Pressefreiheit ist ein so hohes Gut, dass sich selbst Autokraten gerne damit brüsten. lexikon2.de

Zitat: Deniz Yücel spricht in der “Zeit” über seine Zeit im türkischen Knast.

"Es hat mich im Knast weniger gestört, dass ich nicht raus konnte. Schlimmer war es, dass jederzeit jemand zu mir rein konnte."

Deniz Yücel erklärt im Interview mit der "Zeit", dass er seine Foltervorwürfe gegen die Türkei erst nach den Wahlen erhoben hat, damit Erdogan mit den "erwartbaren Reaktionen aus Deutschland" keinen Wahlkampf machen konnte.
zeit.de

Buch-Tipp: Deniz Yücel berichtet über Gefangenschaft in der Türkei.

Buch-Tipp: Reporter Deniz Yücel veröffentlicht am Donnerstag das Buch Agentterrorist, worin der "Welt"-Korrespondent über seine türkische Gefangenschaft berichtet. "Welt am Sonntag" druckt vorab eine gekürzte Fassung eines Kapitels, in dem er u.a. über seinen Aufenthalt in der Istanbuler Residenz berichtet, in der er sieben Wochen lebte.
"Welt am Sonntag", S. 8 (Paid), turi2.de (Background)

Saudischer Kronprinz übernimmt Verantwortung für Khashoggi-Mord, will aber nichts gewusst haben.

Khashoggi-Mord: Der saudische Kronprinz Muhammad bin Salman übernimmt im Interview mit CBS News die "volle Verantwortung" für den Mord an dem Journalisten Jamal Khashoggi. Er will den Mord aber weder beauftragt noch davon gewusst haben. Die Uno-Sonderberichterstatterin Agnès Callamard sagt im Deutschlandfunk: "Es ist ein staatlich ausgeführter Mord."
sueddeutsche.de, deutschlandfunk.de, turi2.de (Background)

Kameraleute werden bei Leichtathletik-WM in der Berichterstattung behindert.

Pressefreiheit: Kameraleute sind bei der Leichtathletik-WM in Katar bedrängt worden, schreibt "Spiegel" über Beobachtungen von Deutschlandfunk und ARD. Die Berichterstatter wollten die in der Hitze kollabierenden Athletinnen filmen. Beim Wettbewerb in Doha herrschte über 32 Grad, nur 40 der 68 Starterinnen kamen ins Ziel.
spiegel.de, twitter.com

Lese-Tipp: Khashoggi-Verlobte will Mord nicht vergessen lassen.

Lese-Tipp: Vor knapp einem Jahr wurde der Journalist Jamal Khashoggi im saudischen Konsulat in Istanbul ermordet. Alexandra Rojkov porträtiert Khashoggis Verlobte Hatice Cengiz, die für Gerechtigkeit kämpft und gerne ein neues Leben beginnen würde, aber auch sagt: "Wenn ich auf­hö­re, über Ja­mal zu spre­chen, wird sein Tod von der Agen­da ver­schwin­den." Georg Mascolo und Ronen Steinke vermissen in der "Süddeutschen" international den Willen, den Fall ernsthaft aufzuklären.
"Spiegel" 40/2019, S. 99/100 (Paid), sueddeutsche.de

Zwei regierungskritische Zeitungen in Nicaragua schließen.

Nicaragua: Die regierungskritische Tageszeitung El Nuevo Diario stellt nach fast 40 Jahren den Betrieb ein, ebenso das Gratis-Blatt "Metro". Grund seien die "widrigen wirtschaftlichen, technischen und logistischen Bedingungen". Kritiker werfen Präsident Daniel Ortega vor, die kritische Presse gezielt vom Import von Papier und Tinte abzuschneiden. Nicaragua steckt seit 2018 in einer tiefen Krise.
derstandard.at, elnuevodiario.com.ni (spanisch)

ÖVP wehrt sich gegen Berichterstattung der Wochenzeitung “Falter”.

Österreich: Die Wochenzeitung "Falter" kassiert eine Unterlassungsklage von der ÖVP. "Falter" berichtete, die ÖVP sei "hochverschuldet" und habe Großspenden verschleiert. Die Partei von Ex-Kanzler Kurz (Foto) zweifelt an der Echtzeit der Quellen. Viele Medien berichteten nicht über die Enthüllungen - aus Angst vor wegbrechenden Anzeigen öffentlicher Stellen, sagt Reporter ohne Grenzen.
deutschlandfunk.de

“taz” darf Ex-Gauland-Mitarbeiter wieder namentlich nennen.

taz darf den Namen eines früheren Mitarbeiters von AfD-Bundestagsfraktionschef Alexander Gauland wieder nennen. Das OLG Düsseldorf kündigt an, eine Klage des Mannes abzulehnen. Er war in seiner Jugend Mitglied der rechtsradikalen Vereinigung Heimattreue Deutsche Jugend und ging anwaltlich gegen alle Medien vor, die namentlich über seine Tätigkeit für Gauland berichtet hatten. Alle spurten, außer die "taz".
blogs.taz.de

WDR und SWR beenden ihren gemeinsamen Klima-Podcast.

Podcast: WDR und SWR beenden den gemeinsamen Klima-Podcast "Klimazone" mit Werner Eckert vom SWR und ARD-Energie-Experte Jürgen Döschner (Foto) vom WDR, schreibt "taz". Die Kooperation könne laut SWR "WDR-seitig nicht realisiert werden". Der WDR plane keine "dauerhafte Beteiligung". Döschners Berichterstattung stieß u.a. bei RWE auf Kritik.
taz.de

Facebook will Werber daran hindern, Schlagzeilen in Anzeigen umzuschreiben.


Wahrhaftig oder werbisch? Facebook, zuletzt im geflissentlichen Gewand des Fake-News-Bekämpfers unterwegs, will Verlegern künftig die Kontrolle über Schlagzeilen journalistischer Artikel zurückgeben. Wenn Werbetreibende sie für Anzeigen nutzen, können sie die Überschriften bisher beliebig umtexten. In Großbritannien hat die konservative Partei den Titel eines BBC-Artikels über das Bildungswesen zu ihren Gunsten umgedichtet. Die Faktenchecker von Full Fact bemängelte die Überschrift als irreführend. Facebook ermögliche so Desinformation u.a. in Wahlkämpfen und das Ausnutzen der Glaubwürdigkeit von Medienmarken.
welt.de, cbc.ca

TikTok enthält verdächtig wenig Videos zu den Protesten in Hongkong.

TikTok enthält, anders als Social Networks westlichen Ursprungs, eher wenige Beiträge zu den Protesten in Hongkong, beobachten Drew Harwell und Tony Romm. Der Suchterm "Hong Kong Protest" zeigt unverfängliche Inhalte, erst unter Hashtags wie #hongkongprotest und #freehongkong findet sich eine Handvoll Videos von den Demonstrationen. Unklar bleibt, ob die Plattform des chinesischen Techkonzerns ByteDance aktiv zensiert oder ob sich die Hongkonger Protestierenden in Selbstzensur üben, um den chinesischen Sicherheitsbehörden nicht aufzufallen.
washingtonpost.com

Björn Höcke bricht ZDF-Interview ab und droht mit “massiven Konsequenzen”.

ZDF: Thüringens AfD-Chef Björn Höcke bricht ein Interview mit der ZDF-Sendung "Berlin direkt" ab und droht dem Reporter mit "massiven Konsequenzen". Er hatte Höcke über seine Sprache und genutzte NS-Begriffe befragt. Sein Sprecher, Ex-"Welt"-Mann Günther Lachmann, beklagt, die Fragen hätten Höcke "stark emotionalisiert".
welt.de, zdf.de (17-Min-Video)

Twitter sperrt Nutzer aus Kuba, u.a. Parteichef Raúl Castro.

Twitter sperrt mehr als ein Dutzend Accounts kubanischer Nutzer, darunter die von Parteichef Raúl Castro, seiner Tochter Mariela Castro und zahlreicher Staatsmedien. Die Sperrung erfolgte ohne Vorwarnung, angeblich wegen "Verletzung der Twitter-Regeln", und pünktlich zu einer TV-Ansprache von Präsident Miguel Díaz-Canel über die Folgen von US-Sanktionen.
theguardian.com, radiorebelde.cu (Staatssender)

Chinesische Botschaft sperrt “Bild” aus.

Bild erhält keinen Zutritt zu einer Pressekonferenz der chinesischen Botschaft in Berlin. Die Zeitung hatte zuvor den Hongkonger Aktivisten Joshua Wong eingeladen. Vor dem absehbaren Ausschluss hatte Chefredakteur Julian Reichelt nach einem Ersatz-Reporter gesucht – und ihn nebenan bei "Welt" gefunden, die rein durften.
bild.de

Russische Medienaufsicht rügt Facebook und Google wegen Wahlwerbung.

Russisch Roulette für Meinungsfreiheit: Die russische Medienaufsicht rügt Facebook und Google, die am Sonntag bei lokalen Wahlen u.a. in Moskau entgegen der Verbote politische Werbung zugelassen haben. Die Behörde sieht darin einen Eingriff in die "souveränen Rechte Russlands", was als "Behinderung demokratischer Wahlen" gesehen werde.

Eine Kommission im Parlament wolle prüfen, ob ausländische Kräfte versuchten, die Wahl zu beeinflussen. In der russischen Hauptstadt hat es in der Vergangenheit regierungskritische Demonstrationen gegeben, die sich gegen den Ausschluss oppositioneller Kandidaten richteten.
handelsblatt.com, onvista.de

China schließt Korrespondenten von Merkel-PK aus.

China verweigert Korrespondenten den Zugang zur Pressekonferenz von Kanzlerin Angela Merkel und Premier Li Keqiang. Nur die aus Deutschland mitgereisten Journalisten durften dabei sein - angeblich, weil die Große Halle des Volkes zu klein sei. Nach Protesten erhielten vier deutsche Korrespondenten Zugang, internationale Journalisten mussten draußen bleiben.
rnd.de, derstandard.at

China verbannt einen Journalisten des “Wall Street Journal”.

China verlängert die Akkreditierung des "Wall Street Journal"-Journalisten Chun Han Wong nicht. Der Reporter mit Staatsbürgerschaft aus Singapur hatte vor einem Monat einen Bericht über Glücksspiel- und Finanzgeschäfte eines Cousins von Chinas Staatschef Xi Jinping veröffentlicht. Chinesische Offizielle hatten die Zeitung im Vorfeld gewarnt, dass der Artikel Folgen haben würde.
washingtonpost.com

UK-Premier Boris Johnson sagt TV-Interview mit Channel 4 News nach Kritik ab.


Britain-Trump: Boris Johnson hat ein während des G7-Treffens in Frankreich geplantes TV-Interview mit dem britischen Sender Channel 4 News abgesagt. Laut Channel 4 reagiert der britische Premierminister damit auf eine Rede von Dorothy Byrne, der Nachrichtenchefin von Channel 4. Die hat vor wenigen Tagen auf dem Edinburgh Television Festival Johnson einen "Lügner" genannt und gewarnt, dass britische Politiker zunehmend Taktiken von US-Präsident Trump übernähmen. Die Absage des Interviews erreichte die Reporter erst vor Ort. Mit der BBC und ITV führte Johnson derweil wie geplant Interviews.

In ihrer Rede forderte Byrne ihre Kollegen in anderen Sendern auf, Politiker Lügner zu nennen, wenn sie lügen und sich nicht hinter falscher Freundlichkeit zu verstecken. In einem Interview mit Sky News bekräftigte Sie ihre Aussagen wenig später. Zuschauer bräuchten diese klaren Aussagen und Factchecking, um bewerten zu können, ob Aussagen wahr oder gelogen seien. Mit diesem Interview habe Byrne laut Personen im Umkreis des Premierministers in Johnsons Augen die Grenze zur Parteilichkeit überschritten.
theguardian.com, youtube.com (Sky-News-Interview mit Dorothy Byrne)

Google und Mozilla blocken kasachisches Schnüffel-Zertifikat.

Google und Mozilla, Herausgeber der Browser Chrome und Firefox, blockieren Kasachstans verpflichtendes Root-Zertifikat. Das autoritär regierte Land zwingt Bewohner, es zu installieren, um Zugriff auf das Internet zu erhalten. Die Behörden nutzen es, um den Netzwerkverkehr etwa zu Facebook, Twitter und Google zu entschlüsseln und auszuwerten.
techcrunch.com

“Guardian”-Kolumnist Owen Jones brutal angegriffen.

Guardian: Der linke Kolumnist Owen Jones ist in London angegriffen und brutal zusammengeschlagen worden. Jones geht von einem rechtsradikalen Hintergrund aus. In der BBC berichtet er, dass sich der Angriff nachts um 3 Uhr ereignete, als er und fünf Freunde einen Pub verließen. Die Angreifer seien direkt auf ihn zugekommen, hätten ihm in den Rücken und gegen den Kopf getreten. Jones gilt als wichtige linke Stimme in Großbritannien. Er hat die Proteste gegen den Besuch Donald Trumps mitorganisiert und setzt sich für die Rechte von Homosexuellen und Transgendern ein.
theguardian.com, twitter.com (2-Min-Interview, BBC), spiegel.de

Gericht verbietet der “Zeit” Details über Detektiv im “Ibiza-Video”.

Zeit darf keine Einzelheiten mehr über einen Privatdetektiv verbreiten, der im so genannten Ibiza-Video zu sehen ist, urteilt das Landgericht Berlin. Die Wochenzeitung darf nur schreiben, dass die Wiener Staatsanwaltschaft gegen den Mann ermittelt, an etwaigen Vorstrafen oder angeblichen Tätigkeiten bestehe kein öffentliches Interesse. Das Video hatte die österreichische Regierung zum Sturz gebracht.
faz.net (Paid), bazonline.ch, de.euronews.com

Studie: Weil Drohungen verpuffen, setzen Anwälte stärker auf PR.

Drohende Anwälte verfehlen häufig ihr Ziel, ermittelt eine Studie der Otto-Brenner-Stiftung. Gerade investigative Rechercheure nähmen sie als Ansporn. Juristen arbeiten deshalb immer öfter mit PR-Leuten zusammen, um ins Gespräch zu kommen. Die Gefahr für Journalisten, sich einlullen zu lassen, steige. Die Studienautoren Daniel Moßbrucker und Tobias Gostomzyk raten Medien, einen Fonds aufzubauen, um Prozesse um Meinungs- und Pressefreiheit häufiger bis zur höchsten Instanz durchzuboxen.
ndr.de, daniel-bouhs.de (Moßbrucker, 20-Min-Audio), otto-brenner-stiftung.de (PDF)

Zitat: Regierung hat Medien unter Druck gesetzt, sagt Helmut Brandstätter.

"Überall dieselben Botschaften, dieselben Formulierungen. Und wo nicht gespurt wird, erhalten Vorgesetzte und Eigentümer deutliche Anrufe."

Helmut Brandstätter, Ex-Herausgeber der Tageszeitung "Kurier" und kürzlich in die Politik zur liberalen Oppositionspartei Neos gewechselt, schreibt in einem neuen Buch über die Einflussnahme der österreichischen Regierung.
handelsblatt.com, turi2.de (Background)

Lese-Tipp: Journalistin aus Venezuela erklärt die staatliche Pressezensur.

Lese-Tipp: Die "taz" spricht mit Journalistin Marjuli Matheus Hidalgo über ihre Arbeit in Venezuela und die dortige Zensur. Seit den 2000ern setzt der Staat die Presse kontinuierlich mit Gesetzen, Sanktionen und sprachlichen Vorgaben unter Druck. Es gibt kaum noch Papier. Journalisten, die nicht regierungskonform berichten, kommen ins Gefängnis. Es gibt ohnehin nur noch sehr wenige von ihnen. Auch Hidalgo ist inzwischen nach Chile ausgewandert.
taz.de

Frankreich belässt es beim Pressegesetz von 1881.

Frankreich bleibt bei seinem Pressegesetz und sieht von Neuerungen ab, die Hass im Internet bekämpfen sollten. Justizministerin Nicole Bellouet hatte vorgeschlagen, Klagen wegen Beleidigung und Verleumdung auszugliedern. Journalisten empfanden die Idee als bedrohlich, weil sie auch rein strafrechtliche Prozesse gegen sie vereinfacht hätte.
"FAZ", S. 14 (Paid)

Türkisches Gericht spricht Aktivisten von Reporter ohne Grenzen frei.

Türkei: Ein Gericht in Istanbul hat Erol Önderoglu, Türkei-Experte bei Reporter ohne Grenzen, vom Vorwurf der "Terrorpropaganda" freigesprochen. Er hatte an einer Solidaritäts-Demonstration für die pro-kurdische Tageszeitung "Özgür Gündem" teilgenommen. Sie wurde später, nach dem versuchten Putsch 2016, geschlossen.
tagesspiegel.de, turi2.de (Background)

Ermittlungen gegen Correctiv-Chefredakteur werden eingestellt.

Pressefreiheit: Die Staatsanwaltschaft stellt die Ermittlungen gegen den Correctiv-Chefredakteur Oliver Schröm ein. Die Schweizer Privatbank Sarasin zeigte den Journalisten aufgrund des Verdachts der Wirtschaftsspionage an. Die Staatsanwaltschaft sieht "keinen hinreichenden Tatverdacht". Der damalige "stern"-Reporter berichtete über CumEx-Geschäfte.
correctiv.org , abendblatt.de (Paid), turi2.de (Background)

Türkische Denkfabrik attackiert internationale Medien wie die Deutsche Welle.

Pressefreiheit: Eine regierungsnahe türkische Denkfabrik wirft internationalen Medien in einer Studie "regierungsfeindliche" Berichterstattung vor, meldet die Deutsche Welle. Dabei seien Journalisten namentlich mit ihren Twitter-Accounts genannt, darunter auch Reporter der BBC sowie des US-Senders Voice of America. Die Türkei versuche objektive Berichterstatter einzuschüchtern, kritisiert die Deutsche Welle, der allein 30 Seiten der Studie gewidmet seien.
dw.com

Aus dem turi2.tv-Archiv: "Die Regierung redet uns nicht rein." – Peter Limbourg über 65 Jahre Deutsche Welle. (6/2018)

China sperrt nun auch “FAZ” und “Süddeutsche”.

Das Netz wird engmaschiger: China blockiert nun auch die Websites von "Süddeutsche" und "FAZ". Bisher blockierte das System vor allem große Tech-Plattformen und englischsprachige Medien, die über kritische Themen wie Tibet oder auch die Verfolgung der Uiguren in Xinjiang berichten. Auch die "Tagesschau" wird seit Ende Juni blockiert. Am Samstagfrüh ist u.a. Focus Online und Abendblatt.de geblockt, ein großes Ströer-Portal und ein Wirtschaftsblatt aus Düsseldorf bisher aber ebensowenig wie turi2.de, ergeben Tests mit VPN-Tunneln nach China.

Die Sperr-Infrastruktur, von Spöttern Große Chinesische Firewall genannt, gilt als die effizienteste Internet-Zensurmaschine der Welt diesseits vom plumpen Kappen des kompletten Datenverkehrs. Die Kriterien sind naturgemäß nicht bekannt. Das Netz in China ist seit jeher unfrei, die Zensur von aus chinesischer Perspektive eher kleiner Medien stellt aber eine neue Qualität dar. Grund könnten Berichte über die ungewöhnlich großen Proteste in Hong Kong gegen ein neues Auslieferungsgesetz sein.
sueddeutsche.de, faz.net, tagesschau.de

Mitarbeit: Dirk Stascheit

Reporter ohne Grenzen warnt vor Kriminalisierung von Tor-Servern.

Reporter ohne Grenzen Logo 150Reporter ohne Grenzen kritisiert die geplante Gesetzesänderung zur Kriminalisierung von Anonymisierungsdiensten. Ein eigens dafür geschaffener Straftatbestand könne den Betrieb von Plattformen im Internet sowie die Pressefreiheit gefährden. Illegale Inhalte könnten bereits mit bisherigen Gesetzen geahndet werden.
netzpolitik.org, golem.de

EuGH: EU-Staaten dürfen TV-Sender ins Pay-TV verschieben.


Verbannung erlaubt: EU-Staaten dürfen TV-Sender, die Hassbotschaften verbreiten, beschränken, bestätigt der EuGH ein Urteil aus Litauen. Die litauische Fernsehkommission hatte 2016 entschieden, den Kanal NTV für ein Jahr nur im Pay-TV zuzulassen. Er richtet sich an die russische Minderheit, der Betreiber hat seinen Sitz in Großbritannien. Anlass zur Verschiebung ins Pay-TV war eine Sendung, die aus Sicht des Gremiums Hass anstachelte und Falschinformationen enthielt.

Laut EuGH dient die Maßnahme deshalb der öffentlichen Ordnung. Der Betreiber hatte auf Verstoß gegen die Richtlinie über audiovisuelle Mediendienste geklagt. Das Gericht verneint das, weil
das Programm weiter ausgestrahlt und angeschaut werden könne.
derstandard.at

Meinung: Der DFB will seine Spielerinnen nicht zu aufmüpfig.

DFB: Der Fußballbund versucht Interviews seiner Nationalspielerinnen glattzubügeln, um selbst nicht zu sehr in die Kritik zu geraten, schreibt Thilo Komma-Pöllath. Er berichtet aus eigener Erfahrung, bei der die Kritik von Spielführerin Alexandra Popp von der Forderung nach Gleichbehandlung mit den Männern auf den Wunsch nach mehr Aufmerksamkeit heruntergekocht worden sei. Eine ähnliche Erfahrung habe auch die "FAZ" bei einem Gespräch mit Torhüterin Almuth Schult gemacht, sich aber letztlich gegen den DFB durchgesetzt. Die Sponsoren werben derweil im Umfeld der Frauen-Fußball-Nationalmannschaft forsch mit der Forderung nach Gleichberechtigung.
journalist-magazin.de

Lese-Tipp: Verlobte von Kashoggi erzählt von letzten Tagen des Journalisten.

Lese-Tipp: Hatice Cengiz, Verlobte des ermordeten saudischen Journalisten Jamal Khashoggi, erzählt im Interview mit der "Bild am Sonntag" von den letzten Tagen vor seinem Tod. Kashoggi, der wegen Dokumenten für die Heirat ins Konsulat ging, habe befürchtet, man würde seinen Pass konfiszieren, dem Konsulat aber nach einem ersten Treffen vertraut. Seine letzten Worte an Cengiz waren: "Warte auf mich. Es wird nicht lange dauern."
"Bild am Sonntag", S. 18 – 19 (Paid), turi2.de (Background)

China setzt kritische Verleger aus Hongkong unter Druck.

China: Verleger aus Hongkong, die z.B. Tagebücher von Zeitzeugen und Biografien von in Ungnade Gefallenen verkaufen, geben immer häufiger auf, beobachtet Friederike Böge. Fünf Jahre hätten gereicht, um den "anarchischen, kritischen" Honkonger Buchmarkt ausbluten zu lassen. Kunden vom Festland fürchten Gepäckkontrollen, der Pekinger Flughafen konfisziert Tausende Bücher. Die Regierung überwacht Buchsendungen und übt Druck auf die Druckereien aus. Die drei chinesischen Großverlage bieten keine politische Literatur an.
"FAS", S. 5 (Paid)

Indien: Sand-Mafia ermordet Investigativ-Journalisten.

Journalisten, die in Indien über den illegalen Abbau von Sand berichten, leben gefährlich, schreiben vier Autoren der "Süddeutschen Zeitung". In den letzten vier Jahren wurden vier Journalisten umgebracht, weitere bedroht und eingeschüchtert. Investigativjournalisten der Organisation Forbidden Stories versuchen, die Arbeit von getöten Kollegen fortzuführen, die über Umwelt- und Ressourcenausbeutung geschrieben haben.
sueddeutsche.de

UN-Expertin sieht Hinweise für Verstrickung des saudischen Prinzen am Khashoggi-Mord.

Khashoggi-Mord: Die UN- Menschenrechtsspezialistin Agnès Callamard schreibt in ihrem Bericht an den UN-Menschenrechtsrat, dass sie "glaubhafte Hinweise" für eine persönliche Verantwortung des saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman am Verbrechen sieht. Zur Klärung der Schuldfrage sei allerdings eine weiterführende Untersuchung nötig.
heute.de

Zitat: Donald Trump holt einmal mehr zum Verbalschlag gegen die Medien aus.

"Mit unseren korrupten Nachrichtenmedien ist heutzutage alles möglich. Sie werden tun oder sagen, was immer nötig ist, ohne den geringsten Gedanken an Konsequenzen. Sie sind wahre Feiglinge und ohne Zweifel, der Feind des Volkes."

US-Präsident Donald Trump beschimpft auf Twitter die "New York Times" und andere Medien. Anlass ist eine Geschichte der "NYT" über US-Cyberattacken auf Russland.
twitter.com, spiegel.de (Background)