Die europäische Cloud soll als Netzwerk von mehreren Anbietern kommen.


Wolkenfront: Die Pläne für eine europäische Cloud-Alternative zu Microsoft, Amazon und Google werden konkreter, berichtet die "FAZ". Laut einem internen Papier des Bundeswirtschaftsministeriums soll die Cloud unter den Namen Gaia-X als offenes Netzwerk entstehen. Konkret soll Gaia-X als noch nicht definierte Körperschaft die Regeln vorgeben und die Technik steuern. Kleinere Unternehmen steuern die Rechenkraft bei, die Gaia-X virtuell vernetzt. Kunden würden ihre Verträge mit Gaia-X abschließen, als potentiellen Großkunden sieht sich die Bundesregierung selbst.

Welche Unternehmen als Partner an Gaia-X beteiligt sein können und wie viel Geld das Ministerium investiert, ist bislang nicht bekannt. Laut "FAZ" werde das Ministerium in der kommenden Woche bereits die abschließenden Gespräche mit den beteiligten Firmen führen. Wirtschaftsminister Altmaier sagt er sei zuversichtlich, dass sein Haus "in den nächsten Tagen" konkrete Umsetzungsschritte bekannt geben könne.
"FAZ", S. 17 (Paid)

Google und Mozilla blocken kasachisches Schnüffel-Zertifikat.

Google und Mozilla, Herausgeber der Browser Chrome und Firefox, blockieren Kasachstans verpflichtendes Root-Zertifikat. Das autoritär regierte Land zwingt Bewohner, es zu installieren, um Zugriff auf das Internet zu erhalten. Die Behörden nutzen es, um den Netzwerkverkehr etwa zu Facebook, Twitter und Google zu entschlüsseln und auszuwerten.
techcrunch.com

Basta: Hoffentlich löst er das Problem nicht Nuuk-lear.

Denen ne Mark: Donald Trump, den der Amtsarzt weiterhin US-Präsident sein lässt, sagt ein geplantes Treffen mit der dänischen Regierungschefin Mette Frederiksen ab. Ihr Vergehen: Sie will nicht über Trumps Wunsch sprechen, den Dänen ihr autonomes Territorium Grönland abzukaufen.
faz.net

Die EU-Kommission untersucht Facebooks Kryptowährung Libra.


Unter Beobachtung: Die EU-Kommission untersucht Facebooks Pläne für die eigene Kryptowährung Libra, berichtet Bloomberg. Konkret würden sich die Wettbewerbshüter sorgen, dass Facebook und die in der Libra Association verbundenen Unternehmen auf unerlaubte Weise Konkurrenten ausschließen könnte. Dies betreffe insbesondere die gewonnenen Daten über die Nutzer. Die EU-Kommission untersuche aber auch, wie Facebook Libra in seine Messenger-Dienste wie WhatsApp integrieren wolle.

Facebook hat bislang angekündigt, vor den Start der Währung alle Bedenken von Regulatoren ausräumen zu wollen. Durch die neuen Untersuchungen der EU könnte sich somit der für die erste Hälfte 2020 geplante Start verschieben. Auch in den USA regt sich politischer Widerstand gegen Facebooks Pläne. Im Juli hat der Banken-Ausschuss des Repräsentantenhauses die Arbeit an einer Regulierung gestartet, die große Tech-Konzerne aus der Finanzwelt verbannen soll.
bloomberg.com, cnet.com, turi2.de (Background)

Lese-Tipp: Matthias Kolb portraitiert den EU-Journalisten Ryan Heath.

Lese-Tipp: Ryan Heath war als Autor des kostenlosen Politico-Newsletters Brussels Playbook drei Jahre lang der vielleicht einflussreichste Journalist im EU-Politikbetrieb. Matthias Kolb portraitiert den Australier in der "Süddeutschen Zeitung", der über den Umweg als Redenschreiber zurück in den Journalismus gefunden hat und künftig aus den USA berichtet.
sueddeutsche.de, turi2.de (Background)

Aussage gegen Aussage: SPD bestreitet Scholz-Zitat, “Spiegel” bleibt bei Darstellung.

Spiegel sieht sich mit Falschmeldungs-Vorwürfen konfrontiert. Laut der Interimsführung der SPD hat es die Telefonschalte mit Finanzminister Olaf Scholz, aus der das Magazin zitiert, nie gegeben. Die "Süddeutsche Zeitung" und die "Bild" teilen diese Darstellung. Der "Spiegel" bleibt bei seiner Version und schreibt in einer Stellungnahme, er habe zwei unabhängige Quellen, die auch nach den Aussagen der SPD-Spitze bei ihrer Darstellung blieben.
bild.de, sueddeutsche.de, spiegel.de (Stellungnahme)

Meinung: Internet ist für die Zukunftsfähigkeit so wichtig wie Strom und Wasser.

Im netzlosen Nirgendwo: Wirtschaftsjournalistin Inga Höltmann ärgert sich auf einer Hochzeit im Wendland darüber, dass die Internetverbindung sogar zu schwach ist, um ein Lied über Spotify abzuspielen, sich nichts tut und die Region immer abgehängter wird. Das sei die Lebensrealität für viele Menschen in Deutschlands ländlichen Gebieten und verspiele jegliche Zukunftsfähigkeit.
linkedin.com

Twitter reagiert auf chinesische Kampagne gegen Hongkong-Proteste.

China: Twitter und Facebook haben Accounts gesperrt, die kampagnenartig im Sinne der chinesischen Staatsführung die Proteste in Hongkong diskreditierten. Twitter schaltet zudem seine Werbetools für Staatsmedien ab, allerdings nicht für unabhängige, gebührenfinanzierte öffentlich-rechtliche Medien. Twitter hat nach eigenen Angaben 936 aktive und rund 200.000 noch nicht eingesetzte Accounts gesperrt. Facebook hat fünf Accounts, sieben Seiten und drei Gruppen gelöscht.
spiegel.de, twitter.com (Staatsmedien), twitter.com (gesperrte Accounts), turi2.de (Background)

Der Klimawandel braucht bessere Kommunikatoren, schreibt Michael Litschka.

Kommunikation und Klimakrise hängen zusammen, schreibt Michael Litschka. Viele Bürger bekämen ihre "diffusen Ängste über Wohlfahrtsverluste" nicht abgenommen. Medien müssten klarer kommunizieren, dass die Wissenschaft kaum Zweifel am Mensch-gemachten Klimawandel lässt. Ökonomen sollten raus aus ihrem Elfenbeinturm und kommunikative Verantwortung übernehmen. Von Unternehmern fordert Litschka, ernsthaft alle Wertschöpfungsstufen auf Umweltfreundlichkeit zu prüfen und nicht nur Corporate Social Responsibility als PR-Instrument zu nutzen.
derstandard.at

BKA will sich gegen rechte Hasskriminalität im Internet neu aufstellen.

Bundeskriminalamt schlägt in einem Planungspapier vor, die Urheber von Hass- und Drohbotschaften "durch verstärkte Internetbeobachtung" künftig schneller zu identifizieren, berichten "Süddeutsche", WDR und NDR. Das Erstellen und Verbreiten von Feindes- und Todeslisten solle strafbar werden. Die Vorschläge sind Teil eines Konzeptes zum Umbau der Staatsschutz-Abteilung für Rechtsextremismus mit bis zu 440 zusätzlichen Stellen.
sueddeutsche.de

Internet-Ministerin Bär will sich für Fortsetzung der Games-Förderung einsetzen.


Spiel-Geld: Internet-Ministerin Dorothee Bär will sich für die Förderung der Games-Branche auch im Jahr 2020 stark machen, sagt sie dem "Handelsblatt". In diesem Jahr gibt es erstmals 50 Mio Euro Subventionen für deutsche Games-Entwickler, die Förderung steht auch im Koalitionsvertrag, im Entwurf für den Haushalt 2020 fehlt sie aber. Im Vorfeld der am Dienstag startenden Spiele-Messe Gamescom beschwichtigt Bär nun, knapper werdende Haushaltsmittel dürften "kein Grund sein, die Gamesförderung zu vernachlässigen".

Die Politik müsse "den Raum schaffen", um "längerfristige Investitionen in der Games-Branche" anzustoßen, sagt Bär. Gemeinsam mit Verkehrsminister Andreas Scheuer will sie sich im parlamentarischen Haushaltsverfahren "mit Nachdruck" für eine Fortsetzung der Gamesförderung einsetzen. Entscheiden müsse am Ende aber das Parlament. (Archiv-Foto von der Gamescom 2018: picture alliance / Sven Simon)
handelsblatt.com

Mitarbeit: Björn Czieslik

Aus dem Archiv von turi2.tv: Dorothee Bär im Unterwegs-Videofragebogen. zur turi2 edition #7 (10/2018)

Zitat: Juli Zeh mahnt Politiker und Medien, nicht unbewusst Hass zu bestätigen.

"Es sind nicht die Hassprediger im Internet allein. Viel gefährlicher ist, wenn potenzielle Täter das Gefühl haben, dass bestimmte Politiker oder Medien der gleichen Meinung sind wie sie."

Autorin und Verfassungsrichterin Juli Zeh mahnt im "Focus"-Interview mit Bezug auf den Mord an Walter Lübcke auch die bürgerliche Mitte zu achtsamen Äußerungen.
"Focus" 34/2019, S. 90 (Paid)

“Spiegel”: Ehemaliger Präsident des FC Bayern München war Nationalsozialist.

FC Bayern München: Josef Kellner, Präsident des Fußballvereins von 1938 bis 1943, war ein "einflussreicher Nationalsozialist", recherchiert der "Spiegel" und beruft sich auf Dokumente, die Sporthistoriker Markwart Herzog im Archiv entdeckt hat. Kellner soll schon in der Weimarer Republik Dienstgeheimnisse an die Nationalsozialisten verraten und zu NSDAP-Zeiten an Urteilen gegen Beamte mitgewirkt haben. Er starb 1946.
"Spiegel" 34/2019, S. 122 (Vorabmeldung)

“Spiegel”: AfD Brandenburg kooperiert mit Arcadi-Verlag aus dem Umfeld der Identitären Bewegung.

AfD Brandenburg verkauft ihre Werbemittel über den Onlineshop des Arcadi-Verlags, schreibt der "Spiegel". Der Verlag gilt als der rechtsextremen Identitären Bewegung nahestehend. Die Partei zählt sie auf ihrer Unvereinbarkeitsliste auf. Ein Sprecher sagt dem "Spiegel", eine Vernetzung des Verlags mit der Bewegung sei ihnen nicht bekannt.
"Spiegel" 34/2019, S. 11 (Vorabmeldung)

Basta: Gimme Grönland.

Insel(s)hopper: Donald Trump denkt laut "Wall Street Journal" darüber nach, Dänemark Grönland abzukaufen. Die Insel sei wirtschaftlich und militärisch interessant, bestätigen seine Berater. Und bei nur 56.000 Einwohnern auf einer Fläche, die sechsmal so groß ist wie Deutschland, findet sich sicher auch ein stiller Platz, falls man mal einen Präsidenten dahin schicken will, wo nach dem Klimawandel der Pfeffer wächst.
faz.net

Meinung: Greta Thunberg braucht für Medienpräsenz immer neue Aktionen.

PR: Klimaaktivistin Greta Thunberg wird ihre Medienpräsenz bald durch immer neue Aktionen befeuern müssen, schreibt Journalismus-Professor Volker Lilienthal. Greta sei für die Medien eine ähnliche Ikone wie Mahatma Gandhi, aber "geschichtlich neu, weil es noch nie ein Kind gab, das deutlich so eine Tendenz verkörperte". Lilienthal glaubt, es wäre PR-wirksamer gewesen, Trumps Einladung anzunehmen, auch wenn die Verweigerung nachvollziehbar sei.
horizont.net

Bundesregierung muss “Tagesspiegel” vorerst nicht über Teilnahme von AKK an “Morgenlagen” informieren.

Tagesspiegel erfährt vorerst nicht, ob und wie oft Annegret Kramp-Karrenbauer als CDU-Chefin an den "Morgenlagen" im Kanzleramt teilgenommen hat. Das Verwaltungsgericht Berlin lehnt den Antrag auf einstweilige Anordnung ab. Es sei kein "gesteigertes öffentliches Interesse" erkennbar, somit läge keine Eilbedürftigkeit vor. Dagegen hat der "Tagesspiegel" Beschwerde beim OVG Berlin-Brandenburg eingelegt. In der Sache selbst ist noch nicht entschieden.
rp-online.de, handelsblatt.com

Lese-Tipp: Die “Zeit” schreibt, wie Rechte YouTube nutzen, um Jugendliche zu erreichen.

Lese-Tipp: Tanya Falenczyk spricht für die "Zeit" mit YouTubern der Identitären Bewegung, die das Netzwerk nutzen, um Jugendliche für ihre Themen zu sensibilisieren. Über ihre Unterstützer wollen sie nicht reden, bestätigen aber, dass sie viele Minderjährige erreichen. Zudem redet Falenczyk mit Jugendlichen über ihre Sehgewohnheiten. Die Videos der Identitären kommen bei ihnen an - was sich dahinter verbirgt, wissen sie jedoch nicht.
"Zeit" 34/2019, S. 59 (Paid)

Der Ausschuss für nationale Sicherheit des US-Kongresses lädt den 8chan-Betreiber vor.


8-same Abgeordnete: Der Ausschuss für nationale Sicherheit des US-Repräsentantenhauses lädt Jim Watkins, Betreiber des Forums 8chan, vor. Watkins soll den Ausschussmitgliedern am 5. September Fragen zur Rolle seiner Website bei mehreren Amokläufen in jüngster Zeit beantworten. 8Chan erregte nach dem Amoklauf in El Paso, bei dem 22 starben, Aufmerksamkeit, da der Todesschütze hier zuvor seine Tat angekündigt haben soll und von weiteren Nutzern Zustimmung erhielt. Watkins behauptet, das entsprechende Manifest sei nicht vom Täter selbst hochgeladen worden.

Schon bei den Angriffen auf eine Moschee im neuseeländischen Christchurch und auf eine Synagoge im kalifornischen Poway haben rechte Extremisten die Plattform genutzt, um Aufmerksamkeit zu erzeugen. Derzeit ist die Seite offline. Watkins will zunächst die Gespräche mit den Abgeordneten abwarten.
theverge.com, cnet.com, spiegel.de (Behauptung Watkins), turi2.de (Backgound)

Bundesregierung sucht neue Entlastung für Verlage bei der Bezahlung von Zeitungsboten.

Zeitungszusteller: Die Bundesregierung verabschiedet sich von dem Plan, Verlage über einen verringerten Rentenbeitrag für Minijobber zu entlasten, schreibt das "Handelsblatt". Dadurch würden die Renten der Zusteller sinken, eine Aufstockung durch den Staat könnte gegen das Äquivalenzprinzip verstoßen. Eine Studie soll nun neue Optionen auftun.
"Handelsblatt", S. 10 (Paid)

Berliner Datenschützer drohen mit Mio-Bußgeld.

DSGVO: Berlin kündigt ein Bußgeld in zweistelliger Mio-Höhe an, berichtet die dpa. Die Ermittlungen gegen ein nicht genanntes Unternehmen stünden noch "ganz am Anfang", sagt eine Sprecherin der Berliner Datenschutz­beauftragten. Sie bestätigt einen Bericht des "Tagesspiegels", wonach die Behörde wegen Datenschutzverstößen bereits zwei Bußgeldbescheide in Höhe von insgesamt 200.000 Euro verhängt habe.
t-online.de, rbb24.de, tagesspiegel.de

Russland fordert YouTube zur Zensur von Demo-Videos auf.



Liebesgrüße aus Russland: Russland fordert Google auf, Videos nicht genehmigter Proteste in Russland von YouTube zu löschen und Maßnahmen zu ergreifen, um deren Verbreitung zu stoppen. Mit Hilfe der Videos würde für die Proteste geworben, kritisieren russische Politiker. Sollte Google nicht reagieren, so die russische Medienaufsichtsbehörde, werde das Land dies als feindselige Einmischung in innere Angelegenheiten ansehen und sich vorbehalten, "angemessen" zu reagieren.

In Russland haben in den letzten Tagen mehrfach Menschen für freie Wahlen demonstriert. Bei den Kundgebungen kam es zu zahlreichen Festnahmen. Einigen der Videos aus den vergangenen Tagen zeigen hartes Vorgehen der Polizei gegen Demonstranten.
haz.de, spiegel.de

Gericht verbietet der “Zeit” Details über Detektiv im “Ibiza-Video”.

Zeit darf keine Einzelheiten mehr über einen Privatdetektiv verbreiten, der im so genannten Ibiza-Video zu sehen ist, urteilt das Landgericht Berlin. Die Wochenzeitung darf nur schreiben, dass die Wiener Staatsanwaltschaft gegen den Mann ermittelt, an etwaigen Vorstrafen oder angeblichen Tätigkeiten bestehe kein öffentliches Interesse. Das Video hatte die österreichische Regierung zum Sturz gebracht.
faz.net (Paid), bazonline.ch, de.euronews.com

USA: Trump verbannt Geräte von chinesischen Tech-Firmen aus den Staatsbehörden.


Verbannt: US-Präsident Donald Trump macht ernst und verbietet US-Bundesbehörden ab dem 13. August, Telekommunikations- und Videoüberwachungsgeräte sowie Dienstleistungen direkt bei chinesischen Tech-Konzernen zu kaufen. Betroffen sind die Firmen Huawei, ZTE sowie Hytera und Hikvision, die als nationale Sicherheitsbedrohung eingestuft werden. Die USA befürchtet Spionage für die chinesische Regierung durch die Techkonzerne.

Vereinzelt sollen bei Bundesbehörden Ausnahmen beantragen werden können – wenn die Beteiligten nicht davon ausgehen, dass ihre Zusammenarbeit mit den jeweiligen Unternehmen eine Sicherheitsbedrohung darstellt. Präsident Trump hatte im Mai per Dekret den Notstand in der Telekommunikation ausgerufen – der Schritt galt als weiterer Schlag gegen das chinesische Huawei.
techcrunch.com, cnbc.com, turi2.de (Background)

Gründer fordert Ende von 8Chan nach Massenmord von El Paso.


Messageboard des Todes: Der Gründer der berüchtigten Foren-Plattform 8Chan, Fredrick Brennan, ruft zur Einstellung der Seite auf, nachdem ein Mitglied im texanischen El Paso 20 Menschen erschossen und 26 weitere verletzt hat. Der Schütze kündigte die Tat vorab bei 8Chan an und wurde dort anschließend gefeiert. Es ist bereits der dritte Massenmord, der dort angekündigt wurde - wie schon die Angriffe auf eine Moschee im neuseeländischen Christchurch und auf eine Synagoge im kalifornischen Poway.

Gründer Brennan arbeitet nach eigenen Angaben bereits seit einem Jahr nicht mehr mit dem aktuellen Besitzer der Seite zusammen. Der Dienstleister Cloudflare will 8Chan nicht weiter vor DDOS-Angriffen schützen. Die Plattform ist auch ein bevorzugtes Habitat der Verschwörungstheoretiker-Sekte QAnon und der frauenfeindlichen Incel-Bewegung.
nytimes.com, buzzfeednews.com, blog.cloudflare.com

DocMorris will wegen geplanter Apotheken-Reform klagen.

Bittere Pille statt Rabatte: Die Versandapotheke DocMorris droht der Bundesregierung mit einer Klage, sollte die geplante Apotheken-Reform umgesetzt werden. Apotheken aus dem EU-Ausland sollen sich künftig bei verschreibungspflichtigen Medikamenten an Festpreise halten. Damit wäre die Rabatt-Preispolitik von DocMorris verboten. Die Versandapotheke plane zudem eine Kooperation mit stationären Apotheken, damit Kunden online bestellte Medikamente künftig auch in Vor-Ort-Apotheken abholen können.

Das Gesetzesvorhaben verstoße gegen Europarecht, argumentiert DocMorris. Die Versandapotheke wolle "alle rechtlichen Möglichkeiten ausschöpfen", sagt Vorstandsvorsitzender Olaf Heinrich der dpa. Die Bundesregierung würde damit "ein ähnliches Desaster erleben wie mit der Pkw-Maut." Auch die ebenfalls in den Niederlanden angesiedelte Shop Apotheke setzt auf ein Geschäftsmodell mit Rabatten.
faz.net, turi2.de (Background)

Lese-Tipp: Springer-Chef Döpfner kritisiert Abschaffung der “DDR”-Anführungszeichen.

Lese-Tipp: Springer schrieb "DDR" bis August 1989 in Anführungszeichen, erinnert sich die "Welt am Sonntag". Die Schreibweise sollte daran erinnern, dass der Staat weder "deutsch noch demokratisch noch eine Republik" sei. Springer-Chef Mathias Döpfner kommentiert die damalige Abschaffung als eine "opportunistische Peinlichkeit“ und "historischen Fehler".
"Welt am Sonntag", S. 49 (Paid), welt.de (Döpfner-Kommentar, Paid)

Hör-Tipp: Die neue ARD-Rechercheeinheit verzögert sich im Studio-Jubiläumsjahr.

Das Erste_150Hör-Tipp: Das Medienmagazin von WDR5 blickt auf 20 Jahre ARD-Hauptstadtstudio zurück. Die ARD sendete nach dem Umzug des Bundestages von Bonn nach Berlin noch vor dem ZDF erstmals regelmäßig aus der Hauptstadt. Die Berliner Immobilie war günstiger als die eingebaute technische Ausstattung. Der Aufbau der künftigen ARD-Rechercheeinheit verzögere sich dagegen.
overcast.fm (12-Min-Audio)

Regierungsberater sieht Apples Update für Siri-Aufnahmen kritisch.

Apple: Der Vorsitzende des Sachverständigenrats für Verbraucherfragen im Bundesjustizministerium, Peter Kenning, sieht die Ankündigung von Apple skeptisch, für die Auswertung von Siri-Sprachaufnahmen die Nutzer künftig um Erlaubnis zu bitten, schreibt das "Handelsblatt". Auch ein Opt-Out-Verfahren, ein nachträglicher Widerruf, sei "problematisch".
handelsblatt.com, turi2.de (Background)

US-Regierung verschiebt die Entscheidung über Amazons Cloud-Auftrag.

AWS, Cloud-Sparte von Amazon, bangt um den größten Auftrag, den eine US-Regierung jemals für ein Projekt der Informationstechnik ausgeschrieben hat, schreibt die "Washington Post". Das Weiße Haus habe dem Verteidigungsministerium befohlen, die Vergabe zu überprüfen. Trump gilt als Kritiker der "Washington Post", die im Besitz von Amazon-Chef Bezos ist.
washingtonpost.com (Paid), heise.de

Bundesregierung will digitalen Hörfunk gesetzlich voranbringen.

Bundesregierung will den digitalen Hörfunk mit Gesetzen vorbringen und gesetzlich festlegen, dass nur noch Autoradios gehandelt werden, die sich für DAB+ oder Internetradio eignen. Mit einer Novelle des Telekommunikationsgesetzes soll außerdem die Kommunikation innerhalb der EU preisgünstiger werden. Die Bundesnetzagentur soll als "Roaming-Überwacher" künftig Zwangs- und Bußgelder verhängen können, wenn Anbieter für Anrufe und SMS zu viel Geld verlangen.
heise.de

Google versteigert die Plätze auf der Android-Suchanbieter-Liste.


3, 2, 1...deins? Google lässt Suchanbieter wie Yahoo, Bing und Co ab 2020 dafür zahlen, auf europäischen Android-Geräten in der Anbieter-Liste zu erscheinen. Android-Nutzer bekommen bei der ersten Einrichtung eines neuen Telefons oder Tablets drei Anbieter zur Auswahl angezeigt. Die Einnahmen sind ein Nebeneffekt. Google will sich v.a. kartellrechtlich absichern, nachdem der Konzern im Juli eine Rekordstrafe von 5 Mrd Dollar wegen Kartellverstößen in der EU kassiert hatte. Die Kommission hat Google in dem Urteil aufgefordert, die "illegale Bindung" der eigenen Such-App an Android zu beenden.

Google schreibt zum Vorgehen: "In jeder Länderauktion geben die Suchanbieter den Preis an, den sie zu zahlen bereit sind, wenn ein Nutzer sie auf dem Auswahlbildschirm des jeweiligen Landes auswählt. Jedes Land hat eine Mindestgebotsschwelle. Die drei Höchstbietenden, die die Gebotsschwelle für ein bestimmtes Land erreichen oder überschreiten, erscheinen auf dem Auswahlbildschirm." Google macht keine Angaben zu den Mindestgeboten und will auch die Anzahl der Bieter und ihre Gebote unter Verschluss halten. Wenn keine drei Anbieter die Schwelle erreichen, füllt Google die Plätze auf der Liste nach dem Zufallsprinzip.
theverge.com

One Fiber will binnen fünf Jahren ein offenes Glasfasernetz der Deutschen Bahn aufbauen.


Datenschiene statt Datenautobahn: Die Firma One Fiber will das gesamte Schienennetz der Deutschen Bahn innerhalb von fünf Jahren mit Glasfaserverbindungen ausstatten, berichtet das "Handelsblatt". In jedem Ort entlang der Strecken will das Unternehmen Funkmasten installieren und an Mobilfunkbetreiber vermieten, die so schnelles Internet auch in entlegene Orte bringen könnten. One Fiber will das Unterfangen selbst mithilfe von Investoren finanzieren, laut dem Unternehmen würden Kosten in Höhe von 1,8 Mrd Euro anfallen. Geschäftsführer bei One Fiber ist Klaus Kremper, der früher die Güterverkehrssparte der Bahn geleitet hat.

Ob die Bahn das Angebot annimmt, ist noch unklar. Sie verfolgt eigene Glasfaser-Pläne, wie vergangenen Sommer bekannt wurde. Auf 18.500 von 33.000 Schienenkilometern liegen bereits bahneigene Glasfaserkabel. Die Bahn würde diese gerne selbst vermieten und mit den Einnahmen schrittweise ausbauen. Dafür hofft die Bahn auch auf 3,5 Mrd Steuergelder. Gerade der Bund als Bahn-Gesellschafter könnte nun aber auf das günstigere One-Fiber-Angebot drängen.
handelsblatt.com, turi2.de

Google stoppt vorübergehend die Mitschnitt-Auswertung bei Sprachassistenten.


Kurze Pause: Der Hamburger Datenschutzbeauftragte Johannes Caspar hat ein Verwaltungsverfahren gegen Google eingeleitet, um die Mitschriften von Sprachassistenten-Aufnahmen zu stoppen. Google lenkt ein und stoppt die Mitschnitte EU-weit – vorerst für drei Monate. Erst kürzlich wurde bekannt, dass Google Audio-Mitschnitte von seinen Lautsprechern und der Assistant-App auswertet, laut Unternehmensangaben, um die Spracherkennungsfähigkeit der KI zu verbessern. Dabei hören die Mitarbeiter, die Mitschnitte auswerten, zwangsläufig auch personenbezogene Informationen der Nutzer.

Caspar bezweifelt, dass das DSGVO-konform ist. Das Verwaltungsverfahren soll klären, wie das Sprachanalysesystem funktioniert und gegebenenfalls an die DSGVO-Vorgaben angepasst werden muss. Busse kann, obwohl Google seinen EU-Hauptsitz in Irland hat, DSGVO-Maßnahmen gegen den Konzern einleiten. Sie laufen aber maximal ein viertel Jahr. Der Datenschutzbeauftragte fordert Kollegen, die für Apples und Amazons Sprachassistenten zuständig sind, auf, ebenfalls Verfahren einzuleiten.

Korrektur (20:08 Uhr): Der Hamburgische Datenschutzbeauftragte heißt Johannes Caspar, nicht Caspar Busse, wie wir ursprünglich in diesem Beitrag geschrieben haben.

heise.de, turi2.de (Background)

Kabinett nickt ermäßigte Mehrwertsteuer für digitale Presseprodukte ab.

Digital umgesteuert: Das Bundeskabinett hat heute das Jahressteuergesetz abgenickt - und damit auch den ermäßigten Mehrwertsteuersatz auf digitale Presseprodukte. Die Überraschung hält sich in Grenzen, weil die Bundesregierung damit nur eine EU-Richtlinie umsetzt. Die Änderung macht Verlagen von Zeitschriften und Zeitungen das leben leichter, das Versteuern von Kombiprodukten auf Print-Abo und Digitalausgabe sorgt bisher für Medienmanager-Migränen.
twitter.com

Zitat: Digital-Kommunikation klassischer Parteien schmerzt, sagt Kai Diekmann.

"Es liegt mir auf der Seele, wie die klassischen Volksparteien dramatisch an Bedeutung verlieren, auch, weil es die Populisten auf Social Media besser machen."

Kai Diekmann betrauert im Interview mit der "Märkischen Allgemeinen Zeitung" dass "die klassischen Parteien" noch keine ausreichenden Konsequenzen aus dem Wandel der öffentlichen Kommunikation gezogen hätten.
maz-online.de (Paid), landeszeitung.de (Auszug)