Urteil: Bundesbehörden dürfen Presse-Anfragen nicht verschleppen.

Presse-Anfragen: Bundesbehörden dürfen Medien-Anfragen nicht hinauszögern, um die von den Anfragen Betroffenen erst zu befragen, urteilt das Bundesverwaltungsgericht. Das Gericht rüffelt mit dem Urteil nach Meinung des DJV-Chefs Frank Überall u.a. das Verhalten des Gesundheitsministeriums bei den Masken-Affären. Das Gericht urteilte konkret über eine Klage des "Tagesspiegels", der vom BND wissen wollte, welche Journalistinnen zu einem bestimmten Zeitpunkt Zutritt zum Geheimdienst hatten.
spiegel.de

Sorge und Zuversicht – Dietmar Wolff über die Zeitungs-Branche nach fast zwei Jahren Pandemie.


Licht & Schatten: "Der Bedarf an glaubwürdigen Informationen ist ungebrochen", sagt Dietmar Wolff, Hauptgeschäftsführer des BDZV, im Video-Interview mit turi2.tv mit Blick auf die Stimmung in der Zeitungsbranche nach fast zwei Jahren Pandemie. Wenn sich die Zeitungs- und Digital-Publisher in der kommenden Woche treffen, wird es um die Erfolge der Zeitungen bei der Leserschaft gehen – und um die Einbrüche auf dem Werbemarkt. Um rund 17 % sind die Werbeeinnahmen der Branche 2020 gesunken, einiges konnte im Vertrieb aufgefangen werden, am Ende steht aber ein Umsatz-Minus von 2,3 %. Wolff hofft darauf, dass der Erfolg beim Publikum bleibt und wächst. Bei der Frage, ob die Werbung wie vor der Krise zurückkommt, ist er skeptisch.

Der BDZV-Kongress am kommenden Dienstag wird zum zweiten Mal ein reines Digital-Event. Statt Reden von Politik-Promis setzt der BDZV in diesem Jahr, so kurz nach der Bundestagswahl, auf kompetente Einordnung des Ergebnisses durch kluge Köpfe aus den Redaktionen. Und es geht um die Trends im Zeitungs-Journalismus: "In der Pandemie sind die Zeitungen zu Fachzeitschriften geworden", findet Wolff mit Blick auf die vielen Wissenschafts-Artikel, mit denen Journalistinnen der Leserschaft die Pandemie erklärt haben.

An verlegerischen Themen sieht Wolff das Leistungsschutzrecht: Dass der Streit um den Verteil-Schlüssel, der Anfang des Jahres in der Branche herrschte und inzwischen beigelegt scheint, noch nachklingt, glaubt er nicht. "Es wäre komisch gewesen, wenn es darüber keine Diskussionen gegeben hätte." Wichtiger ist ihm, dass Google & Co die Zahlungspflicht nicht umgehen. Die weitaus größere Baustelle ist für Wolff eine staatliche Zustellförderung für Print-Produkte, deren Umsetzung bisher gescheitert ist. Mit Sorge blickt er auch auf die Pläne von SPD und Grünen, Minijobs abzuschaffen – ein Großteil der Zustellerinnen arbeitet auf Minijob-Basis.
turi2.tv (9-Min-Video)

Presse-Grossisten steigen in Übernacht-Logistik ein.


Print und mehr: Das deutsche Presse-Grosso steigt auf der Suche nach Erlös-Quellen abseits des rückläufigen Zeitschriften- und Zeitungsvertriebs in die Nacht-Logistik im B2B-Bereich ein. Über das Gemeinschafts-Unternehmen Kommt GmbH können Versender künftig im gesamten deutschsprachigen Raum Waren und Material an Geschäftskunden verschicken. "Während unser Kerngeschäft Presse schrumpft, ist die Logistik auf der letzten Meile durch E-Commerce ein wachsender, gar boomender Markt", sagt Frank Nolte, Chef des Gesamtverbands Pressegroßhandel, am Dienstag beim Grosso-Treff in Wiesbaden. Er hofft auf "zusätzliche Erlöse" wenn die Grossisten künftig neben Presse-Produkten auch Pakete an Firmen oder Handwerker ausliefern. Dafür öffnen die Grossisten ihr Zustell-Netz mit über 93.000 Stops.

Die Kommt GmbH tritt dabei bundesweit als "face to the customer" auf und nimmt die geschäftlichen Sendungen entgegen, die regionalen Grossisten liefern die Pakete aus, erklärt Kommt-Geschäftsführer Peter Kieffer gegenüber turi2 das Geschäftsmodell. Alle Pressegroßhändler sind sowohl Gesellschafter als auch Partner der Mitte August gegründeten Firma, die sich laut Kieffer gerade in Gesprächen mit Kunden befindet. Im Geschäft mit Nachtzustellungen sind aktuell Unternehmen wie Nox NachtExpress, Night Star Express und Go dominierend. (Foto: Grosso-Verband, Montage: turi2)
turi2 – eigene Infos, presseportal.de

Springers “B.Z.” positioniert sich als “Die Stimme Berlins”.

B.Z. verkauft sich seit heute als "Die Stimme Berlins". Springers Hauptstadt-Boulevardblatt positioniert sich mit dem neuen Claim als das "journalistische Sprach­rohr" der Menschen in Berlin. Zur Kampagne gehören u.a. Plakate, Digital-Werbung und Radiospots, die "echte Berlinerinnen und Berliner mit ihren Geschichten zu Wort" kommen lassen.
bz-berlin.de

“Junge Welt” klagt gegen Nennung im Verfassungsschutz­bericht.


Presse vs Staat: Die "Junge Welt" klagt gegen ihre Nennung im Verfassungsschutzbericht seit 1998. Der Verlag 8. Mai sieht in der Beobachtung durch die Regierung eine "Kriminalisierung seiner Presse­erzeugnisse" und einen "Angriff auf seine Grundrechte". Zudem nennt er "erhebliche Nachteile im Wettbewerb", etwa durch Werbeboykotte oder die Sperrung der Webseite. Mit einer einstweiligen Verfügung will der Verlag die weitere Verbreitung der entsprechenden Passagen im Bericht bis zum Gerichtsurteil verhindern.

Der Verfassungsschutz verletzt "in unverantwortlicher Weise das Grundgesetz, indem die Tageszeitung massiv in der Ausübung ihrer demokratischen Rechte behindert", schreibt Chefredakteur Stefan Huth.

Im Verfassungsschutzbericht von 2020 heißt es, die "Junge Welt" erkläre sich nicht ausdrücklich zur Gewaltfreiheit. Einige Redakteurinnen und Autorinnen rechnet der Bericht dem linksextremistischen Spektrum zu.
presseportal.de, horizont.net

“Zeit Green” startet mit klimafreundlichem Fleischkonsum.

Zeit erscheint heute erstmals mit dem sechsseitigen Umwelt-Ressort Green. Die Titelgeschichte widmet sich klimafreundlichem Fleischkonsum, CSU-Chef Markus Söder sagt im Interview, was ihn beim Umweltschutz aufhält. "Green" erscheint künftig einmal im Monat gedruckt und tagesaktuell online, will Lösungen und Aktivistinnen präsentieren, dabei aber "immer kritisch" bleiben.
blog.zeit.de, turi2.de (Background)

Debatte: Regionalpresse hat ein strukturelles Problem, wenn Journalistinnen in die Polit-PR wechseln.

Seitenwechsel: In Rheinland-Pfalz wechseln gleich drei Landes­korrespondenten von Regionalzeitungen als Pressesprecher in Ministerien. Gianna Niewel sieht darin ein Zeichen für ein strukturelles Problem der Regionalpresse. Aus den Redaktionen hört sie von schlechter Stimmung, Sparprogrammen und hohem Druck, es fehle an Wertschätzung und Sicherheit. Während der einen Seite Expertise verloren gehen, werde die Gegenseite immer professioneller.
sueddeutsche.de

“BamS” widmet Annalena Baerbock wegen Interview-Absage leere Seite.

Weil Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock wohl kein Bock auf ein Interview hatte, druckt die "BamS" an Stelle des Gesprächs eine leere Seite. Unter dem reißerischen Titel "Das ist ihre Seite, Frau Baerbock" heißt es, die Politikerin habe als erste grüne Spitzenkandidatin vor einer Bundestagswahl ein Interview abgelehnt weil sich "angeblich" kein Termin finden ließ. Darauf folgt die Ankündigung auf ein Interview mit CDU-Kandidat Armin Laschet in der nächsten Sonntagsausgabe. Im Kleingedruckten werden alle Grünen-Spitzenkandidaten aufgelistet, die sich vor einer Bundestagswahl von "BamS" interviewen ließen.
"BamS" S. 8 (E Paper)

“Clap”: Richard Gutjahr berichtet künftig aus Washington.

Über den Atlantik: Digital-Experte Richard Gutjahr zieht es in die USA. Er berichtet künftig von der US-Hauptstadt Washington aus als freier Journalist und Korrespondent für verschiedene deutsche Zeitungen, meldet "Clap". Im vergangenen Jahr war Gutjahr bei Media Pioneer ausgeschieden, dort hatte er u.a. als Co-Host des Podcasts "Tech Briefing" fungiert.
clap-club.de

Debatte: Springer schafft ein Medienreich in den USA.

Springer schmiedet nach der Übernahme des US-Politik-Portals Politico heimlich ein Medienreich, schreibt Gregory Lipinski bei Meedia. Zusammen mit Protocol, Morning Brew und dem Business Insider würde ein "idealer Börsenkandidat für die Wall Street" entstehen. Das würde vor allem Großinvestor KKR freuen, der dann einen Teil seines investierten Kapitals zurückbekommen würde.
meedia.de (Paid), turi2.de (Background)

Meinung: Corona hat den Lokaljournalismus verbessert.

Hat auch was Gutes: Im Lokaljournalismus hat die Bedeutung von Recherche "total zugenommen", sagt Benjamin Piel, Chefredakteur des "Mindener Tageblatts". Der Wegfall vom Terminjournalismus in der Coronakrise habe den Weg für eigene Themen freigemacht und bewiesen, dass mehr relevante Themen im Blatt erscheinen. Piel habe auch den Eindruck, dass den Redakteurinnen die eigene Arbeit dadurch "relevanter" erscheine, sagt er Übermedien.
uebermedien.de (Paid)

App-Tipp: “Mopo” startet AR-App für Zeitreise durch Hamburgs Geschichte.

App-Tipp: Die "Hamburger Morgenpost" lädt zur virtuellen Zeitreise durch St. Pauli. Mittels Augmented-Reality-App können Nutzerinnen auf der Reeperbahn oder dem Hamburger Dom durch die Smartphone-Kamera sehen, wie es dort etwa in den goldenen 20ern und den wilden 70ern ausgesehen hat. Ein Audio-Guide erzählt die Geschichte zum Ort. Weitere Orte sollen folgen. Die App stammt vom Berliner Startup Zaubar und ist kostenlos.
mopo.de, apps.apple.com (iOS), play.google.com (Android)

Video-Tipp: “Zapp” zeigt innovative Ideen für Lokaljournalismus.

Video-Tipp: Vielen Lokal­medien fehlt der Kontakt zu ihren Leserinnen, sagt Berater Jacob Vicari im "Zapp"-Interview. Mit seinem Startup Tactile.news gibt er Workshops mit kreativen Hilfsmitteln wie bemalten Lego-Figuren, um alte Denk­muster aufbrechen. Radio Potsdam etwa holt sich Feedback von einer 100-köpfigen Hörerredaktion, die regelmäßig zu Wort kommt. RUMS aus Münster liefert Lokaljournalismus per Bezahl-Newsletter – samt direktem Austausch mit der Redaktion.
ndr.de (5-Min-Video)

“Economist” verstärkt zur Bundestagswahl Berichterstattung aus Deutschland.

Britische Perspektive: Der "Economist" will zur Bundestagswahl mehr aus und über Deutschland berichten, kündigt Chefredakteurin Zanny Minton Beddoes in der "Süddeutschen Zeitung" an. Teil des Angebots sind "Daten, Podcasts, und tiefe Analysen". Zudem gibt es ein täglich aktualisiertes Wahlprognose-Modell, das auch auf Deutsch erscheint. Das Tool prognostiziert mithilfe von KI und maschinellem Lernen den Ausgang der Wahl. Beddoes kann sich vorstellen, dass künftig mehr Texte auch auf Deutsch erscheinen. Für die britische Zeitung ist Deutschland der zweitwichtigste europäische Markt nach Großbritannien.
sueddeutsche.de

“Horizont”: Sport1 und Media Impact bündeln ihre Sport-Umfelder.

Media Impact, Vermarkter von Springer, und Sport1 machen bei ihren Fußball-Umfeldern gemeinsame Sache. Die Unternehmen starten das sogenannte "Sport Powerhouse" und bündeln darin Werbeplätze in Print, TV, Online und Außenwerbung. Kunden können in einem Anlauf u.a. bei Sport1 – digital und im TV – bei Bild.de und in der "Bild am Sonntag" buchen. Pro Sportwochenende verspricht die Kombi mehr als 22 Mio Kontakte.
"Horizont" 33-34/2021, S. 6

Meinung: “Politico”-Kauf wäre ein wichtiges Signal für den Journalismus bei Springer.

Springer: Ein teilweiser oder kompletter Kauf der US-Politikzeitung "Politico" wäre ein "starkes Signal" für den Journalismus beim Konzern, schreibt Catrin Bialek im "Handelsblatt". Seit dem Einstieg von Großinvestor KKR 2020 hätten Kritikerinnen befürchtet, Springer würde den Journalismus mittelfristig aus den Augen verlieren. Springer-Töchter könnten u.a. davon profitieren, dass Politico "früher als manche andere Verlage innovative Wege in der News-Aufbereitung gegangen ist".
handelsblatt.com, turi2.de (Background)

“Wall Street Journal”: Springer in Übernahme-Gesprächen mit Politico.  

Springer will offenbar auch bei der US-Ausgabe von Politico einsteigen, meldet das "Wall Street Journal". Derzeit würden entsprechende Verhandlungen laufen, die auch eine Komplettübernahme nicht ausschließen. 2014 haben sich der Konzern und Politico bereits zusammengetan, um eine europäische Version des Politik-Blatts herauszubringen. Daran halten beide Unternehmen je 50 %.
wsj.com

Debatte: Verlegerin Simone Tucci-Diekmann will “Wachstum um jeden Preis”.

Zeitungsmarkt: Simone Tucci-Diekmann, Geschäftsführerin der Verlagsgruppe Passau, steht für "radikales Wachstum" ohne Rücksicht auf journalistische Vielfalt und Angestellte, schreibt Thomas Balbierer in der "Süddeutschen Zeitung". Verhandlungen mit Gewerkschaften würde die Verlegerin blockieren, unbequeme Mitarbeitende würden gegen ihren Willen versetzt, erzählen Insiderinnen der "Passauer Neuen Presse". Die Verlagsgruppe Passau hat vor einigen Jahren den "Donaukurier" übernommen und kürzlich die "Mittelbayerische Zeitung".
sueddeutsche.de (Paid), turi2.de (Background)

“Süddeutsche Zeitung” stellt neues Visual Desk auf.

Süddeutsche Zeitung SZ 150Alles im Blick: Die "Süddeutsche Zeitung" stellt ab Anfang 2022 ein neues "Visual Desk" auf. Dort sollen Layout, Editorial Design, Bildredaktion, Infografik und Entwicklungsredaktion vereint werden. Das Führungsteam besteht aus dem bisherigen Leiter der Entwicklungsredaktion, Wolfgang Jaschensky, Print-Artdirektor Christian Tönsmann und Astrid Müller, der bisherigen Artdirektorin für Online.
kress.de

Zahl des Tages: “New York Times” wächst mit Spielen und Kochrezepten auf knapp 8 Mio Abos.

Zahl des Tages: Insgesamt knapp 8 Mio Abos zählt die "New York Times" im 2. Quartal. 7,1 Mio davon sind reine Digital-Abos. Innerhalb von drei Monaten sind 142.000 neue Abonnentinnen hinzugekommen. 45 % davon haben kein News-Abo, sondern das Kochrezepte-, Spiele- oder Audio-Abo der "NYT" abgeschlossen.
niemanlab.org, nytimes.com

“Süddeutsche”: Schlichtungsstelle von ARD, ZDF und Verlagen ist seit ihrer Gründung arbeitslos.


Gremium ohne Arbeit: Die 2019 eingerichtete Schlichtungsstelle für Streitigkeiten zwischen ARD und ZDF auf der einen Seite und Zeitungs­verlagen auf der anderen ist bis heute kein einziges Mal zum Einsatz gekommen. Der BDZV bestätigt auf Nachfrage der "Süddeutschen Zeitung", dass noch kein Verlag die Schlichtungs­stelle eingeschaltet hat. Dabei mangelt es nicht an Konflikten, schreibt Kathrin Müller-Lancé. Exemplarisch nennt sie die gedruckte Klatschblatt-Parodie von Jan Böhmermann, die etwa Bauer missfiel. Zuletzt wetterte "FAZ"-Herausgeber Carsten Knop in einem Kommentar gegen das Online-Angebot des Hessischen Rundfunks. Seinem Ärger formal Luft machen, will aber offenbar niemand. Die Schlichtungsstelle einzuschalten, sei eine Option, zunächst beobachte und bewerte man die Lage aber, erklärt eine "FAZ"-Sprecherin. Der BDZV sagt, häufig gebe es bereits im Vorfeld eines formalisierten Verfahrens Gespräche mit einzelnen Rundfunkanstalten, "um etwaige Bedenken schon auf dieser Ebene auszuräumen".

Die Schlichtungsstelle wurde 2019 infolge des Streits um die "Tagesschau"-App ins Leben gerufen. Das Gremium tritt – in der Theorie – anlassbezogen zusammen, besetzt zu gleichen Teilen aus Vertreterinnen des BDZV und des betroffenen Verlages sowie der ARD und des betroffenen Senders bzw. des ZDF. Die Schlichtungsstelle soll vermitteln, rechtlich bindend ist ihre Empfehlung aber nicht.
sueddeutsche.de, turi2.de (Background)
(Bild: Picture Alliance / Blickwinkel/ McPHOTO / M. Gann; Montage: turi2)

Zahl des Tages: “Ostsee-Zeitung” berichtet auffällig oft unkritisch über Aida.

Zahl des Tages: Satte 26 Mal hat Madsacks "Ostsee-Zeitung" im Juni über die Rostocker Kreuzfahrt-Reederei Aida berichtet, zählt "Katapult MV". Alle Beiträge sind positiv und unkritisch, als Werbung gekennzeichnet ist keiner. "Katapult"-Gründer Benjamin Fredrich wirft der Zeitung vor, "zur Aida-Werbe­maschine geworden" zu sein.
katapult-mv.de

Meinung: “FAZ”-Chef Thomas Lindner wundert nicht über “Welt am Sonntag” am Samstag.

Samstag vs. Sonntag: "FAZ"-Geschäftsführer Thomas Lindner stichelt im "Horizont"-Interview gegen Springers späte Entscheidung, die "Welt am Sonntag" auf den Samstag vorzuziehen – wie auch die "FAS". Die gedruckte Wochentags-"Welt" spiele "publizistisch kaum noch eine Rolle", sagt er. Es sei daher "keine Überraschung", dass Springer ihnen auf den Samstag folge. "Im Gegenteil, es wundert uns eher, dass diese Entscheidung so lange gebraucht hat", sagt Lindner.
horizont.net (Paid)

Basta: Gabor Steingart zündelt mit Zeitungen.

Brandstifter: Gabor Steingart veranstaltet auf seinem Redaktionsschiff einen Workshop mit Diana Kinnert zum Thema Journalismus neu denken. Wie radikal neu gedacht werden soll, zeigt die Grafik, mit der Steingart in seinem Newsletter dafür wirbt: eine brennende Zeitung. Hoffentlich sind für das Experiment genug Feuerlöscher an Bord.
thepioneer.de (Werbe-Grafik), the-pioneer-foundation.de (Workshop)

Die “Washington Post” schafft die Stelle “Abo-Chef”.

Washington Post schafft die neue Stelle des "Abo-Chefs" für Michael Ribero. Ribero soll sich als "Chief Subscriptions Officer" vor allem um die Digital-Abonnements und das internationale Wachstum der "Post" kümmern. Er kommt vom Streamingdienst Paramount+, wo er aktuell Vize-Chef des weltweiten Marketings ist.
washingtonpost.com, adweek.com (frei nach Anmeldung)

Zeitungen machen 2020 Minus bei Anzeigen und Plus im Vertrieb.

Licht und Schatten: Die Anzeigen- und Werbeerlöse bei deutschen Zeitungen sind um 16,9 % auf 1,82 Mrd Euro gefallen, sagt die BDZV-Bilanz für das Pandemie-Jahr 2020. Damit tragen sie nur noch 26 % zu den Einnahmen bei. Die Vertriebsumsätze wuchsen hingegen u.a. durch Abos und E-Paper um 4,1 % auf 5,17 Mrd Euro. Der Gesamtumsatz beläuft sich auf 6,99 Mrd Euro, ein Minus von 2,3 % im Vergleich zu 2019.
horizont.net, bdzv.de (Branchenbericht 2021)

Verlag Nürnberger Presse will 80 Stellen abbauen.

Fränkisches Fasten: Die Nürnberger Presse, zu der u.a. die "Nürnberger Nachrichten", die "Nürnberger Zeitung" sowie das Online-Portal nordbayern.de gehören, will bis Ende März 2022 die Belegschaft um "mindestens 80 Vollzeitstellen" verkleinern. Die Mitarbeiterinnen sollen am besten freiwillig mit einer Abfindung gehen. Nicht betroffen von den Jobstreichungen ist der ausgegliederte eigenständige IT-Dienstleister ITSMedia.
mmm.verdi.de

IVW: “Spiegel” gewinnt dank Digital-Abos, “Welt” und “Wams” verlieren deutlich.


Digital gewinnt: Im 2. Quartal fällt die Bilanz der IVW durchwachsen aus: Bei 60 der 100 reichweitenstärksten Titel steht ein Minus in der Statistik, mehr als ein Dutzend wächst prozentual zweistellig. In den Top 20 legen immerhin vier Magazine zu: Der "Spiegel", "TV pur", "TV für mich" und Funkes "Land Idee". Dem "Spiegel" retten die Digital-Abos inklusive E-Paper die Auflage, die mehr als ein Viertel der knapp 408.000 Abos ausmachen. Prozentual größter Gewinner bei den Zeitschriften ist die "Vogue", die es mit knapp 33 % Plus auf über 91.000 Verkäufe schafft.

Bei den Zeitungen gewinnen insbesondere "Zeit" (13 %), "FAZ" (7,2 %) und "FAS" (4,6 %). Springers "BamS" legt mit 1,3 % Plus leicht zu und verdankt ihr Wachstum ebenfalls den Digitalabos, die um 81 % gestiegen sind. "Welt" und "WamS" verlieren deutlich, "Bild" und "Süddeutsche" leicht.
dwdl.de, meedia.de (Zeitschriften), meedia.de (Zeitungen), dwdl.de (Harte Auflage)

Score Media zu Tageszeitungen: Regional schlägt national.

Regionalliebe: Leserinnen halten regionale Tageszeitungen für die kompetentesten und glaubwürdigsten Medien, ermittelt Score Media in seiner Studie Zeitungsfacetten. 45 % der Befragten lesen ihre regionale Tageszeitung mittlerweile digital, 43 % greifen lieber zur Printausgabe. Auch Werbung wird in regionalen Blättern besonders positiv beurteilt: Immerhin 20 % der Leserinnen sehen sich Anzeigen bewusst an, 59% halten Inserate für nützlich im Hinblick auf Angebote. Beilagen und Prospekte ziehen sogar 68 % zur Einkaufsplanung heran.
score-media.de (Studie zum Download), horizont.net (Paid)

Einigung: Journalistinnen bei Tageszeitungen bekommen freie Tage, aber nicht mehr Geld.


Krisenmodus bleibt: Der Corona-Tarifvertrag für Tageszeitungen geht in die Verlängerung. Die Gewerkschaften DJV und Verdi einigen sich mit dem Verleger­verband BDZV darauf, dass es bis Ende 2021 keine Kündigungen in den Redaktionen gibt. Im Gegenzug verzichten die Journalistinnen auf eine Gehaltserhöhung. Vollzeit-Beschäftigte erhalten aber drei zusätzliche freie Tage, Teilzeit-Angestellte werden anteilig berücksichtigt.

BDZV-Verhandlungs­führer Georg Wallraf freut sich über "Planungs­sicherheit" in einer "wirtschaftlich schwierigen Situation". DJV-Sprecher Hendrik Zörner lobt die "sach­orientierte" Verhandlung "ohne Rituale". Im Herbst sollen weitere Gespräche über einen neuen Tarifvertrag ab 2022 starten.
kress.de, dwdl.de, bdzv.de, djv.de, sueddeutsche.de

Julian Reichelt wirft Politik, WDR und SWR Verschleierung von Fehlern vor.

System-Versagen? "Bild"-Chefredakteur Julian Reichelt wirft Politik, WDR und SWR vor, die Menschen in den Hochwasser-Gebieten nicht gewarnt und geschützt zu haben. Es solle verschleiert werden, "dass Sirenen nicht heulten", in WDR und SWR "keine Gefahrenmeldungen und Warnungen verkündet" wurden. Reichelt fordert, nicht nur nach dem Klimawandel zu fragen, sondern auch, "warum kein Politiker sich dafür verantwortlich fühlte, Hunderttausende Menschen vor der herantobenden Flut zu warnen".
bild.de

Madsacks RND startet Interview-Reihe “RND vor Ort” mit Kanzlerkandidatinnen.

Madsack: Das Redaktions­netzwerk Deutschland starte das Live-Format "RND vor Ort". Die Gesprächsreihe soll eine Verbindung zwischen regionalen Anliegen von Leserinnen und bundespolitischen Debatten schaffen. Veranstalter sind jeweils das RND und regionale Zeitungsmarken. Den Auftakt bildet ein Gespräch mit SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz in Kiel – Gastgeber sind "Kieler Nachrichten" und "Lübecker Nachrichten". Es folgen Talks mit Armin Laschet in Rostock und Annalena Baerbock in Hannover. Die Reihe soll auch nach der Bundestagswahl fortgesetzt werden.
presseportal.de

Ex-“Express”-Chef Constantin Blaß heuert beim “Schwarzwälder Boten” an.

Scharzwälder Bote macht Constantin Blaß zum Chefredakteur und Geschäftsführer. Er war zuletzt in gleicher Funktion bei DuMonts "Express" in Köln tätig. Blaß folgt auf Hans-Peter Schreijäg, der Ende August nach mehr als vier Jahrzehnten beim Schwarzwälder Boten in den Ruhestand geht. Eine Beförderung zur Verlagsleiterin erhält Kirsten Wolf, die seit 17 Jahren im Unternehmen tätig ist, seit 2014 als Verlagskoordinatorin.
swmh.de, turi2.de (Background Blaß)

DJV und Verdi geißeln neue Freien-Honorare der “Kieler Nachrichten”.

Kieler Nachrichten: DJV und Verdi kritisieren ein neues Honorar­system für Freie, das einen Paketpreis für Text und Bilder vorsieht. Auch die Rechte zur Zweit­verwertung und Archiv­nutzung sollen mit der Einmal­zahlung abgegolten sein. Nach Angaben der Gewerk­schaften weicht die vorgesehene Vergütung "erheblich" von vereinbarten Mindest­honoraren ab. Die Chefredaktion sehe darin keine Kürzung, die neuen Honorare seien Teil eines neuen Systems, das Madsack-weit zum Einsatz komme. Gespräche mit den Gewerkschaften lehne Chefredakteurin Stefanie Gollasch bisher ab.
per Mail

B.Z. startet Podcast “Jute Leute – Das Berlin-Gespräch”.

Berlin speaking: Die B.Z. trifft sich für ihren neuen Podcast "Jute Leute - Das Berlin-Gespräch" mit Persönlichkeiten, die eine besondere Verbindung zur Hauptstadt haben. Moderator Florian Zschiedrich will seinen Gesprächspartnerinnen das "ein oder andere Geheimnis" entlocken, teilt die Zeitung mit. In der ersten Folge trifft er Berlins Regierenden Bürgermeister Michael Müller, mit dem er u.a. über die beste Currywurst der Stadt plaudert. Der Podcast erscheint ab dem 2. Juli 14-täglich.
bz-berlin.de, open.spotify.com (Podcast)

Bremer Tageszeitungen und “NWZ” gründen gemeinsame Firma für verstärkte Zusammenarbeit im Digitalen.

Digitalisieren sich: Die Bremer Tageszeitungen und die "Nordwest-Zeitung Oldenburg" planen, ihr digitales Produktmanagement in einem gemeinsamen Unternehmen zusammenzubringen. Beide Firmen wollen zusätzlich ihren Kundenservice in einem Unternehmen bündeln und intensivieren. Die Geschäftsführung im neuen Unternehmen übernehmen David Koopmann, Vorstand der Bremer Tageszeitungen, und Stephanie von Unruh, Zeitungs-Geschäftsführerin der Nordwest-Mediengruppe. Die Firma soll Anfang 2022 ihre Arbeit aufnehmen.
meedia.de

Jens Küsters wird Leiter Digital-Entwicklung und Technologie bei der Handelsblatt Media Group.

Handelsblatt Media Group holt den Digitalstrategen Jens Küsters als Director Digital Development & Technology an Bord. Der Wirtschaftsinformatiker kommt von DuMont.next, wo er für die Neuentwicklung der digitalen Angebote von "Kölner Stadt-Anzeiger" und "Express" zuständig war. Zuvor arbeitete Küsters für Trivago und den technischen Dienstleister der "Rheinischen Post". Bei der Mediengruppe des "Handelsblatts" soll er sich um die technische Weiterentwicklung der digitalen Plattformen kümmern.
handelsblattgroup.com

Zitat: Moritz Tschermak freut sich über Korrekturen in “Bild”.

"Wir machen uns nicht die Illusion, dass wir den Springer-Verlag komplett umkrempeln werden."

Moritz Tschermak freut sich im Interview mit HR-Info darüber, dass "Bild" auf Initiative seines Bildblogs immerhin Korrekturen vornehmen musste. Fake News zu verbreiten, würde er der Boulevard-Zeitung eher nicht vorwerfen. Er kritisiert "unsaubere Recherche oder einseitige Darstellung".
hr-inforadio.de (mit 27-Min-Audio)

Film-Tipp: “Die letzten Reporter” zeigt Arbeit von Lokal-Journalistinnen.

Film-Tipp: Die Doku Die letzten Reporter begleitet Lokal-Journalistinnen der "Schweriner Volks­zeitung", der "Landes­zeitung Lüneburg" und der "Osnabrücker Nachrichten" bei ihrer Arbeit und zeigt die Nähe zu ihrer Stadt und der eigenen Leserschaft. Das 95-minütige Werk von Regisseur Jean Boué kommt ohne Kommentar aus und wirkt zuweilen "wie eine Natur-Dokumentation, die die letzten bedrohten Exemplare einer aussterbenden Art" zeigt, schreibt Thomas Klatt. Der Film läuft ab Donnerstag in ausgewählten Kinos.
mmm.verdi.de, muensterschezeitung.de, youtube.com (2-Min-Trailer), ndr.de (6-Min-Video über den Film)

“Belohnung von Voyeurismus und Clickbaiting”: Madsack-Chef kritisiert LSR-Verwerter Corint Media.

Klicks vs. Qualität: Madsack-Chef Thomas Düffert nimmt sich in seinem Auftakt-Vortrag zum Digital-Kongress BeBeta Clickbaiting und Sensations-Journalismus vor. Er kritisiert die Verwertungsgesellschaft Corint Media, die Gebühren aus dem Leistungsschutzrecht verteilt: "Wenn 98 % der Erlöse nach Klicks, nach Visits verteilt werden sollen, belohnen wir Clickbait." Das LSR sei aber geschaffen worden, um einen Journalismus zu unterstützen, der zum Funktionieren einer demokratischen Gesellschaft beiträgt. Er stellt Recherche-Leistungen von regionalen Tageszeitungen den Sensations-Schlagzeilen von "Bild", Ippen und anderen, die sich für keinen Cliffhanger zu schade sind, gegenüber. Düffert appelliert an die Corint-Chefs Christoph Schwennicke und Markus Runde, an die Gesellschafter sowie an den Springer-Verlag, der bei der Verteilung der Gelder ein gewichtiges Wort mitspreche, weniger auf Klicks und mehr auf Qualität zu achten.
youtube.com (20-Min-Vortrag im Konferenz-Mitschnitt)

NZZ-Kommunikationschefin Seta Thakur wechselt zum Schauspielhaus Zürich.

NZZ und Seta Thakur, Leiterin der Unternehmens­kommunikation, gehen im November getrennte Wege. Sie wechselt zum Schauspielhaus Zürich, wo sie die Leitung der Presse- und Medienabteilung übernimmt und Mitglied der erweiterten Direktion wird. Thakur arbeitet seit 2018 bei der "NZZ", zeitweise hat sie auch den Bereich Marketingstrategie geleitet.
persoenlich.com

Regisseur Dietrich Brüggemann kritisiert in einem Gastbeitrag den “Tagesspiegel”.

Wie im schlechten Film: Regisseur Dietrich Brüggemann kritisiert in einem Gastbeitrag den "Tagesspiegel", der über ein "antidemokratisches Netzwerk" hinter der Aktion "Alles dicht machen" berichtet hatte. Brüggemann habe zwar eine Mail mit Fragen erhalten, der Artikel sei aber noch vor seinen Antworten online gegangen – ein "Schlachtfeld der Gehässigkeit, und noch nicht mal elegant formuliert." Der "Tagesspiegel" räumt in einem Vorspann ein, Brüggemann sei "keine ausreichende Gelegenheit zu einer Stellungnahme" gegeben worden.
tagesspiegel.de, turi2.de (Background)

Ex-“Bild”-Chefredakteur und -Herausgeber Willi Schmitt, 77, ist tot.

Willi Schmitt, ehemaliger Chefredakteur der "Bild am Sonntag", ist tot. Nach Stationen als Sportchef, Chefreporter und Vize-Chef der "Bild" lenkte er die "BamS" ab 1984 drei Jahre lang mit Wolfgang Kryszohn und zwei weitere Jahre in Eigenverantwortung. 2000 übernahm Willi Schmitt für drei Jahre die Chefredaktion der "Sport Bild". Kai Diekmann sagt im "BamS"-Nachruf, dass er Schmitt die Erkenntnis verdanke, "dass es keinen schöneren Beruf gibt". Franz Beckenbauer bezeichnet den Journalisten als "hochanständigen Kerl". Schmitt ist am vergangenen Sonntag gestorben.
bild.de (Paid)