QVC eröffnet deutschen Shop auf TikTok.


TeleToking: Teleshopping-Sender QVC startet an diesem Mittwoch einen deutschen Shop bei TikTok. Nutzer können Produkte, die sie im Feed entdecken, direkt über die TikTok-App kaufen. Zum Start bietet QVC Beauty- und Küchen-Produkte an, weitere Kategorien und Live-Shopping-Formate sollen folgen. QVC hofft auf neue Zielgruppen und eine Steigerung der Marken­bekanntheit. Deutschland ist nach den USA, Großbritannien und Italien der vierte Markt, in dem der Händler diesen Schritt geht.
quotenmeter.de, digitalfernsehen.de

Basta: Bushido wäscht zum ersten Mal Wäsche.


Saubermann: Rapper Bushido, 47, teilt in einer Instagram-Story mit, dass er in seinem neuen Heim im Münchner Promi-Vorort Grünwald zum ersten Mal in seinem Leben selbst Wäsche gewaschen hat. Es laufe bereits seine dritte Maschine, verkündet er und zeigt stolz die aufgehängte Wäsche auf dem Wäscheständer. Damit ist Bushido vermutlich der erste Rapper, der in der Öffentlichkeit schmutzige Wäsche wäscht – und dabei wirklich schmutzige Wäsche wäscht.
promiflash.de, instagram.com

(Bild: Screenshot Instagram @bush1do)

Deutsche Welle startet russischen TikTok-Kanal.


Jetzt erst recht: Die Deutsche Welle erweitert ihre Berichterstattung auf Russisch um einen TikTok-Kanal. Der Sender reagiert damit auch auf die jüngste Einstufung als "unerwünschte Organisation" durch den Kreml. Das Angebot richtet sich an junge Menschen in Russland und Nachbarstaaten mit russischsprachiger Bevölkerung. Der deutsche Auslandssender will der einseitigen Staatspropaganda dort unabhängige Informationen entgegensetzen. Intendantin Barbara Massing stellt im ersten Video klar, dass die Kriminalisierung durch den russischen Staat den Sender nicht abschreckt.
dwdl.de

Eva Flecken und Marc Jan Eumann lehnen Social-Media-Verbot für Jugendliche ab.


Regeln statt Riegel: Eva Flecken, Chefin der Direktorenkonferenz der Landesmedienanstalten, und Marc Jan Eumann, Chef der Medienanstalt Rheinland-Pfalz, sprechen sich gegen ein generelles Social-Media-Verbot für Kinder und Jugendliche wie in Australien aus. In einem "FAZ"-Gastbeitrag fordern sie stattdessen eine strengere Regulierung der Plattformen durch den Jugendmedienschutz. Anbieter müssten Inhalte altersgerecht ausspielen und die richtigen Empfänger erreichen. Der neue Jugendmedienschutz-Staatsvertrag liefert laut Flecken und Eumann die nötigen Werkzeuge. Ein Verbot, so glauben sie, nütze vor allem den Plattformen selbst, die dann weniger in Schutzmaßnahmen investieren müssten.
faz.net (€), medien.epd.de (€, Zusammenfassung)

(Fotos: IMAGO / Funke Foto, IMAGO / Future Image, Montage: turi2)

Tagesspiegel vereint Audio, Video und Social Media im neuen Ressort “Voice & Vision”.

Hörensehen: Der "Tagesspiegel" legt seine Ressorts Audio, Video und Social Media zum "Super-Ressort" mit dem Namen "Voice & Vision" zusammen. Die Leitung übernehmen als Doppelspitze Sonja Gillert und Morten Wenzek. Gillert kommt von der "Welt", wo sie zuletzt das Audio-Ressort verantwortet hat. Wenzek führt beim "Tagesspiegel" bereits seit vier Jahren die Teams für Social und Video. Die Inhalte sollen künftig stärker überregional und für jüngere Zielgruppen aufbereitet sein. Chefredakteur Christian Tretbar will mit dem Schritt die journalistische Kraft bündeln und den Verlag zukunftsfähig aufstellen.
tagesspiegel-gruppe.de

(Bild: Tagesspiegel)

ByteDance verkauft Mehrheit des US-Geschäfts von TikTok an Investoren.


Haben einen Deal: Der chinesische Konzern ByteDance gibt 80 % seines US-Geschäfts an eine Investorengruppe ab. Das Unternehmen hinter TikTok verhindert damit ein drohendes Verbot der Video-App in den USA. Zu den neuen Eignern gehören der Softwarekonzern Oracle, die Investmentfirma Silver Lake und MGX aus Abu Dhabi. Oracle-Gründer Larry Ellison gilt als enger Vertrauter von US-Präsident Donald Trump. Der Verkauf geht noch auf Trump-Vorgänger Joe Biden zurück. Die USA fürchten chinesische Propaganda und Spionage. Rund 170 Mio Menschen nutzen die Plattform in den USA.
zeit.de, bloomberg.com, axios.com (€), reuters.com

Bulo’s Beobachtungen: Linked-in ist wie Tinder ohne Sex.


Publikaturist und Gary-Glotz-Kreativchef Peter "Bulo" Böhling treibt sich mal mehr auf dem einen, mal auf dem anderen Portal herum. Er sieht Parallelen bei der strukturellen Kontaktanbahnung, der toxischen Positivität und dem nervtötenden Einsatz von Künstlicher Intelligenz, um möglichst schnell in die Kiste hüpfen zu können – egal ob die berufliche oder private.

von Bulo

Ich unterstelle mal forsch, dass Sie beide genannten Plattformen kennen und mindestens eine davon so regelmäßig besuchen wie Ihre Lieblingsseite turi2. Dann ist Ihnen bestimmt schon aufgefallen, wie ähnlich sich Private-Posing und Business-Balzing sind. Im Prinzip könnte man sich die teuren Dating-Gebühren sparen, wenn die pseudokontaktfreudigen LinkedIn-Profile nicht so unglaublich spröde daherkämen. So bieder, aufgesetzt und uninspiriert. Wären sie eine Portion lustiger oder gar lustvoller gestaltet und etwas frivoler statt frigide, dann könnten Tinder, Bumble, ElitePartner und all die anderen Schaufenster der Eitelkeiten in der digitalen Herbertstraße dichtmachen.

LinkedIn als Biotop der Selbstbeweihräucherung hat es geschafft, das Prinzip des menschlichen Miteinanders bis zur Unkenntlichkeit zu pervertieren. Früher war Netzwerken noch herrlich ehrlich. Man traf sich auf Events, gab sich die Ehre und die Kante und schaute, wer am nächsten Tag noch wusste, wem er gestern einen Job versprochen hatte. Das hatte Charme. Das war echt. Heute sind wir auf "in" – oder in oder bei oder wie auch immer. Dem Tinder für Menschen, die nicht nur keinen Sex, sondern auch jeden Spaß am Leben verloren haben. Es ist die Matching-App für die Karriere, bei der man nach links wischt, wenn der andere unter 80 Riesen im Jahr verdient. Und nach rechts, wenn er Growth Hacker in der Blockchain-Branche ist. Es geht nicht um Liebe oder Leidenschaft, es geht um Monetarisierung.

Die Vernetzungsanfrage ist die neue, sterile Form der Anmache, der erste Satz so individuell wie die Aufbauanleitung eines Ikea-Regals: "Hallo, ich habe Ihr Profil gesehen und war beeindruckt von Ihrer Expertise im Bereich disruptiver Wachstumsstrategien." Wer zum Jobteufel schreibt so was? Bots? Menschen mit einer Persönlichkeit aus Pappe? Wahrscheinlich beides. Und erst die Bilder! Das ist der Gipfel der Verachtung für die Realität. Jeder auf LinkedIn sieht aus wie ein KI-generiertes Topmodel für eine Stockfoto-Datenbank mit dem Titel "Erfolgreiche Millennials vor unscharfem Hintergrund". Die Zähne weißer als Koks auf dem Tisch des Chefs, die Haut glatter als die Gelfrisur desselbigen. Jede Faser Menschlichkeit, jedes Zeichen von Leben, wegradiert von Photoshop und Algorithmen. Das sind keine Menschen, das sind Avatare der Ahnungslosigkeit, die uns vorgaukeln sollen, dass sie ihr Leben im Griff haben. Das paarschippende Äquivalent sind Hannelores, die sich mit "bereit für das letzte erste Date" anpreisen. Schnarch!

Und dann die Posts. Grundgütiger, die Posts! Das ist der eigentliche Horror. Willkommen im Fegefeuer der toxischen Positivität. Hier wird jeder Niederschlag als Lektion gefeiert, jedes Burnout als wertvolle Erfahrung und jede Kündigung als "katalytische Chance zur Neuausrichtung". Es ist zum Kopfaufdietischkanteschlagen. Niemand gesteht "Mein Projekt ist grandios an der Ignoranz meines Vorgesetzten gescheitert, ich habe heute dreimal geheult und trinke jetzt Wein aus dem Tetrapack." Nein. Stattdessen muss man sich Geschichten von Hans-Jürgen kredenzen, der seinen Job verloren hat und das jetzt als "Erwachen" zelebriert, das ihn zum "Speaker für Resilienz" gemacht hat. Dazu ein Foto (natürlich Canva-optimiert!), wie er am Strand sitzt und in die aufgehende Sonne starrt, während er uns mit seinen Weisheiten bombardiert. Er teilt seine Reise – was er auf der Suche nach langer Liebe oder kurzem Koitus drüben auf dem anderen Portal mit Gletscherbrille am Gipfelkreuz klammernd ebenfalls tut.

Ich will aber keine Reise. Ich will die Wahrheit! Ich will wissen, wer von diesen strahlenden Haltungshelden auch mal dem Daydrinking frönt und seine Mails ignoriert. Aber das gibt es nicht. Auf LinkedIn gibt es nur Wachstum, Dankbarkeit und Learning. Es ist eine Sekte der Dauerlächler, die uns einreden wollen, dass das Leben ein einziger Experience Circle ist. Auf Tinder gibt es wenigstens die Chance auf ein Abenteuer, ein bisschen Chaos, ein Hauch von Leben. Bei LinkedIn hingegen nur die Einladung zu einem virtuellen Kamingespräch über New Work Mindsets. Es ist die Vorhölle der Kontaktbörsen. Kein Risiko, kein Korb, nur ein unerwiderter Connect, der in der ewigen Verdammnis des Archivs endet. Und vor allem: kein Sex, nur Synergien. Dieses LinkedIn ist nicht nur outlinked. Es ist ausgelutscht und künstlich bis in die letzten Pixel der Power-Pics. Ich wünsche Ihnen darum ein achtsames Swipen. Seien Sie anspruchsvoll und verlangen Sie echte, unretuschierte Falten sowie ein wenig aufrichtige Verzweiflung! Es ist der Bruch, der die Menschen menschlich macht.

Bulo's Beobachtungen gibt es jetzt auch als gedrucktes Buch: Die 20 meistgelesenen Kolumnen unseres Publikaturisten sind als Taschenbuch mit 86 Seiten und einem Vorwort von Joe Groebel im JMB-Verlag erscheinen. Das Buch kostet 12 Euro.
jmb-verlag.de


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Zitat: Warum Armin Wolf X verlassen hat.


"Irgendwann dachte ich mir: Ich publiziere auch nicht auf Russia Today – warum soll ich es auf der Plattform eines offenen Faschisten tun, der den Hitlergruß zeigt, die EU vernichten will, massenhaft Fake News verbreitet und X zu einer politischen Propaganda-Orgel umbauen möchte?"

ORF-Moderator Armin Wolf erklärt im "Tagesspiegel"-Interview seinen Rückzug von X. Von Polizei und Justiz erwartet er, dass sie Hasspostings verfolgen und Social-Media-Plattformen zur Herausgabe von Nutzerdaten zwingen.
tagesspiegel.de (€)

(Foto: APA-Images / First Look / Hans Leitner)

Werbeinvestitionen in Deutschland steigen dank Digital-Boom auf 30,5 Mrd Euro.


Digital dominiert: Die weltweiten Werbeumsätze von TikTok sind mit 32 Mrd Dollar inzwischen höher als die von allen Zeitungen weltweit, die zusammen 31,5 Mrd Dollar umsetzen, analysiert Marco Saal bei "Horizont" auf Basis des "Global Ad Trends"-Reports des britischen Werbeforschers WARC. In Deutschland investieren Unternehmen in diesem Jahr mit knapp 30,5 Mrd Euro 4,9 % mehr in Werbung als 2024. Dieses Plus verdankt der Markt aber fast ausschließlich digitalen Kanälen, die um gut 9 % auf rund 17,5 Mrd Euro zulegen. Social Media wächst hierzulande sogar um 15 % auf über 4,9 Mrd Euro und zieht damit erstmals an den Print-Erlösen von 4,5 Mrd Euro vorbei. Global ziehen Social-Media-Plattformen mit Einnahmen von 322 Mrd Dollar inzwischen mit allen klassischen Medien gleich.
horizont.net (€)

Zahl des Tages: Über 120.00 Menschen fordern Rückzug der Bundesregierung von X.


Zahl des Tages: Mehr als 120.000 Menschen haben seit dem Start am vergangenen Montag die Petition der Initiative Save Social unterzeichnet, die die Bundesregierung auffordert, die Plattform X sofort zu verlassen. Mitinitiator Björn Staschen sieht die rege Teilnahme als Beleg dafür, "wie überfällig" der Rückzug der Bundesregierung von X sei. Die Algorithmen von X betonten "vor allem das, was polarisiert und die Gesellschaft spaltet", so Staschen. Obwohl die Accounts mancher Ministerien mehr als 100.000 Follower bei X haben, erreichten einzelne Posts der Bundesregierung oft noch nicht einmal mehr 1.000 Menschen.
savesocial.eu, weact.campact.de (Petition), turi2.de (Background)

Video-Tipp: Netto-Mockumentary hilft TV-Promis beim TikTok-Eintstieg.


Video-Tipp: Discounter Netto gibt Promis der alten Unterhaltungswelt TikTok-Nachhilfe. In der Mockumentary "Merry TikTok‑Mas" führt Fabian Rashagai, frisch gekürter "TikTok Creator of the Year 2025", Mirja Boes, Jeanette Biedermann (Foto) und Martin Schneider in die Welt des TikTok‑Contents ein. Das Ergebnis ist eine humorvolle und pointierte Persiflage auf die Herausforderungen, die Marken und Stars beim Einstieg in Social Media meistern müssen. Produziert wurde die Serie im neuen Netto‑Content Studio, einer voll ausgestatteten Netto-Filiale in den Räumen der verantwortlichen Kreativagentur Philipp und Keuntje.
tiktok.com (51-Sek-Video), presseportal.de, campaigngermany.de (frei nach Anmeldung)

Bild: Netto Marken Discount

Hör-Tipp: Annette Dittert spricht über ihren Abschied von der ARD.


Hör-Tipp: Die langjährige ARD-Journalistin Annette Dittert erklärt bei "Holger ruft an", dass sie bei der ARD aussteigt, weil sie weniger Zeit in Sitzungen verbringen will. Ein Problem sei das nicht, sondern eine Typ-Frage. Sie sagt zudem, warum ihre Stelle im Studio London nicht nachbesetzt wird, und kündigt an, dass man sie künftig jeden Donnerstag mit einem neuen Clip auf Instagram finde, den sie selbst schneide.
open.spotify.com (44-Min-Podcast), instagram.com

(Foto: NDR/Karolina Heller)

EU vs. Musk: Warum die Politik X besser heute als morgen verlassen sollte.


X-Besitzer Elon Musk ist Anführer eines rhetorischen Feldzugs gegen die Europäische Union, beobachtet “KNA-Mediendienst”-Redakteurin Jana Ballweber in unserer Kolumne “Kurz und KNAckig”. Sie wundert sich, dass die EU der Plattform des Multimilliardärs dennoch weiter die Treue hält und etwa Werbung schaltete, bis Musk selbst dem Werbekonto der EU-Kommission den Stecker zog – als “mutmaßliche Retourkutsche” für ein Millionen-Bußgeld. Ballweber meint, der beste Moment für den Abschied von X “wäre für europäische Politiker gestern gewesen”.
weiterlesen…

Plattform X blockiert BKA-Ermittlungen bei Hasskriminalität.


Musk macht dicht: Die Social-Media-Plattform X gibt laut einer internen Auswertung des Bundeskriminalamts bei Hasskriminalität deutlich seltener Nutzerdaten heraus als früher, berichtet der "Spiegel". Während die Behörde 2024 noch in über 80 % der Fälle Antworten erhielt, sank die Quote im Frühjahr 2025 auf rund ein Drittel. Das BKA wertet das Vorgehen als "aktive Behinderung", da Ermittlungen ohne die Daten oft eingestellt werden müssen. Betroffen sind etwa Anfragen zu Volksverhetzung, der Billigung von Straftaten oder Politikerbeleidigungen. Eine weitere Praktik von X sei, Behörden-Anfragen statt mit der Herausgabe von Daten mit Rechtsbehelfen zu beantworten. Mit den seitenlangen Anwaltsschreiben wolle X vor Gericht feststellen lassen, dass die Auskunftsersuchen rechtswidrig seien. Das Unternehmen wolle demnach ganz grundsätzlich nicht zur Datenherausgabe verpflichtet sein, argumentiert es in dem von einer international tätigen Großkanzlei verfassten Schreiben. Der Leitende Staatsanwalt der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main, Benjamin Krause, kritisiert gegenüber dem "Spiegel", dass Ermittlungsbehörden trotz "Digital Services Act" bei den Plattformen oft als "Bittsteller" auftreten und "regelrecht um die Herausgabe der Daten betteln" müssten.
spiegel.de (€)

Julia Brestrich folgt bei BR-“News-WG” auf Max Osenstätter.


Nachmieterin gefunden: Journalistin Julia Brestrich (vorne rechts) zieht als Host in die News-WG vom BR ein. Sie folgt auf Max Osenstätter, der das Instagram-Format seit dem Start 2018 entscheidend mitgeprägt hat. Er wechselt zunächst für sechs Monate zur "Tagesschau" nach Hamburg, bevor er an anderer Stelle zum BR zurückkehrt. Brestrich hat beim BR volontiert und moderierte Anfang 2025 bereits die "BR24 Wahlarena". Zuvor stand sie als Host für das junge WDR-Nachrichtenformat "tickr" vor der Kamera. Die bestehenden Hosts Minusch Afonso (vorne links) und Maximilian Pichlmeier (hinten) bleiben der "News-WG" erhalten.
br.de, instagram.com (Einzugsvideo)

Prominente und Verbände fordern Regierungs-Rückzug von X.


BRegXit: Ein breites Bündnis aus Promis und zivilgesellschaftlichen Organisationen fordert die Bundesregierung mit einer Petition dazu auf, die Plattform X sofort zu verlassen. Unter dem Titel "Keine Macht für Oligarchen" reagiert das Bündnis auf die jüngsten Drohungen von X-Inhaber Elon Musk gegen die EU-Kommission, die wegen Transparenzmängeln eine Strafe von 120 Mio Euro gegen X verhängt hat. Björn Staschen, Mit-Initiator von Save Social, kritisiert, dass die Bundesregierung Informationen und Bürgerkommunikation teils nur auf X anbietet und Menschen damit "faktisch" zwinge, "diese Plattform zu nutzen – trotz problematischer Inhalte, intransparenter Moderation, zweifelhafter Unternehmenspolitik und dem Zwang für Nutzende, ihre Daten preiszugeben". Unterzeichnet haben die Petition u.a. Martin Andree, Marc-Uwe Kling, Ruth Moschner und Rocko Schamoni sowie Organisationen wie Greenpeace und HateAid.
weact.campact.de (Petion)

(Bild: Campact)

Basta: X sperrt Werbekonto der EU-Kommission.


Keine WerbetriX: Die EU-Kommission kann keine Anzeigen mehr bei X schalten. Das Kurznachrichten-Netzwerk von Elon Musk sperrt das Werbe-Konto der Kommission, nachdem diese X eine Strafe von 120 Mio Euro aufgebrummt hat. Offiziell begründet Produktchef Nikita Bier die Sperrung damit, dass die EU-Kommission eine Schwachstelle im Ad-Composer ausgenutzt habe, um damit die Reichweite eines Posts zu steigern. Man wünscht sich, X würde auf die Einhaltung von Regeln nicht nur pochen, wenn es um die eigenen Belange geht.
spiegel.de, tagesschau.de (Background Strafe)

Social-Media-Expertin Lina Hansen wechselt von JvM Havel zu Looping One.


Lina-Loop: Die Marketing- und PR-Agentur Looping One verpflichtet Lina Hansen als Director Social Media. Sie kommt von Jung von Matt Havel, wo sie zuletzt in gleicher Position tätig war. Hansen bringt über zehn Jahre Erfahrung in digitaler Kommunikation für Kunden wie Opel und Zeiss mit. In ihrer neuen Rolle leitet Hansen das Social-Media-Team und soll das digitale Storytelling der Bereiche Gesundheit, Design und Innovation stärken.
per Mail
(Foto: Christoph von Gülich / LOOPING ONE)

EU-Kommission prüft Metas Umgang mit KI-Anbietern auf WhatsApp.


KI-Kontrolle: Die EU-Kommission leitet ein Wettbewerbsverfahren gegen Facebook-Mutter Meta ein. Sie geht dem Verdacht nach, dass Meta den Zugang für externe KI-Anbieter auf WhatsApp rechtswidrig beschränkt. Meta hatte im Oktober angekündigt, KI-Dienste als primäres Angebot für die Kundenkommunikation zu untersagen. Lediglich als Unterstützung im Kundenservice erlaubt die neue Richtlinie entsprechende Tools. In Brüssel laufen gegen Meta bereits Verfahren wegen mangelnder Datentransparenz und Jugendschutz-Mängeln.
horizont.net (€), persoenlich.com

YouTube sperrt in Australien Konten für unter 16-Jährige.


Sendeschluss: Auch Googles Video-Tochter YouTube muss das neue australische Gesetz umsetzen, das die Konten von Nutzern unter 16 Jahren sperrt. Der Dienst kündigt in einem Blogbeitrag die Einhaltung der Altersbeschränkungen an, kritisiert aber seine Einstufung als Social-Media-Dienst. Betroffene Jugendliche werden automatisch abgemeldet und können nichts mehr abonnieren oder kommentieren. Der reine Konsum von Videos bleibt möglich. Das Social-Media-Verbot trifft auch TikTok, Facebook, Instagram, Snapchat, X, Reddit und Twitch.
spiegel.de

Zitat: Robert Pölzer fordert menschliche Wärme statt digitalem Hass – und zitiert Julia Becker.


"Sie erleben eine Welt, in der falsche Werte kommuniziert und fragwürdige Schönheitsideale vorgegaukelt werden. Und vor allem erfahren sie keine wahrhaftigen Gefühle."

Robert Pölzer, Chefredakteur von Burdas "Bunte", warnt in seinem Editorial davor, "unsere Kinder und Enkelkinder" in der digitalen Welt allein zu lassen. Damit schließt er sich einem Appell von Funke-Verlegerin Julia Becker an, die er in seinem Text prominent abbildet und zitiert.
"Bunte" 49/2025, pressreader.com

(Foto: Johannes Arlt für turi2)

Tourette-YouTuber Jan Zimmermann, 27, ist tot.


Jan Zimmermann, 27, ist tot. Der deutsche YouTube-Star wurde leblos in seiner Wohnung in Königswinter aufgefunden. Laut Polizei gebe es "keine Hinweise auf ein Fremd­verschulden". Auf seinem Kanal Gewitter im Kopf mit fast 2 Mio Abonnenten hatte er zusammen mit seinem Kumpel Tim Lehmann unterhaltsam von seinem Leben mit dem Tourette-Syndrom berichtet. Ende 2022 hatte er einen Hirnschrittmacher eingesetzt bekommen, der seine Tics unterdrücken sollte.
bild.de, bunte.de, n-tv.de

Haben Sie düstere Gedanken oder fühlen sich in einer vermeintlich ausweglosen Situation? Hier finden Sie Hilfe.

(Foto: Instagram/janzett98)

Zitat: Sandra Maischberger sieht Parallelen zwischen Leni Riefenstahl und heutigen Influencern.


"Leni Riefenstahl verdrehte die Wahrheit in einem Sinne und wiederholte dieses Narrativ stets, wie es heute wieder sehr populär ist. Man findet bereits das komplette Instrumentarium der Fake News in ihrer Art der Kommunikation."

Sandra Maischberger sieht in Leni Riefenstahl "so etwas wie den ersten Instagram-Star". Im "Teleschau"-Interview berichtet Maischberger über die Arbeit an ihrer Doku über die Nazi-Filmemacherin und ein Interview, bei dem sie ihr "einfach ins Gesicht gelogen" habe. Für ihre Doku hatte Maischberger deshalb so viel Material von Riefenstahl, "weil sie sich immer selbst in den Mittelpunkt der Betrachtung stellte".
teleschau.de, ardmediathek.de (99-Min-Doku)

(Foto: WDR/Peter Rigaud)

Snapchat verlangt in Australien Altersnachweise.


Altersfrage: Snapchat fordert in Australien Hunderttausende Nutzer zur Altersverifizierung auf. Grund ist das Inkrafttreten eines Social-Media-Verbots für Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren am 10. Dezember. Snapchat schätzt die Zahl der betroffenen australischen Nutzer zwischen 13 und 15 Jahren auf etwa 440.000. Bei Nutzern, die ihr Alter nicht nachweisen, verschwinden nicht nur die verschickten Bilder, sondern gleich der komplette Snap-Zugang.
handelsblatt.com

Wolfram Weimer fürchtet, “dass das gesamte System der freien Medien kollabiert”.


Big-Tech als Verfassungsgegner? Kulturstaatsminister Wolfram Weimer fährt rhetorisch scharfe Geschütze gegen Big Tech auf, berichtet der "KNA-Mediendienst". Plattformen seien heute de facto auch "Verfassungsgegner", so Weimer: "Das verlangt einen neuen Zugriff der Gesellschaft und der Politik", sonst drohe "ein Backlash und die freie Willensbildung ist in Gefahr". Es bestehe das Risiko, "dass das gesamte System der freien Medien kollabiert", sagt der Politiker bei der Veranstaltung "Digitale Souveränität und die Verantwortung der Medien" des Grimme-Instituts in Berlin. Er warnt zudem vor einem Rechtsruck in Europa: "Wir müssen verhindern, dass uns die gesamten europäischen Gesellschaften in den Rechtsradikalismus abrutschen." Weimer steht selbst seit einigen Tagen in Mittelpunkt eines von rechtspopulistischen Medien losgetretenen Shitstorms.

Weimer räumt ein, dass die "Übermacht der Plattformen gar nicht böse intendiert, sondern das Ergebnis eines wirtschaftlichen Prozesses" sei. "Aber diese Monopolstrukturen ändern die verfassungsrechtlichen Grundlagen unserer Mediendemokratie", so Weimer.

Dass beispielsweise Google aktuell in Deutschland investiere, sei gut und wichtig, schaffe "aber den Elefanten im Raum nicht raus", sagt Weimer: "Wer hier große Plattformen baut, muss auch in die Stabilität der Gesellschaft investieren." Weil die Plattformen in Europa und Deutschland Inhalte abschöpften, aber wenig Steuern zahlten, "haben wir den Plattform-Soli auf den Weg gebracht". Für die geplante Abgabe sieht Weimer "in der breiten Mitte des Parlaments Konsens".
Eine gekürzte Meldung des KNA-Mediendienstes

(Foto: BKM / Kay Henschelmann)

Studie: Junge Menschen in Deutschland neigen zu Social-Media-Sucht.


Swipe-Sucht: Etwa ein Viertel der Menschen in Deutschland zeigen ein suchtartiges Nutzungsverhalten auf Social Media, sagt eine repräsentative Studie der Uni Bochum. Demnach ist die Sucht bei Unter-20-Jährigen mit 51,3 % besonders verbreitet. Bei 20- bis 39-Jährigen sind es 34,9 %. Laut der Studie nutzen 96 % aller Erwachsenen Social Media, junge Menschen und Frauen nutzen die Netzwerke intensiver als ältere und Männer. Für die Erhebung wurden 22.000 Menschen ab 18 Jahren befragt.
news.rub.de, mit KNA-Material

(Foto: IMAGO / Zoonar)

Basta: “Bares für Rares” macht Live-Special bei Twitch.


Gezwitscher für Twitcher: Der ZDF-Quotenbringer "Bares für Rares" expandiert zu Twitch. Am kommenden Montag gibt es auf dem ZDF-Kanal der Streaming-Plattform ein Live-Special mit Horst Lichter und Peter "Piet" Smits, Mitglied des bekannten Streaming-Kollektivs PietSmiet. Gemeinsam reagieren sie live auf Highlight-Clips und geben einen Blick hinter die Kulissen der Show. Auch bekannte Streamerinnen und Streamer sind dabei, die ihre Keller und Garagen nach Raritäten durchstöbert haben. Wir freuen uns auf mögliche Fundstücke wie ein historisches, gasbetriebenes Ringlicht, einen handgeschnitzten Selfie-Stick aus dem Spätmittelalter oder – ganz verrückt – ein Telefon mit Wählscheibe und Schnur.
presseportal.de

(Bild: ZDF / Kothöfe / Beer / Kirstaedter)

Timo Spieß wird Head of Social Media der “Tagesschau”, Sara Maria Manzo leitet Unit Digitales Video.


Was mit Sozialen Medien: Die "Tagesschau" ernennt Timo Spieß, Leiter des Innovationslabors, zusätzlich zum Head of Social Media. Er verantwortet damit u.a. die Inhalte des ARD-Nachrichtenflaggschiffs auf TikTok und Instagram. Sara Maria Manzo, Co-Leiterin des Innovationslabors, übernimmt zusätzlich den Aufbau und die Leitung der Unit Digitales Video, die das Nachrichten-Angebot in der ARD Mediathek und auf YouTube weiterentwickeln soll. Ziel sei es, "Nachrichten noch stärker auf unterschiedliche Zielgruppen auszurichten sowie Erklär- und Analyseformate zu Top-Themen anzubieten", teilt der Sender gegenüber turi2 mit.
turi2 – eigene Infos, linkedin.com (Spieß), linkedin.com (Manzo)

(Foto: NDR / Janis Röhlig)

Mastodon-Gründer Eugen Rochko gibt CEO-Posten ab.


Goodbye, Führungsjob! Goodbye, Deutschland: Eugen Rochko, der Gründer des dezentralen Sozialen Netzwerks Mastodon, tritt als CEO zurück. Er überträgt auch die Markenrechte an eine gemeinnützige Gesellschaft – und erhält dafür 1 Mio Dollar. Felix Hlatky, der bisherige Finanzchef, übernimmt die Führung gemeinsam mit dem technischen Direktor Renaud Chaput und der Community-Chefin Hannah Aubry. "Mastodon ist größer als ich", begründet Rochko seinen Rücktritt. Es gebe zu viele Beispiele, bei denen die Egos von Gründern lebendige Communitys sabotiert hätten. Außerdem sei er über die Jahre zu der Erkenntnis gekommen, dass er nicht die richtige Persönlichkeit habe, um Mastodon in der Öffentlichkeit zu vertreten. Rochko ist bekannt dafür, öffentliche Auftritte zu meiden. Er will dem Projekt aber weiterhin als Berater zur Verfügung stehen.

Auch abseits der Personalentscheidungen arbeitet Mastodon weiter daran, eine zukunftsfähige Struktur zu etablieren. Dafür werde gerade eine gemeinnützige Gesellschaft in Belgien gegründet, so das neue Führungsteam in einem Blogbeitrag. Bisher saß die Dachgesellschaft des dezentralen Netzwerks in Deutschland. Der Umzug wurde nötig, weil der Gesellschaft in Deutschland der Status der Gemeinnützigkeit vom Finanzamt entzogen worden war. Man wolle weiter wachsen, mehr Nutzer gewinnen und das Team, das bisher aus 14 Personen besteht, vergrößern, um mit der kommerziellen Konkurrenz mithalten zu können.
heise.de, blog.joinmastodon.org

Mit Material des "KNA Mediendienstes"

Lese-Tipp: Wie TikTok im Lokaljournalismus funktionieren kann.


Lese-Tipp: Journalistin Pauline Tillmann hat im Rahmen des "Future of News"-Fellowships des Media Lab Bayern untersucht, wie TikTok als journalistisches Werkzeug im Lokalen funktionieren kann – und was Jugendliche tatsächlich von journalistischen Inhalten auf der Plattform erwarten. "Correctiv" fasst ihre Ergebnisse zusammen: Medien sollten ihre Zielgruppe kennen und verstehen, Alltags­relevanz und Nähe schaffen sowie Mut zur Persönlichkeit haben. Auf Kommentare sollte Redaktionen antworten, Nutzerinnen einbeziehen und Trends für eigene Inhalte adaptieren.
correctiv.org (Zusammenfassung), pauline-tillmann.de (kompletter Report)

(Bild: Pauline Tillmann)

Armin Wolf zieht nach Wechsel von X zu Bluesky durchwachsene Bilanz.


Das Blaue vom Himmel: Der österreichische Journalist Armin Wolf zieht ein Jahr nach seinem Wechsel von X zu Bluesky Bilanz. Der ORF-Moderator bereue den Schritt nicht, da X unter Elon Musk "derart toxisch" wurde. Die Atmosphäre auf Bluesky sei dagegen "ziemlich idyllisch", was Wolf auch als Nachteil betrachtet. Er vermisst eine schnellere Entwicklung des Netzwerks bei Reichweite und inhaltlicher Breite. Vor allem fehlen ihm aber "kontroverse – konstruktive Diskurse" und internationale Experten.
arminwolf.at (Blogeintrag), kress.de (Zusammenfassung)

(Foto: Hans Leitner / First Look / picturedesk.com)

DFL kooperiert mit TikTok, um Bundesliga-Präsenz bei Jüngeren zu stärken.


Fußball-Feed: Die DFL schließt eine Content-Kooperation mit TikTok. Damit will der Ligaverband seine Social-Media-Aktivitäten ausbauen und die Sichtbarkeit der 1. und 2. Bundesliga bei jüngeren Zielgruppen erhöhen. Im Rahmen der Partnerschaft bekommt die Bundesliga eine eigene TikTok-Microsite sowie einen erweiterten Search Hub mit interaktiven Funktionen. Die DFL veröffentlicht künftig "deutlich mehr Content" auf der Plattform, darunter auch Spielszenen und Interviews.
dfl.de

Bulo’s Beobachtungen: Goodbye, Social Media!


Publikaturist und Gary-Glotz-Kreativchef Peter "Bulo" Böhling beobachtet in seinem Umfeld einen Überdruss gegenüber Insta, Facebook & Co und wagt die Prognose, dass deren Zeit gekommen ist. Das Leben wird wieder analoger, prognostiziert er, und Social Media bald Geschichte sein.

von Bulo

Ich hau jetzt mal die These raus: Wir haben fertig! Nicht mit dem Leben, aber mit dem permanenten virtuellen Schulterklopfen in den unendlichen Weiten des Weltwebs. Die große Social-Media-Sause steuert unaufhaltsam auf jenen peinlichen Moment zu, in dem das Licht angeht, die Musik verstummt und man realisiert, dass man die letzten zehn Jahre in einem Raum voller Fremder verbracht hat, die einem Witze erzählen, die kein Mensch versteht. Okay, das fing ja alles ganz nett an. Facebook war das digitale Wiedersehenstreffen mit der Grundschulklasse, Twitter der Stammtisch der Meinunghaber (oder zumindest derer, die meinten, eine zu haben) und Instagram das virtuelle Tagebuch der Urlaubserinnerungen.

Doch die Partygäste haben sich vermehrt. Exponentiell. Und sie sind unerträglich geworden. Der Algorithmus hat uns in seine Fänge genommen. Er serviert uns nicht mehr das, was wir sehen wollen, sondern das, was uns am längsten wach und klickbereit hält. Und das ist der pure Superquatsch. Social Media ist heute der Ort, an dem sich die Welt in zwei Lager teilt: jene, die Ihnen mit missionarischem Eifer erklären, warum Sie falsch liegen. Und jene, die Ihnen ihre glutenfreien, veganen, aber unbestreitbar traurigen Haferflocken-Bowls als kulinarische Offenbarung anpreisen wollen. Jeder ist Experte, jeder hat eine Meinung, jeder was zu verkaufen. Meist sich selbst. Die Authentizität ist so authentisch wie ein Fünf-Euro-Schein aus dem Farbdrucker.

Doch der Sargnagel für das digitale Miteinander ist gekommen: die Künstliche Intelligenz. Als ob die menschliche Dummheit nicht schon gereicht hätte, perfektionieren wir heute die maschinelle Täuschung. Früher musste man noch selbst zum Fotografen gehen, um ein Porträt zu fälschen. Heute generiert uns die KI in Sekundenschnelle das perfekte Leben, die perfekten Freunde, die perfekte politische Meinung. "Alles Lüge" könnte der Soundtrack zu unserer Selbstverarsche lauten, natürlich ki-ntoniert von Retorten-Rio Reiser. Die Grenze zwischen Realität und synthetischem Schrott ist nicht mehr unscharf, sie ist nicht mehr existent. Sie sehen ein Video von Kriegrich Merz, der eine Polonaise durchs Kanzleramt anführt? Früher hätten Sie nur gelacht. Heute fragen Sie sich: War das jetzt echt oder ein cleverer Deepfake von einem gelangweilten Teenager aus Paderborn?

Wenn wir nicht mehr wissen, wem wir glauben können (dem Bild, dem Ton, dem Text?), bleibt uns nur noch der Rückzug ins Analoge. Die Sehnsucht nach haptischer, unbestechlicher Begegnung wird zur neuen Massenbewegung werden. Die Wende kommt nicht durch politische Regulierung oder ethische Einsicht. Sie kommt durch Ermüdung und Paranoia. Durch die bleierne Schwere der Belanglosigkeit und die Angst vor der perfekten Fälschung. Irgendwann werden wir alle des Inszenierens müde, des Konsumierens und des Misstrauens. Und endlich das Smartphone beiseitelegen. Das neue Statussymbol wird dann die Unerreichbarkeit sein. Die wahre Elite der Zukunft sind nicht die mit den meisten Followern, sondern mit der konsequentesten Funkloch-Strategie. Das analoge Leben wird zum neuen Luxusgut, weil es das einzige ist, dem wir noch trauen können.

Ein Dinner ohne das obligatorische Selfie mit Vorspeise … ein Spaziergang ohne GPS-Tracking für die Fitness-App … ein Gespräch, bei dem man dem Gegenüber in die Augen sieht, statt auf das leuchtende Display. Und man sicher sein kann, dass es sich um einen echten Menschen handelt und nicht um einen gut programmierten Chatbot. Es wird langweilig werden, still und wunderbar. Die digitale Entziehungskur wird zur Schickeria. Und dann haben wir wieder Zeit für die wirklich wichtigen Dinge: Sex, ein gutes Buch, ein anständiger Rotwein und das entspannte Betrachten der Unzulänglichkeiten dieser Welt, ganz ohne Kommentarfunktion und ohne künstlich generierte Filterblasen. Und müssen uns (und die KI) nicht ständig fragen, ob vielleicht sogar die gern gelesene Kolumne nur geschickt gepromptetes Palaver ist. Ich wünsche Ihnen eine Restwoche – nein: ein ganzes Restleben frei von jeder Form der Derealisation und voller erfahrbarer Freuden!

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EU-Kommission will sich für bessere Sichtbarkeit journalistischer Inhalte einsetzen.


Digitale Meinungsbildung: Die EU-Kommission plant im Zuge der Reform der audiovisuellen Medienrichtlinie, Inhalte traditioneller Medien auf Social-Media-Plattformen sichtbarer zu machen. Diesen Vorstoß kündigt Renate Nikolay (Foto), stellvertretende Generaldirektorin der Direktion Connect der EU-Kommission, bei der "Global Media Law Konferenz" der Deutschen Welle an. Zudem wolle die EU einen Demokratie-Schutzschirm beschließen, der Desinformation bekämpft und Wahlen schützt. DW-Intendantin Barbara Massing fordert, die Algorithmen der großen Plattformen müssten transparent, überprüfbar und demokratisch kontrollierbar sein. Medienrechtler Dieter Dörr warnt, die Meinungsmacht weniger monopolartiger Digitalkonzerne bedrohe die parlamentarische Demokratie. Vertreter der Digitalkonzerne wie TikTok und YouTube verteidigen ihre Arbeit gegen den Vorwurf der mangelnden Regulierung.
corporate.dw.com

(Foto: Boris Geilert / DW)

Basta: Haier bewirbt Airfryer mit Influencern.


Angehaiert: Der chinesische Haushaltsgeräte-Konzern Haier bewirbt seine Zwei-Kammer-Heißluft­fritteuse mit einer Influencer-Kampagne unter dem Motto "Geniesse deine Haier Fry-Zeit". Etliche Micro- bis Macro-Creators aus verschiedenen Bereichen zeigen in ihren Videos, was sie tun, während der Airfryer das Essen zubereitet. Ein gutes Match, schließlich haben Airfryer und viele Influencer eines gemeinsam: Im Wesentlichen geht es um heiße Luft.
meedia.de, instagram.com (Creator-Videos)

(Bild: Haier Deutschland)

Karó Oganesian wird Director Social & SEO bei Saint Elmo’s.


Sozialarbeiter: Die Agentur Saint Elmo’s schafft die neue Position Director Social & SEO und besetzt sie mit Karó Oganesian. Er kommt von der Publicis-Agentur Digitas, wo er zuletzt Director Social war und Marken wie Nissan, Crocs, Volvo und Ikea betreut hat. Bei Saint Elmo’s verantwortet er den Ausbau der Social-Media-Strategien sowie die stärkere Integration von Social in SEO und Content. Er will bei der Serviceplan-Tochter Social Media als "Growth Driver" und festen Bestandteil moderner Markenführung etablieren.
meedia.de, horizont.net (€)

(Foto: Saint Elmo's)

Gedenken auf Tiktok: Wenn alte Erinnerung junge Menschen erreicht.


Weniger Pathos und klarere Worte – das fordert Susanne Siegert. Ihre Aufklärungsarbeit über die NS-Zeit auf Social Media ist preisgekrönt. Mit Siegerts Account @keine.erinnerungskultur auf TikTok und Instagram hat sich Paula Konersmann für unsere Reihe NewsKNAcker, die wir in Kooperation mit dem KNA-Mediendienst veröffentlichen, beschäftigt. Die Influencerin wünscht sich von seriösen Institutionen mehr Präsenz im Netz. Oft fehle eine Social-Media-Strategie.
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Scholz & Friends gewinnt Pitch für Markenkommunikation der Frankfurter Buchmesse.


Buchfreundschaft: Die Frankfurter Buchmesse stellt ihre Markenkommunikation neu auf und beauftragt nach einem mehrstufigen Pitch Scholz & Friends als neue Lead-Agentur. Das Berliner Büro der Agenturgruppe übernimmt ab November die kreative Kommunikation und löst damit nach 13 Jahren die Frankfurter Agentur Vier für Texas ab. Scholz & Friends soll die Präsenz der Buchmesse in neuen Märkten wie Südostasien und Osteuropa stärken. Ein weiterer Fokus liegt auf dem Ausbau des Adaptionsgeschäfts, digitalen Services und den Social-Media-Präsenzen.
boersenblatt.net

Burda kooperiert bei “Bambi” mit TikTok.


Kitz für Kids: Der Medienpreis "Bambi" von Burda geht eine Partnerschaft mit TikTok ein. Der Kurzvideo-Dienst ist "exklusiver Entertainment-Partner" und überträgt auf den Kanälen @bambi_awards und @primevideode einen Livestream vom Roten Teppich. Damit erweitert "Bambi" seinen "digitalen Radius" und will zum "multimedialen Erlebnis für Millionen junger Zuschauer:innen in Deutschland und darüber hinaus" werden, sagt Burda-Sprecherin Julia Korn. Teil der Kooperation ist auch eine CapCut-Mitmachaktion, bei der Tickets für die "Bambi"-Fanzone verlost werden. Die Preisverleihung wird am 13. November kostenlos bei Prime Video gestreamt.
burda.com

SWR startet Geschichts-Format auf Tiktok.


Dosierte Geschichte: Der SWR startet auf TikTok das historische Edutainment-Format "90SekundenGeschichte". Das Format beleuchtet in kurzen Videos Aspekte aus der Zeit des Nationalsozialismus und des Holocausts. Ziel sei es, historisches Wissen mit modernem Storytelling für junge Menschen relevant zu machen. Die Hosts Mona Berner, Paul Lüder und Aurora Lushtaku erklären mit O-Tönen und Archivmaterial z.B. den Hintergrund des Hitlergrußes oder mutige Widerstandsaktionen. Pro Woche erscheinen vier Kurz-Videos. Das Format ist eine Produktion von LOOKSfilm.
presseportal.de, tiktok.com/@90sekundengeschichte

(Foto: SWR)

Video-Tipp: BSI-Videoreihe hilft Eltern im digitalen Alltag.


Video-Tipp: Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik startet die Videoreihe "Zwischen Reels und Regeln", die Eltern helfen will, mit Kindern und Jugendlichen über Sicherheit im digitalen Alltag ins Gespräch zu kommen. In den kurzen Clips erfahren Eltern u.a., warum der Schutz des E-Mail-Kontos auch für die jüngere Generation wichtig ist, wie sie ihre Kinder vor Kontaktaufnahmen mit sexuellen Hintergedanken im Web schützen können und warum auch Teddys und Stifte gehackt werden können.
bsi.bund.de, youtube.com (Playlist mit Episoden)

(Bild: BSI)

Verdi fordert neue Haftungsregeln für Big-Tech-Plattformen.


Mehr als Mittler: Die Gewerkschaft Verdi fordert einen Paradigmenwechsel bei der Regulierung von Online-Plattformen wie Google, Instagram und Tiktok. In einem Policypaper kritisiert Verdi, dass die Tech-Konzerne derzeit rechtlich meist nur als Mittler von Informationen gelten und sich oft aus der Verantwortung zögen. Verdi-Bundesvorstandsmitglied Christoph Schmitz-Dethlefsen sagt, die Plattformen seien "längst nicht mehr neutrale Mittler", sondern "selbst zum kuratierten Medium geworden". Er sieht eine "problematische Verquickung von politischer, medialer und ökonomischer Macht", die Raum für Machtmissbrauch und Desinformation böten. Zugleich sollten die Plattformen dazu verpflichtet werden, die Auffindbarkeit publizistisch relevanter Inhalte zu garantieren.
mmm.verdi.de

Uniklinik Freiburg will bei Instagram für Männergesundheit sensibilisieren.


Für Checker: Die Uniklinik Freiburg startet einen Instagram-Kanal zum Thema Männer­gesundheit. Zum Beginn des Movembers soll der Kanal checkt.mann Männer "humorvoll und fakten­basiert" für "ihre körperliche und psychische Gesundheit" sensibilisieren. Die Themen reichen von Sex­unfällen über Prostata-Check und Haar­ausfall bis zu Energydrinks, Schlaf, Ernährung und Krafttraining.
uniklinik-freiburg.de, instagram.com/checkt.mann

(Bilder: Uniklinikum Freiburg)

Xing verstärkt sich mit drei Stepstone-Leuten – Managing Director Thomas Kindler geht.


Ein Abgang und drei Neuzugänge: Xing und Managing Director Thomas Kindler gehen nach zwei Jahren getrennte Wege. Kindler verlasse das Karriere-Netzwerk, um sich "neuen Aufgaben zu widmen". Zeitgleich heuern drei Stepstone-Führungskräfte bei Xing an: Managerin Simone Reif kommt als Managing Director und Chief Revenue Officer. Sie führt das Unternehmen künftig gemeinsam mit COO Philip Brandecker. Mario Kühlkamp wird Chief Sales Officer und Ralf Baumann, langjähriger Stepstone-CEO wirkt als Senior Advisor.
new-work.se

Video-Tipp: Underberg und Fanta 4 gehen in die nächste Runde.


Video-Tipp: Kräuterschnaps-Hersteller Underberg und die Fantastischen Vier gehen mit einer Social-First-Kampagne in die nächste Runde ihrer Partnerschaft. Die Kampagne besteht aus vier Video-Blöcken, die die Nähe zwischen Marke und Band zeigen sollen. Erstmals tritt auch das Marketing-Team von Underberg selbst vor die Kamera. Die Videos sind auf Instagram und Facebook zugeschnitten, sie laufen im gesamten 4. Quartal.
campaigngermany.de (mit Videos, nach Anmeldung frei)

(Foto: Underberg)

Musk-Netzwerk X schaltet Twitter-URLs ab.


Ausgezwitschert: Das X-Netzwerk von Elon Musk entfernt sich noch weiter von seiner Twitter-Historie und schaltet die URL twitter.com ab. Künftig ist X nur noch über die URL x.com aufrufbar. Nutzer, die ihre Zwei-Faktor-Authentifizierung noch unter der alten URL registriert haben, müssen die Authentifizierung bis 10. November 2025 wiederholen. Andernfalls verlieren sie den Zugriff auf ihre Accounts.
t3n.de

“Die Content-Strategie ist das A und O” – Studio71-Chef Alexander Krawczyk über Sichtbarkeit und Monetarisierung von Sport-Content auf YouTube & Co.


“Gerade auf algorithmusgetriebenen Plattformen ist die Formatidee entscheidender als die eigentliche produktionelle Umsetzung”, sagt Alexander Krawczyk. Der Chef von Studio71 erklärt im Interview mit turi2-Chefredakteur Markus Trantow, wie Sportmarken ihre Sichtbarkeit und Reichweite auf Plattformen ausbauen können. Dabei komme es u.a. auf Geduld und einen langen Atem an. Sein Studio71 ist einst als Influencer-Netzwerk gestartet, hat sich inzwischen aber auch ein Sport-Portfolio mit Partnern wie Sport1, “Kicker”, Baller League, Sportdigital oder Dyn aufgebaut. Krawczyk erklärt auch, warum neben Livesport Archivrechte immer mehr an Bedeutung gewinnen. Dieses Interview ist Teil der Themenwoche Sport bei turi2.
weiterlesen…, turi2.de (alle Beiträge der Themenwoche)

Zitat: Martin Andree sieht Big Tech auch als Gefahr für die Wirtschaft.


"Big Tech hat die Kontrolle über die digitale Welt. Das ist schlimm genug für unsere Demokratie. Es ist aber auch fatal für unsere Wirtschaft. Denn unter monopolistischen Bedingungen haben Deutschland und Europa keinen fairen Zugang zu den digitalen Zukunftsmärkten."

Medienwissenschaftler Martin Andree hält einen Impulsvortrag beim Experience Day des MVFP in Düsseldorf. Vor 500 Gästen warnt er, dass Demokratie und Wirtschaft durch dieselben Mechanismen zerstört würden.
mvfp.de

Neue Medienmacht: Otfried Jarren über die Gefahren von Social Media für die Demokratie.


Die Auswirkungen von Social Media auf die Stabilität und die Legitimität der politischen Ordnung werden immer noch unterschätzt. Der Kommunikationswissenschaftler Otfried Jarren beschreibt in einem Beitrag für epd Medien, welche Gefahren von den sozialen Netzwerken für die öffentliche Meinung und Demokratie ausgehen. Der Gesetzgeber müsse für eine demokratische Medienordnung sorgen, schreibt er. Jarren fordert die Regulierung von Social Media und den Aufbau einer gemeinwohlorientierten Plattform. Sein Text ist Teil der Reihe Das Beste aus epd Medien bei turi2.
weiterlesen >>>, medien.epd.de (Text bei epd Medien lesen)

Wegen Hass-Posts: Armin Wolf zeigt X an.


Xter Versuch: ORF-Anchor Armin Wolf geht gegen die Musk-Plattform X vor. Er zeigt den Dienst wegen Begünstigung eines Trolls an, der anonym Beleidigungen und Hass-Rede verbreitet. X hatte sich zuvor geweigert, strafrechtlich relevante Posts zu löschen und die Daten des Urhebers herauszugeben. Auch Rechtshilfeersuchen in Irland und den USA blieben erfolglos. Wolf wirft X vor, die Strafverfolgung zu behindern und den Hass-Poster dadurch zu begünstigen.
derstandard.de, meedia.de, arminwolf.at

(Foto: Hans Leitner / First Look / picturedesk.com)