Satire ist Kunst - Dichter, Zeichner, Bildhauer, Filmer oder Journalisten sind ihre Überbringer. Und die leben oft gefährlich, denn Satire, die nicht wehtut, ist keine. weiterlesen auf lexikon2.de

Lese-Tipp: Oliver Welke und Oliver Kalkofe machen ihren Podcast aus “egoistischen Gründen”.

Lese-Tipp: "Mir ist natürlich klar, dass es ungefähr so aufregend ist, wie wenn wir uns in unserem Alter zum ersten Mal bei Facebook anmelden würden", sagt Oliver Welke über seinen neuen Podcast Kalk & Welk, den er zusammen mit Oliver Kalkofe macht. Im Interview mit DWDL erzählen die beiden, dass sie den Podcast vor allem aus "egoistischen Gründen" machen, "geistig miteinander im Bett liegen" werden und als Reaktionen auf "originelle Beleidigungen" hoffen.
dwdl.de, turi2.de (Background)

Zitat: Micky Beisenherz macht nicht ganz so ernst gemeinte ÖRR-Reformvorschläge.

"Warum Anne Will nicht direkt vom Traumschiff senden soll, das kann mir auch keiner erklären. So käme Karl Lauterbach auch mal an die Sonne."

Micky Beisenherz witzelt in der "Zeit" über die Forderung, der ÖRR solle sich "auf den nackten Informationsauftrag" rückbesinnen – und sieht die Lösung in "hybriden Formaten", weil ARD und ZDF sich nicht von ihren "Unterhaltungsfiletstücken" trennen wollen.
zeit.de (€)

Video-Tipp: Klaas macht einen wilden Ritt durch die Sommer-Themen.

Video-Tipp: Klaas Heufer-Umlauf präsentiert mal wieder, was er während der Sommerpause von Late Night Berlin getrieben hat – u.a. als Raumausstatter beim RBB. "Nur weil man Journalist ist, muss man ja nicht schlecht leben", rät Klaas der Ex-Intendantin Patricia Schlesinger zu Luxus-Parkett und Co. Und hinter dem unfreiwillig komischen Tanz von Friedrich Merz steckt Klaas: "Du musst ein bisschen menschlicher wirken. Ganz Deutschland denkt, du bist ein unsympathisches Arschloch."
youtube.com (7-Min-Video)

Hör-Tipp: Philipp Walulis über “nörgelnde Schreibtisch-Typen” und seinen Umgang mit Kritik.

Hör-Tipp: Beim "Typen, der am Schreibtisch sitzt und nörgelt", ist ein Peak erreicht, sagt Philipp Walulis im ersten von zwei Teilen des "HSS-Podcasts" Christian Jakubetz. Mit Blick auf humorige Formate konstatiert Walulis: "Egal, wo man hinschaut: Irgendwo sitzt jemand am Schreibtisch, regt sich auf und hat ein lustiges Bild neben sich." Weil das gut funktioniere, werde das von den deutschen Sendern "bis zum bitteren Ende" nachgemacht, statt was Neues zu probieren. Sein neues Format Wie schwer kann’s schon sein? gehe daher in eine andere Richtung. Walulis erklärt zudem, warum er konstruktive Kritik lieber hört, als Lobhudelei. Manchmal stolpere er über Dinge, die falsch beim Publikum angekommen sind.
open.spotify.com (17-Min-Audio)

Video-Tipp: Patricia Schlesinger sichert Arbeitsplätze von Investgativ-Journalisten, witzelt “extra3”.

Video-Tipp: Der Fall Patricia Schlesinger ist "der beste 'Tatort', den der RBB jemals produziert hat", witzelt Christian Ehring bei "Extra3". Wer als ARD-Vorsitzende sogar Sendungen wie "Sturm der Liebe" oder "In aller Freundschaft" anschauen müsse, brauche danach locker zwei Stunden die Massage-Sitze im Dienst­wagen – "allein damit sich die Nacken­haare wieder legen". Immerhin sichere Schlesinger Arbeits­plätze: "Durch ihre Amts­führung haben zur Zeit viele Investigativ-Journalisten eine Menge zu tun."
youtube.com (7-Min-Ausschnitt in 45-Min-Video)

Basta: Alexandra Popp kommt mit angeklebtem Bart zur Pressekonferenz.

Witz hat einen Bart: Nationalelf-Kapitänin Alexandra Popp erscheint mit einem angeklebten Schnäuzer zur Pressekonferenz und spielt damit auf einen Beitrag der Satire-Seite "Postillon" an, die zuvor getitelt hatte: "Flick nominiert Newcomer Alexander Papp für Nationalmannschaft." Bleibt zu hoffen, dass sich Popps maskulines Auftreten nicht aufs Finalspiel auswirkt – die Fußball-Männer hatten bei internationalen Turnieren ja zuletzt kein glückliches Händchen bewiesen.
welt.de, sportschau.de (2-Min-Clip), twitter.com

Video-Tipp: “Schloss Goldbach” nimmt Promis auf die Schippe.

Video-Tipp: In der neuen Parodie-Show "Schloss Goldbach – Promis viel zu nah" von Sat.1 begeben sich u.a. Dieter Bohlen (Foto), Markus Lanz, Karl Lauterbach und Verona Pooth in ein "Selbstoptiminierungsinstitut", um dort ihre Mitte zu finden. DWDL-Redakteur Alexander Krei beschreibt die Sketch-Comedy als eine Mischung aus Brisant und Switch reloaded.
sat1.de (frei nach Anmeldung, 42-Min-Video), dwdl.de (TV-Kritik)

Staatsanwaltschaft Wiesbaden stellt Ermittlungen zu Seehofer-Plakat ein.

Satire darf alles? Die Staatsanwaltschaft Wiesbaden hat im Juni 2022 ihr Ermittlungsverfahren gegen ein satirisches Plakat mit Horst Seehofer eingestellt, meldet Netzpolitik.org. Seehofer war darauf mit einer Augenklappe auf dem rechten Auge abgebildet. Es habe nicht genügend Anlass zur Erhebung einer Klage wegen u.a. "verfassungsfeindlicher Verunglimpfung" gegeben. Die Wiesbadener Polizei hatte zwischenzeitlich sogar nach DNA und Fingerabdrücken gesucht.
netzpolitik.org, turi2.de (Background)

Zitat: Wigald Boning versteht sich als “Service-Dienstleister” in Sachen Humor.

"Ich verstehe mich als Service-Dienstleister, weil ich Lachen ermögliche. Das ist in Zeiten der Klimakrise und des Ukraine-Kriegs wichtiger denn je."

Entertainer Wigald Boning sagt im "Zeit"-Interview, dass Eskapismus heute eine "wichtige Funktion" habe: Weil die Zeiten ernster geworden sind, sei "die psychohygienische Notwendigkeit von Humor viel größer als noch in den Neunzigern".
zeit.de (Paid)

Debatte: Ernste Comedyshows sind ein Fluch und Segen zugleich, findet Peer Schader.

Witz lass nach: "Der Lacheskapismus von früher ist passé", schreibt DWDL-Kolumnist Peer Schader und beobachtet einen "Wandel der deutschsprachigen TV-Comedy zum gesellschaftlichen Impulsgeber". Die Sendungen von Carolin Kebekus und Jan Böhmermann seien dafür positive Paradebeispiele. Ein Nachteil aber sei es, "Woche für Woche einen mühevoll dokumentierten Missstand kathartisch weglachen zu sollen – anstatt einfach ein halbes Stündchen sehr gut unterhalten zu werden".
dwdl.de

Zitat: Klaas witzelt über den Backstage-Bereich der “Harald Schmidt Show”.

"In den Katakomben hinten herrschte so ein bisschen die Neonlicht-Atmosphäre eines offenen Vollzugs."

Klaas Heufer-Umlauf beschreibt in der Wochenendbeilage von "Apokalypse & Filterkaffee" augenzwinkernd den Backstage-Bereich der legendären Harald Schmidt Show. Das "in schöner Regelmäßigkeit ausgestellte Desinteresse" an Jan Böhmermann sei "nicht der souveränste Akt", kommentiert indes Micky Beisenherz Interview-Aussagen von Schmidt.
open.spotify.com (60-Min-Podcast)

Zitat: Die “Heute-Show” will politisch aufklären.

"Überspitzt gesagt, weiß man von Politikern oft schon bei der Frage, was und wie sie darauf antworten. Um das aufzubrechen, nutzen wir das Stilmittel der Unterhaltsamkeit."

"Heute-Show"-Außenreporter Fabian Köster sagt im DWDL.de-Interview, wie Humor zur politischen Aufklärung beitragen kann. Er sei aber froh, dass es "im Gegensatz zu uns auch noch seriöse Journalisten gibt, die seriös informieren".
dwdl.de

Hör-Tipp: Katrin Bauerfeind und Sarah Kuttner über die Grenzen von Humor und des Sagbaren.

Hör-Tipp: Die beiden Moderatorinnen und Podcasterinnen Katrin Bauerfeind (Foto) und Sarah Kuttner beschäftigen sich bei "Hotel Matze" u.a. mit der Frage, wie es um den Humor in diesen Zeiten bestellt ist. Bauerfeind sagt, sie habe das Gefühl, Witze im Internet heutzutage häufiger erklären zu müssen. Kuttner findet, dass man "jedes Wort auf der Welt sagen sollen dürfte", allerdings "nicht um aktiv Leute zu verletzen". Es sei immer die Frage, in welchem Zusammenhang man die Wörter benutzen würde. Es werde allerdings zunehmend schwieriger, humoristisch "unbequeme Sachen" zu thematisieren.
open.spotify.com (176-Min-Audio)

Lese-Tipp: Satiriker beschimpft Wochenzeitung “Kontext” zum 11. Geburtstag.

Lese-Tipp: Zum 11. Geburtstag der Stuttgarter Wochenzeitung "Kontext" singt Satiriker Cornelius W. M. Oettle kein Loblied, sondern beschimpft das Blatt. "Solange ein solch stümper­haftes Blatt als ernsthafte journalistische Arbeit angesehen wird", müsse es um die restliche deutsche Presse­landschaft "äußerst schlecht bestellt sein". Die regelmäßige Lektüre nehmen einem "garantiert die Angst vor dem Zeitungs­sterben".
kontextwochenzeitung.de

Hör-Tipp: Micky Beisenherz über Satire in Zeiten von Krieg.

Hör-Tipp: "Man darf sich nicht über das Leid lustig machen, aber über den Umgang mit dem Krieg", sagt Micky Beisenherz im Gespräch mit Wolfgang Heim bei "SWR1 Leute". Auf Basis der "sehr schlechten Weltlage" würden "viele absurde Dinge" passieren, die "gefundenes Fressen" für Satirikerinnen seien – etwa, wenn der Grüne Anton Hofreiter "plötzlich alle Panzertypen wie das Kamasutra herunterrattert" oder wenn Gerhard Schröder Hausverbot in einer Kneipe auf Norderney bekommt. In der Komik dieser Absurditäten liege allerdings auch oft eine Tragik.
open.spotify.com (33-Min-Audio), swr.de (Video)

Lese-Tipp: Wie der Postillon seine Leserinnen zur Satire erziehen will.

Lese-Tipp: Was als Hobbyprojekt für Stefan Sichermann begann, ist inzwischen schon fast eine deutsche Redensart: Die Satirezeitung "Postillon" macht inzwischen ein ganzes Team und erzielt damit konstant hohe Reichweiten. Im Interview mit dem RND freut sich Gründer Sichermann diebisch über Leserinnen und Medien im In- und Ausland, die auf seine Satire hereingefallen sind, sieht aber auch einen Bildungsauftrag: Wer viel Satire konsumiere, werde "ein bisschen ruhiger und reflektierter" und empöre sich nicht mehr so schnell.
rnd.de

Hör-Tipp: Florian Schroeder kritisiert die “simplizistische Weltauffassung” von Satire-Shows.

Hör-Tipp: Die SR-2-Sendung "Medien – Cross und Quer" geht der Frage nach, inwiefern Satire und Journalismus ein "gutes Paar" sind. Kabarettist Florian Schroeder findet, dass beides grundsätzlich gut zusammenpasst. Er stört sich jedoch an der "simplizistischen Weltauffassung" mancher Satire-Sendungen, also die Einteilung der Welt in "Gut und Böse". Dass immer mehr Satire-Shows auch journalistisch arbeiten, habe u.a. damit zu tun, dass der klassische Journalismus nicht immer genug Raum für bestimmte Themen biete, weil der sich schon mit "so viel anderem beschäftigen muss".
sr.de (18-Min-Audio)

Lese-Tipp: Matthias Meisner analysiert, wie sich der Fall um Kabarettistin Lisa Fitz entwickelt hat.

Lese-Tipp: Die Reaktion des SWR auf die "Spätschicht"-Ausgabe mit Kabarettistin Lisa Fitz war "konfus und wirkte unbeholfen", schreibt Journalist Matthias Meisner. Die Debatte treffe den SWR an seiner Schwachstelle, dem Fakten-Check. Meißner kritisiert, die Redaktion hätte herausfinden können, auf welche Quelle sich Fitz bei ihrem Auftritt bezogen hat. Fitz hingegen pflege bei TV-Auftritten ihre Opferrolle.
journalist.de, turi2.de (Background)

Video-Tipp: Carolin Kebekus und Bastian Pastewka geben TV-Melodien einen Text.

Video-Tipp: Carolin Kebekus und Bastian Pastewka interpretieren in "Wer singt mir die Show?" die Titel-Melodien von TV-Klassikern neu – und verpassen ihnen bitter­böse Texte. Zur "Traumschiff"-Melodie erfährt das Publikum "Harald Schmidt gibt's da auch – wo ist der Eisberg, wenn man ihn brauch'", zum "TV Total”-Intro singt Kebekus "Das ist der gleiche Kram wie vor 20 Jahr'n".
youtube.com (5-Min-Video)

Zitat: Gabor Steingart ärgert sich über die Fäkalsprache von Jan Böhmermann.

"Falls es in der ZDF-Personalabteilung noch einen Anstands-Wauwau gibt, könnte er heute Morgen wenigstens kurz anschlagen."

Gabor Steingart ärgert sich über die fäkalsprachlichen Entgleisungen von Jan Böhmermann. Der ZDF-Satiriker hatte Putin u.a. "dummes, kurzsichtiges Arschlochtum" vorgeworfen, Elon Musk nennt er einen "reichen Wichser".
thepioneer.de (Paid)

Lese-Tipp: Tim Wolff verortet Satire zwischen Nonsens und Aufklärung.

Lese-Tipp: Die "Zeit" diskutiert mit Tim Wolff, ehemaliger Titanic-Chefredakteur und "Chefideologoe" von Jan Böhmermann, wie investigativer Journalismus und Satire zusammengehen. "Die Geschichte der Komik geht zwischen Dominanz von Nonsens und aufklärerischer Satire hin und her", sagt Wolff. Er verteidigt die These aus seinem neuen Buch, Deutschland sei ein "menschheitshistorischer Fehler", und spricht über typisch deutschen Humor.
zeit.de

Hör-Tipp: Till Reiners spricht bei “Mediasres” über Satire in Kriegszeiten.

Hör-Tipp: Satiriker Till Reiners erläutert im "Mediasres"-Interview, was sich Satire in Kriegszeiten erlauben darf. Vor allem gehe es nun darum, den "richtigen Ton" zu treffen, Fingerspitzengefühl zu beweisen und neue Perspektiven auf die Themen zu bieten. Gegen Putin zu sein, sei "Teil des gesunden Menschenverstandes", aber in Satire-Shows inzwischen ausgelutscht: "Dass Putin doof ist, wissen wir ja jetzt."
deutschlandfunk.de (8-Min-Audio)

Video-Tipp: Jan Böhmermann präsentiert einen öffentlich-rechtlichen Porno.

Video-Tipp: Jan Böhmermann knöpft sich von der heimischen Corona-Quarantäne heraus die Internet-Pornobranche vor, die zu wenig gegen Missbrauchsaufnahmen tut. Um zu zeigen, wie Pornografie "ethisch und moralisch korrekt gehen kann", produziert das "ZDF Magazin Royale" mit Paulita Pappel auf Gebührenkosten einen "queer-feministischen Hochglanzporno", bei dem niemand zu Schaden gekommen sei. Den ganzen Streifen dürfe man jedoch nicht zeigen und im Internet würde ihn "sicherlich niemand finden", zwinkert Böhmermann.
zdf.de (34-Min-Video, frei nur zwischen 22 und 6 Uhr)

Zahl des Tages: “Freizeit Magazin Royale” macht rund 55.000 Euro Gewinn.

Zahl des Tages: Unterm Strich 55.139,38 Euro Gewinn bleiben nach Abzug aller Kosten vom "Freizeit Magazin Royale" übrig, teilt Jan Böhmermann in einem Video mit. Detailliert macht er alle Einnahmen und Kosten der eigenen Parodie eines Klatsch­magazins transparent. Insgesamt habe sich das Heft für 99 Cent 130.061 Mal verkauft. Den Gewinn will die Redaktion an 15 medien­pädagogische Einrichtungen spenden.
youtube.com (14-Min-Video) via teleschau.de

Hör-Tipp: Auch Satiriker “müssen ihre Ängste verarbeiten”, sagt Tim Wolff.

Hör-Tipp: Unter den aktuellen Umständen ist es sehr schwer, "aus einer besonders ernsten Situation in etwas Komisches zu kommen", sagt Satiriker und Journalist Tim Wolff im Podcast Holger ruft an. Er würde deshalb aber nicht aufhören, Witze zu machen: "Dann produziert man eben noch mehr Ernst". Trotzdem könne nicht die gleiche "Lockerheit herrschen wie an anderen Tagen". Denn auch Komiker "müssen ihre Ängste und Sorgen verarbeiten".
uebermedien.de (18-Min-Audio)

Porträt: Humorist und Autor Peter Wittkamp.


Uneitel zum Erfolg: Peter Wittkamp schreibt Witze für die Online-Ausgabe der "heute-show", Werbesprüche für die BVG und neuerdings einen wöchentlichen Newsletter. Aline von Drateln porträtiert den Witze-Autor für die turi2 edition #17.

Mit dem karierten Sakko und dem dunklen Schnurrbart sieht er aus wie aus der Zeit gefallen. Kein ironischer Schnauzer, wie man ihn heute oft sieht in Berlin, wo er seit 15 Jahren lebt. Ironisch ist ohnehin nichts an Peter Wittkamp. Weder sein Name – der klingt wie ein Max Mustermann der BVG, mit deren Social-Media-Kampagne er sich vor sieben Jahren einen Sitzplatz in der deutschen Humorlandschaft anlachte – noch seine Witze: Ironie versteckt die Wahrheit. Wittkamp zeigt sie.

Zumindest seine eigene. Mit seinen rund 100.000 Followern auf Twitter und Instagram teilt er unter dem Namen @diktator sein Mittagessen, er nimmt sie mit auf den Kinderspielplatz, hadert öffentlich mit minderwertiger Technik oder zu viel Alkohol. Hier landen auch die Gags, die er woanders nicht unterbringen konnte. Hauptauftraggeber ist gerade heute-show.de. Dazu kommen Aufträge als Speaker, bei den er dafür bezahlt wird, dass er erklärt, wie man mit Spaß Geld verdienen kann. Und Firmen, die ihn bitten, öffentlich ihre Produkte zu testen. "Davon mache ich aber nur, was mir Spaß bringt", sagt er.

Wäre Peter Wittkamp eine junge Frau, würde man ihn Influencerin nennen. Er selbst nennt sich Autor. Ende 2019 erschien sein lustiges Buch über seine unlustigen Neurosen. Wie etwa permanentes Händewaschen. Kurz danach kam die Pandemie und die ganze Welt musste es ihm nachmachen.

Was ihn antreibt? "Ich brauche ein Ventil für meine Kreativität", erklärt der 41-Jährige seine Umtriebigkeit, die sich nicht in einen 9-to-5-Job pressen lässt. "Und, klar, Bestätigung." Da ist sie wieder. Die Wahrheit. Es ist auch Verletzbarkeit, die einen Spaßvogel vom professionellen Hofnarren unterscheidet. Diese Uneitelkeit hat ihn groß werden lassen, auf dem virtuellen Jahrmarkt der Eitelkeiten. Er glaubt an Vernetzung im Netz, die analoge Erfolgsgeschichten schreiben kann: "Wer wirklich gute Ideen hat, sollte sie sozial media nutzen. Langfristiger, guter Content wird früher oder später entdeckt."

In letzter Zeit wurden seine Inhalte politischer. Über Impfgegner macht er sich nicht mehr nur lustig. Geht Humor heute überhaupt noch ohne Politik? "Bei der heute-show natürlich nicht. Bei mir persönlich kam das mit dem Alter. Um Witze über Politik zu machen, braucht man ja eine Haltung. Die hat ein Zwanzigjähriger oft noch nicht." Es ist seine Zeit. Im März startete er ein neues Projekt. In seinem Newsletter "Wittkamps Woche" ordnet er mit seinem feinem Witz das Weltgeschehen ein. Führung durch die Flut von beunruhigenden Nachrichten brauchen gerade viele.
Er ist wieder da: Zur richtigen Zeit am richtigen Ort.

3 Tipps für Humoreinsteiger von Peter Wittkamp:
1. Werdet sichtbar
2. Üben! Humor ist Handwerk
3. Vernetzt Euch

Peter Wittkamp
Geb. 1981 in Siegburg
1995: erste Depression
2001: Studium Soziologie in Bamberg
2007: Marktforscher, Universal
2011: Konzepter, Digitalagentur TLGG
2015: Gagschreiber, u.a. für "heute-show", BVG-Kampagne #weilwirdichlieben


Dieser Beitrag ist Teil der turi2 edition #17 Jobs – lesen Sie alle Geschichten hier im E-Paper:

Peter Wittkamp startet den Newsletter “Wittkamps Woche”.

Post von Peter: Peter Wittkamp startet den Newsletter Wittkamps Woche. Mindesten drei Mal pro Monat will er in dem Format über gesellschaftliche, politische oder persönliche Themen schreiben. Im Erstling erklärt er seinen Abgang als "Tagesspiegel"-Kolumnist: Die Redaktion habe seine "Witze über den 'Tagesspiegel'" fast immer "rausgestrichen". Und er spekuliert, was geschehen würde, wenn Italien sein "Römisches Reich" zurückbeanspruchen würde. Pro Monat sind zwei Ausgaben kostenfrei, die dritte gibt es für zahlende Abonnentinnen via Steady für 4 Euro pro Monat.
turi2 – eigene Infos, steadyhq.com

“Diversity-Training bei Springer ist der Horror-Job der Woche.” – Peter Wittkamp über Springer, Twitter und Witze mit Haltung.


Nicht käuflich: "Ich habe nicht das Gefühl, dass ich der Öffentlichkeit am Tag drei Scherze schuldig bin", sagt Autor und Gag-Schreiber Peter Wittkamp im turi2 Clubraum. Der Hauptautor der Online-Ausgabe der "heute show" erzählt im Live-Podcast mit Aline von Drateln und Markus Trantow: "Bei Twitter und Instagram mache ich nur Sachen, die mir Spaß machen, wo ich auch Lust zu habe." Zwar empfehle er bei Instagram auch Produkte, die ihm gefallen, manchmal bekomme er auch Geld dafür, räumt aber ein: "Auf dieses dauerhafte Werben hätte ich keine Lust." Selbst für viel Geld käme er sich als Werber z.B. für Joghurt "total dämlich vor".

Stattdessen nutzt Wittkamp seine Reichweite, um Haltung zu zeigen und sich etwa fürs Impfen auszusprechen: "Ich versuche, nicht zu krass zu sein und den Leuten die ganze Zeit meine Meinung aufzuzwingen." Bei Sachen, die ihm wichtig sind, mache er das aber gerne. Dabei erlebt er auch, dass nicht alle Menschen seine gewitzten, teils übertriebenen Botschaften "mit größter Dankbarkeit entgegennehmen". Manchmal erhalte er "auch Nachrichten, wo man ein Ego haben muss, das das auch abkönnen muss".

Die Runde diskutiert auch die Themen der Woche, u.a. die jüngste Entwicklung der Causa Reichelt bei Springer. Trantow stellt die These auf, Mathias Döpfner sollte als Springer-Boss deshalb im Amt bleiben, weil "noch nie irgendwas gutes" daraus geworden sei, "wenn sich reiche Männer mit großem Ego und Sendungs­bewusstsein gecancelt fühlen und in der Schmoll­ecke sitzen". Wittkamp widerspricht: "Döpfner ist zu sehr in feinen Kreisen unterwegs, dass er sich es leisten kann, ein Tichy 2.0 zu werden." Das angekündigte "Diversity und Inklusions-Training" für alle Führungskräfte bei Springer hält Wittkamp für den "Horror-Job der Woche".

Auch mit der These von Aline von Drateln kann sich Wittkamp nur bedingt anfreunden: Sie fordert anlässlich der Diskussion um #diesejungedame, Twitter sollte die Likes wieder abschaffen, damit der Tweet im Vordergrund steht und nicht die Clique rund um die Verfasserin. Ohne Likes verliere Twitter jedoch "ein bisschen die Spannung", meint Wittkamp. "Man schaut ja viele Sachen besonders dann gerne, wenn es schlimm wird: Stichwort 'Bachelor"." Der Twitter-Stream ist für ihn der "'Bachelor' für Intellektuelle".

In zwei Wochen startet Peter Wittkamp bei Steady einen Newsletter mit dem Arbeitstitel "Wittkamps Woche". Geplant ist eine Kolumne im Newsletter-Format, mit drei Ausgaben im Monat, von denen zwei kostenlos sind. Die Dritte bekommt, wer ihn mit rund 5 Euro im Monat unterstützt. Das Medium Newsletter findet er "als Format schon immer total unterschätzt", weil es in Zeiten von Algorithmen eine "wahnsinnig zuverlässige Quelle ist, um Leute zu erreichen". Wittkamp findet es total wichtig, "seine eigene Bubble ein bisschen zu sprengen", indem er z.B. mal eine Zeitung anliest, die er sonst nicht liest.

Im turi2 Clubraum diskutieren im Wechsel Tess Kadiri und Aline von Drateln jeden Freitag um 12 Uhr mit einem prominenten Gast und einem Mitglied der turi2-Redaktion die Themen der Woche und sprechen über Leben und Werk des Gastes. Am kommenden Freitag ist Social-Audio-Pionier Holger Kahnt zu Gast, Managing Director der Camao AG.
turi2.tv (45-Min-Podcast bei YouTube), turi2clubraum.podigee.io (Audio-Podcast) apple.com, spotify.com, deezer.com, audionow.de

Jan Böhmermann scheitert vor dem Verfassungsgericht.

Schmäh-Gericht: Das Bundesverfassungsgericht weist eine Verfassungsbeschwerde von ZDF-Moderator Jan Böhmermann ab. Der Satiriker hatte sie 2019 eingelegt, um sich gegen zwei frühere Urteile zu wehren. Sie hatten weite Teile seiner “Schmähkritik” über den türkischen Präsidenten Erdogan verboten und eine Wiederholung unter Strafe gestellt. Das Gedicht hatte dem Politiker u.a. Pädophilie und Sex mit Tieren unterstellt. Das Verfassungsgericht begründet seine Ablehnung damit, dass Böhmermanns Einspruch keine Aussicht auf Erfolg habe.

Im März 2016 hat Böhmermann das Gedicht “Schmähkritik” über Erdogan in seiner Sendung “Neo Magazin Royale” vorgetragen. Erdogan wollte erreichen, dass das Schmähgedicht komplett verboten wird. Die “Schmähkritik” löste diplomatische Schwierigkeiten zwischen Deutschland und der Türkei aus sowie eine Debatte über die Grenzen von Satire.
stern.de, newsroom.de, turi2.de (Background)

Rassismusvorwürfe gegen TV-Total.

TV too much: Moderator Sebastian Pufpaff steigt mit den olympischen Spielen in die gestrige "TV total"-Sendung ein und zieht vor allem auf Twitter Unmut auf sich. Viele User werfen ihm anti-asiatischen Rassismus vor, nachdem er die chinesische Hymne ankündet, aber "Drei Chinesen mit dem Kontrabass" zusammen mit dem Publikum singt. Besonders kritisiert wird die fehlende historische Einordnung des Lieds.
watson.de, t-online.de

Till Reiners folgt auf Sebastian Pufpaff bei der 3sat-Satireshow “Happy Hour”.

Nachfolger gefunden: Comedian Till Reiners übernimmt von Sebastian Pufpaff die Moderation der Satire-Show Happy Hour bei 3sat, meldet DWDL. Die erste Ausgabe mit ihm läuft am 20. März. Reiners könne "Kabarett, Comedy, Relevanz und Pointendichte und hat dazu diese Gastgeberwärme", schwärmt 3sat-Chefin Natalie Müller-Elmau. Pufpaff war im November kurzfristig zu ProSieben als neuer "TV-total"-Host gewechselt.
dwdl.de

Serien-Tipp: ARD startet Serie über die “Macht der Satire”.

Serien-Tipp: In der dreiteiligen Serie "Radikal komisch – Die Macht der Satire" sprechen unter anderem die Comedians Sarah Bosetti, Serdar Somuncu und Florian Schröder in jeweils 30 Minuten über die Auswirkungen, die Satire auf die reale Welt hat. Dabei geht es auch um Hass-Kommentare, die Bosetti etwa "in Schwällen" erlebt. Die Serie ist in der ARD Mediathek abrufbar und läuft am 3., 10. und 17. Februar um 23.45 Uhr im hr-Fernsehen.
ardmediathek.de (3 Folgen à 30 Minuten)

“7 Tage, 7 Köpfe”-Comeback startet u.a. mit Larissa Rieß, Torsten Sträter und Chris Tall.

RTL besetzt die Neuauflage von 7 Tage, 7 Köpfe mit einem wechselnden Panel aus alten Comedy-Haudegen und jungen Talenten. Zur Premiere am Donnerstag begrüßt Gastgeber Guido Cantz zum Pointen-Feuerwerk Larissa Rieß (Foto), Torsten Sträter und Chris Tall sowie Kaya Yanar, Mirja Boes und Bernd Stelter. Letzterer gehörte schon bei der Ur-Version der Show mit Jochen Busse zum Stamm-Ensemble.
presseportal.de, dwdl.de, turi2.de (Background)

Debatte: Wer Böhmermann missversteht, will ihn missverstehen, schreibt Miriam Keilbach.

Sündenbock: Jan Böhmermann entlarvt eine Corona-Politik, "die auch nach zwei Jahren noch keine möglichen Lösungen hat", schreibt RND-Autorin Miriam Keilbach. Das mache er mit Worten, die "nicht zu missverstehen sind – außer, man will sie miss­verstehen". Der Satiriker war in die Kritik geraten, weil er im "ZDF Magazin Royal" unter anderem Kinder als "Wirtstiere" wie einst Ratten in der Pest bezeichnet hatte.
rnd.de

Video-Tipp: Virologin Melanie Brinkmann informiert im “ZDF Magazin Royale” übers Impfen.

Video-Tipp: Die Virologin Melanie Brinkmann klärt im "ZDF Magazin Royale" von Jan Böhmermann in der "Masterclass Royale Immunsystem" über das Impfen auf. Ein skeptischer Studio-Zuschauer, der offensichtlich Dieter Nuhr nachempfunden ist, gibt dazwischen jedoch ständig zynische Kommentare ab. Brinkmanns Fazit: "Wer sein Immunsystem trainieren will, benötigt Impfstoffe." Das sei doch "viel zu logisch, um wahr zu sein", stänkert der Nuhr-Lookalike, ehe Böhmermann den Zuschauer aus dem Studio raustragen lässt: "Manche Menschen kann man mit Argumenten einfach nicht mehr erreichen."
zdf.de (34-Min-Video, ab 05:13)

turi2 edition #16: Carolin Kebekus über Glaube und Gleichberechtigung.


Schluss mit lustig: Carolin Kebekus ist Feministin, Katholikin und eine der erfolgreichsten deutschen Komikerinnen. Im Interview mit turi2 Vize-Chefredakteurin Elisabeth Neuhaus für die turi2 edition #16 spricht sie über alte weiße Menschen, Gott und den Wert von Witzen in schweren Zeiten. Und sie sagt, wann bei ihr Schluss mit lustig ist: “Wenn Provokation keinen Sinn mehr erkennen lässt und nach unten tritt.” Weiterlesen >>>

Dieser Beitrag ist Teil der turi2 edition #16 über Nachhaltigkeit. Hier geht’s zum kostenlosen E-Paper.

Polizei durchsucht Zentrum für Politische Schönheit nach Aktion gegen die AfD.

Kein Spaß: Die Polizei hat eine Wohnung und ein Atelier der Satire- und Politikinitiative Zentrum für politische Schönheit durchsucht. Die Aktivistinnen hatten sich im Wahlkampf als Verteilservice ausgegeben und waren so an Millionen Flyer der AfD gelangt, die sie anschließend zerstört haben. Nun hat die Polizei mehrere Datenträger beschlagnahmt - für die Initiative ein "schwarzer Tag für die Kunstfreiheit".
spiegel.de, turi2.de (Background)

Florian Schroeder übernimmt den radioeins-Morgenpodcast “Wach & wichtig”.

Wach sein ohne Filterkaffee: Kabarettist Florian Schroeder ist seit Montag Moderator des radioeins-Podcasts Wach & wichtig, durch den zuletzt wechselnde Hosts geführt hatten. "Scharf und pointiert" werde Schroeder montags bis freitags ab 7 Uhr "alles Relevante aus Politik, Kultur und Gesellschaft" kommentieren. Pro Folge ist zudem ein prominenter Gast im Talk. Hörerinnen können sich auf ein "Hart aber fair am Morgen" einstellen, witzelt Schroeder.
radioeins.de, open.spotify.com (erste Folge mit Christian Sievers, 21-Min-Audio)

Debatte: Jürgen von der Lippe will sich nicht zum Gendern zwingen lassen.

Gender-Gegner: Comedian Jürgen von der Lippe will sich nicht aufzwingen lassen, "so zu reden wie eine kleine Gruppe von Menschen, die glauben, den Stein der Weisen zur Verbesserung der Gesellschaft gefunden zu haben", sagt er dem "Spiegel". Dass Annalena Baerbock bei Anne Will "vor lauter Gendern" sogar von "Steuer:innenzahlern" gesprochen habe, sei "bis heute ein verlässlicher Lacher" in seinem Bühnenprogramm: "Die Leute sind es leid."
spiegel.de (Paid)

Video-Tipp: Christian Drosten zeigt sich als Satiriker.

Video-Tipp: In einem satirischen Interview für die ZDF-Comedysendung Bosetti will reden übt sich Christian Drosten in Selbstironie. Corona habe sich der Virologe ausgedacht, um endlich einen erfolgreichen Podcast zu haben. Die Moderatorin Sarah Bosetti scheint ihn trotzdem nicht zu kennen: "Waren Sie nicht mal bei der "Bild"?". Der Clip ist Teil eines fiktiven Jahresrückblicks auf ein Ende der Pandemie in 2022.
spiegel.de, twitter.com (48-Sek-Video), youtube.de (11-Min-Video)

Video-Tipp: Dittrich-Kunstfigur Sandro Zahlemann gibt sich als Merkel aus.

Video-Tipp: In der ARD-Mockumentary "Ich war Angela Merkel – Das Zahlemann-Protokoll" erhält "Reporter-Legende" Sandro Zahlemann, gespielt von Olli Dittrich, durch Zufall Zugriff auf die SMSen der ehemaligen Bundeskanzlerin. Das nutzt er zu seinem persönlichen Vorteil aus und nimmt so "auf seine ganz eigene Art Einfluss auf das politische Geschehen". Gastauftritte in Dittrichs mittlerweile zwölften Folge seines TV-Zyklus haben u.a. Caren Miosga, Robin Alexander und Tom Buhrow.
ardmediathek.de (29-Min-Video), daserste.de

Debatte: Lisa Fitz verteidigt ihren SWR-Auftritt bei Facebook.

Nach Schwurbel-Auftritt: Kabarettistin Lisa Fitz beteuert bei Facebook, keine Impfgegnerin oder Verschwörungstheoretikerin zu sein. Sie bedauere, die vermeintlich 5.000 EU-weiten Impftoten nicht als Verdachtsfälle benannt zu haben. Niemand könne jedoch sagen, wie viele Menschen tatsächlich an den Folgen einer Impfung verstorben seien: "Es kann falsch sein, es kann richtig sein, es könnten weniger oder sogar noch mehr sein." Sie sei "sehr erzürnt" von der "Unerbittlichkeit" von Teilen der Presse, mit der versucht werde, Menschen wie sie zu vernichten. Das Ziel sei eine "Skandalisierung, die eine echte Debatte und Auseinandersetzung über die eigentlichen Themen verunmöglicht".
facebook.com via tagesspiegel.de, turi2.de (Background)

SWR rechtfertigt sich für “heiklen” Schwurbel-Auftritt von Lisa Fitz.


Satire-Schwurblerin: Der SWR muss sich für einen Auftritt von Kabarettistin Lisa Fitz erklären. In dem "Spätschicht"-Beitrag "Lisa Fitz vs. Jens Spahn", der bereits seit vergangener Woche in der Mediathek zum Abruf steht, bezeichnet die Komikerin die Omikron-Variante als "Panikmache" und spricht u.a. von EU-weit 5.000 Impf-Toten. Recherchen der "taz" belegen nun, dass dies eine Falschinformation ist. Fitz habe die Zahl einem Entschließungsantrag der rechtsextremen französischen EU-Politikerin Virginie Joron von September entnommen. Joron wiederum bezieht sich auf eine Website, auf der Privatleute angebliche Impf-Folgen melden – in Eigenregie, ohne wissenschaftliche Prüfung. Konkrete Zahlen, die einen Tod durch die Impfung belegen, gebe es laut "taz" gar nicht. Auch der SWR stellt klar, dass "die in diesem Antrag benannten Zahlen der Impftoten aller Wahrscheinlichkeit nach nicht belastbar" seien.

Der SWR gibt gegenüber der "taz" zu, dass der Text von Fitz "zugegebenermaßen insbesondere in seiner Wirkung schwierig" gewesen sei. Der Sender habe den "heiklen Beitrag" aber im Hinblick auf einen "möglichen und erwartbaren Vorwurf der Zensur" nicht ablehnen wollen. Man habe sich "bewusst dazu entschieden, diesen Text zu senden, um die Pluralität der vorkommenden Meinungen in der 'Spätschicht' zu beweisen". Moderator Florian Schroeder gab in seiner Moderation zu Protokoll, die Meinung von Lisa Fitz "persönlich absolut nicht" zu teilen, trotzdem dürfe sie stattfinden: "Den Öffentlich-Rechtlichen wird ja häufig vorgeworfen: alles eins, immer die gleichen Meinungen, keine Vielfalt, immer seid ihr euch einig." In der Spätschicht zähle Meinungsvielfalt.

In dem rund siebenminütigen Beitrag nennt Fitz die Impfpflicht einen "feuchten Traum" der Pharma-Konzerne, die alle "Ganoven" seien. Zudem gebe es in Deutschland "ein Prozent Panikmacher, die 99 Prozent Lemminge steuern". Zuletzt habe es "Fehler, Fehlaussagen, Wortbrüche, Mistmanagement bei der Impfstoffbestellung und Regelwirrwarr" gegeben. Auf Ungeimpfte werde "eingeprügelt" und "zum Halali auf den Sündenbock" geblasen.

In einer früheren Version dieses Textes hatten wir fälschlicherweise berichtet, dass der Beitrag am Freitag im Fernsehen ausgestrahlt wurde. Wir bitten diesen Fehler zu entschuldigen.
taz.de, rnd.de, ardmediathek.de (7-Min-Clip)


Zitat: Christian Schertz über Böhmermanns Satirefigur “Schertz-Anwalt Dr. Witz”.

"Ich habe kurz überlegt, wie ich das finde, und kam zu dem Ergebnis, dass man eigentlich nicht mehr erreichen kann als Jurist, als eine Satirefigur im ZDF-­Abendprogramm zu werden. Da muss man zumindest irgendwelche Spuren hinterlassen haben."

Medienanwalt Christian Schertz spricht im "stern"-Interview über die von Jan Böhmermann erschaffene Kunstfigur Schertz-Anwalt Dr. Witz.
"stern" 51/2021, S. 104 (Paid)

Zitat: Florian Schroeder ist kein Freund von Moralismus.

"Dieser unsägliche Moralismus, der immer glaubt, recht zu haben, aber im Kern letztlich nur die Religion der Narzissten ist. Ich bin der Auffassung: Wir müssen die Moral überwinden, um wieder Menschen zu werden."

Moral führe immer in die Barbarei und sei radikal abzulehnen, sagt Satiriker Florian Schroeder im Interview mit "taz Futurzwei". Ethik sei für ihn eine "aufgeklärte Form von Moralität".
"taz Futurzwei" Nr. 19, S. 30 (Paid)

Video-Tipp: Jan Böhmermann fordert musikalisch die Zerschlagung von Facebook.

Video-Tipp: Jan Böhmermann befasst sich im letzten "ZDF Magazin Royale" vor der Winterpause mit Facebook, der "blauen Hölle des Internets" – und wiederholt seine schon in der Vergangenheit geäußerte Forderung, das soziale Netzwerk zu enteignen. "Socialize the Social Network, for the sake of all", singt ein Gospel-Chor um Böhmermann. Passend dazu hat die Redaktion eine Website eingerichtet, auf der u.a. ein ungeschnittenes Interview mit Whistleblowerin Frances Haugen verlinkt ist.
youtube.com (3-Min-Clip), zdf.de (36-Min-Video, ganze Sendung), enteignetfacebook.global

Lese-Tipp: Hanna Herbst ist die Frau hinter “ZDF Magazin Royale”.

Lese-Tipp: Journalistin Hanna Herbst bringt "richtig viel journalistische Recherche" in die Satire-Show "ZDF Magazin Royale", schreibt Timo Niemeier bei DWDL. Die Rekord-Quoten seien vor allem ihr zu verdanken. Herbst leitet die Redaktion der Sendung mit Moderator Jan Böhmermann und bringt zunehmend Themen wie Wirecard, Frontex und die Querdenken-Bewegung ein.
dwdl.de