turi2 edition #17: Marie von den Benken über Schecks und Shitstorms.


Sex sells: Autorin und Influencerin Marie von den Benken ist auf Social Media als @regendelfin eine Mischung aus Beauty und Brain. Über die Gründe für ihre Reichweite macht sie sich keine Illusionen: “Ich hätte keine 220.000 Follower, würde ich aussehen wie Kai Diekmann”, sagt sie im Interview in der turi2 edition #17. Weiterlesen >>>

“Hater kann ich unter ‘Spinner’ ablegen” – Awet Tesfaiesus über ihre Arbeit als Bundestagsabgeordnete.


Meilenstein-Setzerin: Awet Tesfaiesus hat öfter mit dem Gedanken gespielt, Deutschland zu verlassen, sagt die Bundestags-Abgeordnete im turi2 Jobs-Podcast. Als Abiturientin habe sie das erste Mal gedacht: "Ich habe keine Chance in diesem Land, in dem Asylbewerber-Heime angezündet werden und Menschen drumherum applaudieren." Mit Aline von Drateln spricht die gebürtige Eritreerin über die Einsicht, die sie letztendlich hatte: "Vor Rassismus kann man nicht weglaufen." Also beschließt Tesfaiesus "daran mitzuwirken, etwas zu verändern". Ihrer politischen Karriere helfe es, dass sie Juristin ist. Die Arbeit mit den Gesetzen sei ihr bekannt, "ich kann mich damit schnell anfreunden". Ansonsten brauche sie vor allem die persönliche Erfahrung als schwarze Frau, "um zu erkennen, wo Veränderung nötig ist".

Seit September sitzt Tesfaiesus für die Grünen als erste schwarze Frau im deutschen Bundestag. Sie habe nicht jahrelang auf das Mandat hingearbeitet: "Das war eine kurzfristige Entscheidung." Grundsätzlich sei sie aus "recht unpolitischen" Gründen in der Partei gelandet und habe sich aus Zeitmangel anfangs wenig eingebracht. Erst 2016, mit dem Einzug der AfD ins Kasseler Stadtparlament, wird Tesfaiesus aktiver. Als schwarze Frau möchte sie der AfD gegenübersitzen und "den Gegenpart bilden". Der Anschlag in Hanau 2020 rüttelt Tesfaiesus schließlich wach. "Das hat mich emotional so getroffen, dass ich das System verändern wollte."

Den Hass im Netz, den sie in ihrer Position als schwarze Politikerin erfährt, blendet Tesfaiesus aus. "Hater kann ich unter 'Spinner' ablegen." Worüber sie sich wirklich ärgere, sei der Rassismus im Alltag. Menschen, "die meinen, es sei nicht so schlimm", oder die "selbst nicht erkennen, wenn etwas rassistisch ist" – das präge ihren Alltag und "erniedrigt unsere Chancen".

Awet Tesfaiesus ist eines von 100 Jobs-Vorbildern aus der turi2 edition #17 – das kostenlose E-Paper gibt es hier. Die Podcast-Reihe turi2 Jobs begleitet die Buch-Veröffentlichung und die neue Jobs-Plattform turi2.de/jobs.
turi2.tv (35-Min-Podcast auf YouTube), turi2.podigee.io, spotify.com, podcast.apple.com, deezer.com, audionow.de

Text: Pauline Stahl

turi2 edition #17: Samira El Ouassil über Selbstdarstellung und das innere Kribbeln.


Vorhang auf: Samira El Ouassil ist preisgekrönte Publizistin, Podcasterin, Schauspielerin und Medienkritikerin. “Am Anfang stand meine Leidenschaft fürs Geschichtenerzählen”, sagt sie im Interview in der turi2 edition #17. Mit Peter Turi spricht sie über ihre Liebe zum Kino, die Öffentlichkeit als Bühne und Journalismus als Beruf. Weiterlesen >>>

turi2 edition #17: Wo im Digitalen ist noch Raum für das nächste große Ding, Philipp Justus?


Just google it: Philipp Justus kennt viele der großen Internet-Player von innen. Heute ist er Google-Chef für Zentraleuropa. “Den Startup-Spirit wollen wir uns bewahren”, sagt er im Interview in der turi2 edition #17. Für den Nachwuchs wünscht er sich schnellere Netze und weniger Bürokratie. Weiterlesen >>>

“Podcasts sind das neue Radio” – Philip Banse über die Zukunft journalistischer Audio-Produkte.


Pionier-Arbeit: Als Philip Banse 2005 seinen ersten Podcast Küchenradio startet, entstehen "unglaublich grauenhafte, langweilige, scheppernde" Aufnahmen, sagt der Journalist und Podcast-Pionier rückblickend im turi2 Jobs-Podcast. Im Gespräch mit turi2-Chefredakteur Markus Trantow und Redakteurin Pauline Stahl erzählt er, dass aber auch "ein paar richtig schöne Folgen" dabei waren, die "im normalen Setting" nicht möglich gewesen wären. Zu dieser Zeit arbeitet Banse beim öffentlich-rechtlichen Radio – eine Institution, die er "toll und wichtig" findet. Allerdings gibt es Regeln: "Die haben ihre Formate, Längen, Rhythmen und Vorgaben." Beim "ungeregelten Labor-Podcast" hingegen "konnten wir machen, was wir wollten". Vor allem der Austausch mit Zuhörerinnen hat ihn fasziniert. "Das Feedback hat alles übertroffen, was ich bisher kannte", sagt Banse. Der Charme von Podcasts sei, "dass sie leben".

Gemeinsam mit Jurist Ulf Buermeyer hostet Banse mit der Lage der Nation einen der beliebtesten deutschen Podcasts. Mit einem Geschäftsmodell, das auf Spenden, Werbung, Live-Events und Abos basiert, rentiert sich das Format mittlerweile auch wirtschaftlich. Anfangs habe das Podcasten vor allem zur "Markenbildung" gedient, sagt Banse. An sich selbst als Personen-Marke habe er sich erst gewöhnen müssen: "Lange Zeit war es mein innerer Kampf, zu dem zu stehen, was ich mache." Sich nicht mehr in einer Gruppe oder hinter einem Projekt zu verstecken, "war für mich der größte Schritt". Mittlerweile hat er seine eigenen Vorstellungen und "manchmal einen dicken Kopf". Weil sein Co-Host ähnlich ticke, gebe es ab und zu auch mal Streit. Doch nach sechs Jahren gemeinsamer Arbeit "kennen wir uns, wissen was uns wichtig ist und nehmen Rücksicht darauf".

Dass die Zuhörerinnen irgendwann keine Lust mehr auf zwei Männer haben, die sich unterhalten, kann sich Banse vorstellen. "Das passiert wahrscheinlich jeden Tag", sagt er, "dafür kommen dann neue dazu". Der Zukunft des Formats ist er sich aber sicher und bezeichnet es als "das neue Radio". Audio-Produkte journalistischer Art werde es weiterhin geben, "solange Leute etwas ohne Bild hören wollen". Ob das Podcast heißt und wie es sich weiterentwickele, sei eine andere Frage.

Philip Banse ist eines von 100 Jobs-Vorbildern aus der turi2 edition #17. Das Buch zum Thema "Arbeiten in der Kommunikation" erscheint am 6. April. Die Podcast-Reihe turi2 Jobs begleitet die Buch-Veröffentlichung und die neue Jobs-Plattform turi2.de/jobs.
turi2.tv (47-Min-Podcast auf YouTube), turi2.podigee.io, spotify.com, podcast.apple.com, deezer.com, audionow.de

Text: Pauline Stahl

turi2 edition #17: Nina Schwab-Hautzinger über Chemie und Chancen.


Reaktionsfreudig: Nina Schwab-Hautzinger soll als Chef-Kommunikatorin der BASF das Image des weltgrößten Chemiekonzerns auf grün drehen. “Chemie zählte nicht zu meinen besten Fächern”, sagt sie im Interview in der turi2 edition #17. Das sei für die promovierte Geisteswissenschaftlerin aber sogar ein Vorteil bei ihrer Arbeit. Weiterlesen >>>

“Storymachine ist ein selbstreinigender Organismus” – Philipp Jessen über Ohrfeigen und Home-Office-Ohnmacht.


Wahrhaft authentisch: Um bei der PR-Agentur Storymachine arbeiten zu können, "musst du speziell sein, aus diversen Gründen“, sagt Co-Gründer und Geschäftsführer Philipp Jessen im turi2 Clubraum mit Aline von Drateln und Markus Trantow. Die Agentur, die er zusammen mit Kai Diekmann und Michael Mronz führt, gibt sich fünf Jahre nach ihrer Gründung noch immer ziemlich geheimniskrämerisch. Nur selten dringt der Name eines Kunden an die Öffentlichkeit. Der frühere Chefredakteur von "Bravo", gala.de und stern.de kann es aber gut verkraften, seine Erfolge im Stillen zu feiern. "Ich empfinde mein Ego nicht als übergroß", sagt Jessen – auch auf die Gefahr hin, dass seine Kolleginnen bei dieser Aussage "lachend vom Stuhl fallen".

Erfolgreiche PR-Arbeit fängt für ihn schon vorm Abschluss eines Vertrags an. "Ich kann nicht für jemanden arbeiten, wenn ich das Produkt oder die Person total ätzend finde." Und natürlich muss er als Chef dafür auch die richtigen Angestellten nach Berlin holen. Seine Agentur empfindet er als "selbstreinigenden Organismus", der die Leute wieder ausspuckt, die nicht dazupassen. Wenn es passt, dann entstehen die besten Ideen immer noch bei "vor Kreativität überlaufenden Teammeetings" – und die gebe es nunmal nicht im Homeoffice. Jessen befürchtet einen "Leistungsabfall", wenn Agentur-Mitarbeitende gar nicht mehr ins Büro zurückkehren. Moderatorin Aline von Drateln, die wegen Corona zurzeit an den heimischen Schreibtisch gefesselt ist, würde sogar Geld dafür zahlen, "um dieser Home-Office-Hölle zu entkommen".

Der Erfolg der Agentur ist für Jessen nicht selbstverständlich. "Ich werde fast Will-Smith-aggressiv, wenn Leute sagen: 'War klar, dass das mit Storymachine funktioniert.'" Nach seinem Abschied von Gruner + Jahr habe er zunächst alleine in einem Co-Working-Space am Görlitzer Park gesessen, in einem Büro, in dem es dank verstopfter Rohre nicht wirklich appetitlich gerochen hat. Bis heute sei "jeder Tag ein Kampf".

Apropos Will Smith: Dem ohrfeigenden Schauspieler würde er dringend raten, seinen Oscar selbst zurückzugeben, bevor er dazu aufgefordert wird. turi2-Chefredakteur Trantow findet, die Academy hätte ihm den Preis an dem Abend gar nicht erst geben dürfen. In Smiths Dankesrede erkennt Jessen Anzeichen einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung. Aline von Drateln sieht in dessen Verhalten typisch toxisches Männlichkeits-Gehabe, das im schlimmsten Fall zu Gewalt gegen die eigene Ehefrau führt.

Apropos toxische Männlichkeit: Das Trio spricht im Podcast außerdem über die "Zwangsmaus"-Debatte um Julian Reichelt, kritische Berichterstattung über Storymachine und über Authentizität als Schlüssel für gute PR-Arbeit – oder wie Philipp Jessen sagen würde, "Wahrhaftigkeit". "Ich hasse das Wort 'authentisch'. Wenn ich zu Hause in Boxershorts 'Love Island' gucke und Schoko-Crossies esse, ist das auch authentisch. Aber das interessiert keinen.“

Der turi2 Clubraum diskutiert jeden Freitag um 12 Uhr mit einem prominenten Gast die Themen der Woche. Nächste Woche ist Oliver Wurm zu Gast, Verleger des Grundgesetz-Magazins und Träger des Bundesverdienstkreuzes.
turi2.tv (52-Min-Podcast bei YouTube), turi2clubraum.podigee.io (Audio-Podcast), apple.com, spotify.com, deezer.com, audionow.de

turi2 edition #17: Wie sexy muss eine Herausgeberin ihr Produkt finden, Myriam Karsch?


Brust raus: Medienunternehmerin Myriam Karsch hat eine Festanstellung aufgegeben, um den “Playboy” herauszugeben. Der ist für sie eine Bühne feministischer Freiheit. “Uns ist wenig peinlich”, sagt sie im Interview in der turi2 edition #17. Eine Virologin würde sie trotzdem nicht fürs Cover anfragen. Weiterlesen >>>

“Moderator nach innen, Übersetzer nach außen” – Florian Scholbeck über die Arbeit als Kommunikator bei Aldi Nord.


Tacheles reden: Der Job eines Kommunikators hat sich in den vergangenen Jahren verändert, sagt Florian Scholbeck im turi2 Jobs-Podcast. Der Kommunikations-Chef von Aldi Nord erklärt im Gespräch mit turi2-Verlegerin Heike Turi, dass sein Job heutzutage "mehr als eine Schreibstube" sein muss. Es gehe nicht mehr nur darum, der Welt die Vorteile des Unternehmens zu erklären. Scholbeck sieht seine Rolle eher als "Moderator nach innen" und "Übersetzer nach außen". Dabei hilft ihm das Handwerk, das der studierte Bauingenieur in seiner Zeit als Journalist gelernt hat: "Fragen stellen, Dinge verstehen, komprimiert darstellen und übersetzen." Um "Sachen besser zu machen", helfe es außerdem, "auch mal die Gegenposition einzunehmen".

Aldi Nord ist zurzeit in einer "sehr großen Transformation", sagt Scholbeck. In "rasender Geschwindigkeit" werde das Unternehmen modernisiert. Hauptaufgabe der Kommunikation sei es dabei, "Kontext herzustellen" und die Auswirkungen der Digitalisierung darzustellen. Dass Aldi Nord nicht immer so kommunikativ und transparent gewesen ist, weiß Scholbeck: "Die 40 Jahre des Schweigens funktionieren in unserer Medienwelt nicht mehr." Das Unternehmen wolle ein "sichtbarer Teil der Gesellschaft" sein und müsse sich daher einem öffentlichen Diskurs stellen. Dazu müsse es Aspekte wie Tierwohl, CO2 Reduzierung oder Mindestlohn thematisieren.

Das Interesse an verschiedenen Themen ist das A und O für Menschen, die in der Kommunikation arbeiten wollen, findet Scholbeck. Außerdem sollten sie sich "intern schnell vernetzen" und auf hoher fachlicher Ebene mich Menschen sprechen können. Während ihn Social-Media-Expertise und die Anzahl an Followern weniger interessiert, achtet Scholbeck bei Bewerbungsgesprächen vor allem auf die Persönlichkeit. "Wenn man im Unternehmen helfen will, braucht man eine Meinung." Er wolle auf keinen Fall nur hören, dass Aldi Nord "alles super" mache – denn das sei nicht der Fall.

Florian Scholbeck ist eines von 100 Jobs-Vorbildern aus der turi2 edition #17. Das Buch zum Thema "Arbeiten in der Kommunikation" erscheint am 6. April. Die Podcast-Reihe turi2 Jobs begleitet die Buch-Veröffentlichung und die neue Jobs-Plattform turi2.de/jobs.
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turi2 edition #17: Digital-Unternehmerin Tijen Onaran ist nur am Wochenende still.


Mindset-Entstauberin: Für Tijen Onaran ist Diversität keine Option, sondern ein Muss. Mit ihrem Netzwerk Global Digital Women will sie das Thema auch in das hinterletzte Altherren-Zimmer bringen – und beweisen, dass Teilhabe an Macht “keine Frage der Herkunft ist”. Ab und zu könne sie sich aber auch etwas von ihrem Hund Leo abschauen, erzählt sie im Porträt in der turi2 edition #17. Weiterlesen >>>

“Online und Print aus einem Guss” – Brigitte Huber und Doris Brückner zeigen die neue “Brigitte”.


Engagement und Eskapismus: "Das ist noch 'Brigitte', aber das ist irgendwie anders", so beschreibt Chefredakteurin Brigitte Huber den ersten Eindruck der frisch gerelaunchten Medienmarke im Video-Interview von turi2.tv. Heute liegt das Frauen-Magazin gedruckt in neuer Aufmachung und inhaltlich überarbeitet am Kiosk. Auch digital ändert sich einiges – Online und Print erscheinen jetzt "aus einem Guss", freut sich Digital-Chefin Doris Brückner. Das Chefinnen-Duo zeigt die neuen Seiten der "Brigitte" und verkündet zwei prominente Neuzugänge: Künftig füllen Anja Rützel und Alena Schröder im Wechsel die letzte Seite des Magazins mit ihrer Sicht auf die Welt.

Mit dem neuen Claim "Dein Leben, dein Weg" will das Magazin den Leserinnen als "empathischer Coach" zur Seite stehen und mit ihnen in der Aktion #NeueOffenheit über Tabu-Themen wie Geld, Ängste und Sex sprechen. In der Rubrik "Team-Talk" soll auch die Redaktion sichtbar werden. Die Redakteurinnen diskutieren über ihre Haltung etwa zu Sinnfragen oder Nachhaltigkeit. Neu ist auch ein "Good-News-Ticker", der Momente schaffen will, sich gut zu fühlen. "Wir verschließen nicht die Augen vor dem, was da draußen passiert", sagt Brückner, man müsse sich aber gezielt Zeit nehmen, um abzuschalten und hinterher wieder Kraft zu haben, ergänzt Huber.
turi2.tv (10-Min-Video auf YouTube)

“Politiker sind auch Menschen” – Wigan Salazar über die Arbeit als Lobbyist.


Der Einflüsterer: "Kontakte herzustellen, ist das eine, das Seelenleben einer Partei zu verstehen das andere", sagt Wigan Salazar im turi2 Jobs-Podcast. Mit turi2-Gründer Peter Turi spricht der CEO der Kommunikationsagentur MSL über seine Arbeit bei der Publicis-Tochter. Neben dem Netzwerken geht es als Lobbyist vor allem darum, ein "Gespräch und Aufmerksamkeit" herzustellen, sagt Salazar. Dazu gehöre auch, herauszufinden, "wie ich eine Person besser lesen kann, um mit meinem Lobby-Anliegen auch anzukommen". Der Politikflüsterer spreche etwa über den Lieblings-Fußballverein – so komme eine Unterhaltung viel besser zustande. Politikerinnen seien auch Menschen: "Die freuen sich, wenn das Gespräch erst einmal etwas persönlich ist".

Er muss aber nicht nur mit der Regierung, sondern auch mit der Opposition Kontakt halten. Schließlich baue sich eine Beziehung nicht nur dann auf, wenn es gut läuft, meint Salazar. Auch Nein sagen gehört in seinem Job dazu: "Das ist ein Großteil der Arbeit", sagt Salazar. Das komme zwar nicht immer gut an, "es wird dann aber doch immer gehört". Dann müsse er als Berater aber auch erklären, warum etwas nicht geht und Alternativen nennen. Andererseits "braucht es manchmal unrealistische Annahmen, um Veränderung herbeizuführen".

Bei alldem nimmt er als Berater eine "dienende Rolle ein", sagt Salazar. Das sollten vor allem Journalistinnen beachten, die in die PR wechseln. Dort gehe es nicht mehr um eine "persönliche Marke" und die Arbeit finde eher "im Hintergrund" statt. Freunde aus der ehemaligen Redaktion "freuen sich dann nicht mehr unbedingt auf den Anruf". Was immer bleiben sollte, ist die Neugier – "das bringt einen sowohl im Journalismus als auch in der PR weiter".

Wigan Salazar ist eines von 100 Jobs-Vorbildern aus der turi2 edition #17. Das Buch zum Thema "Arbeiten in der Kommunikation" erscheint am 6. April. Die Podcast-Reihe turi2 Jobs begleitet die Buch-Veröffentlichung und die neue Jobs-Plattform turi2.de/jobs.
turi2.tv (50-Min-Podcast auf YouTube), turi2.podigee.io, spotify.com, podcast.apple.com, deezer.com, audionow.de

turi2 edition #17: Christine Scheffler über Talente, die “Zug zum Tor haben”.


Machen statt quatschen: Christine Scheffler sucht als Personalvorständin bei ProSiebenSat.1 Media nach Mitarbeitenden, die Haltung und Werte mitbringen. Alles andere “kann man trainieren”, sagt sie im Interview in der turi2 edition #17. Die Bewerberinnen fordern zugleich Flexibilität und Nachhaltigkeit. Weiterlesen >>>

turi2 edition #17: Bettina Fetzer will führen und loslassen.


Rasant, aber nicht abgehoben: Bettina Fetzer arbeitet sich von der Smart-Pressesprecherin zur globalen Kommunikations- und Marketing-Chefin von Mercedes-Benz hoch. Heute begleitet sie den Autobauer durch den Wandel. Ihre Wegweiser: Haltung und Vertrauen – auch in sich selbst, erzählt sie im Porträt in der turi2 edition #17. Weiterlesen >>>

turi2 edition #17: Markus Heidemanns über Authentizität und unerwünschte Gäste.


Früher war mehr Schampus: TV-Produzent Markus Heidemanns ist der Mann hinter dem Erfolg von Markus Lanz – und einer der bestverdienenden Strippenzieher im deutschen Fernsehen. Seit den 90ern hat sich am Zuschauergeschmack nicht viel verändert, beobachtet er. Ein guter TV-Talk sei immer noch wie “ein Boxkampf von Muhammad Ali”, sagt er im Interview mit seiner früheren Redakteurin Heike Turi in der turi2 edition #17. Weiterlesen >>>

turi2 edition #17: Awet Tesfaiesus über Wut und Weitsicht.


Ein neues Kapitel: Die Grünen-Politikerin Awet Tesfaiesus war nach dem Anschlag von Hanau kurz davor, Deutschland zu verlassen. Sie blieb – und zog 2021 als erste schwarze Frau in den Bundestag ein. Ihr ist bewusst: Damit wird sie in die Geschichtsbücher eingehen. “Ich muss liefern”, sagt sie im Interview in der turi2 edition #17. Weiterlesen >>>

“Ich bin ein Marketing-Opfer” – Verena Gründel über Gummibärchen und gelb-blaue Logos.


Werben & Vertrauen: Unternehmen werden künftig wieder weniger Geld in Social-Media-Werbung stecken, weil sich das geringe Vertrauen in die Plattformen negativ auf ihre "Brand Safety" auswirkt, sagt Verena Gründel im turi2 Clubraum. Die Chefredakteurin des Branchenmagazins "Werben & Verkaufen" erläutert im Gespräch mit Aline von Drateln und Markus Trantow, dass für Marken "Effektivität" ein wichtiger Key-Performance-Indicator ist – und der sei umso geringer, je schlechter das Image des Werbeumfelds ist. Deswegen würden Marketing-Abteilungen langfristig wieder mehr Budget für klassische Medien aufbringen. Trantow würde Gründel gerne zustimmen, befürchtet aber, dass am Ende nur "die Zahlen zählen".

Aline von Drateln, die im Podcast ihre Vergangenheit als Philadelphia-Engel enthüllt, will von Gründel wissen, wie sich die Branche in den vergangenen Jahren verändert hat. "Werbung ist immer demokratischer geworden", so die "W&V"-Chefredakteurin. "Die Kunden können mit ihrem Feedback direkt Einfluss nehmen." Marken können mit Haltung punkten, indem sie "die Rolle des Identitätsgebers" übernehmen in einer immer komplexer werdenden Welt. Anders als die Konkurrenz hat sich "W&V" aber aktuell bewusst dagegen entschieden, das Logo in den Farben der Ukraine einzufärben. "Wenn wir unser Logo gelb-blau anstreichen, machen wir die Welt nicht besser."

"Grenzwertig" findet Gründel Werbung, die sich direkt an Kinder richtet, sagt sie im Clubraum. Trotzdem zählt eine Werbung des Gummibärchen-Herstellers Haribo zu ihren Lieblingsspots. Sie sei eben auch nur ein "kleines Marketing-Opfer".

Das Trio spricht im Podcast auch über Fridays For Future, die diese Woche die Musikerin Ronja Maltzahn von einer Veranstaltung in Hannover ausgeladen haben, weil sie als weiße Sängerin Dreadlocks trägt. turi2-Chefredakteur Markus Trantow begrüßt zwar den sensiblen Umgang mit anderen Kulturen, vor allem solchen, die von Unterdrückung betroffen sind. Er würde aber eine Linie zwischen "kulturellem Austausch" und kultureller Aneignung ziehen. Aline von Drateln weist daraufhin, dass die Runde als Nicht-Betroffene keine Bewertung vornehmen sollte. Werbeexpertin Gründel kann aber aus Marketing-Sicht resümieren: "Die Marke Fridays For Future hat sich mit dieser Diskussion keinen Gefallen getan."

Der turi2 Clubraum diskutiert jeden Freitag um 12 Uhr mit einem prominenten Gast die Themen der Woche. Nächste Woche ist Philipp_Jessen zu Gast, Co-Gründer und Geschäftsführer der PR-Agentur Storymachine.
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turi2 edition #17: Douglas-CEO Tina Müller hält die Zügel in der Hand.


Karriere-Makeover: Tina Müller sieht Schönheit als lebenslangen Prozess – in den Menschen genauso viel investieren sollten wie in ihre Karriere. Der Beauty-Branche geht die heutige Douglas-Chefin nur einmal fremd, aber das unter großem Applaus. Sie habe eben ihre “Ansprüche und Maßstäbe”, erzählt sie im Porträt in der turi2 edition #17 Jobs. Weiterlesen >>>

turi2 edition #17: Mai Thi Nguyen-Kim über Pseudo-Experten und abgelehnte Posten.


In ihrem Element: Mai Thi Nguyen-Kim ist YouTuberin, Bestsellerautorin und TV-Moderatorin. Sie hat einen gut bezahlten Job im Chemiekonzern ausgeschlagen, um Wissenschaft vor die Kamera zu bringen. Geld spielt dabei eine untergeordnete Rolle: “Ich würde auch weitermachen, wenn ich im Lotto gewinnen würde.” Im Interview in der turi2 edition #17 gibt sie Tipps für YouTube-Anfängerinnen und verrät, wen sie mit ihrer Arbeit stolz machen will. Weiterlesen >>>

“Unterschiedliche Charaktere, um erfolgreich zu sein” – Andreas Arntzen über die Arbeit im Wort & Bild Verlag.


Verantwortung übernehmen: Der Wort & Bild Verlag in Baierbrunn baut um, um zu helfen. In pandemiebedingt leerstehenden Räumen sind in den vergangenen Tagen 25 ukrainische Geflüchtete eingezogen, Unterkünfte für 20 weitere Menschen entstehen gerade. Im Jobs-Podcast von turi2 spricht CEO Andreas Arntzen zum ersten Mal öffentlich über das Engagement des "Apotheken Umschau"-Verlags. Arntzen und Mitarbeitende hatten sich zuvor einem Konvoi angeschlossen, an der Grenze zur Ukraine Flüchtende aufgenommen und nach Deutschland gebracht. Mit ihrem Engagement wollen Arntzen und der Verlag ein Vorbild sein und auch andere Menschen "mobilisieren und motivieren, etwas zu machen". Es sei okay angesichts des Krieges und der Not, sprachlos zu sein, "das sollte aber nicht dazu führen, dass wir tatenlos sind".

Im Podcast turi2 Jobs spricht der Medien-Manager außerdem über das Arbeiten im Gesundheitsverlag Wort & Bild und seinen Führungsstil. Viele Eigenschaften, die für "Arntzi" schon als Hockey-Torwart in der Nationalmannschaft wichtig waren, prägen ihn noch heute. Im Teamsport und im Management gehe es etwa um "Vorbereitung, Disziplin, Motivation, den Biss". Damit sein Führungsstil nach dem "Trial and Error"-Prinzip auch in einem traditionsreichen Unternehmen funktioniert, sei es wichtig, "mit gewissen Traditionen auch mal zu brechen". Es brauche einen Ausgleich "zwischen alten Werten und der Moderne".

Dazu gehören flexible Arbeitszeiten, Home Office und Teilzeit-Möglichkeiten auch in Führungs-Positionen. Bei Wort & Bild arbeiten mehr Frauen als Männer – in Führungspositionen ist das Verhältnis inzwischen ausgeglichen, berichtet Arntzen. "Ich glaube, dass es sehr viele Mütter gibt, die Top-Ausbildungen haben und extrem motiviert sind." Ihnen passende Angebote zu machen, ist Arntzen wichtig. Grundsätzlich sei für ihn weniger der Lebenslauf wichtig, als dass Bewerberinnen "Charakterstärke zeigen" und "wissen, was sie können und was sie nicht können".

Andreas Arntzen ist eines von 100 Jobs-Vorbildern aus der turi2 edition #17. Das Buch zum Thema "Arbeiten in der Kommunikation" erscheint am 6. April. Die neue Podcast-Reihe turi2 Jobs begleitet die Buch-Veröffentlichung und die neue Jobs-Plattform turi2.de/jobs.
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Mitarbeit: Markus Trantow

“Gendern kann nerven und zugleich sinnvoll sein” – Judith Barbolini über Polarisierung und positive Nachrichten.


Aufreger-Sterne: Gendern triggert viele Menschen, weil es gesellschaftliche Probleme an die Oberfläche bringt, sagt Judith Barbolini vom Rheingold-Institut im turi2 Clubraum. Sie hat vor Kurzem eine Studie geleitet, die gezeigt hat, dass mehr als die Hälfte der jungen Menschen in Deutschland von Sternchen, Unterstrichen und der Debatte im Allgemeinen genervt ist. Geschlechtergerechte Sprache führe einen "Stellvertreterkrieg" gegen Probleme wie Rassismus oder Sexismus, sagt die Studienleiterin. Zudem können vor allem Männer die Bedeutung des Genderns noch nicht richtig einschätzen. Sie fühlen sich dadurch "in ihren Domains beschnitten" und haben das Gefühl, "aus ihren Rollen gedrängt" zu werden.

Barbolini fühle sich seit der Untersuchung vom generischen Maskulinum nicht mehr angesprochen, erzählt sie Aline von Drateln und Markus Trantow. Über manche Worte stolpere die Studienleiterin allerdings noch, beispielsweise über "Gästin". Es höre sich in ihren Ohren noch "falsch" an und sei damit eher "ein Störer als ein Zeichen für Toleranz". Sollten Medien und Unternehmen nun gendern oder nicht, fragt der Chefredakteur von turi2. "Es kommt drauf an", entgegnet Barbolini. Bei dem Thema gebe es keine klare Handlungsanweisung, da das Gendern selbst noch keine klaren Regeln hat. Allerdings komme geschlechtergerechte Sprache bei jungen Menschen prinzipiell gut an: "Auch wenn es einen nervt und ärgert, heißt das nicht, dass man es nicht als sinnvoll erachten kann." Vor allem im Jobkontext gehöre es mittlerweile "zum guten Ton".

Das Trio spricht im Podcast auch über die aktuelle Nachrichtenlage, in der fast ausschließlich negative Schlagzeilen dominieren. Das verstärkt die "Lähmungserscheinungen" der Pandemie, weil wir das Gefühl haben, "dass wir uns gar nicht mehr freuen dürfen", sagt Barbolini. Trantow bestätigt, dass er sich in einer dauerhaften "Alarmstimmung" befindet. Moderatorin Aline von Drateln sieht das Grundproblem in der Journalistenausbildung, in der der Leitspruch "only bad news are good news" vermittelt wurde. Alle sind sich einig, dass Medien Handlungsanweisungen geben müssen, um positiv durch die Krise zu kommen.

Ähnlich sieht es beim Umgang mit der russischen Bevölkerung aus. Trantow findet, die Sanktionen gegen Russland dürften sich nicht gegen die Kultur und das Volk selbst wenden. "Wir sollten die Tore zur russischen Zivilgesellschaft weit öffnen", damit ein Austausch stattfinden kann. Er findet es falsch, wenn beispielsweise russische Künstlerinnnen oder Komponisten aus Orchestern verbannt werden. Drateln stimmt zu, sagt aber: Bei einem Auftritt der Sopranistin und Putin-Anhängerin Anna Netrebko könnte sie nicht "mit gutem Gewissen in der Pause Piccolo schlürfen".

Der turi2 Clubraum diskutiert jeden Freitag um 12 Uhr mit einem prominenten Gast die Themen der Woche. Kommende Woche ist Verena Gründel zu Gast, die Chefredakteurin des Branchenmagazins "Werben und Verkaufen".
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Wissen Newsletter: Alles über Newsletter für Medien, Wirtschaft, Politik.

Die Newsletter-Wochen von turi2 vom 25.4. bis 5.6.2022 feiern den 15. Geburtstag der Morgen-Newsletter und liefern tiefes Wissen für Kommunikationsprofis. Wir bedanken uns bei unseren Partnern, ohne die dieses barrierefreie Special nicht möglich wäre. Ja, ich will auch dabei sein! Der Siegeszug der Morgen-Newsletter seit 2007: Die Chronik… Weiterlesen …

“Kampagnen auf den Krieg aufzubauen, ist falsch” – Uwe Vorkötter über Haltungsmarketing und Zeitungs-Zukunft.


Haltung zeigen: "Junge Medien­schaffende können besser und einfacher eine Reichweite aufbauen", sagt "Horizont"-Herausgeber Uwe Vorkötter im turi2 Clubraum. Im Live-Podcast mit Moderatorin Aline von Drateln und turi2-Chefredakteur Markus Trantow bescheinigt der langjährige Zeitungs-Chefredakteur jungen Journalistinnen ein besseres Gefühl für "zeitgeistige Themen", kritisiert aber, dass heute "Präzision in der Recherche" fehle. Eine gewisse "Tunnelblick-Recherche" bezeichnet Vorkötter als "einer der gravierendsten Fehlentwicklungen im Journalismus". Dass es vielen Zeitungen heute schlechter geht als noch vor 20 Jahren habe jedoch woanders seine Wurzeln. Wer heute noch eine Print­zeitung mache, müsse sie "nochmal ganz neu denken". Stattdessen werden die meisten Zeitungen noch genau so gemacht, "wie vor 20 Jahren".

Vorkötter kritisiert auch andere Entwicklungen in der Medien­branche, etwa die Abschaltung von Russia Today und Sputnik im Zuge des Kriegs in der Ukraine. Er habe für die Sperrung der russischen Propaganda "emotional" zwar Verständnis, finde es aber trotzdem "falsch und unnötig". Artikel 5 im Grundgesetz ist "nicht teilbar", sagt Vorkötter. "Da steht, eine Zensur findet nicht statt – das Verbot von Medien ist Zensur." Schwieriger findet er die Debatte zur deutschen Bericht­erstattung über den Krieg. Trantows These, Journalismus dürfe auch im Krieg "die Welt nicht in Gut und Böse teilen", stimmt Vorkötter nur bedingt zu. Zwar sei es sein Job als Journalist kritisch zu sein, in diesem Fall könne er aber keine "Schein­objektivität einnehmen, weil Gut und Böse so offensichtlich sind".

Stellung zu dem Angriffskrieg zu beziehen, findet der Journalist auch für große Unternehmen legitim. Haltungs­marketing ist nichts neues, sagt Vorkötter. Die "richtig großen Marken­geschichten" hatten etwas mit Politik oder wichtigen "Zeitgeist-Phänomenen" zu tun, etwa die Schockfoto-Kampagne von Benetton. Entscheidend sei, ob eine Marke eine Haltung hat und die für ihr Marketing nutzt oder umgekehrt. Klassische Kampagnen auf den Krieg aufzubauen, "ist jedoch der falsche Weg".

Der turi2 Clubraum diskutiert jeden Freitag um 12 Uhr mit einem prominenten Gast die Themen der Woche. Am kommenden Freitag ist Judith Barbolini, Geschäfts­führerin des Markt­forschungs­instituts Rheingold, zu Gast.
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“Man muss kein Techie sein” – Karin Schlautmann über die Arbeit in der Bertelsmann-Kommunikation.


PR und Verantwortung: Das Setting, die Optik, Kleidung, die Dekoration – "am Ende kann alles eine Botschaft sein", sagt Karin Schlautmann. Kommunikation sei mehr als das geschriebene oder gesprochene Wort. Im neuen Podcast "turi2 Jobs – Arbeiten in der Kommunikation" sagt die Bertelsmann-Kommunikationsleiterin, dass genau das eins der wichtigsten Dinge ist, "die man sich in dem Beruf klar machen muss". Auch Neugierde und ein offener Blick für Technik und neue Formate spielen eine große Rolle, denn nichts verändere sich so schnell, wie die Kommunikationsarbeit. "Dafür muss man aber kein Techie sein", sagt Schlautmann im Gespräch mit Peter Turi. Es gehe eher darum, zu erkennen, welche Technik zur Vermittlung der Botschaft passt.

Auch Schlautmann selbst ist kein Technik-Freak und kommt aus dem Journalismus. Fast 20 Jahre lang war sie für verschiedene Medien in Deutschland unterwegs. Nach einem Volontariat beim "Westfalen-Blatt" in Bielefeld arbeitet sie unter anderem bei der "Bild" im Chemnitz und wird Redakteurin bei der ersten deutschen Late-Night-Show mit Thomas Gottschalk in München. Auch, wenn sich diese Stationen von ihrem jetzigen Job unterscheiden, konnte Schlautmann in jedem Bereich etwas lernen. Bei Gottschalk etwa "ging es sehr stark um Inszenierungen". Das hilft ihr auch heute noch, wenn die Bertelsmann-Party geplant oder der Image-Teil des Geschäftsberichtes erstellt wird.

Vor allem aus ihrer Zeit als Lokaljournalistin hat Schlautmann viel mitgenommen. Sie ist fest davon überzeugt: "Wer keine Freude hat an Lokalthemen, der findet auch schwer Zugang zu großen, internationalen Geschichten." Eine Journalismus-Vergangenheit ist dennoch keine Voraussetzung, um in der Unternehmens­kommunikation zu arbeiten, sagt Schlautmann. In ihrem Team gibt es "alle Hintergründe" vom Politik- oder Wirtschaftsstudium bis zur Historikerin. Wichtiger sei es, zu überlegen: "Was finde ich spannend und wie kann ich mich einbringen?"

Karin Schlautmann ist eines von 100 Vorbildern in der turi2 edition #17. Das Buch zum Thema "Arbeiten in der Kommunikation" erscheint am 6. April und stellt die 100 wichtigsten Arbeitgeber aus Werbung, Marketing, PR und Medien vor. Die neue Podcast-Reihe turi2 Jobs begleitet die Buch-Veröffentlichung und die neue Jobplattform turi2.de/jobs.
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“Es gibt nur diesen einen Planeten mit Kaffee, Sex und Schokolade” – Eckart von Hirschhausen über “Wissen vor acht – Erde”.


Neues Klima im Ersten: Heute Abend startet im Ersten die Reihe "Wissen vor acht – Erde" als etwas verspätete Antwort der ARD auf die Initiative "Klima vor acht". Im Video- und Podcast-Interview von turi2 stellt Moderator und Mediziner Eckart von Hirschhausen das neue Format vor und zeigt viele Ausschnitte aus der neuen Sendung. Außerdem erklärt er, dass das Format, anders als bisher bekannt, nicht nur 15 Ausgaben bekommt, sondern während des ganzen Jahres mit neuen Folgen erscheinen wird. Zudem soll es weitere Sendungen zum Klima geben. "Die ARD hatte das Thema in den letzten Jahren nicht so präsent wie die Wissenschaft", sagt von Hirschhausen, freut sich aber gleichzeitig, dass "jetzt richtig Schwung reinkommt", auch durch die Unterstützung von Programm-Verantwortlichen wie WDR-Programmdirektor Jörg Schönenborn und ARD-Programmdirektorin Christine Strobl.

Angesichts des Krieges in der Ukraine kann von Hirschhausen verstehen, dass Klima-Berichterstattung in den Nachrichten aktuell nicht die höchste Priorität hat. "Wer die Nachrichten schaut, sieht aber sofort, dass wir in mehreren Kriegen zugleich sind", sagt der Wissenschafts-Journalist. Es gehe auch um Öl und Gas. Selbst in höchsten politischen Kreisen sei es inzwischen verstanden, dass "erneuerbare Energien keine Öko-Spinnerei sind, sondern zu einer friedlicheren, freieren Welt" beitragen.

Die Grund-Idee von "Wissen vor acht - Erde" beschreibt der Mediziner als "Kommt 'ne Erde zum Arzt". In den bisher produzierten Folgen geht es etwa um Fleischkonsum, die Todeszone Ostsee oder den Zusammenhang zwischen Regenwald und Regen. "Es gibt nur diesen einen Planeten mit Kaffee, Sex und Schokolade. Es wird nirgendwo besser", sagt von Hirschhausen.
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“Ich habe eine Haltung, aber keine Agenda” – Pinar Atalay über Journalismus in Krisenzeiten.


Ohne erhobenen Zeigefinger: "Ich konnte immer frei und unabhängig berichten", sagt TV-Journalistin Pinar Atalay mit Blick auf ihre mehr als 20-jährige Karriere – vom Privatradio über WDR und die ARD bis zu RTL. "Ich bin die Anwältin der Zusehenden, die Politiker hinterfragt, sodass sich die Menschen ihre eigene Meinung bilden können", sagt sie im Video-Interview mit "Horizont" und turi2.tv am Rande des Ad-Alliance-Events "Innovation Now". Ihre Haltung, etwa dass sie den Krieg in der Ukraine nicht befürwortet, lasse sie durchscheinen, "erzieherisch" sei sie aber nicht unterwegs. Atalay ist dankbar, dass sie mit Korrespondentinnen etwa in Russland und der Ukraine in Kontakt ist, die Informationen aus erster Hand liefern, und für die Teams, die sich mit der Prüfung von Fakten beschäftigen – so komme man der Wahrheit immer näher.

"Konkurrenz" will Atalay ihre früheren Kollegen bei der ARD zwar nicht nennen – sie freut sich über das diverse Mediensystem in Deutschland. Je mehr Nachrichten es gibt, umso besser findet sie das. Dennoch freut sich die Moderatorin, dass sie bei RTL mit einer neuen Nachrichten-Sendung in der jungen Zielgruppe mehr Menschen erreicht als früher bei den "Tagesthemen". Langsam lernt Atalay auch die neuen Kolleginnen bei Gruner + Jahr kennen. Sie freut sich etwa über den journalistischen Austausch mit der "stern"-Chefredaktion und die Verlängerung von "stern TV" auf den Sonntagabend.
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“Die erste große Panik ist gewichen” – Jens Schröder über Social Media und den Ukraine-Krieg.


Graf Zahl emotional: "Wenn sich die Leute darüber aufregen, dass Wodka weggekippt wird, scheint es ihnen so schlecht doch noch nicht zu gehen", sagt Jens Schröder, Zahlen-Zampano und Daten-Dompteur bei Meedia.de, im turi2 Clubraum. Nach einer Woche Ukraine-Krieg ist in sozialen Medien "die erste große Panik gewichen", beobachtet Schröder, inzwischen trenden wieder Nebenaspekte: Etwa dass Bars weltweit russischen Wodka in den Abfluss schütten. Fast vier Jahre lang hat Schröder täglich den beliebten Trending-Newsletter geschrieben, inzwischen nur noch wöchentlich, in dem er das Social-Media-Geschehen aus Zahlensicht angeht. "Am besten funktioniert alles, was emotional ist": leidende Tiere, verschwundene Kinder, hitzige Polit-Debatten und Fußball.

In der Diskussion der Themen der Woche mit Aline von Drateln und Markus Trantow stimmt Schröder Trantows These zu, dass das EU-Verbot der russischen Sender RT und Sputnik falsch ist: "Wenn man Propaganda-Sender verbietet, kann man nicht einschätzen, wie viel besser journalistische Medien sind als solche Propaganda-Medien." RT und Sputnik würden zwar Lügen verbreiten, "aber das muss eine Demokratie wie unsere aushalten", sagt Schröder. In der Diskussion um den Ukraine-Einsatz von "Bild"-Vize Paul Ronzheimer, findet es Schröder "sehr beachtlich", dass Ronzheimer in jedes Krisengebiet reist, um zu berichten. "Reporter, die in solche Kriegs­gebiete reisen, müssen verrückt sein, anders geht es nicht", sagt Schröder anerkennend. Besonders beeindruckt ihn derzeit ARD-Moskau-Korrespondent Demian von Osten, der zwar nicht in der Ukraine vor Ort ist, aber "von dem ich mich sehr, sehr gut informiert fühle". Um gut berichten zu können, müsse man nicht "mitten in den Schießereien sein".

Keine rosige Zukunft sieh Schröder für das Geschäftsmodell des Privatfernsehens: Die aktuelle Kriegs­situation zeige, dass lineare TV-Sender vor allem mit aktuellen Nachrichten und Sonder­sendungen punkten können, dazu Shows und eigene Events. Aber: "Alles, womit das Privatfernsehen großgeworden ist, Serien und Filme, das guckt kein Mensch mehr im linearen Fernsehen." Auch für Ältere würden Streaming­dienste und Mediatheken zunehmend die erste Anlauf­stelle für alles, was nicht live ist.

Seine Liebe zu Zahlen hat Schröder schon als Kind entdeckt, als er sich eigne Bundesliga-Tabellen errechnet hat. Damals wollte er noch Sportreporter werden. Anfangs war er in der Schule auch in Mathe gut: "Als es dann nicht mehr ums Rechnen ging, sondern um Kurvendiskussionen, da ließ es nach." Die Zahlen-Verliebtheit der Medienbranche erklärt Schröder damit, dass der Erfolg von Zahlen abhängt. "Deswegen sind Zahlen etwas Fundamentales für die gesamte Medienbranche." Ein baldiges Ende sozialer Netzwerke sieht Schröder nicht, erwartet jedoch, dass sich Diskussionen mehr ins Private verlagern, etwa in WhatsApp- oder Telegram-Chats, und die Timeline wieder "menschlicher" und weniger durch Algorithmen bestimmt wird.

Der turi2 Clubraum diskutiert jeden Freitag um 12 Uhr mit einem prominenten Gast die Themen der Woche. Am kommenden Freitag ist "Horizont"-Herausgeber Uwe Vorkötter zu Gast.
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“Die Welt ist viel komplexer als jedes Torten-Diagramm” – Katja Berlin über Twitter-Kritik und Gerhard Schröder.


Helle Kerzen auf der Torte: Ihre Torten über gendergerechte Sprache sind ein "Reizthema" und sorgen "fast immer für Aufruhr", sagt Katja Berlin im turi2 Clubraum. Mit ihrer "Zeit"-Kolumne "Torten der Wahrheit" greift Berlin jede Woche das gesellschaftliche Geschehen in einem Torten-Diagramm auf. Positives Feedback bekommt sie vor allem für feministische Torten, erzählt sie Clubraum-Moderatorin Aline von Drateln und turi2-Chefredakteur Markus Trantow. Dass das Thema in sozialen Medien so beliebt ist, findet Berlin grundsätzlich gut. Dadurch sind "viele Diskussionen losgetreten worden". Allerdings sollten Nutzerinnen aufpassen, denn "nicht alles, wo Feminismus drauf steht, ist Feminismus". Um Frauen geht es auch im Podcast Fix und Vierzig, in dem Berlin gemeinsam mit Gunda Windmüller über das Leben ab 40 spricht.

Berlin weiß, dass all diese Themen und "die Welt viel komplexer als jedes Tortendiagramm" sind. Gerade damit erklärt sie sich aber auch die Beliebtheit ihrer Kolumne. Es sei ein "schöner visueller Kommentar, den man in zwei Sekunden anguckt und dann weiterleitet". In Zeiten, in denen "man komplexe Analysen lesen sollte", sei das "ganz erleichternd". Die Kehrseite der Medaille: Häufig werden Berlins Torten in sozialen Medien geteilt, oft ohne Quellenangabe. Hinzu kommen Hater, die sie "sofort blockiert". Nur so sei es für sie noch möglich, Twitter zu öffnen,"ohne mir komplett den Tag zu versauen".

Kritik findet Berlin auch für den Umgang mit Gerhard Schröder. Gerade in der aktuellen Lage sei es wichtig, den Altkanzler in den Medien als das zu bezeichnen, was er ist: "Nicht nur Gas- sondern Russland-Lobbyist". In Deutschland schützen ihrer Meinung nach Ämter viel zu sehr vor Kritik oder Sanktionen. Strengere Maßnahmen wünscht sie sich auch im Falle des ARD-Boykotts der Eisschnell-Läuferin Claudia Pechstein. Nicht nur hätten die anderen Pressevertreter mehr Solidarität zeigen müssen, sondern "vielleicht sollten wir in diesem Jahr gar keine Sportler mehr interviewen". So würde man sich auch den "Worldcup of shame" in Katar im Winter sparen.

Der turi2 Clubraum diskutiert jeden Freitag um 12 Uhr mit einem prominenten Gast die Themen der Woche. Am kommenden Freitag ist Meedia-Journalist und Daten-Dompteur Jens Schröder zu Gast.
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Diverser als ihr Ruf – Herausgeber Carsten Knop über die Arbeit der “FAZ”.


Frankfurter Allgemeine Zeitungsjobs: "Für mich war Journalismus immer ein Traumberuf", sagt Carsten Knop. Im neuen Podcast "turi2 Jobs – Arbeiten in der Kommunikation" verrät der Herausgeber der "FAZ", dass er schon im Alter von 17 Jahren Journalist werden wollte und das auch heute dem Nachwuchs nur empfehlen kann. Für ihn ist das der "abwechslungsreichste Beruf", ein tägliches "Studium generale". Im Gespräch mit Peter Turi sagt Knop auch, dass die "FAZ" längst diverser ist, als viele glauben. So sind 95 % der aktuellen Neueinstellungen der Zeitung Frauen, ein Teil mit Migrationsgeschichte. Schon heute hätten in vielen Ressorts Frauen das Sagen – die Frage, wann erstmals eine Frau einen der vier Herausgeber-Posten der "FAZ" übernimmt, werde sich daher mit der Zeit von allein beantworten.

Auf die Job-Situation von Journalistinnen schaut Knop positiv: Die "Dienstleistung" der Medienschaffenden, die Welt zu erklären und zu ordnen, werde weiter gebraucht. Die Jobs in den Redaktionen würden zudem vielfältiger. So brauche es heute u.a. auch Programmiererinnen und Audio-Spezialisten. An der Voraussetzung, nur Menschen mit abgeschlossenem Studium zu beschäftigen, will Knop allerdings nicht rütteln. "Die 'FAZ' gibt den Leserinnen und Lesern ein Qualitätsversprechen", sagt Knop. Das müsse die Redaktion bedienen, dafür brauche sie einen hohen Bildungsgrad in Breite und Tiefe.

Knop und Turi sprechen außerdem über die Konkurrenz-Situation mit ARD und ZDF: "Die Angebote tagesschau.de und hessenschau.de der Öffentlich-Rechtlichen sind eine Zumutung für privat finanzierten Journalismus", sagt der "FAZ"-Herausgeber. Er vergleicht die Zeitung mit einer Fabrik, die ein Produkt herstellt – und vor dem Fabrik-Tor steht ein Konkurrent, der dieses Produkt kostenlos anbietet. Dennoch gelinge es der Zeitung immer besser, Verluste im Print-Geschäft digital auszugleichen. So zähle die "FAZ" aktuell mehr als 200.000 Digital-Abonnentinnen, 80.000 von ihnen nutzten das Basis-Angebot F+. "Wir wachsen", freut sich Knop.

Carsten Knop ist eines von 100 Vorbildern in der turi2 edition #17. Das Buch zum Thema "Arbeiten in der Kommunikation" erscheint am 6. April und stellt die 100 wichtigsten Arbeitgeber aus Werbung, Marketing, PR und Medien vor. Die neue Podcast-Reihe turi2 Jobs begleitet die Buch-Veröffentlichung und die neue Jobplattform turi2.de/jobs. In der ersten Folge des Podcasts spricht Agentur-Inhaber Florian Haller über den Kultur-Wandel in der Agentur-Branche.
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“Nicht jede Instagram-Influencer*in kann Social Audio” – Camao-Chef Holger Kahnt über Social Audio im Business.


You’re the voice: Social-Audio-Pionier Holger Kahnt hat bei Clubhouse noch "niemanden kennengelernt, der im echten Leben doof war", erzählt der Chef der Digital-Agentur Camao im turi2 Clubraum mit Tess Kadiri und Markus Trantow. Für ihn erschaffen Audio-Räume eine "Wohlfühlatmosphäre", die er von Plattformen wie Linked-in oder von Veranstaltungen wie Kongressen so nicht kennt. Der Hype sei vor einem Jahr auch deshalb so schnell abgeebbt, weil es kein funktionierendes Monetarisierungsmodell für Creators gebe. In der Hochphase habe kaum jemand Geld mit der App verdient, anders als bei TikTok beispielsweise. Und: "Influencer*innen, die von Instagram kommen, sind nicht automatisch erfolgreich auf Social Audio." Kahnt glaubt daran, dass sich Audio-Formate auch für Unternehmen eignen, denn "wir sprechen doch sowieso den ganzen Tag".

Der Wecker von Kahnt klingelt morgens um 6.45 Uhr, damit er pünktlich um 7 Uhr mit Kaffee und in Jogginghose vor seiner "platonischen Liebe" Clubhouse sitzen kann. Seit Kurzem zählt er außerdem zu den weltweit wenigen Beta-Testern von Linked-in Audio, weshalb der turi2 Clubraum erstmals dort stattgefunden hat.

Die Runde spricht außerdem über Regeln für private Social-Media-Profile, wie sie der WDR ursprünglich für seine Angestellten umsetzen wollte. Journalistinnen sollten ihre privaten Interessen nicht verstecken müssen, findet Moderatorin Kadiri. "Ein Like auf Instagram darf nicht reguliert werden." turi2-Chefredakteur Trantow folgt bei Twitter zwar unterschiedlichen Meinungsspektren, hält sich selbst aber lieber zurück. Das sei gut für die journalistische Arbeit.

Camao-Chef Kahnt berichtet im Clubraum außerdem vom New-Work-Modell in seiner Agentur mit flexiblen Arbeitszeiten und Home Office. Trantow merkt an, dass bei solchen Modellen Flexibilität zur Entgrenzung führen könne. Kahnt sieht es in der "Eigenverantwortlichkeit jedes Mitarbeiters, Arbeit und Privates nicht zu sehr zu vermischen". Aus seiner Sicht trifft das Vorurteil "viel arbeiten, schlechte Bezahlung" bei Agenturen heute nicht mehr zu.

Der turi2 Clubraum diskutiert jeden Freitag um 12 Uhr mit einem prominenten Gast die Themen der Woche. Am kommenden Freitag ist Autorin und Podcasterin Katja Berlin zu Gast, die die Grafik-Kolumne "Torten der Wahrheit" in der "Zeit" verantwortet.
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“Der Kampf um die Ressource Kreativität ist härter geworden” – Florian Haller über die Arbeit bei Serviceplan.


Die Agentur als Marke: "Die Zeit, in der man bis Mitternacht in der Agentur gesessen hat, ist wirklich vorbei." Im neuen Podcast "turi2 Jobs – Arbeiten in der Kommunikation" spricht Agentur-Inhaber Florian Haller über den Kultur-Wandel in der Agentur-Branche. Der betrifft für den Chef der Agentur-Gruppe Serviceplan nicht nur die Arbeitszeiten, sondern auch die Aufgaben. So arbeiten in seinen Agenturen heute nicht nur Kreative, sondern auch immer mehr Data Scientists, Media- und Programmatic-Strateginnen. Im Gespräch mit turi2-Gründer Peter Turi zählt Haller 100 unterschiedliche Profile. Egal, um welchen Job es geht: Lust an Kommunikation, Neugier und Offenheit für andere Kulturen und Spaß an Internationalität sind für Haller die wichtigsten Voraussetzungen.

Seit Haller die Agentur-Gruppe 2002 von seinem Vater übernommen hat, ist die Zahl der Serviceplan-Beschäftigten von 300 auf heute rund 4.500 gewachsen. Seine Vision ist es, "die global führende Independent-Agentur" zu werden. Er sieht wachsenden Kommunikationsbedarf und kann sich vorstellen, die Zahl der Beschäftigten in den kommenden Jahren zu verdoppeln. "Unser größtes Thema ist es, dass wir unser Wachstum mit neuen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern abfedern." Allein 2021 habe die Agentur 700 neue Beschäftigte eingestellt – deutlich mehr als die Agentur verlassen haben. Haller spricht von einer Fluktuation von 15 % und von einer durchschnittlichen Verweildauer von sechs Jahren.

Mit Blick auf den Agentur-Nachwuchs stellt Haller fest, dass der Wettbewerb um die klügsten Köpfe härter geworden ist. "Für die junge Generation ist ein sicherer, gut bezahlter Arbeitsplatz die Grundvoraussetzung", sagt Haller. Die wichtigste Frage sei die nach dem Sinn. Unternehmen müssten ihren Beschäftigten heute einen Purpose bieten. Serviceplan selbst bemüht sich in unterschiedlichen Programmen um die Themen Fürsorge, Diversität und Nachhaltigkeit. So sei es der Gruppe gelungen, in Deutschland den CO2-Fußabdruck auf Null zu fahren, nun weitet Haller die Bemühungen auf andere Standorte aus. In Sachen Diversität gibt Haller Nachholbedarf zu: Zwar sei der Aufsichtsrat zu jetzt 50 % mit Männern und Frauen besetzt, in den Agenturen läge die Frauenquote auf den ersten beiden Führungsebenen immerhin bei 40 %. Die Agentur-Holding ist allerdings rein männlich – Haller sagt: "Das werden wir ändern".

Florian Haller ist eines von 100 Vorbildern aus der turi2 edition #17. Das Buch zum Thema "Arbeiten in der Kommunikation" erscheint am 6. April und stellt die 100 wichtigsten Arbeitgeber aus Werbung, Marketing, PR und Medien vor. Die neue Podcast-Reihe turi2 Jobs begleitet die Buch-Veröffentlichung und die neue Jobplattform turi2.de/jobs.
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“Diversity-Training bei Springer ist der Horror-Job der Woche.” – Peter Wittkamp über Springer, Twitter und Witze mit Haltung.


Nicht käuflich: "Ich habe nicht das Gefühl, dass ich der Öffentlichkeit am Tag drei Scherze schuldig bin", sagt Autor und Gag-Schreiber Peter Wittkamp im turi2 Clubraum. Der Hauptautor der Online-Ausgabe der "heute show" erzählt im Live-Podcast mit Aline von Drateln und Markus Trantow: "Bei Twitter und Instagram mache ich nur Sachen, die mir Spaß machen, wo ich auch Lust zu habe." Zwar empfehle er bei Instagram auch Produkte, die ihm gefallen, manchmal bekomme er auch Geld dafür, räumt aber ein: "Auf dieses dauerhafte Werben hätte ich keine Lust." Selbst für viel Geld käme er sich als Werber z.B. für Joghurt "total dämlich vor".

Stattdessen nutzt Wittkamp seine Reichweite, um Haltung zu zeigen und sich etwa fürs Impfen auszusprechen: "Ich versuche, nicht zu krass zu sein und den Leuten die ganze Zeit meine Meinung aufzuzwingen." Bei Sachen, die ihm wichtig sind, mache er das aber gerne. Dabei erlebt er auch, dass nicht alle Menschen seine gewitzten, teils übertriebenen Botschaften "mit größter Dankbarkeit entgegennehmen". Manchmal erhalte er "auch Nachrichten, wo man ein Ego haben muss, das das auch abkönnen muss".

Die Runde diskutiert auch die Themen der Woche, u.a. die jüngste Entwicklung der Causa Reichelt bei Springer. Trantow stellt die These auf, Mathias Döpfner sollte als Springer-Boss deshalb im Amt bleiben, weil "noch nie irgendwas gutes" daraus geworden sei, "wenn sich reiche Männer mit großem Ego und Sendungs­bewusstsein gecancelt fühlen und in der Schmoll­ecke sitzen". Wittkamp widerspricht: "Döpfner ist zu sehr in feinen Kreisen unterwegs, dass er sich es leisten kann, ein Tichy 2.0 zu werden." Das angekündigte "Diversity und Inklusions-Training" für alle Führungskräfte bei Springer hält Wittkamp für den "Horror-Job der Woche".

Auch mit der These von Aline von Drateln kann sich Wittkamp nur bedingt anfreunden: Sie fordert anlässlich der Diskussion um #diesejungedame, Twitter sollte die Likes wieder abschaffen, damit der Tweet im Vordergrund steht und nicht die Clique rund um die Verfasserin. Ohne Likes verliere Twitter jedoch "ein bisschen die Spannung", meint Wittkamp. "Man schaut ja viele Sachen besonders dann gerne, wenn es schlimm wird: Stichwort 'Bachelor"." Der Twitter-Stream ist für ihn der "'Bachelor' für Intellektuelle".

In zwei Wochen startet Peter Wittkamp bei Steady einen Newsletter mit dem Arbeitstitel "Wittkamps Woche". Geplant ist eine Kolumne im Newsletter-Format, mit drei Ausgaben im Monat, von denen zwei kostenlos sind. Die Dritte bekommt, wer ihn mit rund 5 Euro im Monat unterstützt. Das Medium Newsletter findet er "als Format schon immer total unterschätzt", weil es in Zeiten von Algorithmen eine "wahnsinnig zuverlässige Quelle ist, um Leute zu erreichen". Wittkamp findet es total wichtig, "seine eigene Bubble ein bisschen zu sprengen", indem er z.B. mal eine Zeitung anliest, die er sonst nicht liest.

Im turi2 Clubraum diskutieren im Wechsel Tess Kadiri und Aline von Drateln jeden Freitag um 12 Uhr mit einem prominenten Gast und einem Mitglied der turi2-Redaktion die Themen der Woche und sprechen über Leben und Werk des Gastes. Am kommenden Freitag ist Social-Audio-Pionier Holger Kahnt zu Gast, Managing Director der Camao AG.
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“Der ‘Playboy’ wird nicht von alten weißen Männern gemacht” – Myriam Karsch spricht über Sexyness und Parität.



Nackte Tatsachen: "Nicht überall wo Sex drauf steht, ist Sexismus drin", findet Myriam Karsch, die 2019 gemeinsam mit Chefredakteur Florian Boitin den "Playboy" von Burda übernommen hat. Im turi2 Clubraum spricht sie mit den Moderatorinnen Tess Kadiri und Aline von Drateln über die "Sexyness" der polarisierenden Marke und die Darstellung der Frauen darin. Ihr Statement bezieht sich sowohl auf ihr Magazin, als auch auf den aktuellen Werbespot der Techniker Krankenkasse, der in dieser Woche einen Shitstorm in sozialen Medien geerntet hat. Kadiri bezeichnet den Clip, in dem eine Frau beim Sex mit ihrem Nachbarn Hinweise auf Hodenkrebs ertastet, als "unkreativ" und "nicht feministisch". Dass das Video lediglich das "Stilmittel der Übertreibung nutzt", um Aufmerksamkeit zu erlangen und damit erfolgreich ist, findet Karsch dagegen.

Auch von Drateln findet an dem Spot "überhaupt nichts, das man kritisieren könnte" und warnt vor einem Sexismus-Automatismus. Es sei eher problematisch, dass sich sowohl bei "Germanys Next Topmodel" als auch im "Playboy" das Frauenbild "seit Marilyn Monroe" nicht geändert habe. Die Zeit des Patriarchats sei erst vorbei, "wenn auch mächtige Frauen offensiv ihre Sexualität zeigen können". Karsch ist der Meinung, dass alle "ihre Körper zeigen können, wenn sie das wollen", viele Frauen das aber gar nicht möchten. "Eine Angela Merkel hat vielleicht überhaupt kein Interesse daran, ihre Sexualität nach außen zu kehren."

Obwohl die Zielgruppe männlich ist, sind 13 % der "Playboy"-Leserschaft weiblich – Tendenz steigend. Oft sind es Leserinnen, die mit "klassischen Frauen-Zeitschriften" nichts anfangen können, sagt Karsch. "Sexyness, Toleranz, Offenheit im Umgang mit Sexualität und Nacktheit", die gesamte "Haltung zum Leben" sei das, was den Menschen gefalle. Auch in der Redaktion selbst spielen Frauen eine große Rolle – Führungspositionen seien paritätisch besetzt. "Der 'Playboy' wird nicht von alten weißen Männern gemacht".

Die Co-Gründerin und Geschäftsführerin von Kouneli Media war selbst schon früh vom "Playboy" begeistert. "Für mich ist es schon immer die beste, schönste, faszinierendste Marke, weil sie Sexyness hat und weil sie polarisiert". Dass die Zeitschrift nach 50 Jahren immer noch so kontrovers ist, sei ein gutes Zeichen. Für dieses Jahr ist eine große Jubiläums-Ausgabe geplant. Außerdem möchte Karsch über neue Kanäle und Bewegt-Bild "mehr jüngere Leute mit ins Boot ziehen".

Im turi2 Clubraum diskutiert Tess Kadiri im Wechsel mit Aline von Drateln jeden Freitag um 12 Uhr mit einem prominenten Gast und einem Mitglied der turi2-Redaktion die Themen der Woche und spricht über Leben und Werk des Gastes. In der kommenden Woche wird Autor und Werbetexter Peter Wittkamp zu Gast sein.
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turi2 edition #16: Was muss die Spezies Mensch 2022 ändern, wenn sie eine Zukunft haben will, Fritz Habekuß?


Das große Ganze: Jeder spricht über den Klimawandel. “Das ist wichtig und überfällig”, sagt “Zeit Wissen”-Redakteur Fritz Habekuß. Es bringe allerdings nichts, nur Treibhausgase einzusparen. In seinem Gastbeitrag für die turi2 edition #16 kritisiert der Co-Autor des Bestsellers “Über Leben” falsche Ansätze und betont die Bedeutung von Ökosystemen. Weiterlesen >>>

Dieser Beitrag ist Teil der turi2 edition #16 über Nachhaltigkeit. Hier geht’s zum kostenlosen E-Paper.

Diversität nach Quote ist nur Ultima Ratio – Katja Wildermuth über Vielfalt, Spardruck und mobiles Arbeiten beim BR.


Polyperspektivischer Rundfunk: "Das Wichtigste ist, dass die Kolleginnen und Kollegen innerhalb des Senders Vielfalt nicht als eine Pflichtübung verstehen, sondern als Bereicherung", sagt BR-Intendantin Katja Wildermuth im Interview bei turi2.tv und im turi2 Podcast. Seit einem Jahr steht sie als erste Frau an der Spitze des Bayerischen Rundfunks und räumt ein: "Wir haben viele Jahre vergleichsweise homogen rekrutiert". Förderprogramme wie Puls Talente sollen den BR diverser machen, 40 Redaktionen im Haus beteiligen sich an der von der BBC initiierten 50:50-Challenge. Sie hat das Ziel, Männer und Frauen gleicher­maßen als Gesprächs­partnerinnen ins Programm Programm zu holen. Vielfalt versteht Wildermuth nicht nur im Hinblick auf Geschlecht oder kulturelle Herkunft, sondern auch auf soziale Herkunft, Haltung, Bildungs­wege und Lebense­ntwürfe. Die Vielfalt der Gesellschaft könne der BR im Programm nur abbilden, "wenn wir die Poly­perspektivität auch bei uns haben". Diversität nach Quote hält sie nur für die "Ultima Ratio".

Im Gespräch mit turi2-Redakteur Björn Czieslik in ihrem Büro im 15. Stock des Münchner Funkhauses erzählt Katja Wildermuth auch, wie sich Corona auf die Arbeit im BR auswirkt. "Ich arbeite wahnsinnig mobil, ich habe meinen Laptop oder mein iPad dabei. Sie können mich überall hinsetzen", sagt sie. Zu Hause am Küchen­tisch arbeite sie selbst jedoch eher selten. Ginge es nach Wildermuth, hätte sie mobiles Arbeiten oder Home-Office ohne tägliche Präsenz im Sender schon viel früher eingeführt: "Eigen­verantwortung ist der Schlüssel für das Überleben im 21. Jahrhundert. Ich bin mir sicher, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter können am besten einschätzen, wie sie ihre Arbeit gut erledigen." Dabei sei es Aufgabe der Führungs­kräfte, darauf zu achten, dass Beschäftigte "im Home-Office nicht vereinsamen", die Grenze zwischen Arbeit und Privat­leben nicht verschwimmt und die Teams "auch mal Spaß miteinander haben", was in ergebnis­orientierten Video­konferenzen oft zu kurz komme.



Wie die gesamte ARD steht auch der BR unter Spardruck – obwohl der Rundfunkbeitrag 2021 gestiegen ist. Vorbei seien die Zeiten, in denen ein Programm für alle reicht: "Jeder möchte am liebsten auf ihn zugeschnittenes Programm", sagt Wildermuth. "Wir müssen aufpassen, dass wir nicht nur innerhalb des Bestehenden sparen", irgendwann habe das Prinzip "Schnall den Gürtel enger" seine Grenzen. Dann stelle sich die Frage: "Welche Inhalte, welche Programme sind uns wirklich wichtig?" Diese müsse der BR dann finanziell so ausstatten, dass Macherinnen und Produktionsfirmen "davon auch wirklich leben können". Es gehe darum, "nicht mit dem Rasenmäher zu sparen, sondern strategisch".

Weitere Themen im Interview sind u.a. der Umgang mit geschlechter­gerechter Sprache, die federführende Rolle des BR innerhalb der ARD bei Wissenschaft und Bildung, Dokus und ökologischer Nachhaltig­keit sowie die Bedeutung von unabhängigem, professionellen Journalismus in Zeiten, in denen jeder und jede Inhalte erstellen und verbreiten kann.
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“Gibt kein Thema, das man nicht anschneiden kann” – Yasmin Polat spricht über Journalismus und Social Media.


Realität vs. Social Media: "TikTok wird das neue Instagram und vielleicht sogar die Zukunft des Streamings", wirft Yasmin Polat als These in den turi2 Clubraum. Die Journalistin spricht mit Moderatorin Tess Kadiri und Chefredakteur Markus Trantow über ihre Arbeit und die große Rolle, die Social Media in ihrem Leben spielt. Polat ist sich der "toxischen" Algorithmen von TikTok & Co bewusst, findet die Apps aber "hilfreich". Auch, aber nicht nur für ihren Job: Als Moderatorin vom Spotify-Originals Podcast Fomo - Was habe ich heute verpasst, stellt sie sechs Mal wöchentlich die wichtigsten Nachrichten vor. Alles, was "man wie beim Swipen durch's Telefon so findet".

Nachrichten liest Polat ausschließlich online. "Ich scrolle durch den Feed, wenn ich im Bus sitze oder während ich Kaffee trinke". Eine "umständliche große Zeitung" würde die studierte Islamwissenschaftlerin nicht mehr aufschlagen. Dass das zu "viel zu viel" Handy-Konsum führt, ist Polat klar. Gedrucktes liest sie trotzdem nur noch in Form von Büchern. Ihr eigener Roman ist zurzeit "in einer Art Brutstätte" – auch darin soll TikTok eine Rolle spielen. Grundsätzlich findet sie, dass es auch auf Social Media "kein Thema gibt, das man nicht anschneiden kann". Die Frage sei eher, wann etwas "zu privat erzählt ist" und "wie verletzlich man sich macht".

Der Kehrseiten von Social Media ist sich Polat bewusst. Sie stimmt zu, dass Journalistinnen nicht mehr sicher sind, wenn sie ihren Job machen. Durch das Internet nehme Hass und Hetze "eine total krasse Dynamik an". Kadiri verweist auf den aktuellen Fall des Redakteurs Imre Grimm, der online Todesdrohungen erfahren hat. Viel schlimmer sei jedoch, dass die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen zunächst eingestellt habe, weil "ein öffentliches Interesse an der Straf­verfolgung des Beschuldigten nicht ange­nommen werden" könne. Trantow findet, der "eigentliche Skandal" ist, dass Medienschaffende mittlerweile selbst für ihren Schutz sorgen müssen, weil der Staat es nicht mehr schaffe.

Im turi2 Clubraum diskutiert Tess Kadiri jeden Freitag um 12 Uhr mit einem prominenten Gast und einem Mitglied der turi2-Redaktion die Themen der Woche und spricht über Leben und Werk des Gastes. In der kommenden Woche wird "Playboy"-Verlegerin Myriam Karsch zu Gast sein.
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turi2 edition #16: Wie billig darf Bio sein, Jürgen Schwall?


Billig, aber bio? Nachhaltige Produkte haben häufig den Ruf, etwas Elitäres zu sein. Dabei sollte es nicht bleiben, findet Jürgen Schwall. Er leitet den internationalen Einkauf bei Aldi Nord und sieht den Discounter oft mit Vorbehalten konfrontiert. In seinem Gastbeitrag für die turi2 edition #16 schreibt er, warum sich Bio und billig nicht ausschließen müssen. Weiterlesen >>>

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turi2 edition #16: Wie schlägt sich ein E-Porsche am Alpenrand, Tatjana Kerschbaumer?


Rasende Reporterin: Tatjana Kerschbaumer wechselt – mit Skepsis – vom Schreibtischstuhl auf den Ledersitz. Die freie Journalistin und turi2-Redakteurin ist Ende 2021 sechs Tage lang E-Porsche-Testfahrerin. In ihrem Gastbeitrag für die turi2 edition #16 schreibt sie über ungewohnte Aufmerksamkeit, sagenhaften Komfort und Trennungsängste. Weiterlesen >>>

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turi2 edition #16: Können Influencer unser grünes Gewissen sein, Katharina Frömsdorf?


Beeinflussend: Outfit-Posts und das Bikini-Foto am Strand sind auf sozialen Medien nicht mehr relevant genug, sagt Katharina Frömsdorf. Die Geschäftsführerin des Multichannel-Netzwerks von ProSiebenSat.1, Studio71, schreibt in ihrem Gastbeitrag für die turi2 edition #16 über nachhaltige Millennials und freut sich über “Sinnfluencer:innen”. Weiterlesen >>>

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turi2 edition #16: Wie verbessert Kunst das Klima, Tim Sommer?


Eine Kunst für sich: Eintracht und Konsens in der Gesellschaft sind die Todfeinde der Kunst, meint Tim Sommer. Wie passt da der Klimawandel rein, der so viel Einigkeit und Kompromisse fordert? Der Chefredakteur von “art”, Europas größtem Kunstmagazin, zeigt sich in seinem Gastbeitrag für die turi2 edition #16 optimistisch, dass sich Kunst und Klimakrise letztendlich sogar gegenseitig helfen. Weiterlesen >>>

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turi2 edition #16: Carolin Kebekus über Glaube und Gleichberechtigung.


Schluss mit lustig: Carolin Kebekus ist Feministin, Katholikin und eine der erfolgreichsten deutschen Komikerinnen. Im Interview mit turi2 Vize-Chefredakteurin Elisabeth Neuhaus für die turi2 edition #16 spricht sie über alte weiße Menschen, Gott und den Wert von Witzen in schweren Zeiten. Und sie sagt, wann bei ihr Schluss mit lustig ist: “Wenn Provokation keinen Sinn mehr erkennen lässt und nach unten tritt.” Weiterlesen >>>

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turi2 edition #16: Julia Becker über Verlag und Verantwortung.


Selbst ist die Frau: Julia Becker ist es wichtig, sich zu erinnern, wo sie herkommt. Als Chefin der Funke Mediengruppe sieht sie sich in den Fußstapfen ihres Großvaters und “WAZ”-Mitgründers Jakob Funke. Zum Interview für die turi2 edition #16 trifft sie Peter Turi denn auch im Gründerzimmer des Verlags, wo heute der Schreibtisch ihres Großvaters steht. Becker erklärt, wie der Verlag durch Investitionen, Kooperationen und Zukäufe wachsen soll – und bekennt sich klar zu Diversität: “Die Hälfte unserer Gesellschaft ist weiblich und die Hälfte der Führungspositionen muss mit Frauen besetzt sein.” Weiterlesen >>>

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“Wissenschaftler werden zu Stars” – Julia Rotherbl spricht im turi2 Clubraum über die Medien in der Pandemie.


Pandemedien: "Wir Medien müssen uns kritisch mit unserer Rolle in der Pandemie auseinandersetzen", findet Julia Rotherbl. Gemeinsam mit Dennis Ballwieser ist sie seit 2021 Chefredakteurin der "Apotheken-Umschau". Im turi2 Clubraum spricht sie mit Moderatorin Tess Kadiri und Chefredakteur Markus Trantow über Einfluss und Botschaften der Medien in Sachen Covid. Zudem geht es um die "Apotheken-Umschau". Deutschlands auflagenstärkste Zeitschrift feiert dieser Tage 66. Geburtstag und macht sich die spöttische Zuschreibung Rentner Bravo zu eigen – als Heft im Heft. Rotherbl freut sich über viel positives Feedback, sagt aber auch, manchmal tue die Bezeichnung “immer noch weh”.

Die Chefredakteurin beobachtet, dass die Corona-Pandemie "Wissenschaft und Forschende zu Stars" gemacht hat. Dadurch sei wissenschaftliches Arbeiten in die Öffentlichkeit gelangt – eine "große Chance für die Forschung und ihr Standing". Diese Popularität führt allerdings dazu, dass in der Berichterstattung die Grenze zwischen Politik und Wissenschaft verschwimmt, sagt Kadiri mit Hinweis auf manche "Bild"-Schlagzeile. Sie möchte nicht, dass "Wissenschaftler in Klatsch und Tratsch auf Titelseiten enden".

Grundsätzlich findet Trantow, dass Medien und Politik mehr auf die Ängste der Menschen eingehen sollten. Eine stärkere Aufklärung "würde womöglich den Verschwörungs-Schwurblern zumindest einen Teil des Windes unter den Segeln nehmen". Mit Blick auf die Medien stimmt Rotherbl zu: "Ich fasse mich auch an die eigene Nase und frage, warum wir Medien es nicht schaffen, Ängste aufzulösen." Sie und Kadiri sind sich aber einig, dass die Infos da sind. Problematisch sei eher, dass einige Menschen "auf den falschen Medien unterwegs sind".

Die "Apotheken Umschau" ist mit über 7 Mio Auflagen im Monat zwar das erfolgreichste Magazin des Wort & Bild Verlags, trotzdem setzt das Team auch auf digitale Formate, wie die Website, Social Media und Podcasts. Rotherbl etwa moderiert Frau Doktor, übernehmen Sie!, mit dem sie Frauen in der Medizin sichtbarer machen und gegen das "stark männlich geprägte Bild von Medizin und Wissenschaft" vorgehen möchte.

Im turi2 Clubraum diskutiert Tess Kadiri jeden Freitag um 12 Uhr mit einem prominenten Gast und einem Mitglied der turi2-Redaktion die Themen der Woche und spricht über Leben und Werk des Gastes. In der kommenden Woche wird die Fernseh- und Hörfunk-Moderatorin Hadnet Tesfai zu Gast sein.
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