Renner: Relotius-Förderer Ullrich Fichtner hat “inhaltlich zusammengezogen”.

Spiegel: Reporter Ullrich Fichtner soll Zitate verschiedener Personen zu den Aussagen einer einzigen Figur verschmolzen haben, berichtet Kai-Hinrich Renner. Das sage Fichtner selbst laut einer Aufnahme vom Reporter-Workshop 2016 des Vereins Reporterforum. Fichtner äußert sich gegenüber Renner per Mail, will aber nicht zitiert werden.

"Spiegel"-Journalist Fichtner war Leiter des Gesellschaftsressorts und betreute dort Claas Relotius. Seine Beförderung in die Chefredaktion, geplant für Januar, liegt deshalb auf Eis. Fichtner habe Zuhörern des damaligen Workshops auch empfohlen, sich bei Reportagen an Techniken des Kinos zu orientieren. Bei der Enthüllung des Falls Relotius zweienhalb Jahre später mahnt Fichtner hingegen, Journalisten dürften "nur Dokumentarfilme" zeigen.
morgenpost.de, turi2.de (Background)

In einer früheren Fassung dieses Beitrags lautete die Überschrift "Relotius-Förderer Ullrich Fichtner gab eigene Schummelei zu". Das ist so nicht richtig formuliert: Er hat eingeräumt, mehrere Figuren zu einer verschmolzen zu haben.

Meinung: Sprachschützer wollen eigentlich was anderes schützen.

Sprachverhunzung: Der Appell des "Verein Deutsche Sprache" gegen "Gender-Unfug" übertreibt und argumentiert sprachlich fragwürdig, urteilt Till Raether. Der Appell verwende "toxischen Wortmüll" wie etwa "Vergewaltigung der Sprache". Er zeige weniger eine Liebe zur Sprache als mehr eine Abscheu gegenüber Veränderungen. (Foto: Stephanie Brinkkoetter)
sz-magazin.sueddeutsche.de

Meinung: Julian Reichelt sollte nicht über Moral im Boulevard sprechen.

Julian Reichelt spricht bei einer Podiumsdiskussion des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma über Ethik und Moral im Boulevard, kritisiert Mario Damolin. Der "Bild"-Chef inszeniere ein "einwandfreies Schmierenkabarett", der Rest des Podiums inklusive des Moderators ließen ihn weitgehend unkommentiert reden und sich das Wort von ihm nehmen. Das Publikum sei "gefangen in einem Setting des Anstands und des Unkundigen."
kontextwochenzeitung.de

Zitat: Paul-Josef Raue warnt Reporter, in literarischen Bildern zu schwelgen.

"Der Reporter erschafft nicht die Welt, er erfindet sie nicht, er recherchiert und erzählt, wie sie ist."

Paul-Josef Raue schreibt 100 Tag nach der Aufdeckung des Relotius-Skandals bei kress.de, dass Reporter nicht der Versuchung erliegen sollten, in literarischen Bildern zu schwelgen. Je mehr das Erzählte die Leser packe, desto distanzierter müsse die Sprache sein.
kress.de

“Journalist”: Keine Redaktion kann Claas Relotius entlasten.

Claas Relotius: 13 Redaktionen haben neben dem "Spiegel" Texte des Fälscher-Reporters veröffentlicht, acht davon haben Hinweise auf Manipulationen gefunden, erfährt der "Journalist" auf Nachfrage. Allerdings haben auch die fünf Redaktionen, die Relotius keine Fälschung nachweisen können, Zweifel an seinen Texten. Entlasten könne Relotius keine Redaktion.
journalist-magazin.de

Übermedien zweifelt an angeblich exklusiven Star-Interviews.

Übermedien verdächtigt einen Promi-Interviewer, bei anderen Medien plagiiert zu haben: Der betreffende Journalist habe in "etlichen" Interviews teils wörtlich "Sätze und Passagen" stehen, die denen in Interviews in der "New York Times", dem "Independent" und Condé Nasts "Bon Appetit" gleichen. Der überraschend unbekannte Journalist habe vor allem in Bauer-Zeitschriften veröffentlicht. Eine Sprecherin sagt gegenüber Übermedien, mit den Interviews sei "alles in Ordnung".
uebermedien.de

Zitat: Jan Böhmermann sieht Positives im “Computer Bild”-Urteil und zieht vor den BGH.

"Die einzige positive Überraschung nach dieser 'unendlich unscharfen' Entscheidung des OLG ist die Erkenntnis, dass die 'Computer-Bild' offenbar noch existiert."

Jan Böhmermann will den Streit mit "Computer Bild" vor den BGH bringen. Er fragt, warum Springer gegenüber Google auf ein Leistungsschutzrecht pocht, aber sein Gesicht verwerten darf.
dwdl.de, turi2.de (Background)

Gericht: “Computer Bild” durfte werblichen Artikel mit Jan Böhmermann bebildern.

Computer Bild durfte einen Artikel über DVB-T2 HD-Receiver mit Jan Böhmermann bebildern, auch ohne dessen Zustimmung, urteilt das Oberlandesgericht Köln. Der Artikel enthielt ein Angebot für einen Receiver und sei daher auch als Werbung einzuordnen, sagen die Richter. Dennoch habe der Beitrag auch dem Informationsinteresse der Öffentlichkeit gedient.
juris.de, olg-koeln.nrw.de, twitter.com (Reaktion Böhmermann)


Zitat: Elisabeth Wehling sagt, ihr Framing-Manual sei keine Handlungsanweisung.

"Wenn man den Kontext nicht kennt, in dem damals in den Workshops mit Verantwortlichen der ARD diskutiert wurde, kann man auch einzelne Schlagwörter nicht einordnen."

Sprachwissenschaftlerin Elisabeth Wehling sagt im Interview mit der "Süddeutschen Zeitung", ihr Framing-Manual für die ARD sei eine "Diskussionsgrundlage".
sueddeutsche.de, turi2.de (Background)

weitere Zitate:
"Ich habe noch nie einem Kunden vorgeschrieben, was er sagen soll."

"Es geht darum, dass sich gedankliche Vielfalt zu ein und denselben Fakten in sprachlicher Vielfalt spiegeln sollte. Anders gesagt: Was man denkt, sollte man auch sagen."

Übermedien führt Zeitschriften-Rezensionen mit Autoren-Zuwachs fort.

Übermedien führt die Zeitschriften-Kolumne "Bahnhofskiosk" mit Autoren-Zuwachs fort: Drehbuchautorin Johanna Halt, "Zeit"-Journalistin Sigrid Neudecker, Ex-"Spiegel"-Redakteur Cordt Schnibben und der Kulturjournalist Arno Frank rezensieren jeden Monat jeweils eine Zeitschrift. Sie lösen Michalis Pantelouris ab, der bisher Blattkritiken schrieb.
per E-Mail, uebermedien.de (Kolumnen-Archiv)

Aus dem Archiv von turi2.tv: Stefan Niggemeier im Interview zum Start von Übermedien (Archiv 01/2016).

Zahl des Tages: ARD zahlt 120.000 Euro für umstrittenes Framing-Manual.

Zahl des Tages: Umstrittene 120.000 Euro hat die ARD für ihr Framing-Manual ausgegeben, legt die Anstalt offen. Einen Anteil von 90.000 Euro für das Papier und begleitende Workshops habe der MDR übernommen, der zur damaligen Zeit den Vorsitz der Anstalt inne hatte. Die restlichen Kosten habe das Generalsekretariat für Folgeworkshops ausgegeben.
sueddeutsche.de

“Sie sehen, ich lebe noch”: Wie Bahn-Chef Richard Lutz die Medien erlebt.


Lutz nimmt's locker: Richard Lutz ist der Buhmann der Bahnfahrer – als Chef der Deutschen Bahn muss er den Kopf für alle Probleme hinhalten. Wie nimmt er die Berichterstattung wahr, fragen "Horizont" und turi2.tv bei der dpa-Chefredaktionskonferenz. Lutz antwortet pragmatisch-ironisch: Er lebe noch. Einen Bogen um die Presse macht er nicht, wohl aber um Social Media: "Für Twitter, Facebook und andere Dinge bin ich wahrscheinlich schon zu alt", sagt der 54-Jährige.

Werktags vertraut Lutz auf den dicken Pressespiegel der Bahn und liest meist digital, am Wochenende hält er bevorzugt Papier in der Hand. Er sieht in den Medien ein Stimmungsbarometer. "Wir sind ja kein abgehobenes Unternehmen", sagt er. "Man muss ein Gefühl dafür kriegen, wie dieses Unternehmen draußen wahrgenommen wird." Um die Stimmung in den sozialen Netzwerken macht er dabei, womöglich sicherheitshalber, einen Bogen.
turi2.tv (2-Min-Interview)

Meinung: ARD hätte Framing-Manual selbst veröffentlichen sollen.

ARD: Chefredakteur Rainald Becker sagt, ein offener Umgang mit dem Framing-Manual wäre gut gewesen, die ARD habe nichts zu verbergen. Dass Netzpolitik.org das Papier veröffentlicht hat, findet er okay. Einige Reaktionen seien überzogen. Er könne keinen Skandal entdecken. Er persönlich "hätte dieses Papier aber nicht gebraucht."
welt.de, turi2.de (Background)

WDR-Chefredakteurin Ellen Ehni sagt, der Sender prüfe Doku-Recherche nun besser.

WDR-Dokus: Chefredakteurin Ellen Ehni sagt im "Spiegel"-Interview, der Sender habe neben den Dokus der kritisierten Autorin stichprobenartig weitere geprüft, könne aber nicht alle prüfen. Das Vieraugenprinzip und die Gegenrecherche weitet der WDR aus und will die Protagonisten-Akquise schriftlich festhalten. Dokus zu "weichen" Themen müssten "ebenso wasserdicht recherchiert sein wie ein 'Monitor'-Beitrag".
spiegel.de, turi2.de (Background)

Zitat: Sergej Lochthofen traut Funkes Sparplänen für Thüringen nicht.

"In Essen haben sie keine Vorstellung davon, wie die Orte in Thüringen heißen, wer die Leser überhaupt sind und was die hier so machen."

Sergej Lochthofen, ehemaliger Chefredakteur der "Thüringer Allgemeinen", sieht in Funkes Zukunftsprogramm einen Print-Rückzug auf Raten. Der Standort Thüringen sei in Essen "offensichtlich unwichtig", sagt er der "FAZ".
faz.net

Nachrichten dürfen nonlinear sein, findet Björn Staschen.

Nachrichten müssen nicht linear sein, weil sich die Realität nicht an Sendepläne anpassen lässt, meint Björn Staschen vom NDR NextNewsLab. Themen bedeutsamer zu machen, als sie sind, nur weil sonst nichts passiert, hält er für Quatsch und das eigentliche Problem der Nachrichten. Staschen versteh nicht, warum Redaktionen auch digital oft an festen Längen und Veröffentlichungsrhythmen festhalten.
meedia.de

ARD hat Framing-Expertengutachten beauftragt.

ARD gibt ihren Mitarbeiter sprachliche Tipps für den Auftritt in Beitragsdebatten, berichtet Christian Meier auf Welt.de. Sprachforscherin Elisabeth Wehling erklärt dafür in einem Experten-Gutachten Framing – eine Methode, Meinungen sprachlich zu lenken. ARD-Generalsekretärin Susanne Pfab sagt, das Gutachten solle ein Denkanstoß sein, um "gemeinwohlorientierten Rundfunk besser erklären zu können". Wo und wie die Tipps konkret umgesetzt werden, sagt Pfab nicht. Meier kritisiert, die gezielte Beeinflussung der öffentlichen Meinung passe kaum zum Auftrag der ARD.
welt.de

Zitat: Die Reportage soll nicht kaputt-reglementiert werden, sagt Michael Haller.

"Für das Reportageschreiben gibt es keine Schreibregelverordnung. Hier geht es um eine anspruchsvolle journalistische Kunstform. Und die sollten wir unter dem Relotius-Schock nicht kaputt reglementieren."

Journalistik-Professor Michael Haller, Autor des Standardwerkes "Die Reportage", ordnet im Interview mit der "taz" ein, was Reportage-Journalisten dürfen und was nicht. Seinen Ratgeber überarbeitet er gerade.
taz.de

weitere Zitate:
"Die Reportage sollte wieder zur Ausnahmeform werden, sozusagen das Sahnehäubchen."

"Ich produziere keine Lügengeschichte, wenn ich Verhaltensmuster durch Verdichtung herausarbeite. Ich würde aber lügen, wenn ich aus zwei oder drei Protagonisten meines Themas ein Subjekt machte, sie quasi aufeinanderlegte. Das wäre Fiktion. Man muss unterscheiden können zwischen Kulisse und Bühne."

"Wir werden in der Ausbildung den Gestaltungsraum des Reporters enger fassen müssen, um solchen Missverständnissen vorzubeugen."

Lese-Tipp: Idole der Selbstvermarktung gewinnen an medialer Aufmerksamkeit.

Lese-Tipp: Selbstvermarkter wie Influencer gewinnen als eigene Marken immer mehr mediale Bedeutung, analysieren die US-Kommunikationsforscher Brooke E. Duffy und Jefferson Pooley nach Auswertungen von Social Media und US-Prominentenportraits. Während Anfang des 20. Jahrhunderts Politiker und Geschäftsleute das Interesse auf sich ziehen, bewundere die Massengesellschaft ab den 1940er-Jahren verstärkt Hollywood- und Sport-Stars. Heute seien Influencer eine neue Form der Medienprominenz.
tagesspiegel.de

Basta: Scheuer schaudert’s.

Ente süß-sauer: Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer hält in einem Twittervideo unter dem Hashtag #EntedesTages eine überdimensionale, gelbe Gummiente in die Kamera und lässt sich über Verkehrs-Falschmeldungen der Medien aus. Was die Luft seines Fehler-Federvieh-Formats etwas dünn werden lässt: Er selbst berichtet auch mit Ungenauigkeiten.
deutschlandfunk.de

Aus dem turi2.tv-Archiv: Verkehrsminister Andreas Scheuer zeigt sein Instagram-Zimmer.

Deutsche NS-Filme sind zu einseitig, kritisiert Lea Wohl.

Deutsche Filme über die NS-Zeit entlasten Deutsche oft und haben keine jüdischen Perspektiven, kritisiert Medienwissenschaftlerin Lea Wohl. Als Beispiele nennt sie TV-Produktionen wie "Dresden" oder "Die Gustloff", die deutsches Leid in den Vordergrund rückten und zu konventionell erzählten. Die deutsche Perspektive sei nicht geeignet, um objektiv über den Holocaust zu erzählen.
spiegel.de

Zitat: Henryk M. Broder versteht die Aufregung um das Weidel-Bild nicht.

"Ich werde mich nie wieder trauen, bei einer längeren Autobahnfahrt irgendwo hinter einen Baum zu pinkeln. Irgend jemand könnte mich fotografieren und dann als Exhibitionisten vorführen."

Publizist Henryk M. Broder schimpft im Meedia-Interview, dass seine Rede bei der AfD noch gar nicht bekannt war, als ein Shitstorm über ihn einbrach. Ausgelöst hatte den ein Foto, auf dem Alice Weidel Broder herzt.
meedia.de

Zitat: Medien müssen bei Bauprojekten genau hinschauen, sagt Arno Luik.

"Wenn die Vierte Gewalt bei Großprojekten genauer hingucken würde, würde es viele Großprojekte nicht geben."

Investigativ-Journalist Arno Luik sagt im "Kontext"-Interview, das Versagen der Medien bei der Berichterstattung über Stuttgart 21 stehe stellvertretend für viele Großprojekte.
kontextwochenzeitung.de

weitere Zitate:
"Der 'stern' hat sich, wenn ich einen Artikel zu S 21 in der Ausgabe hatte, in Stuttgart und Baden-Württemberg, wie geschnitten Brot verkauft. Da hat dann der Vertrieb zu mir gesagt: Haben Sie was zu S 21? Deshalb habe ich die baden-württembergischen Medien auch aus rein ökonomischen Gründen nicht verstanden."

"Heruntergebrochen auf Stuttgart: Endlich passiert etwas in der Stadt, endlich etwas Großes – so etwas Großes, das gefällt Chefredakteuren."

Meinung: Bezahlte Protagonisten sind medienethisch fragwürdig, schreibt Kathrin Hollmer.

Komparsen-Casting: Die Suche nach Protagonisten für TV-Dokus und Magazin­beiträge über Portale wie komparse.de sei rechtlich erlaubt, aber medienethisch fragwürdig, schreibt Kathrin Hollmer. Die Bezahlung verleite dazu, zu tun und sagen, was die Autoren hören wollen. ARD und ZDF sagen, für Real-Geschichten keine Gagen zu zahlen, höchstens Aufwands­entschädigungen im unteren dreistelligen Bereich.
sueddeutsche.de, turi2.de (Background)

Zitat: Ex-DDB-Kreativchef Amir Kassaei vermisst echte Kreativität.

"Eine Kreativagentur zu sein, ist heute ja eher eine Beleidigung und Abwertung als ein Qualitätsprädikat."

Star-Werber Amir Kassaei, Ex-Kreativchef des Agentur-Netzwerks DDB, holt im "Horizont"-Interview zum Rundumschlag gegen die Branche im Allgemeinen und Kreativ-Awards im Speziellen aus.
"Horizont" 4/2019, S. 4/5 (Paid)

Weitere Zitate aus dem Interview

- über die Werbe-Branche:

"Unsere Industrie hat einige der wichtigsten Entwicklungen der letzten zehn Jahre verschlafen, weil sie zu sehr mit sich selbst und profanen Dingen beschäftigt war. Kreativität, oder vielmehr das, was viele als Kreativität feiern, ist Commodity geworden. Dazu haben die Werber, aber auch die Medien und die Award Shows beigetragen, allen voran Cannes."

"Ich glaube, unsere Industrie hat einfach nicht mehr den Anspruch, aber leider auch nicht mehr die Bedeutung, die sie in der Vergangenheit mal hatte. Daraus resultiert ein gewisses Mittelmaß. Und Mittelmaß zeichnet sich unter anderem dadurch aus, dass es nicht weiter auffällt."

- über Kreativ-Awards:

"Würden Sie Goldman Sachs glauben, dass die jetzt die Welt retten wollen, indem sie den Bereich Investment Banking umstrukturieren? Die Kreativwettbewerbe haben nicht das Ziel, Kreativität zu fördern. Mit ihrer Kurzsichtigkeit und Gier nach noch mehr Einreichungen und Geld haben sie Kreativität zu einer austauschbaren Ware gemacht. Wenn jede kleine Reklamebutze im tiefsten Sibirien einen Löwen gewinnt, kann man nicht mehr von einer Auszeichnung sprechen."

"Ich glaube immer noch, dass 80 bis 90 Prozent der Ideen, die bei Award Shows ausgezeichnet und bejubelt werden, keine echten Probleme lösen oder in irgendeiner Art und Weise Relevanz für die wirkliche Welt haben."

Zitat: Ulrike Simon stört sich an der Doppelrolle von Frank Thomsen bei Gruner + Jahr.

"Seitdem das bekannt ist, mache ich mir den Spaß, Verlagsleiter und Unternehmenssprecher anderer Häuser mit der Frage zu ärgern, was sie eigentlich in ihrer übrigen Arbeitszeit treiben."

Ulrike Simon fremdelt mit der neuen Doppelrolle von Frank Thomsen als Publisher beim "stern" und Kommunikations- und Marketing-Chef von Gruner + Jahr. Die Kombination zeige, dass beide Stellen keine Vollzeitjobs wären.
spiegel.de (Paid), turi2.de (Background)

Studie: Medien haben “überwiegend korrekt” über Flüchtlinge berichtet.

Medienkritik: Deutsche Medien haben im Zeitraum Mai 2015 bis Januar 2016 "überwiegend korrekt" über die Zuwanderung berichtet, sagt eine Studie der Uni Mainz. Kommunikationsforscher Marcus Maurer hat Berichte von "Tagesschau", "Heute", "RTL aktuell", der "Süddeutschen Zeitung", der "FAZ" und der "Bild" untersucht. Sie seien allerdings "meist einseitig", allein die "Bild" habe etwa gleich viele positive wie negative Berichte über Flüchtlinge veröffentlicht. Allerdings habe die Zeitung und auch das ZDF Zuwanderung "überwiegend als Gefahr dargestellt". Die Geschlechterverteilung der Flüchtlinge sei "fast exakt". Nur die "Tagesschau" habe "deutlich häufiger Frauen und Kinder als Männer thematisiert" und gezeigt.
bild.de

Zitat: Harald Schmidt zieht über Fernsehen, Zeitungen und Journalismus her.

"In Amerika sitzt jede Nebenrolle. Wenn es aber 7 Mrd reinregnet, ohne dass ich mich bewegen muss, dann heißt es halt bei jeder Anforderung: ‚'Oh, ich weiß net, ob isch des gegreenlightet bekomme. Mir sind ja auch alle im Weihnachtsstress.'"

Harald Schmidt schaut deutsches Fernsehen nur noch, um sich aufzuregen – und merkt in der "FAZ" nebenbei an, dass der Rundfunkbeitrag gemütlich macht.
"FAZ", S. 13 (Paid)

Weitere Zitate:

"Klassischer Journalismus wird heute für Leute gemacht, die entweder selbst Journalisten sind oder die damit aufgewachsen sind, dass man montags den 'Spiegel' kauft, donnerstags die 'Zeit' und eine Tageszeitung abonniert hat. (...) In meinem Umfeld liest niemand mehr Zeitung. Punkt."

"Ich muss leider sagen, dass ich mich dabei beobachte, dass ich sechs Interviews pro Woche gebe, in denen ich sage, dass ich mich aus den Medien zurückgezogen habe."

#sagenwasist: Journalisten tragen Manipulationen zusammen.

#sagenwasist: Unter dem Motto von "Spiegel"-Gründer Rudolf Augstein sammeln Journalisten ihre Erfahrungen mit Manipulationen in der Berichterstattung. Ronja von Wurmb-Seibel berichtet von einem Vorgesetzter, der ihr mit auf den beruflichen Weg gegeben haben soll: "Das Gute am Auslandsjournalismus ist ja, dass niemand rausfinden wird, ob der Mann in Kabul das wirklich gesagt hat." Redakteure hätten sie auch dazu drängen wollen, Explosionen zu zeigen, wo keine gewesen seien. Dutzende Kollegen hätten sich in den vergangenen Tagen mit ähnlichen Geschichten an sie gewandt. Die Debatte in den Medien im Fall Relotius erscheine ihr aufgrund ihrer Erfahrungen und der großen Resonanz scheinheilig.
tagesspiegel.de

Meinung: Relotius’ Auftraggeber kommen bisher zu unhinterfragt weg.

Spiegel: Die bisherige Aufarbeitung des Relotius-Skandals beim "Spiegel" blendet die Rolle von Ullrich Fichtner, dem Print-Chef und künftigem Vize-Chefredakteur, sowie die von Gesellschafts-Ressortleiter Matthias Geyer weitgehend aus, tadelt Ralf Heimann im MDR-Medienblog Altpapier. Relotius mag gelogen und betrogen haben - dafür, dass ein Text erscheint, obwohl ein eigener Reporter erhebliche Zweifel anmeldet, sei er aber nicht verantwortlich.
mdr.de

“Hinter vielem steht nun ein Fragezeichen” – “Spiegel” arbeitet den Fall Relotius auf 23 Seiten auf.


Im Spiegel des Sturms: Der "Spiegel" stellt 23 Seiten des neuen Hefts frei ins Netz – und widmet sich ausführlich der Selbstkritik im Fall Relotius. In der Rubrik Hausmitteilung schreiben Susanne Beyer und Dirk Kurbjuweit: Der "Spiegel" müsse sich überlegen, wie er Recherchen noch genauer kontrollieren könne, "auch wenn wir keine totale Überwachung haben wollen". Clemens Hoeges schildert weitere Details: Demnach fälschte Relotius Facebook-Profile, um sich zu entlasten und gestand schließlich nachts in einem Carsharing-Auto im Gespräch mit Kollegin Özlem Gezer.

Hoeges entlastet in seinem Text die hausinterne Dokumentation unter Leitung von André Geicke. Sie könne sehr vieles überprüfen über Datenbanken und Archive. "Vorsätzlicher Betrug ist im System nicht vorgesehen", schreibt Hoeges jedoch. Relotius betrüge genauso gut, wie er schreibe.

Auf vier Seiten dokumentiert das Heft zahlreiche Reaktionen – Zuspruch und auch Kritik an der Art und Weise, wie der "Spiegel" den Skandal öffentlich machte. "Zeit"-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo äußert sich als "Spiegel"- und Journalismus-Kritiker auf drei weiteren Seiten. Reporter Juan Moreno beschreibt erneut, wie ihm der Schwindel aufgefallen ist. Er sei inzwischen überzeugt, dass seine Leistung Zufall war und ein Vorteil, dass er Relotius persönlich nicht kannte.
spiegel.de (23-Seiten-PDF aus "Spiegel" 52/2018)

"Wir müssen uns relativ nackig machen" – "Spiegel"-Chef Steffen Klusmann über den Relotius-Skandal.

Zitat: Ex-“Bild”-Mann Georg Streiter warnt vor fanatischem Julian Reichelt.

"Ich habe arge Probleme mit dem fanatischen Kurs, den der aktuelle Chefredakteur fährt. Er lässt seinem persönlichen Hass auf den Bundespräsidenten und die Bundeskanzlerin und die Institutionen dieses Landes freien Lauf."

Georg Streiter, Ex-Regierungssprecher und Berater, geht mit seinem Ex-Arbeitgeber "Bild" hart ins Gericht. Streiter beschreibt, wie unter Julian Reichelt Menschen verbal hingerichtet und Fehler vertuscht würden.
facebook.com via twitter.com

Lese-Tipp: Einwohner stellen klar, was Claas Relotius über ihre Stadt zusammenfantasiert hat.

Lese-Tipp: Michele Anderson und Jake Krohn aus Fergus Falls in Minnesota nehmen Stück für Stück die Geschichte In einer kleinen Stadt von "Spiegel"-Reporter Claas Relotius auseinander, der die Bewohner der Kleinstadt porträtiert. Schon der Wald, durch den sich Relotius in seinem Text der Stadt nähert, existiere nicht. Die Personen im Text erschienen wie Film-Figuren. In 7.300 Wörtern seien lediglich die Durchschnittstemperatur und die Einwohnerzahl korrekt.
medium.com via twitter.com/jhaentzschel

“Kronen Zeitung” verschweigt Details aus Täterbeschreibung nach Anschlag in Nürnberg.

Kronen Zeitung lässt in ihrer Berichterstattung über die Messerattacke in Nürnberg die Täterbeschreibung aus. Die Zeitung zitierte zwar die Tweets der Polizei Mittelfranken zur Fahndung. Jedoch werden die Informationen ausgelassen, die Polizei suche nach einem Mann mit "blonden bis dunkelblonden Haaren, hellem Teint".
derstandard.at

Lese-Tipp: Bernd Dörries geht vermeintlichem Elefanten-Massaker in Botswana nach.

Lese-Tipp: Anfang September verbreiten Medien in aller Welt Meldungen über ein Elefanten-Massaker in Botswana, das angeblich größte bisher in Afrika, lanciert von der Tierschutz-Organisation Elephants Without Borders. Bernd Dörries forscht nach und stößt auf Zweifel, ob die Geschichte so wirklich stimmt oder nicht eher interessensgetrieben ist.
"Süddeutsche Zeitung, S. 3 (Paid)

Meinung: Die Zeit ist an der “Lindenstraße” vorbeigezogen, schreibt Hans Hoff.

Lindenstraße war lange "immer ein bisschen weiter als die gesellschaftliche Realität", z.B. 1990 beim ersten schwulen Kuss im deutschen TV, schreibt Hans Hoff. Die Serie provozierte, wühlte auf und ging durch Shitstorms, als diese noch nicht so hießen. Irgendwann jedoch sei die Zeit an der Lindenstraße vorbeigezogen, die Versuche der Erneuerung seien nur "mittelgut" gelungen.
sueddeutsche.de, turi2.de (Background)

Klick-Tipp: Kartoffel-Preisträger Julian Reichelt verteidigt sich und “Bild”.

Klick-Tipp: "Bild"-Chef Julian Reichelt erhält den Negativ-Preis Goldene Kartoffel und kommt überraschend persönlich zur "Vorladung". In einer Rede schildert er seine journalistische Haltung und kritisiert die Selbstgewissheit seiner Kritiker. Zum Beweis, dass "Bild" nicht gegen Flüchtlinge mobilisiere und Panik verbreite, bringt Reichelt einen Syrer mit, der bei "Bild" volontiert. Den Preis nimmt er nicht an.
twitter.com (35-Min-Video), tagesspiegel.de

“Zeit” schreibt über Firmen-Geflecht des Journalistenwatch-Geldgebers.

Lese-Tipp: Die "Zeit" recherchiert zu den Hintermännern der rechten Nachrichtenseite Journalistenwatch und deren Geldgeber: Anwalt Philipp Wolfgang Beyer, der erkannt hat, "wie glänzend sich im rechten Milieu verdienen lässt". Er habe mehr als 20 Vereine, Firmen und Initiativen gegründet - und soll damit geschätzte 6.500 Mandanten um 9 Mio Euro erleichtert haben.
zeit.de