Union und SPD wollen digitale Transformation von Verlagen fördern, streichen aber Zustell-Zuschuss.


Transformation mit Steuergeld: Die Bundestagsfraktionen von Union und SPD wollen Zeitungs- und Zeitschriften-Verlage in den kommenden Jahren mit insgesamt 220 Mio Euro unterstützen, berichtet die dpa. Darauf hat sich der Haushaltsausschuss am Mittwochabend bei seinen Beratungen über den zweiten Nachtragshaushalt geeinigt, den der Bundestag am Donnerstag verabschieden soll. Die eigentlich geplante Zustellförderung von 40 Mio Euro im Jahr 2020 ist vom Tisch. Der neue Entwurf sieht 20 Mio Euro im Jahr 2020 vor und weitere 200 Mio Euro in den Folgejahren. Über welchen Zeitraum die Mittel verteilt werden sollen, ist nicht bekannt.

Das Geld soll die "digitale Transformation des Verlagswesens" sowie "Absatz und Verbreitung" von Abo-Zeitungen, Zeitschriften und Anzeigenblättern fördern und zudem "den Erhalt der Medienvielfalt und -verbreitung in Deutschland" sichern. Ob 20 Mio Euro dafür ausreichen, ist fraglich: Schon bei der Zustellförderung, die der Haushaltsausschuss im November 2019 vorgeschlagen hatte, hatten Verleger-Verbände beklagt, die 40 Mio Euro seien nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. (Fotos: imago / Montage: turi2)
handelsblatt.com, jungewelt.de, cducsu.de, turi2.de (Background)

“Handelsblatt” wird ab Montag “eleganter und moderner”.

Handelsblatt erscheint ab Montag in neuer Aufmachung, kündigt Chefredakteur Sven Afhüppe (Foto) auf dem Titel der Donnerstagsausgabe an. Unterstützung hat die Redaktion von Zeitungsdesigner Mario Garcia bekommen. Die Zeitung soll "eleganter und moderner" werden, die Leserführung intuitiver. Inhaltlich will das "Handelsblatt" die Berichterstattung über Unternehmen und Finanzen sowie die globale Wirtschaft und Politik ausbauen.
"Handelsblatt", S. 1 (Paid)

Aschendorff befördert Dennis Hagen und Marc Zahlmann zu Operativ-Chefs.

Aschendorff bekommt ein neues Führungsduo. Dennis Hagen (Foto) und Marc Zahlmann rücken an die operative Spitze und übernehmen für die Verleger Benedikt Hüffer und Eduard Hüffer, die allerdings gesamtverantwortlich bleiben. Dennis Hagen war bisher kaufmännischer Leiter, Marc Zahlmann Verlagsleiter Lesermarkt und Digital-Chefredakteur.
kress.de

Benjamin Schrader wird Madsack-COO, Vorgänger Christoph Rüth geht zu Funke.


Wachablösung: Benjamin Schrader, seit 2015 Geschäftsführer der "Märkischen Allgemeinen Zeitung", steigt beim Mutterkonzern Madsack in die Konzerngeschäftsführung auf. Er verantwortet ab Oktober das operative Geschäft des Regionalzeitungs-Riesen und löst Christoph Rüth ab. Damit macht Madsack offiziell, was "Horizont" bereits vor zwei Wochen gemeldet hat: Laut dem Marketing-Fachblatt übernimmt Rüth bei Funke die Aufgaben von Mit-Geschäftsführer Ove Saffe. Rüth war nach Stationen bei Gruner + Jahr und Springer 2013 zu Madsack gekommen.

Mit dem 41-jährigen Schrader will sich Madsack an der Spitze verjüngen. Er übernimmt auch die Verantwortung für die Felder Post und Reise. Die übrige Madsack-Führung bleibt mit CEO Thomas Düffert und Finanzchef Adrian Schimpf unverändert. In der Ebene darunter übernimmt Digitalchef Bernhard Bahners das B2B-Marketing und Niedersachsen-Chef Günter Evert das konzernweite Key-Account-Management.
madsack.de (Pressemitteilung), turi2.de (Background Funke)

Stephanie von Unruh wird Zeitungs-Geschäftsführerin bei der Nordwest-Mediengruppe.

Nordwest-Mediengruppe aus oldenburg befördert Stephanie von Unruh zur zusätzlichen Geschäftsführerin neben Harold Grönke. Unruh, bislang Verlagsleiterin bei der "Nordwest-Zeitung", verantwortet künftig die Tages- und Wochenzeitungen. Grönke hält weiter die Hauptverantwortung und konzentriert sich auf Personal, Finanzen, Logistik, Druck und Digitales.
kress.de

“Rheinische Post”: Kerstin Münstermann wird Leiterin der Parlamentsredaktion.

Rheinische Post wirbt Kerstin Münstermann von Funke ab und macht sie zur Leiterin der Parlamentsredaktion. Sie übernimmt ihren Posten zum 1. Oktober und folgt auf Eva Quadbeck, die damit früher als bisher kommuniziert zu Madsacks Redaktionsnetzwerk Deutschland wechselt. Münstermann ist derzeit Funkes Chefkorrespondentin für Politik in Berlin. Zuvor wirkte sie unter anderem für die "Welt", die dpa und die dapd.
rheinischepostmediengruppe.de, turi2.de (Background)

Meinung: Wirecard-Pleite ist der späte, aber große Triumph der “Financial Times”.

Wirecard: Der Abstieg des Zahlungsdienstleisters ist maßgeblich das Resultat der unermüdlichen Recherchen der "Financial Times", erinnert Nils Jacobsen. Die Zeitung hatte Anfang 2019 mit einem ersten Bericht über mögliche Geld­wäsche und Konten­fälschung bei Wirecard den Stein ins Rollen gebracht. Trotz Klagen und Vorwürfen ließen die "FT"-Journalisten nicht locker, auch weil die japanische Mutter Nikkei das unternehmerisches Risiko der Auseinander­setzung mit einem damals deutlich wertvolleren Konzern nicht scheute.
meedia.de, ft.com (Historie Wirecard)

Zitat: Sie hat nicht mit einer Anzeige von Seehofer gerechnet, sagt “taz”-Chefredakteurin Barbara Junge.

"Die 'taz' führt ja gerade eine ganz schön leidenschaftliche Diskussion über Rassismus und Polizei und den journalistischen Umgang damit. Und dass sich der Bundesinnenminister daran beteiligen möchte, begrüße ich."

"taz"-Chefredakteurin Barbara Junge sagt dem Deutschlandfunk, sie habe mit Horst Seehofers Rückzug in Sachen Anzeige gerechnet. Ihre öffentliche Entschuldigung möchte sie nicht als fehlende Unterstützung für Hengameh Yaghoobifarah verstanden wissen.
deutschlandfunk.de, turi2.de (Background)

Seehofer verzichtet auf Strafanzeige gegen “taz”-Autor*in.


Reden statt klagen: Innenminister Horst Seehofer verzichtet nun doch auf eine Strafanzeige gegen "taz"-Autor*in Hengameh Yaghoobifarah. Stattdessen will der Politiker die Chefredaktion der Zeitung um ein Gespräch bitten, schreibt Seehofer in einer Pressemitteilung. Zudem will sich der Minister an den Presserat wenden. Es gehe ihm nicht um die "Strafverfolgung einer Person und schon gar nicht um einen Eingriff in die Pressefreiheit", sondern um eine Diskussion darüber "wie wir in dieser Gesellschaft miteinander umgehen und wo die Grenzen einer Auseinandersetzung sind". Seehofer glaubt, dass durch die "menschenverachtende Wortwahl" in Yaghoobifarahs Text "auch Straftatbestände erfüllt werden". Diese würden durch bereits vorliegende Strafanzeigen von der Staatsanwaltschaft geprüft.

In ihrer Polizei-Satire hatte Yaghoobifarah laut darüber nachgedacht, die Polizei auf der Müllhalde entsorgen zu wollen. Der Text hatte für scharfe Kritik u.a. der Polizeigewerkschaft gesorgt, die auch Strafanzeige stellte. "taz"-Chefredakteurin Barbara Junge hatte sich öffentlich für den Text entschuldigt. Seehofers Absicht, Yaghoobifarah anzuzeigen wurde ebenfalls scharf kritisiert, u.a. von Jan Böhmermann und BuzzFeed-Chefredakteur Daniel Drepper.
spiegel.de, bmi.bund.de, turi2.de (Böhmermann, Drepper) turi2.de (Junge)

LAE: Print noch immer gefragter, nun fast gleichauf mit online.

Leseranalyse Entscheidungsträger: Entscheider*innen lesen noch immer häufiger Print als Online - die Reichweiten nähern sich aber an. Während die 19 untersuchten Printtitel insgesamt eine Nettoreichweite von rund 74 % erreichen (2019: 79 %), bleiben die Online-Titel bei etwa 69 %. Trotz leichter Verluste bleibt der "Spiegel" mit einer Reichweite von 27,6 % meistgelesener Wochentitel, die "Süddeutsche Zeitung" führt mit 12,9 % bei den Tageszeitungen. Online ist das Nachrichtenangebot des "Spiegel" mit 41,3 % mit Abstand am gefragtesten und baut seinen Vorsprung vor dem "Focus" (26,7 %) aus, der als einer der wenigen Titel online an Reichweite verliert.
horizont.net (Paid), wuv.de

Meinung: Der “taz”-Konflikt zur Polizei-Satire offenbart einen Generationenkonflikt.

taz: Der zum Teil öffentlich ausgetragene Konflikt zur Polizei-Satire offenbart einen Generationenkonflikt im Journalismus, schreiben Elisa Britzelmeier und Jens Schneider. Vor allem jüngere Autor*innen, insbesondere wenn sie zum Beispiel selbst Diskriminierungen erfahren haben, würden sich oft nicht mit Analysen oder argumentierenden Meinungsstücken begnügen. Der Konflikt schwelle auch in anderen Redaktionen, breche in der "taz" wie in vielen anderen Fällen zuvor nur zuerst aus.
sueddeutsche.de, turi2.de (Background)

Zitat: “taz”-Chefin Barbara Junge entschuldigt sich für Polizei-Satire.

"Satire darf fast alles – sogar in ihrer Wortwahl danebengreifen. Aber Menschen, egal welcher Berufsgruppe, als Müll zu bezeichnen, widerspricht fundamental dem Selbstverständnis der taz, die sich einer menschlicheren Gesellschaft verschrieben hat."

"taz"-Chefin Barbara Junge entschuldigt sich für eine missglückte Satire in der Zeitung über die Abschaffung der Polizei und kündigt Debattenbeiträge unterschiedlicher Blickrichtungen zum Thema an.
taz.de, turi2.de (Background)

“Handelsblatt”: Funke will Dichands bei der “Kronen-Zeitung” rausdrängen.

Kronen-Zeitung: Funke will die Verleger-Familie Dichand mittels einer Ausschlussklage aus dem gemeinsamen Unternehmen drängen, berichtet das "Handelsblatt". Die Dichands hatten ihre Anteile im Januar in einer gemeinsamen Gesellschaft in Wien zusammengefasst, was laut Gesellschaftervertrag nicht erlaubt ist. Sollte Funke sich vor Gericht durchsetzen, bekämen die Dichands als Entschädigung nur den Buchwert des Unternehmens. Investor Rene Benko, der zusammen mit Funke 50 % hält, könnte dann Mehrheitsgesellschafter werden. Auch ein Komplettausstieg von Funke sei nach einem Ausschluss der Dichands vorstellbar, schreibt Hans-Peter Siebenhaar.
handelsblatt.com (Paid)

Hör-Tipp: Sebastian Turner über den Lokaljournalismus in der Krise.

Hör-Tipp: Sebastian Turner stellt sich bei OMR Media den Fragen von Pia Frey. Der "Tagesspiegel"-Mitgesellschafter erklärt etwa, warum er auf Fachthemen setzt: In Branchen wie Gesundheit, Forschung und Verwaltung arbeiten in der Hauptstadt jeweils Hunderttausende Menschen. Ihnen will Turner jeden Tag einen Grund geben, die Zeitung aufzuschlagen.
omrmedia.podigee.io (51-Min-Podcast)



Aktuell bei turi2.tv: Wie geht’s dem “Tagesspiegel”, Sebastian Turner? (4/2020)

“Horizont”: Funke holt Christoph Rüth als Nachfolger von Ove Saffe.

Funke holt Christoph Rüth als Nachfolger des scheidenden Geschäftsführers Ove Saffe, meldet horizont.net. Rüth kommt von Madsack, wo er bisher als COO wirkte. Ab 2021 soll er sich bei Funke um das Zeitungsgeschäft kümmern. Die Trennung von Funke und Ove Saffe war bereits im September 2019 öffentlich geworden.
horizont.net, turi2.de (Background)

Presserat rügt in neun Fällen öffentlich.

Presserat verteilt neun öffentliche Rügen, darunter: Bild.de ziehe eine "nicht belegte redaktionelle Schlussfolgerung" als Irreführung der Leser, es geht um den Artikel "Ramelow ließ sich mit AfD-Stimme wählen". Die Veröffentlichung des Fotos eines in Syrien erfrorenen Mädchens auf Bild.de verletze die Menschenwürde. Die "Allgäuer Zeitung" trenne Redaktion und Werbung nicht klar. Die "Volksstimme" habe eine unbearbeitet veröffentlichte Pressemitteilung nicht genug gekennzeichnet.
sueddeutsche.de, lifepr.de

Hör-Tipp: Lokalredaktionen wollen Digital-Leserschaft mit Newslettern und Servicethemen halten.

Hör-Tipp: Während des Lockdowns haben Lokalzeitungen viele Digital-Abos verkauft und ihre Abrufzahlen extrem gesteigert – inzwischen flacht die Nachfrage ab. Lina Verschwele zeigt im "Medienmagazin" vom BR, wie u.a. die "Stuttgarter Zeitung" und die "Schwäbische Zeitung" versuchen, Digital-Leser*innen zu halten: mit Newslettern, Servicethemen, individuellen Faktenchecks per WhatsApp und schneller Anpassung des Angebots.
br.de (4 Min)

Kai-Hinrich Renner: Rezo macht bei seinem Faktencheck Fehler.

Faktencheck: Rezo unterlaufen in seinem Video zur "Zerstörung der Presse" Fehler, kritisiert Kai-Hinrich Renner. Renner hat den Faktencheck Rezos zu Artikeln über ihn selbst im Hinblick auf die "Berliner Zeitung" überprüft. Renners Erkenntnis: Rezo hat nur einen Bruchteil der Artikel in seine Betrachtung aufgenommen. Mehrere der monierten Fehler seien zudem bei genauer Betrachtung gar keine.
berliner-zeitung.de, turi2.de (Background)

Frühere Vize-Chefredakteurin Ulrike Zeitlinger verlässt “Bild”.

Bild und Ulrike Zeitlinger gehen getrennte Wege. Zeitlinger, die bis vor einem Jahr "Bild"-Vize war und seitdem "Entwicklung und Innovation" verantwortet, wolle sich "neuen Heraus­forderungen" widmen. Weitere Personalien: Jan Wolf Schäfer kehrt als Nachfolger von Nikolaus Blome vom "Focus" zu "Bild" zurück. Kim Horn, Tochter von Ex-"BamS"-Chefin Marion Horn, steigt in die Chefredaktion der "Bild am Sonntag" auf.
horizont.net, turi2.de (Background)

Priska Amstutz und Mario Stäuble leiten ab Juli den “Tages-Anzeiger”.

Tages-Anzeiger befördert Priska Amstutz (Foto) und Mario Stäuble ab Juli in die Chefredaktion. Sie treten die Nachfolge von Judith Wittwer an, die Co-Chefredakteurin bei der "Süddeutschen Zeitung" wird. Amstutz und Stäuble werden ihre bisherigen Funktionen beibehalten: Amstutz leitet das Ressort Zürich Stadtleben, Stäuble ist Ressortleiter Politik und Wirtschaft Zürich.
tx.group, tagesanzeiger.ch

Zahl des Tages: Medienhäuser in den USA und UK verkaufen in der Krise 1 Mio Digitalabos.

Zahl des Tages: Über 1 Mio digitale Abonnent*innen gewinnen die zehn größten Zeitungen in den USA und Großbritannien seit Beginn der Pandemie hinzu, sagt eine Auswertung von Press Gazette. Zu den Gewinnern zählen u.a. die "New York Times", das "Wall Street Journal" und die "Daily Mail".
pressgazette.co.uk

Ex-“Handelsblatt”-Vize Oliver Stock wird Chef von Weimers “Wirtschaftskurier”.

Weimer Media Group verpflichtet Oliver Stock als Print- und Online-Chefredakteur des Wirtschaftkuriers. Stock war bis 2016 "Vize-Chef vom "Handelsblatt", danach "Wiwo"-Vize und Kommunikationschefs der Versicherungsgruppe Ergo. Seit September 2019 war Stock als Sprecher der Management-Beratung Kienbaum tätig.
turi2 - eigene Infos

Rolf Grummel wechselt von Madsack zum Allgäuer Zeitungsverlag.

Allgäuer Zeitung wirbt Rolf Grummel, 50, als Geschäftsführer bei Madsack ab. Er wechselt zum 1. Dezember zum Allgäuer Zeitungsverlag nach Kempten und folgt auf Markus Brehm, der in den Ruhestand geht. Grummel ist seit 2015 für Madsack tätig, aktuell als Geschäftsführer der Töchter Mediastore, Medienagentur und Digitalathleten.
all-in.de via augsburger-allgemeine.de

Australien: News Corp stellt den Druck von über 100 Regionalzeitungen ein.

News Corp stellt im Juni den Druck von über 100 australischen Regionalzeitungen ein. Der Medienkonzern, der zum Murdoch-Imperium gehört, will 76 Titel nur noch online publizieren; 36 werden ganz eingestampft. Deshalb stehe ein Stellenabbau "noch unbekannten Ausmaßes" bevor. News Corp machte im vergangenen Quartal einen Verlust von 1,1 Mrd Dollar.
derstandard.at, handelsblatt.com

“Horizont”: Julian Reichelt und Paul Ronzheimer sprechen über Freundschaft und Streitkultur.


Bild' dir deinen Bro Code: "Bild"-Chefredakteur Julian Reichelt und sein Vize Paul Ronzheimer treten bei Ulrike Simon zum Doppel-Interview an – über ihre Streitkultur und ihre Freundschaft. "Ich glaube, mich schützt nichts mehr vor Fehlern, als auf Paul zu hören, von dem ich weiß, dass er nur das Beste für mich will", sagt Reichelt über den professionellen Umgang der beiden Journalisten miteinander. Ronzheimer könne "im Ton durchaus unangenehm werden", schütze ihn aber davor, Dinge zu veröffentlichen, die der Marke "Bild" schaden würden – etwa ein Gleichsetzen von Hygiene-Demos und Pegida-Protesten. Dass Reichelt als Chefredakteur am längeren Hebel sitze, störe Ronzheimer nicht. Er setze sich oft durch, das merke aber niemand, weil diese Texte nicht erscheinen.

Insgesamt wird klar, dass Ronzheimer eine der wenigen Stimmen ist, auf die Reichelt hört, von der er sich korrigieren lässt. Ein Grund ist sicher, dass beide wichtige Erfahrungen teilen, etwa die als Kriegsreporter. Auch persönlich sind sich die Männer nah: Der Bezeichnung "Ziehsohn Reichelts", die einst der "Spiegel" für Ronzheimer fand, widersprechen beide. "Wenn schon, dann haben wir ein brüderliches Verhältnis", sagt der fünf Jahre jüngere Ronzheimer und ergänzt: "Es gibt Dinge, die ich nur ihm erzähle, und ich weiß, dass ich immer auf ihn zählen kann."

Gleich zu Beginn des Gesprächs gesteht Reichelt übrigens einen Fehler ein: Den Satz, dass er Menschen danach beurteile, ob er mit ihnen gemeinsam im Schützengraben liegen wolle, sammelt er ein. "Das war die falsche Metapher. Ich würde das so nicht wieder sagen."
horizont.net (Paid)

Mathias Döpfner sieht Corona-Krise für digitale News-Angebote als “riesige Chance”.

Corona-Krise ist aus der Perspektive digitaler Medienmacher "eine riesige Chance", sagt Springer-Chef und BDZV-Präsident Mathias Döpfner beim BDZV-Kongress #beBeta und freut sich über die steigende Bereitschaft, für digitalen Journalismus zu bezahlen. Zugleich glaubt Döpfner, dass die Krise den "Strukturwandel massiv beschleunigt" und manche Verlage den "Anschluss ans digitale Zukunftsgeschäft" nicht mehr finden.
presseportal.de, wuv.de

Neue “Zeit”-Seiten porträtieren Promis und besondere Gruppen.

Zeit startet zwei neue Porträt-Seiten, die im wöchentlichen Wechsel am Ende des Wirtschaftsteils erscheinen. "Unterhaltung" gibt aus unerwarteter Perspektive einen tiefen Einblick in die Persönlichkeit eines Promis, den Auftakt macht morgen Minister­präsidentin Manuela Schwesig. "Die Menschen von ..." porträtiert besondere Gruppen in Firmen, Organisationen oder Kommunen, wobei das Team im Fokus steht.
zeit-verlagsgruppe.de

Funke lehnt Verkauf der “Krone” ab und geht gegen Schiedsgerichtsentscheidung vor.

Kronen Zeitung: Der Machtkampf um die Zeitung geht in die nächste Runde. Funke kündigt an, gegen die Schiedsgerichtsentscheidung aus der vergangenen Woche wegen "schwerwiegender Unregelmäßigkeiten" vorzugehen. Das Gericht hatte die Kündigung der Verträge zwischen Funke und der Gründerfamilie Dichand für nichtig erklärt und damit die Patt-Situation zwischen den zerstrittenen Parteien verlängert. Gleichzeitig beton Funke, dass der Verlag einen Verkauf seiner Anteile an die Familie Dichand kategorisch ausschließe und auch nicht zu Gesprächen bereit sei.
funkemedien.de, turi2.de (Background)

“New York Times” würdigt Corona-Tote auf der Titelseite.

New York Times veröffentlicht in ihrer Sonntags­ausgabe die Namen von 1.000 Corona-Toten - stellvertretend für die fast 100.000 Menschen, die in den USA bisher an Covid-19 gestorben sind. Auf der Titelseite stehen eng bedruckt in sechs Spalten hunderte Namen und jeweils ein persönlicher Satz zu den Opfern.
t-online.de, bild.de, nytimes.com

Einstweilige Verfügung: Gabor Steingart soll das Hauptstadt-Briefing umbenennen.

Berlin ist zu klein für uns beide: Gabor Steingart muss seinen kostenpflichtigen Newsletter "Hauptstadt-Briefing" womöglich umbenennen, schreibt Ulrike Simon bei Horizont.net. Der Name des Newsletters könnte Marken- und Titelrechte von Detlef Prinz, der seit zwei Jahrzehnten sonntags den gedruckten Hauptstadtbrief als Beilage der "Berliner Morgenpost" herausgibt, verletzen. Steingart habe eine einstweilige Verfügung einer Hamburger Anwaltskanzlei erhalten, Media Pioneer wolle Widerspruch einlegen.

Gordon Repinski, Vize-Chefredakteur bei Media Pioneer, deutet es "als Kompliment und Bestätigung, dass unser Briefing bereits nach wenigen Tagen offensichtlich so sehr als Konkurrenz wahrgenommen wird, dass man juristisch gegen uns vorgehen muss", sagt der Journalist bei Horizont Online. Repinski sieht bei Konzept und Inhalt kaum Überschneidungen mit dem Namensvetter: "Uns kommt es im Hauptstadt-Briefing auf exklusive Recherchen an und darauf, Geschichten aus Berlin neu und anders zu erzählen."
horizont.net (Paid)

Aus dem turi2.tv-Archiv: Gabor Steingart spricht im Juni 2017 bei turi2.tv über Innovationen und das Morning-Briefing.

Schiedsgericht verlängert Patt-Situation im Funke-Dichand-Streit.

Kronen Zeitung: Ein Schweizer Schiedsgericht hat die Patt-Situation im Streit um Macht und Geld bei Österreichs größter Tageszeitung zwischen der Gründerfamilie Dichand und der deutschen Funke Gruppe verlängert, teilt Christoph Dichand, Herausgeber und Chefredakteur der Zeitung, mit. Demnach ist eine Kündigung der Verträge durch Funke, die die Essener und Dichand 1987 geschlossen haben, nichtig. Der deutsche Verlagskonzern will seine 50 % an der "Krone" an den Investor René Benko abtreten, der will nur übernehmen, wenn die Verpflichtungen aus den Alt-Verträgen entfallen. Die Vereinbarung sichern den Dichands 7 Mio Euro Vorabgewinn pro Jahr zu, unabhängig von der wirtschaftlichen Leistung der Zeitung. Die Dichands haben außerdem in der Redaktion das Sagen.
derstandard.at

Corona: Medien zitieren am häufigsten Christian Drosten.

Corona-Expert*innen: Christian Drosten (Foto) ist der seit Jahresbeginn mit Abstand am häufigsten in Zeitungen und deren Online-Auftritten zitierte Virologe oder Epidemiologe, schreiben Holger Dambeck und Achim Tack in einer Analyse. Hendrik Streeck und Alexander Kekulé folgen mit deutlichem Abstand. In Springers Boulevardtiteln "Bild" und "B.Z." kommt Jonas Schmidt-Chanasit am häufigsten zu Wort. Er hatte sich u.a. gegen eine Maskenpflicht ausgesprochen. Die "Süddeutsche Zeitung" zitiert am häufigsten den Münchner Clemens Wendtner. Auch auf YouTube hat Christian Drosten die Nase vorn, allerdings nur knapp vor Wolfgang Wodarg. Wodarg - selbst kein Virologe - kritisiert die Maßnahmen gegen Corona als "Panikmache" und tritt vor allem in Kanälen auf, die auch Verschwörungstheorien verbreiten.
spiegel.de

Zitat: Funke-Vermarktungschef Dirk Wiedenmann sieht Werbung als prozyklisches Produkt.

"In meinen Augen ist und bleibt Werbung wider alle guten Argumente und Ratschläge ein prozyklisches Produkt der Wirtschaftsleistung und -stimmung: Sie verschwindet als Erstes aus dem Markt, taucht aber auch als Erstes wieder auf."

Vermarktungschef Dirk Wiedenmann baut für Funke inmitten der Corona-Krise einen neuen Vermarkter auf. Im "Horizont"-Interview sagt er, dass die Buchungen wieder anziehen.
"Horizont" 21/2020, S. 12/13 (Paid)

Die “taz” veröffentlicht am Mittwoch Sonderausgabe zu Verschwörungstheorien.

Entschwörungs-taz: Die "taz" veröffentlicht am Mittwoch auf 14 Seiten eine Sonderausgabe zu Verschwörungstheorien mit Schwerpunkt Corona. In der Zeitung kommen Kritiker*innen der Lockdown-Politik zu Wort sowie Experten, die z.B. über Angst und Verschwörungsglauben berichten. Die "taz" geht aber auch mit sich selbst ins Gericht und erinnert u.a. daran, wie sie sich für die Verschwörungstheorie, Aids sei ein Produkt der Geheimdienste, einspannen ließ
per Mail

“Mindener Tageblatt” erfindet sich in der Krise als Lieferdienst neu.

Mindener Tageblatt erfindet sich in der Krise neu, beobachtet Hannah Knuth: Die Fahrer des Verlags liefern nun neben Anzeigenblättern und Zeitungen auch Getränke, Schuhe und Co der städtischen Geschäfte, die wegen der Pandemie schließen mussten. Verlagschef Carsten Lohmann sieht in dem digitalen Marktplatz, den er mit den Händlern aufbaut, die Zukunft des Lokaljournalismus. Chefredakteur Benjamin Piel bezeichnet den Wegfall von Terminen "als "journalistischen Traum", weil die Redakteure nun grundsätzlicher nach relevanten Themen suchten.
"Zeit" 21/2020, S. 18 (Paid), #thinkpositive #actpositive

Erst verkauft, dann eingestellt: “Siegerlandkurier” verschwindet lautlos.

Siegerlandkurier, Anzeigenblatt für Südwestfalen, wurde still und heimlich eingestellt, die Redaktion komplett entlassen, berichtet Übermedien. Der bisherige Herausgeber, die zu Ippen gehörende Mediengruppe Westfälischer Anzeiger, habe den "Siegerlandkurier" an den Verlag Vorländer & Rothmaler verkauft, der die Siegener Zeitung herausgibt. Der neue Verlag habe die sofortige Einstellung beschlossen, erfahren die Mitarbeiter*innen in einer Telefon-Konferenz am 24. März - die letzte Ausgabe erschien drei Tage zuvor ohne jeden Abschiedshinweis. Boris Rosenkranz vermutet eine kalkulierte Marktbereinigung: Vorländer & Rothmaler gibt mit dem "Siegerländer Wochen-Anzeiger" selbst ein Anzeigenblatt heraus und hat dem "Westfälischen Anzeiger" im Gegenzug zwei Regional-Ausgaben abgetreten.
uebermedien.de (Paid)

Ingo Becker hat “Hamburger Morgenpost” verlassen.

Hamburger Morgenpost: Ingo Becker, Geschäftsführer der Vermarktungstochter der Boulevardzeitung, hat das Haus verlassen, meldet Roland Pimpl. Becker war erst im November 2019 von "Bild Hamburg" zur "Hamburger Morgenpost" gekommen. Einen Nachfolger gibt es laut Geschäftsführer und Neu-Verleger Arist von Harpe noch nicht. Er hatte das Blatt im Februar von DuMont gekauft.
horizont.net, turi2.de (Wechsel 2019), turi2.de (Übernahme 2020)

Die “Münsterländische Tageszeitung” und die “Oldenburgische Volkszeitung” fusionieren.

Zeitungsfusion: Die Münsterländische Tages­zeitung und die Oldenburgische Volks­zeitung schließen sich zur OM-Mediengruppe zusammen. Die Leitung übernimmt der bisherige "OV"-Chef Michael Plasse. Beide Zeitungen bleiben als eigene Titel erhalten, mit der Website om-online.de starten sie jedoch ein gemeinsames regionales Newsportal.
om-online.de