Lese-Tipp: Spotify und Apple fluten die Feeds dieser Tage mit ihren Audio-Jahresrückblicken. "Meedia"-Chefredakteur Jens Schröder nimmt die Podcasts genauer unter die Lupe. Bei Spotify steht – wie jedes Jahr seit 2019 – "Gemischtes Hack" ganz oben, bei Apple rangiert der Laber-Podcast von Felix Lobrecht und Tommi Schmitt auf Platz 6. "Lanz & Precht" ist dagegen Spitzenreiter bei Apple und steht bei Spotify auf dem siebten Platz. In den Top 10 beider Anbieter sind desweiteren "Mordlust", "Kaulitz Hills", "Mord auf Ex" und "Hotel Matze". Beliebtester neuer Podcast ist bei Apple "Die Peter Thiel Story" vom Deutschlandfunk.
meedia.de
(Bilder: Spotify, Apple, Montage: turi2)

Lese-Tipp: Die Arbeit von ARD-Nahost-Korrespondentin Sophie von der Tann (Foto) ist erneut "politischer Spielball" geworden, kommentiert Ann-Kathrin Leclere in der "taz". Auslöser ist die geplante Verleihung des "Hanns-Joachim-Friedrichs-Preises" an sie und der Vorwurf, der ÖRR würde im Israel-Gaza-Krieg zu einseitig und zu Israel-kritisch berichten. "In der Logik der Polarisierung kann eine Journalistin nicht gleichzeitig integer, menschenrechtsbewusst und ausgewogen sein. Jede Nuance wirkt wie Parteinahme", schreibt Leclere. Autorin Esther Schapira wirft dem ÖRR in der "FAZ" vor, dass "die Grenzen zwischen Aktivismus und Journalismus verschwommen" seien. Das Misstrauen gegenüber Israel sei "offenkundig deutlich größer als gegenüber den Angaben der Terrororganisation", gemeint ist die Hamas. "Süddeutsche"-Korrespondentin Kristiana Ludwig sieht in persönlichen Angriffen auf Journalisten eine "beunruhigende Entwicklung im Nahost-Journalismus".
taz.de (Leclere), faz.net (€, Schapira), sueddeutsche.de (€, Ludwig)
(Foto: BR/Markus Konvalin)

Lese-Tipp: Vicky Bargel porträtiert im "Spiegel" Journalist Constantin Schreiber, der seit seinem Abschied von der "Tagesschau" dabei ist, sich als "Global Reporter" bei Axel Springer neu zu erfinden. Er wolle nicht länger nur Stimme und Gesicht der Nachrichten sein, sondern Haltung zeigen und selbst recherchieren. Dabei genießt er große Unabhängigkeit und Freiheiten, hat Auftritte bei Welt-TV, macht einen Podcast und eine Late-Night-Show, schreibt Bücher und ist Sidekick einer True-Crime-Bühnenshow. Trotzdem habe Schreiber Zweifel, ob seine Arbeit genug wahrgenommen werde, schreibt Bargel.
spiegel.de (€)
(Foto: Axel Springer)
Lese-Tipp: Das rechtspopulistische "Nius" setzt bei Tiktok wohl gezwungenermaßen auf Personenmarken, beobachtet Simon Pycha für "DWDL". Der Hauptaccount war 2023 und 2024 mehrfach monatelang gesperrt und erreicht heute vermutlich aufgrund eines Shadowbans oft nur drei- oder vierstellige Abrufzahlen. Der gleiche Content generiere auf "Privataccounts" der "Nius"-Hosts teils Mio-Views. Pycha sieht das Problem im Flagging-System von TikTok und wittert in der "Nius"-Taktik auch "ungenutztes Potenzial für alle anderen Medienmarken".
dwdl.de

Lese-Tipp: Springer stellt sein ältestes Print-Produkt ein – einen jährlichen Sprüche-Kalender. Verlagsgründer Axel Springer hatte diesen 1946 ins Leben gerufen, um für sein Unternehmen zu werben. 1951 erinnerte sich die Werbeabteilung des "Hamburger Abendblatts" daran und wiederbelebte die Idee. Seit 1952 erscheint der Kalender jährlich und wird an Mitarbeiter, Geschäftspartner und Pensionäre verteilt. Für die Zusammenstellung der Zitate und Sprüche ist das Unternehmensarchiv verantwortlich. Die 75. Ausgabe für 2026 ist die Letzte. Grafischer Schwerpunkt sind Graffiti und Street-Art.
axelspringer.com
(Bilder: Unternehmensarchiv der Axel Springer SE)

Lese-Tipp: Als "Radio für rassistische Opas" bewertet Steady-Gründer Sebastian Esser das Radio-Angebot von "Nius", das in immer mehr Regionen im Digitalradio empfangbar ist. Esser hört "eine eklektische Mischung aus englischsprachigen Mainstream-Pop, Nachrichtensendungen und Auszügen aus den Nius-Podcasts", die ihn an ultrarechte Talkradios in den USA erinnert. Er beklagt, dass es zwar "viele Stimmen und Medien, die eine nicht-populistische Alternative für Leute bieten, die den Kontakt zu traditionellen Medien verloren haben", gibt. Diese seien jedoch nicht so gut organisiert und finanziert.
steady.page

Lese-Tipp: Die "Spiegel"-Titelgeschichte über die Probleme von ARD und ZDF ist "dünn", urteilt Steffen Grimberg in der "taz". Versuche der ARD, mit "Klar" Kreise zu bedienen, die sich nicht mehr im Programm wiederfinden, fänden in der Geschichte "leider auch nur halbherzig statt". Grimberg sieht den "Spiegel" in einer "ähnlichen Situation wie die Öffentlich-Rechtlichen", weil "die klassische 'Spiegel'-Klientel bröckelt". Die "Zeit" werde von Jahr zu Jahr stärker und habe sich "konservativen Ansätzen schon länger geöffnet". In seiner Kolumne "Flimmern und Rauschen" malt Grimberg sich aus, wie wohl eine ARD-Doku über die Probleme vom "Spiegel" aussähe.
taz.de, spiegel.de (€)
(Cover: Spiegel, Foto: KNA, Montage: turi2)

Lese-Tipp: Journalistin Pauline Tillmann hat im Rahmen des "Future of News"-Fellowships des Media Lab Bayern untersucht, wie TikTok als journalistisches Werkzeug im Lokalen funktionieren kann – und was Jugendliche tatsächlich von journalistischen Inhalten auf der Plattform erwarten. "Correctiv" fasst ihre Ergebnisse zusammen: Medien sollten ihre Zielgruppe kennen und verstehen, Alltagsrelevanz und Nähe schaffen sowie Mut zur Persönlichkeit haben. Auf Kommentare sollte Redaktionen antworten, Nutzerinnen einbeziehen und Trends für eigene Inhalte adaptieren.
correctiv.org (Zusammenfassung), pauline-tillmann.de (kompletter Report)
(Bild: Pauline Tillmann)

Lese-Tipp: Der freie Journalist John Stanley Hunter und "WamS"-Chefreporter Jan Dams haben auf Linked-in eine Diskussion angestoßen, warum Pressesprecher häufig nicht mehr mit Medienschaffenden sprechen und telefonieren, sondern lieber schriftlich per Mail antworten wollen. Marc Bartl fasst bei Kress.de die Reaktionen u.a. von "Correctiv"-Chefredakteurin Anette Dowideit, "Automobilwoche"-Reporter Michael Knauer, "Süddeutsche"-Journalist Peter Ehrlich und PR-Mann Sachar Klein zusammen.
kress.de
(Symbolbild: IMAGO / Westend61)

Lese-Tipp: "Wenn man bestimmte Themen nicht aufgreift, genau dann nutzt es den falschen Leuten", sagt Stefan Brandenburg im Interview mit der "Süddeutschen" rund um die Diskussion um die Reportage-Sendung "Klar" und ihre Moderatorin Julia Ruhs. Er warnt davor, gesellschaftlich heikle Themen aus Angst vor Missverständnissen zu meiden. Das stärke nur Populisten. Mit Blick auf die Migrationsberichterstattung seit 2015 sagt er: "Ich glaube, dass wir aus einer guten Absicht heraus an bestimmten Stellen versäumt haben, das Richtige zu tun, nämlich Probleme ohne Angst anzusprechen."
sueddeutsche.de (€)
(Foto: WDR/Linda Meiers)
Lese-Tipp: Das "Manager Magazin" porträtiert Unternehmer Hans Schöpflin, dessen Stiftung u.a. "Correctiv", "HateAid" und "Lobbycontrol" unterstützt. Für ihn sind "die Zeiten der Wohlfühlphilanthropie vorbei", man müsse "aufrührerisch und unbequem" sein. Deutschland sei für ihn noch "konsensfähig“, doch ihm mache die "braune Soße echte Sorgen". Er will "die Demokratie über Medien am Leben erhalten". Das "Manager Magazin" schätzt sein Vermögen auf einen dreistelligen Millionenbetrag.
manager-magazin.de (€)
(Foto: Soeren Stache / dpa / picturedesk.com)

Lese-Tipp: "In Deutschland heißt es schnell: rechtsextrem – also keine Bühne, keine Erläuterung. Das halte ich für den falschen Weg", sagt Annett Meiritz in Magazin "Wirtschaftsjournalist:in". Sie war acht Jahre lang für das "Handelsblatt" in den USA und sagt, dass Medien dort heute mit Labels vorsichtiger sind. Das halte die Debatte offen. Leitmedien und Polit-Promis hätten erkannt, dass es ihnen nützt, auch ins vermeintliche "Feindeslager" zu gehen.
shop.oberauer.com (€, Magazin bestellen)
(Foto: IMAGO / pictureteam)
Lese-Tipp: Dass Männer weniger lesen, liegt am "herrschenden Männlichkeitsbild, das Selbstoptimierung in den Vordergrund stellt, während Romane als Zeitverschwendung gelten", postuliert Niklas Stuhr in der "Süddeutschen Zeitung". Er verweist auf den "fiction gap" im viktorianischen England, wo Männer das Lesen schon "mit einem rationalen Wert rechtfertigen mussten". Stuhr erzählt auch seinen eigenen Weg vom Buchmuffel zu jemandem, dessen größtes Hobby das Lesen ist.
sueddeutsche.de (€)
Lese-Tipp: Redaktionen strafen Themenvorschläge freier Medienschaffender immer öfter mit Nichtachtung, beobachtet Kira Brück für den "Journalist". Sie hört von vielen Freien, auf welchen Ebenen das Ghosting sie belastet. Journalist Patrick Heidmann berichtet, dass teils selbst laufende Konversationen abgebrochen würden. Von Redaktionsseite sagt u.a. "Falstaff"-Chefredakteurin Stefanie Hellge, dass Führungskräfte heute "so viel mehr und kleinteiliger" arbeiten als früher. Sie schaffe "mit Mühe und Not das Tagesgeschäft", weshalb alles Weitere "oft länger warten muss, als es freundlich wäre".
journalist.de

Lese-Tipp: Autorin Senta Krasser porträtiert für "DWDL" Trish Osmond. Die 81-jährige Britin, die in Mönchengladbach lebt, hat erst mit Renteneintritt die professionelle Schauspielerei für sich entdeckt. Seitdem hat sie eine beeindruckende Filmografie gesammelt. Darunter sind Auftritte mit Annette Frier, Benedict Cumberbatch, Willem Dafoe oder, als Stimme der Queen, in der "heute-show". Nur für Mittel gegen Blähungen würde sie nie werben.
dwdl.de
Lese-Tipp: "kress pro"-Chefredakteur Markus Wiegand fragt aufgrund der zuletzt "etwas schärfer kochenden" Gerüchteküche, wie sicher der Job von "Bild"-Chefin Marion Horn ist. Genannte Gründe für einen Rausschmiss seien "diffus", Geschäftszahlen lieferten "kaum Argumente". Aufgrund eines sehr komplexen Aufgabenkatalogs würden "alle Personalspekulationen in Richtung einer künftigen Doppelspitze weisen".
kress.de
(Foto: Christoph Soeder / dpa / picturedesk)
Lese-Tipp: Der Moderation des deutschen Kulturfernsehens fehlt die Verbundenheit zu den Positionen der Sendung, bemängelt Claudius Seidl in der "Süddeutschen Zeitung". "Der Verdacht, dass so ein Moderator über Bildung, Geschmack und Urteilskraft verfügen könnte, würde das Publikum womöglich einschüchtern", unkt er. Steile Thesen würden "lieber auslagert an die Menschen, die man interviewt".
sueddeutsche.de (€)
Lese-Tipp: Springers Vice President für Global Partnerships Gabriel Brotman führt seinen Verlag in lobhudelnden Worten und Bildern durch das Axel Springer Haus in New York. Das Gebäude sei entkernt übergeben worden und mit der Architektin Toshiko Mori zu einem "sorgfältig gestalteten, minimalistischen Umfeld" entwickelt worden. Der architektonische Kontrast entspreche "Rolle unseres Unternehmens, das traditionelle Medien mit digitalen Innovationen verbindet".
axelspringer.com
Lese-Tipp: Die neue US-Botschafterin in Griechenland, Kimberly Guilfoyle, stellt sich dem Land per "Vogue"-Cover vor. Julia Werner beobachtet, dass in US-Kommentaren Guilfoyles Faltenfreiheit und in griechischen Kommentaren "politische Empörung" dominieren. Für Werner offenbart der Artikel "unfreiwillig" die Hintergründe des "Barbie-Looks" im Trump-Lager, der sich in Guilfoyles Fall "nach der Lektüre nur noch als fehlgeleiteter Reflex auf ein tragisches Schicksal liest".
sueddeutsche.de (€)

Lese-Tipp: Auf den italienischen TV-Journalisten Sigfrido Ranucci ist ein Bomben-Anschlag verübt worden, bei dem nur durch Zufall niemand ums Leben kam. Im "Zeit"-Interview erklärt "Gomorrha"-Autor Roberto Saviano (Foto), dass die Verurteilung des Attentats durch Premierministerin Giorgia Meloni "reine Rhetorik" sei: "Wenn es Meloni mit ihrer Solidarität mit den Journalisten ernst meint, müsste sie ihre eigenen Klagen gegen Journalisten fallen lassen."
zeit.de (€)
(Foto: IMAGO / MAXPPP)

Lese-Tipp: Der "PR Report", der wie turi2 im Medienfachverlag Oberauer erscheint, feiert in diesem Jahr doppelten Geburtstag: Vor 60 Jahren erschien das Magazin zum ersten Mal. Dazu fragt Chefredakteur Daniel Neuen kluge Köpfe der Branche nach Meisterleistungen der PR – und erhält vielfältige Antworten von der Bibel bis zu Taylor Swift. Auch Neuen hat Grund zu feiern: Er steht seit zehn Jahren an der Spitze des PR-Fachmagazins. Er hat zur Feier des runden Geburtstags im Archiv gekramt und legendäre Sätze von Jörg Howe, Frank Mastiaux, Clarissa Haller und Heinrich Hiesinger gefunden.
shop.oberauer.com (€)

Lese-Tipp: Die Kampagne "Boah, Bahn" mit Anke Engelke bestimmt aktuell die Schlagzeilen. Bei "Campaign Germany" sprechen die Menschen hinter der Mini-Serie. Die turi2-Schwestermarke hat u.a. mit Martell Beck, Marketingchef der Deutschen Bahn, gesprochen, der die Persiflage der Kampagne durch Sixt einen Ritterschlag nennt. Außerdem kommen Kerstin Kohle und Yannick Moll vom Content Studio wtf und Grimme-Preisträger Matthias Murmann, CEO der Bildundtonfabrik, zu Wort. Es geht um die Entstehungsgeschichte und eine mögliche Fortsetzung.
campaigngermany.de (€)
(Foto: Deutsche Bahn)

Lese-Tipp: "Studio-9"-Moderator Korbinian Frenzel liefert in der "taz" sechs Ideen für konstruktiven Journalismus. So appelliert er u.a. dafür, sich "von der Perfektionserwartung zu verabschieden", weniger Machtfragen zu stellen und dafür "mehr Sachfragen zu wagen". Auch für "weniger Drama" wirbt er: "Auf eine Kanzlerwahl, die im ersten Wahlgang scheitert, folgt nicht das Ende der Demokratie, sondern erst einmal der zweite Wahlgang."
taz.de
(Foto: IMAGO / Bernd Elmenthaler)

Lese-Tipp: "Der Standard" zeichnet nach, wie Oracle-Gründer Larry Ellison und sein Sohn David ein "unsichtbares Medienimperium schaffen". Beide vereinen "eine ungesehene Reichweite aus neuen und alten Medien", so der Tenor des Artikels, der zudem auflistet, wo Vater und Sohn jetzt schon ihre Finger im Spiel haben und erklärt, welche Rolle Donald Trump dabei spielt.
derstandard.at
(Foto: Berliner,Alex J. / Action Press / picturedesk.com)

Lese-Tipp: Journalist Alexander von Streit rät Medienhäusern, wieder mehr echte Begegnungen mit ihrem Publikum zu schaffen. Journalismus sei "mehr als Inhalt, er ist Beziehung" und müsse wieder "sichtbarer, anfassbarer, erlebbarer werden", schreibt er im "Journalist". Beispiele seien Redaktionscafés, Dialog-Veranstaltungen, Live-Podcasts oder Bühnen-Shows. Begegnungen mit der Zielgruppe dürften "nicht nur ein Nice-to-have" sein, "sie müssen Teil des Kernprodukts werden".
journalist.de
(Foto: Thomas Linkel)

Lese-Tipps: Die Nachrufe auf den verstorbenen "Bild"-Journalisten Franz Josef Wagner reißen nicht ab. Peter Huth, heute Chef der Unternehmenskommunikation von Springer, und Carsten Otte, Kultur-Kritiker beim SWR, schreiben gleichermaßen in Briefform an den legendären Journalisten. Huth beschreibt Wagner als "Naturgewalt", die über ihn und seine Kollegen bei der "BZ" kam. Für Otte war er ein exzentrischer Boulevardjournalist – herrlich verrückt, oft genial, manchmal irre.
bz-berlin.de (Huth), newsroom.de (Otte)
(Foto: IMAGO / Strussfoto)

Lese-Tipp: Franz Josef Wagner vermochte es, "in den kürzesten Sätzen, die sich bilden ließen, das gesündeste Volksempfinden zu artikulieren", schreibt Willi Winkler in seinem Nachruf in der "Süddeutschen". Wagner, der Kriegsreporter in Vietnam und Ägypten war, "beherrschte das Kriegführen zu Hause aber genauso gut", seine "Blattmacherkünste waren legendär". "Wagner wäre bestimmt lieber Hemingway gewesen", mutmaßt Winkler, den Höhepunkt seiner Laufbahn erreichte er jedoch als "Briefonkel" von "Bild", wo er "unbehelligt von gutem Geschmack und redigierenden Eingriffen" schreiben konnte. Er "brillierte in der kleinen Form, weil ihm da nichts peinlich war". Micky Beisenherz attestiert Wagner: "Man verehrte und verfluchte Sie, meist für dieselben Texte", die oft ein "Assoziationsgewitter" waren. "Hoch emotional. Subjektiv wie ein Urlaubstag im Spätherbst. Filterlos wie die Gitanes neben der Schreibmaschine, aus der Ihre Texte quollen."
sueddeutsche.de (€, Winkler), sueddeutsche.de (€, Beisenherz)
(Foto: IMAGO / Strussfoto)
Lese-Tipp: Funke-Zeitschriften-Chef Jesper Doub und Jonas Triebel, Global Director of Transformation bei Foundry, erzählen im MVFP-Magazin "Impuls", wie KI-Zusammenfassungen sich auf ihr Geschäft auswirken. Doub verzeichnet vor allem bei Ratgeber-Themen einen Traffic-Rückgang um bis zu 30 %. Er wünscht sich von der Politik "mehr Mut im Umgang mit den US-amerikanischen Multis" und sieht dabei Dänemark als Vorbild für Deutschland. Triebel beobachtet, dass sich die Wertschöpfungskette "fundamental" ändert, wenn Nutzer Inhalte nicht mehr "auf der monetarisierbaren Website des Publishers lesen". Kritisch sieht er, dass erste Anbieter von KI-Suchen anfangen, eigene Werbeplätze in den KI-Resultaten anzubieten.
epaper.mvfp-impuls.de
(Foto Doub: Funke / Christian O. Bruch, Foto: Triebel: IDG / Michael Steiner, Montage: turi2)

Lese-Tipp: Der "Spiegel" stellt verschiedene Menschen in den Fokus, die durch KI ihre Jobs verloren haben. Einer davon: Matías S. Zavia, Ex-Redakteur für das Tech-Magazin "Gizmodo Espanol". "Dass unser ganzes Team gefeuert wird, bekamen wir in einem Videochat mitgeteilt", erzählt er. Der Plan des Eigentümers, nur noch automatisierte Übersetzungen von US-Artikeln zu publizieren, ging jedoch nicht auf. Auch ein Content-Moderator von TikTok sowie eine Haltestellenansagerin aus Leipzig schildern ihre Erfahrungen.
spiegel.de (€)

Lese-Tipp: "Früher konnte ich mir einreden, dass das nur ein paar Leute im Internet sind – und nicht die echte Welt", sagt Moderatorin Aminata Belli im Interview mit dem "Journalist". Heute seien Hass im Netz und in der Realität nicht mehr zu trennen. Sie spricht über Doppelmoral im TV, wenn es um das Auftreten von Schwarzen und weißen Frauen geht – und sie fragt sich: "Wie können wir miteinander reden, wenn sich keiner mehr zuhört? Ist das unser Deutschland?"
journalist.de
(Foto: IMAGO / Future Image)

Lese-Tipp: Die "Tagesspiegel"-Chefredaktion stellt sich zum 80. Jubiläum den Fragen der Leserschaft. Eine Erkenntnis daraus: Eine "Reue-Liste" gebe es nach all den Jahren zwar nicht, "aber auf manche Themen blickt man im Rückblick anders", heißt es – beispielhaft dafür stünden die Corona-Krise und die Migrations-Thematik. Außerdem geht es u.a. darum, warum vor allem negative News verbreitet würden, wie KI zum Einsatz kommt und ob "viele Nachrichten einfach aus einem Newsticker wie dpa übernommen werden".
tagesspiegel.de (€)
Lese-Tipp: "Unerwünschte Dickpics sind sexualisierte Gewalt und eine Form patriarchaler Misogynie im digitalen Raum", sagt Journalistin Sarah Koldehoff im "Spiegel"-Interview. Das müsse man deutlich sagen, um Schuldige und Betroffene klar zu trennen und gesellschaftliche Stereotypen auszumerzen. Obwohl das Versenden der Bilder ohne Einverständnis strafbar gemacht wurde, gebe es in weniger als 1 % der Fälle Anzeigen, auch weil Scham und Angst eine Rolle spielen.
spiegel.de (€)

Lese-Tipp: Ippen-Digital-Chef Jan Ippen ist "erschrocken darüber, wie extrem bei vielen die Abhängigkeit von Google ist", sagt er im "kress pro"-Interview mit Henning Kornfeld. Obwohl er Traffic-Verluste bei Publishern durch die KI-Suche erwartet, sieht er nicht ganz schwarz: Er glaube "nicht, dass Google den Publishern schlagartig den Saft abdreht".
kress.de (€), shop.oberauer.com (€)

Lese-Tipp: Das "Human"-Magazin von Rebekka Reinhard und Thomas Vašek liefert mit der Sonderpublikation "Defending Europe" ein
"multiperspektivisches Plädoyer" für einen "zukunftsfähigen, menschlich orientierten Verteidigungsbegriff". Dieser sollte Kooperation, Verantwortung und Intelligenz als "Stärken demokratischer Gesellschaften" begreifen. Das Magazin mit rund 200 Seiten sowie Gedanken und Ideen von 53 Expertinnen und Experten ist kostenlos abrufbar.
human-magazin.de (PDF)

Lese-Tipp: Gesichtserkennung ist bekannt und weit verbreitet, Netzpolitik.org hat zu einer weniger bekannten Art der biometrischen Fernidentifizierung recherchiert, der Gangerkennung. Dabei werden Schrittmuster und Umrisse genutzt, um Menschen zu identifizieren, selbst wenn sie ihr Gesicht verhüllen. Die chinesische Regierung treibt die Forschung zur Gangerkennung voran, auch einige deutsche Landeskriminalämter hätten sich bereits damit beschäftigt. Kritiker sehen einen "tiefgreifenden Eingriff in Menschenrechte"
netzpolitik.org
(Symbolbild: IMAGO / Rolf Poss)

Lese-Tipp: Taugt "Really Simple Licensing", kurz RSL, als neues KI-Vergütungsmodell für Publisher? "Meedia"-Chefredakteur Frank Puscher schlüsselt auf, welche Chancen und Herausforderungen das System bietet. Grundgedanke ist, dass die Lizenzierungsbedingungen in der Server-Datei "robots.txt" liegen und automatisch ausgelesen werden. Wie das genau funktioniert, welche Parallelen es zum deutschen Leistungsschutzrecht gibt und warum Verlagsgrößen wie Axel Springer wohl doch eher auf eigene Verhandlungen setzen werden.
meedia.de (€)
(Symbolbild: IMAGO / Christian Ohde)
Lese-Tipp: taz.de-Nachrichtenchefin Klaudia Lagozinski beschreibt, wie sie einen Echtzeit-Klon der "taz"-Website gefunden und löschen lassen hat. Die kopierte Seite sollte laut CCC-Sprecher Dirk Engling vermutlich über Umwege eine gefährliche Krypto-Seite bei Google pushen. Auch von "Bild" und "Münchener Merkur" hat Lagozinski Doppelgänger-Seiten gefunden.
taz.de via bildblog.de

Lese-Tipp: "Zeit"-Autor Jonas Schulze Pals geht der Frage nach, warum gefühlt die meisten Steckdosen in ICE-Zügen nicht funktionieren. Bis vor Kurzem habe die Deutsche Bahn die Steckdosen nur mit großen Schuko-Steckern mit dickeren Kontaktstiften getestet. Im Herbst 2024 seien dabei nur 0,3 % von rund 135.000 ICE-Steckdosen komplett funktionslos gewesen. Die meisten Handy-Netzteile haben dagegen flache Eurostecker mit dünneren Stiften, die in den ausgeleierten ICE-Steckdosen oft keinen Halt finden. Seitdem die Bahn auch mit diesen testet, sei die Fehlerquote auf 10 % gestiegen.
zeit.de (€)
(Foto: IMAGO / Thorsten Baering)
Lese-Tipp: Fotograf Andreas Mühe spricht mit der "Zeit" über sein kompliziertes Verhältnis zu seinem Vater, Schauspieler Ulrich Mühe, und den Umgang der Medien mit Ex-Kanzlerin Angela Merkel. "Es war geradezu ein Sport, diese Frau möglichst unvorteilhaft zu zeigen", sagt er, was "viel über die alte westdeutsch geprägte Medienwelt" aussage. Er selbst habe Merkel "respektvoll" einfangen wollen.
zeit.de (€)
Lese-Tipp: Marko Schlichting spricht mit Synchronsprecher Maximilian Belle über seine Berufung und die Bedrohung seiner Zunft durch KI-Stimmen. In dem Job lebe man "alle seine Gefühlslagen aus", sagt Belle und zeigt sich dankbar für seinen bisherigen Weg. Die Technik schreite schneller als erwartet voran, doch sollte sich die Rolle der Synchronsprechenden verändern, werde man sich dem stellen.
n-tv.de
(Foto: LB Studios / Connect Images / picturedesk.com)
Lese-Tipp: Barrierefreiheit im Digitalen "ist keine Raketenwissenschaft", sagt Inklusionsaktivist Raúl Krauthausen im Interview mit Franziska Bluhm. Er hebt TikTok als positives Beispiel für Inklusion hervor, weil man "sichtbar sein kann, ohne schreiben zu müssen". Social Media sei "für viele behinderte Menschen ein Gamechanger" gewesen.
franziskabluhm.de
(Foto: Manfred Behrens / Action Press / picturedesk.com)
Lese-Tipp: Dass Filmproduzent Martin Moszkowicz zugleich Enkel eines Nazi-Kriegsverbrechers und Sohn eines Auschwitz-Überlebenden ist, war in seinem Leben nie ein Geheimnis. Mit dem "Zeit Magazin" spricht er über seine außergewöhnliche Berufs- und Familiengeschichte – mit Anekdoten zu Bernd Eichinger, diversen Hollywood-Stars, aber auch Harvey Weinstein, von dessen Übergriffen "alle wussten". Als Constantin-Chef sei er der Manager im Hintergrund gewesen, heute ist er wieder reiner Produzent und sieht sich "ein bisschen wie der Coach, der das Filmteam zusammenhält".
zeit.de (€)
Lese-Tipp: In der "taz" widmet sich Nicholas Potter dem Ringen um die Zukunft des Medienimperiums von Rupert Murdoch. Gegen den Willen seiner drei weiteren Nachkommen will er Sohn Lachlan als alleinigen Herrscher installieren – "es wäre fair, ihn das rechtspopulistischste seiner Kinder zu nennen", so Potter. "Ruperts Gehirn zwei Seiten", sagt Weggefährte Preston Padden: "Eine Seite ist ein sehr seriöser, engagierter Journalist. Die andere Hälfte ist darauf ausgerichtet, Geld zu verdienen."
taz.de via bildblog.de
(Foto: MICHAEL TRAN / AFP / picturedesk.com)

Lese-Tipp: #UseTheNews-Geschäftsführer Meinolf Ellers würde den Begriff "Content" am liebsten auf den Index setzen, erzählt er im Interview mit dem Blog der Medientage München. Man dürfe dem Algorithmus nicht den Journalismus überlassen und Content sei das, was die Maschine braucht. Journalismus habe jedoch "ein Herz und eine Seele und im besten Fall auch ein Gesicht". Seine These: "Authentizität, Vertrauenswürdigkeit und Ehrlichkeit" werden im KI-Zeitalter zu einer "unschätzbar wertvollen Ressource".
blog.medientage.de
(Foto: Bernd von Jutrczenka / dpa / picturedesk.com)
Lese-Tipp: Der "Spiegel" widmet sich in seiner Titelgeschichte "Der Socialist" dem Social-Media-Phänomen Markus Söder. Der eigene Text sei "in gewisser Weise eine Bestätigung der söderschen Strategie der Aufmerksamkeitserzeugung durch einen seichten, spielerischen Ansatz". Söder selbst sagt, seine Posts seien zu 70 % politisch, bei 30 % gehe es um andere Lebensthemen – "Die Mischung macht’s". Wer Politik mache, sei "für politische Aussagen verantwortlich, aber auch für die Akzeptanz der Persönlichkeit".
spiegel.de (€)
(Foto: Der Spiegel / markus.soeder auf Instagram )

Lese-Tipp: Science-Thriller-Autor Marc Elsberg erzählt im "Zeit-Interview, dass er KI als eine Art Sparringspartner nutzt, um seine Recherchen strukturiert in Schriftform zu bringen. "Mein Versuch, zu erklären, was ich will, zwingt mich zugleich, präzise zu sein. Und manchmal bekomme ich sogar ganz gute oder witzige Antworten." Detail-Recherchen lasse er sich von der KI servieren, nicht ohne die Ergebnisse zu überprüfen: "Die KI ist ein fleißiger Praktikant, dem man ständig auf die Finger schauen muss, der aber doch oft Zeit spart." Figuren oder Szenen entwerfen zu lassen, klappe dagegen bisher mehr schlecht als recht.
zeit.de (€)
(Foto: IMAGO / Manfred Segerer)

Lese-Tipp: Mit 27 Jahren ist Trump-Sprecherin Karoline Leavitt die jüngste Sprecherin eines US-Präsidenten in der amerikanischen Geschichte – dennoch weist sie in Presse-Briefings regelmäßig alteingesessene Reporter zurecht, "ohne mit der Wimper zu zucken", schreibt Beatrice Achterberg in der "NZZ". "Das ist eine dumme Frage" gehöre zu Leavitts Standardrepertoire an Abfuhren. Politisch sei sie eine "Hardlinerin" und von Beginn an "glühende Trump-Anhängerin" gewesen. Leavitt verpacke Trumps Botschaften "in TikTok-gerechte Portionen" und übersetze seinen Kampf gegen die etablierten Medien für ein jüngeres Publikum. Das konservative Lager feiere ihren "brutalen" Ton, ihre Schlagfertigkeit, ihren Stil. Für Kritiker sei sie "little miss propaganda".
nzz.ch (€)
(Foto: IMAGO / NurPhoto / Andrew Thomas)

Lese-Tipp: IT-Dienstleister Cloudflare hilft Medienhäusern und Webseiten-Betreibern dabei, ihre Inhalte vor dem Klau durch KI-Firmen zu schützen, schreibt Philipp Alvares de Souza Soares im "Handelsblatt". Dazu sperrt Cloudflare die KI-Bots aus, die Inhalte massenhaft abgreifen und Server-Ressourcen beanspruchen – es sei denn, sie zahlen dafür. Teilweise liege das Verhältnis von Bot-Besuchen zu denen von echten Lesern inzwischen bei 1.500 zu eins.
handelsblatt.com (€)
Lese-Tipp: Die "Zeit" beschreibt das US-Medienphänomen Tucker Carlson – einst "Verfechter einer aggressiven, interventionistischen US-Außenpolitik" bei CNN, heute im eigenen Medien-Kosmos "einer der führenden Vertreter der isolationistischen neuen Rechten". "Bild"-Vize Paul Ronzheimer erzählt, dass der Ex-Fox-News-Star ihn in seinem Interview "komplett überfahren" habe: "Noch nie war ich so von der Rolle wie da." Carlson negiert stets Spekulationen, selbst in die Politik zu wollen, für ihn sei JD Vance die größte Politik-Hoffnung der US-Konservativen – sein Sohn ist Vize-Sprecher des Vizepräsidenten.
zeit.de (€)
(Foto: Dave Decker / Zuma / picturedesk.com)

Lese-Tipp: Von Podcastern eingesprochene Werbung stellt heute anders als noch 2019 "niemand mehr infrage", konstatiert Alexander Krawczyk, SVP Seven.One Audio, im "Meedia"-Doppelinterview mit Studio Bummens-Gründer Konstantin Seidenstücker. Deutsche Host-Reads seien "um Welten besser" als internationale: Statt nur Skripte abzulesen, setze man hierzulande auf "kreative Freiheit" und Humor. Klaas Heufer-Umlauf zum Werbungvorlesen zu bringen, sei unproblematisch gewesen, ergänzt Seidenstücker: Man sei beim Thema Werbung "zum Glück generell mit all unseren Hosts sehr aligned".
meedia.de (€)
(Foto: Seven.One Audio / Studio Bummens)