Hör-Tipp: Thomas Koch vermisst bei der “Bild” die “Stimme des Volkes”.

Hör-Tipp: Die "Bild" hatte als langjährige "Stimme des Volkes" und "Arbeiterblatt" eine "journalistische Rechtfertigung", inzwischen sei es Kampagnen-Journalismus, klagt Thomas Koch (Foto) im DWDL-Podcast Zwei Herren mit Hund mit Kai Blasberg. Nach dem Tele-5-Abgang meldet sich Blasberg erstmals aus seiner neuen Heimat Nordfriesland. Beim "Klickjournalismus" gehe es Springer nur noch ums Geldverdienen, sagt Koch.
dwdl.de (53-Min-Audio)

Presserat spricht Rügen gegen “Freizeit Spass”, “Bild” und “BZ” aus.

Presserat rügt "Freizeit Spass", "Bild" und "BZ": Burdas "Freizeit Spass" hat eine Geschichte über eine heimliche Tochter von Prinzessin Diana erfunden und die Fiktion nicht kenntlich gemacht. "Bild" habe einem Hongkonger Aktivisten ein falsches Zitat untergejubelt. Die "BZ" hat laut Presserat bei einem Anschlag auf ein Döner-Restaurant das Leid der Opfer ins Lächerliche gezogen.
sueddeutsche.de

Mathias Döpfner gibt Fehler der “Bild” in der Solingen-Berichterstattung zu.

Reue vom Chef: Springer-Boss Mathias Döpfner findet die Kritik an der "Bild"-Bericht­erstattung zum Mordfall in Solingen gerechtfertigt. "Wir haben den Schutz von Minder­jährigen in diesem Fall missachtet", sagt er. Döpfner fordert eine Debatte über Presse­freiheit und Persönlichkeits­rechte. Nach der Veröffentlichung von Chat-Nachrichten eines 11-jährigen Jungen durch RTL und "Bild" hatte es 160 Beschwerden beim Presserat gegeben.
sueddeutsche.de, welt.de (komplette Rede), turi2.de (Background)

Correctiv hat mit verdeckten Aktivist*innen von Fridays for Future recherchiert.

Freitags sind sie nie da: Correctiv hat für eine Recherche über Kohlestrom in Nordrhein-Westfalen mit Aktivist*innen von Fridays for Future zusammengearbeitet, schreibt die "Welt am Sonntag". Acht Personen, die bei der Umweltbewegung aktiv sind, haben mit persönlichen Correctiv-Mail-Adressen einen Fragenkatalog an Kommunen geschickt, um Beteiligungen an Kraftwerken abzufragen. Dass die Mail-Absender bei Fridays for Future sind, sei bei der Veröffentlichung der Ergebnisse - nicht aber während der Recherchen erkennbar gewesen. Correctiv arbeitet gemeinnützig - gemäß der Satzung unabhängig von politischen Einflüssen. Die redaktionelle Leitung habe beim Rechercheverbund gelegen, sagt Chefredakteur Justus von Daniels.

Fridays for Future habe auf die Anfrage einer Stellungnahme der "Welt am Sonntag" bis zum Redaktionsschluss nicht geantwortet. Laut Correctiv seien die Recherchen ohne externe Freiwillige - sogenannte "freie Crowd-Reporter" - nicht realisierbar. Von 53 Kommunen im Ruhrgebiet halten demnach mindestens 20 Anteile an Kraftwerken oder dem Energieversorger RWE. An diesem Sonntag sind Kommunalwahlen in Nordrhein-Westfalen.
edition.welt.de (Paid)

Meinung: Beschwerden über Medien sollten einfacher werden.

Beschwerde-Möglichkeiten über die Berichterstattung von Medien sind unübersichtlich und weitgehend unbekannt, kommentiert Daniel Bouhs bei Radioeins. Während der Presserat vielen noch ein Begriff ist, sind für den privaten Rundfunk 14 Landesmedienanstalten zuständig, für die Öffentlich-rechtlichen die Rund­funk­räte. Bouhs fordert eine zentrale und sichtbare Beschwerde­stelle für alle Medien, unabhängig von ihrer Gattung.
radioeins.de (mit 4-Min-Audio)

Zitat: Schauspielerin Martina Gedeck traut auch Älteren mehr als Feelgood-Filme zu.

"Ich finde, die über 70-jährigen Zuschauer werden unterschätzt, wenn man meint, sie im Fernsehen ständig nur mit 'Feelgood'-Filmen unterhalten zu müssen."

Schauspielerin Martina Gedeck sagt im "Welt"-Interview, die ARD-Serie Oktoberfest 1900, in der sie die Hauptrolle spielt, ist entgegen des Titels gerade keine "Kitsch-Schmonzette". International läuft das Drama unter dem Titel "Oktoberfest – Blood and Beer".
welt.de (Paid)

Meinung: “Bild”-Bashing bedient alte Reflexe.

bildlogo"Bild"-Bashing aus Prinzip: Bei der Kritik an der Veröffentlichung von WhatsApp-Chats eines Jungen im Zusammenhang mit dem Familien-Drama in Solingen schwingen "ganz alte Reflexe" mit, schreibt Alexander Kissler in der "NZZ". Die Einordnung in Gut und Böse begradige die "unübersichtlich gewordene welt­anschauliche Front für einen Moment". Hinzu komme, dass "Bild" unter Julian Reichelt wieder politischer geworden ist und damit von Mitbewerbern "wieder ernst genommen und angegriffen" werde.
nzz.ch

Presserat: Umstrittene “taz”-Polizei-Kolumne ist von der Meinungs­freiheit gedeckt.

taz: Die umstrittene Polizei-Kolumne von Autor*in Hengameh Yaghoobifarah verstößt nicht gegen den Pressekodex, sagt der Deutsche Presserat. Yaghoobifarahs Empfehlung, Polizisten seien am besten auf der Müll­deponie aufgehoben, sei von der Meinungs­freiheit gedeckt. Damit weist das Gremium die 382 eingegangenen Beschwerden als unbegründet zurück. Auch die Staats­anwalt­schaft will ihre Ermittlungen nicht fortführen.
spiegel.de, taz.de, presserat.de, turi2.de (Background)

Zitat: “Bild”-Bericht über Solingen ist ein Fall für den Presserat, sagt Ulrike Simon.

"Die Mutter ist ein Fall fürs Jugendamt, 'Bild' ist einer für den Presserat."

Für Medienjournalistin Ulrike Simon zeugt die Erklärung von Julian Reichelt, RTL habe zuerst über den WhatsApp-Chat zwischen dem überlebenden Sohn aus Solingen und dessen von der Mutter begleiteten Schulfreund berichtet, von "sittlicher Unreife". "Bild" hat den umstrittenen Beitrag inzwischen von der Seite genommen.
horizont.net, turi2.de (Background), medieninsider.com (Reichelt-Mail im Wortlaut, Paid)

Meinung: Die Recherchen der “Bild” im Solinger Mordfall sind eine “Schande”.

Bild schreckt im Solinger Mordfall nicht davor zurück, aus Telefon-Nachrichten eines elfjährigen Jungen zu zitieren, was eine "Schande" für den Journalismus sei, klagt Tanjev Schultz, Professor an der Universität Mainz, bei T-Online. Wenn Redaktionen "immer neuen Sensationsstoff" erwarteten, "werden sie entsprechend beliefert". Die "Bild" hatte eine RTL-Geschichte übernommen und "sehr schnell wieder runtergenommen", um den Jungen nicht weiter identifizierbar zu machen, sagt Springer.
t-online.de , turi2 - eigene Infos

Lese-Tipp: Für Stefan Niggemeier ist Gabor Steingart ein “schmieriger Metaphern-Händler”.

Lese-Tipp: Stefan Niggemeier nimmt das Buch Die unbequeme Wahrheit von Gabor Steingart in einem 20.000-Zeichen-Totalverriss auseinander. In seiner "Rede zu Lage der Nation" klinge der "große Zukunfts- und Untergangs-Prophet" letztlich wie ein "kleiner schmieriger Metaphern-Händler". Steingart liefere "mit der intellektuellen Schlichtheit von Büttenreden" eine "extrem düstere Beschreibung einer Bundesrepublik, die ihre Zukunft verspielt". Dabei sind seine Thesen und Analysen "inhaltlich nicht besonders außergewöhnlich oder interessant", schreibt Niggemeier. Hauptsache "es lodert und glüht und knallt und pufft und stinkt".
uebermedien.de (Paid, als kostenloses Probeabo frei lesbar)

Ungarn: Journalist*innen gründen neues Nachrichtenportal.

Ungarn: Die Journalist*innen, die bisher für die Nachrichtenseite Index.hu arbeiteten, planen ein neues, unabhängiges Nachrichtenportal. Der regierungskritische Chefredakteur des Portals, Szabolcs Dull, war entlassen worden, fast die gesamte Redaktion hat daraufhin aus Sorge um die Pressefreiheit gekündigt. In Ungarn stehen mehr als 80 % der Medien direkt oder indirekt unter Regierungskontrolle, schätzt das Investigativportal Atlatszo.
sueddeutsche.de, turi2.de (Background)

Startup-Lobbyist Christian Miele klärt Twitter-Streit mit Julian Reichelt beim Dinner.

Dinner-Diplomatie: Christian Miele, Chef des Bundes­verbands Deutsche Startups und selbst Gründer, trifft sich zu einem klärenden Gespräch mit "Bild"-Chef Julian Reichelt und einem nicht genannten Springer-Vorstand. Grund ist ein eskalierter Twitter-Streit um eine Schlagzeile, in der "Bild" Naren Shaam, Berliner Gründer des Reise-Startups Omio, schlicht als "Inder" bezeichnet hatte.
twitter.com

Medienkritik: Spiegel TV nutzt “fremde” Morddrohung zur Eigen-Inszenierung.

Spiegel TV inszeniert sich mit einer fremden Morddrohung als unerschrockenes Medium, kritisiert Stefan Niggemeier. In einem Jahresrückblick zeigt die Redaktion eine Kugel, die sie angeblich als Reaktion auf einen Bericht über Immobiliengeschäfte eines libanesischen Clans geschickt bekommen hat. Tatsächlich wurde die Kugel an einen Libanesen geschickt, der dem Fernsehteam bei den Dreharbeiten half und nach weiteren Drohungen aus dem Land floh. Er bereue, für Spiegel TV gearbeitet zu haben, weil das Team ihn nach seiner Flucht nicht genug unterstützt habe.
uebermedien.de

Video-Tipp: Walulis zieht “Bild”-Reporter*innen durch den Kakao.

bildlogoVideo-Tipp: Walulis' Sommervertretung dokumentiert, wie die "Bild" sich ihren Ruf als "Deutschlands auflagenstärkstes Klopapier" erarbeitet, zum Beispiel indem sie die letzten 50 Stunden eines Suizid-Toten rekonstruiert oder Lebende für tot erklärt. Die Reporter*innen arbeiteten mit Maßnahmen wie "Witwenschütteln", Druck auf Promis und Übertreibungen.
youtube.com (11 Min)

Meinung: Bei Demonstrant*innen der Anti-Hygiene-Demos ist “kein Durchkommen”.

Lügenpresse: BR-Hauptstadt-Korrespondentin Barbara Kostolnik hat keine Antwort darauf, wie Journalist*innen mit Anfeindungen auf Anti-Hygiene-Demos umgehen sollen. Es sei frustrierend, dass sie mit den Demonstrant*innen partout nicht ins Gespräch kämen, weil die Protestierenden kein demokratisches Grundvertrauen hätten und somit "kein Durchkommen" sei.
br.de

RBB-Intendantin lehnt Programmbeschwerde wegen Kalbitz-Interview ab.

RBB: Intendantin Patricia Schlesinger (Foto) lehnt die Programmbeschwerde von Hans-Peter Buschheuer, Ex-Chef des Journalistenverbandes Berlin-Brandenburg, wegen des kritisierten Sommerinterviews ihres Senders mit AfDler Andreas Kalbitz ab. Die RBB-Expertise zu Rechtsextremismus und Kalbitz' Hintergrund seien zu wenig ins Gespräch eingeflossen, die Programmgrundsätze aber nicht verletzt worden.
berliner-zeitung.de, turi2.de (Background)

BBC bekommt 18.000 Beschwerden, weil sie rassistische Beleidigung wiederholt.

BBC-Logo-150x150BBC: Eine Journalistin berichtet in einer Nachrichtensendung über einen Unfall mit Fahrerflucht und wiederholt dabei die rassistische Beleidigung, mit der das Opfer beschimpft wurde – dafür hagelt es 18.000 Beschwerden. Die BBC argumentiert, sie habe gemeinsam mit dem Opfer und seiner Familie entschieden, sie auszusprechen, damit die Zuschauer die Schwere des Vorfalls einschätzen können und weil es redaktionell gerechtfertigt gewesen sei.
guardian.com

Meinung: Politisch wilde Zeiten spalten auch Redaktionen.

Redaktionskonflikte der "New York Times" und der "taz" sind mehr als Generationen-Streit, findet Meredith Haaf. Vielmehr stünden sich zwei Arten von Journalist*innen gegenüber. Auf der einen Seite die, "die die richtigen Leute zu Wort kommen lassen, aus bislang sozial unterdrückten Gruppen". Sie seien "im Zweifelsfall auf dem linken Auge blind". Auf der anderen Seite die, die "fast zwanghaft alle zu Wort kommen lassen" und Mehrheitsmeinungen und Gruppendynamik skeptisch gegenüber stünden.
sueddeutsche.de

Bahn-Kommunikationschef Schumacher wettert gegen “das System Manager Magazin”.


Er hält 'nen Rant: "Hybris", "Selbstüberschätzung" und "elitäres Gehabe" kennzeichnen das "System Manager Magazin", schimpft Oliver Schumacher, als Kommunikationschef der Deutschen Bahn häufig schmerzgeplagt durch negative Artikel der Hamburger. In einer "Gast-Polemik" für den PR-Report schreibt Schumacher, "Manager Magazin"-Redakteure sähen sich "als Mittelpunkt der deutschen (Wirtschafts-)Publizistik" und reagierten "beleidigt, ja aufrichtig pikiert", wenn sie die neue Konzernstrategie oder spannende Personalien "nicht exklusiv" präsentiert bekämen.

In seinem Offline-Rant wettert Schumacher, die Weltsicht des "Manager Magazin" sei "bemerkenswert simpel": Es sei "ganz egal", was auf der Welt auch geschehe: "Schuld sind meist nur wenige Vorstände und/oder Aufsichtsräte". Zum "System Manager Magazin" gehöre auch das "Kalkül": "Wer exklusive Informationen liefert, wird eher in Ruhe gelassen, mit ein bisschen Glück sogar hofiert." So fuße ein Großteil der Berichte "auf anonymen Quellen".

Es gehöre zur Wahrheit, dass "Selbstüberschätzung und elitäres Gehabe" der "Manager Magazin"-Redakteure "bisweilen in deutschen Chefetagen verfangen": "Da zittern millionenschwere Top-Manager, denen die Alphatier-Gene ansonsten aus jedem Knopfloch tropfen, allen Ernstes vor Veröffentlichung vermeintlicher oder tatsächlicher Insider-Geschichten." Das Zittern sei aber "kaum nachzuvollziehen, denn die MM-Berichte über die Deutsche Bahn haben im vergangenen Jahrzehnt in der Regel nur eines ausgelöst: Schweigen in anderen Medien". Die Artikel versendeten sich nach seiner Erfahrung meist "im medialen Nichts".

Schumacher hält für sich und seine leidgeplagten Kolleg*innen aber auch Trost bereit: Die Auflage des "Manager Magazin" sei ja eher "mickrig" (laut IVW sind es im 2. Quartal 2020 immerhin 97.026 verkaufte Exemplare). "All die Häme und Schadenfreude" erreichten wohl eher "den stellvertretenden Abteilungsleiter Dieter Durchschnitt", der sich durch das "Manager Magazin" bestätigt fühle, "dass die da oben eh keine Ahnung haben".
prreport.de (Paid), turi2.de/koepfe (Profil von Schumacher), turi2.tv (Video-Interview mit Schumacher aus dem Juni 2020)

Übermedien: Fotograf lauert Einbrechern bei Helene Fischer auf.

Fingierter Foto-Fang? Boris Rosenkranz wundert sich, dass es von einem angeblichen Einbruch auf der Baustelle der Villa von Helene Fischer (Foto) am Ammersee perfekte Fotos gibt. "Bild", Bauer und Burda, die die Bilder gedruckt haben, wollen sich zur Herkunft nicht äußern. Rosenkranz stellt die Hypothese auf, der Fotograf könnte die "Eindringlinge" selbst mitgebracht haben.
uebermedien.de (Paid)

Ungarns regierungskritisches Portal Index droht die Unabhängigkeit zu verlieren.

Pressefreiheit: Das reichweitenstarke Nachrichtenportal Index, eines der letzten regierungskritischen Medien Ungarns, droht die Unabhängigkeit zu verlieren, berichtet Deutschlandfunk. Der Unternehmer Miklos Vaszily hat 50 % der Anteile des Anzeigen-Vermarkters gekauft - er steht Ministerpräsident Viktor Orban (Foto) nahe. Der regierungskritische Chefredakteur Szabolcs Dull wurde entlassen.
tagesschau.de

ZDF will bei Übersetzungen auch die fremdsprachige Original-Sequenz zeigen.

ZDF will bei Übersetzungen von fremdsprachigen O-Tönen künftig auch den zur Voice-Over passenden Original-Wortlaut zeigen. Zuvor hatte Correctiv kritisiert, dass das ZDF bei Übersetzungen Aussagen häufig verdichtet hatte. Zum Teil wurden bei Übersetzungen O-Töne gezeigt, die im Interview an anderer Stelle vorkamen.
journalist.de, dwdl.de, turi2.de (Background)

Verleger Christian Mucha sieht bei RTL eine mangelnde journalistische Sorgfalt.

RTL: Der österreichische Verleger Christian W. Mucha wirft der "Exclusiv"-Redaktion "glatten Wortbruch" vor und fordert Schadenersatz sowie Schmerzensgeld, zitiert DWDL aus einem Leitartikel Muchas im Magazin "Extradienst" sowie aus einem Facebook-Beitrag von Anfang Juli. RTL zeigte Versprecher seiner russischen Ehefrau Ekaterina, sieht die "journalistische Sorgfaltspflicht" aber nicht verletzt.
dwdl.de

Teile des DJV-Landesverbands Berlin Brandenburg kritisieren das AfD-Interview vom RBB.

RBB hat dem AfD-Politiker Andreas Kalbitz "mit einem weitgehend unkritischen Fernsehformat" eine Plattform geboten, zitiert Kai-Hinrich Renner in der "Berliner Zeitung" ein Beschwerdebrief des DJV-Landesverbands Berlin Brandenburg. Das Schreiben ist mit "Vorstand" gezeichnet - Verbandsvorsitzender Christian Walther hat nicht unterschrieben. Walther sieht den Verband nicht als "Medienkritiker".
berliner-zeitung.de

Hör-Tipp: RBB-Chefredakteur Singelstein verteidigt das umstrittene AfD-Interview.

Hör-Tipp: RBB-Chefredakteur Christoph Singelstein verteidigt im Medienmagazin von Radioeins das umstrittene RBB-Sommerinterview mit AfD-Politiker Andreas Kalbitz (Foto), der vom Verfassungsschutz beobachtet wird. "Ich halte es für unseren Auftrag, mit allen politischen Kräften zu sprechen", sagt Singelstein - "Die Grenzen setzen Gerichte."
ardaudiothek.de (85-Min-Audio)

Zitat: Kalbitz-Interview hätte tiefer gehen müssen, sagt RBB-Chefredakteur Singelnstein.

"Wir haben viel über Andreas Kalbitz und Rechtsextremismus recherchiert. Von diesem redaktionellen Wissen ist nicht genug eingeflossen."

RBB-Chefredakteur Christoph Singelnstein räumt bei "Brandenburg aktuell" Fehler beim umstrittenen Sommerinterview mit AfD-Mann Andreas Kalbitz ein, verteidigt aber die grundsätzliche Entscheidung, ihn einzuladen.
rbb24.de via dwdl.de

Meinung: Kulturschaffende entdecken Rassismus in alten Werken.

Neu bewertet: Mehr und mehr Kulturschaffende unterziehen ihre Werke vergangener Jahre einer Rassismus-Revision, schreibt Adrian Daub. Die Comedy 30 Rock etwa lässt vier alte Folgen aus dem Programm nehmen, in denen weiße Schauspieler*innen ihr Gesicht schwarz angemalt haben. Überraschend sei weniger die Kritik daran, "sondern eher, was jahrzehntelang nicht kritisiert wurde".
zeit.de

Zitat: Facebooks Chef-Lobbyist sieht keinen Anreiz, Hass-Posts nicht zu löschen.

"Facebook profitiert nicht von Hassrede. Es gibt für uns keinen Anreiz, etwas anderes zu tun, als solche Inhalte zu entfernen."

Facebooks Chef-Lobbyist Nick Clegg versucht in einem Gastbeitrag in der "FAZ", das Image seines Arbeitgebers zu retten. Immer mehr Konzerne streichen Facebook aus Protest gegen Hass-Posts die Anzeigen.
"FAZ", S. 26 (Paid)

Anna Wintour entschuldigt sich, Schwarzen keinen Platz eingeräumt zu haben.

Vogue hat nicht genug getan, um schwarze Mitarbeiter*innen und Designer*innen zu fördern und mitunter "verletzende und intolerante" Geschichten und Fotos veröffentlicht, schreibt Chefredakteurin Anna Wintour in einem internen Memo. Sie wisse, dass es nicht reicht "zu sagen dass wir es besser machen werden" und bittet um "Feedback und Rat". 1974 war mit Beverly Johnson ein schwarzes Model auf dem Cover, aber erst 2018 fotografierte ein schwarzer Fotograf, Tyler Mitchell, ein Cover-Foto.
theguardian.com

James Bennet tritt als Meinungsredakteur der “New York Times” zurück.

New York Times: James Bennet, bisher Meinungsredakteur und verantwortlich für die Op-Ed-Seite der Zeitung, tritt zurück. Herausgeber A. G. Sulzberger schreibt, nach der Kontroverse um den Gastbeitrag des republikanischen Senators und Hardliners Tom Cotton seien er und Bennet sich einig, "dass es ein neues Team braucht, um die Abteilung durch eine Zeit beträchtlicher Veränderungen zu führen". Leser*innen und Mitarbeiter*innen protestieren heftig gegen den Artikel.
nytimes.com, thehill.com, turi2.de (Background)

Meinung: Fachzeitschriften gefährden mit unausgereiften Artikeln Menschenleben.

Fachzeitschriften veröffentlichen unausgereifte Artikel zu Covid-19 und agieren in der Krise hektisch und verantwortungslos, kritisiert Werner Bartens. Mit Begutachtung, Gegen-Check und Überarbeitung vergehen sonst Monate, bis eine Studie publiziert wird. Aktuell stehen Fachzeitschriften aber in Konkurrenz zu Preprint-Servern, die Rohfassungen von Studien veröffentlichen. Falsche Ergebnisse "werfen die Forschung zurück, begünstigen politische Fehlentscheidungen, gefährden Menschen", so Bartens.
"Süddeutsche Zeitung", S. 12 (Paid)

Meinung: Deutsche Redaktionen berichten realitätsfern über Rassismus.

Journalismus: Jeder 5. Einwohner Deutschlands hat Migrationshintergrund, aber nur jeder 50. Journalist – deshalb schreiben Redaktionen oft "realitätsfern" über Rassismus und sind betriebsblind dafür, meint Dunja Ramadan. Sie kritisiert, dass hierzulande kopfschüttelnd über die USA berichtet werde, statt auch über Rassismus in Deutschland zu schreiben. Menschen mit Rassismus-Erfahrungen kämen eher als Betroffene statt als Expert*innen zu Wort.
sueddeutsche.de

Richter müssen bei Unterlassungserklärungen beide Seiten anhören.

Eilig, aber fair: Bei Eilverfahren, bei denen Kläger Unterlassungserklärungen gegen Medien durchsetzen wollen, muss "der Grundsatz der Waffengleichheit" gelten, das entsprechende Medium also Gelegenheit zur Verteidigung haben, beschließt das Bundesverfassungsgericht. Im konkreten Fall stritten die Deutsche Polizeigewerkschaft und die Gewerkschaft der Polizei.
sueddeutsche.de (Paid), bundesverfassungsgericht.de (Beschluss)

Hardliner-Gastbeitrag in der “NYT” bringt Redakteur*innen und Leser*innen auf die Barrikaden.

New York Times ringt um ihr Selbstverständnis: Leser*innen und Mitarbeiter*innen protestieren gegen einen Gastbeitrag des republikanischen Senators und Hardliners Tom Cotton, in dem er fordert, das Militär gegen Randalierer einzusetzen. Der Beitrag erschien auf der Op-Ed-Seite der Zeitung, die vielfältige Meinungen abbilden soll, die nicht von der Redaktion stammen. Mitarbeiter*innen dürfen eigentlich nicht öffentlich Partei für oder gegen "NYT"-Artikel ergreifen. Die Zeitung erklärt die Veröffentlichung mit einem "überhasteten redaktionellen Prozess".
sueddeutsche.de, tagesspiegel.de

Mathias Döpfner nimmt Julian Reichelt im Podcast ins Gebet und nennt Ein-Stunden-Frist für Drosten einen “dummen Fehler”.


Im Verhör: Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner knöpft sich in Springers Inside.Pod-Podcast "Bild"-Chefredakteur Julian Reichelt (Foto) vor. Die Ein-Stunden-Frist für Virologe Christian Drosten zur Beantwortung von Fragen nennt Döpfner einen "dummen Fehler". Reichelt räumt ein, "Bild" habe sich dadurch "angreifbar" gemacht, glaubt aber: "Die Fragen hätte Drosten in der Zeit, in der er getwittert hat, beantworten können." Vom "Unantastbarkeitsprinzip" gegenüber "Heilsbringern" hält Reichelt nichts und wünscht sich, "dass die Menschen mit mir so energisch und aggressiv diskutieren wie ich auch diskutiere".

Sein "exzessives Twittern" habe er vor zweieinhalb Jahren aufgegeben und sieht es im Nachhinein als Fehler, sich in jede Debatte zu stürzen: "In einer Blase zu argumentieren, ist vollkommen hoffnungslos. Man geht immer als Verlierer heraus." "Bild" überlege gar, ihre Aktivitäten in sozialen Netzwerken einzuschränken, sagt Reichelt: "Wir füllen die Kassen von amerikanischen Plattformen dadurch, dass wir uns gegenseitig zerfleischen und schaden. Twitter lebt davon, dass Menschen sich gegenseitig schaden."

Auch mit "Bild" will Reichelt nicht "Ärgermacher aus Prinzip" sein: "Wir sollten 'Bild' nicht instrumentalisieren, um unsere eigenen Ansichten zu befeuern. Schon gar nicht sollten wir 'Bild' nutzen, um uns über andere Menschen zu erheben." (Foto: picture alliance/Norbert Schmidt)
soundcloud.com (53-Min-Audio)



Weitere Zitate aus dem Podcast:

Julian Reichelt über Wissenschaftler, die sich von der "Bild"-Berichterstattung distanzieren:
"Wissenschaft kann sich nicht aussuchen, wo sie abgebildet wird."

... über "Duelle":
"Ich möchte keine Duelle. Ich weiß, wozu Duelle führen und wie Menschen nach einem Duell aussehen. Und ich bin froh, dass es sowas bei uns nicht gibt."

... über den Unterschied von Wahrheit und Fakten:
"Ich glaube nicht an Wahrheit, aber an die bestmögliche Version der Fakten, die wir vor Deadline recherchieren können."

... über seinen Ruf, einen militärischen Führungsstil zu pflegen:
"Nichts schafft eine größere Abneigung zum Militärischen und zum Krieg als zehn Jahre im Krieg verbracht zu haben. Ich mag keine Waffen, ich finde Waffen nicht faszinierend."

"Wenn der Führungsstil militärisch wäre, gäbe es deutlich weniger Debatten bei uns."

... über Diskussionen in Blasen:
"Wir leben in einer Zeit, in der Öffentlichkeit aus verschiedenen Blasen besteht, die nahezu keine Überschneidungspunkte mehr haben."

... über "Bild" als Ventil:
"'Bild' gibt Menschen, die radikalismusgefährdet sind, eine Stimme, bevor sie sich radikalisieren."

... über Twitter-Krawall:
"Twitter als Krone der Social-Media-Niedertracht lebt davon, dass Menschen aufeinander losgehen, sich gegenseitig schaden und sich selbst schaden. Sich durch eine dumme Äußerung selber vernichten, ist das, was auf Twitter am besten funktioniert."

"Es kann nicht sein, dass wir diejenigen, die das Konzept Free Media am meisten untergraben, nämlich Social Media, dass wir denen die Kassen mit unserem Streit füllen. Das ist inzwischen meine Überzeugung."

... über "Bild"-Kritiker:
"Die wissenschaftliche Disziplin 'Bild -Kritik' besteht in allererster Linie daraus, 'Bild' nicht zu lesen. Das ist die einzige wissenschaftliche Disziplin der Welt, in der man sich ausdrücklich und stolz nicht mit dem Forschungsobjekt beschäftigt, sondern zu seinen Einschätzungen kommt, ohne sich damit zu beschäftigen."

Mathias Döpfer über "Bild"-Kritiker:
"Ich freue mich über jeden, der 'Bild' kritisiert. Das ist gut und wichtig. Aber eines ist Voraussetzung: Ich muss es schon lesen. Wass ich immer häufiger höre ist: 'Ich kann es nicht mehr lesen, ich lese es nicht mehr, aber ich weiß trotzdem, was drinsteht.' Das ist einfach nicht mehr akzeptabel: Haut drauf, aber bitte nach Lektüre."

... über das Rezo-Video zur "Zerstörung der Presse".
"Da sollte man ganz gelassen reagieren. Nicht alles, was uns nicht gefällt, ist deswegen kein Journalismus. Natürlich ist das hervorragender Journalismus, auch wenn er in der These und der Beweisführung meines Erachtens sehr brüchig ist."

Meinung: Medien stecken bei Rezos Kritik in einem Dilemma, findet Daniel Bouhs.

Rezo-Video ist "ein Stück Medienkompetenz, wie sie in dieser Zeit mehr denn je nottut", kommentiert Daniel Bouhs beim RBB. Seriöse Medien steckten "in einem Dilemma", da sie Exklusivmeldungen aus Politik oder Wirtschaft, die auch von Boulevardtiteln wie der "Bild" stammen, ihrem Publikum nicht verschweigen könnten. Auch die Klatschpresse werde ihr Vorgehen angesichts der Auflagen wohl nicht ändern.
rbb24.de, turi2.de (Background)

Renner: Friede Springer soll sich beim Vorstand über Julian Reichelt beschwert haben.

Unfriede: Die nicht gerade diplomatische Art von "Bild"-Chefredakteur Julian Reichelt stößt bei Verlegerin Friede Springer offenbar übel auf. Sie habe sich vor ein paar Wochen beim Springer-Vorstand "sehr emotional" über Reichelts "aggressiven Kampagnen­journalismus" beschwert, hört Kai-Hinrich Renner von mehreren, voneinander unabhängigen Quellen im Verlag. Ein Sprecher will den Vorfall nicht kommentieren, betont aber das "Chefredakteursprinzip" und die "offene Streitkultur" im Haus, bei der die Redaktionen "nicht versuchen zu schreiben, was Vorstand und Eigentümer für richtig halten".
berliner-zeitung.de

Zitat: Thomas Knüwer findet Steingarts Morning Briefing “schlicht unerträglich”.

"Das Ausmaß an Verdrehungen, Fehlern und Unhöflichkeiten, die Steingart produziert, ist für mich schlicht unerträglich."

Journalist und Digitalberater Thomas Knüwer wollte sechs Monate das Morning Briefing von Gabor Steingart auf Unstimmigkeiten prüfen, nach vier Monaten musste Knüwer zum Schutz seiner - so schreibt er - "persönlichen Psychohygiene" aufgeben.
indiskretionehrensache.de

Virologe Christian Drosten ist für Gespräch mit “Bild” bereit, Julian Reichelt sagt zu.

Gesprächsbereit: Virologe Christian Drosten macht "Bild" im Streit um die Interpretation seiner Studie ein Gesprächsangebot. Im "FAZ"-Podcast sagt Drosten: "Ich würde durchaus soweit gehen, auch der 'Bild'-Zeiitung anzubieten, mal drüber zu reden." "Bild"-Chef Julian Reichelt reagiert bei Twitter, er sei "zu jeder Zeit und an jedem Ort bereit". Dabei sieht Reichelt die "FAZ" als Vermittler und regt ein Dreier-Gespräch an mit ihm, Drosten und Andreas Krobok, Moderator des "FAZ"-Podcasts. Das Gespräch könnte dann bei Bild.de und Faz.net laufen.
kress.de, faz.net (Paid), faz.net (Podcast, ab 18.00 Min), twitter.com (Reaktion Reichelt)

Britische Statistiker distanzieren sich von “Bild”-Berichten über Drosten-Kritik.

Bild vs. Drosten: Die beiden britischen Statistik-Professoren David Spiegelhalter und Kevin McConway, die "Bild" als Kronzeugen für Kritik an der Studie von Virologe Christian Drosten (Foto) findet, distanzieren sich von den "Zeitungs-Attacken" auf Drosten und sein Team. Inhaltlich bleiben sie bei ihrer Kritik an der Statistik der Studie.
tagesspiegel.de, twitter.com/c_drosten, turi2.de (Background)

Journalist*innen müssen sich “gegenseitig als Kontrollinstanz hart angehen”, findet Rezo.

Journalismus: Unethisches Verhalten von Journalist*innen "kann nicht als Einzelfallproblem abgetan werden", schreibt Rezo in seiner "Zeit"-Kolumne. Es sei "Teilursache des Grundmisstrauens von großen Teilen der Bevölkerung gegenüber der Presse". Um es abzubauen, sei "moralische Integrität" nötig. Im konkreten Fall – "Bild"-Reporter haben Sidos Haus gefilmt, was der sich verbat – stört Rezo, dass Journalist*innen sich nicht "auch gegenseitig als Kontrollinstanz immer wieder hart angehen".
zeit.de

“New York Times” wirft Weinstein-Enthüller Ungenauigkeit vor.

USA: Die "New York Times" wirft dem "New Yorker"-Journalisten Ronan Farrow vor, im Fall Harvey Weinstein lückenhaft recherchiert zu haben. Farrows Recherchen über die Missbrauchs­vorwürfe haben den Hollywood-Produzenten maßgeblich zum Fall gebracht. Der Medienjournalist Ben Smith beanstandet, Farrow habe Ungenauigkeiten in vage Darstellungen verpackt, ohne Belege zu liefern. Er habe über Macht und ihren Missbrauch das erzählt, was die Leser glauben wollten. Farrow und der "New Yorker" widersprechen den Vorwürfen.
spiegel.de, nytimes.com