Holger Friedrich lädt Bernd Runge zu Redaktionsworkshop ein, schreibt Ulrike Simon.

Berliner Zeitung: Verleger Holger Friedrich lädt zu einem redaktionsinternen Workshop über die künftige Organisation der Zeitung den ehemaligen Conde-Nast- und heutigen "Interview"-Verleger Bernd Runge ein, schreibt Ulrike Simon. Runge war wie Friedrich IM bei der Stasi und hat "Drähte zu einem russischen Oligarchen", so Simon. Friedrich habe ihn als "möglichen Kooperationspartner" vorgestellt. Redaktionstechnisch zeichne sich ab, dass das Lokalressort der Zeitung aufgelöst und durch ein "Reporter-Ressort" unter neuer Leitung ersetzt werden wird.
horizont.net (Paid)

Wie geht’s der “taz”, Katrin Gottschalk und Andreas Marggraf?


Innovationen und Diskussionen: Die "taz" lädt an diesem Samstag zur digitalen Genossenschaftsversammlung ein – im turi2.tv-Interview ziehen Geschäftsführer Andreas Marggraf und Vize-Chefredakteurin Katrin Gottschalk schon mal Bilanz. "Wir haben großes Glück", sagt Marggraf zur wirtschaftlichen Situation der linksalternativen Zeitung, die durch ihr Genossenschafts-Modell nur bedingt vom wackeligen Werbemarkt abhängig ist. Gottschalk stellt die neue App der Zeitung vor, spricht aber auch über die umstrittene Polizei-Kolumne von Hengameh Yaghoobifarah. Durch die Entscheidung des Presserats, der den Text von der Meinungsfreiheit gedeckt sieht, "haben wir uns schon ein bisschen bestätigt gefühlt".

Konsequenzen hatte der Text dennoch: "Es gab schon eine ganze Menge Genoss*innen, die deswegen ihren Anteil gekündigt haben", sagt Marggraf, das gehöre aber "zu einer lebendigen Genossenschaft dazu". Gottschalk ergänzt, dass auch die anschließende in der "taz" ausgetragene Debatte um die Kolumne dafür gesorgt hat, dass Leser*innen ihre Beiträge bei "taz zahl ich" zurückgezogen haben. Intern diskutiere die "taz" nun über die Lehren aus der Debatte und darüber, ob sich etwa Strukturen verändern müssten.

Gleichzeitig arbeitet die Zeitung an ihrer Post-Print-Zukunft – u.a. mit einer neuen App, die Marggraf und Gottschalk im Video zeigen. Anders als bisher verabschiedet sich das Digital-Angebot von der Zeitungs-Optik, will aber dennoch ein lineares Leser-Erlebnis bieten und einmal am Tag "die Welt anhalten". Auch optisch setzt die "taz" auf Opulenz: Die Bilder und Illustrationen lassen sich nun auch heranzoomen, zudem glänzt die App mit Animationen.
turi2.tv (14-Min-Video auf YouTube)

Medieninsider: CEO Christoph Bauer plant Holding-Aufbau für DuMont.


Um-Mont-iert: DuMont-Chef Christoph Bauer will seinem Verlag eine neue Struktur verpassen, zitiert DuMont-Insider Medieninsider aus einer internen Videobotschaft. Bauer kündigt darin ab Oktober den Umbau zu einer "Gruppe aus Unternehmen" an, der bis Ende 2021 abgeschlossen sein soll. Als jeweils eigene Holdings mit eigener Geschäftsführung sollen dann die Bereiche "Regionalmedien", "Business Information" und "Marketing Technology" agieren. Dass Ex-"FAZ"-Produktchef Thomas Schultz-Homberg die Regionalmedien-Sparte leiten wird, steht bereits seit Juli fest. Digital-Manager Patrick Wölke wird in die Holding wechseln. Bei "Marketing Technology" sollen die Facelift-Gründer Benjamin Schröter und Teja Töpfer als Geschäftsführer ran.

Medieninsider hatte erst letzte Woche über Sparmaßnahmen bei DuMont im Rheinland berichtet. So soll die kleine "Express"-Redaktion in Bonn 2021 schließen, die Berichterstattung über Bonn nur noch "in reduziertem Umfang stattfinden", gesteuert "aus dem Kölner Newsroom heraus". Zudem will DuMont weitere Jobs abbauen. Laut Betriebsrat drohen dem Unternehmen für 2020 und 2021 "Millionenverluste".
medieninsider.com (Paid), turi2.de (Background)

Korrektur: In einer früheren Version des Textes stand, Patrick Wölke werde in die "Business Information"-Holding wechseln. DuMont weißt darauf hin, dass Wölke in die übergeordnete Holding von DuMont wechsele.

Das “Handelsblatt” gründet ein Innovation-Board.

Handelsblatt gründet das Innovation-Board u.a. mit Microsoft-Deutschland-Chefin Sabine Bendiek und Vodafone Deutschland-Chef Hannes Ametsreiter. Die Mitglieder sollen sich in Interviews und Gastbeiträgen "regelmäßig in die öffentliche Debatte einschalten", um "die Rahmenbedingungen für Innovationen in Deutschland zu verbessern". Auch Gespräche mit Politikern und Wissenschaftlern sind geplant.
"Handelsblatt", S. 3 (Paid)

“manager magazin”: “Berliner Zeitung” vernebelt ihre sinkende Auflage.

Berliner Zeitung versteckt ihren Auflagen-Rückgang, schreibt Philipp Alvares de Souza Soares. Im 4. Quartal 2019 verkaufte das Blatt nur noch rund 61.000 Exemplare und meldet seitdem keine Verkaufs­zahlen mehr an die IVW. Auf Nachfrage räumt der Verlag ein, dass die Auflage im 1. Quartal 2020 um 8 % und im 2. Quartal um weitere 4 % gesunken sei. Bezahlte Digital-Abos hat der Verlag nach eigenen Angaben erst rund 5.000 verkauft.
manager-magazin.de (Paid)

Volker Koerdt übergibt die Chefredaktion der “Auto Zeitung” an Stefan Miete.

Fahrerwechsel: Chefredakteur Volker Koerdt (Foto), 65, gibt das Steuer bei der "Auto Zeitung" ab und wirkt künftig als Herausgeber des Bauer-Titels. Für ihn rückt sein bisheriger Stellvertreter Stefan Miete, 52, auf den Fahrerstuhl. Koerdt gibt auch seinen Posten als Verlagsleiter ab. Die Funktion übernimmt Roman Trunz künftig allein. Als Chefredakteur von "Classic Cars" bleibt Koerdt dabei.
per Mail

DuMont schließt “Express”-Redaktion in Bonn und will weitere Stellen abbauen.

Bye bye Bonn: DuMont schließt zum 1. Januar 2021 seine "Express"-Redaktion in Bonn, meldet medieninsider.com. Die Berichterstattung über Bonn soll laut einer Verlagssprecherin nur noch "in reduziertem Umfang stattfinden" und "aus dem Kölner Newsroom heraus" gesteuert werden. In der Bonner Lokalredaktion arbeiten aktuell "weniger als fünf Mitarbeiter*innen", die allerdings nicht betriebsbedingt gekündigt werden sollen. Zudem will DuMont weitere Jobs abbauen. Angestellte von DuMont Schauberg und Rheinland Media 24, die älter als 55 Jahre alt sind, sollen per "freiwilligem Abfindungsprogramm" verabschiedet werden.

In einem Schreiben des Betriebsrats heißt es, für 2020 und 2021 rechne das Medienunternehmen mit "Millionenverlusten". Die Chefredaktionen von "Kölner Stadt-Anzeiger" und "Express" sprechen von einer „dramatische Verschlechterungen der wirtschaftlichen Situation des Medienhauses Rheinland“, in dem beide Zeitungen erscheinen.
medieninsider.com (Paid)

Die “NZZ” ernennt Nicole Anliker zu stellvertretenden Chefredaktorin.

NZZ befördert Nicole Anliker zur stellvertretenden Chefredaktorin und Leiterin des Newsrooms. Anliker ist bisher Lateinamerika-Korrespondentin der Zeitung. Sie folgt auf Andreas Schürer, der Geschäftsführer beim Komitee Weltoffenes Zürich wird und eine eigene Kommunikationsfirma gründet. Die "NZZ" legt zudem ihre Ressorts Technologie und Wissenschaft unter der bisherigen Technologie-Ressortleiterin Christiane Henkel zusammen. Christian Speicher, bisher Ressortleiter Wissenschaft, arbeitet künftig nur noch als Autor für die Zeitung.
per Mail

Jan Böhmermann greift “FAZ”-Herausgeber Jürgen Kaube wegen geplatztem Interview an.


From Janni with love: Jan Böhmermann, gerade auf großer PR-Tour für sein Buch mit gesammelten Twitter-Werken, ärgert sich über ein "FAS"-Interview, das auf den letzten Metern vor der Veröffentlichung geplatzt ist – durch den Widerstand von "FAZ"-Feuilleton-Herausgeber Jürgen Kaube. Böhmermann reagiert mit einem offenen Brief bei Twitter – auf eine nicht öffentliche Kontaktaufnahme habe Kaube nicht geantwortet. In dem Schreiben fragt Böhmermann, warum Kaube "in die redaktionelle Gestaltungshoheit der 'FAS'" eingegriffen habe. Mögliche Antworten liefert er in weiteren Tweets mit Auszügen aus dem Interview. "Welt"-Chefredakteur Ulf Poschardt bietet derweil an, das Interview in seinem Medium zu veröffentlichen.

Böhmermann wirft in dem Gespräch etwa dem WDR "lausige Krisenkommunikation" in der Causa Umweltsau vor. Tom Buhrow habe kein argumentatives Problem gehabt, "sondern bloß Angst". Er kritisiert außerdem das "schlecht geschauspielerte Gejammer über das Phantom Cancel Culture". In anderen Tweets ärgert er sich über die Zeit, die er für das Interview und den Foto-Termin investiert hat.
twitter.com (Offener Brief), twitter.com (weitere Tweets), twitter.com (Interview-Auszug)

Mitarbeit: Markus Trantow

Zitat: “SZ”-Geschäftsführer Stefan Hilscher schielt nicht nur auf Reichweite.

"Sie werden auf der Website täglich Geschichten finden, die interessant, aber keine Reichweiten-Könige sind. Und das muss so sein. Wenn man zu sehr nur auf Reichweite zielt, geht auf längere Sicht das Gespür für Qualität verloren."

Stefan Hilscher, Geschäftsführer des Süddeutschen Verlags, sagt im "Horizont"-Interview, dass es auf die richtige Themen-Mischung ankommt, über die nicht er, sondern die Redaktion entscheidet.
"Horizont" 37/2020, S. 12 (Paid)

Lars Reckermann wird Entwicklungschef bei der Zeitungsgruppe Ostfriesland.

Zeitungsgruppe Ostfriesland holt Lars Reckermann (Foto) als Leiter für die neu geschaffene Abteilung Forschung und Entwicklung. In der Funktion soll er neue Geschäftsfelder erschließen und die Digitalisierung vorantreiben. Reckermann war zuletzt Chefredakteur der "Nordwest-Zeitung" in Oldenburg und seit Mitte 2019 selbstständig. Außerdem verpflichtet die Zeitungsgruppe Jürgen Stricker als neuen, zusätzlichen Vize-Chefredakteur. Er war bisher Redaktionsleiter der "Salzgitter-Zeitung".
kress.de

Extinction Rebellion blockiert die Druckereien von Rupert Murdoch.

Presse Rebellion: Umweltaktivist*innen von Extinction Rebellion haben in Großbritannien Druckereien blockiert, welche Zeitungen wie "The Sun", "The Times", "The Daily Telegraph", "Daily Mail" und die "Financial Times" produzieren. Die Titel berichteten zu wenig über den Klimawandel und verfolgten "eigene persönliche und politische Agenden". Die Druckereien gehören zum Medienkonzern News Corp von Rupert Murdoch.
faz.net

Proteste in islamischen Ländern: “Charlie Hebdo” erhöht die Auflage.

Gott sieht alles: In zahlreichen islamischen Ländern, u.a. in der Türkei, Ägypten und im Iran, kommt es am Freitagabend zu Protesten gegen die erneute Veröffentlichung von Mohammed-Karikaturen in der französischen Satire-Zeitung "Charlie Hebdo". Die Regierung in Teheran bezeichnet die Zeichnungen als eine "Provokation". "Charlie Hebdo" bringt heute 200.000 weitere Exemplare in den Handel. Die ersten 200.000 Stück - die dreifache Menge der üblichen Auflage - sind bereits vergriffen. Die Satire-Zeitschrift veröffentlichte zum Prozessbeginn am vergangenen Mittwoch eine Sonderausgabe.

Die umstrittene Mohammed-Karikatur erschien erstmals 2005 in einer dänischen Zeitung. Respektlose Darstellungen von Mohammed oder anderen Propheten seien "absolut inakzeptabel", beklagt das iranische Außenministerium. Bei einem Anschlag auf die Pariser Redaktion von "Charlie Hebdo" sowie einen jüdischen Supermarkt starben im Januar 2015 zwölf Menschen. Die Islamisten begründeten das Attentat mit der Veröffentlichung der Karikaturen.
tagesschau.de

Staatsanwaltschaft stellt die Ermittlungen gegen die “Financial Times” ein.


Späte Einsicht: Die Staatsanwaltschaft München stellt das Ermittlungsverfahren gegen die "Financial Times"-Journalist*innen Stefania Palma und Dan McCrum ein. Die Bafin hatte 2019 Strafanzeige wegen des Verdachts der Marktmanipulation gestellt. Die Staatsanwaltschaft sieht keine hinreichenden Anhaltspunkte - die Berichterstattung über Wirecard sei "jedenfalls vom Standpunkt der damaligen Informationslage aus weder falsch noch irreführend."

Die "Financial Times" hatte u.a. berichtet, in der Asien-Zentrale von Wirecard habe es undurchsichtige Geschäfte gegeben, Kundenbeziehungen in Dubai seien erfunden worden. Der Aktienkurs des mittlerweile insolventen Zahlungsdienstleisters war daraufhin gesunken. Die Münchener Staatsanwaltschaft hatte nach den Recherchen der "Financial Times" die Ermittlungen aufgenommen.
handelsblatt.com (Paid), turi2.de (Background)

Kai-Hinrich Renner rechnet bei Funke in Thüringen mit deutlich früheren Andruckzeiten.

Funke macht (Zeit-)Druck? Die Andruckzeiten der "Thüringer Allgemeinen", der "Thüringischen Landes­zeitung" und der "Ostthüringer Zeitung" könnten sich künftig um bis zu vier Stunden nach vorne verschieben, schreibt Kai-Hinrich Renner. Ende 2021 schließt Funke seine Druckerei in Erfurt und druckt die Zeitungen in Braunschweig. Die neuen Druckpläne für die Thüringer Titel stehen noch nicht fest, dementiert Funke die Meldung der "Berliner Zeitung".
berliner-zeitung.de, turi2.de (Background)

Geli Tangermann und Mathis Neuburger werden Vize-Chefredakteure der “Hamburger Morgenpost”.

Hamburger Morgenpost macht Geli Tangermann, 33, (Foto) und Mathis Neuburger, 40, zu Vize-Chefredakteuren. Tangermann kommt von der "Welt", dort arbeitet bisher sie im Politik-Ressort. Neuburger steigt redaktionsintern auf, er leitet bisher das Ressort Lokales. Außerdem befördert die Zeitung Eva Jost, 40, zur Digital-Chefin.
meedia.de, new-business.de

Zitat: “Mopo”-Chefredakteur Maik Koltermann hat nur bei Bier Schaum vorm Mund.

"Schaum vorm Mund habe ich höchstens mal nach einem Feierabend-Bier. Davor ist es mein Ziel, pointiert und meinungsstark zu formulieren."

Maik Koltermann, Chefredakteur der "Hamburger Morgenpost", sagt im "Horizont"-Interview, dass wer sich klar positioniert, auch mal anderen auf den Schlips tritt. Den Begriff "Boulevard" hält er für "vorbelastet".
horizont.net (Paid)

Synergien und Kontrapunkte: Jan Ippen über BuzzFeed und die Zeitungs-Zukunft.


Neues vom Nerd: "Vollzeit-Nerd" nennt Jan Ippen sich selbst gerne – im Video-Interview mit turi2.tv erklärt der Geschäftsführer von Ippen Digital, dass er trotzdem Zeitung liest. Er sieht sich selbst als "Brücke" zwischen dem klassischen Zeitungsgeschäft, das sein Vater Dirk Ippen jahrzehntelang mit der Ippen-Gruppe aufgebaut hat, und dem, "was wir an Digitalem aufbauen". Neuster Baustein ist der deutsche Ableger des US-Portals BuzzFeed.

Wie passt der zu Tageszeitungen wir "Frankfurter Rundschau" und "Münchner Merkur"? Ippen findet, dass sich die Frage gar nicht stellt: Er versteht Ippen Digital nicht als "Zeitungs-Portale", sondern als "Plattform mit diversen Medieninhalten". Bei BuzzFeed freut er sich über die junge Zielgruppe, beim investigativen BuzzFeed News findet er "Synergien zu einer 'FR', aber auch die Kontrapunkte mit einem 'Merkur'" "phänomenal". Wichtig sei ihm ein freier und pluralistischer Journalismus: "Wir versuchen nicht, unter einer Marke alles irgendwie zu konsolidieren."

Ob die Zukunft der Medien irgendwann papierlos ist? Für Ippen ist das "eine Frage der Zeitachse". Medien auf Papier sieht er langfristig als "Liebhaber-Produkt". Statt der klassischen Zeitung werde es dann Produkte geben, die "die Legacy der Zeitung" aufgreifen. Im klassischen Geschäft findet er "viele fantastische Bausteine", die er "Stück für Stück" in die digitale Zukunft transformieren will. Dabei setzt er u.a. auf eine Personalisierung, die Filterblasen vermeidet.

Die Zeitungsgruppe, die seinen Namen trägt, sieht Jan Ippen auch dann noch in Familienhand, wenn sein Vater und Gründer Dirk Ippen die Führung irgendwann abgibt: "Wir als Gesellschafter sind ja auch schon aktiv." Dass er irgendwann selbst allein an der Spitze der Gruppe stehen wird, verneint er: "Das kann ein Mensch alleine gar nicht mehr unter einer Feder führen und konsolidiert managen. Das muss am Ende des Tages auf viele Köpfe verteilt werden."
turi2.tv (17-Min-Video auf YouTube)

Hanfeld: Corona-Untersuchung von Gräf und Hennig “hat jede Menge Löcher”.

ARD und ZDF bekommen in der Diskussion um die Corona-Sondersendungen während des Lockdowns ungewohnte Unterstützung: "FAZ"-Mann Michael Hanfeld bescheinigt der Untersuchung von Dennis Gräf und Martin Hennig "jede Menge Löcher". "Stark" findet Hanfeld die "Einzelbeobachtung" der Studie, ihre "Generalthesen stehen dagegen auf schwachen Füßen". Die Forscher hatten ARD und ZDF vorgeworfen, Corona-Angst zu schüren.
faz.net, turi2.de (Background)

Funke lässt Sprecher der Geschäftsführung “rollieren”.


Sprecher wechsel dich: Die Funke Mediengruppe macht ihre drei Geschäftsführer Andreas Schoo (Bild, Mitte), Michael Wüller (Bild, rechts) und Neuzugang Christoph Rüth (Bild, links) künftig abwechselnd zu "Sprechern der Geschäftsführung", berichtet zuerst Ulrike Simon bei Horizont.net. Inzwischen hat Funke das neue Prinzip bestätigt und den Abgang von Zeitungs-Geschäftsführer Ove Saffe, sowie den Eintritt seines Nachfolgers Rüth offiziell gemacht. Unklar ist, wie lange jeder Chef den Sprecher-Hut tragen soll. Geklärt ist dagegen, dass Andreas Schoo beginnt.

Auch die Zuständigkeiten der Geschäftsführer stehen nun fest: Christoph Rüth, der am 1. Oktober in Essen anfängt, übernimmt wie Vorgänger Ove Saffe die Zeitungen und deren Online-Angebote sowie die Vermarktung. Bei Andreas Schoo liegen künftig noch die Zeitschriften und die Reichweiten-Portale (u.a. derwesten.de) sowie Teile der Vermarktung. Michael Wüller verantwortet Logistik, Druck, Personal und Recht.

Laut Pressemitteilung geht Saffe in Essen "im besten gegenseitigen Einvernehmen". Verlegerin Julia Becker verabschiedet den scheidenden Manager mit warmen Worten: Er habe "die Regionalzeitungen unseres Verlages behutsam und immer mit einem Blick auf die Belange der Redaktionen umstrukturiert". Der Verlag sei ihm "zu großem Dank verpflichtet". Saffe war 2015 zu Funke gekommen, zunächst als Geschäftsführer von "Hamburger Abendblatt" und "Berliner Morgenpost". 2018 stieg er in die Konzerngeschäftsführung auf.
horizont.net (Paid), meedia.de, funkemedien.de

Meedia: Funke will designierten Zeitungschef zum Sprecher der Geschäftsführung machen.

Kräftmessen? Funke spielt Andreas Schoo und Christoph Rüth (Foto) gegeneinander aus, berichtet Meedia. Rüth, der von Madsack kommt und als Zeitungschef auf Ove Saffe folgen soll, sei der Posten als Sprecher der Geschäftsführung versprochen worden. Das Amt hat aber bereits Schoo inne, der bei Funke-Verlegerin Julia Becker angeblich in Ungnade gefallen ist, schreibt Ulrike Simon. Wann Rüth bei Funke anfängt, ist offen.
meedia.de (Paid), horizont.net (Paid)

Funke erhebt Thüringer Wirtschaftsbarometer.

Funke macht's wie einst Luther und schaut den Thüringer*innen aufs Maul: Das Thüringer Wirtschaftsbarometer soll künftig alle drei Monate die wirtschaftliche Lage von Unternehmen und Haushalten und deren Stimmung abbilden. Im Auftrag der Mediengruppe Thüringen (u.a. "Thüringer Allgemeine") befragt das Meinungsforschungs-Institut Insa 150 Unternehmen und 1.000 Verbracher*innen. Die Ergebnisse erscheinen in den Tageszeitungen der Gruppe.
funkemedien.de

Das Gehalt von WDR-Chef Tom Buhrow ist gar nicht gesunken, schreibt Jakob Buhre.

Äpfel und Birnen: Journalist Jakob Buhre schreibt, dass die Nachricht, das Gehalt von WDR-Chef Tom Buhrow sei gesunken, eine Falschmeldung ist, die es u.a. in "Tagesspiegel" und "FAZ" geschafft hat. Er rechnet vor, dass Buhrows Grundgehalt sogar um 23.300 Euro gestiegen ist. Grund: 2016 veröffentlichte der Sender noch die Intendanten-Bezüge inkl. Sachleistungen, ab 2017 ohne. Zudem dokumentiert Buhre, dass es ihm nicht gelungen ist, auch nur eine Redaktion zu einer Korrektur zu bewegen.
planet-interview.de

“Handelsblatt” startet Nachrichten-Podcast “Handelsblatt Today”.

Handelsblatt geht mit dem Trend zum täglichen News-Podcast und startet "Handelsblatt Today". In rund 20 Minuten analysieren die Redakteurinnen Mary-Ann Abdelaziz-Ditzow (Foto) und Lena Bujak die Auswirkungen der wichtigsten Nachrichten auf die Finanzwelt und sprechen mit Politiker*innen und Unternehmer*innen. Der Podcast erscheint ab Dienstag börsentäglich um 17.30 Uhr.
handelsblatt.com, podcasts.apple.com

Meinung: Bei der “Mitteldeutschen Zeitung” herrscht Verunsicherung.

Mitteldeutsche Zeitung: In der Redaktion ist die Verunsicherung seit der Übernahme durch Bauer Anfang des Jahres groß, schreibt Ulrike Nimz. Der Verlag fordert "Synergien" mit der "Volksstimme", die Redaktion hat daher Angst vor einer Zusammenlegung. Bauer sagt, die Integration finde nur auf der unternehmerischen Ebene statt, die Redaktionen blieben unabhängig. Viele Mitarbeitende suchen offenbar dennoch bereits neue Jobs.
"Süddeutsche Zeitung", S. 21 (Paid), turi2.de (Background)

Video-Tipp: Walulis zieht “Bild”-Reporter*innen durch den Kakao.

bildlogoVideo-Tipp: Walulis' Sommervertretung dokumentiert, wie die "Bild" sich ihren Ruf als "Deutschlands auflagenstärkstes Klopapier" erarbeitet, zum Beispiel indem sie die letzten 50 Stunden eines Suizid-Toten rekonstruiert oder Lebende für tot erklärt. Die Reporter*innen arbeiteten mit Maßnahmen wie "Witwenschütteln", Druck auf Promis und Übertreibungen.
youtube.com (11 Min)

Meinung: Deutschland kann von Medien-Förderung im Ausland lernen.

Presseförderung: Die Annahme, "dass Politik überhaupt kein Interesse daran hat, Medien in ihrem Sinne zu beeinflussen", sei naiv, schreibt Alexander Graf. Das Beispiel Skandinavien zeige aber, dass staatliche Förderprogramme die Pressefreiheit nicht zwangsläufig einschränken. „Es verwundert, wie ablehnend in der Bundesrepublik über eine direkte Förderung gesprochen wird“, sagt der Schweizer Medienforscher Manuel Puppis der "taz".
taz.de

Basta: Kevin Kühnert trägt kurze Hosen.

Short Story: Jusos-Bundeschef Kevin Kühnert hilft in Wickede beim Wahlkampf – und trägt am SPD-Infostand doch tatsächlich kurze Hosen, notieren die "Ruhr Nachrichten" aufmerksam. An erschütternde Anblicke wie diese sollten sich Redaktionen bei jährlich steigenden Temperaturen schon mal gewöhnen: Ein paar Hemdsärmelige gibt es in der Politik schon, jetzt kommen die Kurzhoseligen.
twitter.com (Post Kühnert), ruhrnachrichten.de (Paid)

“Evening Standard” entlässt ein Drittel seiner Belegschaft.

Evening Standard trennt sich von einem Drittel seiner Mitarbeitenden. Im Newsroom müssen gar 69 von 167 Angestellten gehen. Weitere 46 Jobs fallen im Verlag weg. Die Corona-Krise hat die Lage des Gratisblattes drastisch verschärft, da von der üblicher Weise an Bahnhöfen verteilten Zeitung weniger Exemplare gelesen werden und zudem der Anzeigenmarkt eingebrochen ist.
theguardian.com, turi2.de (Background)

“taz” gibt Sonderausgabe zu fünf Jahren “Wir schaffen das” heraus.

taz kündigt eine Sonderausgabe für Samstag, 8. August an, in der es um die Zeit seit Merkels berühmter "Wir schaffen das"-Zusage im Jahr 2015 gehen soll. Was von der deutschen Willkommenskultur übrig geblieben ist und wie die Lage in Griechenland aussieht, will die Zeitung in Vor-Ort-Reportagen und Interviews beantworten und Geflüchtete ihre Geschichten erzählen lassen.
taz.de

“Stuttgarter Nachrichten” und “Sonntag Aktuell” liefern komplette Seiten für VRM-Wochenendmagazin.

SWRM: Die Redaktion der "Stuttgarter Nachrichten" und "Sonntag Aktuell" erstellt künftig druckfertige Seiten für das redaktionelle Wochenendmagazin der VRM-Tageszeitungen, u.a. "Darmstädter Echo", "Wiesbadener Kurier", "Gießener Anzeiger", und nutzen dafür Inhalte ihrer Medien. Bisher lieferten die Stuttgarter nur einzelne Artikel zu. Durch die nun erweiterte Zusammenarbeit wird die Meinungsvielfalt sicher nicht größer.
swmh.de

Der französische Online-Kiosk Cafeyn kauft Blendle.


Dutch Deal: Blendle wechselt den Besitzer und gehört künftig zum französischen Online-Kiosk Cafeyn, schreibt Blendle-Gründer und Chef Alexander Klöpping in einem Blogbeitrag. Er verkauft sein Unternehmen zu einem nicht genannten Preis, gibt seinen Geschäftsführer-Posten ab und wechselt in den Vorstand von Cafeyn. Die neue Unternehmensgruppe hat rund 150 Mitarbeiter, "vorläufig" sollen beide Kioske erhalten bleiben.

Klöpping schreibt, mit dem Verkauf werde das Angebot in mehr Ländern verfügbar und Leser*innen könnten neue Funktionen nutzen. Es sei sinnvoll, die ähnlichen Ziele gemeinsam zu verfolgen. Blendle startete einst mit dem Einzelverkauf von Artikeln, fokussierte sich später aber, um profitabel zu werden, auf den Verkauf von Premium-Abos.
faz.net, meedia.de, medium.com

“NZZ” wirbt mit Groß-Kampagne um deutsche Digital-Abonnent*innen.

NZZ nimmt den deutschen Markt ins Visier: Mit einer groß angelegten Kampagne wirbt die Zeitung um Digital-Abos deutscher Leser*innen und positioniert sich als Alternative zu "FAZ" und "Süddeutscher". Bereits 2017 hatte die "NZZ" ein E-Paper für Deutschland gestartet - und nach einem Jahr wieder eingestellt.
horizont.net, turi2.de (Background)

Printtitel verlieren während Corona überwiegend massiv an Auflage.

Flatten the Auflage: In den IVW-Zahlen für das 2. Quartal verzeichnen zahlreiche Zeitungen und Zeitschriften deutliche Rückgänge bei der verkauften Auflage. Besonders hart traf es "Bild" (-252.581, -18 %) und "Welt" (-51.299, -43 %). Auch "Spiegel" (-9,3 %), "Focus" (-30,5 %) und "stern" (-18,6 %) verlieren deutlich. Bei all diesen Titel fällt ein Teil des Minus auf die Weggefallenen Bordexemplare. Zu den Gewinnern in den Krisenmonaten zählen die "Zeit" (+ 4,2 %), die "Bravo" (+ 16,6 %) und "Katapult", das seine Auflage mehr als verdoppeln kann (+ 115,1 %).
horizont.net, dwdl.de

Berliner Verlag: Geschäftsführer Michael Maier legt sein Amt nieder.

Berliner Verlag: Michael Maier, 62, legt nach acht Monaten das Amt als Vorsitzender der Geschäftsführung nieder. Er bleibt Herausgeber der "Berliner Zeitung". Maier sei "mit der Größe und der Umstrukturierung des Betriebs überfordert gewesen", hört das "manager magazin". Maier selbst gibt an, sich auf eine Sache konzentrieren zu wollen. Verleger Holger Friedrich will die Geschäftsführung ab August personell aufstocken.
manager-magazin.de

“The Guardian” plant, bis zu 180 Jobs abzubauen.

Rotstifte raus: "Guardian" streicht bis zu 180 Jobs in Redaktion und Verlag, teilt die Zeitung mit. Den Schritt begründet das Medienhaus mit massiven Einnahmeverlusten durch die Corona-Krise, die dieses Jahr rund 25 Mio Pfund betragen könnten. Chefredakteurin Katharine Viner und Annette Thomas, Chefin der Guardian Media Group, kündigten dennoch an, nach wie vor auf eine Paywall verzichten zu wollen.
theguardian.com, zeit.de

So kam die Stuttgarter Polizei mit der “Stammbaumforschung” in die Medien.

"Sternschnuppen-Journalismus" wirft Johanna Henkel-Waidhofer einem Online-Redakteur der "Stuttgarter Zeitung" vor und dröselt auf, wie der Begriff der "Stammbaumforschung" mit der Polizeiarbeit zur Stuttgarter Krawallnacht in Verbindung kam. Der Redakteur habe das Wort ungeprüft von einem grünen Stadtrat übernommen und damit eine Medien-Lawine im In- und Ausland losgetreten. Dabei hatte der Polizeipräsident nie von "Stammbaumforschung" gesprochen. Die "StZ" hat sich inzwischen für den Fehler entschuldigt.
kontextwochenzeitung.de, turi2.de (Stuttgart)

AWA: Tageszeitungen verlieren Reichweite, “Öko Test” gewinnt.

Print-Reichweiten sinken laut Allensbacher Markt- und Werbeträgeranalyse bei fast allen überregionalen Tageszeitungen, nur das "Handelsblatt" legt etwas zu. Das kostenlose Anzeigenblatt "Einkauf aktuell", das wieder an der Spitze der Einzeltitel steht, verliert 650.000 Leser*innen. Bei der "Apotheken Umschau" fallen 150.000 Leser*innen weg, bei "Bild" 500.000. "Öko-Test" steht bei den absoluten Reichweiten-Steigerungen mit 140.000 neuen Leser*innen ganz vorne.
horizont.net

Basta: Im Eis konservierte News.

Papier ist geduldig beständig: Ein Gastronom hat am Mont Blanc im Gletschereis Zeitungen gefunden, die vermutlich vom Absturz eines Air-India-Flugzeugs am 24.1.1966 stammen. Die Blätter verkünden den Aufstieg von Indira Gandhi zur ersten indischen Minister­präsidentin und seien in einem sehr guten Zustand. Vom Medienkonsum heutiger Fluggäste bleibt bei einem Absturz wohl nur Elektroschrott.
spiegel.de

US-Zeitungsgruppe McClatchy geht an Hedge-Fonds.

McClatchy, zweitgrößte Lokalzeitungsgruppe der USA, geht an den Hedge-Fonds Chatham Asset Management - ehemals einer der größten Gläubiger des Konzerns. Der Hedge-Fonds sei als erfolgreicher Bieter aus der vom Insolvenzgericht beaufsichtigten Auktion hervorgegangen, über die gebotene Summe gibt es keine Informationen. McClatchy hatte im Februar Konkurs angemeldet.
derstandard.at, turi2.de (Background)

Tageszeitung “Neues Deutschland” heißt künftig “nd.DerTag”.

Neues Deutschland tauft sich im Zuge eines neuen Layouts werktags in "nd.DerTag" um. Der Name gleicht sich damit der Wochenendausgabe an, die seit knapp zwei Jahren "nd.DieWoche" heißt. Die Chefredaktion der sozialistischen Tageszeitung wird um die Politikredakteurin Ines Wallrodt und Martin Kröger, Leiter des Hauptstadt-Ressorts, erweitert. Chefredakteur bleibt Wolfgang Hübner.
presseportal.de

Renner: Die “Süddeutsche Zeitung” legt Ressorts zusammen und sortiert deren Leitung neu.


Frauen und Onliner zuletzt: Die Redaktion der "Süddeutschen Zeitung" spielt Reise nach Jerusalem - und die Gewinner sind Print-Männer, jedenfalls nach Ansicht von Kai-Hinrich Renner, der in der "Berliner Zeitung" schreibt, die Onliner kämen bei der Neuvergabe der Topjobs "schlecht weg". Für die Frauen ändere "sich nur wenig zum Positiven". Das Online-Ressort für Politik und die Print-Ressorts Innen- und Außenpolitik fasst die Zeitung unter der Führung des bisherigen Außenpolitik-Chefs Stefan Kornelius zusammen. Die Medienseite verliert ihre Eigenständigkeit und wird Teil des Feuilletons, künftig geführt von der bisherigen Medien-Chefin Laura Hertreiter und dem bisherigen Seite-3-Chef Alexander Gorkow.

Für ihn rückt die bisherige Ressort-Vize Karin Steinberger auf. Marlene Weiß wird neue Leiterin des Wissensressorts. Nachrichtenchef wird Nicolas Richter, bisher Chef für Investigatives. Hier folgt ihm Jörg Schmitt. Patrick Illinger wechselt vom Wissensressort zur Samstagsausgabe, die er koordinieren soll. Laut Renner trägt die neue Aufstellung vor allem die Handschrift von Chefredakteur Wolfgang Krach. Die künftige Co-Chefredakteurin Judith Wittwer kenne die Redaktion bislang kaum.
berliner-zeitung.de

Zitat: Stephanie Caspar lehnt die Presseförderung der Bundesregierung ab.

"Wenn es – und so sieht es momentan aus – auf eine direkte Subvention der Verlage hinausläuft, dann ist das ein Sündenfall."

Springer-Vorständin Stephanie Caspar lehnt im Interview mit Ulrike Simon die geplante Presseförderung durch den Bund ab. Sie glaubt, wenn der Staat die Print-Zustellung fördern würde, bekämen Verlage jeder Größe mehr Zeit für die digitale Transformation.
horizont.net (Paid)