Pressefreiheit ist ein so hohes Gut, dass sich selbst Autokraten gerne damit brüsten. lexikon2.de

Zitat: Ulf Poschardt kritisiert Levit-Entschuldigung der “Süddeutschen Zeitung”.

"Der Journalismus ist wichtig. Er ist eine wunderbare Sache. Wer ihn betreibt, sollte im Zweifel unerschrocken sein. Und nicht beim ersten lauten Knall eines Shitstorms einknicken."

"Welt"-Chefredakteur Ulf Poschardt kritisiert die Entscheidung der Chefredaktion der "Süddeutschen Zeitung", sich für einen Feuilleton-Artikel über den Pianisten Igor Levit öffentlich zu entschuldigen. Poschardt sieht die innere Pressefreiheit des Blattes in Gefahr.
welt.de (Paid), turi2.de (Background)

Niederländischer Rundfunk entfernt zum Schutz der Mitarbeiter*innen Logos von Autos.

Undercover: Die öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt der Niederlande, NOS, entfernt ihre Logos von Fahrzeugen. Grund ist, dass zunehmend Mitarbeiter*innen beschimpft würden. Die Fahrzeuge würden zudem mit Müll beworfen oder im Verkehr ausgebremst. Chefredakteur Marcel Gelauff nennt die Entscheidung eine "Niederlage des Journalismus".
spiegel.de, nos.nl

Belarus: Peter Limbourg dämpft Hoffnungen auf russisches DW-Vollprogramm.

DW-Intendant Peter Limbourg hält den Ausbau russischsprachiger Online-Formate seines Senders für sinnvoll. Ein eigenes Programm hingegen sei "kostspielig" und "aufwendig". Die belarussische Oppostions­politikerin Swetlana Tichanowskaja und Christian Lindner hatten die DW aufgefordert, ein Vollprogramm auf Russisch zu starten, um den Menschen in Belarus Zugang zu unabhängigen Informationen zu verschaffen.
sueddeutsche.de

Bild des Tages: Reporter ohne Grenzen erinnern künftigen US-Präsidenten an Pressefreiheit.

Dear Mr. President: Mit Mundschutz, Abstand und Fähnchen stehen Aktivist*innen von Reporter ohne Grenzen vor dem Brandenburger Tor in Berlin, die US-Botschaft am Pariser Platz in Sichtweite. Auf einer Bühne hinter ihnen steht, eingerahmt von Luftballons in den US-Farben Rot, Weiß und Blau, eine Mahnung an den künftigen Präsidenten der USA, die Pressefreiheit zu achten. Der aktuelle Amtsinhaber gibt Anlass dazu. (Foto: Bernd Friedel / Imago Images)

“Welt am Sonntag”: Huawei will in Deutschland eine Redaktion aufbauen.

Von Chinas Gnaden? Der chinesische Tech-Konzern Huawei plant offenbar den Aufbau einer Redaktion in Deutschland. Die "Welt am Sonntag" zitiert aus einer nicht öffentlichen Stellenausschreibung, wonach die Huawei-Tochter Aspiegel aus Dublin einen "Chefredakteur in Berlin" sucht. Aufgaben sind demnach u.a. der Aufbau eines Redaktionsteams, eine "Strategie zur Erstellung von Inhalten" und die Auswahl "qualitativ hochwertiger Content-Partner". Kritik an dem Plan kommt u.a. von Christian Mihr, Geschäftsführer von Reporter ohne Grenzen: "Gegenüber Huawei besteht ein hohes Misstrauen, denn zwischen der chinesischen Staatsführung und der Pressefreiheit besteht ein Grundkonflikt."
welt.de

Belarus entzieht ausländischen Medien die Akkreditierung.


Und raus bist Du: Ausländische Medien dürfen vorerst nicht mehr aus Belarus berichten. Die Regierung hat alle Akkreditierungen für ungültig erklärt – am Montag können die Papiere neu beantragt werden. Offiziell begründen die Behörden den Schritt mit einer neuen Verordnung für die Arbeitserlaubnis von Journalist*innen, bzw. Einschränkungen durch Corona. Tatsächlich dürfte es sich um eine Reaktion auf die Sanktionen von EU und USA gegen das Land handeln. Am Wochenende sind wieder Proteste gegen Machthaber Lukaschenko geplant. Korrespondent*innen wie ARD-Mann Jo Angerer dürfen zwar im Land bleiben, aber nicht arbeiten.

Auch Journalist*innen mit belarussischer Staatsbürgerschaft, die für ausländische Medien arbeiten sind von der Maßnahme betroffen. Manuela Kasper-Claridge, Chefredakteurin der Deutschen Welle, kritisiert das Vorgehen als "absolut beschämend". Die belarussische Regierung fürchte unabhängige Medien und nutze "jeden erdenklichen Trick", um freie Berichterstattung zu unterbinden. (Foto: dpa)
tagesschau.de, dw.com

Französische Medien stellen sich mit Appell hinter “Charlie Hebdo”.

Frankreich: Mehr als hundert Medien wenden sich in einem "feierlichen Appell" an die Bevölkerung, nachdem "Charlie Hebdo" Drohungen von Al-Quaida bekommen hat. Verschiedene Tageszeitungen, Magazine, Radio- und Fernsehsender schreiben darin: "Wir brauchen Sie. Das Bollwerk Ihres Gewissens." Marika Bret, Personalchefin der Satirezeitschrift, hat konkrete Morddrohungen erhalten und musste untertauchen.
spiegel.de, turi2.de (Background)

Nach BGH-Urteil: Kohl-Ghostwriter will vor das Bundesverfassungsgericht ziehen.

Streit um Kohl-Tonbänder: Journalist und Ghostwriter Heribert Schwan will Verfassungs­beschwerde gegen das BGH-Urteil zugunsten von Maike Kohl-Richter (Foto) einreichen. Die Witwe des verstorbenen Ex-Bundeskanzlers Helmut Kohl fordert die Herausgabe sämtlicher Kopien und Abschriften der Tonbänder, die Schwan für dessen Memoiren aufgezeichnet hatte. Der BGH gab ihr Anfang September recht.
faz.net, turi2.de (Background)

Arzt bedrängt “FAZ”-Fotografen auf Querdenken-Demo.

Pressefreiheit: Ein Hamburger Arzt hat Pressefotografen auf einer Querdenken-Demo in Frankfurt beleidigt und bedrängt, darunter einen freien Fotografen der "FAZ", schreibt Herausgeber Carsten Knop und veröffentlicht ein Video des Vorfalls. Die Fotografen werden darin dazu aufgefordert, ihre Masken abzulegen und keine Fotos mehr zu machen. Ordner*innen vor Ort hätten kaum eingegriffen, sagt Knop.
faz.net (4-Min-Video)

Christoph Metzelder unterliegt im Streit um Verfahrensdetails vor dem Verwaltungsgericht Düsseldorf.

Ungedeckt: Das Amtsgericht Düsseldorf darf Details zum Verfahren gegen den ehemaligen Fußball-Profi Christoph Metzelder veröffentlichen. Das Verwaltungsgericht lehnte einen Antrag ab, mit dessen Hilfe der Ex-Profi die Veröffentlichung einer Pressemitteilung und das Erteilen mündlicher Auskünfte verhindern wollte. Aus der entsprechenden Pressemitteilung geht hervor, dass Metzelder zumindest ein Teilgeständnis abgelegt hat. Die Staatsanwaltschaft hat gegen ihn Anklage wegen “des Besitzes und des Verschaffens von kinder- und jugendpornographischen Schriften” erhoben.
spiegel.de, bild.de, vg-duesseldorf.nrw.de, turi2.de (Background)

Hör-Tipp: ARD-Korrespondent Jo Angerer sieht in Belarus kein Ende der Proteste.

Hör-Tipp: Jo Angerer, Moskau-Korrespondent der ARD, berichtet nach der Unterbrechung der Berichterstattung durch die Polizei wieder aus Minsk, sagt er im Radioeins-Medienmagazin von Jörg Wagner und Daniel Bouhs. "Es ist offensichtlich hier die Taktik, dass man so wenig Berichterstattung wie möglich haben möchte", klagt Angerer. Die Regierung könne die Protestbewegung langfristig nicht aufhalten.
wwwagner.tv (7-Min-Audio), turi2.de (Background)

Radio Free Europe kehrt als Digital-Angebot nach Ungarn zurück.

Radio Free Europe nimmt seinen Betrieb in Ungarn wieder. Der vom US-Kongress finanzierte Sender hatte sein ungarisches Programm mit Ende des Kalten Krieges eingestellt. Als Reaktion auf den "starken Rückgang der Pressefreiheit" in Ungarn kehrt Radio Free Europe nun als Digital-Angebot zurück. Rund zehn Reporter*innen sollen "vertrauenswürdige, unparteiische" Nachrichten liefern sowie Podcasts und Videos produzieren.
sueddeutsche.de, orf.at, dw.com (Background)

Hör-Tipp: Der Presserat und die “Verrohung der Medien”.

Hör-Tipp: Eine kurze Geschichte des Presserats und dessen prominenter Fälle erzählt Daniel Bouhs bei DLF nach. Die von dem Gremium ausgesprochenen Rügen hält Anwalt Christian Schertz für wenig wirksam. Gegen die "Verrohung der Medien" helfen nur gerichtliche Schritte, glaubt er. "Es sind letztlich die Vertreter von Burda, Bauer, Springer etc, die dort über sich selbst richten", kritisiert er die Zusammensetzung des Presserats. Stattdessen wünsche er sich "unabhängige, vielleicht auch pensionierte Richter" im Plenum.
srv.deutschlandfunk.de (19-Min-Audio), deutschlandfunk.de (Text)

NSU 2.0.: Verdacht gegen Frankfurter Polizisten erhärtet sich.

NSU 2.0: Ein Beamter des 1. Polizeireviers in Frankfurt am Main gilt offiziell als "Beschuldigter" im Fall der "NSU 2.0"-Drohschreiben. Der Polizist stand bereits Anfang des Jahres im Fokus von Ermittlungen. Die vor kurzem an die "taz" gerichteten Schreiben bezüglich der Kolumne von Hengameh Yaghoobifarah haben den Verdacht gegen ihn erhärtet.
faz.net

Staatsanwaltschaft will nicht gegen Hengameh Yaghoobifarah ermitteln.

taz: Die Staatsanwaltschaft wird voraussichtlich nicht gegen Autor*in Hengameh Yaghoobifarah ermitteln, teilt die Zeitung mit. Nach einer Vorprüfung sieht die Behörde keinen "Anfangsverdacht für eine Straftat"; die Kolumne "All cops are berufsunfähig" sei von der Meinungsfreiheit gedeckt gewesen. Formal ist das Verfahren aber noch nicht abgeschlossen.
taz.de, turi2.de (Background)

Khashoggi-Mord: Gericht mildert die fünf Todes- in Gefängnisstrafen ab.

Khashoggi-Mord: Ein saudi-arabisches Gericht mildert die Todesstrafen der fünf Hauptangeklagten in Gefängnisstrafen à 20 Jahre ab. Auch das Strafmaß der drei weiteren Angeklagten sei reduziert worden. Sie waren wegen "Verschleierung des Verbrechens" zu insgesamt 24 Jahren Haft verurteilt worden.
wsj.com (Paid), turi2.de (Background)

Extinction Rebellion soll als kriminelle Organisation eingestuft werden.

Extinction Rebellion: Die britische Regierung erwägt, die umstrittene Umweltorganisation als kriminelle Organisation einzustufen, schreibt "The Telegraph" - selbst Opfer der Druckerei-Blockade. Die Aktivist*innen werfen dem Medienkonzern News Corp vor, "politische Agenden" zu verfolgen und zu wenig über den Klimawandel zu berichten.
faz.net

Video-Tipp: Immer mehr Ägypterinnen werden nach TikTok-Postings angeklagt.

Video-Tipp: Immer mehr Ägypterinnen werden nach TikTok-Postings aufgrund vermeintlicher Verstöße gegen die öffentliche Moral angeklagt, berichtet ARD-Reporter Alexander Stenzel im "Weltspiegel". Ein Video, in denen eine junge Frau in einem bauchfreien T-Shirt tanzt, richte laut Justiz "großen Schaden in der ägyptischen Gesellschaft" an. Jurist*innen beklagen Willkür und Sexismus.
tagesschau.de (6-Min-Video)

Meinung: Das “Charlie Hebdo”-Team stellt die Ideale über das eigene Leben.

Je suis Charlie 150Je suis Charlie: "Wir haben Euch allein gelassen mit Eurer Sache", entschuldigt sich Martina Meister in der "Welt am Sonntag" bei der Redaktion von "Charlie Hebdo". Das Attentat auf die Satire-Zeitung zeige, dass das "Charlie Hebdo"-Team die Ideale für eine freie, offene Gesellschaft über das eigene Leben stelle.
welt.de (Paid), turi2.de (Background)

US-Präsident Donald Trump fordert die Entlassung einer Fox-News-Reporterin.

Fox News: US-Präsident Donald Trump fordert bei Twitter die Entlassung der Journalistin Jennifer Griffin. Das US-Magazin "The Atlantic" hatte berichtet, Trump habe gefallene US-Soldat*innen als "Verlierer" bezeichnet - was auch Fox News aufgriff. Der Sender gilt allgemein als Trump-freundlich. Griffin habe nie um eine Stellungnahme gebeten, Fox News sei für Trump "verloren".
spiegel.de, twitter.com

Extinction Rebellion blockiert die Druckereien von Rupert Murdoch.

Presse Rebellion: Umweltaktivist*innen von Extinction Rebellion haben in Großbritannien Druckereien blockiert, welche Zeitungen wie "The Sun", "The Times", "The Daily Telegraph", "Daily Mail" und die "Financial Times" produzieren. Die Titel berichteten zu wenig über den Klimawandel und verfolgten "eigene persönliche und politische Agenden". Die Druckereien gehören zum Medienkonzern News Corp von Rupert Murdoch.
faz.net

Proteste in islamischen Ländern: “Charlie Hebdo” erhöht die Auflage.

Gott sieht alles: In zahlreichen islamischen Ländern, u.a. in der Türkei, Ägypten und im Iran, kommt es am Freitagabend zu Protesten gegen die erneute Veröffentlichung von Mohammed-Karikaturen in der französischen Satire-Zeitung "Charlie Hebdo". Die Regierung in Teheran bezeichnet die Zeichnungen als eine "Provokation". "Charlie Hebdo" bringt heute 200.000 weitere Exemplare in den Handel. Die ersten 200.000 Stück - die dreifache Menge der üblichen Auflage - sind bereits vergriffen. Die Satire-Zeitschrift veröffentlichte zum Prozessbeginn am vergangenen Mittwoch eine Sonderausgabe.

Die umstrittene Mohammed-Karikatur erschien erstmals 2005 in einer dänischen Zeitung. Respektlose Darstellungen von Mohammed oder anderen Propheten seien "absolut inakzeptabel", beklagt das iranische Außenministerium. Bei einem Anschlag auf die Pariser Redaktion von "Charlie Hebdo" sowie einen jüdischen Supermarkt starben im Januar 2015 zwölf Menschen. Die Islamisten begründeten das Attentat mit der Veröffentlichung der Karikaturen.
tagesschau.de

Interne Dokumente zeigen das Ausmaß der Überwachung von Julian Assange.

Wikileaks: Julian Assange wurde systematisch überwacht, berichten NDR und WDR über interne Dokumente der Sicherheitsfirma UC Global. Das Personal habe u.a. Besucher*innen von Assange gezielt ausgespäht. Der Sicherheitsdienst bewachte das Londoner Botschaftsgebäude der ecuadorianischen Regierung. Wer die Überwachung von Assange beauftragte, ist unklar.
presseportal.de, tagesschau.de

Staatsanwaltschaft stellt die Ermittlungen gegen die “Financial Times” ein.


Späte Einsicht: Die Staatsanwaltschaft München stellt das Ermittlungsverfahren gegen die "Financial Times"-Journalist*innen Stefania Palma und Dan McCrum ein. Die Bafin hatte 2019 Strafanzeige wegen des Verdachts der Marktmanipulation gestellt. Die Staatsanwaltschaft sieht keine hinreichenden Anhaltspunkte - die Berichterstattung über Wirecard sei "jedenfalls vom Standpunkt der damaligen Informationslage aus weder falsch noch irreführend."

Die "Financial Times" hatte u.a. berichtet, in der Asien-Zentrale von Wirecard habe es undurchsichtige Geschäfte gegeben, Kundenbeziehungen in Dubai seien erfunden worden. Der Aktienkurs des mittlerweile insolventen Zahlungsdienstleisters war daraufhin gesunken. Die Münchener Staatsanwaltschaft hatte nach den Recherchen der "Financial Times" die Ermittlungen aufgenommen.
handelsblatt.com (Paid), turi2.de (Background)

Hauptangeklagter im Mordfall Ján Kuciak freigesprochen.

Slowakei: Im Mordfall Ján Kuciak gibt es einen Freispruch für den Hauptangeklagten Marian Kočner. Der Unternehmer war verdächtigt worden, den Mord an dem Investigativjournalisten und dessen Verlobter Martina Kušnírová in Auftrag gegeben zu haben. Für das Gericht gab es dafür aber nicht genügend Beweise. Ein Mitangeklagter, der bei der Tat im Jahr 2018 geholfen haben soll, wurde dagegen schuldig gesprochen. Der eigentliche Mörder hatte die Tat im Januar gestanden und war im April zu 23 Jahren Haft verurteilt worden.
sueddeutsche.de, deutschlandfunk.de, turi2.de (Background)

ARD-Korrespondent Jo Angerer verlässt Belarus.

ARD-Korrespondent Jo Angerer verlässt Belarus und fliegt nach Deutschland, meldet die "Süddeutsche". Bis andere Optionen geprüft sind, soll das Studio in Moskau über die Lage vor Ort berichten, heißt es von der ARD. Am Wochenende hatte die Polizei in Minsk ein Kamerateam des Senders zeitweise festgehalten und den betroffenen Journalist*innen die Dreherlaubnis entzogen.
sueddeutsche.de, turi2.de (Background)

ARD-Kamerateam wurde in Minsk festgenommen.

Belarus: Die Polizei in Minsk hat am Freitag zwei russische Kameraleute und einen belarussischen Producer, die für die ARD arbeiten, in einer Polizeistation festgehalten. Die beiden Russen wurden des Landes verwiesen. WDR-Fernsehdirektor Jörg Schönenborn spricht von einem "absolut inakzeptablen" Vorfall. Auch Journalist*innen von AFP, AP und der BBC wurde die Arbeitserlaubnis entzogen.
presseportal.de

Wirecard: Gegen die Investigativ-Journalisten wird weiter vermittelt.

Wirecard: Die Münchner Staatsanwaltschaft ermittelt nach wie vor wegen des Verdachts der Marktmanipulation gegen die Journalisten Stefania Palma und Dan McCrum, schreibt Kai-Hinrich Renner. Sie haben den Bilanzskandal um den Finanzdienstleister enthüllt und Unstimmigkeiten bei Wirecard früh bemerkt. 2019 hat die Bafin sie angezeigt und vorher das ihr übergeordnete Finanzministerium über die geplante Anzeige informiert. Das Ministerium habe sich bisher nicht vom Vorgehen der Bafin distanziert, schreibt Renner.
berliner-zeitung.de, turi2.de (Background)

Ungarn: Journalist*innen gründen neues Nachrichtenportal.

Ungarn: Die Journalist*innen, die bisher für die Nachrichtenseite Index.hu arbeiteten, planen ein neues, unabhängiges Nachrichtenportal. Der regierungskritische Chefredakteur des Portals, Szabolcs Dull, war entlassen worden, fast die gesamte Redaktion hat daraufhin aus Sorge um die Pressefreiheit gekündigt. In Ungarn stehen mehr als 80 % der Medien direkt oder indirekt unter Regierungskontrolle, schätzt das Investigativportal Atlatszo.
sueddeutsche.de, turi2.de (Background)

Belarus: Staatlicher Rundfunk bekommt Personalprobleme.

Belarus: Dem staatlichen Fernsehen "laufen wichtige Mitarbeiter sowie vor allem das jüngere Publikum davon", beobachtet Frank Nienhuysen. Angestellte der staatlichen Rundfunkanstalt BT fordern, keine staatlich manipulierten Informationen mehr zu senden, Unternehmen stornieren die Werbung bei staatlichen Sendern. Präsident Alexander Lukaschenko (Foto) habe indes Russland "für alle Fälle um zwei, drei Gruppen von Journalisten" gebeten.
sueddeutsche.de, turi2.de (Background)

“Spiegel”: Russische Söldner spionierten CNN-Team aus.

Liebesgrüße aus Moskau: CNN-Journalist*innen sollen 2019 bei Recherchereisen in die Zentralafrikanische Republik von russischen Söldnern ausgespäht worden sein. "Spiegel", "Bellingcat" und "The Insider" berufen sich auf ein Dokument, das die Absicht zur Komplettüberwachung des CNN-Teams belegt. Jeder öffentliche Schritt der Gruppe um Chefkorrespondentin Clarissa Ward wurde überwacht, ihr Hotelzimmer mit versteckten Kameras ausgespäht und das Material in einer Desinformationskampagne genutzt. Die Journalist*innen wollten u.a. die Aktivitäten russischer Söldner im Land untersuchen. Hinter der Überwachung soll Putin-Freund Jewgeni Prigoschin stehen.
spiegel.de, bellingcat.com (Englisch)

Erneut wurde ein Journalist bei einer Corona-Demo angegriffen.

Pressefreiheit: Am Rande einer Demonstration gegen die Corona-Maßnahmen wurde in Hamburg ein freier Kameramann attackiert. Demo-Teilnehmer beschimpften den Reporter und schlugen ihn anschließend gar mit Fäusten. Er trug eine Platzwunde davon. Schon in der Vergangenheit war es bei Demonstrationen gegen die Corona-Regeln zu verbalen und teils körperlichen Angriffen auf Journalist*innen gekommen.
ndr.de

Berliner Polizei nimmt mehr Angriffe gegen Medienvertreter wahr.

Pressefreiheit: Die Zahl der Angriffe gegen Journalist*innen bei Demonstrationen wie der Corona-Demo in Berlin nimmt "gefühlt" zu, sagt der Berliner Polizeisprecher Thilo Cablitz dem Deutschlandfunk. Ein flächendeckender Schutz von Medienvertretern sei nicht möglich: "Wir können nicht an jeder Stelle überall sein." Grundsätzlich könne eine Demonstration eine "Gefahrensituation" sein. Sie deshalb abzusagen, sei nicht möglich, da die Pressefreiheit nicht über der Versammlungsfreiheit stehe.
deutschlandfunk.de, turi2.de (Background)

Hongkong reagiert mit Trotz auf die Verhaftung von Jimmy Lai.

Protest mit dem Portmonee: Am Tag nach der Festnahme des chinakritischen Medienmanagers Jimmy Lai ist dessen Zeitung Apple Daily in Hongkong vielerorts vergriffen - offenbar kauften viele Einwohner*innen das Blatt aus Protest. Die Zeitung titelt heute: "Apple Daily muss weiter kämpfen". Auch an der Börse erhält Jimmy Lai Rückendeckung: Der Aktienkurs seines Konzerns Next Digital legt zeitweise um 300 % zu.
zdf.de, turi2.de

Meinung: Deutschland kann von Medien-Förderung im Ausland lernen.

Presseförderung: Die Annahme, "dass Politik überhaupt kein Interesse daran hat, Medien in ihrem Sinne zu beeinflussen", sei naiv, schreibt Alexander Graf. Das Beispiel Skandinavien zeige aber, dass staatliche Förderprogramme die Pressefreiheit nicht zwangsläufig einschränken. „Es verwundert, wie ablehnend in der Bundesrepublik über eine direkte Förderung gesprochen wird“, sagt der Schweizer Medienforscher Manuel Puppis der "taz".
taz.de

Winston Churchill warf “Daily Herald” 1929 Fake News vor.

History repeats itself: Winston Churchill stritt 1929 mit dem Daily Herald über ein Foto, auf dem er ein Buch mit dem Titel "War" in der Hand hält. Eines seiner Lieblingsthemen, scherzt die Bildunterschrift. Churchill witterte Fake News, eine Analyse zeigte aber, dass das Bild echt ist. Die wiederentdeckte Anekdote erinnert an kritikunfähige Staatsmänner der Gegenwart: Eine Entschuldigung für die falschen Vorwürfe gab es von Churchill nie.
theguardian.com

Video-Tipp: Kabarettist Florian Schroeder testet Grenzen der Meinungsfreiheit aus.

Video-Tipp: Kabarettist Florian Schroeder spricht auf Einladung der Organisatoren bei der "Querdenken"-Demo in Stuttgart und testet dort, teils unter Buh-Rufen, die Grenzen der Meinungsfreiheit aus. Freiheit bedeute auch, einen wie ihn auszuhalten, "der nicht nicht das sagt, was ihr hören wollt". Freiheit, die sich nur als Verantwortungs­losigkeit zeigt, sei das Ende der Freiheit.
youtube.com (12-Min-Video), turi2.de (Background)

Weißrussland verhaftet und verurteilt einen Reporter der Deutschen Welle.

Deutsche Welle: Ein Reporter des deutschen Auslandssenders ist in Weißrussland verhaftet und zu zehn Tagen Gefängnis verurteilt worden. Die Richter werfen ihm angebliches "Rowdytum" vor. Intendant Peter Limbourg spricht von einem "fadenscheinigen Vorwand", um kritische Berichte im Vorfeld der Präsidenten­wahl an diesem Sonntag zu verhindern.
rnd.de, dw.com

Meinung: Bei Demonstrant*innen der Anti-Hygiene-Demos ist “kein Durchkommen”.

Lügenpresse: BR-Hauptstadt-Korrespondentin Barbara Kostolnik hat keine Antwort darauf, wie Journalist*innen mit Anfeindungen auf Anti-Hygiene-Demos umgehen sollen. Es sei frustrierend, dass sie mit den Demonstrant*innen partout nicht ins Gespräch kämen, weil die Protestierenden kein demokratisches Grundvertrauen hätten und somit "kein Durchkommen" sei.
br.de

Zitat: Dunja Hayali berichtet von “absurder Mischung” auf Corona-Demo.

"Da lief jemand mit einer Regenbogen-Fahne direkt neben jemandem, der eine Reichsflagge trug."

ZDF-Journalistin Dunja Hayali hat der "Mix der Menschen" bei der Demo gegen die Corona-Maßnahmen am Wochenende in Berlin erschrocken, sagt sie der "Zeit". Hayali und ihr Team brachen einen Dreh vor Ort ab, weil Teilnehmer*innen sie bedrängt hatten.
zeit.de (Paid), turi2.de (Background)

Lese-Tipp: Wie Anwaltskanzleien versuchen, Journalist*innen einzuschüchtern.

Lese-Tipp: Ein AfD-nahes Bauunternehmen fühlt sich von einem Bericht des "Tagesspiegel"-Journalisten Sebastian Leber diskreditiert. Leber bekommt Post vom Anwalt der Firma, der Unterlassung und Schadenersatz fordert. Begründung: Leber habe in seinem Text den zweiten Geschäftsführer der Firma unerwähnt gelassen. Für Leber sind Fälle wie diese "unbeholfene Versuche, durch offensichtlich ungerechtfertigte Forderungen kritische Berichterstattung zu verhindern".
tagesspiegel.de

Zahl des Tages: Ägyptisches Gericht verurteilt erneut eine Influencerin zu Haft.

Zahl des Tages: Bereits die 6. Influencerin innerhalb einer Woche hat ein ägyptisches Gericht zu einer Freiheitsstrafe verurteilt. Die Fashion-Bloggerin Manar Samy muss wegen angeblicher "Anstiftung zur Ausschweifung und Unmoral" drei Jahre in Haft und zusätzlich eine Geldstrafe von umgerechnet knapp 16.000 Euro zahlen. Erst am Montag waren fünf andere ägyptische Influencerinnen zu zwei Jahren Haft verurteilt worden.
spiegel.de

Nach “NSU 2.0”-Drohmails an Illner und Co gab es zwei Festnahmen.

NSU 2.0: Ein ehemaliger bayerischer Polizist und seine Ehefrau wurden am Freitag vorläufig festgenommen, teilt die Frankfurter Staatsanwaltschaft mit. Das Paar wird verdächtigt, rechtsextremistische und mit "NSU 2.0" unterzeichnete Drohschreiben verschickt zu haben, u.a. an die Redaktion von Maybrit Illner (Foto) und an den Journalisten Deniz Yücel. Vorerst sind die Tatverdächtigen wieder frei. Bei der Durchsuchung der Wohnung seien Datenträger beschlagnahmt worden, deren Auswertung andauere.
spiegel.de, deutschlandfunk.de, turi2.de (Background)

Ungarns regierungskritisches Portal Index droht die Unabhängigkeit zu verlieren.

Pressefreiheit: Das reichweitenstarke Nachrichtenportal Index, eines der letzten regierungskritischen Medien Ungarns, droht die Unabhängigkeit zu verlieren, berichtet Deutschlandfunk. Der Unternehmer Miklos Vaszily hat 50 % der Anteile des Anzeigen-Vermarkters gekauft - er steht Ministerpräsident Viktor Orban (Foto) nahe. Der regierungskritische Chefredakteur Szabolcs Dull wurde entlassen.
tagesschau.de

EU-Kommission sieht Medien in Europa als “extrem gefährdet”.

Pressefreiheit und journalistische Vielfalt haben in der EU einen zunehmend schweren Stand, zeigt eine Analyse des European University Institute. Demnach sehen sich Journalist*innen häufiger Drohungen und Belästigungen sowie dem Druck durch Tech-Riesen wie Google ausgesetzt. Die Medien in Europa seien "extrem gefährdet", sagt EU-Kommissarin Věra Jourová. Die Mitgliedstaaten sollten den Journalismus gesetzlich unterstützen.
sueddeutsche.de, eui.eu (Bericht "Media Pluralism Monitor")