“Münchner Merkur” trennt sich nach erfundenem Papst-Treffen von einem Reporter.


Du sollst nicht lügen: Der "Münchner Merkur" trennt sich von einem freien Mitarbeiter, der sich zuvor mit einem Papst-Treffen schmückte, obwohl er selbst nicht vor Ort war, schreibt die "Süddeutsche Zeitung". Der Reporter hatte seinen Text auf Basis von BR-Recherchen verfasst, der gemeinsam mit der Zeitung im Vatikan angefragt hatte. Zum Zeitpunkt des Treffens war der Reporter vom "Münchner Merkur" nicht in Rom, sodass nur der BR den emeritierten Papst Benedikt XVI. besuchte, was der Reporter nicht kenntlich machte.

Anfang Januar titelte der "Münchner Merkur" irreführend "Unsere Zeitung zu Besuch bei Benedikt XVI". Dass der Reporter nicht persönlich vor Ort war, bestätigt der Autor auf Anfrage der "Süddeutschen Zeitung" und bittet für den falschen Eindruck um Entschuldigung. Er wollte sich "umständliche Erklärungen" im Artikel sparen. Für den Text habe der Reporter autorisierte Zitate verwendet.
sueddeutsche.de

Die Murdochs streiten über den Klimawandel.

Klimadebatte entzweit die Murdochs: Medienmogul Rupert Murdoch (Foto) gilt als Klimaskeptiker, seine Zeitungen und Sender in Australien bestreiten einen Zusammenhang zwischen den Buschbränden und dem Klima­wandel. Sohn James und seine Ehefrau Kathryn missfällt diese Sichtweise, die Berichterstattung der konzerneigenen Medien frustriere sie.
theguardian.com via handelsblatt.com

Deutsche Welle nimmt Stellung zu Belästigungs-Vorwürfen aus dem “Guardian”.

Deutsche Welle reagiert auf Vorwürfe aus einem Guardian-Artikel, wonach es in der Redaktion zu Mobbing, Belästigung und Rassismus gekommen sein soll und die meisten aus Angst nicht offen darüber sprechen würden. Die Deutsche Welle nennt die Schlagzeilen "unbegründet", die zitierten Vorfälle lägen mehr als 18 Monate, teilweise "noch deutlich weiter" zurück. Außerdem fehle in dem Artikel der Hinweis, dass der Sender "in allen damals bekannt gewordenen Fällen unmittelbar gehandelt hat". Intendant Peter Limbourg habe 2018 eine interne Aufklärungskampagne initiiert und bekannt gewordene Fälle mit arbeitsrechtlichen Maßnahmen geahndet. Die Deutsche Welle kritisiert, dass der "Guardian"-Autor ein ehemals Freier des Senders ist, der die DW "im Unfrieden verlassen musste".
dw.com, dwdl.de

Landesmedienanstalt Saarland: Linke fordern, die Direktorenwahl zu verschieben.

Landesmedienanstalt Saarland: Die oppositionelle Linksfraktion im saarländischen Landtag fordert aufgrund "erheblicher rechtlicher Bedenken" eine Verschiebung der Direktorenwahl, schreibt Medienkorrespondenz. Die CDU-Landtagsabgeordnete Ruth Meyer (Foto) wurde von ihrer Fraktion bereits vor der Bekanntmachung der Stellenausschreibung für das Direktorenamt nominiert und hatte dies auch öffentlich gemacht.
medienkorrespondenz.de, turi2.de (Background)

Video-Tipp: Walulis knöpft sich die Recherchemethoden der “Bild” vor.

Video-Tipp: Die Satire-Sendung Walulis von Funk knöpft sich die Recherchemethoden der "Bild" vor, die nach dem Raser-Unfall in Südtirol eine nicht involvierte Frau fälschlicherweise für tot erklärte. Walulis fantasiert im Stil des Boulevardblattes, wie die fiktive Todesmeldung von "Bild"-Chef Julian Reichelt aussehen könnte.
youtube.com (9-Min-Video)

Urteil: Recherchezentrum Correctiv darf “Tichys Einblick” öffentlich kritisieren.

Tichys Einblick darf vom Recherchezentrum Correctiv unter bestimmten Umständen als "teils falsch" gekennzeichnet werden, zitiert die "FAZ" aus dem 45-seitigen Urteil des Landgerichts Mannheim. Zur Presse gehöre auch die Medienkritik, eine "Begleiterscheinung funktionsgerechten Pressehandelns". Roland Tichy hatte wegen unlauteren Wettbewerbs geklagt.
faz.net (Paid)

Ministerpräsident Laschet ermahnt öffentlich-rechtlichen Rundfunk zu Kostendisziplin.


Unterwegs mit Ihren Gebühren? Öffentlich-rechtliche Sender haben "eine privilegierte Stellung" mit "überdurchschnittlichen Gehältern", mahnt NRW-Ministerpräsident Armin Laschet im "Spiegel"-Interview. Die Medienlandschaft stehe "insgesamt unter Druck", ganze Lokalzeitungsredaktionen würden geschlossen. Dagegen sei im öffentlich-rechtlichen Rundfunk alles "staatlich garantiert, egal ob es einer schaut oder nicht." Mit Blick auf die "Umweltsau"-Satire erwartet Laschet "auch eine gewisse Verantwortung". Die Ausgaben für Sportlizenzen seien "absurd", dort müssten die Sender "behutsamer und sparsamer" sein. Auch die Honorare für "Moderatoren von Samstagabendshows" erscheinen Laschet "teilweise zu hoch".

Dass die ARD mittels Framing versuchte, das Image aufzupolieren, sei "alles andere als hilfreich". Es dürfe nicht "der Eindruck eines Schönsprechs erzeugt werden". Haltung ersetze nicht Qualität. "Bei denen, die das System prinzipiell ablehnen, hilft nichts mehr", resigniert Laschet. Die öffentlich-rechtlichen Medien berichten "professionell, kompetent und objektiv", lobt der NRW-Ministerpräsident. Mit knapp 400.000 Euro im Jahr verdient Buhrow fast doppelt so viel wie der Ministerpräsident, schreibt der "Spiegel". "Ich neide Tom Buhrow sein Gehalt nicht", gibt sich Laschet gelassen, "jeder Sparkassendirektor" erhalte mehr als ein Ministerpräsident.
"Spiegel" 3/2019, S. 78-79 (Paid)

“Spiegel” widerspricht Vorwurf der Befangenheit bei Atomkraft-Berichten.

Spiegel weist die Vorwürfe von Journalist Oliver Neß, der dem Magazin eine Befangenheit bei der Atomkraft-Berichterstattung vorwirft, als "absurd" zurück. Zwar habe die Stiftung von Bill Gates, Microsoft-Gründer und Nuklearinvestor, die Redaktion finanziell unterstützt, eine redaktionelle Einmischung oder Befangenheit habe es aber nie gegeben. Neß habe vor seiner Veröffentlichung kein "Spiegel"-Statement angefragt, beklagt das Magazin.
twitter.com ("Spiegel"-Statement), mmm.verdi.de (Kritik von Neß)

Zitat: Öffentlich-Rechtliche haben keinen Erfolgsdruck, moniert Armin Laschet.

"Es kann nicht sein, dass Sie in Deutschland alles kritisieren dürfen, vom Papst abwärts – nur nicht die Beiträge des Westdeutschen Rundfunks. "

NRW-Ministerpräsident Armin Laschet moniert im "Spiegel"-Interview, der öffentlich-rechtliche Rundfunk habe keinen Erfolgsdruck, deshalb erwarte er, dass Redakteure kritikfähiger sind.
"Spiegel" 3/2020, S. 78 (Vorab), turi2.de (Background)

Meinung: Umweltsau-Skandal ist völlig unnötig, schreibt Uwe Jean Heuser.

Umweltsau-Skandal hat "etwas Tieftrauriges, weil er so unnötig ist", kommentiert Wirtschafts-Ressortleiter Uwe Jean Heuser (Foto) in der "Zeit". WDR-Intendant Tom Buhrow hätte wissen können, "wie sensibel der Umgang mit Satire" in Zeiten rechter Kritiker ist. Auch die "Attacke" der Redakteure auf Buhrow sei "völlig überzogen". Sich einmal infrage zu stellen, hätte allen Beteiligten enorm geholfen.
"Zeit" 3/2020, S. 20 (Paid)

“Bild” macht RTL wegen Buschfeuern das “Dschungelcamp” madig.

ibes Dschungelcamp Logo 150Dschungelcamp: "Bild" findet mehr als ein Dutzend Politiker und Ex-Kandidaten, die eine Absage der RTL-Show wegen der Buschfeuer in Australien fordern. Ex-Dschungelkönig Peer Kusmagk regt an, die Gewinnprämie zu spenden, der frühere "Glücksrad"-Moderator Peter Bond echauffiert sich, "die Einnahmen sind dem Sender wichtiger als moralische Bedenken". SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach sagt, er könne die Show "auch grundsätzlich entbehren". RTL betont, die Brände seien mehrere Hundert Kilometer von dem Camp entfernt.
bild.de, turi2.de (Background)

“Bild” zeigt falsches Unfall-Opfer.

bildlogoBild erwischt beim Zusammenklauen von Opfer-Fotos des Auto-Unfalls in Südtirol eine Frau, die mit dem Unfall nichts zu tun hat und bei bester Gesundheit ist, berichtet Bildblog. Einige Fotos der tatsächlichen Opfer sind verpixelt, aber offenbar erst nach Intervention der Angehörigen. Im Fall des Polizei-Einsatzes in der Silvesternacht in Leipzig-Connewitz zeigt "Bild" einen Screenshot aus einem Video, dessen Nutzung Zeit Online zuvor explizit untersagt hatte.
bildblog.de (Südtirol), twitter.com/ChristianFuchs_ (Leipzig)

Intendant Tom Buhrow stellt sich der Kritik von WDR-Redakteuren.

WDR: Intendant Tom Buhrow hat sich vor 700 Mitarbeitern zum "Umweltsau"-Video und der umstrittenen Löschung erklärt. Ein Teilnehmer der nicht-öffentlichen Versammlung sagt dem "Spiegel", Buhrow habe im Prinzip gesagt, dass er wieder so handeln würde. Zugleich habe er die Mitarbeiter ermutigt, dass "alle unbedingt so weitermachen sollten wie bisher", es dürfe und solle weiter experimentiert werden. DWDL berichtet, es sei im Saal "hoch her" gegangen, offen und konstruktiv sei der Dialog ‐ anders als von der Pressestelle dargestellt ‐ nicht gewesen. Unmut kam auf, weil sich Buhrow wegen anderer Termine vorzeitig aus dem Treffen verabschiedet habe.
spiegel.de, dwdl.de, welt.de

Umweltsau: Hunderte demonstrieren in Köln für und gegen Öffis.


Demo vor dem Sender: Das Umweltsau-Video des WDR zieht am Samstag mehrere Demos in Köln vor dem Sender-Gebäude nach sich. Hunderte demonstrieren für bzw. gegen den öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Unter anderem versammelten sich verschiedene rechte Gruppen sowie eine Gegenkundgebung, an der auch Verdi und der DJV teilgenommen haben. DJV-Chef Frank Überall, auch freier Journalist beim WDR, sagte, die Umweltsau-Satire verletze keine Rechte und müsse deshalb ausgehalten werden – auch von einem Intendanten. Tom Buhrow hat sich für das Video entschuldigt, der WDR hat es gelöscht, die Redakteursvertretung den Schritt in einem internen Schreiben scharf kritisiert.
dwdl.de, bild.de, deutschlandfunk.de, turi2.de (Background)

Meinung: Öffentlich-Rechtliche müssen Freie besser vor Hetzkampagnen schützen.

Öffentlich-rechtliche Sender schützen ihre Freien nicht genug vor rechten Angriffen, kritisiert Peter Weissenburger und nennt Richard Gutjahr (Foto) und den BR sowie Danny Hollek und den WDR als aktuellste Beispiele. Die Sender unterschätzten nicht nur "die Geschwindigkeit, in der Hass auf Einzelne niedergehen kann", sondern auch, dass ihre Freien viel angreifbarer seien als Festangestellte. Die Sender seien "nicht auf derartige juristische Projekte" eingestellt.
taz.de, turi2.de (Gutjahr), turi2.de (Hollek)

“Focus”: Leyendeckers Ex-Kollegen erinnern sich anders als er an Bad-Kleinen-Recherche.

Spiegel: Ex-Mitarbeiter erinnern sich in "entscheidenden Punkten" anders an die Hintergründe der Berichterstattung zum Fall Bad Kleinen als Reporter Hans Leyendecker, schreibt der "Focus". Es geht vor allem darum, ob es für den Artikel wirklich einen Informaten oder nur einen anonymen Anrufer gab, die Relotius-Kommission wertet dazu gerade Leyendeckers damalige Recherche aus. Laut "Focus" sagen Leyendeckers Ex-Kollegen u.a., es habe keinen Mittelsmann zum zitierten Zeugen gegeben.
"Focus" 2/2020, S. 40-43 (Paid), turi2.de (Background)

Umweltsau: WDR-Redakteursrat wirft Tom Buhrow “Verletzung der Rundfunkfreiheit” vor.


Weiter durch's Dorf getrieben: Die Redakteursvertretung des WDR kritisiert Tom Buhrow und das "schlechte Krisenmanagement der Geschäftsleitung" im Hinblick auf das "Umweltsau"-Video, zitiert Stefan Niggemeier aus einem Schreiben aus dem WDR-Intranet. Das Gremium sei irritiert von der "eklatanten Verletzung der inneren Rundfunkfreiheit". "Zeitnah" solle eine außerordentliche Redakteursversammlung einberufen werden.

WDR-Intendant Tom Buhrow meldet sich derweil im "Spiegel"-Interview zu Wort: "Man wird doch noch mal Entschuldigung sagen dürfen, ohne dass einem gleich Zensur vorgeworfen wird." Der WDR habe Hunderte Anrufe von "Seniorinnen und Senioren und deren Enkeln" erhalten. Buhrow kommentiert weiter: "Wir können doch nicht einfach so tun, als ob es nicht zählt, wenn sich ein großer Teil unseres Publikums zu Unrecht angegriffen fühlt. Soll ich denen sagen: Sie sitzen einer rechten Instrumentalisierung auf, und Ihre Gefühle sind deshalb irrelevant?"

Buhrow rechtfertigt die Sperre außerdem damit, dass das Video nicht direkt als Satire gekennzeichnet gewesen sei. Niggemeier weist jedoch darauf hin, dass das Lied seinen Ursprung bereits in der WDR5-Sendung "Satire Deluxe" in einer kürzeren Version am 9. November hatte.
uebermedien.de, Spiegel 2/2020 (Paid), spiegel.de (Zusammenfassung), dwdl.de

Zitat: Tom Buhrow will sich ohne Zensur-Vorwurf entschuldigen können.

"Wir wollen weiter unbequem sein. Man wird doch noch mal Entschuldigung sagen dürfen, ohne dass einem gleich Zensur vorgeworfen wird."

WDR-Intendant Tom Buhrow sagt im "Spiegel"-Interview, dass ihm de "Umweltsau"-Debatte "etwas konstruiert" vorkommt. "Eingeschüchterte Redakteure" seien ihm bisher nicht begegnet.
Spiegel 2/2020 (Paid), spiegel.de (Zusammenfassung), dwdl.de

Weitere Zitate aus dem Interview:

"Wir hatten wirklich Hunderte Seniorinnen und Senioren und deren Enkel am Telefon. Uns war sofort klar, diese Menschen waren nicht Teil einer orchestrierten Sache."

"Wir können doch nicht einfach so tun, als ob es nicht zählt, wenn sich ein großer Teil unseres Publikums zu Unrecht angegriffen fühlt. Soll ich denen sagen: Sie sitzen einer rechten Instrumentalisierung auf, und Ihre Gefühle sind deshalb irrelevant?"

"Dass Herr Laschet sich geäußert hat, hat es eher schwieriger gemacht zu reagieren."

"Es politisieren zu wollen, dass Kinder ein Kinderlied singen, finde ich absurd. Kinder spielen im Fernsehen und im Hörfunk überall eine Rolle, auf Spendengalas, bei Weihnachtskonzerten. Ich glaube, selbst auf Wahlplakaten von Politikern."

"Wir haben jede Woche zuhauf Beiträge, die kontrovers sind, die Mächtige kritisieren, die Missstände aufspießen. Da braucht sich niemand Gedanken zu machen. Ich erlebe auch den WDR nicht so, dass hier eingeschüchterte Redakteure herumlaufen."

Richard Gutjahr verlässt den BR und kritisiert Intendant Wilhelm.

BR: Richard Gutjahr verlässt die Anstalt nach 22 Jahren als fester freier Mitarbeiter. In einem offenen Brief an BR-Intendant Ulrich Wilhelm kritisiert er den Umgang mit freien Mitarbeitern scharf. Der BR habe Gutjahr und seine Familie mit dem "Hass und der Hetze" in Folge seiner ARD-Berichterstattung allein gelassen. Gutjahr wirft Wilhelm vor, den Rundfunkrat mit Unwahrheiten getäuscht zu haben. Nachdem Gutjahrs Rechtsschutzversicherung ihm nach einem Jahr kündigte, bat der Journalist den BR um juristische Unterstützung, die ihm verwehrt worden sei.
gutjahr.biz

Medien sollten die Radikalität aus dem Netz nicht übernehmen, warnt Schröder.

Bild: Gerhard Schröder wirft dem Boulevardblatt im Interview mit der "Neuen Osnabrücker Zeitung" vor, Formen von Diffamierung aus den sozialen Medien in den Printbereich zu übertragen. Dies sei kein Erfolgsrezept gegen sinkende Auflagen. Medien sollten die "Radikalität" nicht überbieten, diesen Wettbewerb könne der Journalismus nie gewinnen. Der Ex-Kanzler brauchte einst "nur 'Bild', 'BamS' und Glotze" zum Regieren.
noz.de

Meinung: TikTok ist als App oft älter als die minderjährigen Nutzer.

TikTok: Die noch junge App ist oft älter als die meist minderjährigen Nutzer, beklagt Grundschullehrer und Influencer Basti im "Spiegel"-Interview. Viele Kinder verwendeten TikTok schon mit sechs Jahren und damit früher als Plattformen wie Facebook. Eltern rät der Lehrer einen gemeinsamen Account anzulegen, um die Aktivitäten des Nachwuchses nachverfolgen zu können.
spiegel.de

Meinung: Medien sollten Landwirtschaftsthemen nicht zu sehr emotionalisieren.

Agrarlobby: Medien sollten differenzierter über die Landwirtschaft berichten, fordert Ralf Stephan, Chefredakteur der "Bauernzeitung", in der "Süddeutschen Zeitung". Die Themen Tiere und Ernährung treffe Leser emotional, sodass einige Medien das "Skandalisierungspotenzial" für Auflage missbrauchten. Einige Bauern müssten "erst noch lernen", dass Medien auf Missstände hinweisen müssen.
"Süddeutsche Zeitung", S. 24 (Paid)

“Spiegel” startet 2020 eine Ombudsstelle.

Spiegel richtet eine Ombudsstelle ein, die Hinweise auf Unregelmäßigkeiten annimmt, auch anonyme, und gemeinsam mit der Aufklärungskommission prüft, schreibt Chefredakteur Steffen Klusmann in einer Art Jahresend-Fazit "Ein Jahr Relotius-Skandal". Der Betrug wirke bis heute nach, der "Spiegel" habe aber seine Lehren daraus gezogen.
spiegel.de

Aus dem turi2.tv-Archiv (05/2019): "Spiegel"-Chef Steffen Klusmann über die Konsequenzen aus dem Relotius-Skandal

Lese-Tipp: Ralf Heimann erklärt Heuristiken von Journalisten.

Lese-Tipp: Ralf Heimann schreibt eine Bildblog-Serie über Fehler, die Journalisten machen. Etwa, Heuristiken zu nutzen: Wenn Infos fehlen, um eine Situation anhand Fakten einzuschätzen, und sie deshalb raten – und dabei Wahrscheinlichkeiten falsch einschätzen, sich von ihren Erinnerungen in die Irre führen lassen oder den Einfluss des Unsichtbaren unterschätzen.
bildblog.de

dpa-Umfrage: Redaktionen prüfen Texte seit Relotius-Skandal häufiger.

Redaktionen haben nach dem Relotius-Skandal ihre internen Abläufe und Standards überarbeitet und führen mehr Faktenchecks durch, sagt eine Umfrage der dpa. Bei der "taz" entstand zudem ein "Relotius-Stammtisch" aus Reportern, der WDR arbeitet am Papier "10 Grundsätze zur Glaubwürdigkeit", die "Zeit" prüft monatlich Artikel, die ein Zufallsgenerator auswählt.
rnd.de

Zitat: ZDF-Chefredakteur Peter Frey will AfD-Mann Björn Höcke keine Bühne mehr bieten.

"Wir Medien haben niemanden zu erziehen. Aber wir müssen zeigen, wo die Grenzen demokratischer Gesinnung verlaufen."

ZDF-Chefredakteur Peter Frey sagt in einem Streitgespräch der "Zeit", dass sein Sender, AfD-Politiker Björn Höcke nicht mehr in Talkshows einladen will.
"Zeit" 53/2019 (Paid), zeit.de (Vorabmeldung)

Weitere Zitate:

"Wir sind zu alt geworden, nicht nur was unsere Zuschauer angeht, sondern auch beim Personal. Und wir sind nicht divers genug. Darunter leiden wir. Wir brauchen ja auch Experten für migrantische Lebenswirklichkeiten."

"Leider kriegen wir nicht alle Gäste mit Migrationshintergrund, die wir gern hätten. Manche schlagen unsere Einladung aus, weil sie nach Auftritten schon viele Anfeindungen erlebt haben. Ich finde das besorgniserregend."

"Zum Glück sind die Zeiten der alten Bundesrepublik vorbei, als man im Sender wusste, wer in welches politische Lager gehörte, und das Karrieren befördert hat."

"Ich kann das heutige Gerede, der deutsche Journalistenstand hätte einen rot-grünen Einschlag, nicht nachvollziehen. Ich sehe das beim ZDF nicht."

Meinung: Weniger ist in den Medien oft mehr, findet der Journalist Christian Lindner.

Journalismus: Weniger ist oft mehr, kommentiert der Journalist Christian Lindner, Ex-Chef der "Rhein-Zeitung" und Ex-Vize bei der "Bild am Sonntag", im Fachmagazin "Journalist". Es sei ein Irrtum, wenn Journalisten glaubten, die Menschen würden Medien so viel nutzen wie die Medienmacher selbst. Die Konsumenten brauchten "Welterklärungsangebote", die mit ihrem "individuellen Leben" zu tun haben.
journalist-magazin.de

“Süddeutsche Zeitung” analysiert Strafanzeige der Bafin gegen die “Financial Times”.


Vermuten viel, beweisen wenig: Die "Süddeutsche Zeitung" zitiert aus der bisher geheimen Klage der Bafin gegen die "Financial Times". Die Börsenaufsicht hat sie im März wegen des Verdachts der Marktmanipulation eingereicht. Es geht um die Berichterstattung der Zeitung in Bezug auf Wirecard, die einen Sinkflug der Aktie des Unternehmens nach sich zog. Laut "Süddeutscher Zeitung" zeigt das Dokument vor allem, dass fraglich ist, ob europäische Vorschriften zum Schutz des Aktienhandels auf die Arbeit von Journalisten anzuwenden sind.

Das Presseverständnis der Bafin sei schwierig, sie argumentiere in der Anzeige mit Formeln gegen Marktmissbrauch, die "mit der Arbeit der Presse wenig zu tun haben". Die Indizienlage gegen die "FT"-Journalisten sei indes dünn. Die Bafin unterstellt dem Journalisten Dan McCrum z.B., seinen Bericht über mehrere Tage gestreckt zu haben – laut Börsenaufsicht ein Anhaltspunkt dafür, die Aktie nachhaltig beeinflussen zu wollen. Wirecard selbst hat Anfang des Jahres vor dem Landgericht München eine Zivilklage auf Schadenersatz gegen die Zeitung und den Journalisten eingereicht.
sueddeutsche.de, turi2.de (Background)

Studie: 65 % der Südosteuropäer sind der Meinung, Öffentlich-rechtliche werden politisch beeinflusst.

Öffentlich-rechtliche Medien werden von zwei Drittel der Mediennutzer in Südosteuropa als wichtiger Bestandteil der Demokratie angesehen, erklärt Hendrik Sittig eine KAS-Studie im DW-Interview. Dennoch sind fast 65 % der Nutzer der Meinung, die Sender seien politischer Beeinflussung ausgesetzt. Diese zeige sich besonders durch die finanzielle Abhängigkeit der Sender sowie den politischen Einfluss in den Rundfunkräten.
dw.com

Niggemeier: Medien interpretieren Bericht zu ARD- und ZDF-Publikum falsch.

Publikum der ARD- und ZDF-Nachrichten ist nicht so links, wie u.a. "Welt am Sonntag", "Tagesspiegel" und "NZZ" es darstellen, kritisiert Stefan Niggemeier. Er schaut sich den zugrundeliegenden Bericht des Reuters Institutes an, aus dem v.a. Konservative ableiten, die "Tagesschau" und "Heute" erreichten die Mitte der Gesellschaft nicht mehr. Niggemeier vermutet, dass die kritisierten Medien eine Grafik des Berichts falsch interpretieren.
uebermedien.de

Roma-Doku von Sat.1 ist tendenziös, sagt Politologe Hajo Funke.

Medienkritik: Die Doku "Roma: Ein Volk zwischen Armut und Angeberei", die Sat.1 im August ausgestrahlt hat, ist diskriminierend und tendenziös, sagt das Gutachten des Politologen Hajo Funke. Sie erfülle die Kriterien der Volksverhetzung. Sat.1 sperrt die Sendung im Archiv, weist die Kritik aber zurück. Die Doku sei ausgewogen und "journalistisch einwandfrei". Die Landesmedienanstalt Rheinland-Pfalz prüft mehrere Beschwerden.
taz.de

Zitat: Tilo Jung will Altem nicht hinterhertrauern.

"Es hilft auch nichts, jetzt darüber zu klagen, dass die einen nicht mehr drucken, die anderen nicht mehr finanzieren, die dritten das Gedruckte nicht mehr lesen, die vierten alles gratis haben wollen. Das ist so sinnlos, wie wenn ich Leute beschimpfe, die AfD gewählt haben."

Tilo Jung, "freier Chefredakteur" seines Politik-Kanal für Desinteressierte, will im Interview mit der Wochenzeitung "Kontext", Altem nicht hinterhertrauern.
kontextwochenzeitung.de

Lese-Tipp: “Berliner Zeitung”-Herausgeber Michael Maier warnt vor Vorverurteilungen.

Lese-Tipp: Michael Maier, Herausgeber der "Berliner Zeitung", warnt im Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" nach der Stasi-Enthüllung über Verleger Holger Friedrich vor einer Vorverurteilung. Es sei "verstörend, wie weit die Schatten der Vergangenheit in eine Gegenwart reichen".
"Süddeutsche Zeitung", S. 23 (Paid)

Meinung: Die Direktion der Landesmedienanstalt im Saarland wird Erbhof der CDU.

Medienanstalten: Die Direktion der Landesmedienanstalt im Saarland ist ein Erbhof der CDU, kommentiert Volker Nünning im Fachmagazin Medienkorrespondenz. Die seit 2001 gängige Praxis, dass CDU-Politiker aus dem Landtag "nahtlos" auf den Chefposten wechseln, werde mit der Nominierung der CDU-Abgeordneten Ruth Meyer (Foto) fortgeschrieben. Die Kritik der Opposition drohe erneut zu scheitern.
medienkorrespondenz.de

Zitat: Journalisten können Karren nicht aus dem Dreck ziehen, sagt Wolfgang Messner.

"Nun sollen also die Journalisten der Blätter, die von den Verlegern inhaltlich ausgehöhlt, kaputtgespart und fusioniert werden, ihr 'Gesicht zeigen' und die Karre aus dem Dreck ziehen."

"Wirtschaftsjournalist"-Chefredakteur und ProRecherche-Gründer Wolfgang Messner findet, die Aktion "Journalismus zeigt Gesicht" zeige, "wie weit den Verlagen schon das Wasser zum Hals steht".
kontextwochenzeitung.de

Landgericht Berlin untersagt Vice und Buzzfeed Verdachtsberichte über Berliner Arzt.

Verdachtsberichterstattung: Das Landgericht Berlin bestätigt eine einstweilige Verfügung gegen Berichte von Vice und Buzzfeed über einen Berliner Arzt, der homosexuelle Patienten sexuell missbraucht haben soll. Das Gericht wertet die Berichte als vorverurteilend und vermisst eine Distanzierung zu Aussagen der Patienten. Der Beschuldigte selbst wollte keine Stellung nehmen.
sueddeutsche.de

Basta: “Elle” sieht bei farbigen Models schwarz.

Schwarzes Debak-Elle: Burdas deutsche "Elle" titelt "Back to Black" und kürt farbige Models als Inspirationsquelle auch abseits der Laufstege. Cover-Model Gertrud Hegelund ist aber nur deshalb schwarz, weil das Titelfoto schwarz-weiß ist, sonst hat sie helle Haut, blondes Haar und dänische Wurzeln. Auch im Heft nimmt es "Elle" mit farbigen Models nicht so genau und deklariert Naomi Chin Wing als Janaye Furman.
fashionista.com, instagram.com


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Not a good look, @ellegermany . For their November 2019 issue, the presumably white-led publication declares that “black is back”. Ironic when they, along with much of the fashion industry, have been complicit in denying visibility to black models until relatively recently. Oh, and apparently they can’t actually tell models apart. In the bottom middle, a picture of @naomichinwing is used in place of @iam_janaye . And @joansmalls has been around for a minute/hasn’t gone anywhere lmao. The issue, titled “Back to Black”, also features a white model on the cover. You can’t make this stuff up! • #elle #ellemagazine #ellegermany #naomichinwing #janayefurman #models #blackmodels #modelsofcolor #runway #fashionweek #fashionmonth #pfw #nyfw #mfw #lfw #paris #london #milan #nyc #wtf #fail #magazine #print #editorial #editor #editorinchief #media #sabinenedelchev #dietprada

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Meinung: Grönemeyer-Gesundheitsmagazin kann Werner Bartens nicht überraschen.

Gesundheitsblatt Professor Dietrich Grönemeyer von Funke dürfte den Lesern gut als "Einschlafhilfe dienen", urteilt Werner Bartens. Die Themen Rücken, Demenz, Wechseljahre und Yoga seien vorhersehbar, die Umsetzung beliebig und "lasch wie eine kalt gewordene Wärmflasche". Manche Texte "atmen den Stil von Frauenzeitschriften der Achzigerjahre". Grönemeyer tauche hybrid mal als ratgebender Namensgeber auf, mal als externer Kenner.
sueddeutsche.de, turi2.de (Background)

Video-Tipp: Anwalt Schertz ärgert sich über Relotius’ Ruf als “Buhmann der Branche”.

Video-Tipp: Relotius-Anwalt Christian Schertz spricht bei Radioeins im Video-Radiointerview über die Klage gegen Juan Moreno. Das Buch stimme "in erheblichen Punkten" nicht, Claas Relotius sei "der Buhmann der Branche", ärgert sich Schertz. Die Klage richtet sich nicht gegen den "Spiegel", wo Schertz aufgrund früherer Mandanten als "Staatsfeind Nummer eins" gelte.
youtube.com (22-Min-Video), turi2.de (Background)

TV-Tipp: Das Erste zeigt die kontroverse Royals-Doku mit Kritik an der Boulevardpresse.

TV-Tipp: Das Erste zeigt am Montag um 20.15 Uhr die kontroverse Royals-Doku "Harry & Meghan: An African Journey", in der sich die frühere "Suits"-Darstellerin Meghan sehr kritisch über die Boulevardpresse äußert. Die ITV-Doku löste in Großbritannien eine Debatte aus, da sich Vertreter der britischen Königsfamilie bisher mit öffentlicher Kritik eher vornehm zurückhielten.
programm.ard.de