Lese-Tipp: Bei den “Elefantenrunden” am Wahlabend verläuft nicht immer alles nach Plan.

Lese-Tipp: Deutschland­funk erinnert noch einmal an die legendärsten "Elefanten­runden" an den Wahl­abenden der vergangenen Jahrzehnte – inklusive leerem Studio und einem angetrunkenen Franz Josef Strauß. Dem früheren ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender (Foto) bleibt vor allem Gerhard Schröder in Erinnerung, der 2005 in Anwesenheit von Angela Merkel sagte, nur er könne eine stabile Regierung stellen.
deutschlandfunk.de

Amtierende Bundesregierung zahlt mehr als 1 Mrd Euro für externe Beratung.

Teuer beraten: Die Bundesregierung hat seit 2017 mehr als 1 Mrd Euro für externe Berater gezahlt, antwortet das Finanz­ministerium auf eine Anfrage des Linken-Abgeordneten Matthias Höhner. Demnach hat das Innenministerium mit mindestens 492,9 Mio Euro mit Abstand am meisten Geld für Beratung ausgegeben, beim Verkehrs­ministerium waren es 196,9 Mio Euro, beim Finanz­ministerium 121,7 Mio Euro. Dagegen hat das Kanzler­amt Beratungs­firmen nur 3,3 Mio Euro überwiesen, das Arbeits­ministerium war mit 2,5 Mio Euro am sparsamsten.
spiegel.de

“Politiker haben Angst, ein Meme zu werden” – So lief der Social-Media-Talk zur Bundestagswahl.


Teilen, um zu herrschen: "Wenn Instagram die Müllkippe von Social Media ist, dann ist TikTok die Müllkippe der Müllkippe", sagt Niko Kappe im Social-Media-Talk zur Bundestagswahl des Frankfurter PresseClubs und von turi2. Wie sich Instagram, TikTok, Facebook & Co auf die Wahl auswirken, haben die Diskussions-Teilnehmerinnen am Mittwochabend via Zoom und im turi2 Clubraum diskutiert. Der Lehrer und erfolgreiche TikTok-Creator Kappe beschreibt, dass Zweit- und Dritt-Verwertung auf der Kurzvideo-Plattform gar nicht gehen. Amelie Marie Weber, Social-Media-Chefin der Hauptstadt-Redaktion der Funke-Zeitungen, hat Annalena Baerbock, Armin Laschet und Olaf Scholz für TikTok interviewt – Hunderttausende schauen sich die 60- bis 80-Sekündigen Clips an. Bei ihr erfahren die Jungwählerinnen nicht nur, wie die Polit-Promis ticken, sondern auch, was sie gerne essen und welche Emojis sie versenden. Sie bemerkt aber auch Vorsicht und Zurückhaltung: "Politiker haben Angst, ein Meme zu werden."

Helge Ruff, Gründer und Chef der Agentur OneTwoSocial, findet, dass viele Parteien Social Media oft falsch nutzen. So bringe es niemandem etwas, wenn Olaf Scholz postet, dass er heute einen Auftritt in Lüneburg hat. Ausgerechnet die rechte AfD ist in Social Media erfolgreich – das liege aber auch am Gegenwind, den die Partei bekomme – Algorithmen unterscheiden nicht zwischen Zustimmung und Ablehnung. turi2-Moderatorin Tess Kadiri beobachtet, dass es politische Inhalte oft schwer haben gegen TikTok-Tänze. Die Kunst sei es, Bildung und Unterhaltung zu verbinden, findet Niko Kappe. Das habe es auch früher schon gegeben, etwa wenn die Bundeszentrale für politische Bildung Wahl-Aufrufe bei "GZSZ" platziert hat.
turi2.tv (96-Min-Video), turi2.de/podcast (96-Min-Podcast), spotify.com, podcast.apple.com, deezer.com, audionow.de

EU will einheitliche Smartphone-Stecker durchsetzen.

Kontrollierte Kabel: Die EU-Kommission will Hersteller von Smartphones und weiteren Elektro-Kleingeräten verpflichten, einheitliche Ladestecker für ihre Devices zu produzieren. Ab Mitte 2024 sollen nur noch Stecker des Standards USB-C verwendet werden. Der Vorstoß richtet sich vor allem gegen Apple: Der Konzern lehnt seit mehr als 10 Jahren eine Vereinheitlichung der Stecker ab.
rnd.de, edition.welt.de (Paid)

Basta: Friedrich Merz entstaubt seinen ersten Wahlkampf-Spot.

Straight outta Sauerland: CDU-Politiker Friedrich Merz fährt im Wahlkampf-Endspurt schwere Geschütze auf und findet auf dem Partei-Dachboden seinen ersten Polit-Spot von 1994 wieder. Grüne gruseln sich vermutlich damals wie heute: Teile des Clips zeigen pirschende Jäger, emissions-unfreundliche Holzhacker – und einen offensichtlich ausgestopften Fuchs.
twitter.com (1-Min-Video)

Russland versucht, Abgeordneten-Passwörter zu erbeuten.


Ich glaub, es hackt: Russland versucht im Vorfeld der Bundestagswahl einmal mehr, Passwörter und kompromittierendes Material von und über Abgeordnete zu erbeuten, berichten "Bild" und "stern". Ziel sei das "Sammeln von Kompromat", so CDU-Politiker Patrick Sensburg, Vorsitzender des Wahlprüfungsausschusses. Die Hackerinnen stehen mutmaßlich in Diensten des russischen Geheimdienstes GRU und haben es v.a. auf "Alltagskorrespondenz" von Mandatsträgerinnen abgesehen. Dadurch sollen etwa abfällige Äußerungen über politische Gegner nach der Wahl als Druckmittel eingesetzt werden. Bundeswahlleiter Georg Thiel will auch russische Störungen während des Wahlsonntags nicht ausschließen.

Das Auswärtige Amt spricht von "unzulässigen Cyberaktivitäten", die Bundesregierung fordert ihre "sofortige Einstellung". Deutschland will sich "weitergehende Maßnahmen" vorbehalten. Grünen-Politiker und Netzexperte Konstantin von Notz kritisiert, die Regierung habe die "schwerwiegende Gefährdungslage" bei Hacking und Desinformation zu lange ignoriert.
bild.de, "stern" 39/2021, S. 22 (Paid)

Bild des Tages: Briefwahl-Stimmzettel warten auf ihren Einsatz.

Trendfarbe Rosa: In einer sächsischen Wahlbehörde liegen Hunderte Stimmzettel zur Bundestagswahl, die per Post eingeschickt wurden. Sie werden am Sonntag nach 18 Uhr geöffnet. Die Briefwahl scheint dieses Jahr so beliebt zu sein wie nie zuvor. Selbst Kanzlerin Angela Merkel gibt ihre Stimme im Voraus ab. Wer seine Unterlagen heute nicht abgeschickt hat, kann sie bis Sonntag beim Wahlamt abgeben. (Foto: Sebastian Kahnert / dpa / Picture Alliance)

Gesundheitsministerinnen stoppen Quarantäne-Lohnfortzahlung für Ungeimpfte.

Piepen nur mit Piks: Die Gesundheit­sministerinnen der Länder und Bundes­gesundheits­minister Jens Spahn beschließen, dass Menschen in angeordneter Quarantäne ab dem 1. November nur dann weiter Lohn erhalten, wenn sie geimpft sind. Dies betrifft z.B. einige Reise-Rückkehrerinnen. Für Menschen ohne Impf­empfehlung gilt die neue Regel nicht. Bisher haben alle Beschäftigten – ob ungeimpft oder nicht – in den ersten sechs Wochen Anspruch auf 100 % Lohnersatz.
faz.net, businessinsider.de

Zitat: Xing-Chefredakteurin Astrid Maier über die Innovationskraft von Verboten.

"Vielleicht ist es unser Pech, dass wir als Land mal eine sehr solide analoge Infrastruktur und darum herum funktionierende Wirtschaftssysteme aufgebaut haben. Für Autos mit Verbrennermotor, Lastschrifteinzug auf der Bank."

Xing-Chefredakteurin Astrid Maier schreibt bei ada, dass Innovationen oft aus der Not heraus geboren werden. Verbote seien deshalb nichts grundsätzlich Schlechtes, sie könnten die Entwicklung von Neuem gar fördern. Es sei an der Zeit, "Verbote von ihrem schlechten Image zu befreien".
ada-magazin.com

“Katapult”: SPD-Mitglieder verzerren Wahlprognosen mit eigenem Umfrageinstitut.

Genossen-Gefallen: Der Wahlkampf in Mecklenburg-Vorpommern wird durch das Umfrageinstitut wahlkreisprognose.de zum Vorteil der SPD verzerrt, schreibt Benjamin Fredrich (Foto) bei "Katapult MV". Die Betreiber des Instituts, zwei SPD-Mitglieder, würden die Ergebnisse "mit starken Wertungen" bei Social Media posten. Dabei überwiegen die positiven Prognosen zugunsten der SPD.
katapult-mv.de

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Entscheidet Social Media die Bundestagswahlen? Im PresseClub Frankfurt diskutieren TikTok-Creator Niko Kappe, turi2-Moderatorin Tess Kadiri, Social-Media-Experte Helge Ruff und Amelie Marie Weber, Social-Media-Chefin bei Funke, über den Einfluss von Facebook, TikTok, Twitter & Co auf die Bundestagswahl. turi2 überträgt das Zoom-Event am 22.9. ab 20 Uhr bei Clubhouse und lädt im Anschluss zum virtuellen Absacker in den turi2 Clubraum.
frankfurterpresseclub.de (Anmeldung Zoom-Event), clubhouse.com (Kalender-Link), youtube.com (Live-Stream)

Lese-Tipp: Correctiv rekonstruiert die Welle der Falschinformationen vor der Bundestagswahl.

Correctiv Ausrufezeichen ohne Schriftzug-150Lese-Tipp: Die Faktenchecker von Correctiv haben über Monate hinweg die Desinformations- und Schmutzkampagnen zur Bundestagswahl beobachtet. Sie zeigen u.a. angebliche Medienberichte über Annalena Baerbock, die die Witwenrente abschaffen will, um das Geld Geflüchteten zu geben; oder gefälschte Wahlplakate der CDU.
correctiv.org via bildblog.de

Polizei prüft Twitter-Profil des Tatverdächtigen im Fall Idar-Oberstein.

Spuren im Netz: Im Fall des erschossenen Tankstellen-Mitarbeiters in Idar-Oberstein nimmt sich die Polizei die Social-Media-Präsenz des mutmaßlichen Täters vor. Es seien viele Hinweise auf das Twitter-Profil des Mannes eingegangen. Die Beamtinnen reagieren damit auch auf gemeinsame Recherchen des "Spiegels" und des Thinktanks CeMAS, die auf dem Twitter-Profil des Tatverdächtigen u.a. Gewaltfantasien entdeckt hatten.
faz.netspiegel.de (Background), twitter.com (CeMAS)

Lese-Tipp: Die Liebes-Leidensjahre der Kanzlerin in der Boulevardpresse.

Lese-Tipp: Noch-Kanzlerin Angela Merkel produziert in den vergangenen 16 Jahren wenig Futter für Klatsch und Tratsch. Jene "dünnen Blättchen" wie "Freizeit Woche" oder "Frau aktuell" schaffen es trotzdem, "die mächtigste Frau Europas auf ihre Rolle als Gattin" zu reduzieren, zeigt Nils Markwardt in einem Regenbogen-Rundumschlag im "Freitag".
freitag.de

Zitat: VW-Chef Herbert Diess ruft nach Regulierung.

"Wenn wir den Klimawandel aufhalten wollen, dann müssen wir regulieren."

VW-Chef Herbert Diess fordert im Interview mit Gabor Steingart eine CO2-Steuer von 100 Euro, einen früheren Kohleausstieg als 2038 und hält ein Plädoyer für den E-SUV. Steingart bilanziert: "Seit langer Zeit wird bei VW nicht finassiert und taktiert, sondern geführt."
thepioneer.de (nach Anmeldung frei)

Lese-Tipp: Der “Spiegel” besucht den afghanischen Sender Tolo.

Lese-Tipp: Der "Spiegel" wirft einen Blick hinter die Kulissen des afghanischen TV-Senders Tolo, dem nach der Machtübernahme der Taliban eine ungewisse Zukunft bevorsteht. Türkische Seifenopern, die z.B. Alkoholkonsum zeigen, sind der Selbstzensur zum Opfer gefallen, auch Musik-Einspieler sind mittlerweile rar. 67 Angestellte der Sendergruppe haben Afghanistan bereits verlassen.
spiegel.de (Paid)

Video-Tipp: Fridays for Future veröffentlicht Jahrestags-Clip zum globalen Klimastreik.

Video-Tipp: Fridays for Future veröffentlicht zum Jahrestag des globalen Klimastreiks den Clip "The Denial". In dem 45-Sek-Video rennt ein Mann in vollem Tempo auf eine schwarze Wand zu, die ihn anschließend ziemlich schmerzhaft stoppt. Die Metapher soll das Verhalten der Welt illustrieren, die ungebremst in die Klimakatastrophe schlittert.
youtube.com (45-Sek-Video)

Maike Kohl-Richter will juristisch gegen die Helmut-Kohl-Stiftung vorgehen.


Ruhe in Unfrieden: Die Witwe des 2017 verstorbenen Ex-Bundeskanzlers Helmut Kohl, Maike Kohl-Richter, will juristisch gegen die per Gesetz beschlossene Helmut-Kohl-Stiftung vorgehen. Zudem hat sie eine private Stiftung in Gedenken an ihren Mann gegründet, mit der sie "eigene Wege gehen" wolle. Diese ist bereits seit 10. September im Vereinsregister eingetragen und soll sich Kohls Leben "behutsam, mit der gebotenen Demut und Distanz" nähern. Die umstrittene Bundesstiftung hatte dagegen erst am Dienstag ihre Arbeit aufgenommen.

Maike Kohl-Richter hatte sich bereits im Vorfeld gegen die Bundesstiftung ausgesprochen, da sie "nicht dem letzten Willen" von Helmut Kohl entspreche. Zudem fordert sie, die CDU-Spendenaffäre müsse öffentlich aufgearbeitet werden, da diese Kohls Ansehen beschädigt habe. Per Anwaltsschreiben wirft Kohl-Richter Bund und Ländern zudem vor, sich "wissentlich und vorsätzlich" über ihre Mitwirkungsrechte als Alleinerbin hinweggesetzt zu haben.
thepioneer.de (Paid), rheinpfalz.de, marbacher-zeitung.de, spiegel.de, turi2.de (Background)

“Hängt die Grünen”-Plakate nun auch in Sachsen verboten.

(Gegen)Recht-Sprechung: Die Wahlplakate der rechtsextremen Splitterpartei "Der III. Weg" mit dem Aufruf "Hängt die Grünen" müssen in ganz Sachsen abgehängt werden, entscheidet das Sächsische Oberverwaltungsgericht. Das Plakat erfülle den objektiven Tatbestand der Volksverhetzung. Vergangene Woche entschied das Verwaltungsgericht Chemnitz, die Plakate dürfen in der Stadt Zwickau mit einem Abstand von 100 Metern zu den Wahlplakaten der Grünen hängen bleiben. Zwickau wehrte sich dagegen und bekommt nun vom Oberverwaltungsgericht recht. Das Landgericht München I hat den Slogan vor einigen Tagen ebenfalls verboten.
saechsische.de, spiegel.de, turi2.de (Background)

Studie: Männer reden vor der Wahl häufiger über Politik als Frauen.

Gender Talk Gap: Frauen sprechen laut einer Studie von Forsa und der Uni Hohenheim seltener über politische Themen als Männer. 41 % der Männer diskutieren demnach häufig mit Bekannten über die bevorstehende Wahl, bei Frauen sind es nur 34 %. Männer geben in der Befragung zudem häufiger an, sich für Politik zu interessieren als Frauen.
uni-hohenheim.de (Studie), uni-hohenheim.de (Pressemitteilung)

Meinung: Das dritte Triell war das erträglichste.

Triell-Kritik: Journalist Holger Gertz vergleicht die TV-Trielle mit einem "über mehrere Runden sich erstreckenden Sportturnier". Das Publikum lerne die Bewerberinnen kennen, "nicht wirklich in den Tiefen ihrer Persönlichkeit, aber in ihrem Wettkampfverhalten". Weil tatsächlich halbwegs ein Gespräch zustande gekommen sei, "war ausgerechnet dieses dritte Triell in den Tiefen des Privatfernsehens das erträglichste".
sueddeutsche.de (Paid)

Video-Tipp: Olaf Scholz stolpert beim Gendern.

Video-Tipp: SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz stolpert im letzten TV-Triell über die Tücken des Genderns und liefert der "Bild" so einen launigen, kurzen Zusammenschnitt mit nicht ganz geschlechtergerechter Sprache. "Arbeitnehmer und Arbeitnehmer" sowie "Bürger und Bürger" bilden nicht zwingend alle Bevölkerungsgruppen ab – auch, wenn es gut gemeint war.
twitter.com (30-Sek-Video)

Analyse: Armin Laschet kassiert binnen eines Monats die meisten Hass-Tweets.

Hass im Netz: CDU-Kanzlerkandidat Armin Laschet kassiert binnen eines Monats die meisten Hassposts auf Twitter, analysiert Hateaid. Ihn attackieren mehr als 27.000 Kommentare mit "potentiell beleidigender und verletzender Sprache". Bei SPD-Kandidat Olaf Scholz sind es 6.690, bei Grünen-Kandidatin Annalena Baerbock 5.524 Hassposts. Zumindest ein Teil der Tweets soll laut Hateaid aus der sogenannten "rechten Blase" kommen, also von Konten, die rechte oder extrem rechte Inhalte verbreiten.
spiegel.de

Lese-Tipp: Ströers Rückzug aus der politischen Werbung ist ein “schwerer Schlag für die politische Kultur”.

Lese-Tipp: Der angekündigte Rückzug des Außenwerbers Ströer aus der Parteien-Werbung ist "ein schwerer Schlag für die politische Kultur in Deutschland", findet MSL-Deutschlandchef Wigan Salazar. Plakatkampagnen gehören für ihn "zu einer gesunden politischen Debattenkultur dazu". Absender und Finanzierung von Unterstützerkampagnen, die nicht von Parteien angestoßen wurden, müssten aber "in Zukunft klar reguliert" werden.
pr-journal.de, turi2.de (Background)

Debatte: Journalistinnen haben vor der Bundestagswahl versagt.

Nachhilfe nötig? Viele Journalistinnen haben mit ihrer politischen Berichterstattung vor der Bundestagswahl "versagt", findet "taz"-Chefreporter Peter Unfried. Die Reduzierung der Kanzlerkandidatinnen auf Rollen wie "Hochstaplerin, Clown und Last Man Standing" sei zwar verständlich im "Denken der Unterhaltungsmedien", könne es aber "einfach nicht sein". Journalistinnen hätten die "Agenda des Ausklammerns der Zukunft" akzeptiert.
taz.de

Zitat: Florian Schroeder über hysterische Debatten und Meinungsfreiheit.

"Es ist auch falsch, Menschen grundsätzlich als Gesprächspartner abzulehnen, weil sie einem nicht ins Konzept passen. Es geht um Auseinandersetzung und nicht um moralische Selbstvergewisserung."

Kabarettist Florian Schroeder regt sich im "Spiegel"-Interview über die "woke" Blase und die rechts-reaktionäre Fraktion auf, die sich gegenseitig den Mund verbieten wollen.
spiegel.de (Paid)

Klick-Tipp: Welcher Satz stammt von welcher Partei?

Klick-Tipp: In einem Quiz vom "stern" können Leserinnen testen, wie gut sie das Wahlprogramm der Parteien studiert haben. Es enthält 34 Zitate von CDU, CSU, SPD, AfD, FDP, Linkspartei und von den Grünen. Sätze wie: "Die Welt um uns herum ist verrückt geworden. Deshalb sehnen wir uns nach einem normalen Leben" oder "Mehr German Mut für mehr Klima­schutz und mehr nachhaltige Entwicklung".
stern.de

Münchner Gericht verbietet “Hängt die Grünen”-Plakate

Abgehangen: Das Landgericht München I untersagt die umstrittenen Wahlplakate der rechtsextremen Splitterpartei "Der III. Weg" mit dem Aufruf "Hängt die Grünen". Die Formulierung würde zu körperllicher Gewalt aufrufen. Damit trifft das Gericht eine andere Entscheidung als die Justiz in Sachsen: Das Verwaltungsgericht Chemnitz erlaubt die Plakate, solange sie mit einem Abstand von 100 Metern zu Wahlplakaten der Grünen aufgehangen werden.
spiegel.de, turi2.de (Background)

Meinung: ARD und ZDF agieren als linke Wahlkampfhelfer.

Abgerutscht: Die Öffentlich-Rechtlichen in Deutschland rücken im Wahlkampf zu sehr nach links, schreibt Alexander Kissler, Berlin-Korrespondent der "NZZ". "Kaum eine Gelegenheit lässt man verstreichen, dem linken Parteienspektrum zu Hilfe zu eilen." Als ein Beispiel führt er die ARD-"Wahlarena" an, in der geschulte Aktivistinnen Fragen gestellt hatten. Eine solche Verschiebung "rüttelt" am Auftrag der Öffentlich-Rechtlichen, das gesamte Meinungsspektrum abzubilden.
nzz.ch, turi2.de (Background)

Hör-Tipp: Drehbuchautor Stefan Stuckmann nimmt Wahl-Werbespots filmisch unter die Lupe.

Hör-Tipp: Drehbuchautor Showrunner der Polit-Satire Eichwald, MdB Stefan Stuckmann analysiert die Wahl-Werbespots der CDU, SPD und den Grünen aus filmkritischer Perspektive. Armin Laschet wirke in seinem Clip wie ein "onkeliger Jugendtrainer oder Vertrauenslehrer". Der Spot von Olaf Scholz komme wie ein "Bewerbungsschreiben" daher. Die Grünen würden in ihrem Clip "Mut zum Kitsch" beweisen, "Wärme" erzeugen und damit einen Zeitgeist aufgreifen.
deutschlandfunkkultur.de (19-Min-Audio)

Streit-Themen und Gemeinsamkeiten, gute Moderatorinnen: Das Medienecho zum finalen TV-Triell von ProSiebenSat.1.

Finale: Erneut haben sich die Kanzlerkandidatinnen einen Schlagabtausch geliefert und über große Themen gestritten, so der Tenor der Presse zum dritten und letzten TV-Triell vor der Wahl auf ProSieben, Sat.1 und Kabel Eins. Allerdings seien die "giftigen persönlichen Angriffe" von Armin Laschet auf Olaf Scholz diesmal ausgeblieben, meint etwa Anna Sauerbrey, stellvertretende Chefredakteurin vom "Tagesspiegel". Die Kandidatinnen hätten stattdessen "auf seriös geschaltet". "Tagesspiegel"-Medienredakteur Kurt Sagatz findet, dass die Sendung "nach starkem Start mit lebensnahen Themen" ein wenig den Fokus verloren habe. Die "Bild" titelt groß: "Scholz und Baerbock verbünden sich gegen Laschet." Baerbock und Scholz seien sich sich politisch "so nah wie selten zuvor" gewesen, z.B. bei den Themen Mindestlohn, Hartz IV und Klima. Laschet habe dafür beim Thema Innere Sicherheit Akzente setzen können. Auch die "Tagesschau" konstatiert: "Oft gab es zwei klare Lager." SPD und Grüne seien sich u.a. bei der Erhöhung des Mindestlohns auf 12 Euro einig gewesen.

"FAZ"-Politik-Korrespondent Peter Carstens lobt die Moderatorinnen Linda Zervakis und Claudia von Brauchitsch – sie hätten anders als ihre Kolleginnen von ARD und ZDF bewiesen, dass "gute Vorbereitung einem zähen Politikabend Fließgeschwindigkeit verleihen" könne. Auch ZDF-Satiriker Jan Böhmermann war von den beiden angetan und bezeichnet das Duo als "beste Triell-Moderation". Zervakis habe für den "schönsten Moment des Abends" gesorgt, schreibt die "Süddeutsche Zeitung". Sie hatte ein Micky-Maus-Heft von 1993 hervorgezaubert und Laschet gefragt, ob Micky Maus die Dringlichkeit des Klimawandels früher verstanden habe als die CDU. Auch die Rubrik "Politiker fragen Politiker" sei eine "nette Idee" gewesen. Trotzdem gibt es auch Kritik, was die Themenauswahl angeht: Der "Spiegel" findet es beispielsweise bemerkenswert, dass Europa- und Außenpolitik in keinem Triell zur Sprache gekommen ist. Für ARD und ZDF sei es es "nicht die allerbeste Nachricht", dass sowohl RTL als auch ProSiebenSat.1 "keine schlechteren Sendungen auf die Beine gestellt haben als sie", bilanzieren  Johannes Bebermeier und Tim Kummert bei T-Online.

Laut einer Forsa-Umfrage hat Olaf Scholz das Triell gewonnen – mal wieder: 42 % der Befragten votierten für ihn, Armin Laschet kommt auf 27 % und Annalena Baerbock landet mit 25 % auf dem letzten Platz. 6 % nannten keine Gewinnerin.
presseportal.de, Foto: Kay Nietfeld/dpa

Zitat: Tijen Onaran und Laura Karasek über die ungerechte Behandlung von Frauen im Wahlkampf.

"Wie sieht sie aus, kriegt sie rote Flecken im Gesicht, ist ihre Stimme laut? Wir reden nie über den schlecht sitzenden Anzug von Friedrich Merz."

Unternehmerin Tijen Onaran sagt im "Süddeutsche"-Doppel-Interview, dass man im Wahlkampf vor allem an den Diskussionen über Annalena Baerbock sieht, dass Frauen grundsätzlich "anders behandelt werden".

"Wie man's macht, macht man's falsch als Frau. Bist du zu hart, wirkst du zwar kompetent, aber verbittert und unsympathisch. Bist du zu aufgebrezelt, bist du eine Tussi."

Autorin und Investorin Laura Karasek bemängelt, dass der "Slot, in dem eine Frau mal genau richtig ist", so schmal sei, "dass man ihn fast nicht treffen kann".
sueddeutsche.de (Paid)

CDU-Politiker Ruprecht Polenz reagiert auf Rezo-Video.

Reaction Letter: Ex-CDU-Generalsekretär Ruprecht Polenz reagiert mit einem offenen Brief auf das jüngste und finale Zersörungs-Video von Rezo zum Thema Korruption. Polenz habe deswegen "lange nicht einschlafen" können. Die Kritik an den Grauzonen teilt Polenz, Transparenz-Vorschriften müssten wirksamer kontrolliert werden. Bei den im Clip thematisierten Masken-Deals der Union spricht der Politiker von "besonders krassen Fällen" und verweist auf die "über 400.000 anständigen Mitglieder der CDU".
spiegel.de, facebook.com (offener Brief), turi2.de (Background)

Zahl des Tages: Jens Spahn zieht positive Bilanz der Impf-Aktionswoche.

Zahl des Tages: Von etwa 500.000 Erst-Impfungen während der Aktionswoche #HierWirdGeimpft sind die Hälfte durch die rund 1.500 Aktionen zustande gekommen, sagt Jens Spahn den Funke-Zeitungen. Bei den Älteren sieht der Gesundheitsminister aber noch Luft nach oben: Von den 24 Mio Menschen über 60 Jahren seien noch immer knapp 4 Mio ungeimpft – also fast jeder Sechste in dieser Risikogruppe.
rnd.de

turi2 edition #15: Sawsan Chebli über Kindheit und Kopftuch.


Neue Realität: Mit zwölf Geschwistern wächst Sawsan Chebli in Berlin auf. Ihr palästinensicher Vater kämpft dafür, im Land bleiben zu dürfen und lebt ihr deutschen Patriotismus vor. Bei der SPD hat es Chebli seitdem weit gebracht. Heute will sie es Menschen mit ähnlichen Biografien wie ihrer leichter machen, aufzusteigen. Weiterlesen…

Basta: Horst Seehofers Kinder spekulieren über seine Rentenpläne.

Heimischer Horst: Die Kinder von Horst Seehofer spekulieren in einem Interview über die Rentenpläne ihres Vaters und vermuten ihn künftig eher am Schreibtisch denn in der Küche – "zu Hause engagieren, das ist nicht so seins". Immerhin punktet der Innenminister als Opa: Obgleich "nicht der große Kinder-Entertainer", bangt er um die Begeisterung der Enkel für die Horstsche Eisenbahn.
merkur.de

“WamS”: Causa El-Hassan bringt Öffentlich-Rechtliche in eine Zwickmühle.


Politisch heikel: Die Causa Nemi El-Hassan bringt die Öffentlich-Rechtlichen in eine Zwickmühle, beobachtet die "Welt am Sonntag". Die Journalistin, deren Moderationsstart beim WDR-Magazin "Quarks" aufgrund ihrer Teilnahme an einer israelfeindlichen Demo auf Eis liegt, sei "nicht die einzige aus ihrem Milieu, die bei den Öffentlich-Rechtlichen für eine Karriere vorgesehen ist". El Hassan gehöre zu einer Gruppe, "in der Karriere gemacht wird, weniger trotz einer wenig demokratiekompatiblen Einstellung, sondern mit oder sogar wegen dieser Einstellung", schreibt "WamS"-Chefredakteur Johannes Boie.

Außer El-Hassan hätten u.a. auch BR-Reporter Malcolm Ohanwe sowie Funk-Journalistin Alena Jabarine ihren Auftraggebern Kritik eingehandelt – vor allem wegen Kontroversen zu Israel. Die "aktuelle Situation" sei "nicht ausschließlich" El-Hassans Schuld, schreibt Boie weiter. Er kritisiert "alle, die bei ihrer bisherigen Karriere beide Augen zugedrückt haben".
welt.de (Text Boie), edition.welt.de (ausführlicher Text, Paid), turi2.de (Background)

Debatte: TV-Triell-Gucker gehen mit höherer Wahrscheinlichkeit wählen.

Von der Glotze an die Urne: Zuschauerinnen der TV-Trielle nehmen mit höherer Wahrscheinlichkeit an der Wahl teil, erklärt Politikwissenschaftler Thorsten Faas (Foto) im "Tagesspiegel". Die Fernsehauftritte der Kanzlerkandidatinnen würden die Menschen mobilisieren, massive Wählerwanderungen von Partei A nach Partei B seien nach Triellen aber nicht zu erwarten. Dafür könnten sich eher Unentschlossene dank TV-Debatten auf eine Partei festlegen.
tagesspiegel.de

Sängerin Nena sagt komplette Tour wegen Corona-Maßnahmen ab.

Nirgendwo, nirgendwann: Sängerin Nena sagt ihre komplette Tour 2022 ab, weil sie mit den Corona-Maßnahmen nicht einverstanden ist. Auf ihren Konzerten seien "alle Menschen willkommen", in Deutschland gehe es derzeit "in eine ganz andere Richtung". Sie wolle die Tour auch nicht erneut verschieben. Fans können bereits gekaufte Tickets zurückgeben.
instagram.com (Post Nena) via bild.de