“Ich genieße es manchmal, wenn jemand anderes die Programmplanung macht” – Norman Wagner über TikTok und TV.


Bleibt flexibel: Nach dem ersten Streaming-Boom und Binge-Watching von Serien sieht Norman Wagner mittlerweile wieder "differenzierter" fern, sagt er im Video-Interview von "Horizont" und turi2.tv am Rande des AGF-Forums in Frankfurt. Der Mediachef bei der Deutschen Telekom und Vorstand der Organisation Werbungtreibender im Markenverband erzählt im Gespräch mit turi2-Verlegerin Heike Turi, dass er immer öfter wieder lineares TV einschaltet, weil er keine Lust hat, "20 Trailer anzugucken". Als "Flexiviewer" schaut er das, wonach ihm gerade ist: "Es kommt auch vor, dass ich abends zwei Stunden TikTok schaue, weil ich auf gar nichts Lust habe, was Bigscreen ist", sagt er und lobt den Algorithmus des Kurzvideo-Dienstes. Wagner genieße es manchmal, wenn "jemand anderes die Programm­planung macht".

Die größte Herausforderung in der digitalen Media­planung sieht Wagner heutzutage darin, dass sie "in Silos" funktioniere. TV sei ein großes Silo, "wo ich einen großen Daten­bestand über einzelne Sender habe". Gehe es darüber hinaus "wird's schon wieder schwieriger". Digital-Werbung ist gut darin, für vorhandene Bedürfnisse Angebote zu machen, analysiert Wagner. Eine "absolute Katastrophe" sei das digitale Ökosyste, wenn es darum gehe Bedürfnisse zu wecken. Anders als für TV gebe es im Digitalen kaum Reich­weiten-Forschung. "Deswegen brauchen wir crossmediale Planungs- und Reporting-Instrumente", sagt Wagner.
turi2.tv (10-Min-Video)

Google besteht auf Ende der Werbe-Cookies.

Alle Kekse gegessen: Google hält am Aus der Werbe-Cookies bis zur zweiten Jahres­hälfte 2024 fest, teilt Google-Top-Manager Matt Brittin auf der Werbemesse DMEXCO in Köln mit. Es müssten neue Lösungen her, bei denen der Daten­schutz im Vorder­grund stehe. Google hatte bereits Anfang 2020 das Ende der Cookies angekündigt und die Frist nach Protesten der Werbe­branche mehrfach verlängert.
tagesschau.de

Zitat: AGF-Chefin Kerstin Niederauer-Kopf will Bewegtbild vollumfämglich messen.

"Wir haben einen Need im Markt, der gelöst werden muss. Sonst löst ihn irgendwann jemand anderes für uns."

AGF-Chefin Kerstin Niederauer-Kopf reagiert im Video-Interview mit "Horizont" und turi2.tv auf die Konkurrenz durch Agof und Agma. Sie führe gute Gespräche mit vielen Publishern – am Ende werde sich entscheiden, welches Angebot überzeugt.
turi2.tv (12-Min-Video), turi2.tv (direkt zu Agof und Agma), turi2.de (Zusammenfassung)

Ist TV ein Oldtimer, Kerstin Niederauer-Kopf?


Große Bilder: "Der Big Screen war nie weg", sagt Kerstin Niederauer-Kopf im Video-Interview mit turi2.tv. Im Gespräch mit turi2-Verlegerin Heike Turi am Rande des AGF-Forums in Frankfurt widerspricht die Chefin der AGF Videoforschung der These, dass das Fernsehen zum alten Eisen gehört. Von der analogen Vergangenheit des Mediums sei heute schon nichts mehr übrig. Das bestätigen auch die Messergebnisse der AGF, die traditionell TV-Quoten erhebt, aber längst auch Streaming-Nutzung, etwa bei Netflix oder Amazon Prime erfasst.

Als eine ihrer größten Herausforderungen beschreibt Niederauer-Kopf es, Digital-Publisher für die Messung von Bewegtbild zu gewinnen, um eine möglichst "konvergente Reichweite" ausweisen zu können. Anders als bei den TV-Quoten, wo automatisch alle empfangbaren Sender ausgewertet werden, müssen sich Digital-Publisher aktiv für die Messung entscheiden.

Mit Blick auf das überragende Interesse an Nachrichten und Unterhaltung während der Corona-Zeit erklärt die TV-Forscherin, dass die Nutzung von Bewegtbild weiter über dem Vor-Krisen-Jahr 2019 liegt, verglichen mit den Hoch-Phasen der Pandemie aber abnimmt. Außerdem beobachtet sie den Wunsch nach Eskapismus, was auf die Nutzung von Unterhaltungs-Angeboten einzahlt.
turi2.tv (12-Min-Video auf YouTube)

Nielsen: Werbemarkt schrumpft um 0,6 % im Vergleich zum Vorjahr.

Minusgeschäft: Der Deutsche Werbemarkt ist in den ersten acht Monaten 2022 im Vergleich zum Vorjahr um 0,6 % geschrumpft, errechnet Nielsen. Insgesamt liegen die Werbeumsätze nun bei 21,62 Mrd Euro. Alle Mediengattungen schneiden im August schlechter ab als im Juli. Das größte Minus verzeichnet Direktwerbung mit -8,8 %, gefolgt von Online mit -2,6 % und Zeitungen mit -1,4 %.
meedia.de

Ad Alliance testet mit Telekom kontextuelles Targeting in Podcasts.

Testlekom: Die Ad Alliance startet einen ersten vier­wöchigen Testlauf für kontextuelles Targeting in Podcasts mit der Telekom-Kampagne "Gegen Hass im Netz". Auf Basis eine KI-Analyse der Podcast-Folgen des Portfolios soll die Werbung genau dann ausgespielt werden, wenn vorab fest­gelegte Schlüssel­worte fallen und "positiv assoziierte" Szenen vorliegen
media.rtl.com

Basta: AfD blamiert sich mit Penis-Gummibärchen.

Penis-Panne: Die AfD Niedersachsen wollte sich mit Gummibärchen bei den Wählern beliebt machen. Die dem Logo nachempfundenen roten Pfeile erinnern optisch aber an was anderes: "Schwänze für Deutschland?", kritisiert AfD-Abgeordneter Antonin Brousek das missglückte Gimmick, das "ganz und gar ungeeignet" als Werbung für die Partei sei. Für manch einer der endgültige Beweis, dass die AfD schwanzgesteuert ist.
t-online.de, twitter.com


Borussia Dortmund und Chemiekonzern Evonik rollen globale Kampagne aus.

Doppelpass: Fußballverein Borussia Dortmund und Chemiekonzern Evonik rollen eine globale Kampagne unter dem Motto "Act like a leader" aus. "Führung bedeutet, andere wertzuschätzen. Führung bedeutet Verantwortung", heißt es in dem Clip. Es tauchen Spieler und Spielerinnen des BVB auf, das Voice Over spricht Mats Hummels. Hinter der Kampagne steht die Agenturgruppe KNSK.
per Mail, youtube.com (53-Sek-Video)

Debatte: Supermärkte inszenieren sich als Inflationsopfer.

Falscher Fingerzeig: Die Handels-Riesen Edeka, Rewe und Co. stellen sich als Opfer der Inflation dar, sind aber "sicherlich keine Wohlfahrts­verbände", sagt Verbraucher­schützer Armin Valet in der "Wirtschafts­woche". Bei ihren Eigen­marken langen die Super­märkte demnach selbst kräftig zu, während sie mit dem Finger auf Markenhersteller wie Coca-Cola zeigen. Ein nicht näher genannter Marken­konzern spricht von "Populismus".
wiwo.de (€), turi2.de (Background)

“Am besten maßgeschneidert.” – RMS-Expertin Katharina Zeschke über clevere Podcast-Werbung, die nicht stört.


Bewusst hinhören: Podcasts sind anders als Radio “stärker Fokus- als Begleitmedien”, sagt Katharina Zeschke, Leiterin Business Development beim Audio-Vermarkter RMS, im turi2-Interview. “Das Schöne ist, dass diese Hingabe beim Hören von Werbung nicht beeinflusst wird. Die Integration von Werbung wird nicht als störend empfunden.” Besonders geeignet seien dynamisch erzeugte Spots, die eine personalisierte Ansprache ermöglichen. Von der Zweitverwertung von Radio-Spots in Podcast rät sie dagegen ab. Außerdem erklärt Zeschke, wie der RMS Podcast Ad Planner zielgruppen­genau die richtigen Podcasts für Werbe-Kampagnen findet und warum sich die Vermarktung auch schon für kleinere Podcasts lohnt. Weiterlesen >>>

Debatte: Marketer können von der Queen was lernen, sagt Santiago Campillo-Lundbeck.

God save the Marke: Die Queen hat die Marke Windsor "wie kaum jemand sonst verstanden und verteidigt", weshalb sich Marketer etwas von ihr abschauen können, sagt "Horizont"-Redakteur Santiago Campillo-Lundbeck. Sie habe mit dem Wandel von "Königsfamilie zur Fernsehfamilie" nicht mit nur Mut zur Veränderung bewiesen, sondern auch Mut zur Konsistenz, durch "genaue Beachtung des Hofprotokolls" über Jahrzehnte hinweg.
horizont.net

Video-Tipp: McDonald’s führt im All eine Debatte über den Big Mac.

Video-Tipp: In Frankreich schickt McDonald's seine Big-Mac-Debatte in den Orbit. Eine Astronautin und ihr Kollege streiten sich lautstark darüber, ob auf den Burger nun Hähnchen gehört oder nicht. Damit verbindet der Fast-Food-Riese die unendliche Weite mit einem angeblich niemals enden wollenden Streit zwischen Fleisch-Liebhabern.
youtube.com (30-Sek-Video) via adweek.com

Wie muss Podcast-Werbung klingen, damit sie nicht nervt, Steffen Hopf?


Auffallen, ohne zu nerven: “Im noch jungen Podcast-Werbemarkt haben wir es in der Hand, die Fehler manch anderer Mediengattung nicht zu wiederholen”, schreibt Steffen Hopf im Gastbeitrag für die turi2 Podcast-Wochen. Der CEO der Vermarktungs­plattform Julep Media denkt dabei mit Grauen an Auto-Play-Videos mit Ton oder willkürlich eingeblendete Website-Werbung. Werbung in Podcasts sei nur dann erfolgreich, “wenn Inhalte und Marketing-Botschaft zueinander passen”. Je kürzer die Spots, desto beliebter. Bei Host-Read-Werbung gefalle den Hörerinnen, “wenn der Sprecher oder die Sprecherin Spaß dabei haben”. Weiterlesen >>>

Video-Tipp: Deichmann entdeckt das Storytelling.

Video-Tipp: Schuhhändler Deichmann verabschiedet sich in seiner neusten Kampagne vom szenischen Abfilmen der Produkte und entdeckt das Storytelling. In zwei unterschiedlichen Clips werden Frauen zu Schuh-Diebinnen und versuchen, mit ihrer Beute zu flüchten. Hinter der Kampagne steht die Agentur Jung von Matt/Saga.
youtube.com (30-Sek-Video, Clip 1), youtube.com (30-Sek-Video, Clip 2) via horizont.net (€)

Debatte: Werbewirtschaft fühlt sich von Energiespar-Maßnahmen bedroht.

Kein Licht im Dunkeln: Der Zentralverband der deutschen Werbewirtschaft (ZAW) fühlt sich von den bundesweiten Energiespar-Maßnahmen bedroht. Der ZAW habe sich mit einer Abschaltung von Leuchtreklamen zwischen 22 Uhr abends und 6 Uhr morgens einverstanden erklärt; nun soll das Licht allerdings bis 16 Uhr am Nachmittag ausbleiben. Besonders die Zeit zwischen 6 und 9 Uhr morgens sei jedoch werberelevant.
handelsblatt.com

Lese-Tipp: Gorbatschow hat nur wegen des Geldes Werbung für Pizza Hut gemacht.

Lese-Tipp: Die Pizza-Hut-Werbung von 1997 war für Michail Gorbatschow "wie ein Pakt mit dem Teufel", sagt Tom Darbyshire, der sich den Spot damals ausgedacht hat. Gorbatschow habe erst zugesagt, als er plötzlich "kein Personal, kein Gehalt und kein Büro" mehr hatte. Dass er dann nicht mal in die Pizza beißen wollte, habe seine Enkelin wettgemacht.
wiwo.de, youtube.com (Werbespot)

“Für persönliche Empfehlungen sind Werbekunden auch bereit, mehr zu zahlen.” – Katharina Frömsdorf übers Geldverdienen mit Podcast-Werbung.


Freundschaftswerbung: “Persönliche Empfehlungen des Hosts haben eine sehr starke Werbewirkung und sind auch bei den Hörer:innen die am besten akzeptierte Werbeform”, sagt Katharina Frömsdorf im Interview im Rahmen der turi2 Podcast-Wochen. Bei den so genannten “Host Read”-Ads in Podcast spricht ein Host eine Werbe-Botschaft persönlich ein: “Dafür sind Werbekunden auch bereit, mehr zu zahlen”, sagt die Geschäftsführerin der Seven.One AdFactory von ProSiebenSat.1. Für kleinere und nischigere Format bieten sich Werbe-Einspielungen mit neutralen Sprechern an. Unterhaltung steht bei Seven.One Audio dabei im Fokus: “Je spitzer, kritischer und politischer der Inhalt und die Zielgruppe, desto schwieriger die Vermarktbarkeit.” Weiterlesen >>>

Diskussionsbericht: Kartellamt sieht “wettbewerbliche Fragen” zu Googles Stärke bei Online-Werbung.

Zu groß? Die starke Markt­position von Google im Werbe­markt muss kartell­rechtlich untersucht werden, urteilt das Kartell­amt in einem Diskussions­bericht. Chef Andreas Mundt sieht "wettbewerbliche Fragen" wegen Googles "starker Markt­position auf nahe­zu allen Stufen der Wert­schöpfungs­kette". Schon letztes Jahr hat seine Behörde eine Untersuchung gegen Google auf dem Kern­gebiet Such­maschine bemüht. Google sagt, die Untersuchung des Kartell­amtes decke nur einen Bruch­teil des Ad-Tech-Marktes ab. Bis zum 28. Oktober können Markt­teilnehmer und Interessierte zum Bericht Stellung beziehen.
sueddeutsche.de

Debatte: Anna Yeliz Schentke findet Türkei-Werbung verlogen.

Kein schöner Land: Wer Bilder vom Türkei-Urlaub postet, macht "völlig kostenfreie Werbung für einen autoritären Staat", sagt die Autorin Anna Yeliz Schentke. In den "penetranten" Werbe-Videos des türkischen Tourismus-Ministeriums in Deutschland bleibe die Unterdrückung der Landes­bevölkerung "unsichtbar". Türkei-Urlauberinnen seien "Teil des Problems", wenn sie der Werbung folgen.
zeit.de

“Je kleiner der Medienbruch, desto besser.” – Ruben Schulze-Fröhlich gibt Tipps, um Podcasts bekannt und sichtbar zu machen.


Starthilfe: Mehr als 75.000 deutsch­sprachige Podcasts buhlen um Hörerschaft – als Podcast aufzufallen und Hörerinnen zu finden, muss aber nicht dem Zufall überlassen bleiben. “Bezahlte Werbung spielt eine immer größere Rolle”, sagt Ruben Schulze-Fröhlich, COO und Co-Gründer der Münchner Podcast- und Audio­marketing-Agentur Wakeword, im Interview im Rahmen der turi2 Podcast-Wochen. Das können bezahlte Audio-Empfehlungen in anderen Podcasts sein, Werbe-Flächen in Podcast-Apps, aber auch Radio- oder sogar Print-Werbung. Wichtige Stell­schrauben seien auch optimierte Beschreibungen und Cover, Transkripte, Shownotes und Kapitel­marken sowie “ein möglichst hohes Engagement”. Um auf Podcast-Portalen auf die Startseite zu kommen, helfen nicht zuletzt auch “gute Kontakte zu den Redaktionen”. Weiterlesen >>>

“Es reicht nicht, nur die gute Stimme zu haben.” – Armin Hierstetter über den Sprecher-Markt und gefragte Stimmen.


Armin sucht den Super-Sprecher: "Es ist nicht nur die Stimme allein, ihr müsst auch wissen, wie Ihr Euch vermarktet", sagt Armin Hierstetter im Jobs-Podcast mit turi2-Redakteur Björn Czieslik. Seine Casting-Plattform Bodalgo bringt Sprech-Profis und Auftraggeber zusammen. 12.000 Stimmen in 80 Sprachen hat er in seiner Datenbank. Bis 2008 war Hierstetter Verlagsleiter beim Männer-Magazin "FHM". Auf dem Höhepunkt der Finanz-Krise bekommt er die Kündigung und macht sich mit der Abfindung selbstständig. Bis heute ist Bodalgo eine One-Man-Show: Bei jeder neuen Stimme überprüft er persönlich, ob sie seinen Ansprüchen genügt.

Eine Chance haben bei Bodalgo nur ausge­bildete Sprech-Profis: Das kann eine Schauspiel­ausbildung sein, die Arbeit beim Radio oder private Sprech­erziehung. "Es reicht nicht, nur die gute Stimme zu haben, Du musst auch wissen, wie Du sie richtig einsetzt", sagt Hierstetter und warnt: "Ein Wochenend­kurs macht Dich nicht zum Sprecher". Sprech-Profis dürfen nicht monoton klingen, "jeder Satz braucht einen eigenen Subtext, den man hören kann", sie sollten von Anfang an mit der Stimme präsent sein und keine Wort-Enden verschlucken. Die Aufnahme muss zudem technisch absolut sauber sein: Kein Einatmer, kein Hall, kein Hintergrund­rauschen.

Gerade für Neulinge gilt zudem: "Ohne Heimstudio geht gar nichts." Darauf zu hoffen, einen Sprech-Auftrag zu bekommen und sich dann ein Profi-Studio zu suchen, sei "Unsinn". Die gute Nachricht: Schon für unter 1.000 Euro lässt sich ein Aufnahme-Setting einrichten, "das sehr, sehr gut klingt".

Wer diese Hürden genommen hat, sollte ein paar Sprach-Demos aufnehmen, sich auf Castings bewerben und Ausdauer haben: "Man muss schon ein bisschen resilient sein, denn 'Ablehnung' ist der zweite Vorname von 'Casting'."

Gefragt sind weiterhin vor allem tiefe und dunkle Stimmen, beobachtet Hierstetter, wenn auch nicht mehr ganz so extrem, wie noch in den 1980er Jahren. Aus den USA komme der Trend zu nonbinären Stimmen, bei denen nicht eindeutig ist, ob sie männlich oder weiblich sind. Bei der Sprechweise sei in den USA "Conversational" sehr gefragt – also keine aufgesetzte Sprecher-Stimme, sondern Sprechen wie in einem Gespräch unter Freunden.

Firmen und Agenturen, die eine Stimme suchen, empfiehlt Hierstetter ein möglichst präzises Briefing: Wofür kommt die Stimme zum Einsatz? Welche Art von Stimme soll es sein? Welche Ausdrucksweise soll sie haben: Frech und rotzig, gelassen oder mystisch? Sein Tipp: Wer schon eine konkrete Vorstellung hat, kann auch Beispiel-Stimmen angeben, z.B.: Klingt so wie die Synchronstimme von Morgan Freeman. "Es dauert vielleicht eine Minute, das Briefing zu schreiben, und es spart Dir so viel Zeit." Eine Vermittlungsgebühr kassiert Bodalgo weder von den Sprechern noch von den Auftraggebern. Hierstetters Geschäftsmodell sind die rund 2.000 Premium-Mitglieder, die eine monatliche Gebühr bezahlen und sich dadurch selbst auf Castings bewerben können.

Im Jobs-Podcast spricht Armin Hierstetter außerdem darüber, wie die Sprecher-Branche auf sein disruptives Geschäfts­modell reagiert hat, warum Stimmen für Werbung am teuersten sind und was er am Arbeiten als Selbst­ständiger besonders schätzt. Das Gespräch erscheint im Rahmen der turi2 Podcast-Wochen. Weitere Interviews, Podcasts, Profi-Tipps und Hör-Empfehlungen gibt es täglich bis zum 9. Oktober. Am 12. Oktober erscheint außerdem die gedruckte turi2 edition #19 Audio – jetzt schon das kostenlose E-Paper vorbestellen. (Foto: Lewis May Photography)
turi2.tv (76-Min-Podcast auf YouTube), turi2.podigee.io, spotify.com, podcast.apple.com, deezer.com, audionow.de

Studie: Plakate sind die wirksamste Wahlwerbung.

Plakativ: Plakate erreichen im Wahlkampf die meisten Menschen, sagt eine repräsentative Studie der Konrad-Adenauer-Stiftung. An zweiter Stelle liegen Post­einwurf­sendungen, gefolgt von Straßen­ständen und gedruckten Anzeigen in Zeitungen. Wahl­werbung in den sozialen Medien erreicht nur 11 % der über 65-Jährigen, Jüngere zwischen 18 und 35 Jahren zu 68 %.
faz.net (Paid), kas.de (Studie)

Studie Touchpoint Decoder sieht Pinterest bei Werbewirkung vor Facebook und Instagram.

PinterBest? Werbung auf Pinterest wirkt der Studie Touchpoint Decoder zufolge besser als bei Facebook und Instagram. Klassische Werbespots in Audio-Formaten sind im Internet-Radio etwas wirksamer als in Podcasts, verlieren aber gegen vom Host gelesene Anzeigen, so die MScience-Studie. Print-Anzeigen seien, entgegen der landläufigen Meinung, auch zur Emotionalisierung geeignet.
pressebox.de

Video-Tipp: HDF Kino lässt in neuer Kampagne Gefühle überschäumen.

Video-Tipp: Der Hauptverband Deutscher Filmtheater will mit seiner Werbekampagne "Kino. Fühlst du" mehr Menschen ins Kino locken. Drei 30-sekündige Clips zeigen u.a. ein Pärchen und einen Mann, die sich von ihren Gefühlen mitreißen lassen und vergessen, dass sie im Kino sind. Hinter der Kampagne steht die Agentur GUD Berlin, die auch für die Berliner Verkehrsbetriebe arbeitet.
horizont.net (Paid), youtube.com (Clip 1), youtube.com (Clip 2), youtube.com (Clip 3)

Nielsen: Deutscher Werbemarkt schrumpft im Juli um 10 %.

Anzeigen-Abgang: Der Deutsche Werbemarkt setzt seinen Abwärtstrend im Juli fort, errechnet Nielsen. Die Ausgaben für Werbung liegen bei insgesamt 2,4 Mrd Euro – ein Minus von 10,3 % im Vergleich zum Vorjahr. Am stärksten verliert TV-Werbung, einzig das Kino wächst, allerdings auch bedingt durch das schwierige Corona-Jahr 2021. Insgesamt liegt der Werbemarkt 2022 mit 0,7 % nur noch knapp im Plus.
horizont.net (Paid)

Video-Tipp: Claudia Obert und Désirée Nick machen Veggie-Werbung für Burger King.

Video-Tipp: Burger King schickt Reality-Streit­hähne Claudia Obert und Désirée Nick an den Grill. Für die Kampagne "Früher hatten wir Beef - jetzt sind wir plant-based" bereiten sie pflanzen­basierte Burger-Alternativen zu. Genre-typisch sind hoch­mütige Kommentare und Sticheleien natürlich mit von der Partie, doch am Ende begräbt das Duo seinen "Beef".
youtube.com (3-Min-Video)

P7S1 steigert Umsatz im 2. Quartal um 1 % auf 1,055 Mrd Euro und senkt Jahresprognose.

ProSiebenSat1-P7S1- KonzernlogoProSiebenSat.1 steigert im 2. Quartal den Umsatz um 1 % auf 1,055 Mrd Euro. Der größte Batzen entfällt mit 748 Mio auf den Bereich Entertainment, das Segment Commerce & Ventures spült 177 Mio Euro in die Kasse. Dating & Video verliert im Vergleich zum Vorjahr, bringt aber ebenfalls 130 Mio Euro. Insgesamt rechnet P7S1 für das Gesamtjahr 2022 mit einem stagnierenden Umsatz von 4,337 Mrd Euro, Grund sind u.a. das schwierige Konsumklima und der schwer einzuschätzende Werbemarkt.
dwdl.de, horizont.net

BBDO verliert Etat des Tabak-Konzerns Imperial Brands.

Ausgeraucht: Der deutsche Ableger der Werbe­agentur BBDO um CEO Marianne Heiß verliert seinen wohl größten Kunden, den Tabak­konzern Imperial Brands, berichtet Horizont.net. Der Konzerns hinter Tabak-Marken wie West oder Gauloises bestätigt das Ende der Zusammen­arbeit im November nach neun Jahren. BBDO erweckt in einem Statement den Eindruck, der Schritt sei von der Agentur ausgegangen.
horizont.net (Paid)

Telekom-Spot erweitert den Familien-Begriff.

Deutsche Telekom definiert den Begriff "Familie" neu. Im zweiten Animations­spot für die neuen Magenta-Mobil-Tarife gerät ein Pärchen in Streit darüber, mit wem der Comic-Mann seinen Mobilfunkvertrag alles teilt. Die Botschaft des Clips der Agentur Adam & Eve London: Familie kann viel mehr sein, als nur nahe Verwandte.
youtube.com (30-Sek-Video) via horizont.net (Paid)

Video-Tipp: Roger Federer erfüllt jungem Fan ein Versprechen von 2017.

Video-Tipp: Tennis-Star Roger Federer hat seinem jungen Fan Izyan "Zizou" Ahmad 2017 bei einer Presse­konferenz versprochen, so lange zu spielen, bis dieser alt genug ist, um gegen ihn anzutreten. Der Nudel-Hersteller Barilla macht Federers Versprechen fünf Jahre später wahr, lädt Zizou nichts­ahnend nach Zürich ein und hält das emotionale Treffen im Kurzfilm The Promise fest.
youtube.com (3-Min-Video) via persoenlich.com

Bundeswehr startet Image-Kampagne “Wir schützen Deutschland”.

Bundeswehr wirbt erstmals seit 2016 wieder im TV. Die neue, crossmediale Image-Kampagne der Leadagentur Castenow steht unter dem Motto Wir schützen Deutschland und soll zur Rekrutierung dienen sowie die Truppe als Garant für Sicherheit präsentieren. Über alle Kanäle will die Bundeswehr damit 500 Mio Kontakte in der Recruiting-Ziel­gruppe der 17- bis 35-Jährigen erreichen.
horizont.net (Paid), youtube.com (30-Sek-Video)

Podstars by OMR vermarktet Studio-Bummens-Podcasts “Weird Crimes” und “Cui Bono”.

Podstars, die Podcast-Tochter von OMR, vermarktet künftig die Podcasts Weird Crimes und Cui Bono von Studio Bummens. In "Weird Crimes" widmen sich Visa Vie und Ines Anioli der absurden Welt der Verbrechen. Die zweite Staffel von "Cui Bono" befasst sich ab Herbst mit dem Cyber­mobbing-Fall des Drachenlords und soll erneut einen großen Koproduktions- und Distributions­partner bekommen. Bei der ersten Staffel über Ken Jebsen waren NDR und RBB als Partner an Bord.
per Mail

Irreführende Werbung: US-Fahrzeugbehörde reicht Klage gegen Tesla ein.

Tesla-Trouble: Die kalifornische Fahrzeugbehörde DMV verklagt Tesla wegen "falscher oder irreführender" Werbung. Der E-Autobauer von Elon Musk stelle sein Autopilot-System besser dar, als es sei. Bis heute würden Tesla-Autos nicht "als autonome Fahrzeuge" funktionieren, mahnt die Behörde an. Bei Erfolg der Klage droht Tesla der Lizenz-Widerruf zur Herstellung und zum Verkauf seiner Wagen in Kalifornien.
manager-magazin.de

Debatte: Christina Berndt fordert ein Werbe-Verbot für Fast Food.

Not lovin' it: Ein Werbe-Verbot für Fast Food und "Dinge, die einen frühen Tod befördern" fordert Christina Berndt in der "Süddeutschen Zeitung". Menschen würden es nur selten schaffen, den "Verlockungen der Lebensmittelindustrie" zu widerstehen – der Staat müsse sie daher vor Kalorien und Kilos "schützen". Die Pläne der Ampel, Junk-Food-Spots in Kindersendungen zu unterbinden, gehen Berndt nicht weit genug.
sueddeutsche.de

Debatte: BVDA hält nichts von Rewes Öko-Argument für Prospekte-Schluss.

Papier-Flunkerei: Das Energiespar-Argument, das Rewe für die Abschaffung seiner Papier-Prospekte anbringt, führt Kundinnen "in die Irre", sagt Sebastian Schaeffer, Geschäfts­führer vom Bundes­verband Deutscher Anzeigen­blätter. Für die Prospekte werde sowieso fast nur recyceltes Altpapier verwendet. Außerdem werde bei Einkaufstüten Papier doch auch "als nachhaltig angesehen".
meedia.de, turi2.de (Background)

Serviceplan gründet neue Produktionseinheit Serviceplan Make.

Serviceplan will Marken­geschichten "aus einer Hand" und "über alle Medien, alle Technologien und alle Platt­formen" erzählen und gründet dafür die Produktions-Einheit Serviceplan Make. Startkunden sind Ferrero und Lufthansa. Die Leitung der 800 Menschen starken Einheit übernehmen Kieve Ducharme (Foto), die hausintern wechselt, und Irina Schestakoff, die von der Agentur Accenture Interactive kommt.
serviceplan.com

“Es ist eine neugierige, interessierte Branche” – Wie Kim Alexandra Notz das Image der Werbebranche aufpolieren will.


Werben für Werbung: Kim Alexandra Notz, Chefin der Werbeagentur KNSK, hält ihren Beruf für "einen der abwechslungsreichsten, interessantesten, kreativsten Jobs, den man sich vorstellen kann". Im turi2 Clubraum mit Markus Trantow und Pauline Stahl wundert sie sich daher umso mehr, dass Werbe-Jobs in manchen Umfragen zu den Top 3 der unbeliebtesten Berufe gehören. Unberechtigterweise würden viele immer noch denken, es sei eine Art "Verführung von Konsumentinnen", und "irgendwie schlecht". Diesem Image entgegenzuwirken "wird eine Sisyphos-Aufgabe", glaubt Notz. Sie sei jedoch unerlässlich, denn der Fachkräftemangel treffe die Werbebranche härter als alle anderen Krisen.

"Wir wenden zu viel Zeit dafür auf, uns Leute innerhalb der Branche gegenseitig wegzunehmen", kritisiert Notz. Wichtiger sei es, in andere Branchen zu gehen und Quereinsteiger zu ermutigen. Immerhin sei die Kreativbranche "wie gemacht für den Quereinstieg". Neben Frauen in Führungspositionen fehlen ihr auch die älteren Generationen. Die meisten Agenturen bestünden aus Leuten zwischen 20 und Ende 40. "Wo sind denn die Leute über 50?", fragt sich Notz. Gleichzeitig müssten die Agenturen ihr Hochschulmarketing verbessern. Zu viele Nachwuchskräfte wüssten gar nicht, dass es den Beruf gebe.

Sie selbst, sagt Notz, hätte das gerne früher gewusst. Sie arbeitet lange im Verlagswesen, bevor sie 2013 mit Manfred Bissinger die Agentur Bissinger+ gründet – ihre "beste berufliche Entscheidung". Als die beiden KNSK-Co-Gründer Werner Knopf und Detmar Karpinski sie 2016 in die Führung der Agenturgruppe holen, ist sie gerade im 7. Monat schwanger. Trotzdem überlegt sie nicht lange. Zu Anfang fragt sie aber doch, was sie neben den beiden etablierten Geschäftsführern machen soll. "Erstmal nichts, Kim", sagt ihr Knopf damals.

Sie erinnert sich an den unterschiedlichen Stil der beiden Gründer: "Sie haben die Agentur wie zwei Agenturen in einer geführt", erinnert sich sich. Sie macht es sich zur Aufgabe, die Bereiche wieder stärker zusammenzuführen. Seit 2018 ist sie Inhaberin und sieht die Agentur "auf einem guten Weg". Von sich selbst sagt sie, dass sie "Tag und Nacht über die Agentur nachdenkt". Ihre Work-Life-Balance empfindet sie trotzdem nicht als Problem, weil es ihr so gefalle, wie sie es mache. "Ich erwarte aber nicht, dass andere es auch so machen."

Der turi2 Clubraum diskutiert jeden Freitag um 12 Uhr mit einem prominenten Gast die Themen der Woche. Nächste Woche ist Welt TV-Chefmoderatorin Tatjana Ohm zu Gast, die vor kurzem von ihrem Einsatz in der Ukraine zurückgekehrt ist.
turi2.tv (44-Min-Podcast auf YouTube), turi2clubraum.podigee.io, apple.com, spotify.com, deezer.com, audionow.de