuteilen". Ihn stört, dass bei Kontroversen heute zu oft "etikettiert" statt argumentiert werde.
gaborsteingart.com (ab 11:21 Min)

Video-Tipp: ORF-Show führt Boulevardpresse mit Fake-Video vor.

Video-Tipp: ORF-Satiriker Peter Klien erklärt in seiner Show Gute Nacht Österreich die Methoden der Boulevardpresse und lässt "Krone", Österreich" und "Heute" ins offene Messer laufen. Sein Team hat in ein Spielplatz-Video einen Skorpion montiert und mittels Fake-Accounts verbreitet. Den Boulevardblättern reichte das ohne weitere Recherche für Titelstorys. Die "Krone" wirft dem ORF nun vor, Fake News in die Welt gesetzt zu haben.
youtube.com (15-Min-Video) via derstandard.at, krone.at

Lese-Tipp: “Spiegel” veröffentlicht Abschnitt aus Juan Morenos Relotius-Buch.

Lese-Tipp: Der "Spiegel" veröffentlicht einen Auszug aus dem Buch von Juan Moreno über Claas Relotius. Moreno charakterisiert Relotius als notorischen Lügner und beschreibt, wie der Reporter gegenüber Vorgesetzten eine krebskranke Schwester erfand. Steffen Klusmann schreibt, Morenos Buch sei keine Abrechnung – aber keines, das dem "Spiegel" gefallen kann.
spiegel.de (Auszug), spiegel.de (Klusmann)

Aus dem Archiv von turi2.tv: "Spiegel"-Chef Steffen Klusmann über die Konsequenzen aus dem Relotius-Skandal.

Buch-Tipp: “Spiegel”-Autor Juan Moreno dokumentiert Fall Relotius.

Buch-Tipp: "Spiegel"-Autor Juan Moreno (Foto) veröffentlicht am 17.9. das Buch Tausend Zeilen Lüge – das System Relotius und der deutsche Journalismus. Das Werk ist spannend, aber nicht voyeuristisch sowie dokumentarisch, aber nicht trocken, rezensiert die "Süddeutsche Zeitung". Relotius sei heute krank und in Behandlung, schreibt Moreno.
"Süddeutsche Zeitung", S. 48 (Paid)

Aus dem turi2.tv-Archiv: "Mehr Rechte für die Dokumentation" – Relotius-Aufklärerin Brigitte Fehrle im Interview (Archiv 05/2019).

Video-Tipp: Julian Reichelt verteidigt Metzelder-Berichte in “Bild”.

Video-Tipp: "Bild"-Chef Julian Reichelt verteidigt im "Zapp"-Interview die Verdachts­bericht­erstattung im Fall Christoph Metzelder und rühmt sich damit, Hinweise auf mögliche Straftaten pflichtbewusst an Ermittler weiterzugeben. Sollte sich Metzelders Unschuld erweisen, stellt Reichelt eine prominente Berichterstattung "in tatsächlich vergleichbarem Umfang" in Aussicht.
ndr.de (7-Min-Videos + Einzel-Interviews)

Zitat: “Spiegel”-Reporter Juan Moreno hätte Relotius-Geschichte auch der Konkurrenz angeboten.

"Ich glaube, dass viele auf eine Geschichte wie diese gewartet hätten."

"Spiegel"-Reporter Juan Moreno darf im "Zeit"-Interview sein Buch bewerben, in dem er schreibt, wie er Claas Relotius hat auffliegen lassen. Moreno wäre auch zur Konkurrenz gegangen, hätte der "Spiegel" versucht, die Sache unter den Teppich zu kehren.
"Zeit" 38/2019, S. 55/56 (Paid)

Stuttgarter Zeitungen haben kein Ohr für Stuttgart-21-Kritiker Arno Luik.

Stuttgarter Zeitung und ihre Schwester Stuttgarter Nachrichten verharren im Schweigen über Bahn-Kritiker Arno Luik (Foto), beobachtet Anna Hunger. Luiks überregional rezensiertes Buch und eine Rede in Stuttgart finden bei der Stuttgart-21-freundlichen Redaktion nicht statt. Ein schon fertiger Text soll vom stellvertretenden Chefredakteur Michael Maurer gestoppt worden sein.
kontextwochenzeitung.de

Joachim Huber hält den “Mainzelzwergen” ein zu geringes Interesse an Nachrichten vor.

ZDF unterstreiche mit der jüngsten Verschiebung des "Heute-Journal" in die Nacht, dass es mehr Unterhaltungs- als Informations-Ambitionen pflegt, kommentiert Joachim Huber. Wegen Fußball auf RTL verbannte das ZDF die Nachrichten hinter eine Krimi-Wiederholung. Huber belehrt die "lieben Mainzelzwerge", sie hätten ihren Informationsauftrag ernster als ernst zu nehmen.
tagesspiegel.de

“Spiegel”-Essay: YouTuber Rezo kritisiert dpa und DJV.

Mehr Kritik wagen: Journalisten fehlt es oft an Bereitschaft zur Selbstkritik, schreibt YouTuber Rezo in einem "Spiegel"-Gastbeitrag. Er berichtet von seinen Erfahrungen nach seiner Print-Kritik in einem Video der YouTuber Space Frogs und kritisiert den DJV und die dpa. Eine später wieder zurückgezogene Pressemitteilung der Journalistengewerkschaft habe ihm fälschlicherweise vorgeworfen, Journalisten pauschal zu diffamieren. Die dpa hatte die Meldung aufgegriffen und viele Medien übernahmen den Text – wie Rezo glaubt – ohne das 14-minütige Original-Video anzusehen. Erst nach einer langwierigen Intervention sei die dpa bereit gewesen, eine Korrektur zu veröffentlichen.

Rezo ist der Meinung, dass die Meldung nur deswegen so detailliert aufgearbeitet worden sei, weil er eine hohe Reichweite hat, "irgendeine Random Oma hätte von der dpa keine Entschuldigung erhalten". Der YouTuber folgert, dass viele Fehler nicht verbessert werden und spricht der Nachrichtenagentur sein Misstrauen aus: "Ich kann keinem dpa-Artikel mehr blind vertrauen." In Zeiten von Fake News bringe die fehlende Bereitschaft zur Selbstkritik einiger Journalisten die ganze Branche in Verruf. Rezo fordert: "Lasst uns mit den vielen großartigen Journalisten in diesem Land genau auf die Presse gucken und jedes Fehlverhalten kritisieren."
"Spiegel" 36/2019, S. 114-115 (Paid), turi2.de (DJV)

Mitarbeit: Markus Trantow

Zitat: “Monitor”-Chef Georg Restle wünscht sich unter Kollegen mehr Zusammenhalt.

"Mit Grabenkämpfen zwischen öffentlich-rechtlichen und privaten Journalisten ist jedenfalls niemandem
gedient. Der Demokratie am wenigsten."


"Monitor"-Chef Georg Restle appelliert im "Journalist"-Interview an die eigene Zunft, gemeinsam die Grundrechte der demokratischen Gesellschaft "offensiver zu verteidigen".
"Journalist" 9/2019, S. 30-37 (Paid), turi2.de (Background)

Meinung: Ferndiagnosen von Psychologen in Medien sind häufig unseriös.

Journalismus: Ferndiagnosen von Kriminologen und Psychiatern, die nach Straftaten Hintergründe zu mutmaßlichen Tätern in Medien einordnen, sind meist unseriös, beobachtet Übermedien. Die Berichterstattung über Selbsttötung fordert laut Pressekodex Zurückhaltung. Das Gebot werde oft gebrochen, psychische Erkrankungen häufig stigmatisiert.
uebermedien.de

Renner: Der “Spiegel” entlässt Relotius-Förderer Matthias Geyer.


Relotius-Relegation: Der "Spiegel" hat Matthias Geyer, Förderer von Claas Relotius und zuletzt Redakteur für besondere Aufgaben, gekündigt, schreibt Kai-Hinrich Renner. Gegen die Kündigung gehe Geyer juristisch vor. Am Dienstag werde der Fall vor dem Arbeitsgericht Hamburg verhandelt.

Bereits im Juni hatte Renner berichtet, dass der "Spiegel" und Geyer Gespräche führen würden, an deren Ende eine Trennung stehen könnte. Vor der Relotius-Affäre um gefälschte Reportagen plante der "Spiegel" noch, Geyer zum Blattmacher zu befördern.
waz.de, turi2.de (Background)

Daniel Bouhs erkundet die Fehlerkultur der dpa.

dpa: Zum 70. Geburtstag der Nachrichtenagentur fragt Daniel Bouhs nach der Fehlerkultur und dekliniert spektakuläre Falschmeldungen durch, z.B. einen Terroranschlag, den es nie gab. Chefredakteur Sven Gösmann warnt vor Deepfakes: "Wir müssen uns alle davor fürchten." Manchmal findet Bouhs die Korrekturen der dpa "in diesen schnellen Zeiten" zu langsam – zuletzt bei der Causa Linnemann.
taz.de

Aus dem Archiv von turi2.tv: "Hundefutter werden wir nie verkaufen" – Sven Gösmann über die dpa in Zeiten sinkender Auflagen. (4-Min-Video, 2/2019)



“Welt am Sonntag” stellt Wettbetrugs-Enthüllung des “Spiegel” infrage.


Kontrolle ist besser: Die "Welt am Sonntag" erhebt weitere Zweifel am Wahrheitsgehalt eines Textes von Football-Leaks-Enthüller Rafael Buschmann (Foto) aus dem Jahr 2014 über ein verschobenes WM-Spiel. Der zuständige Dokumentar habe schon vor der Veröffentlichung "keine hinreichenden Dokumente oder Beweise" für Buschmanns These finden können, dass das Spiel zwischen Kroatien und Kamerun manipuliert wurde. Er notierte "kein Beleg" auf dem Prüf-Manuskript, das laut "WamS" noch existieren soll. Der damalige Sport-Ressortleiter Michael Wulzinger habe die Einwände des Dokumentars übergangen und den Text ins Blatt gehoben.

Der "Spiegel" habe einen Fragenkatalog der "Welt am Sonntag" zu dem Thema nicht beantwortet. Stattdessen teilt der Verlag mit, dass es zu dem Artikel nun weitere Recherchen gebe. Bisher gebe es keine Belege für eine Fälschung. Medienjournalist Kai-Hinrich Renner hatte Anfang August berichtet, dass die geplante Beförderung Buschmanns zum Investigativ-Chef zunächst auf Eis liegt.
"Welt am Sonntag", S. 35 (Paid), turi2.de (Background)

Mitarbeit: Markus Trantow

Deniz Yücel kritisiert “Spiegel”-Bericht über Bloggerin Marie Sophie Hingst.

Spiegel-Kritik: "Welt"-Reporter Deniz Yücel kritisiert "Spiegel"-Autor Martin Doerry für dessen Geschichte über die inzwischen tote Bloggerin Marie Sophie Hingst. Hingst hatte Yücel während seiner Haft in der Türkei fast täglich Postkarten geschrieben. Yücel ärgert Doerrys Darstellung, sie habe damit "Nähe zu anderen Opfern" gesucht und sei auf "positive Schlagzeilen" aus gewesen. Yücels Vorwurf: Doerry habe die eigentlich nebensächliche Postkarten-Aktion nur deshalb aufgegriffen, weil sie gut in sein Bild von Hingst als "gewissenlose Hochstaplerin und schamlose Selbstdarstellerin" passte.
welt.de (Paid), turi2.de (Background)

Zitat: Georg Restle beklagt, dass Journalisten es den Populisten leicht machen.

"Wann endlich lernen auch wir Journalisten, abzuwarten, bis die Fakten auf dem Tisch liegen; nicht alles zu glauben, was einem die Polizei erzählt und mal darüber nachzudenken, welche Auswirkungen eine solche Berichterstattung auf eine Gesellschaft hat, deren Debatten zum Thema Flüchtlinge sowieso schon völlig überhitzt sind?"

Georg Restle von "Monitor" kommentiert die mediale Erregung um die Rheinbad-Räumung. Polizei und Journalisten verbreiten Falsches, das die AfD aufbauscht und ausschlachtet.
ardmediathek.de (9-Min-Video)

Zitat: Thomas Knüwer rät Interviewten zum Paywall-Boykott.

"Jedes journalistische Stück hinter einer Bezahlschranke bedeutet, dass es dem wichtigsten Ort der gesellschaftlichen Information und Debatte entzogen wird: dem Internet. Im Gegenzug wird dieser Ort den Extremisten, Trollen und Lügnern überlassen."

Thomas Knüwer beobachtet die aus dem Ruder gelaufene Debatte um das Grundschulverbot für Migranten – und rät Interviewpartnern zur Absage, wenn sie hinter einer Paywall versteckt werden.
indiskretionehrensache.de

Meinung: “Spiegel Geschichte” verbreitet Stereotypen bei Titelgeschichte über Judentum.

Spiegel: Meron Mendel, Direktor der Bildungsstätte Anne Frank, kritisiert das Titelbild von "Spiegel Geschichte", berichtet Deutschlandfunk Kultur. Auch die jüdische Bloggerin Juna Grossmann kritisiere die Verbreitung von Stereotypen. Das Cover zeigt unter der Überschrift "Jüdisches Leben in Deutschland – Die unbekannte Welt nebenan" ein Foto zweier orthodoxer Juden in traditioneller Kleidung.
deutschlandfunkkultur.de, twitter.com

Meinung: Chefredakteur nutzen Rankings, um ihre Redaktionsbudgets zu schützen.

Chefredakteure schützen ihre Budgets "vor weiteren Einschnitten" mithilfe von Zitate-Rankings, beobachtet Ulrike Simon. Die "Ersatzwährung" verliere nicht mal durch ihren schlechten Ruf und unseriöse Methodik an Bedeutung. Verlage brächten Journalisten mit ihren Erfolgserwartungen dazu, "auf der Berichterstattungswelle zu surfen, anstatt mit eigenen Recherchen gegen den Strom zu schwimmen".
"Horizont" 31/2018, S. 18 (Paid)