“Wenn wir am Mikrofon sitzen, ändert sich alles.” – Norbert Linke über Sprache in Podcasts und im Radio.


Sprachunterricht: Ein ausformuliertes Manuskript ist das größte Hindernis für freies Sprechen, sagt Nachrichtencoach Norbert Linke. Im Interview für die turi2 Podcast-Wochen erklärt er, wie man Texte für Radio und Podcasts konzipiert. Im Radio sei die Sprache oft zu formalisiert, bei Podcasts werde “mitunter wild drauflos schwadroniert”. Linke rät zu kurzen Sätzen und regelmäßigen Sprechpausen, um den Zuhörenden Luft zu geben. “Definiere einen markanten Einstieg, dann sprich frei an Stichworten entlang.” Podcast-Hosts legt er ans Herz: “Kommt schneller zum Thema!” Weiterlesen >>>

Auf einen Klick – Podius bündelt Podcast-Marktdaten für Publisher, Vermarkter und Media-Agenturen.


Klick- und Schaltzentrale: Der Münchner Audio-Spezialist Wake Word bringt mit der Analyse- und Media­planungs-Plattform Podius ein Podcast-Tool auf den Markt, das unter einem Dach automatisiert Markt­daten für Publisher, Vermarkter und Media-Agenturen liefern will. “Wir waren genervt, uns immer mühe­voll die Daten zusammen­zusuchen”, sagt Wake-Word-CEO und Mitgründer Sven Rühlicke im Interview. Publishern gibt das Tool u.a. eine Übersicht über besetzte Themen, Genre-Konkurrenz oder die Auffind­barkeit eigener Podcasts. Ein integriertes Media­planungs­tool für Podcast-Werbung soll Planungs- und Buchungs­abläufe vereinfachen, die bisher “viel zu händisch und aufwändig” seien. Zum Start sind als Partner GroupM, Julep, Zebra-Audio und Axel Springer Audio dabei. Künftig soll Podius als unabhängige Plattform allen Teilnehmenden im Podcast-Markt offenstehen. Interview lesen >>>

turi2 edition #19: Matze Hielscher übers Verquatschen und Verwüsten.


Lange Leitung: Matze Hielscher will seine Gäste im Podcast Hotel Matze mit einem Gefühl von Heimeligkeit ausfragen – und von ihnen selbst etwas fürs Leben lernen. “Ich warte gerne auch mal ein paar Jahre auf einen Gast”, sagt er im großen Interview in der turi2 edition #19. Für seinen Podcast ist er sogar bereit, den Chef-Posten in seiner Firma aufzugeben. Weiterlesen >>>

Mein Podcast-Tipp: Lukas Heinser über “Song Exploder”.


Hier spielt die Musik: Journalist und Hobby-Musiker Lukas Heinser holt sich gerne Inspiration beim Song Exploder. Der Podcast von Hrishikesh Hirway erzählt die Entstehungs­geschichte eines Songs — u.a. mit berühmten Acts wie Madonna oder Metallica. Für Heinser ist das Format ein positives Beispiel dafür, was Podcasts leisten und wie sie “eine ganze Welt auffächern” können. Seine Hör-Empfehlung erscheint in der Reihe Mein Podcast-Tipp, in der Meinungs­­­macherinnen der turi2-Community ihre Lieblings-Podcasts vorstellen. Weiterlesen >>>

turi2 edition #19: Machen Wissens-Podcasts wirklich schlauer, Lisa-Sophie Scheurell?


Podcast-Potentiale: Lisa-Sophie Scheurell ist sich sicher, dass Wissens-Podcasts ihrem Publikum einen gewaltigen Mehrwert bieten. Die Gastgeberin des Podcasts Wissen Weekly von Spotify bekommt von ihrer Community regelmäßig gespiegelt, welchen Wert die Audio-Informationen haben, schreibt sie in ihrem Gastbeitrag in der turi2 edition #19 Audio. Weiterlesen >>>

“Falco hätte einen Podcast gehabt” – Anna Wallner über fehlende Innovationen auf dem österreichischen Podcast-Markt.


Pod me Amadeus: Beim Thema Podcast wiederholt sich in Österreich, was schon beim Privatfernsehen der Fall war – es dominieren die Angebote aus Deutschland, schreibt Anna Wallner, Audio-Chefin der Tageszeitung Die Presse. Im Gast­beitrag für die turi2 Podcast-Wochen vermisst sie das “Selbstbewusstsein, sich etwas Neues zu trauen”. Bisher fänden österreichische Produktionen in Deutschland nur wenig Gehör, auch die österreichischen Promis seien bei Podcasts sehr still. Ein Grund dafür sei auch der ORF, der nichts ausspielen darf, was nicht vorher im linearen TV oder Radio lief – und damit als innovative Kraft fehle. Wallner ist überzeugt: Sänger Falco, einer der wenigen Export­schlager Österreichs, hätte sicher einen Podcast gehabt. Weiterlesen >>>

“Besonderer Deal” – Ute Henzgen über Abverkauf und Image-Bildung durch Podcast-Werbung.


Intensiv & Imagebildend: Die “intime” Situation, in der man Podcasts hört, und die damit verbundene intensive Zuwendung zum Content, verstärkt sowohl die Image­bildung als auch die Werbe­wirkung, sagt Ute Henzgen im Fach-Interview im Rahmen der turi2 Podcast-Wochen. Als General Director Sales bei der Ad Alliance verantwortet sie u.a. Digital Audio & Podcast und sieht für Werbung­treibende die Möglichkeit, ihre Botschaft in Podcasts länger, “expliziter und anschaulicher zu vermitteln”, als es etwa in Radiospots möglich ist. Für den Abverkauf seien Gutschein-Codes beliebt, weil der Host “‘seinen Fans’ einen besonderen Deal anbieten kann” – und die Werbe-Wirkung dadurch messbar und transparent werde. Weiterlesen >>>

“Die Krisen haben die Stärken von Markus Lanz sichtbar gemacht” – Lars Haider über das Phänomen Markus Lanz.


Lars und Lanz: Niemand wurde im deutschen Fernsehen so verspottet und ist dann so zurückgekommen wie Markus Lanz, findet Lars Haider. Der Chefredakteur des “Hamburger Abendblatts” beschreibt in seinem Buch “Das Phänomen Markus Lanz” den Weg von Lanz vom “Wetten, dass..?-Versenker” bis zu einem der profiliertesten Interviewer im Land. Er vergleicht den ZDF-Mann sogar mit dem österreichischen ZiB-Moderator Armin Wolf. Eine frühere Lanz-Kritikerin, die 2014 eine Petition gegen den ZDF-Moderator gestartet hatte, ist heute umgeschwenkt, berichtet Haider im Interview mit turi2-Chefredakteur Markus Trantow und lobt Lanz als “eine Ausnahme im deutschen Fernsehen”. Weiterlesen >>>

“Man kündigt ja auch nicht seine Freundschaften.” – Alexander Krawczyk über Laber-Podcasts und Startup-Feeling bei ProSiebenSat.1.


Podcast-Junkie: "Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht", sagt Alexander Krawczyk im turi2 Jobs-Podcast. 2007, beim Studium in den USA, kommt er erstmals mit Podcasts in Berührung, heute hört der Senior Vice President von Seven.One Audio sechs bis acht Stunden Podcasts am Tag. Mit Startup-Mentalität hat er die Podcast-Sparte von ProSiebenSat.1 aufgebaut: "Nicht fragen, einfach machen, Tatsachen schaffen", ist Krawczyks Devise. "Es ist viel schwieriger für Bedenken­träger, 'Nein' zu sagen, wenn etwas bereits in der Welt ist und erste Erfolge vorweist", sagt Krawczyk im Gespräch mit turi2-Redakteur Björn Czieslik. Anfangs wurden seine Podcast-Aktivitäten im Konzern noch belächelt, doch inzwischen "sind wir ganz oben angekommen auf der Agenda, man nimmt uns wahr im Haus, merkt dass unsere Podcasts gut laufen".

Rund 35 Menschen arbeiten inzwischen im Team von Seven.One Audio: Mindestens ein Arbeits­tag in der Woche ist Office-Pflicht, wobei das nicht am Konzern­sitz im Münchner Vor­ort Unterföhring sein muss, sondern auch an den P7S1-Stand­orten in Berlin, Hamburg, Frankfurt oder Düsseldorf möglich ist. Durch diese Flexibilität hat sich die Zahl der Bewerbungen fast verfünf­facht im Vergleich zu früheren Stellen, die an Unterföhring gebunden waren, erinnert sich Krawczyk. Ein tägliches, digitales Morgen-Meeting, "das wir jeden Morgen religiös durchziehen", schafft ein Verbundenheits­gefühl. Gesucht sind Menschen, die Erfahrungen mit digitalen Medien haben: "Wir sind auch total offen für Quereinsteiger. Es gibt ja niemanden, der zehn Jahre Podcast-Erfahrung hat." Einen Radio-Background dagegen findet Krawczyk fürs Podcasten nicht hilfreich: "Meiner Meinung nach ist Podcast was ganz anderes als Radio. Es ist kein Abfall­produkt von Radio, es ist was eigenes mit eigenen Gesetz­mäßig­keiten."

Alexander Krawczyk und Björn Czieslik im Podcast-Studio von Seven.One Audio in Unterföhring.

Wenn Alexander Krawczyk auf Podcasts blickt, dann tut er das immer auch durch die Brille der Vermarktbarkeit: Die Personality-getriebenen und oft gescholtenen Laber-Podcasts eigneten sich dazu am besten. "Du baust mit deinen Podcastern eine sehr intime Beziehung auf über die Zeit." Deshalb seien die Hörerinnen von Laber-Podcasts auch die loyalsten: "Wenn man es schafft, einen Laber-Podcast im Leben von einem Hörer oder einer Hörerin zu etablieren, dann wollen die den auch nicht wieder gehen lassen. Man kündigt ja auch nicht seine Freundschaften." Der Markt der Laber-Podcasts mit Männern ist teilweise schon übersättigt, Potenzial sieht Krawczyk vor allem für Laber-Podcasts mit Frauen, etwa Bauerfeind + Kuttner. "Wir merken einfach, dass weibliche Hosts sehr viel stärker nachgefragt werden von der Werbebranche."

Krawczyk wünscht sich, dass Podcasts noch mehr zum Massen­medium werden und neue, auch ältere Ziel­gruppen erreichen. Ein gutes Beispiel dafür sei Lanz & Precht. Durch den Podcast von ZDF-Talker Markus Lanz und Philosoph Richard David Precht hätten manche Menschen überhaupt erst zum Medium Podcast gefunden. "95 % der Deutschen haben ein podcast-fähiges Gerät immer in ihrer Tasche. Wir müssen sie dazu kriegen, dass sie das entdecken."

Außerdem erzählt Krawzcyk, warum Video-Podcasts aus seiner Sicht viel Geld kosten, aber wenig Nutzen bringen, und für welche Zwecke sich Podcast-Werbung besonders eignet. Das Gespräch erscheint im Rahmen der turi2 Podcast-Wochen. Weitere Interviews, Podcasts, Profi-Tipps und Hör-Empfehlungen gibt es täglich bis zum 9. Oktober. Am 12. Oktober erscheint außerdem die gedruckte turi2 edition #19 Audio – jetzt schon das kostenlose E-Paper vorbestellen.
turi2.tv (52-Min-Podcast auf YouTube), turi2.podigee.io, spotify.com, podcast.apple.com, deezer.com, audionow.de

Ohne Medienbrüche: Ad-Alliance-COO Isabella Thissen über Cookies und Content.


Werben in der Krise: "Wir glauben, es ist eine gute Zeit zum Investieren", sagt Isabella Thissen in Video-Interview von "Horizont" und turi2.tv über die Chancen von werbetreibenden Unternehmen, sich Marktanteile zu sichern – jetzt und für die Zeit nach der Krise. Am Rande des Kunden-Events Innovation Now blickt Thissen auf weitere Herausforderungen der Werbebranche, etwa die Post-Cookie-Ära. Die Ad Alliance sei da inzwischen gut aufgestellt, sagt Thissen und beschreibt die Datenwelt nach dem Ende des Cookie-Targetings als Stufen-Modell: So würde Umfeldwerbung im TV weiter gut funktionieren. Als zweite Stufe sieht sie In-House-Daten, die etwa RTL auf seinen Plattformen selbst erhebt, und eine sehr hohe Qualität haben. Das Land wo für Werber "Milch und Honig fließen" seien aber ID-basierte Lösungen, etwa mit Initiativen wie NetID.

Damit, so erklärt sie, könnten auch Cookie-Banner, die viele Nutzende heute nerven, zumindest eingeschränkt werden. Gemeinsam mit Media Impact arbeite man bei NetID daran, eine Lösung in den Markt zu bringen, bei der der Nutzende einmal eine bewusste Entscheidung trifft – und anschließend auch über Plattformen hinweg nicht mehr dauernd seine Zustimmung geben muss.

Außerdem geht es in dem Gespräch um die neue Konkurrenz durch Amazon und Netflix, die nun auch auf dem Video-Werbemarkt mitmischen. "Das kann ein Risiko sein, wir sehen das aber vor allem als Chance", sagt Thissen. RTL+ setze von Anfang an auf eine Mischung aus Werbung und Abo. "Wir sehen, dass es Nutzer und Use Cases für beides gibt." Der Schritt bestätige RTL in seiner Strategie.
turi2.tv (10-Min-Video auf YouTube)

“Verwandele dich in ein vierjähriges Kind” – Sprachcoach Arno Fischbacher gibt Stimm-Tipps.


Der Scham entgegen: “Grundsätzlich werden klare, voluminöse und ausdrucks­starke Stimmen als angenehm empfunden”, sagt Arno Fischbacher im turi2-Interview. Der Stimmcoach und Rhetorik­trainer schreibt der menschlichen Stimme eine große “Macht” zu, denn “sie bildet im Grunde die gesamte Entwicklungs­geschichte der Person ab”. Bei Lampen­fieber und Nervosität auf der Bühne oder im Gespräch empfiehlt er: Nichts verbergen und Faxen machen.
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turi2 edition #19: Maria Lorenz-Bokelberg über Podcasts und Perspektiven.


Sport, Staubfang, Schaumbad: Maria Lorenz-Bokelberg setzt früh alles auf die Karte Podcast. “Es lief zwei Jahre scheiße. Und irgendwann lief es besser”, sagt sie im großen Interview für die turi2 edition #19. Heute ist sie mir ihrer Firma Pool Artists die erfolgreichste Produzentin Deutschlands – und sucht manchmal die Stille. Nur für das Fotoshooting mit turi2 hört sie Podcasts in allen Lebenslagen. Weiterlesen >>>

“Ich genieße es manchmal, wenn jemand anderes die Programmplanung macht” – Norman Wagner über TikTok und TV.


Bleibt flexibel: Nach dem ersten Streaming-Boom und Binge-Watching von Serien sieht Norman Wagner mittlerweile wieder "differenzierter" fern, sagt er im Video-Interview von "Horizont" und turi2.tv am Rande des AGF-Forums in Frankfurt. Der Mediachef bei der Deutschen Telekom und Vorstand der Organisation Werbungtreibender im Markenverband erzählt im Gespräch mit turi2-Verlegerin Heike Turi, dass er immer öfter wieder lineares TV einschaltet, weil er keine Lust hat, "20 Trailer anzugucken". Als "Flexiviewer" schaut er das, wonach ihm gerade ist: "Es kommt auch vor, dass ich abends zwei Stunden TikTok schaue, weil ich auf gar nichts Lust habe, was Bigscreen ist", sagt er und lobt den Algorithmus des Kurzvideo-Dienstes. Wagner genieße es manchmal, wenn "jemand anderes die Programm­planung macht".

Die größte Herausforderung in der digitalen Media­planung sieht Wagner heutzutage darin, dass sie "in Silos" funktioniere. TV sei ein großes Silo, "wo ich einen großen Daten­bestand über einzelne Sender habe". Gehe es darüber hinaus "wird's schon wieder schwieriger". Digital-Werbung ist gut darin, für vorhandene Bedürfnisse Angebote zu machen, analysiert Wagner. Eine "absolute Katastrophe" sei das digitale Ökosyste, wenn es darum gehe Bedürfnisse zu wecken. Anders als für TV gebe es im Digitalen kaum Reich­weiten-Forschung. "Deswegen brauchen wir crossmediale Planungs- und Reporting-Instrumente", sagt Wagner.
turi2.tv (10-Min-Video)

Mein Podcast-Tipp: Verena Bender über “Talking Digital”.


Modern Talking: Verena Bender, Personal Branding Coach und Host des Podcasts Be your Brand, informiert sich über die Kommunikations­branche gerne mit dem Podcast Talking Digital. Am interessantesten findet sie es, wenn die Hosts Sachar Klein, Kristin Dolgner und Giuseppe Rondinella alle unterschiedliche Ansichten haben und “ich mir als Hörerin daraus meine eigene Meinung zusammensuchen darf”. Benders Hör-Empfehlung erscheint in der Reihe Mein Podcast-Tipp, in der Meinungs­­­macherinnen der turi2-Community ihre Lieblings-Podcasts vorstellen. Weiterlesen >>>

“Inhaltstiefe Themen finden im Radio keinen Platz” – Ina Tenz über Pferde- und Podcast-Leidenschaft.


Setzt auf's richtige Pferd: "Mein Herz schlägt ganz laut und stark für Podcasts", sagt Ina Tenz im turi2 Clubraum. Das Medium nehme neben der Beratung von Radio­sendern und Markt­forschungs-Unternehmen mittlerweile das meiste ihrer Arbeits­zeit in Anspruch. Jahrzehnte­lang war Tenz eine der prägenden Frauen im deutschen Radio, zuletzt als Programm­chefin von Antenne Bayern. Seit 2019 ist sie in der PR-Agentur ABC Communication ihres Ehe­mannes Béla Anda für Audio, Strategie und Content zuständig und hat u.a. den mittlerweile eingestellten Podcast mit Gerhard Schröder, Der fünfte Satz mit Boris Becker und den Tönnies & Tönnies Podcast mitproduziert. Ihre Lieblings­produktion allerdings ist das Format Pferde­medizin heute, verrät Tenz. Denn hier verbinden sich die beiden großen Leidenschaften der Pferde-Züchterin: "Über Pferde kann ich den ganzen Tag reden." Grundsätzlich gefalle ihr die Viel­schichtigkeit, die Podcasts bieten. Ob für Institutionen, Unternehmen oder Persönlichkeiten, sie könne "immer ganz tief ins Thema einsteigen". Anders als beim Radio, wo "inhaltstiefe Themen" keinen Platz finden sollten, seien diese im Podcast genau richtig.

Positiv nimmt sie wahr, dass die "homöopathischen" Rück­meldungen zu ihren Podcasts "meist neutral, sachbezogenen und konstruktiv" sind. "Ich komme von Massensendern, da ist man Hörer­feedback auf allen Ebenen gewohnt", sagt Tenz. Aus ihrer Zeit beim Radio adaptiert Tenz den "Anspruch, den man an ein gutes Radio­programm hat" auf ihre Podcasts. "Die Vorstellung von Storytelling, Sound, dass kleine Details stimmen müssen, die Sprecher, die Dynamik" – all das sei sowohl in einem guten Radioprogramm als auch in einem Podcast wichtig.

Trotz der Begeisterung für Podcasts ist Tenz davon überzeugt, "dass es Radio immer geben wird". Die Audiowelt verändere sich drastisch, dennoch "ist Radio noch ein Massen­medium". Als "Tages­begleiter, Anbieter von Stimmen" und leichter Unterhaltung werde es das auch bleiben. "Wenn es um Inhalte, um konzentriertes Zuhören geht, gibt es viele Alternativen", meint Tenz.

Nächste Woche ist Radio- und TV-Moderator, Autor, Podcaster, Kolumnist und Gag-Schreiber Micky Beisenherz zu Gast – ausnahmsweise bereits am Mittwoch um 12 Uhr.
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Der Podcast ist Teil der Podcast-Wochen von turi2.

Zum Thema Audio veröffentlicht turi2 die turi2 edition #19 Audio – Erscheinungstermin: 12. Oktober 2022. Du kannst die Buchreihe turi2 edition kostenfrei lesen und als E-Paper hier kostenlos abonnieren.

“Menschen mögen Brüche” – Henning Beck über Fernsehformate und Freiheit.


Fernseh-Forschung für Fortgeschrittene: "Alle tollen Format-Ideen haben einen Bruch, etwas Unerwartetes, was es vorher nicht gab", erklärt Henning Beck im Video-Interview von "Horizont" und turi2.tv am Rande des AGF Forums in Frankfurt. Das gelte auch für gute Werbung. Dieses "Unerwartete" lässt sich – trotz KI und digitaler Vermessung der Welt – nicht digitalisieren, ist der Neurowissenschaftler überzeugt. Zuschauer-Zahlen lassen sich super auswerten, aber "alles, woran sich keine Kennzahl schreiben lässt, ist nicht digitalisierbar", erklärt Beck und denkt an Kreativität oder an das Gefühl, mit dem ein TV-Programm das Publikum zurücklässt.

Außerdem erklärt Beck, was im Gehirn passiert, wenn der Fernseher oder das Handy Bewegtbild abspielen: Das Publikum konsumiert nicht nur, im Idealfall werde es mit auf eine "gedankliche Reise" genommen. "Menschen simulieren die TV-Welt in ihrem Kopf und werden so Teil des Geschehens", sagt Beck. Allerdings gebe es Unterschiede zwischen großen Formaten wie Kino und TV und kleinen Screens wie Tablet und Handy. Bei Live-Sendungen und im Kino hat das Publikum keine Kontrolle, etwa weil es sich an Sendezeiten und Startzeiten halten muss. Streaming funktioniere auch deswegen so gut, weil es dem Publikum die Macht gibt – über das Programm, die Startzeit und Unterbrechungen.
turi2.tv (9-Min-Video auf YouTube)

Sind Stimme und Promi-Faktor heutzutage wichtiger für einen Podcast-Erfolg als der Inhalt, Benjamin Majeron?


Muss menscheln: Die Menschen in einem Podcast sind wichtiger als der Inhalt, sagt Benjamin Majeron, Head of Digital bei Serviceplan PR & Content. Wenn die Vermittlung nicht stimmt, “schalten die Hörer:innen ab”. Noch wichtiger als der Promi-Faktor sei aber, dass verschiedene Meinungen aufeinandertreffen. “Wenn sich alle einig sind, steht das Ergebnis der Folge schon am Anfang fest: Nämlich, dass alle genauso schlau sind wie am Anfang.” Weiterlesen >>>

“Nicht alle müssen alles können.” – Ina Karabasz über Live-Journalismus und Podcasts.


Mut zum Mikro: Es können viel mehr Medienschaffende live oder Podcasts moderieren, als sie es sich selber zutrauen, sagt Ina Karabasz, Leiterin Live-Journalismus, Podcast und Video beim “Handelsblatt”. Es gehe darum, “genau das zu machen, was wir sonst auch machen: Interviews führen und Menschen treffen”. Sie empfiehlt Medienschaffenden, nicht zu kritisch mit sich zu sein. Außerdem spricht Karabasz darüber, wie das “Handelsblatt” von seinem Audio-Ausbau profitiert. Weiterlesen >>>

“Möglichst diverse Leute” – Saruul Krause-Jentsch über Arbeiten und Anderssein bei Spotify.


Auffälliger Aufstieg: "Es hat mir nie geschadet, irgendwie aufzufallen oder anders zu sein", sagt Saruul Krause-Jentsch im Jobs-Podcast mit turi2-Verlegerin Heike Turi. Mit Blick auf die steile Karriere der gerade einmal 33-Jährigen trifft das augenscheinlich zu: Nach Stationen bei Condé Nast und Bertelsmann geht Krause-Jentsch zu Spotify und ist dort seit 2020 als Head of Studios DACH verantwortlich für alles, was mit Podcasts zusammenhängt – von der Entwicklung neuer Formate über die Betreuung der mittlerweile über 70.000 deutschsprachigen Podcasts bis hin zum Entdecken neuer Talente. Seit 2022 erfreut sich Krause-Jentsch zusätzlich an der Schlagfertigkeit und dem schwarzen Humor der Briten, da sich ihr Zuständigkeitsbereich um UK und Irland erweitert hat. Durch Remote-Arbeit lassen sich die unterschiedlichen Regionen gut nebeneinander managen, erzählt sie.

Generell schreibt Spotify das flexible Arbeiten groß. Zum Beispiel sind die Arbeitsplätze im Berliner Großraumbüro nicht fest zugeteilt. Persönliche Utensilien vermisst Krause-Jentsch an ihrem Schreibtisch nicht. Dass eines Tages mal ein Bild von ihrem Hund darauf steht, wäre ohnehin ihr größter Albtraum, lacht sie: "Diese Person bin ich nicht." Während der Corona-Zeit führt Spotify Work from Anywhere ein und bekommt dadurch Mitarbeitende, "die wir sonst nicht bekommen hätten". Das seien etwa Menschen, "die vielleicht eher von physischer Präsenz ausgeschlossen sind, weil sie Care-Arbeit zu Hause leisten". Mit regelmäßigen Get-togethers und Workshops vor Ort gibt es dennoch wichtige Anker: "Strategisch und kreativ arbeitet es sich in Person schon noch besser." Als Chefin legt Krause-Jentsch Wert darauf, einen klaren Fokus zu setzen – und dass jeder die langfristige Marschrichtung verinnerlicht. Dabei legt sie eine Geschwindigkeit an den Tag, die "teilweise ein bisschen überfordernd" sein kann, wie sie selbst zugibt. Dann müssen sie ihre Kolleginnen gelegentlich bremsen und sagen: "Das geht jetzt ein bisschen schnell, wir brauchen noch ein, zwei Überlegungen."

Wer bei Spotify anfangen will, sollte neben einer Leidenschaft für das Thema Podcast eine "gewisse Macher-Mentalität" mitbringen, also keine Angst vor dem Scheitern haben. "Lieber machen, als reden", rät Krause-Jentsch allen Bewerbenden. Auch die Bereitschaft, "gerne etwas mehr geben" zu wollen, sei wichtig. Internationales Know-How kommt ebenso gut an, ist aber kein Muss. Denn gerade unterrepräsentierte, marginalisierte Gruppen hätten gar nicht die Möglichkeit, so viele Praktika zu machen. Schließlich sei es das Ziel, "möglichst diverse Leute" zu Spotify zu bringen. Wer beruflich weiterkommen will, sollte vor allem Fragen stellen, um aufzufallen: "Wer nicht fragt, wird doch häufig übersehen."

Darüber hinaus erzählt Krause-Jentsch, was sie geworden wäre, hätte es nicht bei Spotify geklappt, ob sie sich selbst als Role Model sieht und warum ihr die Frage danach, ob es nicht schon genug Podcasts gibt, auf die Nerven geht. Das Gespräch erscheint im Rahmen der turi2 Podcast-Wochen. Weitere Interviews, Podcasts, Profi-Tipps und Hör-Empfehlungen gibt es täglich bis zum 9. Oktober. Am 12. Oktober erscheint außerdem die gedruckte turi2 edition #19 Audio – jetzt schon das kostenlose E-Paper vorbestellen. (Foto: Marlen Stahlhuth)
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Braucht wirklich jede Marke und jedes Unternehmen heute einen Podcast, Jens Zielinski?


Starthilfe: Nicht jedes Unternehmen braucht einen Podcast, es sollte sich aber zumindest mit dem Thema auseinander­setzen, meint Jens Zielinski, Chef der Audioagentur Schlenker PR. Ein Corporate Podcast biete viele Chancen, sollte aber auch qualitativ hochwertig sein: “Das ist wie eine eigene Radioshow, mit der wir unsere Fans abholen und ihnen unsere Markenwelt richtig cool präsentieren – das ist keine Vertonung einer Pressemitteilung.” Zum Start empfiehlt Zielinski einen Basis-Workshop mit allen Beteiligten. Bei der Planung sollte man in Staffeln denken. Weiterlesen >>>

Wie verführe ich Hörerinnen mit Storytelling-Podcasts zum binge-listening? – Johanna Steiner über Geschichten, die einen nicht loslassen.


Akustisch fesselnd: Storytelling-Podcasts verbinden “eine gute Geschichte mit einer darunter­­liegenden Dimension oder Tiefe – und einer durchdachten akustischen Ästhetik”, schreibt Johanna Steiner in ihrem Gastbeitrag für die turi2 Podcast-Wochen. Als Redakteurin, Autorin und Regisseurin entwickelt sie Geschichten für die Wake Word Studios. Wichtig sei, nach einer ersten Idee zu überlegen, ob sich die Geschichte für eine mehrstündige Podcast-Aufarbeitung überhaupt eignet und wenn ja, warum: “Warum lässt mich diese Sache nicht los? Welcher zutiefst menschliche Konflikt, welches Wunder, welche Frage steht hier eigentlich im Zentrum?” Bei der Wahl der Stilmittel gelte, “nicht einfach Schema F zu folgen”, sondern “aus dem großen Arsenal der Möglichkeiten” zu schöpfen. Weiterlesen >>>

Ist TV ein Oldtimer, Kerstin Niederauer-Kopf?


Große Bilder: "Der Big Screen war nie weg", sagt Kerstin Niederauer-Kopf im Video-Interview mit turi2.tv. Im Gespräch mit turi2-Verlegerin Heike Turi am Rande des AGF-Forums in Frankfurt widerspricht die Chefin der AGF Videoforschung der These, dass das Fernsehen zum alten Eisen gehört. Von der analogen Vergangenheit des Mediums sei heute schon nichts mehr übrig. Das bestätigen auch die Messergebnisse der AGF, die traditionell TV-Quoten erhebt, aber längst auch Streaming-Nutzung, etwa bei Netflix oder Amazon Prime erfasst.

Als eine ihrer größten Herausforderungen beschreibt Niederauer-Kopf es, Digital-Publisher für die Messung von Bewegtbild zu gewinnen, um eine möglichst "konvergente Reichweite" ausweisen zu können. Anders als bei den TV-Quoten, wo automatisch alle empfangbaren Sender ausgewertet werden, müssen sich Digital-Publisher aktiv für die Messung entscheiden.

Mit Blick auf das überragende Interesse an Nachrichten und Unterhaltung während der Corona-Zeit erklärt die TV-Forscherin, dass die Nutzung von Bewegtbild weiter über dem Vor-Krisen-Jahr 2019 liegt, verglichen mit den Hoch-Phasen der Pandemie aber abnimmt. Außerdem beobachtet sie den Wunsch nach Eskapismus, was auf die Nutzung von Unterhaltungs-Angeboten einzahlt.
turi2.tv (12-Min-Video auf YouTube)

Mein Podcast-Tipp: Daniel Häuser über “Corporate Influencer”.


Kommunikations-Kniffs: Daniel Häuser empfiehlt allen, die wissen wollen, wie gute Kommunikation funktioniert, den Corporate Influencer Podcast von Klaus Eck, Wilfried Ebner und Alexander Wunschel. Darüber hinaus vermisst der Chefredakteur von Clap Podcasts mit “politisch unkorrektem Talk”. Häusers Hör-Empfehlung erscheint in der Reihe Mein Podcast-Tipp, in der Meinungs­­­macherinnen der turi2-Community ihre Lieblings-Podcasts vorstellen. Weiterlesen >>>

Jede Stunde eine positive Nachricht – Valerie Weber über Musik-Happenings und Missionen.


Stimmungs-Managerin: "Die Hörer kommen wegen der Musik, aber bleiben wegen der Menschen", umschreibt Valerie Weber im turi2 Clubraum den Reiz des Mediums Radio in Zeiten von Musikstreaming und Podcast. Für die Programm-Geschäfts­führerin von bigFM, Radio Regenbogen und RPR1 stellt sich nun die Frage, wie sich beides verbinden lässt und daraus etwas neues entsteht. Im Gespräch mit Moderatorin Aline von Drateln und turi2-Chef­redakteur Markus Trantow sagt Weber, dass sich die Bedürfnisse des Publikums ändern: "Das Musik-Happening haben wir nicht mehr dadurch, dass wir Musik spielen." Deswegen brauchen Konsum­marken "eine Mission, für die wir stehen". In den vergangenen Jahren seien statt "Lebens­freude und Selbst­inszenierung" vor allem die Themen "Nachhaltigkeit und Geborgenheit" immer wichtiger geworden. "Stimmungs-Management" sei beim Radio schon immer wichtig gewesen. In gesellschaftlichen Krisenzeiten wachse der Stellenwert aber nochmal. Wenn immer mehr Menschen die Nachrichten meiden, "muss man sich etwas überlegen".

Weber setzt dabei nicht auf eine Verkürzung der News, auch wenn das ein "völlig legitimer Weg" sei. Im Gegenteil: Bei ihren Sendern Radio Regenbogen und RPR1 stellt sie das Nachrichten-Angebot noch breiter auf. Regionalität und Heimat seien dabei besonders wichtig: "Es interessiert die Menschen mehr, was in ihrem Umfeld passiert." Außerdem gibt Weber das Versprechen, jede Stunde über eine positive Nachricht aus der Region zu berichten. Das sei gar nicht so einfach: "Es ist schon schwierig, eine am Tag zu machen." Doch das Vorhaben hat einen ganz bestimmten Zweck. Denn mit der positiven Nachricht am Ende des News-Blocks zeigen die Sender den Hörern: "Wenn du durch bist, habe ich zum Schluss etwas, das wird dir ein Lächeln ins Gesicht zaubern." Das sei noch lange kein konstruktiver Journalismus, aber ein wichtiger Schritt, der Nachrichten-Verdrossenheit entgegen­zuwirken.

Weber äußert sich bei den Themen der Woche auch zum RBB – sie sei "großer Fan" des Senders. "Der Shitstorm wurde weder der Person Patricia Schlesinger gerecht, noch ist es wahr, dass die ARD damit ihr wahres Gesicht zeigt", sagt Weber. Ihrer Meinung nach spielen auch noch immer vorhandene Unterschiede zwischen dem alten Osten und Westen eine große Rolle in dem Konflikt: "Wenn man nicht in der Zentrale sitzt, hat man das Gefühl, man wird abgehängt." Grundsätzlich sei die Problematik "sehr viel differenzierter", als sie von den Medien dargestellt worden sei. Es handele sich nicht um ein Systemversagen, sondern um ein System im Umbau.

Nächste Woche ist Ina Tenz zu Gast. Sie ist ist Geschäfts­leiterin Audio, Strategie und Content bei ABC Communication.
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Der Podcast ist Teil der Podcast-Wochen von turi2.

Zum Thema Audio veröffentlicht turi2 die turi2 edition #19 Audio – Erscheinungstermin: 12. Oktober 2022. Du kannst die Buchreihe turi2 edition kostenfrei lesen und als E-Paper hier kostenlos abonnieren.

“Jede neue Show hat quasi ein kleineres Publikum als ihre Vorgänger.” – Marcus Schuler über die US-Podcast-Szene.


Überangebot: “US-Podcaster zehren von ihrem nach wie vor guten Ruf”, das große Problem der Branche ist jedoch: “es gibt zu viele Angebote”, schreibt Marcus Schuler. Der Korrespondent des Bayerischen Rundfunks im Silicon Valley blickt in seinem Gastbeitrag für die turi2 Podcast-Wochen auf die US-Podcast-Szene und beobachtet: “Jede neue Show hat quasi ein kleineres Publikum als ihre Vorgänger.” Die erfolgreichsten US-Podcasts sind bereits sieben Jahre oder älter. “Königsmacher” sei immer wieder auch der öffentliche, zum großen Teil spenden­finanzierte Rundfunk NPR, der Podcast-Projekte in Auftrag gibt und ihnen durch Ausstrahlung im Radio große Bekanntheit verschafft. Weiterlesen >>>

Wie spreche ich richtig am Mikrofon, Benny Franke?


Matratzen-Akustik: “Je näher ich rangehe, desto mehr Tiefen bekomme ich”, empfiehlt Benny Franke im Fach-Interview zum richtigen Umgang mit Mikrofonen. Der Produktmanager Music Industry beim Audio-Spezialisten Sennheiser weiß: “Je mehr ich von der Seite in das Mikrofon spreche, desto weniger Höhen nehme ich auf”, das reduziert die “S”- und “T”-Laute. Zwei Matratzen in der Ecke verringern die Lautstärke der Schallreflektion. Frankes grundsätzlicher Tipp: Bei der Aufnahme immer mit Kopfhörern arbeiten, um zu hören, was tatsächlich ankommt. Weiterlesen >>>

Vom Spielfeld ins Podcast-Game – Vincent Kittmann über Podcast-Boom und Potenziale.


Learning by doing: "Es gab niemanden, der richtig im Podcast-Business gearbeitet hat", erinnert sich Vincent Kittmann im Jobs-Podcast mit turi2-Redakteurin Pauline Stahl an die Anfänge seiner Podcast-Karriere, die mit einem Sprung ins kalte Wasser begonnen hat. Der heutige Chef von Podstars by OMR spielt von 2012 an als Profi in der 2. Basketball-Liga und übernimmt zwischenzeitlich die Marketingabteilung des Paderborner Vereins. 2016 hängt der passionierte Podcast-Hörer seine Schuhe an den Nagel und startet seine Karriere im Marketing-Bereich. Ohne Audio-Background bewirbt er sich auf eine Podcast-Stellenanzeige und steigt in das damals noch relativ überschaubare Podcast-Business ein. "Es gab vielleicht zwei bis drei Leute, die das Vollzeit gemacht haben", blickt Kittmann zurück. "Viele Sachen mussten wir neu denken und das müssen wir auch jetzt immer noch" – weil es damals noch keine vergleichbaren Vermarktungs-Unternehmen im Podcast-Sektor gegeben habe, an denen man sich hätte orientieren können.

Angst vor einem abflauendem Podcast-Boom hat Kittmann nicht. Das Wort "Hype" versucht er in diesem Zusammenhang bewusst zu vermeiden. Anders als z.B. Clubhouse, das vor rund eineinhalb Jahren "schnell oben und dann auch sehr schnell wieder unten war", würde der Podcast-Markt "mehr oder weniger langsam und stetig wachsen" – und habe als On-Demand-Medium "einen ganz guten Platz in der Medienlandschaft" gefunden. Eine Konkurrenz unter den Podcasts sieht Kittmann nicht, vielmehr stünden die Mediengattungen an sich in Konkurrenz. Man konkurriere im Endeffekt auch mit Netflix, TikTok und Tageszeitungen: "Wir können alle nur eine begrenzte Mediennutzungs-Zeit pro Tag haben." Generell sieht Kittmann bei Podcasts noch viel Entwicklungspotenzial: "Man kann sich sehr gut abschauen, was in anderen Medien funktioniert", sagt er mit Verweis auf die vielen Dating- und Quiz-Shows im Fernsehen. Zudem stecke in der Zielgruppe 40+ noch viel Reichweite. Dem älteren Publikum müsse noch mehrfach erklärt werden, wie Podcasts funktionieren.

Kittmann erzählt außerdem, was einen guten Podcast ausmacht und welche Faktoren nötig sind, damit er sich gut vermarkten lässt. Wichtig sei z.B. die Bekanntheit der Hosts, eine gewisse Regelmäßigkeit und eine ständige Weiterentwicklung des Formats: "Wenn ich die Hörer langweile und die das Gefühl haben, immer das gleiche zu hören, würden sie abspringen." Kittmann selbst nervt es, wenn Podcast-Macher das Medium und die Zuhörenden nicht ernst genug nehmen: "Ihr macht das doch für jemanden, dann gebt euch doch wenigstens Mühe." Am meisten fasziniert Kittmann die Mischung aus Unterhaltung und Information: "Durch Podcasts habe ich in den letzten Jahren auch extrem viel gelernt."

Darüber hinaus erläutert Kittmann, warum die Werbeakzeptanz bei Podcasts generell sehr hoch ist und warum es gut ist, dass sich Radio-artige Spots bisher in Grenzen halten. Außerdem erklärt er, warum sich Podcast-Anfänger weder zu viele, noch zu wenige Gedanken machen sollten und weshalb sich eine Vermarktung im Idealfall schon für Nischen-Podcasts lohnt. Das Gespräch erscheint im Rahmen der turi2 Podcast-Wochen. Weitere Interviews, Podcasts, Profi-Tipps und Hör-Empfehlungen gibt es täglich bis zum 9. Oktober. Am 12. Oktober erscheint außerdem die gedruckte turi2 edition #19 Audio – jetzt schon das kostenlose E-Paper vorbestellen.
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“Am besten maßgeschneidert.” – RMS-Expertin Katharina Zeschke über clevere Podcast-Werbung, die nicht stört.


Bewusst hinhören: Podcasts sind anders als Radio “stärker Fokus- als Begleitmedien”, sagt Katharina Zeschke, Leiterin Business Development beim Audio-Vermarkter RMS, im turi2-Interview. “Das Schöne ist, dass diese Hingabe beim Hören von Werbung nicht beeinflusst wird. Die Integration von Werbung wird nicht als störend empfunden.” Besonders geeignet seien dynamisch erzeugte Spots, die eine personalisierte Ansprache ermöglichen. Von der Zweitverwertung von Radio-Spots in Podcast rät sie dagegen ab. Außerdem erklärt Zeschke, wie der RMS Podcast Ad Planner zielgruppen­genau die richtigen Podcasts für Werbe-Kampagnen findet und warum sich die Vermarktung auch schon für kleinere Podcasts lohnt. Weiterlesen >>>

“Passion und intrinsische Motivation” – Konstantin Seidenstücker über das Erfolgsrezept eines Podcasts.

Talente-Sammler: “Kein Medium funktioniert so gut über Word-of-mouth wie Podcasting”, sagt Konstantin Seidenstücker im turi2-Interview. Der Gründer und Geschäftsführer von Studio Bummens produziert Podcasts wie “Baywatch Berlin”, “Apokalypse und Filterkaffee” und “Weird Crimes”. Er denkt, dass viele Podcasts über Empfehlungen erfolgreich geworden sind und ist sicher: “Am Anfang steht immer die Idee.” Doch auch die “Rollen­verteilung” und “unterschiedliche Persönlichkeiten” spielen eine große Rolle.
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Mein Podcast-Tipp: Frank Behrendt über “Heute Wichtig”.


Positiv bleiben: Frank Behrendt, freier Senior Advisor bei Serviceplan, hört gerne Heute Wichtig von Michel Abdollahi. Behrendt schätzt die viele Hintergründe und tollen Gesprächen zu unter­schiedlichsten Themen sowie die “Lebensfreude, Klarheit und Dankbarkeit” in dem Format. Zur aktuellen Winnetou-Debatte rät Behrendt, in den Podcast Winnetou ist kein Apache vom MDR reinzuhören. Weiterlesen >>>

“Blanke Werbebotschaften finden keinen Anklang.” – Tobias Bindhammer gibt Tipps für Firmen-Podcasts.


Durchhaltevermögen: “Wenn Firmen für sich nicht gewährleisten können, eine Regelmäßigkeit in die Podcast-Veröffentlichung zu bringen, dann rate ich vom Podcast ab”, sagt Tobias Bindhammer. Der PR-Berater der Kommunikationsagentur rlvnt unterstützt Firmen bei der Podcast-Konzeption und weiß, selbst bei Hilfe durch Agenturen braucht es im Unternehmen “engagierte Menschen, die inhaltlich unterstützen”. Für Marketing und Absatz eigneten sich Podcasts nicht, stattdessen können Firmen “Werte, Ideen und Gedanken preisgeben” und somit in Sachen Corporate Identity, Employer Branding und Unternehmens­kompetenz punkten. Erfolgreiche Firmen-Podcasts setzten zudem darauf, externe Expertinnen einladen, um über zielgruppen­­relevante Themen zu sprechen: “Nicht das Unternehmen tritt auf, sondern bietet eine Plattform für Wissens­­austausch und Vernetzung.” Weiterlesen >>>

Wie muss Podcast-Werbung klingen, damit sie nicht nervt, Steffen Hopf?


Auffallen, ohne zu nerven: “Im noch jungen Podcast-Werbemarkt haben wir es in der Hand, die Fehler manch anderer Mediengattung nicht zu wiederholen”, schreibt Steffen Hopf im Gastbeitrag für die turi2 Podcast-Wochen. Der CEO der Vermarktungs­plattform Julep Media denkt dabei mit Grauen an Auto-Play-Videos mit Ton oder willkürlich eingeblendete Website-Werbung. Werbung in Podcasts sei nur dann erfolgreich, “wenn Inhalte und Marketing-Botschaft zueinander passen”. Je kürzer die Spots, desto beliebter. Bei Host-Read-Werbung gefalle den Hörerinnen, “wenn der Sprecher oder die Sprecherin Spaß dabei haben”. Weiterlesen >>>

“Die Transformation ins Digitale beschäftigt am meisten” – Sigrun Albert über BDZV-Kongress und Branchen-Kummer.


Feuerprobe: "Wie viel ist uns die Freiheit wert" – das ist das "sehr relevante" Thema des BDZV-Kongresses am 13. September, erzählt Sigrun Albert im Video­interview mit turi2. Die neue Haupt­geschäfts­führerin des Bundes­verbands Digital­publisher und Zeitungs­verleger spricht mit turi2-Chef­redakteur Markus Trantow über das Programm und die Heraus­forderungen der Verlage. Albert freut sich am meisten auf den persönlichen Austausch und "Vertreterinnen der Branche kennenzulernen" – erstmals seit der Corona-Pandemie findet die Veranstaltung in Berlin wieder vor Ort statt. Gespräche in den Pausen, vor oder nach dem Programm "haben enorm gefehlt", sagt Albert. "Vielleicht hätten wir manches Miss­verständnis im Verband vermeiden können, wenn wir den Austausch gehabt hätten."

Albert ist im April unter schwierigen Voraussetzungen in ihre neue Position gestartet. Nicht nur verkündet BDZV-Präsident Mathias Döpfner, sein Amt vorzeitig abzugeben, auch die Mindest­lohn-Forderung beschäftigt den Verband. Dass die Zustellung mittlerweile den "größten Kosten­posten" eingenommen und die Redaktionen verdrängt habe, spiegele eine Verschiebung wider. "Die Erstellung von Content ist die Kernaufgabe und dann sollte sie auch wirtschaftliche die größte Position ausmachen", sagt Albert. Am meisten beschäftige die Verlegerinnen jedoch nach wie vor die "Transformation des Geschäfts ins Digitale". Zwar habe es "wahnsinnige Fortschritte gegeben", es sei jedoch noch Luft nach oben.
turi2.tv (8-Min-Video), turi2.de (Background)

Wie bitte ich mein Publikum erfolgreich zur Kasse, Solveig Gode und Kayhan Özgenc?

Macht & Millionen Solveig Gode und Kayhan Özgenc
Club der Macht-Millionäre: “In Paid-Modellen schlummern für viele Podcasts noch große Potenziale”, schreiben Solveig Gode und Kayhan Özgenç im Gastbeitrag über ihre Erfahrungen mit Bezahl-Podcasts. Die Wirtschafts­redakteurin und der Chefredakteur von Business Insider Deutschland hatten keine riesigen Erwartungen als sie zu ihrem Podcast Macht & Millionen ein Bezahl-Angebot eingeführt haben. Umso überraschter waren sie, nicht nur eine neue Erlösquelle zu erschließen, sondern auch eine noch engere Beziehung zu ihren Club-Mitgliedern aufzubauen. Die bekommen die aktuelle Folge eine Woche früher, zusätzliche Langfassungen von Interviews und Einladungen zu Events. Aber auch die nicht zahlenden Hörerinnen wollen Gode und Özgenç nicht vernachlässigen, denn sie seien “weiter entscheidend für den Erfolg” von “Macht & Millionen”. Weiterlesen >>>

“Du sollst nicht podcasten!” – Doris Hammerschmidt gibt 10 Tipps, um einen Podcast zu vergeigen.


Anleitung zum Scheitern: Wozu Konzept, Storytelling oder Ziel­gruppen-Analyse? Und bloß keine zum Hören angepassten Texte oder gar Hilfe von Profis! In ihrem satirischen Gastbeitrag nennt Podcast-Expertin Doris Hammerschmidt zehn Punkte, die Unternehmen befolgen sollten, wenn sie einen wirklich sinn- und konzeptions­losen, mindestens aber lang­weiligen “Me too”-Corporate-Podcast machen wollen. Weiterlesen >>>

Mein Podcast-Tipp: Jörn Ehlers über “Climate Crime”.


Tatort Natur: Jörn Ehlers, Leiter der Pressestelle beim WWF Deutschland, hört gerne Climate Crime. In ihrem Podcast gehen Louisa Dellert und Markus Ehrlich tatsächlichen oder vermeintlichen Umwelt­verbrechen nach und sprechen mit Betroffenen. Ehlers schätzt an dem Format, dass es ihm “nach endlosen Planungs-Meetings” die Kern­aufgabe seiner Arbeit wieder vor Augen führt: “die Bewahrung eines lebendigen Planeten”. Weiterlesen >>>

“Man hört in der Stimme, ob jemand Spaß dabei hat” – Ina Karabasz über Live-Events und Laber-Podcasts


Live ist live: Eine Journalistin muss nicht podcasten können, sagt Ina Karabasz, "aber wenn sie es möchte, dann kann sie es". Sie selbst wollte und hat 2018 die Leitung des Ressorts Live-Journalismus beim "Handelsblatt" übernommen. Das sei ihre beste berufliche Entscheidung gewesen, erzählt sie im turi2 Clubraum mit Björn Czieslik und Aline von Drateln – auch wenn der Job "mehr organisatorisches Prozessmanagement" sei, als man als Journalistin denke.

Karabasz erklärt, warum Journalistinnen zwar keine Schnittchen zubereiten, aber gut selbst moderieren können: "Fragen stellen und Hintergründe recherchieren, Experten auf den Zahn fühlen, das können wir richtig gut" – und das könne man dem Publikum auch zeigen. Die größte Herausforderung sei allerdings gerade bei Wirtschaftsthemen, nicht zu viel vorauszusetzen. Das sei aber beim geschriebenen Text nicht anders.

Auch in anderer Hinsicht greift Karabasz auf ihre Erfahrung als Textjournalistin zurück: Bei Live-Events versuche sie immer, dem Aufbau eines Magazin-Artikels zu folgen: Zuerst der Einstieg, der das Publikum abholt, dann eine Einordnung, um ein gemeinsames Wissensfundament zu schaffen, und dann strukturierte Themenblöcke, denen die Gäste folgen können.

Natürlich laufe aber immer etwas anders als geplant. "Eine Veranstaltung ist ein lebendes Gebilde", sagt Karabasz, bei dem viele Menschen involviert seien. Angst vor Pannen habe sie jedoch nicht. Sie selbst mache beim Live-Sprechen zum Beispiel häufig Grammatikfehler, sei schon gestolpert, habe sich mit Kaffee überschüttet und einmal sei sie bei einem Video zu einem Bankengipfel plötzlich barfuß zu sehen gewesen. Schlimm findet sie das nicht. Die Hauptsache sei, dass die Unterhaltung laufe und die Informationen rüber kämen.

Gerade Frauen empfiehlt sie, beim Moderieren Turnschuhe und bequeme Kleidung zu tragen – denn zum Glück seien Frauen heute nicht mehr nur als "Schmuckstücke" für die Veranstaltung auf der Bühne. Ihr wichtigster Tipp ist jedoch, etwas zu tun, was einem Spaß macht – egal, ob auf der Bühne oder im Podcast. Das höre man dann auch an der Stimme. Außerdem gehe es dann mehr ums Thema und die Unterhaltung werde nicht so "bro-ig" – was Karabasz als passionierte Podcast-Hörerin überhaupt nicht leiden kann.

Nächste Woche ist Nils Minkmar zu Gast, freier Journalist unter anderem für die "Süddeutsche" und Co-Host des Medienpodcasts Quoted.
turi2.tv (39-Min-Podcast auf YouTube), turi2clubraum.podigee.io, apple.com, spotify.com, deezer.com, audionow.de

Der Podcast ist Teil der Podcast-Wochen von turi2.

Zum Thema Audio veröffentlicht turi2 die turi2 edition #19 Audio – Erscheinungstermin: 12. Oktober 2022. Du kannst die Buchreihe turi2 edition kostenfrei lesen und als E-Paper hier kostenlos abonnieren.

Wie finde ich das passende Podcast-Mikrofon, Christian Löhken?


Mikro-Influencer: Das wichtigste Utensil für die Aufnahme von Podcasts ist das Mikrofon – doch welches eignet sich für Einsteiger und welches für Profis? Antworten darauf gibt im Technik-Interview Christian Löhken, Fachberater für Studio-Technik beim Musikhaus Thomann. Er erklärt die Unterschiede zwischen dynamischen und Kondensator­mikrofonen und sagt, worauf bei USB-Mikros zu achten ist. Außerdem gibt er Tipps zu Raumakustik und Podcast-Aufnahmen in Hotel-Zimmern. Das Interview erscheint im Rahmen der turi2 Podcast-Wochen. Weiterlesen >>>

“Einen dpa-Podcast wird es niemals geben.” – David Krause über die Podcast-Pläne der Deutschen Presse-Agentur.


Backstage statt Rampenlicht: “Ich fühle mich ein bisschen, wie ein Kind im Spiel­zeug­laden ohne Limits”, schwärmt David Krause im Interview im Rahmen der turi2 Podcast-Wochen über seinen Job als Head Of Podcast bei der dpa. In Gesprächen mit dpa-Kolleginnen in aller Welt spüre er die Begeisterung, in Podcasts endlich Geschichten erzählen zu können, “die vielleicht keinen nachrichtlichen Wert haben, aber unglaublich spannende, zum Teil skurrile Storys sind”. Für Spotify hat die dpa mit Troll Army – Russlands Krieg im Internet einen Investigativ-Podcast mit Recherche in Echtzeit aufgesetzt. Als reines B-to-B-Unternehmen tritt die dpa nicht selbst als Podcast-Publisher auf, sondern unterstützt Medienhäuser mit individuellen Auftrags­produktionen. Weiterlesen >>

“Für persönliche Empfehlungen sind Werbekunden auch bereit, mehr zu zahlen.” – Katharina Frömsdorf übers Geldverdienen mit Podcast-Werbung.


Freundschaftswerbung: “Persönliche Empfehlungen des Hosts haben eine sehr starke Werbewirkung und sind auch bei den Hörer:innen die am besten akzeptierte Werbeform”, sagt Katharina Frömsdorf im Interview im Rahmen der turi2 Podcast-Wochen. Bei den so genannten “Host Read”-Ads in Podcast spricht ein Host eine Werbe-Botschaft persönlich ein: “Dafür sind Werbekunden auch bereit, mehr zu zahlen”, sagt die Geschäftsführerin der Seven.One AdFactory von ProSiebenSat.1. Für kleinere und nischigere Format bieten sich Werbe-Einspielungen mit neutralen Sprechern an. Unterhaltung steht bei Seven.One Audio dabei im Fokus: “Je spitzer, kritischer und politischer der Inhalt und die Zielgruppe, desto schwieriger die Vermarktbarkeit.” Weiterlesen >>>

Wie erfahre ich in Interview-Podcasts Dinge, die mein Gesprächspartner noch nirgendwo anders erzählt hat, Lars Haider?


Entscheider treffen Vorbereider: “Wenn Gäste merken, dass man sich im Vorfeld mit ihnen beschäftigt hat, honorieren sie das in der Regel und öffnen sich schneller”, schreibt Lars Haider im Gastbeitrag für die turi2 Podcast-Wochen. Der Chef­redakteur vom “Hamburger Abendblatt” bereitet für jede Episode seines Podcasts Entscheider treffen Haider einen großen Fragenkatalog vor, versucht jedoch, vor allem Fragen zu stellen, die sich aus dem Gespräch ergeben. Der Fragenkatalog sei mehr eine Sicherheit, wenn das Gespräch stocken sollte. Die Jagd nach exklusiven Zitaten könne “schnell die Atmosphäre zerstören, in der ein Podcast geführt wird” und sollte daher “nicht das offen­sichtliche Ziel sein”. Weiterlesen >>>

“Um everybody’s darling zu sein, finden mich zu viele beschissen” – Im Tretboot mit Micky Beisenherz.


Podcast-König: Die "große, nicht nur suggerierte Nähe" zwischen Publikum und Host ist das, was das Medium Podcast so erfolgreich macht, sagt Micky Beisenherz im Video-Special vom turi2 Clubraum. Während TV-Moderatoren als Privatpersonen "nicht besonders fassbar" seien, lassen sich Podcaster "bis zu einem gewissen Grad ins Herz schauen". Zudem bekommen Zuhörerinnen einen Eindruck davon "wie sie auf die Welt blicken und wie sie ihren Platz in der Gesellschaft finden". Aline von Drateln diskutiert im Tretboot-Schwan auf einem Alster-Kanal mit dem Podcaster, Comedy-Autor und TV-Moderator über Podcast-Aufnahme und -Werbung, Status­symbole und Selbst­­inszenierung. Beisenherz, der mit Apokalypse und Filterkaffee einen der erfolgreichsten Nachrichten-Podcasts Deutschlands macht, vergesse allerdings "trotz aller Entspanntheit" nie, "dass ich mich immer in einem öffentlichen Raum befinde". Das bedeute jedoch nicht, "dass man nicht auch mal loslässt".

Dass er mit seinem Podcast politische Entscheidungen beeinflusst, glaubt Beisenherz nicht. Er finde es besonders "gut und schön", dass seine Hörerschaft "dank dessen, was wir machen" über den Tag informiert wird "und trotzdem danach nicht den Rolladen runterlässt und sagt: 'Ich brauch ja gar nicht mehr aufzustehen.'" Seine Devise: "Wir wissen, dass die Lage beschissen ist, aber wenn wir dabei einigermaßen gut gelaunt bleiben können, dann könnt ihr das auch." Dass er "everybody's darling" ist, glaubt Beisenherz nicht: "Dafür gibt es einfach zu viele, die mich beschissen finden." Mit "Apokalypse und Filterkaffee" leiste er durch ein "breites intellektuelles Einzugs­gebiet" mittlerweile einen gewissen gesellschaftlichen Beitrag. "Das ist eine wunderbare Begegnungs­­stätte", sagt Beisenherz.

Champagner schlürfend spricht das Duo außerdem über die Gäste-Auswahl im Podcast und Shitstorms. Außerdem verrät Beisenherz, wie seine Ruhrgebiets-Sozialisation seine street credibility stärkt. Das Gespräch ist Teil der turi2 Podcast-Wochen. Gedruckt ist das Interview mit Fotostrecke ab 12. Oktober in der turi2 edition #19 mit dem Schwer­punkt­thema Audio zu sehen.
turi2.tv (40-Min-Video auf YouTube), turi2clubraum.podigee.io, apple.com, spotify.com, deezer.com, audionow.de

Text: Pauline Stahl
Fotos: Johannes Arlt für turi2

Meine Podcast-Tipps: Kerstin Deixler.


Großer Freundeskreis: Für Kerstin Deixler fühlen sich Podcasts oft an, “als gäbe ein Freund oder eine Freundin die eigenen Tipps und Informationen weiter”. Die scheidende Marketing­chefin der Medientage München, die Mitte September als Pressesprecherin zu Infineon Technologies wechselt, hört je nach Stimmung Lage der Nation, Alles gesagt?, “Zeit” Geschichte, Fest & Flauschig, Mordlust, Ohne Aktien wird schwer und Pivot. Im Podcast der Medientage München blickt sie gemeinsam mit Lukas Schöne und Susanne Schlüter als Host selbst darauf, was die Medien­branche gerade bewegt. Weiterlesen >>>

“Je kleiner der Medienbruch, desto besser.” – Ruben Schulze-Fröhlich gibt Tipps, um Podcasts bekannt und sichtbar zu machen.


Starthilfe: Mehr als 75.000 deutsch­sprachige Podcasts buhlen um Hörerschaft – als Podcast aufzufallen und Hörerinnen zu finden, muss aber nicht dem Zufall überlassen bleiben. “Bezahlte Werbung spielt eine immer größere Rolle”, sagt Ruben Schulze-Fröhlich, COO und Co-Gründer der Münchner Podcast- und Audio­marketing-Agentur Wakeword, im Interview im Rahmen der turi2 Podcast-Wochen. Das können bezahlte Audio-Empfehlungen in anderen Podcasts sein, Werbe-Flächen in Podcast-Apps, aber auch Radio- oder sogar Print-Werbung. Wichtige Stell­schrauben seien auch optimierte Beschreibungen und Cover, Transkripte, Shownotes und Kapitel­marken sowie “ein möglichst hohes Engagement”. Um auf Podcast-Portalen auf die Startseite zu kommen, helfen nicht zuletzt auch “gute Kontakte zu den Redaktionen”. Weiterlesen >>>

Warum hören sich Männer so gerne reden, Ivy Haase?


Frauen ans Mikro: “Männer sprechen mit Männern, oft über Männer und für Männer”, beobachtet Ivy Haase, stell­vertretende Redaktions­leiterin der Audio Alliance von Bertelsmann, mit Blick auf die meisten deutschen “Laber-Podcasts”. Weibliche Podcast-Stimmen sind meist Presenterinnen, Interviewerinnen und Sprecherinnen, aber selten “Meinungs­macherinnen”, schreibt sie im Gastbeitrag im Rahmen der turi2 Podcast-Wochen. Nur das Genre True Crime sei stark weiblich geprägt: “Aber sollten Frauen nur Gehör finden, wenn sie sich aktiv an eine weibliche Zielgruppe wenden? Das können wir doch nicht ernsthaft hinnehmen!” Haases Appell an Publisher ist daher, weiblich besetzte Formate zu fördern und finanziell zu pushen, “damit Frauen nicht nur zu Wort kommen – und gehört werden ­­­­­­– wenn es um Crime, Gossip und Make-up geht”. Weiterlesen >>

Worin liegt der Reiz des Podcasts für einen Textverliebten, Nils Minkmar?


Zurück zum Ursprung: “Podcasten ist die Rückkehr des Mediums zu seiner Wurzel: der menschlichen Kommunikation”, schreibt Journalist Nils Minkmar in einem Gast­beitrag im Rahmen der turi2 Podcast-Wochen. War Radio für ihn immer “eine ernste Angelegenheit”, die mit den Jahren “in immer mehr Formate gebannt wurde”, sei Podcasten eine “Ausübung unserer Freiheit”. Seit April 2022 lebt Minkmar dieses Freiheit im Podcast Quoted der “Süddeutschen Zeitung” aus. Zusammen mit Kommunikations­wissen­schaftlerin Nadia Zaboura analysiert er darin aktuelle, medienpolitische Debatten. Weiterlesen >>>

“Podcasts sind wie ein guter Wein, der erst reifen muss.” – Felicia Mutterer über Dos & Don’ts bei Marken-Podcasts.


Die Stärken von Audio: “Wer mit einem Podcast bemerkt werden will, sollte sich durch Qualität und Relevanz Gehör verschaffen”, sagt Felicia Mutterer, Mitgründerin und Managing Director der Audio- und Podcast-Agentur Achtung! Broadcast. Im Interview innerhalb der turi2 Podcast-Wochen gibt sie Unternehmen und Marken eine Checkliste an die Hand, welche Fragen und Ziele vor einem Podcast geklärt sein sollten, u.a. “Was soll beim Hörenden hängenbleiben?”. Gerade für erklärungs­bedürftige Themen eigneten sich Podcast besser als eine “manifestierte Presse­mitteilung”. Dabei müsse es “nicht immer nur der Talk oder das Interview sein”, sagt sie und sieht auch Hörspiele als Stilform, Produkte und Kompetenzen “spielerisch” hörbar zu machen. Zum schnellen Verkauf taugten Podcast dagegen gar nicht. Ein No-Go seien auch Chefs, die ein Skript vorlesen, statt frei zu sprechen: “Menschen wollen Menschen zuhören beim Erzählen. Laut lesen können alle selbst.” Weiterlesen >>>

Sind Hörerinnen bereit, für Podcasts zu bezahlen, Laura Terberl?


Zahlen, bitte: Die “Süddeutsche Zeitung” fährt bei ihrer Podcast-Strategie dreigleisig. Das Audio- und Video-Team um Ressort­leiterin Laura Terberl produziert werbe­finanzierte Reichweiten-Podcast, Auftrags­produktionen für Plattformen wie Spotify und Audio-Serien, die hinter der eigenen Paywall landen. “Menschen sind bereit, für gute Inhalte zu bezahlen”, sagt Terberl im Interview. Ein reines Podcast-Abo hält sie aber momentan nicht für sinnvoll, weil es das Abo-Angebot zu sehr fragmentieren würde. Gesellschaftlich relevante, aber schwierige Stoffe wie NSU-Terror oder Kindes­missbrauch eigneten sich für die Werbe­vermarktung nur bedingt: “Gerade deshalb sind wir froh, solche wichtigen Themen im Rahmen von SZ-Plus erzählen zu können”, sagt sie. Das Interview erscheint innerhalb der turi2 Podcast-Wochen. Weiterlesen >>>

Wie finde ich den perfekten Podcast-Host, Alexander Krawczyk?


Ziemlich beste Freundin: Podcasterinnen sollten was zu sagen haben, um nicht “schnell als Luftpumpe entlarvt” zu werden, und auch bereit sein, etwas von sich preiszugeben, schreibt Alexander Krawczyk, Senior Vice President von Seven.One Audio. Idealer­weise bringen die Hosts eine “starke Community” mit, die ihren Podcast von der ersten Folge an hört, um ihn so aus der “anonymen Masse heraus­zuheben”. Für Krawczyk ist der perfekte Podcast-Host heute eine Frau, weil es in allen Genres bereits “ein enormes Über­angebot an Männer-Podcasts” gebe. Sein Gast­beitrag erscheint im Rahmen der turi2 Podcast-Wochen. Weiterlesen >>>