Meinung: Frauenquote der “taz” in Artikeln ist nachahmenswert.

Journalismus: Rund zwei Drittel der erwähnten Personen in deutschen Tageszeitungen sind männlich, errechnet der Gendertracker. Die "taz" bildet mit fast 40 % Frauen eine Ausnahme, denn sie hat sich eine Quote auferlegt, schreibt Annika Schneider. Frauen hätten oft Zweifel an ihrer eigenen Expertise, Redakteure suchten Gesprächspartner v.a. in Adressdatenbanken, Archiven und sozialen Medien – wo mehr Männer vorkommen. Es gehe nicht um Frauenförderung, sondern andere Netzwerke, Themen und Perspektiven für den Journalismus, sagt Tabea Grzeszyk.
deutschlandfunk.de

Meinung: Journalisten müssen Sprach-Framing erkennen.

Nachrichtensprache: Journalisten berichten über den "Wirtschaftsnobelpreis", obwohl es ihn nicht gibt – das zeigt ein grundsätzliches Problem mit inhaltlich falscher Verkürzung, meint Tanja Köhler. Journalisten sollten besser auf objektive Sprache achten. Köhler rät, weder positiv umgedeutete Begriffe wie "Gute-Kita-Gesetz", noch negative wie " Kopftuchmädchen" zu nutzen. T-Online scannt seine Artikel dafür z.B. mit einer Software, die Floskeln findet, der "Guardian" hat einen Style-Guide.
deutschlandfunk.de

Meinung: Die Autorisierung von Interviews hat Vorteile.

Autorisierung von Zitaten und Interviews ist nicht grundsätzlich schlecht, schreibt Harald Hordych, Vize-Chef der "SZ am Wochenende". Gerade die gefälschten von Tom Kummer und Claas Relotius wären mit Autorisierung eher aufgeflogen. Zudem gäbe dem Interviewten das Wissen, später noch einmal einschreiten zu können, die Ruhe, um offener und vertraulicher zu sprechen.
sueddeutsche.de

Hör-Tipp: Kabarettist Dieter Nuhr hält Greta-Witze für legitim.

Hör-Tipp: Kabarettist Dieter Nuhr verteidigt im Podcast von Gabor Steingart seine Witze über Greta Thunberg. Der Vorwurf, er habe sich an einem 16-jährigen Mädchen vergriffen, sei "völlig idiotisch", er habe sich die "mächtigste Frau der Welt" ausgesucht, die Staatschefs trifft und maßgeblichen Einfluss auf die Gesellschaft nehmen wolle. Nuhr bemühe sich, in seiner Sendung "in alle Richtungen auszuteilen". Ihn stört, dass bei Kontroversen heute zu oft "etikettiert" statt argumentiert werde.
gaborsteingart.com (ab 11:21 Min)

Video-Tipp: ORF-Show führt Boulevardpresse mit Fake-Video vor.

Video-Tipp: ORF-Satiriker Peter Klien erklärt in seiner Show Gute Nacht Österreich die Methoden der Boulevardpresse und lässt "Krone", Österreich" und "Heute" ins offene Messer laufen. Sein Team hat in ein Spielplatz-Video einen Skorpion montiert und mittels Fake-Accounts verbreitet. Den Boulevardblättern reichte das ohne weitere Recherche für Titelstorys. Die "Krone" wirft dem ORF nun vor, Fake News in die Welt gesetzt zu haben.
youtube.com (15-Min-Video) via derstandard.at, krone.at

Lese-Tipp: “Spiegel” veröffentlicht Abschnitt aus Juan Morenos Relotius-Buch.

Lese-Tipp: Der "Spiegel" veröffentlicht einen Auszug aus dem Buch von Juan Moreno über Claas Relotius. Moreno charakterisiert Relotius als notorischen Lügner und beschreibt, wie der Reporter gegenüber Vorgesetzten eine krebskranke Schwester erfand. Steffen Klusmann schreibt, Morenos Buch sei keine Abrechnung – aber keines, das dem "Spiegel" gefallen kann.
spiegel.de (Auszug), spiegel.de (Klusmann)

Aus dem Archiv von turi2.tv: "Spiegel"-Chef Steffen Klusmann über die Konsequenzen aus dem Relotius-Skandal.

Buch-Tipp: “Spiegel”-Autor Juan Moreno dokumentiert Fall Relotius.

Buch-Tipp: "Spiegel"-Autor Juan Moreno (Foto) veröffentlicht am 17.9. das Buch Tausend Zeilen Lüge – das System Relotius und der deutsche Journalismus. Das Werk ist spannend, aber nicht voyeuristisch sowie dokumentarisch, aber nicht trocken, rezensiert die "Süddeutsche Zeitung". Relotius sei heute krank und in Behandlung, schreibt Moreno.
"Süddeutsche Zeitung", S. 48 (Paid)

Aus dem turi2.tv-Archiv: "Mehr Rechte für die Dokumentation" – Relotius-Aufklärerin Brigitte Fehrle im Interview (Archiv 05/2019).

Video-Tipp: Julian Reichelt verteidigt Metzelder-Berichte in “Bild”.

Video-Tipp: "Bild"-Chef Julian Reichelt verteidigt im "Zapp"-Interview die Verdachts­bericht­erstattung im Fall Christoph Metzelder und rühmt sich damit, Hinweise auf mögliche Straftaten pflichtbewusst an Ermittler weiterzugeben. Sollte sich Metzelders Unschuld erweisen, stellt Reichelt eine prominente Berichterstattung "in tatsächlich vergleichbarem Umfang" in Aussicht.
ndr.de (7-Min-Videos + Einzel-Interviews)

Zitat: “Spiegel”-Reporter Juan Moreno hätte Relotius-Geschichte auch der Konkurrenz angeboten.

"Ich glaube, dass viele auf eine Geschichte wie diese gewartet hätten."

"Spiegel"-Reporter Juan Moreno darf im "Zeit"-Interview sein Buch bewerben, in dem er schreibt, wie er Claas Relotius hat auffliegen lassen. Moreno wäre auch zur Konkurrenz gegangen, hätte der "Spiegel" versucht, die Sache unter den Teppich zu kehren.
"Zeit" 38/2019, S. 55/56 (Paid)

Stuttgarter Zeitungen haben kein Ohr für Stuttgart-21-Kritiker Arno Luik.

Stuttgarter Zeitung und ihre Schwester Stuttgarter Nachrichten verharren im Schweigen über Bahn-Kritiker Arno Luik (Foto), beobachtet Anna Hunger. Luiks überregional rezensiertes Buch und eine Rede in Stuttgart finden bei der Stuttgart-21-freundlichen Redaktion nicht statt. Ein schon fertiger Text soll vom stellvertretenden Chefredakteur Michael Maurer gestoppt worden sein.
kontextwochenzeitung.de

Joachim Huber hält den “Mainzelzwergen” ein zu geringes Interesse an Nachrichten vor.

ZDF unterstreiche mit der jüngsten Verschiebung des "Heute-Journal" in die Nacht, dass es mehr Unterhaltungs- als Informations-Ambitionen pflegt, kommentiert Joachim Huber. Wegen Fußball auf RTL verbannte das ZDF die Nachrichten hinter eine Krimi-Wiederholung. Huber belehrt die "lieben Mainzelzwerge", sie hätten ihren Informationsauftrag ernster als ernst zu nehmen.
tagesspiegel.de

“Spiegel”-Essay: YouTuber Rezo kritisiert dpa und DJV.

Mehr Kritik wagen: Journalisten fehlt es oft an Bereitschaft zur Selbstkritik, schreibt YouTuber Rezo in einem "Spiegel"-Gastbeitrag. Er berichtet von seinen Erfahrungen nach seiner Print-Kritik in einem Video der YouTuber Space Frogs und kritisiert den DJV und die dpa. Eine später wieder zurückgezogene Pressemitteilung der Journalistengewerkschaft habe ihm fälschlicherweise vorgeworfen, Journalisten pauschal zu diffamieren. Die dpa hatte die Meldung aufgegriffen und viele Medien übernahmen den Text – wie Rezo glaubt – ohne das 14-minütige Original-Video anzusehen. Erst nach einer langwierigen Intervention sei die dpa bereit gewesen, eine Korrektur zu veröffentlichen.

Rezo ist der Meinung, dass die Meldung nur deswegen so detailliert aufgearbeitet worden sei, weil er eine hohe Reichweite hat, "irgendeine Random Oma hätte von der dpa keine Entschuldigung erhalten". Der YouTuber folgert, dass viele Fehler nicht verbessert werden und spricht der Nachrichtenagentur sein Misstrauen aus: "Ich kann keinem dpa-Artikel mehr blind vertrauen." In Zeiten von Fake News bringe die fehlende Bereitschaft zur Selbstkritik einiger Journalisten die ganze Branche in Verruf. Rezo fordert: "Lasst uns mit den vielen großartigen Journalisten in diesem Land genau auf die Presse gucken und jedes Fehlverhalten kritisieren."
"Spiegel" 36/2019, S. 114-115 (Paid), turi2.de (DJV)

Mitarbeit: Markus Trantow

Zitat: “Monitor”-Chef Georg Restle wünscht sich unter Kollegen mehr Zusammenhalt.

"Mit Grabenkämpfen zwischen öffentlich-rechtlichen und privaten Journalisten ist jedenfalls niemandem
gedient. Der Demokratie am wenigsten."


"Monitor"-Chef Georg Restle appelliert im "Journalist"-Interview an die eigene Zunft, gemeinsam die Grundrechte der demokratischen Gesellschaft "offensiver zu verteidigen".
"Journalist" 9/2019, S. 30-37 (Paid), turi2.de (Background)

Meinung: Ferndiagnosen von Psychologen in Medien sind häufig unseriös.

Journalismus: Ferndiagnosen von Kriminologen und Psychiatern, die nach Straftaten Hintergründe zu mutmaßlichen Tätern in Medien einordnen, sind meist unseriös, beobachtet Übermedien. Die Berichterstattung über Selbsttötung fordert laut Pressekodex Zurückhaltung. Das Gebot werde oft gebrochen, psychische Erkrankungen häufig stigmatisiert.
uebermedien.de

Renner: Der “Spiegel” entlässt Relotius-Förderer Matthias Geyer.


Relotius-Relegation: Der "Spiegel" hat Matthias Geyer, Förderer von Claas Relotius und zuletzt Redakteur für besondere Aufgaben, gekündigt, schreibt Kai-Hinrich Renner. Gegen die Kündigung gehe Geyer juristisch vor. Am Dienstag werde der Fall vor dem Arbeitsgericht Hamburg verhandelt.

Bereits im Juni hatte Renner berichtet, dass der "Spiegel" und Geyer Gespräche führen würden, an deren Ende eine Trennung stehen könnte. Vor der Relotius-Affäre um gefälschte Reportagen plante der "Spiegel" noch, Geyer zum Blattmacher zu befördern.
waz.de, turi2.de (Background)

Daniel Bouhs erkundet die Fehlerkultur der dpa.

dpa: Zum 70. Geburtstag der Nachrichtenagentur fragt Daniel Bouhs nach der Fehlerkultur und dekliniert spektakuläre Falschmeldungen durch, z.B. einen Terroranschlag, den es nie gab. Chefredakteur Sven Gösmann warnt vor Deepfakes: "Wir müssen uns alle davor fürchten." Manchmal findet Bouhs die Korrekturen der dpa "in diesen schnellen Zeiten" zu langsam – zuletzt bei der Causa Linnemann.
taz.de

Aus dem Archiv von turi2.tv: "Hundefutter werden wir nie verkaufen" – Sven Gösmann über die dpa in Zeiten sinkender Auflagen. (4-Min-Video, 2/2019)



“Welt am Sonntag” stellt Wettbetrugs-Enthüllung des “Spiegel” infrage.


Kontrolle ist besser: Die "Welt am Sonntag" erhebt weitere Zweifel am Wahrheitsgehalt eines Textes von Football-Leaks-Enthüller Rafael Buschmann (Foto) aus dem Jahr 2014 über ein verschobenes WM-Spiel. Der zuständige Dokumentar habe schon vor der Veröffentlichung "keine hinreichenden Dokumente oder Beweise" für Buschmanns These finden können, dass das Spiel zwischen Kroatien und Kamerun manipuliert wurde. Er notierte "kein Beleg" auf dem Prüf-Manuskript, das laut "WamS" noch existieren soll. Der damalige Sport-Ressortleiter Michael Wulzinger habe die Einwände des Dokumentars übergangen und den Text ins Blatt gehoben.

Der "Spiegel" habe einen Fragenkatalog der "Welt am Sonntag" zu dem Thema nicht beantwortet. Stattdessen teilt der Verlag mit, dass es zu dem Artikel nun weitere Recherchen gebe. Bisher gebe es keine Belege für eine Fälschung. Medienjournalist Kai-Hinrich Renner hatte Anfang August berichtet, dass die geplante Beförderung Buschmanns zum Investigativ-Chef zunächst auf Eis liegt.
"Welt am Sonntag", S. 35 (Paid), turi2.de (Background)

Mitarbeit: Markus Trantow

Deniz Yücel kritisiert “Spiegel”-Bericht über Bloggerin Marie Sophie Hingst.

Spiegel-Kritik: "Welt"-Reporter Deniz Yücel kritisiert "Spiegel"-Autor Martin Doerry für dessen Geschichte über die inzwischen tote Bloggerin Marie Sophie Hingst. Hingst hatte Yücel während seiner Haft in der Türkei fast täglich Postkarten geschrieben. Yücel ärgert Doerrys Darstellung, sie habe damit "Nähe zu anderen Opfern" gesucht und sei auf "positive Schlagzeilen" aus gewesen. Yücels Vorwurf: Doerry habe die eigentlich nebensächliche Postkarten-Aktion nur deshalb aufgegriffen, weil sie gut in sein Bild von Hingst als "gewissenlose Hochstaplerin und schamlose Selbstdarstellerin" passte.
welt.de (Paid), turi2.de (Background)

Zitat: Georg Restle beklagt, dass Journalisten es den Populisten leicht machen.

"Wann endlich lernen auch wir Journalisten, abzuwarten, bis die Fakten auf dem Tisch liegen; nicht alles zu glauben, was einem die Polizei erzählt und mal darüber nachzudenken, welche Auswirkungen eine solche Berichterstattung auf eine Gesellschaft hat, deren Debatten zum Thema Flüchtlinge sowieso schon völlig überhitzt sind?"

Georg Restle von "Monitor" kommentiert die mediale Erregung um die Rheinbad-Räumung. Polizei und Journalisten verbreiten Falsches, das die AfD aufbauscht und ausschlachtet.
ardmediathek.de (9-Min-Video)

Zitat: Thomas Knüwer rät Interviewten zum Paywall-Boykott.

"Jedes journalistische Stück hinter einer Bezahlschranke bedeutet, dass es dem wichtigsten Ort der gesellschaftlichen Information und Debatte entzogen wird: dem Internet. Im Gegenzug wird dieser Ort den Extremisten, Trollen und Lügnern überlassen."

Thomas Knüwer beobachtet die aus dem Ruder gelaufene Debatte um das Grundschulverbot für Migranten – und rät Interviewpartnern zur Absage, wenn sie hinter einer Paywall versteckt werden.
indiskretionehrensache.de

Meinung: “Spiegel Geschichte” verbreitet Stereotypen bei Titelgeschichte über Judentum.

Spiegel: Meron Mendel, Direktor der Bildungsstätte Anne Frank, kritisiert das Titelbild von "Spiegel Geschichte", berichtet Deutschlandfunk Kultur. Auch die jüdische Bloggerin Juna Grossmann kritisiere die Verbreitung von Stereotypen. Das Cover zeigt unter der Überschrift "Jüdisches Leben in Deutschland – Die unbekannte Welt nebenan" ein Foto zweier orthodoxer Juden in traditioneller Kleidung.
deutschlandfunkkultur.de, twitter.com

Meinung: Chefredakteur nutzen Rankings, um ihre Redaktionsbudgets zu schützen.

Chefredakteure schützen ihre Budgets "vor weiteren Einschnitten" mithilfe von Zitate-Rankings, beobachtet Ulrike Simon. Die "Ersatzwährung" verliere nicht mal durch ihren schlechten Ruf und unseriöse Methodik an Bedeutung. Verlage brächten Journalisten mit ihren Erfolgserwartungen dazu, "auf der Berichterstattungswelle zu surfen, anstatt mit eigenen Recherchen gegen den Strom zu schwimmen".
"Horizont" 31/2018, S. 18 (Paid)

Meinung: Die Herkunft des mutmaßlichen Täters sollte genannt werden.

Medienethik: Journalisten sollten die Herkunft des mutmaßlichen Täters vom Frankfurter Hauptbahnhof nennen, argumentiert Ines Pohl, Chefredakteurin der Deutschen Welle. Da es eine Debatte darüber gibt, ob und was der Fall mit der Zuwanderung zu tun hat, bestehe öffentliches Interesse. Das rechtfertige aber nicht das Verhalten von Medien, die "Rassismen befeuern, weil es Aufmerksamkeit bringt - und Umsatz".
dw.com/de

Aus dem turi2.tv-Archiv: "Ich finde Perspektiv-Wechsel gut." Chefredakteurin Ines Pohl über ihr erstes Jahr bei der Deutschen Welle.

Meinung: “Bild” bedient AfD-Themen kampagnenartig.

bildlogoBild verfolgt keine antimuslimische Agenda, bedient aber kampagnenartig AfD-Themen wie Flüchtlinge und Justizversagen, sagt Ex-"BamS"-Chefredakteur Michael Spreng bei Mediasres. Medienwissenschaftler Kai Hafez beobachtet seit 2015 eine Umorientierung: "Bild" habe erst mit anderen Medien die Willkommenskultur unterstützt, dem sei bald ein "stark intendierter Rechtsruck in der Chefredaktion" gefolgt.
deutschlandfunk.de

Zitat: Thomas Seitel beklagt Angriffe der Klatschpresse.

"Journalisten stehen bei meiner Oma und meinem Opa im Hausflur."

Thomas Seitel, Akrobat und Lebenspartner von Helene Fischer, beschreibt die Klatsch-Presse im Interview mit dem "Zeit-Magazin" als "Tornado", der über seine betagten Großeltern hereingebrochen sei. Die Situation sei so belastend, dass er sich entschlossen habe, darüber zu sprechen.
zeit.de (Paid), zeit.de (Vorabmeldung)

Medienkritik: Spiegel TV gerät wegen “Saarbrooklyn”-Beitrag in die Kritik.

Spiegel TV handelt sich Ärger für seinen Beitrag "Saarbrooklyn – Der Randbezirk der Gesellschaft" ein – die Stadt Saarbrücken hat Programmbeschwerde bei der Medienanstalt Hamburg/Schleswig-Holstein eingereicht. Der 20-minütige Beitrag thematisiert überwiegend Armut und Drogen, der Stadtverwaltung sei keine Gelegenheit zur Stellungnahme gegeben worden. Spiegel-TV-Mitarbeiter sollen außerdem einem Süchtigen 20 Euro gezahlt haben, damit er sich vor der Kamera spritzt.
saarbruecker-zeitung.de

Wirecard beschuldigt die “Financial Times” der Beihilfe zur Marktmanipulation.


Oh Wire: Wirecard fordert die "Financial Times" in einem Brief auf, keine Artikel mehr über den Konzern zu publizieren. Stattdessen solle die Zeitung Fehlverhalten in den eigenen Reihen aufdecken. Wirecard habe "unwiderlegbare Beweise für eine Zusammenarbeit zwischen Mitarbeitern der 'Financial Times' und Shortsellern".

Es soll sich um die Tonaufzeichnung eines Gesprächs handeln, bei dem ein Investor einem anderen empfiehlt, auf den Kursverfall der Wirecard-Aktie zu spekulieren, die durch einen neuen, kritischen Artikel in der "Financial Times" fallen werde. Die Zeitung schreibt seit längerem regelmäßig über seltsame Zahlungsströme bei dem Unternehmen.Die Bafin hatte im Februar ein befristetes Leerverkaufsverbot für Wirecard-Aktien festgelegt.
handelsblatt.com, turi2.de (Background)

Meinung: Medien begeben sich bei der Wahlberichterstattung auf Schlingerkurs.

Medien rudern nur halbherzig zurück, nachdem sie Jens Spahn bereits den Posten als Verteidigungsminister zugesprochen haben, beobachtet Clara Lipkowski. Die "Rheinische Post" vermeldete den Wechsel unter Berufung auf Regierungskreisen, Focus Online machte daraus ein "Drama in 3 Akten". Beim "Tagesspiegel" war noch bis Mittwochnachmittag die Foto-Unterzeile "Bundesgesundheitsminister Jens Spahn könnte neuer Verteidigungsminister werden." zu lesen.
sueddeutsche.de

NZZ lässt sich von AfD und Shitstorms leiten, meint Daniel Binswanger.

NZZ positioniert sich zunehmend shitstorm­getrieben auf dem deutschen Markt, analysiert Daniel Binswanger. Sie unterstütze die Gemäßigten innerhalb der AfD, Chefredakteur Eric Gujer gehe mit seinen Kommentaren an die Grenzen dessen, was auf dem Boden einer liberal-demokratischen Grundhaltung steht. Binswanger vermisst klare publizistische Linien und sieht ein Unternehmen, das die Grenzen des politischen Anstands austestet.
republik.ch


Steingart-Podcast: Maaßen beklagt “Inzucht in den Redaktionsstuben”.

Gabor Steingart lässt den geschassten Verfassungsschutz-Präsidenten Hans-Georg Maaßen (Foto) zur Schelte auf öffentlich-rechtliche Medien antreten. Das Mitglied des erzkonservativen Unionsflügels Werteunion sieht in deutschen Redaktionen eine links-grüne Mehrheit und beklagt "Inzucht" – "bestimmte Netzwerke fördern ihre Leute, die sie dann nach oben bringen". Tendenziöse Berichterstattung gesteht der "politisch interessierte Bürger" privaten Tageszeitungen zu, von ARD und ZDF verlangt er Objektivität. Maaßen findet, dass über den "Skandal" um das Framing Manual der ARD nicht ausreichend diskutiert wurde. Er selbst informiere sich bei Gabor Steingart, in der Schweizer "NZZ", österreichischen und englischsprachigen Zeitungen.
gaborsteingart.com (24-Min-Audio, ab Min 7)

Meinung: Nennung der Nationalität von Verdächtigen birgt Gefahren.

Pressekodex: Die Nennung der Nationalität von Verdächtigen deckt das Informationsinteresse der Öffentlichkeit, befeuert aber Vorurteile, schreibt die "Süddeutsche Zeitung". Die Polizei hatte nach der Vergewaltigung in Mülheim an der Ruhr von "bulgarischen" Verdächtigen gesprochen, was Boulevardmedien anders als die zunächst wartende "Süddeutsche Zeitung" aufgriffen.
sueddeutsche.de

Deutsche Talkshows spalten die Gesellschaft, meint Carolin Emcke.

Deutsche Talkshows fördern die öffentliche Meinungsbildung und gesellschaftlichen Diskurs nicht, sondern verhindern sie, kritisiert Publizistin Carolin Emcke. Die Prinzipien Objektivität und Unparteilichkeit, Meinungsvielfalt und Ausgewogenheit würden von den Machern fehlinterpretiert. Nicht jede Frage eigne sich für Pro und Kontra, außerdem reduzierten Talkshows jedes Gespräch auf "dumpfe Gegnerschaft".
sueddeutsche.de

Meinung: Deutsche Medien müssen den ewigen Konsens abschaffen.

Deutschen Medien droht "Dauerdepression", diagnostiziert Journalist Rainer Stephan. Sie übersähen, dass es in der aktuellen Krise nicht um digital oder analog gehe, sondern um Vertrauensverlust bei jungen Menschen durch "kultivierte Gedämpftheit" und ewigen Konsens. Stephan rät Redakteuren, sich dem Anpassungsdruck der eigenen Redaktionen zu widersetzen und "von unten nach oben zu agieren".
kontextwochenzeitung.de

Zitat: Wir brauchen bessere Medien-Hygiene, sagt Maren Urner.

"Wir sind sehr gut darin, die Zähne zu putzen, eine gewisse Körper- oder Gesundheitshygiene zu betreiben und überlegen sehr gut, was wir konsumieren. Wenn es zu unserem Medienkonsum kommt, sind wir allerdings sehr unkritisch."

Maren Urner, Gründerin von "Perspective Daily" plädiert im "FAZ"-Interview für Medienhygiene und gegen "die Vermüllung unserer Gehirne". Dazu gerhöre, Medien bewusst einzeln zu konsumieren und nicht nur Überschriften durchzuklicken.
"FAZ", S. 13 (Paid)

Aus dem turi2.tv-Archiv (02/2016): Maren Urner will mit konstruktivem Journalismus Probleme lösen.

Renner: Relotius-Förderer Matthias Geyer könnte “Spiegel” verlassen.

Spiegel und Matthias Geyer, Förderer von Claas Relotius und derzeit Redakteur für besondere Aufgaben, gehen womöglich getrennte Wege, schreibt Kai-Hinrich Renner. Geyer führe Gespräche mit der Personalabteilung, an deren Ende eine Vertragsauflösung stehen könnte. Der zweite Relotius-Förder, Ulrich Fichtner, der sich als Reportern nach Paris gerettet hat, werde wohl bleiben.
morgenpost.de (Paid), turi2.de (Background)

Burda-Blatt “Freizeit Revue” unterliegt gegen Lebensgefährten von Helene Fischer.


Freund oder Freund, das ist hier die Frage: Burdas Klatschblatt "Freizeit Revue" muss auf dem Titel eine Gegendarstellung des Lebensgefährten von Sängerin Helene Fischer abdrucken, urteilt das Landgericht Offenburg. Das Blatt hatte getitelt: "Helene Fischer: Das Baby-Interview – Sensationell, was ihr Freund verrät." Zwar war ihr Lebensgefährte, Akrobat und Model Thomas Seitel (rechts im Bild), auf dem Cover zu sehen, das Interview gab aber nicht er, sondern ein befreundeter Promi.

Burda argumentiert: Mit den Worten "was ihr Freund verrät" könne jeder der vielen Fischer-Freunde gemeint sein. Die Richter überzeugt das nicht: Ein unbefangener Kioskleser würde vermuten, der abgebildete Freund, also Helenes Lebensgefährte, würde sprechen. Burda hat gegen das Urteil bereits Berufung eingelegt. (Archivfoto von 2017: Rolf Vennenbernd/dpa)
lahrer-zeitung.de, badische-zeitung.de

Zitat: Bernhard Pörksen sieht Österreich aktuell in einem journalistischen Live-Experiment.

"Österreich durchlebt momentan ein Live-Experiment, das von der Frage handelt: Behält der seriös sortierende Journalismus in Zeiten der fiebrigen Sofort-Spekulation die Deutungshoheit?"

Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen stellt im "Profil"-Interview die Frage, ob der Kern des Ibiza-Skandals das "Brausen aus Empörung und Gegenempörung" zwischen den Medien und sozialen Netzwerken bestehen kann oder die "Akteure des Spektakels" am Ende gewinnen.
profil.at

Reporterfabrik veröffentlicht Podcasts zum Fall Relotius und seinen Folgen.

Hör-Tipp: Die Reporterfabrik stellt sechs Audio-Mitschnitte von Workshops zu den Folgen des Relotius-Betruges für den Journalismus online. Es geht u.a. darum, wie Medien mit betrügenden Redakteuren umgehen sollten, was sich an der Reportage als Erzählform ändern muss und was zu tun ist, wenn sich Protagonisten falsch dargestellt fühlen.
reporterfabrik.org

Meinung: So schlecht war Madonna nun auch wieder nicht.

Madonna erntet kübelweise Kritik für ihren Auftritt beim ESC – zu Unrecht, schreibt Carola Padtberg. Ein Chor verunsicherter Männer komme nicht damit klar, dass Madonna sich auch mit 70 noch erdreistet, auf Bühnen zu klettern. Tim Sohr findet den Auftritt zwar "ein bisschen peinlich", hält die Häme darüber aber für deutlich überzogen. Manche Journalisten trauten sich zuviel "Urteilsmacht und Expertise" zu.
spiegel.de (Padtberg), stern.de (Sohr)

Studie: Leitmedien haben UN-Migrationspakt als Thema verschlafen.

Medienkritik: Journalistik-Professor Michael Haller untersucht, ob die Medien aus den Fehlern in der Berichterstattung über Flüchtlinge gelernt haben. Er untersucht dafür die Berichterstattung von "FAZ", "Süddeutscher Zeitung", "Welt", "taz", "Bild" und der "Tagesschau" zum UN-Migrationspakt – laut Studie haben die Medien das Thema verschlafen und erst berichtet, als Rechtspopulisten es nutzten. Sie hätten die Fragen der Leser und Zuschauer zu wenig beachtet, aber auch Falschannahmen und Vorurteile richtiggestellt.
"FAZ", S. 13 (Paid)