Basta: “Freie Presse” blendet Corona einfach aus.

Pandemie besiegt: Die "Freie Presse" aus Chemnitz richtet sich nach den Interessen ihrer Leser*innen - und blendet Corona einfach aus. Auf der coronafreien Version der Webseite gibt es statt Virus-News z.B. Beiträge über Sammler­tassen und gestohlene Kälber. Eine Art der Pandemie­bekämpfung, die auch ein gewisser Donald T. bereits erfolgreich praktiziert.
freiepresse.de/coronafrei via twitter.com/daniel_bouhs

Meinung: Thomas Knüwer wünscht sich mehr Nüchternheit im Journalismus.

Brüllaffentum attestiert Ex-Journalist, Blogger und Digitalberater Thomas Knüwer vielen deutschen Medien und wünscht sich mehr Nüchternheit in der Berichterstattung. Kritisch sieht er u.a. Clickbait-Überschriften und polarisierende Titel-Bilder wie das jüngste "Spiegel"-Cover anlässlich der Corona-Beschränkungen zu Weihnachten. Knüwer beobachtet ein "Krakeelen, das die Leser oder Zuschauer locken will" und sieht eine Marktlücke im nüchternen Journalismus. Als Positiv-Beispiele nennt er u.a. Katapult und das Coronavirus-Update vom NDR.
indiskretionehrensache.de

Rezo wirft der Politik eine Sonderbehandlung von Corona-Leugnern vor.


Rezoluter Widerspruch: YouTuber Rezo wird wieder politisch und wirft der Politik in einem Video vor, "Querdenkern", Masken-Verweigerern und "Verschwörungs-Dullis" Sonderrechte einzuräumen. Gegen Abstands- und Maskenverstöße bei Demos gehe die Polizei nicht entschieden genug vor, daraus würden die Demonstrant*innen lernen und "immer krasser" gegen Regeln verstoßen. Rezo stört vor allem, dass die Politik Verbindungen zwischen "Querdenkern" und Rechtsextremen ignoriere und so tue als handele es sich um eine "ganz bunte, verrückte Mischung von Menschen".

Insbesondere Ältere seien anfällig für Desinformation, daher komme den "Influencern der Älteren", gemeint sind Zeitungen und Fernsehen, eine besondere Verantwortung zu, diese Leute nicht fehlzuleiten und wieder abzuholen. Konkret greift Rezo "Welt"-Herausgeber Stefan Aust an, der in einem Kommentar schrieb: "Die Maske muss der Maske wegen getragen werden. Als Symbol für Gehorsam den Maßnahmen der Regierenden gegenüber." Als "reichweitenstarker Meinungsführer" sollte Aust sich "ein bisschen verantwortungsbewusster verhalten", sagt Rezo.

Wenn der Staat mit zweierlei Maß messe und "einer kleinen, rücksichtslosen Minderheit Sonderrechte gibt und nicht mal die grundlegendsten Vorschriften durchsetzt", fühle sich die Mehrheit "irgendwann verarscht und hat auch keine Lust mehr, ihr eigenes Leben einzuschränken", schließt Rezo seinen Appell.
youtube.com (18-Min-Video), berliner-zeitung.de, tagesspiegel.de

Meinung: Corona-Berichterstattung blendet Erkrankte zu stark aus.

Meinung: Wissenschaftsjournalist Peter Spork sagt, dass das Schicksal der tatsächlich an Covid-19 erkrankten Personen in den Medien zu kurz kommt. "Das Leid der wirklich Leidenden wird ausgeblendet. Und die Medien machen fröhlich mit." Auch die wissenschaftlichen Erkenntnisse werden laut Spork "längst in die Spezialsendungen und auf die Wissens-Seiten zurückgedrängt."
uebermedien.de

Christian Drosten und “Bild” streiten wieder.

Bild vs. Drosten: Die "Bild" schreibt, die CDU/CSU-Fraktion habe eine Video-Schalte mit Virologe Christian Drosten kurzfristig abgesagt und damit "eine bemerkenswerte Kehrtwende vollzogen". Intern habe es "heftigen Widerstand" gegen die Einladung gegeben. Drosten twittert als Antwort, er habe seinen Auftritt selbst abgesagt, weil "Bild" "das Thema meines lange geplanten Auftritts vor der Fraktion schon im Vorfeld falsch darstellte und auf diese Weise Hassbotschaften gegen mich provozierte". Wissenschaftliche Information und Diskussion seien so unmöglich.
bild.de (Paid), twitter.com (Drosten)

Hör-Tipp: Hajo Schumacher über provokante Fragen in Interviews.

Hör-Tipp: Ist Provokation eine legitime Technik in Interviews, fragt Stefan Winterbauer im Medienwoche-Podcast Hajo Schumacher. Der Journalist verteidigt sein Interview mit Silvana Koch-Mehrin über Brustkrebs. Die Vorwürfe, er habe sexistisch gefragt, seien "eher vom Publikum als von den Kollegen" gekommen. Koch-Mehrin habe das Interview autorisiert und sei nicht der "Betreuungsfall, der Unterstützung gegen Rüpel braucht", zu dem die Twitter-Community sie erkläre. Schumacher räumt ein, er hätte mehr Kontext liefern sollen, der jüngeren Leser*innen vielleicht nicht bekannt sei.
soundcloud.com (77-Min-Audio, ab Min 32), spiegel.de (Interview)

Bayer-Kommunikator wirft Polit-Magazinen NGO-Nähe vor.

Vergiftete Stimmung: Christian Maertin, Leiter der Unternehmenskommunikation bei Bayer, wirft öffent­lichen-rechtlichen Politmagazinen in einem Beitrag bei Linked-in vor, auf der Seite von NGOs zu stehen und unkritisch deren Sichtweise und Recherchen zu über­nehmen. Die nahe­liegendsten Fragen würden die Redaktionen nicht stellen, aus seiten­langen Antworten nur Halb­sätze zitieren. "Monitor"-Chef Georg Restle widerspricht bei Übermedien: Jede Recherche sei ergebnisoffen, gerade Themen von NGOs würden in den Konferenzen häufig "besonders kritische Reflexe" auslösen.
uebermedien.de (Paid), linkedin.com (Beitrag Martin)

Video-Tipp: Walulis beleuchtet “Gutsherrenart” von Red-Bull-Boss Mateschitz.

Video-Tipp: Der Red-Bull-Sender Servus TV mischt im zweiten Lockdown einen Cocktail aus Corona-Leugnern, Skeptikern und Fake News, analysiert Philipp Walulis. In "Walulis Story" beleuchtet er die Geschäfte von Brause-Milliardär Dietrich Mateschitz, der sich als Kultur- und Heimat-Bewahrer sieht. Sein Medium-Imperium regiere er unberechenbar und nach "Gutsherrenart". Betriebsräte stören da nur.
youtube.com (15-Min-Video)

Hör-Tipp: Werber-Podcast “Kreatiefschläge” teilt unverblümt aus.

Hör-Tipp: Im neuen wöchentlichen Werber-Podcast Kreatiefschläge zerlegen "zwei nahkampferprobten Werbe-Profis" aktuelle Kampagnen - zugespitzt, pointiert und so direkt, dass sie lieber anonym bleiben. In der ersten Folge gibt es Prügel für McDonald's, Lob für True Fruits und Anerkennung für Bosch.
kreatiefschlaege.podigee.io (17-Min-Audio) via wuv.de

Video-Tipp: “Augsburger Allgemeine” sucht Dialog mit Corona-Kritikern – und scheitert.

Video-Tipp: Die "Augsburger Allgemeine" hat Kritiker ihrer Corona-Berichterstattung zum Gespräch in die Redaktion eingeladen. Sechs Ex-Leser sind gekommen, doch "die Reaktionen waren sehr enttäuschend", eine geplante Doppelseite wurde gestrichen, berichtet Redakteur Daniel Wirsching im Drehscheibe-Interview. Für die Redaktion sei Treffen dennoch ein Gewinn gewesen, um einen ungefilterten Einblick in die Denkweise der Kritiker zu bekommen.
drehscheibe.org (8-Min-Video)

Zitat: Oliver Bierhoff wünscht sich wieder mehr Vertrauen in die Nationalelf.

"Wir sind nicht mehr Deutschlands liebstes Kind und das Lagerfeuer. Diese Mannschaft kann das aber sein und der Zustand ist nicht unser Anspruch."

DFB-Direktor Oliver Bierhoff kritisiert in einer Brandrede den öffentlichen Umgang mit der Nationalelf. In der Kabine sehe er "müde Gesichter", spüre "Anspannung und Frust". Stattdessen hätten die jungen Spieler "unser Vertrauen verdient", sagt er.
sport1.de, faz.net

Meinung: Bild-Live-Sendung zum Anschlag in Wien war “mittlere Katastrophe”.

Bildungsfern sehen: Bild Live hat in seiner mehrstündigen Berichterstattung zum Anschlag in Wien einige falsche Gerüchte in die Welt gesendet, beobachtet Moritz Tschermak. Breaking-Sondersendungen wie diese mache gefährlich, dass sie anfällig für Falschinformationen seien. Zudem kritisiert Tschermak, dass die Redaktion zunächst unkenntlich gemachte Szenen in Videos später unverpixelt gezeigt habe.
bildblog.de

Österreich: Anzeigenboykott bei Boulevardmedien, die Videos des Attentats verbreiten.

Österreich: Unternehmen wie Rewe, Ikea, Sparkasse und Spar stornieren ihre Anzeigen bei Medien wie Oe24tv und Krone.at, die Videos vom Terroranschlag in Wien verbreitet haben. Die Polizei hatte gebeten, sie aus ethischen und Ermittlungsgründen nicht zu veröffentlichen. Der Presserat erhielt Hunderte Beschwerden. In Deutschland zeigte Bild.de ebenfalls ein Video des Anschlags.
"FAZ", S. 22 (Paid)

Lese-Tipp: Imre Grimm wünscht sich mehr Medienkritik für Normalos.

Lese-Tipp: Imre Grimm diagnostiziert der Branche unnötige Unsicherheit, die sie zu überwinden versucht, indem sie sich der Zielgruppe als "publizistische Servicekräfte" andient. Grimm selbst teilt die Sorgen nicht, fragt sich aber, warum trotz funktionierender Medienkritik die Medienkompetenz nicht größer ist. Er glaubt, Medienjournalist*innen sollten weniger für die Branche und mehr für Normalmenschen schreiben, Medienkunde verpflichtend sein sowie Medien selbst transparenter erklären, was sie tun.
mdr.de

Presserat erhält Hunderte Beschwerden zu Anschlags­berichten aus Wien.


Der Tag danach Rund 700 Beschwerden zur Berichterstattung über den Terroranschlag in Wien am Montagabend sind beim Österreichischen Presserat allein bis Dienstagvormittag eingegangen, meldet der "Standard". So viele gab es bisher zu keinem anderen Anlass zuvor. Im Kern der Kritik stehen Videos von Augenzeug*innen, auf denen der Attentäter auf Menschen schießt. Die "Kronen-Zeitung" und Oe24.at – aber auch Bild.de – hatten das Material veröffentlicht. "Krone" und Oe24 haben die Videos inzwischen gelöscht, bei Bild.de ist das Videomaterial weiterhin online. "Krone"-Chefredakteur Klaus Herrmann verteidigt die Veröffentlichung mit dem Ziel, "die Bedrohungslage zu unterstreichen". Oe24-Herausgeber Wolfgang Fellner sagt dem "Standard": "Ich glaube schon, dass es zum Verständnis des Terroranschlags dazugehört, wie der Todesschütze agiert hat."

Die österreichische Supermarktkette Billa, die zur Rewe Group gehört, und Konkurrent Spar kündigen an, ihre Werbeschaltungen auf Oe24.at und Krone.at vorerst einzustellen. Ikea Österreich teilt mit, "aus Pietätsgründen sämtliche Werbung auf den Onlinekanälen aller News-Outlets" zu stoppen.

Bei dem Attentäter solle es sich nach Erkenntnissen der Sicherheitsbehörden um einen 20 Jahre alten Österreicher mit familiären Wurzeln in Nordmazedonien handeln, der eine doppelte Staatsbürgerschaft hat. Nach Informationen von Zeit Online war er der Polizei schon vor dem Anschlag bekannt. Er soll sich in einer Wiener Moschee radikalisiert haben.
(Foto: Georges Schneider / Austria-Vienna-Shootings / Imago-Images)
derstandard.at, spiegel.de, sueddeutsche.de (Boulevard-Medien), derstandard.at (Werbung), zeit.de (Täter) turi2.de (Background)

Mitarbeit: Björn Czieslik

Lese-Tipp: Lorenz Meyer beschreibt die Menschheitsgeschichte aus der Sicht aktueller Medien.

Lese-Tipp: Lorenz Meyer schreibt für die Medienkolumne Altpapier eine witzige Menschheitsgeschichte im Stile aktueller Medien: Während Buzzfeed "Die zehn schönsten Glamrock-Wohnhöhlen" der Steinzeit auflistet und die "Gala" die Schuhwahl von Napoleons Frau hinterfragt, "graturiliert" turi2 Johannes "Gensfleisch" Gutenberg zur Erfindung des Buchdrucks. Der Text ist anlässlich des 20. Jubiläums der Kolumne entstanden.
mdr.de

Johnny Depp verliert Verleumdungsprozess gegen die “Sun”.

Verleumdungsklage: Schauspieler Johnny Depp verliert vor Gericht gegen die britische "Sun". Das Revolver-Blatt hatte Depp als "Frauenschläger" bezeichnet, dagegen hat er geklagt. Der High Court in London hat die Klage nun abgewiesen, weil die Angaben in dem strittigen Artikel, Depp habe seine Ex-Frau Amber Heard körperlich misshandelt, "im Wesentlichen wahr" seien.
derstandard.at, gala.de

Meinung: Streamingdienste entmündigen ihre Nutzer*innen.

Netflix LogoLese-Tipp: Medienwissenschaftler Marcus Kleiner sagt im Interview mit "Cicero", dass Streaming-Dienste wie Netflix die Zuschauer*innen passiv machen und entmündigen, sogar demokratiegefährdend sein können, weil sie "ein negatives Politikbild vermitteln". Kleiner plädiert für mehr Transparenz im Umgang der Streaminganbieter mit deren Algorithmen und Datennutzung. Er teilt außerdem gegen Digital Natives aus: Die, aufgewachsen mit einer "Like-Ökonomie", seien "zutiefst narzisstisch".
cicero.de

Zitat: Asoziales Reality-TV ist Quotengift, sagt RTL-Unterhaltungschef Kai Sturm.

"Die Eskalation der Aggressivität und das unangenehme negative Gefühl, das in dieser Staffel steckt, hat uns persönlich auch betroffen gemacht."

RTL-Unterhaltungschef Kai Sturm sagt im Interview über die Reality-Show "Sommerhaus der Stars", die Sendung mit ihrem ausgeartetem Mobbing sei "Quotengift für den Sonntagabend", denn "Quoten erzielt man mit rein asozialem Verhalten nicht".
uebermedien.de

Hör-Tipp: Stephan Lamby und Klaus Brinkbäumer über die US-Medienwelt.

Hör-Tipp: Die Journalisten Stephan Lamby und Klaus Brinkbäumer sprechen im Podcast Medien Macht Meinung über den Riss, der durch die USA geht – und warum ihn nicht nur Trump verantwortet. Sie erklären, warum er mit seiner Hetz-Kampagne gegen die Presse so weit kommt und vergleichen die amerikanische Medienwelt mit der deutschen.
podigee.io (39-Min-Audio)

Hör-Tipp: Bernhard Pörksen beobachtet “Quellen­verdunkelung” bei Fake-News.

Hör-Tipp: In der digitalen Öffentlichkeit schwindet das Bewusstsein für die Qualität einer Quelle, sagt Medien­wissen­schaftler Bernhard Pörksen in einem Vortrag für SWR2. Im Falle von Fake-News beobachtet er einen Prozess der "allmählichen Quellen­verdunkelung", weil durch Kopieren, Zitieren und Verlinken zunehmend unklar wird, aus welch "seltsamen Kanälen und zweifelhaften Quellen" die Ur-Botschaft eigentlich stammt.
swr.de (30-Min-Audio), swr.de (Manuskript, PDF)

Boris Rosenkranz gibt Tipps zum Sprachmüll-Basteln nach Focus-Vorbild.

Er darf das sagen: Boris Rosenkranz zerpflückt für Übermedien die aktuelle Titelgeschichte des "Focus", die fragt, was man eigentlich noch sagen darf – und gibt nach diesem Vorbild eine Anleitung zum Basteln mit "altem Sprachmüll". Zu seinen Tipps gehört, den Genderstern "ausnahmslos schrecklich" zu finden, die "NZZ" als warnende Stimme zu zitieren und Protagonistinnen wie Lisa Eckhart oder J. K. Rowling auszuwählen. Eckhart wird Antisemitismus vorgeworfen, Rowling äußert sich immer wieder transphob.
uebermedien.de

Roland Tichy ist “immer dagegen”, sagt er im “Meedia”-Interview.

Einblick in Tichy: "Eigentlich ist es mir wurscht, wer an der Regierung ist, ich bin immer dagegen", sagt Roland Tichy im "Meedia"-Interview. Sein Magazin Tichys Einblick versteht er als "konservativ-liberales Medium", nicht als rechtspopulistisch, wie es ihm oft vorgeworfen wird. "Dass es aneckt, ist unübersehbar, aber auch nicht ungewollt." Eine sexistische Passage über die SPD-Politikerin Sawsan Chebli bereut er jedoch: "Ich ärgere mich als erstes über mich selbst, dass ich es soweit habe kommen lassen." Inzwischen versuche die Redaktion, ihren "Ton zu mäßigen", sagt Tichy und ergänzt: "Wir sind wirklich handzahm geworden."
meedia.de (Paid)

Meinung: Twitter-Kritik am Ciesek-Interview ist ein Gewinn.

Feedback-Schleife: Kritik auf Twitter und in anderen sozialen Medien ist für Journalist*innen "anstrengend und nervig", kann aber auch ein Gewinn sein, wie die Diskussion um das Interview mit der Virologin Sandra Ciesek (Foto) zeigt, schreibt Anne Fromm. Durch das schnelle und einfache Feedback könnten Medienschaffende offener über die Arbeit sprechen. Den Umgang des "Spiegels" mit Ciesek bewertet Fromm als Fehler - wie viele Twitter-Nutzer*innen.
taz.de, turi2.de (Background)

Wie viele Leute lesen Medieninsider, Marvin Schade und Matthias Bannert?


Insider Business: "So schnell wird man uns nicht los." Im Video-Interview mit turi2.tv sprechen Marvin Schade und Matthias Bannert, Gründer des Magazin-Startups Medieninsider, über ihre Abo-Zahlen und den Männer-Überschuss im deutschen Medienjournalismus. Zwei bis drei große Geschichten wollen die Jungunternehmer pro Woche liefern. "Wir sehen uns nicht im Nachrichtenbetrieb, sondern versuchen, ein bisschen ausgeruhter an die Sachen ranzugehen", so Chefredakteur Schade.

Das Ziel der beiden: Menschen sollen für ihre Texte zahlen. Fast alle Inhalte auf der Seite sind deshalb seit dem Start im August kostenpflichtig. Zwischen 5 und knapp 9 Euro pro Monat kostet ein Abo aktuell, wer mehr Starthilfe leisten will, kann monatlich auch 50 Euro ausgeben. Die Nachfrage von Unterstützer*innen habe die Erwartungen übertroffen, erklären Schade und Bannert: Ihre Zahl liege "noch unter 500", aber "deutlich über 100".

Leben können sie von diesen Abo-Erlösen und dem Einzelverkauf ihres bisher einzigen Reports über "Paid Content & Subscriptions" aber noch nicht. "Wir geben uns dafür locker ein Jahr", sagt Geschäftsführer Bannert. Bis dahin soll der Umsatz die eigenen Gehälter und die weiterer Journalist*innen voll finanzieren. Noch zehren Schade und Bannert von den Ersparnissen, die sie in die Gründung eingebracht haben. Bannert hält zudem Agentur-Beteiligungen.

Was die Gründer in Sachen Werbung geplant haben – und ob sie als Insider-Marke auf ein Übernahmeangebot von Mathias Döpfner hoffen, erzählen die beiden im Video.
turi2.tv (9-Min-Video), turi2.de (Background)

Sandra Ciesek schießt gegen Einstiegsfragen in “Spiegel”-Interview.

Virologin Sandra Ciesek haben die "provokanten Fragen und deren Sinn" in ihrem Interview mit dem "Spiegel" irritiert, twittert sie. Sie führten dazu, "dass Frau sich weiter aus solchen Dingen zurückzieht". Die Interviewerinnen hatten Ciesek als "Quotenfrau" bezeichnet, was für Kritik sorgte. Die Fragen seien "ganz sicher nicht beleidigend gemeint", hält "Spiegel"-Wissenschaftschef Olaf Stampf dagegen.
twitter.com (Tweet Ciesek), twitter.com (Tweet Stampf), turi2.de (Background)

Sandra Ciesek will Corona-Leugner*innen mit Ignoranz strafen.

Virologin Sandra Ciesek spricht im "Spiegel" über ihren Umgang mit Corona-Leugner*innen. Statt ihnen mit Argumenten zu begegnen, könne man "diese Menschen viel mehr damit strafen, dass man sie ignoriert", sagt sie. Dass Ciesek und ihre Kolleg*innen verschiedenen Lagern angehörten, Christian Drosten etwa alarmistisch sei und Hendrik Streeck das Virus verharmlose, würde "nur in Medien so dargestellt".
"Spiegel" 43/2020, S. 108-110 (Paid)

Zitat: Gabor Steingart lädt “Spiegel” zum Gespräch ein.

"Ich verlange keine Liebe von meinen ehemaligen Kolleginnen und Kollegen, nur Fairness."

Gabor Steingart spricht im "Meedia"-Interview über seine Streit-Historie mit dem "Spiegel" – und dessen jüngste Kritik am "Pioneer"-Geschäft. Steingart lädt das Nachrichten-Magazin zum Interview ein. Das Leben sei "zu kurz für Erbfeindschaften", glaubt der Journalist.
meedia.de (Paid), turi2.de (Background)

Lese-Tipp: Wie Fox News zum Partner von Donald Trump wurde.

Fox News Channel Logo 150Lese-Tipp: Fox News ist Wahlhelfer, Regierungspartner und Rekrutierungszentrum von Donald Trump, analysiert Bernhard Pörksen in der "Zeit". Der schon von Beginn an auf konservative Propaganda gebürstete Sender betreibt "die schrittweise Demontage des klassischen Journalismus". Die wenigen Fox-Jounalist*innen, die keine Hardliner sind, haben lediglich eine "Feigenblatt-Funktion".
zeit.de

Martin Noé sieht Kritik am “Manager Magazin” als “Verschwörungstheorie”.

Kein Systemversagen: Chefredakteur Martin Noé wehrt sich gegen die Kritik am "Manager Magazin", die Bahn-Kommunikationschef Oliver Schumacher im Branchenblatt PR-Report geübt hat. Noé bezeichnet dessen Vorwürfe, das "System Manager Magazin" sei durch "Hybris", "elitäres Gehabe", "Häme" und "Schadenfreude" gekennzeichnet, als "Verschwörungstheorie". Sein Magazin schreibe "auch positive Geschichten" - die "Faktenlage" müsse das aber auch hergeben. Mit anonymen Quellen zu arbeiten, sei gerechtfertigt, da es in einem "hierarchischen System" wie der Bahn eine "Opposition, wie man sie in der Politik kennt", nicht gebe. Das "Manager Magazin" nehme es "gelassen bis desinteressiert" hin, dass Schumacher als Medien- und Werbechef der Bahn seit sieben Jahren keine Anzeigen mehr im Heft geschaltet hat.
"PR Report" 5/20 (Paid)

Lese-Tipp: Instagram-Trend “Same body, different pose” befeuert Schönheitsideale.

Lese-Tipp: Beim Instagram-Trend Same body, different pose zeigen schlanke Frauen, dass sie in ungünstiger Pose auch ein paar Fettpölsterchen haben. Die Aktion soll andere Frauen "empowern", betont aber letztlich "nur wieder ein Schönheitsbild, von dem wir uns eigentlich endlich verabschieden sollten", kommentieren Elif Küçük und Milena Zwerenz. Viele Frauen hätten gar nicht die Möglichkeit, ihren Körper "wegzuposieren".
ze.tt via editionf.com

Gerhard Schröder droht “Bild” mit juristischen Schritten wegen Nawalny-Interview.

Vergiftete Stimmung: Altkanzler Gerhard Schröder will wegen Aussagen von Kreml-Kritiker Alexej Nawalny juristisch gegen "Bild" vorgehen, kündigt er in einem Beitrag bei Linked-in an. Nawalny nennt Schröder im "Bild"-Interview "Laufbursche Putins" und sagt, er habe "keine Zweifel", dass Schröder von Putin "auch verdeckte Zahlungen" erhalte - jedoch habe er auch keinen Beleg dafür. Schröder nennt die Behauptung "falsch" und wirft "Bild" vor, die Aussagen verbreitet zu haben, ohne ihn um eine Stellungnahme zu bitten.
linkedin.com, dwdl.de, bild.de (Interview) via twitter.com

“Freizeit Spaß” von Burda wollte lieber keine Presserat-Rüge kassieren.

Freizeit Spaß, Regenbogen-Postille von Burda, hat unter der Führung von Chefredakteur Kai Winckler vergeblich versucht, eine Rüge des Presserats zu verhindern, schreibt "Übermedien" – offenbar, um das vermeintliche Sauber-Image des Blattes zu wahren. Die Zeitschrift hatte eine fiktive Geschichte über eine "heimliche Tochter" von Prinzessin Diana aufgegriffen und diese als wahr dargestellt.
uebermedien.de, presserat.de (Rüge), turi2.de (Background)

Zitat: Linda Zervakis kritisiert Griechenland-Schlagzeile über sich.

"Ich liebe mein Hamburg, das ist meine Heimat. Also textet nicht so einen Scheiß."

"Tagesschau"-Sprecherin Linda Zervakis ärgert sich im New-Work-Podcast von OMR über eine Zeitung, die ihr in einer Interview-Schlagzeile unterstellt hatte, dauer­haft nach Griechen­land ziehen zu wollen – und das erst nach einem Anruf korrigierte.
newwork.podigee.io (57-Min-Audio)

“FAZ”: Lob für Arte, Kritik für “Kulturzeit” von 3sat.

Licht und Schatten: Die "FAZ" übt sich in der Mittwochs­ausgabe gleich doppelt in öffentlich-rechtlicher Medien­kritik. Arte, die "Stimme Deutschlands in Frank­reich", besteche mit "gutem, vielseitigem, hoch­stechendem Programm", lobt Jürg Altwegg. Dagegen wirft Oliver Jungen den "Kulturzeit"-Moderator*innen von 3sat u.a. vor, selten kritische Interviews zu führen. Er wünsche sich wieder "mehr diskursive Härte, Experi­mentier­freude und Widerspruch".
faz.net (Arte, Paid), faz.net ("Kulturzeit")

Video-Tipp: Jan Böhmermann kritisiert “autoritäre Kunst”.

Video-Tipp: Jan Böhmermann sitzt spitzbübisch grinsend in "Spitzentitel", der "Spiegel"-Büchershow, und erklärt, sein Buch mit gesammelten Twitter-Werken sei sein Versuch, jahrelang rausgepustete Gedanken in "anfassbare Form" zu bringen. Er redet sich in Rage über "autoritäre Kunst" und Künstler*innen, die sich zu ernst nehmen, stellt dem "Konzept Kunstfigur" die Sterbeurkunde aus und lobt Doro Bär als Kommunikationstalent.
spiegel.de (56 Min)

Günther Jauch und Bauer streiten vor dem BGH um Clickbaiting-Methoden.

Clickbaiting: Der Rechtsstreit zwischen Günther Jauch und Bauers "TV Movie" geht an den Bundesgerichtshof. Die Programmzeitschrift postete 2015 zu den Fotos von Jauch, Stefan Raab, Roger Willemsen und Joko Winterscheidt: "Einer dieser TV-Moderatoren muss sich wegen Krebserkrankung zurückziehen." Bauer entschuldigte sich und erklärte Unterlassung, Jauch klagte trotzdem, das OLG Köln gab ihm recht. Bauer zieht nun vor den BGH, der klären muss, ob Clickbaiting mit Promis rechtmäßig ist.
sueddeutsche.de

Christian Drosten hinterfragt Medien-Interesse an seiner Person.

Playin the Drost: Star-Virologe Christian Drosten glaubt, dass einige Medien eher daran interessiert sind, auf seine Person loszugehen als sich mit Inhalten zu beschäftigen, sagt er dem "Tagesspiegel": "Manche scheinen sich gefragt zu haben: 'Play the ball or play the man?'" Jetzt setzten Viele seinen Namen mit einer Wahrheit gleich, "die sie nicht hören wollen". Dabei lasse sich die Pandemie "nicht wegdiskutieren".
tagesspiegel.de

Holger Friedrich lädt Bernd Runge zu Redaktionsworkshop ein, schreibt Ulrike Simon.

Berliner Zeitung: Verleger Holger Friedrich lädt zu einem redaktionsinternen Workshop über die künftige Organisation der Zeitung den ehemaligen Conde-Nast- und heutigen "Interview"-Verleger Bernd Runge ein, schreibt Ulrike Simon. Runge war wie Friedrich IM bei der Stasi und hat "Drähte zu einem russischen Oligarchen", so Simon. Friedrich habe ihn als "möglichen Kooperationspartner" vorgestellt. Redaktionstechnisch zeichne sich ab, dass das Lokalressort der Zeitung aufgelöst und durch ein "Reporter-Ressort" unter neuer Leitung ersetzt werden wird.
horizont.net (Paid)

Hör-Tipp: Thomas Koch vermisst bei der “Bild” die “Stimme des Volkes”.

Hör-Tipp: Die "Bild" hatte als langjährige "Stimme des Volkes" und "Arbeiterblatt" eine "journalistische Rechtfertigung", inzwischen sei es Kampagnen-Journalismus, klagt Thomas Koch (Foto) im DWDL-Podcast Zwei Herren mit Hund mit Kai Blasberg. Nach dem Tele-5-Abgang meldet sich Blasberg erstmals aus seiner neuen Heimat Nordfriesland. Beim "Klickjournalismus" gehe es Springer nur noch ums Geldverdienen, sagt Koch.
dwdl.de (53-Min-Audio)

Presserat spricht Rügen gegen “Freizeit Spass”, “Bild” und “BZ” aus.

Presserat rügt "Freizeit Spass", "Bild" und "BZ": Burdas "Freizeit Spass" hat eine Geschichte über eine heimliche Tochter von Prinzessin Diana erfunden und die Fiktion nicht kenntlich gemacht. "Bild" habe einem Hongkonger Aktivisten ein falsches Zitat untergejubelt. Die "BZ" hat laut Presserat bei einem Anschlag auf ein Döner-Restaurant das Leid der Opfer ins Lächerliche gezogen.
sueddeutsche.de

Mathias Döpfner gibt Fehler der “Bild” in der Solingen-Berichterstattung zu.

Reue vom Chef: Springer-Boss Mathias Döpfner findet die Kritik an der "Bild"-Bericht­erstattung zum Mordfall in Solingen gerechtfertigt. "Wir haben den Schutz von Minder­jährigen in diesem Fall missachtet", sagt er. Döpfner fordert eine Debatte über Presse­freiheit und Persönlichkeits­rechte. Nach der Veröffentlichung von Chat-Nachrichten eines 11-jährigen Jungen durch RTL und "Bild" hatte es 160 Beschwerden beim Presserat gegeben.
sueddeutsche.de, welt.de (komplette Rede), turi2.de (Background)

Correctiv hat mit verdeckten Aktivist*innen von Fridays for Future recherchiert.

Freitags sind sie nie da: Correctiv hat für eine Recherche über Kohlestrom in Nordrhein-Westfalen mit Aktivist*innen von Fridays for Future zusammengearbeitet, schreibt die "Welt am Sonntag". Acht Personen, die bei der Umweltbewegung aktiv sind, haben mit persönlichen Correctiv-Mail-Adressen einen Fragenkatalog an Kommunen geschickt, um Beteiligungen an Kraftwerken abzufragen. Dass die Mail-Absender bei Fridays for Future sind, sei bei der Veröffentlichung der Ergebnisse - nicht aber während der Recherchen erkennbar gewesen. Correctiv arbeitet gemeinnützig - gemäß der Satzung unabhängig von politischen Einflüssen. Die redaktionelle Leitung habe beim Rechercheverbund gelegen, sagt Chefredakteur Justus von Daniels.

Fridays for Future habe auf die Anfrage einer Stellungnahme der "Welt am Sonntag" bis zum Redaktionsschluss nicht geantwortet. Laut Correctiv seien die Recherchen ohne externe Freiwillige - sogenannte "freie Crowd-Reporter" - nicht realisierbar. Von 53 Kommunen im Ruhrgebiet halten demnach mindestens 20 Anteile an Kraftwerken oder dem Energieversorger RWE. An diesem Sonntag sind Kommunalwahlen in Nordrhein-Westfalen.
edition.welt.de (Paid)

Meinung: Beschwerden über Medien sollten einfacher werden.

Beschwerde-Möglichkeiten über die Berichterstattung von Medien sind unübersichtlich und weitgehend unbekannt, kommentiert Daniel Bouhs bei Radioeins. Während der Presserat vielen noch ein Begriff ist, sind für den privaten Rundfunk 14 Landesmedienanstalten zuständig, für die Öffentlich-rechtlichen die Rund­funk­räte. Bouhs fordert eine zentrale und sichtbare Beschwerde­stelle für alle Medien, unabhängig von ihrer Gattung.
radioeins.de (mit 4-Min-Audio)

Zitat: Schauspielerin Martina Gedeck traut auch Älteren mehr als Feelgood-Filme zu.

"Ich finde, die über 70-jährigen Zuschauer werden unterschätzt, wenn man meint, sie im Fernsehen ständig nur mit 'Feelgood'-Filmen unterhalten zu müssen."

Schauspielerin Martina Gedeck sagt im "Welt"-Interview, die ARD-Serie Oktoberfest 1900, in der sie die Hauptrolle spielt, ist entgegen des Titels gerade keine "Kitsch-Schmonzette". International läuft das Drama unter dem Titel "Oktoberfest – Blood and Beer".
welt.de (Paid)