
Hör-Tipp: Die WDR5-Sendung "Satire Deluxe" feiert ihre 500. Ausgabe. Woche für Woche lassen Axel Naumer und Henning Bornemann das politische Geschehen mit O-Ton-Schnipseln und Hör-Sketchen Revue passieren. Zum Jubiläum sind sie Gast in ihrer eigenen Sendung und blicken auf die Highlights zurück. Sie erinnern auch an den "Umweltsau"-Skandal, als ein umgedichtetes Kinderlied Monate nach der ersten Ausstrahlung zum Aufreger wurde, für den der damalige WDR-Intendant Tom Buhrow sich entschuldigen musste.
ardaudiothek.de (59-Min-Audio)
(Bild: WDR)

Falscher Film: Der Bundesgerichtshof weist die Nichtzulassungsbeschwerde des ZDF im Rechtsstreit um ein fiktives Fahndungsplakat im "ZDF Magazin Royale" ab. Jan Böhmermann hatte in der Sendung 2023 ein Poster präsentiert, das zwar den Namen des Journalisten Stefan Aust trug, aber ein Foto des Schauspielers Volker Bruch zeigte, der Aust im Film "Der Baader Meinhof Komplex" von 2008 spielte. Die Hamburger Vorinstanzen stuften dies als unwahre Tatsachenbehauptung ein, die nicht von der Satirefreiheit gedeckt ist. Das ZDF argumentierte erfolglos, dass die Verfremdung Teil eines satirischen Gesamtkonzepts sei, das Realität und Fiktion vermischt. Juristen sehen in der Entscheidung eine Einschränkung für Satire-Formate, die mit der Unschärfe der Wahrnehmung spielen. Dem ZDF bleibt nun noch der Gang vor das Bundesverfassungsgericht, um den Spielraum der Kunstfreiheit neu auszuloten.
lto.de

Zahl des Tages: Vor genau 30 Jahren, am 5. Dezember 1995, ging bei Sat.1 die erste "Harald Schmidt Show" über den Sender. Die Show startete schwächer als die vorherigen Versuche, David Letterman zu kopieren – und wurde doch zum Besten, was in Deutschland als "Late Night Show" firmiert hat, urteilt Willi Winkler in der "Süddeutschen". Nach acht Jahren bei Sat.1. wechselte Schmidt samt Show zur ARD, moderierte dort zeitweise zusammen mit Oliver Pocher und kehrte 2011 zur Sat.1 zurück. Ab September 2012 lief die "Harald Schmidt Show" noch rund anderthalb Jahre bei Sky – jedoch weitgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit.
derstandard.de, sueddeutsche.de (€), faz.net (€, Interview mit Schmidt), youtube.com (51-Min-Video, erste Sendung)
(Foto: IMAGO / Horst Galuschka)

Zahl des Tages: Mit 86 meinungsstarken Seiten erscheinen heute die "Beobachtungen" von Publikaturist und Gary-Glotz-Kreativchef Peter "Bulo" Böhling als gedrucktes Buch. Es bringt "Die 20 meistgelesenen turi2-Kolumnen" zwischen zwei Taschenbuch-Cover – u.a. mit Bulos Texten und Illustrationen zu Social Media, zum KI-Boom und zur Algorithmus-Abhängigkeit der Verlage. Das Buch mit einem Vorwort von Medienpsychologe Jo Groebel erscheint im JMB-Verlag Hannover und kostet 12 Euro. turi2 schenkt den ersten drei Einsendern, die uns nach der Veröffentlichung dieser Nachricht eine Mail mit dem Betreff "Bulo's Beobachtungen" an post@turi2.de schicken, je ein vom Autor signiertes Exemplar.
jmb-verlag.de

Royale Reduktion: Jan Böhmermann und das ZDF setzen ihre Zusammenarbeit 2026 fort, verringern aber die Schlagzahl des "ZDF Magazin Royale", berichtet "DWDL". Statt zuletzt 33 Ausgaben produziert die Firma UFE 2026 nur noch 22 Folgen. Zum Ausgleich kehrt die Koch-Talkshow "Böhmi brutzelt" mit acht Folgen zurück, zudem sind zwei Ausgaben von "Lass Dich überwachen" und weitere Specials geplant. Der neue Vertrag läuft nur noch für ein Jahr – statt zuletzt drei Jahre. Auch die Exklusivität zwischen dem Satiriker und dem ZDF soll enden.
dwdl.de
(Foto: ZDF/Jens Koch)

Hör-Tipp: Comedienne Filiz Tasdan (rechts) stört sich daran, dass Comedy in Deutschland ihr zu politisch korrekt ist. Im Podcast "Deutschland3000 mit Eva Schulz" (links) sagt sie: "Ich möchte auch so reden, wie ich rede. Ich habe keinen Bock, mich da irgendwie verbiegen zu lassen." Dabei müsse Humor nicht abwertend sein, sondern könne auch entlastend wirken: "Lachen wertet Sachen nicht ab, sondern es erleichtert einfach eine Situation." In der Comedy-Szene gebe es "sehr viele coole Leute", aber die müssten "trotzdem noch ein bisschen darker" sein und "auch mal ihre schlechten Seiten zeigen", alles sei "noch zu glatt". Zugleich kritisiert Tasdan, dass bei Diversitätsdebatten die soziale Herkunft zu kurz komme. Vermeintliche Vielfalt bleibe daher oft oberflächlich.
ardaudiothek.de (65-Min-Audio), presseportal.de
(Bild: NDR/Paula Winkler/Murat Aslan)
50 Jahre Abrafaxe: Ein Besuch beim Kult-Comic aus der DDR.

Seit Jahrzehnten reisen die Abrafaxe durch Raum und Zeit – von der DDR-Zeit bis heute. Zum Jubiläum erscheint die 600. Ausgabe des “Mosaik”. Matthias Jöran Berntsen hat für unsere Reihe NewsKNAcker, die wir in Kooperation mit dem KNA-Mediendienst veröffentlichen, die Schaffenswerkstatt in Berlin besucht und sich die Entstehung eines Comics zeigen lassen, der längst Kult ist.
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Junger Humor: Das NDR-Satiremagazin "extra 3" bekommt einen jungen Ableger in der Mediathek. In "extra 3 Takeover" befassen sich wechselnde, junge Hosts rund 20 Minuten lang mit je einem Thema. In der ersten Folge am 13. November thematisiert Komikerin und TikTok-Creatorin Maraam Tarraf Rassismus und sucht nach den im Alltag verankerten Mustern. In der zweiten Folge am 18. Dezember setzt sich Rapper Fatoni mit dem Thema Drogen auseinander. Moderator Christian Ehring sieht im "Takeover" die Chance, neue Perspektiven und Humorfarben einzubringen.
presseportal.de
(Bild: NDR)

Satire für Zivilcourage: Die Ad Alliance von RTL Deutschland vermarktet erstmals die "stern"-Karikatur von Zeichner Til Mette als Bühne für die "Augen auf!"-Kampagne der Deutschen Telekom. Die Kampagne ruft zu mehr Zusammenhalt und Zivilcourage gegen Hass und Hetze auf. Mettes Cartoon erscheint auf einer Doppelseite im aktuellen "stern" und thematisiert eine Alltagsszene im Supermarkt, die Hass und Vorurteile abbildet, bevor sie mit einer humorvollen Pointe aufgelöst wird. Ad-Alliance-CMO Lars-Eric Mann sieht die Karikatur als "perfekte Fläche" für die Message der Telekom in einem glaubwürdigen Umfeld.
media.rtl.com
(Bild: RTL / Ad Alliance / Til Mette)

TV vs. Podcast: Die ZDF-"heute-show"-Komiker Lutz van der Horst und Fabian Köster treten am Samstag bei "Schlag den Star" auf ProSieben an. Sie treffen auf die Comedians Özcan Cosar und Bastian Bielendorfer, die gemeinsam den Podcast "Bratwurst & Baklava" machen. Für das "heute-show"-Duo ist die Teilnahme eine Premiere, Cosar und Bielendorfer nahmen bereits 2023 an der Show teil.
digitalfernsehen.de
(Foto: ProSieben/Steffen Z. Wolff)

Aufstand der Verständigen: Nach einer Hausdurchsuchung bei Medienwissenschaftler Norbert Bolz regt sich Empörung über das Vorgehen der Staatsanwaltschaft Berlin. Die Behörde hatte am Donnerstag die Wohnung von Bolz wegen eines Tweets von 2024 durchsucht. Damals hatte er einen Kommentar der "taz" mit dem Titel "Deutschland erwacht" zu einem AfD-Verbot mit dem Satz: "Gute Übersetzung von 'woke': Deutschland erwache!" kommentiert. Die Staatsanwaltschaft sieht darin die Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen, genauer einer Nazi-Parole. Die "taz" selbst beurteilt das Vorgehen der Behörde als "unverhältnismäßig", Grünen-Politikerin Ricarda Lang nennt die Maßnahme "absurd", die Gewerkschaft DJV sieht die "Gefahr der Einschüchterung", wenn gegen offensichtliche Satire vorgegangen werde. Bolz hatte die Durchsuchung via X selbst öffentlich gemacht und von "netten Polizisten" geschrieben, die ihm rieten, künftig vorsichtiger zu sein.
t-online.de, welt.de, taz.de
(Foto: IMAGO / Horst Galuschka)

Macht Druck: Der Erstling des gedruckten "Postillon" von Stefan Sichermann erscheint am Samstag mit einer Auflage von stolzen 25.000 Exemplaren, teilt der Gründer des Satire-Portals gegenüber "Horizont" mit. 20.000 Exemplare der Zeitung im Berliner Vollformat gehen an den Kiosk, 5.000 bleiben für Abonnenten und als Reserve für den Online-Shop. In der Erstausgabe werde es noch keine Werbung geben, in späteren Ausgaben des monatlich erscheinenden Blattes sei das aber vorstellbar, sagt Sichermann.
horizont.net (€), turi2.de (Background)

Vor Gericht und auf hoher See: Am Abend haben Satiriker Jan Böhmermann und Medienanwalt Christian Schertz im Rahmen der Ausstellung "Die Möglichkeit der Unvernunft" erstmals auf einer Bühne miteinander gesprochen. "Was Satire darf, entscheiden die Gerichte", beantwortete Böhmermann die große Frage des Abends. Zudem sprachen der Moderator und der Anwalt über juristische Auseinandersetzungen, etwa Böhmermanns Streit mit einem Imker und die Verteidigung des umstrittenen Musikers Till Lindemann durch Schertz. Auch auf die Absage eines Konzerts von Rapper Chefket wegen eines Antisemitismus-Vorwurfs u.a. durch Medienminister Wolfram Weimer reagierte Böhmermann: Weimers Ansicht habe keine Rolle gespielt. Böhmermann und Team sei klar geworden, dass die "Nichtberücksichtigung jüdischer Positionen ausgerechnet am Jahrestag der Hamas-Angriffe" nicht vertretbar sei, berichten die Funke-Zeitungen von der Veranstaltung. In der "Süddeutschen" fragt sich Autor Thore Rausch zeitweise, ob die Konzert-Absage und der anschließende Wirbel "ein großer Witz" des Satirikers seien. Heute Abend treffen Böhmermann und Weimer aufeinander.
abendblatt.de (€), sueddeutsche.de (€)
(Foto: IMAGO / dts Nachrichtenagentur)

Publikaturist und Gary-Glotz-Kreativchef Peter "Bulo" Böhling freut sich in seiner heutigen Kolumne auf die gedruckte Version des Satire-Portals "Der Postillon". Vor allem, weil er findet: Alteingesessene Publisher könnten von dem Marketing-Scoop so einiges lernen, wenn Sie bereit wären, einmal selbstreflektierend von ihrem Routine-Ross herunterzusteigen.
Von: Bulo
Ja, diese Kolumne hat mitunter einen eher defätistischen Ton. Das liegt daran, dass der Blick auf die Medien- und restliche Welt derzeit viele Frustrationsfallen bietet. In Bayern etwa, der Heimat des Verfassers: Hunderttausende Zugereiste, die mit kultureller Aneignung in Trachtenimitate gewurstet auf die Wiesn invadieren … ein Ministerpräsidentendarsteller, der statt des Verbeißens in seine eigentlichen Aufgaben unappetitlichst fettiges Fleisch bevorzugt (oder wahlweise Neil-Diamond-Songs verhunzt), während seine Tochter in einer nicht minder peinlichen TV-Show fremdschamauslösend die Absenz von Intelligenz zelebriert … und von der richtigen Politik ganz zu schweigen. Grund genug also, um hier und da mal ein ratloses "WTF?!" zu droppen.
Doch es gibt auch Erfreuliches zu berichten, gute Nachrichten. Oder besser gesagt: gute Nichtnachrichten, die zeigen, dass Fake News nicht immer etwas Verwerfliches haben müssen. Höchstens etwas Wegwerfliches. Um zum Punkt zu kommen: Die Satire-Seite "Der Postillon" bringt eine Zeitung an den Kiosk und in die Zustellung. Das ist geil – Punkt! Denn was an sich klingt wie ein Scherz, ist ein großartiges Beispiel für erfolgreiches Marketing, in dem deutlich lesbar dessen Ursprung steckt: Marke! Marke, liebe Medienmanager, das ist das, was ihr in den vergangenen Jahren sträflich vernachlässigt habt, sodass sich viele Nutzer fragen, wofür sie euch eigentlich noch brauchen und wofür ihr steht.
3.000 Abonnenten benötigte Postillon-Papa Stefan Sichermann nach eigenen Angaben, um die monatlich geplante Printausgabe zu realisieren. Über 3.700 sind es bis dato. Also fast 4.000 kumulierte Menschen, die bereit sind, 4,98 Euro für ein Exemplar in ihrem Briefkasten auszugeben. Um dann sowas zu lesen wie "700 leere Seiten – Scholz veröffentlicht ebenfalls seine Memoiren", "Altersarmut – Immer mehr Rentner werden von Enten gefüttert" oder "Klöckner von Notre Dame – Pilawa zeigt Urlaubsfotos". Das sind nicht einfach Leser, das sind Bekenner und damit die härteste Währung, die es in der Branche überhaupt gibt.
Gut, man könnte unken, dass bei rund elf Millionen monatlichen Visits im Prinzip noch mehr Transfer und damit Print-Abos möglich gewesen wären. Könnte man – wenn einem nicht chronisch die eigene Zielgruppe davonlaufen würde. Also, liebes Publishment: Durchatmen und nachdenken, was ihr von so einem Scoop lernen solltet. Zum Beispiel, dass es drei Kenngrößen gibt, die eine KI nie wirklich liefern kann: menschliche Authentizität, Kreation (denn sie klaut einfach nur frech zusammen) und Trust. Genau, Vertrauen schaffen. Das Satirevolk vertraut den Sichermannen, und sie werden vermutlich nicht enttäuscht werden. Hey, wie auch, wenn eins der Versprechen der "nackte Seite-3-Opa in jeder Ausgabe" ist?!
Die ideologisch schlagseitige Komik der Macher muss nicht immer gefallen. Aber es empfiehlt sich anzuerkennen, dass es in der heutigen Zeit nicht mehr ohne Humor geht. Dass vor allem dieser die Hintertür sein kann, die die Botschaft wieder in die Herzen der gewünschten Empfänger lässt. Und dass es sich lohnt, zu seinen Ecken und Kanten zu stehen. Brandbuilding at its best eben. Ich wünsche Ihnen darum eine schelmische Restwoche, in der Sie nicht nur mit anderen, sondern auch über sich selber lachen können. Trauen Sie sich, es wird Ihnen guttun!
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Kiez-Klatsch: Die Neuköllner Kneipenikone und Komikerin Jutta Hartmann bringt gemeinsam mit Künstler Martin Miotk und in Kooperation mit dem Stadtmagazin "tipBerlin" die erste Ausgabe von "Juttas Futschi Freizeit" heraus. Das "Frauenmagazin für alle Gender" verspricht "investigativen Kiezjournalismus" ohne "weichgespülte Wohlfühlstorys oder Beauty-Ratschläge". Das Heft sei "rau, ehrlich, radikal und mit ordentlich Berliner Schnauze". Das 100-seitige Lifestyle-Magazin erscheint am 1. Oktober für 9,90 Euro.
shop.tip-berlin.de, futschiqueen.wordpress.com
(Bild: tipBerlin)

"Der neue Autoritarismus spricht die Sprache der Antiautoritären. Die neue Unfreiheit kommt als Verteidigung der Freiheit daher."
Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen sieht in den USA einen Feldzug gegen die Meinungsfreiheit und gegen "Clowns und Comedians". Dabei agiere Präsident Donald Trump "wie ein todernster Sektenführer".
derstandard.at

Machtspiel: Nach dem Comeback von US-Comedian Jimmy Kimmel bei US-Sender ABC droht Präsident Donald Trump dem Sender mit einer erneuten Milliarden-Klage. Er nennt Kimmel einen "Handlanger der Demokraten" und nennt seine Show eine erhebliche Wahlkampfspende für die Partei. Eine frühere Klage von Trump gegen den Sender wurde Ende 2024 durch eine Zahlung von 15 Mio Dollar beigelegt. Damals ging es um eine Falschaussage von Moderator George Stephanopoulos.
derstandard.at, turi2.de (Einigung Stephanopoulos)
(Foto: IMAGO / ZUMA Press Wire)

Video-Tipp: Late-Night-Host Jimmy Kimmel meldet sich mit Tränen in den Augen und brüchiger Stimme zurück. In seinem Standup-Teil dankt er seinen Unterstützern und berichtet von einem deutschen Late-Night-Moderator, der ihm einen Job angeboten habe – er meint Stefan Raab. Er dankt auch seinen Kritikern, die sich für sein Recht auf freie Rede eingesetzt haben. Als er erneut über den Mord an Charlie Kirk spricht und bei den Menschen, die seine Bemerkungen verletzt haben, um Entschuldigung bittet, bricht seine Stimme. Anschließend kritisiert er FCC-Chef Brendan Carr scharf.
youtube.com (28-Min-Video), t-online.de (Raab)

Video-Tipp: Der niederländische Latenight-Host Arjen Lubach zeigt in einem satirischen Video, wie Disney nach der Absetzung von Jimmy Kimmel auch seine Film-Klassiker anpassen könnte, damit sie Donald Trump gefallen. "Aladdin" wird von der Einwanderungsbehörde aufgegriffen, Bambis Mutter endet nach einer Bemerkung über Trans-Frauen am Bratspieß und die Existenz von Schneemann "Olaf" in "Frozen" ist für "Prinzessin Anna" ein Beleg dafür, dass es den Klimawandel nicht gibt.
youtube.com (2-Min-Video) via digitalfernsehen.de
(Bild: Screenshot Lubach bei YouTube)

Satire-Freiheit: Der DJV kritisiert die Ankündigung der Berliner Staatsanwaltschaft, gegen den Freispruch des Satirikers "El Hotzo" Rechtsmittel einlegen zu wollen. Es sei "mehr ein Beißreflex als ein juristisch wohlbegründetes Vorgehen", dass die Staatsanwaltschaft schon vor Bekanntgabe der schriftlichen Urteilsbegründung laut über Rechtsmittel nachdenke, sagt DJV-Chef Mika Beuster. Über den Fall "El Hotzo" hinaus sollte die Justiz der "Freiheit der Satire als Teil der in der Verfassung garantierten Meinungsfreiheit mehr Raum geben". Zugleich bemängelt Beuster, dass "Schmähungen, Beleidigungen und Hasskommentare" in sozialen Medien oft folgenlos blieben. Er fordert die Justiz auf, sich stärker mit politisch motivierten Posts von Influencern zu befassen.
evangelische-zeitung.de, djv.de, turi2.de (Background)
(Foto: DJV / Frank Sonnenberg)

Witz mit Folgen: Satiriker Sebastian Hotz, bekannt als "El Hotzo", muss sich wegen seines Scherzes bei X über die Schüsse auf Donald Trump vor dem Amtsgericht Berlin-Tiergarten verantworten, berichtet die "Süddeutsche Zeitung". Eine Gerichtssprecherin bestätigt dem Blatt den Prozess am 23. Juli. Der frühere Bundestags-Vizepräsident Wolfgang Kubicki hatte den Scherz von "El Hotzo" in einem Post bei X missbilligt und die Staatsanwaltschaft zum Handeln aufgefordert. Diesem Aufruf sei die Staatsanwaltschaft nun nachgekommen, jedoch habe das Amtsgericht Tiergarten eine "Zulassung der Anklage zunächst aus Rechtsgründen abgelehnt", so die Sprecherin. Daraufhin habe die Staatsanwaltschaft sofortige Beschwerde eingelegt - und war damit erfolgreich. Zu Anklagedetails äußert sich das Gericht auf "SZ"-Nachfrage nicht und verweist auf eine Pressemitteilung im Laufe der Woche. Das Management von Sebastian Hotz bestätigt der "SZ" die "Anklage wegen Belohnung und Billigung von Straftaten". Hotz selbst wolle den Prozess nicht kommentieren, "insbesondere nicht, bevor ein rechtskräftiges Urteil vorliegt", so sein Management.
sueddeutsche.de (€), turi2.de (Background)
(Archiv-Foto: IMAGO / Cord)

Überraschung! Publikaturist und Gary-Glotz-Kreativchef Peter "Bulo" Böhling hat nicht nur zum Medienminister, zu viel beschäftigten Medienfuzzis und KI-ignoranten Verlagen eine Meinung. Diese Woche nimmt er sich mit spitzem Bleistift und ebenso spitzer Feder die Träger eines schauderhaften Schuhwerks vor.
von Bulo
Ursprünglich wollte ich heute über Tonsillensteine, Sebostase oder das vegetative Erythem schreiben. Habe mich nach einem Stehempfang Anfang der Woche aber anders entschieden und werde über eine Plage unsinnieren, die den Betroffenen ebenso peinlich sein sollte, obwohl sie sich weiter unten abspielt. Nein, nicht Onychomykose. ONs! Genau, diese schuhgewordene Apokalypse fürs ästhetische Empfinden, die seit kurzem die Spreizfüße vieler Endfünfziger verhüllt. Die Breitling fürs Mittelfußgelenk, wenn man sich die hochgehypten Preise der Leisetreter anschaut.
Der typische Träger sportelt sich damit auf ein Terrain vor (oder besser: zurück), das er seit den Bundesjugendspielen vermisst – adoleszente Leichtigkeit. Sein Dilemma: Die Sohle, die er aufs Business-Parkett legt, darf nicht zu salopp daherschleichen aber auch nicht zu altbacken. In den Vorstand soll sie ebenso passen wie zwischen die enge Pedalreihe des Sportwagens. Schnell anziehen muss er sie können, und natürlich ebenso schnell wieder aus. Und das am besten ohne Bücken, denn das Bio-Bier-Bäuchlein … Sie wissen schon. Doll also, dass Roger Federer als Markenbotschafter dieser eidgenössischen High-Tech-Schlappen unterwegs ist, denn was der kann, kann man auch. Oder möchte es gern können: Cool auftreten.
Schon beim Dechiffrieren des Logos wird dem (wohin auch immer) geneigten Beobachter allerdings übel. Hat er es mit DCs zu tun? Mit DQs? ONs? Mit DOs, OCs oder DAs? Oder gar mit einem stilisierten Hochnäsigen, der sich unter den Luxuslatschen-Lobbyisten durchaus öfter findet. Natürlich, so die abwiegelnde Begründung, seien die Dinger einfach nur bequem. Was sie in eine Reihe mit Crocs und Barfußschuhen stellt, und das vor allem optisch. Ein grobporiger Schwamm unter den Ballen getackert hätte hier den gleichen Effekt.
Nun stand ich also bei erwähntem Stehempfang – was soll man da sonst auch tun? – und zog vor den anwesenden Medienfuzzinen zunächst meinen Schuh, äh Hut. Denn während sich Emanzipation leider oft dadurch mannifestiert, die gleichen dämlichen Eigenschaften der Herren zu übernehmen, schien mir die Damenwelt bisher immun gegen diese ONanie. Aber zu meinem Schrecken musste ich feststellen: Es gibt diese Fußfestungen auch für die holde Weiblichkeit! Was beweist, Gott kann keine Frau sein – zumindest nicht der Schuhgott.
Liebe Laufende, bereitet ihr euch mit diesen Schweizfüßen wirklich schon auf eure Rente vor?! Was ist aus zeitlosen Sneakern geworden? Wer so eine Welle macht wie ihr, der kann auch eine am Fuße führen. Drei Streifen sind immer noch mehr Understatement als dreißig Sohlenlöcher. Und der gute alte „Speedcat“ läuft dem „CloudmONster“ jederzeit davon. Und mal ehrlich: Das pseudo-nachhaltige „Fürs Recycling entwickelt“, mit dem die Lifestyler werben, heißt im Grunde nix anderes als „Wirf die Dinger ruhig weg!“ … In diesem Sinne – und meinen runtergelatschten NBs – wünsche ich eine standfeste Restwoche!
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Dolles und Doofes aus Mediendorf – das gibt es nur bei turi2: Jeden Mittwochmorgen nimmt sich Publikaturist und Gary-Glotz-Kreativchef Peter "Bulo" Böhling mit spitzem Bleistift und ebenso spitzer Feder Irrungen und Wirrungen aus Medien, Marketing und PR vor. In dieser Woche warnt er vor der KI (Künstlichen Intelligenz) der Suchmaschine und der diesbezüglichen NI (Natürlichen Ignoranz) vieler Medienhäuser.
von Bulo
Nein, liebe Verleger, natürlich seid ihr nicht dumm! Aber als Klick- und Auflagen-getriebene Unternehmer wisst ihr, dass es provokante Überschriften braucht, um den Leser einzufangen. Leser – erinnert ihr euch? Das ist die aussterbende Spezies von interessierten Individuen, die ihr bald vollends an das gefräßige Googlemonster verlieren werdet, das euch gerade einen nach dem anderen davon genüsslich wegschnabuliert. Und euch dabei fröhlich in den Ar…, nein, AUF den Arm nimmt.
Wahrscheinlich habt ihr es schon bemerkt: Während vor ein paar Monaten noch ein Großteil der Suchenden mit ihren Anfragen auf einer eurer Seiten landete, sind es davon derzeit nur noch rund die Hälfte. Und, Spoiler: Es werden schon sehr bald weniger als ein Viertel sein. Nicht nur ist das kein Happy, sondern überhaupt noch nicht das Ende. Das ist vor allem dann doof, wenn man seinen Verlag gerade erst schick zur digitalen Medienbutze transformiert hat, um endlich wieder Reibach statt Remittenden zu machen. Und dann (Menno!) diese unersättlichen Amis schon wieder einen Schritt voraus sind. Und das, obwohl das Trauma mit den Snippets, die ihr als das Teufelswerk schlechthin fürchtetet, gerade erst austherapiert schien.
Lasst euch sagen: Das eigentliche Höllenfeuer bekommt jetzt erst seine richtige Betriebstemperatur! Aus Angst davor, nicht geranked zu werden, heißt ihr den bösen Datenwolf beinahe sehnsüchtig in euren Online-Häuschen willkommen, wo dessen „Gemini“-Bots rücksichtslos für Zusammenfassungen umhercrawlen, die eure Inhalte bald obsolet machen. Denn warum sollte sich noch ein Leser zu euch verirren, wenn die KI doch eine wunderbare Summary des Gesuchten liefert. Zusammengestohlen aus all jenen Artikeln, die eure Redakteure, Journalisten, Autoren, Kolumnisten, Essayisten, Grafiker, Illustratoren, Fotografen und andere Kreative mit viel Geld, Geduld und Geschichtenliebe erschaffen haben.
Ob sich in diesen Sammelsurien irgendwelche Fehler einschleichen (oder auch eingeschlichen werden) – wen kümmert’s?! Zum Glück haben wir ja die Generation Z, die auch wir Medienschaffenden zum Teil so verdummbratzen ließen, dass sie alles „supersigma“ findet. Hauptsache, es ist bunt, schrill oder irgendwie anders. Von hier wird er also nicht kommen, der nötige Gegenwind, um dem Ausverkauf oder besser Ausverklau geistigen Eigentums Herr zu werden. Was ihr machen könnt: Schaut hin! Solidarisiert euch! Tauscht euch aus! Gerade, damit ihr nicht noch austauschbarer werdet, als ihr leider mitunter schon seid. Denkt gattungsorientiert sowie -übergreifend, und nicht nur an die eigenen Umsätze. Je mehr Verlage organisiert auftreten, desto leichter fallen die Verhandlungen mit Google.
Ja, fordert sie, die granulare Differenzierung, die dem Mediengiganten in die furchteinflößende Fratze plärrt: Du darfst ranken aber nicht rauben! Geschlossen lässt sich auch leichter ein Lizenzmodell realisieren, das euch wenigstens finanziell entschädigt, wenn man sich schon schamlos bei euch bedient. Und auch die (hoffentlich letzte) Instanz des Rechtswegs wird für den kleinen Publisher ums Eck im Verbund mit anderen deutlich leichter. Also nicht rumdöpfnern, sondern rudelbumsen – sodass es allen gemeinsam möglichst lange Spaß macht. In diesem Sinne wünsche ich eine Restwoche mit viel mehr Finden als Suchen!
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Publikaturist und Gary-Glotz-Kreativchef Peter "Bulo" Böhling spießt für turi2 jede Woche Dolles und Doofes aus Mediendorf auf. In dieser Woche widmet er sich dem neuen Kulturstaatsminister Wolfram Weimer. Mit spitzem Bleistift und ebenso spitzer Feder geht es um Presse-Förderung, Plattform-Abgabe und platte Vorurteile.
Man muss Merzens Kulturkumpel nicht mögen. Man darf ihn sogar doof finden. Und man darf das auch schreiben. Wobei "doof" Wolfram Weimer in zweierlei Hinsicht nicht gerecht würde: Erstens gehört er zu den intelligentesten Menschen, mit denen ich in meinen dreißig Medienjahren zu tun hatte. Und zweitens wäre diese saloppe Charakterisierung unzureichend, um die ganze Bandbreite derjenigen Eigenschaften zu beschreiben, die Weimer durchaus zu einem, pardon, Unsympathen machen können.
Er ist der ewige Chefredakteur, der sich gern ein kreatives Buffet anrichten lässt, um dann entweder gar nichts oder nur ein kleines Häppchen davon zu nehmen – ohne Rücksicht darauf, was mit dem Rest passiert. Er ist lang und irgendwie auch groß. Und er mag das. Man könnte ihn also durchaus einen Gernegroß nennen und läge damit richtig. Ebenso trefflich wären Begriffe wie "Parvenü", "Snob" und "Bohemien". Er ist gern er selbst, und selbst ist er gern gerecht … gefällig … herrlich. Und nein, obwohl er nicht immer ganz ehrlich spielt, ist er nicht link. Und ein Linker schon gar nicht. Ein Schwarzer Elch eben.
Aber das ist genau der Punkt: Konservatismus und Kultur schließen einander nicht aus. Ganz im Gegenteil. Ein Wertkonservativer wie Weimer tritt stets dafür ein, dass Artikel 5 Absatz 1 des Grundgesetzes uneingeschränkt Anwendung findet – sodass auch (und gerade) Minister meinungsfreiheitlich aufs karikierende Korn genommen werden dürfen. Denn ein Schwachkopf ist er nicht, höchstens ein sturer. Aber einer mit Humor. Gut so! Das gibt ihm den selbstgeblasenen Rückenwind, Regelungen anzupacken, an die sich vorher keiner wagte. Etwa die Besteuerung digitaler Plattformen. Und, meine lieben MVFP-Vorstandskollegen, man kann die klassische Zustellförderung gedruckter Produkte durchaus ebenso kritisch sehen wie den von ihm kanonisierten Gebührenzwang der Öffentlich-Rechtlichen.
Wie gesagt, man darf vieles am Ciceronianer vom Tegernsee zum Cotzen finden. Aber als überzeugtem Demokraten muss einem eines noch viel übler aufstoßen: Vorverurteilungen wegen vermeintlich falscher Parteizugehörigkeiten, Traditionen oder Glaubensfragen. Bei Monty Pythons "Das Leben des Brian" wurde "Jehova" gerufen, bevor die Steine des Gesindels an die komödiantischen Köpfe knallten. Heute sind es zwar andere rote Tücher und auch keine Kiesel mehr. Doch das mediale Abwerfen von Menschen mit unpopulären Meinungen ist nicht minder erbarmungslos, und es schafft ein Klima, das sich – leugnen zwecklos – besser ganz schnell wandeln sollte.
Im Medienmagazin "Clap" sagte Weimer noch vor ein paar Jahren, eine politische Karriere käme für ihn nicht in Frage. Dort, so wiegelte er damals ab, "sind Sie der Trottel von allen, werden beschimpft, müssen permanent Rücksicht nehmen". Ob er sich tatsächlich zum Trottel macht, nachdem er sich letztlich doch zu einem ernennen ließ, wird die Zeit zeigen – und seine "Welt" vermutlich exklusiv vermelden. Bis dahin wünsche ich Ihnen eine vorurteilsfreie Restwoche mit der Fähigkeit, auch das Andersdenken auszuhalten!
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Geschichtsverdrehung: Das ZDF produziert nach sechs Jahren Pause eine neue Staffel der Comedy-Reihe Sketch History. Die Dreharbeiten für zehn Folgen laufen noch bis Ende Juni in Bulgarien, ein Sendetermin steht noch nicht fest. Im Ensemble dabei sind u.a. wieder Matthias Matschke, Valerie Niehaus, Judith Richter und Holger Stockhaus, als "ironischer Erzähler" fungiert erneut Bastian Pastewka.
digitalfernsehen.de
(Bild: ZDF)

Causa Clownswelt: Das ZDF stellt sich nach Kritik an seiner Enthüllung des rechten YouTubers Clownswelt hinter Satiriker Jan Böhmermann. In einer Pressemitteilung heißt es: "Dass es bei Personen, die in der Öffentlichkeit agieren, kein allgemeines Recht auf Anonymität gibt, zeigt beispielsweise auch die gültige Impressumspflicht", gegen die der YouTuber verstoßen habe. Der Sender weist auch darauf hin, dass weder der volle Name noch der Wohnort genannt, oder ein Foto des YouTubers gezeigt wurde. Bei "Übermedien" kritisiert indes Lisa Kräher die Berichterstattung der "Zeit", die gemeinsam mit dem ZDF recherchiert hatte. Die Zeitung versuche, mit "banalen Details" die Radikalisierung des YouTubers zu erklären. Der Text lese sich, als hätten die Autoren "möglichst alles unterbringen wollen, was sie aufgeschnappt haben".
zdf.de, uebermedien.de (€), turi2.de (Enthüllung)
(Foto: Imago)

Weiß-blaue Briefe: Kabarettistin Christine Eixenberger tadelt in ihrer neuen BR-Satire-Show "Nachsitzen" Politiker, Parteien, Unternehmen, Organisationen oder Personen des öffentlichen Lebens, die sich nicht mit Ruhm bekleckert haben. Zwei Comedians nominieren jeweils zwei Kandidaten und halten Plädoyers für ihre Vorschläge. Am Ende stimmt das Publikum ab, wer "Nachsitzer der Woche" wird. Die Show läuft ab 3. Juli im BR Fernsehen und der ARD Mediathek.
br.de
(Foto: BR / Sarah Domandl)

Video-Tipp: In der MDR-Mockumentary "Kosmos Chemnitz" landet ein Zeitreisender, der eine verblüffende Ähnlichkeit mit Karl Marx hat, nach einem Systemabsturz in voller Weltraum-Montur in der europäischen Kulturhauptstadt Chemnitz. Dort trifft Kosmonaut "KM-02" auf Kunst- und Kulturschaffende und erfährt, dass die Stadt auf dem Weg vom alten Karl-Marx-Stadt in das Chemnitz der Nachwendejahre auch einen "Systemabsturz" überstehen musste.
ardmediathek.de (45-Min-Video), presseportal.de
(Foto: MDR/SW-Film/André Straub)

Swiss Fake: Der Schweizer Comedian Karpi verbreitet in einem viralen Video die Botschaft, dass die Schweiz gar nicht existiert und nur eine Erfindung des schwedischen Königs sei, um das globale Finanzsystem zu kontrollieren. Schweizer Seen und Berge seien zu schön und zu perfekt, um echt zu sein. Auch die berühmte Schweizer Schokolade sei nur eine Erfindung – schließlich wachse in ganz Europa kein Kakao. Das Video legt Donald Trump in den Mund, er wolle die Schweiz kaufen. Bevor der US-Präsident jedoch auf falsche Ideen kommt, folgt die Auflösung: Der Clip ist eine Werbeaktion zur Wiedereröffnung des Fotomuseums Winterthur, das in einer Ausstellung zeigt, wie Bilder im Netz verlocken.
persoenlich.com, youtube.com (2-Min-Video, Fake), youtube.com (1-Min-Video, Auflösung)

Unerwünschte Follower: Die Zahl der Hai-Angriffe auf Menschen steigt, sagt eine Studie. Allerdings soll es sich bei einem Teil der Angriffe in Wahrheit um Selbstverteidigung der Tiere handeln – u.a. gegen aufdringliche Influencer. Die Haie wissen den Wert von Social-Media-Aufmerksamkeit ganz offensichtlich noch nicht zu schätzen.
t3n.de
(Foto: IMAGO / StockTrek Images)

Alle bisher erschienenen Karikaturis gibt es hier.
Video-Tipp: Der vom FC Bayern abservierte Fußball-Profi Thomas Müller wird jetzt Werbefilmer – zumindest im Spot des Wärmepumpenherstellers Viessmann. Weil das Skript ihm zu langweilig ist, nimmt Müller die Regie selbst in die Hand und pimpt den Werbefilm mit Emotionen und Action, Greenscreen-, KI- und Anime-Effekten auf. Für Kreation und Umsetzung ist das Hamburger Creative Studio 27km verantwortlich.
youtube.com (2-Min-Video), viessmann-climatesolutions.com via campaigngermany.de (frei nach Anmeldung)
(Foto: Viessmann Climate Solutions)

Aufmerksamkeits-Ökonomie: Satire-Magazin "Titanic" trommelt mit der Klage des Ex-Finanzministers Christian Lindner gegen das Blatt und wirbt um Unterstützung durch Abos. In einer aktuellen Pressemitteilung heißt es, man freue sich "auf den Prozess, denn Klagen sind nur dornige Abowerbungen". Lindner geht mit Medienanwalt Christian Schertz gegen das Januar-Cover der "Titanic" vor. Es zeigt u.a. Lindner mit Ehefrau Franca Lehfeldt und dem Ultraschall-Bild eines Fötus. Schertz wirft dem Magazin eine "menschenverachtende Darstellung" vor, die nicht durch Meinungs- oder Kunstfreiheit gedeckt sei.
per Mail, titanic-magazin.de (Aktionsseite), turi2.de (Klage)
(Bild, Ausschnitt: Titanic)

Alle bisher erschienenen Karikaturis gibt es hier.

Scherzblatt vs. Schertz: Die "Titanic" reagiert ironisch gelassen auf die Unterlassungsforderung von Medienanwalt Christian Schertz, der dem Satire-Magazin ein Cover mit Christian Lindner und Franca Lehfeldt verbieten will. "Prozesshanselei" sei "ein beliebtes, urdeutsches Hobby" und "unsere Gerichte sind bekanntermaßen ohnehin nicht ausgelastet", heißt es. Die Redaktion wolle versuchen, den Prozess vor dem Landgericht Sylt verhandeln zu lassen, "weil es dort gratis Sekt und Krabbenbrötchen in der Kantine" gebe.
titanic-magazin.de, turi2.de (Background)
(Bild: Titanic)

Und raus bist du: Die CDU hat "Extra 3"-Reporter Maximilian Schafroth am Sonntag anscheinend unsanft von der Wahlparty der Union in Berlin entfernt. Grund ist offenbar, dass der Reporter Markus Söder angesprochen und ihm ein fiktives Buch mit dem Titel "Regieren für Anfänger" hingehalten hat. Daraufhin schritt der Sicherheitsdienst ein. Das Team der NDR-Satire-Sendung durfte später zurückkehren, verzichtete wegen einer erneuten Drohung des CDU-Sicherheitsdienstes aber darauf. Der DJV kritisiert das Vorgehen der Partei scharf.
spiegel.de, djv.de

Aufgeschoben: TV-Sender ProSieben schickt seine News-Satire "Fake News" mit Linda Zervakis künftig am Dienstagabend im Windschatten von "TV Total" um 21.25 Uhr ins Rennen. Eigentlich war der Serienstart schon für vergangenen Montag geplant, im Rahmen der Sendeplatz-Rochade um "TV Total" und die Raab-Shows von RTL aber weggefallen.
presseportal.de
(Foto: Joyn/Steffen Z Wolff)

Video-Tipp: Jan Böhmermann produziert für die "New York Times" ein englischsprachiges Meinungs-Video, in dem er den Aufstieg der in Teilen rechtsradikalen AfD erklärt. Das Setting erinnert an das "ZDF Magazin Royale": Er zeigt Statistiken, Fotos und Videos und witzelt über deutsche Gutenachtgeschichten. Er erklärt, dass Deutschland so gut darin sei, "Nazis zu erfinden". Sein Fazit mit Blick auf die Wahl am Wochenende: "In Germany the Kackeistamdampfen."
nytimes.com (9-Min-Video)
(Foto: Screenshot/nytimes.com)

Olaf total: "TV Total" sendet am Dienstag um 20.15 Uhr ein Interview von Kabarettist Sebastian Pufpaff mit Bundeskanzler Olaf Scholz, kündigt ProSieben an. Was das Publikum von dem Gespräch zu erwarten hat, bleibt nebulös. Die Presseankündigung zitiert Pufpaff mit den Worten: "Wir haben es geschafft, wir haben Lord Valium von Schnarchistan endlich wachgerüttelt. Und was dann passiert ist, seht ihr bei uns in der Sendung." Im Anschluss läuft eine schon länger angekündigte Scholz-Doku mit Katrin Bauerfeind.
presseportal.de, turi2.de

Satire darf das: Das ZDF muss einen umstrittenen Spot der Satire-Partei "Die Partei" ausstrahlen, entscheidet das Verwaltungsgericht Mainz. In der Werbung gebe es laut Gericht eine Sequenz, die eine fiktive Vergewaltigung andeute. Dabei werde eine Umkehr des "typischen 'Rollenbildes' von Gewalttätigkeiten in Partnerschaften" suggeriert und ein Bezug zu Friedrich Merz und seiner Ehefrau hergestellt. Das Gericht sagt, dass es sich erkennbar um eine satirische Überzeichnung handelt.
deutschlandfunk.de, mediendienst.kna.de (€)
Mit Material des KNA Mediendienstes

Nächste Runde: Das ZDF legt Berufung gegen das Urteil des LG München zum "ZDF Magazin Royale" über Ex-BSI-Chef Arne Schönbohm ein, meldet der "KNA Mediendienst". Das Gericht hatte der Satiresendung im Dezember Äußerungen über den ehemaligen Leiter der IT-Sicherheitsbehörde untersagt, weil sie den Eindruck vermitteln könnten, Schönbohm hätte direkte Kontakte zu russischen Nachrichtendiensten gehabt. Das ZDF widerspricht: Man habe weder direkt noch indirekt bewusste Kontakte behauptet.
newsroom.de, turi2.de (Urteil)

Royale daneben: Das LG München untersagt dem ZDF mehrere Äußerungen von Jan Böhmermann über den geschassten BSI-Chef Arne Schönbohm. Böhmermann darf den früheren obersten Cybersicherheits-Wächter etwa nicht mehr in die Nähe russischer Geheimdienste rücken. Zwar hatte Böhmermann sich nicht explizit so geäußert, seine Formulierungen konnten aber so verstanden werden. Nach der Sendung von 2022 wurde Schönbohm versetzt, er klagt auch über Anfeindungen gegen sich und seine Familie. Eine Entschädigung verweigert ihm das Gericht. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.
sueddeutsche.de
(Foto: Rolf Vennenbernd / dpa / picturedesk.com)

Schluss mit Lustig? Der Satiriker Sebastian Hotz, besser bekannt als "El Hotzo", gesteht mit Posts auf X und Bluesky anscheinend private Fehler. Er sei in Beziehungen "wiederholt untreu" gewesen, habe seine Taten anschließend mit Lügen vertuscht und die "Glaubwürdigkeit meiner (Ex-)Partnerinnen diskreditiert". Er habe im Privaten gegensätzlich zu seinen öffentlich vertretenen Werten gehandelt. Sein Management bestätigt dem "Spiegel" die Echtheit des Posts.
spiegel.de, x.com
(Foto: IMAGO / serienlicht)
Wieder willkommen: Die Bundespressekonferenz hebt nach fast 35 Jahren das Hausverbot für Komiker Hape Kerkeling auf. Das teilt der Vorsitzende Mathis Feldhoff ihm im Podcast mit Judith Rakers zu seinem 60. Geburtstag mit. Für die Sendung "Total Normal" hatte Kerkeling 1990 die BPK geentert und einen Minister gebeten, ihm seine Steuerunterlagen zu erklären. Heute ist Hape nicht mehr jung und naiv – für nervige Fragen sind in Berlin längst andere zuständig.
radiobremen.de, ardaudiothek.de (76-Min-Audio, Part zu BPK ab 38:40)
(Bild: Radio Bremen)

Falsch, aber transparent: ProSieben und Joyn kündigen die Show "Fake News – Alles erstunken und erlogen" mit Linda Zervakis an. Die Sendung sei die "erste KI-Satire im deutschen TV", die "ganz offen und transparent KI für die Erstellung von Videos nutzt". Mit dabei sind auch Katrin Bauerfeind und Comedian Benni Stark. Die erste Ausgabe läuft am 18. Dezember, 2025 sind weitere geplant.
presseportal.de
(Foto: Joyn / ProSieben)

Das zwiebelt: Die Firma hinter der Satire-Zeitung The Onion übernimmt die Website Infowars des rechten Verschwörungstheoretikers Alex Jones. Verleumdungsklagen führten ihn in die Privatinsolvenz. Bei der Auktion seiner Vermögenswerte war "The Onion" höchster Bieter und will ab Januar eine Parodie von "Infowars" starten. Wenn dann auch Donald Trump wieder im Amt ist, liegen Satire und Realpolitik ohnehin nah beieinander.
tagesschau.de, edition.cnn.com, theonion.com
(Foto: Global Tetrahedron)

"Nach meinem Rausschmiss bei den Öffentlich-Rechtlichen wurde ich von RTL für zwei Wochen in die USA geschickt, um einen kleinen Film zu drehen. Erziehungstechnisch war das keine gute Sache, weil ich damit gelernt habe, je provokanter ich bin, umso eher erhalte ich das, was ich möchte. Dafür müssen die Witze noch nicht mal gut sein."
Satiriker Sebastian Hotz, alias "El Hotzo", sagt der "Süddeutschen", dass es rückblickend "der genialste Einfall" war, den er je hatte, "nachts um 2.10 Uhr grenzwertige Tweets zu Trump zu schreiben".
sueddeutsche.de (€), turi2.de (Background)
(Foto: RTL / UE GmbH)

Lizzy Aumeier, 60, ist tot. Die bayerische Kabarettistin starb am Donnerstag nach langer, schwerer Krankheit in einem Krankenhaus in Nürnberg. Die Kontrabassistin und studierte Jazz-Musikerin wurde als Musikkabarettistin bekannt und trat u.a. in der ARD, dem ZDF und bei 3sat auf. 2023 erhielt sie den Bayerischen Verdienstorden. Das Bayerische Fernsehen wiederholt am Montagabend eine Doku über Aumeier.
br.de
(Foto: IMAGO / Sammy Minkoff)

Je suis Charlie: Der französische Dschihadist Peter Cherif muss lebenslang ins Gefängnis, urteilt ein Sondergericht in Paris. Das Gericht sieht es als erwiesen an, dass der Mann am Anschlag auf das Satiremagazin "Charlie Hebdo" im Januar 2015 beteiligt war. Er habe die Haupttäter, zwei Brüder, auf den Anschlag vorbereitet. Bei dem Anschlag sind zwölf Menschen ums Leben gekommen, die Haupttäter wurden erschossen. Zudem war Cherif an der Entführung dreier Franzosen im Jahr 2011 im Jemen beteiligt.
tagesschau.de
(Foto: IMAGO / ANP)
Adelektüre: Popstar Adele hat zu ihren zehn Konzerten im August in München jede Woche eine neue Ausgabe der Mini-Klatschzeitung "Saturn Times" herausgebracht. Für alle, die nicht dabei waren, veröffentlicht sie die Cover nun bei Instagram und schreibt, es sei jeden Sonntag ein Highlight gewesen, die Zeitung zu erstellen. Sie habe wohl ihre "wahre Berufung verfehlt", denn es mache ihr so viel Spaß, "absoluten Unsinn zu schreiben".
instagram.com via n-tv.de