Fynn Kliemann teilt gegen die Medien und die “woke, linke Szene” aus.


Aufgebrachte Ansage: Der Unternehmer und Influencer Fynn Kliemann macht seinem Ärger über die Berichterstattung der vergangenen Wochen bei Instagram Luft – und veröffentlicht in einer Story eine mehrminütige Wutrede, in der er sich u.a. über eine "woke, linke Szene", die Redaktion des "ZDF Magazin Royale" und "wildgewordene Reporter" auslässt. Letztere würden es sich zur Aufgabe machen, jede Aussage derart zu verunstalten, "dass du es am Schluss alles warst". Den Medien sei es egal, wie die Sachlage zu der Masken-Affäre sei: "Die Wut an sich macht genug Spaß." Man werde seinen Fall noch das ganze Sommerloch über ausschlachten: "Aber am Ende, wenn das Ding eingestellt wird, wird da keiner mehr drüber berichten." Auch das Team des "ZDF Magazin Royale" bekommt sein Fett weg: Kliemann wirft der Redaktion vor, sie glaube, "etwas Besseres" zu sein. Kliemann spielt wohl u.a. auf die Böhmannsland-Satire an, die das Kliemannsland auf die Schippe nimmt. Das suggeriere, es gebe eine falsche Art, sich gegenseitig zu motivieren oder zu freuen.

Zudem würden "Teile der woken, linken Szene" nicht akzeptieren, wenn irgendeiner Erwartung nicht entsprochen werde: "Die wollen, dass wir uns dafür schämen, dass wir nicht ihren Normen entsprechen." Außerdem sei er niemals angetreten, "um perfekt zu sein, das geht überhaupt nicht". Kliemann betont mehrmals, dass er zu seinen Fehlern steht. Zum Ende des Rants verweist Kliemann auf das YouTube-Video Das Kliemannsland hat sich von Fynn Kliemann distanziert, das belegen soll, dass das Kreativprojekt mehr ist, als Kliemann selbst. Darin kommen etliche Mitwirkende zu Wort, eine klassische Distanzierung von Kliemann erfolgt nicht – an einer Stelle heißt es sogar, man stehe hinter ihm. Zudem wirbt das Video für ein Event am kommenden Samstag, zu dem jeder willkommen sei: "Du musst nix mitbringen außer Bock auf Action und viele geile Leute", heißt es auf der Website.

Bei Twitter fallen die Reaktionen auf den Kliemann-Rant negativ aus: "Spiegel"-Redakteur Anton Rainer merkt an, dass die Reue nicht lange gehalten habe. "Zeit"-Feuilleton-Redakteur Martin Eimermacher kommentiert: "Hätte er seinen Meltdown aufgeschrieben und nicht in die Kamera gestammelt, hätte es die 'Welt' sicher gerne als Gastbeitrag abgedruckt." Und Journalist Gavin Karlmeier twittert: "Fynn Kliemann braucht neue Zielgruppen und fängt ausgerechnet inhaltlich irgendwo bei Julian Reichelt an."
instagram.com, twitter.com (2-Min-Ausschnitt), kliemannsland.de, youtube.com (28-Min-Video), turi2.de (Background)


Debatte: “Welt”-Artikel macht rechte Narrative mainstreamig, kritisiert Annika Brockschmidt.

Anti-Queere Ideologie: Die Autorinnen des "Welt"-Gastbeitrags Wie ARD und ZDF unsere Kinder sexualisieren und umerziehen haben den "Elternrechts-Slogan der amerikanischen Rechten" übernommen und mainstreamig gemacht, kritisiert Annika Brockschmidt im Volksverpetzer. Trans­feindlichkeit sei eine "Radikalisierungspipeline" durch die Menschen schnell zu rechtsextremen Inhalten abrutschen können. Der Artikel feuere zudem das Lügenpresse-Narrativ weiter an.
volksverpetzer.de, turi2.de (Background)

Hör-Tipp: Das russische Staatsfernsehen befeuert Verschwörungstheorien in Deutschland.

Hör-Tipp: Das russische Staatsfernsehen ist für Verschwörungstheorien über den Krieg ein "Gamechanger", weil es mit "viel Geld und viel Aufwand" Inhalte produziert, sagt Medienwissenschaftlerin Elisabeth Fast im "Süddeutsche"-Medienpodcast quoted. Die Theorien, die in Deutschland in z.B: Telegram-Gruppen geteilt werden, seien "in Russland zur Prime zu sehen". Zudem produziere das russische Staatsfernsehen Inhalte u.a. auf deutsch, was die Theorien "alternativer Medien" in Deutschland befeuere.
sueddeutsche.de (39-Min-Audio)


Heute im turi2 Clubraum: Daniel Bouhs über seinen Abschied vom Medienjournalismus.


Vom Kritiker zum Macher: Daniel Bouhs hat 15 Jahre lang kritisch über den Medienbetrieb berichtet – u.a. im ARD-Radio, dem Deutschlandfunk und bei "Zapp" – seit zwei Monaten steht er auf der anderen Seite. Beim SWR in Mainz ist er "Redakteur mit besonderen Aufgaben" und macht nun mehr Management als Journalismus. Im turi2 Clubraum, dem Live-Podcast mit Aline von Drateln und Björn Czieslik, spricht er über den neuen Job und seinen Blick auf den Medienjournalismus. Außerdem diskutiert das Trio über den Ansturm auf das 9-Euro-Ticket und das Werben der Medienbranche um diversen Nachwuchs.

Der turi2 Clubraum diskutiert immer freitags die Themen der Woche. In den vergangenen Wochen waren Serviceplan-Geschäftsführer Ronald Focken, Angelika Gifford, EMEA-Chefin von Meta und Peter Schwierz, Chef des E-Mobility-Dienstes Electrive zu Gast. Alle Termine und Links zu Live-Events und Podcasts gibt's auf turi2.de/clubraum.
clubhouse.com (live ab 12 Uhr), turi2clubraum.podigee.io (Podcast ab 18 Uhr)

Debatte: Medienberichte über Affenpocken können leicht rassistische oder homophobe Stereotype bedienen.

Vorsicht vor Vorurteilen: Bei der Berichterstattung über die Affenpocken warnt David Muschenich davor, die Krankheit auf stigmatisierende Weise mit Sex unter Männern in Verbindung zu bringen. Das könne auch die Betroffenen davon abhalten, sich im Gesundheitssystem Hilfe zu suchen. Auch bestehe die Gefahr, Rassismus gegen Schwarze Menschen zu schüren, wie es in der Corona-Pandemie bei asiatischen Menschen der Fall war. Statt Bilder von erkrankten Schwarzen Menschen sollten die Medien daher "Krankenhäuser in den Regionen zeigen oder Mikroaufnahmen des Virus selbst".
taz.de

“Das Individuum hat keine Lobby” – Christian Schertz über Prozesse und Politik.


Vor Gericht und auf hoher See: Christian Schertz, Medienanwalt u.a. von Jan Böhmermann, äußert sich im Interview mit Ellen Nebel und Michael Ridder erstmals zur erfolglosen Verfassungsbeschwerde im Rechtsstreit über das Erdogan-Schmähgedicht. Er wirft dem Gericht vor, auch eine politische Entscheidung getroffen zu haben. Dem Medienkonzern Springer bescheinigt Schertz im Fall Julian Reichelt ein unprofessionelles Vorgehen. Der promovierte Jurist erklärt außerdem, warum der Schutz der Persönlichkeitsrechte in Deutschland aus seiner Sicht “nicht optimal” ausfällt. turi2 veröffentlicht das Interview in Kooperation mit epd Medien in der Reihe Das Beste von epd Medien bei turi2.

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Debatte: Viele Menschen in Deutschland haben das Gefühl für Mehrheiten verloren, sagt Renate Köcher.

"Laute Minderheiten": Viele Menschen in Deutschland haben das Gefühl für Mehrheiten verloren, sagt Renate Köcher. Sie ist der Meinung, dass manche Gruppen in der Gesellschaft sehr aktiv sind und "in den Medien weit überproportional Beachtung finden". Die "quantitative Bedeutung" von Gruppierungen, die stark im Netz aktiv sind, werde überschätzt. Köcher geht davon aus, dass es mehr "stille Mehrheiten" und mehr "laute Minderheiten" als früher gibt.
landtag-bw.de

Offene Briefe führen zum “feuilletonistischen Debatten-Ping-Pong”, meint Johann Hinrich Claussen.

Offene Briefe führen oftmals nicht zu nachhaltigen politischen Debatten, sagt der Kultur­beauftragte der Evangelischen Kirche in Deutschland, Johann Hinrich Claussen, dem epd. Mit Blick auf den Brief von 26 Kultur­schaffenden und Intellektuellen gegen Waffen­lieferungen an die Ukraine beobachtet er, dass die Schreiben oft eine "Empörungs­dynamik" auslösen und zum "feuilletonistischen Debatten-Ping-Pong" führen.
evangelisch.de

Debatte: Reportage-Formaten fehlt die Recherche, findet Andrej Reisin.

Journalismus ohne Inhalt: Ein "authentischer" Host ersetzt keine Recherche, schreibt Andrej Reisin bei Übermedien über Reportage-Formate von Funk, bei den die Zuschauerinnen meist den Reporterinnen bei ihrer Arbeit zugucken. Er kritisiert, dass der "gesellschaftliche Hunger" nach Authentizität so groß ist, dass "Echtheit" fetischisiert wird. Strg_F-Redaktionsleiter Dietmar Schiffermüller erklärt, dass "googeln, losgehen und jemanden treffen, der etwas Außergewöhnliches erlebt hat", nichts mit Recherche zu tun hat.
uebermedien.de

Eigentümlich blass: Marc Engelhardt über reduzierten Auslands­journalismus als Gefahr für die Demokratie.


Seltene Geschichten aus der Ferne: Das Weltbild, das deutsche Medien transportieren, ist “zunehmend verzerrt”, schreibt Marc Engelhardt, langjähriger Auslands­korrespondent und Geschäfts­führer der Schweizer Recherche-Plattform CrowdNewsroom, bei epd Medien. Der Krieg in der Ukraine zeige, wie wenig wir in den vergangenen Jahren aus einem Land erfahren haben, das direkt an die EU grenzt. Nur in Krisen­zeiten kämen “Fallschirm­reporter” ins Land, die berichten, “was sie sich vorher angelesen haben”. Selbst aus dem USA, die von allen Länder die meiste Aufmerksamkeit bekommen, erfahre das deutsche Publikum kaum etwas aus dem Binnenland. Engelhardt sieht den Staat in der Pflicht, Auslands­berichterstattung zu unterstützen, ähnlich wie bei der Film­förderung. turi2 veröffentlicht seinen Text in Kooperation mit epd Medien in der neuen, wöchentlichen Reihe Das Beste von epd Medien bei turi2. Weiterlesen >>>

Video-Tipp: Walulis beackert “Zwangsmaus”-Empörung von Julian Reichelt.

Video-Tipp: Julian Reichelt echauffiert sich über "ideologisch-sexualisierte Früherziehung" in der "Sendung mit der Maus" und erntet dafür vor allem Häme – auch von Philipp Walulis. Der erklärt "den Julian" im Stil einer "Maus"-Sach­geschichte und wundert sich, dass "Bild" Reichelt bei dem Thema völlig hängen lässt.
youtube.com (8-Min-Video),
turi2.de (Background)



Marietta Slomka erntet viel Lob als Illner-Vertretung.

Unentdecktes Talent: Marietta Slomka (Foto) ist ein "Labsal für Zuschauer, bei denen während Talkshows regelmäßig der Blutdruck steigt", lobt Nina Jerzy bei t-online.de die Corona-Vertretung für Maybrit Illner. Slomka dränge sich nicht in den Vordergrund, "war aber stets eindeutig der Mittelpunkt der Sendung". Josef Seitz fällt bei Focus Online auf, dass Slomka Gästen mehr Raum gebe als Illner: "Das ist anders. Schlecht ist es nicht." Auch Twitter ist voller Begeisterung.
t-online.de, focus.de, teleschau.de (Netzreaktionen), zdf.de (58-Min-Video)

Debatte: Sandro Schroeder nervt Personalisierung von Expertise in Podcasts.

Schema P: Den redaktionellen Gast zum "alleinigen Dreh- und Angelpunkt" eines Podcasts zu machen, kann "durchaus schief gehen", weil schnell verschwimme, "wer hier Absender und wer Gast ist", schreibt Sandro Schroeder mit Blick auf personalisierte Corona- und Ukraine-Podcasts. Ihn stört, wie das "Coronavirus-Update" mit Christian Drosten "plötzlich für ein nach­haltiges und wieder­holbares Podcast-Konzept gehalten wird". Zwar gebe der Erfolg dieser Formate ihm unrecht, die "Fantasie­losigkeit und Monokultur" nerve ihn trotzdem.
mailchi.mp

Der MDR hält an einer Doku über mutmaßlich erfundenen Mord an einem Gastarbeiter fest.


Erfundener Mord? Der MDR hält an einer reißerischen Doku über einen angeblich rassistischen Mord an einem DDR-Gastarbeiter fest. Und das obwohl die Staatsanwaltschaft nach erneuter Prüfung des Falls keine Indizien für einen Mord findet und selbst der eigene Senderausschuss die journalistische Sorgfaltspflicht verletzt sieht. Die "FAZ" findet wie zuvor schon die "Berliner Zeitung" zahlreiche Ungereimtheiten und dubiose Quellen, doch der MDR bleibt bei seiner Haltung und wirft stattdessen den Anklagebehörden mangelhafte Untersuchung vor.

Der 2017 gesendete Film "Schuld ohne Sühne" über den Tod des mosambikanischen Vertragsarbeiters Manuel Diogo stützt sich im Wesentlichen auf die Schilderung von Harry Waibel, der die Story vor der Verfilmung selbst als Buch veröffentlicht hat und vom MDR für "Aktenrecherchen" bezahlt wurde. Eine andere Quelle rudert auf Nachfrage der "FAZ" zurück: "Ich bin kein Augenzeuge, ich habe nicht gesehen, wie es passiert ist." Der Historiker Ulrich van der Heyden, Afrikaexperte und Autor des Buches "Das gescheiterte Experiment – Vertragsarbeiter aus Mosambik in der DDR-Wirtschaft" wirft dem Sender vor, keinen Beleg für die Mordthese zu haben und Fake News zu verbreiten.
faz.net (Paid)

Debatte: RT-Verbot steht einer Demokratie trotz aller Kritik gut an, findet Michael Hanfeld.

Mediale Schlechtwetterfront: Die Kritik am Verbot von RT mit Verweis auf Staatsferne und Rechtsstaatlichkeit einer Demokratie, sei zwar recht und billig. Allerdings stehe es einer Demokratie auch gut an, Medien, die Gehirnwäsche betreiben, Krieg verherrlichen und nonstop Lügen verbreiten zu unterbinden, findet Michael Hanfeld mit Blick auf die Kritik des Hamburgs Mediensenator Carsten Brosda zum Verbot von RT.
"FAZ", S. 17 (Paid)

Stärken und Schwächen: René Martens über die Bericht­erstattung von ARD und ZDF zum Ukraine-Krieg.


Dominierendes Thema: Seit dem Angriff Russlands auf die Ukraine am 24. Februar ist die aktuelle Bericht­erstattung bei ARD und ZDF fast mono­thematisch, kritisiert Medien­journalist René Martens bei epd Medien. Bilder und Berichte von Korrespondentinnen vor Ort “entwickeln weitaus mehr Kraft als all die durchaus eindrücklichen Videochats mit in der Ukraine lebenden Menschen, die die Berichterstattung seit der Invasion prägen”. Die Erzähl­weise der Einzel­schicksale sei aber oft gleich. Martens fürchtet, “dass sich hier ein Abnutzungs­effekt einstellen könnte”, schreibt er in seinem Beitrag, den turi2 in Kooperation mit epd Medien in der neuen, wöchentlichen Reihe Das Beste von epd Medien bei turi2 publiziert. >>> Weiterlesen

Basta: Jörg Kachelmann will nicht ins “Sommerhaus der Stars”.

Das Elend der anderen: Moderator und Meteorologe Jörg Kachelmann echauffiert sich bei Twitter über eine Anfrage der Produktions­firma Seapoint, die ihn fürs RTL-"Sommerhaus der Stars" gewinnen will. Er sei "elends­technisch noch nicht so weit", antwortet er. Womöglich hätte RTL auch keinen Spaß mit Kachelmann – schließlich braucht ein Trash-TV-Format, das auf Krawall setzt, niemanden, der auf gut Wetter macht.
t-online.de, twitter.com/Kachelmann

Aufmerksamkeit und Ignoranz: Michael Jäckel über die öffentliche Meinung als Konstrukt.


Theoretisch informiert: “Zur Ungleichheit in dieser Welt gehört auch, dass es ungleiche Informations- und Wissensbedürfnisse gibt”, schreibt Konsum- und Kommunikations­forscher Michael Jäckel bei epd Medien. Der Präsident der Uni Trier beobachtet, dass durch eine Vermehrung der Informations- und Wissens­angebote “diese Kluft eher wächst als schrumpft”. Der Alltag vieler Gesell­schaften kenne “den institutionalisierten Zweifel nicht”, schreibt Jäckel und sieht “unter­schiedliche Grade der Gelassenheit im Umgang mit Nicht­wissen”. turi2 publiziert seinen Essay in Kooperation mit epd Medien in der neuen, wöchentlichen Reihe Das Beste von epd Medien bei turi2.
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AfD-Mann Eugen Schmidt stellt Deutschland in russischen Medien als Unrechtsstaat dar.

Demokratie-Leugner: Der AfD-Bundestagsabgeordnete Eugen Schmidt stellt Deutschland in Interviews mit russischen Propaganda-Medien als Unrechtsstaat dar und lässt sich mitten im Ukraine-Krieg vor Putins Propaganda-Karren spannen, berichtet "Kontraste". In einem Interview mit dem russischen Radio Komsomolskaja Prawda behauptet der immerhin demokratisch gewählte AfDler, Deutschland sei undemokratisch und "regierende Eliten" würden andere Meinungen zur Not mit körperlicher Gewalt unterdrücken. Die AfD distanziert sich nur sehr halbherzig.
tagesschau.de, rbb-online.de (mit 5-Min-Video), turi2.de (Background)

Debatte: US-Ableger von Radio Sputnik vermittelt simples Schwarz-Weiß-Bild der Welt.

Schwarz-Weiß-Hören: In der EU sind die russischen Propaganda­sender RT und Sputnik inzwischen verboten, in den USA sendet ein Sputnik-Ableger weiterhin. Marko Schlichting hört ein Programm, das "ober­flächlich betrachtet informativ" scheint, "latent jedoch fast durchweg Propaganda" vermittelt. Der Sender zeichne ein simples "Schwarz-Weiß-Bild" der Welt: "Russland ist das Licht, Amerika die Finsternis."
n-tv.de

Basta: Jan Böhmermann hat Corona – und leidet unter peinlichen Berichten darüber.

Viraler Erfolg: TV-Satiriker Jan Böhmermann macht in seinem Podcast "Fest & Flauschig" öffentlich, dass er sich nach zwei Jahren Pandemie trotz dreifacher Impfung mit Corona infiziert hat. Er leide an Kopf­schmerzen und habe glasige Augen. Die schlimmsten Nebenwirkungen seien bisher jedoch "peinliche Artikel und Meldungen in peinlichen Medien".
t-online.de, twitter.com/janboehm

Zusammenbruch der Information: Irina Chevtaeva erklärt Russlands Entlastungspropaganda.


Russisches Framing: Russland inszeniert den Krieg in der Ukraine als alternativlos und “Rache für die Vergangenheit”, beobachtet Irina Chevtaeva bei epd Medien. “Politologen und Soziologen, die sich auf Russland spezialisiert haben, sehen jetzt aus wie Menschen, die bis zum 24. Februar den Elefanten im Raum nicht bemerkt haben.” Grund dafür ist u.a., dass die Vorzeichen des Krieges von der Propaganda ins Lächerliche gezogen wurden, urteilt die frühere Moskau-Korrespondentin. turi2 publiziert ihren Text in Kooperation mit epd Medien in der neuen, wöchentlichen Reihe “Das Beste von epd Medien bei turi2”. Weiterlesen …

Christian Drosten geht juristisch gegen “Cicero” und Roland Wiesendanger vor.

Rote Linie überschritten: Der bisher nicht als besonders dünnhäutig aufgefallene Virologe Christian Drosten verlangt vom "Cicero" und dem Physiker Roland Wiesendanger eine Unterlassung und wehrt sich erstmals juristisch gegen einen Professoren-Kollegen. Wiesendanger hatte Drosten Anfang Februar in einem "Cicero"-Interview eine Corona-Verschwörung vorgeworfen und behauptet, er habe die Öffentlichkeit über den Ursprung des Corona-Virus gezielt getäuscht und "die ganze Medienwelt, die ganze Politik in die Irre" geführt.

Drosten widerspricht dem Vorwurf vehement und versichert per eidesstattlicher Erklärung, dass ein menschgemachter Ursprung zum Corona-Ausbruch "aus mehreren wissenschaftlich-technischen Gründen unwahrscheinlich und in jedem Fall nicht belegbar" sei. Kern des Streits ist die Frage ob der Corona-Ausbruch eine Naturkatstrophe ist, auf einen Laborunfall zurückgeht oder sogar gezielt durch Menschen verbreitet wurde. Wiesendanger beruft sich bei seiner Kritik auf eine Telefonkonferenz mehrerer Virologen zu Beginn der Pandemie, bei der sich die Wissenschaftler, darunter auch Drosten, angeblich einheitlich auf eine Naturkatastrophe als Begründung für den Ausbruch verständigt hätten.
tagesschau.de, sueddeutsche.de

Debatte: RT inszeniert den Ukraine-Einmarsch so, wie es der Kreml wünscht.

Im Propaganda-Rausch: Der Staatssender Russia Today inszeniert den Ukraine-Einmarsch Russlands exakt so, dass es zu Putins Legende passt, analysiert Michael Hanfeld. Der Angreifer werde zum Opfer und das Opfer zum vermeintlichen Aggressor dämonisiert. RT-Reporter berichten in Helm und Schutzweste aus dem Kriegsgebiet über angebliche ukrainische Angriffe auf zivile Objekte und Zivilisten und behaupten, die Bevölkerung sei "in einem Zustand der Euphorie" dank der Mission zur "Befreiung" des Donbass durch die russische Armee.
faz.net

ARD und ZDF sagen Karnevalsübertragungen ab.

Krieg statt Karneval: Das ZDF und ARD blasen angesichts des russischen Angriffs auf die Ukraine alle Karnevalssendungen im TV ab. "Kölle Alaaf" und "Mainz bleibt Mainz" werden statt im Fernsehen zur Primetime nur in der ZDF-Mediathek zur Verfügung stehen. Auch die ab Montag geplanten ARD-Übertragungen wackeln, berichtet DWDL. Die Rosenmontagsfeier in Köln wurde wegen der Ereignisse ohnehin schon abgesagt. Stattdessen ist nun eine Friedensdemonstration in der Kölner Innenstadt geplant.
dwdl.de, tagesschau.de (Rosenmontagsfeier), turi2.de (Background)

Meedia-Interview: Gabor Steingart bezeichnet Mathias Döpfner als Bruder im Geiste.

Gegen den Strom: Gabor Steingart wirft deutschen Medien im Meedia-Interview mit Stefan Winterbauer eine "nie dagewesene Gleichförmigkeit" vor und beobachtet "ein neues Aktivistentum bei den Printmedien". Gleichzeitig vermisst Steingart "das Kauzige, das Provokante, das Unbequeme" und schlägt sich im Verlegerstreit auf die Seite von Springer-Chef Mathias Döpfner, den er als "Bruder im Geiste" bezeichnet.

Um "diese mediale Tiefebene, um ein paar gedankliche Hügel" zu bereichern, baut Steingart sein Medienimperium und seine Schiffflotte weiter aus. Ob das zweite geplante Medienschiff gebaut werden kann, entscheidet sich allerdings erst im Sommer und hängt vom Erfolg der Investorensuche ab.

"ThePioneer" hat laut Steingart mittlerweile über 15.000 zahlende Abonnentinnen und 220.000 Pioneers, die nun zu zahlenden Kundinnen konvertiert werden sollen. Wichtigstes Ziel sei es, die Medienmarke unabhängiger von Steingart zu machen, der gewohnt bescheiden zugibt, dass selbst die "Größten der Großen" wie Ted Turner und Rudolf Augstein irgendwann abtreten müssen. (Foto: Holger Talinski für turi2)
meedia.de (Paid)

Debatte: Medien übernehmen Kreml-Duktus, beobachtet Tobias Singer.

Krieg der Worte: Deutsche Medien übernehmen bei der Berichterstattung über den russischen Ukraine-Einmarsch häufig den Kreml-Duktus, beobachtet Tobias Singer. So sei von "Militäroperation" statt "Angriffskrieg" oder der russischen Armee auf Schutzmission zu lesen. Der "Berliner Zeitung" wirft Singer Hofberichterstattung vor. Das Blatt hatten in einem Artikel die ukrainischen Gebiete Donezk und Luhansk schon zu Volksrepubliken ausgerufen, von "Aggressionen der ukrainischen Streitkräfte" geschrieben und ohne Einordnung die Rede eines Kreml-Sprechers übernommen. Dabei sei Genauigkeit der Sprache in Kriegszeiten wichtiger denn je.
meedia.de 

Übermedien: “Bild” schiebt Karl Lauterbach Falschaussage zu Intensivstationen unter.

Falsches Bild: "Bild" übt sich in der Kunst des Weglassens und legt Gesundheitsminister Karl Lauterbach die Worte "Intensivstationen waren nie überlastet" in den Mund, dokumentiert Übermedien. Grundlage ist ein deutlich differenzierteres Zitat von Lauterbachs Staatssekretär. Das Springer-Blatt ist sich keiner Schuld bewusst. Es beruft sich auf das vollständige Zitat hinter der Paywall und lässt wissen "'Bild' hat nicht geschrieben 'Alle Intensivstationen waren nie überlastet'".
uebermedien.de

Hör-Tipp: Ranga Yogeshwar beobachtet Auflösung des gesellschaftlichen Konsens.

Hör-Tipp: Wissenschaftsjournalist Ranga Yogeshwar blickt im hy Podcast kritisch darauf, wie die Debatten um die Corona-Pandemie oder den Klimawandel unsere Gesellschaft verändern. Yogeshwar beobachtet die Auflösung des gesellschaftlichen Konsens hin zu einer postfaktischen Gesellschaft und das Wanken der Aufklärung, die durch soziale Medien befördert werden.
podcasts.apple.com

Zitat: Gerald Haug kritisiert rauen Ton in der Corona-Berichterstattung.

"Und immer wenn wir sprachlich intensiver wurden, also das Wort "Lockdown" im Titel hatten, hat das eine Riesenwelle gemacht – aber da war das Kind schon in den Brunnen gefallen."

Leopoldina-Chef Gerald Haug wehrt sich im Interview mit der "Welt am Sonntag" gegen den Vorwurf, Vater des Lockdowns zu sein, und übt Kritik am rauen Ton in der Corona-Berichterstattung.
"Welt am Sonntag", S. 4 (Paid)

Termin des Tages: “Bild” diskutiert mit Wissenschaftlerinnen.

termine2-logoTermin des Tages: "Bild"-Chefredakteur Johannes Boie stellt sich heute der Diskussion über den Umgang des Boulevard-Journalismus mit der Wissenschaft. Zum Live-Stream um 12.30 Uhr treten u.a. Viola Priesemann vom Max-Planck-Institut, Otmar Wiestler von der Helmholtz-Gemeinschaft und Michael Hallek von der Uniklinik Köln an. Das Event ist nach Anmeldung kostenfrei.
Die wichtigsten Termine der Branche: turi2.de/termine

Debatte: Schwurblerinnen bekommen zu viel Aufmerksamkeit in den Medien, kritisiert Imre Grimm.

Covidioten-Overkill: Die "giftspritzenden Protagonisten des Schwurbel-Undergrounds" erhalten zu viele mediale Bühnen in den von ihnen verhassten Mainstream-Medien, kritisiert RND-Autor Imre Grimm. "Edelfederporträts", deren Versuche, Schwurblerinnen zu entzaubern, würden allesamt scheitern. Beim flächendeckenden Berichten über "Spaziergänge" bestehe die Gefahr, "die Mär von der Spaltung der Gesellschaft" weiter zu fördern, die in Wahrheit nur zwischen einer "breiten Mehrheit" und einer "winzigen Minderheit" bestehe.
rnd.de

Basta: Klatschpresse denkt sich Baby-Bilder von Helene Fischer aus.

Abbildung ähnlich: Das Yellow-Press-Watchblog Topf voll Gold sammelt Berichte über das Baby von Helene Fischer und dessen Kinder­zimmer. Weil es von beiden keine Fotos gibt, müssen irgend­welche Baby-Bilder und Kinder­zimmer aus dem Einrichtungs­katalog her­halten – immerhin mit dem Zusatz "So könnte es aus­sehen". Der Leit­satz der Märchen-Postillen frei nach den Gebrüdern Grimm: "Und wenn es keine Bilder gibt, erfinden wir sie heute."
twitter.com/topfvollgold

Zitat: Florian Silbereisen will der Yellow-Press kein Futter geben.

"Ich würde mich gern mit den Fans mehr austauschen, aber jedes Wort, das ich auf Instagram oder sonstwo sage, schlachten ja dann hundert bunte Blätter aus. Ich muss bei jedem Halbsatz aufpassen."

Moderator und Entertainer Florian Silbereisen sagt im "stern"-Interview, dass er der Yellow-Press keine Legitimation für Berichte über sein Privatleben geben will. Letztlich sei er aber "auch zu faul dafür", in seiner Freizeit zu überlegen, was er posten könnte.
"stern" 4/2022, S. 33-37 (Paid)

Weitere Zitate aus dem Interview

zum Leben unter Beobachtung:
"Ich stehe oft unter Beobachtung, und dass Paparazzi gegenüber im Wald ein Camp aufschlagen und gucken, wer bei mir ein und ausgeht, ist ein Preis, den ich leider zahlen muss. Ich suche mir dann einen Berg zum Wandern, der muss ein bisschen steiler sein, da kommen die dann eh nicht mit."

zu vernichtenden Kritiken:
"Was ein paar Kritiker sagen, beeinflusst mich nicht. Ich denke, ich bin manchmal näher am Geschmack der Zuschauer als manche Kritiker. Wenn die ganz stark draufhauen, weiß ich schon: Oh, das könnte erfolgreich werden!"

über unkritisches Management:
"Ich kann überhaupt nicht verstehen, dass sich so viele Künstlerinnen und Künstler ein Umfeld schaffen, in dem alle immer nur Ja sagen und alles super finden. Sie bezahlen Menschen dafür, ihnen zu sagen, dass das, was sie machen, super ist? Das ist doch dumm! Wenn ich jemanden an meiner Seite habe, der mit mir eine Strategie verfolgt, brauche ich jemanden, der mir den Spiegel vorhält! Wenn man nur in seinem Tunnel rennt, merkt man nicht mehr, was links und rechts passiert."

über Authentizität:
"Ich bin kein Schlagersänger, der eigentlich lieber Popsänger wäre. Ich mag, was ich tue, und ich spiele keine Rollen dabei."

Zitat: Ex-“stern”-Chefredakteur Klaus Liedtke beschwert sich über Darstellung früherer Arbeit.

"Vor Ihnen arbeitende Generationen von 'stern'-Journalisten werden als sich 'gegenseitig belauernde' Haufen von Egomanen herabgewürdigt. Das ist in der Sache völlig falsch, und obendrein ein besonders mieser Stil."

Auch der ehemalige "stern"-Chefredakteur Klaus Liedtke ärgert sich in einem Leserbrief, aus dem Meedia zitiert, über die Darstellung der früheren Arbeitsweise beim "stern".
meedia.de (Paid), turi2.de (Background)

Spiegel TV verteidigt nachgestellte Demo-Szene.

Spiegel TV verteidigt seinen Plan, eine Demo-Szene für die ZDF-Sendung "Terra Xpress" mit Komparsen nachzustellen. In sozialen Netzwerken war der Vorwurf aufge­kommen, Spiegel TV würde Teilnehmerinnen echter Demos bezahlen. Dem wider­spricht Spiegel TV in einer Stellung­nahme und stellt klar, dass die Szene in der Sendung explizit als "nachgestellt" gekennzeichnet würde.
dwdl.de

Zahl des Tages: Zwei Drittel sehen Social Media in der Verantwortung für Spaltung.

Zahl des Tages: Satte 63 % der Befragten einer Forsa-Umfrage für "stern TV" glauben, dass soziale Medien die Haupt-Verantwortung dafür tragen, dass sich Befürworterinnen und Gegner von Impfungen und Corona-Maßnahmen erbittert gegenüber­stehen. 45 % sehen klassische Medien wie Zeitungen und TV in der Verantwortung. 54 % meinen, Gegner der Corona-Maßnahmen und der Impfungen würden von Medien und Politik zu viel berücksichtigt.
presseportal.de

Dänische Boulevardzeitung entschuldigt sich für Behördenpanne bei Corona-Zahlen.

Selbstkritik: Die dänische Boulevardzeitung "Ekstra Bladet" entschuldigt sich per Leitartikel für die Veröffentlichung fehlerhafter Corona-Zahlen. Das Blatt reagiert damit auf eine Datenpanne der dänischen Behörden. Die hat dazu geführt, dass bei der Meldung der Corona-Zahlen monatelang nicht zwischen Krankenhauspatienten mit Covid-19 als Erst- oder Zweitdiagnose unterschieden wurde.
bild.de

Debatte: ARD und ZDF sollten weniger abgehoben auftreten.

Weniger ist mehr: ARD und ZDF sollten weniger Tendenz wagen, fordert CDU-Mitglied Andreas Rödder in einem "FAZ"-Gastbeitrag. Der öffentlich-Rechtliche Rundfunk solle zu den "Prinzipien des Beutelsbacher Konsenses zurückkehren, statt sich in Erhebungen der eigenen Glaubwürdigkeit zu gefallen". Auch Reformen zur Erhebung der Rundfunkgebühr, eine Diskussion über Gehälter und Sinn oder Unsinn, alles Wünschenswerte selbst zu finanzieren, sei Rodder zufolge durchaus angebracht.
faz.net (Paid)

Sprachkritiker küren “Eigenverantwortung” zu Floskel des Jahres 2021.

Bewusst falsch verstanden: Das sprach­kritische Blog Floskelwolke kürt den Begriff "Eigen­verantwortung" zur Floskel des Jahres 2021. Der Begriff ende ausgehöhlt "als Schlagwort von politisch Verantwortlichen, die der Pandemie inkonsequent entgegen­wirken", heißt es zu Begründung. "Fehlgedeutet als Synonym für soziale Verantwortung" werde der Begriff von Impf­gegnerinnen als "Recht­fertigung für Egoismus" gekapert. Weitere Floskeln sind "klima­neutral", "links-gelb", "unvorhersehbar" und "Instrumenten­kasten".
tagesspiegel.de, floskelwolke.de (Ranking mit Begründung)

“Welt am Sonntag” wirft Deutscher Welle Förderung von Assad-Sympathisanten vor.

Deutsche Welle: Die "Welt am Sonntag" wirft dem Sender vor, Befürworter des syrischen Diktators Assad gezielt gefördert zu haben. In der Kritik steht ein syrischer Journalist, der Assad-Sympathisant und bis 2019 über 30 Mal in DW-Sendungen aufgetreten sein soll. Zudem soll er als Producer für die Deutsche Welle gearbeitet haben. DW-Chef­redakteurin Manuela Kasper-Claridge schreibt in einer E-Mail an eine Mitarbeiterin der englischen Redaktion, Pro-Assad-Stimmen würden im Interesse der Unparteilichkeit zu Wort kommen.
edition.welt.de (Paid), turi2.de (Background)

“Zeit”: Julian Reichelt will auch künftig “Journalismus für die Massen” machen.


Zeit für Widerspruch: Der geschasste "Bild-Chef Julian Reichelt bricht sein Schweigen und gibt im großen "Zeit"-Interview mit Cathrin Gilbert erstmals nach dem Rauswurf bei Springer einen Einblick in seine Zukunftspläne. "Ich werde auf jeden Fall weitermachen", sagt er. Sollte es keinen passenden Job für ihn geben, "hat man in einem freien Land ja die Möglichkeit, sich diesen Job selber zu schaffen". Nur PR wie sein journalistischer Ziehvater Kai Diekmann wolle er nicht machen, "sondern Journalismus für die Massen". Reichelt "liebe es, Millionen Menschen eine starke Stimme zu geben".

Von Springer-Chef Mathias Döpfner ist Reichelt "enttäuscht". Er habe Döpfner "nicht angelogen", seine Beziehung sei bekannt gewesen. "Deswegen hat es mich sehr überrascht, wie überrascht er gewesen sein will", sagt Reichelt. Sein Verhältnis zu Döpfner beschreibt Reichelt "wie eine Familie, die in guten und in schwierigen Zeiten zusammenhält". Dass beide sich "mit irgendwelchen Schmutzgeschichten" gegenseitig Schaden zufügen würden, sei eine "Sehnsuchtsgeschichte unserer politischen Gegner".

Reichelt öffne sich nun, weil er "nichts zu verbergen" habe. Schon das Wort "MeToo" sei im Zusammenhang mit ihm eine "Verleumdung". Im gesamten Compliance-Verfahren haben es keinen Menschen gegeben, "der sich selbst als "Opfer" bezeichnet hat, auch wenn das in den Medien so dargestellt wurde". Auch sei ihm nie eine Aussage präsentiert worden, "in der mir jemand 'Machtmissbrauch' vorwirft", sagt Reichelt. Insbesondere gegen den "Spiegel" teilt Reichelt aus und wirft dem Nachrichtenmagazin vor, "komplette Sachverhalte erfunden" zu haben.

Schon vergangene Woche hatte sich Reichelt nach langer Pause erstmals wieder bei Twitter zu Wort gemeldet und an der Legende gestrickt, er sei Opfer seiner politischen Linie.
zeit.de (Paid), horizont.net (Zusammenfassung), turi2.de (Background)

Debatte: Corona bringt auch den Journalismus an den Rand, schreibt Georg Mascolo.

Randerfahrung: Corona bringt nicht nur das Gesundheits­system an den Rand, sondern auch den Journalismus, schreibt Georg Mascolo. Medien­schaffende seien in dieser Krise "nicht nur Beobachter, sie sind auch Betroffene". Dabei die Distanz zu wahren, "ist schwierig, aber unerlässlich". Vor Corona seien Medien für die Gefahr durch globale Seuchen "zu lange recht blind" gewesen, nach der Pandemie sei daher auch für den Journalismus Aufklärung notwendig.
sueddeutsche.de (Paid)

“Abschüssiger Pfad” – turi2 Clubraum mit Samira El Ouassil diskutiert über Reichelts Twitter-Tirade.


Es reichelt: "Julian Reichelt befindet sich auf einem abschüssigen Pfad", findet Peter Turi im turi2 Clubraum. Er empfiehlt dem geschassten "Bild"-Chefredakteur, seine bezahlte Auszeit zu nutzen, "um in sich zu gehen und über sich und sein Leben nachzudenken". Gemeinsam mit Medienkritikerin Samira El Ouassil und Moderatorin Tess Kadiri diskutiert Turi die Legenden-Bildung, die Reichelt gerade auf Twitter versucht. Auch El Ouassil, die sonst bei Übermedien schreibt und über Philosophie und Gesellschaft podcastet, findet es "hoch problematisch", dass sich der "ewige Kriegsreporter" Reichelt "als Märtyrer und Jeanne d’Arc der politischen Führung inszeniert". Auf dem abschüssigen Pfad befinde er sich schon lange – gerade beschreite er "die letzten Meter".

Moderatorin Kadiri befürchtet, dass Reichelt zum neuen Idol in der Verschwörungs-Ecke des Internets heranwachsen könnte, Turi sieht Reichelt nahtlos anknüpfen an den umstrittenen DDR-Vergleich von Mathias Döpfner. El Ouassil zieht Parallelen zum Fall von Matthias Matussek – "eine Selbstradikalisierung, die aus der Ökonomie der Widerständigkeit erwächst". Wenn die eigene politische Meinung eine Einbahnstraße sei, stehe man irgendwann mit dem Rücken zur Wand und könne nur noch "fauchen, kratzen und beißen".

Im turi2 Clubraum diskutiert Tess Kadiri jeden Freitag um 12 Uhr mit einem prominenten Gast und einem Mitglied der turi2-Redaktion die Themen der Woche und spricht über Leben und Werk des Gastes. Wie sie Muße und Inspiration zum Schreiben findet und warum Ambiguitätstoleranz ihr Lieblingswort ist, erklärt El Oaussil im Clubraum-Podcast – und freut sich über die Zuschreibung von turi2, sie sei die "Grace Kelly der Medienkritik". In der kommenden Woche wird Lars Haider zu Gast sein. Der Chefredakteur des "Hamburger Abendblatts" hat ein Buch über den Bald-Kanzler Olaf Scholz geschrieben.
turi2.tv (40-Min-Podcast bei YouTube), apple.com, spotify.com, deezer.com, turi2clubraum.podigee.io

Lokal-Journalist klagt gegen Seilbahn-Betreiber, der ihn mit Goebbels vergleicht.

Von der Seilbahn abgekommen: Der Vorstand der Karwendelbahn im bayerischen Mittenwald rückt Lokal-Reporter Christof Schnürer vom "Garmisch-Partenkirchner Tagblatt" in die Nähe von Nazi-Propagandist Joseph Goebbels. Der Journalist klagt dagegen. Das Landgericht spricht von "zulässiger Meinungsäußerung", das OLG München sieht "Aussicht auf Erfolg". Statt Einigung wiederholt der Seilbahn-Vorstand seinen Vorwurf "Propaganda­minister" jedoch und wirft dem Richter Befangenheit vor. Ein Urteil soll im Januar fallen.
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Medienanstalt prüft Verstoß gegen Sorgfalts­pflicht bei RTL-Interview mit “Patienten­mörder”.

Bühne für den Täter: Die LfM NRW hat wegen eines möglichen Verstoßes gegen die journalistische Sorg­falts­pflicht ein Verfahren gegen RTL Interactive eingeleitet, sagt eine Sprecherin dem epd. Es geht um ein Interview mit einem früheren Kranken­pfleger in einer TVnow-Doku. Er hatte Patienten mit Medikamenten vergiftet, um sie zu reanimieren und als Lebens­retter zu glänzen. Das Interview war von der JVA Oldenburg nicht genehmigt. Angehörige der Opfer und Expertinnen reagierten empört auf die Selbst­inszenierung des verurteilten Mörders.
rnd.de, dwdl.de

Debatte: Impfaktionen im TV bringen wenig, sagt Marlene Knobloch.

Preaching to the choir: "Süddeutsche"-Autorin Marlene Knobloch bezweifelt die Wirksamkeit von Impf­aktionen wie bei ProSieben oder beim ORF. Die meisten Impf­gegner gehören schon "lange nicht mehr zum Tagesschau-Publikum" und es ist ihnen egal, ob TV-Sender impfen oder nicht, sagt sie. Und wenn dann noch Matthias Opdenhövel live die Sorgen einer Impfwilligen "stammelnd" wegtätschelt, sei dies erst recht nicht hilfreich.
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