Instagram soll Trump-Hashtags zulasten von Biden ausgespielt haben.

Trump-stagram: Der Algorithmus von Facebooks Foto-Plattform Instagram hat offenbar Pro-Trump-Inhalte denen seines demokratischen Rivalen Joe Biden über Wochen vorgezogen, entdeckt das US-amerikanische Tech Transparency Project. Wer in den letzten Wochen auf beliebte Trump-Hashtags klickte, darunter #trump oder #presidenttrump, habe demnach keinerlei verwandte Hashtags angezeigt bekommen. Bei Biden-Hashtags wie #joebiden oder #teambiden habe Instagram dagegen Hashtags vorgeschlagen, die den Herausforderer in ein schlechtes Licht rücken oder Falschinformationen streuen, darunter #creepyjoebiden oder #joebidenpedophile. Außerdem hätten die Biden-Hashtags auf positive Trump-Posts geführt, während bei Trump keine Inhalte aus dem demokratischen Lager zu sehen gewesen seien. Instagram hat die Politiker also offenbar unterschiedlich behandelt.

Ein Sprecher räumt den Fehler gegenüber BuzzFeed News grundsätzlich ein und bezeichnet ihn als "bug". Zehntausende Hashtags seien betroffen gewesen. Das "Related Hashtags"-Feature hat Instagram nach der Medienanfrage vorerst abgeschaltet. Weil auch bei Begriffen wie #democrats keine Vorschläge angezeigt worden seien, wirft Instagram dem Tech Transparency Project per Twitter "Rosinenpickerei" vor, um eine "sensationelle Geschichte" zu liefern.

Der Fund erinnert jedenfalls an die Rolle von Facebook während des US-Präsidentschaftswahlkampfs im Jahr 2016. Damals hatte der Social-Media-Riese zu wenig gegen die politische Beeinflussung von Wähler*innen auf seiner Plattform unternommen. Jetzt muss sich die Instagram-Mutter den Vorwurf gefallen lassen, aus den alten Fehlern noch immer nicht gelernt zu haben.

Ebenfalls am Mittwoch hat Facebook einen Facebook-Post von Trump gelöscht. Begründung: Der Beitrag habe Falschinformationen zu Corona enthalten.
techtransparencyproject.com, buzzfeednews.com, theverge.com, techcrunch.com, edition.cnn.com (Facebook-Post gelöscht)

Basta: Ursula von der Leyen mag Roggen-Vollkornbrot im EU-Parlament.

Eine Frau sieht Brot: Die TV-Köchin und grüne Europa-Abgeordnete Sarah Wiener steckt im Parlament sogar Konservativen Früchtebrei und Vollkornbrot zu, beobachtet Ursula von der Leyen (Foto). Für die Kommissionspräsidentin gab es schon hausgemachte Bio-Wurst, schreibt sie in einem Gastbeitrag für die "Zeit". In Brüssel scheint die alte Büro-Masche aufzugehen – und kollegiale Beliebtheit genau wie Politik durch den Magen zu gehen.
zeit.de (Paid)

Nico Hofmann und Henning Tewes fordern einen 50-Mio-Ausfallfonds.

Vollkasko-TV: Ufa-Chef Nico Hofmann (Foto) und RTLs TV-Now-Chef Henning Tewes fordern in einem Gastbeitrag in der "FAZ" einen Ausfallfonds für TV- und Filmproduktionen nach dem Vorbild einer Kaskoversicherung. Sender und Produzent sollen jeweils 10 % der gemeldeten Schadenssumme selbst zahlen. Eine unabhängige Stelle soll die Schadenssumme ermitteln. Die Deckungssumme von 50 Mio Euro soll von den Ländern kommen.
faz.net via dwdl.de

Lese-Tipp: Christian Drosten will die Gesundheitsämter vor allem auf Cluster ansetzen.

Lese-Tipp: Christian Drosten empfiehlt in einem Gastbeitrag in der "Zeit", die Gesundheitsämter im Herbst vor allem auf Corona-Fälle anzusetzen, in denen Infektionscluster entstehen können. Sie sollten darauf achten, ob die Ansteckung bei einer Gelegenheit erfolgte, bei der sich auch andere das Virus eingefangen haben können, zum Beispiel in einem Großraumbüro oder einem Schulkurs. Dann sollten alle Teilnehmer schnell in Quarantäne. "Für Tests fehlt die Zeit. Politik, Arbeitgeber und Bürger müssen dies erklärt bekommen", schreibt Drosten. Die Isolierung solcher Cluster könnte kürzer ausfallen als bisher und mit einem Test enden. Bürger sollten zudem Kontakttagebücher führen, schreibt Drosten.
zeit.de (Paid)

Hör-Tipp: “Cicero”-Chef Christoph Schwennicke angelt sich durchs Leben.

Hör-Tipp: "Cicero"-Chefredakteur Christoph Schwennicke ist profilierter Polit-Journalist und passionierter Angler. Im Podcast Entscheider treffen Haider erzählt Schwennicke u.a. wie er beim G8-Gipfel in Heiligendamm Hornhechte Merkel, Putin und Obama vorgezogen hat und warum das Thema Angeln auf Partys bei Frauen "der absolute Abtörner" ist. Seine vier Jahr im "'Spiegel'-Soziotop" nennt er "nicht die allerschönste Zeit". Von Journalist*innen wünscht er sich mehr "kritisches Gegenbürsten".
abendblatt.de (68-Min-Audio)

Stadt Hamburg will Gruner+Jahr-Haus doch nicht kaufen, Investor übernimmt.

Gruner + Jahr: Die Stadt Hamburg tritt vom Kauf des prägnanten Verlagshauses am Baumwall zurück, berichtet der NDR. Stattdessen übernimmt ein Konsortium um den New Yorker Immobilienkonzern Tishman Speyer das denkmalgeschützte Gebäude zu einem ungenannten Preis. Dort sollen nach dem Umzug von G+J in die Hafencity Büros, Läden und Wohnungen entstehen.
ndr.de, turi2.de (Background)

Telekom Baskets Bonn entlassen Nationalspieler Joshiko Saibou nach Teilnahme an Corona-Demo.

Ausgedribbelt: Der Basketball-Bundesligist Telekom Baskets Bonn trennt sich von seinem Spieler Joshiko Saibou, nachdem der am Wochenende ohne sich an die Hygienevorschriften zu halten an der Corona-Demo in Berlin teilgenommen hat. Der Verein begründet die Kündigung mit Verstößen gegen den Arbeitsvertrag. Geschäftsführer Wolfgang Wiedlich sagt, der Club könne "ein permanentes Infektionsrisiko, wie es der Spieler Saibou darstellt" gegenüber dem eigenen Team und Gegnern nicht verantworten. Bereits zuvor war der zweimalige Nationalspieler mit ablehnender Haltung zur Maskenpflicht aufgefallen. Damals distanzierte sich der Verein von den Aussagen.
faz.net

Wirecard: Prüfaufsicht des Wirtschaftsministeriums kontrolliert EY seit 2019.

Wirecard: Die Wirtschaftsprüferaufsicht des Bundeswirtschaftsministeriums ermitteltet bereits seit Oktober 2019 gegen das Unternehmen EY, schreibt das "Handelsblatt". Die beim Wirtschaftsministerium angesiedelte Prüfaufsicht habe die durch EY beaufsichtigten Jahres- und Konzernabschlussprüfungen von Wirecard ab dem Jahr 2015 "auf die Einhaltung der gesetzlichen und berufsrechtlichen Vorgaben" kontrolliert.
handelsblatt.com

Bild des Tages: Maske weg, Schulanfang!


Rückkehr in rosarot: In Schwerin gibt eine junge Schülerin ihrem Vater am ersten Schultag nach den Sommerferien auf dem Grundschulhof einen Kuss. Beide tragen Corona-Maske. Unter Pandemie-Bedingungen hat in Mecklenburg-Vorpommern am heutigen Montag der Unterricht wieder begonnen. Eine Maskenpflicht an Schulen gilt hier, anders als etwa in NRW, bisher allerdings nicht. Die Kultusminister der Länder haben vereinbart, dass Schulen nach den Ferien trotz der Corona-Pandemie in den Regelbetrieb zurückkehren. (Foto: Jens Büttner / dpa / Picture Alliance)

ARD pocht auf Ausfallfonds für Filmwirtschaft.

ARD unterstützt die Forderung nach einem staatlichen Ausfallfonds für Produktionsfirmen, teilt MDR-Intendantin und ARD-Filmintendantin Karola Wille mit. Es müsse "gelingen, die Vielfalt und Kreativität der deutschen Produktionslandschaft zu erhalten". Die ARD kündigt an, statt bis Ende Juli bis Ende August 50 % der durch Corona entstehenden Mehrkosten bei ihren Produzent*innen zu übernehmen.
presseportal.de, turi2.de (Background)

Paul-Bernhard Kallen sieht Burda trotz Corona auf gutem Kurs und fordert eine europäische Digital-Infrastruktur.


Auf Kurs: Burda ist an der Corona-Krise offenbar nur mit einer Delle vorbeigeschrammt. "Wir haben im ersten Halbjahr mehr oder weniger den gleichen Umsatz gemacht wie 2019. Es gab also keinen Einbruch", sagt Burda-Vorstandschef Paul-Bernhard Kallen im "Handelsblatt"-Interview. Das geplante Wachstum von 4,5 % sei jedoch ausgeblieben. "Wachstum und Aufräumen" standen bei Burda schon vor Ausbruch der Corona-Krise im Vordergrund, sagt Kallen, daher sei der Verlag "mit einem gewissen Kostenvorteil ins Jahr gestartet", der "manches abgefedert" habe. Das klassische Anzeigengeschäft sei rückläufig, aber "nach wie vor lukrativ", mache mit 3 bis 4 % jedoch "einen sehr geringen Anteil am Konzern­umsatz" aus. Das Tourismus- und Eventgeschäft dagegen ist auch bei Burda komplett weggebrochen. Kallen glaubt jedoch, dass Reisen "ein Grundbedürfnis der Menschen" ist und will mit Holidaycheck künftig mehr eigene Reisepakete verkaufen. Im Event-Geschäft gehe ohne physische Treffen "ein Teil von dem verloren, was so einen Event ausmacht". Webinare könnten zwar "die bestehende Community am Leben erhalten", aber nur schwerlich eine neue aufbauen.

Im Interview spricht sich Kallen auch für eine eigene digitale Infrastruktur in Europa aus. "Wir müssen den bestehenden Playern Vorschriften machen, wie unsere Infrastruktur auszusehen hat. Diese Vorschriften müssen Europas Werte widerspiegeln, Werte wie Datenschutz, Datensicherheit, Datenintegrität." EU-Wettbewerbs­kommissarin Margrethe Vestager habe zwar "eine ganze Reihe mutiger Entscheidungen getroffen", an den Spielregeln habe sie aber nichts verändern können. "Wir beschützen die Bürger in Deutschland sehr effizient vor deutschen Unternehmen, aber null vor außereuropäischen Unternehmen. Das ist ein Akt der Selbstgeißelung, der mir nicht einleuchtet", sagt Kallen.

Zu seiner eignen Zukunft bei Burda sagt Kallen, 63, es gebe "eine klare Regelung", was passiert, "wenn mir ein Ziegelstein auf den Kopf fällt". Einmal im Jahr überdenke er, welche Vorkehrungen für den "Ziegelsteinfall" notwendig sind. Kallen verspricht: "Ich werde nicht fahnenflüchtig und gründe mein nächstes Digitalunternehmen. Obwohl die Versuchung groß ist." (Foto: Imago Images)
handelsblatt.com (Paid)

Meinung: Desinformationen zur Corona-Demo sollen das Vertrauen in Medien untergraben.

Corona-Demo: Insbesondere Verschwörungsideologen und rechtsextreme Kräfte, aber auch u.a. die AfD, verbreiten gezielt manipulierende Beiträge, wonach die Teilnehmerzahlen bei den Demonstrationen in Berlin deutlich über den Angaben der Polizei lagen, beobachtet Patrick Gensing. Damit wollen die Ideologen den Teilnehmenden das Gefühl geben, Polizei und Medien würden sich gegen sie stellen. Für Zahlen von mehreren hunderttausend Demonstrierenden gebe es keine Belege.
tagesschau.de

Microsoft bestätigt TikTok-Verhandlungen, Deadline am 15. September.

Microsoft bestätigt in einem Statement Verhandlungen über eine Übernahme des US-Geschäfts von TikTok von ByteDance. Laut Microsoft gab es dazu ein Gespräch zwischen Firmenchef Satya Nadella und Donald Trump. Microsoft kündigt an, möglicherweise weitere US-Investoren für Minderheitsanteile gewinnen zu wollen. Die Gespräche über eine mögliche Übernahme will Microsoft spätestens am 15. September beenden.
techcrunch.com, turi2.de (Background)

Trump-Nominierungsparteitag soll ohne Presse stattfinden.

Fehlt News: Die US-Republikaner wollen ihren Nominierungsparteitag für Donald Trump dieses Jahr unter Ausschluss der Presse veranstalten. Die Partei begründet die Maßnahme mit Beschränkungen wegen des Coronavirus. Es wäre der erste Nominierungsparteitag der neueren Geschichte ohne unabhängige Reporter. Normal sind US-Nominierungsparteitage eher als Medienspektakel ausgelegt denn als innerparteiliche Veranstaltung.

Der Parteitag sollte ursprünglich in Florida stattfinden. Trump, obwohl zuvor selbst zu einer Wahlkampf-Großveranstaltung in der Pandemie angetreten, sagte das Zusammentreffen ab. Es ist nun mit nur 336 Delegierten am 24. August in North Carolina geplant. Ursprünglich sollten rund 19.000 Parteianhänger zusammen kommen.
rnd.de

Video-Tipp: Tilo Jung, Wolfgang Schmitt und Gert Scobel sprechen über die Welt nach Corona.

Video-Tipp: Tilo Jung und Wolfgang Schmitt sprechen mit dem Philosophen Gert Scobel über die Gesellschaft nach und während Corona. Viele Menschen würden zum Leben vor Corona zurückkehren wollen, weil es scheinbar bequem wirke, sagt Scobel. Schmitt hält entgegen, dass es falsch wäre zu vergessen, was vorher schlecht lief. Ihren Talk beginnen die drei mit einen Blick auf die gestrigen Demonstrationen in Berlin. Der Kampf gegen die Maskenpflicht habe auch Spuren von Rassismus in sich. Doch nicht nur selbsterklärte Widerstandskämpfer seien ein Problem, sondern auch Prominente, die mittlerweile wieder durch die Welt reisen und so tun, als sei alles vorbei.
youtube.com (1:40-Std-Video)

Experten raten dazu, in der Corona-Krise nicht zu stark gegen Schwarzarbeit vorzugehen.

Schwarzarbeit wächst in Folge der Corona-Krise, was aber nicht zwingend schlecht ist, schreibt Karsten Seibel. Experten sagen, eine krisenbedingt erhöhte Schwarzarbeit federe für viele Bürger*innen die Folgen des Wirtschaftseinbruchs ab. Das so verdiente Geld fließe dennoch in die Wirtschaft zurück, der Schaden für die Staatskasse zu verkraften.
"Welt am Sonntag", S. 28 (Paid)

Reuters: ByteDance übergibt das US-Geschäft von TikTok an Microsoft.


MicroTok: ByteDance, der chinesische Mutterkonzern hinter TikTok, und Microsoft haben sich auf einen Deal geeinigt, berichtet Reuters. Demnach würde Microsoft das US-Geschäft der App übernehmen und ByteDance als Gesellschafter dort aussteigen. Microsoft wäre dann auch für alle Nutzerdaten in den USA verantwortlich. Einige in den USA ansässige Investoren können dem Bericht zufolge weiter einen Minderheitsanteil halten. Auch ByteDance hatte dies ursprünglich vor. Der Plan ist jedoch wohl vom Tisch, weil er keine Zustimmung durch die US-Regierung bekommen hätte. Finanzielle Eckpunkte des Deals sind bislang nicht bekannt, ebensowenig ob Trump dem Deal zustimmen wird.

Mit dem Handel versucht ByteDance, TikTok in den USA zu retten. Erst Freitag hatte US-Präsident Donald Trump angekündigt, die App in den USA zu verbieten. Seine Administration wirft TikTok vor, Nutzerdaten an chinesische Geheimdienste weiterzuleiten. TikTok selbst wendet sich mit einer Botschaft an seine Nutzer und sagt, der Dienst habe nicht vor, zu verschwinden.
reuters.com, turi2.de (Background)

Corona-Demo in Berlin nach Verstößen gegen die Hygieneregeln aufgelöst.

Corona-Demo in Berlin zieht am Samstag rund 17.000 Menschen an, eine weitere Kundgebung rund 20.000. Da Abstands- und Hygieneregeln nicht eingehalten werden, löst die Polizei die Veranstaltungen vorzeitig auf. Die Journalistin Dunja Hayali muss nach Anfeindungen einen Dreh vor Ort abbrechen, da die Sicherheit des Drehteams nicht weiter gewährleistet gewesen wäre.
spiegel.de, tagesschau.de, bild.de (Hayali)

Zahl des Tages: Hamburger Polizei nutzte schon fünf Mal Corona-Gästelisten.

Zahl des Tages: In mindestens 5 Fällen hat die Polizei in Hamburg bei Ermittlungen auf Kontaktdaten von Corona-Gästelisten in Restaurants zugegriffen. Das geht aus einer Bürgerschaftsanfrage hervor. In vier Fällen handelte es sich um strafrechtliche Ermittlungen, einmal um einen Verkehrsunfall. Weil die Polizei den Zugriff nicht statistisch erhebt, könnte es noch mehr Fälle geben. Datenschützer*innen kritisieren das Vorgehen als Missbrauch.
hamburg.de

Zahl des Tages: Die EU sichert sich weitere 300 Mio Dosen Corona-Impfstoff.

Zahl des Tages: Weitere 300 Mio Dosen eines möglichen Corona-Impfstoffes will sich die EU sichern. Mit dem französischen Pharmaunternehmen Sanofi hat die Kommission Vorgespräche für einen entsprechenden Vertrag abgeschlossen. Die EU würde sich an den Entwicklungskosten beteiligen und dafür 300 Mio Dosen reservieren. Im Juni hat sich die EU bereits 300 Mio Impfdosen der Firma AstraZeneca gesichert.
spiegel.de

Bloomberg: Donald Trump will Bytedance zwingen, TikTok zu verkaufen.

TikTok soll nach dem Willen der US-Regierung in den USA nur dann ein Verbot umgehen können, wenn die chinesische Mutter Bytedance das US-Geschäft der App verkauft. Das meldet Bloomberg und bringt Microsoft als potentiellen Käufer ins Spiel. Anfang Juli hatte bereits US-Außenminister Mike Pompeo ähnliche Pläne geäußert. Viele US-Politiker äußern Bedenken, Bytedance könnte US-Nutzerdaten an chinesische Geheimdienste weiterleiten.
bloomberg.com, faz.netturi2.de (Background)

Deutschland liefert vorerst niemanden mehr nach Hongkong aus.

Völkerrecht: Die Bundesregierung setzt das Auslieferungsabkommen mit Hongkong bis auf weiteres aus. Deutschland folgt damit dem Beispiel von Großbritannien und den USA. Hintergrund sind die verschobenen Wahlen in Hongkong und das zuletzt erlassene Sicherheitsgesetzt, das der Volksrepublik China ermöglicht, zahlreiche Freiheitsrechte in Hongkong einzuschränken.
tagesschau.de

Bild des Tages: SPD schasst Thilo Sarrazin.


Kalt gestellt: Mit Mund- und Nasenmaske wartet Thilo Sarrazin im Atrium des Willy-Brandt-Haus neben der Statue von Willy Brandt auf die Entscheidung der Bundesschiedskommission der SPD. Sie hat heute über den Parteiausschluss Sarrazins verhandelt – und diesen erlaubt. Die SPD-Spitze wirft Sarrazin Rassismus und Islamfeindlichkeit vor. Er hat angekündigt, sich wieder in die Partei einzuklagen. (Foto: Wolfgang Kumm/dpa/picture alliance)

SPD darf Thilo Sarrazin ausschließen, entscheidet die Bundesschiedskommission.

SPD darf sich von ihrem umstrittenen Mitglied und Autor Thilo Sarrazin trennen, entscheidet die Bundesschiedskommission als letzte innerparteilich Instanz. Die SPD-Spitze wirft Sarrazin Rassismus und Islamfeindlichkeit vor, Auslöser war sein 2018 erschienenes Buch "Feindliche Übernahme: Wie der Islam den Fortschritt behindert und die Gesellschaft bedroht". Sarrazin hat angekündigt, sich wieder in die Partei einzuklagen.
sueddeutsche.de, spiegel.de

“Spiegel”: AfD-Zuwendung des Ingenieurs Strangfeld ist rund 14,4 Mio Euro wert.

AfD-Spende: Rund 14,4 Mio Euro beträgt die größte bekannte Einzelzuwendung in der bundesdeutschen Parteiengeschichte, das Erbe des Ingenieurs Reiner Strangfeld an die AfD, berichtet der "Spiegel". Bisher wurde sie auf lediglich die Hälfte, nämlich rund 7 Mio, geschätzt. Die Wertsteigerung ergibt sich vor allem aus dem Goldpreis, der seit dem Tod Strangfelds gestiegen ist. Ein Teil des Erbes sind 133 Goldbarren zu ein Kilogramm und zehn Barren zu 500 Gramm. Das Erbe soll in den kommenden zwei Wochen übergeben werden.
"Spiegel" 32/2020, S. 27

Google kennzeichnet “Black-owned Businesses” mit eigenem Label.

Google führt ein Label für "Black-owned Businesses" in der Suche und Google Maps ein, um Inhaber*innen der Black Community zu unterstützen. Es zeigt ein schwarzes Herz vor orangefarbenem Hintergrund. Wie Google prüfen will, ob die Unternehmer*innen tatsächlich Schwarze sind, sagt der Konzern nicht. Um das Label zu bekommen, müssen sich Unternehmen "per Mail, Telefon oder Post verifizieren".
theverge.com

Medienkorrespondenz: ARD will Polit-Talk-Verträge bis 2023 verlängern.

ARD will die Verträge mit den Polit-Talkshows von Anne Will, Frank Plasberg und Sandra Maischberger um weitere drei Jahre bis Ende 2023 verlängern, schreibt Medienkorrespondenz.de. Der WDR würde gern mehr Ausgaben beauftragen, die anderen ARD-Anstalten unterstützten das aber aus wirtschaftlichen Gründen nicht. Dass Will, Plasberg und Maischberger die Sendungen mit ihren eigenen Firmen produzieren, sei ein Vorteil, weil so bei den Sendern selbst kein Redaktionspersonal dauerhaft angestellt werden müsse.
medienkorrespondenz.de

Wir graturilieren: Philip Banse wird 48.


Wir graturilieren: Der Journalist und Polit-Podcaster Philip Banse feiert heute seinen 48. Geburtstag mit Freunden und Familie in Berlin. Das Beste im abgelaufenen Lebensjahr war für ihn die Unterstützung, die sein Podcast Lage der Nation von Hörer*innen bekommen habe. Ohne die Spenden und vielen neuen Abos "wäre die Lage für uns eine andere in Corona-Zeiten". Auf die Gesellschaft bezogen freue ihn, dass die deutsche Politik gezeigt habe, "dass sie Krisen gewachsen ist". Dabei sei deutlich geworden: "Auch in der Klimakrise kann Politik einen Unterschied machen – wenn sie denn will, auf die Wissenschaft hört und mutig ist." Fürs kommende Jahr wünscht sich Banse, dass die Corona-Pandemie zu einem ökologischen, digitalen und sozialen Umbau von Wirtschaft und Gesellschaft führt. Glückwünsche erreichen ihn u.a. bei Twitter oder per E-Mail. (Foto: Johnny Haeusler)

Jugendliche Gründer stoßen oft auf Hürden.

Jugendlichen Gründer*innen steht oft die Bürpkratie im Wege, schreibt Sebastian Späth im "Handelsblatt" über die Probleme von Jung-Gründern wie Charles Bahr (Foto). Auch aus den Schulen komme zu wenig Verständnis, dabei könne sich Deutschland die "Gering­schätzung von Gründern eigentlich nicht leisten". Prominente Unterstützung kommt von FDP-Chef Christian Lindner, der selbst als Jugendlicher schon unternehmerisch tätig war.
"Handelsblatt", S. 54/55 (Paid)

SAP und Telekom sollen Datenaustausch europäischer Corona-Apps betreuen.

Corona-Warn-App: SAP und die Deutsche Telekom sollen eine Plattform aufbauen und betreiben, über die nationale Corona-Apps verschiedener Länder Daten austauschen können, berichtet die "Wirtschaftswoche". Ein Konzept der beiden Konzerne, die die deutsche App entwickelt haben, habe von der EU-Kommission den Zuschlag erhalten, Verträge sollen "kurzfristig unterschrieben werden", die Plattform soll "ab Spätsommer" bereitstehen. Der Datenaustausch mit Apps aus Ländern, die ihre Daten zentral verarbeiten, etwas Frankreich, sei vorerst nicht geplant.
"Wirtschaftswoche" 32/2020, S. 6 (Paid)

Zitat: Joschka Fischer sieht die Krise als Beginn einer Transformation.

"Die Corona-Krise setzt einen Endpunkt für jene Zeit einer naiven menschlichen Fortschrittsidee, die glaubte, die unbeabsichtigten Folgen des Wachstums der Menschheit und ihrer Industrie­gesellschaften gegen alle wissen­schaftlichen Fakten und Mahnungen weiter verdrängen zu können."

Der frühere Bundesaußenminister Joschka Fischer sieht die Krise als Beginn einer "großen Transformation", bei der die Menschheit Verantwortung für ihr Handeln übernimmt, schreibt er im "Handelsblatt". Von Europa erwartet Fischer den Mut, dabei eine Führungsrolle einzunehmen.
"Handelsblatt", S. 64 (Paid)

TikTok startet europaweiten Fonds und will Influencer*innen mit 60 Mio Euro fördern.


Es regnet chinesisches Geld: TikTok unterstützt über einen Kreativitäts-Fonds Inhalte-Ersteller*innen in Europa mit 60 Mio Euro. Nähere Details zur Bewerbung will die Plattform in den nächsten Wochen bekanntgegeben. Deutschland ist einer der Kernmärkte von TikTok, der Fonds richtet sich aber auch an Influencer*innen in Frankreich, Italien, Großbritannien und Spanien. Er soll innerhalb von drei Jahren auf insgesamt rund 255 Mio Eurowachsen.

TikTok hat kürzlich angekündigt, seine Algorithmen, Datenströme und Moderationsregeln in einem "Transparency and Accountability Center" offenzulegen, um zu beweisen, dass es seiner Verantwortung nachkomme und sich an das jeweils geltende Recht halte. Wer genau in diesem Center Einblicke erhalten wird, ist aber nicht klar. CEO Kevin Mayer forderte Unternehmen wie Facebook auf, es TikTok gleichzutun.
horizont.net, presseportal.de, t3n.de (Algorithmus), turi2.de (US-Fonds)

Meinung: Netflix bringt Liberalismus in autoritäre Staaten.

Netflix bringt "neben dem Kapitalismus auch ein bisschen Liberalismus mit sich", schreibt Alice Bota. Die Moskau-Korrespondentin der "Zeit" beobachtet, dass Streamingdienste in autoritären Staten Tabu-Themen wie Homosexualität, Rassismus und Menschenrechte ins Bewusstsein junger Menschen bringen. Verbote seien nutzlos und könnten leicht umgangen werden.
"Zeit" 32/2020, S. 1 (Paid)