“Ein Jahr wie ein Knacks” – Giovanni di Lorenzo über 2020, Solidarität und Streitkultur.


Fehlstart und Hoffnung: "Jeder Mensch verträgt nur eine überschaubare Dosis an bedrohlichen Nachrichten." Im turi2 Podcast zieht Giovanni di Lorenzo Bilanz des Krisenjahres 2020. Der "Zeit"-Chefredakteur sieht in der Corona-Pandemie einen "Knacks für die ganze Menschheit". Auch in seiner Familie hat die Krankheit tiefe Spuren hinterlassen – zwei Familienmitglieder, davon ein naher Verwandter, sind an dem Virus gestorben. Trotzdem glaubt di Lorenzo, dass im kollektiven Gedächtnis der Menschen auch das Gute gespeichert bleibt, etwa Solidarität und eine neue Arbeitskultur. Im Zeit-Verlag wird in der Krise beides gelebt: 35 Mitarbeiter*innen haben zwei Monate lang freiwillig auf Teile ihres Gehalts verzichtet – aus Solidarität mit den Kolleg*innen in Kurzarbeit. Genauso freiwillig ist die Option, aus dem Home Office zu arbeiten.

Giovanni di Lorenzo selbst war bisher jeden Tag im Büro. Journalist*innen sind für ihn genauso systemrelevant wie eine Kassiererin im Supermarkt: "Um Journalismus richtig zu betreiben, muss man sehen, was man beschreiben oder analysieren möchte." Die Leserschaft der "Zeit" goutiert die Anstrengungen offenbar – im Krisenjahr steigt die Auflage der Wochenzeitung auf ein neues Allzeithoch und kann damit einen Teil der Verluste coronabedingt weggebrochener Geschäfte auffangen. "Wir stehen selber manchmal noch ungläubig vor diesen Zahlen", sagt der Chefredakteur. Er glaubt, dass die Leser*innen es schätzen, "dass bei uns eine gewisse Pluralität der Meinungen sichtbar wird" und dass das Lese-Erlebnis erkenntnisreich, aufbauend, gelegentlich sogar tröstend ist – allerdings ohne das Negative auszublenden.

Im Podcast sagt Giovanni di Lorenzo außerdem, was er vom "Quotenfrauen"-Titel des "stern" hält, und spricht über die Angst vor Shitstorms und Skandalisierungen. Er erklärt, dass sich die "Zeit" nicht von oben herab führen lässt und dass er im Blatt immer auch Meinungen findet, die ihm nicht passen – "und das ist auch gut so". Das Gespräch erscheint am 14. Januar in erweiterter Form in der turi2 edition #13.
(Foto: Johannes Arlt für die turi2 edition)
turi2.tv (36-Min-Podcast auf YouTube), turi2.de/podcast, spotify.com, podcast.apple.com, deezer.com, audionow.de


Stefanie Gollasch wird neue Chefredakteurin der “Kieler Nachrichten”.

Kieler Nachrichten bekommen eine Chefredakteurin: Stefanie Gollasch kommt Anfang Februar von Madsack, wo sie derzeit u.a. die "Wolfsburger Allgemeine Zeitung" und die "Peiner Allgemeine Zeitung" führt. An den Kieler Nachrichten hält Madsack 24,5 %. In Kiel folgt Gollasch auf Christian Longardt, der "aus privaten Gründen beruflich kürzer treten" will.
kn-online.de, turi2.de (Background)

Basta: “Freie Presse” blendet Corona einfach aus.

Pandemie besiegt: Die "Freie Presse" aus Chemnitz richtet sich nach den Interessen ihrer Leser*innen - und blendet Corona einfach aus. Auf der coronafreien Version der Webseite gibt es statt Virus-News z.B. Beiträge über Sammler­tassen und gestohlene Kälber. Eine Art der Pandemie­bekämpfung, die auch ein gewisser Donald T. bereits erfolgreich praktiziert.
freiepresse.de/coronafrei via twitter.com/daniel_bouhs

In der “Handelsblatt”-Redaktion ist die Unruhe groß, schreiben Elisa Britzelmeier und Caspar Busse.

Handelsblatt: Sebastian Matthes übernimmt die Chefredaktion in einer schwierigen Zeit mit rückläufigen Anzeigen, einem durch die Krise stark getroffenen Veranstaltungsgeschäft und leeren Büros und Flugzeugen, wo die Zeitung sonst viel gelesen wird, schreiben Elisa Britzelmeier und Caspar Busse. In der Redaktion sei die Unruhe groß. Matthes will inhaltlich wirtschaftspolitische Analysen und exklusive Recherchen zu Konzernen stärken, über die Modeindustrie hingegen weniger berichten. Britzelmeier und Busse vermuten als Grund für Afhüppes Abgang, die Digitalisierung des journalistischen Angebots sei zu langsam vorangegangen.
sueddeutsche.de, turi2.de (Background)

US-Schüler*innen bekommen kostenlosen Digital-Zugang zur “NYT”.

New York Times gewährt Schüler*innen und Lehrer*innen in den USA einen kostenfreien digitalen Zugang bis zum 1. September 2021. Sie hätten ein "noch nie dagewesenes Schuljahr" vor sich, die Zeitung wolle deshalb helfen, ihnen Zugang zu einordnenden Informationen zu ermöglichen. Über den Zugang können sie auch Lerninhalte des "The Learning Network" abrufen.
sueddeutsche.de, nytimes.com

Nielsen: Brutto-Werbeumsätze erholen sich auch zum Jahresendspurt nicht.

Brutto-Werbeumsätze deutscher Medien sinken von Januar bis Oktober um 6,5 % auf rund 26,5 Mrd Euro im Vergleich zu 2019, errechnet Zahlen-Zampano Jens Schröder anhand der Nielsen-Zahlen. Schuld am Minus sind vor allem die coronabedingt schwachen Monate April (-20,7 %), Mai (-19 %) und Juni (-10,5 %) – aber auch im September (-4,1 %) und Oktober (-3,2 %) gab es kaum Entwarnung. Vor allem die Publikumszeitschriften haben an der Lage zu knabbern – sie verlieren im September 10,8 %, im Oktober 16,5 % im Vergleich zu 2019.
meedia.de

“NWZ” und “Oldenburgische Volkszeitung” verbünden sich bei Anzeigenblättern.

Wochenblätter: Die Verlage von “Oldenburgischer Volkszeitung” und “Nordwestzeitung” gründen ein Joint-Venture für ihre Anzeigenblätter in Cloppenburg. Schwerpunkt der neuen Gesellschaft sind zwei Sonntags-Titel mit einer wöchentlichen Gesamtauflage von 128.000 Stück. Die OM-Gruppe, Verlag der “Oldenburischen Volkszeitung”, hält zwei Drittel der Anteile, ein Drittel liegt bei der “NWZ”.
per Mail

“Kölnische Rundschau” bezieht den Mantel künftig von der “Neuen Osnabrücker Zeitung”.

Kölnische Rundschau bezieht ihre überregionalen Inhalte ab 2021 von der "Neue Osnabrücker Zeitung". Die "NOZ" liefert druckfertige Zeitungsseiten zu Politik, Wirtschaft, Kultur, Sport und Vermischtes und auch Inhalte für die digitalen Kanäle. Die "Kölnische Rundschau" ist der erste Mantel-Kunde der "NOZ" aus NRW. Aktuell bezieht sie ihre überregionalen Inhalte vom "General-Anzeiger" aus Bonn.
kress.de

IVW: “Berliner Zeitung” verliert im Jahresvergleich 25 % an Auflage.

Berliner Zeitung verliert im 3. Quartal laut IVW rund 25 % an Auflag. Mit 44.480 verkauften Exemplaren Auflage im Abo und Einzelverkauf setzt das Blatt fast 15.000 Zeitungen weniger ab als vor einem Jahr. Dem Schwester-Blatt "Berliner Kurier" geht es mit 21,6 % Auflagenrückgang auf rund 35.600 Verkäufe kaum besser. In den letzten beiden Quartalen hatten beide Zeitungen des Berliner Verlags bei der IVW-Zählung ausgesetzt.
meedia.de (Paid)

“manager magazin”: Funke-Verlegerin Julia Becker “provoziert eine Revolte”.

Becker-Bashing reloaded: Das manager magazin hängt sich online an die Meldung der Berliner Zeitung, dass bei Funke der Haussegen schief hängt und die Geschäftsführer auf Druck der Gesellschafter nach möglichen Kompetenzüberschreitungen von Verlegerin Julia Becker suchen. Die "mm"-Story von Christoph Neßhöver, in Teilen recycelt aus einem Stück von 2019, trägt die Überschrift "Die Verlegerin provoziert eine Revolte" - was allerdings mit keiner Silbe belegt wird.

Stattdessen erzählt Neßhöver, erkennbar munitioniert von einem der Minderheitsgesellschafter, mit viel Häme süffige Anekdoten aus dem Innenleben des zerrissenen Verlagshauses. Dass die "Eskalation aus Neid und Misstrauen" womöglich weniger von Julia Becker ausgeht als von den Minderheitsgesellschaftern Stephan Holthoff-Pförtner und Klaus Schubries, zieht Neßhöver nicht in Betracht.

Holthoff-Pförtner steht laut "mm" unter finanziellem Druck, der Beitrag von Schubries zur "Eiszeit in Essen" bleibt unbeleuchtet. Deutlich wird hingegen das interne Problem von Julia Becker: Die 66 % Anteile ihrer Familie reichen für wichtige Entscheidungen nicht aus – dafür sind 75 % nötig.
manager-magazin.de (Paid), turi2.de (Background)

Radio Bremen: “Weser-Kurier” löst Werder-Redaktion auf.

Weser-Kurier löst zum Jahresende seine Werder-Bremen-Redaktion auf, berichtet Radio Bremen. Den nach einer Schrumpfkur verbliebenen vier Reportern sei bereits gekündigt worden. Die Bremer Tageszeitungen AG verhandele mit der Syker Kreiszeitung über eine Kooperation. Die "Kreiszeitung" betreibt erfolgreich das Werder-Portal Deichstube, das "Weser-Kurier"-Pendant "Mein Werder" ist dagegen krachend gescheitert.
butenunbinnen.de, youtube.com (5-Min-Video) turi2.de (Background)

Arist von Harpe: “Hamburger Morgenpost” bekommt Paywall nach “Spiegel”-Vorbild.

Hamburger Morgenpost arbeitet an einer Paywall nach dem Vorbild von Spiegel+ und Zeit+, bei dem ausgewählte Texte nur im Abo erhältlich sind, sagt Verleger Arist von Harpe im Interview mit Gregory Lipinski. Bisher verkauft das Boulevardblatt lediglich sein E-Paper im Netz. Außerdem kündigt von Harpe an, dass die Redaktion ihre Politik-Berichterstattung in die eigenen Hände nehmen will – bisher bezieht das Blatt eine Politik-Doppelseite von Madsacks RND.
meedia.de (Paid)

Ex-“Bild”-Chefredakteur Günter Prinz ist tot.

Günter Prinz ist tot. Der Ex-"Bild"-Chefredakteur und ehemalige Springer-Vorstand ist mit 91 Jahren gestorben, twittert Kai Diekmann. Prinz pushte die Auflage der Zeitung in den 70ern mit einem "Mix aus Sex, Facts und Fiction, aus Politik, Verbrechen und Verbrauchertipps" auf mehr als fünf Mio und erfand bei Springer unter anderem Ein Herz für Kinder sowie die Ableger "Bild der Frau" und "Auto Bild".
twitter.com, bild.de, spiegel.de, wikipedia.de (Prinz)

Renner: Funke-Geschäftsführer suchen Zeugen für Fehlverhalten ihrer Verlegerin Julia Becker.


Funkestörung: Ein Gesellschafterstreit bringt der Funke Mediengruppe (u.a. "Berliner Morgenpost", "WAZ") negative Schlagzeilen im Konkurrenzblatt "Berliner Zeitung". Dort berichtet Kai-Hinrich Renner über einen "massiven Zwist im Gesellschafterkreis" und eine "große Spitzelaktion" gegen die Verlegerin und Aufsichtsratsvorsitzende Julia Becker. Die drei Geschäftsführer der Funke Mediengruppe, Christoph Rüth, Andreas Schoo und Michael Wüller fordern von Führungs­kräften Auskunft über etwaige Treffen mit Mitgliedern des Gesell­schafter­ausschusses - gemeint ist Julia Becker.

Der Vorwurf: Becker sei mehrfach operativ tätig geworden, ohne sich vorab mit ihren Mitgesellschaftern abgestimmt zu haben. So werde ihr vorgeworfen, ein inzwischen gestopptes Zeitschriftenprojekt mit Bascha Mika, Ex-Chefredakteurin von "taz" und "Frankfurter Rundschau", "ohne Wissen der übrigen Anteilseigner" auf den Weg gebracht zu haben. Zudem fühlten sich die Gesellschafter unzureichend über eine ebenfalls gescheiterte Vermarktungskoop mit Burda informiert und misstrauten dem engen Draht von Becker zu Burda-Vorstand Philipp Welte.

Hinter der Aktion stecken vermutlich die Minderheitsgesellschafter Klaus und Renate Schubries und/oder Stephan Holthoff-Pförtner. Julia Becker spricht zwar für 2/3 der Anteile, aber mit je 1/6 der Anteile legen sich Renate Schubries, eine von zwei Schwestern von Julia Beckers Mutter Petra Grotkamp, und Stephan Holthoff-Pförtner gelegentlich quer. Holthoff-Pförtner ist NRW-Minister für Bund und Europa, war mal VDZ-Präsident und ist ein Adoptivsohn der anderen Grotkamp-Schwester Gisela Holthoff. Die drei Kinder von Petra Grotkamp - Julia Becker, Nora Marx und Niklas Jakob Wilcke - halten ihre 66,6 % am Verlag zu gleichen Teilen, Becker spricht für diesen Teil der Familie und der Gesellschafter und hat von ihrer Mutter den Aufsichtsratsvorsitz bei Funke übernommen. Offensichtlich ein Posten mit hohem Konfliktpotential.
(Foto: Axel Heimken / dpa / Picture Alliance)
berliner-zeitung.de (frei nach Anmeldung)

Mitarbeit: Peter Turi

Update 13.11., 11.20 Uhr: Konzern-Sprecherin Jasmin Fischer widerspricht der Darstellung, dass es im Auskunftsersuchen der Gesellschafter zu Kontakten zwischen dem Gesellschafter-Ausschuss und Funke-Mitarbeiter*innen darum geht, Julia Becker Fehler anzulasten. Der Gesellschafterausschuss bestehe neben der Verlegerin aus vielen weiteren Personen. Zudem betont die Sprecherin, dass die Kontakt-Verfolgung von den Gesellschaftern ausgeht, nicht von den Geschäftsführern Christoph Rüth, Andreas Schoo und Michael Wüller. Sie seien verpflichtet, dem Ersuchen nachzukommen.

Offizielles Statement zum Gesellschafter-Streit:
"Im Rahmen eines Auskunftsersuchens nach § 51a GmbHG wurden unsere drei Geschäftsführer Christoph Rüth, Andreas Schoo und Michael Wüller gebeten, Auskünfte über etwaige Termine zwischen Mitarbeitern der FUNKE Mediengruppe und Mitgliedern des Gesellschafterausschusses der FUNKE Mediengruppe seit 1. Januar 2018 einzuholen.

Diesem Ersuchen sind die drei Geschäftsführer nachgekommen."

Hannah Suppa wird neue Chefredakteurin der “Leipziger Volkszeitung”.

Madsack macht Hannah Suppa, 37, zur Chefredakteurin der "Leipziger Volkszeitung". Ihr Vorgänger Jan Emendörfer, 57, wechselt konzernintern in die Hauptstadtredaktion des Redaktionsnetzwerks Deutschland, wo er als Chefkorrespondent für Osteuropa und Russland wirken soll. Suppa ist derzeit Chefredakteurin Digitale Transformation und Innovation im Regionalen bei Madsack und wird diese Funktion auch weiter ausführen. Zuvor war sie Chefredakteurin der "Märkischen Allgemeinen Zeitung".
madsack.de

Video-Tipp: “Augsburger Allgemeine” sucht Dialog mit Corona-Kritikern – und scheitert.

Video-Tipp: Die "Augsburger Allgemeine" hat Kritiker ihrer Corona-Berichterstattung zum Gespräch in die Redaktion eingeladen. Sechs Ex-Leser sind gekommen, doch "die Reaktionen waren sehr enttäuschend", eine geplante Doppelseite wurde gestrichen, berichtet Redakteur Daniel Wirsching im Drehscheibe-Interview. Für die Redaktion sei Treffen dennoch ein Gewinn gewesen, um einen ungefilterten Einblick in die Denkweise der Kritiker zu bekommen.
drehscheibe.org (8-Min-Video)

“Süddeutsche”-Gesellschafterin Anneliese Friedmann, 93, ist tot.

Anneliese Friedmann, 93, ist tot. Die Gesellschafterin der "Süddeutschen Zeitung" und langjährige Verlegerin der Münchner "Abendzeitung" ist am Samstag in München gestorben. Anneliese Friedmann war ab 19848 erst Volontärin und später Redakteurin bei "Süddeutschen", heiratete Chefredakteur Werner Friedmann und wechselte nach dessen Tod 1969 in den Kreis der Gesellschafter. Bundesweit bekannt wurde sie in den 1960er-Jahren als Kolumnistin "Sibylle" im "stern".
sueddeutsche.de

Wir graturilieren: Lars Haider wird 51.


Wir graturilieren: Lars Haider, Chefredakteur des “Hamburger Abendblatts”, feiert heute seinen 51. Geburtstag­ im Home-Office und ist darüber nicht verstimmt. Das Beste am abgelaufenen Jahr war für Haider der endgültige Praxis-Beweis, wie gut Home-Office funktioniert. Und dass "Mio Menschen die 'Abendblatt'-Podcasts hören". Für das kommende Jahr wünscht er der Welt und sich einen Impfstoff. Gratulationen bekommt er am allerliebsten per (lustiger) Sprachnachricht, notfalls auch per E-Mail.
turi2.de/koepfe (Profil Haider)

“Zeit”: Verleger-Ehepaar Friedrich mischt sich in redaktionelle Entscheidungen der “Berliner Zeitung” ein.


Korrekt getrennt? Holger und Silke Friedrich trennen bei der "Berliner Zeitung" nicht sauber zwischen Verlegertum und journalistischen Inhalten, schreibt Hannah Knuth in der "Zeit". Sie zitiert dafür mehrere Ex-Mitarbeiter*innen und anonyme Stimmen aus dem aktuellen Team. Beim vom Presserat gerügten Bericht über den Börsengang der Biotech-Firma Centogene, in deren Aufsichtsrat Friedrich sitzt, habe er per E-Mail geschrieben: "Macht was Kleines und sehr Feines draus!"

Friedrich mische "inzwischen redaktionell oft mit", schicke vor Themenmeetings seine Vorschläge herum und "schalte sich in Themenrunden dazu". Verlagsgeschäftsführer Mirko Schiefelbein sitze bei der Entwicklung redaktioneller Themen auch manchmal am Tisch. Knuth schildert in der "Zeit" einen weiteren Vorfall: Ein Redakteur habe sich per E-Mail an die gesamte Redaktion sowie das Verleger-Ehepaar über eine Exklusivmeldung in der "Berliner Zeitung" über die Zahl der Corona-Fälle an Berliner Schulen gefreut. Holger Friedrich habe als Antwort unwirsch geantwortet, er schäme sich für den Beitrag und vermisse "etwas mehr Unabhängigkeit gegenüber dem Amt". Bei Teilen der Redaktion sei der Eindruck entstanden, Friedrich könne sein Interesse als Eigentümer einer Privatschule nicht außen vor lassen.

Weil der Chefredaktionsposten nicht nachbesetzt wird, stehe "keine Instanz mehr zwischen dem Verlegerpaar und den Redakteuren". Eine Redakteurin sagt, bei "Dingen, die man grundsätzlich mit einer Chefredaktion ausmache", müsse die Redaktion sich inzwischen mit Friedrich abstimmen.
"Zeit", 46/2020, S. 23 (Paid)

Ulrike Simon schlägt drei Vergabe-Kriterien für Presseförderung des Bundes vor.

Presseförderung: Der Plan des Bundeswirtschaftsministerium, die vom Bundestag beschlossenen 220 Mio Euro an Zeitungen, Zeitschriften und Anzeigenblätter prozentual aufzuteilen, bekam reichlich Gegenwind – Ulrike Simon schlägt deshalb drei Vergabe-Kriterien vor: Die zu fördernden Medien "müssten abonnierbar sein", regionale Informationen bieten und "frühmorgens zuzustellen sein".
horizont.net (Paid), turi2.de (Background)

“Freitag” führt neues Ressort “Debatte” ein.

Freitag führt das neue Ressort "Debatte" ein, das künftig neben "Politik", "Kultur" und "Wirtschaft" steht. Es umfasst Meinungsstücke, Streitgespräche und Essays zu aktuellen gesellschaftspolitischen Themen. Michael Angele leitet das Ressort. Dafür verschwindet das "Alltag"-Ressort, die Inhalte wandern ins Kulturressort. Der "Freitag" erweitert außerdem sein Digitalangebot um ein E-Paper.
meedia.de

Johnny Depp verliert Verleumdungsprozess gegen die “Sun”.

Verleumdungsklage: Schauspieler Johnny Depp verliert vor Gericht gegen die britische "Sun". Das Revolver-Blatt hatte Depp als "Frauenschläger" bezeichnet, dagegen hat er geklagt. Der High Court in London hat die Klage nun abgewiesen, weil die Angaben in dem strittigen Artikel, Depp habe seine Ex-Frau Amber Heard körperlich misshandelt, "im Wesentlichen wahr" seien.
derstandard.at, gala.de

Chefredakteur Ulf Poschardt will die Marke “Welt” noch “stringenter machen”.

Welt will künftig die Marke "stringenter machen", sagt Chefredakteur Ulf Poschardt im dpa-Interview. "Wenn es etwas gibt, wo wir noch Luft haben: die Kommunikation unserer Marke und die Markenführung", so Poschardt. Auch bei Podcasts will die "Welt" noch wachsen: "Da sehen wir uns eher am Anfang als dort, wo Welt vom Selbstverständnis her sein muss."
horizont.net

Großteil der US-Zeitungen empfiehlt die Wahl von Joe Biden.

US-Zeitungen stehen fast geschlossen hinter Joe Biden, beobachtet Nina Rehfeld. Nur die "New York Post", das "Las Vegas Review-Journal" und drei kleinere Lokalzeitungen empfehlen die Wahl von Donald Trump. Erstmals Wahl-Empfehlungen geben u.a. das Surfer-Magazin und die landesweite "USA Today" ab, die Biden als "wirkungsvolles Gegengift gegen Trumps zügellosen Narzissmus und sein chronisches Chaos" sieht.
"FAZ", S. 17 (Paid)

Ulrike Simon: Wirtschaftsministerium will die Presseförderung prozentual aufteilen.


Aufs Förderband: Das Wirtschaftsministerium will die im Sommer angekündigte Presseförderung prozentual aufteilen, schreibt Ulrike Simon. Der Schlüssel würde für Zeitungen 59 %, Zeitschriften 11 % und Anzeigenblätter 30 % betragen. Eine Voraussetzung sei, dass der redaktionelle Anteil mindestens 30 % beträgt. Außerdem muss jeder geförderte Verlag Investitionen in "die digitale Transformation" schlüssig nachweisen. Ein Beispiel sei hier der "Aufbau von Online-Shops, Rubrikenportalen und Apps", aber auch Investitionen in Podcast-Plattformen oder die Schulung von Mitarbeitern.

Die Förderung soll größtenteils 2021 ausgezahlt werden. Viele Einzelheiten sind weiterhin ungeklärt. Der DJV kritisiert in einer Stellungnahme die von der Politik vorgesehenen Kriterien für die Förderung. Wenn Auflage und digitale Aktivitäten als Bezugsgröße gewählt würden, dann "würden große Medienkonzerne über die Maßen bezuschusst, während für kleine und mittelständische Verlage kaum etwas übrig bliebe", so DJV-Chef Frank Überall. Er fordert, dass auch Tariftreue und faire Honorare als Kriterien herangezogen werden.
horizont.net (Paid), djv.de, turi2.de (Background)

Score Media bringt digitale Beilagen verlagsübergreifend in E-Paper.

Score Media, nationaler Vermarkter von Regional­zeitungen, will das Beilagen-Geschäft digitalisieren. Eine neue, verlags­übergreifende Plattform ermöglicht Werbekunden die alleinige Buchung von digitalen Beilagen und Magazinen in E-Papern, ohne Print-Belegung. Score Media nutzt dafür die Technologie der Münchner Firma Yack.Rocks, Betreiber der Prospekt-Plattform Weekli.
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Die “Süddeutsche Zeitung” entschuldigt sich bei Igor Levit und ihren Leser*innen.


Sorry seems to be the hardest word: Die Chefredaktion der "Süddeutschen Zeitung" bittet auf ihrer Leserbrief-Seite Pianist Igor Levit und ihre Leser*innen um Entschuldigung für einen in der vergangenen Woche veröffentlichten Beitrag. "In eigener Sache" schreiben Wolfgang Krach und Judith Wittwer: "Manche empfinden den Text als antisemitisch, etliche sehen Levit als Künstler und Menschen herabgewürdigt. Auch er selbst sieht das so. Das tut uns leid, und deswegen bitten wir Igor Levit persönlich wie auch unsere Leserinnen und Leser um Entschuldigung."

Auch in der Redaktion sei der Text auf Kritik gestoßen: "Viele Redakteurinnen und Redakteure empfinden etliche Stellen des Textes ebenfalls als antisemitisch." Krach und Wittwer schließen ihren Beitrag mit den Worten: "In der Redaktion haben wir in den vergangenen Tagen ausführlich, leidenschaftlich und kontrovers über den Levit-Text diskutiert. Die Frage, was und wie wir aus dem Fall lernen können, wird uns weiterhin beschäftigen."

Die "Süddeutsche Zeitung" widmet in ihrer aktuellen Ausgabe fast die komplette Leserbrief-Seite dem Thema. Neben dem Beitrag "in eigener Sache" druckt die Zeitung zahlreiche Leserbriefe zum Thema und berichtet über Reaktionen aus dem Internet. Unter dem Titel "Igor Levit ist müde" hatte sich vergangenen Freitag Helmut Mauró polemisch mit dem politischen und gesellschaftlichen Wirken des jüdischen Künstlers auseinandergesetzt. Viele Leser*innen kritisieren vor allem die Vermischung von Kritik an sozialen Medien und Levit und verweisen auf den teils antisemitischen Unterton. (Foto: C. Hardt / Future Image / Imago Images)
sueddeutsche.de

Zahl des Tages: “New York Times” kann mit 13 Mio Digital-Abos bis Ende 2025 rechnen.

Zahl des Tages: Mit bis zu 13 Mio reinen Digital-Abonnent*innen kann die "New York Times" bis Ende 2025 rechnen, prognostiziert J.P.-Morgan-Analyst Thomas Yeh. Das wären mehr als doppelt so viele wie heute. Zuletzt erklärte "NYT"-Chefin Meredith Kopit Levien, dass sie bis 2030 eine Vervierfachung der Abo-Zahlen auf dann 24 Mio zahlende Leser für möglich hält.
seekingalpha.com via meedia.de (Paid)

“Süddeutsche” spart sich bei einigen Abonnent*innen die Zustellung bis zur Wohnungstür.

Süddeutsche Zeitung SZ 150Süddeutsche Zeitung liefert ab Montag nicht mehr allen Abonnent*innen ihre Zeitung bis zur Wohnungs­tür, sondern nur noch in den Haus­brief­kasten. Betroffen ist "eine mittlere drei­stellige Anzahl an Haus­halten" in "einigen Münchner Bezirken", sagt ein Sprecher. Grund sei die Schwierigkeit, "zuverlässige Zeitungs­boten zu finden", weshalb die bestehenden größere Touren machen müssen.
turi2 - eigene Infos

Pop-up-Zeitung “Besondere Menschen” erscheint erstmals in München.

Besondere Menschen heißt eine neue Pop-up-Zeitung, die seit gestern mit 17.000 Auflage im Großraum München am Kiosk liegt. Die Erst­ausgabe mit über­regionalem Mantel und Münchner Lokal­teil hat 88 Seiten und kostet 2,20 Euro. Hinter dem Blatt steht das Medien-Startup Inclousiv Media, das sonst Webseiten und kleinere Online-Magazine erstellt. Chef­redakteur Loan Brossmer, früher Chef­redakteur von "Focus Campus", nennt Besondere Menschen einen "kreativen Spielball". Konkrete Pläne für weitere Ausgaben und Städte gebe es noch nicht.
turi2 - eigene Infos, besonderemenschen.de

NOZ/mhn Medien starten Werbekampagne für mehr Zusteller*innen.

Zustellung erfolgt: Die Logistik-Gesellschaften von NOZ/mhn Medien buhlen künftig in Print-Anzeigen, auf Plakaten und Bussen um Zusteller*innen. Unter dem Claim "Besser, als du denkst!" berichten Job-Vertrter*innen über ihren Berufsalltag. Das soll für mehr Nachwuchs in der Branche sorgen. Umgesetzt hat die Kampagne die Osnabrücker Agentur Brandence.
noz-medien.de, besseralsdudenkst.de (Kampagnen-Seite)

Analyse: “NZZ” rühmt sich für “anderen Blick”, ist über neurechte Leser*inner aber nicht glücklich.

NZZ beansprucht für sich einen "Anderen Blick" auf Deutschland und bedient damit neurechte Kreise, die das Renommee der Zeitung zur Unter­mauerung ihrer Extrem­positionen nutzen, analysiert Martin Jahrfeld in "Meedia". Chef­redakteur Eric Gujer (Foto) verteidigt: "Diesen Milieus sind wir zu liberal." Er attestiert deutschen Medien jedoch "eine relativ hohe Meinungs­konformität" und rühmt sich dafür, "ein breites Meinungs­spektrum abzubilden". Auch der Berliner Bürochef Marc Felix Serrao will mit rechts­populistischen Positionen nichts am Hut haben: "Wer ein völkisches Weltbild vertritt oder vom Sozialismus träumt, wird beim Lesen der 'NZZ' wenig Freude haben", sagt er.
"Meedia" 42/2020, S. 31 - 42 (Paid)

“Neue Presse”: Madsack will auslaufende Stellen nicht mehr besetzen.

madsack_150Madsack will bei der Zusammenlegung der Redaktionen von "Neue Presse" und "Hannoversche Allgemeine Zeitung" Mitte 2021 "einige altersbedingt auslaufende Redakteurs-Stellen" nicht neu besetzen, schreibt Medieninsider. Betriebsbedingte Kündigungen solle es nicht geben. Madsack reagiere auf "veränderte Arbeitsweisen und neuen Rollen im digitalen Journalismus".
medieninsider.com (Paid)

Meedia: Bernd Runge soll hohen Posten beim Berliner Verlag bekommen.

Berliner Verlag: Bernd Runge, Ex-Verlagschef von Condé Nast, könnte "einen hohen Verlagsposten im Haus" bekommen, berichtet Meedia. Der Verlag wolle die Personalie am Montag verkünden. Bereits Ende September hatte Verleger Holger Friedrich Runge zu einem Redaktions-Workshop eingeladen. Pikant: Runge hat - wie Friedrich - eine Stasi-Vergangenheit.
meedia.de, turi2.de (Background Workshop)

Zitate-Ranking: “Spiegel” liegt erneut deutlich vorne, “NYT” verdrängt “Bild” von Platz 2.

Ney York Times verdrängt "Bild" in den ersten neun Monaten des Jahres von Platz 2 des Zitate-Rankings von Media-Tenor. "Bild" rutscht sogar auf Platz 4 hinter die "Financial Times" ab. Die Funke-Zeitungen klettern von Platz 18 auf Platz 11. An der Spitze steht mit deutlichem Abstand erneut der "Spiegel" mit 885 Zitaten - vor einem Jahr waren es noch 109 mehr.
kress.de