IVW-Zahlen: Auflagen der Springer-Zeitungen schrumpfen massiv.

Zeitungen verlieren weiter an Auflage – und Springer ist der große Verlierer im 2. IVW-Quartal. "Bild" gehen 144.000 Käufer von der Fahne, im Vergleich zum Vorjahr -9,9 %. "Bild am Sonntag" verliert 9,8 %, "Welt" sogar 14,2 % bei Abo und Einzelverkauf. "Süddeutsche", "taz" und "Zeit" halten sich stabil, was zumeist am Digitalabo-Wachstum liegt.
meedia.de

NZZ lässt sich von AfD und Shitstorms leiten, meint Daniel Binswanger.

NZZ positioniert sich zunehmend shitstorm­getrieben auf dem deutschen Markt, analysiert Daniel Binswanger. Sie unterstütze die Gemäßigten innerhalb der AfD, Chefredakteur Eric Gujer gehe mit seinen Kommentaren an die Grenzen dessen, was auf dem Boden einer liberal-demokratischen Grundhaltung steht. Binswanger vermisst klare publizistische Linien und sieht ein Unternehmen, das die Grenzen des politischen Anstands austestet.
republik.ch


AWA-Analyse: Die meisten Zeitschriften verlieren, "Apotheken Umschau" bleibt an der Spitze.

Werbeträger-Analyse AWA bescheinigt den meisten Zeitschriften Einbußen: Vor allem "Kicker" (-17 %) und "stern" (-13 %) verlieren Reichweite. Zu den Gewinnern zählen das Edeka-Heft "Mit Liebe" (+12 %) und das "HausArzt"-Magazin vom Wort & Bild Verlag, der die Spitze der Statistik mit der "Apotheken Umschau" trotz leichter Verlusten weiter anführt. Auf den Plätzen folgen die "Motorwelt" des ADAC und die "Bild am Sonntag" als erster Kiosk-Titel.
meedia.de, horizont.net

Checkpoint-Newsletter: Lorenz Maroldt ist reif für die Insel.

Tagesspiegel will seinen Checkpoint-Newsletter ein Jahr lang mit Meldungen von Norderney anreichern und dafür im monatlichen Wechsel Mitarbeiter auf die ostfriesische Insel schicken. Das Team bewirbt sich auf ein Blogger-Programm der Insel, das Kamera, Computer, eine möblierte Wohnung und 450 Euro Taschengeld pro Monat umfasst.
per Mail, twitter.com (2-Min-Video)

Die "Kontext Wochenzeitung" berichtet über Gegenwind für SWMH-Chef Christian Wegner.

SWMH: Christian Wegner, seit Mitte 2018 Chef der Südwestdeutschen Medienholding, stößt auf Widerstand im Betriebsrat der Medienholding Süd, schreibt Josef-Otto Freudenreich. In einem Offenen Brief kritisieren die Arbeitnehmervertreter, Wegner spare zu stark im Print-Journalismus und schaffe alten Weggefährten gleichzeitig hochdotierte Management-Jobs. Laut Freudenreich stimme zudem die Chemie nicht: Wegner und seine Mitstreiter erweckten den Eindruck, die Kollegen in Stuttgart für Provinzler zu halten.
kontextwochenzeitung.de, turi2.de (Background)

Springer-Bieter KKR will "Welt" nur unter Bedingungen fortführen.

Die Welt ist nicht genug? Der an Springer interessierte Finanzinvestor KKR knüpft die Fortführung der "Welt" und "Welt am Sonntag" in den Angebotsunterlagen an wirtschaftliche Bedingungen, schreibt "FAZ". Zwar hätte KKR mit den Großaktionären Friede Springer und Mathias Döpfner vereinbart, die "Welt"-Gruppe fortzuführen - dies stehe allerdings unter der Voraussetzung einer "angemessenen Steuerung der jährlichen Ergebnissituation". Von der "Bild"-Gruppe, die als lukrativer gilt, sei keine Rede.

Das Angebotsdokument befasse sich in der entsprechenden Passage mit der "Welt"-Gruppe mit der Tageszeitung "Welt", der "Welt am Sonntag", den digitalen Angeboten sowie dem Fernsehsender. Im Gespräch mit turi2 kontert Springer-Sprecherin Bianca-Maria Dardon: "Die vertragliche Vereinbarung mit KKR beinhaltet ein klares Bekenntnis zur "Welt"-Gruppe. Damit bleibt die "Welt" ein wesentlicher Bestandteil der Zukunftsstrategie von Axel Springer." Aufgrund kaufmännischer Erwägungen gelte "wie bisher auch" der Vorbehalt einer "angemessenen Ertragslage".
faz.net, turi2.de (Background), turi2 - eigene Infos

Verlage in Ostwestfalen gründen Gemeinschaftsredaktion in Bielefeld.

Falen-Mantel: "Neue Westfälische", "Lippische Landes-Zeitung" und "Mindener Tageblatt" gründen die "Gemeinschaftsredaktion der ostwestfälisch-lippischen Verlage" mit Sitz in Bielefeld. Die Chefredaktion übernimmt "Neue Westfälische"-Chef Thomas Seim. Die gemeinsame Redakation soll überregionale und regionalen Inhalte für Print und Online liefern.
mt.de

Daniel Losand wird General Manager "Bild" Süd-West.

Bild macht Daniel Losand, 32, zum General Manager "Bild" Süd-West in Frankfurt. Er folgt auf Lena Gericke, 33, die die Position im September 2018 kommissarisch übernommen hatte. Losand trägt er die kaufmännische Verantwortung für die Regionalausgaben Frankfurt Rhein-Main, Rhein-Neckar, Saarland und Stuttgart. Losand kommt von der "Welt", wo er Publisher für "Icon", "Bilanz" und "Blau" war.
per Mail

"Horizont": Burda Forward und Ad Alliance prüfen Partnerschaft.

Burda Forward und Ad Alliance sondieren eine Zusammenarbeit, vermuten Ulrike Simon und Roland Pimpl. Eine Sprecherin des RTL-Vermarkters IP Deutschland dementiere Verhandlungen, Burda hingegen teilte auf "Horizont"-Nachfrage mit, man sondiere "kontinuierlich mögliche Partnerschaften und prüft unterschiedliche Optionen". Bei BCN, dem zweiten Konzernvermarkter, herrsche wegen der Gerüchte große Aufregung, schreiben Simon und Pimpl. Die Ad Alliance ist der Hauptwettbewerber des Vermarkters.
horizont.net (nach Anmeldung frei)

Lese-Tipp: Ulrike Simon stellt möglichen Käufer für DuMonts Hauptstadt-Blätter vor.

Lese-Tipp: Detlef Prinz ist der "Berliner Unternehmer mit verlegerischer Erfahrung, in der Politik bestens vernetzt", der DuMont die ansonsten wenig begehrten Hauptstadtzeitungen abnehmen könnte, demaskiert Ulrike Simon in "Horizont". Prinz steckt hinter dem Transatlantiker-Heft "The German Times" und dem "Hauptstadtbrief" in Funkes "Berliner Morgenpost". Er arbeitete nach einem Volontariat beim SFB in den Siebzigern für SPD, IG Metall und DGB, ist seit den Neunzigern Medienunternehmer. Was genau er mit "Berliner Zeitung" und "Berliner Kurier" anstellen möchte, lässt er noch offen. Er habe noch nie jemanden entlassen müssen.
horizont.net (Paid)

Alexander Rüben wird dritter Geschäftsführer von Funke Digital.

Funke befördert Alexander Rüben (Foto), 36, vom Prokuristen zum dritten Geschäftsführer von Funke Digital, neben Stephan Thurm und Jens Doka. Er verantwortet als COO den kaufmännischen Bereich sowie Classifieds, das Agenturgeschäft und Ad Technology & Monetization. Thurm soll sich künftig intensiver auf die  Entwicklung journalistischer Angebote und die Digitalbeteiligungen konzentrieren, Doka um Digital Content Verticals.
funkemedien.de

Madsack führt Digitalabo mit Time-Wall ein.


Time is the enemy: Madsack ändert seine Paid-Content-Strategie und schafft das Freemium-Modell zugunsten einer "Time-Wall" ab. Die Artikel der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung" und der "Neuen Presse" sind in der ersten Stunde nach Veröffentlichung kostenlos. Danach verschwinden sie hinter der Paywall. Das neue Modell führt der Verlag in den kommenden Wochen auch bei allen weiteren Regionalzeitungen, u.a. "Märkische Allgemeine", "Leipziger Volkszeitung" und "Ostsee-Zeitung", ein.

Ein Digitalabo kostet künftig 2,49 Euro pro Woche, für Print-Leser 3 Euro pro Monat. Leser, die von den sozialen Kanälen kommen, können künftig nicht mehr 20 Artikel kostenlos lesen. Die neue Zeit-Schranke soll zum einen die Reichweite der Zeitungs-Websites erhöhen, als auch "Anreiz zum Abschluss eines Digital-Abos" sein.
madsack.de, dnv-online.de

DuMont braucht für Verkauf von Regional-Zeitungen noch Zeit.

DuMont vertagt die Entscheidung über den Verkauf seiner Regional-Zeitungen, berichtet das "Handelsblatt". In einer Video-Botschaft im Intranet teilen Verlegerin Isabella Neven DuMont und Vorstandschef Christian DuMont Schütte mit: "Noch ist nichts entschieden", im September werde es "ein nächstes Update geben". Laut "Handelsblatt" sind Funke, Madsack und Ippen aus dem Rennen, Bauer habe Interesse vor allem an der "Mitteldeutschen Zeitung".
handelsblatt.com

Funke übernimmt die Anzeigenblätter "Glinder Zeitung" und "Sachsenwald".

Funke Mediengruppe verstärkt sein Geschäft mit Anzeigenblättern im Norden und übernimmt den Verlag Hans-Jürgen Böckel mit seinen Titeln "Glinder Zeitung" und "Sachsenwald". Funke war bei dem Verlag aus Schleswig-Holstein bisher Minderheitsgesellschafterin. In Hamburg und dem Norden verlegt Funke u.a. bereits die Anzeigenblätter "Hamburger Wochenblatt" sowie "Niendorfer Wochenblatt".
funkemedien.de

Copypreis bei "Bild" steigt auf 1 Euro.

bildlogoAuflage fällt, Preis steigt: "Bild" kostet in einigen weiteren Regionen künftig 1 Euro, berichtet "Clap". Ab kommender Woche erhöhen sich die Preise für einige Regional- und Bundesausgaben in Nord und West. In Teilen Ostdeutschlands stiegen die Preise im Mai auf 80 Cent, in Berlin-Brandenburg bleiben es 90 Cent.
clap-club.de

Korrektur: "Bild" kostet z.B. in Frankfurt/Main und Düsseldorf schon jetzt 1 Euro. Springer teilt mit, die Schwelle werde nicht erstmals ab 1. Juli überschritten.

Video-Tipp: Anne Fromm zeigt Funkes großes Thüringen-Dilemma.

Video-Tipp: Anne Fromm erkundet die harte Zeitungsrealität in ihrer Heimat Thüringen. Das Geschäft des Quasi-Monopolisten Funke trägt immer weniger – eine Umstellung auf Digital scheitert an den meist älteren Lesern und schlechtem Netz auf dem Land. Bei Subventionen hat die Politik Bauchschmerzen. Derweil fällt immer mal wieder die Druckmaschine aus – und Funke weiß nicht, ob sich die Millionen-Investition für eine neue Maschine noch lohnt.
youtube.com (6-Min-Video)

Analyse: Umbau bei IQ Media könnte "Süddeutscher" und "FAZ" die Tür öffnen.

IQ Media: Der Umbau beim Holtzbrinck-Vermarkter könnte eine Brücke sein, um auch die "Süddeutsche" und die "FAZ" an Bord zu holen, schreibt Roland Pimpl. IQ Media kümmert sich künftig nur noch um Mediaagenturen und Mandanten, "SZ" und "FAZ" müssten somit nicht mehr befürchten, dass Holtzbrinck in einer Allianz "über Gebühr von ihren Kunden profitiert".
horizont.net (frei nach Registrierung), turi2.de (Background)

Medien verlieren immer mehr Entscheider – Print bricht ein.

Große Medienmarken erreichen fast durch die Bank weniger Entscheider, ergibt die Leseranalyse LAE. Print büßt massiv ein: die werktägliche "Welt" minus 17,1 %, Handelsblatt verliert 14,4 % Entscheider und auch die Print-"Zeit" liegt bei minus 11,6 %. "Focus Money" büßt 28,1 % ein, "Brand Eins" 15,7 %. Auch viele Medien-Websites werden seltener von den 2,9 Mio Entscheidern in Deutschland besucht: Focus Online verliert 16,4 % in dieser Zielgruppe, sueddeutsche.de 12 %. Hingegen gewinnt welt.de 9,4 % Entscheider hinzu. Ein Lichtblick unter 21 Titeln ist das "Handwerk Magazin", das crossmedial sein Niveau hält und gedruckt sogar leicht gewinnt. Die meisten Entscheider über alle Ausspielwege hinweg, nämlich 52,5 %, erreicht die Marke "Spiegel".
meedia.de, lae.de

Kress: Auch Madsack will die DuMont-Zeitungen nicht.

DuMont: Auch Madsack hat kein Interesse an den schwächelnden Regionalzeitungen, hört Markus Wiegand aus "gut informierten Kreisen". Nach Funke schließe damit ein weiterer großer Verlag den Kauf aus. Wahrscheinlicher werde eine Aufsplittung: Im Rheinland könnte die "Rheinische Post" DuMont-Titel übernehmen, in Berlin Hauptstadtbrief-Verleger Detlef Prinz. Auch der Ebner Verlag habe beste Beziehungen zu DuMont und dessen Chef Christoph Bauer, schreibt Wiegand.
kress.de, turi2.de (Background)

Holtzbrinck streicht Vermarkter IQ Media zusammen – zugunsten der Einzel-Titel.


Neuer IQ-Test: Holtzbrinck baut seinen Vermarkter IQ Media radikal um, schreibt Roland Pimpl bei Horizont.net. Von bisher 70 Mitarbeitern sollen noch 20 bleiben, die übrigen 50 in den einzelnen Verlagen unterkommen. Auch an der Spitze des Vermarkters gibt es einen Wechsel: Geschäftsführer Stefan Knieß (Foto, links) geht im Herbst und Julia Schleunung (Foto, rechts), bisher Sales Director, übernimmt. Damit verabschiedet sich die Holding von der Gemeinschafts-Vermarktung seiner Titel. "Handelsblatt" und "Wirtschaftswoche", "Zeit" sowie "Tagesspiegel" sollen Kunden künftig direkt ansprechen. Die Rest-IQ-Media soll sich um Agenturen und das Mandantengeschäft kümmern, etwa die Vermarktung von "Mare" und den Mercedes-Magazinen.

Die gemeinschaftliche Vermarktung der Holtzbrinck-Titel hat sich offenbar nicht bewährt, glaubt Roland Pimpl als Grund für den Umbau. Damit geht Holtzbrinck einen radikal anderen Weg als andere großen Player im Markt: Bei Bertelsmann etwa wachsen Inhalte in der Content Alliance und Vermarktung in der Ad Alliance konzernweit und medienübergreifend immer weiter zusammen.
horizont.net (nach Registrierung frei)

Mit Humor und Fingerspitzengefühl: Wie Lisa Jüngst Selbsttests für den Intim-Bereich vermarktet.


Unter der Gürtellinie: Lisa Jüngst geht dahin, wo es den meisten Menschen unangenehm wird. Die Chefin das Pharma-Unternehmens NanoRepro produziert und vermarktet Selbsttests für den Intimbereich – vom Schwangerschaftstest über den Fruchtbarkeitstest für Männer und Frauen bis hin zu Tests auf Scheidenpilz. Im Video-Interview mit "Horizont" und turi2.tv am Rande des Innovation Day Health von Gruner + Jahr erzählt sie – ganz ohne Blatt vorm Mund – dass sie vor allem mit Print-Werbung ihre Zielgruppe erreicht, aber auch erste Experimente mit Instagram macht.

In der Werbe-Sprache setzt das Pharma-Unternehmen aus Marburg je nach Produkt auf eine Mischung aus flotten Sprüchen und Fingerspitzengefühl: Einen Test für die Bestimmung der Spermienzahl beim Mann etwa bewirbt die Firma mit in unterschiedlichen Stellungen kopulierenden Strichmännchen und dem Slogan: "1.000 mal probiert, 1.000 mal ist nix passiert." Eines ihrer am besten laufenden Produkte ist ein Selbsttest, den Lisa Jüngst eher nicht für social-media-fähig hält – auf Scheidenpilz. Keine Frau sage auf Social Media: "Hi, ich habe auch einen Scheidenpilz."
turi2.tv (4-Min-Video)

Geschäftsführer Frank Dopheide verlässt die Handelsblatt Media Group.


Steingarts letzte Spuren: Frank Dopheide, Sprecher der Geschäftsführung der Handelsblatt Media Group, verlässt das Unternehmen Ende des Jahres "auf eigenen Wunsch", schreibt die "Rheinische Post". Hintergrund sind wohl Differenzen mit dem Aufsichtsrat über die Ausrichtung des Verlags. Die "Rheinische Post" zitiert aus einer E-Mail Dopheides an Kollegen, in der er schreibt, er wolle "wieder selbständiger werden".

Dopheide war vor einem Jahr – unmittelbar nach Gabor Steingarts Abgang – zum Sprecher der Geschäftsführung aufgestiegen. Er verantwortete Redaktion, Veranstaltungen und Kommunikation. Dopheide war das letzte Mitglied des ehemaligen Führungstrios, zu dem noch Gabor Steingart und Finanzchef Ingo Rieper gehörten. In der Redaktion haben noch viele Vertraute von Steingart das Sagen: Sven Afhüppe wurde von ihm zum "Handelsblatt"-Chefredakteur gemacht, Beat Balzli und Miriam Meckel kamen durch Steingart zur "Wirtschaftwoche".
rp-online.de

Korrektur: Sven Afhüppe wurde nicht - wie ursprünglich in diesem Text geschrieben - von Gabor Steingart zum "Handelsblatt" geholt, er war schon da, als Steingart vom "Spiegel" kam. Steingart hat Afhüppe zum "Handelsblatt"-Chefredakteur gemacht.

Aus dem turi2.tv-Archiv: Frank Dopheide über die Zukunft des "Handelsblatts".