130-Mrd-Konjunkturpaket steht: Mehrwertsteuer sinkt zeitlich befristet auf 16 %.

Umsatzsteuer runter macht Deutschland munter? Die Große Koalition einigt sich am späten Mittwochabend auf ein Konjunkturpaket in Höhe von 130 Mrd Euro, das die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise abfedern soll. Die Mehrwertsteuer sinkt ab 1. Juli für sechs Monate von 19 auf 16 %, der ermäßigte Steuersatz sinkt zeitlich befristet von 7 auf 5 %. Zusätzliche "Überbrückungshilfen" sollen Unternehmen stützen, insbesondere die besonders krisengeplagten Branchen. Ein "Zukunftspaket" in Höhe von 50 Mrd Euro fördert Innovationen, die Digitalisierung an Schulen soll verbessert werden. Eine Kaufprämie für Autos mit Verbrenner-Motoren wird es nicht geben, die Prämie für E-Autos verdoppelt sich.

Das geplante Konjunkturpaket sei ein guter "Grundstein" für den Weg aus der Krise, sagt Bundeskanzlerin Merkel - "Wir wollen mit Wumms aus der Krise kommen", sagt Finanzminister Scholz. Neben einem Kinderbonus von 300 Euro für Familien, profitieren Alleinerziehende zusätzlich von der Verdopplung des Freibetrags. Die Bahn und der Nahverkehr bekommen Milliardenhilfen, die geplante Steigerung der EEG-Umlage ab 2021 zur Förderung von Ökostrom-Anlagen soll über Zuschüsse aus dem Bundeshaushalt finanziert werden.
tagesschau.de, handelsblatt.com

Snapchat will Trump-Beiträge nicht mehr prominent platzieren.

Snapchat platziert Beiträge von US-Präsident Trump künftig weniger prominent, indem die Beiträge nicht mehr im "Discover"-Bereich erscheinen. Dort zeigt die Plattform als besonders relevant eingestufte Inhalte an. Snapchat wolle kein Verstärker für rassistische Stimmen sein und ihm "kostenlose Werbung" geben. Der Trump-Account, dem rund 1,5 Mio Nutzer*innen folgen, bleibt bestehen.
zeit.de

DFB findet Anti-Rassismus-Proteste “vertretbar und zeitgemäß”.

DFB hält die Rassismus-Proteste vom vergangenen Spieltag für "vertretbar und zeitgemäß", entscheidet der Kontrollausschuss. Sie stünden im Einklang mit den in der Satzung verankerten Werten des Fußballs. Die Bundesliga-Spieler McKennie, Sancho, Hakimi, Thuram und Anthony Modeste hatten auf dem Platz ein Zeichen gegen Rassismus und Polizeigewalt gesetzt. Politische Statements sind laut DFB-Regelwerk nicht erlaubt.
spiegel.de, dfb.de, twitter.com

Cloud-Projekt Gaia-X will den Anbieterwechsel durch Standards erleichtern.

Gaia-X: 300 Unternehmen und Organisationen beteiligen sich bereits am europäischen Cloud-Projekt, schreibt das "Handelsblatt". Die Initiative wolle u.a. Standards bei Abrechnungssystemen schaffen, die Firmen weltweit nutzen dürfen, sofern sie sich an EU-Gesetze halten. Anders als bei Amazon und Microsoft wolle Gaia-X die Daten im gleichen Format speichern, um einen Anbieterwechsel oder eine firmenübergreifende Zusammenarbeit zu erleichtern.
handelsblatt.com

Für Trumps Gewaltandrohung hat Kanadas Premier Trudeau keine Worte.

Schweigen ist Gold: Kanadas Premier Justin Trudeau schweigt für 20 Sekunden als ein Journalist ihn nach seiner Reaktion auf US-Präsident Trump fragt. Dieser hatte gedroht, die Unruhen in den USA notfalls mit militärischer Gewalt zu stoppen. Nach Zögern sagt Trudeau schließlich: "Wir alle beobachten mit Entsetzen und Bestürzung, was in den USA passiert." Es sei Zeit für Einigkeit und Zeit zum Zuhören.
n-tv.de

Rassimus in den USA: Weiße Gästeauswahl sorgt bei Sandra Maischberger für Shitstorm.

ARD erntet für die Gäste-Auswahl des "Sandra Maischberger"-Talks einen Shitstorm: Unter den für Mittwochabend angekündigten Gästen befindet sich mit Anja Kohl, Dirk Steffens, Heiko Maas, Jan Fleischhauer und Helga Rübsamen-Schaeff niemand mit dunkler Hautfarbe, um über die rassistische Polizeigewalt in den USA zu sprechen - die ebenfalls Thema der Sendung sein wird. "Lasst uns doch alle erst mal die Sendung anschauen und anschließend gerne weiterdiskutieren. Machen wir das so?", versucht Sandra Maischberger die Kritiker*innen zu besänftigen.
twitter.com (Kritik), twitter.com (Maischberger)

Blackout Tuesday: Stars und Marken protestieren auf Instagram gegen Rassismus.


Paint it black: Zahlreiche Stars und Marken beteiligen sich an einer weltweiten Protest-Aktion gegen Rassismus und Diskriminierung. Dazu posten sie auf Instagram ein schwarzes Quadrat. Ausgangspunkt des Protestes ist eine Initiative der US-Musikindustrie, die zum Blackout Tuesday aufgerufen hat. In Verbindung mit dem Hashtag #TheShowMustBePaused rufen sie dazu auf, die Musik für einen Tag abzustellen, die sonstige Arbeit zu unterbrechen und gemeinsam Wege zu finden, zueinander zu finden und einander zuzuhören. Zu den ersten Unterstützern zählen unter anderem Eminem, Ariana Grande, Radiohead und Mick Jagger.

Mittlerweile haben sich auch zahlreiche Marken und Stars anderer Branchen an der Aktion beteiligt. In Deutschland gibt es u.a. von RTL.de, dem "stern", dem "Handelsblatt", Funke, der "FAZ", T-Online und Vox aus der Medien-Branche, aber auch z.B. von Bayern München und Borussia Dortmund und zahlreichen Prominenten entsprechende Posts. Auslöser für den Protest ist der gewaltsame Tod von George Floyd in Minneapolis durch einen Polizisten vergangene Woche. Seitdem gibt es in den USA zahlreiche friedliche wie gewaltsame Proteste.
thenational.ae, spiegel.de

Media Pioneer verpflichtet den ehemaligen Wehrbeauftragten Hans-Peter Bartels.

Media Pioneer gewinnt Hans-Peter Bartels, bis vor kurzem Wehrbeauftragter des Deutschen Bundestages, als Kolumnisten. Bartels schreibt ab dieser Woche regelmäßig über die Außen- und Sicherheitspolitik im Hauptstadt-Newsletter vom Medien-Unternehmen von Gabor Steingart. Zudem plant Media Pioneers weitere Veranstaltungs- und Briefingformate.
meedia.de, turi2.de (Background)

Die Fifa ruft zu “gesundem Menschenverstand” im Umgang mit Protesten gegen Rassismus auf.

Black lives matter: Die Fifa plädiert dafür, bei der Bewertung von Protestaktionen gegen Rassismus "gesunden Menschenverstand" anzuwenden. Unter anderem in der Bundesliga hatten am Wochenende mehrere Fußballer ihre Solidarität mit den Protesten in den USA bekundet. Der DFB prüft derzeit mögliche Strafen, die Spieler erhielten zum Teil im Spiel bereits eine Gelbe Karte - politische Statements sind für die Spieler eigentlich untersagt.
tagesschau.de

Gesetzliche Krankenkassen erwarten Beitragserhöhung wegen Corona-Massentests.

Corona-Massentests könnten die gesetzlichen Kranken­kassen 2020 bis zu 7,6 Mrd Euro kosten, berichtet die "Neue Osnabrücker Zeitung" unter Berufung auf eine Stellung­nahme des GKV-Spitzen­verbands. Dies könnte eine Beitrags­erhöhung von bis zu 0,8 % zur Folge haben. Die Kassen fordern stattdessen die vollständige Übernahme der Kosten durch den Bund.
noz.de (Paid), faz.net

Trump verschlimmert die Lage in den USA mit einer bizarren Medienshow.

Eskalation: US-Präsident Donald Trump verschärft die Spannungen in den USA mit einer bizarren Medienshow vor dem Weißen Haus. Nachdem Trump am Freitag eine zeitweise in einen Bunker geflüchtet war, hat der 45. Präsident der USA am Montagabend eine weitgehend friedliche Demonstration vor dem Weißen Haus mit Schlagstöcken, Tränengas und Blendgranaten zerstreuen lassen, um sich im Fernsehen und auf Twitter mit einer (falsch herum gehaltenen) Bibel vor der St. John's Church als Mann von "Law and Order" zu präsentieren. Zuvor attackierte die Polizei auch einen Kameramann des australischen TV-Senders 7News.

Auf einer Pressekonferenz im Rosengarten hat Trump damit gedroht nach dem gewaltsamen Tod des Afroamerikaners George Floyd in Minneapolis "Randale, Plünderungen, Vandalismus, Angriffe und die mutwillige Zerstörung von Besitz" mit dem Einsatz von "tausenden schwer bewaffneten" Soldaten und Polizisten in der Hauptstadt Washington zu stoppen.
sueddeutsche.de, twitter.com (6-Minuten-Rede Trumps)
twitter.com (CNN-Bericht), twitter.com (7News)

DSGVO: Datenschutz-Sünder zahlen bisher 26 Mio Euro Bußgeld.

DSGVO: Bußgelder in Höhe von insgesamt rund 26 Mio Euro sind bisher in Deutschland von den Datenschutzbehörden verhängt worden, zitiert die "Welt" aus der Zweijahresbilanz der Wirtschaftskanzlei Taylor Wessing. Die Immobilienfirma Deutsche Wohnen (14,5 Mio Euro) und der Telekommunikationskonzern 1&1 (9,55 Mio Euro) zahlten bisher die höchsten Strafen.
welt.de (Paid)

Malta: Ex-Minister soll den Mord an der Journalistin Galizia beauftragt haben.

Malta: Im Fall der getöteten Journalistin Daphne Caruana Galizia soll Ex-Wirtschaftsminister Chris Cardona den Mord für 350.000 Euro beauftragt haben, schreibt die Zeitung "Times of Malta". Dies habe ein Zeuge, der als Mitttelsmann des Mordes gedient habe, vor Gericht ausgesagt. Cardona bestreitet den Vorwurf. Die Politikjournalistin berichtete über Korruption und kam 2017 durch eine Autobombe ums Leben.
timesofmalta.com via sueddeutsche.de, turi2.de (Background)

Zitat: Sony zeigt mehr Mitgefühl als der US-Präsident, findet Luisa Neubauer.

"Es überrascht einfach nicht, dass selbst eine Videospiel-Marke angemessenere Worte findet, als der Präsident der Vereinigten Staaten."

Luisa Neubauers Twitter-Reaktion, nachdem Sony die für Donnerstag angesetzte Präsentation der PlayStation 5 aufgrund der rassistischen Polizeigewalt in den USA abgesagt hat.
twitter.com (Neubauer), twitter.com (Sony)

Lufthansa stimmt dem Rettungspaket zu, 20.000 Jobs sind bedroht.

Lufthansa: Der Aufsichtsrat stimmt dem Rettungspaket der Bundesregierung im Umfang von 9 Mrd Euro trotz EU-Auflagen zu. Die Lufthansa muss in Frankfurt am Main und München jeweils einem Wettbewerber bis zu 24 Start- und Landerechte abgeben. Die Aktionärsversammlung muss den Deal am 25. Juni noch absegnen. Mit einer kleineren Flotte sind laut "Handelsblatt" rund 20.000 Vollzeitstellen "zu viel an Bord", die das Management einsparen wolle.
sueddeutsche.de, handelsblatt.com, turi2.de (Background)

Ibiza-Video soll an den Untersuchungsausschuss übermittelt werden.

Österreich: Justizministerin Alma Zadić will, dass der Untersuchungsausschuss Zugriff auf das Ibiza-Video erhält. Die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft erfuhr offenbar erst aus den Medien, dass die "Soko Tape" die vollständigen Aufnahmen bereits Ende April sichergestellt hat. Laut Soko sei der Fund im Auftrag der Staatsanwaltschaft Wien erfolgt, die auch informiert worden sei.
derstandard.at, turi2.de (Background)

Umfrage: In einem Drittel der Kirchen singt die Gemeinde “in reduzierter Form”.

Singen im Gottesdienst ist bundesweit in einem Drittel der Kirchen möglich, wenn auch "in reduzierter Form", sagt eine Umfrage von WDR und NDR unter 58 katholischen und evangelischen Gemeinden in Deutschland. Das Bistum Mainz empfiehlt z.B. nur "Kehrverse und der Hallelujaruf" zum Evangelium anzustimmen. Die meisten Bundesländer haben keine verbindlichen Regelungen. Mitte Mai kam es nach einem Gottesdienst in Frankfurt am Main zu einem Corona-Ausbruch.
tagesschau.de

US-Präsident Trump will G7-Gipfel in Washington auf September verschieben.

G7: US-Präsident Trump will den Gipfel in Washington auf September verschieben und mit weiteren Staaten ausweiten, sagt er Journalisten*innen auf dem Rückflug von Cape Canaveral nach Washington. Trump habe nicht das Gefühl, dass die Gruppe der sieben großen Industriestaaten das Geschehen auf der Welt richtig abbilden. Bundeskanzlerin Merkel hatte eine Anreise angesichts der Pandemie derzeit ausgeschlossen.
sueddeutsche.de, turi2.de (Background)

Scholz & Friends plant eine Kampagne für ein Atom-Endlager.

Scholz & Friends erwägt mit Politikerpaaren aus unterschiedlichen Parteien für die Suche nach einem Atom-Endlager zu werben, zitiert die "Bild am Sonntag" aus einem Konzeptpapier vom Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung. Die Behörde plane für zunächst 270.000 Euro im Juni eine Online-Kampagne. Insgesamt sei 1 Mio Euro eingeplant, doch die angefragten Politiker*innen sollen abgesagt haben.
bild.de (Paid)

Bundeskanzlerin Merkel will nicht zum G-7-Gipfel in die USA fliegen.

G-7-Gipfel: Bundeskanzlerin Merkel will ihre Anreise nach Washington "in Anbetracht der Pandemie-Gesamtlage" noch nicht zusagen. Die US-Regierung plant ein Treffen im Weißen Haus - obwohl der Großraum der US-Hauptstadt überproportional stark von der Pandemie betroffen ist. Trump wolle das geplante physische G-7-Treffen für Wahlkampfzwecke missbrauchen, sagen Kritiker des US-Präsidenten.
tagesschau.de

“Spiegel”: Bundesregierung und EU einigen sich beim Streit um die Lufthansa.

Lufthansa-Rettung: Die Bundesregierung und die EU einigen sich offenbar auf einen Kompromiss, schreibt der "Spiegel". Demnach muss die Lufthansa acht Flugzeuge und deren 24 Start- und Landerechte in München und Frankfurt abtreten, nicht wie zuletzt gefordert zwölf. Die Einigung würde allerdings noch nicht automatisch bedeuten, dass die EU-Wettbewerbsbehörde der Staatshilfe zustimmt.
spiegel.de, tagesschau.de, turi2.de (Background)

“FAZ”-Podcast: Kekulé relativiert Drosten-Kritik, “FAZ” lehnt Gesprächsangebot der “Bild” ab.

Mediale Antikörper: Alexander Kekulé sagt im "FAZ"-Podcast, dass auch er von der "Bild" im Streit mit Christian Drosten benutzt worden sei. Dabei stellt der Forscher klar, dass der "Tagesspiegel" ihn mit der Forderung, Drosten solle seine Studie zurückziehen, falsch zitiert habe: "Ich habe das zu keinem Zeitpunkt gefordert." Die Zeitung selbst gesteht ein, aus der Vergangenheitsform "Warum der im Umgang mit den Medien versierte, erfahrene Forscher und Politikberater die Vorveröffentlichung nicht einfach zurückgezogen und stattdessen der 'Bild' eine unnötige Angriffsfläche gegeben hat, ist schwer nachvollziehbar" die Präsens-Formulierung "Warum Drosten die Studie nicht einfach zurückzieht, ist schwer nachvollziehbar" gemacht zu haben. An seiner grundsätzlichen Kritik an der Studie hält Kekulé jedoch fest.

Andreas Krobok, Moderator des "FAZ"-Podcast erteilt zu Beginn der neuen Folge zudem Julian Reichelt eine Absage für ein gemeinsames Gespräch mit ihm und Christian Drosten. "Sorry, lieber Julian Reichelt: Uns, die 'FAZ' braucht es da nicht", sagt Krobok. Auch "FAZ"-Medienreporter Michael Hanfeld bezeichnet das Gesprächsangebot im Podcast als "wertlos". Die "Bild" verfolge eine "primitive Taktik", um Christian Drosten zu diskreditieren. Reichelt wolle ein Gespräch erst, nachdem er genug Munition gegen den Virologen gefeuert habe.
faz.net (27-Min-Audio), tagesspiegel.de (Kekulé-Text mit Korrektur), turi2.de (Gesprächs-Angebot), turi2.de ("Bild" vs. Drosten)

Die Bundeszentrale für politische Bildung will junge Leute auf YouTube erreichen.

Bildungsauftrag: Die Bundeszentrale für politische Bildung will nicht mehr nur mit Heften für den Schulunterricht Wissen vermitteln, sondern die junge Zielgruppe auch aktiv in den sozialen Medien erreichen, schreibt Volkan Agar. Eine neue Video-Reihe mit Comedian Abdelkarim sei zwar gut gemacht, konnte bisher aber nur ein überschaubares Publikum erreichen. Nach zehn Folgen will die BPB ihr Konzept auswerten.
taz.de

Meinung: Trumps Social-Media-Dekret ist vor allem Show.

Mehr Schein als Sein: Donald Trumps jüngst erlassenes Social-Media-Dekret glänzt mehr durch Inszenierung als Inhalt, urteilt Autor und Philosoph Jan Skudlarek. Der US-Präsident wolle zeigen, dass er sich nicht "von Faktencheckern auf der Nase herumtanzen lässt" - selbst wenn die Öffentlichkeit sehe, dass "die Nase eine Pinocchio-Nase ist". Trump wüte wie ein Vierjähriger, ein Verhalten, das Skudlarek als "würdelos" bezeichnet. Soziale Medien sollten öfter Informationen zu irreführenden Aussagen Trumps ergänzen.
volksverpetzer.de, turi2.de (Background)

Basta: Mit Windel zur Wahl.

Kinder Babys an die Macht: Hermann Otto Solms, FDP-Politiker und Ex-Bundestagsvizepräsident, fordert die Herabsetzung des Wahlalters auf null Jahre. Derzeit bereitet er einen entsprechenden Antrag vor, den er nach der Sommerpause in die Parlaments-Wiege legen will. Wie Pampersträger aktiv wählen sollen, lässt Solms offen - ebenso wie die Frage, ob diese Playmobil spannender finden als Politik.
"Spiegel" 23/2020, S. 21 (Paid)

Grüne fordern Gesetz zur Corona-App.

Grüne im Bundestag fordern, die Einführung der Corona-Warn-App per Gesetz zu begleiten, das deren Missbrauch ausschließt sowie ihren Einsatz befristet. Die Bundesregierung hält ein Gesetz nicht für nötig, da der Download der App freiwillig sei und und ihre Anwendung sich an "geltendes Recht" halten müsse. Andere Länder haben bereits Begleitgesetze verabschiedet, z.B. Australien.
"Spiegel" 23/2020, S. 41 (Paid)

“Spiegel”: Christian Drosten spricht über seine Rolle als “neue Berühmtheit” und erklärt sein Verhältnis zur “Bild”.

Nichts Besseres zu tun: Virologe Christian Drosten gibt dem "Spiegel" ein Interview, in dem er unter anderem auf seinen Streit mit der "Bild" eingeht. Drosten sagt, "Bild" habe er letztmals "zu Zeiten von Bumm-Bumm-Boris" gelesen; Chefredakteur Julian Reichelt kenne er erst seit der in seinen Augen tendenziösen Presseanfrage des Blatts vergangenen Montag. Dass Reichelt ihn "zum Duell" gefordert habe, käme ihm vor wie "tiefstes 19. Jahrhundert". Insgesamt habe er sich auf der "Bühne der Nation" ein dickeres Fell zugelegt, obwohl er "eigentlich nicht der Typ sei, der sich gut vor persönlichen Anfeindungen schützen kann". Drosten betont, er habe sich vor allem an die Öffentlichkeit begeben, um rechtzeitig vor den Folgen von Corona warnen zu können.

Anfeindungen und Hassbotschaften gegen Drosten analysiert das Landeskriminalamt Berlin. Insbesondere hofft Drosten auf die Ermittlung des Täters, der ein Plakat veröffentlicht hat, das ihn neben KZ-Arzt Josef Mengele zeigt. Seine Rolle als Berater der Politik nimmt Drosten weniger gewichtig wahr als die Medien: Er glaubt maximal, dass sein Podcast "in minesterialen Abteilungen genau gehört wird". Außerdem hat Drosten noch eine gute Nachricht: Er verlässt sich darauf, dass es im Frühjahr 2021 mehrere Impfstoffe gegen das Corona-Virus gibt. "Wir sind auf einem extrem guten Weg bei der Impfung."
spiegel.de (Paid), turi2.de (Background "Bild" vs. Drosten)

Twitter kennzeichnet Trump-Tweet als “gewaltverherrlichend”.

Gewaltiges Ge(t)witter: Twitter kennzeichnet zum ersten Mal einen Tweet von US-Präsident Donald Trump als "gewaltverherrlichend". Der Tweet ist dennoch weiter abrufbar. Die Twitter-Kommunikationsabteilung begründet dies u.a. mit dessen Wichtigkeit für die Öffentlichkeit. Trump hatte sich in dem beanstandeten Tweet zur Situation in Minneapolis geäußert, wo nach dem Tod des Afroamerikaners George Floyd nach einem Polizeieinsatz Unruhen ausgebrochen sind. Trump twitterte sinngemäß: "Wenn die Plünderungen beginnen, beginnt auch das Schießen."

In einem Tweet zuvor hatte er bereits angekündigt, die Nationalgarde einzusetzen, sollte die Situation in der Stadt nicht unter Kontrolle gebracht werden. Minnesotas Gouverneur Tim Walz hat bereits den Notstand ausgerufen, nachdem Protestanten u.a. eine Polizeiwache angezündet haben.
twitter.com (beanstandeter Tweet), twitter.com (Statement Twitter), zeit.de via Reuters (1:16-Min-Video Proteste Minneapolis)

Social-Media-Dekret: Trump droht Twitter & Co mit Klagen.

Persönliche Fehde: US-Präsident Donald Trump sagt seinem Lieblings-Sprachrohr Twitter den Kampf an. Am Abend hat Trump ein Dekret unterzeichnet, mit dem er soziale Netzwerke stärker regulieren will. Die US-Telekommunikations­aufsicht FCC soll die bisherige Regelung prüfen und überarbeiten, dass Online-Dienste nicht für von Nutzern veröffentlichte Inhalte wie Kommentare und Videos haftbar gemacht werden können. Die als "Section 230" bekannte Regelung erlaubt den Plattformen zudem, gegen bestimmte Inhalte oder Nutzer*innen vorzugehen, etwa sie zu löschen. Diese Privilegien könnten durch Trumps Vorstoß kippen. Auch eine mögliche Zerschlagung der Konzerne bringt Trump ins Gespräch.

Offiziell begründet Trump seinen Schritt mit dem Schutz der Meinungsfreiheit: Die Plattformen seien nicht länger neutral, sondern betrieben politischen Aktivismus. Konkreter Auslöser dürfte sein, dass Twitter zwei Tweets von ihm als irreführend markiert hat. Rechtsexpert*innen bezweifeln, dass Trumps Vorgehen juristisch stichfest ist. (Foto: Evan Vucci / AP Photo / Picture Alliance)
tagesspiegel.de, handelsblatt.com, spiegel.de, cnn.com, turi2.de (Background)

Berlin lockert Corona-Regeln und hebt Höchstgrenze für Demos auf.

Corona-Beschränkungen: Der Berliner Senat beschließt weitreichende Lockerungen, u.a. fällt bei Demonstrationen bereits ab Samstag die Höchstgrenze von 100 Teilnehmer*innen. Allein fürs Pfingstwochenende sind mehr als 60 Demos angemeldet. Private Treffen sind ab Samstag mit bis zu fünf Personen erlaubt, Kinos dürfen ab dem 30. Juni wieder öffnen.
tagesspiegel.de, rbb24.de (Lockerungen), rbb24.de (Demos)

Basta: Gerhard Schröder wird zum Instagram-Star.

Haarige Sache: Altkanzler Gerhard Schröder macht nicht nur als aufstrebender Podcaster Furore, sondern erlaubt via Instagram-Kanal seiner Frau Soyeon Schröder-Kim auch Einblicke in seine persönliche Mähnenpflege. Zur Erinnerung: Schröder zog 2002 gegen die Nachrichtenagentur ddp vor Gericht, um Berichte über sein gefärbtes Haupthaar zu unterbinden. Jetzt geht sogar eine Grimasse vor dem Badezimmer-Spiegel klar; immerhin: Wahlweise gibt es Schröder auch in Insta-Varianten mit Blumenstrauß oder Bratpfanne.
instagram.com (Kanal Soyeon Schröder-Kim), spiegel.de, faz.net, turi2.de (Background Schröder-Podcast)

Meinung: Sponsors-Chef Marco Klewenhagen fordert bis zu 50 % Gehaltsverzicht von Profi-Fußballern.

Bundesliga: Fußball-Profis sollen auf bis zu 50 % ihres Gehalts verzichten, fordert Sponsors-Chefredakteur Marco Klewenhagen. Finanzielle Einschnitte seien "kurzfristig zumutbar", selbst wenn es keine vertragliche Grundlage für sie gebe. Klewenhagen verspricht sich davon einen deutlich besseren Ruf des Fußballs in Gesellschaft und Politik, auf dessen Grundlage es sich "viel glaubwürdiger nach einer Sonderbehandlung rufen lässt".
sponsors.de (Paid)

Twitter-Chef Jack Dorsey verteidigt den Faktencheck-Hinweis bei Trump-Tweets.

USA: Twitter-Chef Jack Dorsey hat den Faktencheck-Hinweis unter Tweets von Donald Trump verteidigt. Er weist darauf hin, dass der Hinweis einer möglichen Verwirrung von Wählern durch die Tweets des Präsidenten vorgreifen sollte. Dorsey holt auch zum Schlag gegen Mark Zuckerberg aus: Twitter sehe sich nicht als "Schiedsrichter der Wahrheit", so hatte der Facebook-Chef das Vorgehen Twitters gegenüber Fox News bezeichnet.
techcrunch.com, foxnews.com (Zuckerberg), turi2.de (Background)

Österreich: Polizei stellt Ibiza-Video sicher.

Ibiza-Affäre: Das österreichische Bundeskriminalamt hat bei den Ermittlungen nach eigenen Angaben die kompletten Videoaufnahmen sichergestellt. Die Behörde habe zudem das technische Equipment beschlagnahmt, mit dem das Video aufgenommen wurde. Um den mutmaßlichen Lockvogel zu finden, der sich bei dem Treffen mit Heinz-Christian Strache als russische Oligarchen-Nichte ausgab, wollen die Ermittler Fotos der Frau veröffentlichen.
spiegel.de, turi2.de (Background)