Daniel Bouhs erkundet die Fehlerkultur der dpa.

dpa: Zum 70. Geburtstag der Nachrichtenagentur fragt Daniel Bouhs nach der Fehlerkultur und dekliniert spektakuläre Falschmeldungen durch, z.B. einen Terroranschlag, den es nie gab. Chefredakteur Sven Gösmann warnt vor Deepfakes: "Wir müssen uns alle davor fürchten." Manchmal findet Bouhs die Korrekturen der dpa "in diesen schnellen Zeiten" zu langsam – zuletzt bei der Causa Linnemann.
taz.de

Aus dem Archiv von turi2.tv: "Hundefutter werden wir nie verkaufen" – Sven Gösmann über die dpa in Zeiten sinkender Auflagen. (4-Min-Video, 2/2019)



“Welt am Sonntag” stellt Wettbetrugs-Enthüllung des “Spiegel” infrage.


Kontrolle ist besser: Die "Welt am Sonntag" erhebt weitere Zweifel am Wahrheitsgehalt eines Textes von Football-Leaks-Enthüller Rafael Buschmann (Foto) aus dem Jahr 2014 über ein verschobenes WM-Spiel. Der zuständige Dokumentar habe schon vor der Veröffentlichung "keine hinreichenden Dokumente oder Beweise" für Buschmanns These finden können, dass das Spiel zwischen Kroatien und Kamerun manipuliert wurde. Er notierte "kein Beleg" auf dem Prüf-Manuskript, das laut "WamS" noch existieren soll. Der damalige Sport-Ressortleiter Michael Wulzinger habe die Einwände des Dokumentars übergangen und den Text ins Blatt gehoben.

Der "Spiegel" habe einen Fragenkatalog der "Welt am Sonntag" zu dem Thema nicht beantwortet. Stattdessen teilt der Verlag mit, dass es zu dem Artikel nun weitere Recherchen gebe. Bisher gebe es keine Belege für eine Fälschung. Medienjournalist Kai-Hinrich Renner hatte Anfang August berichtet, dass die geplante Beförderung Buschmanns zum Investigativ-Chef zunächst auf Eis liegt.
"Welt am Sonntag", S. 35 (Paid), turi2.de (Background)

Mitarbeit: Markus Trantow

Deniz Yücel kritisiert “Spiegel”-Bericht über Bloggerin Marie Sophie Hingst.

Spiegel-Kritik: "Welt"-Reporter Deniz Yücel kritisiert "Spiegel"-Autor Martin Doerry für dessen Geschichte über die inzwischen tote Bloggerin Marie Sophie Hingst. Hingst hatte Yücel während seiner Haft in der Türkei fast täglich Postkarten geschrieben. Yücel ärgert Doerrys Darstellung, sie habe damit "Nähe zu anderen Opfern" gesucht und sei auf "positive Schlagzeilen" aus gewesen. Yücels Vorwurf: Doerry habe die eigentlich nebensächliche Postkarten-Aktion nur deshalb aufgegriffen, weil sie gut in sein Bild von Hingst als "gewissenlose Hochstaplerin und schamlose Selbstdarstellerin" passte.
welt.de (Paid), turi2.de (Background)

Zitat: Georg Restle beklagt, dass Journalisten es den Populisten leicht machen.

"Wann endlich lernen auch wir Journalisten, abzuwarten, bis die Fakten auf dem Tisch liegen; nicht alles zu glauben, was einem die Polizei erzählt und mal darüber nachzudenken, welche Auswirkungen eine solche Berichterstattung auf eine Gesellschaft hat, deren Debatten zum Thema Flüchtlinge sowieso schon völlig überhitzt sind?"

Georg Restle von "Monitor" kommentiert die mediale Erregung um die Rheinbad-Räumung. Polizei und Journalisten verbreiten Falsches, das die AfD aufbauscht und ausschlachtet.
ardmediathek.de (9-Min-Video)

Zitat: Thomas Knüwer rät Interviewten zum Paywall-Boykott.

"Jedes journalistische Stück hinter einer Bezahlschranke bedeutet, dass es dem wichtigsten Ort der gesellschaftlichen Information und Debatte entzogen wird: dem Internet. Im Gegenzug wird dieser Ort den Extremisten, Trollen und Lügnern überlassen."

Thomas Knüwer beobachtet die aus dem Ruder gelaufene Debatte um das Grundschulverbot für Migranten – und rät Interviewpartnern zur Absage, wenn sie hinter einer Paywall versteckt werden.
indiskretionehrensache.de

Meinung: “Spiegel Geschichte” verbreitet Stereotypen bei Titelgeschichte über Judentum.

Spiegel: Meron Mendel, Direktor der Bildungsstätte Anne Frank, kritisiert das Titelbild von "Spiegel Geschichte", berichtet Deutschlandfunk Kultur. Auch die jüdische Bloggerin Juna Grossmann kritisiere die Verbreitung von Stereotypen. Das Cover zeigt unter der Überschrift "Jüdisches Leben in Deutschland – Die unbekannte Welt nebenan" ein Foto zweier orthodoxer Juden in traditioneller Kleidung.
deutschlandfunkkultur.de, twitter.com

Meinung: Chefredakteur nutzen Rankings, um ihre Redaktionsbudgets zu schützen.

Chefredakteure schützen ihre Budgets "vor weiteren Einschnitten" mithilfe von Zitate-Rankings, beobachtet Ulrike Simon. Die "Ersatzwährung" verliere nicht mal durch ihren schlechten Ruf und unseriöse Methodik an Bedeutung. Verlage brächten Journalisten mit ihren Erfolgserwartungen dazu, "auf der Berichterstattungswelle zu surfen, anstatt mit eigenen Recherchen gegen den Strom zu schwimmen".
"Horizont" 31/2018, S. 18 (Paid)

Meinung: Die Herkunft des mutmaßlichen Täters sollte genannt werden.

Medienethik: Journalisten sollten die Herkunft des mutmaßlichen Täters vom Frankfurter Hauptbahnhof nennen, argumentiert Ines Pohl, Chefredakteurin der Deutschen Welle. Da es eine Debatte darüber gibt, ob und was der Fall mit der Zuwanderung zu tun hat, bestehe öffentliches Interesse. Das rechtfertige aber nicht das Verhalten von Medien, die "Rassismen befeuern, weil es Aufmerksamkeit bringt - und Umsatz".
dw.com/de

Aus dem turi2.tv-Archiv: "Ich finde Perspektiv-Wechsel gut." Chefredakteurin Ines Pohl über ihr erstes Jahr bei der Deutschen Welle.

Meinung: “Bild” bedient AfD-Themen kampagnenartig.

bildlogoBild verfolgt keine antimuslimische Agenda, bedient aber kampagnenartig AfD-Themen wie Flüchtlinge und Justizversagen, sagt Ex-"BamS"-Chefredakteur Michael Spreng bei Mediasres. Medienwissenschaftler Kai Hafez beobachtet seit 2015 eine Umorientierung: "Bild" habe erst mit anderen Medien die Willkommenskultur unterstützt, dem sei bald ein "stark intendierter Rechtsruck in der Chefredaktion" gefolgt.
deutschlandfunk.de

Zitat: Thomas Seitel beklagt Angriffe der Klatschpresse.

"Journalisten stehen bei meiner Oma und meinem Opa im Hausflur."

Thomas Seitel, Akrobat und Lebenspartner von Helene Fischer, beschreibt die Klatsch-Presse im Interview mit dem "Zeit-Magazin" als "Tornado", der über seine betagten Großeltern hereingebrochen sei. Die Situation sei so belastend, dass er sich entschlossen habe, darüber zu sprechen.
zeit.de (Paid), zeit.de (Vorabmeldung)

Medienkritik: Spiegel TV gerät wegen “Saarbrooklyn”-Beitrag in die Kritik.

Spiegel TV handelt sich Ärger für seinen Beitrag "Saarbrooklyn – Der Randbezirk der Gesellschaft" ein – die Stadt Saarbrücken hat Programmbeschwerde bei der Medienanstalt Hamburg/Schleswig-Holstein eingereicht. Der 20-minütige Beitrag thematisiert überwiegend Armut und Drogen, der Stadtverwaltung sei keine Gelegenheit zur Stellungnahme gegeben worden. Spiegel-TV-Mitarbeiter sollen außerdem einem Süchtigen 20 Euro gezahlt haben, damit er sich vor der Kamera spritzt.
saarbruecker-zeitung.de

Wirecard beschuldigt die “Financial Times” der Beihilfe zur Marktmanipulation.


Oh Wire: Wirecard fordert die "Financial Times" in einem Brief auf, keine Artikel mehr über den Konzern zu publizieren. Stattdessen solle die Zeitung Fehlverhalten in den eigenen Reihen aufdecken. Wirecard habe "unwiderlegbare Beweise für eine Zusammenarbeit zwischen Mitarbeitern der 'Financial Times' und Shortsellern".

Es soll sich um die Tonaufzeichnung eines Gesprächs handeln, bei dem ein Investor einem anderen empfiehlt, auf den Kursverfall der Wirecard-Aktie zu spekulieren, die durch einen neuen, kritischen Artikel in der "Financial Times" fallen werde. Die Zeitung schreibt seit längerem regelmäßig über seltsame Zahlungsströme bei dem Unternehmen.Die Bafin hatte im Februar ein befristetes Leerverkaufsverbot für Wirecard-Aktien festgelegt.
handelsblatt.com, turi2.de (Background)

Meinung: Medien begeben sich bei der Wahlberichterstattung auf Schlingerkurs.

Medien rudern nur halbherzig zurück, nachdem sie Jens Spahn bereits den Posten als Verteidigungsminister zugesprochen haben, beobachtet Clara Lipkowski. Die "Rheinische Post" vermeldete den Wechsel unter Berufung auf Regierungskreisen, Focus Online machte daraus ein "Drama in 3 Akten". Beim "Tagesspiegel" war noch bis Mittwochnachmittag die Foto-Unterzeile "Bundesgesundheitsminister Jens Spahn könnte neuer Verteidigungsminister werden." zu lesen.
sueddeutsche.de

NZZ lässt sich von AfD und Shitstorms leiten, meint Daniel Binswanger.

NZZ positioniert sich zunehmend shitstorm­getrieben auf dem deutschen Markt, analysiert Daniel Binswanger. Sie unterstütze die Gemäßigten innerhalb der AfD, Chefredakteur Eric Gujer gehe mit seinen Kommentaren an die Grenzen dessen, was auf dem Boden einer liberal-demokratischen Grundhaltung steht. Binswanger vermisst klare publizistische Linien und sieht ein Unternehmen, das die Grenzen des politischen Anstands austestet.
republik.ch


Steingart-Podcast: Maaßen beklagt “Inzucht in den Redaktionsstuben”.

Gabor Steingart lässt den geschassten Verfassungsschutz-Präsidenten Hans-Georg Maaßen (Foto) zur Schelte auf öffentlich-rechtliche Medien antreten. Das Mitglied des erzkonservativen Unionsflügels Werteunion sieht in deutschen Redaktionen eine links-grüne Mehrheit und beklagt "Inzucht" – "bestimmte Netzwerke fördern ihre Leute, die sie dann nach oben bringen". Tendenziöse Berichterstattung gesteht der "politisch interessierte Bürger" privaten Tageszeitungen zu, von ARD und ZDF verlangt er Objektivität. Maaßen findet, dass über den "Skandal" um das Framing Manual der ARD nicht ausreichend diskutiert wurde. Er selbst informiere sich bei Gabor Steingart, in der Schweizer "NZZ", österreichischen und englischsprachigen Zeitungen.
gaborsteingart.com (24-Min-Audio, ab Min 7)

Meinung: Nennung der Nationalität von Verdächtigen birgt Gefahren.

Pressekodex: Die Nennung der Nationalität von Verdächtigen deckt das Informationsinteresse der Öffentlichkeit, befeuert aber Vorurteile, schreibt die "Süddeutsche Zeitung". Die Polizei hatte nach der Vergewaltigung in Mülheim an der Ruhr von "bulgarischen" Verdächtigen gesprochen, was Boulevardmedien anders als die zunächst wartende "Süddeutsche Zeitung" aufgriffen.
sueddeutsche.de

Deutsche Talkshows spalten die Gesellschaft, meint Carolin Emcke.

Deutsche Talkshows fördern die öffentliche Meinungsbildung und gesellschaftlichen Diskurs nicht, sondern verhindern sie, kritisiert Publizistin Carolin Emcke. Die Prinzipien Objektivität und Unparteilichkeit, Meinungsvielfalt und Ausgewogenheit würden von den Machern fehlinterpretiert. Nicht jede Frage eigne sich für Pro und Kontra, außerdem reduzierten Talkshows jedes Gespräch auf "dumpfe Gegnerschaft".
sueddeutsche.de

Meinung: Deutsche Medien müssen den ewigen Konsens abschaffen.

Deutschen Medien droht "Dauerdepression", diagnostiziert Journalist Rainer Stephan. Sie übersähen, dass es in der aktuellen Krise nicht um digital oder analog gehe, sondern um Vertrauensverlust bei jungen Menschen durch "kultivierte Gedämpftheit" und ewigen Konsens. Stephan rät Redakteuren, sich dem Anpassungsdruck der eigenen Redaktionen zu widersetzen und "von unten nach oben zu agieren".
kontextwochenzeitung.de

Zitat: Wir brauchen bessere Medien-Hygiene, sagt Maren Urner.

"Wir sind sehr gut darin, die Zähne zu putzen, eine gewisse Körper- oder Gesundheitshygiene zu betreiben und überlegen sehr gut, was wir konsumieren. Wenn es zu unserem Medienkonsum kommt, sind wir allerdings sehr unkritisch."

Maren Urner, Gründerin von "Perspective Daily" plädiert im "FAZ"-Interview für Medienhygiene und gegen "die Vermüllung unserer Gehirne". Dazu gerhöre, Medien bewusst einzeln zu konsumieren und nicht nur Überschriften durchzuklicken.
"FAZ", S. 13 (Paid)

Aus dem turi2.tv-Archiv (02/2016): Maren Urner will mit konstruktivem Journalismus Probleme lösen.

Renner: Relotius-Förderer Matthias Geyer könnte “Spiegel” verlassen.

Spiegel und Matthias Geyer, Förderer von Claas Relotius und derzeit Redakteur für besondere Aufgaben, gehen womöglich getrennte Wege, schreibt Kai-Hinrich Renner. Geyer führe Gespräche mit der Personalabteilung, an deren Ende eine Vertragsauflösung stehen könnte. Der zweite Relotius-Förder, Ulrich Fichtner, der sich als Reportern nach Paris gerettet hat, werde wohl bleiben.
morgenpost.de (Paid), turi2.de (Background)

Burda-Blatt “Freizeit Revue” unterliegt gegen Lebensgefährten von Helene Fischer.


Freund oder Freund, das ist hier die Frage: Burdas Klatschblatt "Freizeit Revue" muss auf dem Titel eine Gegendarstellung des Lebensgefährten von Sängerin Helene Fischer abdrucken, urteilt das Landgericht Offenburg. Das Blatt hatte getitelt: "Helene Fischer: Das Baby-Interview – Sensationell, was ihr Freund verrät." Zwar war ihr Lebensgefährte, Akrobat und Model Thomas Seitel (rechts im Bild), auf dem Cover zu sehen, das Interview gab aber nicht er, sondern ein befreundeter Promi.

Burda argumentiert: Mit den Worten "was ihr Freund verrät" könne jeder der vielen Fischer-Freunde gemeint sein. Die Richter überzeugt das nicht: Ein unbefangener Kioskleser würde vermuten, der abgebildete Freund, also Helenes Lebensgefährte, würde sprechen. Burda hat gegen das Urteil bereits Berufung eingelegt. (Archivfoto von 2017: Rolf Vennenbernd/dpa)
lahrer-zeitung.de, badische-zeitung.de

Zitat: Bernhard Pörksen sieht Österreich aktuell in einem journalistischen Live-Experiment.

"Österreich durchlebt momentan ein Live-Experiment, das von der Frage handelt: Behält der seriös sortierende Journalismus in Zeiten der fiebrigen Sofort-Spekulation die Deutungshoheit?"

Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen stellt im "Profil"-Interview die Frage, ob der Kern des Ibiza-Skandals das "Brausen aus Empörung und Gegenempörung" zwischen den Medien und sozialen Netzwerken bestehen kann oder die "Akteure des Spektakels" am Ende gewinnen.
profil.at

Reporterfabrik veröffentlicht Podcasts zum Fall Relotius und seinen Folgen.

Hör-Tipp: Die Reporterfabrik stellt sechs Audio-Mitschnitte von Workshops zu den Folgen des Relotius-Betruges für den Journalismus online. Es geht u.a. darum, wie Medien mit betrügenden Redakteuren umgehen sollten, was sich an der Reportage als Erzählform ändern muss und was zu tun ist, wenn sich Protagonisten falsch dargestellt fühlen.
reporterfabrik.org

Meinung: So schlecht war Madonna nun auch wieder nicht.

Madonna erntet kübelweise Kritik für ihren Auftritt beim ESC – zu Unrecht, schreibt Carola Padtberg. Ein Chor verunsicherter Männer komme nicht damit klar, dass Madonna sich auch mit 70 noch erdreistet, auf Bühnen zu klettern. Tim Sohr findet den Auftritt zwar "ein bisschen peinlich", hält die Häme darüber aber für deutlich überzogen. Manche Journalisten trauten sich zuviel "Urteilsmacht und Expertise" zu.
spiegel.de (Padtberg), stern.de (Sohr)

Studie: Leitmedien haben UN-Migrationspakt als Thema verschlafen.

Medienkritik: Journalistik-Professor Michael Haller untersucht, ob die Medien aus den Fehlern in der Berichterstattung über Flüchtlinge gelernt haben. Er untersucht dafür die Berichterstattung von "FAZ", "Süddeutscher Zeitung", "Welt", "taz", "Bild" und der "Tagesschau" zum UN-Migrationspakt – laut Studie haben die Medien das Thema verschlafen und erst berichtet, als Rechtspopulisten es nutzten. Sie hätten die Fragen der Leser und Zuschauer zu wenig beachtet, aber auch Falschannahmen und Vorurteile richtiggestellt.
"FAZ", S. 13 (Paid)

Meinung: Klima-Aktivistin Lui­sa Neu­bau­er wirft Journalisten Halbwissen vor.

Klima-Nachhilfe: Lui­sa Neu­bau­er, das deutsche Gesicht der Fri­days for Fu­ture, attestiert vielen Politjournalisten zum Klimaschutz "ei­ne Meinung, aber lei­der we­nig Ah­nung", schreibt sie in der "Zeit". Mit mehr Expertise könnten sie "die halbwah­ren Einordnungen der Po­li­tik" er­ken­nen und "die richtigen Fragen" stellen. Über die Schüler-Streiks hätten Medien aus­führ­lich berichtet, über das Kli­ma selbst und sei­ne Zerstörung da­ge­gen kaum.
"Zeit" 20/2019, S. 5 (Paid)

FES-Studie ist voreingenommen und alarmistisch, kritisiert Juliane Wiedemeier.

Medienkritik: Die "Mitte Studie" der Friedrich-Ebert-Stiftung zeigt, was mit Studien, Sperrfristen und dem Herdentrieb der Journalisten schief läuft, meint Juliane Wiedemeier. Die Studie untersucht, wie sich rechtsextreme Einstellungen in Deutschland verbreiten. Der Tonfall bei der Auswertung sei "alarmistisch", die Fragestellung unglücklich, insgesamt sei die Studie nicht sehr ergebnisoffen. Über Spiegel Online machten die Ergebnisse dann die Runde, bevor die Sperrfrist vorbei und die Studie einsehbar war. Nur wenige wie Claus Kleber hätten sich die Mühe gemacht, selbst zu recherchieren.
uebermedien.de

ARD und ZDF bekommen Kritik und Lob für Notre-Dame-Berichterstattung.

ARD und ZDF bekommen Kritik und Zustimmung für ihre spärliche Live-Berichterstattung zum Brand von Notre Dame. TV-Journalistin Sonia Mikich forderte Infos auf Tagesschau24, Ulrich Deppendorf einen Brennpunkt im Ersten. DWDL-Gründer Thomas Lückerath findet in diesem Fall Zurückhaltung besser als "Desaster Porn".
twitter.com (Mikich), twitter.com (Deppendorf), dwdl.de (Lückerath)

Nutzer verzeihen Fehler, glaubt Manfred Protze vom Presserat.

Medienkritik: Nutzer sind nicht "von vornherein bösgläubig und verzeihen auch Fehler, sagt Manfred Protze vom Presserat im "taz"-Interview. Wichtig sei, dass Medien Fehler nicht unter den Teppich kehren. Zwischen sozialen Medien und journalistischen Formaten zu unterscheiden, gelänge nicht allen Nutzern – u.a. daraus resultiere der Vorwurf der Lügenpresse, weil Medien mitunter "aus ethischen Gründen nicht publizieren".
taz.de

“Spiegel”-Aufklärer Clemens Höges: Relotius-Kommission möchte keinen Zeitdruck.


Wortkarge Aufklärer: Knapp vier Monate nach der Relotius-Affäre treffen sich hunderte Journalisten beim Reporterforum im "Spiegel"-Haus – und sind teils verwundert über die wenigen Antworten. "Spiegel"-Blattmacher Clemens Höges bittet um Geduld und sagt: "Die Kommission möchte sich nicht unter Zeitdruck setzen lassen". "Spiegel"-Chefredakteur Steffen Klusmann sagt seine Teilnahme am Workshop der Reporter kurzfristig ab – wegen einer Management-Tagung.

Die dreiköpfige Kommission habe viele Gespräche mit Beteiligten geführt und interne Abläufe hinterfragt, erzählt Höges. Ihr Bericht gehe zunächst an Chefredaktion und Geschäftsführung. Auf ungeduldige Fragen von Anwesenden, wann Ergebnisse vorliegen werden, antwortet Höges lediglich: "bald". "Es ist für uns eine große Aufgabe, denn wir stellen absolute Transparenz her", sagt Höges bei der Eröffnung der Veranstaltung (siehe Video). In Zeiten von Fake News gehe es darum, wieder das Vertrauen der Leser zu gewinnen: "Das gilt für den 'Spiegel', aber nicht nur für den 'Spiegel' – obwohl der 'Spiegel' gewissermaßen Ground Zero war." (Foto: Jens Twiehaus)
turi2.tv (2-Min-Video mit Höges)

Clemens Höges zur Relotius-Aufklärung im Video:

Meinung: Fake News verdeutlichen den Wert des unabhängigen Journalismus.

Fake News verbreiten sich zuletzt stärker, verdeutlichen Menschen aber den Wert von unabhängigem Journalismus, sagt Klaus Meier, Professor für Journalistik, im Interview mit der "Schwäbischen Zeitung". Journalisten sollten künftig transparenter Quellen offenlegen und Lesern erklären, warum bestimmte Themen redaktionell stärker gewichtet werden.
schwaebische.de

Zitat: “Bild”-Journalist Martin Eisenlauer findet viele Tech-Debatten faktenfrei.

"In den meisten Redaktionen fehlen Experten, die moderne Technik wirklich verstehen und Entwicklungen seriös einordnen können. Stattdessen wird nachgeplappert, was Interessensgruppen einflüstern."

Martin Eisenlauer, Technik-Journalist bei "Bild", findet, dass sich viele Technologie-Debatten faktenfrei um äußerst unwahrscheinliche Horrorszenarien drehen.
frauwenk.de

Presserat erklärt “Focus Money” die Bedeutung von Anführungszeichen, schreibt Stefan Niggemeier.

Presserat muss "Focus Money" die Bedeutung von Anführungszeichen erklären, schreibt Stefan Niggemeier über die vergangene Woche ausgesprochene Rüge gegen das Titelseiten-Zitat von Alan Greenspan. Chefredakteur Frank Pöpsel räumt ein, dass der Ex-US-Notenbankchef den Satz "Wer Verstand hat, kauft Gold" nicht wörtlich gesagt hat. Das Zitat sei komprimiert, aber inhaltlich durch Aussagen von Greenspan gedeckt. Ein "durchschnittlich verständiger Leser" müsse die Überschrift in Anführungszeichen "zwingend als wörtliches Zitat auffassen", kontert der Presserat.
uebermedien.de, presserat.de (Rüge)

Sexismus bleibt Hauptbeschwerdegrund beim Deutschen Werberat.

Sexistische Werbung führt auch 2018 die Rangliste der Beschwerden beim Deutschen Werberat an. Mit 445 Beschwerden sind dazu 9 % mehr eingegangen als 2017, die Zahl der betroffenen Kampagnen ist aber von 321 auf 261 gesunken. An zweiter Stelle stehen mit 61 Fällen Verstöße gegen ethische und moralische Mindestanforderungen, gefolgt von Kinder-und Jugendschutz mit 27 Fällen. Die Zahl der Beschwerden über Werbung in sozialen Netzwerken ist um 22 % auf 45 angestiegen.
absatzwirtschaft.de, wuv.de, horizont.net

WDR entfernt fehlerhafte Doku aus der Mediathek.

WDR entfernt eine Doku aus der Mediathek: In "Ausgerechnet – Billig-Kreuzfahrt" begibt Reporter Daniel Aßmann sich auf hohe See und suggeriert, in einer billigen Innenkabinen zu nächtigen. Zuschauer erkennen anhand der Kabinennummer, dass das nicht stimmt. Der WDR will nun weitere Folgen der Sendung prüfen. Anfang des Jahres hat der Sender bereits Fakten-Schiffbruch mit der Doku-Reihe "Menschen hautnah" erlitten.
dwdl.de, turi2.de (Background)

Lokalradios sollten Themen nicht zu lokal wählen, findet Hans Hoff.

Lokalradios verfestigen ein Hörer-Weltbild, das jenseits der Stadtgrenze unscharf wird, wenn sie nur Lokales erzählen, glaubt Hans Hoff. Das "krampfhafte Herunterbrechen von internationalen Themen aufs Lokale" nervt ihn. Er bricht eine Lanze für Deutschlandfunk Kultur: Der Sender erweitere "beinahe beiläufig" seinen Horizont und spiele guten Pop.
dwdl.de

Meinung: Wer sich Attentats-Bilder anschaut, macht sich zum Komplizen.

Medienkritik: Wer die Bilder, die vom Attentat in Christchurch im Netz kursieren, anschaut, macht sich zum Komplizen "in einem Krieg, in dem die Bilder wichtiger geworden sind als die Opfer", schreibt Arno Frank. Die Boulevardmedien verbreiteten das Video, weil sie dem Konkurrenzdruck nicht widerstehen könnten. Dazu komme der Primaten-Reflex der Zuschauer, die Bilder zu sehen.
spiegel.de

Renner: Relotius-Förderer Ullrich Fichtner hat “inhaltlich zusammengezogen”.

Spiegel: Reporter Ullrich Fichtner soll Zitate verschiedener Personen zu den Aussagen einer einzigen Figur verschmolzen haben, berichtet Kai-Hinrich Renner. Das sage Fichtner selbst laut einer Aufnahme vom Reporter-Workshop 2016 des Vereins Reporterforum. Fichtner äußert sich gegenüber Renner per Mail, will aber nicht zitiert werden.

"Spiegel"-Journalist Fichtner war Leiter des Gesellschaftsressorts und betreute dort Claas Relotius. Seine Beförderung in die Chefredaktion, geplant für Januar, liegt deshalb auf Eis. Fichtner habe Zuhörern des damaligen Workshops auch empfohlen, sich bei Reportagen an Techniken des Kinos zu orientieren. Bei der Enthüllung des Falls Relotius zweienhalb Jahre später mahnt Fichtner hingegen, Journalisten dürften "nur Dokumentarfilme" zeigen.
morgenpost.de, turi2.de (Background)

In einer früheren Fassung dieses Beitrags lautete die Überschrift "Relotius-Förderer Ullrich Fichtner gab eigene Schummelei zu". Das ist so nicht richtig formuliert: Er hat eingeräumt, mehrere Figuren zu einer verschmolzen zu haben.