Zitat: Joschka Fischer sieht die Krise als Beginn einer Transformation.

"Die Corona-Krise setzt einen Endpunkt für jene Zeit einer naiven menschlichen Fortschrittsidee, die glaubte, die unbeabsichtigten Folgen des Wachstums der Menschheit und ihrer Industrie­gesellschaften gegen alle wissen­schaftlichen Fakten und Mahnungen weiter verdrängen zu können."

Der frühere Bundesaußenminister Joschka Fischer sieht die Krise als Beginn einer "großen Transformation", bei der die Menschheit Verantwortung für ihr Handeln übernimmt, schreibt er im "Handelsblatt". Von Europa erwartet Fischer den Mut, dabei eine Führungsrolle einzunehmen.
"Handelsblatt", S. 64 (Paid)

TikTok startet europaweiten Fonds und will Influencer*innen mit 60 Mio Euro fördern.


Es regnet chinesisches Geld: TikTok unterstützt über einen Kreativitäts-Fonds Inhalte-Ersteller*innen in Europa mit 60 Mio Euro. Nähere Details zur Bewerbung will die Plattform in den nächsten Wochen bekanntgegeben. Deutschland ist einer der Kernmärkte von TikTok, der Fonds richtet sich aber auch an Influencer*innen in Frankreich, Italien, Großbritannien und Spanien. Er soll innerhalb von drei Jahren auf insgesamt rund 255 Mio Eurowachsen.

TikTok hat kürzlich angekündigt, seine Algorithmen, Datenströme und Moderationsregeln in einem "Transparency and Accountability Center" offenzulegen, um zu beweisen, dass es seiner Verantwortung nachkomme und sich an das jeweils geltende Recht halte. Wer genau in diesem Center Einblicke erhalten wird, ist aber nicht klar. CEO Kevin Mayer forderte Unternehmen wie Facebook auf, es TikTok gleichzutun.
horizont.net, presseportal.de, t3n.de (Algorithmus), turi2.de (US-Fonds)

Meinung: Netflix bringt Liberalismus in autoritäre Staaten.

Netflix bringt "neben dem Kapitalismus auch ein bisschen Liberalismus mit sich", schreibt Alice Bota. Die Moskau-Korrespondentin der "Zeit" beobachtet, dass Streamingdienste in autoritären Staten Tabu-Themen wie Homosexualität, Rassismus und Menschenrechte ins Bewusstsein junger Menschen bringen. Verbote seien nutzlos und könnten leicht umgangen werden.
"Zeit" 32/2020, S. 1 (Paid)

Video-Tipp: Wie Kochvideos in die rechte Blase führen können.

Video-Tipp: Vermeintlich harmlose Kochvideos oder Styling-Tutorials mit unterschwellig politischen Botschaften können der Einstieg in die rechte Internet-Blase sein. Die Puls Reportage vom BR testet, wie der YouTube-Algorithmus den Zuschauer*innen immer wieder Videos der gleichen Akteure vorschlägt, ohne eine Gegenposition anzubieten, aber manchmal auch überraschend ausschlägt.
youtube.com (21-Min-Video)

Zahl des Tages: Ägyptisches Gericht verurteilt erneut eine Influencerin zu Haft.

Zahl des Tages: Bereits die 6. Influencerin innerhalb einer Woche hat ein ägyptisches Gericht zu einer Freiheitsstrafe verurteilt. Die Fashion-Bloggerin Manar Samy muss wegen angeblicher "Anstiftung zur Ausschweifung und Unmoral" drei Jahre in Haft und zusätzlich eine Geldstrafe von umgerechnet knapp 16.000 Euro zahlen. Erst am Montag waren fünf andere ägyptische Influencerinnen zu zwei Jahren Haft verurteilt worden.
spiegel.de

Google, Apple, Facebook und Amazon reden sich vor dem US-Kongress klein.


Strategische Bescheidenheit: Die Chefs von Google, Apple, Facebook und Amazon haben sich bei einer Anhörung vor dem US-Kongress am Mittwochabend große Mühe gegeben, ihre Marktdominanz kleinzureden. Der Vorsitzende des Kongress-Ausschusses, der Demokrat David Cicilline, wirft den Konzernen vor, "zu viel Macht" zu haben. Die vier Tech-Bosse, die alle per Video zugeschaltet sind, nennt er die "Kaiser der Online-Wirtschaft". Die sehen sich schon in ihren Eingangs-Statements gar nicht in kaiserlicher Rolle: Google-Chef Sundar Pichai etwa argumentiert, "Googles fortgesetzter Erfolg ist nicht garantiert". Apple-Chef Tim Cook spricht von einem "Straßenkampf um Marktanteile", in dem sich sein Konzern befinde. Facebook-Gründer Mark Zuckerberg lässt die Abgeordneten wissen, dass Facebook in vielen Bereichen hinter seinen Konkurrenten liege: "Die größte Messaging-App ist iMessage, die am schnellsten wachsende Plattform ist TikTok", sagte Zuckerberg. Und auch Amazon-Boss Jeff Bezos sieht sich als Winzling – gemessen am globalen Einzelhandelsmarkt, an dem Amazon weniger als 1 % ausmache.

Zuckerberg appelliert, seinen Konzern nicht allein aufgrund seiner Größe zu beurteilen: "So wie ich unsere Gesetze verstehe, sind Unternehmen nicht schlecht, nur weil sie groß sind." Alle vier verbreiten Patriotismus: "Die Tech-Industrie ist eine amerikanische Erfolgsgeschichte", sagt Zuckerberg. Bezos lässt wissen, es sei kein Zufall, dass Amazon hier entstanden sei, "diese großartige Nation" unterstütze risikofreudige Unternehmer. Gleich zu Beginn der Anhörung meldet sich per Twitter US-Präsident Donald Trump zu Wort: Wenn der Kongress die Tech-Konzerne nicht zur "Gerechtigkeit" zwinge, werde er dies mit Regierungsdekreten tun, so Trump. (Foto: Mandel Ngan/Pool AP / Picture Alliance)
faz.net, spiegel.de, sueddeutsche.de, handelsblatt.com (Paid), edition.cnn.com, theguardian.com

Instagram markiert Vorschwörungs-Post von Sängerin Madonna.

Instagram hat einen Post von Sängerin Madonna zensiert und als Falschinformation markiert. Sie hatte ein Video der verschwörungsnahen Kinderärztin Dr. Stella Immanuel verbreitet und dazu geschrieben, ein Corona-Impfstoff sei bereits gefunden, jedoch sollten Menschen weiter "von Angst kontrolliert werden". Inzwischen hat Madonna das Video gelöscht.
theguardian.com via faz.net

Twitter weitet seine Hatespeech-Regeln auf verlinkte Inhalte aus.


Ausgezwitschert: Twitter weitet seine Hatespeech-Regeln ab 30. Juli auch auf verlinkte Inhalte aus. Links, die zu gewaltverherrlichenden oder Hass propagierenden Inhalten führen, werden blockiert; Accounts, die entsprechende Links teilen, können ebenfalls gesperrt werden. Auch Themen wie Extremismus, Kindesmissbrauch sowie der Verkauf illegaler Produkte stehen auf dem Index. Zudem wird das Teilen von Links zu unfreiwillig veröffentlichten Privat-Informationen unterbunden.

Die neuen Regeln schließen auch Spam- und Phishing-Links ein, die Nutzer*innen gezielt täuschen wollen. Je nach Schwere des Verstoßes will Twitter die Links entweder mit einem Warnhinweis versehen oder ganz verhindern, dass sie geteilt werden können.
help.twitter.com, t3n.de

Bild des Tages: Pilgern mit Distanz.


Mini-Hadsch: Nur wenige hundert Muslime umrunden die Kaaba im saudi-arabischen Mekka - aufgrund von Corona mit angemessenem Sicherheitsabstand zueinander. Die traditionelle Pilgerfahrt Hadsch, an der normalerweise Millionen Gläubige teilnehmen, ist in diesem Jahr auf 1.000 Besucher*innen limitiert. Ausgewählt wurden von der saudischen Regierung vor allem Menschen, die im Gesundheitssystem arbeiten oder eine Corona-Infektion überstanden haben. (Foto: AP / Picture Alliance)

Krankenkassen zahlen Corona-Tests für Reise-Rückkehrer.

Gratis-Test: Die Krankenkassen zahlen die geplanten Corona-Tests für Reise-Rückkehrer nach Deutschland, die entsprechende Verordnung tritt noch diese Woche in Kraft. Die Tests sind freiwillig, Gesundheitsminister Jens Spahn will allerdings eine Testpflicht für Rückkehrer aus Risikogebieten mit hohen Fallzahlen anordnen. Diese soll in der kommenden Woche beschlossen werden.
bild.de

Studie: Deutsche reisen verstärkt im Inland, besonders gern an die Küsten.

McKinsey analysiert das Reiseverhalten der Deutschen nach dem Corona-Lockdown und stellt dabei u.a. einen Run auf heimische Küstenregionen fest. Wer nicht im Inland urlauben will, vertraue besonders direkten Nachbarländern wie Österreich oder Holland. Auch die Nachfrage nach Ferienwohnungen und -häusern sei enorm gestiegen - ein Trend, der auch nach der Wiedereröffnung der Hotels nur langsam abflacht.
mckinsey.com

Hör-Tipp: Janina Kugel spricht im “Die Boss”-Podcast über Rassismus.

Hör-Tipp: Ex-Siemens-Personalchefin Janina Kugel spricht im "Die Boss"-Podcast über ihre Erfahrungen mit Rassismus. Sie berichtet, dass sie als Kind noch mit dem N-Wort bezeichnet wurde und heute "sehr häufig" vom Zoll am Flughafen angehalten werde. Die Frage "Wo kommen Sie denn her?", wenn eine Person nicht den deutschen Stereotypen von "vor 100 Jahren" entspreche, wertet Kugel als Diskriminierung.
audionow.de (45-Min-Podcast), stern.de, turi2.de (Background Podcast)

Lese-Tipp: Die Gesellschaft könnte davon profitieren, die Wirtschaft nicht wieder hochzufahren.

Lese-Tipp: Statt nach der Corona-Krise wieder Wirtschaftswachstum zu forcieren, könnte es ratsam sein, künftig auf weniger Produktion und Arbeit zu setzen, schreibt Shayla Love. Sie stellt das Konzept der Degrowth-Bewegung vor: Der Verzicht auf für die Gesellschaft unnötige Produkte und Jobs könnte Ressourcen sparen und den Klimawandel stoppen. Ein solcher kontrollierter Rückgang der Wirtschaft setze aber ein neues Sozialsystem mit reduzierter Arbeitszeit voraus, das von Wachstumszielen abgekoppelt ist.
vice.com

New York muss Uber- und Lyft-Fahrer*innen Arbeitslosengeld zahlen.

Zahltag: Ein US-Bundesgericht entscheidet, dass der Staat New York Uber- und Lyft-Fahrer*innen zeitnah Arbeitslosengeld zahlen muss. Die Betroffenen, die wegen der Corona-Krise ihren Job zumindest zeitweise verloren haben, hatten geklagt, weil New York bislang nicht über ihre Anträge entschieden hat. Der Staat argumentiert, die Unternehmen hätten die nötigen Gehaltsabrechnungen nicht eingereicht. Das Gericht hat nun entschieden, die Verantwortung, die entsprechenden Daten einzuholen, liege bei den Behörden.
businessinsider.com

Twitter geht weiter auf Konfrontationskurs mit Donald Trump.


Vogel-frei: Die Liebe zwischen Donald Trump und Twitter scheint endgültig zerbrochen. Der Kurznachrichtendienst löscht am Dienstag mehrere Tweets des US-Präsidenten mit Videos, in denen eine vermeintliche Ärztin für den Einsatz von Hydroxychloroquin gegen Corona wirbt und das Tragen von Masken als wirkungslos bezeichnet. Twitter erklärt dazu, die Tweets verstießen gegen die Richtlinien des Kurznachrichtendienstes "zu Falschinformationen zu Covid-19". Noch härter geht Twitter gegen den ältesten Sohn des US-Präsidenten vor, Donald Trump Jr. Weil er die entsprechenden Videos nicht nur geteilt, sondern auf seinen Account hochgeladen hat, schränkt Twitter die Funktionen des Accounts für zwölf Stunden ein. In der Zeit kann Trump Jr. nichts posten oder teilen. Als eine CNN-Reporterin Präsident Trump bei dessen Pressebriefing zu den Tweets befragt, beendet Trump die Pressekonferenz.

Er wettert derweil – natürlich auf Twitter – gegen die Trend-Funktion bei Twitter und schreibt: "Es ist so ekelhaft, Twitters sogenanntes 'Trending' zu sehen, wo so viele Trends über mich laufen, und niemals ein guter. Sie suchen nach allem, was sie finden können, machen es so schlecht wie möglich und blasen es auf." Das sei "wirklich lächerlich, illegal und natürlich sehr unfair!" Ende Mai brach der Streit zwischen Twitter und Trump aus. Damals hatte Twitter, nachdem es lange alle Trump-Tweets unkommentiert ließ, erstmals Tweets des US-Präsidenten mit einem Faktencheck versehen, wenig später kennzeichnete der Dienst einen Tweet als gewaltverherrlichend. Daraufhin kündigte Trump an, Soziale Medien stärker zu regulieren.
businessinsider.com, spiegel.de, bild.de, turi2.de (Background)

Bild des Tages: Malaysias Ex-Regierungschef muss ins Gefängnis.


Maskiertes Gerichts-Gedrängel: Malaysias Ex-Regierungschef Najib Razak verlässt umringt von filmenden und fotografierenden Reportern den High Court in Kuala Lumpur. Die Richter verurteilten den 67-Jährigen wegen Geldwäsche, illegaler Bereicherung und Machtmissbrauch zu zwölf Jahren Haft. Razak ist der erste malaysische Spitzenpolitiker, der wegen Korruption verurteilt wird. (Foto: Vincent Thian / AP / Picture Alliance)

Lese-Tipp: Fridays for Future-Aktivist*innen setzen verstärkt auf Lobbying.

Lese-Tipp: Fridays for Future-Aktivist*innen setzen verstärkt auf direktes Lobbying bei Politiker*innen, beobachtet Nadja Schlüter. Da große Demonstrationen aufgrund von Corona derzeit nicht oder kaum stattfinden, treffen sich Vertreter*innen der Umwelt-Bewegung vermehrt zu Gesprächen mit EU-Kommissar*innen und weiteren Abgeordneten. Den Begriff "Lobbying" mögen die FFF-Vertreter*innen weniger: Sie sehen ihr Engagement lieber als "Öffentlichkeitsarbeit".
jetzt.de

Experten erwarten tausende Ermittlungen wegen unrechtmäßiger Kurzarbeit.

Kurzarbeit: In mehr als 12.320 Betrieben könnten Ermittlungen wegen Betrugs bei der Kurzarbeit nötig werden, errechnet Katharina Kutsche aus aktuellen Zahlen und den Erfahrungen aus der Finanzkrise. Da in der Corona-Krise deutlich mehr kleine Unternehmen ohne Betriebsräte betroffen seien, könnte die Zahl noch deutlich höher liegen. Betriebswirte sagen, dass dieses Mal zudem viele legale Mitnahmeeffekte wirken. So würden Unternehmen, die schon vor Corona in der Krise waren, künstlich überleben, nach der Kurzarbeit aber dennoch aufgeben müssen. Dadurch bestehe die Gefahr, dass Unternehmen es verpassen, neue Geschäftsfelder zu erschließen oder Arbeitnehmer*innen keine neue Stelle suchen.
sueddeutsche.de

Entwickler*innen wussten wohl schon seit Wochen von Problemen der Corona-Warn-App.

Corona-Warn-App: Die Entwickler*innen wussten offenbar schon kurz nach dem Start der App von den Problemen, die zu ausbleibenden Benachrichtigungen führen konnten. Bereits kurz nach dem Start der App gab es entsprechende Hinweise bei GitHub, auch SAP-Entwickler*innen beteiligten sich an der Diskussion. Dennoch blieben öffentliche Mitteilungen zum Bug aus.
tagesschau.de, turi2.de (Background)

Basta: Der US-Botschafter in Südkorea rasiert sich für die Diplomatie.

Haarige Angelegenheit: Harry Harris, US-Botschafter in Seoul, steht seit einige Zeit wegen seines Schnurrbarts in der Kritik. Viele Koreaner erinnert der zu sehr an den Look der japanischen Besatzer in der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts. Harris reagiert nun ganz diplomatisch: Der Bart kommt zwar ab – als Begründung muss aber das Wetter herhalten.
faz.net

Bild des Tages: Trompete und Trump.


Lautstark weiter: Oberkörperfrei und mit Schutzbrille auf der Stirn spielt ein offenbar verletzter und blutender Demonstrant vor einem Gerichtsgebäude in Portland Trompete. Im Zuge der Black-Lives-Matter-Proteste gegen Rassismus kommt es in der bevölkerungsreichsten Stadt des US-Bundesstaats Oregon zu Zusammenstößen zwischen Polizei und Demonstrant*innen. Die Bundespolizei, von Trump in mehrere Städte in den USA entsendet, ist vor Ort und versucht teils brutal, die Versammlungen aufzulösen. Unter anderem kommt Tränengas zum Einsatz. (Foto: Marcio Jose Sanchez / AP Photo / Picture Alliance)

Nach “NSU 2.0”-Drohmails an Illner und Co gab es zwei Festnahmen.

NSU 2.0: Ein ehemaliger bayerischer Polizist und seine Ehefrau wurden am Freitag vorläufig festgenommen, teilt die Frankfurter Staatsanwaltschaft mit. Das Paar wird verdächtigt, rechtsextremistische und mit "NSU 2.0" unterzeichnete Drohschreiben verschickt zu haben, u.a. an die Redaktion von Maybrit Illner (Foto) und an den Journalisten Deniz Yücel. Vorerst sind die Tatverdächtigen wieder frei. Bei der Durchsuchung der Wohnung seien Datenträger beschlagnahmt worden, deren Auswertung andauere.
spiegel.de, deutschlandfunk.de, turi2.de (Background)

BGH entscheidet beim Recht auf Vergessenwerden zugunsten von Google.


Für die Nachwelt: Das Recht auf Vergessenwerden gilt gegenüber Such­maschinen nicht automatisch, sondern hängt vom Einzelfall ab, urteilt der Bundesgerichtshof. Wenn sie stimmen und öffentlich relevant sind, muss Google die Informationen nicht entfernen, auch wenn einzelne Personen darin kritisiert werden. Geklagt hatte der frühere Geschäftsführer eines Wohlfahrts­verbandes. Er wollte verhindern, dass sein Name in Google-Suchergebnissen seit dem Jahr 2011 auftaucht, in denen kritisch über ihn berichtet wird. Sein Wohlfahrtsverband hatte in dieser Zeit hohe Defizite eingefahren, er war krankgeschrieben. Nach Ansicht der Richter hat der einstige Geschäftsführer aber keinen Anspruch darauf, dass Links zu älteren Presse­berichten über ihn und den Verband gelöscht werden müssen, weil die darin enthaltenen Informationen richtig und auch nach sieben Jahren noch von öffentlichem Interesse seien. Der BGH lehnte die Klage ab. Einen zweiten Fall, in dem es um vermeintliche Falschinformationen über ein Ehepaar geht, will das Gericht in zentralen Fragen erst vom EuGH klären lassen.

Das Recht auf Vergessenwerden geht auf eine Entscheidung des EuGH von 2014 zurück. Unter bestimmten Voraussetzungen können Bürger*innen Suchmaschinen-Anbieter dazu verpflichten, personenbezogene Suchergebnisse zu löschen. Dies gilt zum Beispiel, wenn die Informationen veraltet sind.
sueddeutsche.de, taz.de, meedia.de, wuv.de

Mitarbeit: Elisabeth Neuhaus

FDP-Chef Christian Lindner fordert eine Corona-Testpflicht für Urlauber.

Sommerinterview: Verbindliche Corona-Tests für Urlauber aus Risikogebieten nach ihrer Rückkehr "dürfen kein Tabu sein", sagt FDP-Chef Christian Lindner in der ZDF-Sendung "Berlin direkt". Lindner wünscht sich von Thomas Kemmerich, dass er "mit Blick auf das Ansehen der FDP" auf die Spitzenkandidatur bei der Landtagswahl 2021 verzichtet. Die Corona-Warn-App sei "ein Trauerspiel" und verdeutliche die Versäumnisse bei der Digitalisierung.
zdf.de (Zusammenfassung), zdf.de (18-Min-Video)

Aus dem turi2.tv-Archiv: Zu Besuch bei Nicola Beer im FDP-Wahlquartier (September 2017).

Das Bundeskanzleramt und die Entwickler verteidigen die Corona-Warn-App.

Corona-Warn-App "funktioniert gut", beteuert das Bundeskanzleramt in einem gemeinsamen Statement mit SAP und der Deutschen Telekom nach Problemen bei der Aktualisierung der Kontaktüberprüfung. Es sei "ohnehin von Beginn an klar gewesen", dass die Entwicklung der App mit dem Start nicht abgeschlossen sei. "Jeder, der sie nutzt, macht einen Unterschied", appelliert die Bundesregierung.
bundesregierung.de (Statement), deutschlandfunk.de, bild.de

Meinung: Mark Zuckerberg hat ein Interesse an der Wiederwahl Donald Trumps.

Facebook: Mark Zuckerberg (Foto) hat kein Interesse an einem Machtwechsel im Weißen Haus, sagt Yaël Eisenstat, Ex-Mitarbeiterin von Facebook und frühere CIA-Offizierin, im "Guardian"-Interview: "Ich möchte nicht implizieren, dass er absichtlich versucht, Donald Trump wiedergewählt zu bekommen", erklärt Eisenstat. Doch mit einer neuen Regierung, steige die Gefahr einer stärkeren Regulierung von Facebook, u.a. im Kampf gegen Hasskommentare.
theguardian.com

Briten müssen nach dem Spanien-Urlaub künftig in Quarantäne.

Britische Ballermänner: Großbritannien schickt Urlauber aus Spanien nach ihrer Rückreise als Corona-Vorsichtsmaßnahme in eine zweiwöchige Quarantäne. Das Außenministerium rät, auf vermeidbaren Reisen zu verzichten. Tui streicht in Großbritannien Flüge zum spanischen Festland sowie auf die Kanarischen Inseln. EasyJet und British Airways halten am Flugverkehr fest.
dw.com

Meinung: Europa muss aus der Krise lernen und die 5G-Technik schützen.

Gemeinsam stark: Europa ist verpflichtet, "die Schlüsseltechnologie 5G" zu schützen, "anderenfalls werden wir einen hohen Preis zahlen müssen", schreibt Polens Ministerpräsident Mateusz Morawiecki in einem "Handelsblatt"-Gastkommentar. Die Pandemie habe Lücken bei der kritischen Infrastruktur und der heimischen Produktion von medizinischem Material offenbart. "Daraus müssen wir lernen", fordert Morawiecki.
handelsblatt.com

Innenminister Horst Seehofer will IP-Adressen sechs Monate speichern lassen.

Vorratsdatenspeicherung: Bundesinnenminister Horst Seehofer will IP-Adressen ohne konkreten Anlass sechs Monate statt zehn Wochen speichern, schreibt die "Bild am Sonntag". Seehofer erhofft sich mehr Ermittlungserfolge im Kampf gegen Kindesmissbrauch. Das bisherige Gesetz ist rechtswidrig. Das Justizministerium will erst handeln, "wenn Gerichte entschieden haben".
"Bild am Sonntag", S. 2 (Paid)

Gesundheitsminister Jens Spahn prüft verpflichtende Corona-Tests für Urlauber.

Ab in den Süden Test-Container: Bundesgesundheitsminister Jens Spahn erwägt für Urlauber aus Risikogebieten "eine rechtliche Verpflichtung" eines Corona-Tests nach der Rückkehr, sagt er im Deutschlandfunk. Bisher sind kostenlose Tests an Flughäfen freiwillig vorgesehen. "Ich bin sehr dafür, dass bei Reiserückkehrenden sich im Zweifel einer zu viel testen lässt als einer zu wenig", sagt Spahn.
deutschlandfunk.de

Basta: US-Präsident Donald Trump bereut manche Tweets.

Papier ist geduldig: US-Präsident Donald Trump bereut "zu oft" abgeschickte Tweets, beteuert er im Interview mit Dave Portnoy, Gründer der Webseite Barstool Sports. Briefe lege er vor dem Abschicken beiseite, um am nächsten Morgen häufig festzustellen: "Oh, ich bin froh, dass ich das nicht abgeschickt habe", sagt Trump - und fordert analoge Brieftauben bei Twitter.
t-online.de, barstoolsports.com

Verkehrsminister Scheuer hatte über WhatsApp Kontakt zu Augustus Intelligence.

Augustus Intelligence: Andreas Scheuer hatte offenbar mehr Kontakt zu den Gründern des umstrittenen US-Startups, schreibt das "Handelsblatt". Der Verkehrsminister sei Teil einer WhatsApp-Gruppe mit den Gründern Wolfgang Haupt und Pascal Weinberger gewesen. Im Juni war CDU-Mann Philipp Amthor seine Lobbyarbeit für Augustus Intelligence auf die Füße gefallen.
handelsblatt.com, turi2.de (Background)

Ungarns regierungskritisches Portal Index droht die Unabhängigkeit zu verlieren.

Pressefreiheit: Das reichweitenstarke Nachrichtenportal Index, eines der letzten regierungskritischen Medien Ungarns, droht die Unabhängigkeit zu verlieren, berichtet Deutschlandfunk. Der Unternehmer Miklos Vaszily hat 50 % der Anteile des Anzeigen-Vermarkters gekauft - er steht Ministerpräsident Viktor Orban (Foto) nahe. Der regierungskritische Chefredakteur Szabolcs Dull wurde entlassen.
tagesschau.de

Corona-Warn-App funktioniert auch auf iPhones teils fehlerhaft.

The Next Big Thing Fail: Bei der Corona-Warn-App funktioniert die Kontaktüberprüfung auch beim iPhone teils nur lückenhaft, sagen Recherchen von tagesschau.de. Die Entwickler SAP und die Deutsche Telekom sehen den Fehler bei Apple: "Das Problem, das wir haben, ist, dass die Hintergrundaktualisierung vom Betriebssystem offenbar nicht aufgerufen wird", sagt Thomas Klingbeil von SAP. Bei der Android-App ist die Hintergrundaktualisierung im Stromsparmodus häufig nur eingeschränkt möglich.

Laut Gesundheitsministerium habe die Anwendung "zu jeder Zeit" funktioniert. Die teils eingeschränkte Hintergrundaktualisierung betreffe alle Apps und sei daher kein Programmierfehler. Bei einigen iPhones habe die Corona-Warn-App an mehr als zehn aufeinanderfolgenden Tagen kein Abgleich der Daten durchgeführt - statt alle 24 Stunden. Im Zweifel sind Nutzer*innen damit erst zehn Tage später gewarnt worden, wenn sie Kontakt mit Infizierten hatten.
tagesschau.de, turi2.de (Background)

Gesundheitsminister einigen sich auf kostenlose Corona-Tests für Reiserückkehrer.

Corona: Reise-Rückkehrer können sich künftig kostenlos auf das Corona-Virus testen lassen, beschließen die deutschen Gesundheitsminister. Für Rückkehrer aus Risikogebieten soll es Testzentren an den deutschen Flughäfen geben. Außerdem werden Aussteiger-Karten wie zu Beginn der Pandemie wieder verpflichtend, sowohl für Flugreisende als auch für Gäste von grenzübergreifenden Fahrten mit Schiff, Zug oder Bus. Bei der Einreise mit dem PKW soll es Stichproben geben. Dadurch sollen die Gesundheitsämter in der Lage sein, stichprobenartig zu überprüfen, ob Reiserückkehrer aus Risikogebieten sich an die Quarantäne-Auflagen halten.
spiegel.de