“Etwas vergleichsweise Harmloses” – Richard David Precht über die Corona-Panik.


Corona vs. Klima: Die Angst vor dem Corona-Virus schafft das, was der drohende Klimawandel nicht schafft, analysiert Richard David Precht im Video-Interview von "Horizont" und turi2.tv. Plötzlich könne der Staat eingreifen, verbieten und klare Grenzen setzen – Maßnahmen, zu denen sich die Gesellschaft angesichts des deutlich bedrohlicheren Klimawandels nicht hinreißen lässt. "Das weckt den Sinn für das Nachdenken", sagt Precht am Rande des Focus Inner Circle in Düsseldorf und kommt zu dem Schluss, "dass die Leute mehr Angst um ihr Leben haben als um das Überleben der Menschheit". Der Philosoph und Publizist befürchtet, "dass in der Generation unserer Kinder und Enkelkinder beides zusammenfällt" und die Kosten der Klimarettung steigen, je länger die Politik die Gegenmaßnahmen aufschiebt.

Im Umgang mit dem Corona-Virus stellt Precht Medien und Politik aber gute Noten aus: Die Maßnahmen des Gesundheitsministers findet er richtig und "die Medien, die ich gebrauche", bemühten sich, keinen "Katastrophismus auszulösen, sondern sachlich zu informieren". Precht selbst sagt, dass er "völlig unbefangen" auf Veranstaltungen wie den Focus Inner Circle geht, da er nicht zur Risikogruppe gehört, versteht aber die Politik, die von den schwächsten Gliedern der Gesellschaft ausgehen müsse.
turi2.tv (4-Min-Video auf YouTube)

Meinung: Medien sollten beim Corona-Virus über Fakten berichten.

Medien fehlt es bei der Berichterstattung über das neuartige Corona-Virus an "Besonnenheit", sagt der Wissenschaftsjournalist Ranga Yogeshwar im Podcast "Fragen wir doch" von RTL Radio Deutschland und 105'5 Spreeradio. Die Berichte über die Reaktionen der Menschen seien inzwischen größer als Meldungen über neue Erkenntnisse. "Dass wir die Klorolle im Supermarkt stehen lassen, wäre ein erster Ausdruck von Vernunft", sagt Yogeshwar.
presseportal.de, soundcloud.com (Podcast)

Zitat: Carsten Fiedler beobachtet im digitalen Zeitalter mehr Qualitätsbewusstsein.

"Wenn wir ehrlich sind und ich zuspitzen darf, lief Journalismus lange Zeit so, dass wir unsere Inhalte über eine hohe Steinmauer den Lesern zugeworfen haben."

Carsten Fiedler, Chefredakteur des "Kölner Stadt-Anzeigers", sagt im "Journalist"-Interview, dass ohne Leser-Interaktion der Content früher "egal" war, "solange haufenweise Geldsäcke über die Mauer zurückgeworfen wurden".
"Journalist" 3/2020, S. 66-69 (Paid)

“STRG_F”: Joko und Klaas setzen bei Einspielern auf Scripte und Schauspieler*innen.


Verdächtig viral: Viele Einspieler von "Late Night Berlin" mit Klaas Heufer-Umlauf und Joko Winterscheidt, die vermeintlich verdeckt und spontan gedreht wurden, sind Auftragsarbeiten mit Schauspieler*innen, recherchiert STRG_F vom NDR. Auch Darstellungen von Ereignissen seien "grob verkürzt oder offenbar gescriptet". Auch beim "Duell um die Welt" gebe es Fakes, etwa eine Szene, in der Schauspieler Edin Hasanovic einen Heißluftballon vermeintlich alleine fliege und lande.

Die zuständige Produktionsfirma Florida TV habe die Vorwürfe "im Kern eingeräumt". Als Erklärung führt sie u.a. an, dass keine Protagonisten in Gefahr geraten sollen, "komödiantische Aspekte" im Vordergrund stünden oder man die Zuschauer nicht habe langweilen wollen. ProSieben äußert sich in einer Stellungnahme ähnlich und argumentiert u.a., nach Drehs mit versteckter Kamera würden "aus produktionstechnischen Gründen häufig entweder mit Einverständnis des Protagonisten oder einem Ersatzprotagonisten sogenannte Schnittbilder nachgedreht". Neben Passanten suche man für Einspielfilme "ab und an ganz offen und öffentlich Teilnehmer", die aber nicht wüssten, "was redaktionell für sie vorbereitet wird".
presseportal.de (STRG_F), presseportal.de (Stellungnahme ProSieben)

Zahl des Tages: Jugendschutz untersucht 100.000 Kommentare auf Antisemitismus.

Zahl des Tages: Rund 100.000 Kommentare und 5.000 Profile bei YouTube, Instagram, Twitter und Facebook hat die Kommission für Jugendmedienschutz für den Bericht Antisemitismus 2.0 untersucht – er sagt, dass Kinder und Jugendliche in sozialen Netzwerken "mit hoher Wahrscheinlichkeit" auf antisemitische Volksverhetzung, Holocaustleugnung und verfassungswidrige Organisationen stoßen.
sueddeutsche.de

Meinung: Berichterstatter dürfen nicht im Duktus des Täters sprechen.

Journalismus: Beim rechten Terroranschlag in Hanau dürfen Berichterstatter nicht in den "Duktus des Täters" verfallen, kritisieren Kathleen Hildebrand und Hans Hoff in der "Süddeutschen Zeitung". Zwar hätten sich Medien wie die dpa um mehr "Sensibilität" bemüht, doch u.a. die "Tagesschau" habe den Begriff der "Ausländerfeindlichkeit" vorschnell verwendet.
"Süddeutsche Zeitung", S. 20 (Paid)

EU-Vizekommissionschefin Vera Jourová will schärfer gegen Fake News vorgehen.

Fake News: EU-Vizekommissionschefin Vera Jourová erwägt, "strafrechtliche Verbote" im Kampf gegen Falschmeldungen, sofern diese "Panik schüren könnten", schreibt der "Spiegel". Eine juristische Regelung aus Tschechien könnte als Vorbild dienen. In Deutschland ist die Verbreitung von Fake News nicht grundsätzlich strafbar, jedoch Tatbestände wie üble Nachrede.
"Spiegel" 9/2020, S. 24 (Paid)

Mehr Platz in Print für Kolumnistinnen, fordert Julia Karnick.

Print-Medien setzen fast ausschließlich auf männliche Kolumnisten, besonders bei der "Königsdisziplin", nämlich wöchentlichen Personen-Kolumnen, kritisiert Julia Karnick. Sie ärgert, dass Gefühle und Familie als typisch weibliche Themen gelten und Kolumnisten wie Tilmann Prüfer automatisch Applaus bekämen, weil sie über "Softes" schreiben. Bei Online-Medien sehe es besser aus – weil dort der Anteil der weiblichen Führungskräfte deutlich größer ist, vermutet Karnick.
taz.de

Meinung: “Berliner Zeitung” verbreitet “Staatspropaganda” schreibt Ulrike Simon.

Berliner Zeitung nutzt Material der staatlichen Nachrichten-Agenturen aus Russland und China als "normale Quellen", beobachtet Ulrike Simon und wirft dem Blatt vor, "Staatspropaganda" zu verbreiten. Für einen Bericht über Syrien dient u.a. die russische Agentur Tass als Quelle, als Beleg für Wirtschaftswachstum in China zitiert die "Berliner Zeitung" die chinesischen Agentur Xinhua. Herausgeber Michael Maier sieht darin kein Problem.
horizont.net, twitter.com/ulrikesimon

Video-Tipp: Journalistenreisen gefährden die redaktionelle Unabhängigkeit, warnt “Zapp”.

Video-Tipp: Ein Reporter des "Tagesspiegel" ist auf Einladung der Mode-Marke Tommy Hilfiger nach Kitzbühel gereist, berichtet Daniel Bouhs im NDR-Medienmagazin Zapp. Der "Tagesspiegel" hatte dies im Artikel transparent gekennzeichnet. Doch in einem späteren Interview mit dem Modedesigner fehlte ein solcher Hinweis, was die journalistische Unabhängigkeit gefährde.
ndr.de (5-Min-Video)

Meinung: Journalisten fehlt es oft am politischen Widerspruchsgeist.

Journalisten sind heute entweder von einem "starken Missionsgeist" erfüllt oder finanziell unabhängig, kommentiert Jan Fleischhauer im "Focus". Das Umfeld der Medienmenschen hätte mehrheitlich eine ähnliche politische Einstellung, damit fehle häufig ein "Widerspruchsgeist". Wenn Journalisten den Bundeskanzler stellen könnten, "käme der nicht aus dem bürgerlichen Lager".
"Focus" 7/2020, S. 6 (Paid)

Zitat: DW-Intendant Peter Limbourg widerspricht “allgegenwärtigem” Machtmissbrauch im Sender.

"Dass ausgerechnet ein ehemaliger freier Mitarbeiter, der die Deutsche Welle im Unfrieden verlassen musste, diesen Artikel geschrieben hat, hat mit Journalismus wenig zu tun."

Intendant Peter Limbourg verteidigt die Deutsche Welle im "FAZ"-Interview gegen den Vorwurf des "allgegenwärtigen" Machtmissbrauchs, der im "Guardian" erhoben wurde. Es habe einzelne Fälle gegeben, denen die Geschäftsleitung nachgegangen sei, sobald sie davon erfahren habe.
"FAZ", S. 13 (Paid), turi2.de (Background)

Englisch-Aufruf der “Berliner Zeitung” ist ein guter Ansatz, schreibt Anne Fromm.

Berliner Zeitung sucht neue, englisch sprechende Mitarbeiter, die Friedrichs ziehen damit die Häme der Branche auf sich, beobachtet Anne Fromm. Es gebe zwar einige Punkte bei dem Verleger-Ehepaar, die kritischer Berichterstattung bedürfen, aber der Spott über den Ansatz, in der Hauptstadt englischsprachigen Journalismus anzubieten, zeuge eher von der traditionellen Wandel-Unwilligkeit der Medien, findet Fromm. In Berlin gebe es Hunderttausende potentielle Nutzer und bisher kaum Angebote.
taz.de

Correctiv wirft dem ZDF Ungenauigkeit bei Übersetzungen von O-Tönen vor.

Übersetzungen arabischer, russischer und chinesischer O-Töne stimmen im ZDF nicht immer mit der Original-Aussage überein, sagt eine Auswertung von Correctiv für den "Journalist". In mehreren Dutzend Stichproben hat Correctiv beim ZDF mindestens sieben Ungenauigkeiten gefunden. Aussagen seien gerafft und verdichtet worden, in einigen Fällen tauchen in der Übersetzung Worte auf, die an anderer Stelle im Interview gesagt wurden, im O-Ton aber fehlen. Das ZDF will seine Übersetzungspraxis nun überprüfen. In den Stichproben der ARD-"Tagesschau" waren alle Übersetzungen korrekt.
presseportal.de, journalist.de

Medienaufseherin podcastet unreguliert unkritisch.

Anhimmelnde Aufseherin: Cornelia Holsten, Direktorin der Bremischen Landesmedienanstalt, podcastet jetzt auch. Der Titel Unreguliert - Frau Holsten fragt nach führt aber in die Irre, kritisch nachfragen tut sie nämlich nicht, schreibt Boris Rosenkranz. Ihren ersten Gast, den Influencer Maximilian Arnold, lobt sie begeistert in den höchsten Tönen, dass er viele seiner Follower mittels Follow-Unfollow-Methode bekommen hat, spricht Holsten gar nicht erst an.
uebermedien.de

Zitat: Jan Fleischhauer vermisst bei Verlagsmanagern die journalistische Denke.

"Meine Erfahrung ist, dass auf der Verlagsseite oft Leute sitzen, die von unserem Geschäft nichts verstehen und auch noch stolz darauf sind. Vielleicht geht es uns auch deshalb so schlecht."

Jan Fleischhauer ist froh, dass Burda-Vorstand Philipp Welte "nicht aus dem Controlling" kommt, sagt er im "Journalist"-Interview.
"Journalist" 1/2020, S. 60-66 (Paid)

Meinung: Das deutsche Medienkonzentrationsrecht ist nicht mehr zeitgemäß.

Kek: Das deutsche Medienkonzentrationsrecht ist veraltet, kommentiert Helmut Hartung, Chefredakteur des Blogs medienpolitik.net, in einem "FAZ"-Gastbeitrag. Bisher kennen die Regularien nur Sender, aber keine Netzkonzerne, was die Länder ändern wollen. Künftig sollte "am Kriterium der vorherrschenden Meinungsmacht festgehalten werden".
"FAZ", S. 19 (Paid)

Zitat: Matthias Horx erwartet Rebellion gegen die digitale Verdummung.

"Die 20er-Jahre läuten eine Ära des Protests ein, dazu wird auch Rebellion gegen die digitale Verdummung gehören. Und es wird neue Medien geben, die diese Entwicklung in einem humanistischen Sinn begleiten und versuchen, es besser zu machen."

Zukunftsforscher Matthias Horx prognostiziert im "Horizont"-Interview, dass viele Formate scheitern werden, von denen sich Verleger das große Geschäft im Digitalen erwartet haben.
horizont.net

Weitere Zitate:

"Das Digitale hat auf der Ebene der Kommunikation erhebliche Schäden verursacht, weil die ständige Echtzeit-Welt alle negativen Eigenschaften von Menschen verstärkt. Hass, Boshaftigkeit und Oberflächlichkeit haben die öffentliche Diskussion nahezu zerstört."

"Die globale Überhitzung ist das große, übergreifende Narrativ der 20er-Jahre. Es umfasst aber nicht nur den Klimawandel, sondern auch geistige, emotionale und mediale Überhitzung. Es gibt einfach von allem zu viel: Zu viel schlechte Nahrungsmittel, zu viel Wegwerf-Kleidung, zu viel verdorbene Information. Wir sind auch medial überhitzt, fast jeder von uns."

Aus dem Archiv von turi2.tv: "Hypervernetzung macht Gesellschaften verrückt": Zukunftsforscher Matthias Horx über die Zukunft des Fernsehens. (10/2019)

“Münchner Merkur” trennt sich nach erfundenem Papst-Treffen von einem Reporter.


Du sollst nicht lügen: Der "Münchner Merkur" trennt sich von einem freien Mitarbeiter, der sich zuvor mit einem Papst-Treffen schmückte, obwohl er selbst nicht vor Ort war, schreibt die "Süddeutsche Zeitung". Der Reporter hatte seinen Text auf Basis von BR-Recherchen verfasst, der gemeinsam mit der Zeitung im Vatikan angefragt hatte. Zum Zeitpunkt des Treffens war der Reporter vom "Münchner Merkur" nicht in Rom, sodass nur der BR den emeritierten Papst Benedikt XVI. besuchte, was der Reporter nicht kenntlich machte.

Anfang Januar titelte der "Münchner Merkur" irreführend "Unsere Zeitung zu Besuch bei Benedikt XVI". Dass der Reporter nicht persönlich vor Ort war, bestätigt der Autor auf Anfrage der "Süddeutschen Zeitung" und bittet für den falschen Eindruck um Entschuldigung. Er wollte sich "umständliche Erklärungen" im Artikel sparen. Für den Text habe der Reporter autorisierte Zitate verwendet.
sueddeutsche.de

Die Murdochs streiten über den Klimawandel.

Klimadebatte entzweit die Murdochs: Medienmogul Rupert Murdoch (Foto) gilt als Klimaskeptiker, seine Zeitungen und Sender in Australien bestreiten einen Zusammenhang zwischen den Buschbränden und dem Klima­wandel. Sohn James und seine Ehefrau Kathryn missfällt diese Sichtweise, die Berichterstattung der konzerneigenen Medien frustriere sie.
theguardian.com via handelsblatt.com

Deutsche Welle nimmt Stellung zu Belästigungs-Vorwürfen aus dem “Guardian”.

Deutsche Welle reagiert auf Vorwürfe aus einem Guardian-Artikel, wonach es in der Redaktion zu Mobbing, Belästigung und Rassismus gekommen sein soll und die meisten aus Angst nicht offen darüber sprechen würden. Die Deutsche Welle nennt die Schlagzeilen "unbegründet", die zitierten Vorfälle lägen mehr als 18 Monate, teilweise "noch deutlich weiter" zurück. Außerdem fehle in dem Artikel der Hinweis, dass der Sender "in allen damals bekannt gewordenen Fällen unmittelbar gehandelt hat". Intendant Peter Limbourg habe 2018 eine interne Aufklärungskampagne initiiert und bekannt gewordene Fälle mit arbeitsrechtlichen Maßnahmen geahndet. Die Deutsche Welle kritisiert, dass der "Guardian"-Autor ein ehemals Freier des Senders ist, der die DW "im Unfrieden verlassen musste".
dw.com, dwdl.de

Landesmedienanstalt Saarland: Linke fordern, die Direktorenwahl zu verschieben.

Landesmedienanstalt Saarland: Die oppositionelle Linksfraktion im saarländischen Landtag fordert aufgrund "erheblicher rechtlicher Bedenken" eine Verschiebung der Direktorenwahl, schreibt Medienkorrespondenz. Die CDU-Landtagsabgeordnete Ruth Meyer (Foto) wurde von ihrer Fraktion bereits vor der Bekanntmachung der Stellenausschreibung für das Direktorenamt nominiert und hatte dies auch öffentlich gemacht.
medienkorrespondenz.de, turi2.de (Background)

Video-Tipp: Walulis knöpft sich die Recherchemethoden der “Bild” vor.

Video-Tipp: Die Satire-Sendung Walulis von Funk knöpft sich die Recherchemethoden der "Bild" vor, die nach dem Raser-Unfall in Südtirol eine nicht involvierte Frau fälschlicherweise für tot erklärte. Walulis fantasiert im Stil des Boulevardblattes, wie die fiktive Todesmeldung von "Bild"-Chef Julian Reichelt aussehen könnte.
youtube.com (9-Min-Video)

Urteil: Recherchezentrum Correctiv darf “Tichys Einblick” öffentlich kritisieren.

Tichys Einblick darf vom Recherchezentrum Correctiv unter bestimmten Umständen als "teils falsch" gekennzeichnet werden, zitiert die "FAZ" aus dem 45-seitigen Urteil des Landgerichts Mannheim. Zur Presse gehöre auch die Medienkritik, eine "Begleiterscheinung funktionsgerechten Pressehandelns". Roland Tichy hatte wegen unlauteren Wettbewerbs geklagt.
faz.net (Paid)

Ministerpräsident Laschet ermahnt öffentlich-rechtlichen Rundfunk zu Kostendisziplin.


Unterwegs mit Ihren Gebühren? Öffentlich-rechtliche Sender haben "eine privilegierte Stellung" mit "überdurchschnittlichen Gehältern", mahnt NRW-Ministerpräsident Armin Laschet im "Spiegel"-Interview. Die Medienlandschaft stehe "insgesamt unter Druck", ganze Lokalzeitungsredaktionen würden geschlossen. Dagegen sei im öffentlich-rechtlichen Rundfunk alles "staatlich garantiert, egal ob es einer schaut oder nicht." Mit Blick auf die "Umweltsau"-Satire erwartet Laschet "auch eine gewisse Verantwortung". Die Ausgaben für Sportlizenzen seien "absurd", dort müssten die Sender "behutsamer und sparsamer" sein. Auch die Honorare für "Moderatoren von Samstagabendshows" erscheinen Laschet "teilweise zu hoch".

Dass die ARD mittels Framing versuchte, das Image aufzupolieren, sei "alles andere als hilfreich". Es dürfe nicht "der Eindruck eines Schönsprechs erzeugt werden". Haltung ersetze nicht Qualität. "Bei denen, die das System prinzipiell ablehnen, hilft nichts mehr", resigniert Laschet. Die öffentlich-rechtlichen Medien berichten "professionell, kompetent und objektiv", lobt der NRW-Ministerpräsident. Mit knapp 400.000 Euro im Jahr verdient Buhrow fast doppelt so viel wie der Ministerpräsident, schreibt der "Spiegel". "Ich neide Tom Buhrow sein Gehalt nicht", gibt sich Laschet gelassen, "jeder Sparkassendirektor" erhalte mehr als ein Ministerpräsident.
"Spiegel" 3/2019, S. 78-79 (Paid)

“Spiegel” widerspricht Vorwurf der Befangenheit bei Atomkraft-Berichten.

Spiegel weist die Vorwürfe von Journalist Oliver Neß, der dem Magazin eine Befangenheit bei der Atomkraft-Berichterstattung vorwirft, als "absurd" zurück. Zwar habe die Stiftung von Bill Gates, Microsoft-Gründer und Nuklearinvestor, die Redaktion finanziell unterstützt, eine redaktionelle Einmischung oder Befangenheit habe es aber nie gegeben. Neß habe vor seiner Veröffentlichung kein "Spiegel"-Statement angefragt, beklagt das Magazin.
twitter.com ("Spiegel"-Statement), mmm.verdi.de (Kritik von Neß)

Zitat: Öffentlich-Rechtliche haben keinen Erfolgsdruck, moniert Armin Laschet.

"Es kann nicht sein, dass Sie in Deutschland alles kritisieren dürfen, vom Papst abwärts – nur nicht die Beiträge des Westdeutschen Rundfunks. "

NRW-Ministerpräsident Armin Laschet moniert im "Spiegel"-Interview, der öffentlich-rechtliche Rundfunk habe keinen Erfolgsdruck, deshalb erwarte er, dass Redakteure kritikfähiger sind.
"Spiegel" 3/2020, S. 78 (Vorab), turi2.de (Background)

Meinung: Umweltsau-Skandal ist völlig unnötig, schreibt Uwe Jean Heuser.

Umweltsau-Skandal hat "etwas Tieftrauriges, weil er so unnötig ist", kommentiert Wirtschafts-Ressortleiter Uwe Jean Heuser (Foto) in der "Zeit". WDR-Intendant Tom Buhrow hätte wissen können, "wie sensibel der Umgang mit Satire" in Zeiten rechter Kritiker ist. Auch die "Attacke" der Redakteure auf Buhrow sei "völlig überzogen". Sich einmal infrage zu stellen, hätte allen Beteiligten enorm geholfen.
"Zeit" 3/2020, S. 20 (Paid)

“Bild” macht RTL wegen Buschfeuern das “Dschungelcamp” madig.

ibes Dschungelcamp Logo 150Dschungelcamp: "Bild" findet mehr als ein Dutzend Politiker und Ex-Kandidaten, die eine Absage der RTL-Show wegen der Buschfeuer in Australien fordern. Ex-Dschungelkönig Peer Kusmagk regt an, die Gewinnprämie zu spenden, der frühere "Glücksrad"-Moderator Peter Bond echauffiert sich, "die Einnahmen sind dem Sender wichtiger als moralische Bedenken". SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach sagt, er könne die Show "auch grundsätzlich entbehren". RTL betont, die Brände seien mehrere Hundert Kilometer von dem Camp entfernt.
bild.de, turi2.de (Background)

“Bild” zeigt falsches Unfall-Opfer.

bildlogoBild erwischt beim Zusammenklauen von Opfer-Fotos des Auto-Unfalls in Südtirol eine Frau, die mit dem Unfall nichts zu tun hat und bei bester Gesundheit ist, berichtet Bildblog. Einige Fotos der tatsächlichen Opfer sind verpixelt, aber offenbar erst nach Intervention der Angehörigen. Im Fall des Polizei-Einsatzes in der Silvesternacht in Leipzig-Connewitz zeigt "Bild" einen Screenshot aus einem Video, dessen Nutzung Zeit Online zuvor explizit untersagt hatte.
bildblog.de (Südtirol), twitter.com/ChristianFuchs_ (Leipzig)

Intendant Tom Buhrow stellt sich der Kritik von WDR-Redakteuren.

WDR: Intendant Tom Buhrow hat sich vor 700 Mitarbeitern zum "Umweltsau"-Video und der umstrittenen Löschung erklärt. Ein Teilnehmer der nicht-öffentlichen Versammlung sagt dem "Spiegel", Buhrow habe im Prinzip gesagt, dass er wieder so handeln würde. Zugleich habe er die Mitarbeiter ermutigt, dass "alle unbedingt so weitermachen sollten wie bisher", es dürfe und solle weiter experimentiert werden. DWDL berichtet, es sei im Saal "hoch her" gegangen, offen und konstruktiv sei der Dialog ‐ anders als von der Pressestelle dargestellt ‐ nicht gewesen. Unmut kam auf, weil sich Buhrow wegen anderer Termine vorzeitig aus dem Treffen verabschiedet habe.
spiegel.de, dwdl.de, welt.de

Umweltsau: Hunderte demonstrieren in Köln für und gegen Öffis.


Demo vor dem Sender: Das Umweltsau-Video des WDR zieht am Samstag mehrere Demos in Köln vor dem Sender-Gebäude nach sich. Hunderte demonstrieren für bzw. gegen den öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Unter anderem versammelten sich verschiedene rechte Gruppen sowie eine Gegenkundgebung, an der auch Verdi und der DJV teilgenommen haben. DJV-Chef Frank Überall, auch freier Journalist beim WDR, sagte, die Umweltsau-Satire verletze keine Rechte und müsse deshalb ausgehalten werden – auch von einem Intendanten. Tom Buhrow hat sich für das Video entschuldigt, der WDR hat es gelöscht, die Redakteursvertretung den Schritt in einem internen Schreiben scharf kritisiert.
dwdl.de, bild.de, deutschlandfunk.de, turi2.de (Background)

Meinung: Öffentlich-Rechtliche müssen Freie besser vor Hetzkampagnen schützen.

Öffentlich-rechtliche Sender schützen ihre Freien nicht genug vor rechten Angriffen, kritisiert Peter Weissenburger und nennt Richard Gutjahr (Foto) und den BR sowie Danny Hollek und den WDR als aktuellste Beispiele. Die Sender unterschätzten nicht nur "die Geschwindigkeit, in der Hass auf Einzelne niedergehen kann", sondern auch, dass ihre Freien viel angreifbarer seien als Festangestellte. Die Sender seien "nicht auf derartige juristische Projekte" eingestellt.
taz.de, turi2.de (Gutjahr), turi2.de (Hollek)

“Focus”: Leyendeckers Ex-Kollegen erinnern sich anders als er an Bad-Kleinen-Recherche.

Spiegel: Ex-Mitarbeiter erinnern sich in "entscheidenden Punkten" anders an die Hintergründe der Berichterstattung zum Fall Bad Kleinen als Reporter Hans Leyendecker, schreibt der "Focus". Es geht vor allem darum, ob es für den Artikel wirklich einen Informaten oder nur einen anonymen Anrufer gab, die Relotius-Kommission wertet dazu gerade Leyendeckers damalige Recherche aus. Laut "Focus" sagen Leyendeckers Ex-Kollegen u.a., es habe keinen Mittelsmann zum zitierten Zeugen gegeben.
"Focus" 2/2020, S. 40-43 (Paid), turi2.de (Background)

Umweltsau: WDR-Redakteursrat wirft Tom Buhrow “Verletzung der Rundfunkfreiheit” vor.


Weiter durch's Dorf getrieben: Die Redakteursvertretung des WDR kritisiert Tom Buhrow und das "schlechte Krisenmanagement der Geschäftsleitung" im Hinblick auf das "Umweltsau"-Video, zitiert Stefan Niggemeier aus einem Schreiben aus dem WDR-Intranet. Das Gremium sei irritiert von der "eklatanten Verletzung der inneren Rundfunkfreiheit". "Zeitnah" solle eine außerordentliche Redakteursversammlung einberufen werden.

WDR-Intendant Tom Buhrow meldet sich derweil im "Spiegel"-Interview zu Wort: "Man wird doch noch mal Entschuldigung sagen dürfen, ohne dass einem gleich Zensur vorgeworfen wird." Der WDR habe Hunderte Anrufe von "Seniorinnen und Senioren und deren Enkeln" erhalten. Buhrow kommentiert weiter: "Wir können doch nicht einfach so tun, als ob es nicht zählt, wenn sich ein großer Teil unseres Publikums zu Unrecht angegriffen fühlt. Soll ich denen sagen: Sie sitzen einer rechten Instrumentalisierung auf, und Ihre Gefühle sind deshalb irrelevant?"

Buhrow rechtfertigt die Sperre außerdem damit, dass das Video nicht direkt als Satire gekennzeichnet gewesen sei. Niggemeier weist jedoch darauf hin, dass das Lied seinen Ursprung bereits in der WDR5-Sendung "Satire Deluxe" in einer kürzeren Version am 9. November hatte.
uebermedien.de, Spiegel 2/2020 (Paid), spiegel.de (Zusammenfassung), dwdl.de

Zitat: Tom Buhrow will sich ohne Zensur-Vorwurf entschuldigen können.

"Wir wollen weiter unbequem sein. Man wird doch noch mal Entschuldigung sagen dürfen, ohne dass einem gleich Zensur vorgeworfen wird."

WDR-Intendant Tom Buhrow sagt im "Spiegel"-Interview, dass ihm de "Umweltsau"-Debatte "etwas konstruiert" vorkommt. "Eingeschüchterte Redakteure" seien ihm bisher nicht begegnet.
Spiegel 2/2020 (Paid), spiegel.de (Zusammenfassung), dwdl.de

Weitere Zitate aus dem Interview:

"Wir hatten wirklich Hunderte Seniorinnen und Senioren und deren Enkel am Telefon. Uns war sofort klar, diese Menschen waren nicht Teil einer orchestrierten Sache."

"Wir können doch nicht einfach so tun, als ob es nicht zählt, wenn sich ein großer Teil unseres Publikums zu Unrecht angegriffen fühlt. Soll ich denen sagen: Sie sitzen einer rechten Instrumentalisierung auf, und Ihre Gefühle sind deshalb irrelevant?"

"Dass Herr Laschet sich geäußert hat, hat es eher schwieriger gemacht zu reagieren."

"Es politisieren zu wollen, dass Kinder ein Kinderlied singen, finde ich absurd. Kinder spielen im Fernsehen und im Hörfunk überall eine Rolle, auf Spendengalas, bei Weihnachtskonzerten. Ich glaube, selbst auf Wahlplakaten von Politikern."

"Wir haben jede Woche zuhauf Beiträge, die kontrovers sind, die Mächtige kritisieren, die Missstände aufspießen. Da braucht sich niemand Gedanken zu machen. Ich erlebe auch den WDR nicht so, dass hier eingeschüchterte Redakteure herumlaufen."

Richard Gutjahr verlässt den BR und kritisiert Intendant Wilhelm.

BR: Richard Gutjahr verlässt die Anstalt nach 22 Jahren als fester freier Mitarbeiter. In einem offenen Brief an BR-Intendant Ulrich Wilhelm kritisiert er den Umgang mit freien Mitarbeitern scharf. Der BR habe Gutjahr und seine Familie mit dem "Hass und der Hetze" in Folge seiner ARD-Berichterstattung allein gelassen. Gutjahr wirft Wilhelm vor, den Rundfunkrat mit Unwahrheiten getäuscht zu haben. Nachdem Gutjahrs Rechtsschutzversicherung ihm nach einem Jahr kündigte, bat der Journalist den BR um juristische Unterstützung, die ihm verwehrt worden sei.
gutjahr.biz

Medien sollten die Radikalität aus dem Netz nicht übernehmen, warnt Schröder.

Bild: Gerhard Schröder wirft dem Boulevardblatt im Interview mit der "Neuen Osnabrücker Zeitung" vor, Formen von Diffamierung aus den sozialen Medien in den Printbereich zu übertragen. Dies sei kein Erfolgsrezept gegen sinkende Auflagen. Medien sollten die "Radikalität" nicht überbieten, diesen Wettbewerb könne der Journalismus nie gewinnen. Der Ex-Kanzler brauchte einst "nur 'Bild', 'BamS' und Glotze" zum Regieren.
noz.de

Meinung: TikTok ist als App oft älter als die minderjährigen Nutzer.

TikTok: Die noch junge App ist oft älter als die meist minderjährigen Nutzer, beklagt Grundschullehrer und Influencer Basti im "Spiegel"-Interview. Viele Kinder verwendeten TikTok schon mit sechs Jahren und damit früher als Plattformen wie Facebook. Eltern rät der Lehrer einen gemeinsamen Account anzulegen, um die Aktivitäten des Nachwuchses nachverfolgen zu können.
spiegel.de

Meinung: Medien sollten Landwirtschaftsthemen nicht zu sehr emotionalisieren.

Agrarlobby: Medien sollten differenzierter über die Landwirtschaft berichten, fordert Ralf Stephan, Chefredakteur der "Bauernzeitung", in der "Süddeutschen Zeitung". Die Themen Tiere und Ernährung treffe Leser emotional, sodass einige Medien das "Skandalisierungspotenzial" für Auflage missbrauchten. Einige Bauern müssten "erst noch lernen", dass Medien auf Missstände hinweisen müssen.
"Süddeutsche Zeitung", S. 24 (Paid)